Änderungen von Gemeindenamen
Dieser Artikel behandelt die seit 1850 erfolgten Änderungen der Namen von Salzburger Gemeinden.
Rechtsgrundlagen, Prozedere
Nach der geltenden Salzburger Gemeindeordnung 2019 kann die Gemeinde ihren Namen ändern. Die Namensänderung bedarf der Genehmigung der Landesregierung. Die Genehmigung darf nur aus öffentlichen Rücksichten versagt werden, insbesondere wenn der neue Name mit dem Namen einer anderen Gemeinde im Bundesgebiet gleichlautend oder diesem verwechselbar ähnlich ist. Der neue Name ist im Landesgesetzblatt kundzumachen.[1]
Dies galt im Wesentlichen auch nach den früheren Gemeindeordnungen seit 1956.[2]
Die Gemeindeordnung von 1864[3] enthielt noch keine Regelungen über eine Änderung des Gemeindenamens. Doch wurde offenbar davon ausgegangen, dass eine Namensänderung eines Antrags der betreffenden Gemeinde und einer Bewilligung (Genehmigung) des zuständigen k. k. Ministeriums bedurfte (so bereits im Fall der ersten derartigen Namensänderung, betreffend die Änderung des Namens "Wildbad Gastein" in "Badgastein" im Jahr 1905). Durch den Übergang zur bundesstaatlichen Verfassung (1920/1925) trat, da das Gemeindewesen in die Gesetzgebungs- und Vollziehung der Länder fiel, an die Stelle eines k. k. Ministeriums die Landesregierung. Konsequenterweise wurde im Jahr 1926 eine landesgesetzliche Regelung getroffen,[4] wonach die Änderung des Namens einer Ortsgemeinde über deren Ansuchen von der Landesregierung bewilligt werden konnte, wenn der neue Name nicht mit dem Namen einer anderen Ortsgemeinde oder einer Katastralgemeinde in Österreich gleichlautend oder so ähnlich war, dass er zur Verwechslung führen würde. Diese Regelung fand wiederum in ähnlicher Umschreibung Eingang in § 4 der Gemeindeordnung 1936[5], in § 2 der Gemeindeordnung 1956, die mehrmals wiederverlautbart wurde, und in die geltende Salzburger Gemeindeordnung 2019.
Von 1926 bis 2019 forderte das Gesetz das Vorliegen eines "wichtigen Grundes" für die Änderung, nach der geltenden Gesetzeslage hingegen darf die Genehmigung der Änderung nur aus entgegenstehenden "öffentlichen Rücksichten" versagt werden.
Auf die im Vorigen dargestellten gesetzlichen Bestimmungen waren die Kundmachungen über die Änderungen von Gemeindenamen aus der Zeit vor 1938 und ab 1948 gestützt.
Die Namensrückänderungen von 1946 und 1950 fallen insofern aus dem Rahmen, als in diesen Kundmachungen ohne Berufung auf eine gesetzliche Grundlage ausgesprochen wurde, dass die umbenennenden Verordnungen außer Kraft getreten seien. Als dem Grunde nach angewendete Rechtsgrundlage kommt jene verfassungsgesetzliche Bestimmung vom 1. Mai 1945 in Betracht, wonach "Gesetze und Verordnungen sowie alle einzelnen Bestimmungen in solchen Rechtsvorschriften, die mit dem Bestand eines freien und unabhängigen Staates Österreich oder mit den Grundsätzen einer echten Demokratie unvereinbar sind, die dem Rechtsempfinden des österreichischen Volkes widersprechen oder typisches Gedankengut des Nationalsozialismus enthalten", aufgehoben wurden[6]. Dies würde bedeuten, dass die in der Umbenennung von "Pfarrwerfen" in "Dorfwerfen", von "St. Johann im Pongau" in "Markt Pongau" und von "Mariapfarr" in "Marienpichl" zum Ausdruck kommende kirchenfeindliche Tendenz als "typisches Gedankengut des Nationalsozialismus" angesehen wurde.
