Glockengießerei Oberascher: Unterschied zwischen den Versionen
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[[Datei:Salzburg Sebastiansfriedhof Oberascher.jpg|thumb|Grab der Familie Oberascher im [[Sebastiansfriedhof ]].]] Die '''Glockengießerei Oberascher''' bestand von [[1618]] bis [[2009]] in der [[Stadt Salzburg]]. | [[Datei:Salzburg Sebastiansfriedhof Oberascher.jpg|thumb|Grab der Familie Oberascher im [[Sebastiansfriedhof ]].]] Die '''Glockengießerei Oberascher''' bestand von [[1618]] bis [[2009]] in der [[Stadt Salzburg]]. | ||
| − | == | + | == Geschichte == |
| − | [[ | + | === Familienbetrieb === |
| + | Von [[1765]] bis Ende [[2003]] befand sie sich in Familienbesitz. [[1765]] übernahm Johann Baptist Oberascher den Betrieb. Unter den ersten der Besitzer waren Johann Oberascher (* [[1765]]; † [[1797]]), Johann Oberascher Sohn (* 1797; † [[1835]]) und Franz Oberascher (* [[1835]]; † [[1877]]). Urkunden belegen, dass den Oberaschers auf Grund ihrer Verdienste verschiedene außerordentliche Rechte von den Landesherren verliehen wurden, so z. B. das Bau- und Schürfrecht für den [[Kupferbergbau]] in [[Mitterberg (Pongau)|Mitterberg]] und am [[Radhausberg]] in den [[Hohe Tauern|Hohen Tauern]]. | ||
| − | ==Die Glockengießerei | + | === Die Glockengießerei im Fürsterzbistum === |
| − | + | Bereits um [[1430]] ist eine Glockengießerei mit Meistern wie Jörg Gloppitscher nachweisbar, die bis etwa 1520 bestand. [[1618]] wurde die Gießerei als [[Salzburger Fürstenhof|fürsterzbischöfliche Hof]]- und bürgerliche Stuck- und Glockengießerei von Jakob Lidl neu gegründet. Unter einem Stuckguss war vor allem der Guss von Kanonenrohren zu verstehen. Dieser Guss war vor allem auch im [[Dreißigjähriger Krieg|Dreißigjährigen Krieg]] und in den Türkenkriegen bedeutsam. | |
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| + | Der Betrieb war am Anfang in der [[Goldgasse (Stadt Salzburg)|Goldgasse]] beheimatet. Wegen der möglichen Feuergefahr übersiedelte der Betrieb unter Johann Hackhl vor das früher bestehende [[Äußeres Linzertor|äußere Linzertor]], heute [[Glockengasse]] 10, wo der Untergrund aber durch ständige Nässe wenig geeignet war. [[1724]] wanderte der Betrieb wieder weiter stadteinwärts in den [[Bruderhof]] an der [[Linzer Gasse]]. Dagegen protestierten die Nachbarn mehrfach; sie wiesen auf die Feuergefahr durch Funkenflug beim Gießen hin. | ||
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| + | Als Salzburg im Zuge der [[Salzburg unter Napoleon|Napoleonischen Kriege]] zwischen [[1810]] und [[1816]] an das [[Königreich Bayern]] fiel, fungierte der Betrieb als königlich-bayrische Hofglocken- und Stuckgießerei. | ||
== Die Glockengießerei in der 1. Republik == | == Die Glockengießerei in der 1. Republik == | ||
| − | Als [[Kasern]], an der Grenze zwischen [[Bergheim]] und [[Hallwang]] | + | Als [[Kasern]], an der Grenze zwischen [[Bergheim]] und [[Hallwang]], im [[20. Jahrhundert]] entstand, war die Glockengießerei einer der ersten Gewerbebetriebe, die sich dort [[1919]] ansiedelte. Zur eigenen Sicherheit legte der Betrieb einen großen Feuerlöschteich an, der als Tümpel erhalten ist. |
== Die Glockengießerei Oberascher 1939–1945 == | == Die Glockengießerei Oberascher 1939–1945 == | ||
Im Juli [[1939]] stellte die Glockengießerei Oberascher noch vor Beginn des [[Zweiter Weltkrieg|Zweiten Weltkriegs]] auf die Produktion von Haubitzen-Geschossen und Granaten um. Die Firma wurde damit ein wichtiger Lieferant für die Wehrmacht. Friedrich Thomas aus Nürnberg wurde damals zum Betriebsleiter bestellt. Im Oktober 1939 wurden bei Razzien im Unternehmen mehrere Arbeiter festgenommen. Von ihnen wurden später zehn wieder freigelassen, einer davon war der frühere Betriebsleiter. | Im Juli [[1939]] stellte die Glockengießerei Oberascher noch vor Beginn des [[Zweiter Weltkrieg|Zweiten Weltkriegs]] auf die Produktion von Haubitzen-Geschossen und Granaten um. Die Firma wurde damit ein wichtiger Lieferant für die Wehrmacht. Friedrich Thomas aus Nürnberg wurde damals zum Betriebsleiter bestellt. Im Oktober 1939 wurden bei Razzien im Unternehmen mehrere Arbeiter festgenommen. Von ihnen wurden später zehn wieder freigelassen, einer davon war der frühere Betriebsleiter. | ||
| − | Ab 1940 wurde auch der Glockengießereibetrieb von der Einberufungswelle erfasst | + | Ab [[1940]] wurde auch der Glockengießereibetrieb von der Einberufungswelle erfasst. Der Mangel an heimischen Facharbeitern musste durch Fremdarbeiter ausgeglichen werden. Diese kamen zunächst aus den verbündeten Staaten, später aus den besetzten Gebieten der [[Russland|Sowjetunion]]. Im Oktober [[1942]] trafen bei Oberascher die ersten 104 Ostarbeiter ein, etwa ein Drittel waren Frauen, die Mehrheit unter 20 Jahre alt. Bei den Männern war der Jüngste noch keine 15 Jahre alt gewesen. Eine ehemalige Zwangsarbeiterin erinnerte sich an verregnete, kalte Baracken, in denen sie wohnen mussten. Auch die Verpflegung war schlecht. |
| − | Weidenholzer berichtet von Exekutionen, die die Gestapo am [[20. August]] [[1943]] an vier entflohenen "Ostarbeitern" vermeldete. Weidenholzer konnte in Recherchen über den Internationalen Suchdienst in Bad Arolsen weitere Opfer in Erfahrung bringen, in diesem Betrieb dürften mehr Opfer zu beklagen sein, als bisher bekannt. Manche starben an den Folgen der Arbeit, andere wurden in Konzentrationslager [[Nationalsozialismus Überleben und Tod#Deportationen aus Salzburg|deportiert]] oder vor Ort ermordet. Die 17-jährige [[Halina Staschko]] erlag kurz vor der Befreiung am [[1. Mai]] [[1945]] durch die Amerikaner ihren Schussverletzungen. Friedrich Thomas verließ nach 1945 den Betrieb und übersiedelte nach Deutschland. | + | Mag. [[Thomas Weidenholzer]], Historiker im [[Stadtarchiv Salzburg]], berichtet von Exekutionen, die die [[Gestapo]] am [[20. August]] [[1943]] an vier entflohenen "Ostarbeitern" vermeldete. Weidenholzer konnte in Recherchen über den Internationalen Suchdienst in Bad Arolsen weitere Opfer in Erfahrung bringen, in diesem Betrieb dürften mehr Opfer zu beklagen sein, als bisher bekannt. Manche starben an den Folgen der Arbeit, andere wurden in Konzentrationslager [[Nationalsozialismus Überleben und Tod#Deportationen aus Salzburg|deportiert]] oder vor Ort ermordet. Die 17-jährige [[Halina Staschko]] erlag kurz vor der Befreiung am [[1. Mai]] [[1945]] durch die Amerikaner ihren Schussverletzungen. Friedrich Thomas verließ nach 1945 den Betrieb und übersiedelte nach Deutschland. |
| − | == | + | Während der beiden Weltkriege war der Glockenguss eingestellt. |
| − | Am [[7. Juni]] [[1950]] vernichtet ein Brand in der Glockengießerei den Dachstuhl und richtet in der Maschinenhalle großen Schaden an. [[1961]] wurde bei Oberascher, unter der Leitung von Ing. [[Georg Sippel]], das größte Geläut in Österreich und im süddeutschen Raum für den [[Salzburger Dom]] mit insgesamt | + | |
| + | == Die Geschichte nach 1945 == | ||
| + | [[1946]] wurde der Glockenguss unter der Leitung von Georg Sippel wieder aufgenommen. | ||
