Gaisbergrennen (historisch)

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Begriffsklärung
Dieser Artikel behandelt das historische Bergrennen auf dem Gaisberg in der Stadt Salzburg.
Einen Salzburgwiki-Beitrag über die Oldtimer-Veranstaltung mit Wertungen auf dem Gaisberg, in der Stadt Salzburg und auf dem Salzburgring findest du unter Gaisbergrennen (modern).
Gaisbergrennen 1964: Am Start steht Charles Vögele (2) auf Lotus Monte Carlo, 2 495 cm³, Sieger der Sportwagenklasse über 2 000 cm³.
Karte
Während einem Gaisbergrennen um 1930 auf der Zistelalm, gesehen in der Gastwirtschaft Schihütte auf dem Gaisberg-Plateau.
1931, Start in Obergnigl bei der heutigen Obuskehre.
1933: Start bei der heutigen Obuskehre in Obergnigl: Josef Illichmann (16) auf Rudge 250 cm³
1957: Fritz-Huschke von Hanstein (21) auf Porsche 1500 RS
Training 1957: Ernst Vogel (10) auf Porsche Spyder; sehr gut zu sehen der Holzklotz unter dem Hinterrad, der dazu diente, dass die Fahrer am Start nur auf der Kupplung, nicht aber auf der Bremse stehen konnten.
Anlässlich des „Großen Bergpreises von Österreich“ 1960 auf dem Gaisberg Treffen beim Porschehof in der Stadt Salzburg, von links: Edgar Barth (Formel-2-, Sportwagen- als auch Bergrennfahrer), Egon Schöpf (Automobilrennfahrer), ein Mechaniker, Sepp Greger (Europa-Bergmeister), Mechaniker, Ing. Herbert Kaes (Neffe von Ferdinand Porsche) und Dr. Helmut Krackowizer.
Der Felsen der Gersberg-Wand, 1961
Gaisbergrennen 3. September 1967: Die Rennwagen von Werner Riedl (110, Austro Vau) und von Karl Ritter (111, Formel V) werden mit dem Transporter angeliefert.
Franz Albert beim Gaisbergrennen 1969 in einem Brabham-Repco.

Als Gaisbergrennen bezeichnete man das Automobil- und Motorradrennen, das auf dem Hausberg der Stadt Salzburg, dem Gaisberg, zwischen 1929 und 1969 auf einer Streckenlänge von 11 900 m mit 800 m Höhenunterschied (die Rennen von 1929 bis 1933)[1] und ab 1957 auf einer Länge von 8,652 km mit 672 m Höhenunterschied, stattfand.

Geschichte

1929 bis 1933

1929

Hauptartikel Gaisbergrennen 1929

Am Sonntag, den 8. September 1929, fand das erste internationale Gaisbergrennen statt. Baron Franz Preuschen, der in Aigen wohnte, war damals Präsident des Salzburger Automobil-Clubs (S.A.C.), der dieses Rennen, zusammen mit dem „Bayerischen Automobil-Club” veranstaltete. Der Start war damals noch in Gemeinde Gnigl bei der heutigen Obuskehre in Obergnigl.

1930

Hauptartikel Gaisbergrennen 1930

Das Rennen wurde erstmals im Radio übertragen. Die Sprecher waren der spätere Mozarteumsdirektor Prof. Dr. Bernhard Paumgartner und Wolfgang von Karajan, der selbst Motorradrennen gefahren war[2]. Tom Bullus, der Engländer auf dem schnellen NSU-Motorrad, setzte mit 07:59,52 min. (89,436 km/h) eine neue Rekordmarke, der Salzburger Kinobesitzer Max Reheis gewann in zwei Motorradklassen, der Berliner Joachim von Morgen auf Bugatti blieb bei den Automobilen mit einer Zeit von 07:58,19 (89,623 km/h) min. nur knapp darunter. Der Salzburger Rudolf Holzermayer fuhr mit seinem Steyr SS eine Zeit von 09:56,10 min. und war damit Klassensieger in der Klasse bis 5 000 cm³ und Tagesschnellster Salzburger Automobilfahrer.

