Heinrich Wiesmüller junior

Kommerzialrat Dr. Heinrich Georg Wiesmüller junior (* 1. Juli 1936 in der Stadt Salzburg; † 15. April 2026) war Bankier und eine maßgebliche Persönlichkeit in den Führungsgremien der Salzburger Festspiele.
Leben
Heinrich Wiesmüller verbrachte seine Kindheit und Volksschulzeit in Tweng im Lungau, wo sein gleichnamiger Vater Oberförster der Österreichischen Bundesforste war. Nach dem Besuch des Humanistischen Gymnasium in Salzburg, an dem er 1955 maturierte, folgte das Studium der Rechtswissenschaften in Innsbruck und Wien, das er 1959 mit der Promotion abschloss.
Wiesmüller war seit 21. Februar 1963 mit Johanna Maria Spängler (* 3. Jänner 1939 in der Stadt Salzburg) verheiratet, Tochter von KR Richard Spängler und Margarethe geb. Streng. Seine Tochter Maria Wiesmüller ist mit dem Pianisten, Kulturmanager und in unverheirateter Partnerschaft mit Intendant der Salzburger Festspiele Markus Hinterhäuser.[1]
Heinrich Wiesmüller ist am Mittwoch, dem 15. April 2026, nach kurzer Krankheit im 90. Lebensjahr verstorben.
Berufsleben
Er studierte Rechtswissenschaften in Innsbruck und Wien. Nach der in Salzburg absolvierten Gerichtspraxis trat Dr. Wiesmüller in den Salzburger Landesdienst ein und arbeitete in den Abteilungen Verkehr und Außenhandel, Wirtschaft und Wohnungsbau sowie im Präsidialbüro, wo er als Sekretär von Landeshauptmann DDr. Hans Lechner u. a. auch für die Kulturagenden des Landeshauptmannes zuständig war.
Er die Entwicklung des Bankhauses Spängler entscheidend mitgeprägt: Mit Beginn des Jahres 1965 wurde der damals 29-jährige Dr. Heinrich Wiesmüller geschäftsführender Gesellschafter des Bankhauses Carl Spängler & Co, was er bis 2015 blieb. 1994 wurde er, im Gefolge der Umwandlung der Bank in eine Aktiengesellschaft, Vorstandssprecher und mit 1. Jänner 1998 Vorsitzender des Aufsichtsrates und von 2010 bis 2015 als dessen Ehrenvorsitzender.

"Mit Heinrich Wiesmüller verlieren wir eine herausragende Persönlichkeit. Einen Menschen, der durch klare Sachlichkeit und profundes Wissen ebenso beeindruckte wie durch Herzlichkeit, Offenheit und gelebte Toleranz", betont Werner G. Zenz, Sprecher des Vorstands im Bankhaus Spängler. Wiesmüllers typisches Understatement, seine Diplomatie und seine Bescheidenheit hätten ihm viel Sympathie eingebracht. "Als Vordenker und Motivator führte er unser Bankhaus gemeinsam mit seinen Partnern mit Umsicht und Weitblick und entwickelte es nachhaltig und sehr erfolgreich weiter", erklärt Zenz.
Wiesmüller sei keiner gewesen, der das Rampenlicht suchte. Öffentliche Anerkennung, Eitelkeit oder große Worte über die eigene Person seien ihm ferngelegen, heißt es seitens der Salzburger Festspiele weiters. Seine Aufmerksamkeit habe stets den Dingen selbst gegolten: der Musik, dem Theater, der Literatur, der Kunst, aber auch der Politik, der Wirtschaft, den Menschen.
Aufsichtsratsfunktionen bekleidete er seit 1976 bei der Schmittenhöhebahn AG und von 1989 bis 2003 bei der Alpenbank AG.

Kammer- und Verbandspolitik
Mit der beruflichen Tätigkeit ging von Anfang an ein Engagement in den gesetzlichen und freiwilligen Interessensvertretungen einher. Neben leitenden Funktionen im Wirtschaftsbund war Wiesmüller von 1970 bis 1995 Mitglied der Sektionsleitung der Sektion Geld-, Kredit- und Versicherungswesen der Wirtschaftskammer Salzburg, von 1986 bis 2003 Mitglied des Vorstandes des Verbandes Österreichischer Banken und Bankiers und dessen Vizepräsident sowie Mitglied der Sektionsleitung Geld, Kredit-, und Versicherungswesen und Fachverbandsvorsteher der Banken in der Wirtschaftskammer Österreich.
Er ist Mitglied des Aufsichtsrates des Bankhauses Carl Spängler & Co. AG.
Kulturelle Funktionen
Schon früh war Dr. Wiesmüller neben seiner beruflichen Tätigkeit im kulturellen Leben engagiert, u. a. in folgenden Funktionen:
- von 1964 bis 1972 Vorstand des Salzburger Kunstvereins,
- seit 1967 Mitglied des Kuratoriums der Internationalen Stiftung Mozarteum,
- ab 1988 Vizepräsident und bis 2003 Vorsitzender des Kuratoriums,
- ab 1975 Vizepräsident des Vereins der Freunde und Förderer der Salzburger Festspiele,
- ab 1976 Mitglied des Direktoriums der Salzburger Festspiele,
- 1991 bis 1995 Präsident der Salzburger Festspiele,
- ab 1994 Schirmherr des Vereins der Freunde des Salzburger Adventsingens,
- 2001 bis 2007 Mitglied des Kuratoriums der Salzburger Festspiele.

