Politische Geschichte Salzburgs im 19. Jahrhundert: Unterschied zwischen den Versionen

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Das '''Herzogtum Salzburg''' bestand von [[1816]] bis [[1849]].  
[[Datei:Karte Österreich 1807.jpg|thumb|"Charte vom Erzherzogthum Oesterreich, den Herzogthümern Steyermark, Salzburg, Kärnthen und Krain" [[1807]].]]
Dieser Artikel beschreibt die politischen, territorialen und staatsrechtlichen Entwicklungen '''Salzburgs im 19. Jahrhundert''' und zeichnet den Weg vom [[Kurfürstentum Salzburg|Kurfürstentum]] über den [[Salzachkreis]] bis zum Herzogtum Salzburg nach, das ab 1849 als eigenständiges [[Habsburgermonarchie#Kronländer|Kronland der Habsburgermonarchie]] bestand.


===Übersicht===
===1803–1805: Salzburg, ein Kurfürstentum ===
Salzburg, das bis [[1803]] unter der Herrschaft seiner [[Salzburger Erzbischöfe|Erzbischöfe]] gestanden war, wurde 1803 säkularisiert und in ein weltliches Kurfürstentum umgewandelt. Salzburg und zunächst auch die Gebiete von Passau und das [[Berchtesgadener Land]] kamen zum Kaisertum Österreich. Aber schon im Frieden zu Preßburg [[1805]] fiel Passau an Bayern. Großherzog [[Ferdinand III.]], der seit [[1803]] Salzburg regierte, nachdem er aus der Toskana, Italien, flüchten musste, wurde dafür durch das Großherzogtum Würzburg entschädigt.  
:'' Hauptartikel [[Kurfürstentum Salzburg]]
Schon im zwischen [[Frankreich]] und Kaiser [[Franz II./I.]] geschlossenen Pariser Vertrag vom [[26. Dezember]] [[1802]] war vereinbart worden, dass Erzherzog-Großherzog [[Ferdinand III. von Toskana]], Bruder des Kaisers, als Entschädigung für den Verlust der [[Italien#Die Österreicher in der Toskana|Toskana]] andere Gebiete erhalten sollte. Die Durchführung der Verträge von Lunéville und Paris ([[Frankreich]]) erfolgte im "Reichsdeputationshauptschluss" von [[1803]]. Dabei wurde das Kurfürstentum Salzburg – das jedoch seine Exklave [[Mühldorf am Inn]] in Bayern verlor – mit dem [[Hochstift Passau]], [[Hochstift Eichstätt]] und der [[Fürstpropstei Berchtesgaden]] Ferdinand zugleich mit der Kurfürstenwürde zugesprochen.


Durch den Wiener Frieden von [[1809]] wurde Salzburg zunächst kurzzeitig französisch, dann [[1810]], kam es zu Bayern. Erst mit dem Pariser Frieden von [[1814]] kam Salzburg endgültig zu Österreich, allerdings ohne die Gebiete am linken Salzachufer im Flachgau, den [[Rupertiwinkl]], der wie auch Berchtesgaden bei Bayern blieb. [[1824]] wurde das Erzbistum wieder hergestellt.  
Salzburg, das bis 1803 unter der Herrschaft seiner [[Fürsterzbischöfe]] gestanden war, wurde 1803 [[Säkularisation|säkularisiert]] (also von einem geistlichen in ein weltliches Fürstentum umgewandelt). Am [[11. Februar]] 1803 dankte Fürsterzbischof [[Hieronymus Graf Colloredo]] als letzter Landesfürst ab, vier Tage später trat der nunmehrige Kurfürst Ferdinand die Herrschaft in Salzburg an. Zusammen mit den ebenfalls säkularisierten Fürstentümern [[Berchtesgadener Land|Berchtesgaden]] (vorher Fürstpropstei), (einem Teil des) Hochstifts Passau und Hochstifts Eichstätt (vorher Fürstbistümer) wurde Salzburg unter die Herrschaft des Erzherzogs gestellt. Dessen Bruder, der römisch-deutsche Kaiser Franz II./I., erhob das Kurfürstentum Salzburg im Juli 1803 darauf zum Herzogtum.<ref>"Kurfürst" war eine reichsrechtliche Funktion, die zu dem Herrschertitel "König", Herzog" usw. hinzutrat und protokollarisch zwischen König und Herzog stand; sie ersetzte die Einordnung des Territoriums als Königreich, Herzogtum, Fürstentum usw. nicht.</ref>


Das [[Salzburg (Bundesland)|Salzburger Land]] bildete unter dem Titel eines Herzogtums (mit Ausnahme einiger zu Tirol geschlagener Bezirke) den Salzachkreis des ''Landes Österreich ob der Enns'', bis es [[1849]] zu einem selbstständigen Kronland erhoben wurde. Aus ihm entstand 1918 das Bundesland Salzburg.
Die Regierungszeit des Kurfürsten begann vielversprechend und war z. B. mit der Errichtung einer [[Medizinische Fakultät in Salzburg|medizinischen Fakultät]] in Salzburg verbunden. Doch schon nach 2&nbsp;½ Jahren fiel Salzburg an das [[Kaisertum Österreich]] (als kleine Entschädigung für die Gebietsverluste, die Österreich nach der verlorenen Schlacht von Austerlitz<ref>"Dreikaiserschlacht"; in [[Tschechien#Mähren|Mähren]], 1805.</ref>, hinnehmen musste). Kurfürst Ferdinand wurde dafür mit dem Großherzogtum Würzburg entschädigt, das er allerdings ebenfalls nur wenige Jahre regieren durfte.


===1803 bis 1816===
=== 1806–1807: Salzburg unter österreichischer Verwaltung (kein funktionierendes Herzogtum) ===
Nach Jahrhunderten einer konstanten geistlichen Herrschaft wurde Salzburg zu einem Spielball der europäischen Politik. Zunächst bildete es mit Passau, Eichstätt und Berchtesgaden ein Kurfürstentum, mit dem Großherzog [[Ferdinand III.]], der Bruder von Kaiser Franz II., für den Verlust der Toskana entschädigt wurde.  
Durch den Frieden von Pressburg wurde das Kurfürstentum Salzburg mit der [[Fürstpropstei Berchtesgaden]] am [[26. Dezember]] [[1805]] an Kaiser [[Franz II./I.]] von Österreich abgetreten (erste österreichische Herrschaft).<ref>[http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=pgs&datum=1805&size=45&page=413 ''Friedens-Tractat zwischen Ihrer römisch- und österreichisch-kaiserl. Majestät und dem Kaiser  der Franzosen, König von Italien. Geschlossen zu Preßburg am 26. Dezember''] 1805, Artikel X.</ref> Dieser Beschluss wurde mit [[1. Mai]] [[1806]] umgesetzt.