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| + | In den ersten [[Nachkriegszeit|Nachkriegsjahren]], als das für Glockenbronze notwendige Zinn teuer und schwer erhältlich war, wurde auch viel in einer zinnarmen Sonderlegierung gegossen, bestehend aus ca. 60 % Kupfer, 29 % Zink, 6 % Blei und 5 % Zinn. | ||
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| + | Nachdem das Absatzgebiet bereits in der [[Zwischenkriegszeit]] erheblich erweitert werden konnte, stieg der Glockenguss insbesondere nach [[1948]] rasant an, womit Oberascher sich innerhalb weniger Jahre zu einer der fünf großen Glockengießereien Österreichs sowie zu einem der größten Industriebetriebe des Landes entwickelte. Zwischen 1946 und [[1972]] entstanden insgesamt ca. 1 650 Glocken im Gesamtgewicht von 911 309 kg, viele davon gingen ins Ausland, z. B. nach Sydney in [[Australien]] und Bethlehem in [[Israel]]. | ||
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| + | Am [[7. Juni]] [[1950]] vernichtet ein Brand in der Glockengießerei den Dachstuhl und richtet in der Maschinenhalle großen Schaden an. [[1961]] wurde bei Oberascher, unter der Leitung von Ing. [[Georg Sippel]], das größte Geläut in Österreich und im süddeutschen Raum für den [[Salzburger Dom]] mit insgesamt 32 439kg gegossen − ein Meilenstein in der Geschichte des Unternehmens. Am [[24. September]] 1961 läuteten die Glocken zum ersten Mal − ihre Gewichte: 14 256 kg, 8 273 kg, 2 518 kg, 1 025 kg und 715 kg. | ||
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| + | Wegen der allgemeinen Sättigung – die im Krieg abgelieferten Glocken waren alle ersetzt – wurden ab den [[1970er]]-Jahren bei Oberascher nur noch sehr wenige Glocken gegossen, weshalb man sich verstärkt dem Industrieguss widmete (Leichtmetalle und Gusseisen), der zunehmend das Hauptbetätigungsfeld der Firma darstellte. | ||
Im Jahre [[2002]] war der Guss der 3,11 m großen Friedensglocke "Concordia 2000", der zweitgrößten je in Österreich gegossenen Glocke, die zu den zehn größten frei schwingenden Glocken der Welt zählt. Sie ruft auf dem Kronplatz in [[Südtirol]] in 2 280 [[M ü. A.|m Seehöhe]] jeden Sonntag zum Frieden. Sie ist mit ihrem Gewicht von 18,2 Tonnen die größte Glocke Italiens. | Im Jahre [[2002]] war der Guss der 3,11 m großen Friedensglocke "Concordia 2000", der zweitgrößten je in Österreich gegossenen Glocke, die zu den zehn größten frei schwingenden Glocken der Welt zählt. Sie ruft auf dem Kronplatz in [[Südtirol]] in 2 280 [[M ü. A.|m Seehöhe]] jeden Sonntag zum Frieden. Sie ist mit ihrem Gewicht von 18,2 Tonnen die größte Glocke Italiens. | ||
| − | + | Aufgrund der abnehmenden Nachfrage wurde [[2003]] der Glockenguss gänzlich eingestellt. [[2004]] wurde die Firma Oberascher mit neuen Eigentümern als Oberascher Manufaktur Gießerei & Handelsgesellschaft mbH. neu gegründet. Dort wurden überwiegend gewerbliche und industrielle Kleinserien, anspruchsvoller Kunstguss sowie individuelle Einzelstücke und Sonderanfertigungen gegossen. Aber leider musste dann auch die ''Oberascher Manufaktur Gießerei & Handelsgesellschaft mbH'' am 30. Dezember 2009 den Konkursantrag beim [[Salzburger Landesgericht]] stellen<ref>Quelle [[Salzburger Wirtschaft (Zeitung)]], 8. Jänner 2010, "Konkurse, Eröffnungen"</ref>. | |
Die alten Firmenteile wurden in das Veranstaltungszentrum [[Gusswerk]] umgestaltet und dienen vor allem Festen und Firmenpräsentationen als interessanter Rahmen (z. B. präsentierte General Motors im August und September 2006 vor 5 400 Händlern aus aller Welt seinen neuen Opel Corsa). | Die alten Firmenteile wurden in das Veranstaltungszentrum [[Gusswerk]] umgestaltet und dienen vor allem Festen und Firmenpräsentationen als interessanter Rahmen (z. B. präsentierte General Motors im August und September 2006 vor 5 400 Händlern aus aller Welt seinen neuen Opel Corsa). | ||
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| + | == Inhaber == | ||
| + | * ''Jakob Lidl'' (* um [[1586]] in [[München]]; † 1647 in Salzburg) suchte am 29. Oktober 1618 um Erlaubnis an, eine Gießerei zu errichten und wurde so Gründer und erster Inhaber der Gießerei. | ||
| + | * ''Johann Eisenberger'' (* um 1611 in Nürnberg; † 27. Dezember 1674 in Salzburg) war der Schwiegersohn Lidls und leitete den Betrieb von 1650 bis 1674. | ||
| + | * ''Benedikt Eisenberger'' (* um 1651; † 17. Juni 1723) übernahm den Betrieb 1674 nach dem Tod seines Vaters und führte ihn bis 1723. | ||
| + | * ''Johann Hackhl'' (* 25. März 1704 in [[Gneixendorf (Gemeinde Krems)|Gneixendorf bei Krems]]; † um 1750) heiratete am 28. Februar 1724 die Witwe des Benedikt Eisenberger und übernahm dessen Betrieb. | ||
| + | * ''Johann Georg Leschinger'' († 1759) heiratete nach Hackhls Tod am 31. August 1750 dessen zweite Frau Anna und übernahm den Betrieb. Nach Leschingers Tod führte seine Witwe den Betrieb zunächst allein weiter. | ||
| + | * ''Johann Baptist Oberascher'' (* 17. Juni 1737 in [[Gnigl|Salzburg-Knigl]]; † 1797) war Sohn eines Bauern und ist der Stammvater der Glockengießerdynastie Oberascher. Er erlernte den Glockenguss bei Johann Georg Leschinger (Meisterbrief 1753). Nach Leschingers Tod heiratete er am 7. Mai 1765 dessen Witwe und übernahm den Betrieb. Johann Baptist Oberascher gilt als der bedeutendste Gießer der [[Barock]]zeit in Salzburg.<ref name="Wernisch" /> Bis zu seinem Tod 1797 goss er 83 namentlich angeführte Glocken.<ref name="Jungwirth">Augustin Jungwirth: ''Die Glocken und Glockengießer Salzburgs''. In: Mitteilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde 75, 1935</ref> Neben zahlreichen Glocken schuf er auch ganze Geläute, darunter eine der größten Gussleistungen der Barockzeit in Österreich, das Stiftsgeläute von [[Mondsee]], dessen große Glocke ein Gewicht von 4383 kg aufwies. Von diesem Geläute überdauerte nur die zweitgrößte Glocke die Kriege. Das Geläute für die [[Kirche St. Zeno (Bad Reichenhall)|Kirche St. Zeno]] in [[Bad Reichenhall]] dagegen ist noch vollständig erhalten (4 Glocken aus 1790/91, die große mit 2268 kg) und zählt zu den klangschönsten der Barockzeit.<ref name="Wernisch" /> | ||
| + | [[Datei: Salzburg Sebastiansfriedhof 966.jpg|mini|hochkant|Grab von [[Johann Oberascher]] (1769–1847) am Salzburger [[Sebastiansfriedhof]]]] | ||
