Befestigung der Stadt Salzburg: Unterschied zwischen den Versionen

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Um in Kriegszeiten wie beispielsweise dem Dreißigjährigen Krieg dem [[Schloss Mirabell]] und den neu entstandenen Stadtteilen rechts der [[Salzach]], genannt die [[Neustadt]], ausreichend Schutz bieten zu können, ließ [[Erzbischof]] [[Paris Graf Lodron]] im [[17. Jahrhundert]] die ersten Befestigungsanlagen in diesem Gebiet errichten.
 
Um in Kriegszeiten wie beispielsweise dem Dreißigjährigen Krieg dem [[Schloss Mirabell]] und den neu entstandenen Stadtteilen rechts der [[Salzach]], genannt die [[Neustadt]], ausreichend Schutz bieten zu können, ließ [[Erzbischof]] [[Paris Graf Lodron]] im [[17. Jahrhundert]] die ersten Befestigungsanlagen in diesem Gebiet errichten.
  
Er versetzte das Stadttor ("[[Mirabelltor]]"), durch das die Strasse nach [[Bergheim]] führte, in Richtung des heutigen [[Salzburg Congress|Kongresshaus]]/[[Franz-Josef-Straße]]. Den bereits bestehenden [[Inneres Ostertor|Inneren Ostertor (=Inneres Linzertor)]] und dem [[Äußeres Ostertor|Äußeres Ostertor]] wurde ein [[Äußeres Linzertor]], sowie ein [[Äußerstes Linzertor]] in Richtung [[Schallmoos]] und [[Gnigl]] vorgebaut.  
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Er versetzte das Stadttor ("[[Mirabelltor]]"), durch das die Strasse nach [[Bergheim]] führte, in Richtung des heutigen [[Salzburg Congress|Kongresshaus]]/[[Franz-Josef-Straße]]. Den bereits bestehenden [[Inneres Ostertor|Inneren Ostertor]] und dem [[Äußeres Ostertor|Äußeres Ostertor (=Inneres Linzertor)]] wurde ein [[Äußeres Linzertor]], sowie ein [[Äußerstes Linzertor]] in Richtung [[Schallmoos]] und [[Gnigl]] vorgebaut.  
  
 
Dieses ''Lodronsche Verteidigungssystem'' war ein groß angelegtes System von bestückten Basteien, Wällen, Gräben und Vorwerken. Zur Verteidigung ließ er 4.000 Kanonen, Mörser und Wallbüchsen gießen.  
 
Dieses ''Lodronsche Verteidigungssystem'' war ein groß angelegtes System von bestückten Basteien, Wällen, Gräben und Vorwerken. Zur Verteidigung ließ er 4.000 Kanonen, Mörser und Wallbüchsen gießen.  

Version vom 8. Februar 2016, 10:23 Uhr

Reste der Stadtmauer von Salzburg zwischen Mozartplatz und Salzach
Stadtmauer am Rudolfskai
Datei:Wappen an der Stadtmauer am Rudolfskai.jpg
Wappen an der Stadtmauer am Rudolfskai

Die Stadtbefestigungen rund um die Stadt Salzburg sicherten über Jahrhunderte die Bürger der Stadt.

Unter Einschluss der Festung Hohensalzburg führte ein geschlossener Ring von Stadtmauern um die Altstadt.

In der Altstadt

Aus der Zeit der 1. Stadtbefestigung im 11. - 13. Jahrhundert stammen in der Altstadt:

Aus der Zeit der 2. Stadtbefestigung (etwa 1465 - 1490) stammen:

Aus der Zeit der 3. Stadtbefestigung (um 1620 - 1648, der Zeit des Dreißigjährigen Krieges bzw. der Aera von Erzbischof Paris Graf Lodron stammen:

  • Müllner Schanze als dreistufige Wehranlage mit Augustinerpforte und Monikapforte und nächstgelegen dem Klausen-Kavalier (Humboldtterrasse). Der vordere Wehrgraben ist heute zugeschüttet und durch einen serpentinenartigen Straßenneubau stark beeinträchtigt
  • durchgehender Wehrmauernzug und skarpierte Felsen des Mönchsbergs
  • das Torwächterhaus des Zwingers unterhalb der Richterhöhe
  • Die „Katze“ (in der ersten Anlage aus der Zeit der 2. Stadtbefestigung)
  • Stadtmauerrest am Rudolfskai, beidseits des ehemaligen Michaelstores gelegen, vgl. Wappen mit Jahr 1620
  • Stadtmauerrest in der Basteigasse
  • Das Kajetanertor (1644), auch Erentrudistor genannt, als Ersatz für das abgebrochene Innere Schanzltor.
  • Das Gstättentor (1618, erste Anlage 1280)
  • Das Klausentor (1612, erste Anlage um 1280)

Rund um Schloss Mirabell

Um in Kriegszeiten wie beispielsweise dem Dreißigjährigen Krieg dem Schloss Mirabell und den neu entstandenen Stadtteilen rechts der Salzach, genannt die Neustadt, ausreichend Schutz bieten zu können, ließ Erzbischof Paris Graf Lodron im 17. Jahrhundert die ersten Befestigungsanlagen in diesem Gebiet errichten.

Er versetzte das Stadttor ("Mirabelltor"), durch das die Strasse nach Bergheim führte, in Richtung des heutigen Kongresshaus/Franz-Josef-Straße. Den bereits bestehenden Inneren Ostertor und dem Äußeres Ostertor (=Inneres Linzertor) wurde ein Äußeres Linzertor, sowie ein Äußerstes Linzertor in Richtung Schallmoos und Gnigl vorgebaut.

