Kobler-Spängler-Briefe von 1890 bis 1894

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In diesem Artikel werden die Kobler-Spängler-Briefe von 1890 bis 1894 aus einem Privatarchiv veröffentlicht.

Einleitung

Die Kobler-Spängler-Briefe bezeichnen eine umfangreiche Briefsammlung aus dem Besitz von Franz II. Xaver Gregor Spängler (* 1839; † 1912).

Über die Korrespondenz

Über seine Tochter Johanna Spängler (* 1882; † 1973), verheiratet mit dem Schuldirektor in Krems, Rupert Holzapfel (* 1868; † 1940), kam die Sammlung aus dem Nachlass von dessen Tochter Gertraud Holzapfel (* 1917; † 2001), verheiratet Saska in Krems, an Otto Holzapfel (* 1941) in Freiburg im Breisgau in Deutschland.

Die Briefe sind zum Teil übertragen, zum Teil zusammenfassend registriert; eine genauere Auswertung steht noch aus. Die ältesten Briefe stammen aus der Beziehung zwischen Franziska "Fanny" Kobler (* 1796; † 1886) und Franz Francesco Castelli (* 1796; † 1832). Deren Tochter Zäzilia Amalia Kobler wird 1821 geboren und heiratet 1846 Richard Franz Schlegel, stirbt aber bei der Geburt des ersten Kindes 1848. Diese Tochter, Franziska "Fanni" Schlegel (* 1848; † 1905), heiratet 1872 in der Stadt Salzburg den späteren Oberlandesgerichtsrat in Krems, den oben genannten Dr. Franz II. Xaver Gregor Spängler. Ein großer Teil des Briefwechsels spiegelt die besonders enge Beziehung zwischen Großmutter "Fanny" und Enkelkind "Fanni".[1]

1890

Brief vom 9. April 1890 von Franziska Spängler an Franz Spängler

Brief von Franziska Spängler an Franz II. Xaver Gregor Spängler mit Umschlag, eingeschrieben "R Krems No 328", drei Marken abgelöst, dadurch Poststempel unleserlich, rückseitig "Salzburg-Stadt 10/4 11 F"; Wohlgeboren // Herrn Dr [unterstrichen:] Franz Spängler // k. k. Landesgerichtsrat // derzeit in // [unterstrichen:] Salzburg // Mozartplatz N. 4 1. St. // bei Frau von [unterstrichen:] Angermayer[2] // [unterstrichen:] Recomandiert!; rückseitig Bleistiftnotizen Breite 180 cm // Tiefe 64 cm ohne Gesims // Vom Thürrand bis Gesimsrand 32 cm. Zwei Bögen, fünf Blätter; / = Seitenwechsel; // = Absatz; [Ergänzung]; [?] = fraglich; XX = unleserlich; Leseabsatz eingefügt:
Krems, 9. April 1890. // Liebster Mann! // Zum erstenmale, seit ich mit dir vereint bin, feierst du dein Geburtsfest fern von mir; laß dir also, da ich dir nicht wie sonst in aller Morgenfrühe gratuliren kann, schriftlich alles Schöne und Gute wünschen. Schenke dir der liebe Gott, dessen Güte wir soviel verdanken, vor Allem das kostbare Gut der Gesundheit und erhalte dich noch recht lange so jung an Geist und Körper, wie du es trotz des 51. Jahres noch bist. Und, du Liebster, behalte mich lieb, wie bisher und laß dir danken für deine Treue und Liebe die ich in den 18 Jahren unserer Ehe empfangen habe. Hab auch noch weiters Geduld mit mir, ich will mein / Bestes thun, deine Geduld nicht zu sehr zu beanspruchen. // Soll ich dir sagen, wie sehr ich mich freue, auf deine Heimkehr, und wie langweilig und öde mir die Tage erscheinen, wo ich dich nicht habe? Feire recht froh deinen Geburtstag, und wenn du – beim Traualtare stehst, so denke daran, wie wir vor 18 Jahren mitsammen an dieser Stelle gestanden haben. Und nun sei tausendmal geküßt.