Nach positiven Anfängen der neuen Regierung, die zur Errichtung einer medizinischen Fakultät führten, fiel Salzburg schon drei Jahre später, [[1806]], an Österreich. Nur die exponierte Lage an der Grenze zu Bayern, einem Verbündeten Napoleons, sicherte damals den Fortbestand des Landes.
Kaiser Franz II./I. – zu jener Zeit noch römisch-deutscher Kaiser (Franz II. bis 1806), zugleich jedoch bereits Kaiser von Österreich (Franz I. ab [[1804]]) – nahm Salzburg und die Fürstpropstei Berchtesgaden durch Patent vom [[12. Februar]] 1806 feierlich in Besitz. Unklar blieb vorerst, ob Salzburg an ein anderes [[Habsburgermonarchie#Kronländer|Kronland]] angegliedert oder eine eigene [[Landesregierung]] erhalten sollte. Erst [[1807]] wurde entschieden das Salzburg nominell "Herzogtum" - aber ohne eigenständigen Herzog als Regenten - werden sollte, doch: 
* es gab keinen Herzog,
* die Verwaltung war österreichisch,
* der Titel hatte keine praktische Bedeutung,


[[1809]] wurde Salzburg von französischen Truppen besetzt. Auf Initiative des kampferprobten Kapuzinerpaters [[Joachim Haspinger]], eines Gefährten des Tiroler Bauernführers Andreas Hofer, griffen auch die Salzburger zu den Waffen. In den Kämpfen um den [[Pass Lueg]] zeichneten sich [[Joseph Struber]], der Wirt vom Stegenwald, [[Anton Wallner]] aus [[Krimml]] und [[Johann Panzl]] aus [[Mühlbach im Pinzgau]] mit ihren Schützen besonders aus.  
Für Salzburg und Berchtesgaden wurde aber erst 1807 eine eigene (gemeinsame) Landesregierung (mit Sitz in Salzburg) aufgestellt und dieser ein mit den übrigen österreichischen Länderstellen gleicher Wirkungskreis eingeräumt.<ref>Kaiserliches Patent vom 28. August 1807, [http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=pgs&datum=1807&page=368&size=45 PGS 7676.]</ref> Sie unterstand der vereinigten Hofkanzlei in [[Wien]]. Das in Justizsachen für Salzburg zuständige Appellationsgericht hatte seinen Sitz ebenfalls in Wien.


Nach dem Scheitern des Freiheitskampfes erpresste die französische Verwaltung unter Marschall Lefèbvre enorme Kontributionszahlungen aus dem völlig verarmten und verschuldeten Land.
Nur die exponierte Lage an der Grenze zum [[Königreich Bayern]], einem Verbündeten [[Napoleon]]s, sicherte damals den Fortbestand des Landes. Zu den bemerkenswerteren Regierungsmaßnahmen dieser wiederum kurzen Epoche gehörte die Einführung eines Ehegesetzes für Salzburg und Berchtesgaden.<ref>Kaiserliches Patent vom 13. April 1808, [http://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=pgs&datum=1808&size=45&page=191 PGS 7994.]</ref>


===Bayern verschleppten Wertgegenstände===
=== 1807–1810: Salzburg unter bayerischer Herrschaft ===
Die Machtergreifung durch den bayerischen König Max I. Joseph wurde [[1810]] in Salzburg freudig begrüßt. Kronprinz Ludwig residierte als Generalgouverneur des Inn- und Salzachkreises im [[Schloss Mirabell]], wo sein Sohn Otto, der spätere König von Griechenland geboren wurde.  
Bereits 1807 übernahm das Königreich Bayern die tatsächliche Herrschaft über Salzburg. Die Verwaltung erfolgte durch die kurfürstlich/königlich bayerische Landesregierung Salzburg.


Die zentralistischen Reformen des Grafen Montgelas, die auch in Salzburg rücksichtslos durchgezogen wurden und [[1810]] zur Aufhebung der [[Universität Salzburg|Universität]] führten, stießen jedoch auf wenig Gegenliebe. Als sich nach den Vereinbarungen von Ried ([[1813]]) für Bayern der Verlust Salzburgs abzeichnete, trachtete die Regierung noch rasch so viel wie möglich aus dem Land herauszupressen.  
=== 1810–1815: Bayrischer Salzachkreis ===
Durch den Wiener Frieden von [[1809]] kam Salzburg für ein paar Monate an [[Frankreich]], von dem es [[1810]] im [[Frankfurter Vertrag]] an das Königreich Bayern abgetreten wurde.


Nachdem schon [[Ferdinand III.|Kurfürst Ferdinand]], die Franzosen und die Österreicher Kunstgegenstände, Bibliotheken und Archivalien aus Salzburg verschleppt hatten, führten die Bayern die letzten Bestände fort. Öffentliche Gebäude wurden verschleudert und wertvolle Liegenschaften wie die [[Hofbräu Kaltenhausen|Hofbrauerei in Kaltenhausen]] und die Marmorsteinbrüche am [[Untersberg]], teilweise durch vordatierte Urkunden, in den Besitz der Wittelsbacher übertragen. Die Epoche der bayerischen Herrschaft hinterließ deshalb trotz ihres hoffnungsvollen Beginns in Salzburg einen bitteren Nachgeschmack.
=== 1816–1849: Salzburg als Salzburger Kreis ein Teil "Österreichs Ob der Enns"===
Nach dem Wiener Kongress kam Salzburg [[1816]] endgültig zu Österreich, allerdings ohne die Gebiete am linken [[Salzach]]ufer, den [[Rupertiwinkel]], der, wie auch die [[Fürstpropstei Berchtesgaden]], bei Bayern blieb. Der Kaiser von Österreich schlug daraufhin die bisher salzburgischen Gebiete des [[Zillertal]]s und des [[Brixental]]s dem Land [[Tirol]] zu. Damit erhielt das [[Salzburg (Bundesland)|Land Salzburg]] seinen noch heute bestehenden Gebietsumfang.


