Salzburger Landestheater
Das Salzburger Landestheater befindet sich in der Landeshauptstadt Salzburg in der rechtsufrigen Altstadt an der Kreuzung Schwarzstraße - Makartplatz.
Geschichte
Die Entstehung
Fürsterzbischof Paris Graf Lodron hatte an der Stelle des heutigen Theaters ein Ballhaus zum Zwecke des Ballspiels erbauen lassen.
Am 16. November 1775 wurde vom aufklärten Fürsterzbischof Hieronymus Graf Colloredo am damals noch Hannibalplatz genannten Makartplatz das Fürsterzbischöfliche Hoftheater eröffnet, wobei "Die Gunst des Fürsten" von Christian Heinrich Schmidt aufgeführt wurde. Colloredo, der auch oberster Zensor war, vertrat ein Theater der Aufklärung, als öffentliche Erziehungsanstalt und geistvollen Zeitvertreib für die Bürger. So spielte man hier schon sehr früh Schillersche Dramen wie "Die Räuber" und "Fiesco" 1783/1784, "Kabale und Liebe" 1785 oder "Don Carlos" 1797.
Das Theater und Mozart
Das als ein typisches Logentheater seiner Zeit erbaute Theater erwies sich schon bald als zu klein und wurde bereits 1788/1789 umgebaut. Bereits am fürsterzbischöflichen Hoftheater, das man an Theatertruppen und Theatergesellschaften verpachtete, arbeiteten berühmte Persönlichkeiten - z. B. Emanuel Schikaneder, der Librettist der "Zauberflöte" von Wolfgang Amadeus Mozart, als Prinzipal 1780/1781. Unter seiner Leitung wurden zur Aufheiterung des Publikums Tragödien immer mit Ballett kombiniert. Der größte Publikumserfolg dieser Jahre war "Agnes Bernauer" mit 60 Soldaten als Ritter-Darstellern.
Die Familie Mozart hatte im Hause freien Eintritt. Und bereits 1784/1785 gab man sieben oder acht Mal Mozarts "Entführung aus dem Serail".
Ebenfalls als Prinzipal wirkte hier Franz Anton von Weber, der Vater Carl Maria von Webers, mit seiner Weberschen Operntruppe 1795/1796.
Das Theater im Kurfürsten- und Herzogtum
Nach der Säkularisation des Fürsterzbistums 1803 wurden unter dem Kurfürsten Ferdinand III. von Toskana Erleichterungen für das Theater geschaffen, wie jährliche Subventionen, ein Zuschuss für das Orchester und ein Abonnement der "Hofloge". Das Haus hieß ab jetzt Kurfürstliches Theater. Freilich währte das Kurfürstentum Salzburg nur bis 1805.
Der erste Regisseur
1806 wurde von der Theater-Kommission mit Andre Schopf erstmals eine Art Regisseur ernannt, verantwortlich für die Besetzung, Einstellung und Entlassung von Schauspielern und Dekoration. Man gab Singspiele mit aktuellen Anspielungen, Pantomimen, Melodramen und Passionsspiele. Vertraglich war die Direktion zu einer Oper und drei Schauspielinszenierungen pro Monat verpflichtet.
Ein kurzes "Gastspiel" des österreichischen Kaiserhauses in Salzburg brachte 1808 dem Haus den Namen k. k. Nationaltheater. Doch schon 1809 kam Salzburg unter französische Verwaltung und 1810 wurde es ein Teil des Königreichs Bayern. Die Theater von Salzburg und Innsbruck wurden unter eine Direktion gestellt und mit 2000 Gulden subventioniert. Das jetzt bayerische Salzburger "Königliche National-Theater" musste jedoch zugunsten des abgewirtschafteten Innsbrucker Hauses verzichten.
1816 kam Salzburg endgültig zu Österreich und wurde eine vergessene Provinzstadt, Linz unterstellt. Sämtliche Subventionen für das Theater wurden eingestellt.
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wirkten der Volksschauspieler Alexander Girardi, der in Salzburg 1870/1871 sein erstes Engagement fand, Katharina Schratt, die von 1879 bis 1887 in verschiedenen Rollen zu sehen war, und der Komponist Hugo Wolf als Kapellmeister 1881/1882.
Die 1863 eingeführte Gasbeleuchtung wurde 1887 elektrifiziert - das erste Salzburger Elektrizitätswerk stand ja nur ein paar Meter weiter am Makartplatz, wo heute eine Bank steht.