Den gestrigen Abend verlebten wir ungewöhnlich, ich war sehr müde und ging sammt den Kindern gegen 9 Uhr schlafen. Heute um 5 ¾. Uhr war Franzl schon auf, bald darauf auch die Ande[r]n, mit Ausnahme der Franzi, die gegen 6 ½ aus den Federn kroch. // Um 7 ½ trollte sich die Gesellschaft in die Schule, ebe[n]falls mit Ausnahme der Franzi, die etwa 5 Minuten / später wegging. // Heute ist es bei uns kirchenstill, Otto speist mit größtem Behagen einen Apfel, er hat sehr gut geschlafen und hustet fast gar nicht mehr. // Ich danke Gott daß das Kind wieder gesund ist. Ich habe große Angst gehabt, besonders, als in der Nacht auf den 6. April, das Fieber wiederkam. Heute ist es so kalt, daß ich im Speisezimmmer einheitzen ließ und ich bin sehr froh, daß du den Plaid für die Nacht mithattest. Gieb nur Acht, daß dein Husten nicht stärker wird. // Alle Bekannten und Verwandten sage beste Grüße und sei 1000 mal geküßt von deiner Alten. /

[in flüchtiger Schrift:] Mir ist aber eine Idee gekommen; du weißt, daß mir immer die Kästen zu wenig werden; nun könnte in unserm Schlafzimmer ganz gut der Brautkasten Platz finden. Es müßte mein Kleiderkasten in das kleine Zimmer kom[m]en, wo die Nähmaschine steht, an der Stelle meines Kastens käme der Waschtisch, an dessen Platz das "Haus" käme, es hätte ganz gut Platz. [darüber:] habe gemeßen! Wo heute das "Haus" steht, wäre genug Raum für den sog. Brautkasten. Wenn dir dieser Vorschlag gefällt, könntest du gleich die Rosa bitten, daß sie die Sendung besorgt. Das im Brautkasten [der offenbar noch in Salzburg ist; Anm.][3] befindliche Bettzeug könnte in die andern Kästen vertheilt werden, die Leinwand in den Schubladkasten in unserm Zimmer in Salzburg kommen. Überlege die Sache, etwas mehr Raum für die Kleider wäre sehr erwünscht. Leb wo[h]l. Fanni.

Die fünf Kinder sind: Franzi (* 1877), Antonia/Toni (* 1879), Rosa (* 1880), Johanna/Hansi (* 1882), Franz (* 1883) und Otto (* 1886). Die folgenden Briefschreiber sind also ca. 13, 11, 10, 8, 7 und 4 Jahre alt. Abgesehen vom (offenbar diktierten) Inhalt erscheint die Abfolge der Schulschrift in den verschiedenen Altersstufen bemerkenswert. Man kann diese "Deutsche Schrift" mit der älteren Schulschrift vergleichen, wie ich, Otto Holzapfel, sie im Anschluss an den Brief vom 14. April 1861 dargestellt habe. Sie ist weiterhin nicht die "Sütterlin"-Schrift, wie sie erst ab 1911 normiert wurde. Dazu einige Charakteristika: "d" groß und klein wird offenbar nicht unterschieden; "f" groß und klein wird von den älteren Kindern identisch geschrieben, Franz, 7 Jahre alt, unterscheidet dagegen deutlich zwischen "f" und "F" ("Franz"); auslautend wird "scharfes s" = ß geschrieben ("fleiß"), inlautend kurzes ss ("Schlusse") und langes ß ("Grüße") unterschieden [Franzi]; "daß" wird dagegen mit "s" und Schluss-s geschrieben [Toni, Franzi], aber inlautend am Silbenschluss wird ebenfalls Schluss-s geschrieben: "Geburtstag" [Toni], "Geburtsfeste" [Franzi]; Franzi schreibt "fleißig", aber vermutlich "Freude" (größerer Anfangsbogen). Während Toni und Franzi "Tochter" offenbar mit einem großen T schreiben, ist bei Rosa kein großes t zu erkennen = "tochter" (ebenso bei Johanna). Eine solche allzu kurze Skizze kann allerdings keine individuellen Schreibgewohnheiten beurteilen.

