Stadtpfarrkirche Unserer Lieben Frau Mariae Himmelfahrt: Unterschied zwischen den Versionen

 
 
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[[Bild:Muellner_kirche_1.jpg|thumb|250px|Die '''Müllner Kirche''']]Eine erste Kapelle in Mülln wurde [[1148]] erstmals erwähnt. Erzbischof [[Gebhard]] hatte damals den baufällig gewordenen Altar der Marien-Kapelle erneuern lassen. Mülln wurde als vermutlich älteste [[Altstadt|Salzburger Vorstadt]] bald als Vorbefestigung der Stadt militärisch stark gesichert und mit Mauern und starken Wehrtürmen versehen.  
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Die '''Stadtpfarrkirche Unserer Lieben Frau Mariae Himmelfahrt''', auch ''Augustinerkirche'' oder ''Müllner Kirche'' genannt, befindet sich in der [[Stadt Salzburg]] im Stadtteil [[Mülln]] am nördlichen Fuß des [[Mönchsberg]]s. Sie zählt zu den [[Denkmalgeschützte Objekte in der Stadt Salzburg|denkmalgeschützten Objekten in der Stadt Salzburg]].
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== Geschichte ==
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Die Stadtpfarrkirche dürfte eine frühmittelalterliche Marienkapelle als Vorgängerbau gehabt haben.<ref>[[Kurt Anton Mitterer|Mitterer, Kurt Anton]]: ''Die [[Patrozinium|Patrozinien]] der [[Erzdiözese Salzburg|Diözese Salzburg]] unter besonderer Berücksichtigung der Heiligenverehrung im [[8. Jahrhundert|8.]] und [[9. Jahrhundert]]'', [https://www.zobodat.at/pdf/MGSL_132_0007-0127.pdf www.zobodat.at], pdf, Seite 28</ref> [[1148]] wurde eine erste heilige Stätte oder Kapelle in Mülln erwähnt. [[Erzbischof]] [[Gebhard]] hat den baufällig gewordenen Altar der Marienkapelle damals erneuern lassen. Mülln, die vermutlich älteste [[Altstadt|Salzburger Vorstadt]], wurde bald als Vorbefestigung der Stadt militärisch stark gesichert und mit Mauern und starken Wehrtürmen versehen. Auch die Kirche, damals vermutlich an der [[Müllner Hauptstraße]] gelegen, wurde mit einbezogen.
  
Auch die Kirche, damals vermutlich an der Müllner Hauptstraße gelegen, wurde mit einbezogen. Erzbischof [[Johann von Reisberg]] begann für eine nun deutlich gewachsene Kirchengemeinde im Jahr [[1439]] mit dem Neubau der Kirche in Form einer gotischen Saalkirche, die in ihrer Grundsubstanz bis heute erhalten ist. Diese Kirche wurde kurz nach [[1460]] Pfarrkirche, die aber später immer mehr verfiel. Erzbischof [[Wolf Dietrich von Raitenau|Wolf Dietrich]] erneuerte die Kirche, baute sie um und übergab sie den Augustiner-Eremiten als neue Klosterkirche. [[1674]] bekam die Kirche ihren barocken Zwiebelhelm und den straßenseitigen Vorbau hinter dem sich nun das geräumige Stiegenhaus mit seinen Malereien und seiner Dreifaltigkeitskapelle verbirgt. Turm und Vorhaus wurden von Baumeister [[Sebastian Stumpfegger]], der auch als Mitarbeiter von [[Fischer von Erlach]] arbeitete, errichtet. [[1833]] wurde die Kirche den Benediktinern zu [[Benediktinerabtei Michaelbeuern|Michaelbeuern]] übergeben. Bekannt ist in der Kirche der Hochaltar mit seiner Gnadenmadonna die um [[1460]] entstanden ist.
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[[Fürsterzbischof]] [[Johann II. von Reisberg]] begann im Jahr [[1439]] für eine damals deutlich gewachsene Kirchengemeinde mit einem Neubau der Kirche in Form einer [[gotik|gotischen]] Saal- oder Hallenkirche. Diese Kirche wurde [[1460]] geweiht, verfiel jedoch später immer mehr. Die Grundsubstanz dieses Bauwerks, vor allem der vermutlich etwas früher errichtete [[Romanik|spätromanische]] Turm, ist bis heute erhalten. Erhalten geblieben ist auch ein romanisches Kruzifix.
  
