Kobler-Spängler-Briefe: Unterschied zwischen den Versionen
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(weitere Briefe erhalten - die Daten müssen noch optisch aufbereitet werden (Stand 15. Dezember 2020) - es darf gerne jeder daran mitarbeiten) |
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Die Briefe sind zum Teil übertragen, zum Teil zusammenfassend registriert; eine genauere Auswertung steht noch aus. Die ältesten Briefe stammen aus der Beziehung zwischen „Fanny“ [[Franziska Kobler]] (* [[1796]]; † [[1886]]) und Franz ''Francesco'' Castelli (* 1796; † [[1832]]). Deren Tochter [[Zäzilia Amalia Kobler]] wird [[1821]] geboren und heiratet [[1846]] [[Richard Franz Schlegel]], stirbt aber bei der Geburt des ersten Kindes [[1848]]. Diese Tochter, „Fanni“ Franziska Schlegel (* [[1848]]; † [[1905]]), heiratet [[1872]] in der [[Stadt Salzburg]] den späteren Oberlandesgerichtsrat in Krems, den oben genannten Dr. Franz Xaver Spängler. Ein großer Teil des Briefwechsels spiegelt die besonders enge Beziehung zwischen Großmutter „Fanny“ und Enkelkind „Fanni“.<ref>Trotz unterschiedlicher Schreibweise in den Briefen vereinheitliche ich [O. H.] zu Großmutter „Fanny“ [Kobler] und Enkelin „Fanni“ [Schlegel-Spängler].</ref> | Die Briefe sind zum Teil übertragen, zum Teil zusammenfassend registriert; eine genauere Auswertung steht noch aus. Die ältesten Briefe stammen aus der Beziehung zwischen „Fanny“ [[Franziska Kobler]] (* [[1796]]; † [[1886]]) und Franz ''Francesco'' Castelli (* 1796; † [[1832]]). Deren Tochter [[Zäzilia Amalia Kobler]] wird [[1821]] geboren und heiratet [[1846]] [[Richard Franz Schlegel]], stirbt aber bei der Geburt des ersten Kindes [[1848]]. Diese Tochter, „Fanni“ Franziska Schlegel (* [[1848]]; † [[1905]]), heiratet [[1872]] in der [[Stadt Salzburg]] den späteren Oberlandesgerichtsrat in Krems, den oben genannten Dr. Franz Xaver Spängler. Ein großer Teil des Briefwechsels spiegelt die besonders enge Beziehung zwischen Großmutter „Fanny“ und Enkelkind „Fanni“.<ref>Trotz unterschiedlicher Schreibweise in den Briefen vereinheitliche ich [O. H.] zu Großmutter „Fanny“ [Kobler] und Enkelin „Fanni“ [Schlegel-Spängler].</ref> | ||
| + | === Franz Castelli === | ||
Franz ''Francesco'' Castelli<ref>„Castelli“ dürfte ein verbreitete Name sein. Kaum Verwandtschaft besteht mit dem [[Wien]]er Ignaz Franz Castelli (* [[1781]]; † [[1862]]), der selbst über seine Familie in ''Aus dem Leben eines Wiener Phäaken 1781–1862. Die Memoiren des I. F. Castelli'', neu hrsg. von Adolf Saager, 3. Auflage, Stuttgart (o.J.), S. 37, schreibt „''Mein Name hat zwar italienischen Klang, und es wäre wohl zu vermuten, dass meine Voreltern Italiener gewesen seien, aber ich habe darüber nie etwas Gewisses erfahren können, denn mein Vater selbst wusste über seine Ahnenleiter nichts weiter, als dass sein Vater ein ehrsamer Schneidermeister in der Leopoldstadt [Wien] gewesen sei.''“ </ref> aus Brescia in Oberitalien, schreibt [[1821]] und [[1827]] aus Peterwardein (damals [[Habsburgermonarchie]], heute Novi Sad) in [[Serbien]] und aus (dem ebenfalls in dieser Zeit unter österreichischem Einfluss stehenden) [[Venedig]] fünf Briefe an seine Verlobte Fanny Kobler in Salzburg. Sie heiraten nicht, bleiben aber im Kontakt. Er, Landvermesser beim Militär, im „Genie Korps“ (Pioniere) im Rang eines Oberleutnants, stirbt, bevor er eine Familie ernähren kann. | Franz ''Francesco'' Castelli<ref>„Castelli“ dürfte ein verbreitete Name sein. Kaum Verwandtschaft besteht mit dem [[Wien]]er Ignaz Franz Castelli (* [[1781]]; † [[1862]]), der selbst über seine Familie in ''Aus dem Leben eines Wiener Phäaken 1781–1862. Die Memoiren des I. F. Castelli'', neu hrsg. von Adolf Saager, 3. Auflage, Stuttgart (o.J.), S. 37, schreibt „''Mein Name hat zwar italienischen Klang, und es wäre wohl zu vermuten, dass meine Voreltern Italiener gewesen seien, aber ich habe darüber nie etwas Gewisses erfahren können, denn mein Vater selbst wusste über seine Ahnenleiter nichts weiter, als dass sein Vater ein ehrsamer Schneidermeister in der Leopoldstadt [Wien] gewesen sei.''“ </ref> aus Brescia in Oberitalien, schreibt [[1821]] und [[1827]] aus Peterwardein (damals [[Habsburgermonarchie]], heute Novi Sad) in [[Serbien]] und aus (dem ebenfalls in dieser Zeit unter österreichischem Einfluss stehenden) [[Venedig]] fünf Briefe an seine Verlobte Fanny Kobler in Salzburg. Sie heiraten nicht, bleiben aber im Kontakt. Er, Landvermesser beim Militär, im „Genie Korps“ (Pioniere) im Rang eines Oberleutnants, stirbt, bevor er eine Familie ernähren kann. | ||
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„''A Demoiselle la Demoiselle Amélie Castelli, Stadt, [[Judengasse]] N. 67, Salzburg. Trés aimable Amélie! La grande estime, quelle m’inspirent Vos prééminentes qualités, a reveillé en moi ce tendre sentiment, que le createur des mondes a planté dans nos coeurs, pour nous faire heureux […] Votre très intime amant Anonyme.“ [ohne Datum, Salzburg; Siegel mit Wappen, nicht Richard Schlegel]. | „''A Demoiselle la Demoiselle Amélie Castelli, Stadt, [[Judengasse]] N. 67, Salzburg. Trés aimable Amélie! La grande estime, quelle m’inspirent Vos prééminentes qualités, a reveillé en moi ce tendre sentiment, que le createur des mondes a planté dans nos coeurs, pour nous faire heureux […] Votre très intime amant Anonyme.“ [ohne Datum, Salzburg; Siegel mit Wappen, nicht Richard Schlegel]. | ||
| − | „''Fräulein Fräulein Amalie v Castelli zu Salzburg, Judengasse Nr. 67 [heute Nr. 15], 1. Stock. Meine philosophische Freundin! Sage mir nur was für ein Geist in Dich gefahren ist [… Warasdin, Datum nicht erkennbar; anderes Wappen-Siegel]. | + | „''Fräulein Fräulein Amalie v Castelli zu Salzburg, Judengasse Nr. 67 [heute Nr. 15], 1. Stock. Meine philosophische Freundin! Sage mir nur was für ein Geist in Dich gefahren ist [… Warasdin, Datum nicht erkennbar; anderes Wappen-Siegel]. |
| − | „''Fräulein Malli Kobler. Im Gasthofe zur Hölle XXX Judengasse Nr. 67. Salzburg. Verehrtes Fräulein, Mit dem innigsten Bedauern vernehmen wir von Ihnen die Kunde von dem Dahinscheiden Ihres theuren Vaters. So mußte schon so bald der harte Schlag treffen XXX [… Salzburg 1841]. | + | „''Fräulein Malli Kobler. Im Gasthofe zur Hölle XXX Judengasse Nr. 67. Salzburg. Verehrtes Fräulein, Mit dem innigsten Bedauern vernehmen wir von Ihnen die Kunde von dem Dahinscheiden Ihres theuren Vaters. So mußte schon so bald der harte Schlag treffen XXX [… Salzburg 1841]. |
