Untersberg

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Untersberg vom Oberalmberg, mit Puch bei Hallein und Urstein.
Untersberg, Nordseite, gesehen von Marzoll.

Der Untersberg, geologisch korrekte Bezeichnung ist Untersbergstock,[1] ist ein ein Kalkstock der Berchtesgadener Alpen mit einer Ausdehnung von etwa 70 km² im Südwesten des Flachgaus an der Grenze zum Freistaat Bayern in der Bundesrepublik Deutschland.

Untersberg, südöstliche Ansicht vom Roßfeld.

Geografie

Der Untersbergstock befindet sich am südwestlichen Rand des Salzburger Beckens. Über ihn verläuft die Grenze zwischen dem Bundesland Salzburg (Österreich) und Bayern (Deutschland). Er gliedert sich in zwei Teile: In das eigentliche Untersbergplateau mit Hochgebirgscharakter und ein ihm nördlich vorgelagertes Mittelgebirgsgebiet.

Seine Ränder sind steil aufragend bis in Höhen zwischen 1 500 m ü. A. und 1 800 m ü. A. Oben breitet sich ein Gebirgsplateau aus, das nach Nordosten etwas flacher abfällt und waldreich ist. Im Westen wird er durch den Pass Hallthurm zwischen Berchtesgaden und Bayerisch-Gmain im Berchtesgadener Land, im Norden und Nordosten durch das Salzburger Becken, im Osten durch die Königsseeache und im Süden durch das Berchtesgadener Becken begrenzt.

Die Festung Hohensalzburg und im Hintergrund der Untersberg.

Der Salzburger Hochthron mit 1 853 m ü. A. liegt auf Salzburger Seite und ist einer der beiden höchsten Gipfel des Salzburger Flachgaus, der Berchtesgadener Hochthron als höchster Gipfel des Bergstocks mit 1 972 m ü. A., auf bayerischer Seite. Unmittelbar neben der Bergstation der Untersbergseilbahn ist das Geiereck (1 805 m ü. A.) zu finden.

Erschlossen ist der Bergstock durch die Untersbergseilbahn und durch Wanderwege: Dopplersteig, Reitsteig, Weinsteig, von Großgmain vom Latschenwirt über die Klingeralm und vom Bruchhäusl zum Ochsenkopf sowie von bayrischer Seite Stöhrweg.

Blick aus der Richtung des Salzburger Hochthrons zur Bergstation der Untersbergseilbahn.

Umgrenzung

Bad Reichenhall – Saalach (463 m ü. A.) bis A 1 West Autobahn – Tauern Autobahn bis Grödig – St. Leonhard – Berchtesgadener Ache – Berchtesgaden (527 m ü. A.) – Straße nach Bad Reichenhall – Bischofswieser Ache – Hallthurm – Bad Reichenhall;

Almen

Kienbergalm, Klingeralm, Vierkaseralm und Schweigmühlalm;

Die Vierkaseralm wird seit 2021 wieder bestoßen.

Gemeinden um den Untersberg

Berggipfel und Höhlen

Berge des Untersbergstocks
Höhlen des Untersbergstocks

Naturschutz

Da der Untersberg in einem Landschaftsschutzgebiet (Landschaftsschutzverordnung Untersberg, 1981) liegt, gelten für Eingriffe ins Landschaftsbild und in die Ökologie des Berges besondere Bestimmungen. Die Beachtung des Naturschutzes müsste überdies nach der auch im Bundesland Salzburg rechtsgültigen und völkerrechtlich verbindlichen Alpenkonvention erfolgen. Im Gemeindegebiet von Großgmain gibt es innerhalb des Landschaftsschutzgebiets auch noch den Naturpark Untersberg.

"Forstautobahn"

Der Großteil des Waldes befindet sich im Besitz von Maximilian Mayr-Melnhof. Nach starken Sturmschäden im Jänner 2007 mussten größere Mengen Bruchholz abtransportiert werden. Unmittelbar nach dem Orkan Kyrill begann im Februar 2007 unterhalb der Klingeralm der Bau einer Forststraße, die in Medienberichten häufig als "Forstautobahn" bezeichnet wurde.