1892 ging das Theater in den Besitz des Stadtmagistrats über und wurde wegen Baufälligkeit und veralteter technischer Ausstattung abgerissen. Nach Plänen des Architekten Ferdinand Fellner und unter Mitwirkung des Bildhauers Edmund Hellmer für 650.000 Kronen im neubarocken Stil neu erbaut, wurde es am 1. Oktober 1893 als neues Stadttheater von Kaiser Franz Joseph I. eröffnet. Die Eröffnungsvorstellung am selben Tage: Die "Titus"-Ouverture von W. A. Mozart und "Der Talisman" von Ludwig Fulda unter Mitwirkung von Max Reinhardt, der seine Karriere an diesem Haus 1893/94 begann. Wie auch Robert Stolz 1902/1903 und Nico Dostal 1921 bis 1924.
Künstler
Nicht minder prominent sind die Künstler, die ab 1893 und im 20. Jahrhundert hier wirkten und die anfangs durch einen so genannten "Korsarenbrief" zu einem umfangreichen "eisernen Repertoire" und dem Aufkommen für ihre Garderobe verpflichtet waren. Außer dem erwähnten Max Reinhardt waren es unter vielen anderen
- Albert Bassermann, Alexander Moissi, Anna Bahr-Mildenburg, Asta Nielsen, Alma Seidler, Hansi Niese, Richard Tauber, Rosa Albach-Retty, Adele Sandrock, Erich Ponto, Max Mell, Hans Moser, Carl Zuckmayer, Karl Böhm, Maria Cebotari, Susi Nicoletti, Josef Meinrad, Helmuth Matiasek (der auch Intendant war und später die hier engagierte Cornelia Froboess heiratete), Kurt Weinzierl, Karl Merkatz, Raoul Aslan, Hugo Lindinger, Werner Schneyder, Walter Giller, Franz Muxeneder, Boris Rubaschkin, Heinz Rohn, Klaus Maria Brandauer, Margot Werner als Balletteuse, Günther Schneider-Siemssen, Maria Tiboldi, Hermann Leopoldi, Tilla Durieux, Max Pallenberg, Fritz Muliar, Johannes Heesters, Heinz Hilpert, Karl Schönböck, Hugo Lindinger, Marika Rökk, Lola Müthel, Annie Rosar, Sieghardt Rupp, Helge Roswaenge, Otto Schenk, Magda Schneider, Leo Slezak, Giuseppe Taddei, Bruno Walter, Hans Thimig oder aktuell Werner Friedl.
Das Theater zur NS-Zeit
1933 kam es zu einem eklatanten Schwund der deutschen Besucher durch die Einführung der 1000-Mark-Sperre. Eine große Renovierung wurde 1939 für eine Million Reichsmark vom Deutschen Reich sowie Stadt und Land Salzburg durchgeführt. Dabei wurde viel Stukkatur und Gold entfernt und die Fassade neu gebaut. Die Wiedereröffnung fand mit Mozarts "Entführung" unter dem Dirigenten Karl Böhm und in Anwesenheit Hitlers statt. 1940 wurde das Haus in Landestheater umbenannt, 1944 wegen des Krieges und der Bombenangriffe geschlossen, dann abermals renoviert.
Nach dem Zweiten Weltkrieg
Nach dem Krieg benutzten die Amerikaner, die das Haus beschlagnahmt hatten, den heutigen Ballettsaal als Filmprüfstelle, im heutigen Rauchfoyer entstand das erste ORF-Studio. Intendant war der aus dem KZ zurückgekehrte Johannes von Hamme. Am 5. Februar 1951 wurde Peter Stanchina Direktor des Landestheaters.
Am 18. Juni 1949 gelangte das symphonische Ballett „Atalanta“ von Vittorio Gnecchi zur Welturaufführung.
1961 wurde der Orchestergraben vergrößert, 1971 die Salzburger Kammerspiele mit "Change" von Wolfgang Bauer im ehemaligen Mirabell-Casino eröffnet. 1975 wurde im Großen Haus die Drehbühne eingebaut.