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[[1605]] erneuerte [[Fürsterzbischof]] [[Wolf Dietrich von Raitenau]] die Kirche, baute sie um und übergab sie den [[Augustinerorden|Augustiner-Eremiten]] als Klosterkirche. [[1674]] bekam der Turm der Kirche einen [[Barock|barocken]] Zwiebelhelm. [[1708]] wurde der Vorbau an der [[Augustinergasse]] errichtet, hinter dem sich nun das geräumige Stiegenhaus mit den Malereien und der Dreifaltigkeitskapelle verbirgt. Turm und Vorhaus wurden von Baumeister [[Sebastian Stumpfegger]], der auch als Mitarbeiter von [[Fischer von Erlach]] arbeitete, errichtet.
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[[1735]]–[[1738]] wurde der Innenraum im Stil des [[Rokoko]] umgestaltet, insbesondere der Stuckdekor an der Decke geschaffen.
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[[1758]] wurde der spätbarocke Hochaltar geschaffen, dessen Hauptmotiv die gotische Gnadenmadonna ist, die bereits [[1460]] entstanden ist. Die Madonna mit dem Kind wurde so angeordnet, dass sie jeweils am [[31. Mai]] gegen 19:00 Uhr durch die Abendsonne, die durch ein Fenster im Westen einfällt, beleuchtet wird.
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[[1799]] wurde die [[Turmuhr der Stadtpfarrkirche Mülln|Turmuhr]] von [[Johann Pentele senior]] hergestellt und eingebaut.
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[[1833]] wurde die Kirche den Benediktinern der [[Benediktinerabtei Michaelbeuern]] übergeben.
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== Innenausstattung ==
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=== Kirchenschiff und Kirchturm ===
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[[Datei:2025_07_15_Stadtpfarrkirche_Mülln_Salzburg_05.jpg|thumb|Blick zum Hauptaltar.]]
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Der vierjochige Saalbau wurde [[1735]]–38 [[barock]]isiert. Die [[Gotik|gotischen]] Kreuzrippengewölbe über der eingezogenen Barockdecke sind dabei erhalten. Im Gewölbescheitel finden sich Felder mit Christus-, Marien- und Johannesmonogramm sowie eine Heilig-Geist-Taube. Die seitlichen Medaillons stellen die vier Kirchenväter und die Verkündigung Mariens dar. Die Kanzel besitzt reiches Schnitzwerk und wurde [[1739]] von [[Johann Georg Hitzl]] geschaffen. Die vier Leinwandbilder über den Eingängen zu den Kapellen stammen von Vinzenz Fischer. Sie zeigen die Vermählung, die Verkündigung, die Heimsuchung und die Himmelfahrt Marias.
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Das Weihwasserbecken stammt aus dem [[16. Jahrhundert]]. Die Sakristeitür zeigt in ihrer Bemalung Darstellungen zweier Augustinerheiligen. Der Wandstuck in der Sakristei mit einem Relief des heiligen Bernhard stammt vom bekannten Stuckateur Diego Francesco Carlone und wurde [[1709]] gefertigt.
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Der im Kern spätgotische, vielleicht aber auch deutlich ältere Kirchturm besitzt heute drei- und vierteilige romanisierende Schallarkaden. Ost- und Westseite des Turms zieren prunkvolle Wappen von [[Max Gandolf von Kuenburg]], der [[1674]] den Turm umgestalten und mit einer barocken Doppellaterne versehen ließ.
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=== Barockaltar ===
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Der Wiener Maler Vinzenz Fischer schuf [[1758]]–[[1760]] den Entwurf für den heutigen barocken Hochaltar. Die Figuren des Altars gestaltete Lorenz Wieser. Die Darstellung der Heiligen Dreifaltigkeit sowie die allegorischen Figuren der Fides (Glauben) und der Spes (Hoffnung), bekrönt von der Gestalt des heiligen Augustinus, bilden den oberen Abschluss des Altars, der durch je zwei Doppelsäulen flankiert wird. Von barocken Putten umgeben steht inmitten des Barockaltars das gotische Gnadenbild der Madonna. Die seitlichen Statuen stellen folgende Heilige dar: Alexius, Katharina, Barbara und Wilhelm von Maleval.
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=== Gnadenbild ===
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Seit [[1453]] steht das heutige spätgotische Gnadenbild Unsere Liebe Frau von Mülln auf dem Hochaltar der Müllner Kirche. Es wurde vermutlich von Jakob Kaschauer gefertigt. Diese 'Schöne Madonna mit dem Jesuskind' war im Spät[[mittelalter]] bis ins frühe [[16. Jahrhundert]] der Mittelpunkt einer [[Wallfahrt]]. Inmitten des gotischen Schnitzaltares stand sie einst, umgeben von der heiligen [[Barbara von Nikomedien|Barbara]] und der heiligen [[Katharina von Alexandria|Katharina]].
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=== Leute- und Musikempore ===
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[[Datei:2025_07_15_Stadtpfarrkirche_Mülln_Salzburg_10.jpg|thumb|Blick zur Chor- und Orgelempore.]]
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Im Zuge der Übersiedelung aus dem einstigen geschnitzten gotischen Flügelaltar in den heutigen barocken Prunkaltar wurde die spätgotische Statue verändert. Die vormals schlichte farbige Fassung des Faltenkleides wurde massiv vergoldet, Maria und Jesuskind erhielten mächtige Goldkronen. Bis ins [[19. Jahrhundert]] war die Figur zudem in ein schweres Prunkgewand gekleidet.
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=== Orgel ===
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Die Orgel der Kirche, die schon Wolf Dietrich von Raitenau [[1607]] erneuern ließ und [[1614]] sowie [[1675]] repariert wurde, war allmählich nicht mehr funktionsfähig. Daher erhielt die Kirche [[1679]] ein neues Instrument,<ref>[[Gerhard Walterskirchen]]: Orgeln und Orgelbauer in Salzburg vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Beiträge zu 700 Jahren Orgelbau in der Stadt Salzburg. Salzburg 1982, S. 75.</ref> das der [[1641]] in Straubing geborene und in Mülln ansässige Orgelbauer [[Christoph Egedacher]] aufbaute. Das erhaltene prächtige barocke Gehäuse dieser Orgel ist oben mit den Wappen der [[Äbte von St. Peter]], [[Edmund Sinnhuber]] und [[Beda Seeauer]], geschmückt. Die Orgel wurde mehrfach umgebaut und schließlich [[1870]] durch einen Orgelneubau mit 14 Registern von [[Matthäus Mauracher I.|Matthäus Mauracher]] ersetzt.
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[[2003]] baute die Firma Kögler aus St. Florian bei [[Linz]] die jetzige Orgel mit 22 Registern, die im klanglichen Aufbau wieder einer Barockorgel entspricht und damit dem Stil des Gehäuses angepasst ist. Das Instrument ist mit einer Keilbalganlage mit Treteinrichtung ausgestattet sowie mit einem Tremulanten, der auf das ganze Werk wirkt.
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=== Glocken ===