Lieber guter Vater! // Morgen feierst du deinen Geburtstag. Noch immer konnte ich dir mündlich gratulieren, diesmal muß es schriftlich geschehen. // Nimm also meine herzlichsten Glückwünsche entgegen. // Gott schenke dir vor allem Gesundheit, er erhalte dich noch lange als unsern guten Vater, als unsern Führer durch das Leben. // Mein Streben wird sein, dir durch Gehorsam u. Fleiß Freude zu bereiten. // Ich freue mich schon sehr auf deine Heimkehr. / Bei uns ist es kalt und regnerisch. Ist’s bei euch schöner? // Zum Schlusse bitte ich dich, entrichte herzliche Grüße an Onkeln und Tanten u. an alle andern Verwandten // Dich bittend, mich lieb zu behalten küsse ich dich im Geiste als deine // dankbare Tochter Franzi. // Krems, am 9. April 1890.

Lieber Vater! // Zu deinem werthen Geburtsfeste wünsche ich dir alles Gute. Gott möge dich gesund erhalten. Ich will brav, fleißig und gehorsam sein, und dir und der Mutter Freude machen. Ich freue mich schon sehr, wenn du wieder kXXtest [kehrst] Ich hoffe, daß es in Salzburg schöner ist als hier, denn bei uns ist es sehr kalt, und es hat auch geregnet. Ich lasse die Großmutter und alle Tanten und den Onkel Otto schön grüßen. / Behalte lieb // deine // dankbare Tochter // Toni. // Krems, am 9. April 1890.

Lieber Vater! // Da morgen dein Geburtstag ist, wünsche ich dir alles Gute. Ich will brav und gehorsam sein; ich freue mich sehr wenn du wieder zurückkehrst. Behalte lieb // Deine dankbare Tochter Rosa. // Krems, am 9 April 1890.

Lieber Vater! // Zu deinem Geburtstage wünsche ich dir alles Gute. Bleibe gesund und behalte lieb. // deine // dankbare Tochter Johanna. // Krems am 9. April 1890.

[auf Hilfslinien:] Lieber Vater! // Zu deinem Geburtstage wünsche ich dir alles Gute. // Ich will gehorsam, fleißig und brav sein. Behalte lieb deinen dankbaren Sohn Franz Spängler. Krems, am 9./4. 1890.

[die Handschrift der Mutter, von ihr geführt:] Lieber guter Vater! // Zu deinem Geburtstage wünsche ich dir alles Gute. Behalte lieb deinen // dankbaren Sohn // Otto Spängler.

Platz für Foto = Franzi (13 Jahre alt) und Franz (7 Jahre alt) Spängler, 1890


Correspondenz-Karte vom 10. April 1890 von Franziska Spängler an Franz Spängler

[verkürzte Beschreibung:] Poststempel Krems 10. 4., Salzburg 11. 4. An Franz II. Xaver Gregor Spängler derzeit Salzburg // Mozartplatz N 4. // I Stock. // bei Frau von Angermayer. […] = Auslassungen:
Krems 10/4. 1890. // Lieber Mann! // Mit Freude empfing ich d. K. Schade, daß du so schlechtes Wetter hast! Ich muß heutig Klavierstunde heitzen. Uns geht es gut. […] Bitte, messe doch den Brautkasten genau ab. Ich wäre sehr froh, wenn wir denselben bekämen. […] Otto trägt mir auf, dir zu sagen, daß er brav ist. Die Kinder grüßen dich. […] Behüt dich Gott, freu mich schon auf dein Kommen. F Spä [?]


