Geschichte der Stadt Salzburg: Unterschied zwischen den Versionen
K |
|||
| Zeile 33: | Zeile 33: | ||
=====Um Recht und Glauben===== | =====Um Recht und Glauben===== | ||
| − | Als Erzbischof [[Rudolf I. von | + | Als Erzbischof [[Rudolf I. von Hohenegg]] [[1287]] den Streit zwischen den alteingesessenen Salzburger Bürgern und zugezogenen Neureichen im [[Sühnebrief]] schlichtete, verlieh er der Stadt ein erstes schriftliches Stadtrecht. |
Das Bürgertum vermochte sich erfolgreich in den Handel zwischen Venedig und den süddeutschen Reichsstädten Nürnberg, Regensburg und Augsburg einzuschalten. Im Spätmittelalter standen Salzburger Kaufleute im [[Handel (historisch)#Handel mit Venedig - Friaul|Venedighandel]] an zweiter Stelle hinter den Nürnbergern und engagierten sich außerdem auf den Märkten in Linz und im Handel entlang der Donau nach Wien. Handwerk und Gewerbe in der Stadt blühten. | Das Bürgertum vermochte sich erfolgreich in den Handel zwischen Venedig und den süddeutschen Reichsstädten Nürnberg, Regensburg und Augsburg einzuschalten. Im Spätmittelalter standen Salzburger Kaufleute im [[Handel (historisch)#Handel mit Venedig - Friaul|Venedighandel]] an zweiter Stelle hinter den Nürnbergern und engagierten sich außerdem auf den Märkten in Linz und im Handel entlang der Donau nach Wien. Handwerk und Gewerbe in der Stadt blühten. | ||
| Zeile 45: | Zeile 45: | ||
=====Der Aufstand der Bauern===== | =====Der Aufstand der Bauern===== | ||
| − | Als sich [[1525]] Bauern, Bürger und Bergknappen, beeinflusst von den reformatorischen Ideen Martin Luthers, gegen Kardinal [[Matthäus Lang]] erhoben, scheiterte dieser [[Salzburger Bauernaufstände und Bauernkriege|Aufstand]] vor den Mauern von [[Festung Hohensalzburg|Hohensalzburg]]. | + | Als sich [[1525]] Bauern, Bürger und Bergknappen, beeinflusst von den reformatorischen Ideen Martin Luthers, gegen Kardinal [[Matthäus Lang]] erhoben, scheiterte dieser [[Salzburger Bauernaufstände und Bauernkriege|Aufstand]] vor den Mauern von [[Festung Hohensalzburg|Hohensalzburg]]. |
==Nach Wolf Dietrich== | ==Nach Wolf Dietrich== | ||
Version vom 18. April 2012, 10:37 Uhr
Die Geschichte der Stadt Salzburg.
Von der Steinzeit bis zur Römerzeit
Älteste Spuren der Besiedlung im heutigen Stadtgebiet finden sich auf dem Rainberg und dem Hellbrunner Berg. Spuren der Kelten finden sich im Land bereits aus der Zeit von etwa 450 v. Chr. Die Kelten waren es auch, die mit der Salzgewinnung am Dürrnberg begannen. Um 15. v. Chr. wurden sie dann endgültig von den aus dem Süden vorrückenden Römern besiegt und assimiliert.
Von der Römerzeit bis zur Völkerwanderung
Während der römischen Besiedlung der Provinz Noricum, wahrscheinlich aber schon früher, trug die Stadt Salzburg die Bezeichnung Iuvavum. In Iuvavum entstanden im 1. Jahrhundert und 2. Jahrhundert nach Christus großzügige Plätze und an der heutigen Kaigasse ein imposanter Tempelbau zu Ehren des Gottes der Heilkunst, Asklepios. Die luxuriösen Bürgerhäuser im Bereich um den heutigen Dom waren mit prachtvollen Mosaiken ausgestattet, verfügten über komfortable Warmluftheizungen (Hypokausten) und mehrteilige Badeanlagen. Eine römische Amphore, die auf dem Mozartplatz gefunden wurde, enthielt Reste von 24 verschiedenen Meeresfischen und einigen Krebsarten. Von der heutigen Residenz bis zum Bürgerspital erstreckte sich ein ausgedehntes Handwerkerviertel, in dem unter anderem Tongeschirr, Ziegel und Mosaiken produziert wurden. Der Festungsberg war von einem starken Wehrbau bekrönt. Im Verlauf umfangreicher Grabungen konnte eine Mauer aus der Zeit des Kaisers Aurelian freigelegt werden.