| + | * ''Johann Oberascher'' (* 26. Jänner 1769;<ref>Er wurde von Kaplan ''Leopold Lamprecht'' im Salzburger Dom auf den Namen ''Johann Bap. Franz'' getauft; [[Archiv der Erzdiözese Salzburg|AES]], Salzburg-Dompfarre, Taufbuch TFBIX/2 1756–1814. Siehe: [http://www.data.matricula.info/php/view.php?ar_id=3670&link=35353032x29#&posX=-0.0012277470841006752&posY=0.45610804174340086&zoom=0.24999999999999997&path=dfc7c76b6e3038f93cf6fc3fc76bf7e0edeec76e3038f93cf6fc3f3d3b35f13330fcfc36c76bf7d06dc5d0d66ec7e6c7e0edeec76dd3dce1eac7ecc76bf7d06dc5d0d66ec7e6c7e0edeec76dd3dce1eac7ec6be1eec56d30f633366be1ece6ecc739f13f Bildnummer 03-Taufe_0252], aufgerufen am 10. April 2017.</ref> † 23. Dezember 1847) übernahm die Gießerei nach dem Tod seines Vaters 1797 und führte sie bis 1835. Trotz [[Koalitionskriege|Kriegszeit]] und Geldentwertung nahm unter ihm der Betrieb an Bedeutung zu. Für Salzburg und Umgebung lieferte die Gießerei 138 größere Glocken. Um der zunehmenden Nachfrage gerecht zu werden, sah sich Johann Oberascher 1810 veranlasst, den Betrieb zu erweitern und die alte Gießstätte vom Stammhaus in der Goldgasse in die Glockengasse und später in die Linzer Gasse zu verlegen. In [[Nonntal]] "vor der Schanze" erwarb der nunmehrige königlich-bayerische Stuk- und Glockengießer eine Werkstätte zum Drehen und Bohren von Kanonenrohren.<ref name="Jungwirth" /> Im Zuge des großen [[Stadtbrand Salzburg 1818|Salzburger Stadtbrandes von 30. April bis 4. Mai 1818]] brannte auch die Gießerei der Firma Oberascher bis auf die Außenmauern ab. Nachdem Johann Oberascher sich bereits am 13. Mai 1818 an die zuständige Salzburger Baukommission mit Plänen zum Wiederaufbau seiner Gießerei gewandt hatte, durfte er den Betrieb zunächst jedoch nicht neu errichten. Hintergrund hierfür war, dass es bereits seit 1810 zu wiederholten Auseinandersetzungen mit den Anrainern über die Gießerei und die damit zusammenhängende Brandgefahr für die Nachbarobjekte gekommen war. Zunächst wurden mehrere Sachverständige und die Landesregierung mit den Wiedererrichtungsplänen der Gießerei Oberascher befasst. Johann Oberascher wandte sich in weiterer Folge direkt an [[Franz II. (HRR) |Kaiser Franz I.]] und bat diesen um seine Unterstützung, insbesondere mit dem Argument, dass die Gießerei mit ihrer Kanonenproduktion auch für das Militär des [[Kaisertum Österreich | Habsburgerreiches]] von Bedeutung wäre. Die Firma Oberascher setzte sich letzten Endes gegen alle Einwände durch und mit dem Einlangen einer ''allerhöchsten Entschließung'' konnte die Gießerei schließlich bis zum Juni 1819 wieder neu errichtet werden.<ref name="Marx">Erich Marx: Wiederaufbau oder Abbruch, in Erich Marx, Peter Husty, Peter F. Kramml [Hrsg.] „Die Flammen lodern wütend“ - Der große Salzburger Stadtbrand 1818, S. 185 f., Stadtarchiv und Statistik der Stadt Salzburg, Salzburg 2018</ref> Von Johann Obderascher stammt auch das 1818 gegossene große hydraulische Solpumpwerk für die Saline in [[Bad Reichenhall]]. Das Pumpwerk gilt allgemein als ein Meisterwerk der Gießkunst und ist heute im [[Deutsches Museum|Technischen Museum]] in München ausgestellt.<ref name="Jungwirth" /><br/>Der ''bürgerliche Stuk und Glockengießer'' starb ''im 79. Jahre seines thätigen Lebens'' und wurde im Sebastiansfriedhof beigesetzt, seine Gattin Anna Wagner war ihm schon fünf Jahre früher, am 27. August 1842, vorangegangen. | ||
| + | * ''Franz Oberascher I'' (* 19. November 1802; † 13. März 1877) übernahm 1835 die Gießerei seines Vaters. Von ihm stammen 264 größere Glocken. In seine Zeit fiel die große "Umgusswelle", während der unzählige Pfarrgemeinden ihre alten, nicht zusammenstimmenden Glocken zu größeren, harmonischen Geläuten umgießen ließen. Von seinen zahlreichen Glocken haben nur wenige die beiden Weltkriege überstanden. Zu den bedeutendsten Werken zählten die großen Glocken für [[Bad Ischl]] (2179 kg), der [[Stadtpfarrkirche Steyr]] (2906 kg) und der [[Erzabtei St. Peter]] (2178 kg) sowie die Geläute für [[Hallein]] (4751 kg), für das [[Stift Nonnberg]] (3457 kg) und [[Mariapfarr]] (4368 kg). 1874 übergab er den Betrieb in Folge seines Alters seinem Neffen Josef.<ref name="Wernisch" /> | ||
| + | * ''Josef Oberascher'' (* 1844; † 1911) leitete die Gießerei von 1874 bis 1907. Von ihm stammen zahlreiche Glocken, hauptsächlich für Salzburg, aber auch Oberösterreich. Er profitierte ebenfalls noch von der großen "Umgusswelle". Josef Oberascher verwendete eine Barockrippe, die er von Franz Oberascher I. übernommen haben dürfte, da sie dasselbe Klangverhalten zeigt. Die Geläute für die Klosterkirche in [[Wallfahrtsbasilika Maria Puchheim|Puchheim]] (4065 kg) und der Salzburger [[Pfarrkirche Salzburg-St. Andrä|Andräkirche]] waren neben der großen Glocke für [[Mattighofen]] (2394 kg) seine bedeutendsten Werke.<ref name="Wernisch" /> | ||
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| + | * ''Franz Oberascher II'' (* 7. August 1870; † 5. Mai 1942) übernahm 1907 den Betrieb von seinem Vater und leitete ihn bis 1939. Bis zum [[Erster Weltkrieg|Ersten Weltkrieg]] wurden noch zahlreiche Geläute gegossen, die größten davon für [[Hochburg-Ach|Hochburg]] (2277 kg) und die [[Herz-Jesu-Kirche (Wels)|Herz-Jesukirche]] in [[Wels (Stadt)|Wels]] (5140 kg). Zu den bedeutendsten Glocken aus dieser Zeit zählt die große Glocke der [[Pfarrkirche Mülln|Stadtpfarrkirche Mülln]], gegossen am Tag der Kriegserklärung 1914, welche bis heute erhalten ist und zu den wertvollsten Glocken des [[Historismus]] in Österreich zählt.<ref name="Wernisch" /> Ansonsten blieben aus der Zeit vor 1914 nur zwei kleinere Glocken erhalten. Auch von seinen Zwischenkriegsgeläuten blieben nur einzelne kleinere Glocken erhalten, alle anderen wurden während des Zweiten Weltkrieges eingeschmolzen. Zu den wenigen erhaltenen Werken zählt die große Glocke von [[Maria Plain]], genannt die "Stürmerin" (2018 kg), welche als besonders klangvoll und wertvoll gilt. Sein Sohn ''Franz Oberascher III'' (* 1898; † 1944) fiel im [[Zweiter Weltkrieg|Zweiten Weltkrieg]].<ref name="Wernisch" /> | ||
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| + | * ''Dorothea Sippel, geb. Oberascher'' (* 16. Jänner 1913; † 9. Februar 1995) | ||
| + | * ''Maria Schreiner, geb. Oberascher'' (* 8. März 1900; † 1. März 1982) Nach dem Tod von Franz Schreiner (24. August 1938), dem Ehemann von Maria Oberascher, waren ebendiese sowie ihre beiden Geschwister Franz Oberascher III und Dorothea Sippel zu gleichen Teilen Eigentümer. Nach dem Tod von Franz Oberascher III übernahmen nach dem Krieg die beiden Schwestern dessen Anteile. ''Georg Sippel'' (*11. November 1905; † 17. Juni 1993) kam nach dem Krieg nach Salzburg und heiratete Dorothea Oberascher. Unter seiner Leitung wurde 1946 der Glockenguss wieder aufgenommen. Auf ihn gehen die ab 1948 verwendeten modernen [[Glockenrippe]]n zurück. Sein Tod stellte die Glockengießerei bei Oberascher vor große Probleme, da Sippel keine schriftlichen Unterlagen zu seinen Rippenkonstruktionen hinterließ und seine Kenntnisse auch sonst nicht ausreichend weitergegeben hatte. Daher gingen die meisten seiner Rippenkonstruktionen verloren.<ref name="Wernisch" /> | ||
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| + | * ''Franz Schreiner'' (* 10. Oktober 1926), Sohn Maria Schreiners, übernahm zu seinem 50. Geburtstag die Anteile seiner Mutter. | ||
| + | * ''Hartwig Sippel'' (* 9. September 1953) Die Familie Sippel übernahm ab 1983 als Alleineigentümer den Betrieb. | ||
| + | * Bis 1993 verblieb die Gießerei im Besitz der Familie Sippel. | ||
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| + | Das Unternehmen hatte zwei Zweigniederlassungen: | ||
