Wolf Dietrich von Raitenau: Unterschied zwischen den Versionen

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[[Datei:Wolf-Dietrich von Raitenau P1380516.JPG|thumb|Wolf Dietrich von Raitenau <br/> porträtiert von Kaspar Memberger]]
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'''Wolf Dietrich von Raitenau''' (* [[26. März]] [[1559]] auf Schloss Hofen bei Lochau, Nähe Bregenz, Vorarlberg, † [[16. Jänner]] [[1617]] in Salzburg auf der [[Festung Hohensalzburg]]), war einer der bedeutendsten [[Fürsterzbischöfe]] von Salzburg von [[1587]] bis [[1612]].  
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[[Datei:Wolf Dietrich von Raitenau Ausstellung Domquartier 01.jpg|thumb|Die Zeichnung in der Mitte zeigt Wolf Dietrich von Raitenau.]]
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[[Datei:Müllegger Tor (Außenansicht, Detail) 22.07.2007.jpg|thumb|Wappen mit ovalem Ornamentrahmen  am [[Mülleggertor]]; um [[1600]]]]
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'''Wolf Dietrich von Raitenau''' (* [[26. März]] [[1559]] auf Schloss Hofen bei Lochau, Nähe Bregenz, [[Vorarlberg]]; † [[16. Jänner]] [[1617]] in der [[Stadt Salzburg]] in der [[Festung Hohensalzburg]]) war einer der bedeutendsten [[Fürsterzbischöfe]] von Salzburg von [[1587]] bis [[1612]].  
  
==Sein Leben==
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==Leben==
Er stammte aus einer im Bodenseeraum beheimateten begüterten Familie. Sein Vater, [[Hans Werner von Raitenau|Hans Werner]], war Kriegsoberst, seine Mutter Helene Gräfin Hohenems war die Schwester des Vaters des Kardinals [[Markus Sittikus von Hohenems]].
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Er war der Erstgeborene der Verbindung von ''Helene von Hohenems'' und ''[[Hans Werner von Raitenau]]'', einem Nachkommen aus der im Bodenseeraum beheimateten adeligen Familie Raitenau. Wolf Dietrich hatte drei Schwestern und sieben Brüder, einer dieser war [[Jakob Hannibal von Raitenau]]. Seine Mutter Helene von Hohenems war entfernt mit den einflussreichen Medicis in Florenz verwandt, ihr Onkel aus dieser Familie wurde im Jahr der Geburt Wolf Dietrichs Papst (''Pius IV.''). Bemerkenswert ist, dass der Sohn ihres Bruders, nämlich [[Markus Sittikus von Hohenems|Markus Sittikus]], seinen Cousin Wolf Dietrich ab [[1612]] gefangen hielt, nachdem er ihn als Fürsterzbischof abgelöst hatte. Ein Onkel Wolf Dietrichs war der 1610 heiliggesprochene Mailänder Kardinal Karl Borromäus (* [[1538]]; † [[1584]]), der zum Schutzpatron der [[Paris-Lodron-Universität Salzburg]] erhoben wurde und dem die [[1977]] demolierte [[Karl-Borromäus-Kirche]] in Salzburg geweiht war.
  
Wolf Dietrich studierte in Pavia, Italien und Rom am ''Collegium Germanicum''. Bereits mit 28 Jahren wurde er zum Fürsterzbischof gewählt, trat für die katholische Erneuerung ein, berief [[Kapuzinerorden|Kapuziner]] und Augustiner-Eremiten nach Salzburg und verbesserte das Schulwesen. Er war hoch gebildet, von scharfem Verstand, doch unberechenbar, sprunghaft und jähzornig.
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Wolf Dietrich studierte in Pavia, (Lombardei) und in Rom am ''[[Collegium Germanicum]]''. Bereits mit 28 Jahren wurde er zum Fürsterzbischof gewählt, trat für die katholische Erneuerung ein, berief [[Kapuzinerorden|Kapuziner]] und [[Augustinerorden|Augustiner]]-Eremiten nach Salzburg und verbesserte das [[Salzburger Schulgeschichte|Schulwesen]]. Er galt als hoch gebildet und von scharfem Verstand, wurde jedoch als sprunghaft und jähzornig beschrieben.
  
Er begann [[1588]] die Umgestaltung von Salzburg zur [[Barock]]<nowiki>stadt</nowiki>. Während seiner Regierungszeit wurde [[1595]] der Umbau der [[Alte Residenz|Residenz]] und um [[1606]] der Bau von [[Schloss Altenau]], von seinem Nachfolger in [[Schloss Mirabell]] umbenannt, in Angriff genommen. Das Schloss war der Wohnsitz für seine Lebensgefährtin [[Salome Alt]], die ihm 15 Kinder gebar.
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Die Regierung von Wolf Dietrich von Raitenau gilt als der Höhepunkt des Absolutismus im [[Erzstift Salzburg]]. "Die Auffassung des Erzbischofs von seiner Stellung als Landesfürst und seinem Regierungsstil kommt deutlich in seinem Verhalten gegenüber den [[Hohe Salzburger Landschaft|Landständen]] zum Ausdruck, die er zwar nicht formell aufhob, aber dadurch ausschaltete, dass er keinen Landtag mehr einberief. (Der Salzburger [[Landtag]] ist vergleichbar mit den Landständen des einstigen [[Fürsterzbistum]]s, die die [[Hohe Salzburger Landschaft]] bildeten, Zusammensetzung und Funktion der Landstände waren jedoch ganz anders." (vg. [[Heinz Dopsch]], Buch zur Salzburger Landesausstellung, Seite 132.)
  
