Bergsturz


Ein Bergsturz ist eine Fels- und Schuttbewegung aus steilen Bergflanken. Immer wieder fanden solche Bergstürze auch in Stadt und Land Salzburg statt.
Stadt Salzburg
Es wird angenommen, dass die sogenannten Katakomben erst durch einen oder mehrere Bergstürze freigelegt wurden und ursprünglich nicht sichtbar waren. Auch ist bekannt, dass das Stift St. Peter anfangs seines Bestehens unter Bergstürzen gelitten hatte, da es ursprünglich an anderer Stelle dichter am Mönchsberg stand. So wird berichtet, dass im Jahr 1137 Balderich, Abt der Benediktiner-Erzabtei St. Peter, vom Erzbischof die Bauleitung für den Almkanal übertragen erhalten hatte, dessen Bau über vier Jahre zügig voranschritt, bevor Felsstürze im Inneren des Berges den Wasserstollen teilweise wieder zerstörten.
Am 5. April 1666 ereignete sich ein großer Bergsturz in der Gstötten,, der das dortige „Schlosserhaus“ zerschlug und sechs Menschen tötete.[1]
Der wohl folgenschwerste Bergsturz ereignete sich am 16. Juli 1669.[2] In den frühen Morgenstunden, vermutlich zwischen zwei und drei Uhr, bewegte sich die Erde, und eine Felswand des Mönchsbergs stürzte auf die eng an ihn gebauten Gebäude der Gstättengasse. Die meisten Menschen wurden im Schlaf von dem Unglück überrascht – nur wenigen gelang die Flucht. Der Lärm weckte die Nachbarschaft, viele eilten den verzweifelten Opfern zu Hilfe. Plötzlich kam es zu einem Nachsturz – ein weiterer Teil des Berges löste sich. Eine etwa 2 000 Zentner schwere Steinlast stürzte auf die Gstättengasse nieder und begrub auch die Rettenden. Erst im Lauf der nächsten Tage war es möglich, das Ausmaß der Katastrophe vollständig zu erfassen – die Markus-Kirche, das Kirchlein zu „Unserer Lieben Frau am Bergl“ (dieses existiert heute nicht mehr), das Priesterseminar und rund 13 Häuser der Gstättengasse wurden zerstört. Über 220 Menschen kamen ums Leben.
1778 wurde der Berufsstand der Bergputzer ins Leben gerufen. Etwa 80 Tonnen lockeres Material werden jedes Jahr von den Wänden der Salzburger Stadtberge von den Bergputzern abgetragen.
Am 17. November 1953 löste sich kurz nach 1 Uhr hinter dem Wohnhaus des Salzburger Cafetiers Josef Scheckenberger von der steil abfallenden Wand des Kapuzinerberges ein ungefähr 20 Kubikmeter großer Felsblock, stürzte in den Garten und zertrümmerte ein dort stehendes Häuschen. Der sofort alarmierte technische Dienst der Feuerwehr untersuchte in zweistündigem Einsatz bei Scheinwerferlicht die zerklüftete Wand, um das Risiko weiterer Abstürze zu beurteilen. Um drei Uhr früh konnte der Einsatzleiter den aufgeschreckten und beunruhigten Bewohnern der Umgebung versichern, dass an dieser Stelle keine akute Gefahr mehr besteht. Der in zwei Stufen angelegte Garten des Cafetiers bot ein Bild der Verwüstung. Eine runde Waggonladung Fels, gemischt mit Baumstämmen und Astwerk, hatte ganze Arbeit geleistet.[3]
Ein großer Felssturz löste am Samstag, den 23. Jänner 2021, um 06:08 Uhr im Haus der Stadtgeschichte den Alarm aus. Eine rund 20 Kubikmeter große Steinplatte in fünf bis zehn Metern Höhe hatte sich hinter dem Gebäude gelöst und war auf und in rückwärtige Gebäudeteile gestürzt.
Land Salzburg
In prähistorischer Zeit stürzte die Ostflanke des Hocharn ins Rauriser Hüttwinkltal. Auf der gewaltigen Sturzmasse steht heute der Rauriser Urwald.
Der Pinzgauer Gebirgssee Hintersee entstand 1495 nach einem gewaltigen Felssturz.
1768 wurde der Kleine See im Lignitztal von einem Bergsturz vom Hundstein aufgestaut.

Die gewaltigen Felsstürze der Süd- und Ostwand in den 1990er-Jahren machten die Bischofsmützen bekannt. Am 22. September 1993 um 15:45 Uhr war ein lauter Donner zu hören, und von den Mützen brach an der Ostseite eine etwa 100 m breite Felswand ab – rund 50 000 Kubikmeter. Am Sonntag, den 10. Oktober 1993, kam es zu einem zweiten Felssturz, bei dem mehr als 100 000 Kubikmeter Gesteinsmassen aus der Südwand und der Südostkante brachen und ins Tal stürzten.[4]
Nach einem Bergsturz in Fusch an der Großglocknerstraße am 21. Jänner 2004 mussten zwei Familien evakuiert werden. Am Südwesthang des Kaserecks in Fusch gerieten rund 20 000 Tonnen Gestein in Bewegung. Autogroße Blöcke stürzten ins Tal und verfehlten nur knapp mehrere Häuser im Bereich Perleben. Der Pinzgauer Katastrophenreferent Kurt Reiter und der Landesgeologe Gerald Valentin sorgten nach einem Lokalaugenschein für die sofortige Evakuierung zweier Familien im Gefahrenbereich. Grund für den Felssturz waren vermutlich die heftigen Niederschläge im Jänner 2004. Es dauerte mehrere Wochen, bis die Familien in ihre Häuser zurückkehren konnten.
