Der Salzburgring ist eine permanente Rundkurs-Rennstrecke im Bundesland Salzburg. Seine Länge beträgt 4 255 bei einer Mindestbreite von zehn Metern und zwölf Kurven. Das Gelände des Salzburgrings gehört dem Land Salzburg. Betreibergemeinschaft ist der Internationale Gemeinnützige Motorsportverein Salzburgring (IGMS).

Der Salzburgring heute: Start- und Ziel mit moderne Boxengasse und Zeitnehmerturm.
Der Salzburgring und seine unmittelbare Umgebung 2023.
Der Ring im 21. Jahrhundert: Höchstgeschwindigkeitsabschnitt bei Start und Ziel
Salzburgring, Ansicht vom Gaisberg aus, 2026.

Geschichte

Eigentümer und Betreiber

Errichtet wurde er im Auftrag der "Salzburg‑Ring Ges.m.b.H.", der das Land und die Stadtgemeinde Salzburg sowie die Gemeinden Koppl und Plainfeld als Vertreter der öffentlichen Hand, der ARBÖ, der SAMTC und der ÖASC als Vertreter des Motorsports angehörten. Weitere Mitglieder waren die Unternehmen Porsche Austria, Mercedes Benz Österreich, Ford Austria und Semperit. Der Vertrag mit dem Land Salzburg als Grundeigentümer lief zunächst bis 2015, dann bis 2025 und wurde abermals verlängert. Pächter ist seit 1982 der Internationale Gemeinnützige Motorsportverein Salzburgring, der 2014 auch Kaufinteresse bekundete.[1]

Der Beginn

Der Salzburgring befindet sich im Nesselgraben im Flachgau, der zum größten Teil zur Gemeinde Koppl, zu einem kleinen Teil zur Gemeinde Plainfeld gehört. Er wurde zeitgleich mit dem 'Österreichring' (heute 'Red Bull Ring') in Spielberg (bei Zeltweg) in der Steiermark gebaut. Seine Errichtung geht auf Wilhelm Willy Löwinger, den Präsidenten des Österreichischen Automobil-Sport-Clubs (ÖASC) und geistigen "Vater" der Europa-Bergmeisterschaft für Automobile, zurück.

 
Der Salzburgring 1969 während der Bauzeit.

Am Mittwoch, den 4. September 1968, unterschrieben Willy Löwinger und Fritz Stengl, die beiden Geschäftsführer der "Salzburg‑Ring Ges.m.b.H.", die Bauaufträge. Baubeginn war dann Mitte September.[2] Nachdem im Mai 1969 bereits der Österreichring in Zeltweg in Betrieb ging (der für zehn Jahre die Zusage zur Durchführung eines Automobil‑Weltmeisterschaftslaufs der Formel 3 erhalten hatte), wurde der Salzburgring am Samstag, 20., und Sonntag, 21. September 1969, mit einem Rennwochenende eröffnet. Die ersten Rennen hatten bereits am Samstag stattgefunden. Die offizielle Eröffnung fand dann am Sonntag statt. Sportliche Höhepunkte bildeten das Formel V‑Rennen, an dem unter anderen Niki Lauda, Peter Peter, Helmut Koinigg und Dieter Quester teilnahmen, sowie das Rennen der großen Sportwagen‑Prototypen, das Kurt Ahrens auf Porsche 908 gewann. Ahrens startete im folgenden Jahr in einem Porsche 917L für das Team der Porsche Konstruktionen KG bei den 24 Stunden von Le Mans. Bei den Motorradklassen waren u. a. die Salzburger Harald Bartol, Manfred Stengl, Ernst und Franz Fagerer sowie Manfred Magnus am Start.