Als die Stadt Salzburg 1861 ihrem größten Sohn, Wolfgang Amadeus Mozart, ein Denkmal setzte, stieß man beim Ausheben des Fundaments am Mozartplatz auf drei übereinander liegende Mosaikböden, von denen der oberste aus dem 4. Jahrhundert n. Chr. die folgende, nur zum Teil erhaltene Inschrift trug: "Hier wohnt das Glück, nichts Böses soll Zutritt finden". Obwohl es Aufzeichnungen von diesem Mosaik gibt, ist es unauffindbar verschollen.
Damals allerdings waren Stadt und Land längst vom Glück und der wirtschaftlichen Blüte verlassen. Im Markomannenkrieg um 170 n. Chr. war Iuvavum völlig zerstört und anschließend nur in verkleinertem Umfang wieder aufgebaut worden. Seit dem 3. Jahrhundert bildeten germanische Stämme, besonders die Alamannen, eine ständige Bedrohung. Zunächst wurden die Villen auf dem Lande aufgegeben, im 5. Jahrhundert verödeten auch Teile von Iuvavum. Als der hl. Severin um 470 an die Salzach kam, hatte sich die Bevölkerung von Cucullis (Kuchl) wieder auf die befestigte Höhe des Georgenberges zurückgezogen, die sie am Beginn der römischen Herrschaft verlassen musste. In Iuvavum fand Severin zwar eine blühende Christengemeinde und ein Kloster, bald darauf aber wurde die Stadt am Salzachufer aufgegeben. Die Reste der romanischen Bevölkerung, die „Iuvavenser“, zogen sich auf die befestigten Höhen des Festungsbergs und des Nonnbergs zurück, wo sie die beiden "dunklen Jahrhunderte" der Völkerwanderung überdauerten.
Von der Völkerwanderung zur Romanik
Der Salzburger "Gründerheilige" und Landespatron Rupert, der einer vornehmen fränkischen Adelssippe entstammte, war gegen Ende des 7. Jahrhundert Bischof von Worms. Der Gegensatz zu den neuen Machthabern, den karolingischen Hausmeiern, veranlasste ihn, einer Einladung des Bayernherzogs Theodo zu folgen. Nach einem Aufenthalt in Regensburg und einer vergeblichen Missionsreise an die Awarengrenze erhielt er um das Jahr 696 von Herzog Theodo die Reste der alten Römerstadt Iuvavum übertragen. Dort residierte auf dem Festungsberg der Herzogssohn und Mitregent Theodbert, und im Bereich der Altstadt hatten sich bayerische Siedler niedergelassen.
Rupert gründete mit Hilfe der romanischen Restbevölkerung das Kloster St. Peter, wobei er an ältere, noch lebendige kultische Traditionen anknüpfen konnte. Für die Mönche errichtete er eine stattliche Kirche, die wohl an der Stelle des heutigen Doms stand. Im Auftrag Theodos weihte er 713/15 das adelige Damenstift auf dem Nonnberg, das der Herzog als „Hauskloster“ seiner Familie errichtet und reich ausgestattet hatte. Als erste Äbtissin setzte Rupert seine Verwandte Erintrudis ein, die er aus seiner fränkischen Heimat nach Salzburg geholt hatte.
739 wurde Salzburg Sitz eines Bischofes, 798 Erzbistum und zur Metropole der Kirchenprovinz Bayern.
Name Salzburg taucht erstmals auf
Ein Bistum in Salzburg hat erst der hl. Bonifatius 739 im Auftrag des Papstes eingerichtet. Der deutsche Name Salzburg anstelle von Iuvavum wird in der um 770 verfassten Lebensbeschreibung des hl. Bonifatius erstmals genannt. Der Name ist abgeleitet vom Salz der Quellsalinen von Reichenhall, die Herzog Theodo an Rupert geschenkt hatte, und von der Burg auf dem Festungsberg. Unter dem gelehrten Abt und Bischof Virgil (746/47 - 784), der aus Irland stammte, erlebte Salzburg eine erste große Blüte.
Die Stadt Salzburg wurde zu einem Zentrum der Kunst, Kultur und Literatur. In Salzburger Werkstätten entstanden Meisterwerke der Goldschmiedekunst, darunter der Tassilokelch von Kremsmünster, und mit dem prachtvollen Evangeliar des Angelsachsen Cutbercht begann die große Zeit der Salzburger Buchmalerei. Virgil errichtete einen fünfschiffigen Dom von so imposanten Ausmaßen, dass dahinter der Einfluss Herzog Tassilos III. von Bayern vermutet wurde; er habe dieses Gotteshaus als Krönungskirche für das von ihm erstrebte Königtum konzipiert.
