Helga Rabl-Stadler

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Helga Rabl-Stadler
Im Rahmen eines Festakts am 1. Juni 2022 in der Residenz Salzburg überreicht Landeshauptmann Wilfried Haslauer junior Helga Rabl-Stadler das Große Ehrenzeichen des Landes Salzburg.

Dr. Helga Rabl-Stadler (* 2. Juni 1948 in der Stadt Salzburg) ist Unternehmerin, von 1995 bis 2021 Präsidentin der Salzburger Festspiele und Ehrenbürgerin der Stadt Salzburg und Hallein.

Leben

Helga Rabl-Stadler ist die Tochter von Rosl Stadler. Sie besuchte nach der Volksschule das Wirtschaftskundliche Realgymnasium in Salzburg, wo sie 1966 mit Auszeichnung maturierte. Danach absolvierte sie von 1966 bis 1970 das Studium der Rechte sowie der Publizistik- und Politikwissenschaften an der Universität Salzburg und promovierte zum Doktor der Rechte.

Von 1970 bis 1974 übersiedelte Rabl-Stadler nach Wien und war als Redakteurin in den Ressorts "Wirtschaft und Innenpolitik" in den Zeitungen "Die Presse" und "Wochenpresse" tätig. Von 1974 bis 1978 schrieb sie als erste weibliche Redakteurinnen innenpolitische Kolumnen in der Wiener Tageszeitung "Kurier".

Seit 1983 war Rabl-Stadler Miteigentümerin und Gesellschafterin des Familienbetriebs Modehaus "Resmann" in Salzburg und Linz.

Von 1983 bis 1990 war Helga Rabl-Stadler in der Folge als Nationalratsabgeordnete der ÖVP tätig. Als Nationalratsabgeordnete setzte Rabl-Stadler unter anderem ein Programm für flexible Arbeitszeitlösungen und eine Initiative zur Liberalisierung der Ladenschlusszeiten durch. Infolgedessen trat sie ebenso für eine bessere Verankerung von Sponsortätigkeiten im Steuerrecht ein.

Am 25. November 1988 wurde sie zur Präsidentin der Wirtschaftskammer Salzburg gewählt und war in den Jahren von 1985 bis 1994 als Vizepräsidentin in diesem Amt tätig.

5. Juni 2020, Pressekonferenz im Anschluss an Festspielfondskuratoriumssitzung, im Bild: Helga Rabl-Stadler und Landeshauptmann Wilfried Haslauer junior.

Am 26. Jänner 1995 wurde sie zur Präsidentin der Salzburger Festspiele ernannt, wodurch sie alle politischen und standespolitischen Funktionen in Salzburg und Wien zurücklegte. Ihr Vertrag wurde 2001 erstmals, 2004 und dann weitere zwei Mal bis 2020, verlängert. Aufgrund der Infektionskrankheit Covid-19 konnten 2020 die Festspiele aber nicht ihr geplantes 100jährige Jubiläumsprogramm umsetzten, sondern musste auf das Jahr 2021 verschoben werden. Am 5. Juni 2020 teilte Landeshauptmann Wilfried Haslauer junior als gesetzlicher Vertreter des Salzburger Festspielfonds, dass Helga Rabl-Stadler ihre Bereitschaft zur Vertragsverlängerung bis 31. Dezember 2021 bekundet hatte.[1] In einer Sitzung des Kuratoriums der Salzburger Festspiele am 13. Oktober 2020 wurde formell beschlossen, dass die seit 1995 amtierende Präsidentin Helga Rabl-Stadler ein weiteres Jahr bis Ende 2021 Präsidentin der Salzburger Festspiele bleibt.[2]

Als Präsidentin der Salzburger Festspiele war Helga Rabl-Stadler für Marketing- und Werbetätigkeiten im In- und Ausland verantwortlich. Sie gewann 1997 Siemens und Uniqa als Hauptsponsoren für die Sommerfestspiele sowie Lufthansa Air Plus und Klassik Radio als Hauptsponsoren für die SF Pfingsten Barock.

2005 hatte Helga Rabl-Stadler eine Privataudienz im Vatikan mit Papst Benedikt XVI. Auf einem Bild[3] ist die österreichische Delegation zu sehen mit Helga Rabl-Stadler, Wilhelm Molterer (ÖVP-Klubobmann), Florian Welzig (Kulturpolitischer Berater), Bundeskanzler Wolfgang Schüssel, Botschafter Helmut Türk, Papst Benedikt, Bildungsministerin Elisabeth Gehrer, Altlandeshauptmann Waltraud Klasnic, Hans-Peter Manz (Außenpolitischer Berater) und Pressesprecherin Verena Nowotny.

Von Februar 2006 bis 22. April 2010 war Rabl-Stadler Mitglied im Finanzausschuss des ORF-Stiftungsrates. Ihr Ausscheiden erfolgte auf eigenen Wunsch.