 
Eines der Rennen am Eröffnungswochenende, 20.-21. September 1969
 
21. September 1969: Eröffnung durch die Trachtmusikkapelle ?
 
21. September 1969: Start!

Die Zeit der großen Motorsportveranstaltungen

Motorradrennen

Ab 1970 wurden am Salzburgring die legendären Motorrad‑1. Mai Rennen ausgetragen. Motorrad‑Asse wie Giacomo Agostini, Toni Mang, Kenny Roberts, Randy Mamola, Freddie Spencer, Eddie Lawson, Wayne Rainey, Wayne Gardner oder Kevin Schwantz begeisterten bei Motorrad‑Weltmeisterschaftsläufen bis zu 100 000 Zuschauer. Der letzte Motorrad‑Weltmeisterschaftslauf fand 1994 statt, später noch einmal ein Seitenwagen‑Weltmeisterschaftslauf. Während des Rennens am 1. Mai 1977 verunglückte der Schweizer Hans Stadelmann tödlich.

Zwischen 1971 und 1994 fiel der Motorrad‑Grand‑Prix nur zwei Mal aus: 1980 durch einen dramatischen Wintereinbruch Ende April, der die Rennstrecke in eine Loipe verwandelte, und 1992, als der Traditionsveranstalter ARBÖ aus finanziellen Gründen auf die Ausrichtung des Weltmeisterschaftslaufs verzichtete.

Lange Zeit war die Internationale Deutsche Meisterschaft (IDM) zu Gast am Salzburgring. Nach dem einmaligen Auftritt der Superbike‑WM 1995 war die IDM auch "Spielplatz" für den Österreicher Andy Meklau, der sich mit seinem WM‑Lauf‑Sieg in Spielberg schon zuvor zu einem Star gemacht hatte. Noch waghalsiger und am Salzburgring stets spektakulär unterwegs waren das österreichische Seitenwagen‑Duo Klaus Klaffenböck–Christian Parzer, die 2001 Weltmeister der Seitenwagen‑Klasse wurden.

Automobilrennen

Eine Woche vor seinem Tod nahm Jochen Rindt noch am 30. August 1970 beim "Festspielpreis" an zwei Läufen teil, die zur Formel-2-Europameisterschaft zählten,

Die Salzburgring Ges.m.b.H. hatte sich 1970 nicht für die Austragung eines Formel-1-Laufes aus Kostengründen beworben. Die Ausrichtung einer solchen Veranstaltung hätte 2,5 Millionen Schilling gekostet.[3]

Die internationalen Langstreckenrennen fanden zwar am Österreichring statt, aber auch am Salzburgring gab es einige bemerkenswerte Rennen. So gastierte bereits 1971 im Rahmen des "Tauernpokals" erstmals die 2‑Liter‑Sportwagen‑Europameisterschaft der Fédération Internationale de l'Automobile (FIA) am Salzburgring. Es war sozusagen die "zweite Liga", die nach Salzburg gekommen war. 1976 und 1977 waren dann die großen Sportwagen im Rahmen der offiziellen Weltmeisterschaft am Salzburgring. 1976 siegte Jochen Mass auf Porsche 936, 1977 Vittorio Brambilla auf Alfa Romeo T33/SC/12.

Die Bavaria-Rennen waren vom deutschen Automobilclub ADAC zwischen 1971 und 1982 am Salzburgring veranstaltete Automobilrennen. Bei dieser Deutschen Rennsport‑Meisterschaft (DRM) gab es spektakuläre Boliden zu sehen wie den Porsche 935, Ford Capri Turbo oder den BMW M1. Gefahren wurden diese Rennwagen von Stefan Bellof, Jochen Mass, Klaus Ludwig, Hans‑Joachim Stuck, Dieter Quester und anderen.

Jahrzehntelang war der Salzburgring Schauplatz von Tourenwagen-Rennen wie Läufen zur Tourenwagen-Europameisterschaft, der legendären DTM, der STW der 1990er-Jahre und der V8-STAR in den 2000er-Jahren. Am 20. Mai 2012 kehrte mit der FIA-Tourenwagen-Weltmeisterschaft (WTCC) international hochrangiger Motorsport auf den Salzburgring zurück. Der WM-Lauf kostete den Veranstalter rund eine halbe Million Euro, davon erhielt die WTCC 160.000 Euro. Die erste Auflage wurde laut Aussage von Ringleiter Alex Reiner von Red Bull-Chef Dietrich Mateschitz unterstützt.[4] Im Rahmen des WTCC fanden erstmals auch die Ferrari‑ und Maserati‑Challenge in Salzburg statt. 2012 waren fünf Marken am Start: neben dem Werkteam von Chevrolet die Privatteams mit BMW, SEAT, Volvo und Honda.[5] Die Veranstaltung stand auch 2013 als einziger Lauf im deutschsprachigen Raum auf dem Kalender der WTCC.

