Gaisbergbahn

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Die Bergstation der Gaisbergbahn.
Am 22. August 1899 fuhr der Schah von Persien, Nasr ed Din, mit der Gaisbergbahn.
Salzburg - Gaisberg - Gaisbergbahn - 1912 - Ansichtskarte (Friedrich Pflauder).
Weiche Zistel.
Das Bild zeigt das Gaisbergplateau. Zu sehen links im Bild ist das Stationsgebäude der Gaisbergbahn, in der Mitte die Villa Pflauder, rechts das 1939 abgebrannte Hotel Gaisbergspitze.
Fahrplan der Gaisbergbahn 1889.
Verlauf Gaisbergbahn Salzburg
Im Bild die Zistelalpe, rechts die Gaisberg-Autostraße, Bildmitte die ehemalige Trasse der Gaisbergbahn.
Nachbau der Station Zistelalpe im Salzburger Freilichtmuseum.
Lokomotive Nummer 1 im Salzburger Freilichtmuseum am 11. Mai 2016.
Gaisbergbahn Lokomotive Nummer 1 im Südbahnmuseum in Mürzzuschlag.

Die Gaisbergbahn war eine Zahnradbahn, die von 1887 bis 1928 in der Stadt Salzburg vom Bahnhof Parsch auf den Gaisberg fuhr. Die Bahn verkehrte während der Saison jeweils von Anfang Mai bis Ende Oktober. Der Betreiber war die Gaisbergbahn AG.

Entstehung

Berthold Curant und Carl Peusens planten nicht nur eine Zahnradbahn auf den Schafberg, sondern erhielten auch 1873 die Vorkonzession für den Bau der Gaisbergbahn. Schon 1871 war auf dem Rigi in der Schweiz eine Zahnradbahn eröffnet worden, die großes Aufsehen erregte. Aber weder Curant noch Peusens waren die Bauherren der Salzburger Zahnradbahn auf den Gaisberg.

Nach langen Vorbereitungen gelang es 1885 auf Vermittlung des Schweizer Ingenieurs Riggenbach, des Altmeisters der Rigibahn, vielmehr die Berliner Firma Svenderop & Cie[1], die bereits zwei Bahnen in Deutschland errichtet hatte (die Niederwaldbahnen am Rhein), zum Bau in Salzburg zu überzeugen.

Im Juli 1885 suchten der Salzburger Hotelier Joseph Cathrein und die Berliner Firma Svenderop & Cie um die Errichtungskonzession an. Sie hatten das Projekt zusammen mit dem Wiener Ing. Joseph Tauber erstellt. Das k.k. Handelsministerium beauftragte im Juli die Salzburger Landesregierung, nach vorheriger Information über die Trassenführung und Stationserrichtungen die Amtshandlungen unter Zuziehung sämtlicher Interessenten ehestmöglich vorzunehmen. Mit dieser Amtshandlung war auch die Feststellung des Gegenstandes und Umfanges der im Fall der Konzessionserteilung in Anspruch zu nehmenden Enteignungen verbunden.[2]

Am 24. März 1886 erhielt dann Joseph Cathrein mit der Firma Soenderop & Cie (Svenderop?) in Berlin und dem Zivilingenieur Alexander Werner die angesuchte Konzession zum Bau und Betrieb einer Zahnradbahn von Parsch auf den Gaisberg. Die als Zahnradbahn zu erbauende, zirka 5,5 Kilometer lange Lokalbahn sollte bei der Haltestelle Parsch beginnen, in östlicher Richtung zum Fuße des Gaisbergs und von da über den Judenberg und die Zistelalpe zum Gaisbergplateau führen, wo sie beim Hotel Gaisbergspitze enden sollte, das Joseph Cathrein dort bereits erbaut hatte. Der Mitkonzessionär Alexander Werner plante auch eine Verbindung der Gaisbergbahn mit der Salzburger Dampftramway.[3][4]

Mitte Juli 1886 begann man mit den Bauarbeiten unter der Leitung von Ing. Heinrich Schroeder. Am 25. Mai 1887 fand die feierliche Eröffnung der Gaisbergbahn statt. Mit dem Ende dieser ersten Saison wurden bereits 40 000 Touristen sowie 180 Tonnen Gepäck und Güter befördert.

Mit der Eröffnung der Gaisbergbahn verschwanden die Sesselträger vom Residenzplatz, die bisher häufig Touristen auf die Gaisbergspitze gebracht hatten.

