Kobler-Spängler-Briefe von 1845 bis 1848

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In diesem Artikel werden die Kobler-Spängler-Briefe von 1845 bis 1859 aus einem Privatarchiv veröffentlicht.

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Einleitung

Die Kobler-Spängler-Briefe bezeichnen eine umfangreiche Briefsammlung aus dem Besitz von Franz (II.) Xaver Gregor Spängler (* 1839; † 1912).

Über die Korrespondenz

Über seine Tochter Johanna Spängler (* 1882; † 1973), verheiratet mit dem Schuldirektor in Krems, Rupert Holzapfel (* 1868; † 1940), kam die Sammlung aus dem Nachlass von dessen Tochter Gertraud Holzapfel (* 1917; † 2001), verheiratet Saska in Krems, an Otto Holzapfel (* 1941) in Freiburg im Breisgau in Deutschland.

Die Briefe sind zum Teil übertragen, zum Teil zusammenfassend registriert; eine genauere Auswertung steht noch aus. Die ältesten Briefe stammen aus der Beziehung zwischen „Fanny“ Franziska Kobler (* 1796; † 1886) und Franz Francesco Castelli (* 1796; † 1832). Deren Tochter Zäzilia Amalia Kobler wird 1821 geboren und heiratet 1846 Richard Franz Schlegel, stirbt aber bei der Geburt des ersten Kindes 1848. Diese Tochter, „Fanni“ Franziska Schlegel (* 1848; † 1905), heiratet 1872 in der Stadt Salzburg den späteren Oberlandesgerichtsrat in Krems, den oben genannten Dr. Franz Xaver Spängler. Ein großer Teil des Briefwechsels spiegelt die besonders enge Beziehung zwischen Großmutter „Fanny“ und Enkelkind „Fanni“.[1]

1845

Brief von Rosa Hablin [nicht Familie] an [Nr. 39] Cäcilia Amalia KOBLER-Castelli (1821-1848) Briefumschlag, Siegel „Säulenstumpf mit Schild“, Stempel „Warasdin 16.Sep.1845“ [Varazdin, heute in Kroatien] und „Salzburg 21.Sep.“ [drei Blätter sehr eng beschrieben, manches schwer lesbar bzw. vieles übersprungen und nicht gelesen; mehrfach blasse Schrift und Feder gewechselt; über mehrere Tage geschrieben]: Fräulein Fräulein Amalie v. Castelli zu Salzburg, Judengasse No.67. 1ter Stock. – Opeka, am 20 Juny [1]845. - Liebe Freundin, meine theure unvergeßliche Maly! – Würde mich mein Herz nicht freysprechen von jedem Vorwurf wovon Du vielleicht – ja gewiß - unzählige für mich bereit hälst, so würde ich es nicht wagen Dir diese Zeilen zu senden, nach so langen tiefen Schweigen. [...] ewig unwandelbare Freundschaft [...] meine Maly [...] Wo? -und Wie? [...] gute Nacht. – Guten Morgen, Malchen [...] Encore un adieu, mir ist als wäre ich bey Dir, meine Maly, als berührte mein Mund, Deine Stirn, Deine Lippen, adieu ma bien aimée, sey glücklich, zufrieden. sey geliebt und des Himmels Segen möge Dich nie verlasssen;- nun gedenke oft und gern Deiner Dich zärtlich liebenden unwandelbaren Freundin Rosa Hablin. – Meine Adresse: An Rosa H. mit Briefen an Gräfin Clothilde Draskowich über Warasdin nach Opeka in Croatien. [quer:] An Deine verehrteste Mutter meine innigsten Grüße, erinnert sie sich doch zuweilen freundlich meiner- ? -

1845 und 1846 siehe auch oben!