Veranstaltungen historischer Motorräder und Fahrzeuge

Hauptartikel Oldtimer Grand Prix

Zwischen 1975 und 1994 fand der „Oldtimer Grand Prix“ für historische Motorräder und Automobile mehrmals statt, der mehrere Hundert Teilnehmer aus aller Welt anlockte (u. a. die Weltmeister Juan Manuel Fangio Argentinien, Niki Lauda, John Surtees Großbritannien, dem einzigen Weltmeister auf Motorrad und in der Formel 1, Luigi Taveri Schweiz u. a.). Diese Veranstaltung musste letztlich aufgrund der damals verschärften Lärmschutzbestimmungen des Landes Salzburg eingestellt werden.

Von 2004 bis 2010 fanden die Rupert Hollaus Gedächtnisrennen statt, eine Oldtimer‑Veranstaltung in Erinnerung an den einzigen österreichischen Solo‑Motorradweltmeister Rupert Hollaus.

1992 fand nochmals ein modifizierter Oldtimer Grand Prix statt, jedoch nur mehr für Automobile ab dem Baujahr 1955. Die Läufe zählten zu den „FIA European Championship“ – „FISA Trophy Cup GT Cars“ und „FIA European Championship for historical cars“. Bekannte Salzburger am Start waren KR Egon Hofer und Paul Koppenwallner, international bekannte Fahrer waren Rauno Aaltonen, Dieter Quester und Alexander Wurz.

2010 fand die erste der beiden Jochen Rindt Revivals statt.

1980er-Jahre: Wird der Salzburgring aufgelöst?

Elf Jahre nach seiner Eröffnung schrieb der Salzburgring immer noch tiefrote Zahlen. Daher befasste sich der Salzburger Landtag in seiner Sitzung vom 25. November 1980 mit dem Salzburgring, der das Land bis zu jenem Zeitpunkt bereits 30 Millionen Schilling (rund 2,2 Millionen Euro) gekostet hatte. Den Betreibern wurde die Schließung angedroht, wenn es nicht gelingt, eine bessere Auslastung zu erzielen und interessantere Veranstaltungen auf den Salzburgring zu bringen.

Es kam zu - wie Joachim Glaser in seiner Rubrik Schatztruhe[6] schreibt - Zitat "einer monatelangen Schlammschlacht zwischen Befürwortern und Gegnern." Die Landesregierung überlegte eine Umwidmung, ja sogar die Errichtung einer "Karl-May-Freiluftbühne" wurde in Erwägung gezogen.

Dann wurde zwei Tage nach dem Beschluss am 23. März 1981 der Salzburger Landesregierung, den Salzburgring tatsächlich zu schließen, die Aktion "Ja zum Salzburgring" ins Leben gerufen. Sofort stellten sich der Club der Streckenfunktionäre bei seiner Jahreshauptversammlung in Mayrwies und der dabei durch Dieter Lode vertretene "AC Bavaria" in den Dienst der Sache. Die IG Salzburgring, der Motor Veteranen Club Salzburg, der Kart-Rennklub und schließlich der ARBÖ Salzburg schlossen sich dieser Aktion an.

Landeshauptmann Dr. Wilfried Haslauer senior konnten wenige Monate später bereits 30 000 Unterschriften übergeben werden.[7] Die Unterstützung reichte von der Salzburger Sportprominenz wie Annemarie Moser oder David Zwilling, über Motorsportler bis hin zum einfachen Motorsport‑Fan. Und selbst Nicht‑Motorsportfreunde konnten angesprochen werden, denn "es wäre Unsinn, im Nesselgraben 70 Millionen Schilling und mehr zu verschütten" (rund 5,1 Millionen Euro). Der Abriss hätte weitere 20 Millionen Schilling gekostet (rund 1,5 Millionen Euro). Insgesamt kamen über 30 000 Unterschriften zustande, darunter auch aus Neuseeland, den USA, aus Chile und Südafrika sowie aus europäischen Ländern.[8]

