Gendarmerie
Die Gendarmerie war von 1849 bis 2005 polizeilich für rund zwei Drittel der österreichischen Bevölkerung zuständig.
Geschichte
Die Gendarmerie entstand in Frankreich. Ein Gendarm zu Fuß, französischer Name gens d'armes (Leute mit Waffen), war Teil des militärischen Aufgebots der Landstände.
Am 8. Juni 1849 bewilligte Kaiser Franz Joseph I. einen Vortrag über die Errichtung einer Gendarmerie in den Kronlanden. Um 1900 war die Schreibweise noch "Gensdarmerie", aus dem französischen "bewaffnete Menschen".
Einer, der sich schon lange mit ihrer Geschichte beschäftigt, ist der Polizeihistoriker Joachim Steinlechner. "Die Gendarmerie hat zuvor schon in der Lombardei (Norditalien) bestanden. Nach diesem Vorbild gab es dann 1848 im Zuge der großen europäischen Revolution Bestrebungen von Ministerpräsident Fürst Schwarzenberg und von Alexander von Bach, dem damaligen Innenminister, außerhalb der großen Städte eine Landesgendarmerie einzuführen", schildert Steinlechner. Zentral für diese Idee war laut ihm der Sicherheitsaspekt. "Das war damals ja ein riesiges Reich mit knapp 50 Millionen Einwohnern, und bis zur Bauernbefreiung war das noch mit Ständen geregelt. Gerichtsbarkeit und Sicherheit lagen damals bei den Lehensherren." Gerade im Hinblick auf die damaligen Kommunikationsmittel sei die Reform eine große Leistung gewesen. "Man hat dann relativ schnell eine interne Struktur und ein Gendarmeriegesetz geschaffen. Das war aber alles noch sehr militärisch, denn die Gendarmerie war Teil der k. u. k. Armee."
Wann wurden die ersten Gendarmerieposten in und um Salzburg gegründet? "Das Land Salzburg hatte zu Beginn kein eigenes Regiment. Die Dienststellen waren dem Gendarmerie‑Regiment Nr. 1 in Wien unterstellt. 1850 nahm die Gendarmerie auch in Salzburg ihren Dienst auf, und es wurden die ersten Dienststellen in Salzburg und Umgebung eingerichtet, etwa in Saalfelden, Mauterndorf, Golling und Taxenbach."
Wie lief so ein Arbeitsalltag ab? "Der Gendarm war rund um die Uhr im Dienst. Einen Dienstplan hat es nicht gegeben. Man trat in der Früh seinen Dienst an, und der Postenkommandant sagte dann, was zu erledigen war. Ledige Gendarmen lebten meist auch in einem Zimmer am Posten", erklärt Steinlechner. Urlaub sei damals kaum ein Thema gewesen. "Bis zur neuen Dienstzeitregelung im Jahr 1972 hatten Gendarmen nicht mehr als zwei Urlaubstage pro Jahr."
1993 wurde das Dienstsystem der Gendarmerie in Österreich umgestaltet und auf moderne Erfordernisse ausgerichtet, die sich durch den Fall der Eisernen Mauern im Osten Europas ergeben hatten. Mit 30. Juni 2005 wurde die österreichische Bundesgendarmerie aufgelöst.
Salzburg-Bezüge
Drei Gendarmen wurden 1875 als Wachkörper der Gendarmerie eingesetzt, um in der damals 2 500 Einwohner zählenden Gemeinde und im benachbarten Eugendorf (1 400 Einwohner) für Sicherheit zu sorgen. "Sie mussten zu Fuß die beiden Gemeinden überwachen. Generell durften die Gendarmen ihr Rayon nur mit Genehmigung des Postenkommandanten verlassen", erzählt Helmut Naderer, Postenkommandant von Bergheim. Der geschichtsaffine Seekirchner hielt die Historie der Polizei zuletzt auch in der Chronik von Seekirchen fest. Die nächstgelegenen Gendarmerieposten waren damals in Neumarkt, Anthering und in der Gemeinde Gnigl. Mit Geld und Ansehen seien die Beamten damals jedenfalls nicht überhäuft worden. Sie wurden auf ihrer Route meist von den Bauern versorgt. Sie verdienten wenig Geld. Heiraten durften sie nur in Ausnahmefällen. Dahinter steckten auch soziale Überlegungen, weil man mit so einem kleinen Gehalt kaum eine Familie ernähren konnte. 1877 mussten die Gendarmen zum ersten Mordfall ausrücken. Ein Landwirt hatte damals den unehelichen Sohn seiner Gattin erschlagen. Er wurde zu lebenslanger Haft verurteilt. Ein weiterer Mordfall an einer Lehrersgattin im Riedlwald führte zur letzten Hinrichtung im Bundesland Salzburg: der 28-jährige Ukrainer Josef Sopko wurde am 22. November 1949 durch den Strang hingerichtet. Unklar ist, was während der Zeit des Nationalsozialismus in Seekirchen geschah. 1934 stürmten im Rahmen des Juliputsches Nationalsozialisten den Gendarmerieposten. Dabei wurden zwei Putschisten erschossen und zwei Gendarmen verletzt. In den Jahren darauf führte die Gendarmerie in Seekirchen keine chronikalen Aufzeichnungen. Ein weiteres Großereignis war das JahrhundertHochwasser im Jahr 1954. Der Pegel des Wallersees und der Fischach reichte bis zum Unterbäck. Aufgabe der Gendarmerie war es, die Bevölkerung mit einer Zille zu evakuieren.