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Vier Glocken c'-es'-f'-g' bilden das Hauptgeläute. Alle vier stammen aus der Salzburger [[Glockengießerei Oberascher]] und wurden [[1914]] (1) und [[1963]] (2–4) gegossen. Die kleine Totenglocke stammt aus dem [[15. Jahrhundert]] und ist wahrscheinlich die älteste in der [[Erzdiözese Salzburg]].
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=== Uhrwerk ===
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[[File:Salzburg - Mülln - Pfarrkirche Mülln Turmuhr - 2019 07 19 - Uhrwerk 4.jpg|thumb|Das Uhrwerk]]
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Das Uhrwerk stammt aus dem Jahr 1799 und wurde auf Veranlassung des damaligen Priors und Pfarrers Alypius Gartner eingebaut.<ref>Alle Angaben zum Uhrwerk aus: [[Michael Neureiter (Politiker)|Michael Neureiter]], [[Franz Lauterbacher]]: Das Turmuhrwerk 1799 in der Pfarrkirche Mülln. Informationsblatt, Salzburg 2019; ausgegeben anlässlich einer öffentlichen Führung am 19. Juli 2019.</ref> Angefertigt wurde es von "[[Johann Pentele junior|Johannes Bentele]], Hof- und bürgl. Großuhrenmacher in Salzburg Nr. 16".<ref>So die Aufschrift auf dem Uhrwerk.</ref> Das Werk treibt vier Ziffernblätter an: zwei auf dem Uhrturm, eines über dem Hochaltar und eines am ostseitigen Kirchendach.
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Zum Aufziehen der Uhr war täglich ein Gang in die Uhrstube auf dem Turm erforderlich, verbunden mit dreihundert Kurbelumdrehungen am Uhrwerk. In den 2010er Jahren wurde das Werk unter Wahrung der historischen Substanz von Michael Neureiter auf Elektrobetrieb umgestellt. Im Zuge dessen wurde auch ein Funkmodul zum Abgleich mit der Atomuhr in Mainflingen bei Frankfurt am Main eingebaut. Seither betreiben drei Motoren das Gehwerk sowie das Stunden- und Viertelstundenschlagwerk.
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=== Seitenkapellen ===
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Von [[1605]] bis [[1610]] ließ Fürsterzbischof Wolf Dietrich drei Seitenkapellen sowie im Chorhaupt eine Sakristei errichten. Drei der (mit der Turmkapelle) vier Seitenkapellen wurden als Grablegen für seine Brüder vorgesehen, von denen jedoch keiner in Salzburg verstarb und daher auch nicht hier begraben wurde. Der Hochaltar wurde [[1758]]/60 vom Steinmetzmeister Jakob Mösl nach Plänen von Vinzenz Fischer errichtet. [[1766]] entstand der Altar in der Turmkapelle, geschaffen von den Brüdern [[Johann Baptist Hagenauer|Johann Baptist]] und [[Wolfgang Hagenauer]]. [[1768]] folgten die Altäre für die drei ursprünglich für Wolf Dietrichs Brüder vorgesehenen Kapellen, die ebenfalls von Jacob Mösl errichtet wurden.
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==== Die nordöstliche Kapelle (Sakramentskapelle) ====
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Diese Seitenkapelle wurde für [[Hans Werner von Raitenau|Hans Werner (IV.) von Raitenau]] (* [[1571]]; † [[1647]]), Malteserkomtur, errichtet. Er verstarb jedoch in Orsingen (Baden-[[Württemberg]]) und ist dort, wie auch Wolf Dietrichs Mutter Helena von Raitenau, begraben. Am Gitter ist das Wappen der Raitenauer mit dem Wappen des Malteserordens angebracht, hier ebenfalls als rotes Kreuz auf weißem Grund. Die Stuckarbeiten und das Abschlussgitter wurden um 1610 geschaffen. Das Altarblatt wurde [[1690]] von [[Johann Michael Rottmayr]] geschaffen. Es zeigt den heiligen Nikolaus von Tolentino in seiner Vision des Christuskindes. Der Altaraufbau wurde [[1768]] von Jacob Mösl errichtet. Der spätbarocke Tabernakel stammt von [[Johann Georg Hitzl]].
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==== Die nordwestliche Kapelle ====
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[[Datei:2025_07_15_Stadtpfarrkirche_Mülln_Salzburg_12.jpg|thumb|In einem gläsernen Schrein befindet sich die Ganzkörperreliquie eines hl. Maximus.]]
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Sie wurde für Hans Ulrich (II.) von [[Raitenau]] (* [[1567]]; † [[1622]]), Deutschordenskomtur, errichtet. Er verstarb jedoch in Blumenthal bei Aichach ([[Bayern]]) und ist auch dort begraben. Das um 1610 gearbeitete Abschlussgitter zeigt das Wappen der Raitenauer mit dem Wappen des Deutschen Ordens, hier als rotes Kreuz auf weißem Grund. Die Stuckarbeiten wurden um [[1690]] geschaffen. Der [[Marmor]]altar mit dem Altarblatt stammt von [[1768]]. Das Altarblatt zeigt, wie Christus mit dem Kreuz dem hl. Johannes a San Facundo OESA erscheint und diesen umarmt. In einem gläsernen Schrein befindet sich die Ganzkörperreliquie eines hl. Maximus. An der Ostwand hängt ein Weihnachtsbild (Anfang [[17. Jahrhundert]]) nach Otto van Veen, auf dem der Tradition nach die Porträts von Wolf Dietrich und [[Salome Alt]] zu sehen sein sollen.
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==== Die südöstliche Kapelle ====
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Sie befindet sich im Erdgeschoss des alten Turms der Pfarrkirche (Turmkapelle). Sie war als Grablege für Salome Alt vorgesehen. Der dortige Altar mit den seitlichen Statuen des heiligen Johannes des Evangelisten und des Propheten Jesaja wurde von Wolfgang Hagenauer und dessen Bruder Johann Baptist geschaffen. Das dortige Gnadenbild zeigt Maria vom Guten Rat von Genazzano. In der Kapelle befindet sich ein achteckiger Taufstein aus [[Adneter Marmor]] mit spätbarockem Deckel.
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==== Die südwestliche Kapelle ====
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Für Hans Rudolf von Raitenau (* [[1575]]; † [[1633]]) und seine Ehefrau Maria Sydonia Freiin von Welsperg-Primör wurde diese Kapelle errichtet. Hans Rudolf verstarb in [[Gmünd]] ([[Kärnten]]) und ist dort begraben. Das Abschlussgitter zeigt links das Wappen von Hans Rudolf und rechts das Wappen der Familie Welsperg-Primör. Es trägt Reliefs der vier Evangelisten und von Gott Vater. Der Altar mit seinem Altarblatt der heiligen Maria, verehrt von den Heiligen Augustinus, Monika und Nikolaus von Toledo, wurde 1768 geschaffen. Die seitlichen Statuen zeigen den Papst Gelasius (?) und Bischof Thomas von Villanova (?).
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=== Stiegenhaus ===
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[[Datei:2025_07_15_Stadtpfarrkirche_Mülln_Salzburg_02.jpg|thumb|Der Treppenaufgang zur Kirche. Links auf halbe Höhe ein Marienaltar.]]
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[[1605]] bis [[1609]] wurde der Westfassade das heutige Stiegenhaus vorgesetzt, das [[1614]] über einen Schwibbogen mit dem alten Klostergebäude verbunden wurde. Leinwandbilder, umrahmt von Kapellen, schmücken die Wände:
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* Christus fällt unter dem Kreuz (um [[1600]])
