Rupertikirtag

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Der Rupertikirtag auf dem Residenzplatz im Corona-Jahr 2021. Aufgenommen von Schöne Heimat-Fotobloggerin Ilse Müller vom Salzburger Glockenspielturm.
Karte

Der Rupertikirtag ist das Domweihfest des Salzburger Doms rund um den Namenstag des Landespatrons Rupert am 24. September, dem Rupertitag.

Rupertikirtag bei Nacht auf dem Residenzplatz aus ca. 40 m Höhe am 23.09.2013

Geschichte

Ausgehend von den drei Domweihen, die jeweils am 24. September 774 (unter Bischof Virgil), 1127 (unter Erzbischof Konrad I.) und 1628 (unter Fürsterzbischof Paris Graf Lodron) stattfanden, war der Rupertitag bei der Bevölkerung darüber hinaus seit altersher auch der Tag, an dem weltliche Angelegenheiten geregelt wurden. So waren zahlreiche Zinsverpflichtungen der Bauern zu Ruperti fällig. Dies führte dazu, dass die Bauern und Händler vom Land in die Stadt kamen, ihre Angelegenheiten regelten und gleichzeitig auch ihre Waren in der Stadt zum Verkauf anboten. Aus diesem Marktleben entwickelte sich ein Jahrmarkt, der sich aufgrund der Verleihung des Marktrechtes durch Kaiser Otto III. im Jahr 996 im Wege des Gewohnheitsrechts und ohne besondere Verbriefung herausbildete. Der Rupertikirtag war geboren, zunächst noch als eine der beiden Dulten, Rupertidult genannt.

Johannes Rupert Franz als Hanswurst am Rupertikirtag.

1331 hält eine Nonnberger Urkunde fest, die die alljährliche Festlichkeit am 24. September in Salzburg als Dult bezeichnet. Im Mittelalter war der Platz für den Jahrmarkt die Vorhalle des Domes, später wurde er auf den gefriedeten Dombezirk beschränkt. Aufgrund der wachsenden Bedeutung und der 14‑tägigen Dauer fand die Dult im späteren Mittelalter und in der frühen Neuzeit rund um den Dom statt, abwechselnd auf Residenzplatz, Kapitelplatz, Domplatz und dem Alten Markt.

Kegelbahn auf dem Domplatz beim Rupertikirtag 2011.

Bis zum Jahr 1856 verblieb die Dult auf den Plätzen rund um den Dom. Dann wurde sie auf den Mirabellplatz beim alten Schrannengebäude verlegt. 1886 wechselte die Dult erneut ihren Standort in die Gassen vor dem Linzertor, also in die heutigen Franz-Josef-Straße und Wolf-Dietrich-Straße. Es sollte die letzte Dult für einige Zeit sein. Erst fast 30 Jahre später bildete sich ein Ausschuss zur Wiederbelebung der Dult, an dessen Spitze der damalige Besitzer des Hotels Bristol, Kommerzialrat Anton Kiener, stand. Ihm ist es zu verdanken, dass die Herbstdult wieder in der Altstadt stattfand. Am 6. September 1924 wurde die erste "neue" Dult eröffnet. Die Schaubuden und Vergnügungsanlagen waren entlang der Hofstallgasse untergebracht. Die Stände der Gewerbetreibenden waren in der Gewerbe- und Stadthalle, der ehemaligen Winterreitschule im Festspielbezirk, angesiedelt. Damit glich die neue Dult eher einer modernen Messe als dem historischen Vorbild.

Nach wenigen Jahren übersiedelte die Dult dann in die Brodhäuslau, den heutigen Salzburger Volksgarten, wo sie auch nach der Unterbrechung während des Zweiten Weltkriegs ab 1948 wieder fortgesetzt wurde. Die neuerliche Verlegung 1957 in den Baron-Schwarz-Park in Gnigl erwies sich aber als Fehler und wurde von der Bevölkerung nicht angenommen. Als 1967 einer der Initiatoren verstarb, war das Ende der Dult gekommen.

Rupertikirtag auf dem Domplatz

Die Salzburger Wirtschaft gründete daraufhin den Verein der Salzburger Dult. Zwar gelang es diesem 1968 noch, eine Pfingst- und eine Herbstdult abzuhalten, doch dann kam auch dieser Verein mit seinen Bemühungen zum Stillstand.