„''A Mademoiselle Mademoiselle Amalie de Castelli à Salzburg, abzugeben in Kobler’s Brauhause. Liebes Malchen! Wieder ist heute die Stunde der Postankunft trostlos nun hingeschwunden – Nichts bringend, das mich beglücken sollte […] Richard [Schlegel; Kufstein 1843]. | „''A Mademoiselle Mademoiselle Amalie de Castelli à Salzburg, abzugeben in Kobler’s Brauhause. Liebes Malchen! Wieder ist heute die Stunde der Postankunft trostlos nun hingeschwunden – Nichts bringend, das mich beglücken sollte […] Richard [Schlegel; Kufstein 1843]. | ||
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„''An Fräulein Fräulein Amalia Castelli Wohlgeboren in der Hölle. NB Nur für Dich! Innigste geliebtes Mauserl! Es ist doch höchst sonderbar […] Dein kopfloser Richard. 8. 12. [1]845“.'' | „''An Fräulein Fräulein Amalia Castelli Wohlgeboren in der Hölle. NB Nur für Dich! Innigste geliebtes Mauserl! Es ist doch höchst sonderbar […] Dein kopfloser Richard. 8. 12. [1]845“.'' | ||
| + | === Großmutter Fanny „Höllbräuin“ === | ||
Großmutter Fanny, „Höllbräuin“ in Salzburg und Besitzerin des heutigen Gasthauses [[Höllbräu]] (heute [[Hotel Altstadt Radisson Blu]]), wechselt über viele Jahre hinweg Briefe mit ihrer Enkelin Fanni. In diesen Briefen ist viel von „Gesundheit“, „Tod im Kindbett“ usw. die Rede. Das ist nicht zufällig und nicht nur allgemeines Gesprächstema der Zeit, sondern auf die besondere Beziehung beider Frauen zueinander zurückzuführen. Zumeist geht es jedoch (später) um Alltagsdinge, um familiäre Nachrichten und um Grüße: | Großmutter Fanny, „Höllbräuin“ in Salzburg und Besitzerin des heutigen Gasthauses [[Höllbräu]] (heute [[Hotel Altstadt Radisson Blu]]), wechselt über viele Jahre hinweg Briefe mit ihrer Enkelin Fanni. In diesen Briefen ist viel von „Gesundheit“, „Tod im Kindbett“ usw. die Rede. Das ist nicht zufällig und nicht nur allgemeines Gesprächstema der Zeit, sondern auf die besondere Beziehung beider Frauen zueinander zurückzuführen. Zumeist geht es jedoch (später) um Alltagsdinge, um familiäre Nachrichten und um Grüße: | ||
| − | Fanny Kobler an Fanni Spängler | + | <u>Fanny Kobler an Fanni Spängler</u> Brief mit Prägestempel [englisches Staatswappen] |
:''„Salzburg 19. 4. 1872: Dank für Zeilen aus Kufstein, aber das sind wenig Nachrichten, von allen Seiten wird gefragt, „wo ihr seit, und wie es Euch geht“''. Die Großmutter beklagt sich über fehlende Nachrichten, „''es hat mich sehr geschmerzt, dein Mann zeigt dir alle Naturschönheiten, „ein ganz kleines Plätzchen in deinem Herzen gehört auch noch mir, so hab ich mir gedacht. [...] Seit mehreren Tagen rüstet sich alles zum Ball der Morgen stattfinden wird. Mina hat ein gelbes Seidenkleid mit weisen Oberkleid, die Lida [Guttenberg] ein Rosakleid. Es sind über 600 Personen geladen. [...] Die Arigler ([[Arrigler]]) Lina ist Braut von Hr. Hager der von Arigler das Geschäft gekauft hat. [...] Lebet wohl und vergnügt bis wir uns in Mödling treffen, Gott erhalten uns gesund, dieß ist der innigste Wunsch deiner dich liebenden Großmutter Fanni.''“ | :''„Salzburg 19. 4. 1872: Dank für Zeilen aus Kufstein, aber das sind wenig Nachrichten, von allen Seiten wird gefragt, „wo ihr seit, und wie es Euch geht“''. Die Großmutter beklagt sich über fehlende Nachrichten, „''es hat mich sehr geschmerzt, dein Mann zeigt dir alle Naturschönheiten, „ein ganz kleines Plätzchen in deinem Herzen gehört auch noch mir, so hab ich mir gedacht. [...] Seit mehreren Tagen rüstet sich alles zum Ball der Morgen stattfinden wird. Mina hat ein gelbes Seidenkleid mit weisen Oberkleid, die Lida [Guttenberg] ein Rosakleid. Es sind über 600 Personen geladen. [...] Die Arigler ([[Arrigler]]) Lina ist Braut von Hr. Hager der von Arigler das Geschäft gekauft hat. [...] Lebet wohl und vergnügt bis wir uns in Mödling treffen, Gott erhalten uns gesund, dieß ist der innigste Wunsch deiner dich liebenden Großmutter Fanni.''“ | ||
| − | Fanny Kobler an Fanni Spängler | + | <u>Fanny Kobler an Fanni Spängler</u> |
: „''Salzburg am 14te Dez: 1872. Liebe Fanni! Dießmal muß ich deinen Brief gleich beantworten, damit du nicht zweifeln darfst ob ich euch beherbergen werde. Wie, und warum du, daran auch nur einen Augenblick zweifeln konntest, weis ich nicht. Ich habe nur zu ein paar Bekante mich geäußert, das wenn ihr im Winter kommt es mir recht leid thut, weil ich euch zum schlafen kein geheiztes Zimmer geben kann, das hab ich auch zu Franzens Mutter gesagt. Wenn es die Geschäfte deines Mannes erlauben, o, so komt nur meine Lieben die alte Großmutter hat große Sensucht euch einmal wieder zu seh’n. – Die Feyertage werden ja doch keine Verhandlungen sein, und so gebe ich mich der Hoffnung hin, euch gewiß zu seh’n. Die Lida [Guttenberg; Freundin] hab ich nur einmal gesprochen, solang sie jetzt in Salzburg ist, jezt hat sie die Nani schon 8 Tage die Winterkleidung zusammenzurichten. Hast du dir ein schwarzes Tuchkleid gekauft, oder nur eine Ueberschosse [?] und eine Jage [Jacke]. Die meisten Mädchen bey uns, haben Ansetze von Sammt wenn es aber nicht ein schönes Sammt ist gefallen sie mir viel weniger als von Tuch. Der Walli ihre Hochzeit wird den 25.ten Januar sein. Erlach Robert ist Brautführer und Ida [Schlögelhofer] eine von die Kranzjungfraun. Die Schwester der Haßseck [?] die Mari hat den 20.te Hochzeit mit Herrn Mößer, der einmal die Schnerberger hat heurathen wollen, er ist Braumeister in Steuer [Steyr]; die [[Laschenzky|Laschenzki]] welche dich herzlich grüß, hat zwey Hochzeiten in einer Woche. Das deine Wirthschaft so gut geht freud mich sehr, aller Anfang ist schwer, besonders wenn man fremd ist, ich habe auch gar nicht gezweifelt, das es so werden wird, wenn du länger in Mödling bist. Was deine Geschwister betrift mußt du entweder jeden etwas geben, oder keinen nichts [!], ich glaube es [ist] nicht notwendig ihnen etwas zu geben. Die schönen Tage sind jetzt bey uns vorüber, 2 Tag haben wir Schnee und kalt. Wenn es zur Reise kommt wie ich hoffe, zieht euch ja recht warm an. Jedenfalls sey so gut ein paar Tage früher es mir wißen zu lassen wann ihr eintrefft. Lebe recht wohl, grüße deinen Mann von mir herzlich, es ist auch für ihn wohlthuent einige Tage [fehlt wohl: Ferien] zu mach’n. Erfreue bald mit einer angenehmen Antwort deine dich liebende Großmutter Fanni Kobler. – Alle Bekanten grüßen dich herzlich Deinen Brief hab ich erst den 12.te erhalten''“ | : „''Salzburg am 14te Dez: 1872. Liebe Fanni! Dießmal muß ich deinen Brief gleich beantworten, damit du nicht zweifeln