Landeshauptmann

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Begriffsklärung
Dieser Artikel behandelt den Landeshauptmann seit der Zeit des Herzogtums Salzburg. Im Artikel Hohe Salzburger Landschaft wird die Geschichte des Landeshauptmannes seit dem 14. Jahrhundert bearbeitet.


Der Landeshauptmann von Salzburg wird vom Salzburger Landtag gewählt. Seit 2013 bekleidet mit Dr. Wilfried Haslauer jun. von der ÖVP zum ersten Mal ein Sohn eines ehemaligen Landeshauptmanns das höchste Amt in der Salzburger Politik.

Geschichte

Von 1816 bis 1945

Nachdem das Herzogtum Salzburg 1816 endgültig an Österreich gefallen war, wurde es unter der Bezeichnung Salzachkreis verwaltungsmäßig an Österreich ob der Enns (heutiges Oberösterreich) angegliedert. Der Salzburger Kreishauptmann unterstand der Landesregierung (dem Gubernium) in Linz.

1850 wurde Salzburg zu einem selbstverwalteten Kronland der Habsburgermonarchie erhoben. An die Stelle des Kreishauptmannes trat als Landeschef der k. k. staatlichen Verwaltung der Landespräsident.

Das Amt des Landeshauptmanns wurde 1861 geschaffen. Bis zum Zusammenbruch der Monarchie wurde dieser vom Kaiser aus dem Kreis der Landtagsabgeordneten ernannt. Ihm unterstand die autonome Verwaltung des Landes; im Vergleich mit dem Landespräsidenten besaß er wenig tatsächliche Macht.

Das Amt des Landeshauptmannes in seiner heutigen Bedeutung wurde erst mit der Gründung der Ersten Republik 1918 eingeführt.

Während der Zugehörigkeit Österreichs zum Deutschen Reich trat mit dem Gesetz über den Aufbau der Verwaltung in der Ostmark (Ostmarkgesetz) vom 14. April 1939 an die Stelle des Landeshauptmanns ein vom Reichsminister des Inneren eingesetzter Reichsstatthalter.[1]

Verfassungsrechtliche Stellung

Nach der österreichischen Bundesverfassung ist der Landeshauptmann der Träger der mittelbaren Bundesverwaltung in den Ländern. Nach der Landesverfassung ist der Landeshauptmann der Vorsitzende der Landesregierung und auch Vorstand des Amtes der Salzburger Landesregierung. Dadurch kommt diesem Amt als Vertreter des Staates für die Republik Österreich (Bund) und das Land Salzburg eine besondere Bedeutung zu. Der Landeshauptmann wird vom Landtag gewählt, vom Bundespräsident auf die Bundesverfassung angelobt und von der Republik Österreich nach dem Bezügegesetz öffentlich besoldet.

Von 1945 bis heute

Am 23. Mai 1945 wurde der Jurist Adolf Schemel von der amerikanischen Besatzungsmacht als Chef der provisorischen Landesregierung anerkannt. Aufgrund der Parteienstärke vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs hatten sich darauf die Christlichsoziale und die Sozialdemokratische Partei geeinigt. Bei der am 25. November 1945 stattgefundenen Landtagswahl trat Schemel aber aufgrund seines Alters (65 Jahre) nicht mehr an. Schemel war der am kürzesten im Amt gewesene Salzburger Landeshauptmann (sieben Monate) in der Zweiten Republik. Am 12. Dezember 1945 wurde der aus Rauris stammende Landwirtschaftsexperte Albert Hochleitner zum ersten gewählten Landeshauptmann man dem Krieg. Ihm folgte am 22. Dezember 1947 Josef Rehrl, Direktor der Taubstummenanstalt Salzburg. Rehrl musste nach Verlust der absoluten Mehrheit der ÖVP bei den Wahlen am 9. Oktober 1949, einem jüngeren, dem Rechtsanwalt Dr. Josef Klaus Platz machen. Klaus wurde am 1. Dezember 1949 vom Salzburger Landtag zum Landeshauptmann gewählt.

Nach Klaus, der als Finanzminister 1961 nach Wien gerufen wurde und von 1964 bis 1970 Bundeskanzler war, kam DDr. Hans Lechner. Der studierte Agrarwissenschafter und Jurist war mit 16 Jahren Amtszeit der längst dienende Landeshauptmann in der Zweiten Republik gewesen. Er trat aus gesundheitlichen Gründen am 20. April 1977 von seiner Funktion zurück. Der Jurist Dr. Wilfried Haslauer senior wurde sein Nachfolger, trat aber 1989 nach dem Verlust der absoluten Mehrheit zurück. Am 3. Mai 1989 stand der Pädagoge Hans Katschthaler als neuer Landeshauptmann fest. Nach seinem überraschenden Rücktritt im Februar 1996 über am 24. April 1996 Franz Schausberger, ein Historiker, das Amt des Landeshauptmanns. Er zog sich nach der Wahlniederlage 2004 aus der Politik zurück und zum ersten Mal in der Geschichte des Landes übernahm am 28. April 2004 die Juristin Mag.a[2] Gabriele Burgstaller eine Sozialdemokratin den Landeshauptmannsessel. Burgstaller führte das Land über zwei Legislaturperioden, wobei die zweite wegen des Finanzskandals 2012 vorzeitig mit einer Wahl 2013 endete. Bei dieser holte sich die ÖVP den Landeshauptmannsessel mit Hilfe einer Koalition mit Grünen und Team Stronach zurück. Dr. Wilfried Haslauer jun. wurde am 19. Juni 2013, 24 Jahre nach dem Rücktritt seines Vaters, zum neuen Landeshauptmann gewählt.