Technische Daten

Die Gaisbergbahn war eine meterspurige Zahnradbahn (System Riggenbach) nach dem Prinzip der Vitznau-Rigi-Bahn (Schweiz). Die Bauzeit betrug nur wenige Monate. Sie fuhr vom Bahnhof Parsch aus mit einer Geschwindigkeit von 10 km/h den Berg hinauf und bewältigte dabei Steigungen bis zu 250 ‰.

Die Gaisbergbahn verfügte über fünf Dampflokomotiven mit Kohlefeuerung. Die ersten vier wurden von der deutschen Maschinenfabrik Esslingen geliefert, die fünfte von der Lokomotivfabrik Wien-Floridsdorf. Letztere war die erste in Österreich gebaute Zahnradbahn-Lokomotive. Des Weiteren verfügte die Bahn über neun Personenwagen und einige Güterwagen. Die Lokomotive Nummer 1 befindet sich seit Mai 2016 im Salzburger Freilichtmuseum, wo sie ab August 2016 in der Lokremise zu sehen sein wird.

Stationen

Die Gaisbergbahn besaß folgende Stationen:

  • Bahnhof Parsch (existiert noch in umgebauter Form, ebenso das Heizhaus für die Lokomotiven)
  • Judenberg-Alpe (ehemals Ausflugsgasthaus, heute Hotel Kobenzl)
  • Zistel-Alpe (die Bindestrich-Schreibweise entspricht der originalen Beschriftung der Stationen)
  • Die Endstation Gaisbergspitze stand bei dem im Jahr 1939 abgebrannten Hotel Gaisbergspitze (ebenfalls 1887 auf der Gaisbergspitze erbaut, unweit der heutigen Zufahrt zur Sendeanlage)

Die Stationsgebäude waren für ihre Zeit komfortabel ausgestattet. Jedes Stationsgebäude verfügte über ein Büro für den Fahrkartenverkauf und über einen Warteraum für Schlechtwettertage. Vor den Stationsgebäuden befanden sich Tische und Bänke, die bei schönem Wetter zum Sitzen einluden. Jedes Haltestellengebäude verfügte zudem über Sanitäranlagen. Da zu jener Zeit die Bahn auch Post beförderte, besaß jede Station auch einen Postkasten.

Berühmte Persönlichkeiten, die mit dieser Bahn fuhren

  • Im Eröffnungsjahr 1887 fuhr der steirische Heimatdichter Peter Rosegger mit der Bahn.
  • Am 22. September 1888 fuhr seine kaiserliche Hoheit Erzherzog Rainer von Österreich mit der Bahn.[5]
  • Am 22. August 1889 fuhr der Schah von Persien, Nāser ad-Din Schah Qadschar, mit der Bahn.
  • Am 15. Juli 1896 fuhr Kaiserin Elisabeth von Österreich mit der Bahn.
  • Der Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand fuhr am 14. Juli 1899 und am 19. August 1912 mit der Bahn. Am 19. August 1912 kam es dabei zu einem peinlichen Vorfall: Durch das Nichtbeachten eines telefonischen Auftrags näherte sich zwischen den Stationen Judenbergalpe und Zistelalpe ein talwärts fahrender Zug dem Hofzug, in dem sich der Thronfolger befand. Beide Züge mussten in Sichtweite anhalten und warten, bis die Lokomotive des zuvor talwärts fahrenden Zuges genügend Dampf hatte, um bis zur Ausweiche Zistelalpe zurückfahren zu können.

Der Erste Weltkrieg und die Folgen für die Bahn

Das Jahr 1914 hatte hoffnungsvoll begonnen, aber mit Kriegsbeginn brach der Verkehr schlagartig ab. Im darauffolgenden Jahr wollte man den Betrieb gar nicht aufnehmen, aber das damalige k.u.k.-Eisenbahnministerium bestand darauf unter dem Hinweis der Betriebspflicht, sodass ab 1. Juli 1915 ein bescheidener Betrieb abgewickelt wurde. Die Jahre 1916 und 1917 waren für die Bahn gar nicht so schlecht. Im Jahr 1918 gab es aber infolge des Ersten Weltkriegs keine Kohle mehr und der Betrieb ruhte bis 1920. Während dieser Zeit wurden lediglich einige Arbeits- und Güterzüge eingesetzt. Der reguläre Betrieb wurde erst im Frühjahr 1921 wieder aufgenommen.