Im Jahr [[1599]] verlegte er die [[Richtstätten in der Stadt Salzburg|Hinrichtungsstätte]] der Stadt Salzburg von [[Schallmoos]] in den Süden der Stadt. Seither erinnern die [[Drei Kreuze in Schallmoos‎‎|drei Kreuze in Schallmoos]] an den Ort des letzten Gebetes der Delinquenten vor der Hinrichtung.‎‎
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Nach seiner Wahl zeigte die Wahlkapitulation des [[Domkapitel]]s vom [[25. Februar]] [[1587]] deutlich das Bestreben der [[Domherren]], dass sie ihre Einflussnahme in die wichtigsten Zweige der Verwaltung und auf die Regierung stärken wollten. Zwar unterschrieb Wolf Dietrich dieses Dokument, nahm aber in der Hofratsordnung vom [[17. August]] [[1588]] den Domherren das Recht, im [[Hofrat]] mitzuwirken und anwesend zu sein. Damit legte er den Grundstein zum lebenslang anhaltenden Streit mit dem Domkapitel. Ein weiteres Kapitel im Leben des Fürsterzbischofs war das Zerwürfnis mit dem [[Bischof von Chiemsee]] [[Sebastian Cattaneo]]. Bereits einen Monat nach seiner Wahl zum Fürsterzbischof erließ Wolf Dietrich von Raitenau am [[16. November]] [[1587]] (s)eine [[Getränkesteuer|Umgeld]]ordnung. [[1585]] verkaufte er Salzburger Besitzungen in der [[Steiermark]]. Unter dem späteren Fürsterzbischof [[Paris Graf von Lodron]] kam es dann zu teilweisen Rückkäufen.
  
[[1606]] erließ er das "ewige Statut". Dieses besagte, dass die benachbarten Herrscherhäuser der [[Habsburger]] und Wittelsbacher für ewige Zeiten vom Stuhl des [[Erzstift Salzburg|Erzstifts]] ausschließen sollte. Dass damit der erste Schritt in Richtung [[Säkularisierung]] des Erzstifts zugunsten seines erstgeborener Sohnes [[Hannibal von Altenau]] aus der Verbindung mit Salome Alt gewesen sein könnte, hat sich bislang durch keine Quelle belegen lassen. Was aber nachweisbar ist, dass die bedeutendsten Schenkungen und Grunderwerbe zugunsten von Salome Alt unmittelbar in die Zeit nach dem Erlass dieses Statuts fielen.<ref>Quelle Begleitbuch [[Fürsterzbischof Wolf Dietrich von Raitenau]] zur gleichnamigen [[Landesausstellung]] [[1987]], Seite 199</ref>
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[[1588]] begann er mit der Umgestaltung der [[Residenz]]stadt Salzburg zur [[Barock]]<nowiki>stadt</nowiki>. Wolf Dietrich sah im Umbau des spät[[mittelalter]]lichen Salzburg in eine [[Residenz]]stadt im Sinne der Spät[[renaissance]] als eine seiner zentralen Aufgaben.<ref>Quelle [[Georg Seunig]] im Begleitbuch zur Salzburger Landesausstellung, Seite 196</ref> Nach dem Abbruch von Adels- und Bürgerhäusern im selben Jahr begann er mit dem Bau der [[Neue Residenz|Neuen Residenz]]. Weitere Neu- und Umbauten, die in den nächsten Jahren folgten, betrafen die [[Alte Residenz]], die [[Kapitelhäuser]] [[Dompropstei]], [[Kapitelhaus in der Salzburger Altstadt|Kapitelhaus]], [[Domherrenhaus Firmian-Salm]] und die [[Domdechantei]].
  
Nach dem Brand des Doms ([[1598]]) legte er [[1611]] den Grundstein für einen neuen Dombau nach Plänen des berühmtesten italienischen Architekten der damaligen Zeit, [[Vincenzo Scamozzi]]. Wolf Dietrich wollte eine große Kirche ähnlich dem Petersdom in Salzburg errichten und ließ dazu Teile des [[Domkloster]]s (heute [[Kapitelplatz]]) abreißen und den Domfriedhof (heute [[Residenzplatz]]) in der rechten Altstadt (heute [[Sebastiansfriedhof]]) neu anlegen. Der Dom hätte eine Länge von 139 m gehabt und den Kapitel- und Residenzplatz mit dem Langhaus ausgefüllt. Seine Gefangennahme verhinderte den Dombau.  Sein Nachfolger Markus Sittikus von Hohenems begann dann mit den Domneubau, jedoch kleiner (139 m, 90° gedreht) und nach völlig neuen Plänen von [[Santino Solari]].  
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Während seiner Regierungszeit wurde [[1595]] der Umbau der [[Alte Residenz|Residenz]] und [[1606]] der Bau von [[Schloss Altenau]], von seinem Nachfolger in [[Schloss Mirabell]] umbenannt, in Angriff genommen. Das Schloss war der Sommersitz für seine ihn stets begleitende und von der Bevölkerung hoch geschätzte Lebensgefährtin [[Salome Alt]], die ihm 15 Kinder gebar. Salome Alt bezog 1606 Gebäude in der [[Dietrichsruh]], von wo aus sie einen direkten Zugang zu den Fürstenzimmern in der Residenz hatte.  
  
Erst in jüngster Zeit fanden der Salzburger Historiker [[Gerhard Ammerer]] und die Projektgruppe zur Erforschung der Salzburger Residenz heraus, dass Wolf Dietrich ein prunkvolles Hofleben führte, die Verwaltung vergrößerte, aber sie zu ökonomisieren versuchte, und als absoluter Herrscher regierte. Ammerer rechercherierte in Besoldungslisten, die auf einen großen [[Salzburger Fürstenhof|Hofstaat]] schließen lassen, wie er zu dieser Zeit im europäischen Bereich üblich war. Tanz- und Fechtmeister kamen aus [[Frankreich]], Musiker und Sänger aus [[Italien]]. Die Livreen der Bediensteten entsprachen der neuesten Mode und wurde von Frankreich beeinflusst. Auch das Hofzeremoniell war streng geregelt. So war etwa festgelegt, wer wohin gehen durfte, wer sitzen durfte und auf welchem Polstermöbel.
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[[1597]] ließ er die [[Gabrielskapelle]] als eigene Grabstätte nach seinem Tod errichten. [[1598]] hatte Wolf Dietrich kurzzeitig die Absicht, die von ihm prächtig ausgestattete ''Marienkapelle'' im [[Konradinischer Dom]]<ref>Vgl. [[Adolf Ritter von Steinhauser|Steinhauser]], a. a. O. S. 376 f.</ref> als eigene Grabstätte zu wählen. Bemerkenswert ist die Nachricht von einer möglichen weiteren Grabstätte. Ein nicht näher bekannter gleichzeitiger Chronist schreibt: "''Den 19. April 1610 hat Wolf Dietrich angefangen zu pauen ein Capellen und darinnen sein Begrebnus, diweil das Grab bey St. Sebastian in der Capelin, die im Friedhof ist, wässerig ist.''"<ref>[https://www.zobodat.at/pdf/MGSL_50_0157-0230.pdf Franz Martin], ''"Erzbischof Wolf Dietrichs Letzte Lebensjahre 1612-1617"'', Seite 220]</ref>
  
