Kobler-Spängler-Briefe von 1877

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In diesem Artikel werden die Kobler-Spängler-Briefe von 1877 aus einem Privatarchiv veröffentlicht.

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Einleitung

Die Kobler-Spängler-Briefe bezeichnen eine umfangreiche Briefsammlung aus dem Besitz von Franz (II.) Xaver Gregor Spängler (* 1839; † 1912).

Über die Korrespondenz

Über seine Tochter Johanna Spängler (* 1882; † 1973), verheiratet mit dem Schuldirektor in Krems, Rupert Holzapfel (* 1868; † 1940), kam die Sammlung aus dem Nachlass von dessen Tochter Gertraud Holzapfel (* 1917; † 2001), verheiratet Saska in Krems, an Otto Holzapfel (* 1941) in Freiburg im Breisgau in Deutschland.

Die Briefe sind zum Teil übertragen, zum Teil zusammenfassend registriert; eine genauere Auswertung steht noch aus. Die ältesten Briefe stammen aus der Beziehung zwischen „Fanny“ Franziska Kobler (* 1796; † 1886) und Franz Francesco Castelli (* 1796; † 1832). Deren Tochter Zäzilia Amalia Kobler wird 1821 geboren und heiratet 1846 Richard Franz Schlegel, stirbt aber bei der Geburt des ersten Kindes 1848. Diese Tochter, „Fanni“ Franziska Schlegel (* 1848; † 1905), heiratet 1872 in der Stadt Salzburg den späteren Oberlandesgerichtsrat in Krems, den oben genannten Dr. Franz Xaver Spängler. Ein großer Teil des Briefwechsels spiegelt die besonders enge Beziehung zwischen Großmutter „Fanny“ und Enkelkind „Fanni“.[1]

1877

Briefe (rot verschnürt, nicht gelesen) von Nr.37 Antonia Spängler, geb. von Lürzer, * 1803; † 1882, an den Sohn Nr. 18 Franz Spängler, 1839-1912, aus Salzburg; zusätzlich mehrfach vom Bruder Otto. Oder umgekehrt von Nr. 18 a Otto Spängler, 1841-1919, zumeist über Geldangelegenheiten der Mutter, und zusätzlich dann auch von der Mutter. Ohne Umschläge (einzelne Umschläge sind angegeben). – Vom 28.1.1876 bis 1877 und 26.12.1878; insgesamt 25 Briefe.

Fanni Spängler an Richard Schlegel

1877 an Fanni Spängler (* 1848; † 1905; Nr. 19): 1.3.1877, Brief aus Salzburg von RICHARD SCHLEGEL [1811-1881, Vater von Fanny]: Liebe Fanny! Ich sende dir hiermit die verlangte Vollmacht, u. Notar Kofler hat mir mitgetheilt, daß das Gericht Leitmeritz ein eigenes Dokument verfaßt habe, wodurch ich als Curator von WiXXenz aufgestellt wurde XXX mit dem Akte erledigt habe, wo ich zum Erlage von 4 fl genöthigt wurde, Franz sagte es mir, daß die von dir angeführte Nachtrags Abhandlung nach der Antonia seiner Meinung nach überflüssig sey, weil Antonia todt ist, mithin nichts mehr erben kann. Ich verstehe von dem Ganzen gar nichts, nur kommt es der Louise sonderbar vor, daß eine so XXX Verlassenschafts-Abhandlung so viel Zeit u. Geld kostet. Was die bestehenden Auslagen betrifft, so überlasse ich das ganz deinem Ermessen, u. wenn du einen Vorschuß haben willst, so gib mir die Summe bekannt. Du verlangst von mir zu wissen, was Lorinser über den Fuß Eures kleinen Mastschweines zu mir gesagt hat, gewiß nichts Anderes als was er Euch sagt, er äußerte sich dahin, daß der Zustand leicht geheilt werden wird, u. zwar hoffe er ohne alle Operation, u. wenn eine solche zur Beschleunigung der Kur wünschenswerth oder nothwendig seyn sollte, so braucht Ihr keine Furcht zu haben, es ist eine Operation die in einer halben Stunde der Operierte schon vergessen hat. Wir freuen uns, daß wir wissen, daß es Euch Allen gut geht, u. Hegenbarth XXX hat gesehen XXX, daß die Rosa sogar sehr dick sey. Uns geht es auch gut, nur die Marie hat mit ihrer Bleichsucht zu leiden, doch geht es auch besser. Lebt wohl u. bleibt gesund, Alle grüßen Euch herzlich, euer alter Vater Richard.

