Joseph Mohr: Unterschied zwischen den Versionen

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==== Kindheit ====
==== Kindheit ====
[[Datei:Dom Salzburger Taufbecken.jpg|thumb|Taufbecken des Salzburger Doms]]
[[Datei:Dom Salzburger Taufbecken.jpg|thumb|Taufbecken des Salzburger Doms]]
Joseph Mohr kam zu Mittag des 11. Dezember 1792 auf die Welt, vermutlich im Armenhaus der [[Erzdiözese Salzburg]], [[Kaigasse]] 9, (heute [[Altstadthotel Weisse Taube|Hotel Weisse Taube]]), wo seine Mutter vorübergehend gewohnt hatte.<ref>Nach [[Salzburger Wochenspiegel]] sowie [[Blätter der Stille Nacht Gesellschaft]], Folge 23, Dezember 2014.</ref> Seine Mutter war die Strickerin Anna Schoiber, sein Vater der desertierte Musketier Franz Mohr aus [[Mariapfarr]]. Um 16:00 Uhr wurde er im [[Salzburger Dom]] von Stadtkaplan Johannes Wimbacher auf die Namen "Josephus Franciscus" getauft, als Taufpatin fungierte Franziska Zach, die den tatsächlichen Paten vertrat, den [[Abdecker]] und [[Scharfrichter]] [[Franz Joseph Wohlmuth]].  
Joseph Mohr kam zu Mittag des 11. Dezember 1792 auf die Welt. Als Geburtshaus wurde lange Zeit das Armenhaus der [[Erzdiözese Salzburg]], [[Kaigasse]] 9, (heute [[Altstadthotel Weisse Taube]]) vermutet, wo seine Mutter vorübergehend gewohnt hatte.<ref>Nach [[Salzburger Wochenspiegel]] sowie [[Blätter der Stille Nacht Gesellschaft]], Folge 23, Dezember 2014.</ref> Der Hinweis auf einem Plakat in einem Fenster beim Eingang des Altstadthotels, dass in diesem Haus vermutlich Mohr zur Welt gekommen sei, entspricht aber nicht mehr den Erkenntnissen der Forschungen der [[Stille Nacht Gesellschaft]]. In ihren [[Blätter der Stille Nacht Gesellschaft|Blättern der Stille Nacht Gesellschaft]], Ausgabe Dezember 2022, Seite 22, erwähnt Mag.<sup>a</sup><ref>{{magistra}}</ref> [[Renate Ebeling-Winkler]], Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats, dass Mohrs Geburtshaus nach wie vor unbekannt ist.


Joseph Mohr wuchs im Haus [[Steingasse]] 31 auf,<ref>Lange Zeit wurde angenommen, dass Joseph Mohr im "Noestlerhaus Nr. 427", der heutigen [[Steingasse]] Nr. 9, in es auch ein "Stille Nacht"-Museum gab, geboren wurde und aufwuchs</ref> wo seine Mutter mit vier weiteren Kindern alleinstehend lebte, bevor sie Franz Mohr ehelichte.
Seine Mutter war die Strickerin Anna Schoiber, sein Vater der desertierte Musketier Franz Moor (Schreibweise siehe Auszug Taufregister von Joseph Mohr) aus [[Mariapfarr]]. Um 16:00 Uhr wurde er im [[Salzburger Dom]] von Stadtkaplan Johannes Wimbacher auf die Namen "Josephus Franciscus" getauft, als Taufpatin fungierte Franziska Zach, die den tatsächlichen Paten vertrat, den [[Abdecker]] und [[Scharfrichter]] [[Franz Joseph Wohlmuth]].
 
Joseph Mohr wuchs im Haus [[Steingasse]] 31 auf, wo seine Mutter mit vier weiteren Kindern alleinstehend lebte, bevor sie Franz Mohr ehelichte. Lange Zeit wurde angenommen, dass Joseph Mohr im "Noestlerhaus Nr. 427", dem heutigen Haus [[Steingasse]] Nr. 9, in dem es auch ein "Stille Nacht"-Museum gab, geboren worden und aufgewachsen war.