1847

Brief von [Nr. 39] Cäcilia Amalia KOBLER-Castelli (1821-1848) [ohne Umschlag:] Salisburgo il 22, Augusto 1847. – Venerato e Caro Signor Avo! – Essendo corso ozmai gia otto anni d’auhé non godeva più l’incredicibile piacere [...] ich traue mich nicht weiter mit meinen fehlenden Italienisch-Kenntnissen, was für Amalia offenbar kein Problem war. [...] Mio madre et i stamo bene [...] Amalia Castelli.

1848 siehe oben!

1850/1851

Briefe (rot verschnürt, zumeist nicht gelesen) von Nr. 38 Richard Schlegel, 1811-1881, verh. 1848 mit Nr. 39 Amalia Kobler-Castelli, 1821-1848, an Nr. 79 Fanny Kobler, 1796-1886. 19.3.1850 aus Wien an „Liebe theure Schwiegermutter... dein aufrichtiger und dankbarer Sohn Richard“, k.k. Kreiswundarzt. – 28.4.1850. – 27.5.1850. – 29.5.1850 „Liebe gute Schwiegermutter...“ – 12.6.1850 Bogen mit Poststempel „Frau Frau Fanni Kobler Bräuin und Gasthausbesitzerin Wohlgeboren in Salzburg“. – Sonntag [ohne Datum] „weil ich keinen Kalender habe“, braucht Mittellosigkeitszeugnis, kein Vermögen, lebt vom kleinen Gehalt [als Arzt]. – Dienstag 13. [ohne Monat und Jahr] Rigorosum mit „gut“ bestanden. – Wien 4.4.1851. – Wien 13.4. – 23.4.1851. – 2.5.1851. – 7.5.1851 „dein studierender Sohn Richard“. – 19.5.1851 „halber Doktor. – 3.6.1851. – Wien 9.6.1851 „Ich danke für das Busserl vom Dirndl“ [= Nr. 17 Fanni Schlegel, verh. Spängler, geb. 1848]. – 16./17.5.1851 Wien. – Wien 23.6.1851 bestätigt und dankt für Empfang von 200 Gulden „aus deiner Kasse“. – 1.7.1851. – 20.7.1851 dankt [wieder] für 200 Gulden. – 27.3.1851 „nächsten Donnerstag Promotion, und, Juchheh!!!“. – 28.7. [ohne Jahr = 1851] „Vivat, der letzte Brief“ [vor der Rückkehr nach Salzburg] 2.Rigorosum mit „sehr gut“. – Salzburg 10.5.1875 an Nr. 17 Fanni von „deinem Vater Richard“. – Liebe Fanny [ohne Datum] vom „Vater Richard“. – [Entwurf von] Gesuch von Nr. 79 Fanni Kobler an „Euer Gnaden“ um Unterstützung für den armen Schlegel... [siehe oben, Brief vom „Sonntag“?].