1931

Hauptartikel Gaisbergrennen 1931

Auch am 9. August 1931 trumpfte der Engländer Tom Bullus mit einer neuerlichen Rekordzeit auf: 07:46,61 min. (Durchschnittsgeschwindigkeit 91,9 km/h). Aber Manfred von Brauchitsch brauste mit seinem schweren Mercedes SSK in nur 07:45,36 min. (92,1 km/h) den Gaisberg hinauf. Nur Joachim von Morgen in seinem leichteren Bugatti schaffte es noch schneller in 07:44,05 min. Ein späterer Motorradrennfahrer aktiver Teilnehmer einer Nachkriegs-Gaisberg-Wertungsfahrt war bereits als Neunjähriger bei diesem dritten Gaisbergrennen als Zuschauer dabei: Helmut Krackowizer. Später sagte er, dass dieses Rennen seine Leidenschaft zum Motorrennsport und zu seiner Lieblingsmotorradmarke Rudge, die siegreich bei diesem Rennen war, geweckt hatte.

1932

Hauptartikel Gaisbergrennen 1932

Das Rennen am 24. Juli 1932 versank in Nebel und Regen und nur der große Rudolf Caraciola (Deutschland) auf Alfa Romeo war der einzige Rennfahrer, der bei diesem Rennen eine Zeit unter acht Minuten schaffte (7:57,081 min.). Bei den Sportwagen hatte die Scuderia Ferrari mit einem Maserati mit Fahrer Berone Ippolito und einem Alfa Romeo mit Fahrer Trossi Conte teilgenommen, noch produzierte Enzo Ferrari nicht unter eigenem Namen. Trossi war auch der Schnellste in seiner Klasse mit einer Zeit von 08:32,7 min. (92,62 km/h). Bei den Motorrädern fuhr der deutsche Toni Bauhofer auf DKW eine Zeit von 08:50,13 min.

1933

Hauptartikel Gaisbergrennen 1933

Am 2. Juli 1933 fand dann das letzte Rennen auf dem Gaisberg vor dem Zweiten Weltkrieg statt. Es brachte eine neue absolute Bestzeit bei den Automobilen, gefahren vom Italiener Conte Trossi auf Alfa Romeo in 07:42,57 min. (92,62 km/h). Philipp Graf Boos-Waldeck fuhr mit 08:04,08 min. eine ganz passable Zeit. Der spätere Wiener Sportwagenhersteller Carlo Abarth fuhr noch als Karl Abarth in der Motorradbeiwagen-Klasse. Aufgrund der 1000-Mark-Sperre sowie von Anordnungen der Nationalsozialisten waren keinen deutschen Rennfahrer und Rennwagen am Start. So fehlte auch Rudolf Caraciola. Dafür war aber viele Italiener zum Rennen gekommen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg

Nach dem Krieg gab es erstmals wieder am 8. August 1948 eine Gaisberg-Wertungsfahrt. Bei den Motorrädern gewann Helmut Krackowizer auf BSA 350 mit 6:55,8 min. seine Klasse vor Helmut Volzwinkler auf Puch SGS in 6:56,6 min.; Helmut Krackowizer war von 1957 bis 1963 Pressechef und für die Platzreportage bei den Gaisbergrennen zuständig, ab 1966 wieder als Platzsprecher. Auch Willi Koch, Salzburger Fahrschulbesitzer, nahm an dieser Wertungsfahrt teil.

Großer Bergpreis von Österreich

Vor dem Zweiten Weltkrieg gab es zwar nicht die Bezeichnung „Großer Bergpreis von Österreich“, aber das erste Großglockner Rennen 1935 könnte man durchaus als einen solchen bezeichnen.