Nach Gesprächen im August 1981 mit Finanz-Landesrat Anton Bonimaier konnten sich Helmut Krackowizer und Franz Bauer von der "Interessensgemeinschaft Salzburgring" (IGMS), der bisherigen Betreibergemeinschaft, auf folgende Bedingungen einigen:[7]

  • Verzicht auf Zuschüsse aus der öffentlichen Hand,
  • die Rechtsnachfolge der Gesellschaft annehmen,
  • alle Verpflichtungen im Rahmen der Auflagen der Behörden und der Sportverbände zu erfüllen,
  • einen Pachtschilling bei Durchführung des Motorrad-Weltmeisterschaftslaufs von 150.000 Schilling plus Mehrwertsteuer,
  • die Pachteinnahmen aus dem Fahrerlager-Gaststättenbetrieb fortan ebenfalls direkt an das Land Salzburg;

Ein weiterer wichtiger Schritt war das Verhandlungsergebnis nach Gesprächen mit Politikern und Beamten, die lebenswichtige Zusage zu erhalten, dass die IGMS bei plus-minus null beginnen könne. Die Gesprächspartner waren der damalige Sportressortzuständige LHStv. Dr. Herbert Moritz, Finanz-Landesrat Dr. Bonimaier und "sein" Hofrat Dr. Johann Schernthanner als Leiter der Abteilung 8 (Finanzabteilung) des Amtes der Salzburger Landesregierung, die Regierungsmitglieder LR Josef Oberkirchner, LR Wolfgang Radlegger, LR Josef Baumgartner, LH-Stv. Dr. Hans Katschthaler sowie LH Dr. Wilfried Haslauer senior.

Im September 1981 wurde dann der Internationale Gemeinnützige Motorsportverein Salzburgring (IGMS) gegründet, der mit 1. Jänner 1982 die Führung des Salzburgrings übernahm. Der Salzburgring war also in seinem Bestand gerettet.

 
Das Schreiben von Dr. Schmalzl vom Amt der Salzburger Landesregierung vom 30. Juli 1985 an Dr. Helmut Krackowizer in Bezug auf dessen Einsatz für die Erhaltung des Salzburgrings in den 1980er-Jahren.

"Nachdem der ARBÖ Salzburg noch im Februar (Anm.: 1981) im Alleingang vergeblich versucht hatte, die Rennstrecke in Eigenregie zu übernehmen, war im März 1985 allen am Weiterbestand interessierten Motorsportklubs klar, dass sie nur unter der Leitung eines parteipolitisch unabhängigen Fachmanns eine Chance hätten, von der Landesregierung die Zustimmung zur Weiterführung des Ringes zu erhalten. Der darauf angesprochene Obmann des Motor Veteranen Clubs Salzburg, Dipl.-Kfm. Dr. Helmut Krackowizer übernahm den Vorsitz des neu gegründeten Vereins [Anm.: IGMS] und vermochte bald darauf in einem das Ringschicksal entscheidenden Gespräch den damals ressortzuständigen Finanz-Landesrat Dipl.-Ing. Anton Bonimaier von der wirtschaftlichen Notwendigkeit der Weiterführung des Salzburgrings zu überzeugen, worauf die IG Salzburgring mit der Führung des Ringbetriebs betraut wurde."

So steht es in einer Pressemeldung von Helmut Krackowizer Jahre später (19. März 1985). Und in einem Schreiben vom 30. Juli 1985 von Dr. Schmalzl vom Amt der Salzburger Landesregierung an Dr. Krackowizer stand

"... 1) Wie bereits dargestellt, wurden die von Ihnen angesprochenen Verhandlungen über eine Verpachtung des Salzburgringes an den IGMS im Juli und August 1981 unter Vorsitz von HR Dr. Johann Schernthanner bzw. LR Dipl.-Ing. Bonimaier abgehalten. 2) Unbestritten ist für das Amt der Salzburger Landesregierung Ihre hervorragende Rolle bei den Bemühungen um eine Weiterführung des Salzburgringes. Das gefertigte Amt geht davon aus, daß ohne Ihre Initiativen eine Verpachtung an den IGMS entweder nicht oder nur zu einem wesentlich späteren Zeitpunkt erfolgt wäre."