Correspondenz-Karte vom 11. April 1890 von Franziska Spängler an Franz Spängler

[verkürzte Beschreibung:] Poststempel Krems verwischt, Salzburg verwischt. An Franz II. Xaver Gregor Spängler derzeit Salzburg // Mozartplatz N 4 I. Stock // bei Frau von Angermayer. […] = Auslassungen:
Krems 11/4. 1890. // Lieber Mann! // Deine beiden Karten erhielt ich früh Morgens, besten Dank. […] Wann wird der Erzbischof begraben[4], wirst du dem Leichenbegängnisse beiwohnen? Gott gebe ihm die ewige Ruhe. […] Die Kinder sind annehmbar brav, Franzl fürchtet nichts mehr, als wenn ich drohe, daß ich über ihn klage. Lebe wohl [!] und behalte lieb deine Alte.


Correspondenz-Karte vom 12. April 1890 von Franziska Spängler an Franz Spängler

[verkürzte Beschreibung:] Poststempel Krems 12. 4., Salzburg 13. 4., Krems 15. 4. An Franz II. Xaver Gregor Spängler derzeit Salzburg // Mozartplatz N 4 I. St Gestrichen und: Krems [zurückgeschickt]. […] = Auslassungen:
Krems 12 April 1890. // Lieber Mann! // Deine […] Sonst Alles in Ordnung. […] Morgen werde ich mit den Kindern baden gehen. Auf Montag freue ich mich schon [unterstrichen:] sehr. Bin neugierig, ob wir den Kasten herunter bekommen. Es wäre wo[h]l sehr gut. Grüße alle Verwandten u. Bekannten herzlichst von mir […] Behüt‘ dich Gott, deine Alte.


Brief vom Juli 1890 von Otto Spängler an Bruder Franz II. Xaver Gregor Spängler

Otto Spängler [Bruder] an [Nr. 18[5]] Franz Spängler [Salzburg, Juli 1890?]:
Liebe Franz! Hoffentlich hast du meine Karte, welche ich dir vor einiger Zeit, bevor ich auf einige Tage verreiste, schrieb/ erhalten. Endlich komme ich dazu, nach langem Interwall die Korrespondenz wieder aufzunehmen u muß mich vor allem anfragen, was es denn mit Eurem Hierherkommen eigentlich ist? - Wir gehen übermorgen oder längstens Samstag nach St Gilgen, wo uns unsere 4 kleinen Kinder mit Marie schon seit 12 Tagen sind. Dort beabsichtigen wir ca 8 Tage zu bleiben u fahren dann wieder nach Salzburg zurück. Späterhin wollen wir noch einmal nach Aschthal [?] gehen u von dort aus unsere Ausflüge machen: Adalholzen, Reißeralm, Höglwört [?] etc. - Sei so gut, mir deine Urlaubs u. Ferienpläne, wenn du in den ersten Tagen August mir noch antwortest, nach St Gilgen auf die Post zu senden; u. späterhin wieder nach Salzburg. - Otto geht in der 2.Hälfte August nach Kitzbühel zu Herrn Pfarrer Lechner. - Aus den Zeitungen entnahm ich Euer großes Sängerfest; du wirst durch die Vorbereitungen u das Fest hattest [?] jedenfalls sehr viel in Anspruch genommen gewesen sein. Die Coupons werden wir bei deinem hiersein ordnen; denn kommen wirst du doch jedenfalls. - Mit herzlichen Grüßen an all’ die deinen von all’ den meinen dein treuer Otto. - Mittwoch früh.

"großes Sängerfest": Sängerbundesfest in Wien 1890 (?).