Namensänderungen chronologisch
- 1905: Wildbadgastein wird Badgastein[7] (1995: Bad Gastein[8])
- 1907: Thurnberg wird Puch[9] (1951: Puch bei Hallein[10])
- 1912: Taxen wird Eben im Pongau[11]
- 1929: Neukirchen im Pinzgau wird Neukirchen am Großvenediger[12]
- 1930: Saalfelden wird Saalfelden am Steinernen Meer[13]
- 1932: Dienten wird Dienten am Hochkönig[14]
- 1932: Bruck im Pinzgau wird Bruck an der Großglocknerstraße[15]
- 1932: Fusch wird Fusch an der Großglocknerstraße[15]
- 1932: Mühlbach wird Mühlbach am Hochkönig[16]
- 1932: Fuschl wird Fuschl am See[17]
- 1934: Bramberg im Pinzgau wird Bramberg am Wildkogel[18]
- 1936: Hofgastein wird Bad Hofgastein[19]
- 1938: Salzburger Eingemeindungs- und Verwaltungsgemeinschaftsordnung 1938:[20]
- Es werden Gemeinden zusammengelegt und dabei in der Regel der Name einer der bisherigen Gemeinden als künftiger Gemeindename festgelegt, jedoch mit Ausnahmen:
- Pfarrwerfen und Werfenweng werden zu Dorfwerfen zusammengelegt[20] (bis 1946)
- Mariapfarr, Pichl und Zankwarn werden zu Marienpichl zusammengelegt[20] (geändert 1950)
- 1939: St. Johann im Pongau wird Markt Pongau[21] (bis 1945)
- 1945: Markt Pongau wird wieder St. Johann im Pongau[22]
- 1946 Dorfwerfen wird (wieder) Pfarrwerfen[23]
- 1948: Siezenheim wird Wals-Siezenheim[24]
- 1950: Marienpichl wird (wieder) Mariapfarr[25]
- 1951: Altenmarkt wird Altenmarkt im Pongau[10]
- 1951: Annaberg wird Annaberg im Lammertal[10]
- 1951: Berndorf wird Berndorf bei Salzburg[10]
- 1951: Golling wird Golling an der Salzach[10]
- 1951: Henndorf wird Henndorf am Wallersee[10]
- 1951: Hof wird Hof bei Salzburg[10]
- 1951: Neumarkt wird Neumarkt am Wallersee[10]
- 1951: Nußdorf wird Nußdorf am Haunsberg[10]
- 1951: Oberndorf wird Oberndorf bei Salzburg[10]
- 1951: Puch wird Puch bei Hallein[10]
- 1951: St. Andrâ wird St. Andrä im Lungau[10]
- 1951: St. Georgen wird St. Georgen bei Salzburg[10]
- 1951: St. Margarethen wird St. Margarethen im Lungau[10]
- 1951: St. Michael wird St. Michael im Lungau[10]
- 1951: St. Veit wird St. Veit im Pongau[10]
- 1951: Scheffau wird Scheffau an der Lammer[10] (bis 1970)
- 1951: Schwarzach wird Schwarzach im Pongau[10]
- 1952: St. Kolomann wird St. Koloman[26]
- 1952: Thomathal wird Thomatal[26]
- 1960: Rußbach wird Rußbach am Paß Gschütt[27]
- 1967: Alm wird Maria Alm am Steinernen Meer[28]
- 1970: Scheffau an der Lammer wird Scheffau am Tennengebirge[29]
- 1970: St. Martin bei Hüttau wird St. Martin am Tennengebirge[30]
- 1974: Die Gemeinden Seekirchen-Markt und Seekirchen-Land werden am 1. Juli 1974 zur Marktgemeinde Seekirchen vereint[31]
- 1976: Obertrum wird Obertrum am See[32]
- 1977: Seekirchen wird Seekirchen am Wallersee[33]
- 1987: Saalbach wird Saalbach-Hinterglemm[34]
- 1992: Annaberg im Lammertal wird Annaberg-Lungötz[35]
- 1995: Badgastein wird Bad Gastein[8]
- 2002: Vigaun wird Bad Vigaun[36]
Quelle
- Eigenartikel von Karl Irresberger, wesentlich gestützt auf:
Kowanda, Jacqueline: Übersicht über die Veränderungen bei den Gerichtsbezirken/Bezirksgerichten und Katastralgemeinden im Land Salzburg ab 1850 (Stand: März 2007). In: Mitteilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde, 148, 2008, S. 237–294 (hier: S. 284–287)
Einzelnachweise
- ↑ § 2 der Salzburger Gemeindeordnung 2019 (GdO 2019) – Gesetz …, mit dem ein Gesetz über die Regelung des Gemeindewesens im Land Salzburg erlassen wird […] –, LGBl. Nr. 9/2020, Geltende Fassung, abgerufen am 27. April 2026.
