Josef Wessicken: Unterschied zwischen den Versionen
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[[Prof]]. '''Josef Wessicken''', auch ''Joseph'' geschrieben (* [[10. August]] [[1837]] in der [[Stadt Salzburg]]-[[Mülln]]; † [[19. Oktober]] [[1918]] ebenda), war ein | k.k. Oberbaurat [[Prof]]. '''Josef Wessicken''', auch ''Joseph'' geschrieben (* [[10. August]] [[1837]] in der [[Stadt Salzburg]]-[[Mülln]]; † [[19. Oktober]] [[1918]] ebenda), war ein Architekt des [[19. Jahrhundert|19.]] und frühen [[20. Jahrhundert]]s. | ||
== Leben == | |||
===Herkunft und Familie === | ===Herkunft und Familie === | ||
Wessicken entstammte einer westfälischen Tischlerdynastie, die im [[18. Jahrhundert]] in [[Linz]] ([[OÖ]]) ansässig wurde und schließlich nach Salzburg übersiedelte. Seine Großeltern väterlicherseits waren Michael Wessicken und Rosina, geborene Leitner, seine Großeltern mütterlicherseits Joseph Gasteger und Anna, geborene Graßl. | |||
Wessicken | Als Sohn des [[Joseph Heinrich Wessicken]] und der Anna, geborene Gasteger, in der Salzburger Vorstadt Mülln zur Welt gekommen und getauft, absolvierte er hier seine Schulzeit und begann daran anschließend eine Ausbildung zum Tischler im väterlichen Betrieb. Sein Vater war ein geachteter Schreinermeister, der sich durch seine Arbeiten für das [[Benediktiner-Erzabtei St. Peter|Benediktinerstift St. Peter]] und im [[Schloss Anif]] einen hervorragenden Ruf geschaffen hatte und den Sohn mit seinen Werken im neogotischen Stil merklich beeinflusste. | ||
Am [[20. Dezember]] [[1888]] heiratete er die aus [[Wien]] stammende Rosa Bühlmayer im [[Salzburger Dom]]. | |||
Mag. pharm. [[Franz Willvonseder]], Inhaber der [[Hofapotheke]], war sein Neffe.<ref>[https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=sbw&datum=19181024&seite=4&zoom=33&query=%22Stubachtal%22&ref=anno-search ANNO], "[[Salzburger Wacht]]", Ausgabe vom 24. Oktober 1918, Seite 4, Parte</ref> | |||
===Ausbildung und Berufung zum Dombaumeister von Mainz === | ===Ausbildung und Berufung zum Dombaumeister von Mainz === | ||
Nach dem Besuch des Polytechnikums und der Akademie in München studierte Wessicken an der Akademie der bildenden Künste in Wien bei August Sicard von Sicardsburg. Ab [[1860]] war er im Wiener Atelier des Dombaumeisters Friedrich von Schmidt tätig. Drei Jahre später betraute ihn von Schmidt mit der Bauleitung des fürsterzbischöflich [[Johannes II. von Liechtenstein|Liechtenstein´schen]] [[Schloss Fischhorn|Schlosses Fischhorn]] in [[Bruck an der Glocknerstraße|Bruck]]. Nachdem die Bauarbeiten durch den Ausbruch des Preußisch-Österreichischen Krieges 1866 unterbrochen werden mussten, vollendete er die Rekonstruktion des oberen Teiles des Turms der [[Franziskanerkirche]] in Salzburg | Nach dem Besuch des Polytechnikums und der Akademie in München studierte Wessicken an der Akademie der bildenden Künste in Wien bei August Sicard von Sicardsburg. Ab [[1860]] war er im Wiener Atelier des Wiener Dombaumeisters [[Friedrich von Schmidt]] tätig. Drei Jahre später betraute ihn von Schmidt mit der Bauleitung des fürsterzbischöflich [[Johannes II. von Liechtenstein|Liechtenstein´schen]] [[Schloss Fischhorn|Schlosses Fischhorn]] in [[Bruck an der Glocknerstraße|Bruck]]. Nachdem die Bauarbeiten durch den Ausbruch des Preußisch-Österreichischen Krieges [[1866]] unterbrochen werden mussten, vollendete er die Rekonstruktion des oberen Teiles des Turms der [[Franziskanerkirche]] in Salzburg sowie die Restaurierung der [[Stadtpfarrkirche Maria Himmelfahrt|Pfarrkirche]] von [[Radstadt]] und der [[Kirche Mariae Himmelfahrt (Abtei Nonnberg)|Kirche Nonnberg]]. | ||