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* Martyrium der heiligen Ursula, vermutlich von Johannes Bocksberger
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* Vision des heiligen Augustinus in der Wüste (Lunettenbild, Anfang 17. Jahrhundert)
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* Geißelung
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* Martyrium des heiligen [[Sebastian]]
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* Kreuzabnahme
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* Pietà (um 1720)
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* Kapelle beim ersten Absatz des Stiegenhauses mit Altar um [[1660]]
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* Dreifaltigkeitskapelle
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== Columbarien ==
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Etwa unter dem Mittelgang der Kirche liegt die 16 Meter lange Mönchsgruft mit den Columbarien, den Gräbern der Mönche. 1946 wurde hier der letzte Müllner Benediktinermönch zur letzten Ruhe gebettet. Die Mönchsgruft ist über den ehemaligen Friedhof seit einer Renovierung im April 2010 wieder zugänglich. Für die Renovierung wurden 65.000 Euro aufgewendet, davon entfielen 21.000 Euro auf die Restaurierung der Steinplatten. Am [[11. April]] 2010 wurden die Columbarien wieder gesegnet. Eine Besichtigung ist nur im Rahmen einer Führung möglich.
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== Um die Kirche ==
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Nördlich der Stadtpfarrkirche steht die [[Kreuzkapelle im Müllner Friedhof|Totenkapelle]] im [[Friedhof Mülln|Friedhof]], der die Stadtpfarrkirche im Norden und Süden umgibt. An einer Außenwand befindet sich das [[Schifferkreuz (Mülln)|Schifferkreuz]] an der alten Sakristei, heute als Kopie.
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== Bildergalerie ==
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'''Bild 1:''' Kapelle am Treppenbeginn beim Eingang zur Kirche.<br />
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'''Bild 2:''' Der Marienaltar auf halber Höhe der Treppe in die Kirche.<br />
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'''Bild 3:''' Der Seitenaltar am Ende der Treppe vor dem Eingang in die Kirche (rechts).<br />
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2025_07_15_Stadtpfarrkirche_Mülln_Salzburg_01.jpg|Kapelle am Treppenbeginn beim Eingang zur Kirche.
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2025_07_15_Stadtpfarrkirche_Mülln_Salzburg_03.jpg|Der Marienaltar auf halber Höhe der Treppe in die Kirche.
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2025_07_15_Stadtpfarrkirche_Mülln_Salzburg_04.jpg|Der Seitenaltar am Ende der Treppe vor dem Eingang in die Kirche (rechts).
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'''Bild 1:''' Der Hauptaltar.<br />
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'''Bild 2:''' Die Kanzel.<br />
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'''Bild 3:''' Das erhaltene prächtige barocke Gehäuse dieser Orgel ist oben mit den Wappen der [[Äbte von St. Peter]], [[Edmund Sinnhuber]] und [[Beda Seeauer]], geschmückt.<br />
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2025_07_15_Stadtpfarrkirche_Mülln_Salzburg_06.jpg|Der Hauptaltar.
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'''Bild 1:''' Der Turm.<br />
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'''Bild 2:''' Kirche bei Nacht. <br />
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'''Bild 3:''' Kirche bei Nacht im Winter.<br />
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'''Bild 4:''' [[Stadtansicht von Kulstrunk]], [[1916]], am linken Bildrand sieht man die Stadtpfarrkirche.<br />
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Bild:Muellner_kirche_5.jpg|Turm
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Müllner Kirche bei Nacht.jpg|Bei Nacht
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Müllner Kirche bei Nacht im Winter.jpg|Bei Nacht im Winter
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Datei:Stadtansicht von Kulstrunk 1916 Mülln Detail.jpg|[[Stadtansicht von Kulstrunk]], [[1916]], am linken Bildrand sieht man die Stadtpfarrkirche.
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=== weitere Bilder ===
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== Quellen ==
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* [http://www.stadt-salzburg.at/internet/die_stadt_salzburg/t2_237421/t2_170932/t2_172380/t2_295641/t2_251651/p2_251653.htm www.stadt-salzburg.at]
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* [http://www.salzburg-rundgang.at/sehenswuerdigkeiten/kirchen_und_kloester/muellner_pfarrkirche/ Müllner Pfarrkirche]
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* [[Franz Martin]] ''[[Salzburg, ein Führer durch seine Geschichte und Kunst#Die Ausgaben im Überblick|Salzburg, Geschichte und Kunst dieser Stadt]]'', [[Verlag "Das Bergland-Buch"]], [[1952]] (Neuauflage)
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* [http://www.drehpunktkultur.at/index.php?option=com_content&view=article&id=884%3Aaus-der-unterwelt-von-muelln&catid=54%3Ameldungen&Itemid=1 www.drehpunktkultur.at]
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* {{wikipedia-de}}
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== Einzelnachweise ==
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<references/>
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{{SORTIERUNG: Unserer Lieben Frau Mariae Himmelfahrt, Stadtpfarrkirche}}
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[[Kategorie:Stadt Salzburg]]
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[[Kategorie:Mülln]]
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[[Kategorie:Religion]]
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[[Kategorie:Erzdiözese]]
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[[Kategorie:Geschichte (Erzdiözese)‎]]
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[[Kategorie:Kultur und Bildung]]
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[[Kategorie:Architektur]]
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[[Kategorie:Denkmalschutz]]
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[[Kategorie:Denkmalschutz (Stadt Salzburg)]]
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[[Kategorie:Kirche (Bauwerk)]]
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[[Kategorie:Katholische Kirche]]
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[[Kategorie:Katholische Kirche (Bauwerk)]]
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[[Kategorie:Video]]