===Der oberösterreichischen Regierung unterstellt===
Salzburg bildete nun den [[Salzachkreis]] des Kronlandes [[Oberösterreich|Österreich ob der Enns]]. [[1849]] erhielt es den Status eines selbstständigen [[Kronland Salzburg|Kronlandes Salzburg]]. Aus dem Herzogtum entstand im November [[1918]] das [[Bundesland Salzburg]].
Auf dem Wiener Kongress war [[1816]] der Übergang Salzburgs an Österreich beschlossen worden. Mit dem [[Rupertiwinkel]] am linken Ufer der [[Salzach]] musste jedoch das wirtschaftlich wertvollste Gebiet an Bayern abgetreten werden. Das Gericht ltter mit dem Markt Hopfgarten, das [[Zillertal]] und Windischmatrei (heute [[Matrei]] in Osttirol) wurden zu Tirol geschlagen.  


Das völlig verschuldete und ausgeblutete Land Salzburg zierte zwar als "Herzogtum" den Titel des österreichischen Kaisers, verlor aber seine Selbstständigkeit und wurde als fünfter Kreis der obderennsischen (oberösterreichischen) Landesregierung in Linz unterstellt. Mit dem Verlust der Residenz wanderten die Hofbediensteten und Beamten ab, die Bevölkerung der Stadt ging von 16.000 Bewohner auf weniger als 12.000 zurück. Lustschlösser und Paläste verödeten und [[1818]] legte ein Brand den Stadtteil am rechten Salzachufer samt dem [[Schloss Mirabell]] in Schutt und Asche. Nach Missernten in den Jahren [[1814]] bis [[1816]] forderte eine große Hungersnot zahlreiche Todesopfer unter der Bevölkerung.
=== 1849–1918: Kronland Salzburg ===
[[Datei:Herzogtum Salzburg 1864.JPG|thumb|Landkarte des Herzogtums Salzburg 1864, vermutlich von Carl Christian Franz Radefeld (* 1788; † 1874). Karte kann stark vergrößert werden - bitte anklicken. Einige Bezeichnungen auf der Karte: Keeldendrf = [[Köstendorf]], Tannen-Gebirge = [[Tennengebirge]], Strobel = [[Strobl]], [[Krimml]] ist nicht eingezeichnet, Gasteiner Bad = [[Bad Gastein]], Goldeck = [[Goldegg]], Kuchel = [[Kuchl]], interessant, dass der [[Wolfgangsee]] bereits mit diesem Namen und nicht als "Abersee" eingetragen ist; Eigendorf = [[Eugendorf]];]]
:''Hauptartikel [[Kronland Salzburg]]
Kronland war ab [[4. August]]<ref>[https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=sch&datum=19250102&query=%22Maurus+Berndl%22&ref=anno-search&seite=4 ANNO], "[[Salzburger Chronik]]", Ausgabe vom 2. Jänner 1925, Seite 4 [https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=sch&datum=19250102&query=%22Maurus+Berndl%22&ref=anno-search&seite=4 ANNO], "Salzburger Chronik", Ausgabe vom 2. Jänner 1925, Seite 4</ref> 1849 die Bezeichnung für jedes der historischen Königreiche und Länder (Erzherzogtum, Herzogtümer, Grafschaften usw.), die das [[Kaisertum Österreich]] bildeten und denen die für Kronländer vorgesehene verfassungsrechtliche Eigenständigkeit zuerkannt war.<ref>vgl. die "[https://www.jku.at/fileadmin/gruppen/142/oktroyierte_Maerzverfassung.pdf oktroyierte Märzverfassung von 1849]", pdf</ref> Salzburg wurde daher auch von 1849 bis 1918 wieder Herzogtum genannt. Vorher war der Ausdruck "Erbländer" ("der österreichischen Monarchie" odgl.) gebräuchlich, da die Habsburger erbliche Herrscher der Königreiche usw. (im Gegensatz, bis 1806, zur durch Wahl erlangten Kaiserwürde) waren<ref>Quelle [[Benutzer:Karl Irresberger|Karl Irresberger]]</ref>. (Salzburg bzw. der Salzachkreis war vorher aber kein eigenes Erbland.)


===Salzburg wird zum Betteldorf===
== 1816 bis 1848: Der Salzachkreis als fünfter Kreis von Österreich ob der Enns ==
Der Beginn der österreichischen Herrschaft stand also unter keinem guten Stern. Die zentralistische Verwaltung des riesigen Kaiserstaates hatte ihrerseits für ein kleines Gebiet wie Salzburg kein Verständnis. Alle Bitten der Bürgerschaft um Wiederherstellung des Landes und der Landschaft, um Gewährung einer eigenen Landesregierung, um die Residenz eines kaiserlichen Prinzen in Salzburg und um Wiedererrichtung der [[Universität Salzburg|Universität]] verhallten ungehört, ebenso die Klagen, dass Salzburg "zu einem Betteldorf mit leeren Palästen herabgesunken" sei.  
=== Staatsrechtlicher Rahmen ===
Im Vertrag von [[Ried im Innkreis|Ried]] in [[Oberösterreich|Österreich ob der Enns]] ([[1813]]) war die Grenzziehung zwischen dem Königreich Bayern und dem Kaisertum Österreich nur vage geregelt worden, nach massivem österreichischem Druck musste sich Bayern zum Vertrag von München (1816) bequemen.


Die Armut der Bevölkerung nahm zu und die intensive polizeiliche Überwachung und Bespitzelung in der Zeit des Vormärz ([[1816]] - [[1848]]) unterdrückte alle politischen Regungen. Das Bürgertum zog sich ins biedermeierliche Privatleben zurück und die Bevölkerung in Stadt und Land versank in tiefe Apathie und Hoffnungslosigkeit.
Am [[1. Mai]] [[1816]] kam Salzburg (mit einigen anderen Gebieten) daher endgültig zum Kaisertum Österreich. Das Königreich Bayern behielt das wirtschaftlich wertvolle Gebiet des Rupertiwinkels am linken Ufer der Salzach und ebenfalls das nur kurz zu Salzburg gehörige [[Berchtesgadener Land]].
"''Auf den Straßen und Plätzen der Stadt, deren es viele und schöne gibt, wächst Gras, so wenig werden sie betreten''" schrieb [[Franz Schubert]] anlässlich seines Besuchs in Salzburg [[1837]].