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| + | * in der Salzburger Straße in [[Bad Reichenhall]], gegründet 1819 von ''Johann Oberascher II'', dem Sohn Johann Oberaschers. Diese Firmengründung war eine Folge des [[Wiener Kongress]]es mit dem Salzburg an das [[Kaisertum Österreich]] fiel und die Gießerei in der Folge aufgrund von Zollschranken gehindert war ins benachbarte [[Bayern]] zu liefern. Johann Oberascher II. arbeitete bis 1840 und goss für die umliegenden Ortschaften 96 Glocken. Ihm folgte sein Sohn ''Anton Oberascher'' (1809–1873), der ca. 200 Glocken goss. Sein Nachfolger ''Franz Sales Oberascher'' (1854–1908) versorgte Oberbayern zwischen 1873 und 1908 mit ca. 80 Glocken. Damit erlosch diese Linie.<ref name="Jungwirth" /> | ||
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| + | * In [[München]] übernahmen Rupert und Rudolf Oberascher, Söhne von Josef Oberascher, 1899 die dort ansässige Gießerei des Josef Strasser. Dieser Betrieb bestand bis nach dem Zweiten Weltkrieg. Das berühmteste Werk aus dieser Firma ist das Glockenspiel für das [[Neues Rathaus (München)|Rathaus]] in München, bestehend aus 43 Glocken, welches als ein [[Wahrzeichen]] der Stadt angesehen wird.<ref name="Wernisch" /><ref>[http://www.sueddeutsche.de/muenchen/rathaus-einmal-glockenspiel-macht-mark-1.2663438 ''Ein Glockenspiel für 6913 Mark'']. In: Süddeutsche Zeitung</ref><ref>[http://www.sueddeutsche.de/muenchen/laim-ein-klang-verhallt-1.3269887 ''Laim - Ein Klang verhallt'']. In: Süddeutsche Zeitung</ref> | ||
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| + | == Glockenproduktion == | ||
| + | [[Datei:Georg Sippel vor der Salvatorglocke.jpg|mini|hochkant|Georg Sippel (r.) vor der [[Salvator-Glocke (Salzburg)|Salvator-Glocke]] (1961)]] | ||
| + | [[Datei:Weihe der Salzburger Domglocken am 24. September 1961.jpg|mini|hochkant|Weihe der [[Salzburger Dom |Salzburger Domglocken]] am 24. September 1961]] | ||
| + | [[Datei:Salzburger Domglocken Oberascher.jpg|mini|Weihe der [[Salzburger Dom|Domglocken]] von einem Klostertrakt des [[Stift Sankt Peter (Salzburg)|Stiftes St. Peter]] aus gesehen]] | ||
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| + | Von den Gießern vor Johann Baptist Oberascher sind nur wenige und kleine Glocken erhalten. Unter den Werken der Familien Oberascher und Sippel befinden sich folgende bedeutende Werke: | ||
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| + | Glocken von Johann Baptist Oberascher: | ||
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| + | * [[Basilika Mondsee]]: 5-stimmiges Geläut auf gis<sup>0</sup>, gegossen 1774–1775. Die große Glocke wog 4.383 kg. Nur die Glocke 2 ist erhalten. | ||
| + | * [[Kirche St. Zeno (Bad Reichenhall)|Kirche St. Zeno]] in [[Bad Reichenhall]]: 5-stimmiges Geläut auf c<sup>1</sup>, gegossen 1790–1791 (komplett erhalten). | ||
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| + | Glocken von Johann Oberascher: | ||
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| + | * Stadtpfarrkirche in [[Schwanenstadt]]: 6-stimmiges Geläut mit einem Gesamtgewicht von 3.962 kg (nicht erhalten). | ||
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| + | Glocken von Franz Oberascher I: | ||
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| + | * [[Stadtpfarrkirche St. Nikolaus (Bad Ischl)|Stadtpfarrkirche Bad Ischl]]: große Glocke auf c<sup>1</sup> mit 2.179 kg, gegossen 1840 (nicht erhalten). | ||
| + | * [[Stadtpfarrkirche Steyr]]: große Glocke auf h<sup>0</sup> mit 2.906 kg, gegossen 1849 (nicht erhalten) | ||
| + | * [[Stiftskirche St. Peter (Salzburg)|Stiftskirche St. Peter in Salzburg]]: große Glocke auf d<sup>1</sup> mit 2.178 kg, gegossen 1851 (nicht erhalten). | ||
| + | * Pfarrkirche in [[Mariapfarr]]: 4-stimmiges Geläut auf c<sup>1</sup> mit einem Gesamtgewicht von 4.368 kg, gegossen 1856 (nicht erhalten). | ||
| + | * [[Stift Nonnberg]] in Salzburg: 5-stimmiges Geläut auf d<sup>1</sup> mit einem Gesamtgewicht von 3.457 kg, gegossen 1865 (nicht erhalten). | ||
| + | * [[Pfarrkirche Hallein|Stadtpfarrkirche in Hallein]]: 6-stimmiges Geläut auf c<sup>1</sup> mit einem Gesamtgewicht von 4.751 kg, gegossen 1872–1874 (nicht erhalten). | ||
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| + | Glocken von Josef Oberascher: | ||
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| + | * [[Wallfahrtsbasilika Maria Puchheim]]: 5-stimmiges Geläut auf c<sup>1</sup> mit einem Gesamtgewicht von 4.065 kg, gegossen 1891–1892 (nicht erhalten). | ||
| + | * [[Neustadt (Salzburg)#Andräkirche|Andräkirche]] in der Salzburger Neustadt: 5-stimmiges Geläut vermutlich auf h<sup>0</sup>, gegossen 1898 (nicht erhalten). | ||
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| + | Glocken von Franz Oberascher II: | ||
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| + | * [[Herz-Jesu-Kirche (Wels)|Herz-Jesu-Kirche Wels]]: 6-stimmiges Geläut auf c<sup>1</sup> mit einem Gesamtgewicht von 5.140 kg, gegossen 1911 (nicht erhalten). | ||
| + | * [[Pfarrkirche Mülln]] in Salzburg: große Glocke mit [[Schlagton]] c<sup>1</sup> und einem Gewicht von 2.433 kg (erhalten), gegossen am Tag der Kriegserklärung 1914<!-- Datum?! -->. | ||
| + | * [[Pfarrkirche Söll (Tirol)|Pfarrkirche Söll]]: 4 Glocken auf b<sup>0</sup>, gegossen 1920 (nicht erhalten). | ||
| + | * [[Stift Nonnberg]] in Salzburg: 4 Glocken auf c<sup>1</sup>, gegossen 1921 (nicht erhalten). | ||
| + | * Pfarrkirche [[Bad Hall]]: 5-stimmiges Geläut auf h<sup>0</sup>, gegossen 1923 (nur Glocke 4 erhalten). | ||
| + | * [[Pfarrkirche Bartholomäberg]]: 5-stimmiges Geläut auf h<sup>0</sup>, gegossen 1923 (nicht erhalten). | ||
| + | * Pfarrkirche [[Zams]]: 6-stimmiges Geläut auf h<sup>0</sup> mit einem Gesamtgewicht von 8.035 kg, gegossen 1923 (nicht erhalten). | ||
| + | * Andräkirche in [[Neustadt (Salzburg)|Salzburg-Neustadt]]: 4 Glocken auf h<sup>0</sup>, gegossen 1924 (nicht erhalten). | ||
| + | * [[Pfarrkirche Hallein|Stadtpfarrkirche in Hallein]]: 5-stimmiges auf h<sup>0</sup>, gegossen 1926 (nicht erhalten). | ||
| + | * Wallfahrtskirche [[Maria Plain]]: 5 Glocken auf cis<sup>1</sup>, gegossen 1927 (nur die große Glocke ist erhalten). | ||
| + | * [[Salzburger Dom]]: 4 Glocken auf c<sup>1</sup>, gegossen 1928 als Ergänzung älterer Glocken (nicht erhalten). | ||
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| + | Glocken von Georg Sippel: | ||
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| + | * [[Stift Nonnberg]] in Salzburg: 5-stimmiges Geläut auf h<sup>0</sup>, gegossen 1947. | ||
| + | * [[Pfarrkirche Hopfgarten im Brixental]]: 6-stimmiges Geläut in Sonderlegierung auf b<sup>0</sup>, gegossen 1948. | ||
| + | * [[Pfarrkirche Reutte]]: 5-stimmiges Geläut auf h<sup>0</sup>, gegossen 1948. | ||
| + | * [[Pfarrkirche Söll (Tirol)|Pfarrkirche Söll]]: 5-stimmiges Geläut aus Sonderlegierung auf a<sup>0</sup>, gegossen 1948. | ||
| + | * [[Basilika Mondsee]]: 4 Glocken aus Sonderlegierung auf as<sup>0</sup>, gegossen 1949 als Ergänzung zur alten Glocke von Johann Baptist Oberascher. | ||