Wie ging es weiter?

Mit dem Auslaufen der Lizenz 1985 wurden seitens der Fédération Internationale de Motocyclisme (FIM) und Fédération Internationale du Sport Automobile (FISA) verschiedene Änderungsvorschläge in Bezug auf Streckenführung und Sicherheitseinrichtungen am Ring vorgeschrieben. Die IGMS investierte von Oktober 1985 bis April 1986 rund 2,8 Millionen Schilling (rund 203.000 Euro). So wurden eine Schikane bei km 0,6 bis 0,8 sowie eine Begradigung bei km 2,7 bis 2,9 und Sturzräume geschaffen, neue Toilettenanlagen im Fahrerlager, Fernsehtürme und eine Tankstelle errichtet, weiters die Fahrbahn saniert, Leitschienen versetzt und eine Leuchtbildwaage für Fahrzeuge angeschafft.

2006 liefen Gespräche mit dem oberösterreichischen Motorradhersteller KTM, der in der Nähe der Teststrecke auch ein Kompetenzzentrum aufbauen wollte, jedoch kam es zu keinem Übereinkommen.

2011 investierte die Ringgesellschaft drei Millionen Euro für eine vom internationalen Automobilsportverband FIA geforderte direkte Lkw-Zufahrt hinter den Boxen. Gleichzeitig wurden auch andere Baumaßnahmen durchgeführt, unter anderem ein Retentionsbecken für Regenwasser.

Red-Bull-Eigentümer Dietrich Mateschitz hatte Interesse an einem Kauf der Rennstrecke bekundet. Nachdem im September 2015 bekannt wurde, dass Mateschitz die Rennstrecke für drei Millionen Euro erwerben wollte, wurde der entsprechende Vertrag im Jänner 2016 unterschrieben. Anfang Juli 2016 wurde jedoch bekannt, dass der Verkauf an Dietrich Mateschitz geplatzt ist.[9][10]

Die 50-Jahr-Feier fand am 3. und 4. August 2019 statt.

Ende 2022, Anfang 2023, fand eine Bürgerbefragung zum Salzburgring statt, an der nicht einmal 30 Prozent der Teilnehmer aus den betroffenen Gemeinden Koppl, Plainfeld und Hof waren und etwa 15 Prozent nicht einmal aus Österreich.

Im Oktober 2023 hatte sich das Land Salzburg mit den Pächtern am Ring geeinigt und den Pachtvertrag bis 31. Dezember 2045 verlängert. Ein Gutachten belegt, dass der Betrieb zumutbar ist. Seitens der Politik gab es keine Lärmschutzvorgaben. Der Vertrag, der seit 1. Jänner 1991 zwischen dem Land als Eigentümer und dem IGMS (Internationaler Gemeinnütziger Motorsportverein Salzburgring) gilt, wäre mit 31. Dezember 2025 ausgelaufen. Die Betreiber haben bereits im Frühjahr 2022 um eine vorzeitige Verlängerung angefragt, um Planungssicherheit für künftige Investitionen am Salzburgring zu haben. Der damalige grüne LH-Stv. Heinrich Schellhorn hatte das aber abgelehnt und ein Lärmschutzkonzept gefordert.

Für Norbert Schlager, den ehemaligen Sprecher des Anrainerbeirats am Salzburgring, ist das "ein starkes Stück", wie er sagt. "Wir kämpfen seit sieben Jahren für Verbesserungen und haben schon mehrfach Anzeigen erstattet." Der Beirat hat sich mit Jahresbeginn 2023 aus Protest aufgelöst. "Wir werden hingehalten, für einige Anrainer ist die Situation unerträglich." Die Lärmbelastung in den betroffenen Gemeinden Hof, Plainfeld und Koppl sei jedoch unterschiedlich. Auch stellt Schlager klar: "Wir kämpfen nicht gegen den Ring oder die Betreiber, sondern gegen private Fahrer, die die Strecke mieten und dort ihre Runden mit bis zu 135 Dezibel drehen." In den Jahren 2021 und 2022 wurden vom Land Höchstwerte bis zu 104 Dezibel gemessen.