Am Kniepass in Unken wurde am 1. März 2008 ein Mann bei einem Felssturz infolge des Orkans Emma getötet, als Felsbrocken ein Auto trafen. Oberhalb der Straße waren Bäume entwurzelt worden. Es handelte sich um einen 47-jährigen britischen Staatsangehörigen, der in einem stehenden Taxi saß. Im April desselben Jahres wurde die Dientener Straße L216 zwischen Dienten und Lend von bis zu zehn Meter hohen Geröllmassen verschüttet. Zwei Wochen dauerte es, bis dieser Straßenabschnitt wieder gefahrlos befahrbar war.
In Neukirchen am Großvenediger, in der Ortschaft Sulzau im Untersulzbachtal, donnerte im Jänner 2010 ein 40 Tonnen schwerer Fels zu Tal und traf beinahe das Schaubergwerk Hochfeld.
Im September 2010 stürzten Felsbrocken zwischen Ofenauer- und Hiefler Tunnel auf die A 10 Tauern Autobahn. Dabei wurde ein Auto beschädigt.
Im März 2011 brachen mehrere Felsbrocken oberhalb der B 162 Lammertal Straße ab und verfehlten ein Auto nur knapp.
Die L 216 Dientener Landesstraße war ebenfalls im März 2011 abermals Schauplatz eines Felssturzes. Sie wurde auf einer Länge von zehn Metern verschüttet. In die Felsmassen prallte ein 22-jähriger Pkw-Lenker mit seinem Fahrzeug, blieb aber unverletzt.
In der Nacht auf den 20. Oktober 2017 stürzten 150 000 Tonnen Gestein von einer Flanke des Großen Wiesbachhorns auf der Ferleitental-Seite mehr als 200 Meter im freien Fall ab und landeten auf einer Gletscherzunge.
- 2019 ereigneten sich vier Felsstürze in Hüttschlag.
- 2020 ereigneten sich zwei Felsstürze von der Westflanke des Bambachkopf in das Mühlbachtal in Niedernsill.
Felsstürze Herbst 2024
Zwischen Mitte Oktober und Mitte November 2024 ereigneten sich in den Hohen Tauern drei große Felsstürze. Verletzt wurde niemand, Schäden an Infrastruktur entstanden keine. Diese ungewöhnliche Häufung ist laut Landesgeologe Gerald Valentin ein sicheres Zeichen für den Klimawandel. Er untersuchte die Gefahrenstellen im Bereich des Hocharns in Rauris, im Bereich des Großen Schmiedinger nordwestlich des Kitzsteinhorns am westlichen Rand des Schmiedingerkees in Kaprun (hier waren rund 75 000 Kubikmeter Gestein in Bewegung gekommen) und im Bereich der Warnsdorfer Hütte am Ende des Krimmler Achentals.
Bilder Felssturz Herbst 2024
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Im Bild Gerald Valentin vom Landesgeologischen Dienst, der am Hocharn in Rauris die Stelle des Felssturzes im Hochgebirge untersucht. Grund war das Auftauen des Permafrosts, verursacht durch den Klimawandel.
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Felssturz im Herbst 2024 am Großen Schmiedinger, im Hintergrund das Kitzsteinhorn.
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Im Bild Gerald Valentin vom Landesgeologischen Dienst unterhalb des Gipfels des Rauriser Sonnblick mit dem Sonnblickobservatorium der GeoSphere Austria.
In Grenzregionen
Die durch einen Felssturz 1914 entstandenen Schäden an der Wallfahrtskirche Maria Rast im Zillertal wurden erst 1923/24 wieder behoben.
Literatur
- Hauer, Katrin: Der plötzliche Tod. Bergstürze in Salzburg und Plurs kulturhistorisch betrachtet, Wien: LIT-Verlag 2009. [1]
Quellen
- "Salzburger Nachrichten", 22. März 2011
Einzelnachweise
- ↑ Vinzenz Maria Süß, Die Bürgermeister in Salzburg von 1433 bis 1840. Salzburg (Oberer'sche Buchhandlung) 1840. S. 82.
- ↑ Genaue Beschreibung dieses Felssturzes ANNO, Mitteilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde, 1894, S. 22 ff.
- ↑ ANNO, „Salzburger Nachrichten“, Ausgabe vom 18. November 1953, Seite 5
- ↑ www.sn.at, Archiv der „Salzburger Nachrichten“, Ausgabe vom 11. Oktober 1993, Seite 11