| + | * [[Wallfahrtskirche Bildstein]]: 5-stimmiges Geläut aus Sonderbronze auf b<sup>0</sup>, gegossen 1949. | ||
| + | * Pfarrkirche [[Saalfelden]]: 5-stimmiges Geläut aus Sonderlegierung auf a<sup>0</sup>, gegossen 1949. | ||
| + | * [[Pfarrkirche Dornbirn-Oberdorf]]: 5-stimmiges Geläut auf b<sup>0</sup>, gegossen 1949. | ||
| + | * [[Dekanatspfarrkirche Sillian|Pfarrkirche Sillian]]: 5 Glocken aus Sonderlegierung auf b<sup>0</sup>, gegossen 1949 als Ergänzung zu einer alten Glocke von [[Hans Christof Löffler]]. Nach einem Sprung wurde die große Glocke 2012 durch eine neue der [[Glockengießerei Eijsbouts]] ersetzt.<ref>{{Internetquelle | hrsg=marktgemeinde-sillian.at | url=http://www.marktgemeinde-sillian.at/bericht_glockenweihe_und_priesterjubilaeum_12_bericht.php | titel=Marktgemeinde Sillian | titelerg=Feierliche Weihe der Herz-Jesu-Glocke |archiv-url=https://archive.today/20130114190607/http://www.marktgemeinde-sillian.at/bericht_glockenweihe_und_priesterjubilaeum_12_bericht.php |archiv-datum=2013-01-14 | zugriff=2012-07-24}}</ref> | ||
| + | * Pfarrkirche in [[Altenstadt (Feldkirch)|Feldkirch-Altenstadt]]: 4 Glocken aus Sonderlegierung auf a<sup>0</sup>, gegossen 1950 als Ergänzung zu einer älteren Glocke (heute Glocke 3). | ||
| + | * [[Pfarrkirche Köstendorf]]: 3-stimmiges Geläut aus Sonderlegierung auf b<sup>0</sup>, gegossen 1950. | ||
| + | * Pfarrkirche in [[Mariapfarr]]: 5-stimmiges Geläut auf c<sup>1</sup> mit einem Gesamtgewicht von ca. 5.900 kg, gegossen 1950. | ||
| + | * [[Pfarrkirche Wörgl|Stadtpfarrkirche Wörgl]]: 5-stimmiges Geläut auf b<sup>0</sup>, gegossen 1950. | ||
| + | * [[Klagenfurter Dom]]: 5-stimmiges Geläut auf c<sup>1</sup>, gegossen 1951. | ||
| + | * Pfarrkirche [[Höchst (Vorarlberg)|Höchst]]: 3 Glocken auf b<sup>0</sup>, gegossen 1951 als Ergänzung zu zwei Stahlglocken. Dieses Geläut wurde 2005 durch ein 7-stimmiges Geläut der [[Glockengießerei Bachert]] ersetzt. | ||
| + | * [[Pfarrkirche Bartholomäberg]]: 4-stimmiges Geläut auf h<sup>0</sup>, gegossen 1952. | ||
| + | * [[Pfarrkirche St. Leonhard im Lavanttal|Pfarrkirche Bad St. Leonhard]]: 4-stimmiges Geläut auf h<sup>0</sup>, gegossen 1957. | ||
| + | * [[St. Xaver zu Leoben|Stadtpfarrkirche St. Xaver, Leoben]]: 5 Glocken auf b<sup>0</sup>, gegossen 1959 als Ergänzung zu einer Barockglocke (heute Glocke 3). | ||
| + | * [[Salzburger Dom]]: 5 Glocken auf es<sup>0</sup>, gegossen 1961 als Ergänzung zu zwei alten Glocken (heute Glocken 2 und 5). Das Salzburger Domgeläute ist mit insgesamt 32.438 kg (davon entfallen 26.786 kg auf die Oberascher-Glocken) das schwerste und tontiefste Geläut Österreichs (die [[Pummerin]] im [[Stephansdom|Wiener Stephansdom]] läutet nur solistisch und ist daher nicht Teil des Geläuts). Die große ''[[Salvator-Glocke (Salzburg)|Salvatorglocke]]'' ist mit 14.256 kg die zweitgrößte Glocke Österreichs, die ''Rupertusglocke'' nimmt bezüglich ihres Gewichts von 8.273 kg immerhin den siebenten Platz ein. | ||
| + | * [[Pfarrkirche Bregenz-Herz Jesu|Herz-Jesu-Kirche in Bregenz]]: 5-stimmiges Geläut auf g<sup>0</sup> mit einem Gesamtgewicht von 10.865 kg, gegossen 1963. Die große Glocke wiegt 5.270 kg und hat einen Durchmesser von 209 cm. | ||
| + | * [[Pfarrkirche Hallein|Stadtpfarrkirche in Hallein]]: 6-stimmiges Geläut auf h<sup>0</sup>, gegossen 1968. | ||
| + | * Andräkirche in [[Neustadt (Salzburg)|Salzburg-Neustadt]]: 3 Glocken auf b<sup>0</sup>, gegossen 1968 als Ergänzung zu einer alten Glocke (heute Glocke 3). | ||
| + | * [[Pfarrkirche Anif]]: 5-stimmiges Geläut auf b<sup>0</sup>, gegossen 1972 als Ergänzung zu einer kleinen Glocke. | ||
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| + | Glocken nach 1993: | ||
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| + | * [[Pfarrkirche Jennersdorf|Jennersdorf]]: 5-stimmiges Geläut auf cis1, gegossen 1996. | ||
| + | * [[Dreifaltigkeitskirche (Salzburg)|Dreifaltigkeitskirche]]: 3 Glocken auf c1, gegossen 1999. | ||
| + | * [[Kronplatz]] in Südtirol: [[Concordia 2000]] mit [[Schlagton]] cis<sup>0</sup>, gegossen 2002. Diese Glocke ist mit 18.100 kg Gewicht und 311 cm Durchmesser nicht nur die größte Glocke, die je bei Oberascher hergestellt wurde, sondern eine der größten Glocken Europas. Sie zählt zu den letzten Werken dieser Gießerei. | ||
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Version vom 17. April 2021, 09:55 Uhr
Die Glockengießerei Oberascher bestand von 1618 bis 2009 in der Stadt Salzburg.
Geschichte
Familienbetrieb
Von 1765 bis Ende 2003 befand sie sich in Familienbesitz. 1765 übernahm Johann Baptist Oberascher den Betrieb. Unter den ersten der Besitzer waren Johann Oberascher (* 1765; † 1797), Johann Oberascher Sohn (* 1797; † 1835) und Franz Oberascher (* 1835; † 1877). Urkunden belegen, dass den Oberaschers auf Grund ihrer Verdienste verschiedene außerordentliche Rechte von den Landesherren verliehen wurden, so z. B. das Bau- und Schürfrecht für den Kupferbergbau in Mitterberg und am Radhausberg in den Hohen Tauern.
Die Glockengießerei im Fürsterzbistum
Bereits um 1430 ist eine Glockengießerei mit Meistern wie Jörg Gloppitscher nachweisbar, die bis etwa 1520 bestand. 1618 wurde die Gießerei als fürsterzbischöfliche Hof- und bürgerliche Stuck- und Glockengießerei von Jakob Lidl neu gegründet. Unter einem Stuckguss war vor allem der Guss von Kanonenrohren zu verstehen. Dieser Guss war vor allem auch im Dreißigjährigen Krieg und in den Türkenkriegen bedeutsam.
Der Betrieb war am Anfang in der Goldgasse beheimatet. Wegen der möglichen Feuergefahr übersiedelte der Betrieb unter Johann Hackhl vor das früher bestehende äußere Linzertor, heute Glockengasse 10, wo der Untergrund aber durch ständige Nässe wenig geeignet war. 1724 wanderte der Betrieb wieder weiter stadteinwärts in den Bruderhof an der Linzer Gasse. Dagegen protestierten die Nachbarn mehrfach; sie wiesen auf die Feuergefahr durch Funkenflug beim Gießen hin.
Als Salzburg im Zuge der Napoleonischen Kriege zwischen 1810 und 1816 an das Königreich Bayern fiel, fungierte der Betrieb als königlich-bayrische Hofglocken- und Stuckgießerei.
Die Glockengießerei in der 1. Republik
Als Kasern, an der Grenze zwischen Bergheim und Hallwang, im 20. Jahrhundert entstand, war die Glockengießerei einer der ersten Gewerbebetriebe, die sich dort 1919 ansiedelte. Zur eigenen Sicherheit legte der Betrieb einen großen Feuerlöschteich an, der als Tümpel erhalten ist.
Die Glockengießerei Oberascher 1939–1945
Im Juli 1939 stellte die Glockengießerei Oberascher noch vor Beginn des Zweiten Weltkriegs auf die Produktion von Haubitzen-Geschossen und Granaten um. Die Firma wurde damit ein wichtiger Lieferant für die Wehrmacht. Friedrich Thomas aus Nürnberg wurde damals zum Betriebsleiter bestellt. Im Oktober 1939 wurden bei Razzien im Unternehmen mehrere Arbeiter festgenommen. Von ihnen wurden später zehn wieder freigelassen, einer davon war der frühere Betriebsleiter.
