Markus Hinterhäuser

Aus SALZBURGWIKI
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Markus Hinterhäuser

Markus Hinterhäuser (* 30. März 1958 in La Spezia, Italien) ist ein österreichischer Pianist und Kulturmanager. Er war von 2016 bis 2026 Intendant der Salzburger Festspiele.

Leben

Hinterhäuser absolvierte sein Klavierstudium an der Hochschule für Musik in Wien und am Mozarteum. Dort war er unter anderem Schüler von Elisabeth Leonskaja und Oleg Maisenberg. Hinterhäuser ist mit Dr. Maria Wiesmüller verheiratet.

Markus Hinterhäuser, Intendant der Salzburger Festspiele mit Festspielpräsidentin Dr. Helga Rabl-Stadler.

Pianistisches Schaffen

Als Kammermusiker arbeitete Hinterhäuser schon bald mit dem Arditti-Quartett zusammen. Auch war er lange Zeit Begleiter der Sängerin Brigitte Fassbaender.

Als Pianist trat Markus Hinterhäuser sowohl solistisch als auch in Kammerkonzerten in den bedeutendsten Konzertsälen und bei international renommierten Festivals auf, wie etwa in der "Carnegie Hall" in New York, dem Wiener Musikverein, dem Wiener Konzerthaus und der Mailänder Scala, und er gastierte unter anderem bei den Salzburger Festspielen, der Schubertiade Hohenems, dem Schleswig-Holstein Musikfestival, bei "Wien Modern", dem "Festival d’Automne", dem "Holland Festival" und den Berliner Festwochen.

Seit den 1990er‑Jahren konzentrierte sich Markus Hinterhäuser zunehmend auf die Interpretation zeitgenössischer Musik; besonders engagierte er sich für das Werk von Luigi Nono, Karlheinz Stockhausen, Morton Feldman und György Ligeti. Er spielte unter anderem das gesamte Soloklavierwerk der Zweiten Wiener Schule sowie Werke von John Cage, Morton Feldman, Luigi Nono, Giacinto Scelsi und Galina Ustwolskaja ein.

In den 2000er‑Jahren bis etwa 2010 wirkte Markus Hinterhäuser zudem immer wieder an Musiktheater‑Produktionen von Christoph Marthaler, Johan Simons und Klaus‑Michael Grüber mit.

Kulturmanagement

Gemeinsam mit Tomas Zierhofer-Kin errang er als Mitbegründer als Künstlerischer Leiter des Projekts "Zeit-Zone" bei den Wiener Festwochen internationales Renommee im Kulturmanagement. Hinterhäuser war zusammen mit Tomas Zierhofer-Kin Gründer und Leiter der Veranstaltungsreihe "Zeitfluss", die von 1993 bis 2001 im Rahmen der Salzburger Festspiele stattfand, und von "Zeit-Zone" (Wiener Festwochen, seit 2002).

2006–2011: Konzertdirektor der Salzburger Festspiele

Im Februar 2005 wurde Hinterhäuser vom (damals künftigen) Intendanten Jürgen Flimm als Konzertdirektor der Salzburger Festspiele designiert und übte diese Funktion ab 1. Oktober 2006 aus.

Am 10. Juli 2021 wurden Festspiel-Präsidentin Helga Rabl-Stadler zum Commandeur des Arts et des Lettres und Intendant Markus Hinterhäuser (links) zum Officier des Arts et des Lettres in der französischen Botschaft in Wien durch den Botschafter der Republik Frankreich in Österreich, Gilles Pécout, ernannt.

2007 setzte er bei den Salzburger Festspielen die Serien "Schumann-Szenen" und "Kontinent Scelsi" auf das Konzertprogramm, 2008 "Schubert-Szenen" und "Kontinent Sciarrino", gewidmet jeweils einem romantischen und einem modernen Komponisten.

Mit der Saison 2011 beendete Hinterhäuser wegen ungünstiger organisatorischer Rahmenbedingungen sein Engagement bei den Salzburger Festspielen. Davor wirkte er allerdings von Oktober 2010 bis Oktober 2011 noch als Nachfolger von Jürgen Flimm interimistisch als Intendant der Festspiele.