===Salzburg kämpft sich zurück===
Aus der Sicht der damaligen österreichischen Staatsdoktrin war dies im Wesentlichen die Wiederherstellung eines früheren (mit höherer Legitimität versehenen) Zustandes, sodass schon im Vertrag von München die Gebietsabtretung als "Rückgabe" des 1809 abgetretenen Herzogtums Salzburg bezeichnet wurde.
Erst die Aktivitäten des aus Tirol stammenden Advokaten [[Alois Fischer|Dr. Alois Fischer]], der später Landeschef von Oberösterreich wurde, und das Revolutionsjahr [[1848]] führten zu einem Umschwung. Salzburg wurde zu einem Kronland der Monarchie und erhielt – verzögert durch die Ära des Neoabsolutismus – [[1860]]/[[1861|61]] eigene Landesbehörden und Landstände.


Allerdings wurden sogleich das [[Zillertal]] und das [[Brixental]] (Gericht [[Itter]] mit dem Markt [[Hopfgarten im Brixental|Hopfgarten]]), die bisher zu Salzburg gehört hatten, dem [[Tirol|Land Tirol]] zugeschlagen. Damit war der Gebietsstand erreicht, der bis heute (von kleinen Grenzbereinigungen im Gefolge von Flussregulierungen udgl.) unverändert geblieben ist.


Das Land wurde als fünfter Kreis von ''Österreich ob der Enns'' (Oberösterreich) und der Landesregierung in [[Linz]] unterstellt. Nur dem Namen nach führte dieser Salzachkreis auch den Titel eines Herzogtums Salzburg weiter. Alle Bitten der Bürgerschaft um Gewährung einer eigenen [[Landesregierung]], um die [[Residenz]] eines kaiserlichen Prinzen in Salzburg und um Wiedererrichtung der [[Universität Salzburg|Universität]] verhallten ungehört, ebenso die Klagen, dass Salzburg "zu einem Betteldorf mit leeren Palästen herabgesunken" sei. Die zentralistische Verwaltung des riesigen Kaiserstaates hatte für ein kleines Gebiet wie Salzburg kein Verständnis.


==Quelle==
Aufgeschlossener war der Kaiser gegenüber dem Wunsch nach Wiedererrichtung der [[Hohe Salzburger Landschaft|Hohen Salzburger Landschaft]], zumal die Deutsche Bundesakte die Einführung landständischer Verfassungen in allen Bundesstaaten (der Kaiser von Österreich gehörte dem Deutschen Bund mit allen seinen vormals zum ''Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation'' zählenden Besitzungen an) vorsah. Dies wurde aber von der Landesregierung von Österreich ob der Enns hintertrieben. Die Entscheidung, ob Salzburg eigene Landstände erhalten oder ob Vertreter Salzburgs in die Landstände Österreichs ob der Enns aufgenommen – und Salzburg damit seine verfassungsrechtliche Eigenständigkeit verlieren – sollte, blieb bis 1848 in Schwebe.
 
=== Salzburg als Betteldorf ===
:''Hauptartikel [[Salzburg - vom Betteldorf zum reich gesegneten Land]]
Der Beginn der österreichischen Herrschaft stand für Salzburg unter keinem guten Stern: Mit dem Verlust der [[Residenz]]funktion wanderten die Hofbediensteten und Beamten ab, die Bevölkerung der Stadt ging von 16&nbsp;000 auf weniger als 12&nbsp;000 Bewohner zurück. Lustschlösser und Paläste verödeten.
 
Nach Missernten in den Jahren [[1814]] bis 1816 forderte eine große Hungersnot zahlreiche Todesopfer unter der Bevölkerung. [[1818]] legte ein [[Stadtbrand Salzburg 1818|Brand]] den Stadtteil am [[Altstadt (rechtes Salzachufer)|rechten Salzachufer]] samt dem [[Schloss Mirabell]] in Schutt und Asche.
 
Die Armut der Bevölkerung nahm zu und die intensive polizeiliche Überwachung und Bespitzelung in der Zeit des Vormärz ([[1815]] - [[1848]]) unterdrückte alle politischen Regungen. Das [[Bürger der Stadt Salzburg|Bürgertum]] zog sich ins [[biedermeier]]liche Privatleben zurück und die Bevölkerung in Stadt und Land versank in tiefe Apathie und Hoffnungslosigkeit. "Auf den Straßen und Plätzen der Stadt, deren es viele und schöne gibt, wächst Gras, so wenig werden sie betreten", schrieb [[Franz Schubert]] anlässlich seines Besuchs in Salzburg [[1825]].
 
=== Salzburg kämpft sich zurück ===
Erst die Aktivitäten des aus Tirol stammenden Advokaten Dr. [[Alois Fischer]], der später Landespräsident von [[Oberösterreich]] wurde, und das Revolutionsjahr [[1848]] führten zu einem Umschwung. Salzburg wurde zu einem Kronland der Monarchie und erhielt – verzögert durch die Ära des Neoabsolutismus – [[1860]]–[[1861]] eigene Landesbehörden und Landstände.
 
Übergeordnete Behörden wie die Bundesbahndirektion, das Oberlandesgericht und die [[Post- und Telegraphendirektion für Salzburg]], die ihren Sitz in Linz hatten bzw. noch haben, erinnerten lange an die Zeit als fünfter Kreis von Oberösterreich, die von den Salzburgern als tiefe Erniedrigung empfunden wurde. Der Weg nach Österreich war steinig und entbehrungsreich.
 
== 1848 bis 1918: Salzburg als selbstständiges Kronland  ==
 
[[File:Wappen Herzogtum Salzburg.png|thumb|Das Wappen des selbständigen Kronlandes Salzburg.]]
 
Die Revolution des Jahres 1848 lenkte die Bestrebungen, die Hohe Salzburger Landschaft wieder zu errichten, in ein Verlangen nach Einrichtung Salzburgs als selbständiges Kronland mit eigenem Landtag und eigener [[Landesregierung]] um.
 
