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| − | [[Bild:Neumarkt1.jpg|thumb|Stadtpfarrkirche mit [[Pfarrer-Schwab-Park]]]]
| + | [[Datei:2025_04_03_Neumarkt_Stadtpfarrkirche_Friedhof_Abendlicht_07.jpg|thumb|Die Stadtpfarrkirche zum heiligen Nikolaus im Frühling 2025 nach ihrer Außenrenovierung (2024).]] |
| − | [[Datei:Stadtpfarrkirche Neumarkt innen 028.jpg|thumb|Seitenaltäre und Hauptaltar im Chor]] | + | Die '''Stadtpfarrkirche zum heiligen Nikolaus''' ist eine römisch-katholische Pfarrkirche in [[Neumarkt am Wallersee]]. Sie zählt zu den [[Denkmalgeschützte Objekte in Neumarkt am Wallersee|denkmalgeschützten Objekten]] in der Stadt. |
| − | [[Datei:Stadtpfarrkirche Neumarkt am Wallersee, Kirche innen, Seitenansicht.jpg|thumb|Langhaus, Seitenansicht]]
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| − | [[Datei:Stadtpfarrkirche zum heiligen Nikolaus Herbst 2020.jpg|thumb|Im Herbst 2020.]]
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| − | Die '''Stadtpfarrkirche zum heiligen Nikolaus''' ist eine römisch-katholische Pfarrkirche in [[Neumarkt am Wallersee]]. Sie ist eine mit einem [[Schanzwall Neumarkt|Schanzwall]] umgebene Wehrkirche. Die heutige Kirche wurde in den Jahren [[1725]] bis [[1728]] unter der Leitung von [[Sebastian Stumpfegger]] erbaut. | |
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| | ==Geschichte== | | ==Geschichte== |
| − | Die dem Bischof von Myra geweihte Kirche wurde im Jahr [[1389]] erstmals urkundlich erwähnt. Im [[17. Jahrhundert]] war die Kirche bereits zu klein geworden, es wurden zwei Seitenkapellen an den bestehenden Bau angefügt. Aber keine 100 Jahre später wurde die erste Neumarkter Kirche dann von Grund auf neu gebaut. Die Barockkirche bekam ihre heutige Größe, nur der Zwiebelturm war noch bedeutend kleiner als der aktuelle Spitzturm. [[1784]] wurde Neumarkt mit einem Begräbnisrecht ausgestattet und [[1859]] von Erzbischof Kardinal [[Maximilian Josef von Tarnóczy]] zur eigenständigen Pfarre erhoben. Nun war Neumarkt eine Inselpfarre inmitten der großen [[Pfarre Köstendorf]]. Erst am [[1. März]] [[1939]] wurden diese Pfarrgrenzen dann so angepasst, wie sie später auch zur politischen Gemeindegrenzziehung zwischen [[Köstendorf]] und Neumarkt dienen sollten. | + | Die Stadtpfarrkirche ist eine mit einem [[Schanzwall Neumarkt|Schanzwall]] umgebene Wehrkirche. |
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| − | Am [[4. Mai]] [[1887]] zerstörte ein Großbrand die Kirche bis auf ihre Grundmauern. Brandstiftung war die Ursache, ein Täter wurde aber nie ausgeforscht. Beim Wiederaufbau im Jahr [[1888]] erhielt die Kirche ihren heutigen 60 Meter hohen Spitzturm.
| + | Die dem Bischof von Myra geweihte Kirche wurde am [[26. Dezember]] [[1389]] in einem Ablassbrief erstmals urkundlich erwähnt. In einem späteren Ablassbrief vom [[24. April]] [[1496]] erteilten vier Bischöfe, Erhard von Lavant, Johann von Hierapolis, Ludwig vom Chiemsee und Ulrich von Salona der ''ecclesia s. Nicolai in Novoforo'' 40 Tage Ablass. |
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| − | [[1972]] und [[2002]] wurde die Neumarkter Kirche umfangreichen Renovierungen unterzogen, der Altarraum erstrahlt heute in hellem [[Marmor]], die Mauern bekamen innen und außen eine neue, helle Farbe. Am [[16. April]] [[1972]] fand Abschlussfeier der ersten Kirchenrenovierung statt. | + | [[Datei:Stadtpfarrkirche zum heiligen Nikolaus Neumarkt am Wallersee Herbstlicht.jpg|thumb|Herbstlicht in der Stadtpfarrkirche (Oktober 2021).]] |
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| − | Nahe der Stadtpfarrkirche befindet sich der Rest einer einer ehemaligen Verteidigungsanlagen, das [[Schanzhäusl]].