Aktuelle Version vom 29. Dezember 2025, 20:52 Uhr

Die Müllner Kirche
Die Glocken der Pfarrkirche Mülln
9 min 05 sek Video
Das Deckengewölbe im Hauptschiff.

Die Stadtpfarrkirche Unserer Lieben Frau Mariae Himmelfahrt, auch Augustinerkirche oder Müllner Kirche genannt, befindet sich in der Stadt Salzburg im Stadtteil Mülln am nördlichen Fuß des Mönchsbergs. Sie zählt zu den denkmalgeschützten Objekten in der Stadt Salzburg.

Geschichte

Die Stadtpfarrkirche dürfte eine frühmittelalterliche Marienkapelle als Vorgängerbau gehabt haben.[1] 1148 wurde eine erste heilige Stätte oder Kapelle in Mülln erwähnt. Erzbischof Gebhard hat den baufällig gewordenen Altar der Marienkapelle damals erneuern lassen. Mülln, die vermutlich älteste Salzburger Vorstadt, wurde bald als Vorbefestigung der Stadt militärisch stark gesichert und mit Mauern und starken Wehrtürmen versehen. Auch die Kirche, damals vermutlich an der Müllner Hauptstraße gelegen, wurde mit einbezogen.

Fürsterzbischof Johann II. von Reisberg begann im Jahr 1439 für eine damals deutlich gewachsene Kirchengemeinde mit einem Neubau der Kirche in Form einer gotischen Saal- oder Hallenkirche. Diese Kirche wurde 1460 geweiht, verfiel jedoch später immer mehr. Die Grundsubstanz dieses Bauwerks, vor allem der vermutlich etwas früher errichtete spätromanische Turm, ist bis heute erhalten. Erhalten geblieben ist auch ein romanisches Kruzifix.

