Salzburgring: Unterschied zwischen den Versionen

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Version vom 27. Juli 2019, 12:34 Uhr

der legendäre Kurier-Zeitnehmerturm (abgebrannt 1999)
Karte
eines der Rennen am Eröffnungstag, dem 20. September 1969
20. September 1969: Eröffnung durch die Trachtmusikkapelle ?
20. September 1969: Start!
historische Rennwagenläufe am Salzburgring
Salzburgring aktuell
Der Ring im 21. Jahrhundert: Höchstgeschwindigkeitsabschnitt bei Start und Ziel
Salzburgring, Ansicht vom Gaisberg aus

Der Salzburgring ist eine permanente Rundkurs-Rennstrecke im Bundesland Salzburg. Seine Länge beträgt 4 255 bei einer Mindestbreite von zehn Metern und zwölf Kurven.

Geschichte

Der Salzburgring wurde am 21. September 1969 mit einem Renntag eröffnet. Er befindet sich im Nesselgraben, der zum größten Teil zur Gemeinde Koppl, zu einem kleinen Teil zur Gemeinde Plainfeld gehört. Er wurde zeitgleich mit dem 'Österreichring' bei Zeltweg, Steiermark, gebaut. Seine Errichtung geht auf Wilhelm Willy Löwinger, den Präsidenten des Österreichischen Automobil-Sport-Clubs (ÖASC) der geistige "Vater" der Europa-Bergmeisterschaft für Automobile, zurück.

Der Vertrag mit dem Land Salzburg als Grundeigentümer lief bis 2015. Pächter ist die Internationale Gemeinnützige Motorsportverein Salzburg-Ring (IGMS), der 2014 Kaufinteresse bekundete.[1]

1980er-Jahre: Wird der Salzburgring aufgelöst?

Zwei Tage nach dem Beschluss der Salzburger Landesregierung am 23. März 1981 den Salzburgring zu schließen, wurde die Aktion "Ja zum Salzburg-Ring" ins Leben gerufen. Sofort stellten sich der Club der Streckenfunktionäre bei seiner Jahreshauptversammlung in Mayrwies und der dabei durch Dieter Lode vertretene AC Bavaria sofort in den Dienst der Sache. Der SC Salzburg-Ring, der Motor Veteranen Club Salzburg, der Kart-Rennklub und schließlich der ARBÖ Salzburg schlossen sich dieser Aktion an.

Landeshauptmann Dr. Wilfried Haslauer konnten wenige Monate später bereits 25 000 Unterschriften übergeben werden - angefangen von der Sportprominenz wie Annemarie Moser-Pröll oder David Zwilling und natürlich den Motorsportlern bis hin zum einfachsten Motorsport-Fan. Und selbst Nicht-Motorsportfreunde konnten angesprochen werden, denn "es wäre ein Unsinn, im Nesselgraben 70 Millionen Schilling und mehr zu verschütten."[2] Insgesamt kamen über 30 000 Unterschriften zustande, darunter auch aus Neuseeland, den USA, aus Chile und Südafrika sowie aus europäischen Ländern.[3]

Im März 1982 wurde dann der Internationale Gemeinnützige Motorsportverein Salzburg-Ring gegründet. Diesem gehörten laut Statut sieben ordentliche Mitglieder an: fünf nicht gemeinnützige Motorsportvereine, ein "Club der Streckenfunktionäre" und die Gemeinde Plainfeld. Darin sahen die Gewerbebehörde und die Vereinsbehörde ein Vergehen und erließen Strafbescheide. In ihrer Begründung führten sie an, daß der Betrieb des Salzburg-Ringes überwiegend gewerbsmäßigen Charakter besitzt und daher eine gewerbliche Betriebsstättengenehmigung benötigt.[3]

1982 konnte die IGMS bereits positiv bilanzieren. Einnahmen in der Höhe von 2,6 Millionen Schilling (188.900 Euro) standen Ausgaben in der Höhe von 2,1 Millionen Schilling (152.600 Euro) gegenüber.[3]