Virgil ließ zur Domweihe 774 die Gebeine des hl. Rupert von Worms überführen und sicherte damit das Andenken an den fast vergessenen Gründerheiligen. Rupert wurde in den folgenden Jahrhunderten zum Schutzpatron und zum Landesheiligen von Salzburg. Als Vermächtnis hat Virgil das berühmte Verbrüderungsbuch von St. Peter hinterlassen, das in seinem Todesjahr 784 entstand und in St. Peter verwahrt wird.
Kaiser Otto III. verlieh 996 Erzbischof Hartwig das Recht, in Salzburg einen täglichen öffentlichen Markt abzuhalten, davon einen Zoll einzuheben und Silbermünzen nach Regensburger Gewicht, die "Salzburger Pfennige", zu prägen. Damit wurde die Entwicklung Salzburgs zur Stadt eingeleitet. Am Beginn des 12. Jahrhunderts waren mit einem Stadtrichter, mit Bürgern und einer Bürgerzeche sowie mit massiven Stadtmauern die wichtigsten Kennzeichen einer mittelalterlichen Stadt gegeben. Salzburg war die mit Abstand älteste Stadt auf dem Boden des heutigen Österreich.
Mittelalter
Als es zwischen Kaiser Friedrich I. Barbarossa und Papst Alexander III. zu einem schweren Zerwürfnis kam, wurden die Salzburger Erzbischöfe erneut zu Führern der päpstlichen Partei im Reich. Barbarossa verhängte 1166 über seinen Onkel, Erzbischof Konrad II. von Babenberg, die Reichsacht, und ein Jahr später fiel die Stadt Salzburg einem verheerenden Brand zum Opfer, den angeblich die Grafen von Plain als kaiserliche Parteigänger gelegt hatten. Der Kaiser nahm 1169 Salzburg unter seine direkte Verwaltung und ließ 1174 seinen Neffen, Erzbischof Adalbert III., absetzen.
Erst nach dem Frieden von Venedig 1177 konnte Konrad III. von Wittelsbach, der erste Kardinal in Salzburg, mit dem Wiederaufbau beginnen. Der 1179 - 1198 errichtete romanische Dom zählte zu den größten und schönsten Kirchenbauten nördlich der Alpen. Von einem trotz der Kriegseinwirkungen ungebrochenen künstlerischen Schaffen zeugen Meisterwerke der Goldschmiedekunst wie der "Ministerialenkelch" aus St. Peter und das prachtvolle Antiphonar als Höhepunkt mittelalterlicher Buchmalerei.
Um Recht und Glauben
Als Erzbischof Rudolf I. von Hohenegg 1287 den Streit zwischen den alteingesessenen Salzburger Bürgern und zugezogenen Neureichen im Sühnebrief schlichtete, verlieh er der Stadt ein erstes schriftliches Stadtrecht.
Das Bürgertum vermochte sich erfolgreich in den Handel zwischen Venedig und den süddeutschen Reichsstädten Nürnberg, Regensburg und Augsburg einzuschalten. Im Spätmittelalter standen Salzburger Kaufleute im Venedighandel an zweiter Stelle hinter den Nürnbergern und engagierten sich außerdem auf den Märkten in Linz und im Handel entlang der Donau nach Wien. Handwerk und Gewerbe in der Stadt blühten.
Der Reichtum des Bürgertums kam in bedeutenden Bauten zum Ausdruck: Hans Stetheimer und Stefan Krumenauer schufen im Auftrag der Bürgerschaft den prachtvollen Hallenchor der Stadtpfarrkirche (der heutigen Franziskanerkirche), der 1452 geweiht wurde. Ihn schmückte einst der größte Flügelaltar der Spätgotik. Der Bildschnitzer Michael Pacher aus Bruneck in Südtirol hatte 1484 von Salzburger Kaufleuten den Auftrag zu diesem monumentalen Werk erhalten. Die gotische Madonna des Pacher-Altars, die Fischer von Erlach in das Zentrum seines barocken Hochaltars gestellt hat, lässt heute noch die Qualität dieses verlorenen Meisterwerks nachempfinden.