| + | Im [[17. Jahrhundert]] war die Kirche bereits zu klein geworden, es wurden zwei Seitenkapellen an den bestehenden Bau angefügt. Aber keine 100 Jahre später wurde die erste Neumarkter Kirche dann von Grund auf neu gebaut. In den Jahren [[1725]] bis [[1728]] wurde sie unter der Leitung von [[Sebastian Stumpfegger]] erweitert. Die [[Barock]]kirche bekam ihre heutige Größe, nur der Zwiebelturm war noch bedeutend kleiner als der aktuelle Spitzturm. |
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| − | === Inneneinrichtung ===
| + | Am [[4. Mai]] [[1887]] zerstörte ein [[Brände in Neumarkt am Wallersee|Großbrand]] die Kirche bis auf ihre Grundmauern. Brandstiftung war die Ursache, ein Täter wurde aber nie ausgeforscht. Beim Wiederaufbau im Jahr [[1888]] erhielt die Kirche ihren heutigen 60 Meter hohen Spitzturm. |
| − | An der linke Seitenwand befindet sich eine Schnitzfigur des leidenden Christus des Schmerzensmannes von [[Meinrad Guggenbichler]] ([[1503]]).
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| | + | [[1784]] wurde Neumarkt mit einem Begräbnisrecht ausgestattet und [[1859]] von Erzbischof Kardinal [[Maximilian Josef von Tarnóczy]] zur eigenständigen Pfarre erhoben. Nun war Neumarkt eine Inselpfarre inmitten der großen [[Pfarre Köstendorf]]. Erst am [[1. März]] [[1939]] wurden diese Pfarrgrenzen dann so angepasst, wie sie später auch zur politischen Gemeindegrenzziehung zwischen [[Köstendorf]] und Neumarkt dienen sollten. |
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| | + | [[Datei:Stadtpfarrkirche Neumarkt innen 028.jpg|thumb|Seitenaltäre und Hauptaltar im Chor.]] |
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| | + | Am [[30. Oktober]] [[1983]] feierte [[Josef Sams]] seine Primiz in der Pfarrkirche in seiner Heimatgemeinde. |
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| | + | Nahe der Stadtpfarrkirche befindet sich der Rest einer einer ehemaligen Verteidigungsanlagen, das [[Schanzhäusl]] sowie der [[Schanzwall Neumarkt|Schanzwall]] mit dem [[Schanzwallweg]]. Die Stadtpfarrkirche wird vom [[Friedhof Neumarkt am Wallersee|Friedhof]] umgeben. |
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| | + | [[Datei:2023_10_26_Stadtpfarrkiche_Nikolaus_Neumarkt_Ausschnitt Hochaltarbild.jpg|thumb|Ein Ausschnitt des Hochaltars, des rundbogigen Hochaltarbilds mit dem Kirchenpatron, den heiligen [[Nikolaus von Myra]], mit den drei Jungfrauen. Das Bild, das nicht signiert ist und nicht in den Kirchenrechnungen aufscheint, wird dem Schärdinger Maler Johann Gaisberger zugeschrieben, der in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts lebte.]] |
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| | === Großbrand der Kirche 1887 === | | === Großbrand der Kirche 1887 === |
| − | Durch einen Großbrand wurde am 4. Mai 1887 die Pfarrkirche bis auf die Grundmauern zerstört. [[1962]] bekam der Kirchturm ein neues Kupferdach und die Kreuzaufsteckung fand am [[28. Oktober]] 1962 feierlich statt. Leider stürzte bei diesen Dacharbeiten am [[31. August]] [[1962]] der Turmspengler [[Konrad Elers]] in den Tod. Eine Tafel am Kirchturm erinnert an dieses schreckliche Ereignis. | + | Durch einen Großbrand wurde am 4. Mai 1887 die Pfarrkirche bis auf die Grundmauern zerstört. [[1962]] bekam der Kirchturm ein neues Kupferdach und die Kreuzaufsteckung fand am [[28. Oktober]] 1962 feierlich statt. Leider stürzte bei diesen Dacharbeiten am [[31. August]] [[1962]] der Turmspengler [[Konrad Elers]] in den Tod. Eine Tafel am Kirchturm erinnert an dieses schreckliche Ereignis. Bei den Renovierungsarbeiten wurde am [[18. Juli]] 1962 eine Urkunde aus der Turmkugel mit folgenden Inhalt geborgen: |