1853

Briefe (rot verschnürt, durchgesehen, aber nicht vollständig gelesen) von Nr. 18 Franz Spängler (1839-1912) an seine Mutter Nr. 37 Antonia Spängler, geb. von Lürzer [so schreibt er selbst], von einer Reise bis nach Venedig zusammen mit Pater Albert Eder, dem späteren Salzburger Erzbischof: Münsing (bei Wolfratshausen, Nähe Starnberger See) 7.-10.8.1853, Brief mit Umschlag und gebrochenem Siegel; Franz Spängler schreibt an die Mutter: vorher in München, hier beim Bruder des P.Albert, Erlebnisse in München und Andechs usw. Beigelegt Brief an den Bruder Otto Spängler. - Augsburg 14.8.53, Brief mit gebrochenem Siegel, Stempel (Constanz 16.8., Feldkirch 17.8., Salzburg 19.8.), an die Mutter Spängler, „Salzburg in Oberösterreich“ [! auch auf anderen Umschlägen]; Nachschrift an „Frau Mutter und liebsten Otto“ von Albert Eder, 16.8., „Dein Bruder Franz ist immer allegro, ich bin sehr zufrieden mit ihm“. - Von der Reise zeugen ein grünes Salzburger Schokoladenpapier mit gesammelten Blättern und gleiches, Blumen und Blätter in grauem Papier, markiert „Rheinfall“ [Schaffhausen]. Stift Rheinau 17.8.53, Brief [Umschlag siehe unten] an die „Theuerste Mutter“, jetzt im Benediktinerkloster, vorher in Konstanz, Schiffe aufgezählt. Einsiedeln 20.8., Rhein, Schaffhausen; Nachschrift von Albert Eder; beigelegt an Otto „20.7.53“ [muss 20.8. heißen, demnach Umschlag zugeordnet]; Umschlag Franz Spängler an die Mutter in Salzburg, Siegel entfernt, keine Marke, unleserliche Stempel, aus Einsiedeln 20.7. [muss 20.8. heißen]; blasse Schrift. - Mailand 27.8.53 bis 29.8. mit Umschlag, Siegel abgeschnitten, Marke entfernt; Franz an die Mutter und an Otto, Beischrift von Albert Eder; Franz erzählt von Einsiedeln, Rigi, Rütli usw.; Nachschrift von Albert Eder, dass nicht vor dem 20.9. zurück in Salzburg. - Venedig 5.9.53, beigelegt an Otto; zwei Blätter, ohne Umschlag; Nachschrift von Albert Eder; Regen in Venedig, die „zwei Pilgrime“ nicht von der Sommerwärme geplagt; übermorgen endlich in Agordo. - Agordo (im italien. Bezirk Veneto) 10.8.53 [muss September heißen! im Brief wird u.a. von Venedig berichtet]; ohne Umschlag langer Brief von Albert Eder an „Verehrte Frau Mutter“, Herrn Inspektor getroffen [Lürzer, der Bruder der Mutter Spängler] und gut aufgenommen. Zweiter ebenso langer Brief an Otto Spängler, richtig datiert Agordo 10.September 1853, Onkel Lürzer, Bergwerk; hierher gehört wohl die kleine Skizze [von wem? Lürzer?] der Agordo umgebenden Berge mit Angabe des dort geschürften Kupfer, Vitriol und Schwefel. Zettel von Albert Eder an Mutter Spängler und an Otto Spängler, datiert „10. August / September [?] 1853“ [diese Korrrektur im September 1853, Fragezeichen hier von mir, stützt meine obigen Korrekturen].

Münsing 8. Jänn[er 1854; Ecke abgebrannt]; Mein lieber Franz!... P.P.E. [Eder, der Bruder von P.A.E.], den Franz und P.A.E. [Albert Eder] im August 1853 besucht haben, dankt für einen Brief und erinnert an das Treffen in Münsing: Franz betrunken, große Mengen gegessen... und zeichnet ihre Runde zweimal. – Zusammen verschnürt mit den Briefen von 1953 und hiermit zusammengebunden die weiteren Briefe von 1876 und 1883/86/88.