Bürgerschaft drängt auf Einfluss
Mit dem zunehmenden Wohlstand strebte die Bürgerschaft auch nach politischem Einfluss. Sie verlangte Anteil am Stadtregiment, das bis dahin allein in der Hand des Erzbischofs lag. Als Erzbischof Bernhard von Rohr in eine langwierige Auseinandersetzung mit Kaiser Friedrich III. verwickelt wurde, ergriff die Bürgerschaft für den Kaiser Partei. Dieser verlieh 1481 der Stadt im "Ratsbrief" das Recht der freien Wahl von Stadtrat und Bürgermeister sowie "dieselben Rechte, wie sie andere Reichsstädte besitzen".
Den daraus resultierenden Konflikt, der sich immer mehr zuspitzte, löste Erzbischof Leonhard von Keutschach (1495 - 1519) durch einen Gewaltstreich: Er lud Bürgermeister und Stadtrat zu einem Gastmahl am 23. Jänner 1511, nahm sie gefangen und zwang sie zur Auslieferung des "Ratsbriefs" und aller Privilegien. Erneute Freiheitsregungen der Bürgerschaft unterdrückte Kardinal Matthäus Lang im "Lateinischen Krieg" 1523 mit dem Einsatz von Söldnern. Die 1524 erlassene "Stadt- und Polizeiordnung" sicherte die absolute Stadtherrschaft des Erzbischofs bis zum Ende des geistlichen Staates (1803).
Der Aufstand der Bauern
Als sich 1525 Bauern, Bürger und Bergknappen, beeinflusst von den reformatorischen Ideen Martin Luthers, gegen Kardinal Matthäus Lang erhoben, scheiterte dieser Aufstand vor den Mauern von Hohensalzburg.
Nach Wolf Dietrich
Das Zeitalter Wolf Dietrichs
Erzbischof Wolf Dietrich von Raitenau (1587 - 1612) ist durch seine romantische Liebesbeziehung zur schönen Bürgertochter Salome Alt, die ihm zahlreiche Kinder gebar, und durch sein tragisches Ende zum populärsten Salzburger Kirchenfürsten geworden.
Von italienischen Vorbildern beeinflusst, begann er mit dem großzügigen Umbau der verwinkelten und schmutzigen Stadt Salzburg. Durch den Abriss von über 60 Bürgerhäusern wurde Raum geschaffen für jene fünf Plätze, die nach den Vorstellungen des venezianischen Architekten Vincenzo Scamozzi das Bild der idealen Stadt prägten. Auch der durch einen Brand beschädigte Dom wurde 1598 abgerissen und sollte durch eine viel größere Kathedrale nach Plänen Scamozzis ersetzt werden.
Als Wolf Dietrich wegen des Salzexports einen Salzkrieg mit Herzog Maximilian I. von Bayern begann, von diesem gefangen genommen wurde und nach fünfjähriger Gefangenschaft auf Hohensalzburg starb, war von seinen Plänen nur wenig ausgeführt worden.
Erst 1628, mitten im Dreißigjährigen Krieg, konnte der von Santino Solari aus Verna (Italien) erbaute, deutlich bescheidenere Dom geweiht werden.
Schloss Hellbrunn ersteht
Da auch der einträgliche Handel nach Venedig allmählich nachließ, ging der großzügige Bau von Schlössern und Kirchen zu Lasten der Bevölkerung. Der Dombaumeister Santino Solari schuf für Erzbischof Markus Sittikus (1612 - 1619) das Schloss Hellbrunn und baute im Auftrag von Erzbischof Paris Graf von Lodron (1619 - 1653) Salzburg zur Festungsstadt um. Dank der klugen Neutralitätspolitik des Erzbischofs bildete Salzburg im Dreißigjährigen Krieg eine "wehrhafte Friedensinsel" und die 1622 gegründete Benediktiner-Universität erlebte einen raschen Aufschwung.
Fischer von Erlach kommt
Erzbischof Johann Ernst Graf von Thun und Hohenstein (1697 - 1709) berief Johann Bernhard Fischer von Erlach nach Salzburg und vollzog damit den Übergang vom bis dahin dominierenden "italienischen" zum "österreichischen" Barock. Fischer schuf in Salzburg die Dreifaltigkeitskirche, die Ursulinenkirche, die Kollegienkirche, das St. Johanns-Spital samt Kirche, das Lustschloss Kleßheim und die Pläne für den prachtvollen Mirabellgarten.