darfst ob ich euch beherbergen werde. Wie, und warum du, daran auch nur einen Augenblick zweifeln konntest, weis ich nicht. Ich habe nur zu ein paar Bekante mich geäußert, das wenn ihr im Winter kommt es mir recht leid thut, weil ich euch zum schlafen kein geheiztes Zimmer geben kann, das hab ich auch zu Franzens Mutter gesagt. Wenn es die Geschäfte deines Mannes erlauben, o, so komt nur meine Lieben die alte Großmutter hat große Sensucht euch einmal wieder zu seh’n. – Die Feyertage werden ja doch keine Verhandlungen sein, und so gebe ich mich der Hoffnung hin, euch gewiß zu seh’n. Die Lida [Guttenberg; Freundin] hab ich nur einmal gesprochen, solang sie jetzt in Salzburg ist, jezt hat sie die Nani schon 8 Tage die Winterkleidung zusammenzurichten. Hast du dir ein schwarzes Tuchkleid gekauft, oder nur eine Ueberschosse [?] und eine Jage [Jacke]. Die meisten Mädchen bey uns, haben Ansetze von Sammt wenn es aber nicht ein schönes Sammt ist gefallen sie mir viel weniger als von Tuch. Der Walli ihre Hochzeit wird den 25.ten Januar sein. Erlach Robert ist Brautführer und Ida [Schlögelhofer] eine von die Kranzjungfraun. Die Schwester der Haßseck [?] die Mari hat den 20.te Hochzeit mit Herrn Mößer, der einmal die Schnerberger hat heurathen wollen, er ist Braumeister in Steuer [Steyr]; die [[Laschenzky|Laschenzki]] welche dich herzlich grüß, hat zwey Hochzeiten in einer Woche. Das deine Wirthschaft so gut geht freud mich sehr, aller Anfang ist schwer, besonders wenn man fremd ist, ich habe auch gar nicht gezweifelt, das es so werden wird, wenn du länger in Mödling bist. Was deine Geschwister betrift mußt du entweder jeden etwas geben, oder keinen nichts [!], ich glaube es [ist] nicht notwendig ihnen etwas zu geben. Die schönen Tage sind jetzt bey uns vorüber, 2 Tag haben wir Schnee und kalt. Wenn es zur Reise kommt wie ich hoffe, zieht euch ja recht warm an. Jedenfalls sey so gut ein paar Tage früher es mir wißen zu lassen wann ihr eintrefft. Lebe recht wohl, grüße deinen Mann von mir herzlich, es ist auch für ihn wohlthuent einige Tage [fehlt wohl: Ferien] zu mach’n. Erfreue bald mit einer angenehmen Antwort deine dich liebende Großmutter Fanni Kobler. – Alle Bekanten grüßen dich herzlich Deinen Brief hab ich erst den 12.te erhalten''“ | ||
| − | Fanny Kobler an Fanni Spängler | + | <u>Fanny Kobler an Fanni Spängler</u> |
:„''27. 7. 1874 Liebe Fanni! Alle Bekanten grüßen euch. Hast du die Laurey [?] nie besucht? Weis dein Mann nicht wo er angestellt ist. – Ich sollte dich ein wenig auszanken, weil ich seyd den 14ten Juni keine Nachricht auf meine zwey Briefe erhalten habe, und mir gar kein Hinternüß denken konnte. Ich hätte so gerne die mir zugeschückten Kleider in Ordnung gebracht; weil der Vater vom K. Beringer könnt mit deinem Bruder Karl in Schweiz gehn wird, und ich weder hörte, das er Verschiedenes zu der Reise benötiget, besonders ein Beinkleid. Du kannst dir denken das die Mutter [und] der Karl über Euer Geschänck erfreud warn. Auch den Vater hat es gefreud das du an Karl gedacht hast. Das schwarze Beinkleid hab ich für Hinterholzer behalten. [...] besonders ist dein Vater wie ich entschieden dagegen das du die Zimmer bürsten thust, er sagt, solche Arbeiten muß man gewöhnt seyn, es könnte für dich üble Folgen haben, da deine Brust nicht so stark ist. In Mödling gibt es gewiß einen Zimmerputzer, wenn du alle 14 Tage einen kommen läßt, der dir auch zu gleich die Teppiche ausstaubt ist es oft genug, und diese Auslage wird schon zu bestreiten sein, um sich der Gefahr […] böse Folgen auszusetzen. Ich bitte dich, mich bald darüber zu beruhigen, das du dein Zimmer nicht mehr sebst bürsten wilst. So viel Geschück im Kleider machen hab ich dir fast nicht zugetraut das du dich auch über Männer Kleidungs-Stücke wagst. – Da muß dir dein Mann schon ein gutes Trinkgeld gegeben haben. – [...] und sträng dich nicht so sehr an. Dieß wünscht und erwarthet deine Großmutter Fanni.''“ | :„''27. 7. 1874 Liebe Fanni! Alle Bekanten grüßen euch. Hast du die Laurey [?] nie besucht? Weis dein Mann nicht wo er angestellt ist. – Ich sollte dich ein wenig auszanken, weil ich seyd den 14ten Juni keine Nachricht auf meine zwey Briefe erhalten habe, und mir gar kein Hinternüß denken konnte. Ich hätte so gerne die mir zugeschückten Kleider in Ordnung gebracht; weil der Vater vom K. Beringer könnt mit deinem Bruder Karl in Schweiz gehn wird, und ich weder hörte, das er Verschiedenes zu der Reise benötiget, besonders ein Beinkleid. Du kannst dir denken das die Mutter [und] der Karl über Euer Geschänck erfreud warn. Auch den Vater hat es gefreud das du an Karl gedacht hast. Das schwarze Beinkleid hab ich für Hinterholzer behalten. [...] besonders ist dein Vater wie ich entschieden dagegen das du die Zimmer bürsten thust, er sagt, solche Arbeiten muß man gewöhnt seyn, es könnte für dich üble Folgen haben, da deine Brust nicht so stark ist. In Mödling gibt es gewiß einen Zimmerputzer, wenn du alle 14 Tage einen kommen läßt, der dir auch zu gleich die Teppiche ausstaubt ist es oft genug, und diese Auslage wird schon zu bestreiten sein, um sich der Gefahr […] böse Folgen auszusetzen. Ich bitte dich, mich bald darüber zu beruhigen, das du dein Zimmer nicht mehr sebst bürsten wilst. So viel Geschück im Kleider machen hab ich dir fast nicht zugetraut das du dich auch über Männer Kleidungs-Stücke wagst. – Da muß dir dein Mann schon ein gutes Trinkgeld gegeben haben. – [...] und sträng dich nicht so sehr an. Dieß wünscht und erwarthet deine Großmutter Fanni.''“ | ||
| − | Fanny Kobler an Fanni Spängler | + | <u>Fanny Kobler an Fanni Spängler</u> |