1858

Briefe „1858 bis 1862 und 1870“ (rot verschnürt, zumeist nicht gelesen) von Nr. 18 Franz Spängler, 1839-1912, an den Bruder Otto aus Graz nach Salzburg: 3.4.1859 „Liebster Otto! – mais j’avais déjà voulu depuis longtemps vous écrire en français... zum Schluss wieder deutsch... dein(em) dich liebender Bruder FXSpaengler. NB. [in Steno].“ – Graz 8.5.1859 ...dein dich aufrichtig liebender Bruder Franz. – 22.5.59 auf Französisch ...votre fidèle frère François. – 28.6.59 auf Französisch. – 27.10.59 deutsch. – 24.11.59 auf Französisch. – Graz 4.12.59 auf Französisch: Otto Spengler à Salzbourg. – 16.2.1860 auf Französisch. – Gracè 5.4.1860 auf Französisch. – Gracè 25.4.60 auf Französisch. – Graz 6.5.60 auf Französisch. – Graz 21.5.60 auf Französisch. – Graz 27.5.60: „Theuerste Mutter! u Otto! Empfangen Sie hiermit meinen herzlichen Dank für Ihren Brief u. das übersandte Geld... Ihr dankbarer Sohn FXSpaengler. / An Herr Otto Spaengler... k.k. Gymnasium zu Salzburg. durch Güte.“ – 10.6. [ohne Jahr] auf Französisch. – 17.6.60 auf Französisch. – Wien 24.6.1862 deutsch. – ohne Datum, deutsch. – ohne Datum, deutsch. – An die Mutter, ohne Datum, zweite Seite ohne Anfang; mit finanziellen Berechnungen, Einnahmen = Monatsgeld April/Mai 42 fl. [Gulden], andere Einnahmen ca. 40 fl.; Ausgaben = u.a. Zimmergeld April/Mai 6 fl., Wiener Reise 21 fl., sonstige Verpflegung 8 fl., Spazierstock 1,5 fl., zusammen 45 fl., Rest 37 fl. [ca.-Zahlen]. – Schnipsel hier beigelegt „Agordo 2.2.51“ mit (leider nur) dem Rest einer Zeichnung [die Venedigreise mit Eder war 1853]. – An die Mutter Nr. 37 Antonia Spängler, * 1803; † 1882, Graz 28.9.1858 „Liebste theuerste Mutter! Zum ersten Male ist es heute, dß ich aus der Fremde an Sie schreibe... Ihr dankbarer Sohn FXSpaengler“ – Graz 13.4.1859. – Wien 29.4.1859 „An die wohlgeborne gnädige Frau Antonia Spaengler geb. v.Lürzer zu Salzburg“ (mit undeutlichem Poststempel). – Graz 8.5.1859 [ohne Schluss]. – Wien 5.11.1861. – Wien 5.7.1862. – ohne Datum. – ohne Datum, Anfang fehlt: „Blatt III“ und „IV“ an Otto Spängler. - Nr. 18 a Otto Spängler, 1841-1919, an die Mutter und an den Bruder Franz, Wien 24.12.1861 „Meine Theuren! (Liebstes Mutterl! Liebster Franz!) [ausgeschrieben]. – 1.1.1862 an Franz. – Salzburg 4.4.62 an Franz. – Salzburg 29.4.62 an Franz [Schluss felhlt]. – Salzburg 25.5.62 an Franz. – Innsbruck 29.6.62 [Anfang und Schluss fehlen]. – Salzburg 9.7.62 Mutter Nr. 37 Antonia Spängler, geb. von Lürzer, * 1803; † 1882, an Franz. – 5.11. [ohne Jahr] Otto an die Mutter. – ohne Datum, Mutter und Otto an Franz. – Lofer 10.8. [ohne Jahr], Otto und „Mutter Spängler“ an Franz nach Gmunden. – Franz Spängler Liste „Correspondenz 1861/62“, 1861 an u.a. die Mutter, Otto, Cousine Resi, J.Plazer [Julius Ritter von Plazer], Anton und Heb. Sattler und „Photographien a) Empfangen... [54 Stück] ...Gegeben am... [38 Stück]. – Auf blauem Papier „Lieber Franz....“, ohne Datum. – Auszug aus dem Testamente der Frau XX [unleserlich] Schaupp für Frl. Pepi Reisige [... nach deren Tod alles an die Lürzerischen]. - Nr. 18 a Otto Spängler, 1841-1919, an den Bruder Franz 5.5.1870, mit Bleistift angefügt „Lieber Onkel Franz! Dein kleiner Otto“, mit Abrechnung, u.a. Monatsgeld für die Mutter 10 [welche Währung?]. – Otto an Franz ohne Datum. – 24.6.1870 Otto an Franz. – 4.7.70 Schwägerin Luise Spängler an Franz zusammen mit Otto an Franz. – Otto an Franz, ohne Datum. – Briefbogen „Dr.Otto Spängler Salzburg“, Otto an Franz ohne Datum, Berechnungen von Aktienerträgen. – Otto an Franz, ohne Datum.