1605 erneuerte Fürsterzbischof Wolf Dietrich von Raitenau die Kirche, baute sie um und übergab sie den Augustiner-Eremiten als Klosterkirche. 1674 bekam der Turm der Kirche einen barocken Zwiebelhelm. 1708 wurde der Vorbau an der Augustinergasse errichtet, hinter dem sich nun das geräumige Stiegenhaus mit den Malereien und der Dreifaltigkeitskapelle verbirgt. Turm und Vorhaus wurden von Baumeister Sebastian Stumpfegger, der auch als Mitarbeiter von Fischer von Erlach arbeitete, errichtet.

17351738 wurde der Innenraum im Stil des Rokoko umgestaltet, insbesondere der Stuckdekor an der Decke geschaffen.

1758 wurde der spätbarocke Hochaltar geschaffen, dessen Hauptmotiv die gotische Gnadenmadonna ist, die bereits 1460 entstanden ist. Die Madonna mit dem Kind wurde so angeordnet, dass sie jeweils am 31. Mai gegen 19:00 Uhr durch die Abendsonne, die durch ein Fenster im Westen einfällt, beleuchtet wird.

1799 wurde die Turmuhr von Johann Pentele senior hergestellt und eingebaut.

1833 wurde die Kirche den Benediktinern der Benediktinerabtei Michaelbeuern übergeben.

Innenausstattung

Kirchenschiff und Kirchturm

 
Blick zum Hauptaltar.

Der vierjochige Saalbau wurde 1735–38 barockisiert. Die gotischen Kreuzrippengewölbe über der eingezogenen Barockdecke sind dabei erhalten. Im Gewölbescheitel finden sich Felder mit Christus-, Marien- und Johannesmonogramm sowie eine Heilig-Geist-Taube. Die seitlichen Medaillons stellen die vier Kirchenväter und die Verkündigung Mariens dar. Die Kanzel besitzt reiches Schnitzwerk und wurde 1739 von Johann Georg Hitzl geschaffen. Die vier Leinwandbilder über den Eingängen zu den Kapellen stammen von Vinzenz Fischer. Sie zeigen die Vermählung, die Verkündigung, die Heimsuchung und die Himmelfahrt Marias.

Das Weihwasserbecken stammt aus dem 16. Jahrhundert. Die Sakristeitür zeigt in ihrer Bemalung Darstellungen zweier Augustinerheiligen. Der Wandstuck in der Sakristei mit einem Relief des heiligen Bernhard stammt vom bekannten Stuckateur Diego Francesco Carlone und wurde 1709 gefertigt.

Der im Kern spätgotische, vielleicht aber auch deutlich ältere Kirchturm besitzt heute drei- und vierteilige romanisierende Schallarkaden. Ost- und Westseite des Turms zieren prunkvolle Wappen von Max Gandolf von Kuenburg, der 1674 den Turm umgestalten und mit einer barocken Doppellaterne versehen ließ.

Barockaltar

Der Wiener Maler Vinzenz Fischer schuf 17581760 den Entwurf für den heutigen barocken Hochaltar. Die Figuren des Altars gestaltete Lorenz Wieser. Die Darstellung der Heiligen Dreifaltigkeit sowie die allegorischen Figuren der Fides (Glauben) und der Spes (Hoffnung), bekrönt von der Gestalt des heiligen Augustinus, bilden den oberen Abschluss des Altars, der durch je zwei Doppelsäulen flankiert wird. Von barocken Putten umgeben steht inmitten des Barockaltars das gotische Gnadenbild der Madonna. Die seitlichen Statuen stellen folgende Heilige dar: Alexius, Katharina, Barbara und Wilhelm von Maleval.

Gnadenbild

Seit 1453 steht das heutige spätgotische Gnadenbild Unsere Liebe Frau von Mülln auf dem Hochaltar der Müllner Kirche. Es wurde vermutlich von Jakob Kaschauer gefertigt. Diese 'Schöne Madonna mit dem Jesuskind' war im Spätmittelalter bis ins frühe 16. Jahrhundert der Mittelpunkt einer Wallfahrt. Inmitten des gotischen Schnitzaltares stand sie einst, umgeben von der heiligen Barbara und der heiligen Katharina.

Leute- und Musikempore

 
Blick zur Chor- und Orgelempore.

Im Zuge der Übersiedelung aus dem einstigen geschnitzten gotischen Flügelaltar in den heutigen barocken Prunkaltar wurde die spätgotische Statue verändert. Die vormals schlichte farbige Fassung des Faltenkleides wurde massiv vergoldet, Maria und Jesuskind erhielten mächtige Goldkronen. Bis ins 19. Jahrhundert war die Figur zudem in ein schweres Prunkgewand gekleidet.