- ↑ Salzburger Gemeindeordnung (GemO. 1956), LGBl. Nr. 54/1956, und deren Wiederverlautbarungen: Salzburger Gemeindeordnung 1965, LGBl. Nr. 63/1965, Salzburger Gemeindeordnung 1976, LGBl. Nr. 56/1976, und Salzburger Gemeindeordnung 1994 (GdO 1994), LGBl. Nr. 107/1994.
- ↑ Gemeinde-Ordnung für das Herzogthum Salzburg, LGBl. Nr. 7/1864, Anlage I, idF Nr. 26/1868, : Nr. 25/1897, und Nr. 18/1898.
- ↑ § 3 des Gesetzes vom 19. November 1926 über die Erhebung einer Ortsgemeinde zu einem Markte oder zu einer Stadt, die Berechtigung zur Führung von Wappen durch Gemeinden und die Aenderung des Namens von Gemeinden, LGBl. Nr. 11/1926.
- ↑ Gemeindeordnung 1936 für das Land Salzburg mit Ausnahme der Landeshauptstadt, LGBl. Nr. 23/1936
- ↑ § 1 des Verfassungsgesetzes vom 1. Mai 1945 über die Wiederherstellung des Rechtslebens in Österreich (Rechts-Überleitungsgesetz – R-ÜG), StGBl. Nr. 6/1945.
- ↑ Kundmachung vom 1. Oktober 1905, LGBl. Nr. 48/1905.
- ↑ 8,0 8,1 Kundmachung vom 27. November 1995, LGBl. Nr. 137/1995.
- ↑ Kundmachung vom 12. Februar 1907, LGBl. Nr. 16/1907.
- ↑ 10,00 10,01 10,02 10,03 10,04 10,05 10,06 10,07 10,08 10,09 10,10 10,11 10,12 10,13 10,14 10,15 10,16 10,17 Kundmachung vom 6. April 1951, LGBl. Nr. 24/1951.
- ↑ Kundmachung vom 26. Mai 1912, LGBl. Nr. 23/1912.
- ↑ Kundmachung vom 4. Jänner 1929, LGBl. Nr. 18/1929.
- ↑ Kundmachung vom 9. Juli 1930, LGBl. Nr. 50/1930.
- ↑ Kundmachung vom 14. Mai 1932, LGBl. Nr. 55/1932.
- ↑ 15,0 15,1 Kundmachung vom 3. August 1932, LGBl. Nr. 78/1932.
- ↑ Kundmachung vom 27. Juni 1932, LGBl. Nr. 70/1932.
- ↑ Kundmachung vom 24. November 1932, LGBl. Nr. 95/1932.
- ↑ Kundmachung vom 14. Mai 1934, LGBl. Nr. 67/1934.
- ↑ Verordnung vom 19. August 1936, LGBl. Nr. 127/1936.
- ↑ 20,0 20,1 20,2 Verordnung vom 23. November 1938, LGBl. Nr. 31/1938.
- ↑ Verordnung vom 23. August 1939, LGBl. Nr. 52/1939.
- ↑ Kundmachung vom 24. Dezember 1945, LGBl. Nr. 13/1945.
- ↑ Kundmachung vom 29. März 1946, LGBl. Nr. 15/1946.
- ↑ Kundmachung vom 20. Mai 1948, LGBl. Nr. 23/1948.
- ↑ Kundmachung vom 11. September 1950, LGBl. Nr. 62/1950.
- ↑ 26,0 26,1 Kundmachung vom 29. April 1952, LGBl. Nr. 26/1952.
- ↑ Kundmachung vom 25. Oktober 1960, LGBl. Nr. 73/1960.
- ↑ Kundmachung vom 6. März 1967, LGBl. Nr. 22/1967.
- ↑ Kundmachung vom 22. Jänner 1970, LGBl. Nr. 23/1970.
- ↑ Kundmachung vom 5. November 1970, LGBl. Nr. 105/1970.
- ↑ Landesgesetzblatt für das Land Salzburg vom 30. April 1973
- ↑ Kundmachung vom 26. April 1976, LGBl. Nr. 48/1976.
- ↑ Kundmachung vom 19. Dezember 1977, LGBl. Nr. 10/1978.
- ↑ Kundmachung vom 30. März 1987, LGBl. Nr. 28/1987.
- ↑ Kundmachung vom 8. Jänner 1992, LGBl. Nr. 12/1992.
- ↑ Kundmachung vom 13. Juni 2002, LGBl. Nr. 58/2002.