Neuere Forschungen (2009) haben aber ergeben, dass er nicht mehr oder weniger Geld für Repräsentationen ausgab, als andere Fürsten der 89 geistlich-weltlichen Fürstentümer seinerzeit. Auch seine Umbaupläne für die Stadt Salzburg, der Abriss (mittelalterlicher) Häuser im Stadtkern (für den Domneubau) fielen nicht aus der Rolle im Vergleich zu den Vorgangsweisen anderen Fürst(erz)bischöfe von damals<ref>Quelle Beitrag Salzburg heute am 21. Februar 2009</ref>
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Nach dem Dombrand legte er [[1611]] den Grundstein für einen neuen Dombau nach Plänen des berühmtesten italienischen Architekten der damaligen Zeit, [[Vincenzo Scamozzi]]. Wolf Dietrich wollte eine große Kirche ähnlich dem Petersdom in Salzburg errichten und ließ dazu Teile des [[Domkloster]]s (heute [[Kapitelplatz]]) abreißen und den [[Domfriedhof]] (heute [[Residenzplatz]]) abreißen. 1595 hatte er bereits in der [[Altstadt (rechtes Salzachufer)|rechten Altstadt]] den [[Sebastiansfriedhof]]) als Ersatz neu anlegen lassen. Der Dom hätte eine Länge von 139 m gehabt und den Kapitel- und Residenzplatz mit dem Langhaus ausgefüllt. Seine Gefangennahme verhinderte den Dombau. Sein Nachfolger Markus Sittikus von Hohenems begann dann mit den Domneubau, jedoch kleiner (101 m, 90° gedreht) und nach völlig neuen Plänen von [[Santino Solari]].  
  