Nach einer Pause von fast 20 Jahren begann am 15. August 1957 schließlich wieder internationaler Motorsport auf dem Gaisberg mit dem ersten Großen Bergpreis von Österreich. Vor 25 000 Zuschauern gewann der Schweizer Peter Daetwyler aus Zürich auf einem 2-Liter-Maserati (04:57,7 min. betrug eine der beiden Laufzeiten, was mit 105,29 km/h neuen Bergrekord darstellte) vor den Borgward-Werksfahrer Hans Herrmann und Richard von Frankenberg auf Porsche RS. Zum Lauf, der zur Europa-Bergmeisterschaft zählte, traten 16 Fahrer an.[3]

Der Großen Bergpreis von Österreich 1958 stellte dann den sportlichen Höhepunkt dieser Veranstaltung dar. Bei keinem weiteren Gaisbergrennen nahmen so viele internationale Spitzenrennfahrer teil wie in diesem Jahr. Der Werksfahrer für Porsche, Wolfgang Graf Berghe von Trips, fuhr mit einem Schnitt von 110,10 km/h in einer Zeit von 04:41,9 min. neuen Bergrekord.[4] Berghe von Trips wurde in diesem Jahr Europa-Bergmeister. Edgar Barth, der 1957 in einen furchtbaren Unfall im Vorfeld des Gaisbergrennens verwickelt war, fuhr auf Platz vier. Er sollte in den 1960er-Jahren drei Mal Europa-Bergmeister werden, bevor er einer heimtückischen Krebserkrankung im Alter von 48 Jahr erlag.

Das Rennen im August 1959 ging als Regenrennen in die Geschichte der Veranstaltung ein. Dabei zeigten sich zwei Privatfahrer als Regenspezialisten, die sogar die Porsche-Werksfahrer schlugen: Der Schweizer Heini Walter und der Österreicher Ernst Vogel, beide auf Porsche RSK waren in ihren Wertungsklassen schneller als die beiden Porsche-Werksfahrer Graf Berghe von Trips (Porsche RSK) und Edgar Barth (Porsche RSK). Zwei weitere Fahrer begannen ihre erfolgreichen Teilnahmen an den Gaisbergrennnen, der Bayer Joseph „Sepp“ Greger, der als Privatfahrer von Porsche bereits 1958 ein Rennen gewonnen hatte und 1968 Europa-Bergmeister wurden sowie Gerhard Mitter (Deutschland) auf DKW-Mitter-Eigenbau. Er wurde als Porsche-Werksfahrer 1966 bis 1968 drei Mal Europa-Bergmeister.

Beim Großen Bergpreis von Österreich auf dem Gaisberg 1959 wurde vom Grazer Alfa-Romeo-Händler Ossi Vogl ein junger Sportler für das Rennen gemeldet: Jochen Rindt, der mit Startnummer 87 auf seiner „Alfa Romeo Giulia TI“ in seiner Klasse mit einer Zeit von 05:40,3 min. (Schnitt 91,24 km/h) mit fünf Sekunden Vorsprung auf den Deutschen H. Bergmann gewann. Man beachte, dass die Schnittgeschwindigkeit von 1962 noch unter jenem der Vorkriegszeit lag!

Die Rennen ab 1957

Europa-Bergmeister

Diese Rennen zählten auch zur Europabergmeisterschaft. Im Zeitraum des Gaisbergrennens waren folgende Rennfahrer Europobergmeister:

  • 1957: Willy Peter Daetwyler, Schweiz, Maserati
  • 1958: Wolfgang Graf Berghe von Trips, Horrem, Porsche
  • 1959: Edgar Barth, Kornwestheim, Porsche
  • 1960: Heinrich Walter, Schweiz, Porsche
  • 1961: Heinrich Walter, Schweiz, Porsche
  • 1962: Lodovico Scarfiotti, Italien, Ferrari
  • 1963: Edgar Barth, Kornwestheim, Porsche
  • 1964: Edgar Barth, Kornwestheim, Porsche
  • 1965: Lodovico Scarfiotti, Italien, Ferrari
  • 1966: Gerhard Mitter, Böblingen, Porsche
  • 1967: Gerhard Mitter, Böblingen, Porsche
  • 1968: Gerhard Mitter, Böblingen, Porsche
  • 1969: Paul Schetty, Schweiz, Ferrari

Rennleiter

Rennleiter zahlreicher Nachkriegsrennen am Gaisberg war Regierungsrat Fritz Stengl, dessen Vater (Franz Stengl) schon vor dem Zweiten Weltkrieg Rennleiter bei zahlreichen Veranstaltungen im Land Salzburg gewesen war und dessen Sohn Manfred ein erfolgreichen Motorradrennfahrer und Rennrodler war.