2026 waren acht Frauen und neun Männer als Polizeibeamte in Seekirchen tätig. Ihnen standen drei Dienstwagen zur Verfügung. Laut Postenkommandant Thomas Artbauer sind vor allem der Verkehr sowie die Einbruchs- und Diebstahlskriminalität zentrale Aufgabenbereiche.[1]
Am 4. Dezember 1939 kam Stefan Schlager, Gendarmerie-Postenkommandant in Bad Gastein, im KZ Mauthausen ums Leben.
Bei einer Häftlingsüberstellung aus dem Lager Glasenbach zu den Dachauer Prozessen am 19. März 1947 kam es zu einem Aufstand, der durch den Einsatz von Schusswaffen von der österreichischen Gendarmerie beendet werden konnte.
Am 13. März 1948 gedachten im Salzburger Dom Polizei und Gendarmerie der in der NS-Zeit ums Leben gekommenen Exekutivbeamten. Am Gebäude der Polizeidirektion Salzburg wurde eine Gedenktafel enthüllt.
Am 24. Juni 1949 wurde zum Jubiläum "100 Jahre Gendarmerie" im Gebäude des Landesgendarmeriekommandos Salzburg in der Kaigasse 18 ein Ehrenmal für die in beiden Weltkriegen gefallenen Gendarmeriebeamten des Landes Salzburg enthüllt. Im Monat darauf, am 22. August, wurde bei der Gründungsversammlung des ÖTSU Henndorf der Gendarmerie-Bezirksinspektor Erasmus Dießlbacher als erster Obmann gewählt.
Von 1945 bis 1987 gab es in der Burg Hohenwerfen die Gendarmerieschule Werfen.
Bei der Brandkatastrophe der Gletscherbahn Kaprun am 11. November 2000 waren 235 Beamte der Gendarmerie im Einsatz.
Am 17. Jänner 2004 wurde Heroin im Wert von 300.000 Euro sichergestellt: Beamte der Gendarmerie-Kriminalabteilung Salzburg konnten bei einer Schwerpunktaktion an der Mautstelle der A 10 Tauern Autobahn in St. Michael im Lungau sieben Kilo hochwertigen Heroins sicherstellen. Ein 28-jähriger, gebürtiger Kosovare, der im Pongau lebte, hatte das Suchtgift in Folien eingeschweißt in der Stoßstange seines VW Golf versteckt. Er bestritt, vom Heroin gewusst zu haben, und meinte, es wäre ihm untergejubelt worden. Am 24. Februar wurde in Bad Gastein ein Bordell von der Gendarmerie geschlossen, da sämtliche Bewilligungen abgelaufen waren.
Sonstiges
Gendarmerieposten im Salzburger Freilichtmuseum
Der historische Gendarmerieposten im Salzburger Freilichtmuseum stammt aus den Jahren zwischen 1900 und 1920. Er wurde im Bauernpeterhaus aus Nußdorf am Haunsberg-Waidach in Zusammenarbeit mit dem Landesgendarmeriekommando Salzburg eingerichtet. Ein Teil der Exponate ist eine Leihgabe des Museumsvereins Werfen. Der Gendarmerieposten zeigt ein getreues Bild von den ärmlichen Lebens- und Arbeitsumständen der Gendarmen.
Erinnerungen
Hofrat Marko Feingold erinnerte sich in einem Gespräch mit Peter Krackowizer[2] über die Krimmler Judenflucht noch recht genau daran, dass die Juden in Krimml von der Gendarmerie nicht gerne gesehen waren. Die Gendarmerie wollte keinen Menschenauflauf. Doch es erging, so Hofrat Feingold, die Weisung von der obersten österreichischen Behörde, dem Innenministerium, an die Krimmler Gendarmerie "nicht zum Fenster rauszuschauen...". Die Amerikaner selbst wussten von diesen Transporten, tolerierten sie aber nach der Weisung weder zu helfen noch sie zu behindern.
Personelles
Josef Auer (†), Gendarmerie-Bezirksinspektor, ist Träger des Silbernen Ehrenzeichens der Marktgemeinde Mattsee.
Der Salzburger Sicherheitsdirektor Franz Ruf war ab 1989 bei der Bundesgendarmerie und nach der Ausbildung am Posten in Hallein als Uniformierter vor allem im Verkehrsdienst tätig.
General Franz Lang aus Eben im Pongau, Direktor des österreichischen Bundeskriminalamtes, begann seine Laufbahn 1979 bei der Gendarmerie.
Karl Reichenpfader war Bezirksgendarmeriekommandant.
General Prof. Siegfried Weitlaner (* 1915 in Saalbach; † 9. Jänner 2001) war Landesgendarmeriekommandant von Salzburg.
Auflösungen
1991 wurde der Gendarmerieposten in Fusch an der Großglocknerstraße aufgelöst.
Quellen
- gendarmerie.badischl
- Eintrag in der deutschsprachigen Wikipedia zum Thema "Bundesgendarmerie"
- SALZBURGWIKI-Einträge
Einzelnachweise
- ↑ sn.at, 6. Jänner 2026: Die Polizei in Seekirchen – Damals und Heute: "Heiraten durften Gendarmen nur in Ausnahmefällen"
- ↑ Gespräch am 10. November 2009 in der Bibliotheksaula anlässlich des Konzerts von Majimaz