1977 belebte man die Tradition des ursprünglichen Herbsttermins wieder und veranstaltete einen "Salzburger Rupertikirtag" um den 24. September. Initiator war Kommerzialrat Erwin Markl, der als Vorstandsmitglied der Salzburger Innenstadtgenossenschaft alle Widerstände und Vorbehalte ausräumen konnte. Einer damals zufälligen Begegnung auf dem Domplatz mit seinem Jugendfreund, Prälat Johannes Neuhardt, ist dieser Neuanfang zu verdanken. Neuhardt hatte vom historischen Standpunkt aus keine Einwände, und so hatte Markl den wichtigsten "Anrainer" gewonnen. Die Vorbereitungen konnten dann auf Grundlage von Karl Adrian beginnen. Im Gegensatz zur Frühjahrsdult sollte sich der "Rupertikirtag" in typischer Jahrmarktsweise an das historische Vorbild halten und damit den Gegenpol zur modernen Wirtschaftsmesse in Liefering im Messezentrum bilden.

Die Veranstaltung im 21. Jahrhundert

Der Alte Markt, der Residenzplatz, der Domplatz, der Kapitelplatz und der Mozartplatz stehen alljährlich für fünf Tage im Zeichen von Handwerksmärkten, Ringelspielen, lebendigem Brauchtum aus Stadt und Land, Volksmusik, Pawlatschentheater, Buden und Bierzelt. Als Standort für das Pawlatschentheater dient hauptsächlich der Waagplatz, weil er vom Kirtagslärm etwas abgeschirmt ist und sich durch die innenhofartige Umgebung gut für ein Theater eignet.

Im Bierzelt auf dem Kapitelplatz beim Rupertikirtag 2013.

2019: Betreiber möchten Nachlass von 20.000 Euro an Gebühren

Für den Rupertikirtag gab es seit Jahren Ausnahmegenehmigungen vom Fahrverbot in der Altstadt sowie die dafür anfallenden Abgaben. Die Altstadt Salzburg Marketing GmbH beantragte im Oktober 2019 bei der Stadtgemeinde Salzburg erstmals einen Nachlass der Landes- und Gemeindeverwaltungsabgaben für die Rupertikirtage 2019 und 2020. Es ging um Kosten, die für die Erteilung von Ausnahmegenehmigungen vom Fahrverbot in der Salzburger Altstadt angefallen waren. Für die rund 120 Fahrzeuge – darunter Traktoren und große Lkw –, die für den Aufbau des Rupertikirtags benötigt werden, waren in den letzten beiden Jahren 21.480 Euro Verwaltungsgebühren für Ausnahmegenehmigungen bei der Altstadtzufahrt angefallen. Normalerweise wurden diese Kosten von den Veranstaltern und Standbetreibern getragen.

auf dem Kapitelplatz beim Rupertikirtag 2019.

"Wir zahlen etwa 35.000 Euro für diese Ausnahmegenehmigungen", sagte dazu Wolfgang Haider, Obmann des Salzburger Christkindlmarkts auf dem Dom- und dem Residenzplatz. Einzige Ausnahme war bisher der Rupertikirtag, und das offenbar seit Jahren. Bisher gab es keinen Widerstand gegen diese Praxis. Doch jetzt wollte die Bürgerliste diese Regelung nicht mehr mittragen. Diese Tradition müsse auch aus Gründen der Gleichbehandlung früher oder später beendet werden, erklärte Klubchefin Ingeborg Haller. Bei der ÖVP rief der Vorstoß der Bürgerliste Verwunderung hervor. Die bisherige Vorgangsweise sei noch von Ex-Bürgermeister Heinz Schaden (SPÖ) und seinem früheren Regierungskollegen Johann Padutsch (Bürgerliste) vereinbart worden, als die Poller in der Salzburger Altstadt installiert wurden. Ex-Stadtrat Padutsch widersprach: "Wir haben nur eine schon damals seit Jahren gängige Praxis legalisiert", sagte er. Bis dahin habe die Stadt selbst – anstelle der Aussteller – gebührenfrei um Ausnahmegenehmigungen angesucht, die man ja auch schon in Vor-Poller-Zeiten gebraucht habe. Weil Verkehrsrechtsexperten der Stadt diese Praxis allerdings als nicht rechtens eingestuft hätten, habe man zu einer neuen Lösung kommen müssen. Anders als Klubchefin Ingeborg Haller stand ÖVP-Bürgermeister Harald Preuner hinter der derzeitigen Praxis. Vizebürgermeister Bernhard Auinger (SPÖ) wollte sich hingegen noch nicht festlegen.