Motorradläufe

Es gab zwischen 1929 und 1969 insgesamt 18 Gaisbergrennen, die sogenannten Wertungsfahrten nicht gerechnet. Dabei waren zehn mit Motorradläufen (1929–1933, 1960, 1966–1969).

Unfälle

Gedenktafel Walter Häderle bei KM 1,3

Es gab drei tödliche Unfälle:
1960: Walter Häderle aus Deutschland (11. September 1960, Auto)
1968: Alois Hofer aus Graz (Motorrad)
1969: Toni Pelizzoni, Meran, Italien (Auto)

sowie einige schwere Unfälle;

Das Ende der Veranstaltung

Unspektakulär verlief dann am 7. September 1969 das letzte Gaisbergrennen vor matten 10 000 Zuschauern. Es geschah noch einmal ein tödlicher Unfall (Toni Pelizzoni auf Fiat Abarth 2000 P), der dann auch einer der Gründe war, weshalb der Berg nie wieder im Renntempo erstürmt wurde.

Seit 2003 finden nun wieder Gleichmäßigkeitsbewerbe für historische Automobile am Gaisberg statt. Diese Läufe werden mit Läufen auf dem Salzburgring und einem Stadtrundkurs kombiniert.

Details von Seinerzeit

Die beiden bekannten Salzburger Journalisten Hans Heinrich Welser (links) und Helmut Krackowizer als Platzsprecher beim Gaisbergrennen 1960
  • Das Fahrerlager befand sich auf dem Parkplatz bei der alten Guggenthaler Brauerei; im Porschehof in der Stadt Salzburg fand die technische Abnahme statt;
  • Der Start: Da die Startlinie sich bereits bergwärts befand, gab es einen Keil, den ein Starthelfer unter das Hinterrad der Motorrädern und bei einem der Automobile keilte. So konnte der Fahrer von der Bremse steigen und bei Start voll beschleunigen. Der Starter selbst hatte noch die damals übliche große Stoppuhr in der Hand und begann die letzten fünf Sekunden mit den Fingern vor den Augen der Rennfahrer herunter zu zählenen; bei den geschlossenen Automobile gab es manchmal auch noch einen "Klaps" aufs Dach, damit der Fahrer ja nicht den Start verschlief!
  • Die Kommunikation entlang der Strecke zwischen Start, Zistel und Ziel wurde mit Feldtelefonen aufrecht erhalten; schon Tage vorher wurden Kilometer von Kabeln verlegt und mit der guten alten Kurbeltechnik die Gegenstelle angerufen;
  • Der Platzsprecher befand sich auf der Zistel und erhielt alle Informationen via vorher genannter Feldtelefone - natürlich nicht ganz zeitgleich zu den Geschehnissen, aber immerhin konnten die Zuschauer entlang der Strecke informiert werden.
  • Das Ziel befand sich knapp unterhalb des Gipfelparkplatzes, damit die Fahrzeuge noch eine Auslaufzone hatten; denn auf dem Parkplatz selbst mussten die Fahrzeuge aufgereiht bis zum Ende eines jeden Laufes warten - es wurde in zwei Läufen gefahren;

Salzburger Teilnehmer

Im Laufe der Jahre nahmen viele Salzburger an diesem Rennen teil, wie zum Beispiel:

Diese Auflistung ist nicht vollständig.

Bilder

 Gaisbergrennen (historisch) – Sammlung von weiteren Bildern, Videos und Audiodateien im Salzburgwiki

Weblinks

Quellen

Einzelnachweis

  1. in den Vorkriegsjahren etwas länger, da in Obergnigl bei der Obuskehre gestartet wurde; später erfolgte der Start in Guggenthal am Beginn der Gaisberg Landesstraße
  2. siehe Internationales Tauernrennen
  3. www.sn.at, Archiv der "Salzburger Nachrichten", Ausgabe vom 16. August 1957, Seite 3
  4. www.sn.at, Archiv der "Salzburger Nachrichten", Ausgabe vom 16. August 1958, Seite 7
  5. www.sn.at, Archiv der „Salzburger Nachrichten“, Ausgabe vom 4. September 1967, Seite 9
Vorkriegsrennen

1929 · 1930 · 1931 · 1932 · 1933

Gaisberg-Wertungsfahrten

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