Er hatte wegen seines unnachgiebigen Auftretens viele Konflikte, wurde wegen des [[Salzbergbau]]s in eine bewaffnete Auseinandersetzung mit Bayern ([[Salzkrieg]], [[1611]]) verwickelt. Trotz eines wohl ausgebildeten Heeres verließ den Fürsterzbischof in letzten Minute der Mut und er floh nach [[Kärnten]]. Bereits auf Kärntner Boden wurde er von den bayerischen Truppen jedoch gefangen genommen und resignierte am [[7. März]] [[1612]]. Sein Nachfolger, Markus Sittikus von Hohenems, hielt ihn bis zu seinem Tod auf der [[Festung Hohensalzburg|Hohensalzburg]] gefangen. Er hatte sich zu Lebzeiten schon sein eigenes Mausoleum, die [[Gabrielskapelle]] in dem von ihm [[1595]] - [[1600]] errichteten Sebastiansfriedhof gebaut.
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Im Jahr [[1599]] verlegte Wolf Dietrich die [[Richtstätten in der Stadt Salzburg|Hinrichtungsstätte]] der Stadt Salzburg von [[Schallmoos]] in den Süden der Stadt. Seither erinnern die [[Drei Kreuze in Schallmoos‎‎|drei Kreuze in Schallmoos]] an den Ort des letzten Gebetes der Delinquenten vor ihrer Hinrichtung.‎‎
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[[1606]] erließ er das "ewige Statut", das besagte, dass die benachbarten Herrscherhäuser der [[Habsburger]] (Österreich) und Wittelsbacher (Bayern) für ewige Zeiten vom Stuhl des [[Fürsterzbistum]]s ausgeschlossen werden sollten.  Unmittelbar nach dem Erlass dieses Statuts ließ er bedeutende Schenkungen und Grunderwerb zugunsten von Salome Altfielen.<ref>Quelle [[Begleitbuch zur Salzburger Landesausstellung Fürsterzbischof Wolf Dietrich von Raitenau. Gründer des barocken Salzburg.]], [[1987]] , Seite 199</ref> Im selben Jahr kam es auch zu einem Pinzgauer Aufstand und dem "Fall [[Caspar Vogl|Kaspar Vogl]]".
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Auch der Salzburger Historiker [[Gerhard Ammerer]] und die Projektgruppe zur Erforschung der Salzburger Residenz bestätigen in ihren Forschugnen, dass Wolf Dietrich ein prunkvolles Hofleben führte, die Verwaltung vergrößerte, aber sie zu ökonomisieren versuchte, und als absoluter Herrscher regierte. Ammerer rechercherierte in Besoldungslisten, die auf einen großen [[Salzburger Fürstenhof|Hofstaat]] schließen lassen, wie er zu dieser Zeit im europäischen Bereich üblich war. Tanz- und Fechtmeister kamen aus [[Frankreich]], Musiker und Sänger aus [[Italien]]. Die Livreen der Bediensteten entsprachen der neuesten Mode und wurde von [[Frankreich]] beeinflusst. Auch das Hofzeremoniell war streng geregelt. So war etwa festgelegt, wer wohin gehen durfte, wer sitzen durfte und auf welchem Platz.
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Jüngere Forschungen (2009) hatten aber ergeben, dass er nicht mehr oder weniger Geld für Repräsentationen ausgab, als andere Fürsten der 89 geistlich-weltlichen Fürstentümer seinerzeit. Auch seine Umbaupläne für die Stadt Salzburg, der Abriss (mittelalterlicher) Häuser im Stadtkern (für den Domneubau) fielen nicht aus der Rolle im Vergleich zu den Vorgangsweisen anderen Fürst(erz)bischöfe von damals<ref>Quelle Beitrag [[Salzburg heute]] am 21. Februar 2009</ref>
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Sein unnachgiebiges Auftreten verursachte viele Konflikte, zuletzt führte der [[Salzbergbau]] und der Salzhandel zu einer bewaffneten Auseinandersetzung mit [[Herzogtum Bayern|Bayern]] ([[Salzkrieg 1611]]). Trotz eines wohlausgebildeten Heeres, das aber einem bayrischen Heer nicht nicht standhalten konnte, verließ den Fürsterzbischof in letzter Minute der Mut und er floh nach [[Kärnten]]. Bereits auf Kärntner Boden wurde er von den bayerischen Truppen jedoch gefangen genommen und resignierte am [[7. März]] [[1612]].  
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Nach seiner Gefangennahme war zunächst unklar, ob Wolf Dietirch in die Hand Maximilians oder des [[Domkapitel]]s gefallen war. Eine Gesandtschaft wurde nach Rom geschickt. Einer der Teilnehmer war der spätere Fürsterzbischof [[Paris Graf von Lodron]]. Diese Kommission sollte die Frage der Schuldhaftigkeit Wolf Dietrichs klären. Daraufhin sandte Papst Paul V. den Spanier Antonio Diaz als außerordentlichen Nuntius nach Salzburg, der am [[14. Februar]] [[1612]] in Salzburg ankam und am [[23. Februar]] Wolf Dietrich offiziell zum Gefangenen des Papstes erklärte.  Schon im Sommer 1612 kam es zur Haftverschärfung, da befürchtet wurde, er könnte Kontakt zu protestantischen Fürsten oder anderen einflussreichen Fürsten aufnehmen. Ab nun durften seine drei Diener und die zwei in begleitenden [[Franziskaner]] die Festungsräume nicht mehr verlassen. Von Juli bis September fand dann ein Prozess statt, in dem ihm der Bruch des Zölibats vorgeworfen wurde. Schließlich wurde er seinem Nachfolger [[Markus Sittikus von Hohenems]] übergeben, der ihn bis zu seinem Tod in [[Festung Hohensalzburg|Hohensalzburg]] gefangen hielt.
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Die völlige Isolierung und die Haftbedingungen schlugen sich auf Dauer auf das Gemüt und die Gesundheit Wolf Dietrichs. Nachdem Gerüchte über seine schlechte Behandlung aufkamen, ließ Markus Sittikus im Sommer [[1614]] die Aussagen der auf der Festung stationierten Soldaten protokollieren. Diese gaben alle an, dass Wolf Dietrich in seiner Haft ein angeblich angenehmes und seiner Stellung entsprechendes Leben führen kann. Er hätte ausreichend zu essen und zu trinken, sein Gesundheitszustand sei zufriedenstellend. Sein Bruder Hans Werner von Raitenau hatte im Dezember 1614 nochmals bei der Kurie interveniert. Kardinal Scipio Borghese wies mit Schreiben vom [[17. Jänner]] [[1616]] den Salzburger Erzbischof an, dass Wolf Dietrich in der Haft alle Bequemlichkeiten genießen solle und Besuch empfangen dürfe sowie in den Genuss einer Pension kommen könne. Aber ein neuerliches Gutachten wies Wolf Dietrich immer noch als einen gefährlichen Unsicherheitsfaktor aus und überdies trete er die Ehre des Heiligen Stuhls mit Füßen. Daher blieb die Initiative seines Bruders erfolglos.
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Die immer verzweifelt werdende Lage des Gefangenen führte zu einem Befreiungsversuch, an dem die Familie Raitenau aber unbeteiligt gewesen sein dürfte. Soldaten wollten Wolf Dietrich befreien und zu seiner Familie bringen. Das Komplott wurde durch Zufall entdeckt und der Soldat Jakob Schnitzlechner hingerichtet.  Den Raitenauer Brüdern gelang es dann, eine Besuchsgenehmigung zu erhalten, Wolf Dietrich beruhigte sich, resignierte innerlich. Sein Beichtvater Gospelsrieder berichtete [[1617]], dass Wolf Dietrich seine Gefangenschaft zunehmend als Strafe Gottes annahm. Aussagen seiner Barbiere Johannes Strauß und Adam Stainer war zu entnehmen, dass Wolf Dietrich in seinen letzten Lebensjahren die Schuld alleine bei sich sah. Nicht das Erzstift oder Salome Alt wären seine Ziele gewesen, sondern seine Kinder, die er gerne bei sich gehabt hätte.
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Bereits seit 1605 litt Wolf Dietrich unter epileptischen Anfällen. Einen Tag vor seinem Tod, am Morgen des [[15. Jänner]] 1617, führte ein Schlaganfall (nach anderene Berichten ein epileptischer bzw. paralytischer Anfall) zur linksseitigen Lähmung. Nach einer Wiederholung des Anfalls am nächsten Tag fiel er in Ohnmacht und starb mit 58 Jahren. 
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Wolf Dietrich hatte sich zu Lebzeiten schon sein eigenes Mausoleum, die [[Gabrielskapelle]] in dem von ihm [[1595]][[1600]] errichteten Sebastiansfriedhof gebaut. Er hatte bereits um 1600 Verfügungen für ein äußerst bescheidenes Begräbnis getroffen. Aber sein Nachfolger missachtete diese Wünsche und es kam zu einem prunkvollen Begräbnis.
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== Wappen ==
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Das Stammwappen der Raitenauer besteht aus einer schwarzen Kugel in silbernem Feld. In den ersten Regierungsjahren führte Wolf Dietrich ein Wappen mit dem Stammwappen der Raitenauer im zweiten und dritten Feld sowie dem Wappen des Erzstifts Salzburg im ersten und vierten Feld: in gespaltenem Schild (heraldisch), rechts auf goldenem Grund ein rotbewehrter schwarzer Löwe, links auf rotem Grund ein silberner Balken. Als geistliche Nebenstücke finden sich das Legatenkreuz und der Legatenhut mit vier Quastenreihen, was in der kirchlichen Amtsheraldik dem Rang eines Erzbischofs entspricht.
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Ab spätestens [[1592]] führte Wolf Dietrich ein aufgebessertes Wappen: Er fügte die Wappen der ausgestorbenen Familien Mayer und Eschenzer mit dem alten Raitenauer Wappen zusammen. In seinem zweiten Wappen führt er erstmals das Wappen des Erzstifts im Schildhaupt.<ref>Quelle [https://www.domquartier.at/presseaussendungen/wolf-dietrich-von-raitenau-auf-den-spuren-des-fuersterzbischofs-im-domquartier-salzburg/ www.domquartier.at/presseaussendungen] zur Sonderausstellung [[Wolf Dietrich von Raitenau. Auf den Spuren des Fürsterzbischofs im DomQuartier Salzburg.]]</ref>
 