Ab 1940 wurde auch der Glockengießereibetrieb von der Einberufungswelle erfasst. Der Mangel an heimischen Facharbeitern musste durch Fremdarbeiter ausgeglichen werden. Diese kamen zunächst aus den verbündeten Staaten, später aus den besetzten Gebieten der Sowjetunion. Im Oktober 1942 trafen bei Oberascher die ersten 104 Ostarbeiter ein, etwa ein Drittel waren Frauen, die Mehrheit unter 20 Jahre alt. Bei den Männern war der Jüngste noch keine 15 Jahre alt gewesen. Eine ehemalige Zwangsarbeiterin erinnerte sich an verregnete, kalte Baracken, in denen sie wohnen mussten. Auch die Verpflegung war schlecht.
Mag. Thomas Weidenholzer, Historiker im Stadtarchiv Salzburg, berichtet von Exekutionen, die die Gestapo am 20. August 1943 an vier entflohenen "Ostarbeitern" vermeldete. Weidenholzer konnte in Recherchen über den Internationalen Suchdienst in Bad Arolsen weitere Opfer in Erfahrung bringen, in diesem Betrieb dürften mehr Opfer zu beklagen sein, als bisher bekannt. Manche starben an den Folgen der Arbeit, andere wurden in Konzentrationslager deportiert oder vor Ort ermordet. Die 17-jährige Halina Staschko erlag kurz vor der Befreiung am 1. Mai 1945 durch die Amerikaner ihren Schussverletzungen. Friedrich Thomas verließ nach 1945 den Betrieb und übersiedelte nach Deutschland.
Während der beiden Weltkriege war der Glockenguss eingestellt.
Die Geschichte nach 1945
1946 wurde der Glockenguss unter der Leitung von Georg Sippel wieder aufgenommen.
In den ersten Nachkriegsjahren, als das für Glockenbronze notwendige Zinn teuer und schwer erhältlich war, wurde auch viel in einer zinnarmen Sonderlegierung gegossen, bestehend aus ca. 60 % Kupfer, 29 % Zink, 6 % Blei und 5 % Zinn.
Nachdem das Absatzgebiet bereits in der Zwischenkriegszeit erheblich erweitert werden konnte, stieg der Glockenguss insbesondere nach 1948 rasant an, womit Oberascher sich innerhalb weniger Jahre zu einer der fünf großen Glockengießereien Österreichs sowie zu einem der größten Industriebetriebe des Landes entwickelte. Zwischen 1946 und 1972 entstanden insgesamt ca. 1 650 Glocken im Gesamtgewicht von 911 309 kg, viele davon gingen ins Ausland, z. B. nach Sydney in Australien und Bethlehem in Israel.
Am 7. Juni 1950 vernichtet ein Brand in der Glockengießerei den Dachstuhl und richtet in der Maschinenhalle großen Schaden an. 1961 wurde bei Oberascher, unter der Leitung von Ing. Georg Sippel, das größte Geläut in Österreich und im süddeutschen Raum für den Salzburger Dom mit insgesamt 32 439kg gegossen − ein Meilenstein in der Geschichte des Unternehmens. Am 24. September 1961 läuteten die Glocken zum ersten Mal − ihre Gewichte: 14 256 kg, 8 273 kg, 2 518 kg, 1 025 kg und 715 kg.
Wegen der allgemeinen Sättigung – die im Krieg abgelieferten Glocken waren alle ersetzt – wurden ab den 1970er-Jahren bei Oberascher nur noch sehr wenige Glocken gegossen, weshalb man sich verstärkt dem Industrieguss widmete (Leichtmetalle und Gusseisen), der zunehmend das Hauptbetätigungsfeld der Firma darstellte.
Im Jahre 2002 war der Guss der 3,11 m großen Friedensglocke "Concordia 2000", der zweitgrößten je in Österreich gegossenen Glocke, die zu den zehn größten frei schwingenden Glocken der Welt zählt. Sie ruft auf dem Kronplatz in Südtirol in 2 280 m Seehöhe jeden Sonntag zum Frieden. Sie ist mit ihrem Gewicht von 18,2 Tonnen die größte Glocke Italiens.
Aufgrund der abnehmenden Nachfrage wurde 2003 der Glockenguss gänzlich eingestellt. 2004 wurde die Firma Oberascher mit neuen Eigentümern als Oberascher Manufaktur Gießerei & Handelsgesellschaft mbH. neu gegründet. Dort wurden überwiegend gewerbliche und industrielle Kleinserien, anspruchsvoller Kunstguss sowie individuelle Einzelstücke und Sonderanfertigungen gegossen. Aber leider musste dann auch die Oberascher Manufaktur Gießerei & Handelsgesellschaft mbH am 30. Dezember 2009 den Konkursantrag beim Salzburger Landesgericht stellen[1].
Die alten Firmenteile wurden in das Veranstaltungszentrum Gusswerk umgestaltet und dienen vor allem Festen und Firmenpräsentationen als interessanter Rahmen (z. B. präsentierte General Motors im August und September 2006 vor 5 400 Händlern aus aller Welt seinen neuen Opel Corsa).
Inhaber
- Jakob Lidl (* um 1586 in München; † 1647 in Salzburg) suchte am 29. Oktober 1618 um Erlaubnis an, eine Gießerei zu errichten und wurde so Gründer und erster Inhaber der Gießerei.
- Johann Eisenberger (* um 1611 in Nürnberg; † 27. Dezember 1674 in Salzburg) war der Schwiegersohn Lidls und leitete den Betrieb von 1650 bis 1674.
- Benedikt Eisenberger (* um 1651; † 17. Juni 1723) übernahm den Betrieb 1674 nach dem Tod seines Vaters und führte ihn bis 1723.
- Johann Hackhl (* 25. März 1704 in Gneixendorf bei Krems; † um 1750) heiratete am 28. Februar 1724 die Witwe des Benedikt Eisenberger und übernahm dessen Betrieb.
- Johann Georg Leschinger († 1759) heiratete nach Hackhls Tod am 31. August 1750 dessen zweite Frau Anna und übernahm den Betrieb. Nach Leschingers Tod führte seine Witwe den Betrieb zunächst allein weiter.