"Nachdem der ARBÖ Salzburg noch im Februar 1985 im Alleingang vergeblich versucht hatte, die Rennstrecke in Eigenregie zu übernehmen, war im März 1985 allen am Weiterbestand interessierten Motorsportklubs klar, dass sie nur unter der Leitung eines parteipolitisch unabhängigen Fachmanns eine Chance hätten, von der Landesregierung die Zustimmung zur Weiterführung des Ringes zu erhalten. Der darauf angesprochene Obmann des Motor Veteranen Clubs Salzburg, Dipl.-Kfm. Dr. Helmut Krackowizer übernahm den Vorsitz des neu gegründeten Vereins [Anm.: IGMS] und vermochte bald darauf in einem das Ringschicksal entscheidenden Gespräch den damals ressortzuständigen Finanz-Landesrat Dipl.-Ing. Anton Bonimaier von der wirtschaftlichen Notwendigkeit der Weiterführung des Salzburgrings zu überzeugen, worauf die IG Salzburgring mit der Führung des Ringbetriebs betraut wurde." (Pressemeldung 19. März 1985 von Helmut Krackowizer[3])

Dr. Schmalzl vom Amt der Salzburger Landesregierung in einem Schreiben vom 30. Juli 1985 an Dr. Krackowizer:

"... 1) Wie bereits dargestellt, wurden die von Ihnen angesprochenen Verhandlungen über eine Verpachtung des Salzburg-Ringes an den IGMS im Juli und August 1981 unter Vorsitz von HR Dr. Johann Schernthanner bzw. LR Dipl.-Ing. Bonimaier abgehalten.
2) Unbestritten ist für das Amt der Salzburger Landesregierung Ihre hervorragende Rolle bei den Bemühungen um eine Weiterführung des Salzburg-Ringes. Das gefertigte Amt geht davon aus, daß ohne Ihre Initiativen eine Verpachtung an den IGMS entweder nicht oder nur zu einem wesentlich späteren Zeitpunkt erfolgt wäre."[3]

Wie ging es weiter?

Mit dem Auslaufen der Lizenz 1985 wurden seitens der Fédération Internationale de Motocyclisme (FIM) und Fédération Internationale du Sport Automobile (FISA) verschiedene Änderungsvorschläge in Bezug auf Streckenführung und Sicherheitseinrichtungen am Ring vorgeschrieben. Der IGMS investierte von Oktober 1985 bis April 1986 rund 2,8 Millionen Schilling (rund 203.000 Euro).

2006 liefen Gespräche mit dem oberösterreichischen Motorradhersteller KTM, der in der Nähe der Teststrecke auch ein Kompetenzzentrum aufbauen wollte, jedoch kam es zu keinem Übereinkommen.

2011 investierte die Ringgesellschaft drei Millionen Euro für eine vom internationalen Automobilsportverband FIA geforderte direkte Lkw-Zufahrt hinter den Boxen. Gleichzeitig wurden auch andere Baumaßnahmen durchgeführt wie ein Retentionsbecken für Regenwasser.

Red-Bull-Eigentümer Dietrich Mateschitz hatte Interesse an einem Kauf der Rennstrecke bekundet. Nachdem im September 2015 bekannt wurde, dass Mateschitz die Rennstrecke für drei Millionen Euro erwerben wollte, wurde der entsprechende Vertrag im Jänner 2016 unterschrieben. Anfang Juli 2016 wurde jedoch bekannt, dass der Verkauf an Dietrich Mateschitz geplatzt ist.[4][5]

Die 50-Jahr-Feier fand am 3. und 4. August 2019 statt.