Das Schloss Mirabell hat sein größter Konkurrent, Lukas von Hildebrandt, gebaut. Mit dem 1740 vollendeten Schloss Leopoldskron wurde der Kreis von Lustschlössern rund um die Stadt Salzburg vollendet. Der Name des Bauherrn, Erzbischof Leopold Anton Freiherr von Firmian, ist jedoch durch die tragische Maßnahme der Protestantenausweisung 1731/32 verdunkelt.
Das 19. Jahrhundert
Unter dem letzten regierenden Fürsterzbischof, Hieronymus Graf Colloredo (1772 - 1803), wurde Salzburg zum Zentrum der Aufklärung in Süddeutschland. Wissenschaft, Literatur und Medienwesen blühten, das Schulwesen wurde gründlich reformiert. Lorenz Hübner gab seine „Oberdeutsche allgemeine Literaturzeitung“ in Salzburg heraus und der Ruf des Naturwissenschafters Carl Ehrenbert Freiherr von Moll war so groß, dass Alexander von Humboldt sich einen ganzen Winter lang seiner Bibliothek widmete.
Die von Johann Franz Thaddäus von Kleinmayrn verfasste „Iuvavia“ leitete die moderne Geschichtsschreibung ein. Mit der traditionsreichen Hofmusik ging der durchaus musikalische aber sparsame Erzbischof Colloredo deutlich strenger um als sein Vorgänger Schrattenbach. Wolfgang Amadeus Mozart verließ enttäuscht seine Heimatstadt, um in Wien Karriere zu machen.
Die französischen Revolutionskriege machten die als veraltet und überholt angesehenen geistlichen Staaten zum Entschädigungsobjekt der Großmächte. Schon drei Jahre bevor im Reichsdeputationshauptschluss von Regensburg 1803 die Säkularisation Salzburgs verfügt wurde, war Colloredo aus seiner Residenzstadt geflohen. Er hat durch die beharrliche Verweigerung seines Rücktritts zwar den Fortbestand des Erzbistums Salzburg als geistlicher Institution erreicht, im Wiener Exil jedoch für das schwere Schicksal seiner früheren Untertanen kaum Verständnis gezeigt.
Vom Kurfürstentum zum Bundesland - der steinige Weg nach Österreich
Die Franzosen in Salzburg
Nach Jahrhunderten einer konstanten geistlichen Herrschaft wurde Salzburg zu einem Spielball der europäischen Politik. Zwischen 12. und 14. Dezember 1800 kam es zum ersten großen Gefecht der Österreicher mit den Franzosen auf Salzburger Boden - die Schlacht am Walserfeld.
Dann bildete Salzburg zunächst mit Passau, Eichstätt und Berchtesgaden ein Kurfürstentum, mit dem Großherzog Ferdinand III. von Toskana, der Bruder von Kaiser Franz II., für den Verlust der Toskana entschädigt wurde. Aber 1804 standen erneut die Franzosen in Salzburg.
Nach positiven Anfängen der neuen Regierung, die zur Errichtung einer medizinischen Fakultät führten, fiel Salzburg schon drei Jahre später, 1806, an Österreich. Nur die exponierte Lage an der Grenze zu Bayern, einem Verbündeten Napoleons, sicherte damals den Fortbestand des Landes.
1809 wurde Salzburg zum dritten Mal von französischen Truppen besetzt. Es kam zum Freiheitskampf der Salzburger gegen die Franzosen. Nach dem Scheitern des Freiheitskampfes erpresste die französische Verwaltung unter Marschall Lefèbvre enorme Kontributionszahlungen aus dem völlig verarmten und verschuldeten Land.
Bayern verschleppten Wertgegenstände
Die Machtergreifung durch den bayerischen König Max I. Joseph wurde 1810 in Salzburg freudig begrüßt. Kronprinz Ludwig von Bayern, der spätere König Ludwig I. von Bayern, residierte als Generalgouverneur des Inn- und Salzachkreises im Schloss Mirabell, wo sein Sohn Otto, der spätere König von Griechenland geboren wurde.
Die zentralistischen Reformen des Grafen Montgelas, die auch in Salzburg rücksichtslos durchgezogen wurden und 1810 zur Aufhebung der Universität führten, stießen jedoch auf wenig Gegenliebe. Als sich nach den Vereinbarungen von Ried im Innkreis (1813) für Bayern der Verlust Salzburgs abzeichnete, trachtete die Regierung noch rasch soviel wie möglich aus dem Land herauszupressen.
Nachdem schon Kurfürst Ferdinand III. von Toskana, die Franzosen und die Österreicher Kunstgegenstände, Bibliotheken und Archivalien aus Salzburg verschleppt hatten, führten die Bayern die letzten Bestände fort. Die Epoche der bayerischen Herrschaft hinterließ deshalb trotz ihres hoffnungsvollen Beginns in Salzburg einen bitteren Nachgeschmack.