Laute Kritik zu der Vertragsverlängerung kam von den Grünen. Der Gemeindevertreter in Koppl, Wolfgang Hyden, sprach von einem "fossilen Retroprojekt", das nun für die nächsten 20 Jahre fortgeschrieben werde. "Schwarz-Blau ist vor der Autolobby und den Porscheclubs des deutschsprachigen Raumes in die Knie gegangen."[11]

Der Ring

Bordkamera eines Motorrades, Geschwindigkeiten bis 290 km/h, 14:31 min Video

Die Streckenlänge betrug anfangs 4&nbsps;241&nbsps;m, heute nach Umbauten (2019) 4 255 m. Die zwei langen Geraden (wobei die Gegengerade zur Start- und Zielgeraden leicht ansteigend ist) sowie die an diese Gegengerade anschließende lang gezogene Rechtskurve oberhalb des Fahrerlagers machten diese Strecke zu einer sehr schnellen Rennstrecke. Es gibt auch die Möglichkeit zu einer kürzeren Runde von nur 2 910 m, die durch eine Verbindung der beiden Geraden vor Erreichen der Nockstein-Kehre (am Ende der Startgeraden) möglich wird.

Die minimale Breite der Strecke beträgt zehn Meter. Der Ring verfügt über zwölf Kurven, je sechs Rechts- und Linkskurven. Von den vier Geraden ist jene bei Start und Ziel mit 750 m die längste. Die größte Steigung findet sich mit 3,8 % auf der Gegengeraden, das höchste Gefälle mit 1,8 % in der Fahrerlagerkurve. Insgesamt überwindet der Kurs einen Höhenunterschied von knapp 22 m. Der Ring befindet sich zwischen 648,3 m ü. A. und 670,5 m ü. A.

 
Der Salzburgring.

Der Boxenkomplex bei Start und Ziel verfügt über 31 Boxen, das Fahrerlager im inneren Geländes des Rings über eine Gesamtfläche von 24 900 m².

Durch die stetig erweiterten Sicherheitsauflagen für Motorsportveranstaltungen wurden im Laufe der Jahre mehrere Umbauten notwendig. Unter anderem entstanden so genannte Schikanen, um die Geschwindigkeit zu reduzieren, sowie Sturzräume, was auf Grund der Talkessellage des Rings sehr schwer bzw. teuer und aufwendig war.

 
Der legendäre Kurier-Zeitnehmerturm (abgebrannt 1999).

Einzigartig sind die Naturtribünen, die durch ihre Lage oberhalb der Rennstrecke besonders interessante Rennbeobachtungen erlauben, vor allem im Abschnitt oberhalb des Fahrerlagers. Oberhalb der Gegengerade auf den steilen Wiesen des Nesselgrabens entstand 2025 auf einer Fläche von rund 2,1 Hektar am Südhang auf Höhe des Boxengebäudes eine Photovoltaikanlage errichtet. Die Besonderheit der sogenannten Agri-PV-Anlage besteht in der Doppelnutzung der Grünflächen: Die insgesamt 3 264 Module wurden so installiert, dass die rund 30 Schafe weiterhin ungestört weiden können. Ungeachtet der tierischen Landschaftspfleger soll die Anlage in der Gemeinde Plainfeld rund 2,25 Gigawattstunden Sonnenstrom pro Jahr produzieren. Das entspricht in etwa dem Jahresverbrauch von 560 Haushalten. Mehr als genug Strom, um den Betrieb der Rennstrecke mit all ihren Aktivitäten mit nachhaltiger Energie sicherzustellen. Die Investitionskosten betragen rund 1,6 Millionen Euro.[12]

Was es sonst noch gab

Planung des Geländes des Salzburgrings als Gewerbe- und Wohngebiet

 
Die Planung des Geländes des Salzburgrings als Gewerbe- und Wohngebiet.