Franz Spängler an Fanni Spängler und Fanny Kobler

Briefe [rot verschnürt, nicht gelesen] von Nr. 18 Franz Spängler und Nr. 19 Fanni Schlegel, verh. Spängler, an die Großmutter Nr.79 Fanny Kobler in Salzburg: Franz Sp. Wien 7.3.1877 „Meine liebe, gute Großmutter!... dein dankbarer Enkel Franz“; Wien 26.12.1878 „Liebe Großmutter!... dein dankbarer Enkel Franz“; Wien 28.2.1881 „...dein dankbarer Franz“. – Fanni Sp. Wien 23.5.1877 „Meine liebe Großmutter!... deine dankbare und dicke [schwangere] Enkelin Fanni Spängler“; Wien 3./4.7.1877 zwei Blätter „...Meine Tochter [die älteste, Franzi, geg. 18.6.] grüßt dich ebenfalls sie würde selbst einige Zeilen beifügen, doch geruht sie dermalen fest zu schlafen.“; Wien 24.2.1878; Wien 6.3.1878 drei Bögen von Franz Sp., dann Rest Bogen 3 und Bogen 4 von Fanni, „Spruch der 4 alten Salzburger Frauen, welche am 2.März 1878 die Versammlung der Salzburger in Wien bei der Goldenen Ente mit ihrem Besuch überraschten... Kamilla v.Mertens [Fanni Schlegels Freundin Camilla heiratet Demeter, den Sohn des Salzburger Bürgermeisters Mertens]... Gabriele Egghofer [Familie Egghofer genannt in einem Brief von 1871 von Franz Spänglers Mutter Antonia]... Fanni Spängler... Marie Spängler [zwei oder mehrere möglich: Marie Spängler, verh. mit Nr.37 a Franz Lürzer von Zehendthal, -1870, oder die Frau des Cousins Dr.Rudolf Spängler, Apotheker, verh. mit Marie Spängler, geb. Weinwurm, 1839-1911 Salzburg]“; Wien 8.7.1878 „Liebe Betti... Liebe Großmutter... Fanni. Franzl grüßt herzlichst; Wien 29.10.1878 eineinhalb Blätter; Wien 4.3.1879; Wie 10.5.1879 ein Blatt, Rest fehlt offenbar; Wien 20.6.1879; Wien 11.7.1879; Wien 2.9. ohne Jahr [1879?] Fanni Spängler und „dein dankschuldiger Enkel Franz“; Wien 3.9.1879 „...dein Betteldirndl.“; Wien 20.12.1879; Wien 3.2.1880; Wien 10.2.1880; beiliegend „Liebe Urgroßmutter [deutsche Schrift] Franziska. Pottenstein 6.3.1887“ [also knapp 10 Jahre alt]. – Keine Verweise bei den anderen Jahreszahlen.