2016: Intendant der Salzburger Festspiele

Am 25. September 2013 wurde Markus Hinterhäuser vom Kuratorium der Salzburger Festspiele zum Intendanten ab 1. Oktober 2016 bestellt.

In dieser Funktion wurde Hinterhäuser mehrmals wiederbestellt, unter anderem am 5. April 2024, nicht ganz unumstritten, wie die versierte Kennerin der Salzburger Festspiele und Leiterin des Ressorts Kultur bei den "Salzburger Nachrichten" Hedwig Kainberger in der Samstagausgabe vom 6. April[1] schreibt. Sie meint, die Entscheidung des Kuratoriums, dass Hinterhäuser bleibt, sei pragmatisch, habe aber einen Schwachpunkt und berge ein Risiko. Hinterhäuser habe als Intendant einen musikalischen Feinsinn bewiesen und es verstanden, Lust auf Salzburger Festspiele zu machen. Als Schwachpunkt sieht Kainberger das zu klein aufgesetzte Bewerbungsverfahren mit kurzer Frist, ohne Findungskommission und ohne offensive Suche. Das Risiko, meint Kainberger, stecke im immer wieder aufbrausenden Verhalten Markus Hinterhäusers, das unter anderem die Festspielpräsidentin Kristina Hammer und andere Mitarbeiter getroffen haben soll.

Im Dezember 2024 stand Markus Hinterhäuser unter Druck. Er sorgte mit der Kündigung der Schauspielchefin Marina Davydova sowie zuvor mit der Entlassung des gesamten "Jedermann"-Ensembles für Schlagzeilen. Sein Führungsstil und der Ressourcenumgang in der Schauspielsparte wurden kritisiert. Zudem gab es im siebenköpfigen Kuratorium der Salzburger Festspiele kritische Töne zum Führungsstil Hinterhäusers. Bereits im Februar 2023 war von einer "Entmachtung" der Präsidentin Kristina Hammer gesprochen worden, nachdem die Geschäftsordnung des Direktoriums so geändert worden war, dass die Zuständigkeit für das Pressebüro an den Intendanten wanderte. Von einer "einvernehmlichen Lösung" sprach der damalige Kuratoriumsvorsitzende und ehemalige Bürgermeister Harald Preuner (ÖVP).[2]

2024: Hammer und Hinterhäuser geben ein gemeinsames SN-Interview

Seit Kristina Hammer im Jänner 2022 als Präsidentin der Salzburger Festspiele angetreten ist, rissen Gerüchte und Berichte über ein zerrüttetes Verhältnis zum Intendanten Markus Hinterhäuser nicht ab. Am Donnerstag, 12. Dezember 2024, waren beide zu einem Gespräch bei Landeshauptmann Dr. Wilfried Haslauer junior und luden am Abend überraschend die "Salzburger Nachrichten" zu einem gemeinsamen Interview in Kristina Hammers Büro ein.[3]

Kristina Hammer (KH) meinte, dass ernste Themen im Umlauf seien und sie sich daher gemeinsam äußern wollten. Markus Hinterhäuser (MH) ergänzte, dass Spannungen und Diskussionen entstehen könnten, die das eine oder andere Mal emotional werden, das liege in der Natur der Sache. Er gab zu, Fehler gemacht zu haben, und verwies darauf, dass die Geschichte der Salzburger Festspiele aus vielen Krisen bestehe, für die Lösungen gefunden werden mussten. Auf die Frage nach ihrem Verhältnis gaben beide ausweichende Antworten. MH räumte ein, dass er in Diskussionen und Stresssituationen ein emotionaler, bisweilen impulsiver Charakter sei und dass man das eine oder andere Mal über das Ziel hinausschieße. KH betonte einen respektvollen und wertschätzenden Umgang und dass Diskussionen in einem Führungsgremium hinter verschlossenen Türen bleiben sollten. Sie stellte klar, sie sei weder Erzieherin noch Gouvernante und verwies darauf, dass unterschiedliche Auffassungen in einem Leitungskremium normal seien.

Auch die Entlassung Marina Davydova war Thema des Interviews. MH meinte dazu kurz, hier würden keine Entscheidungen getroffen, die die Temperatur eines Eiskastens haben, und bezeichnete Davydova als beeindruckende intellektuelle Theaterfrau.