1988 beauftragte die Bürgerliste einen Architekten mit der Ausarbeitung eines Umnutzungskonzepts. Dieses wurde Ende 1993 der Landesplanung, die mit der Ausarbeitung eines Sachprogramms zur Festlegung überregionaler Gewerbezonen beauftragt war, als Alternative zur umstrittenen Gewerbezone Kuchl‑Süd („Gewerbegebiet Brenhoflehen“) vom Raumordnungslandesrat vorgeschlagen. Zwei mögliche Alternativ‑Standorte waren im Auftrag von Landesrat Karl Schnell (FPÖ) zu prüfen: das spätere Gewerbegebiet Urstein und das Gelände des Salzburgrings als Gewerbe- und Wohngebiet. Die Prüfung erbrachte allerdings negative Ergebnisse zu den Alternativstandorten. Aus Sicht der Landesplanung wäre das Nutzungskonzept kein geeigneter Standort gewesen, da es schwerwiegende Eingriffe in die Gemeinde Plainfeld verursacht hätte. Die Wohnbevölkerung am geplanten Standort hätte mehr Bewohner gehabt, als die gesamte Gemeinde Plainfeld damals aufgewiesen hatte.

Motorsportveranstaltungen

 
Historische Rennwagenläufe am Salzburgring

Schwere Rennunfälle am Salzburgring

  • 1. Mai 1977: der Schweizer Hans Stadelmann kommt bei einem Massensturz in der Fahrerlagerkurve im 350er Rennen des Großen Preises von Österreich ums Leben
  • Mai 1989: der Österreicher Heinz Hutter verunglückte bei einem Motorrad-Rennen tödlich
  • Mai 1989: schon zwei Wochen später gab es bei einem Lauf zur österreichischen Motorrad-Staatsmeisterschaft erneut einen schwer verletzten Rennfahrer
  • Juli 1994: drei Streckenposten kamen bei einem Rennen zur Deutschen Tourenwagen-Trophy ums Leben; daraufhin wurde das Rennwochenende daraufhin abgesagt
  • Juli 1996: bei einem Formel-Rennen wurden der Rennleiter und ein Funktionär von einem außer Kontrolle geratenen Fahrzeug schwer verletzt.
  • Am 17. September 2011 kam ein 45-jähriger Schweizer bei einem Fahrertraining des Automobil Clubs Liechtenstein am Salzburgring mit seinem Porsche bei einem Unfall ums Leben, sein 13-jähriger Beifahrer wurde schwer verletzt[13]

Weitere Veranstaltungen

 
Die Boxeneinfahrt im Jahr 2023.

Die Anzahl der großen Motorsportveranstaltungen ist auf fünf pro Jahr limitiert. Es finden aber auch regelmäßig andere Veranstaltungen wie Fahrzeugpräsentationen von Automobilherstellern, Fahrerlehrgänge und Clubtreffen statt.

Von 1978 bis 1986 fanden Elefantentreffen im Winter statt, von 2002 bis 2008 im Sommer das Frequency Festival. Im Juli 2013 erlebte der Ring mit dem Electric Love Festival seine Wiedergeburt als Festival-Location.

Am 30. Juli 2009 wurde am Salzburgring die "Jochen Rindt Rennfahreroper" von Hubert Lepka uraufgeführt.

Obwohl kaum noch Motorsport-Events mit vielen Zuschauern stattfinden, ist der Salzburgring von März bis November jedes Jahr ausgebucht und kann sich selbst bei einem jährlichen Umsatz von 1,5 Millionen Euro ohne Subventionen finanzieren und bringt der umliegenden Wirtschaft zusätzliches Geld.

