Kapuzinerorden

Der Kapuzinerorden ist ein so genannter Minderbrüderorden des hl. Franziskus. In der Stadt Salzburg wurde um 1600 von Wolf Dietrich von Raitenau auf dem Kapuzinerberg ein Kapuzinerkloster erbaut.
Geschichte
Der Orden entstand aufgrund verschieden strenger Auslegungen der Regeln des hl. Franziskus in verschiedensten Reformbewegungen. Zwar schloss Papst Leo XIII. 1897 alle diese franziskanischen Reformbewegungen unter der Bezeichnung Ordo Fratrum Minorum (Orden der Minderen Brüder oder Franziskaner), aber der Kapuzinerorden (und auch die Minoriten) blieben eigenständig.
Nach der Gründung in Italien 1525 folgte schon 1528 die päpstliche Bestätigung, und 1574 erhielt der Orden die Erlaubnis, sich über Italien hinaus auszubreiten. Es war die Zeit von katholischen Reformen, die auch zu einem Priestermangel führten. So kamen Brüder aus dem italienischen Süden auch über die Alpen. Dieses sich über ganz Europa ausbreitende Netzwerk der Kapuziner brachte auch großes Vertrauen der Bevölkerung mit sich, das bis in Adelskreise reichte.
Die Entstehung der Tiroler Ordensprovinz und die Ankunft in Salzburg
Die Ausbreitung der Kapuziner nördlich der Alpen ist untrennbar mit der herausragenden Persönlichkeit des hl. Laurentius von Brindisi (* 1559; † 1619) verbunden. Als hochgebildeter Theologe und geschickter Diplomat trieb er ab den 1590er-Jahren die Expansion des Ordens im mitteleuropäischen Raum voran. Laurentius gründete Niederlassungen in strategisch wichtigen Städten wie Innsbruck, Salzburg, Bozen, Prag, Wien und Graz. Aus den ersten sieben Klöstern, die von der Venezianischen Mutterprovinz abgezweigt worden waren, entstand im Jahr 1605 die selbstständige Tiroler Kapuzinerprovinz, zu der das Salzburger Kloster gehörte. Der enge Bezug zu Tirol blieb über lange Zeiträume hinweg bestehen.
In die Erzdiözese Salzburg gelangten die Kapuziner im Spätsommer des Jahres 1596. Fürsterzbischof Wolf Dietrich von Raitenau verlangte nach tat kräftigen Ordensleuten, um der Ausbreitung der protestantischen Lehre entgegenzuwirken und die Bevölkerung im Geist der Katholischen Reform zu festigen. Am 9. September 1596 trafen die ersten drei Kapuzinerbrüder in der Salzburger Residenzstadt ein. Als Wohnstatt wies ihnen der Fürsterzbischof das auf dem Imberg gelegene St. Johannes-Kirchleinn für ihre Gottesdienste und das Benefiziatenhaus Imberg als Wohnungstätte.[1] Später kam das ehemalige Trompeterschlössl dazu. Als Wolf Dietrich jedoch daran dachte, den Brüdern ein großes und imposantes Klostergebäude zu errichten, regte sich bei den Kapuzinern heftiger Widerstand. Getreu ihrem Armutsgelübde protestierten sie energisch gegen den Prachtbau und drohten offen mit dem sofortigen Abzug aus Salzburg, sollte die Architektur nicht ihren Ordensstatuten angepasst werden. Der Fürsterzbischof lenkte schließlich ein, und der Bau wurde schlichter ausgeführt.
Am 31. Oktober 1599 bezog die Gemeinschaft das neue Klostergebäude, worauf am Folgetag die Benediktion der Klosterkirche zu Ehren des hl. Franziskus und des hl. Bonaventura stattfand.
Ihren Unterhalt erhielten die Kapuziner teilweise vom Salzburger Hof; den Rest mussten die Brüder gemäß ihrem Armutsgelübde durch das Sammeln von Almosen in der Bevölkerung erbetteln.
Aufgrund der vielen Ordenseintritte hatte sich die Provinz schon nach wenigen Jahrzehnten über elf Diözesen und 43 Niederlassungen ausgedehnt. Daher wurde 1668 die bayerische Kapuzinerprovinz abgetrennt. Organisatorische Nachbesserungen waren stets ein Politikum. So wollte beispielsweise der bayerische Kurfürst einige fränkische gegen Tiroler bzw. Salzburger Klöster eintauschen und fand dafür sogar kulinarische Argumente: Man sollte die Brüder nach Weinländern und Bierorten besser zusammenfassen: Es ist eine bekannte Sach, daß diejenigen, welche von Jugend auf des Biers gewohnt, als wie die Bayern und Salzburger gar selten in den hitzigen Weinländern dauern können, ohne daß sie nit bei Zeiten zu Krüppel werden und als solche in unsere Landsklöster zurückgeschickt werden müssen.