Der Rechtsanwalt Dr. Alois Fischer, der entschiedene Betreiber dieser Entwicklung, wurde Reichstagsabgeordneter und Ende 1848 Statthalter von Oberösterreich (!) und förderte auch in diesen Funktionen die Trennung Salzburgs von Oberösterreich.
 
Schon im Reichstag wurden durch den Kremsierer Verfassungsentwurf die Weichen in Richtung eines eigenständigen Landes gestellt. Als Kaiser [[Franz Joseph I.]] den Reichstag auflöste und am [[4. März]] 1849 die sogenannte oktroyierte Märzverfassung erließ, sah diese das Herzogtum Salzburg als eigenes Kronland vor. Auch diese Verfassung kam bis zu ihrer ersatzlosen Aufhebung (Silvesterpatent von [[1851]]) nicht zur vollen Wirksamkeit, auf ihrer Grundlage wurden aber die Länder neu organisiert.
 
Mit [[1. Jänner]] [[1850]] trat die neue "Organisation der politischen Verwaltungsbehörden im Kronlande Salzburg in Kraft". An die Spitze der neuen politischen Landesbehörde berief der Kaiser als Statthalter [[Friedrich Graf Herberstein]]. Dem Statthalter waren drei [[Bezirkshauptmannschaft]]en untergeordnet.
 
Eine eigentliche Landesautonomie mit einem – ständisch zusammengesetzten – [[Landtag]], der an der monarchischen Gesetzgebung teil hatte, und einer gewählten Landesregierung entwickelte sich erst ab [[1860]].
 
=== Gesellschaft und Politik ===
Das bürgerliche Selbstbewusstsein kam in großen Festen (z. B. den [[Salzburger Mozartfest]]en) und in zahlreichen Vereinsgründungen, darunter der der [[Internationale Stiftung Mozarteum|Internationalen Stiftung Mozarteum]] ([[1880]]), zum Ausdruck.
 
Seit [[1870]] formierten sich die politischen Parteien, unter denen die Konservativen und die Liberalen dominierten. Der Liberalismus alter Prägung wurde jedoch am Ende des [[19. Jahrhundert]]s zunehmend von einem radikalen [[Deutschnationalismus]] und [[Antisemitismus]] abgelöst.
 
=== Der Wirtschaftsaufschwung der Stadt Salzburg ===
Die Eröffnung der [[Westbahnstrecke|Kaiserin-Elisabeth-Westbahn]] im Jahr 1860, die Salzburg mit Wien und [[München]] verband, führte zu einem wirtschaftlichen Aufschwung. Als Kaiser Franz Joseph I. im selben Jahr Salzburg als Festung aufließ und die [[Befestigung der Stadt Salzburg|Bastionen]], die bis dahin die Stadt wie ein Korsett eingeschnürt hatten, der Bürgerschaft schenkte, setzte ein wirtschaftlicher Aufschwung ein. Der Eisenbahnunternehmer [[Karl Freiherr von Schwarz]] führte die [[Salzachregulierung|Regulierung der Salzach]] durch und nahm den Bau der "[[Neustadt]]" am rechten Salzachufer in Angriff.
 
Mit der [[Elisabeth-Vorstadt]] und [[Riedenburg]] entstanden bevölkerungsstarke neue Stadtteile. Auch die damaligen Umgebungsgemeinden [[Gnigl (Gemeinde)|Gnigl]] und [[Maxglan (Gemeinde)|Maxglan]] wuchsen sehr stark an.
 
== Literatur ==
* [[Benedikt Pillwein|Pillwein, Benedikt]]: "Herzogthum Salzburg oder der Salzburger Kreis", Linz, 1839, [https://books.google.at/books?id=N7W2AAAAIAAJ&pg=PA308&lpg=PA308&dq=%229.+Februar%22+Admont&source=bl&ots=vdXwMRtl8b&sig=t6GWJK2OqfUkw1_CcDTH4JLg1gg&hl=de&sa=X&ei=8m7YVLC4I4_taPG1gtAF&redir_esc=y#v=onepage&q=%229.%20Februar%22%20Admont&f=false im Internet zum Nachlesen]
 
== Karten ==
* [[Herzogthum Salzburg nach besten und zuverlässigen Hilfsmittel verfasst]] ([[1818]]) von [[Tranquillo Mollo]]
 
== Weblinks ==
* [https://gallica.bnf.fr/ark:/12148/bpt6k95781s.zoom.f442.pagination Vertrag von Paris (über die Entschädigung Großherzog Ferdinands insbesondere mit Eichstätt) (französisch)]
* [https://gallica.bnf.fr/ark:/12148/bpt6k95781s.zoom.f626.pagination Vertrag von Lunéville (französisch)]
* [https://www.heraldica.org/topics/france/napoltexts.htm#pressburg Vertrag von Preßburg (französisch)]
* [https://fr.wikisource.org/wiki/Trait%C3%A9_de_Vienne_(1815) Wiener Kongressakte (französisch)]
* [https://de.wikipedia.org/wiki/Bundesakte Die deutsche ''Bundesakte'' auf Wikipedia]
* [https://www.deutsche-schutzgebiete.de/kuk_salzburg.htm www.deutsche-schutzgebiete.de] Geschichte und alte Ansichten
 
== Quellen ==
* [[Geschichte des Landes, Teil 2]]
* [[Geschichte des Landes, Teil 2]]
* [http://deutsche-schutzgebiete.de/kuk_salzburg.htm Deutsche Schutzgebiete]
* [[Peter Putzer|Putzer, Peter]]: ''Salzburgs rechtliche Stellung im Staatsverband der Habsburgermonarchie'', in: [[Heinz Dopsch]], [[Hans Spatzenegger (Publizist)|Hans Spatzenegger]] (Hrsg.): ''Geschichte Salzburgs, Stadt und Land'' [[Verlag Anton Pustet]], Salzburg 1988; ISBN 3-7025-0243-2. Band II/2, S. 1023 bis 1055, insb. 1023 ff, 1030–1039
* [https://deutsche-schutzgebiete.de/kuk_salzburg.htm Deutsche Schutzgebiete]
* [[Johannes Lang]]: Salzachkreis (1810-1816). In [https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Salzachkreis_%281810-1816%29 historisches-lexikon-bayerns.de]
 