==== Ausbildung und musikalische Begabung ====
==== Ausbildung und musikalische Begabung ====
Der Salzburger Domvikar [[Johann Nepomuk Hiernle]] förderte den jungen Joseph und ermöglichte ihm von [[1799]] bis [[1808]] den Besuch des [[Geschichte des Benediktiner-, Staats- und Akademischen Gymnasiums|Gymnasiums der Benediktiner]] (heute [[Akademisches Gymnasium]]). Von [[1808]] bis [[1810]] belegte Mohr philosophische Kurse am [[Lyzeum]] des [[Benediktinerstift Kremsmünster|Benediktinerstiftes Kremsmünster]] in [[Oberösterreich]], von [[1810]] bis [[1811]] am königlich Bayerischen [[Lyzeum Salzburg|Lyzeum in Salzburg]]<ref>Quelle [http://www.salzburgmuseum.at/index.php?id=323 www.salzburgmuseum.at Lebenslauf Joseph Mohr] sowie [[Klaus Petermayr]]: "Joseph Mohr in Kremsmünster und Altpernstein" in "[[Blätter der Stille Nacht Gesellschaft]]" 2018/1, S. 12–15.</ref>  
Der Salzburger Domvikar [[Johann Nepomuk Hiernle]] förderte den jungen Joseph und ermöglichte ihm von [[1799]] bis [[1808]] den Besuch des [[Geschichte des Benediktiner-, Staats- und Akademischen Gymnasiums|Gymnasiums der Benediktiner]] (heute [[Akademisches Gymnasium]]). Von [[1808]] bis [[1810]] belegte Mohr philosophische Kurse am [[Lyzeum]] des [[Benediktinerstift Kremsmünster|Benediktinerstiftes Kremsmünster]] in [[Oberösterreich]], von [[1810]] bis [[1811]] am königlich Bayerischen [[Lyzeum Salzburg|Lyzeum in Salzburg]]<ref>Quelle [http://www.salzburgmuseum.at/index.php?id=323 www.salzburgmuseum.at Lebenslauf Joseph Mohr] sowie [[Klaus Petermayr]]: "Joseph Mohr in Kremsmünster und Altpernstein" in "[[Blätter der Stille Nacht Gesellschaft]]" 2018/1, S. 12–15.</ref>  


Bald schon zeigte sich auch seine musikalische Begabung. Er trat als Sänger und Violinist bei musikalischen Aufführungen des Lyzeums und des [[Benediktiner-Erzabtei St. Peter|Benediktinerklosters St. Peter]] auf.  
Bald schon zeigte sich auch seine musikalische Begabung. Er trat als Sänger und Violinist bei musikalischen Aufführungen des Lyzeums und des [[Benediktinererzabtei St. Peter|Benediktinerklosters St. Peter]] auf.  


1811 trat er in das [[Priesterseminar]] in Salzburg ein, um an der [[Benediktineruniversität]] Theologie zu studieren. Seine Priesterweihe erhielt er am [[21. August]] [[1815]] durch den [[Passau]]er Weihbischof [[Kajetan Graf von Gaisruck]]. Die Vorliebe des jungen Priesters galt weiterhin der Musik.
1811 trat er in das [[Priesterseminar]] in Salzburg ein, um an der [[Benediktineruniversität]] Theologie zu studieren. Seine Priesterweihe erhielt er am [[21. August]] [[1815]] durch den [[Passau]]er Weihbischof [[Kajetan Graf von Gaisruck]]. Die Vorliebe des jungen Priesters galt weiterhin der Musik.


=== Mohr als Priester ===
=== Mohr als Priester ===
[[File:„Holder Knab’ im lockigten Haar“. Hochaltar Mariapfarr um 1500.jpg|thumb|Mohr sah diese Darstellung auf dem Hochaltar der [[Wallfahrtsbasilika zu Unserer Lieben Frau|Pfarrkirche von Mariapfarr]], es inspirierte ihn zu der Verszeile: "Holder Knab’ im lockigten Haar". Bild um 1500.]]
[[File:„Holder Knab’ im lockigten Haar“. Hochaltar Mariapfarr um 1500.jpg|thumb|Mohr sah diese Darstellung auf dem Hochaltar der [[Pfarr- und Wallfahrtsbasilika zu Unserer Lieben Frau|Pfarrkirche von Mariapfarr]], es inspirierte ihn zu der Verszeile: "Holder Knab’ im lockigten Haar". Bild um 1500.]]