[[Datei:Inschrift beim Sebastiansfriedhof.jpg|thumb|Erinnerungstafel an Wolf Dietrich beim Eingang zum Sebastiansfriedhof]]
 
[[Datei:Inschrift beim Sebastiansfriedhof.jpg|thumb|Erinnerungstafel an Wolf Dietrich beim Eingang zum Sebastiansfriedhof]]
==Seine Bauwerke==
+
==Seine Bauwerke (Auszug)==
* [[Schloss Mirabell]]
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Während seiner Regierungszeit gab es etwa 70 Bauvorhaben, darunter waren
* [[Alte Residenz]]
+
* [[Schloss Altenau]], später [[Schloss Mirabell]]
* [[Neue Residenz]]
+
* Umbau der [[Alte Residenz|Alten Residenz]]
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* Neubau der [[Neue Residenz|Neuen Residenz]]
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* in dessen Zuge der [[Mozartplatz (Stadt Salzburg)|Mozartplatz]] entstand
 +
* [[Hofmarstall]]
 +
* die [[Staatsbrücke#Die sechste Brücke|sechste Stadtbrücke]], die allerdings bereits [[1608]] wegen Baufälligkeit durch eine neue ersetzt werden musste
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* die früheren Fleischbänke auf der alten sechsten Stadtbrücke wurden durch eine gemauerte [[städtische Fleischbank]], die im [[Lamberggarten]] an die [[Befestigung der Stadt Salzburg#Die zweite Stadtbefestigung (1465 bis 1480)|Stadtmauer]] von [[1480]] angebaut wurde
 +
* [[Dietrichsruh]] samt später so genannten [[Toskanatrakt]]
 +
* das [[Hofbogengebäude]], heute Wallistrakt genannt
 +
* Umbau des [[Petersfrauen]]-Klosters in das [[Franziskanerkloster]]
 +
* Instandsetzung der [[Pfarrkirche Mülln|Pfarrkirche]] im Vorort Mülln und das gegenüberliegende Kollegiatsstiftsgebäude zum [[Augustinerkloster Salzburg|Augustinerkloster]]
 +
* Trockenlegung des [[Schallmoos]]es
 +
* Errichtung und Pflasterung der [[Kapitelgasse|Kapitel]]-, [[Franziskanergasse|Franziskaner]]- und [[Hofstallgasse]]
 
* [[Wallfahrtskirche Zu Unserer Lieben Frau Maria Himmelfahrt]] in [[Bad Dürrnberg]]
 
* [[Wallfahrtskirche Zu Unserer Lieben Frau Maria Himmelfahrt]] in [[Bad Dürrnberg]]
* [[Hofmarstall]] ([[Haus für Mozart|Festspielhaus]])
+
Durch den geplanten Neubau des [[Salzburger Dom]]s entstanden
* [[Residenzplatz]]
+
* der [[Kapitelplatz]]
* [[Mozartplatz]]
+
* und der [[Residenzplatz]]
 +
* der [[Sebastiansfriedhof]] mit [[Gabrielskapelle]]
  
==Weblinks==
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Abreißen ließ er
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* das [[Domkloster]]
 +
* den [[Domfriedhof]]
 +
* eine Häusergruppe zwischen [[Pfeifergasse]] und [[Kaigasse]]
 +
* einen zweistöckigen Gang zwischen der Neuen und der Alten Residenz über den Residenzplatz ([[1597]] bereits kurz nach seiner Errichtung wieder abgerissen)
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== Bilder ==
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* {{Bildkat|Wolf Dietrich von Raitenau (Wappen)|weitere Bilder von Wappen}}
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* {{Bildkat|Wolf Dietrich von Raitenau|sonstige Bilder in Bezug auf den Fürsterzbischof}}
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* {{Commonscat|Wolf Dietrich von Raitenau}}
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== Quellen ==
 
* {{wikipedia-de|Wolf Dietrich von Raitenau}}
 
* {{wikipedia-de|Wolf Dietrich von Raitenau}}
{{Commonscat|Wolf Dietrich von Raitenau}}
+
* {{austriaforum|AEIOU/Wolf_Dietrich_von_Raitenau}}
==Fußnote==
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* Heinisch, Reinhard Rudolf: ''Die Zeit des Absolutismus. Die Persönlichkeit Wolf Dietrichs von Raitenau.'' In: ''Geschichte Salzburgs-Stadt und Land'', Bd. II/1, hg. von [[Heinz Dopsch]] und [[Hans Spatzenegger]], Salzburg 1988, S. 167- 244, hier S. 173 - 188.
 +
* [[Franz Martin|Martin, Franz]]: ''[[Salzburg, ein Führer durch seine Geschichte und Kunst#Die Ausgaben im Überblick|Salzburg, Geschichte und Kunst dieser Stadt]]'', Salzburg 1952, S. 13-14.
 +
* Stahl, Eva: ''Wolf Dietrich von Salzburg, Weltmann auf dem Bischofsthron''. 3. Aufl. Wien, München 1987.
 +
* [[Begleitbuch zur Salzburger Landesausstellung Fürsterzbischof Wolf Dietrich von Raitenau. Gründer des barocken Salzburg.]], u. a. [[Reinhard Rudolf Heinisch]]: ''Wolf Dietrichs Sturz und Gefangenschaft'', Seite 79f
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== Einzelnachweise ==
 