Persönlichkeiten (chronologisch)

k.k. Kreishauptleute für den Salzachkreis (1816 bis 1849)

  1. Karl Graf Welsperg-Raitenau
    * 1. März 1779 in Tirol; 12. Oktober 1873 in Purkersdorf (Niederösterreich)
    Amtszeit: 18161831
  2. Albert Graf Montecuccoli-Laderchi
    * 30. Juni 1802 in Mitterau, Österreich unter der Enns (Niederösterreich); † 19. August 1852 in Wien
    Amtszeit: 18311838
  3. Leopold Friedrich Graf Stolberg-Stolberg
    * 24. Februar 1799 in Eutin, Holstein; † 9. August 1840 in Morzg
    Amtszeit: 18381840
  4. Gustav Ignaz Graf Chorinský
    * 27. Jänner 1806 in Wien; † 15. Oktober 1873 ebenda
    Amtszeit: 18401849

k.k. Landespräsidenten und Landeshauptleute für das Kronland Salzburg

k.k. Landespräsidenten (1850 bis 1918)

  1. Friedrich Graf Herberstein
    * 8. März 1810; † 6. April 1861
    Amtszeit: 18501852
  2. Karl Prinz Lobkowitz
    * 24. November 1814; † 26. September 1879
    Amtszeit: 18521855
  3. Otto Franz Graf Fünfkirchen
    * 19. März 1800; † 6. April 1872
    Amtszeit: 18551859
  4. Ernst Graf Gourcy-Droitaumont
    * 16. März 1821; † 10. Februar 1870
    Amtszeit: 1860
    Führte offiziell den Titel eines "Landeshauptmannes"
  5. Franz Freiherr von Spiegelfeld
    * 10. Mai 1802 in Triest; † 20. Oktober 1885 in Volders (Tirol)
    Amtszeit: 18611863
  6. Eduard Graf Taaffe
    * 24. Februar 1833 in Wien; † 29. November 1895 in Ellischau (Böhmen)
    Amtszeit: 18631867
  7. Karl Graf Coronini-Cronberg
    * 29. April 1818 in Paris, Frankreich; † 2. Jänner 1910 in Görz, italienisch Gorizia (Küstenland)
    Amtszeit: 18671869
  8. Ernst Graf Gourcy-Droitaumont
    Zweite Amtszeit: 18691870
  9. Adolf Fürst Auersperg
    * 21. Juli 1821 in Prag; † 5. Jänner 1885 auf Schloss Goldegg in Neidling (Niederösterreich)
    Amtszeit: 18701871
  10. Sigmund Graf Thun-Hohenstein
    * 11. Juni 1827 in Klösterle (Böhmen); † 7. September 1897 in der Stadt Salzburg
    Amtszeit: 18721897 (führte offiziell den Titel eines Statthalters)
  11. Clemens Graf Saint-Julien-Wallsee
    * 25. September 1845 in Graz; † 23. August 1908 in Salzburg
    Amtszeit: 18971908
  12. Levin Graf Schaffgotsch
    * 3. Mai 1854 in Bonn, Deutschland; † 1. August 1913 in Salzburg
    Amtszeit: 19081913
  13. Felix von Schmitt-Gasteiger
    * 19. Februar 1865 Marburg an der Drau, slowenisch Maribor, Untersteiermark; † 18. Oktober 1932 in Wien
    Amtszeit: 19131918

k.k. "Landeshauptleute" (1861 bis 1918)

(entspricht den heutigen Landtagspräsidenten)