Ihr Vater, Gerd Bacher, war Redakteur und langjähriger ORF-Generalintendant. Helga Rabl-Stadler war mit Peter Rabl, dem langjährigen Kurier-Chefredakteur, verheiratet und ist Mutter zweier erwachsener Söhne.

Auszeichnungen

Am 10. Juli 2021 wurden Festspiel-Präsidentin Helga Rabl-Stadler zum Commandeur des Arts et des Lettres und Intendant Markus Hinterhäuser (links) zum Officier des Arts et Lettres in der französischen Botschaft in Wien durch den Botschafter der Republik Frankreich in Österreich, Gilles Pecout, ernannt.

Als Würdigung um ihre Verdienste für Salzburg wurde ihr 1998 das Goldene Ehrenzeichen des Landes Salzburg verliehen.

2011 erhielt sie von LH-Stv. Dr. Wilfried Haslauer junior das Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um den Salzburger Tourismus verliehen[4].

Am 30. Juli 2018 verlieh ihr Salzburgs Bürgermeister Harald Preuner im Karl-Böhm-Saal als bisher erst dritte Frau die Ehrenbürgerschaft der Stadt Salzburg.[5]

Am 10. Juli 2021 wurde ihr in der französischen Botschaft in Wien ihre Ernennung zum Commandeur des Arts et des Lettres überreicht.[6]

Im Rahmen eines Festakts am 1. Juni 2022 in der Residenz Salzburg überreichte ihr Wilfried Haslauer junior, nun als Landeshauptmann, das Große Ehrenzeichen des Landes Salzburg.

Anlässlich des 30jährigen Festspieljubiläums der Bespielung der Pernerinsel in Hallein verlieh die Stadtgemeinde Hallein am 15. Juli 2022 ihre Ehrenbürgerschaft an Helga Rabl-Stadler. Im renovierten Ziegelstadl wurde die Grande Dame der Salzburger Festspiele für ihren Einsatz um den Erhalt des Standortes Pernerinsel als Spielstätte gewürdigt.[7][8]

Helga Rabl-Stadler: Das ist die Bilanz ihrer großen Ära

Eine Bilanz von Heidi Huber‏‎ und Stefanie Schenker in den "Salzburger Nachrichten" vom 28. August 2021.[3]

Die Salzburger Festspiele 2021 neigten sich dem Ende zu. Es war die letzte Saison für die Präsidentin. Seit 1995 ist Helga Rabl-Stadler am Werk. Eine Bilanz in Zahlen, was sich unter ihrer Regentschaft verändert hat.

  • Amtszeit: 9 837 Tage wird Helga Rabl-Stadler Präsidentin der Salzburger Festspiele gewesen sein, wenn sie mit Jahresende aufhört. In ihrer Amtszeit hatte sie mit fünf Intendanten zusammengearbeitet: Gerard Mortier, Peter Ruzicka, Jürgen Flimm, Alexander Pereira und Markus Hinterhäuser.
  • Ticket-Einnahmen: 31 Millionen Euro brachte der Ticket-Verkauf im Jahr 2018/2019 ein. Das ist der Rekordwert der vergangenen 26 Jahre. Der niedrigste Wert (8,7 Millionen Euro) wurde im Pandemiejahr 2020 erzielt.
  • Personalstand: 3 243 Mitarbeiter zählten die Festspiele im Jahr 1995. Heuer, 2021 waren es 4 374 Beschäftigte.
  • Subventionen: 18,8 Millionen Euro steuerten Bund, Land und Stadt in den vergangenen beiden Jahren zum Festspielbudget bei. Zu Beginn von Rabl-Stadlers Amtszeit waren es knapp zehn Millionen Euro. Die Eigenfinanzierungsquote der Festspiele bewegte sich in den letzten 26 Jahren zwischen 68 und 74 Prozent, im Coronajahr 2020 lag sie bei 55 Prozent.
  • Sponsoring: Zu Beginn ihrer Amtszeit betrugen die Sponsoringgelder rund 1,5 Millionen Euro. Mit 11,73 Millionen Euro erreichte sie 2012/2013 einen Spitzenwert, heuer waren es neun Millionen Euro. In der Ära Rabl-Stadler lukrierten die Festspiele insgesamt 150 Millionen Euro an Sponsorengeldern.
  • Budget: 65 Millionen Euro betrug das Festspielbudget 2020/2021. Zu Beginn ihrer Amtszeit waren es knapp 38 Millionen Euro. Seither ist das Budget - bis auf die pandemiebedingte Ausnahme im Vorjahr - kontinuierlich gestiegen.
  • "Jedermann": 14 Buhlschaften - von Maddalena Crippa bis Verena Altenberger - und acht Jedermänner (inklusive Tobias Moretti-Einspringer Philipp Hochmair im Jahr 2018) sind in Helga Rabl-Stadlers Amtszeit am Domplatz aufgetreten.