<references/>
 
<references/>
==Quellen==
 
* {{austriaforum|AEIOU/Wolf_Dietrich_von_Raitenau}}
 
* ''Salzburg, ein Führer durch seine Geschichte und Kunst'', [[Franz Martin|Dr. Franz Martin]], [[Verlag "Das Bergland-Buch"]], [[1952]]
 
  
 
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[[Kategorie:Erzbischof]]
 
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[[Kategorie:Zuagroaste]]
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[[Kategorie:Vorarlberg]]
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[[Kategorie:Geboren 1559]]
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[[Kategorie:Gestorben 1617]]

Aktuelle Version vom 18. Januar 2026, 09:52 Uhr

Wolf Dietrich von Raitenau
porträtiert von Kaspar Memberger.
Die Zeichnung in der Mitte zeigt Wolf Dietrich von Raitenau.
Wappen mit ovalem Ornamentrahmen am Mülleggertor; um 1600

Wolf Dietrich von Raitenau (* 26. März 1559 auf Schloss Hofen bei Lochau, Nähe Bregenz, Vorarlberg; † 16. Jänner 1617 in der Stadt Salzburg in der Festung Hohensalzburg) war einer der bedeutendsten Fürsterzbischöfe von Salzburg von 1587 bis 1612.

Leben

Er war der Erstgeborene der Verbindung von Helene von Hohenems und Hans Werner von Raitenau, einem Nachkommen aus der im Bodenseeraum beheimateten adeligen Familie Raitenau. Wolf Dietrich hatte drei Schwestern und sieben Brüder, einer dieser war Jakob Hannibal von Raitenau. Seine Mutter Helene von Hohenems war entfernt mit den einflussreichen Medicis in Florenz verwandt, ihr Onkel aus dieser Familie wurde im Jahr der Geburt Wolf Dietrichs Papst (Pius IV.). Bemerkenswert ist, dass der Sohn ihres Bruders, nämlich Markus Sittikus, seinen Cousin Wolf Dietrich ab 1612 gefangen hielt, nachdem er ihn als Fürsterzbischof abgelöst hatte. Ein Onkel Wolf Dietrichs war der 1610 heiliggesprochene Mailänder Kardinal Karl Borromäus (* 1538; † 1584), der zum Schutzpatron der Paris-Lodron-Universität Salzburg erhoben wurde und dem die 1977 demolierte Karl-Borromäus-Kirche in Salzburg geweiht war.

Wolf Dietrich studierte in Pavia, (Lombardei) und in Rom am Collegium Germanicum. Bereits mit 28 Jahren wurde er zum Fürsterzbischof gewählt, trat für die katholische Erneuerung ein, berief Kapuziner und Augustiner-Eremiten nach Salzburg und verbesserte das Schulwesen. Er galt als hoch gebildet und von scharfem Verstand, wurde jedoch als sprunghaft und jähzornig beschrieben.

Die Regierung von Wolf Dietrich von Raitenau gilt als der Höhepunkt des Absolutismus im Erzstift Salzburg. "Die Auffassung des Erzbischofs von seiner Stellung als Landesfürst und seinem Regierungsstil kommt deutlich in seinem Verhalten gegenüber den Landständen zum Ausdruck, die er zwar nicht formell aufhob, aber dadurch ausschaltete, dass er keinen Landtag mehr einberief. (Der Salzburger Landtag ist vergleichbar mit den Landständen des einstigen Fürsterzbistums, die die Hohe Salzburger Landschaft bildeten, Zusammensetzung und Funktion der Landstände waren jedoch ganz anders." (vg. Heinz Dopsch, Buch zur Salzburger Landesausstellung, Seite 132.)

Nach seiner Wahl zeigte die Wahlkapitulation des Domkapitels vom 25. Februar 1587 deutlich das Bestreben der Domherren, dass sie ihre Einflussnahme in die wichtigsten Zweige der Verwaltung und auf die Regierung stärken wollten. Zwar unterschrieb Wolf Dietrich dieses Dokument, nahm aber in der Hofratsordnung vom 17. August 1588 den Domherren das Recht, im Hofrat mitzuwirken und anwesend zu sein. Damit legte er den Grundstein zum lebenslang anhaltenden Streit mit dem Domkapitel. Ein weiteres Kapitel im Leben des Fürsterzbischofs war das Zerwürfnis mit dem Bischof von Chiemsee Sebastian Cattaneo. Bereits einen Monat nach seiner Wahl zum Fürsterzbischof erließ Wolf Dietrich von Raitenau am 16. November 1587 (s)eine Umgeldordnung. 1585 verkaufte er Salzburger Besitzungen in der Steiermark. Unter dem späteren Fürsterzbischof Paris Graf von Lodron kam es dann zu teilweisen Rückkäufen.

1588 begann er mit der Umgestaltung der Residenzstadt Salzburg zur Barockstadt. Wolf Dietrich sah im Umbau des spätmittelalterlichen Salzburg in eine Residenzstadt im Sinne der Spätrenaissance als eine seiner zentralen Aufgaben.[1] Nach dem Abbruch von Adels- und Bürgerhäusern im selben Jahr begann er mit dem Bau der Neuen Residenz. Weitere Neu- und Umbauten, die in den nächsten Jahren folgten, betrafen die Alte Residenz, die Kapitelhäuser Dompropstei, Kapitelhaus, Domherrenhaus Firmian-Salm und die Domdechantei.