Franz Spängler an Antonia Spängler

1858 Franz Spängler [Nr. 18] an Antonia Spängler, geb. Lürzer v.Z. [Nr. 37]: [München, ca. August 1858] Liebste Mutter! Sie werden verzeihen, dß [daß] ich kein Briefpapier nehme, um Ihnen zu schreiben, doch jetzt um 1/2 11 Abends, am 15. August, wo wir soeben von Starnberg mit dem letzten Bahnzug heimgekehrt sind, habe ich kein anderes bei der Hand, u. morgen möchte ich am Ende nicht mehr dazukommen/ Wir befinden uns sehr wohl, sind fleißig auf den Füßen, sehen aber auch ziemlich viel. - Am Mittwoch, wo wir mit Duscher u. Schweinesten [?] uns herumtrieben, gingen wir in die Glyptothek, die Gewerbeausstellung, die Bavaria u. den Friedhof, am Donnerstag die Burg, u. Nachmittags fuhren wir nach Großhesellohe, u. Abends gingen wir ins Theater. - Am Freitag besuchten wir die Schatzkammer, die alte Pinakothek, die Aukirche, dann badeten wir, und gingen Abends in eine Vorstellung von Akrobaten, am Samstag Vormittags gingen Hubert u. Louis in die neue Pinakothek u. ich in die naturhistorischen Sammlungen/ das Münzkabinet u. die Bibliothek, Nachmittags alle mitsammen in die deutsche Kunst-Ausstellung, heute waren wir noch in mehreren Kirchen, u. Nachmittags am Starnbergersee. Morgen wollen wir noch einiges ansehen, wozu wir jetzt noch nicht gekommen sind; Nachmittags fahren wir nach Augsburg, u. am Dienstag nach Kaufbaiern [!] vielleicht noch bis Füssen. Photographirt sind wir schon, ich glaube dß ich gut getroffen bin, den als ich die Bilder abholte, gab mir die Frau des Photographen, die mich früher noch nicht gesehen hatte, dieselben mit den Worten: „da sind Ihre Portraits; die vom andern Herrn (denn ich war allein) müßen Sie sich selbst suchen.“ - Tarenczy [?] u. Warnersberger [?] trafen wir ebenfalls hier in München; der leztere wohnt in einem Privathause. Auch die Obermüller Greiz [?] trafen [wir] gleich am ersten Abend beim Stachus, er logierte aber mit seinem Vater im Bamberger Hof, daher sah ich den Landgerichtsrat nicht mehr, weil er schon an anderen Morgen fortging. - Auch die Gschnizer [Gschnitzer] Marie als Frau von Harrer ist hier samt ihrem Gemal, Louis wollte sie besuchen, traf sie aber nicht. Der Abschied nach der Hochzeit soll besonders den Eltern sehr schwer gefallen sein besonders da die Harrerischen über Achental nach Tyrol, u. von da nach Zell gehen, ohne nach Salzburg zurückzukehren. - Hat man wegen der Entbind[un]g der Kaiserin schon geschloßen [be-?], wir haben noch nichts davon gehört, u. Zeitungen lesen wir weniger. - Wegen der Standeswahl [Berufs-] bin ich noch nicht im Reinen. Ampfer [?] u. Häferle [?] meinen ich sollte jedenfalls nach Wien gehen, denn Stipendium bekäme ich, wie auch Julius [Spängler] sagte, im ersten Jahre doch nicht, u. 1 od 2 Jahre Philosophie würden mir auch nicht schaden, wenn ich Geistlicher würde. Es hat das manches für sich, doch richten werde ich mich gerade noch nicht darauf. - [zweites