Betti Katzinger an Fanni Kobler

Betti Katzinger [geb. Kobler] an Fanni Spängler (* 1848; † 1905; Nr. 19): 20.5.1877, Brief aus Grein: Liebe theure Fanny! Dein letztes herziges Schreiben mit der freudigen Mittheilung deines nahenden Mutterglückes hat mich sehr ja recht sehr erfreut; aber am größten wird meine Freude sein, wenn ich einmahl erfahre, Fanny hat einen frischen gesunden schlimmen Buben oder ein Mäderl bekommen, und hat den Schmerzenskampf glücklich überstanden, Mutter und Kindchen befinden sich wohl, der liebende Gatte ist überglücklich in seiner Vaterfreude“... „wenn du und das liebe Kindchen am Leben bleibt, gewiß wird der gütige Gott unser Aller Gebet erhören.“ ...Wohnungswechsel, deine Schwester; „Das unsere gute Großmutter sich jetzt immer außer den schlechten Augen so wohl befindet, bin ich ebenso erfreut“...; Bräutigam der Ida, die „volle Befriedigung des Herzens“... [eigene] Gesundheit nicht so gut, fühlt sich stets müde, traurig gestimmt, der Mann rät zu einem Arzt, aber kein Vertrauen zu dem hiesigen Doktor, wartet... „welche Freude ich und die gute Großmutter an dir hatten“ „...deine alte treue Freundin Betti.“ Viele Grüße an Schwester Rosa.

Fanni Spängler an Franz Spängler

Fanni Spängler (Nr. 19) an Franz Spängler (Nr. 18): 26.7.1877; Brief ohne Umschlag, Wien, Fanni an Franz in Salzburg; das kleine Dirndl wird von der Hitze geplagt; trägt eine Schiene geduldig, Rosa [die Stiefschwester von Fanni] weint nicht mehr so viel wie sonst. „Der liebe Gott wird schon alles recht machen, ich vertraue auf ihn.“ [das Kind ist Franzi, die 18.6.1877 geboren wird], nennt das Kind mehrmals „Mastschweinchen“, ihre „Milchproduktion wird immer größer“, sie freut sich. „Rosa grüßt dich, Rosi küßt die Hand“.

Fanni Spängler an Franz Spängler

Fanni Spängler (Nr. 19) an Franz Spängler (Nr. 18): 29.7. [1877], Brief ohne Umschlag, Fanni in Wien: Franz kommt bald aus Salzburg zurück; ging mit dem Kind auch bei ‚Aprilwetter’ und „stoßweise“ Wind spazieren, nur eine Stunde lang... „Ich bin schon so neugierig, wie es dir gefallen wird, mit unserm Dirndl im selben Zimmer zu schlafen. Ich denke mir, du wirst anfangs ängstlich sein, wenn das Kind schreit, wenn du aber die Überzeugung gewonnen haben wirst, daß es keine Gefahr hat, wirst du dich schon daran gewöhnen.“ Seit zwei Tagen wendet die Kleine, den Kopf, wenn jemand laut neben ihr spricht, ihr Lachen ist nicht mehr so unwillkürlich, wie in der ersten Zeit, „Mastschweinchen“ ist jetzt 6 Wochen alt.

Fanni Spängler an Franz Spängler

Fanni Spängler (Nr. 19) an Franz Spängler (Nr. 18): 31.7. [1877], Brief ohne Umschlag, Fanni [Wien]: freut sich auf die „Schilderungen“ von der Reise; „Frau Batsy [Name latein. geschrieben, sonst deutsche Schrift] machte mir und der kleinen feierlich ihren Besuch gestern, zum Schluß meiner Wochen.“ „Dann hörte ich die 12 Uhr Messe in St.Stefan. Ich habe für dich und der Kleinen recht herzlich gebetet. Sie schreibt während des Stillens; „Wenn mein Geschreibsel heute noch garstiger als sonst dir vorkommen sollte, so denke, daß Mastschweinchen noch immer sauft.“ „Ich habe schon von dir geträumt.“