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| | + | <blockquote>''Im Frühlinge des Jahres 1887 traf diesen Markt schreckliches Unglück. Am [[20. April]] um 9 Uhr abends stand plötzlich das [[Weißgärberhaus (Neumarkt)|Weißgerberhaus]]'' (Anm: früher Haus Hauptstraße 48; wurde 1971 abgetragen, heute befindet sich dort der [[Lötschenparkplatz (Neumarkt am Wallersee)|Lötschenparkplatz]]) ''in hellen Flammen. Der raschen Hilfe der [[Freiwillige Feuerwehr Neumarkt am Wallersee|Feuerwehr]] gelang es, das Feuer, das von ruchloser Hand gelegt, auf dieses Haus zu beschränken. Am [[23. April]] um halb 10 Uhr abends brannte das Wirtschaftsgebäude hinter dem Sailerwirt'' (jetzt [[Karlwirt]], Hauptstraße 14) ''ab; auch dieses Mal vermochte man die Gefahr für die umliegenden Häuser zu beschwören. Der Schrecken aber stieg aufs höchste, als am 4. Mai um 10 Uhr nachts das Geschrei ertönte: "Es brennt die Pfarrkirche!" Die Hand des Frevlers hatte sich selbst an das Heiligthum des Herrn gewagt und auf der Westseite der Kirche die aus [[Holzschindel]]n bestehende Verschallung angezündet. In rasender Eile ergriff die Flamme das Kirchendach und den Thurm, sodaß binnen weniger Minuten Kirche und Thurm ein Feuer bildeten. Trotz schneller Hilfe von allen Seiten, den vielen Spritzen und der großen Menge herbeigeeilten Volkes, war es unmöglich, dem Unglücke Einhalt zu thun. Das Gewölbe fiel bald ein, und Kirche und Thurm brannten so vollständig aus, daß nicht ein kleines Stücklein Holz übrig blieb. Selbst von den geschmolzenen Glocken konnte man in der Asche nur wenig Ueberbleibsel finden. Mit naßen Augen sahen wir auf das verwüstete Heiligthum, dessen Hauptzierde der prachtvolle Hochaltar, die kunstvolle Kanzel und der Schöne Kreuzaltar mit den herrlichen Schnitzereien gewesen sind.'' |
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| | + | ''Im Vertrauen auf die göttliche Hilfe wurde rasch zum Wiederaufbau geschritten. Die Bauern der Umgebung besonders jene von [[Neufahrn (Neumarkt am Wallersee)|Neufahrn]], [[Maierhof (Neumarkt am Wallersee)|Mayrhofen]], [[Sommerholz (Neumarkt am Wallersee)|Sommerholz]], [[Wertheim (Neumarkt am Wallersee)|Wertheim]], [[Pfongau (Neumarkt am Wallersee)|Pfongau]], [[Steindorf (Straßwalchen)|Steindorf]], [[Thalham (Neumarkt am Wallersee)|Thalham]] und [[Matzing (Neumarkt am Wallersee)|Matzing]] sowie Graf Othmar von [[Überacker|Ueberacker]] zu [[Schloss Sighartstein|Sighardstein]] und Baron [[Mayr-Melnhof]] lieferten umsonst 209 Baumstämme; viele Andere spendeten, z. B. [[Thalgau]] alleine 1 000 Stücke; ebenso brachten andere Sandfuhren. An Geldspenden liefen bis zum 24. Oktober bei 6 000 [[Gulden|fl]] ein. Das Bauholz wurde schnell von Rabattleuten aus den umliegenden Dörfern gehackt, und konnte, da der Sommer sehr heiß war, gut austrocknen. Schon am [[9. Juli]] konnte der Dachstuhl über dem Kirchenschiffe aufgesetzt werden, wobei oben auf dem Gerüste eine kleine, aber recht herzliche Feierlichkeit gehalten wurde. Am [[25. Juli]] war auch schon der kleine Dachstuhl über dem Presbyterium aufgesetzt. Am [[31. Juli]] wurde mit den Seiten und Wandpfeilern begonnen. Am [[10. August]] fing man an, das Kirchendach mit Schifer einzudecken, welche Arbeit am [[26. August]] beendet war. Am [[23. August]] begannen die Maurer die Aufrichtung der Gibelmauer