Internationaler Gemeinnütziger Motorsportverein Salzburgring

Aus Salzburgwiki
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Der Internationale Gemeinnützige Motorsportverein Salzburgring (IGMS) ist seit 1982 Pächter des Salzburgrings.

Geschichte

Vorläufer der IGMS war die Interessensgemeinschaft Salzburgring (IG). Nachdem die Salzburger Landesregierung am 23. März 1981 beschlossen hatte den Salzburgring, der im Besitz des Landes Salzburg war, keine öffentlichen Mittel mehr zur Verfügung zu stellen und zu schließen, kam eine Unterschriftenaktion mit über 30 000 Unterschriften[1] für die Erhaltung des Rings zustande. Schließlich lenkte die Landesregierung ein.

Zunächst forderte Finanz-Landesrat Anton Bonimaier 600.000 Schilling (rund 43.600 Euro) jährliche Pacht. Helmut Krackowizer und Franz Bauer von der IG konnten dem Landesrat in einem Gespräch im August 1981 klarmachen, dass die IG diesen Pachtzins nicht aufbringen wird können. Der Landesrat stimmte dann zu, dass der Pachtvertrag im Konsens bei einer der nächsten Regierungssitzungen im September festgelegt werden soll. 1982 betrug dann die die Pacht an das Land Salzburg 150.000 Schilling (etwa 10.900 Euro).

Peter Bertschinger, Sport-Chefredakteur beim Salzburger Tagblatt, nahm 1981 an einer entscheidenden Gesprächsrunde im Valvoline-Bus im Fahrerlager des Salzburgrings teil, in der es um die Möglichkeiten zur Erhaltung der Rennstrecke ging. Die weiteren Teilnehmer waren ARBÖ Landespräsident Hofrat Dr. Franz Bauer, Landeshauptmann-Stellvertreter Dr. Herbert Moritz und der frühere Landessportsekretär Schorsch Kopp sowie Ing. Ernst Kussin und ARBÖ-Landessekretär Peter Angermayr.[2]

Der IGMS wurde mit 16. September 1981 in das Vereinsregister eingetragen.[3] Diesem gehörten laut Statuten sieben ordentliche Mitglieder an: fünf nicht gemeinnützige Motorsportvereine, je ein Vertreter des "Clubs der Streckenfunktionäre" und der Gemeinde Plainfeld. In dieser Zusammensetzung sahen die Gewerbebehörde und die Vereinsbehörde ein Vergehen und erließen Strafbescheide. In ihrer Begründung führten sie an, daß der Betrieb des Salzburgringes überwiegend gewerbsmäßigen Charakter besitzt und daher eine gewerbliche Betriebsstättengenehmigung benötigt. Während diese Verfahren noch im Gang waren, versuchte im Jänner 1983 die "Aktionsgemeinschaft gegen die Weiterführung des Salzburgringes", vertreten durch Dr. Hans Altmüller, die Behörden zur Schließung zu bewegen. In einer Stellungnahme von Ing. Ernst Kussin, dem Geschäftsführer des IGMS, im März 1983 an die Sicherheitsdirektion bzgl. vorgenannter Beschwerde der Aktionsgemeinschaft, widerlegte er Unwahrheiten im Schreiben von Dr. Altmüller, der im übrigen wie andere Mitglieder dieser Aktionsgemeinschaft kilometerweit vom Ring entfernt wohnte.

1982 konnte die IGMS bereits positiv bilanzieren. Einnahmen in der Höhe von 2,6 Millionen Schilling (188.900 Euro) standen Ausgaben in der Höhe von 2,1 Millionen Schilling (152.600 Euro) gegenüber. Wie dem Protokoll der Jahreshauptversammlung des IGMS am 21. November 1983 zu entnehmen ist, informierte Präsident Dr. Krackowizer über die Verlängerung der Rennlizenzen der FIM und FIA bis 1985. Gegenüber 1982 gab es eine Einnahmensteigerung von mehr als 30 Prozent. Errichten wurden eine Drainage, ein Parkplatz, eines Pressehauses, der Boxenübergang wurde erweitert und eine Lautsprecher- sowie eine TV-Überwachungsanlage wurden installiert. Das Budget umfasste 3,3 Millionen Schilling Einnahmen (rund 240.000 Euro) und 2,7 Millionnen Schilling Ausgaben (rund 196.000 Euro).

Bei der Jahreshauptversammlung am 10. Dezember 1984 wurde Alex Reiner zum neuen Präsident gewählt, Dr. Krackowizer blieb neben Hofrat Dr. Franz Bauer Vizepräsident. Die Einnahmen betrugen in diesem Jahr 3,4 Millionen Schilling (rund 247.000 Euro), die Ausgaben 2,65 Millionen (rund 193.000 Euro). 1985 entnimmt man dem Budget-Bericht 4,6 Millionen Schilling Einnahmen (rund 334.000 Euro), denen Investitionen in der Höhe von 2,3 Millionen Schilling (rund 167.000 Euro), 1,1 Millionen Schilling (rund 80.000 Euro) Instandhaltungskosten und 895.000 Schilling Betriebaufwand (rund 65.000 Euro) gegenüberstanden, gesamt also 4,4 Millionen Aufwand (rund 3,2 Millionen Euro), die Differenz von rund 228.000 Schilling (rund 16.500 Euro) war Rückstellungen.

Das Schreiben von Dr. Schmalzl vom Amt der Salzburger Landesregierung vom 30. Juli 1985 an Dr. Helmut Krackowizer in Bezug auf dessen Einsatz für die Erhaltung des Salzburgrings in den 1980er-Jahren.