Hinterhäuser im Jahr 2026

Bei der Neubesetzung der Schausspielleitung der Salzburger Festspiele kam es 2026 zu einem Konflikt zwischen Intendant Markus Hinterhäuser und dem Kuratorium. Streitpunkt war, ob der Intendant den vorgegebenen Ausschreibungsprozess eingehalten hatte. Das Kuratorium berief für den 3. Februar eine außerordentliche Sitzung ein. Am 28. Jänner fand ein Hearing mit fünf Finalistinnen und Finalisten aus der offiziellen Ausschreibung statt. Kurz darauf erklärte Hinterhäuser gegenüber der "Kronen-Zeitung", seine Favoritin sei die frühere Burgtheaterdirektorin Karin Bergmann – obwohl sie sich nicht beworben und nicht am Hearing teilgenommen hatte. Das Kuratorium hatte nach der Trennung von Marina Davydova festgelegt, dass die Position regulär auszuschreiben und der Prozess zu begleiten sei. Insgesamt gingen 23 Bewerbungen ein; als Beobachter war Christian Kircher von der Bundestheater-Holding eingesetzt. Hinterhäusers Präferenz außerhalb dieses Verfahrens sorgte für Irritation.

Zwar sieht die Geschäftsordnung vor, dass der Intendant Abteilungsleitungen grundsätzlich selbst besetzt, doch widersprach sein Vorgehen den zusätzlichen Vorgaben des Kuratoriums. Landeshauptfrau Karoline Edtstadler sprach nach der Sitzung von einer "gelben Karte" für den Intendanten. Hinterhäuser nahm an der außerordentlichen Sitzung nicht teil, da er in Frankfurt das Programm der Festspiele 2026 präsentierte. In der regulären Sitzung am 26. Februar sollte er Bericht erstatten und erneut über die Besetzung beraten werden. Bis dahin blieb offen, wer die Schauspielleitung ab Herbst 2026 übernehmen würde.

In einem "Memorandum" forderten u. a. Elfriede Jelinek, Peter Handke und Thaddaeus Ropac, den Intendanten in seiner Arbeit zu unterstützen. Vermittelt von Sven Hartberger wurden Unterschriften gesammelt und am 19. Februar 2026 an Landeshauptfrau Edtstadler (ÖVP) und Bürgermeister Bernhard Auinger (SPÖ) übermittelt.

Nach der Sitzung des Kuratoriums am 26. Februar traten alle sieben Mitglieder gemeinsam vor die Medien. Karoline Edtstadler erklärte, es gebe eine unterschriebene Vereinbarung über eine Verlängerung des Intendantenvertrages, die an Bedingungen – insbesondere an eine Wohlverhaltensklausel – geknüpft sei. Diese Bedingungen seien nicht erfüllt, der Eindruck von Fehlverhalten habe sich verstärkt. Damit gilt die dritte Amtsperiode ab Herbst 2026 als hinfällig. Ein Angebot zur kurzen Weiterarbeit über September hinaus war bis 13. März befristet. Da der Intendant bis dahin nicht mitgeteilt hat, ob er die Verlängerung annimmt, war zu folgern, dass das Angebot verwirkt ist und seine Amtszeit Ende September 2026 endet.[4]

Das Kuratorium bemühte sich zugleich um Deeskalation und gestand Hinterhäuser die uneingeschränkte Kompetenz zur Besetzung der Schauspielleitung zu. Das Festhalten an den Bewerbern aus der Ausschreibung sei damit hinfällig. Kommunikationsfehler räumte Bürgermeister Auinger ein. Hinterhäuser erschien danach alleine, verlas ein mehrseitiges Statement und beantwortete keine Fragen. Er betonte, er habe das Kuratorium nicht hintergangen und alle Vorgaben erfüllt. Die Geschäftsordnung gebe ihm das Recht und die Pflicht, die Schauspielleitung zu besetzen. Fehler in der Kommunikation räumte er ein, stellte jedoch die Frage, ob dies einen derart massiven Vertrauensverlust rechtfertige.