  1. Joseph Freiherr von Weiß
    * 12. Jänner 1805 in Zellhof bei Bad Zell, Österreich ob der Enns; † 13. Jänner 1887 in Salzburg
    Amtszeit: 31. März 186120. September 1872
  2. Hugo Raimund Reichsgraf von Lamberg
    * 27. August 1833 auf Schloss Feistritz; † 19. April 1884 in Salzburg
    Amtszeit: 30. September 187214. Juni 1880
  3. Carl Graf Chorinsky
    * 18. Oktober 1838 in Linz, ; † 10. Juli 1897 in Mödling, Niederösterreich
    Amtszeit: 17. Juni 188030. Oktober 1890
  4. Albert Schumacher
    * 8. November 1844 in Salzburg; † 15. März 1913 ebenda
    Amtszeit: 21. September 189017. Jänner 1897
  5. Alois Winkler
    * 7. Juni 1838 in Waidring; † 11. Juli 1925 in Salzburg
    Amtszeit: 17. Jänner 189729. Dezember 1902
  6. Albert Schumacher
    Zweite Amtszeit: 21. Dezember 190221. Juli 1909
  7. Alois Winkler
    Zweite Amtszeit: 21. Juli 190923. April 1919

Salzburger Landeshauptleute in der I. Republik (1919–1938)

  1. Alois Winkler
    Zweite Amtszeit: 21. Juli 1909–23. April 1919
  2. Oskar Meyer, CS
    * 22. Mai 1858 in Gries bei Bozen, Südtirol; † 6. Februar 1943 in Salzburg
    Amtszeit: 23. April 19194. Mai 1922
  3. Franz Rehrl, CS/VF
    * 4. Dezember 1890 in Salzburg; † 23. Jänner 1947 ebenda
    Amtszeit: 4. Mai 192212. März 1938

Kommissarische Landeshauptleute und Reichsstatthalter für den Reichsgau Salzburg (1938–1945)

  1. Anton Wintersteiger, NSDAP
    * 30. April 1900 in Salzburg; † 8. August 1990 ebenda
    Amtszeit: 13. März 193822. Mai 1938, kommissarischer Landeshauptmann
  2. Friedrich Rainer, NSDAP
    * 28. Juli 1903 in St. Veit an der Glan, (Kärnten); † 19. Juli 1947 in Laibach, slowenisch Ljubljana (Slowenien)
    Amtszeit: 22. Mai 193829. November 1941, kommissarischer Landeshauptmann, ab 19. April 1939 Reichsstatthalter
  3. Gustav Adolf Scheel, NSDAP
    * 22. November 1907 in Rosenberg (Baden, Deutschland); † 25. März 1979 in Hamburg
    Amtszeit: 29. November 19414. Mai 1945, Reichsstatthalter

Salzburger Landeshauptleute in der II. Republik (seit 1945)

Wilfried Haslauer junior, Landeshauptmann seit 2013
  1. Adolf Schemel, ÖVP
    * 30. Juni 1880 in Salzburg; † 27. April 1961 ebenda
    Amtszeit: 23. Mai 194512. Dezember 1945
  2. Albert Hochleitner, ÖVP
    * 30. Jänner 1893 auf Schloss Blühnbach bei Werfen; † 8. Mai 1964 Wien
    Amtszeit: 12. Dezember 19454. Dezember 1947
  3. Josef Rehrl, ÖVP
    * 7. Jänner 1895 in Salzburg; † 11. November 1960 ebenda
    Amtszeit: 4. Dezember 19471. Dezember 1949
  4. Josef Klaus, ÖVP
    * 15. August 1910 in Mauthen (Kärnten); † 25. Juli 2001 in Wien
    Amtszeit: 1. Dezember 194917. April 1961
  5. Hans Lechner, ÖVP
    * 16. Juli 1913 in Graz; † 10. Juni 1994 Salzburg
    Amtszeit: 17. April 196120. April 1977
  6. Wilfried Haslauer sen., ÖVP
    * 29. November 1926 in Salzburg; † 23. Oktober 1992 ebenda
    Amtszeit: 20. April 19772. Mai 1989
  7. Hans Katschthaler, ÖVP
    * 13. März 1933 in Embach; † 5. Juli 2012 in Anif
    Amtszeit: 2. Mai 198923. April 1996
  8. Franz Schausberger, ÖVP
    * 5. Februar 1950 in Steyr (Oberösterreich)
    Amtszeit: 24. April 199628. April 2004
  9. Gabriele Burgstaller, SPÖ
    * 23. Mai 1963 in Penetzdorf (Oberösterreich)
    Amtszeit: 28. April 200419. Juni 2013
  10. Wilfried Haslauer jun., ÖVP
    * 3. Mai 1956 in Salzburg
    Amtszeit: seit 19. Juni 2013

Quelle

Einzelnachweise

  1. RGBl. Nr. 74 vom 19. April 1939: Gesetz über den Aufbau der Verwaltung in der Ostmark (Ostmarkgesetz) vom 14. April 1939
  2. Bis 2006 war "Magister" (männlich) bzw. (seit 1993) "Magistra" (weiblich) der übliche akademische Grad für die meisten Studien auf Master-Niveau. "Mag." ist die gesetzliche (§55 Universitätsgesetz 2002) Abkürzung sowohl für "Magister" als auch für "Magistra", wohingegen aber auch (aus gleichstellungspolitischen Motiven) die Abkürzung "Mag.a" für "Magistra" propagiert und verwendet wird.