In der Jahreshauptversammlung vom 16. Dezember 1985 legte Helmut Krackowizer seine Funktion als Vizepräsident zurück. Bei der am 1. Juni 1985 stattgefundenen Inspektion des Salzburgrings durch einen Vertreter zur Verlängerung der FIM-Lizenz für den Ring für weitere drei Jahre wurde Krackowizer offensichtlich bewusst falsch in Bezug auf die Uhrzeit der Inspektion informiert. Obwohl Krackowizer laut Geschäftsordnung für Sicherheitsfragen für Motorradrennen zuständig gewesen wäre, wurde er zu diesem Thema nicht hinzugezogen. Ein weiterer Grund für seine Amtsniederlegung war die im März 1985 von Vizepräsident Dr. Bauer ausgelöste Debatte über die Rolle von Krackowizer bei der Gründung der IGMS und seine Initiative zur Verpachtung und Weiterführung des Salzburgrings bei der Landesregierung. Daraufhin hatte Krackowizer bei den seinerzeit an den Gesprächen beteiligten Landesräten nachgefragt, ob sie noch über schriftliche Aufzeichnungen der im Sommer 1981 mit ihm geführten Gespräche verfügten.[4] Und in einem Schreiben vom 30. Juli 1985 von Dr. Schmalzl vom Amt der Salzburger Landesregierung an Dr. Krackowizer stand

"... 1) Wie bereits dargestellt, wurden die von Ihnen angesprochenen Verhandlungen über eine Verpachtung des Salzburgringes an den IGMS im Juli und August 1981 unter Vorsitz von HR Dr. Johann Schernthanner bzw. LR Dipl.-Ing. Bonimaier abgehalten.
2) Unbestritten ist für das Amt der Salzburger Landesregierung Ihre hervorragende Rolle bei den Bemühungen um eine Weiterführung des Salzburgringes. Das gefertigte Amt geht davon aus, daß ohne Ihre Initiativen eine Verpachtung an den IGMS entweder nicht oder nur zu einem wesentlich späteren Zeitpunkt erfolgt wäre."

Zum Zeitpunkt der Jahreshauptversammlung 1985 befand sich Geschäftsführer Kussin nach einem Schlaganfall auf dem Weg der Besserung. Kussin hatte sich in unermüdlichem Einsatz um den Salzburgring bemüht.[4]

Aus den Vereinsstatuten der 1980er-Jahre

Sitz des Vereins war in der Stadt Salzburg in der Münchner Bundesstraße 8 (damals Sitz des ARBÖ Landesorganisation Salzburg).

Zweck des Vereins

Die Tätigkeit des Vereins, der nicht auf Gewinn gerichtet ist, verfolgt gemeinnützige Zwecke, insbesondere richtet sich seine Tätigkeit auf

a) Durchführung von Motorsportveranstaltungen selbst oder durch die Mitglieder, sowie anderer Sportveranstaltungen allein oder in Verbindung mit anderen Sportvereinen.
b) Erhaltung, Ausbau und Betreuung des Salzburgrines.
c) Benützung des Salzburgringes durch seine Mitglieder.

Ordentliche Mitglieder

Ordentliche Mitglieder waren

Die Ordentlichen Mitglieder waren berechtigt, im nachfolgenden Verhältnis stimmberechtigte Delegierte zu entsenden:

  • die ARBÖ Landesorganisation Salzburg: 10
  • der Automobilclub Bavaria München e. V.: 6
  • der Motor Veteranen Club Salzburg: 3
  • der Sportclub Salzburgring: 2
  • der Club der Salzburger Streckenfunktionäre: 2
  • die Gemeinde Plainfeld: 2
  • der 1. Salzburger Kart Rennclub: 1

Aus der Geschäftsordnung 1984

Die Kompetenzbereiche der Präsidenten waren wie folgt aufgeteilt:

  • Präsident Alex Reiner: Verkehr mit politischen Instanzen, Rennstreckenbetrieb, -erhaltung und -investitionen, Werbung, Sicherheit (Automobile);
  • Vizenpräsident Hofrat Dr. Franz Bauer: Verkehr mit Behörden und Gemeinden und sonstigen öffentlichen Körperschaften, Rechtsangelegenheiten, innerbetriebliche Belange;
  • Vizepräsident Dkfm. Dr. Helmut Krackowizer: Verkehr mit Sportbehörden, Public Relations, Sicherheit (Motorräder);
  • Vizepräsident Dkfm. Hermann Tomczyk: wegen seiner geografischen Beheimatung kein spezieller Kompetenzbereich; er musste jedoch gem. der [in der Quelle] anschließend beschriebenen Vorgangsweisen zur Sicherstellung eines stets aktuellen Informationsstandes in der Meinungsbildung der Präsidenten eingebunden sein;

Der IGMS heute

Der IGMS hat heute (2020) seinen Sitz Salzburgring 1 in Koppl. Geschäftsführer ist Ernst Penninger.

Präsident bis April 2021 war Dir. Alexander Reiner.[3]

Anschrift

Salzburgring 1
5325 Plainfeld
Telefon: (0 62 21) 73 01
Telefax: (0 62 21) 730 3
E-Mail: office@salzburgring.com

Quellen

Einzelnachweise

  1. laut Unterlagen im Motorrad-Literatur- und Bildarchiv Prof. Dr. Helmut Krackowizer, 17 000 Unterschriften; laut Legende Salzburgring, Tradition mit Innovation, Seite 140
  2. 15 Jahre Rennstrecke Salzburgring, Sonderdruck Redaktion Peter Bertschinger unter Mitarbeit von Dkfm. Dr. Helmut Krackowizer und Ing. Ernst Kussin
  3. 3,0 3,1 abgefragt am 25. November 2020
  4. 4,0 4,1 Eine schriftliche Erklärung von Dr. Helmut Krackowizer vom 16. Dezember 1985