Fanni Spängler an Franz Spängler

Fanni Spängler (Nr. 19) an Franz Spängler (Nr. 18): 2.8. [1877], 2 Bogen Brief ohne Umschlag, Fanni in Wien: Mastschweinchen schläft; Rosi will heiraten und hat zum 1.Sept. gekündigt, freut sich für sie, hat Kündigung angenommen, „mit Gottes Hilfe werde ich schon wieder ein ordentliches Mädchen kriegen“; „wo Rosa [aus Salzburg mitgekommen] bei mir ist, ist mir gar nicht bange, wir werden mit der Arbeit schon fertig“. Mögliches Hochzeitsgeschenk für Rosi; rede aber in Salzburg „vielleicht gar nichts vom Magdwechsel, sonst gibt es wieder 10.000 Befürchtungen“. – Der Güterdirektor verlangt Wasserzins, sollen 2 fl 40 per Vierteljahr zahlen. – Erfreuliches, „daß Mastschweinchen sehr, sehr lieb u. brav ist.“ Morgen will sie mit Rosa zu Dr.Lorinser fahren, damit er das Füßchen anschaut „und mir sagt, ob ich die Schiene richtig anlege“. Waren im Brünnlebad, die frische Luft hat dem Kind behagt; gehen im Rathauspark spazieren; „Mastschweinchen schickt ein unbewußtes Bußerl“

Antonia Spängler an Franz und Fanni Spängler

Brief von (Nr.37) Maria Antonia Spängler (* 1803; † 1882) an den Sohn (Nr. 18) Franz Spängler und an Fanni Spängler [geb. SCHLEGEL]: Salzburg den 1.10.[18]77: Meine inigst geliebten Theuren! Endlich ist es uns gelungen eine gute Gelegenheit für die gute Großmutter zur Rückreise zu erfragen. Die Fräulein Megenbacher reißt heute, mit einer Damme [!] welche auch nicht allein reisen will hinunter nach Wien, und geht in einigen Tagen wider zurück, da glaubten wir köne die Großmutter ganz gut mit reisen, nur eines muß ich sagen das sie 3 te Klasse fährt, aber ich bin am 28 Februar auch 3 te Klasse nach Wien gefahren und hat mir gar nichts gemacht. Die Fräulein Megenbacher hat die Adresse von Franz und wird Mittwoch zu Euch in die Wohnung kommen um alles weitere zu besprechen. - Am 10- oder 12 Oktober will auch die Frau von Klingler nach Wien reisen, und würde auch die Großmutter mit herauf nehmen aber, ob man da, sachen darauf nehmen kann, wissen wir nicht. Wir freuen uns schon, wen die Großmutter kömmt, damit sie uns recht viel von Euch, und der Kleinen erzählen kann. Jetzt ist auch die Witterung ganz gut zum reisen. Wie geht es Euch meine lieben? bey uns geht es allen gut, nur die kleine Paula ist oft sehr streitig, wir[r], und auch der Doktor glaubt es komme schon von den Zahnmachen, den sie hat kein Fieber, und wen dies vorbey ist, dan schaut sie recht frisch herum und lacht wider. Aber wer dabey sein muß, ist recht bänglich. Wir gehen nun bey dieser schönen Witterung recht fleißig spatzieren. Leopold ist nun glücklich in Hall angelangt. Er hat sich 3 Tage in Hall aufgehalten und 1 Tag in Zell am See, und fühlte sich ganz glücklich. Ropert [!] Spángler ist am Sammstag früh nach Wien abgereist, der wird Euch auch einmal besuchen. Hermman [!] wird auch den 10 gehen. Diese Jungen Leute haben es gut sie haben eine menge Verwante unten und könen bald dort, bald dahin gehen. Lieber Franz ich danke recht sehr für den Beytrag für meinen Lebensunterhalt. Lebt recht wohl ich möchte gerne den Brief recht bald der Post übergeben damit er so bald als möglich in Eure Hände gelange, damit sich die Großmutter zusammen richten kann. Gottes Segen sey mit Euch allen, bethen thue ich gewiß fließig für Euch. Mit aller Liebe Eure Euch treu liebende Mutter Spángler – An Alle viele herzliche Grüße, der kleinen Fany ein kräftiges Bußerl. - „kleine Fany“: Die älteste Tochter, Nr.9 a, Franziska Spängler, ist am 18.6.1877 in Wien geboren, siehe auch folgenden Brief vom 17.11.1877.