Zunächst kam Mohr für einige Wochen als Aushilfe nach [[Ramsau bei Berchtesgaden]] (Salzburg war, bevor es endgültig an das [[Kaisertum Österreich]] kam, von [[1810]] bis [[1816]] zusammen mit der [[Propstei Berchtesgaden]] Teil [[Königreich Bayern|Königreichs Bayern]]). Dann trat er seine erste Dienststelle als Koadjutor im Heimatort seines Vaters in [[Mariapfarr]] im [[Lungau]] an. Dort lernte er vermutlich auch noch seinen Großvater kennen, der allerdings laut Eintragung im Sterbebuch am [[25. Jänner]] 1816 im hohen Alter von 86 Jahren verstarb. Während seiner Zeit in Mariapfarr (Oktober [[1815]] bis anfangs August [[1817]]) schrieb er das Gedicht, das zwei Jahre später als Textvorlage für das Lied "Stille Nacht! Heilige Nacht!" diente. Wie Dr. [[Stefan Trinkl]] bei seinen Recherchen über Pfarrer im [[Erzstift Salzburg]] anhand der Taufbücher von Mariapfarr  herausfand, hatte Joseph Mohr zwischen Herbst 1815 und Herbst 1817 insgesamt 48 Kinder im Lungau getauft.<ref>[https://www.facebook.com/photo/?fbid=3825825184381981&set=a.3163846723913167 facebook.com], Posting von Dr. Trinkl am 5. Oktober 2025</ref>
Zunächst kam Mohr für einige Wochen als Aushilfe nach [[Ramsau bei Berchtesgaden]] (Salzburg war, bevor es endgültig an das [[Kaisertum Österreich]] kam, von [[1810]] bis [[1816]] zusammen mit der [[Propstei Berchtesgaden]] Teil [[Königreich Bayern|Königreichs Bayern]]). Dann trat er seine erste Dienststelle als Koadjutor im Heimatort seines Vaters in [[Mariapfarr]] im [[Lungau]] an. Dort lernte er vermutlich auch noch seinen Großvater kennen, der allerdings laut Eintragung im Sterbebuch am [[25. Jänner]] 1816 im hohen Alter von 86 Jahren verstarb. Während seiner Zeit in Mariapfarr (Oktober [[1815]] bis anfangs August [[1817]]) schrieb er das Gedicht, das zwei Jahre später als Textvorlage für das Lied "Stille Nacht! Heilige Nacht!" diente. Wie Dr. [[Stefan Trinkl]] bei seinen Recherchen über Pfarrer im [[Erzstift Salzburg]] anhand der Taufbücher von Mariapfarr  herausfand, hatte Joseph Mohr zwischen Herbst 1815 und Herbst 1817 insgesamt 48 Kinder im Lungau getauft.<ref>[https://www.facebook.com/photo/?fbid=3825825184381981&set=a.3163846723913167 facebook.com], Posting von Dr. Trinkl am 5. Oktober 2025</ref>
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Der Dichter des "Stille Nacht!"-Lieds war bei der Obrigkeit nicht so schlecht angeschrieben, wie die meisten Biographen aufgrund der Beschwerden seines direkten Oberndorfer Chefs Georg Heinrich Nöstler anzunehmen geneigt sind. Der [[Dechant]] mit Sitz in [[St. Georgen bei Salzburg|St. Georgen]] stellte ihm ein gutes Zeugnis aus. Und in Salzburg muss er als wortgewaltig und theologisch versiert gegolten haben, weshalb er für den [[16. März]] [[1819]] als Fastenprediger im [[Salzburger Dom]] eingeladen wurde. "Joseph Mohr wurde als Fastenprediger gerade in den höchstrangigen Dom eingeladen, wo er getauft worden war – sein Taufort 1792 wurde zum ‚Tatort‘ seiner Fastenpredigt 1819!" meint [[Michael Neureiter (Politiker)|Michael Neureiter]], Präsident der [[Stille Nacht Gesellschaft]].
Der Dichter des "Stille Nacht!"-Lieds war bei der Obrigkeit nicht so schlecht angeschrieben, wie die meisten Biographen aufgrund der Beschwerden seines direkten Oberndorfer Chefs Georg Heinrich Nöstler anzunehmen geneigt sind. Der [[Dechant]] mit Sitz in [[St. Georgen bei Salzburg|St. Georgen]] stellte ihm ein gutes Zeugnis aus. Und in Salzburg muss er als wortgewaltig und theologisch versiert gegolten haben, weshalb er für den [[16. März]] [[1819]] als Fastenprediger im [[Salzburger Dom]] eingeladen wurde. "Joseph Mohr wurde als Fastenprediger gerade in den höchstrangigen Dom eingeladen, wo er getauft worden war – sein Taufort 1792 wurde zum ‚Tatort‘ seiner Fastenpredigt 1819!" meint [[Michael Neureiter (Politiker)|Michael Neureiter]], Präsident der [[Stille Nacht Gesellschaft]].