- Johann Baptist Oberascher (* 17. Juni 1737 in Salzburg-Knigl; † 1797) war Sohn eines Bauern und ist der Stammvater der Glockengießerdynastie Oberascher. Er erlernte den Glockenguss bei Johann Georg Leschinger (Meisterbrief 1753). Nach Leschingers Tod heiratete er am 7. Mai 1765 dessen Witwe und übernahm den Betrieb. Johann Baptist Oberascher gilt als der bedeutendste Gießer der Barockzeit in Salzburg.[2] Bis zu seinem Tod 1797 goss er 83 namentlich angeführte Glocken.[3] Neben zahlreichen Glocken schuf er auch ganze Geläute, darunter eine der größten Gussleistungen der Barockzeit in Österreich, das Stiftsgeläute von Mondsee, dessen große Glocke ein Gewicht von 4383 kg aufwies. Von diesem Geläute überdauerte nur die zweitgrößte Glocke die Kriege. Das Geläute für die Kirche St. Zeno in Bad Reichenhall dagegen ist noch vollständig erhalten (4 Glocken aus 1790/91, die große mit 2268 kg) und zählt zu den klangschönsten der Barockzeit.[2]
- Johann Oberascher (* 26. Jänner 1769;[4] † 23. Dezember 1847) übernahm die Gießerei nach dem Tod seines Vaters 1797 und führte sie bis 1835. Trotz Kriegszeit und Geldentwertung nahm unter ihm der Betrieb an Bedeutung zu. Für Salzburg und Umgebung lieferte die Gießerei 138 größere Glocken. Um der zunehmenden Nachfrage gerecht zu werden, sah sich Johann Oberascher 1810 veranlasst, den Betrieb zu erweitern und die alte Gießstätte vom Stammhaus in der Goldgasse in die Glockengasse und später in die Linzer Gasse zu verlegen. In Nonntal "vor der Schanze" erwarb der nunmehrige königlich-bayerische Stuk- und Glockengießer eine Werkstätte zum Drehen und Bohren von Kanonenrohren.[3] Im Zuge des großen Salzburger Stadtbrandes von 30. April bis 4. Mai 1818 brannte auch die Gießerei der Firma Oberascher bis auf die Außenmauern ab. Nachdem Johann Oberascher sich bereits am 13. Mai 1818 an die zuständige Salzburger Baukommission mit Plänen zum Wiederaufbau seiner Gießerei gewandt hatte, durfte er den Betrieb zunächst jedoch nicht neu errichten. Hintergrund hierfür war, dass es bereits seit 1810 zu wiederholten Auseinandersetzungen mit den Anrainern über die Gießerei und die damit zusammenhängende Brandgefahr für die Nachbarobjekte gekommen war. Zunächst wurden mehrere Sachverständige und die Landesregierung mit den Wiedererrichtungsplänen der Gießerei Oberascher befasst. Johann Oberascher wandte sich in weiterer Folge direkt an Kaiser Franz I. und bat diesen um seine Unterstützung, insbesondere mit dem Argument, dass die Gießerei mit ihrer Kanonenproduktion auch für das Militär des Habsburgerreiches von Bedeutung wäre. Die Firma Oberascher setzte sich letzten Endes gegen alle Einwände durch und mit dem Einlangen einer allerhöchsten Entschließung konnte die Gießerei schließlich bis zum Juni 1819 wieder neu errichtet werden.[5] Von Johann Obderascher stammt auch das 1818 gegossene große hydraulische Solpumpwerk für die Saline in Bad Reichenhall. Das Pumpwerk gilt allgemein als ein Meisterwerk der Gießkunst und ist heute im Technischen Museum in München ausgestellt.[3]
Der bürgerliche Stuk und Glockengießer starb im 79. Jahre seines thätigen Lebens und wurde im Sebastiansfriedhof beigesetzt, seine Gattin Anna Wagner war ihm schon fünf Jahre früher, am 27. August 1842, vorangegangen. - Franz Oberascher I (* 19. November 1802; † 13. März 1877) übernahm 1835 die Gießerei seines Vaters. Von ihm stammen 264 größere Glocken. In seine Zeit fiel die große "Umgusswelle", während der unzählige Pfarrgemeinden ihre alten, nicht zusammenstimmenden Glocken zu größeren, harmonischen Geläuten umgießen ließen. Von seinen zahlreichen Glocken haben nur wenige die beiden Weltkriege überstanden. Zu den bedeutendsten Werken zählten die großen Glocken für Bad Ischl (2179 kg), der Stadtpfarrkirche Steyr (2906 kg) und der Erzabtei St. Peter (2178 kg) sowie die Geläute für Hallein (4751 kg), für das Stift Nonnberg (3457 kg) und Mariapfarr (4368 kg). 1874 übergab er den Betrieb in Folge seines Alters seinem Neffen Josef.[2]
- Josef Oberascher (* 1844; † 1911) leitete die Gießerei von 1874 bis 1907. Von ihm stammen zahlreiche Glocken, hauptsächlich für Salzburg, aber auch Oberösterreich. Er profitierte ebenfalls noch von der großen "Umgusswelle". Josef Oberascher verwendete eine Barockrippe, die er von Franz Oberascher I. übernommen haben dürfte, da sie dasselbe Klangverhalten zeigt. Die Geläute für die Klosterkirche in Puchheim (4065 kg) und der Salzburger Andräkirche waren neben der großen Glocke für Mattighofen (2394 kg) seine bedeutendsten Werke.[2]
- Franz Oberascher II (* 7. August 1870; † 5. Mai 1942) übernahm 1907 den Betrieb von seinem Vater und leitete ihn bis 1939. Bis zum Ersten Weltkrieg wurden noch zahlreiche Geläute gegossen, die größten davon für Hochburg (2277 kg) und die Herz-Jesukirche in Wels (5140 kg). Zu den bedeutendsten Glocken aus dieser Zeit zählt die große Glocke der Stadtpfarrkirche Mülln, gegossen am Tag der Kriegserklärung 1914, welche bis heute erhalten ist und zu den wertvollsten Glocken des Historismus in Österreich zählt.[2] Ansonsten blieben aus der Zeit vor 1914 nur zwei kleinere Glocken erhalten. Auch von seinen Zwischenkriegsgeläuten blieben nur einzelne kleinere Glocken erhalten, alle anderen wurden während des Zweiten Weltkrieges eingeschmolzen. Zu den wenigen erhaltenen Werken zählt die große Glocke von Maria Plain, genannt die "Stürmerin" (2018 kg), welche als besonders klangvoll und wertvoll gilt. Sein Sohn Franz Oberascher III (* 1898; † 1944) fiel im Zweiten Weltkrieg.[2]
- Dorothea Sippel, geb. Oberascher (* 16. Jänner 1913; † 9. Februar 1995)
- Maria Schreiner, geb. Oberascher (* 8. März 1900; † 1. März 1982) Nach dem Tod von Franz Schreiner (24. August 1938), dem Ehemann von Maria Oberascher, waren ebendiese sowie ihre beiden Geschwister Franz Oberascher III und Dorothea Sippel zu gleichen Teilen Eigentümer. Nach dem Tod von Franz Oberascher III übernahmen nach dem Krieg die beiden Schwestern dessen Anteile. Georg Sippel (*11. November 1905; † 17. Juni 1993) kam nach dem Krieg nach Salzburg und heiratete Dorothea Oberascher. Unter seiner Leitung wurde 1946 der Glockenguss wieder aufgenommen. Auf ihn gehen die ab 1948 verwendeten modernen Glockenrippen zurück. Sein Tod stellte die Glockengießerei bei Oberascher vor große Probleme, da Sippel keine schriftlichen Unterlagen zu seinen Rippenkonstruktionen hinterließ und seine Kenntnisse auch sonst nicht ausreichend weitergegeben hatte. Daher gingen die meisten seiner Rippenkonstruktionen verloren.[2]
- Franz Schreiner (* 10. Oktober 1926), Sohn Maria Schreiners, übernahm zu seinem 50. Geburtstag die Anteile seiner Mutter.
- Hartwig Sippel (* 9. September 1953) Die Familie Sippel übernahm ab 1983 als Alleineigentümer den Betrieb.
- Bis 1993 verblieb die Gießerei im Besitz der Familie Sippel.
Das Unternehmen hatte zwei Zweigniederlassungen:
- in der Salzburger Straße in Bad Reichenhall, gegründet 1819 von Johann Oberascher II, dem Sohn Johann Oberaschers. Diese Firmengründung war eine Folge des Wiener Kongresses mit dem Salzburg an das Kaisertum Österreich fiel und die Gießerei in der Folge aufgrund von Zollschranken gehindert war ins benachbarte Bayern zu liefern. Johann Oberascher II. arbeitete bis 1840 und goss für die umliegenden Ortschaften 96 Glocken. Ihm folgte sein Sohn Anton Oberascher (1809–1873), der ca. 200 Glocken goss. Sein Nachfolger Franz Sales Oberascher (1854–1908) versorgte Oberbayern zwischen 1873 und 1908 mit ca. 80 Glocken. Damit erlosch diese Linie.[3]
- In München übernahmen Rupert und Rudolf Oberascher, Söhne von Josef Oberascher, 1899 die dort ansässige Gießerei des Josef Strasser. Dieser Betrieb bestand bis nach dem Zweiten Weltkrieg. Das berühmteste Werk aus dieser Firma ist das Glockenspiel für das Rathaus in München, bestehend aus 43 Glocken, welches als ein Wahrzeichen der Stadt angesehen wird.[2][6][7]
Glockenproduktion
Von den Gießern vor Johann Baptist Oberascher sind nur wenige und kleine Glocken erhalten. Unter den Werken der Familien Oberascher und Sippel befinden sich folgende bedeutende Werke:
Glocken von Johann Baptist Oberascher:
- Basilika Mondsee: 5-stimmiges Geläut auf gis0, gegossen 1774–1775. Die große Glocke wog 4.383 kg. Nur die Glocke 2 ist erhalten.
- Kirche St. Zeno in Bad Reichenhall: 5-stimmiges Geläut auf c1, gegossen 1790–1791 (komplett erhalten).
Glocken von Johann Oberascher:
- Stadtpfarrkirche in Schwanenstadt: 6-stimmiges Geläut mit einem Gesamtgewicht von 3.962 kg (nicht erhalten).
Glocken von Franz Oberascher I:
- Stadtpfarrkirche Bad Ischl: große Glocke auf c1 mit 2.179 kg, gegossen 1840 (nicht erhalten).
- Stadtpfarrkirche Steyr: große Glocke auf h0 mit 2.906 kg, gegossen 1849 (nicht erhalten)
- Stiftskirche St. Peter in Salzburg: große Glocke auf d1 mit 2.178 kg, gegossen 1851 (nicht erhalten).
- Pfarrkirche in Mariapfarr: 4-stimmiges Geläut auf c1 mit einem Gesamtgewicht von 4.368 kg, gegossen 1856 (nicht erhalten).
- Stift Nonnberg in Salzburg: 5-stimmiges Geläut auf d1 mit einem Gesamtgewicht von 3.457 kg, gegossen 1865 (nicht erhalten).