Blatt:] Als ich neulich in den naturhistorischen Sammlungen auch die Todtenschädel ansah, und darunter auch einen von einem 19 jährigen Mädchen fand, da dachte mir wohl: „Alles ist eitel u. das Leben ist so schnell vorbei“ etc. aber Nachmittags sah ich in der Gemälde-Ausstellung im Bild „Ein Mönch einer Trauung zuschauend“, das auch nicht ohne Eindruck auf mich blieb. - So ist denn diese Frage noch nicht erledigt. Beten Sie fleißig für mich, dß es gut ausfallen möge. Wenn Sie Tante Therese sehen/ so grüßen Sie mir selbe schönstens. Vielleicht hält sie sich doch so lange auf, dß ich sie noch sehen kann. Ich denke halt bis Dienstag od. Mittwoch über 8 Tag (24. oder 25.) nach Salzburg zu kommen. - Indem ich Ihnen recht gute Unterhaltung wünsche, u. um Ihre fernere Liebe bitte, verbleibe ich mit Hochachtung Sie gesund u. glüklich wieder zu sehen Ihr dankbarer Sohn F X Spängler - Herzliche Grüße an Otto, Therese u. alle Bekannte, die Sie sehen, od. denen Sie schreiben. Wie steht es mit den Lürzerischen? Kommen sie? od[er] sind sie schon da? Grüßen Sie mir dieselben tausendmal. - „Duscher“ siehe folgender Brief (aus Wien); „Großhesellohe“: Stadtteil Großhesselohe im Süden von München (Isartal); „Gschnizer Marie“= Gschnitzer [mehrfach in den Briefen]: vgl. der Vater Franz Spängler [Nr. 36], geb. 1793 in Salzburg, gest. dort 1854, fängt als Spediteur in Salzburg bei Matthias Gschnitzer an. - Auch die Familie „Harrer“ gehört zu den ‘großen’ Familien in Salzburg (vgl. Dopsch, 1996, S. 492, 641; Ignaz #Harrer als Bürgermeister der Stadt von 1872-1875). Franz Xaver Spängler, Sohn [Nr. 18], geb. 1839, besucht die Schule in Salzburg und studiert dann in Graz (daher die ungefähre Datierung des Briefes etwa mit der Matura 1857/58, aber offenbar noch vor dem Beginn des Jura-Studiums im Oktober 1858). Eine „Gschnizer Clara“ taucht auch im Tagebuch des Franz Spängler 1861 auf. - „Entbindung der Kaiserin“: Erzherzog Rudolf von Habsburg wird am 21.Aug.1858 geboren; das ist ein weiterer Hinweis auf die Datierung des Briefes von ca. August 1858. - „Julius“, ein Cousin. „Otto“ Spängler, Bruder, geb. 1841, verh. Duregger (aus der Bank-Linie in Salzburg); die „Lürzerischen“: Familie der Mutter Lürzer von Zehendthal (Hall in Tirol). - Aus dem Besitz von Franz Spängler stammt eine „Vita S. Francisci Xaverii“ von 1797, mit einem Prachteinband der Erzabtei St.Peter in Salzburg von 1806, die der Schüler erhielt: „In der I.Vorbereitungsklasse zu St.Peter. Aus der Rechtschreibung. Preis. Nob. Franz Xav. Spangler.“ Vom Juli 1853 stammt als Schülerarbeit eine sehr exakt ausgeführte Federzeichnung einer Weintraube, unterschrieben „F X Spaengler“. Ein zweibändiges Wörterbuch Griechisch-Deutsch von 1854 (Val. Rost) enthält als Widmung einen Zettel für „Spängler Franc. 1.August 1855. Dr.Kottinger G.Director.“ – Abbildung = undatiertes Foto mit Antonia Spängler und den beiden Söhnen Franz und Otto.