Im Bereich des "Großen Brunntals" wurde das Sturmholz teilweise per Helikopter, im Bereich des Kühsteins mittels mobiler Seilbahn aufgearbeitet. Weiter westlich entstand die neue Forststraße. Als Begründung wurde eine mögliche Ausbreitung des Borkenkäfers (Scolytidae) genannt. Die Maßnahme und ihre Ausführung führten zu einer öffentlich geführten Diskussion zwischen Naturschutzbehörde, Forstbehörde, Grundeigentümer und Umweltgruppen. Für den Bau der Forststraße waren umfangreiche Rodungen erforderlich.

Berghütten

Blick über die Obere Rosittenalm ins Rosittental.

Auf Salzburger Seite sind das Bergrestaurant Hochalm ganzjährig und das Zeppezauerhaus saisonal bewirtschaftet. Auf bayerischer Seite gibt es die Toni Lenz Hütte auf 1 411 m ü. A. neben der Schellenberger Eishöhle und das Stöhrhaus auf 1 894 m ü. A., die jedoch nur im Sommer offen sind.

Wander- und Kletterwege

Im Bild deutlich sichtbar der Dopplersteig auf den oberen Rositten, in den Felswänden im Hintergrund (nicht sichtbar) liegt die Kolowratshöhle.

Einige der Aufstiegewege haben das Wort Reit noch in sich, wie der Reitsteig, der von der Bergstation über das Zeppezauerhaus und die "Steinerne Stiege" am Eisgraben vorbei nach Glanegg (465 m ü. A.) führt. Andere Steige wie der Weinsteig oder Dopplersteig (eröffnet 1875) führen ebenfalls ins Salzburgische hinunter. Auf der bayerischen Seite gibt es einen Aufstieg von Marktschellenberg aus zur "Toni Lenz Hütte" und zur Schellenberger Eishöhle.

Trinkwasser und Gewässer

Siehe auch Gewässer des Untersbergstocks

Der Grundwasserstrom unter dem Untersbergstock liefert den weitaus größten Teil des Trinkwassers für die Stadt Salzburg. Drei Vertikalfilterbrunnen und ein Horizontalfilterbrunnen der Salzburg AG in Glanegg versorgen weit überwiegend (über 90 %) die Stadt Salzburg mit Trinkwasser. Zwischen Grödig und der Grödiger Ortschaft Glanegg besteht ein ausgedehntes Trinkwasserschutzgebiet. Die ergiebige Fürstenbrunner Quelle liegt am unteren Ende des "Großen Bärentals" und tritt in 600 m ü. A., also 150 m über der Talsohle, zu Tage. Ihr Wasser bereichert nach Einbringung des Wassers in einer Versickerungsanlage ebenfalls den als Trinkwasser genutzten Grundwasserstrom.

Vom Untersberg kommend fließt dieser mächtige Grundwasserstrom, der "Großer Zellerbach" genannt wird, unterirdisch auf einer Breite von zwei Kilometern unter der Friedhofsterrasse in den Schotterschichten weiter und tritt in Hellbrunn in mehreren Quellen als Hellbrunnerbach, sowie unterhalb von Morzg nahe dem Flurweg und Quellenweg als "Kleiner Zellerbach" teilweise zu Tage. Der große Rest des mächtigen Grundwassers entwässert zuletzt unterirdisch zwischen Anif, der Hellbrunner Au und der Josefiau in die Salzach.

Geologie

Der Untersbergstock gehört innerhalb der Nördlichen Kalkalpen zu den Berchtesgadener Alpen und zu den Salzburger Kalkhochalpen und besteht überwiegend aus Kalkstein. Da die Dachsteinkalkdecke in dem östlich vorgelagerten Mittelgebirgsgebiet abgetragen wurde, besteht der Bergstock dort ausschließlich aus Ramsaudolomit, dessen Werfener Schieferunterlage nur im Tal der Berchtesgadener Ache an mehreren Stellen hervortritt. Das Plateau selbst ist hauptsächlich aus dickbankigem Dachsteinkalk aufgebaut.