Der Ring

Die Streckenlänge betrug anfangs 4 241 m, heute nach Umbauten (2019) 4 255 m. Die zwei langen Geraden (wobei die Gegengerade zur Start- und Zielgeraden leicht ansteigend ist), sowie die an diese Gegengerade anschließende lang gezogene Rechtskurve oberhalb des Fahrerlagers, ließen diese Strecke zu einer sehr schnellen Rennstrecke werden. Es gibt auch die Möglichkeit zu einer kürzeren Runde von nur 2 910 m, die durch eine Verbindung der beiden Geraden vor Erreichen der Nockstein-Kehre (am Ende der Startgerade) möglich ist.

Die minimale Breite der Strecke beträgt zehn Meter. Der Ring verfügt über zwölf Kurven, je sechs Rechts- und Linkskurven. Von den vier Geraden ist jene bei Start und Ziel mit 750 m die Längste. Die größte Steigung findet sich mit 3,8 % auf der Gegengeraden, das höchsten Gefälle mit 1,8 % in der Fahrerlagerkurve. Insgesamt überwindet der Kurs einen Höhenunterschied von knapp 22 m. Der Ring befindet sich zwischen 648,3 m ü. A. und 670,5 m ü. A..

Der Boxenkomplex bei Start und Ziel verfügt über 31 Boxen (aktuell?), das Fahrerlager mitten im Ring über eine Gesamtfläche von 24 900 m²

Durch die stetig erweiterten Sicherheitsauflagen für Motorsportveranstaltungen wurden im Laufe der Jahre mehrere Umbauten notwendig. Unter anderem entstanden so genannte Schikanen, um die Geschwindigkeit zu reduzieren, sowie Sturzräume, was auf Grund der Talkessellage des Rings sehr schwer bzw. teuer und aufwendig war.

Einzigartig sind die Naturtribünen, die durch ihre Lage oberhalb der Rennstrecke besonders interessante Rennbeobachtungen erlauben, vor allem im Abschnitt oberhalb des Fahrerlagers.

Die Veranstaltungen

Eine Woche vor seinem Tod fuhr Jochen Rindt am 30. August 1970 hier einen Formel-2-Lauf, den "Festspielpreis".

Motorrad-Asse wie Giacomo Agostini (MV Agusta) oder Toni Mang begeisterten bei Motorrad-Weltmeisterschaftsläufen (ab 1970 wurden am Salzburg die legendären 1. Mai Rennen gefahren) bis zu 100 000 Zuschauer. Der letzte Motorrad-Weltmeisterschaftslauf fand 1994 statt, später noch einmal ein Seitenwagen-WM-Lauf. Während des Rennens am 1. Mai 1977 verunglückte der Schweizer Hans Stadelmann tödlich.

Zwischen 1975 und 1994 gab es mehrere Male den "Oldtimer Grand Prix" für historische Motorräder und Automobile, der mehrere Hundert Teilnehmer aus aller Welt anlockte (u. a. Juan Manuel Fangio [Argentinien], Niki Lauda, John Surtees GB, dem einzige Weltmeister auf Motorrad und in der Formel 1), Luigi Taveri CH u. a.). Diese Veranstaltung musste dann aufgrund von damals verschärften Lärmschutzbestimmungen des Bundeslandes Salzburg eingestellt werden. Von 2004 bis 2010 fanden die Rupert Hollaus Gedächtnisrennen, eine Oldtimerveranstaltung in Erinnerung an den einzigen österreichischen Solo-Motorradweltmeister Rupert Hollaus, statt.

Am 20. Mai 2012 kehrte mit der FIA Tourenwagen-Weltmeisterschaft (WTCC) international hochrangiger Motorsport auf den Salzburgring zurück. Der WM-Lauf kostet den Veranstalter rund eine halbe Million Euro, davon erhält der WTCC 160.000 Euro. Die erste Auflage wurde laut Aussage von Ringleiter Alex Reiner von Red Bull-Chef Dietrich Mateschitz unterstützt.[6] Im Rahmen des WTCC fuhren erstmals auch die Ferrari- und Maserati-Challenge in Salzburg. 2012 waren fünf Marken am Start: neben dem Werkteam von Chevrolet die Privatteams mit BMW, SEAT, Volvo und Honda.[7]

Die Veranstaltung stand auch 2013 als einziger Lauf im deutschsprachigen Raum auf dem Kalender der WTCC.