2023 verzeichnete der Ring 185 Betriebstage, davon waren nur zwölf Motorsporttage. Aktuell deckt der Ring ein breites Spektrum ab, wie zum Beispiel Ausbildungen im Bereich Fahrsicherheit, Events wie „Rad am Ring“ oder Großveranstaltungen wie das Electric-Love-Festival.[14]

Am 21. und 22. September 2024 gab es erstmalig das "Motorsport Salzburgring Festival". Eine Rennveranstaltung mit internationalen und nationalen Rennserien aus den Bereichen GT, Tourenwagen, Formelautos sowie historische Rennfahrzeuge mit über 250 Startern. Bei der Veranstaltung, die rund 5 000 Besucher anlockte, gewann Oscar Wurz, Sohn von Ex-Formel-1-Pilot Alexander Wurz in der Formel 4 den Titel.[15]

2025 fand eine nostalgische Motorsportveranstaltung statt, der "Legends Grand Prix".

Prominente am Salzburgring

Karajan und der Motorsport: Im August 1969 testete der weltberühmte Salzburger Dirigent Herbert von Karajan am Salzburgring, noch vor seiner offiziellen Eröffnung, den Porsche 908/02 "Flunder". Bei dieser Testfahrt waren unter anderem anwesend: Ing. Herbert Kaes (Ingenieur, Neffe von Ferdinand Porsche), Regierungsrat Fritz Stengl (Chefzeitnehmer bei Motorsportveranstaltungen in Salzburg), und dessen Sohn Manfred Stengl (Olympiasieger im Doppelsitzerbewerb der Rennrodler in Innsbruck 1964, Bobfahrer und Motorradrennfahrer), und der seinerzeit bekannteste Sportreporter Salzburgs Hans Klettner. Mehr dazu siehe Karajan und der Motorsport#1969: Testfahrt in einem Porsche 908/02 'Flunder'.

Sonstiges

Von Naturkatastrophen blieb auch der Salzburgring nicht verschont: Ein Wolkenbruch am 20. Juli 1981 führte zu sintflutartigen Überschwemmungen; im heute nicht mehr bestehenden Fahrerlager-Restaurant zeugte die über fensterbretthohe ›Pegelmarke‹ davon. 15 Jahre Rennstrecke Salzburgring, Sonderdruck Redaktion Peter Bertschinger unter Mitarbeit von Dkfm. Dr. Helmut Krackowizer und Ing. Ernst Kussin.

Auf dem Salzburgring gab es (gibt es noch?) die Rennfahrerschule Jim Russell Racing Drivers School.

Seit Mai 2021 werden Lärmmessungen auf dem Salzburgring durchgeführt.

Bilder

  Salzburgring – Sammlung von weiteren Bildern, Videos und Audiodateien im SALZBURGWIKI
  Panoramaaufnahmen vom Salzburgring – Sammlung von weiteren Bildern, Videos und Audiodateien im SALZBURGWIKI

Literatur

Weblinks

Quellen

  • Eintrag in der deutschsprachigen Wikipedia zum Thema "Salzburgring"
  • "50 Jahre Salzburgring", ein Kundenmagazin der IGMS in Kooperation mit den "Salzburger Nachrichten"; erschienen am 27. Juli 2019

Einzelnachweise

  1. ↑ salzburg.orf.at, 18. Juni 2014
  2. ↑ "Salzburger Nachrichten", 5. September 1968, Seite 8
  3. ↑ www.sn.at, Archiv der Salzburger Nachrichten, Ausgabe vom 19. März 1969, Seite 9
  4. ↑ "Salzburger Nachrichten", 7. Oktober 2011
  5. ↑ "Salzburger Nachrichten", 4. November 2011
  6. ↑ "Salzburger Nachrichten", 23. November 2020
  7. ↑ 7,0 7,1 Chronik "15 Jahre Rennstrecke Salzburgring", Seite 21
  8. ↑ Motorrad-Literatur- und Bildarchiv Prof. Dr. Helmut Krackowizer
  9. ↑ Salzburger Nachrichten vom 17. September 2015 und www.meinbezirk.at, 16. September 2015
  10. ↑ www.motorsport-magazin.com mateschitz-kauft-salzburgring-doch-nicht, 1. Juli 2016
  11. ↑ www.sn.at, 5. Oktober 2023
  12. ↑ sn.at, 12. November 2025
  13. ↑ salzburg.com online
  14. ↑ "Salzburger Nachrichten", 7. August 2023
  15. ↑ "Salzburger Nachrichten", 23. September 2024, Lokalteil Seite 23