auf der Westseite, die am [[2. September]] vollendet wurde. Am [[21. September]] wurden die Fenster auf der Westseite der Kirche /: me renitente:/ ausgebrochen. Am [[29. August]] fieng der Zimmermeister an mit dem Abbinden des Thurmdachstuhls, und am 12. Sept. mit dem Aufsetzen des Thurmes; schon am [[20. September]] konnte der Helmbaum aufgesetzt werden. Am [[14. Oktober]] waren die Zimmermannsarbeiten am Thurme mitsammt der Verschallung fertig. Heute Sonntag, [[30. Oktober]] 1887 wurde das Thurmkreuz feierlich erhöht. Dasselbe wurde im Pfarrhofe abgeholt, und auf dem Marktplatze, nachdem von dem Pfarrer Kostenzer eine Ansprache gehalten worden war, von diesem geweiht. Alsdann wurde es von sechs Jünglingen, umgeben von zwölf Jungfrauen, in feierlicher Prozession durch den Markt getragen, hin zur Kirche gebracht und in Gegenwart einer unzähligen Volksmenge aufgesteckt.''</blockquote> |
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| | + | === Restaurierungen === |
| | + | Im Zuge des Neubaus der Kirche nach dem Brand wurden [[1888]] zwei Maler mit der Bemalung der Innenwände beauftragt. Der eine war Josef Gnistberger aus [[Schärding]] im [[Innviertel]], der andere der Neumarkter [[Johann Höckenstaller]]. |
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| | + | [[1937]] wurde [[Josef Haunsberger]] neuer [[Pfarrer von Neumarkt am Wallersee|Pfarrer]] ([[1937]]–[[1953]]) und nahm mit viel Elan seine Aufgaben in Angriff. Darunter war auch eine umfassende Kirchenrenovierung. Dabei bekam der Tiroler Historienmaler Prof. Anton Kirchmayr (* [[1887]]; † [[1965]]) den Auftrag, zwei dem Zeitgeschmack entsprechende Deckenfresken anzubringen. Dafür ging er in ein Neumarkter Gasthaus, um dort Portraits der Bevölkerung zu studieren. So kam es, dass dann etliche Neumarkter dem Künstler Modell saßen. Später erkannten sie sich im Deckenfresko wieder, jedoch in einer ungewohnten Darstellung. |
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| | + | Unter Pfarrer [[Matthias Schwab]] ([[1964]]–[[1992]]) erfolgte eine neuerliche Kirchenrenovierung. Dabei wurden die ornamentalen Wand- und Gewölbemalereien entfernt und die beiden Deckenfreskos aus dem Jahr [[1938]] übermalt. Für die Restaurierung der Fresken, rechts im Bild "Das Letzte Abendmahl" und "Neumarkt und seine Schutzheiligen", links im Bild, hatte das Geld bei dieser Kirchenrenovierung [[1970]] nicht mehr gereicht. Auch waren damalige Kunstexperten der Meinung, es handle sich bei diesen beiden Fresken um "Nazikunst" und "Blut- und Boden-Romantik" (Zitat "[[Raststätte auf dem Weg mit Christus. Stadtpfarre Neumarkt am Wallersee.|Raststätte]]" Seite 49). Am [[16. April]] [[1972]] fand Abschlussfeier der Kirchenrenovierung statt. |
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| | + | 1972 und 2002 wurde die Neumarkter Kirche umfangreichen Renovierungen unterzogen, der Altarraum erstrahlt heute in hellem [[Marmor]], die Mauern bekamen innen und außen eine neue, helle Farbe. |