Der oberösterreichischen Regierung unterstellt
Auf dem Wiener Kongress war 1816 der Übergang Salzburgs an Österreich beschlossen worden. Das völlig verschuldete und ausgeblutete Land Salzburg zierte zwar als "Herzogtum" den Titel des österreichischen Kaisers, verlor aber seine Selbständigkeit und wurde als fünfter Kreis der obderennsischen (oberösterreichischen) Landesregierung in Linz unterstellt. Mit dem Verlust der Residenz wanderten die Hofbediensteten und Beamten ab, die Bevölkerung der Stadt ging von 16.000 Bewohnern auf weniger als 12.000 zurück. Lustschlösser und Paläste verödeten und 1818 legte ein Brand den Stadtteil am rechten Salzachufer samt dem Schloss Mirabell in Schutt und Asche. Nach Missernten in den Jahren 1814 bis 1816 forderte eine große Hungersnot zahlreiche Todesopfer unter der Bevölkerung.
Salzburg wird zum Betteldorf
Der Beginn der österreichischen Herrschaft stand also unter keinem guten Stern. Die zentralistische Verwaltung des riesigen Kaiserstaates hatte ihrerseits für ein kleines Gebiet wie Salzburg kein Verständnis. Alle Bitten der Bürgerschaft um Wiederherstellung des Landes und der Landschaft, um Gewährung einer eigenen Landesregierung, um die Residenz eines kaiserlichen Prinzen in Salzburg und um Wiedererrichtung der Universität verhallten ungehört, ebenso die Klagen, dass Salzburg "zu einem Betteldorf mit leeren Palästen herabgesunken" sei.
Die Armut der Bevölkerung nahm zu und die intensive polizeiliche Überwachung und Bespitzelung in der Zeit des Vormärz (1816 - 1848) unterdrückte alle politischen Regungen. Das Bürgertum zog sich ins biedermeierliche Privatleben zurück und die Bevölkerung in Stadt und Land versank in tiefe Apathie und Hoffnungslosigkeit.
"Auf den Straßen und Plätzen der Stadt, deren es viele und schöne gibt, wächst Gras, so wenig werden sie betreten" schrieb Franz Schubert anlässlich seines Besuchs in Salzburg 1837.
Salzburg kämpft sich zurück
Erst die Aktivitäten des aus Tirol stammenden Advokaten Dr. Alois Fischer, der später Landeschef von Oberösterreich wurde, und das Revolutionsjahr 1848 führten zu einem Umschwung. Salzburg wurde zu einem Kronland der Monarchie und erhielt – verzögert durch die Ära des Neoabsolutismus – 1860/61 eigene Landesbehörden und Landstände.
Übergeordnete Behörden wie die Bundesbahndirektion, das Oberlandesgericht und die Post- und - Telegraphendirektion für Salzburg, die ihren Sitz in Linz hatten bzw. noch haben, erinnerten lange an die Zeit als fünfter Kreis von Oberösterreich, die von den Salzburgern als tiefe Erniedrigung empfunden wurde. Der Weg nach Österreich war steinig und entbehrungsreich!
Ein Bauboom greift um sich
Die Eröffnung der Kaiserin-Elisabeth-Westbahn im Jahr 1860, die Salzburg mit Wien und München verband, führte zu einem wirtschaftlichen Aufschwung. Als Kaiser Franz Joseph I. im selben Jahr Salzburg als Festung aufließ und die Bastionen, die bis dahin die Stadt wie ein Korsett eingeschnürt hatten, der Bürgerschaft schenkte, setzte ein zunehmender Bauboom ein.
Der Eisenbahnunternehmer Karl Freiherr von Schwarz führte die Regulierung der Salzach durch und nahm den Bau der "Neustadt" am rechten Salzachufer in Angriff. Das bürgerliche Selbstbewusstsein kam in großen Festen und in zahlreichen Vereinsgründungen, darunter der Internationalen Stiftung Mozarteum (1880) zum Ausdruck.
Seit 1870 formierten sich die politischen Parteien, unter denen die Konservativen und die Liberalen dominierten. Der Liberalismus alter Prägung wurde jedoch am Ende des 19. Jahrhunderts zunehmend von einem radikalen Deutschnationalismus und Antisemitismus abgelöst.