Die Anzahl der großen Motorsportveranstaltungen ist auf fünf pro Jahr limitiert. Es finden aber auch regelmäßig andere Veranstaltungen wie Fahrzeugpräsentationen von Automobil-Herstellern, Fahrerlehrgänge und Clubtreffen statt.

Von 1978 bis 1986? fanden Elefantentreffen im Winter statt, von 2002 bis 2008 im Sommer das Frequency Festival. Im Juli 2013 erlebte der Ring mit dem Electric Love Festival seine Wiedergeburt als Festival-Location.

Obwohl kaum noch Motorsport-Events mit vielen Zuschauern stattfinden, ist der Salzburgring von März bis November jedes Jahr ausgebucht und kann sich selbst bei einem jährlichen Umsatz von 1,5 Millionen Euro ohne Subventionen finanzieren und bringt der umliegenden Wirtschaft zusätzliches Geld.

Schwere Unfälle am Salzburgring

  • 1. Mai 1977: der Schweizer Hans Stadelmann kommt bei einem Massensturz in der Fahrerlagerkurve im 350er Rennen des Großen Preises von Österreich ums Leben
  • Mai 1989: der Österreicher Heinz Hutter verunglückte bei einem Motorrad-Rennen tödlich
  • Mai 1989: schon zwei Wochen später gab es bei einem Lauf zur österreichischen Motorrad-Staatsmeisterschaft erneut einen schwer verletzten Rennfahrer
  • Juli 1994: drei Streckenposten kamen bei einem Rennen zur Deutschen Tourenwagen-Trophy ums Leben; daraufhin wurde das Rennwochenende daraufhin abgesagt
  • Juli 1996: bei einem Formel-Rennen wurden der Rennleiter und ein Funktionär von einem außer Kontrolle geratenen Fahrzeug schwer verletzt.
  • Am 17. September 2011 kam ein 45-jähriger Schweizer bei einem Fahrertraining des Automobil Clubs Liechtenstein am Salzburgring mit seinem Porsche bei einem Unfall ums Leben, sein 13-jähriger Beifahrer wurde schwer verletzt[8]

Veranstaltungen, von denen es eigene Salzburgwiki-Artikel gibt

Bildergalerie

Aufnahmen aus den ersten 30 Jahren

Eröffnungsrennen 20. und 21. September 1969

weitere Bilder

 Salzburgring – Sammlung von weiteren Bildern, Videos und Audiodateien im SALZBURGWIKI
 Panoramaaufnahmen vom Salzburgring – Sammlung von weiteren Bildern, Videos und Audiodateien im SALZBURGWIKI

Literatur

  • Legende Salzburgring - Im Windschatten der Geschichte, Verlag Anton Pustet 2014, ISBN 978-3-7025-0762-6
  • Florian T. Mrazek: Legend Salzburgring Tradition meets Innovation, 50 Jahre Salzburgring, Verlag Anton Pustet, 2019, ISBN 978-3-7025-0942-2

Quellen

  • Eintrag in der deutschsprachigen Wikipedia zum Thema "Salzburgring"

Weblink

Einzelnachweise

  1. salzburg.orf.at, 18. Juni 2014
  2. rund 5,1 Millionen Euro
  3. 3,0 3,1 3,2 3,3 3,4 Quelle Motorrad-Literatur- und Bildarchiv Prof. Dr. Helmut Krackowizer
  4. Salzburger Nachrichten vom 17. September 2015 und www.meinbezirk.at, 16. September 2015
  5. www.motorsport-magazin.com mateschitz-kauft-salzburgring-doch-nicht, 1. Juli 2016
  6. "Salzburger Nachrichten", 7. Oktober 2011
  7. "Salzburger Nachrichten", 4. November 2011
  8. Quelle online