1859

siehe auch: Briefe „1858 bis 1862 und 1870“

1859. Unbekannte Schreiberinnen an Antonia Spängler [Nr. 37]: Wien den 8ten Mai 1859. Theuerste Freundin! Ungemein freute mich Ihr liebes Schreiben, welches ich gestern den 7ten Mai erhielt, Karl schrieb mir daß der Brief beim Fellerer war, ich kann gar nicht begreifen indem ich noch nie der Fellerer geschrieben habe, wir überhaupt in gar keinen Briefwechsel mit Ihnen stehen, wie sie den Brief nicht dem Karl gleich hinschickte, daß ist schon das zweite Mahl, daß ich wegen ihr einen Brief so lange nicht bekome; bitte also wenn Sie mir wieder die Freude machen zu schreiben ja den Brief gleich dem Karl zu geben, was hätte Franz vor [für] eine Freude gehabt, wenn der Brief während seiner Anwesenheit gekomen wäre. Franz sieht prächtig aus, und es hat ihm Wien so gut gefallen, daß ihm der Abschied, recht schwer angekomen ist [/] wir sind recht viel mitsamen herumgegangen. Auch wir vermissen alle Ihre liebe Gesellschaft, sehr [,] ich kann mich nicht ganz der Hoffnung erwehren, Sie theure Freundin wenn einmahl beide Söhne in Wien sind, vielleicht doch auch herunter zu ziehen, wir fänden auch hier Spaziergänge die wohl mit Salzburg keinen Vergleich aushalten, im ganzen aber auch recht hübsch sind. Vergangenen Sontag waren wir alle mit Franz und meinem Bruder der mit der Deputation der Stände beim Kaiser war in Schönbrunn, und früher einmhl [einmal] im Prater haben uns recht gut unterhalten; Bis dato gefällt es mir ganz gut hier [/] wir haben eine sehr kleine Wohnung aber eine wunderschöne Aussicht, die wir wohl leider wieder verlieren denn wir haben von Micheli [Michaeli?: 29.9.] an eine Wohnung in der Stadt gemiethtet im 3ten Stok mit der Aussicht in einen Hof, um 600 f [Florin: Gulden] C.M. [Kurantgeld, gängige Münze?] sie ist ganz in der Nähe der Universität sehr licht nd freundlich, und wir können 2 Zimer vermiethen, sie ist im MXXngeti schon Richtungsfeste. Bei Lubitsch sind alle ganz wohlauf, sind aber seit Georgi [23.4.] ziemlich weit von uns weg[g]ezogen. Die Lebensmittel sind wohl theurer als in Salzburg aber nicht gar so bedeutend, nur sehr mühsam [/] man muß alles selbst kaufen, den die Leut gäben sich die Mühe nicht, die Toni und ich haben jeder einen braunen Marktkorb, wo wir alles zusamenschlagen. Das Pfund Rindschmalz 60 x [Kreuzer] bis 63 x Neugeld Schweinschmalz von der fast alles kocht auch wir 36 x Butter 60 bis 70 x Eyer 25 um 40 x Neugeld. Grünspeisen billiger als in Salzburg. Semel besser und im Geld gleich [/] Hausbrod theurer und schlechter Fleisch 26 x Neukreutzer nicht gut. Kertzen und Seifen billiger. Schuster billiger. Männer Schneider nicht viel theurer. Milch 1 Seitel 5 Neukreutzer 1 Seitel Obers 10 x sauer Ram 10 x letzterer sehr gut. 1 Klafter Eschenlenner [?] Mischling [?] ei[n]mahl zum Abschneiden 8 f 30 x C.M. und da brennen wir nebst dem Steinkohlen kostet der Centner 1 f 26 x Neugeld. Nun muß ich schließen denn der Raum fehlt. Mein Mann empfielt sich vielmahls und dankt vor [für] den Glükwunsch zu seinem Namenstag, [mit kleinerer Schrift und anderer Tinte, doch gleiche Handschrift:] er ist derjenige der Salzburg am meisten zu vermissen scheint. An Otto viele Grüsse von allen so wie an die Theres, und