Die besten Zitate

Aussage Wo und wann
"Eigentlich kann man sich das ganze Jahr hin keine Minute Ruhe leisten." SN, 1995 nach ihrer ersten Saison als Festspielpräsidentin
"Wenn ich einmal nicht mehr Festspielpräsidentin sein werde, dann will ich mich sozial engagieren. Aber das ist weit weg, ich lebe in der Gegenwart." In der Austria Presse Agentur (APA), 2008 anlässlich ihres 60. Geburtstags
"Der Salzburger ist - wie der frühere Landeshauptmann Hans Katschthaler einmal treffend gesagt hat - unzufrieden auf höchstem Niveau. Als es bei Herbert von Karajan keine Karten gab, hieß es, die Salzburger Festspiele seien so arrogant, dass es keine Karten gebe. Als Gerard Mortier viel mehr Karten angeboten hat, hieß es gleich: Die Salzburger Festspiele seien so schlecht, dass man sogar Karten kriege." SN, 2008
"Die Leute sind offenbar der Meinung, wir machen sechs Wochen Festspiele und davor liegen wir in den Hängematten." SN, Ende Juli 2008
"In den Opernhäusern wie New York oder London sitzt das Publikum in Alltagsgewand, den Mantel unter den Sessel gequetscht. In Salzburg unvorstellbar." SN, 2009
"Es gibt eine ungeteilte Verantwortung für die Kunst und für das Geschäft. Der Intendant ist genauso für die Finanzen zuständig wie die Präsidentin für die Kunst." In der APA, 2013
"Wir sind ein Geschäft für den Steuerzahler. Wir zahlen mehr, als wir bekommen." In der APA, 2015
"Ich habe viel mitgemacht. Aber es hat sich ausgezahlt, für die Festspiele und für mich. Ich habe kein Talent zur Frustration, ich erinnere mich nur an die positiven Sachen." SN, 2020
"Bei Mortier war es oft schwer erträglich, beim Aufschlagen der Zeitung Angst haben zu müssen, ob er diesmal mich oder einen Künstler beschimpft." Kleine Zeitung, 2021
Über das Coronajahr 2020: "Wir hätten uns bei einer Absage ob unseres Kleinmuts geschämt, vor unseren Gründervätern von 1920 und auch vor jenen, die 1945 die Festspiele wieder zum Leben erweckten." In ihrer Rede zur Festspieleröffnung 2021

Die Ära Rabl-Stadler in Zahlen

  • 5 330 Festspiel-Vorstellungen,
  • 1 088 Vorstellungstage mit 379 Premieren,
  • 5,8 Millionen Besucherinnen und Besucher dieser Vorstellungen an 47 Spielstätten (Sommer und Pfingsten)
  • Budgetsumme von 1,33 Milliarden Euro
  • mehr als 160 Millionen Euro Sponsoring- und Spendengelder
  • 230 Dauerbeschäftigte bei den Festspielen; in der Saison etwa das Zehnfache und dann größtes Unternehmen Salzburgs
  • Karteneinnahmen von 656 Millionen Euro
  • acht Schauspielchefs
  • sechs Intendanten

Trivia

Irgendwann in der Coronazeit fing es an. Die damalige Festspielpräsidentin Helga Rabl-Stadler musste diverse Ansagen aufnehmen, welche das Publikum auf die jeweils geltenden Abstandsregeln etc. hinwiesen. Die Einblendungen vor den Aufführungen bekamen einen gewissen Kultstatus, man wartete vor allem auf den Absatz: "Und ganz wichtig: bitte vergewissern Sie sich, dass Ihre Mobiltelefone ausgeschaltet sind!" Die ersten drei Worte betonte Rabl-Stadler in einer Mischung aus Freundlichkeit und Warnung. Das Wort "bitte" wiederum kam so überraschend betont, dass man selbst nach zahllosem Hören immer ein wenig zusammenzuckte. Als die Präsidentin abtrat, übernahm Ex-Intendant Markus Hinterhäuser ihre Rolle. 2026 hat die junge Juliette Larat diese Aufgabe übernommen und erklärt mit feiner Diktion und dabei angenehm lockerem Habitus die Verhaltensregeln.[9]

Weblinks

Quellen

Einzelnachweise

  1. ↑ Salzburger Landeskorrespondenz vom 5. Juni 2020
  2. ↑ www.sn.at, 13. Oktober 2020
  3. ↑ 3,0 3,1 www.sn.at, "Salzburger Nachrichten", 27. August 2021
  4. ↑ "Salzburger Nachrichten", 14. Jänner 2011
  5. ↑ SALZBURG24 www.salzburg24.at, abgefragt am 26. Juli 2018
  6. ↑ Salzburger Nachrichten vom 12. Juli 2021, Seite 9: Rabl-Stadler und Hinterhäuser erhielten Orden
  7. ↑ www.meinbezirk.at, 11. Juli 2022
  8. ↑ hallein.gv.at, Liste der Ehrenbürger
  9. ↑ sn.at, 22. Juli 2026: Zwischen Domplatz und Handyverbot: Die Stimme von Juliette Larat prägt die Salzburger Festspiele
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