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| | + | Der nächste Pfarrer, [[Franz Königsberger]] ([[1992]]–[[2005]]), nahm ebenfalls eine Restaurierung [[2002]] in Angriff. Und so konnte dann die Restauratorin [[Regina Sedlmayr]] [[2003]] das Fresko "Das Letzte Abendmahl" fachgerecht restaurieren. Seit Oktober [[2023]] wird nun auch das zweite Fresko im Zuge einer umfassenden Renovierung der Kirche wieder freigelegt, restauriert und ergänzt. Wie [[Bürgermeister der Stadt Neumarkt am Wallersee|Bürgermeister]] DI [[Adi Rieger]] dazu dem "[[Neumarkter Stadtschreiber]]" mitteilte "werden derzeit noch großflächigere Befundungen durchgeführt und eine sogenannte 'Musterachse' gestaltet. Die endgültige Gestaltung des Innenraums unserer Stadtpfarrkirche kann daraus noch nicht unbedingt abgeleitet werden. Es kann durchaus sein, dass diese Musterachse umgestaltet werden muss, bis die endgültige Gestaltung gemeinsam mit dem Bundesdenkmalamt, der [[Erzdiözese Salzburg|Erzdiözese]] und der [[Stadtpfarre Neumarkt am Wallersee|Stadtpfarre]] freigegeben werden kann." |
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| | + | ==== Bilder zu diesem Kapitel==== |
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| | + | 2023_10_26_Stadtpfarrkiche_Nikolaus_Neumarkt_Deckenfresko Restaurierung 01.jpg|Restaurierung des Deckenfreskos "Neumarkt und seine Schutzheiligen" im Herbst 2023. |
| | + | 2024_01_20_Stadtpfarrkirche_Neumarkt_Fresken_Restaurierung.jpg|Die abgeschlossene Restaurierung des Deckenfreskos "Neumarkt und seine Schutzheiligen" im Jänner 2024. |
| | + | Stadtpfarrkirche zum heiligen Nikolaus historische Aufnahme Deckenfresko Neumarkt und seine Schutzheiligen.jpg|historische Aufnahme des Deckenfreskos "Neumarkt und seine Schutzheiligen". |
| | + | 2023_11_01_Deckenfresko_Stadtpfarrkirche_Neumarkt_am_Wallersee.jpg|Das Deckenfresko "Das Letzte Abendmahl" |
| | + | </gallery> |
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| | + | === Generalsanierung der Stadtpfarrkirche seit 2024 === |
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| | + | Im Herbst [[2019]] begannen die Vorarbeiten zur Generalsanierung der Kirche, der Kosten sich auf etwa 3,5 Millionen Euro belaufen werden (Stand Herbst 2024). Dann kam [[Corona]] dazwischen und so konnte man erst [[2023]] mit den ersten Ausschreibungen beginnen. Mehr zu dieser Generalsanierung siehe [[SALZBURGWIKI]]-Artikel [[Generalsanierung der Neumarkter Stadtpfarrkirche seit 2024]]. |
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| | + | [[Datei:2024 11 30 Stadtpfarrkirche Aussenrenovierung abgeschlossen Neumarkt 03 (2).jpg|thumb|Die Stadtpfarrkirche nach ihrer Außenrenovierung im November 2024.]] |
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| | + | == Innenausstattung == |
| | + | === Hochaltar === |
| | + | Das rundbogige Altarbild zeigt den Kirchenpatron, den heiligen [[Nikolaus von Myra]], mit den drei Jungfrauen. Das Bild, das nicht signiert ist und nicht in den Kirchenrechnungen aufscheint, wird dem Schärdinger Maler Johann Gaisberger zugeschrieben, der in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts lebte. |
| | + | |
| | + | Weitere Altäre sind der Kreuzaltar und der Rosenkranzaltar. |
| | + | |
| | + | === Statuen === |
| | + | An der linke Seitenwand befindet sich eine Schnitzfigur des leidenden Christus des "Schmerzensmannes" von [[Meinrad Guggenbichler]] ([[1703]]). Dieser "Schmerzenmann" hatte wie durch ein Wunder den Kirchenbrand im Mai 1887 als einzige Figur der Kirche unversehrt überstanden. |
| | + | |
| | + | Weitere Statuen sind der heilige [[Leonhard von Limoges|Leonhard]] von Hans Maierhofer von [[Zell am Moos]] ([[OÖ]]), "Die 'Trösterin'" des Neumarkter Holzbildhauers Franz Lohninger ([[1980]]), der heilige Florian und die heilige Maria von Fatima. |
| | + | |
| | + | === Orgel === |