Richar Schlegel an Franz Spängler

11.10.1877, Brief; Umschlag dazu [?] Marke herausgeschnitten, Stempel undeutlich bzw. abgeschnitten: Salzburg und Mödling, Siegel „Dr. R. S.“. Von Nr.38 RICHARD SCHLEGEL (1811-1881) an Nr. 18 Franz Spängler (1839-1912): Lieber Franz! Du hast mir erlaubt die Akten betreffend der Verlassenschaftshandlung nach dem Tode meiner Mutter dir schicken zu dürfen, um das Nothwendige befragen zu können. Ich verstehe von dem ganzen Verlauf der Dinge gar nichts, ich weiß noch heute nicht, warum ich ans Gericht in Leitmeritz 40 fl schicken mußte, u. wie u. wann ich zu diesem Geld wieder kommen werde etc. etc. Notar Kofler hat 2 Jahre gebraucht, um das zu erreichen, was ich dir hiemit sende. Nun ist diese langsame Procedur hauptsächlich deshalb sehr unangenehm, weil ich von den Kindern meines verstorbenen Bruders alle Augenblick um die Erbschaft geplagt werde. Sey also so gut, lieber Franz, u. thue das Nothwendige. – Daß die Großmutter gut angekommen ist, wißt Ihr aus der Correspondenzkarte der Kathi [Richard Schlegels zweite Frau Katharina Arrigler], sie ist sehr zufrieden u. schwärmt in der Erinnerung an ihren Aufenthalt bei Euch, ist ganz verliebt in Eure Dirndel, beschreibt mir dasselbe als außerordentlich schön u. intelligent, nurr darf ich nichts nach dem Mastschweinerl fragen [so nennen die Eltern selbst ihre Tochter]. Bei uns ist alles so ziemlich im gleichen Gange, nur bin ich gegenwärtig von meinem Emphysem [Lungenbläschenblähung] mehr geplagt, und durch den schnellen Uibergang zum Winter bedingt sind. Seit 24t. September muß bei mir geheizt werden. – Sey nicht böse, lieber Franz, daß ich deine ohnehin so knap zugemessene freie Zeit mit meiner Angelegenheit verkürze. – Bleibet gesund, zufrieden seyd Ihr ja. Alle grüßen Euch auf das herzlichste durch Euren alten Vater Richard. Salzburg am 11t.Oktbr 877. - [Auf der Rückseite mit Bleistift von der Hand von Franz Spängler?:] Vater gest 1845 / Vinzenz Curator & Rich / Josef + Henriette u. Clara / Antonia + gest Leitmeriz 8/10 1872 / Blure [?] + Wien VIII 5/10 1854 / Therese + Wien Mazleinsd[orf] 9 Jul 1856 / Friedrich gest Olmüz 22/8 1850 BgHer Leiter [?] – Namen und Daten offenbar aus der Familie Schlegel, Geschwister von Richard und deren Nachkommen, deren Einzelheiten ich bisher (bis auf „Vater gest 1845“) nicht näher deuten kann. – Dabei: Briefumschlag dito „[empfangen] Mödling 19.12.73“ mit kurzen Notizen von Franz Spängler „5/2 1868 8/2 1868...“ – Ebenfalls dabei: Briefumschlag, grob aufgerissen, an Franz Spängler, Mödling, ohne Datum, Marke abgelöst, Stempel „[Wie]n“ [?] mit kirchlichem Siegel.