Postkarte vom 30. August 1890 von Fanni Spängler an Franz II. Xaver Gregor Spängler

[Nr. 19] Fanni Spängler an [Nr. 18] an Franz Spängler: [Stempel:] Salzburg, 30. 8. [18]90 - Krems 31. 8. 90: An Frau Fanni Spängler LGR [Landesgerichtsrats] Gattin in Krems Alleegasse 7 - Liebe Fanni/ Salzburg 30/8/1890/ Wir sind gestern Ab[en]ds wohlbehalten angekommen, u. wurden von Otto u Louise, u. Tochter Bertha in freundlichster Weise am Bahnhofe erwartet. Heute waren wir schon am Grabe der Eltern, dann mit dem elektr. Aufzuge auf d Mönchsberge, jetzt sind wir bei den Tanten, die Euch alle, wie auch wir, herzlichst grüßen / das Wetter ist kalt u. regnerisch. Wir sind wohl. Behalte lieb deinen Franz - Herzlichen Gruß u. Kuß Franz

Karte von Franz Spängler [Nr.18] an seine Frau Fanni. - Zu Besuch bei Otto Spängler, Frau Aloisia (Louise) und Tochter Bertha, geb. 1877; die Eltern sind 1852 und 1882 gestorben, begraben auf dem St.-Peters-Friedhof in Salzburg [Grabplatten heute in der Mauer neben dem Eingang zu den Katakomben]. - "Tanten" könten sein: die Geschwister Franziska (* 1821; † 1906; "Franzi"), Elisabeth (* 1829; † 1905) und Anna (* 1843), alle unverheiratet und Töchter von Josef Spängler (* 1786; † 1861), dem ältesten Bruder des Vaters Spängler. - Siehe auch folgenden, gleichzeitigen Gegenbrief.


Brief vom 30. August 1890 von Fanni Spängler an Franz II. Xaver Gregor Spängler

[Nr. 19] Fanni Spängler an [Nr. 18] Franz Spängler:
Krems, 30/8 1890/ Liebster Mann! Indem ich dir das verlangte Buch sammt dem Touristenzeichen sende, benachrichtige ich dich, daß wir gestern wohlbehalten hier ankamen / Ich danke dir für die genußreichen Tage, welche wir im lieben Triestingthale zubrachten, ich werde stets mich gern ihrer erinnern. Ich habe mich so gefreut, wieder einmal mehr mit dir sein zu können. - Wir sind Alle sehr zufrieden, daß wir wieder daheim sind. Es ist mir lieb, daß ich sehr beschäftigt bin, sonst käme es mir gar zu öde vor, da du nicht hier bist. Auch Franzi fehlt mir. Übrigens haben wir heute schon gekocht, wol sehr einfach, aber zu allseitiger Zufriedenheit. - Von dir und Franzi hoffe ich, daß Ihr vergnügt und wol in Salzburg seid. Eben erhielt ich von meiner Schwester Anna einen Brief, in welchem sie mir anzeigt, daß sie unsere Einladung nach Krems annimmt. - Heute waren wir Otto ausgenommen in der 8 Uhr Messe, dan gieng ich mit den Mädchen einschreiben in die Schule. Was macht dein Fuß, ich sorge mich, daß er schlechter wird. Bitte gehe nicht auf’s Hochkar! - Hier war das Wetter viel schlechter als im Triestingthale, die Donau ist so hoch, daß Wasser in den Auen steht. Dabei ist es so kalt daß ans Baden nicht zu denken ist und die Kinder morgen die Filzhüte ohne Bedenken aufsetzen können. Meine Zeit erlaubt mir nicht, länger zu schreiben. Frau Aigner ist hier und ich muß die Sendung fortschicken. - Guße [Küsse/Grüße] Franzi von mir, sobald ich Zeit habe schreibe ich ihr. Unterhaltet Euch recht gut grüßt Alle und seid gekßt von Eurer Mutter Fanni. - Hansi liegt im Bette, sie scheint sich etwas verkühlt zu haben / Kein Fieber! - Es scheiner [? scheint] Aphten [?] zu kommen. Wohin soll ich schreiben? Wieder nach Innsbruck?

"Triestingthale": Pottenstein an der Triesting, Wohnort 1880 bis 1887. "Franzi" (13 Jahre) ist noch beim Vater; "Hansi" [Johanna] ist 8 Jahre alt, "Otto" vier Jahre.