In den Jahren unter der Intendanz von Lutz Hochstraate seit 1986 gab es in diesem Hause zahlreiche Uraufführungen, wie z. B. Rolf Hochhuths "Arbeitlose oder Das Recht auf Arbeit", Opern von Gerhard Schedl wie "Glaube Liebe Hoffnung", Inszenierungen von Hermann Prey ("Hochzeit des Figaro"), Harry Kupfer, in dessen "Zauberflöte" der unvergessene Walter Berry den Sarastro gab, Karl Ernst und Ursel Herrmann, in deren "Die Zauberflöte" 1991 Christine Schäfer als 'Pamina' von hier aus Karriere machte, Christine Mielitz ("Così fan tutte" 2002/2003);
Weiters Auftritte international bekannter Schauspieler wie Michael Heltau (Klemperer-Lesung) und Will Quadflieg (Goethe-Rezitation), Wolfgang Gasser (z. B. als der "Unbestechliche"), Fritz Muliar ("Sibirien"), Karl Merkatz ("Der Bockerer"), Heinz Trixner ("Furtwängler" ) oder Mathieu Carrière als Michail Bulgakow in der Uraufführung "Der Dichter und sein Diktator" von Maria G. Hofmann (2002/2003), in vielen Produktionen Julia Gschnitzer (z. B. "Geschichten aus dem Wienerwald" 2001/2002, "Am Ziel" von Thomas Bernhard 2001/2002) oder Georg Schuchter als 'Torquato Tasso', als schüchterner Kontrabassist ("Der Kontrabaß") oder als Mephisto im "Faust".
2003/2004 fand die bisher letzte umfassende Renovierung statt. Am 13. Juni 2004 beschloss eine Aufführung vom Mozarts Hochzeit des Figaro die 18-jährige Intendanz Hochstraates.
Mit der Spielzeit 2004/2005 hat Peter Dolder die Leitung des Hauses übernommen. Am 26. November 2007 wurde Carl Philip von Maldeghem zum neuen Intendanten des Salzburger Landestheaters ab der Saison 2009/2010 bestellt.
Musical 2011: The Sound of Music
Im Mai 2012 gab das Salzburger Landestheater bei einem Pressegespräch bekannt, dass alle 35 Vorstellungen des Musicals The Sound of Music der Saison 2011/2012 zu 100 Prozent ausverkauft waren und dem Haus damit den größten kommerziellen Erfolg seiner Geschichte bescherten.
Affäre B.
Im Juni 2012 erhob eine Mitarbeiterin des Salzburger Landestheater schwere Vorwürfe gegen den kaufmännischen Direktor B. Dieser hätte ein SMS mit sexistischem Inhalt an sie geschickt. B wehrte sich gegen diese Vorwürfe. Gleichzeitig wurde bekannt, dass B bereits bei seiner früheren Arbeitsstelle SALK ähnlichen Vorwürfen ausgesetzt war und dort das Dienstverhältnis auflöste[1]. Dabei erhielt B eine Abfertigung von 170.000 Euro. In der neuerlichen Debatte am Landestheater bekäme B bei vorzeitiger Auflösung seines Dienstvertrages eine Abfertigung bis zu 392.000 Euro.[2]
Nach Erstellung eines 21-Seiten starken Gutachtens einer Juristin und einer Psychologin erhärteten sich die Vorwürfe gegen B. Die beiden hatten 30 Mitarbeiter des Landestheaters sowie B selbst befragt. Nachdem B bereits am 5. Juli 2012 suspendiert wurde, erfolgte am 16. Juli 2012 durch LH-Stv. und Kulturreferenten Mag. David Brenner (SPÖ) nach einer dreistündigen Sitzung des zehnköpfigen Theaterausschusses, in deren Verlauf auch B angehört wurde, die Entlassung B. B, für den die Unschuldsvermutung gilt, will diese Entlassung vor Gericht bekämpfen. Die Vorwürfe reichten von anzüglichen SMS bis zu Mobbing und schlechter Mitarbeiterführung[3]
Bildergalerie
Landestheater und Hotel Bristol
Die von Adolf Haslinger angeregte Gedenktafel erinnert daran, dass das Salzburger Landestheater wichtige Thomas Bernhard-Stücke uraufgeführt hat
Weblinks
Quelle
- ↑ Mitte Juli 2012 lag ein Schreiben von Krankenhaus-Chef Burkhard van der Vorst an Personallandesrat Sepp Eisl (ÖVP) vor. Darin bestätigt van der Forst, das LH-Stv. David Brenner über "Spannungen" in den SALK informiert worden sei - noch bevor B dort seinen Dienst quittierte und dafür rund 170.000 Euro erhielt
- ↑ "Salzburger Nachrichten", 12. Juli 2012
- ↑ "Salzburger Nachrichten", 17. Juli 2012