:„''22. 12. 1875 Liebe Fanni! Es ist gerade 11 Uhr Mittag und ich habe das Kistl wo sich die kleine Ausstat[t]ung für euer kleines Kind befindet den Eillgut übergeben. Morgen wirst du es in Haus gestellt erhalten. ich hoffe das Christkind wird euch [erreichen] du kannst es glauben liebe Fanni es hat mir viele Mühe und Sorge gemach alles zusammen zu bringen. Ich habe es mit Freuden gethan. Wenn Gott mir die Gnade schänkt das kleine Wesen an mein Herz zu drücken und ihm den Urgroßmütterlichen Kuß zu geben, bin [ich] für alles belohnt. Du wirst sehn wie mit Mühe und Sorge für das kleine Wuzi wächst, nur meine ich immer es wird dir zu viel werden ohne Magd, weil dir dir schlaflosen Nächt oft Müdigkeit und Unwohlsein bereitet gemacht haben, und auch für das Geschäft deines Franzes beschwerlich ist. Doch wenn der liebe Gott dem ich täglich inig bitte Gesundheit schänkt, wirst du dich schon daran gewöhnen, die Lieb überwindet alles. Der Güttig Gott schänke dir an Geist und Korper ein gesunds Kind. Ich brauche dir nicht erst zu sagen wie gern ich dir in den Wochenbett zur Seite gestanden wäre und alles überwacht hätte. Doch ich weis ja die gute Mutter [Spängler, geb. Lürzer] bey dir die ja Sorgsam, lieb und gut ist, Gott möge ihrr Gesundheit schänken. Wie wird sich dein guter Mann freuen das kleine Püpchen auf seinen Arm zu tragen und auf seinen Knien zu schaukeln. Euer Leben wird jetzt ein ganz anderes sein. Eine Kinderlose Ehe wird mit den Jahren zu Monoton, es fehl dem Leben an Jntreße [Interesse]. Nun liebe Fanni hab ich einmal über das was uns beyde so sehr intresiert sprächen können nach dem ich mich schon lange gesähnt habe. Heute hab ich gerade die Lichte für meine Augen da ich mehr sehe als gewöhnlich. Ich füge daher dem besten Wunsch zum freudigen Christkind, dem aufrichtigen herzlichen Wunsch bey zum Neuenjahr bey, Gott wolle uns Gesundheit und ein Wiedersehn verleihn. – Meine Gesundheit hat sich viel gebessert, doch frey bin ich von meinen Magenklopfen nicht, aber ich darf doch wieder etwas mehr genießen, und es dauert nicht 4-5 Stunden lang. Ich danke dir für den Stoff den du mir hast färben lassen er gefählt mir gut, was daraus wird, weis ich noch nicht. Die Näherin ist im Spital bedenklich krank, wenn sie wieder besser wird, werden ihr die 3 fl [Taler] zur Erholung recht wohl thun. Ida welche dich vielmals grüßt, ist jetzt recht beschäftigt. sie geht in 3-4 Häuser wo sie Kleider macht, man ist mit ihr zufrieden, da muß von 4 ½ Uhr bis 7 ½ Uhr fleißig nähn, und kann nicht davon laufen. Gestern war sie den ganzen Tag bey mir, da haben wir die Kindswäsche geordnet und zusammen gebunden, es hat ihr Freude gemacht, es thun zu dürfen. Jetzt muß ich schlüßen eds wird schon dunkl die Augen versagen mir ihrn Dienst. Ich meine du sollst die Wäsche wenn du selbr gesehn hast in der Küste lassen, du darfst nur einen Tepich darunter legen, da kanst du sie in jeden Zimmer stehn lassen. Grüße die Rosi, ich hoffe das Mieder wird recht sein Lebe recht wohl es umarmt Euch beyde Euere Großmutter Fanni.''“ | :„''22. 12. 1875 Liebe Fanni! Es ist gerade 11 Uhr Mittag und ich habe das Kistl wo sich die kleine Ausstat[t]ung für euer kleines Kind befindet den Eillgut übergeben. Morgen wirst du es in Haus gestellt erhalten. ich hoffe das Christkind wird euch [erreichen] du kannst es glauben liebe Fanni es hat mir viele Mühe und Sorge gemach alles zusammen zu bringen. Ich habe es mit Freuden gethan. Wenn Gott mir die Gnade schänkt das kleine Wesen an mein Herz zu drücken und ihm den Urgroßmütterlichen Kuß zu geben, bin [ich] für alles belohnt. Du wirst sehn wie mit Mühe und Sorge für das kleine Wuzi wächst, nur meine ich immer es wird dir zu viel werden ohne Magd, weil dir dir schlaflosen Nächt oft Müdigkeit und Unwohlsein bereitet gemacht haben, und auch für das Geschäft deines Franzes beschwerlich ist. Doch wenn der liebe Gott dem ich täglich inig bitte Gesundheit schänkt, wirst du dich schon daran gewöhnen, die Lieb überwindet alles. Der Güttig Gott schänke dir an Geist und Korper ein gesunds Kind. Ich brauche dir nicht erst zu sagen wie gern ich dir in den Wochenbett zur Seite gestanden wäre und alles überwacht hätte. Doch ich weis ja die gute Mutter [Spängler, geb. Lürzer] bey dir die ja Sorgsam, lieb und gut ist, Gott möge ihrr Gesundheit schänken. Wie wird sich dein guter Mann freuen das kleine Püpchen auf seinen Arm zu tragen und auf seinen Knien zu schaukeln. Euer Leben wird jetzt ein ganz anderes sein. Eine Kinderlose Ehe wird mit den Jahren zu Monoton, es fehl dem Leben an Jntreße [Interesse]. Nun liebe Fanni hab ich einmal über das was uns beyde so sehr intresiert sprächen können nach dem ich mich schon lange gesähnt habe. Heute hab ich gerade die Lichte für meine Augen da ich mehr sehe als gewöhnlich. Ich füge daher dem besten Wunsch zum freudigen Christkind, dem aufrichtigen herzlichen Wunsch bey zum Neuenjahr bey, Gott wolle uns Gesundheit und ein Wiedersehn verleihn. – Meine Gesundheit hat sich viel gebessert, doch frey bin ich von meinen Magenklopfen nicht, aber ich darf doch wieder etwas mehr genießen, und es dauert nicht 4-5 Stunden lang. Ich danke dir für den Stoff den du mir hast färben lassen er gefählt mir gut, was daraus wird, weis ich noch nicht. Die Näherin ist im Spital bedenklich krank, wenn sie wieder besser wird, werden ihr die 3 fl [Taler] zur Erholung recht wohl thun. Ida welche dich vielmals grüßt, ist jetzt recht beschäftigt. sie geht in 3-4 Häuser wo sie Kleider macht, man ist mit ihr zufrieden, da muß von 4 ½ Uhr bis 7 ½ Uhr fleißig nähn, und kann nicht davon laufen. Gestern war sie den ganzen Tag bey mir, da haben wir die Kindswäsche geordnet und zusammen gebunden, es hat ihr Freude gemacht, es thun zu dürfen. Jetzt muß ich schlüßen eds wird schon dunkl die Augen versagen mir ihrn Dienst. Ich meine du sollst die Wäsche wenn du selbr gesehn hast in der Küste lassen, du darfst nur einen Tepich darunter legen, da kanst du sie in jeden Zimmer stehn lassen. Grüße die Rosi, ich hoffe das Mieder wird recht sein Lebe recht wohl es umarmt Euch beyde Euere Großmutter Fanni.''“ | ||
| − | Ida Schlögelhofer und Fanny Kobler an Fanni Spängler | + | <u>Ida Schlögelhofer und Fanny Kobler an Fanni Spängler</u> |
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:„''Ida [eine Freundin von Fanni, verh. Schlögelhofer] und „Großmutter“, Fanny Kobler, an Fanni Spängler: Salzburg den 21/2 [1]876./ Liebe gute Fanni! Gestern war die Mutter bei der Großmutter wo sie ihr mitteilte, das sie am 29ten Feber [Februar] abreisen wird, um Euch alle außer Sorge zu bringen, wir wünschen nur das es alles recht glüklich vorüber geht, dieß bitten wir den lieben Gott innig, u. ich und Großmutter freuen uns ebenso auf dein Wuzi [Kind] wie du dich u. Franzl, u. wie sehr würde es Großm.[utter] freuen diesen kleinen Weltbürger in ihre Arme schließen zu können. Großm. lässt dich bitten wenn der große Akt vorüber ist ihr gleich zu telegrafieren // darüber mit Fannys Schrift: Dem Papi viele Grüße. Thomas grüßt Dich.