Während seiner Regierungszeit wurde 1595 der Umbau der Residenz und 1606 der Bau von Schloss Altenau, von seinem Nachfolger in Schloss Mirabell umbenannt, in Angriff genommen. Das Schloss war der Sommersitz für seine ihn stets begleitende und von der Bevölkerung hoch geschätzte Lebensgefährtin Salome Alt, die ihm 15 Kinder gebar. Salome Alt bezog 1606 Gebäude in der Dietrichsruh, von wo aus sie einen direkten Zugang zu den Fürstenzimmern in der Residenz hatte.

1597 ließ er die Gabrielskapelle als eigene Grabstätte nach seinem Tod errichten. 1598 hatte Wolf Dietrich kurzzeitig die Absicht, die von ihm prächtig ausgestattete Marienkapelle im Konradinischer Dom[2] als eigene Grabstätte zu wählen. Bemerkenswert ist die Nachricht von einer möglichen weiteren Grabstätte. Ein nicht näher bekannter gleichzeitiger Chronist schreibt: "Den 19. April 1610 hat Wolf Dietrich angefangen zu pauen ein Capellen und darinnen sein Begrebnus, diweil das Grab bey St. Sebastian in der Capelin, die im Friedhof ist, wässerig ist."[3]

Nach dem Dombrand legte er 1611 den Grundstein für einen neuen Dombau nach Plänen des berühmtesten italienischen Architekten der damaligen Zeit, Vincenzo Scamozzi. Wolf Dietrich wollte eine große Kirche ähnlich dem Petersdom in Salzburg errichten und ließ dazu Teile des Domklosters (heute Kapitelplatz) abreißen und den Domfriedhof (heute Residenzplatz) abreißen. 1595 hatte er bereits in der rechten Altstadt den Sebastiansfriedhof) als Ersatz neu anlegen lassen. Der Dom hätte eine Länge von 139 m gehabt und den Kapitel- und Residenzplatz mit dem Langhaus ausgefüllt. Seine Gefangennahme verhinderte den Dombau. Sein Nachfolger Markus Sittikus von Hohenems begann dann mit den Domneubau, jedoch kleiner (101 m, 90° gedreht) und nach völlig neuen Plänen von Santino Solari.

Im Jahr 1599 verlegte Wolf Dietrich die Hinrichtungsstätte der Stadt Salzburg von Schallmoos in den Süden der Stadt. Seither erinnern die drei Kreuze in Schallmoos an den Ort des letzten Gebetes der Delinquenten vor ihrer Hinrichtung.‎‎

1606 erließ er das "ewige Statut", das besagte, dass die benachbarten Herrscherhäuser der Habsburger (Österreich) und Wittelsbacher (Bayern) für ewige Zeiten vom Stuhl des Fürsterzbistums ausgeschlossen werden sollten. Unmittelbar nach dem Erlass dieses Statuts ließ er bedeutende Schenkungen und Grunderwerb zugunsten von Salome Altfielen.[4] Im selben Jahr kam es auch zu einem Pinzgauer Aufstand und dem "Fall Kaspar Vogl".

Auch der Salzburger Historiker Gerhard Ammerer und die Projektgruppe zur Erforschung der Salzburger Residenz bestätigen in ihren Forschugnen, dass Wolf Dietrich ein prunkvolles Hofleben führte, die Verwaltung vergrößerte, aber sie zu ökonomisieren versuchte, und als absoluter Herrscher regierte. Ammerer rechercherierte in Besoldungslisten, die auf einen großen Hofstaat schließen lassen, wie er zu dieser Zeit im europäischen Bereich üblich war. Tanz- und Fechtmeister kamen aus Frankreich, Musiker und Sänger aus Italien. Die Livreen der Bediensteten entsprachen der neuesten Mode und wurde von Frankreich beeinflusst. Auch das Hofzeremoniell war streng geregelt. So war etwa festgelegt, wer wohin gehen durfte, wer sitzen durfte und auf welchem Platz.

Jüngere Forschungen (2009) hatten aber ergeben, dass er nicht mehr oder weniger Geld für Repräsentationen ausgab, als andere Fürsten der 89 geistlich-weltlichen Fürstentümer seinerzeit. Auch seine Umbaupläne für die Stadt Salzburg, der Abriss (mittelalterlicher) Häuser im Stadtkern (für den Domneubau) fielen nicht aus der Rolle im Vergleich zu den Vorgangsweisen anderen Fürst(erz)bischöfe von damals[5]

Sein unnachgiebiges Auftreten verursachte viele Konflikte, zuletzt führte der Salzbergbau und der Salzhandel zu einer bewaffneten Auseinandersetzung mit Bayern (Salzkrieg 1611). Trotz eines wohlausgebildeten Heeres, das aber einem bayrischen Heer nicht nicht standhalten konnte, verließ den Fürsterzbischof in letzter Minute der Mut und er floh nach Kärnten. Bereits auf Kärntner Boden wurde er von den bayerischen Truppen jedoch gefangen genommen und resignierte am 7. März 1612.

Nach seiner Gefangennahme war zunächst unklar, ob Wolf Dietirch in die Hand Maximilians oder des Domkapitels gefallen war. Eine Gesandtschaft wurde nach Rom geschickt. Einer der Teilnehmer war der spätere Fürsterzbischof Paris Graf von Lodron. Diese Kommission sollte die Frage der Schuldhaftigkeit Wolf Dietrichs klären. Daraufhin sandte Papst Paul V. den Spanier Antonio Diaz als außerordentlichen Nuntius nach Salzburg, der am 14. Februar 1612 in Salzburg ankam und am 23. Februar Wolf Dietrich offiziell zum Gefangenen des Papstes erklärte. Schon im Sommer 1612 kam es zur Haftverschärfung, da befürchtet wurde, er könnte Kontakt zu protestantischen Fürsten oder anderen einflussreichen Fürsten aufnehmen. Ab nun durften seine drei Diener und die zwei in begleitenden Franziskaner die Festungsräume nicht mehr verlassen. Von Juli bis September fand dann ein Prozess statt, in dem ihm der Bruch des Zölibats vorgeworfen wurde. Schließlich wurde er seinem Nachfolger Markus Sittikus von Hohenems übergeben, der ihn bis zu seinem Tod in Hohensalzburg gefangen hielt.