Neben dem damaligen Subprior P. [[Alois Stubhahn]] [[OSB]] des [[Benediktiner-Erzabtei St. Peter|Klosters St. Peter]], der bis [[1810]] [[Dekane der Theologischen Fakultät der Benediktineruniversität Salzburg|Dekan]] der [[Theologische Fakultät der Benediktineruniversität Salzburg|Theologischen Fakultät]] der [[Benediktineruniversität Salzburg]] war, neben dem [[Kapuziner]]-Guardian P. Bonus und neben P. [[Werigand Rettensteiner]], Chorregent von [[Benediktinerabtei Michaelbeuern|Michaelbeuern]] und mehrfacher Textdichter für seinen Freund [[Johann Michael Haydn]], wird auch "Herr Joseph Mohr, Koadjutor zu Österreichisch-Laufen" angeführt. Der erst 26jährige Oberndorfer Kooperator Joseph Mohr befand sich also in kompetenter Gesellschaft!
Neben dem damaligen Subprior P. [[Alois Stubhahn]] [[OSB]] des [[Benediktinererzabtei St. Peter|Klosters St. Peter]], der bis [[1810]] [[Dekane der Theologischen Fakultät der Benediktineruniversität Salzburg|Dekan]] der [[Theologische Fakultät der Benediktineruniversität Salzburg|Theologischen Fakultät]] der [[Benediktineruniversität Salzburg]] war, neben dem [[Kapuziner]]-Guardian P. Bonus und neben P. [[Werigand Rettensteiner]], Chorregent von [[Benediktinerabtei Michaelbeuern|Michaelbeuern]] und mehrfacher Textdichter für seinen Freund [[Johann Michael Haydn]], wird auch "Herr Joseph Mohr, Koadjutor zu Österreichisch-Laufen" angeführt. Der erst 26jährige Oberndorfer Kooperator Joseph Mohr befand sich also in kompetenter Gesellschaft!


Der missgünstige Pfarrprovisor Nöstler hatte ja Mohr beim Dechant in St. Georgen wie auch in der Salzburger Zentrale wegen seinem Lebenswandel und wegen fehlendem Fleiß im Studium wie in der Seelsorge angeklagt – Joseph Mohr singe "oft nicht erbauliche Lieder..." Damit scheint Nöstler den vorgesetzten Dechant in St. Georgen und die Salzburger Zentrale nicht nachhaltig beeindruckt zu haben - die ehrende Einladung zur Fastenpredigt im Dom ist ein Beleg dafür.
Der missgünstige Pfarrprovisor Nöstler hatte ja Mohr beim Dechant in St. Georgen wie auch in der Salzburger Zentrale wegen seinem Lebenswandel und wegen fehlendem Fleiß im Studium wie in der Seelsorge angeklagt – Joseph Mohr singe "oft nicht erbauliche Lieder..." Damit scheint Nöstler den vorgesetzten Dechant in St. Georgen und die Salzburger Zentrale nicht nachhaltig beeindruckt zu haben - die ehrende Einladung zur Fastenpredigt im Dom ist ein Beleg dafür.