| | + | Die erste Orgel lieferte der Salzburger [[Orgelmacher|Hoforgelmacher]] [[Johann Christoph Egedacher]] [[1729]] für die neu gebaute Vikariatskirche in Neumarkt. Als Organist an dieser Egedacher-Orgel wirkte Franz Anton Amering. Er starb "50 Jahre alt, vom Schlag getroffen" am [[29. Dezember]] [[1790]]. Von Johann Evangelist Schmid, der Klavier- und Orgelbauer sowie von [[1785]] bis [[1804]] Salzburger Hoforgelmacher war, wurde die Egedacher-Orgel umgebaut und erweitert. Nach dem Kirchenbrand 1887 konnte die Kirche schon bald wieder mit einer neuen Orgel ausgestattet werden. [[Albert Mauracher]] lieferte [[1888]] eine neue Orgel mit 14 Registern auf zwei Manualen und Pedal. Es war die erste Orgel mit pneumatischen Kegelladen, mit seinem von ihm entwickelten System der Ventilsteuerung, die er "Aërofunctionslade" nannte (Bälgchenlade, Ausstromprinzip). Am [[15. November]] 1888 wurde das Instrument von Domkapitular [[Johannes Baptist Katschthaler]] kollaudiert. |
| | + | |
| | + | Die heutige elektropneumatische Orgel baute die Firma [[Dreher & Reinisch]] [[1949]] unter teilweiser Verwendung von Mauracher-Pfeifen. Diese Orgel besitzt zwei Manuale, 20 Register und 1 236 Pfeifen. |
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| − | Bei den Renovierungsarbeiten wurde am [[18. Juli]] 1962 eine Urkunde aus der Turmkugel mit folgenden Inhalt geborgen:
| + | == Innenaufnahmen == |
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| + | <gallery mode="nolines" mode="packed-hover" heights="200"> |
| − | ''Im Frühlinge des Jahres 1887 traf diesen Markt schreckliches Unglück. Am [[20. April]] um 9 Uhr abends stand plötzlich das [[Weißgärberhaus (Neumarkt)|Weißgerberhaus]]'' (Anm: früher Haus Hauptstraße 48; wurde 1971 abgetragen, heute befindet sich dort der [[Lötschenparkplatz]]) ''in hellen Flammen. Der raschen Hilfe der [[Freiwillige Feuerwehr Neumarkt am Wallersee|Feuerwehr]] gelang es, das Feuer, das von ruchloser Hand gelegt, auf dieses Haus zu beschränken. Am [[23. April]] um halb 10 Uhr abends brannte das Wirtschaftsgebäude hinter dem Sailerwirt'' (jetzt [[Karlwirt]], Hauptstraße 14) ''ab; auch dieses Mal vermochte man die Gefahr für die umliegenden Häuser zu beschwören. Der Schrecken aber stieg aufs höchste, als am 4. Mai um 10 Uhr nachts das Geschrei ertönte: "Es brennt die Pfarrkirche!" Die Hand des Frevlers hatte sich selbst an das Heiligthum des Herrn gewagt und auf der Westseite der Kirche die aus [[Holzschindel]]n bestehende Verschallung angezündet. In rasender Eile ergriff die Flamme das Kirchendach und den Thurm, sodaß binnen weniger Minuten Kirche und Thurm ein Feuer bildeten. Trotz schneller Hilfe von allen Seiten, den vielen Spritzen und der großen Menge herbeigeeilten Volkes, war es unmöglich, dem Unglücke Einhalt zu thun. Das Gewölbe fiel bald ein, und Kirche und Thurm brannten so vollständig aus, daß nicht ein kleines Stücklein Holz übrig blieb. Selbst von den geschmolzenen Glocken konnte man in der Asche nur wenig Ueberbleibsel finden. Mit naßen Augen sahen wir auf das verwüstete Heiligthum, dessen Hauptzierde der prachtvolle Hochaltar, die kunstvolle Kanzel und der Schöne Kreuzaltar mit den herrlichen Schnitzereien gewesen sind.''
| + | 2024_01_20_Stadtpfarrkirche_Neumarkt_Schmerzensmann_Meinrad_Guggenbichler_1703.jpg|Der "Schmerzensmann" von [[Meinrad Guggenbichler]] ([[1703]]) |
| | + | 2024_01_20_Stadtpfarrkirche_Neumarkt_Orgel_Chor.jpg|Blick auf den Chor und die Orgel. |
| | + | 2023_11_04_Stadtpfarrkirche_Nikolaus_Neumarkt_Orgel.jpg|Die Orgel. |
| | + | 2024_01_20_Stadtpfarrkirche_Neumarkt_Fenster_rechts_hinten.jpg|Glasfenster neben der Orgel. |
| | + | </gallery> |