Die völlige Isolierung und die Haftbedingungen schlugen sich auf Dauer auf das Gemüt und die Gesundheit Wolf Dietrichs. Nachdem Gerüchte über seine schlechte Behandlung aufkamen, ließ Markus Sittikus im Sommer 1614 die Aussagen der auf der Festung stationierten Soldaten protokollieren. Diese gaben alle an, dass Wolf Dietrich in seiner Haft ein angeblich angenehmes und seiner Stellung entsprechendes Leben führen kann. Er hätte ausreichend zu essen und zu trinken, sein Gesundheitszustand sei zufriedenstellend. Sein Bruder Hans Werner von Raitenau hatte im Dezember 1614 nochmals bei der Kurie interveniert. Kardinal Scipio Borghese wies mit Schreiben vom 17. Jänner 1616 den Salzburger Erzbischof an, dass Wolf Dietrich in der Haft alle Bequemlichkeiten genießen solle und Besuch empfangen dürfe sowie in den Genuss einer Pension kommen könne. Aber ein neuerliches Gutachten wies Wolf Dietrich immer noch als einen gefährlichen Unsicherheitsfaktor aus und überdies trete er die Ehre des Heiligen Stuhls mit Füßen. Daher blieb die Initiative seines Bruders erfolglos.

Die immer verzweifelt werdende Lage des Gefangenen führte zu einem Befreiungsversuch, an dem die Familie Raitenau aber unbeteiligt gewesen sein dürfte. Soldaten wollten Wolf Dietrich befreien und zu seiner Familie bringen. Das Komplott wurde durch Zufall entdeckt und der Soldat Jakob Schnitzlechner hingerichtet. Den Raitenauer Brüdern gelang es dann, eine Besuchsgenehmigung zu erhalten, Wolf Dietrich beruhigte sich, resignierte innerlich. Sein Beichtvater Gospelsrieder berichtete 1617, dass Wolf Dietrich seine Gefangenschaft zunehmend als Strafe Gottes annahm. Aussagen seiner Barbiere Johannes Strauß und Adam Stainer war zu entnehmen, dass Wolf Dietrich in seinen letzten Lebensjahren die Schuld alleine bei sich sah. Nicht das Erzstift oder Salome Alt wären seine Ziele gewesen, sondern seine Kinder, die er gerne bei sich gehabt hätte.

Bereits seit 1605 litt Wolf Dietrich unter epileptischen Anfällen. Einen Tag vor seinem Tod, am Morgen des 15. Jänner 1617, führte ein Schlaganfall (nach anderene Berichten ein epileptischer bzw. paralytischer Anfall) zur linksseitigen Lähmung. Nach einer Wiederholung des Anfalls am nächsten Tag fiel er in Ohnmacht und starb mit 58 Jahren.

Wolf Dietrich hatte sich zu Lebzeiten schon sein eigenes Mausoleum, die Gabrielskapelle in dem von ihm 15951600 errichteten Sebastiansfriedhof gebaut. Er hatte bereits um 1600 Verfügungen für ein äußerst bescheidenes Begräbnis getroffen. Aber sein Nachfolger missachtete diese Wünsche und es kam zu einem prunkvollen Begräbnis.

Wappen

Das Stammwappen der Raitenauer besteht aus einer schwarzen Kugel in silbernem Feld. In den ersten Regierungsjahren führte Wolf Dietrich ein Wappen mit dem Stammwappen der Raitenauer im zweiten und dritten Feld sowie dem Wappen des Erzstifts Salzburg im ersten und vierten Feld: in gespaltenem Schild (heraldisch), rechts auf goldenem Grund ein rotbewehrter schwarzer Löwe, links auf rotem Grund ein silberner Balken. Als geistliche Nebenstücke finden sich das Legatenkreuz und der Legatenhut mit vier Quastenreihen, was in der kirchlichen Amtsheraldik dem Rang eines Erzbischofs entspricht.

Ab spätestens 1592 führte Wolf Dietrich ein aufgebessertes Wappen: Er fügte die Wappen der ausgestorbenen Familien Mayer und Eschenzer mit dem alten Raitenauer Wappen zusammen. In seinem zweiten Wappen führt er erstmals das Wappen des Erzstifts im Schildhaupt.[6]

 
Erinnerungstafel an Wolf Dietrich beim Eingang zum Sebastiansfriedhof

Seine Bauwerke (Auszug)

Während seiner Regierungszeit gab es etwa 70 Bauvorhaben, darunter waren

Durch den geplanten Neubau des Salzburger Doms entstanden

Abreißen ließ er

  • das Domkloster
  • den Domfriedhof
  • eine Häusergruppe zwischen Pfeifergasse und Kaigasse
  • einen zweistöckigen Gang zwischen der Neuen und der Alten Residenz über den Residenzplatz (1597 bereits kurz nach seiner Errichtung wieder abgerissen)

Bilder

  weitere Bilder von Wappen – Sammlung von weiteren Bildern, Videos und Audiodateien im SALZBURGWIKI
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Quellen

Einzelnachweise

  1. Quelle Georg Seunig im Begleitbuch zur Salzburger Landesausstellung, Seite 196
  2. Vgl. Steinhauser, a. a. O. S. 376 f.
  3. Franz Martin, "Erzbischof Wolf Dietrichs Letzte Lebensjahre 1612-1617", Seite 220]
  4. Quelle Begleitbuch zur Salzburger Landesausstellung Fürsterzbischof Wolf Dietrich von Raitenau. Gründer des barocken Salzburg., 1987 , Seite 199
  5. Quelle Beitrag Salzburg heute am 21. Februar 2009
  6. Quelle www.domquartier.at/presseaussendungen zur Sonderausstellung Wolf Dietrich von Raitenau. Auf den Spuren des Fürsterzbischofs im DomQuartier Salzburg.
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