// u. die ersten 9 Tage ih täglich durch Telegramm wißen zu laßen wie es Dir u. dem kleinen Wuzi geht, sei nur muthig liebe Fanni, der Allmächtige zur dem Deine Großmutter täglich bettet wird Dich gewiß wieder bald gesund hervorgehen laßen, u. Dir Dein kleines Wuzerl auch recht gesund erhalten./ Die Großm. wird die Rechnung schon bald in Ordnung bringen, du sollst nur bald schreiben, was du für Wien ausgelegt hast./ Also liebe Fanni ich schließe auch dem Briefe meinen herzlichsten Dank an für die Besorgung der Franzen, u. Großmutter wird Dir den Betrag durch die Mutter [Spängler] überschiken, dem ich ihr am 12te Febr. übergab, ich danke Dir noch vielmals dafür, das du mir so lange zugewartet hast. An Franzl von uns herzliche Grüße, u. Großm. läßt ihm sagen er soll nur recht standhaft sein, es ist Dir auch eine Erleichterung./ Nun lebe wol liebe Fanni nächstens ein ausfürlicherer Brief, sei herzlich geküßt u. gegrüßt, von Deiner Freundin Ida u. Großmutter. / [Fanny Koblers, 1796-1886, eigene Schrift:] Liebe Fanni! Wie mich das glüklich macht heute 8 Tag dich in Geselschaft der guten Mutter [Spängler] und erfahrene Frau zu wissen kann ich dir nicht beschreiben, nach dem dein Befinden Gott sey Dank immer so gut als es unter diesen Umständen seyn kann ist, so wird alles gut vorüber geh’n. Mein Befinden ist zimmlich gut, daher kannst du auch in dieser Beziehung ruhig sein. Laschanzki [Laschensky] seine Frau wird auch schon im März entbunden; es [geht] gut soviel ich von seiner Mutter höre welche dich vielmals grüßen läßt. Frau v: Bauernfeind [Paurnfeind] ist von Reumatischenschmerz im Fuß schon 8 Wochen im Bett. Wenn dein Wuzl Gethauft und eingewikelt ist, so [gib ihm] einen lan lange[n], lange[n] Kuß von mir, was würde ich darum geben wenn ich bey euch sein könnte. Lebe wohl liebe Fanni, grüße deinen Mann. Meine Augen erlauben mir nicht länger zu schreiben. Fanni.''“ | :„''Ida [eine Freundin von Fanni, verh. Schlögelhofer] und „Großmutter“, Fanny Kobler, an Fanni Spängler: Salzburg den 21/2 [1]876./ Liebe gute Fanni! Gestern war die Mutter bei der Großmutter wo sie ihr mitteilte, das sie am 29ten Feber [Februar] abreisen wird, um Euch alle außer Sorge zu bringen, wir wünschen nur das es alles recht glüklich vorüber geht, dieß bitten wir den lieben Gott innig, u. ich und Großmutter freuen uns ebenso auf dein Wuzi [Kind] wie du dich u. Franzl, u. wie sehr würde es Großm.[utter] freuen diesen kleinen Weltbürger in ihre Arme schließen zu können. Großm. lässt dich bitten wenn der große Akt vorüber ist ihr gleich zu telegrafieren // darüber mit Fannys Schrift: Dem Papi viele Grüße. Thomas grüßt Dich.// u. die ersten 9 Tage ih täglich durch Telegramm wißen zu laßen wie es Dir u. dem kleinen Wuzi geht, sei nur muthig liebe Fanni, der Allmächtige zur dem Deine Großmutter täglich bettet wird Dich gewiß wieder bald gesund hervorgehen laßen, u. Dir Dein kleines Wuzerl auch recht gesund erhalten./ Die Großm. wird die Rechnung schon bald in Ordnung bringen, du sollst nur bald schreiben, was du für Wien ausgelegt hast./ Also liebe Fanni ich schließe auch dem Briefe meinen herzlichsten Dank an für die Besorgung der Franzen, u. Großmutter wird Dir den Betrag durch die Mutter [Spängler] überschiken, dem ich ihr am 12te Febr. übergab, ich danke Dir noch vielmals dafür, das du mir so lange zugewartet hast. An Franzl von uns herzliche Grüße, u. Großm. läßt ihm sagen er soll nur recht standhaft sein, es ist Dir auch eine Erleichterung./ Nun lebe wol liebe Fanni nächstens ein ausfürlicherer Brief, sei herzlich geküßt u. gegrüßt, von Deiner Freundin Ida u. Großmutter. / [Fanny Koblers, 1796-1886, eigene Schrift:] Liebe Fanni! Wie mich das glüklich macht heute 8 Tag dich in Geselschaft der guten Mutter [Spängler] und erfahrene Frau zu wissen kann ich dir nicht beschreiben, nach dem dein Befinden Gott sey Dank immer so gut als es unter diesen Umständen seyn kann ist, so wird alles gut vorüber geh’n. Mein Befinden ist zimmlich gut, daher kannst du auch in dieser Beziehung ruhig sein. Laschanzki [Laschensky] seine Frau wird auch schon im März entbunden; es [geht] gut soviel ich von seiner Mutter höre welche dich vielmals grüßen läßt. Frau v: Bauernfeind [Paurnfeind] ist von Reumatischenschmerz im Fuß schon 8 Wochen im Bett. Wenn dein Wuzl Gethauft und eingewikelt ist, so [gib ihm] einen lan lange[n], lange[n] Kuß von mir, was würde ich darum geben wenn ich bey euch sein könnte. Lebe wohl liebe Fanni, grüße deinen Mann. Meine Augen erlauben mir nicht länger zu schreiben. Fanni.''“ | ||
| + | === Briefe aus der Familie von Dr. jur. Franz Spängler === | ||
Ein weiterer Briefkomplex stammt aus der Familie von Dr. jur. Franz Spängler, der Fanni Schlegel heiratet. Er ist in der Stadt Salzburg geboren, wird nach dem Studium in Graz und Wien Richter an verschiedenen Orten in und bei Wien, zuletzt in Krems an der Donau. Er wechselt unzählige Briefe mit seiner Verlobten und späteren Frau, manchmal mehrmals in der Woche. Mit der Mutter Antonia Spängler (* [[1803]]; † [[1882]]), geborene [[Lürzer von Zehendthal]], gibt es ebenfalls einen intensiven Briefwechsel, auch mit Zusätzen des Bruders [[Otto Spängler]] (* [[1841]]; † [[1919]]), [[Salzburger Sparkasse AG|Sparkassen]]-Direktor in der Stadt Salzburg und verheiratet mit Aloisia Duregger, der Tochter von [[Johann Alois Duregger]]. Die Familie Duregger, Antonia Spängler und Otto Spängler wohnen in den Stockwerken übereinander im Dureggerhaus ([[Antretterhaus]]) am [[Mozartplatz (Stadt Salzburg)|Mozartplatz]] 4, nicht weit von der „Höllbräu“, wo die „Großmutter“ Fanny Kobler lebt. | Ein weiterer Briefkomplex stammt aus der Familie von Dr. jur. Franz Spängler, der Fanni Schlegel heiratet. Er ist in der Stadt Salzburg geboren, wird nach dem Studium in Graz und Wien Richter an verschiedenen Orten in und bei Wien, zuletzt in Krems an der Donau. Er wechselt unzählige Briefe mit seiner Verlobten und späteren Frau, manchmal mehrmals in der Woche. Mit der Mutter Antonia Spängler (* [[1803]]; † [[1882]]), geborene [[Lürzer von Zehendthal]], gibt es ebenfalls einen intensiven Briefwechsel, auch mit Zusätzen des Bruders [[Otto Spängler]] (* [[1841]]; † [[1919]]), [[Salzburger Sparkasse AG|Sparkassen]]-Direktor in der Stadt Salzburg und verheiratet mit Aloisia Duregger, der Tochter von [[Johann Alois Duregger]]. Die Familie Duregger, Antonia Spängler und Otto Spängler wohnen in den Stockwerken übereinander im Dureggerhaus ([[Antretterhaus]]) am [[Mozartplatz (Stadt Salzburg)|Mozartplatz]] 4, nicht weit von der „Höllbräu“, wo die „Großmutter“ Fanny Kobler lebt. | ||