Kartenbrief vom 1. September 1890 von Fanni Spängler an Franz II. Xaver Gregor Spängler

[Nr. 19] Fanni Spängler an [Nr. 18] Franz Spängler:
Krems, 1. 9. 1890 / Liebster Mann! liebes Dirndl! Ich mache hiermit den Versuch, Euch einen herzlichen Gruß zu senden, Pater Liely hat mir die Adresse gegeben. Für die verschiedenen Karten besten dank, bin glücklich ein Lebenszeichen zu erhalten. Vor allem wünsche ich, daß Ihr günstiges Wetter für Mittwoch habt, hier ist es abscheulich kalt. Aigners u. wir waren gestern bei Stoadinger [?] in Rehberg. Aigner’s grüßen Euch. Den Gehalt hat Aigner beheben [?], der [?] Wirtschaft geht recht gut, die Kinder senden 10000 Küsse, sie sind ganz leidlich brav Gerne wüßte ich, was der Fuß macht. Geh doch nicht aufs Hochkaar, darum bist nicht denn Alte [?]

[Kartenbrief:] An Herrn Doctor Franz Spängler kk. Landesgerichtsrat derzeit/ Oberammergau in Baiern/ bei Herrn Franz Hantle [?] N. 47/ Adresat abgereißt wohin unbekannt [Unterschrift: Hippler]/ Stempel: Krems 1. 9. 90/ Oberammergau 3. Sep 90/ Krems 6. 9. 90.


Postkarte vom 1. September 1890 von Franziska Spängler an Fanni Spängler von Franziska Spängler (* 1877) an die Mutter Fanni Spängler: 1. 9. 1890, Postkarte an Franzi in Krems aus Innsbruck: "Liebe Mutter! Wir befinden uns sehr wohl", wohnen bei Cousine Louise und Robert... "Nächster Brief: München poste restante. Franzi und Vater"


Kartenbrief vom 2. September 1890 an Franziska Spängler an Franz Spängler.

Karten-Brief 5 kr. oliv an Herrn Doctor Franz Spängler // k. k. Landesgerichtsrat derzeit in München. poste restante. Gestempelt Krems 2. 9. 80, München 4. 9. 90. Kein zusätzliches Auslandsporto. [Ergänzung]:
Krems, 2. September 1890. // Meine Lieben! // Leider, leider regnet es heute fast ohne Aufhören, was wird mit dem Passionsspiele morgen werden? Es wäre wo[h]l sehr traurig, wenn Alles verregnet würde. Habt Ihr die Karte in Oberammergau bekommen? Bei diesem Wetter wird dein liebster Mann hoffentlich das Hochkaar links liegen lassen. Das ist noch mein einziger Trost! Bei uns geht es sehr gut, heute glücklicher Weise der erste Schultag! Die beiden Buben spielen recht nett. Was macht denn dein Fuß? Ich freue mich schon sehr auf Eure Rückkunft. Heute habe ich die Bücheln bezahlt. Wir brauchen jetzt sehr wenig. Hoffentlich bringt ihr guten Appetit mit. Eben hörte ich, daß bei Grinzendorf [Kritzendorf] /: Franz-Josefsbahn :/ schon wieder ein Zusammenstoß war. Das ist zu schrecklich dieses Jahr! // Werdet Ihr Euch in München aufhalten? Von Briefen ist gar nichts da, einige Ankündigungen Münzkataloge u. dgl. Lebt nun recht wo[h]l, Gott schütze Euch und kommt bald zu Eurer Mutter. Behüte Euch Gott. [in die Ecken:] Bußerl von Otto // Bußerl Franzl [am Rand:] Grüße und Küße von den Kindern.