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| − | ''Im Vertrauen auf die göttliche Hilfe wurde rasch zum Wiederaufbau geschritten. Die Bauern der Umgebung besonders jene von [[Neufahrn]], [[Maierhof (Neumarkt am Wallersee)|Mayrhofen]], [[Sommerholz]], [[Wertheim]], [[Pfongau]], [[Steindorf (Straßwalchen)|Steindorf]], [[Thalham (Neumarkt am Wallersee)|Thalham]] und [[Matzing (Neumarkt am Wallersee)|Matzing]] sowie Graf Othmar von [[Überacker|Ueberacker]] zu [[Schloss Sighartstein|Sighardstein]] und Baron [[Mayr-Melnhof]] lieferten umsonst 209 Baumstämme; viele Andere spendeten, z. B. [[Thalgau]] alleine 1 000 Stücke; ebenso brachten andere Sandfuhren. An Geldspenden liefen bis zum 24. Oktober bei 6 000 [[Gulden|fl]] ein. Das Bauholz wurde schnell von Rabattleuten aus den umliegenden Dörfern gehackt, und konnte, da der Sommer sehr heiß war, gut austrocknen. Schon am [[9. Juli]] konnte der Dachstuhl über dem Kirchenschiffe aufgesetzt werden, wobei oben auf dem Gerüste eine kleine, aber recht herzliche Feierlichkeit gehalten wurde. Am [[25. Juli]] war auch schon der kleine Dachstuhl über dem Presbyterium aufgesetzt. Am [[31. Juli]] wurde mit den Seiten und Wandpfeilern begonnen. Am [[10. August]] fing man an, das Kirchendach mit Schifer einzudecken, welche Arbeit am [[26. August]] beendet war. Am [[23. August]] begannen die Maurer die Aufrichtung der Gibelmauer auf der Westseite, die am [[2. September]] vollendet wurde. Am [[21. September]] wurden die Fenster auf der Westseite der Kirche /: me renitente:/ ausgebrochen. Am [[29. August]] fieng der Zimmermeister an mit dem Abbinden des Thurmdachstuhls, und am 12. Sept. mit dem Aufsetzen des Thurmes; schon am [[20. September]] konnte der Helmbaum aufgesetzt werden. Am [[14. Oktober]] waren die Zimmermannsarbeiten am Thurme mitsammt der Verschallung fertig. Heute Sonntag, [[30. Oktober]] 1887 wurde das Thurmkreuz feierlich erhöht. Dasselbe wurde im Pfarrhofe abgeholt, und auf dem Marktplatze, nachdem von dem Pfarrer Kostenzer eine Ansprache gehalten worden war, von diesem geweiht. Alsdann wurde es von sechs Jünglingen, umgeben von zwölf Jungfrauen, in feierlicher Prozession durch den Markt getragen, hin zur Kirche gebracht und in Gegenwart einer unzähligen Volksmenge aufgesteckt.''
| + | == Innenaufnahmen bei Nacht == |
| | + | <gallery mode="nolines" mode="packed-hover" heights="200"> |
| | + | 2024_11_11_Stadtpfarrkirche_Neumarkt_innen_abends_001.jpg|November 2024: Innenaufnahme bei Nacht anlässlich der Martinsfeier der Volksschule Neumarkt. |
| | + | 2024_11_11_Stadtpfarrkirche_Neumarkt_innen_abends_002.jpg|November 2024: Innenaufnahme bei Nacht anlässlich der Martinsfeier der Volksschule Neumarkt. |
| | + | 2024_11_11_Stadtpfarrkirche_Neumarkt_innen_abends_003.jpg|November 2024: Innenaufnahme bei Nacht anlässlich der Martinsfeier der Volksschule Neumarkt. |
| | + | 2024_11_11_Stadtpfarrkirche_Neumarkt_innen_abends_004.jpg|November 2024: Innenaufnahme bei Nacht anlässlich der Martinsfeier der Volksschule Neumarkt. |
| | + | </gallery> |
| | | | |
| − | == Orgel == | + | == Weihnachtskrippe == |
| − | [[Albert Mauracher]] lieferte [[1888]] eine neue Orgel mit 14 Registern auf zwei Manualen und Pedal. Es war die erste Orgel mit pneumatischen Kegelladen, mit seinem von ihm entwickelten System der Ventilsteuerung, die er "Aërofunctionslade" nannte (Bälgchenlade, Ausstromprinzip). Am [[15. November]] 1888 wurde das Instument von Domkapitular [[Johannes Baptist Katschthaler]] kollaudiert. Die jetzige Orgel von [[1949]] baute die Firma [[Dreher & Flamm]] unter teilweiser Verwendung von Mauracherpfeifen. | + | Die Weihnachtskrippe stammt vom Neumarkter Krippenbaumeister Johann Hütter und entstand [[1997]]. |