Die natürliche Verkarstung des Kalksteins führte auch am Untersbergstock zur Bildung von mehr als 400 Höhlen, von denen die Schellenberger Eishöhle die bekannteste ist. Vom Dopplersteig aus zugänglich ist die Kolowratshöhle, die jedoch nur von erfahrenen Höhlenforschern begangen werden soll. Das "Drama vom Untersberg", die Bergung eines im Juni 2014 durch Steinschlag verunfallten deutschen Höhlenforschers, hat die auf deutschen Staatsgebiet befindliche Höhle namens Riesending europaweit in die Schlagzeilen gebracht. Immer wieder brechen Teile des Kalksteins ab und stürzen zu Tal. So war es auch am 10. Juni 1935 um 12:30 Uhr, als das Drachenloch in St. Leonhard in Grödig abbrach.

In Steinbrüchen an der Nordseite des Berges in Glanegg und Fürstenbrunn wird der Untersberger Marmor abgebaut.

Geschichte und Bedeutung

Siehe auch Untersberg, Berg der Geheimnisse

Als markanter Gebirgsstock, als Sagenberg z. B. mit dem Sitz Kaiser Karls dem Großen, als Ausflugsberg und seit Beginn des 21. Jahrhunderts auch als mystischer Kultberg ist der Untersberg weithin bekannt. Die älteste schriftliche Erwähnung des Gebirgsstocks findet sich in einer Urkunde vom 28. Juni 1306 unter Erzbischof Konrad IV. von Fohnsdorf als "Vndransperch"[2].

Wirtschaftlich war der Abbau von Untersberger Marmor für die Salzburger Fürsterzbischöfe von Bedeutung. Bauwerke in ganz Europa wurden damit errichtet. Auch die Kugelmühlen, die Abfälle der Steinbrüche, aber auch Bachsteine in Kugeln verwandelten, waren von Bedeutung.

Das Quellwasser des Berges wurde schon im 15. Jahrhundert von Wasserreitern in die Stadt Salzburg gebracht. Fürsterzbischof Guidobald Graf von Thun und Hohenstein unternahm dann 1654 den ersten Versuch des Baus einer hölzernen Wasserleitung in die Stadt.

Schon sehr früh entstanden waldfreie Almflächen wie die beiden Rosittenalmen, die Klingeralm, die Schweigmühlalm sowie eine Reihe von Almen mit der Endung "kaser" (Karkaser, Grubenkaser, Mitterkaser)[3][2].

Eine intensive wissenschaftliche Erforschung des Untersberges begann erst im 19. Jahrhundert, wobei sich vor allem auch der Salzburger Eberhard Fugger Verdienste erworben hat.

Über Interpretationen von Felsritzbildern rund um den Untersberg Wolfgang Kauer ein Buch heraus. [4]

Fremdenverkehr

Der Fremdenverkehr begann 1845 mit der Erschließung der Kolowratshöhle. Ab 1870 errichtete dann der Alpenverein Steige. Die zwar schon länger bekannt gewesene Schellenberger Eishöhle wurde allerdings erst 1925 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. 1883 wurde das Untersberghaus errichtet. Die 8,5 Kilometer lange Skiabfahrt entstand Ende des Ersten Weltkrieges.

Blick aus einer Gondel der Untersbergbahn, Bergstation am Geiereck (1 805 m ü. A., links von der Bergstation) in Sicht.

Von St. Leonhard in Grödig führt die Untersbergbahn zum Geiereck hinauf. Bei klarer Sicht kann man vom Untersberg über das Rosittental und das Gebirgsjägerdenkmal Untersberg bis hin zu den Salzkammergutseen und den Hohen Tauern sehen.