Insgesamt war Dr. Wiesmüller somit drei Jahrzehnte lang für die Salzburger Festspiele tätig.
Er begleitete die Festspiele in entscheidenden Abschnitten: Als Herbert von Karajan 1989 starb, war er ein Mitglied der Findungskommission, die die Weichen in Richtung Erneuerung stellte. Vier künstlerischen Leitern der Festspiele stand er zur Seite: Karajan, Mortier, Ruzicka und Flimm. So prägte er die Festspiele künstlerisch, personell und wirtschaftlich.
"Mit Heinrich Wiesmüller verlieren die Salzburger Festspiele eine Persönlichkeit, die über Jahrzehnte hinweg prägend gewirkt hat – leise, klug und mit einer Selbstverständlichkeit, die heute selten geworden ist", drückte das Direktorium der Salzburger Festspiele – Festspielpräsidentin Kristina Hammer, Intendantin Karin Bergmann und kaufmännischer Direktor Lukas Crepaz – seine Trauer in einer Stellungnahme nach seinem Ableben aus.
Auch die Helga Rabl-Stadler, Wiesmüllers Nachfolgerin in der Präsidentschaft der Salzburger Festspiele, würdigte den Verstorbenen: "Heinz Wiesmüller war es ein Anliegen, die Salzburger Festspiele vom zweifelhaften Ruf einer Enklave der Reichen und der Schönen zu befreien. Er setzte sich dafür ein, dass auch aus Festspielgeldern das Entstehen einer umtriebigen Szene der Jugend gefördert wurde. Er fuhr mit seinen Direktoriumskollegen Gerard Mortier und Hans Landesmann aufs Land, um mit wunderbaren Künstlerinnen und Künstlern für die Festspielidee zu werben. Und er trat mitten im Salzburger Establishment für Festspielmut zu Experimenten ein", betont Rabl-Stadler. Heinz Wiesmüller sei es ein Anliegen gewesen, dass die Salzburger Festspiele mitten im internationalen Festival-Wildwuchs die besten der Welt blieben. "Aber wenn es dann in der Hofstallgasse inmitten von Selbstverwirklichern unter Intendanten, Künstlern und Politikern gar zu bunt und aufregend wurde, gab er uns den besänftigenden Rat: ‚E la nave va‘, das große Festspielschiff fährt weiter."
Kommerzialrat Wiesmüller war Gründungsmitglied der Internationalen Salzburg Association sowie der [[Johann-Michael-Haydn-Gesellschaft] und von 1980/81 Präsident des Rotary Club Salzburg.
Auszeichnungen
Er wurde für seine zahlreichen Verdienste ua. mit folgenden Ehrungen ausgezeichnet:
- Goldenes Verdienstzeichen des Landes Salzburg,
- Goldene Mozart-Medaille am 28. November 2003,
- Ring des Landes Salzburg, 11. Dezember 2007,[2]
- Großes Ehrenzeichen des Landes Salzburg,
- Österreichisches Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst I. Klasse,
- Großes Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich,
- Ring der Stadt Salzburg,
- Salzburger Marmorstier am 25. Juli 2016,
- Berufstitel "Kommerzialrat"
Quellen
- Salzburger Landeskorrespondenz
- Liste Maturantinnen und Maturanten 1900-1969, abgerufen v.d. Homepage der Schule am 4.9.2008
- sn.at, 16. April 2026: Bankier und früherer Salzburger Festspielpräsident Heinrich Wiesmüller verstorben
- spaengler.at, 16. April 2026: Dr. Heinrich Wiesmüller verstorben
Einzelnachweis
| Vorgänger |
Präsident der Salzburger Festspiele 1991–1994 |
Nachfolger |
| Vorgänger |
Kaufmännischer Direktor der Salzburger Festspiele 1976–1991 |
Nachfolger |