Postkarte vom 2. September 1890 von Franz II. Xaver Gregor Spängler an Fanni Spängler

[Nr. 18] Franz Spängler an [Nr. 19] Fanni Spängler:
Seefeld 2/9 1890/ Liebe Mutter. Im eingeheizten Zimmer des Gasthauses v. Seefeld, umgeben von schneebedeckten [!] Feldern u. Wäldern sitzen wir bei einer Schale Suppe um uns zu erwärmen u. grüßen Euch alle. Seit wir Tiroler Boden betreten haben wir fast ununterbrochen Regen. Gestern Nachm waren wir in Hall bei Tante Therese, die dich herzlich grüßt/ dein treuer Franz

Correspondenz-Karte an: Frau Franziska Spängler/ Landesgerichtsrathsgattin/ in Krems a. d. Donau/ N. Österr. Gestempelt Seefeld 3. 9. und Krems 4. 9. - Die Lürzer von Zehendthal (so geboren die Mutter des Briefschreibers; in Salzburg, gest. 1882) kommen aus Hall in Tirol.


Postkarte vom 3. September 1890 von Franz II. Xaver Gregor Spängler und Kinder an Fanni Spängler

Franz Spängler und Kinder an Fanni Spängler: 3. September 1890, Postkarte aus Oberammergau [Bleistift]: "Liebe Mutter! Wir sind gestern abends in Oberammergau eingetroffen ... Franzi" Quer darüber "der Vater grüßt Euch Alle" - 4. 9. 1890, Postkarte aus München [Bleistift]: "Liebe Fanni Wir sind statt gestern Abend erst heute Nachm. hier angekommen..." Eisenbahn bei Murnau unterbrochen, 100 Reisende mußten in Murnau über Nacht bleiben, Nachtquartier in einem Bauernhaus... "Dein treuer Franz"


Briefe von 1890 an Franziska Spängler

an [Nr. 9 a] Franziska Spängler (* 18. Juni 1877; † 1962; Nr. 9 a): 1890, die Schwester Toni schreibt aus Krems an Franzi (Brief ohne Adresse); 1890, der Bruder Franz [Franz Spängler, Nr. 9 d; geb. 1883) schreibt aus Krems an "Franzi", also mit etwa 7 Jahren (Kinderschrift) - mit dem gleichen Datum schreibt die etwas ältere Schwester "Rosi" (Nr. 9 c) an Franzi; sie erzählt, dass sie von ihrer Schwester Johanna (Hansimutti) "zum Namenstag ein schönes Körbchen gefüllt mit Gurkerln bekommen" hat, davon legt sie für Franzi einige bei; "die vier verschlafenen Rieder-Leut" [die Geschwister?] grüßen, eine, "Amor", schreibt eine "Hymne in AchDur u. WehMoll" an Franzi... Toni baut Kartenhäuschen (ohne Datum)


1891

Brief von 1891 an Franziska Spängler

an [Nr. 9 a] Franziska Spängler (* 1877; † 1962): Elsa (XXX ?), noch Jungmädchen-Schrift, anders als später, schreibt aus Krems 1891 an Franzi; 2,5 Bogen Brief von Elsa "4. Aug. 18." [1891/92] an Franzi; berichtet von einem Traum und unterschreibt als "Kremser Stadtberühmtheit"


1892

Brief von 1892 an Franziska Spängler

an [Nr. 9 a] Franziska Spängler (* 1877; † 1962): Elsa "an Franzi! dreimal Heil! der Staatsgeprüften"; Glückwünsche 1892 (also der ca. 15jährigen Franzi wohl zu einer Musikprüfung); gleiche Schrift an die "Geliebte Franzi", ebenfalls in Gedichtform an "die schöne Franzi Primadonna in spe von der Zukunftstragödie von Egelsee"; von Elsa ein vier Blätter langer Brief an "Liebe Rosa und Franzi"; dankt für Briefe, Sehnsucht nach den lieben Kremsern, beschreibt ihren Aufenthaltsort, erinnert sich an "Professor Strobl", wollen nach Golling; schrieb in Musikgeschichte "Was bedeuten Schumann und Liszt für die Musikgeschichte? (Von diesen Herschaften weis ich überhaupt noch nichts) Im Gesang [...] Harmonielehre", "Realsprüfung", singt Übungen und "gehaltene Töne"


1893

Correspondenz-Karte vom 14. August 1893 an Spängler, Salzburg von "Elsa"

Postkarte, gestempelt "Kitzbichl 14. 8." [Jahr nicht erkennbar] an "Familie Spängler in Salzburg [Gasth]aus zur Hölle, Judengasse" [teilweise unter dem Stempel "Salzburg-Stadt 14/8/93"; mit Bleistift geschrieben, schwer lesbar: Liebe Spänglerei! Familie A. dankt bestens für freundliche Zuschriften u. freut sich, daß es Euch gut geht. [nicht weiter übertragen] … Herzliche GrüßeElsa.