Während der Sommermonate kann man ausgedehnte Wanderungen und Klettertouren unternehmen. Der Untersberg ist auch für Paragleiten bekannt. Wintersportler können die Untersbergbahn als Aufstiegshilfe für Skitouren und für die 8,5 km lange Skiabfahrt Untersberg nutzen. Die Skiabfahrt endet in Fürstenbrunn, etwa 30 bis 40 Minuten zu Fuß von der Talstation der Untersbergbahn entfernt (vier Kilometer). Alternativ verkehrt die Buslinie 35.

Volkskultur

Bräuche

Alljährlich im Dezember findet in einem der Salzburger Orte am Fuße des Untersbergstocks Die Wilde Jagd vom Untersberg statt.

Sagen und Legenden

Hauptartikel die Sagen um den Untersberg
siehe auch Mittagsscharte

Die wohl bekannteste Sage ist die Sage vom Kaiser Karl im Untersberg.

Der Untersbergstock als Kraftort

Auf dem Berg lassen sich immer wieder Lichtphänomene und Sonnenphänome beobachten, es soll Zeitlöcher geben und Menschen berichten immer wieder von erlebten Zeitsprüngen. Seit Beginn des 21. Jahrhunderts wird der Berg als [geheimnisvoller] Kraftort in zahlreichen Publikationen beschrieben.

Lokale Musikgruppen welche Untersberg Mythen verarbeiten

  • "Walpurgi", eine im Subgenre des Black Metals aktive Musikgruppe welche den Untersberg ihr Hauptaugenmerk geschenkt hat. Liedgut: "Vom Wodansberg", "Sirius B" oder "Die Wilde Jagd vom Untersberg";
  • "Sturmpercht" aus St. Koloman, eine Neofolk/Alpine Folk Band, diese Gruppe spielt traditionelle Instrumente und verarbeitet Sagen und Mythen unter anderem auch vom Untersberg. Liedgut: "Kaiser Karl", "Bergsturz", "Das wilde Gjoad" und "Zur zwölften Stund`".
  • "Rauhnacht", eine Black Metal Band aus Salzburg, die das Album "Vorweltschweigen" mit dem Track "Untersberg" herausbrachte.

Gemälde und Stiche

Auf zahlreichen Gemälden und Stichen vor allem der Romantik ist der Untersberg abgebildet. 1825 wird der Untersberg vom Landschaftsmaler Johann Michael Sattler auch auf seinem Salzburg-Panorama dargestellt.

Sonstiges

Literatur

Salzburgblick vom Untersberg.
Panoramablick vom Untersberg Richtung Norden.

Bilder

 Untersberg – Sammlung von weiteren Bildern, Videos und Audiodateien im SALZBURGWIKI    
 Untersberg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien auf Wikimedia Commons

Weblinks

Quellen

  • ANNO, Dillinger's Reisezeitung, Ausgabe von 10. September 1891: "Der Untersberg bei Salzburg", dreiseitige Beschreibung des Berge
  • Quellen und Gewässer: Salzburg und Umgebung, Kompass Wanderkarte 1:25 000
  • Lukas Plan: Verbale Beschreibung der Umgrenzung der Teilgruppen des Österreichischen Höhlenverzeichnisses, Stand Dezember 2022, Verband Österreichischer Höhlenforscher, als pdf auf http://hoehle.org/
  • Austrian Map, Teil der Österreichischen Karte des Bundesamts für Eich- und Vermessungswesen (BEV), im Internet unter maps.bev.gv.at abrufbar.

Einzelnachweise

  1. ↑ Erich Seefeldner: "Salzburg und seine Landschaften, eine geographische Landeskunde", Seite 406ff sowie www.alpinforum.com, www.alpen-panoramen.de
  2. ↑ 2,0 2,1 in Dopsch, Hiebl: "Anif. Kultur, Geschichte und Wirtschaft von Anif, Niederalm und Neu-Anif", Beitrag "Rund um den Untersberg", Christian Uhlir, S. 32
  3. ↑ "kaser" kann vom lateinischen Wort casa = Hütte (Haus) und vom "kasen" = Käse erzeugen abgeleitet werden
  4. ↑ "Felsbilder der Ostalpen". Verlag Anton Pustet 2017