== Einzelnachweise ==
<references/>
 
{{Epochen
|EPOCHE=Herzogtum Salzburg <br />1806–1809 <br />1816–1849 (gleichzeitig [[Salzburg als Teil Oberösterreichs]]) 
|VORHER= [[Salzburg unter Napoleon]] (1805–1806) <br /> [[Salzburg Teil des Königreichs Bayern]] (1810–1816)
|NACHHER= [[Salzburg Teil des Königreichs Bayern]] (1810–1816) <br /> [[Kronland Salzburg]]
}}


[[Kategorie:Habsburgermonarchie]]
[[Kategorie:Herzogtum Salzburg]]
[[Kategorie:Geschichte]]
[[Kategorie:Geschichte]]
[[Kategorie:Infrastruktur]]
[[Kategorie:Staatliche Organisation]]
[[Kategorie:Verwaltung]]
[[Kategorie:Verwaltung (Geschichte)]]

Aktuelle Version vom 1. Juli 2026, 15:50 Uhr

"Charte vom Erzherzogthum Oesterreich, den Herzogthümern Steyermark, Salzburg, Kärnthen und Krain" 1807.

Dieser Artikel beschreibt die politischen, territorialen und staatsrechtlichen Entwicklungen Salzburgs im 19. Jahrhundert und zeichnet den Weg vom Kurfürstentum über den Salzachkreis bis zum Herzogtum Salzburg nach, das ab 1849 als eigenständiges Kronland der Habsburgermonarchie bestand.

1803–1805: Salzburg, ein Kurfürstentum

Hauptartikel Kurfürstentum Salzburg

Schon im zwischen Frankreich und Kaiser Franz II./I. geschlossenen Pariser Vertrag vom 26. Dezember 1802 war vereinbart worden, dass Erzherzog-Großherzog Ferdinand III. von Toskana, Bruder des Kaisers, als Entschädigung für den Verlust der Toskana andere Gebiete erhalten sollte. Die Durchführung der Verträge von Lunéville und Paris (Frankreich) erfolgte im "Reichsdeputationshauptschluss" von 1803. Dabei wurde das Kurfürstentum Salzburg – das jedoch seine Exklave Mühldorf am Inn in Bayern verlor – mit dem Hochstift Passau, Hochstift Eichstätt und der Fürstpropstei Berchtesgaden Ferdinand zugleich mit der Kurfürstenwürde zugesprochen.

Salzburg, das bis 1803 unter der Herrschaft seiner Fürsterzbischöfe gestanden war, wurde 1803 säkularisiert (also von einem geistlichen in ein weltliches Fürstentum umgewandelt). Am 11. Februar 1803 dankte Fürsterzbischof Hieronymus Graf Colloredo als letzter Landesfürst ab, vier Tage später trat der nunmehrige Kurfürst Ferdinand die Herrschaft in Salzburg an. Zusammen mit den ebenfalls säkularisierten Fürstentümern Berchtesgaden (vorher Fürstpropstei), (einem Teil des) Hochstifts Passau und Hochstifts Eichstätt (vorher Fürstbistümer) wurde Salzburg unter die Herrschaft des Erzherzogs gestellt. Dessen Bruder, der römisch-deutsche Kaiser Franz II./I., erhob das Kurfürstentum Salzburg im Juli 1803 darauf zum Herzogtum.[1]

Die Regierungszeit des Kurfürsten begann vielversprechend und war z. B. mit der Errichtung einer medizinischen Fakultät in Salzburg verbunden. Doch schon nach 2 ½ Jahren fiel Salzburg an das Kaisertum Österreich (als kleine Entschädigung für die Gebietsverluste, die Österreich nach der verlorenen Schlacht von Austerlitz[2], hinnehmen musste). Kurfürst Ferdinand wurde dafür mit dem Großherzogtum Würzburg entschädigt, das er allerdings ebenfalls nur wenige Jahre regieren durfte.

1806–1807: Salzburg unter österreichischer Verwaltung (kein funktionierendes Herzogtum)

Durch den Frieden von Pressburg wurde das Kurfürstentum Salzburg mit der Fürstpropstei Berchtesgaden am 26. Dezember 1805 an Kaiser Franz II./I. von Österreich abgetreten (erste österreichische Herrschaft).[3] Dieser Beschluss wurde mit 1. Mai 1806 umgesetzt.

Kaiser Franz II./I. – zu jener Zeit noch römisch-deutscher Kaiser (Franz II. bis 1806), zugleich jedoch bereits Kaiser von Österreich (Franz I. ab 1804) – nahm Salzburg und die Fürstpropstei Berchtesgaden durch Patent vom 12. Februar 1806 feierlich in Besitz. Unklar blieb vorerst, ob Salzburg an ein anderes Kronland angegliedert oder eine eigene Landesregierung erhalten sollte. Erst 1807 wurde entschieden das Salzburg nominell "Herzogtum" - aber ohne eigenständigen Herzog als Regenten - werden sollte, doch:

  • es gab keinen Herzog,
  • die Verwaltung war österreichisch,
  • der Titel hatte keine praktische Bedeutung,

Für Salzburg und Berchtesgaden wurde aber erst 1807 eine eigene (gemeinsame) Landesregierung (mit Sitz in Salzburg) aufgestellt und dieser ein mit den übrigen österreichischen Länderstellen gleicher Wirkungskreis eingeräumt.[4] Sie unterstand der vereinigten Hofkanzlei in Wien. Das in Justizsachen für Salzburg zuständige Appellationsgericht hatte seinen Sitz ebenfalls in Wien.

Nur die exponierte Lage an der Grenze zum Königreich Bayern, einem Verbündeten Napoleons, sicherte damals den Fortbestand des Landes. Zu den bemerkenswerteren Regierungsmaßnahmen dieser wiederum kurzen Epoche gehörte die Einführung eines Ehegesetzes für Salzburg und Berchtesgaden.[5]

1807–1810: Salzburg unter bayerischer Herrschaft

Bereits 1807 übernahm das Königreich Bayern die tatsächliche Herrschaft über Salzburg. Die Verwaltung erfolgte durch die kurfürstlich/königlich bayerische Landesregierung Salzburg.

1810–1815: Bayrischer Salzachkreis

Durch den Wiener Frieden von 1809 kam Salzburg für ein paar Monate an Frankreich, von dem es 1810 im Frankfurter Vertrag an das Königreich Bayern abgetreten wurde.