Das 20. Jahrhundert
An der Grenze zu Deutschland - Salzburg im 20. Jahrhundert
Im Ersten Weltkrieg leistete Salzburg einen hohen Blutzoll. Von 49.000 Soldaten, die das Land stellte, fanden 6.000 den Tod. Zu ihnen zählte auch der Dichter Georg Trakl, der 1914 im Lazarett von Krakau starb. Aber bereits mitten im Krieg erfolgte 1916 in Wien die Gründung der Salzburger Festspielhausgemeinde. Gegen Kriegsende kam es im September 1918 in der Landeshauptstadt zu Unruhen und Plünderungen durch eine hungrige Volksmenge. Am 7. November erklärte die Landesversammlung von Salzburg den Beitritt zum Staate Deutschösterreich, der später den Namen Österreich erhielt. Die Proklamation der Republik "Deutschösterreich" am 12. November deutete bereits an, dass der Zusammenschluss mit Deutschland als einzige Überlebenschance des kleinen "Restösterreich" betrachtet wurde. Am 25. November 1920 wiederholte der Salzburger Landtag in feierlicher Weise seinen Beitritt zum Bundesstaat Österreich. Eine am 29. Mai 1921 in Salzburg durchgeführte, inoffizielle Volksabstimmung über den Anschluss an Deutschland ergab 98.986 Pro-Stimmen, nur 889 Personen waren dagegen.
Zahlreiche Großprojekte werden durchgesetzt
Der christlichsoziale Landeshauptmann Dr. Franz Rehrl, der von 1922 bis 1938 an der Spitze der Landesregierung stand, suchte in den schwierigen Zeiten der Weltwirtschaftskrise die Zusammenarbeit auch mit den politischen Gegnern. Für die Salzburger Festspiele, die unter der Regie von Max Reinhardt internationale Anerkennung gefunden hatten, erstellte Rehrl angesichts der finanziellen Krise 1925/26 ein Sanierungskonzept. Der Bau des Kleinen Festspielhauses 1937 bedeutete einen Höhepunkt in dieser Entwicklung.
Blutiger Putschversuch der Nazis
Die tiefen politischen Gegensätze zwischen Christlichsozialen, Sozialdemokraten und Nationalsozialisten, die durch das Auftreten paramilitärischer Organisationen noch verschärft wurden und fast täglich Verletzte und Todesopfer forderten, verschonten auch Salzburg nicht. Der "Februaraufstand" 1934 verlief in Salzburg zwar weitgehend ruhig, aber auch hier wurde die sozialdemokratische Parteiführung verhaftet und die Partei aufgelöst. Der Putschversuch der Nationalsozialisten am 27. Juli forderte hingegen ein Dutzend Tote, vor allem im deutschnational geprägten Flachgau mit den Hochburgen Lamprechtshausen und Seekirchen. Der christlich-soziale Ständestaat, dessen Prinzipien 1934 - 1938 auch in Salzburg durchgesetzt wurden, vermochte die Machtergreifung der Nationalsozialisten zwar zu verzögern, aber nicht zu verhindern.
Viel Jubel beim Einmarsch Hitlers
Nach dem Rücktritt der autoritären Bundesregierung unter
Bundeskanzler Kurt Schuschnigg am Abend des 11. März 1938 besetzte der illegale SA-Standartenführer
und technische Inspektor im städtischen Bauamt Anton Giger mit Hilfe der
SA das Rathaus.
Dass der Einmarsch deutscher Truppen in Salzburg am 12. März 1938 mit besonderem Jubel begrüßt wurde, hatte mehrere Gründe. Einerseits war schon am Ende des 19. Jahrhunderts der Liberalismus von einem entschiedenen Deutschnationalismus abgelöst worden, was im Ergebnis der Volksabstimmung 1921 deutlich zum Ausdruck kam. Andererseits hatte die Arbeitsbeschaffungspolitik des NS-Regimes in dem Grenzland Salzburg, das zeitweise 32% Arbeitslose zählte, große Hoffnungen geweckt. Hitler selbst hielt sich häufig in unmittelbarer Nachbarschaft, auf dem "Berghof' in Berchtesgaden, auf. Am 13.März 1938 wurde Richard Huildmann als Bürgermeister abgesetzt und durch Anton Giger als provisorischer regierungskommisär mit der Stadtverwaltung betraut.