Postkarte und Brief von 1893 an Franziska Spängler

an [Nr. 9 a] Franziska Spängler (* 1877; † 1962): Postkarte aus Kitzbichl an Franzi von der "treuesten Freundin Elsa"; 1893, Kartenbrief aus Kitzbichl von Elsa an Franzi "Salzburg, Gasthaus zur Hölle, Judengasse"

dito [1893] 2,5 Bogen Brief aus Kitzbühl an Franzi von "deiner treuen Freundin u. Intima Elsa", "das Neueste ist, daß man nicht Intima sagt, sondern Intima." - 2 Bogen langer Brief von Elsa; erinnert an die Staatsprüfung 1892, mit der sich Franzis "Lebenszweck erfüllte" - 2 Bogen Brief mit Gedicht am Anfang von Elsa; vor der (zweiten) Staatsprüfung von Franzi [wie die anderen Briefe nur überflogen] - Brief von Friedl (?) an Franzi ohne Datum; über Tonleitern, spielt Klavier


1894

Brief vom 30. November 1894 von Theresia von Lürzer-Zehenthal[6] an Franz II. Xaver Gregor Spängler

Einzelblatt bei den Todesanzeigen, die Franz Spängler gesammelt hat, bei der Anzeige für "Tante Therese"; der Brief ist wahrscheinlich diktiert worden:
Hall am 30. November 1894. Gott zum Gruß - Dein nahes Namens[fest] gibt mir Gelegenheit dir die herzlichsten Glücks Wünsche dazubringen Gott erhalte dich Gesund und gebe dir alles gute an Seele und Leib, wie ge[h]t es Euch meine Lieben ich hoffe zu meiner Freide wohl ich bin leider im Beth und hab heite die sterb Sakramente empfangen ich bin etliche Wochen unwohl dazu kam eine genzliche Abeditloskeit der Arzt gibt die Hoffnung nicht auf ich sage wie Gott will so soll es geschehen ich bitte lieber Franz Grüße mir deine liebe Frau Söhne und Töchter und bitte betet für mich wen ich gestorben bin. Und so verbleibe ich mit liebe und Hochachtung deine alte dich inig liebende Dante Therese von Lürzer.


Einzelnachweise

  1. Trotz unterschiedlicher Schreibweise in den Briefen vereinheitliche ich, Otto Holzapfel, zu Großmutter "Fanny" [Kobler] und Enkelin "Fanni" [Schlegel-Spängler].
  2. Maria, geborene Spängler (* 1832; † 1896)
  3. Dazu gehören die Bleistiftnotizen auf dem Briefumschlag; vgl. folgende Karte vom 10. April 1890.
  4. Franz de Paula Albert Eder, zu dem Franz Spängler ein besonders enges, freundschaftliches Verhältnis hatte.
  5. "Nr. 18" usw. bezieht sich auf die Kekulé-Sosa-Nummerierung in der Aufstellung des Stammbaums bei 'Geneanet oholzapfel' (de.geneanet.org).
  6. Therese von Lürzer, geb. Martha Therese (Theresia) (* 28. Juli 1801 in Hallein), die sich "Zehenthal" schrieb (Lürzer von Zehendthal), war Stiftsdame in Hall in Tirol. Ein eigenhändiger Brief von ihr ist vom 26. November 1884 erhalten geblieben [siehe dort]. Sie starb am 14. Dezember 1894 in Hall in Tirol und wurde dort am 16. Dezember begraben.

Quelle

Korrespondenz der Familien Kobler und Spängler