Hinterhäuser bis zum Ende seines Vertrags beurlaubt

Der 26. März 2026 geht als ein trauriger Tiefpunkt in die Geschichte der Salzburger Festspiele ein. Mit dem Abbruch der Intendanz von Markus Hinterhäuser endet eine künstlerisch gute Zeit. Er ist ab dem 26. März bis zum Ende seines laufenden Vertrages, das ist der 30. September 2026, beurlaubt.[5]

Kosten für Hinterhäuser-Trennung müssen offengelegt werden

Das Landesverwaltungsgericht Salzburg entschied am 27. Juli 2026, dass der Salzburger Festspielfonds nach dem Informationsfreiheitsgesetz (IFG) verpflichtet ist, die Gesamtkosten offenzulegen, die durch die Beurlaubung von Intendant Markus Hinterhäuser bis zum Ende seines laufenden Vertrages (30. September 2026) sowie durch die vorzeitige Auflösung seines neuen Vertrages (1. Oktober 2026 bis 30. September 2031) entstanden sind.

Der Entscheidung vorausgegangen war ein Antrag eines Autors und ehemaligen Kulturmanagers, der ein überwiegendes öffentliches Interesse geltend machte. Das Gericht stellte fest, dass der Festspielfonds den Informationszugang rechtswidrig verweigert hatte. Innerhalb von sechs Wochen müssen die Kosten offengelegt und darüber Auskunft gegeben werden, ob Regress- oder Schadenersatzprüfungen gegen Mitglieder des Kuratoriums stattfinden bzw. stattgefunden haben.[6]

Auszeichnungen

Am 10. Juli 2021 wurde ihm in der französischen Botschaft in Wien seine Ernennung zum Commandeur des Arts et des Lettres überreicht.[7]

2024: Ehrenzeichen des Landes Salzburg: Markus Hinterhäuser und Landeshauptmann Wilfried Haslauer junior.

Markus Hinterhäuser wurde am 6. Dezember 2024 für sein künstlerisches Wirken mit dem Ehrenzeichen des Landes Salzburg ausgezeichnet.

Am 8. September 2026 erhielt Hinterhäuser in der Wiener Votivkirche beim Österreichischen Musiktheaterpreis den Großen Preis der Jury. Die Jury würdigt damit seinen Einsatz als Pianist, Festivalleiter und Kulturmanager.[8]

Literatur

Bilder

 Markus Hinterhäuser – Sammlung von weiteren Bildern, Videos und Audiodateien im SALZBURGWIKI

Weblinks

  • sn.at, 28. Februar 2026: "Die Salzburger Festspiele im hatscherten Eklat." Ein Beitrag von Hedwig Kainberger
  • sn.at, 26. März 2026: Hinterhäuser befeuerte das Epizentrum des Besonderen

Quellen

  • db.musicaustria.at Markus Hinterhäuser
  • geschichtewiki.wien.gv.at Markus Hinterhäuser
  • Archiv der "Salzburger Nachrichten vom 18. Juli 2009: "Der Konzertchef verlässt die Festspiele"
  • "Salzburger Nachrichten", verschiedene Ausgaben Jänner und Februar 2026 sowie vom 26. Februar 2026
  • salzburgerfestspiele.at/kuenstlerdetail/artistid/3604/ "Künstlerdetail" auf der Website der Salzburger Festspiele, Link war bei einer Kontrolle am 12. Dezember 2024 nicht mehr abrufbar
  • klassikinfo.de/Hinterhaeuser-2008.536.0.html Interview auf KlassikInfo, Link war bei einer Kontrolle am 12. Dezember 2024 nicht mehr abrufbar

Einzelnachweise

  1. ↑ www.sn.at, 6. April 2024
  2. ↑ www.sn.at, 12. Dezember 2024
  3. ↑ www.sn.at, 13. Dezember 2024
  4. ↑ sn.at, 20. März 2026
  5. ↑ sn.at, 26. März 2026
  6. ↑ sn.at, 30. Juli 2026
  7. ↑ Salzburger Nachrichten vom 12. Juli 2021, Seite 9: Rabl-Stadler und Hinterhäuser erhielten Orden
  8. ↑ SALZBURG24 vom 20. August 2026
Zeitfolge
Vorgänger

Jürgen Flimm
Alexander Pereira

Intendant der Salzburger Festspiele
2010–2011
2016–2026
Nachfolger

Alexander Pereira
Karin Bergmann