Antonia Spängler an Franz und Fanni Spängler

Brief von (Nr.37) Maria Antonia Spängler (* 1803; † 1882) an den Sohn (Nr. 18) Franz Spängler und an Fanni Spängler [geb. SCHLEGEL]: Salzburg den 17.11.[18]77: Meine inigst geliebten Theuren! Herzlichsten Dannck meine lieben für Euer theures Schreiben, und Erinnerung zu meinen 51 te Hochzeitstag- eine schöne Zeit- -. Wie viel Schmerzliches- - aber auch wie viel angenehmes- und wohlthuendes, hat sich mir entfaltet, Gott seys gedannckt, ich sehe deutlich, der liebe Gott ist mit mir,- Er schenckt mir die Ruhe, und Zufriedenheit, welches einem über vieles hinieber hielft. Ich empfehle uns Alle unendlich, Täglich den lieben Gott, arbeite was ich kann, und so lebe ich fort, bis der liebe Gott mich ruft; und dann wirds, so Gott will, auch recht werden. Wie leid thut es uns, das mein- und Ottos Luise [Briefe], sind verloren gegangen, wir haben gewiß schon vor 14 Tagen geschrieben, jedenfall habe ich am Allerheiligen Tag angefangen zu schreiben, und bis Otto die Rechnung fertig brachte und den Brief fortschükte wurde es dan 3 te November. Ich habe so viel geschrieben das jedes kleine Fleckerl benützt geweßen Habe dir lieber Franz recht herzlich gedannckt für die Photografien, und für den Rock welcher mir zum Tepich strücken [!] sehr gut taugen wird [Arbeitsrock?]. Wie unendlich freue ich mich das die Kleine so gut gedeiht, die muß nun schon allerliebst sein, den die Brustkinder entwückeln sich gewöhnlich schneller, ich stelle mir sie so vor, als wen sie den ersten Kinderln gleiche, die war ja ganz so lieb. Jetzt hat sie gerade das Alter, wo sie jeden Tag neue Liebenswürdigkeiten entwükelt. - Das Buch habe ich herauß gesucht, Otto wird es heute schücken, Wegen der Ida Schantl [?], habe ich Euch auch eine menge geschrieben im letzten Brief, die arme ist glaube ich schlecht daran, er hat kein Vermögen, sondern wie man hört Schulden, sie hat 1000 fl [Gulden] hergenohmen um sich die Außstattung herzurichten, nun darf sie sehen was sie bekömmt wen sie die Sachen verkaufen will, niemand wird etwas kaufen, weil die Leute sich so fürchten, Die Rothnerischen wo sie einen Hut für Ida richten mußten hat die Platern [Blattern] bekommen und die Pepi bey Pipan, welche ihr das Kleid ändern mußte, bekam auch die Platern, und eine Person welche ihr, im Hauß eine Kleinigkeit besorgte, bekamm sie auch, also kann man leicht denken wie sich alles schweut, etwas zu kaufen. - Otto glaubte er müße diesertage nach Wien reisen, aber die Sache hat sich so wider außgeglichen, dermalen geht er nicht, aber ich denke es wird doch nicht lange dauern bis er hinunter geht. Lebt recht wohl ich muß schließen damit das Buch weg kömmt. Mit Tausend Küßen und Segnungen küßt Euch herzlich Eure treue Mutter Antonia Spängler [mit „ä“]. Fany küße ich herzlich so wie ich Rosa freundlich grüße. Von allen hier viele herzliche grüße, auch von der Großmutter welche sich so pasabl befindet. - „die Kleine/das erste Kinderl“: Wohl im März 1876 hat Fanni Spängler ein Kind, das (namenlos) stirbt (in den Briefen vom Dezember 1875 und März/April 1876 genannt); die älteste Tochter, Nr.9 a, Franziska Spängler, ist dann am 18.6.1877 in Wien geboren.

Quelle

Korrespondenz der Familien Kobler und Spängler
  1. Trotz unterschiedlicher Schreibweise in den Briefen vereinheitliche ich [O. H.] zu Großmutter „Fanny“ [Kobler] und Enkelin „Fanni“ [Schlegel-Spängler].