Dieses Lodronsche Verteidigungssystem war ein groß angelegtes System von bestückten Basteien, Wällen, Gräben und Vorwerken. Zur Verteidigung ließ er 4.000 Kanonen, Mörser und Wallbüchsen gießen.

Dieser Teil der Stadtbefestigungen, an der man 26 Jahre baute, wurde zeitgleich zum heute bestehenden Salzburger Dom errichtet. Innerhalb dieser "erweiterten" Neustadt ließ Lodron auch Gebäude für seine zahlreichen Verwandten errichten, die er nach Salzburg holte und ihnen ausgezeichnete Stellungen verschaffte. Eines davon ist dem Namen nach noch erhalten geblieben - das alte Borromäum, in dessen neu errichteten Mauern sich heute ein Teil des Mozarteums verbirgt.

Nach dem Anschluss Salzburg 1816 an k.u.k. Österreich gelangten die Anlagen in den kaiserlichen Besitz. Am 26. April 1866 endete dann der Verteidigungssinn dieser Stadtbefestigung. Mit Allerhöchster Entschließung[1] wurden die Festungswerke zwischen Schloss Mirabell und dem Linzer Tor anlässlich des 50-Jahr-Jubiläums der Vereinigung von Salzburg mit dem k.u.k. Österreich als Geschenk der Stadtgemeinde übergeben (nicht aber die Festung Hohensalzburg, die weiterhin im Besitz des Kaisers blieb!). Denn die Festungsbauten entsprachen nicht mehr der Waffenentwicklung. Sie wurden abgerissen. Das Material wurde für die Salzachregulierung und für die Kanalisation verwendet.

Es taucht fälschlicherweise immer wieder die Meinung auf, der Salzburger Gemeinderat hätten dann in den folgenden Jahren einen Beschluss gefasst, nach der Schleifung dieser Befestigungsanlagen auch die Festung Hohensalzburg zu schleifen. Mit dem Begriff "Festung" wurde damals nicht nur Hohensalzburg verstanden, sondern auch die gesamte befestigte Stadt. Kaiser Franz Joseph I. schenkte nur die Befestigungsanlagen der Stadt, nicht jedoch die Festung dazu. Diese blieb weiterhin Kaserne und Depot. Zudem blieb damals der Wert der Festung für die städtischen Gremien unbestritten.

Datei:Stadtbefestigung der Stadt Salzburg am Kapuzinerberg 01.jpg
Stadtbefestigung der Stadt Salzburg am Kapuzinerberg, gesehen von Hettwer-Bastei unterhalb des Kapuzinerkloster Ansicht: Nordwest nach Südost
Datei:Hettwerbastei Kapuzinerberg Blick auf Altstadt der Stadt Salzburg 20151105.jpg
Hettwer-Bastei auf dem Kapuzinerberg Blick auf Altstadt der Stadt Salzburg Ansicht: Nord nach Süd

Die Anlagen im Detail

Der Großteil der historischen Wehranlagen der Stadt sind nicht erhalten. Der alte Ring aus Basteien, bestehend aus der St. Vitalisbastei (heute Kurgarten), der St. Virgilbastei, der St. Heinrichbastei, der St. Rupertbastei und der St. Sebastianbastei, wurde um 1865 geschliffen. Heute kann man die einstige Ausdehnung im ringförmigen Verlauf von Franz-Josef-Straße und Auerspergstraße noch erahnen. Dazwischen lagen früher die Basteien.

Aus der Zeit der 1. Befestigung der Stadt stammen:

  • Ein Stadtmauernrest in einem Hof der Lederergasse (Lederergasse 1 und 3)
  • der gut erhaltene Wehrmauerteil westlich der Franziskuspforte mit erhaltenen Zinnen (Linzer Gasse 14)

Aus der Zeit der 2. Stadtbefestigung (etwa 1470 - 1490) stammen:

Aus der Zeit der 3. Stadtbefestigung (1621 - 1646, Zeit des Dreißigjährigen Krieges) stammen:

  • Die Wasserbastei im Mirabellgarten und die das Heckentheater westlich begrenzende Wehrmauer, die sich - in der Basis ebenfalls stark eingeschüttet hinter dem Mozarteum (Stiftungsgebäude und Großer Saal) fortsetzt.

Am Kapuzinerberg

Die Bauten aus der Zeit der 3. Stadtbefestigungen (siehe oben) wurden unter Erzbischof Paris Graf Lodron errichtet. Er bezog auch das Kapuzinerkloster in die Befestigungsanlagen ein, weshalb die Imbergstiege aus der Steingasse, damals noch aus Holz, und der Prügelweg aus der Linzer Gasse mit Toren vor dem Kloster versperrbar waren.

Das klug angelegte Verteidigungssystem auf diesem Stadtberg besaß auch im Norden in den steilen Felsen hinein angelegte Verteidigungsstellungen, die, beiden sogenannte Cavalliere. Damit wurden die von Norden in die Stadt führenden Straßen überwacht. Weiters gab es auf dem Kapuzinerberg drei Pulvertürme, eine Roßmühle und verschiedene Ziehbrunnen. Das Franziski-Schlössl war von allen militärischen Anlagen die einzige gewesen, die durchgehend besetzt war.

Als Militärbezirk war der Kapuzinerberg für Zivilisten bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts gesperrt.

Siehe auch

Weblinks

Weblinks zu historischen Karten

Historisches Kartenmaterial über die Stadt Salzburg:

Fußnoten

Quellen

Lehrerarbeitsgemeinschaft am Pädagogischen Institut Salzburg unter der Leitung von Josef Hübl: Heimatkunde Stadt Salzburg, Salzburger Druckerei, Ausgabe Mai 1974