Von einem Studienaufenthalt in [[Italien]] | Von einem Studienaufenthalt in [[Italien]] zurückgekehrt wurde er [[1867]] auf Empfehlung von Friedrich von Schmidt und Franz Josef Denzinger zum Dombaumeister von Mainz berufen, um bei der Rettung der gefährdeten Ostteile des Domes mitzuwirken. Während dieser Zeit entstanden nach seinen Plänen mehrere Sakralbauten in der Umgebung von Mainz, darunter die St. Bartholomäus-Kirche in Nieder-Saulheim, Chor und Querhaus der Ortskirche St. Stephan in Mainz-Gonsenheim ("Gonsenheimer Rheinhessendom"), die Kapelle der Armen Schwestern vom hl. Franziskus am Stephansberg und das alte St. Vincenz- und St. Elisabeth-Krankenhaus auf dem Kästrich in Mainz. [[1873]] gab er sein Amt als Dombaumeister auf und kehrte nach Salzburg zurück. | ||
Bereits [[1866]] bis [[1867]] wurde nach seinen Plänen der [[Franziskanerkirche Zu Unserer Lieben Frau]] in der [[Altstadt]] von Salzburg regotisiert und erhöht. | |||
===Wirken in Salzburg nach 1873=== | ===Wirken in Salzburg nach 1873=== | ||
[[Bild:Andrä Kirche alt.jpg|thumb | [[Bild:Andrä Kirche alt.jpg|thumb|[[Andräkirche]] im Originalzustand vor dem [[Zweiten Weltkrieg]].]] | ||
Im [[Salzburg (Bundesland)|Land Salzburg]] vollendete er [[1874]] den neugotischen Bau von Schloss Fischhorn und übernahm die Planung der Doppelturmfassade der [[Pfarrkirche zu Ehren der Heiligen Johannes des Täufers und Johannes Evangelista|Dekanatskirche]] in [[St. Johann im Pongau]] nach dem Turmeinsturz. Von [[1875]] bis [[1879]] lehrte er als Fachvorstand an der [[Gewerbeschule Salzburg|k. k. Staatsgewerbeschule]] in der Landeshauptstadt. [[1892]] vollendete er die zwei Jahre zuvor begonnenen Arbeiten am Umbau des [[Schloss Grubhof|Schlosses Grubhof]] in [[Lofer]]. Ein Jahr darauf erfolgte die Fertigstellung des [[Generali-Hof]]es in der Salzburger [[Paris-Lodron-Straße]]. | Im [[Salzburg (Bundesland)|Land Salzburg]] vollendete er [[1874]] den neugotischen Bau von Schloss Fischhorn und übernahm die Planung der Doppelturmfassade der [[Pfarrkirche zu Ehren der Heiligen Johannes des Täufers und Johannes Evangelista|Dekanatskirche]] in [[St. Johann im Pongau]] nach dem Turmeinsturz. Von [[1875]] bis [[1879]] lehrte er als Fachvorstand an der [[Gewerbeschule Salzburg|k. k. Staatsgewerbeschule]] in der [[Landeshauptstadt]]. [[1892]] vollendete er die zwei Jahre zuvor begonnenen Arbeiten am Umbau des [[Schloss Grubhof|Schlosses Grubhof]] in [[Lofer]]. Ein Jahr darauf erfolgte die Fertigstellung des [[Generali-Hof]]es in der Salzburger [[Paris-Lodron-Straße]]. | ||