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Die vorliegenden Briefe sind Alltagskorrespondenz (z. B. auch die beiden Briefe der Mutter Spängler an ihren Sohn Franz, 1871, über Heiratsaussichten und Hochzeitsvorbereitungen). Die Briefe betreffen weniger die direkte Salzburger Stadtgeschichte, obwohl uns weitere Details zur Erklärung willkommen wären. Das Verständnis mancher Einzelheiten ist schwer zu rekonstruieren, und einige (zumeist nebensächliche) Fragen bleiben offen. Die Briefe stellen Zeitzeugnisse dar, welche zwar nicht unabhängig von einem Kontext zu verstehen sind, aber auf ihre Weise Einblicke in die Mentalität unserer entfernten (und in manchen Dingen doch so nahen) Vorfahren bieten. Gerade in diesem Spannungsfeld zwischen Nähe und Ferne, zwischen Vertrautheit mit den angesprochenen menschlichen Problemen und Entfremdung vom Zeitstil des [[19. Jahrhundert]]s, liegt der Reiz dieser Briefe. | Die vorliegenden Briefe sind Alltagskorrespondenz (z. B. auch die beiden Briefe der Mutter Spängler an ihren Sohn Franz, 1871, über Heiratsaussichten und Hochzeitsvorbereitungen). Die Briefe betreffen weniger die direkte Salzburger Stadtgeschichte, obwohl uns weitere Details zur Erklärung willkommen wären. Das Verständnis mancher Einzelheiten ist schwer zu rekonstruieren, und einige (zumeist nebensächliche) Fragen bleiben offen. Die Briefe stellen Zeitzeugnisse dar, welche zwar nicht unabhängig von einem Kontext zu verstehen sind, aber auf ihre Weise Einblicke in die Mentalität unserer entfernten (und in manchen Dingen doch so nahen) Vorfahren bieten. Gerade in diesem Spannungsfeld zwischen Nähe und Ferne, zwischen Vertrautheit mit den angesprochenen menschlichen Problemen und Entfremdung vom Zeitstil des [[19. Jahrhundert]]s, liegt der Reiz dieser Briefe. | ||
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| + | == Eine weitere Auswahl an Kobler-Spängler-Briefe == | ||
| + | Diese Sammlung wurde von [[Benutzer:OttoChristianRupert|Otto Holzapfel]] aus Freiburg im Breisgau dem Salzburgwiki zur Verfügung gestellt. | ||
| + | Die Daten müssen noch optisch aufbereitet werden (Stand 15. Dezember 2020) - es darf gerne jeder daran mitarbeiten | ||
| + | === Originale im „Familienarchiv“ Otto Holzapfel, Datei „12 Briefe (Österreich)“ [Dateistand: Dezember 2020] === | ||
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| + | Briefsammlung (und Aktenreste von [[1792]]) [[1821]] bis [[1938]] [weitergeführt, aber nicht im [[Salzburgwiki]], Briefe Holzapfel, [[1945]] bis [[1970]]]; chronologisch geordnet, '''Anfang einer Jahreszahl fett'''; aus dem Nachlass Saska (Traudl Saska, geb. Holzapfel; * [[1917]]; † [[2001]] in Krems an der Donau; verh. Helmut Saska; * [[1911]]; † [[2002]]). <span style="background:yellow">'''Gelb fett'''</span> sind auch hervorgehobene Namen (<span style="background:yellow">gelb normal</span> Zusätze aus dem Familienarchiv, die Otto Holzapfel hier belassen hat). Es ist offensichtlich eine Arbeitsdatei die verbessert und ergänzt werden kann (und wird). | ||
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| + | Weitere Briefe vor allem zwischen [[ranz (II.) Xaver Gregor Spängler]] (* [[1839]] in der Stadt Salzburg; † [[1912]] in Krems) = „Geneanet“ oholzapfel Sosa 18 [Sosa = Kekulé-Nummer; ergänzt durch Kleinbuchstaben für Geschwister] und seiner Ehefrau [[Franziska Maria Amalia Schlegel]], „Fanni“ (* [[1848]] in der Stadt Salzburg; † [[1905]] in Krems) = Sosa 19, von Antonia Spängler = Sosa 37, geb. [[Lürzer von Zechnethal]] an den Sohn, vom Bruder [[Otto Spängler]] = Sosa 18 a, sind noch nicht übertragen worden (in der Briefkiste sind die nicht übertragenen <span style="color:red">rot</span> verschnürt [mit Inhaltsangabe], die übertragenen <span style="color:green">grün</span> verschnürt). – Zusammenfassendes über die Familien ist mit „'''#Name'''“ markiert (im Anschluss an die Briefe). Vgl. auch: Originale der Sosa 8-Spängler-Briefe [übertragen] ca. 1903 bis 1937 in „weißer Schachtel Nr. 1“ im Familienarchiv. | ||
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| + | Franz (Francesco) Castelli(* 1796; † 1832) aus Brescia in Oberitalien schreibt 1821 und 1827 aus „Peterwardein“ in Serbien bzw. aus (dem ebenfalls in dieser Zeit unter österreichischem Einfluss stehenden) Venedig fünf Briefe an seine Verlobte Fanny Kobler (*1796; † 1886) [[Franziska Kobler]] in Salzburg; sie sind beide etwa 25 bis 30 Jahre alt. Sie heiraten nicht, bleiben aber im Kontakt. Er stirbt, bevor er eine Familie ernähren kann. Ihre (uneheliche) Tochter ist [[Zäzilia Amalia Kobler]] (* 1821; † 1848). Sie, die in ihrer Jugend in Salzburg auch als „Fräulein Castelli“ angeschrieben wird und den Salzburger Stadtarzt Dr. [[Richard Franz Schlegel]] heiratet - auch er schreibt sie unter dem Namen „Amalia Castelli, in der Hölle“ an -, stirbt 14 Tage nach der Geburt der Tochter Fanni Schlegel. Großmutter Fanny, „Höllbräuin“ in Salzburg (Besitzerin des Gasthauses „Höllbräu“ [[Höllbräuhaus]] oder „Gasthof und Brauhaus zur Hölle“; heute „[[Hotel Altstadt Radisson Blu]]“, vgl. auch Dopsch, 1996, S. 189 mit Abb.), wechselt über viele Jahre hinweg Briefe mit ihrer Enkelin Fanni Schlegel(* 1848; † 1905) [Franziska Schlegel]], verh. Spängler. Auch bei sehr unterschiedlicher Schreibweise in den Briefen vereinheitliche ich zu Großmutter „Fanny“ [Kobler] und Enkelin „Fanni“ [Schlegel / Spängler]. In den Briefen ist viel von ‚Gesundheit’, ‚Tod im Kindbett’ usw. die Rede. Das ist nicht zufällig und nicht nur allgemeines Gesprächstema der Zeit, sondern wohl auch auf die besondere Beziehung beider Frauen zueinander zurückzuführen. | ||
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| + | Ein weiterer Briefkomplex stammt aus der Familie von Dr.jur. Franz Spängler (* 1839; † 1912) [[Franz (II.) Xaver Gregor Spängler]], der Fanni Schlegel heiratet. Er ist in Salzburg geboren, wird nach dem Studium in Graz und Wien Richter an verschiedenen Orten in und bei Wien, zuletzt in Krems an der Donau. Er wechselt unzählige Briefe mit seiner Verlobten und späteren Frau, manchmal mehrmals in der Woche. Mit der Mutter Antonia Spängler (1803 –1882), geb. Lürzer von Zehendthal [[Lürzer von Zechenthal]], gibt es ebenfalls einen intensiven Briefwechsel, auch mit Zusätzen des Bruders [[Otto Spängler ]] (* 1841; † 1919), Sparkassen-Direktor in Salzburg und verheiratet mit mit Aloisia Duregger, Tochter von [[Johann Alois Duregger]]. Die Familie Duregger, Antonia Spängler und Otto Spängler wohnen in den Stockwerken übereinander im Dureggerhaus [Antretterhaus]] am Mozartplatz 4, nicht weit von der „Höllbräu“, wo die „Großmutter“ Fanny Kobler lebt. Der spätere Landgerichtsdirektor Spängler schreibt an Fanni Schlegel (1871) bzw. an seine Frau Fanni