Orgel

Die Orgel der Kirche, die schon Wolf Dietrich von Raitenau 1607 erneuern ließ und 1614 sowie 1675 repariert wurde, war allmählich nicht mehr funktionsfähig. Daher erhielt die Kirche 1679 ein neues Instrument,[2] das der 1641 in Straubing geborene und in Mülln ansässige Orgelbauer Christoph Egedacher aufbaute. Das erhaltene prächtige barocke Gehäuse dieser Orgel ist oben mit den Wappen der Äbte von St. Peter, Edmund Sinnhuber und Beda Seeauer, geschmückt. Die Orgel wurde mehrfach umgebaut und schließlich 1870 durch einen Orgelneubau mit 14 Registern von Matthäus Mauracher ersetzt.

2003 baute die Firma Kögler aus St. Florian bei Linz die jetzige Orgel mit 22 Registern, die im klanglichen Aufbau wieder einer Barockorgel entspricht und damit dem Stil des Gehäuses angepasst ist. Das Instrument ist mit einer Keilbalganlage mit Treteinrichtung ausgestattet sowie mit einem Tremulanten, der auf das ganze Werk wirkt.

Glocken

Vier Glocken c'-es'-f'-g' bilden das Hauptgeläute. Alle vier stammen aus der Salzburger Glockengießerei Oberascher und wurden 1914 (1) und 1963 (2–4) gegossen. Die kleine Totenglocke stammt aus dem 15. Jahrhundert und ist wahrscheinlich die älteste in der Erzdiözese Salzburg.

Uhrwerk

 
Das Uhrwerk

Das Uhrwerk stammt aus dem Jahr 1799 und wurde auf Veranlassung des damaligen Priors und Pfarrers Alypius Gartner eingebaut.[3] Angefertigt wurde es von "Johannes Bentele, Hof- und bürgl. Großuhrenmacher in Salzburg Nr. 16".[4] Das Werk treibt vier Ziffernblätter an: zwei auf dem Uhrturm, eines über dem Hochaltar und eines am ostseitigen Kirchendach.

Zum Aufziehen der Uhr war täglich ein Gang in die Uhrstube auf dem Turm erforderlich, verbunden mit dreihundert Kurbelumdrehungen am Uhrwerk. In den 2010er Jahren wurde das Werk unter Wahrung der historischen Substanz von Michael Neureiter auf Elektrobetrieb umgestellt. Im Zuge dessen wurde auch ein Funkmodul zum Abgleich mit der Atomuhr in Mainflingen bei Frankfurt am Main eingebaut. Seither betreiben drei Motoren das Gehwerk sowie das Stunden- und Viertelstundenschlagwerk.

Seitenkapellen

Von 1605 bis 1610 ließ Fürsterzbischof Wolf Dietrich drei Seitenkapellen sowie im Chorhaupt eine Sakristei errichten. Drei der (mit der Turmkapelle) vier Seitenkapellen wurden als Grablegen für seine Brüder vorgesehen, von denen jedoch keiner in Salzburg verstarb und daher auch nicht hier begraben wurde. Der Hochaltar wurde 1758/60 vom Steinmetzmeister Jakob Mösl nach Plänen von Vinzenz Fischer errichtet. 1766 entstand der Altar in der Turmkapelle, geschaffen von den Brüdern Johann Baptist und Wolfgang Hagenauer. 1768 folgten die Altäre für die drei ursprünglich für Wolf Dietrichs Brüder vorgesehenen Kapellen, die ebenfalls von Jacob Mösl errichtet wurden.

Die nordöstliche Kapelle (Sakramentskapelle)

Diese Seitenkapelle wurde für Hans Werner (IV.) von Raitenau (* 1571; † 1647), Malteserkomtur, errichtet. Er verstarb jedoch in Orsingen (Baden-Württemberg) und ist dort, wie auch Wolf Dietrichs Mutter Helena von Raitenau, begraben. Am Gitter ist das Wappen der Raitenauer mit dem Wappen des Malteserordens angebracht, hier ebenfalls als rotes Kreuz auf weißem Grund. Die Stuckarbeiten und das Abschlussgitter wurden um 1610 geschaffen. Das Altarblatt wurde 1690 von Johann Michael Rottmayr geschaffen. Es zeigt den heiligen Nikolaus von Tolentino in seiner Vision des Christuskindes. Der Altaraufbau wurde 1768 von Jacob Mösl errichtet. Der spätbarocke Tabernakel stammt von Johann Georg Hitzl.

Die nordwestliche Kapelle

 
In einem gläsernen Schrein befindet sich die Ganzkörperreliquie eines hl. Maximus.

Sie wurde für Hans Ulrich (II.) von Raitenau (* 1567; † 1622), Deutschordenskomtur, errichtet. Er verstarb jedoch in Blumenthal bei Aichach (Bayern) und ist auch dort begraben. Das um 1610 gearbeitete Abschlussgitter zeigt das Wappen der Raitenauer mit dem Wappen des Deutschen Ordens, hier als rotes Kreuz auf weißem Grund. Die Stuckarbeiten wurden um 1690 geschaffen. Der Marmoraltar mit dem Altarblatt stammt von 1768. Das Altarblatt zeigt, wie Christus mit dem Kreuz dem hl. Johannes a San Facundo OESA erscheint und diesen umarmt. In einem gläsernen Schrein befindet sich die Ganzkörperreliquie eines hl. Maximus. An der Ostwand hängt ein Weihnachtsbild (Anfang 17. Jahrhundert) nach Otto van Veen, auf dem der Tradition nach die Porträts von Wolf Dietrich und Salome Alt zu sehen sein sollen.