| | + | <gallery mode="nolines" mode="packed-hover" heights="200"> |
| | + | Datei:Krippe in der Stadtpfarrkirche Neumarkt.jpg|Gesamtaufnahme 2010. |
| | + | Stadtpfarrkirche zum heiligen Nikolaus Krippe 2020 01.jpg|Detail (2020). |
| | + | Stadtpfarrkirche zum heiligen Nikolaus Krippe 2020 02.jpg|Die Stadtpfarrkirche in der [[Weihnachtszeit]]. Rechts die [[Weihnachtskrippe]]. |
| | + | </gallery> |
| | + | == Historische Aufnahmen == |
| | + | <gallery mode="nolines" mode="packed-hover" heights="200"> |
| | + | Pfarrkirche Neumarkt um 1910.jpg|Historische Aufnahme um 1910. Der kleine Glockenturm bestand bis 1968, wurde dann entfernt und 2024 im Zuge einer Außenrenovierung der heutigen Stadtpfarrkirche wieder neu gebaut. |
| | + | Stadtpfarrkirche zum heiligen Nikolaus historische Innenaufnahme 01.jpg |
| | + | Pfarrkirche_zum_heiligen_Nikolaus_Neumarkt_historische Aufnahme mit altem Pfarrhof.jpg|Rechts im Bild der alte Pfarrhof, heute [[Haus St. Katharina]]. |
| | + | Pfarrkirche_zum_heiligen_Nikolaus_Neumarkt_historische Aufnahme Advent Weihnachtszeit.jpg| |
| | + | Pfarrkirche_zum_heiligen_Nikolaus_Neumarkt_historische Pläne.jpg|Historische Pläne. |
| | + | Pfarrkirche_zum_heiligen_Nikolaus_Neumarkt_historischer Plan der Kirchturmspitze.jpg|Historischer Plan der Kirchturmspitze. |
| | + | </gallery> |
| | | | |
| | == Bilder == | | == Bilder == |
| | {{Bildkat}} | | {{Bildkat}} |
| | + | == Literatur == |
| | + | * [[Raststätte auf dem Weg mit Christus. Stadtpfarre Neumarkt am Wallersee.]] |
| | + | |
| | ==Quellen== | | ==Quellen== |
| | * [[Franz Paul Enzinger|Enzinger, Franz Paul]]: ''Christliche Kunststätten Österreichs'', Nr. 452, [[Verlag St. Peter]], 2006 | | * [[Franz Paul Enzinger|Enzinger, Franz Paul]]: ''Christliche Kunststätten Österreichs'', Nr. 452, [[Verlag St. Peter]], 2006 |
| | + | * {{Quelle Neumarkt Raststätte}} |
| | * Stadtbrand 1887 in ''Stadt-Info Neumarkt am Wallersee'', Ausgabe 6/2012, ein Beitrag von RegRat [[Helmut Deinhammer]] | | * Stadtbrand 1887 in ''Stadt-Info Neumarkt am Wallersee'', Ausgabe 6/2012, ein Beitrag von RegRat [[Helmut Deinhammer]] |
| | * Kalender "Neumarkt, Ereignis- und Erinnerungskalender, 2014", zusammengestellt von [[Helmut Deinhammer]]. | | * Kalender "Neumarkt, Ereignis- und Erinnerungskalender, 2014", zusammengestellt von [[Helmut Deinhammer]]. |
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| | [[Kategorie:Flachgau]] | | [[Kategorie:Flachgau]] |
| | [[Kategorie:Neumarkt am Wallersee]] | | [[Kategorie:Neumarkt am Wallersee]] |
| − | [[Kategorie:Seenland]] | + | [[Kategorie:Kultur und Bildung]] |
| | [[Kategorie:Religion]] | | [[Kategorie:Religion]] |
| | [[Kategorie:Erzdiözese]] | | [[Kategorie:Erzdiözese]] |
| | [[Kategorie:Geschichte (Erzdiözese)]] | | [[Kategorie:Geschichte (Erzdiözese)]] |
| − | [[Kategorie:Kultur und Bildung]]
| |
| − | [[Kategorie:Kunst]]
| |
| | [[Kategorie:Architektur]] | | [[Kategorie:Architektur]] |
| − | [[Kategorie:Gebäude (Neumarkt am Wallersee)]] | + | [[Kategorie:Denkmalschutz]] |
| | + | [[Kategorie:Denkmalschutz (Neumarkt am Wallersee)]] |
| | [[Kategorie:Kirche (Bauwerk)]] | | [[Kategorie:Kirche (Bauwerk)]] |
| | [[Kategorie:Katholische Kirche]] | | [[Kategorie:Katholische Kirche]] |
| | + | [[Kategorie:Katholische Kirche (Bauwerk)]] |