Spängler zwischen 1882 [und davor] bis 1890 häufig Karten und Briefe. Sie antwortet bzw. schreibt ihm, z. B. aus den Sommerferien mit den Kindern in Salzburg, in langen Briefen, die vieles widerspiegeln: Sorgen mit den Kindern, Nähe und (gesellschaftlich anerzogene) Ferne zum Ehegatten, aber auch höchst ‚moderne’ Gleichberechtigung in der Entscheidung über Dinge des Alltags. Vieles ist Zeitkolorit, aber auch Individuelles, z. B. sind ihre Briefe nicht ohne Ironie, die er offenbar weniger versteht. Hier beziehen sich die Briefe vielfach lückenlos aufeinander. Viel ist von ‚Ordnung‘ die Rede, was auf Sicherheit und Übersichtlichkeit im täglichen Leben zielt. ‚Ordnung‘ sind die Regelung der Hochzeit, Herrichten der Aussteuer, Einrichten der Wohnung, aber auch: das zur Ruhe Kommen nach außergewöhnlichen Ereignissen. Häufig wird Gesundheit angesprochen und getragen ist der sehr intensive Briefwechsel von einer starken Gott-Ergebenheit und einer Alltagsfrömmigkeit, die wohl nicht nur verbal ist („..., so Gott will,...“). | ||
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| + | Umrahmt wird diese Briefsammlung von vielen Einzelbriefen, z. B. schreibt 1826 die andere Großmutter Maria Anna Lürzer von Zehendthal (* 1774; † 1853) [[Lürzer von Zechenthal]] aus Hall in Tirol an ihren späteren Schwiegersohn [[Franz Xaver Gregor Spängler]] (* 1793; † 1854) in Salzburg. In diesem (leider nur fragmentarisch erhaltenen) Brief ist einiges von Not und Schwierigkeiten die Rede, aus denen dann doch die wohlhabende Handelsgesellschaft und spätere (bis heute existierende) Spängler-Bank ([[Bankhaus Carl Spängler & Co AG]]; seit 1828) in Salzburg wurde. In den Briefen ist mehrfach die zahlreiche Spängler-Verwandtschaft in Salzburg angesprochen. Deren traditionelle gesellschaftliche Stellung in der Stadt soll hier nur durch den einen Hinweis beleuchtet werden, dass in der gleichen Generation, in der Petrus Mezger ([[Johann Peter Metzger]]) von 1775 bis 1795 Bürgermeister von Salzburg war (vgl. Dopsch, 1996, S. 351 f., S. 352 mit einem prächtigen Porträt), Franz Anton Spängler [[Franz Anton Spangler]] aus Bruneck in Südtirol (mit einem bürgerlichen Wappenbrief von 1677) im Jahre 1729 nach Salzburg zieht, dort das Bürgerrecht erwirbt, 1731 und 1744 ‚vermögende Witwen’ heiratet und schließlich 1755 in dritter Ehe Maria Traunbauerin (Trambauer, * 1730; † 1780) aus Wien, Tochter eines Kaufmanns, ehelicht. | ||
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| + | Salzburg war in dieser Zeit eine Stadt der Handelsleute, die auch zumeist das Bürgermeisteramt innehatten (vgl. Dopsch, 1996, S. 351). Nach 1830 hat die Stadt einen wirtschaftlichen Aufschwung zu verzeichnen. Die Tochter Theresia Metzger (* 1764; † 1814) heiratet den Sohn des Franz Anton Spängler, nämlich [[Franz Josef Christian Spängler]] (* 1758; † 1819). Die [[Spängler]] gehören zu den ‚großen’ Salzburger Familien (vgl. Dopsch, 1996, S. 372). Für die Spängler-Hochzeit 1755 komponiert Vater [[Leopold Mozart[[ zehn Hochzeitsmenuette, genannt „Menuetti fatte per le Nozze del Signore Francesco Antonio Spangler dal Sig.re Leopoldo Mozart“. In der übernächsten Generation heiratet der Enkel Franz Xaver Spängler 1826 in Salzburg Antonia Lürzer von Zehendthal (* 1803; † 1882), von der in dem oben genannten Brief ihrer Mutter an Franz Xaver Spängler die Rede ist. – Von Franz Anton Spängler (* 1705; † 1784), „Franc. Ant. Spangler“ (so das eingeklebte Exlibris), stammt ein reich illustrierter Handatlas, „Atlas Portalis Germanicus“ (Nürnberg 1733) [[Handatlas 1733]]. | ||
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| + | Gertrude Maier schrieb 1973 eine Wiener Dissertation über die „Geschichte des Bankhauses Carl Spängler & Co“. Sie weist darauf hin, dass die SPÄNGLER-BANK [[Spänglerbank]] die älteste, noch bestehende Privatbank in Österreich ist. Sie wächst nach einer Zeit des wirtschaftlichen Niedergangs in Salzburg im 19. Jahrhundert heran. Napoleonische Truppen haben Salzburg 1809 besetzt; es gibt auch eine Einquartierung im Hause Spängler. Der Krieg bedingt einen erheblichen Rückgang des Handels (u. a. durch die Zollgrenze nach Bayern), und die Einwohnerzahlen sinken bis um 1830. Erst danach gibt es eine langsame Erholung, der dann auch den Fremdenverkehr einschließt, und z. B. ab 1842 gibt es jährliche Mozartfeste, welche auch von der Spängler-Bank gefördert werden. – Handelshäuser mit Bankgeschäften gibt es in Salzburg seit dem 17. Jahrhundert, genannt wird u.a. Matthias Gschnitzer [[Mathias (II.) Gschnitzer]] (* 1808; † 1884). Die Spängler fangen ab 1828 mit Bankgeschäften an, wobei man ein Handelshaus mit Tradition seit dem 14. Jahrhundert übernimmt (zuletzt Andre Mayr, dann 1827 J. A. Duregger; daneben ab 1810 „Spängler & Trauner“). Die Duregger-Handelsgesellschaft mit Bankgeschäften gibt es ab 1828, ab 1855 übernimmt das „Spängler & Trauner“. Ab 1870 hat [[Carl Spängler]] nur noch die Bank, die bis dahin das einzige große Geldinstitut in Stadt und Land Salzburg ist. ¬¬¬- Die Familie Duregger besaß ein Haus in der Getreidegasse Nr. 3. Sie zieht 1855 um in ein ansehnliches Haus am Mozartplatz Nr. 4, und Leopoldine Duregger, verheiratet mit Carl Spängler, erbt dieses Haus, das im Familienbesitz bleibt. | ||
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| + | Der Ahnherr Franz Anton Spängler (Spangler) ist 1705 in Dietenheim bei Bruneck in Südtirol geboren; er ist seit 1729 in Salzburg (d. h. seit diesem Jahr gibt es Briefe an ihn nach Salzburg). Er erwirbt 1731 das Bürgerrecht und durch eine erste Heirat das Haus „Alter Markt Nr. 2“ (das „Gehmacherhaus“ [[Gehmacher]]; Handlung mit Teppichen und Tuchen). Durch eine zweite Heirat erwirbt er 1744 die „Lang’sche Bettenhandlung“, und ab 1748 hat er selbst einen Tuch- und Seidenhandel. – Der Enkel [[Alois (I.) Spängler]] ist 1800 geboren, er führt das Großhandelshaus (mit praktisch ‚allen’ Waren) und das Tuchgeschäft am Alten Markt (daraus wird dann ab 1832/33 eine Salzburger Sparkasse). Alois Spängler ist zudem Bürgermeister von Salzburg 1854 bis 1861; unter ihm werden die Bastionen und einengenden Befestigungsanlagen geschleift. | ||