alle die sich unser erinnern auch wenn ich bitten darf an die Davidlin [?] sie soll gut auf das Preiserl [?] schauen mir ist noch immer leid um sie. Erfreuen Sie mich wieder mit ein paar Zeilen ich küsse Sie im Geiste und bin Ihre inigliebende Freundin Antonia Duscher [?] [sehr klein:] An die beiden FXXel [Franzel?] alles Schöne. - [andere Schrift?:] Verehrteste, gnädige Frau. Auch ich bin so frei, an Sie gnädige Frau einige Zeilen zu richten. Ich befinde mich hier recht wol und habe mich schon angewöhnt, obwohl ich sehr oft an Salzburg und seine lieben Bewohner denke! - Hr Franz ist auch wieder nach Graz zurück, er hat sich hier, wie es scheint sehr gut unterhalten, wir waren auch einmal zusammen in Schönbrunn. Er sieht sehr gut aus. Heute Sonntag wollten wir eine Parthie nach Don[n]er[s]bach [?] unternehmen, die jedoch des Regens wegen unterbleiben wird müssen. Die Aussicht unserer Zimmer ist herrlich, jedoch die Einsicht ist nicht großartig. Sehr freue ich mich in die Wohnung in die Stadt hinein. Gnädige Frau besuchen gewiß wieder fleißig die Mainandacht, ich bitte, gedenken Sie dabey auch öfters meyner. Hier ist Alles Krieg, Freiwillige sieht man auf allen Strassen sich im Rausche herumtummeln, man darf sich garnicht getrauen solchen in die Nähe zu kommen, denn sie haben sogar vorgestern einigen Frauen die Hüte vom Kopfe gerissen. Es ist gut, dß [daß] sie fortkommen. Im Prater waren wir schon 2 mal, er gefällt mir sehr gut. Ich hätte mich gerne noch länger mit Ihnen gnädige Frau unterhalten, allein der Raum fehlt. Indem ich Sie auch bitte mich nicht ganz zu vergessen, küsse ich Ihnen, gnädige Frau die Hände, und verbleibe Ihre dankbarste [!] Antonia Duscher [! Antonin ?]. [daneben:] An Hr Otto, so auch an die beiden Franzl bitte ich mich ergebenst zu empfehlen; Theres grüsse ich 1000 mal! - [/]: zur Verdeutlichung hier Satztrennung eingefügt (auch andere Zusätze bei der Übertragung ebenfalls in eckigen Klammern). [?]: Bedeutung oder Lesung (hier bes. bei Familienamen) unsicher. Kürzelzeichen, z.B. Verdoppelung durch Strich über m und n, sind aufgelöst; aber z.B. „bekome“ und „Zimer“ trotzdem mit einem ‘m’. - Vorpostalischer Brief, ‘unbekannte’ Absenderin (doppelt mit Antonia Duscher unterschrieben?) an: „Der Wolgeborenen Frau Antonie Spängler in Salzburg. Durch Güte.“ Brief eng gefaltet, kleine Reste von rotem Siegellack. An: Maria Antonia (Antonia) Spängler [Nr. 37], geb. Lürzer, geb. 1803 (siehe unten, nächste Briefschreiberin); der im Brief genannte „Franz“ ist der Sohn [Nr. 18] Franz Spängler, geb. 1839 (vgl. „...beide Söhne“), zur Zeit des Briefes also 20 Jahre alt. Er studiert in „Graz“ und ist bzw. war offenbar zu Besuch in Wien bei der Briefschreiberin. Eine „Duscher Toni“ taucht auch im Tagebuch des Franz Spängler 1860 auf. - „Neugeld“: seit 1857 sind in Österreich 100 Kreuzer: 1 Gulden; Der Gulden [fl.] war zwischen 1857 und 1892 in Österreich die Silberwährung (1 Gulden= 100 Kreuzer). - „Krieg“ im Frühjahr 1859 gegen Frankreich unter Napoleon III.

Quelle

Korrespondenz der Familien Kobler und Spängler
  1. Trotz unterschiedlicher Schreibweise in den Briefen vereinheitliche ich [O. H.] zu Großmutter „Fanny“ [Kobler] und Enkelin „Fanni“ [Schlegel-Spängler].