Als Krönung seiner Arbeit gilt die von [[1892]] bis [[1898]] nach seinen Plänen errichtete [[Stadtpfarrkirche St. Andrä|St. Andrä-Kirche]] in der Salzburger [[Neustadt]]. Das ursprüngliche Erscheinungsbild der neugotischen Kirche ging jedoch im Zuge des Wiederaufbaus nach dem [[ | Als Krönung seiner Arbeit gilt die von [[1892]] bis [[1898]] nach seinen Plänen errichtete [[Stadtpfarrkirche St. Andrä|St. Andrä-Kirche]] in der Salzburger [[Neustadt]]. Das ursprüngliche Erscheinungsbild der neugotischen Kirche ging jedoch im Zuge des Wiederaufbaus nach dem [[Zweiten Weltkrieg]] und im Zuge eines "Rückbaus" Anfang der [[1970er]]-Jahre völlig verloren. Daneben entstanden in Salzburg die Villen [[Gessele]], [[Villa Schmederer|Schmederer]], Wöss, Griesberger und seine eigene an der [[Arenbergstraße]] 23. Eine Vielzahl der von Wessicken geplanten Bauwerke wurden in Zusammenarbeit mit der [[Valentin Ceconi & Sohn|Baufirma Ceconi]] errichtet, bei der er zeitweise auch fest angestellt war. | ||
===Miterbauer des "modernen" Gasteins === | ===Miterbauer des "modernen" Gasteins === | ||
[[Bild:Bad-Gastein-Zentrum (1997-02-01).jpg|thumb|Das Zentrum von [[Bad Gastein]] mit den Hotels [[Grandhotel Straubinger|Straubinger]], Austria, Weißmayr und Elisabethhof. Aufnahme: [[1. Februar]] [[1997]]]] | [[Bild:Bad-Gastein-Zentrum (1997-02-01).jpg|thumb|Das Zentrum von [[Bad Gastein]] mit den Hotels [[Grandhotel Straubinger|Straubinger]], Austria, Weißmayr und Elisabethhof. Aufnahme: [[1. Februar]] [[1997]].]] | ||
Ab [[1879]] zeichnete er, neben seinem Wirken in Salzburg, gemeinsam mit dem Baumeister [[Angelo Comini]] für die Errichtung mehrerer Profanbauten im Weltkurort [[ | Ab [[1879]] zeichnete er, neben seinem Wirken in Salzburg, gemeinsam mit dem Baumeister [[Angelo Comini]], für die Errichtung mehrerer Profanbauten im Weltkurort [[Badgastein]] verantwortlich. Seinen ersten Auftrag erhielt er bereits drei Jahre zuvor mit der Errichtung der Villa Mühlberger, eines der wenigen Objekte im [[Gasteinertal]], bei denen er nicht mit Comini, sondern mit hoher Wahrscheinlichkeit noch mit dem Salzburger Bauunternehmer [[Valentin Ceconi]] zusammenarbeitete. | ||
Seine größten Auftraggeber in Gastein waren die Bad Gasteiner Hoteliers, insbesondere die Familie | Seine größten Auftraggeber in Gastein waren die Bad Gasteiner Hoteliers, insbesondere die Familie Straubinger, für die er [[1884]] den direkt am [[Gasteiner Wasserfall]] gelegenen Adaptierungsbau (heute Krisch-Haus) und das Hotel Austria, in dem sich heute die Gemeindeverwaltung und das [[Gasteiner Museum]] befinden, errichtete. Zudem nahm er [[1887]] die Umgestaltung der Hauptfassade und den Umbau des Bädertraktes des [[Grandhotel Straubinger|Grandhotels Straubinger]] vor und entwarf das ebenfalls zum Straubingerkomplex gehörige (spätere) Postamtsgebäude. Bemerkenswert ist hierbei besonders der Bau des Hotels Austria. Während andernorts Bauten mit extremer Hanglage noch direkt in die Felsen hineingebaut wurden, beließen Wessicken und Comini einen schmalen Zwischenraum zum Bergfelsen, wodurch Fenster (und Türen) auch noch in den untersten Bereichen des vielgeschossigen Baus eingefügt werden konnten. | ||
[[Bild:Schloss-Czernin-in-Böckstein (September-1997)-1.jpg|thumb||[[Jagdschloss Czernin]], Westansicht. Aufnahme: [[September]] [[1997]]]] | [[Bild:Schloss-Czernin-in-Böckstein (September-1997)-1.jpg|thumb||[[Jagdschloss Czernin]], Westansicht. Aufnahme: [[September]] [[1997]]]] | ||
Weiters wurden von Wessicken der | Weiters wurden von Wessicken der Elisabethhof (heutiges Arcotel), das [[Hotel Weißmayr]] (vormals Provenchère), das [[Hotel Excelsior]] (vormals Haus Goldeck), die Villen [[Eduard Schider|Schider]], Wassing und Lothringen-Quisisana, und die heute nicht mehr existierende [[Wandelbahn (Wildbadgastein)|Wandelbahn]] mit dem Kurkasino geplant. Viele seiner Salzburger und Gasteiner Villen tragen dabei als gemeinsamen Merkmal das charakteristische "Wessicken-Türmchen". | ||