Seelsorge, Volkstümlichkeit und die Gegenreformation im Salzburger Land
Trotz ihrer eremitischen Wurzeln zeichneten sich die Kapuziner von Beginn an durch eine ausgeprägte Nähe zur Bevölkerung aus. Auf die Ratschläge der Kapuziner vertrauten selbst die Salzburger Landesfürsten in richtungsweisenden Entscheidungen. Als Fürsterzbischof Marcus Sitticus Graf von Hohenems bei der Gründung einer Salzburger Universität nach vielen Rückschlägen keine Lösung fand, riet ihm der Kapuzinerpater Sylverius von Egg, das Gespräch mit den Benediktiner zu suchen. Dieser Rat erwies sich als zielführend. Ausgehend vom Stift St. Peter formierte sich eine Kongregation von Benediktinerstiften zur Eröffnung eines Gymnasiums, das Fürsterzbischof Paris Graf von Lodron schließlich 1622 zur Universität ausbaute.
Vor allem als wortgewaltige Domprediger prägten die Kapuziner das geistliche Leben Salzburgs. Die enorme Volkstümlichkeit des Ordens offenbarte sich beim Besuch des Wanderpredigers Marco d'Aviano. Um Reliquien des bereits als heiligmäßig geltenden Mannes zu ergattern, schnitten die Menschen Stofffetzen aus seinem Habit. Die erzbischöfliche Garde musste den Bruder vor dem Ansturm sichern, während dieser sich mehrfach täglich neu kleiden musste.
Ein weiteres bedeutendes Wirkungsfeld war die Krankenseelsorge, die vor allem während der Pestepidemien großen Mut erforderte. Unter Einsatz ihres eigenen Lebens versorgten die Kapuziner die Infizierten und spendeten ihnen die Sterbesakramente.
Die Ordensleute blieben im Lauf der Jahrhunderte gegenüber dem Landesherrn und Erzbischof stets unabhängig, sie waren einzig dem Papst und ihren Ordensvorständen untergeben. Neben der Bereitstellung der Kost sorgte aber der Erzbischof für das Wohl der Klosterbrüder.
Von Salzburg aus, dem zweitältesten Kapuzinerkloster auf heutigem österreichischem Boden (das älteste wurde 1593 in Innsbruck gegründet), widmeten sich die Kapuziner der Missionierung und der Seelsorge sowie von Aushilfen in Radstadt (1633), Mühldorf am Inn (1640), Tamsweg (1644), Laufen an der Salzach (1656) und Werfen (1737).
Sie verstanden es zu predigen, unterstützten Prozessionen, Wallfahrten sowie Bruderschaften und gestalteten mit Kalvarienstiegen, Passionskapellen und Kreuzigungsgruppen die Sakrallandschaft; so auch vor ihrer eigenen Haustüre, entlang des heutigen Stefan-Zweig-Weges.
Nachdem geänderte Voraussetzungen und Rückgänge bei Neueintritten sie zur Aufgabe von Klöstern zwangen (Tamsweg 1781, Radstadt 1978, Werfen 1979) wurde das Salzburger Kloster 1998 als Noviziatskloster für den gesamten deutschsprachigen Raum, der in sechs Ordensprovinzen geteilt ist, bestimmt.
Kapuzinerprovinz
Das Salzburger Kloster gehört zur Tiroler Kapuzinerprovinz, die Vorarlberg, Tirol (einschl. Südtirol), das Unterengadin (Schweiz), Salzburg und einen Teil von Oberösterreich umfasst. An der Spitze steht der vom Provinzkapitel auf Zeit gewählte Provinzial.
Aufgabenbereiche heute
Die heutigen seelsorglichen Aufgaben umfassen Pfarraushilfen, Beichtdienst und Aussprachemöglichkeiten im Kloster und im Loretokloster in Salzburg sowie am Wallfahrtsort Altötting.
Im Kloster müssen Haus- und Gartenarbeiten erledigt werden. Der Tag beginnt mit dem gemeinsamen Morgenlob um 6:30 Uhr.
Siehe auch
Quellen
- Christoph Brandhuber in einem facebook-Posting über Geheimnisse einer Klosterbibliothek entdecken
- Kapuzinerkloster am Kapuzinerberg, Verlag St. Peter, Erzabtei St. Peter, Salzburg, 2. überarbeitete Auflage 2001
Einzelnachweis
- ↑ ANNO, "Salzburger Zeitung", Ausgabe vom 7. September 1855, Seite 4