Mit den Stimmen von FPÖ und ÖVP ließ die Stadt Salzburg den Rupertikirtag-Standlern diese Gebühren nach. Die Entscheidung in einer nachmittäglichen Sitzung am 21. Oktober 2019 des Stadtsenats fiel knapp aus: Es stand sechs zu sechs. Denn die SPÖ stimmte – überraschend – mit der Bürgerliste dagegen. "Uns konnte niemand schlüssig erklären, warum es diese Ausnahme nicht auch für den Christkindlmarkt gibt", sagte SPÖ-Vizebürgermeister Bernhard Auinger. Letztlich gab ÖVP-Bürgermeister Harald Preuner den Ausschlag. Er nutzte die Zweitstimme seines Amtes.[1]

Rupertikirtag 2020 im ersten Corona-Jahr

Aufgrund des Coronavirus wurde der Rupertikirtag 2020 zunächst zum ersten Mal seit 1977 abgesagt. Am 16. September 2020 wurde jedoch bekannt, dass er in abgespeckter Form doch stattfinden soll. Rund um den Salzburger Dom gab es von 23. bis 27. September acht Fahrgeschäfte und Spielbuden sowie drei Stände mit Naschereien. Dazu gab es ein umfangreiches kirchliches Programm. Getränke wurden nicht ausgeschenkt – für das leibliche Wohl sorgten die umliegenden Gastronomiebetriebe. Von den 22 Mitgliedern des Landesverbands durften heuer nur vier Familien ihre Fahrgeschäfte und Buden präsentieren. Es waren jene, die den Kirtag von Anfang an begleitet hatten, betonte Walter Deisenhammer, Obmann des Landesverbands der Salzburger Schausteller.

Am Vorabend des Ruperti-Festes, am 23. September, läuteten die Glocken im Dom die Ruperti-Festtage ein. Zwischen der Bischofskirche und der Benediktiner-Erzabtei St. Peter fand ein umfangreiches kirchliches Programm mit Festgottesdiensten, Lichterlabyrinth, Führungen und Pilgerwanderungen statt.

Die Idee zu diesem Rupertifest kam von Citypastoral-Leiter Dominik Elmer (Erzdiözese Salzburg). Der junge Theologe setzte sich dafür ein, dass neben dem großen kirchlichen Programm auch die Unterhaltung Platz finden kann.[2] Dominik Elmer sprach von mehreren tausend Besuchern binnen fünf Tagen: "Wir konnten unser Bild von Rupert und Virgil vermitteln. Neben der Domführung kamen auch die Schaumrollen sehr gut an, die am Donnerstag sogar kurzfristig ausverkauft waren. Und heuer hatten die Familien viel mehr Platz."[3]

Rupertikirtag 2021 im zweiten Corona-Jahr

Für den Rupertikirtag 2021 wurde das Gelände umzäunt und die Besucher mussten Einlasskontrollen passieren. Das Kirtagsgelände wurde auf den Dom-, Residenz- und Kapitelplatz reduziert, es gab auch kein Bierzelt. Es fehlte auch der Hanswurst: Johannes Rupert Franz, seit 1998 Repräsentationsfigur, musste krankheitsbedingt absagen. Der Eintritt war wie immer frei, Besucher mussten sich aber registrieren. Das konnte man auch im Voraus tun und erhielt per E-Mail eine Gratiseintrittskarte zugeschickt. Eine spätere Registrierung an den Einlässen bei den Dombögen in der Franziskanergasse sowie am Mozartplatz und am Alten Markt war ebenfalls vor Ort möglich. Der 3-G-Nachweis wurde ebenfalls kontrolliert. Die Besucher bekamen Tagesarmbänder als Kennzeichnung, mit denen weitere Zu- und Abgänge genutzt werden konnten. Bis zu 60 zusätzliche Mitarbeiter hatte der Tourismusverband für den Kirtag aufgeboten. "Das sind in etwa 70.000 Euro an Mehrkosten", so Sandra Woglar-Meyer, Geschäftsführerin des Tourismusverbands Salzburger Altstadt.