Die südöstliche Kapelle

Sie befindet sich im Erdgeschoss des alten Turms der Pfarrkirche (Turmkapelle). Sie war als Grablege für Salome Alt vorgesehen. Der dortige Altar mit den seitlichen Statuen des heiligen Johannes des Evangelisten und des Propheten Jesaja wurde von Wolfgang Hagenauer und dessen Bruder Johann Baptist geschaffen. Das dortige Gnadenbild zeigt Maria vom Guten Rat von Genazzano. In der Kapelle befindet sich ein achteckiger Taufstein aus Adneter Marmor mit spätbarockem Deckel.

Die südwestliche Kapelle

Für Hans Rudolf von Raitenau (* 1575; † 1633) und seine Ehefrau Maria Sydonia Freiin von Welsperg-Primör wurde diese Kapelle errichtet. Hans Rudolf verstarb in Gmünd (Kärnten) und ist dort begraben. Das Abschlussgitter zeigt links das Wappen von Hans Rudolf und rechts das Wappen der Familie Welsperg-Primör. Es trägt Reliefs der vier Evangelisten und von Gott Vater. Der Altar mit seinem Altarblatt der heiligen Maria, verehrt von den Heiligen Augustinus, Monika und Nikolaus von Toledo, wurde 1768 geschaffen. Die seitlichen Statuen zeigen den Papst Gelasius (?) und Bischof Thomas von Villanova (?).

Stiegenhaus

 
Der Treppenaufgang zur Kirche. Links auf halbe Höhe ein Marienaltar.

1605 bis 1609 wurde der Westfassade das heutige Stiegenhaus vorgesetzt, das 1614 über einen Schwibbogen mit dem alten Klostergebäude verbunden wurde. Leinwandbilder, umrahmt von Kapellen, schmücken die Wände:

  • Christus fällt unter dem Kreuz (um 1600)
  • Martyrium der heiligen Ursula, vermutlich von Johannes Bocksberger
  • Vision des heiligen Augustinus in der Wüste (Lunettenbild, Anfang 17. Jahrhundert)
  • Geißelung
  • Martyrium des heiligen Sebastian
  • Kreuzabnahme
  • Pietà (um 1720)
  • Kapelle beim ersten Absatz des Stiegenhauses mit Altar um 1660
  • Dreifaltigkeitskapelle

Columbarien

Etwa unter dem Mittelgang der Kirche liegt die 16 Meter lange Mönchsgruft mit den Columbarien, den Gräbern der Mönche. 1946 wurde hier der letzte Müllner Benediktinermönch zur letzten Ruhe gebettet. Die Mönchsgruft ist über den ehemaligen Friedhof seit einer Renovierung im April 2010 wieder zugänglich. Für die Renovierung wurden 65.000 Euro aufgewendet, davon entfielen 21.000 Euro auf die Restaurierung der Steinplatten. Am 11. April 2010 wurden die Columbarien wieder gesegnet. Eine Besichtigung ist nur im Rahmen einer Führung möglich.

Um die Kirche

Nördlich der Stadtpfarrkirche steht die Totenkapelle im Friedhof, der die Stadtpfarrkirche im Norden und Süden umgibt. An einer Außenwand befindet sich das Schifferkreuz an der alten Sakristei, heute als Kopie.

Bildergalerie

Bild 1: Kapelle am Treppenbeginn beim Eingang zur Kirche.
Bild 2: Der Marienaltar auf halber Höhe der Treppe in die Kirche.
Bild 3: Der Seitenaltar am Ende der Treppe vor dem Eingang in die Kirche (rechts).



Bild 1: Der Hauptaltar.
Bild 2: Die Kanzel.
Bild 3: Das erhaltene prächtige barocke Gehäuse dieser Orgel ist oben mit den Wappen der Äbte von St. Peter, Edmund Sinnhuber und Beda Seeauer, geschmückt.



Bild 1: Der Turm.
Bild 2: Kirche bei Nacht.
Bild 3: Kirche bei Nacht im Winter.
Bild 4: Stadtansicht von Kulstrunk, 1916, am linken Bildrand sieht man die Stadtpfarrkirche.

weitere Bilder

  Stadtpfarrkirche Unserer Lieben Frau Mariae Himmelfahrt – Sammlung von weiteren Bildern, Videos und Audiodateien im SALZBURGWIKI

Quellen

Einzelnachweise

  1. Mitterer, Kurt Anton: Die Patrozinien der Diözese Salzburg unter besonderer Berücksichtigung der Heiligenverehrung im 8. und 9. Jahrhundert, www.zobodat.at, pdf, Seite 28
  2. Gerhard Walterskirchen: Orgeln und Orgelbauer in Salzburg vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Beiträge zu 700 Jahren Orgelbau in der Stadt Salzburg. Salzburg 1982, S. 75.
  3. Alle Angaben zum Uhrwerk aus: Michael Neureiter, Franz Lauterbacher: Das Turmuhrwerk 1799 in der Pfarrkirche Mülln. Informationsblatt, Salzburg 2019; ausgegeben anlässlich einer öffentlichen Führung am 19. Juli 2019.
  4. So die Aufschrift auf dem Uhrwerk.