Die Gaisberghöhenstraße – das Ende der Zahnradbahn

Im Mai 1927 feierte man bei der Gaisbergbahn noch das 40‑jährige Jubiläum. Man stellte Überlegungen an, die Bahn zu elektrifizieren. Gegen Ende des Jahres 1927 kamen jedoch Pläne für eine neue Höhenstraße auf den Tisch. Die Gaisbergbahn musste daher bereits im März 1928 in Betrieb bleiben und während der Saison 1928 neben den Personenzügen zahlreiche Güterzüge führen, weil sie den Materialtransport für den Bau der Gaisbergstraße übernehmen musste.

Die letzten fahrplanmäßigen Personenzüge der Gaisbergbahn fuhren am 30. Oktober 1928. Die Tageszeitungen erwähnten dies damals nicht, da man seitens der Redaktionen keine Notwendigkeit sah. Am 20. November 1928 wurde beschlossen, den Betrieb der Bahn nicht aufrechtzuerhalten, da die Bauarbeiten für die Straße bereits sehr weit fortgeschritten waren. Der damalige Landeshauptmann Franz Rehrl fuhr bereits Ende 1928 mit seinem Auto bis auf das Gaisbergplateau hinauf.

Die Gaisbergstraße wurde im Jahr 1929 eröffnet, und das Busunternehmen Albus richtete noch im selben Jahr eine Buslinie auf den Gaisberg ein. Heute ist das die Linie151. Damit war das Ende der Gaisbergbahn endgültig besiegelt. Die Strecke wurde 1930 abgebaut. Hierfür musste Lok Nr. 4 mitsamt einem Güterwagen eingesetzt werden. Alle Lokomotiven wurden – mit Ausnahme von Lok Nr. 1 – verschrottet, und die Wagen teilweise verkauft.

Erinnerungen an die Gaisbergbahn

Die Stationsgebäude Judenberg und Zistelalm gibt es heute noch; sie werden privat bewohnt, während das Stationsgebäude Gaisbergspitze bereits um 1947 herum abgetragen wurde. Am erstgenannten Stationsgebäude weist heute eine Tafel auf die Gaisbergbahn hin.

Auf dem Gaisbergplateau befand sich neben dem damaligen Hotel auch das Atelier des Fotografen Friedrich Pflauder, das zugleich k.u.k.-Postablage war. Diesem Umstand ist es wohl zu verdanken, dass es noch sehr viele Fotos und Postkarten von der Gaisbergbahn gibt.

Die Bahntrasse ist insbesondere im Bereich der einstigen Bergstrecke weiterhin gut erkennbar und als Wanderweg erhalten geblieben. Entlang dieser Trasse finden sich sogar noch Kilometersteine, bei einigen davon ist die Inschrift "GB" für Gaisbergbahn deutlich lesbar.

Der untere Bereich im Stadtteil Parsch ist hingegen mittlerweile sehr dicht besiedelt. Hier erinnert nahezu nichts mehr an die Zahnradbahn. Heute existieren dort nur noch das Heizhaus in umgebauter Form und das Beamtenwohnhaus, das einst für die Bediensteten der Gaisbergbahn errichtet wurde.

Eine Wiedererrichtung einer Gaisbergbahn?

In den vergangenen Jahren (Stand 2007) war der Verkehr auf den Gaisberg an manchen Tagen so stark, dass die Straße zeitweise wegen Überlastung gesperrt werden musste. Daher wird in den ersten Jahrzehnten des 21. Jahrhunderts immer wieder diskutiert, die Gaisbergbahn wieder zu errichten und anschließend die Straße für den Kfz-Verkehr zu sperren. Ob dies jedoch jemals verwirklicht wird, ist fraglich, da dies mit erheblichen Kosten verbunden wäre.

Erwähnenswert

Während ihrer gesamten Dienstzeit gab es bei der Gaisbergbahn keinen einzigen Unfall.

Weblinks

Quellen

Einzelnachweise

  1. alte Schreibweise für Compagnie = Partner, also das heute gebräuchliche & Co
  2. ANNO, Wiener Zeitung, Ausgabe vom 3. Juli 1885, Seite 5
  3. ANNO, Wiener Zeitung, Ausgabe vom 4. April 1886, Seite 7
  4. ANNO, "Salzburger Chronik", Ausgabe vom 6. April 1886, Seite 2
  5. Quelle ANNO, Salzburger Volksblatt, Ausgabe vom 25. September 1888, Seite 3