Etwa ein Drittel ging zudem an die Halleiner Firma Global Event Technologies, die mit ihrer Hard- und Software die Zutrittskontrollen organisierte.

Ausweiskontrollen der Besucher, ob der 3-G-Nachweis und die vorzeigende Person übereinstimmen – das Kirtagsgelände war für bis zu 13 000 Besucher genehmigt – fanden nicht statt.[4]

Rupertikirtage 2024 und 2025 mit Verlusten

Mehr als 200 000 Menschen haben den Rupertikirtag im September 2025 besucht. "Beste Kirtagsgaudi, Tausende Liter Bier und 72 Stunden Kettenkarussell" – so lautete die Bilanz des Altstadtverbands nach sechs Tagen Kirtag zu Ehren des Landesheiligen Rupert. Für den Veranstalter bedeutete dies jedoch auch rote Zahlen – und das zum zweiten Mal in Folge. Für den Altstadtverband ergibt sich für 2025 ein Abgang von 105.991,88 Euro. Auch 2024 verzeichnete Altstadtverbandschef Roland Aigner ein ähnlich hohes Minus. Die Einnahmen beim Rupertikirtag 2025 betrugen für den Altstadtverband 500.000 Euro, die Ausgaben lagen bei mehr als 600.000 Euro. Die Abgänge werden aus Rücklagen des Altstadtverbands finanziert. Für 2025 war in der Stadtregierung im Gespräch, dass dem Altstadtverband die Entsorgungskosten für den Rupertikirtag von mehr als 7.000 Euro erlassen werden.

Einen großen Brocken stellen dabei die Kosten für die Sicherheit dar, die sich im Vergleich zu 2019 fast verzehnfacht haben. So müssen Awareness-, Sperr- und Räumungskonzepte für die Veranstaltung ausgearbeitet werden. Die Behörden schreiben vor, dass pro 100 Besuchende ein Security-Mitarbeiter am Areal positioniert sein muss. Bei einem Veranstaltungsgelände, das offen zugänglich ist, gestaltet sich auch die Kontrolle der Zutritte komplex. Das Areal abzusperren, ist für Aigner kein Thema. Für ihn gehe die Sicherheit vor; die Behördenvorgaben kritisiere er daher nicht. Die Kosten an die Standler weiterzugeben, sei für ihn keine Option. Für ihn wäre es wünschenswert, wenn Stadt und Land die Verluste auffangen. Vom Land gibt es jedoch keine finanziellen Mittel. Aigner meint jedoch, dass dies auch anders sein könnte, da der Rupertikirtag in der Altstadt "immerhin ein Landesfest ist". Aigner verweist zudem auf die Benzinfrei-Tage des Landes mit der Gratisbenutzung öffentlicher Verkehrsmittel beim Rupertikirtag, die 2026 eingespart werden.

Die geltende Fördervereinbarung zwischen dem Altstadtverband und der Stadtgemeinde sieht vor, dass die Tourismusabgabe der Stadt – abzüglich der Ortstaxe – verdoppelt und dem Altstadtverband zur Verfügung gestellt wird. Für 2026 sind das 1,19 Millionen Euro aus der Tourismusabgabe, 990.000 Euro aus der Nächtigungsabgabe und 620.000 Euro an Wirtschaftsförderung. Davon müssen Veranstaltungen wie der Rupertikirtag oder die Anbringung der Weihnachtsbeleuchtung in der Altstadt finanziert werden.[5]

Historische Aufnahmen aus dem Jahr 1984

Quellen

Einzelnachweise

  1. Salzburger Nachrichten vom 21. Oktober 2019
  2. www.sn.at, 16. September 2020
  3. www.sn.at, 27. September 2020
  4. www.sn.at, 10. September 2021
  5. sn.at, 8. Jänner 2026: Salzburger Rupertikirtag schrieb zwei Mal in Folge ein dickes Minus: Stadt muss künftig einspringen. Ein Beitrag von Simona Pinwinkler