1816–1849: Salzburg als Salzburger Kreis ein Teil "Österreichs Ob der Enns"

Nach dem Wiener Kongress kam Salzburg 1816 endgültig zu Österreich, allerdings ohne die Gebiete am linken Salzachufer, den Rupertiwinkel, der, wie auch die Fürstpropstei Berchtesgaden, bei Bayern blieb. Der Kaiser von Österreich schlug daraufhin die bisher salzburgischen Gebiete des Zillertals und des Brixentals dem Land Tirol zu. Damit erhielt das Land Salzburg seinen noch heute bestehenden Gebietsumfang.

Salzburg bildete nun den Salzachkreis des Kronlandes Österreich ob der Enns. 1849 erhielt es den Status eines selbstständigen Kronlandes Salzburg. Aus dem Herzogtum entstand im November 1918 das Bundesland Salzburg.

1849–1918: Kronland Salzburg

Landkarte des Herzogtums Salzburg 1864, vermutlich von Carl Christian Franz Radefeld (* 1788; † 1874). Karte kann stark vergrößert werden - bitte anklicken. Einige Bezeichnungen auf der Karte: Keeldendrf = Köstendorf, Tannen-Gebirge = Tennengebirge, Strobel = Strobl, Krimml ist nicht eingezeichnet, Gasteiner Bad = Bad Gastein, Goldeck = Goldegg, Kuchel = Kuchl, interessant, dass der Wolfgangsee bereits mit diesem Namen und nicht als "Abersee" eingetragen ist; Eigendorf = Eugendorf;
Hauptartikel Kronland Salzburg

Kronland war ab 4. August[6] 1849 die Bezeichnung für jedes der historischen Königreiche und Länder (Erzherzogtum, Herzogtümer, Grafschaften usw.), die das Kaisertum Österreich bildeten und denen die für Kronländer vorgesehene verfassungsrechtliche Eigenständigkeit zuerkannt war.[7] Salzburg wurde daher auch von 1849 bis 1918 wieder Herzogtum genannt. Vorher war der Ausdruck "Erbländer" ("der österreichischen Monarchie" odgl.) gebräuchlich, da die Habsburger erbliche Herrscher der Königreiche usw. (im Gegensatz, bis 1806, zur durch Wahl erlangten Kaiserwürde) waren[8]. (Salzburg bzw. der Salzachkreis war vorher aber kein eigenes Erbland.)

1816 bis 1848: Der Salzachkreis als fünfter Kreis von Österreich ob der Enns

Staatsrechtlicher Rahmen

Im Vertrag von Ried in Österreich ob der Enns (1813) war die Grenzziehung zwischen dem Königreich Bayern und dem Kaisertum Österreich nur vage geregelt worden, nach massivem österreichischem Druck musste sich Bayern zum Vertrag von München (1816) bequemen.

Am 1. Mai 1816 kam Salzburg (mit einigen anderen Gebieten) daher endgültig zum Kaisertum Österreich. Das Königreich Bayern behielt das wirtschaftlich wertvolle Gebiet des Rupertiwinkels am linken Ufer der Salzach und ebenfalls das nur kurz zu Salzburg gehörige Berchtesgadener Land.

Aus der Sicht der damaligen österreichischen Staatsdoktrin war dies im Wesentlichen die Wiederherstellung eines früheren (mit höherer Legitimität versehenen) Zustandes, sodass schon im Vertrag von München die Gebietsabtretung als "Rückgabe" des 1809 abgetretenen Herzogtums Salzburg bezeichnet wurde.

Allerdings wurden sogleich das Zillertal und das Brixental (Gericht Itter mit dem Markt Hopfgarten), die bisher zu Salzburg gehört hatten, dem Land Tirol zugeschlagen. Damit war der Gebietsstand erreicht, der bis heute (von kleinen Grenzbereinigungen im Gefolge von Flussregulierungen udgl.) unverändert geblieben ist.

Das Land wurde als fünfter Kreis von Österreich ob der Enns (Oberösterreich) und der Landesregierung in Linz unterstellt. Nur dem Namen nach führte dieser Salzachkreis auch den Titel eines Herzogtums Salzburg weiter. Alle Bitten der Bürgerschaft um Gewährung einer eigenen Landesregierung, um die Residenz eines kaiserlichen Prinzen in Salzburg und um Wiedererrichtung der Universität verhallten ungehört, ebenso die Klagen, dass Salzburg "zu einem Betteldorf mit leeren Palästen herabgesunken" sei. Die zentralistische Verwaltung des riesigen Kaiserstaates hatte für ein kleines Gebiet wie Salzburg kein Verständnis.

Aufgeschlossener war der Kaiser gegenüber dem Wunsch nach Wiedererrichtung der Hohen Salzburger Landschaft, zumal die Deutsche Bundesakte die Einführung landständischer Verfassungen in allen Bundesstaaten (der Kaiser von Österreich gehörte dem Deutschen Bund mit allen seinen vormals zum Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation zählenden Besitzungen an) vorsah. Dies wurde aber von der Landesregierung von Österreich ob der Enns hintertrieben. Die Entscheidung, ob Salzburg eigene Landstände erhalten oder ob Vertreter Salzburgs in die Landstände Österreichs ob der Enns aufgenommen – und Salzburg damit seine verfassungsrechtliche Eigenständigkeit verlieren – sollte, blieb bis 1848 in Schwebe.

Salzburg als Betteldorf

Hauptartikel Salzburg - vom Betteldorf zum reich gesegneten Land

Der Beginn der österreichischen Herrschaft stand für Salzburg unter keinem guten Stern: Mit dem Verlust der Residenzfunktion wanderten die Hofbediensteten und Beamten ab, die Bevölkerung der Stadt ging von 16 000 auf weniger als 12 000 Bewohner zurück. Lustschlösser und Paläste verödeten.

Nach Missernten in den Jahren 1814 bis 1816 forderte eine große Hungersnot zahlreiche Todesopfer unter der Bevölkerung. 1818 legte ein Brand den Stadtteil am rechten Salzachufer samt dem Schloss Mirabell in Schutt und Asche.