Die Nationalsozialisten benannten eine Reihe von Straßen und Plätzen nach ihren
Größen, die Erinnerung an ihre austrofaschistischen Vorgänger wurde dagegen getilgt. Der
Dollfuß-Platz wurde noch im März 1938 in Adolf-Hitler-Platz umbenannt, der Name jedoch
kurze Zeit später auf Befehl Hitlers wieder in Makartplatz geändert.Bezeichnungen von
Straßen, die an den „Ständestaat“ erinnerten
Die Volksabstimmung am 10. April brachte in Salzburg 157.595 Pro-Stimmen, nur 463 Personen wagten gegen den "Anschluss" an Deutschland zu stimmen.
Jüdische Geschäfte verwüstet
Anfangs schienen sich die großen Hoffnungen der Salzburger Bevölkerung auch zu erfüllen. Autobahnbau, Rüstungsindustrie und Kraftwerksbau sorgten für Vollbeschäftigung. Aber bald zeigten sich auch die negativen Auswirkungen: in der sog. "Reichskristallnacht" vom 10. zum 11. November wurden jüdische Geschäfte verwüstet und die Einrichtung der Synagoge zerstört.
US-Bomben zerstörten Dom
Den Bombenangriffen der Amerikaner, die im Oktober 1944 einsetzten, fielen in der Stadt Salzburg der Dom und 46 % der Wohnobjekte zum Opfer. Die gänzliche Zerstörung konnte dadurch verhindert werden, dass der gemäßigte Gauleiter, Dr. Gustav Adolf Scheel, und der Kampfkommandant, Oberst Hans Lepperdinger, die kampflose Übergabe der Stadt an amerikanische Truppen durchsetzten; Nach dem Kriegsende erhielt Salzburg, das in der amerikanischen Besatzungszone und damit im "goldenen Westen" lag, bald wieder politische und wirtschaftliche Bedeutung. Hier fanden die "Länderkonferenzen" des Jahres 1945 statt, auf denen die westlichen Bundesländer von Salzburg aus ihren Beitritt zur Regierung Renner und damit zur Zweiten Republik vollzogen. Die Salzburger Festspiele, die auch von den Nationalsozialisten sehr geschätzt worden waren, brachten bald wieder internationales Publikum in die Landeshauptstadt.
Beständiger Aufschwung beginnt
Die Jahrzehnte der Zugehörigkeit zur Zweiten Republik bieten seit den von Hunger und Entbehrung gezeichneten ersten Nachkriegsjahren das Bild eines beständigen, ungehemmten Aufschwungs. Als wirtschaftliche und kulturelle Akzente in dieser Entwicklung sind die Gründung der Osterfestspiele, der Bau des Großen Festspielhauses, die Wiedererrichtung der Universität und die Erhebung des Mozarteums zur Hochschule hervorzuheben.
Grünlandgürtel wird festgelegt
Die negativen Auswirkungen des "Wirtschaftswunders" und des übersteigerten Fremdenverkehrs wurden vor allem in der Stadt Salzburg rechtzeitig erkannt. Ein vorbildliches Altstadterhaltungsgesetz bewahrte den alten Stadtkern vor der Verunstaltung durch Hochhäuser und stillose Geschäftsbauten. Die grüne Bewegung, die sich in der Salzburger Bürgerliste rasch und schlagkräftig formierte, setzte die Sicherung eines breiten Grünlandgürtels im Süden der Stadt durch. Diese kritische Einstellung der Bevölkerung sorgt dafür, dass es auch nach dem Beitritt Österreichs zur Europäischen Gemeinschaft zu keinem Ausverkauf kommt.
Das 21. Jahrhundert
Das Mozart-Jubiläum 2006 brachte einen Rekord an Zuschauern und Einnahmen, das Kleine Festspielhaus wurde umgestaltet und als Haus für Mozart neu eröffnet und das Salzburger Salzburger Museum Carolino Augusteum bezog mit der Ausstellung „Viva Mozart“ seine neue Heimstätte im Neugebäude. Trotz des starken Anstiegs der Energiekosten gelang es der Salzburger Wirtschaft, die Exporte deutlich zu steigern und erstmals seit vielen Jahren die Zahl der Arbeitslosen zu senken. Salzburg kann sich jedenfalls auch in Zukunft auf seine gesunde Wirtschaft, auf seine große Geschichte und kulturelle Tradition stützen, denen es seine Spitzenposition im Westen Österreichs verdankt.
Literaturtipps
Quellen
- Beiträge aus Salzburgwiki (Die Geschichte im Überblick)
- Buch Kleine Geschichte Salzburgs
- Buch Salzburg, die Geschichte einer Stadt
- Bücher Salzburger Miniaturen