- Stadtpfarrkirche in Hallein: 6-stimmiges Geläut auf c1 mit einem Gesamtgewicht von 4.751 kg, gegossen 1872–1874 (nicht erhalten).
Glocken von Josef Oberascher:
- Wallfahrtsbasilika Maria Puchheim: 5-stimmiges Geläut auf c1 mit einem Gesamtgewicht von 4.065 kg, gegossen 1891–1892 (nicht erhalten).
- Andräkirche in der Salzburger Neustadt: 5-stimmiges Geläut vermutlich auf h0, gegossen 1898 (nicht erhalten).
Glocken von Franz Oberascher II:
- Herz-Jesu-Kirche Wels: 6-stimmiges Geläut auf c1 mit einem Gesamtgewicht von 5.140 kg, gegossen 1911 (nicht erhalten).
- Pfarrkirche Mülln in Salzburg: große Glocke mit Schlagton c1 und einem Gewicht von 2.433 kg (erhalten), gegossen am Tag der Kriegserklärung 1914.
- Pfarrkirche Söll: 4 Glocken auf b0, gegossen 1920 (nicht erhalten).
- Stift Nonnberg in Salzburg: 4 Glocken auf c1, gegossen 1921 (nicht erhalten).
- Pfarrkirche Bad Hall: 5-stimmiges Geläut auf h0, gegossen 1923 (nur Glocke 4 erhalten).
- Pfarrkirche Bartholomäberg: 5-stimmiges Geläut auf h0, gegossen 1923 (nicht erhalten).
- Pfarrkirche Zams: 6-stimmiges Geläut auf h0 mit einem Gesamtgewicht von 8.035 kg, gegossen 1923 (nicht erhalten).
- Andräkirche in Salzburg-Neustadt: 4 Glocken auf h0, gegossen 1924 (nicht erhalten).
- Stadtpfarrkirche in Hallein: 5-stimmiges auf h0, gegossen 1926 (nicht erhalten).
- Wallfahrtskirche Maria Plain: 5 Glocken auf cis1, gegossen 1927 (nur die große Glocke ist erhalten).
- Salzburger Dom: 4 Glocken auf c1, gegossen 1928 als Ergänzung älterer Glocken (nicht erhalten).
Glocken von Georg Sippel:
- Stift Nonnberg in Salzburg: 5-stimmiges Geläut auf h0, gegossen 1947.
- Pfarrkirche Hopfgarten im Brixental: 6-stimmiges Geläut in Sonderlegierung auf b0, gegossen 1948.
- Pfarrkirche Reutte: 5-stimmiges Geläut auf h0, gegossen 1948.
- Pfarrkirche Söll: 5-stimmiges Geläut aus Sonderlegierung auf a0, gegossen 1948.
- Basilika Mondsee: 4 Glocken aus Sonderlegierung auf as0, gegossen 1949 als Ergänzung zur alten Glocke von Johann Baptist Oberascher.
- Wallfahrtskirche Bildstein: 5-stimmiges Geläut aus Sonderbronze auf b0, gegossen 1949.
- Pfarrkirche Saalfelden: 5-stimmiges Geläut aus Sonderlegierung auf a0, gegossen 1949.
- Pfarrkirche Dornbirn-Oberdorf: 5-stimmiges Geläut auf b0, gegossen 1949.
- Pfarrkirche Sillian: 5 Glocken aus Sonderlegierung auf b0, gegossen 1949 als Ergänzung zu einer alten Glocke von Hans Christof Löffler. Nach einem Sprung wurde die große Glocke 2012 durch eine neue der Glockengießerei Eijsbouts ersetzt.[8]
- Pfarrkirche in Feldkirch-Altenstadt: 4 Glocken aus Sonderlegierung auf a0, gegossen 1950 als Ergänzung zu einer älteren Glocke (heute Glocke 3).
- Pfarrkirche Köstendorf: 3-stimmiges Geläut aus Sonderlegierung auf b0, gegossen 1950.
- Pfarrkirche in Mariapfarr: 5-stimmiges Geläut auf c1 mit einem Gesamtgewicht von ca. 5.900 kg, gegossen 1950.
- Stadtpfarrkirche Wörgl: 5-stimmiges Geläut auf b0, gegossen 1950.
- Klagenfurter Dom: 5-stimmiges Geläut auf c1, gegossen 1951.
- Pfarrkirche Höchst: 3 Glocken auf b0, gegossen 1951 als Ergänzung zu zwei Stahlglocken. Dieses Geläut wurde 2005 durch ein 7-stimmiges Geläut der Glockengießerei Bachert ersetzt.
- Pfarrkirche Bartholomäberg: 4-stimmiges Geläut auf h0, gegossen 1952.
- Pfarrkirche Bad St. Leonhard: 4-stimmiges Geläut auf h0, gegossen 1957.
- Stadtpfarrkirche St. Xaver, Leoben: 5 Glocken auf b0, gegossen 1959 als Ergänzung zu einer Barockglocke (heute Glocke 3).
- Salzburger Dom: 5 Glocken auf es0, gegossen 1961 als Ergänzung zu zwei alten Glocken (heute Glocken 2 und 5). Das Salzburger Domgeläute ist mit insgesamt 32.438 kg (davon entfallen 26.786 kg auf die Oberascher-Glocken) das schwerste und tontiefste Geläut Österreichs (die Pummerin im Wiener Stephansdom läutet nur solistisch und ist daher nicht Teil des Geläuts). Die große Salvatorglocke ist mit 14.256 kg die zweitgrößte Glocke Österreichs, die Rupertusglocke nimmt bezüglich ihres Gewichts von 8.273 kg immerhin den siebenten Platz ein.
- Herz-Jesu-Kirche in Bregenz: 5-stimmiges Geläut auf g0 mit einem Gesamtgewicht von 10.865 kg, gegossen 1963. Die große Glocke wiegt 5.270 kg und hat einen Durchmesser von 209 cm.
- Stadtpfarrkirche in Hallein: 6-stimmiges Geläut auf h0, gegossen 1968.
- Andräkirche in Salzburg-Neustadt: 3 Glocken auf b0, gegossen 1968 als Ergänzung zu einer alten Glocke (heute Glocke 3).
- Pfarrkirche Anif: 5-stimmiges Geläut auf b0, gegossen 1972 als Ergänzung zu einer kleinen Glocke.
Glocken nach 1993:
- Jennersdorf: 5-stimmiges Geläut auf cis1, gegossen 1996.
- Dreifaltigkeitskirche: 3 Glocken auf c1, gegossen 1999.
- Kronplatz in Südtirol: Concordia 2000 mit Schlagton cis0, gegossen 2002. Diese Glocke ist mit 18.100 kg Gewicht und 311 cm Durchmesser nicht nur die größte Glocke, die je bei Oberascher hergestellt wurde, sondern eine der größten Glocken Europas. Sie zählt zu den letzten Werken dieser Gießerei.
Bildergalerie
Weblink
Quellen
- Stadtteilbeschreibung Kasern in Salzburgwiki
- Offizieller Webauftritt "Glockengießerei Oberascher"
- Brettenthaler, Josef: Salzburgs Synchronik, Verlag Alfred Winter, 2002, ISBN 3-85380-055-6
- Glockengasse
- "Salzburger Woche", Ausgabe "Stadt Nachrichten", 14. Oktober 2011
- Eintrag in der deutschsprachigen Wikipedia zum Thema "Glockengießerei Oberascher"
Einzelnachweise
- ↑ Quelle Salzburger Wirtschaft (Zeitung), 8. Jänner 2010, "Konkurse, Eröffnungen"
- ↑ 2,0 2,1 2,2 2,3 2,4 2,5 2,6 2,7 Referenzfehler: Es ist ein ungültiger
<ref>-Tag vorhanden: Für die Referenz namensWernischwurde kein Text angegeben. - ↑ 3,0 3,1 3,2 3,3 Augustin Jungwirth: Die Glocken und Glockengießer Salzburgs. In: Mitteilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde 75, 1935
- ↑ Er wurde von Kaplan Leopold Lamprecht im Salzburger Dom auf den Namen Johann Bap. Franz getauft; AES, Salzburg-Dompfarre, Taufbuch TFBIX/2 1756–1814. Siehe: Bildnummer 03-Taufe_0252, aufgerufen am 10. April 2017.
- ↑ Erich Marx: Wiederaufbau oder Abbruch, in Erich Marx, Peter Husty, Peter F. Kramml [Hrsg.] „Die Flammen lodern wütend“ - Der große Salzburger Stadtbrand 1818, S. 185 f., Stadtarchiv und Statistik der Stadt Salzburg, Salzburg 2018
- ↑ Ein Glockenspiel für 6913 Mark. In: Süddeutsche Zeitung
- ↑ Laim - Ein Klang verhallt. In: Süddeutsche Zeitung
- ↑ Vorlage:Internetquelle