In seine letzte Schaffensperiode fällt der Wiederaufbau des ursprünglich von [[1882]] bis [[1884]] erbauten [[Jagdschloss Czernin|Jagdschlösschens]] des Grafen | In seine letzte Schaffensperiode fällt der Wiederaufbau des ursprünglich von [[1882]] bis [[1884]] erbauten [[Jagdschloss Czernin|Jagdschlösschens]] des Grafen Rudolf von Czernin in [[Böckstein]], das einem Brand zum Opfer gefallen war und in den Jahren von [[1902]] bis [[1903]] nach seinen Plänen wiedererrichtet wurde. | ||
: | : "Dieses Jagdschlösschen des Grafen Czernin, das in die späten Schaffensjahre des ehemaligen Friedrich-von-Schmidt-Mitarbeiters fällt, zeigt in seiner Verbindung von "altdeutschen" und englischen Elementen (Mischung von Burg- und Landhauscharakter) nationalromantische Züge. Da es sich um einen Wiederaufbau nach einem Brand handelt, kann nicht genau gesagt werden, wieweit sich Wessicken an den Altbestand angepaßt hat." | ||
:: | :: zitiert nach [[Friedrich Achleitner]] im ersten Band seiner "Österreichischen Architektur". | ||
==Ehrungen und Ableben == | ==Ehrungen und Ableben == | ||
Im August [[1876]] er vom Minister für | Im August [[1876]] wurde er vom Minister für "Cultus und Unterricht" zum Fachvorstand und Hauptlehrer der baugewerblichen Abteilung der [[Staatsgewerbeschule|k. k. Staats-Gewerbeschule]] in Salzburg unter Verleihung des Professortitels ernannt.<ref>[https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=sza&datum=18760821&query=%22Staats-Gewerbeschule+in+Salzburg%22&ref=anno-search&seite=1 ANNO], "[[Salzburger Zeitung]]", Ausgabe vom 21. August 1876, Seite 1</ref> | ||
Wessicken war Ehrenmitglied der "Wiener Bauhütte" und wurde [[1902]] für seine Leistungen mit dem Titel eines k.k. Oberbaurates ausgezeichnet. | Wessicken war Ehrenmitglied der "Wiener Bauhütte" und wurde [[1902]] für seine Leistungen mit dem Titel eines k.k. Oberbaurates ausgezeichnet. | ||
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== Weitere Bauten von ihm == | == Weitere Bauten von ihm == | ||
* [[Alpengasthof Trauneralpe]] | * [[Alpengasthof Trauneralpe]] | ||
==Weblink== | |||
* [http://gastein-im-bild.info/gewessik.html Gastein im Bild: ''Die Bauten des Josef Wessicken''] | |||
==Literatur und Quellen == | ==Literatur und Quellen == | ||
* [[Laurenz Krisch]]: | * [[Laurenz Krisch]]: "Der Salzburger Architekt Josef Wessicken und sein Wirken in Bad Gastein." In: Schriftenreihe des Gasteiner Museums. Selbstverlag des Gasteiner Museums. Bad Gastein 2004. | ||
* derselbe | * derselbe: "Der Salzburger Architekt Josef Wessicken und sein Wirken in Bad Gastein". In: [[Mitteilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde]] 144, 2004, S. 373-402. | ||
* [[Günther Rohrer]]: | * [[Günther Rohrer]]: "Josef Wessiken <small>(sic!)</small> – Ein biographische Skizze zu seinem 150. Geburtstag." In: [[Salzburg Archiv]] 4, Seite 103-112. Salzburg 1987 | ||
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* {{Quelle Leben über den Tod hinaus}} | * {{Quelle Leben über den Tod hinaus}} | ||
==Einzelnachweise == | ==Einzelnachweise == | ||
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