Die Armut der Bevölkerung nahm zu und die intensive polizeiliche Überwachung und Bespitzelung in der Zeit des Vormärz (1815 - 1848) unterdrückte alle politischen Regungen. Das Bürgertum zog sich ins biedermeierliche Privatleben zurück und die Bevölkerung in Stadt und Land versank in tiefe Apathie und Hoffnungslosigkeit. "Auf den Straßen und Plätzen der Stadt, deren es viele und schöne gibt, wächst Gras, so wenig werden sie betreten", schrieb Franz Schubert anlässlich seines Besuchs in Salzburg 1825.

Salzburg kämpft sich zurück

Erst die Aktivitäten des aus Tirol stammenden Advokaten Dr. Alois Fischer, der später Landespräsident von Oberösterreich wurde, und das Revolutionsjahr 1848 führten zu einem Umschwung. Salzburg wurde zu einem Kronland der Monarchie und erhielt – verzögert durch die Ära des Neoabsolutismus – 1860–1861 eigene Landesbehörden und Landstände.

Übergeordnete Behörden wie die Bundesbahndirektion, das Oberlandesgericht und die Post- und Telegraphendirektion für Salzburg, die ihren Sitz in Linz hatten bzw. noch haben, erinnerten lange an die Zeit als fünfter Kreis von Oberösterreich, die von den Salzburgern als tiefe Erniedrigung empfunden wurde. Der Weg nach Österreich war steinig und entbehrungsreich.

1848 bis 1918: Salzburg als selbstständiges Kronland

Das Wappen des selbständigen Kronlandes Salzburg.

Die Revolution des Jahres 1848 lenkte die Bestrebungen, die Hohe Salzburger Landschaft wieder zu errichten, in ein Verlangen nach Einrichtung Salzburgs als selbständiges Kronland mit eigenem Landtag und eigener Landesregierung um.

Der Rechtsanwalt Dr. Alois Fischer, der entschiedene Betreiber dieser Entwicklung, wurde Reichstagsabgeordneter und Ende 1848 Statthalter von Oberösterreich (!) und förderte auch in diesen Funktionen die Trennung Salzburgs von Oberösterreich.

Schon im Reichstag wurden durch den Kremsierer Verfassungsentwurf die Weichen in Richtung eines eigenständigen Landes gestellt. Als Kaiser Franz Joseph I. den Reichstag auflöste und am 4. März 1849 die sogenannte oktroyierte Märzverfassung erließ, sah diese das Herzogtum Salzburg als eigenes Kronland vor. Auch diese Verfassung kam bis zu ihrer ersatzlosen Aufhebung (Silvesterpatent von 1851) nicht zur vollen Wirksamkeit, auf ihrer Grundlage wurden aber die Länder neu organisiert.

Mit 1. Jänner 1850 trat die neue "Organisation der politischen Verwaltungsbehörden im Kronlande Salzburg in Kraft". An die Spitze der neuen politischen Landesbehörde berief der Kaiser als Statthalter Friedrich Graf Herberstein. Dem Statthalter waren drei Bezirkshauptmannschaften untergeordnet.

Eine eigentliche Landesautonomie mit einem – ständisch zusammengesetzten – Landtag, der an der monarchischen Gesetzgebung teil hatte, und einer gewählten Landesregierung entwickelte sich erst ab 1860.

Gesellschaft und Politik

Das bürgerliche Selbstbewusstsein kam in großen Festen (z. B. den Salzburger Mozartfesten) und in zahlreichen Vereinsgründungen, darunter der der Internationalen Stiftung Mozarteum (1880), zum Ausdruck.

Seit 1870 formierten sich die politischen Parteien, unter denen die Konservativen und die Liberalen dominierten. Der Liberalismus alter Prägung wurde jedoch am Ende des 19. Jahrhunderts zunehmend von einem radikalen Deutschnationalismus und Antisemitismus abgelöst.

Der Wirtschaftsaufschwung der Stadt Salzburg

Die Eröffnung der Kaiserin-Elisabeth-Westbahn im Jahr 1860, die Salzburg mit Wien und München verband, führte zu einem wirtschaftlichen Aufschwung. Als Kaiser Franz Joseph I. im selben Jahr Salzburg als Festung aufließ und die Bastionen, die bis dahin die Stadt wie ein Korsett eingeschnürt hatten, der Bürgerschaft schenkte, setzte ein wirtschaftlicher Aufschwung ein. Der Eisenbahnunternehmer Karl Freiherr von Schwarz führte die Regulierung der Salzach durch und nahm den Bau der "Neustadt" am rechten Salzachufer in Angriff.

Mit der Elisabeth-Vorstadt und Riedenburg entstanden bevölkerungsstarke neue Stadtteile. Auch die damaligen Umgebungsgemeinden Gnigl und Maxglan wuchsen sehr stark an.

Literatur

Karten

Weblinks

Quellen

Einzelnachweise

  1. ↑ "Kurfürst" war eine reichsrechtliche Funktion, die zu dem Herrschertitel "König", Herzog" usw. hinzutrat und protokollarisch zwischen König und Herzog stand; sie ersetzte die Einordnung des Territoriums als Königreich, Herzogtum, Fürstentum usw. nicht.
  2. ↑ "Dreikaiserschlacht"; in Mähren, 1805.
  3. ↑ Friedens-Tractat zwischen Ihrer römisch- und österreichisch-kaiserl. Majestät und dem Kaiser der Franzosen, König von Italien. Geschlossen zu Preßburg am 26. Dezember 1805, Artikel X.
  4. ↑ Kaiserliches Patent vom 28. August 1807, PGS 7676.
  5. ↑ Kaiserliches Patent vom 13. April 1808, PGS 7994.
  6. ↑ ANNO, "Salzburger Chronik", Ausgabe vom 2. Jänner 1925, Seite 4 ANNO, "Salzburger Chronik", Ausgabe vom 2. Jänner 1925, Seite 4
  7. ↑ vgl. die "oktroyierte Märzverfassung von 1849", pdf
  8. ↑ Quelle Karl Irresberger
vorher

Salzburg unter Napoleon (1805–1806)
Salzburg Teil des Königreichs Bayern (1810–1816)

Herzogtum Salzburg
1806–1809
1816–1849 (gleichzeitig Salzburg als Teil Oberösterreichs)
nachher

Salzburg Teil des Königreichs Bayern (1810–1816)
Kronland Salzburg