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| + | Die vorliegenden Briefe sind Alltagskorrespondenz (z. B. auch die beiden Briefe der Mutter Spängler an ihren Sohn Franz, 1871, über Heiratsaussichten und Hochzeitsvorbereitungen). Die Briefe betreffen nicht so sehr Salzburger Stadtgeschichte, obwohl uns weitere Details zur Erklärung willkommen wären. Das Verständnis mancher Einzelheiten ist [für mich] schwer zu rekonstruieren, und einige (zumeist nebensächliche) Fragen bleiben offen. Die Briefe stellen Zeitzeugnisse dar, welche zwar nicht unabhängig von einem Kontext zu verstehen sind, aber auf ihre Weise Einblicke in die Mentalität unserer entfernten (und in manchen Dingen doch so ‚nahen’) Vorfahren bieten. Gerade in diesem Spannungsfeld zwischen ‚Nähe’ und ‚Ferne’, zwischen Vertrautheit mit den angesprochenen menschlichen Problemen und Entfremdung vom Zeitstil des 19. Jahrhunderts, liegt m. E. der Reiz der Briefe. – An vielen Stellen werden wir nachdenklich, z. B. in Fragen der Erziehung der Kinder: Wie kann man etwa einem zögernden Mädchen von acht Jahren in der ersten Schwimmstunde ‚Feigheit’ vorwerfen und ernsthaft darüber diskutieren? Meine Großmutter, Johanna Spängler (*1882 ; † 1973), verheiratet mit Rupert Holzapfel (* 1868; † 1940), wohnte in Krems an der Donau und in Unterach am Attersee; sie ist bei einem der letzten der übertragenen Briefe, 1897, gerade fünfzehn Jahre alt. Gertraud Saska (*1917; † 2001), verheiratet mit Hellmut Saska (* 1911; † 2002), Krems, ist eine Tochter dieser Johanna Holzapfel und meine Tante. Von ihr und aus ihrem Nachlass habe ich diese Briefe. - Literatur: [nicht eingesehen:] H. Widmann, Geschichte Salzburgs, Bd. 1 - 3, 1907 ff.; H. Dopsch / H. Spatzenberger, Geschichte Salzburgs, 1981. - [früher eingesehen:] Franz V. Zillner, Geschichte der Stadt Salzburg, Bd. 1 - 2, Salzburg 1885 - 90. - [hier zitiert:] „Dopsch, 1996“: Heinz Dopsch - Robert Hoffmann, Geschichte der Stadt Salzburg, Salzburg - München 1996. | ||
| + | |||
| + | Angefügt sind bis 1938 u. a. die Briefe und Postkarten, die sich meine Großeltern schrieben, nämlich (Sosa 9) Johanna [Hansi] Holzapfel, geb. Spängler (* 1882; † 1973), verheiratet 1904 mit (Sosa 8) Rupert Holzapfel (*1868; † 1940). Sie schreiben u. a. über ihre Kinder, Rupert (geboren 1905 in Krems a.d.Donau) – das ist mein Vater – , Walter (geboren 1909), Traudl (geboren 1917) und Otto (geboren 1920). | ||
| + | |||
| + | === Übersicht [in Klammern Sosa-Nummern nach Geneanet oholzapfel]: | ||
| + | * Franz (Francesco) Castelli [Nr. 78] an Fanny (Franziska) Kobler [Nr. 79] | ||
| + | * Maria Anna Lürzer von Zehendthal [Nr. 75] an Franz Xaver Spängler [Nr. 36] | ||
| + | * Franz Spängler [Nr. 18] an Maria Antonia Spängler [Nr. 37] und zurück | ||
| + | * Franz Spängler [Nr. 18] an Fanni (Franziska) Schlegel [Nr. 19] bzw. Spängler und zurück (sehr viele Briefe) | ||
| + | * Fanny Kobler [Nr. 79] an Fanni Spängler, geb. Schlegel [Nr. 19] und zurück | ||
| + | * Richard Schlegel [Nr. 38] an Franz Spängler [Nr. 18] | ||
| + | * Otto Spängler [Nr. 18 a] an Franz Spängler [Nr. 18] | ||
| + | * Rupert Holzapfel [Nr. 8] an Hansi, seine Frau [Nr. 9] | ||
| + | * Johanna Holzapfel [Nr. 9] an versch. Personen | ||
| + | |||
| + | Nr. 78 Franz (Francesco) Castelli (1796-1832), Brescia | ||
| + | verlobt mit | ||
| + | Nr. 79 Fanny Kobler (1796-1886), Salzburg | ||
| + | ↓ | ||
| + | Nr. 75 Maria Anna Grassl (1774-1853) ↓ | ||
| + | verh. mit ↓ | ||
| + | Nr. 74 Franz Lürzer v. Zehendthal ↓ | ||
| + | (Zechenthal), Hall in Tirol ↓ | ||
| + | ↓ ↓ | ||
| + | Nr. 36 Franz Xaver Spängler (1793-1854), Salzburg Nr. 39 Zäzilia Amalia Kobler (1821-1848) | ||
| + | verh. mit verh. mit | ||
| + | Nr. 37 Maria Antonia Lürzer v. Zehendthal (1803-1882) Nr. 38 Richard Schlegel (1811-1881), | ||
| + | ↓ Salzburg | ||
| + | ↓ ↓ | ||
| + | Nr. 18 Franz Spängler (1838-1912), verh. mit Nr. 19 Fanni Schlegel | ||
| + | Nr. 18 a Otto Spängler (1841-1919) | ||
| + | ↓ | ||
| + | Nr. 9: Johanna (Hansi) Spängler (1882-1973), | ||
| + | verh. mit | ||
| + | Nr. 8 Rupert Holzapfel (1868-1940), Krems und Unterach a.A. | ||
| + | |||
| + | Vgl. Otto Holzapfel, Rod: Familiengeschichte(n), [Privatdruck: Freiburg i. Br.] 1993, S. 12 f. (Spängler) und 28 f. (Lürzer von Zehendthal, Kobler, Schlegel) und darauf aufbauend das umfangreiche „Familienarchiv“ in mehreren Dateien. - Zur Zählung: Der Verfasser ist „Nr. 2“, sein Vater Rupert Holzapfel Nr. 4, der Großvater Rupert Holzapfel Nr. 8, dessen Frau Nr. 9 usw. Die geraden Zahlen ergeben direkte männliche Vorfahren, die entsprechenden ungeraden die Frauen dazu. Johann Spängler, 1627 in Taufers in Südtirol geboren, trägt so die Sosa-Nr. 576. Er ist Gastwirt in Sand in Taufers (heute das Hotel „Spanglerhof“). Später werden ein Mathias Spängler und ein Johannes Spängler als Kaufleute in Venedig genannt; Johannes Matthias Spängler, „mercator in Venetia“, ist 1758 Taufpate von Franz Josef Spängler, dem Vater von [Nr. 36] Franz Xaver Spängler. Die Handelsstraße zwischen Salzburg und Venedig hat bereits mittelalterliche Tradition (vgl. Dopsch, 1996, S. 228). | ||
| + | |||
| + | Runde Klammern ( ) sind aus den Briefen mitübernommen; eckige Klammern [ ] enthalten meine Zusätze. / Schrägstrich bedeutet zumeist Blattwechsel (nicht durchgehend markiert), manchmal (in diesem Zusammenhang) auch ‚Ersatz‘ für einen [fehlenden] Punkt. Durchstrichene Wörter und unterstrichene stehen so im Original, ebenso Kleindruck über einer Zeile. XX und XXX sind [für mich] unleserliche Stellen. – Natürlich wird eine derartige Datei nicht fehlerfrei sein; für entspr. Hinweise bin ich sehr dankbar. Aber ich bin zuversichtlich, dass die Briefe eine gute Quelle für die weitere Arbeit an Salzburgwiki.at darstellt. Mein Dank gilt für die Aufnahme in deren Obhut. Freiburg i. Br., Dezember 2020 / Otto Holzapfel. | ||
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| + | === 1792 === | ||
| + | '''Fanny Kobler''' (1796-1886; Nr. 79) [Reste zerrissener Aktenstücke; nicht übertragen]: Salzburg 16.Januar 1792: Franz Elixhauser als Hochzeiter, Franziska Hofmannin als Hochzeiterin XXX XXX [Abschrift der Zeit von dem auch im Orignal vorhandener Ehe-Vertrag von 1792]/ Februar 1830, Franziska Kobler geborene Hofmann, Seraphin Kobler, Franz Hofmann als Zeuge XXX XXX 1839 Papiersiegel/ Salzburg am 13.Mai 1837: Seraphin Kobler Franziska Kobler./ Salzburg am 3.Oktober 1837: Seraphin Kobler Franziska Kobler/ Salzburg am 20.Februar 1841: Seraphin Kobler Franziska Kobler. – „Elixhausen“ ist ein Ort bei Salzburg. | ||
| + | |||
| + | === 1821 === | ||
| + | '''Franz Castelli''' [Nr. 78] an '''Fanny Kobler''' [Nr. 79]: [Peterwardein, 30.1.1821] No 3/ Liebe Fany. Gestern den 29.ten Januar (unwürdiger Tag meines Lebens) bin ich endlich in Peterwardein angekommen. Meine liebe, du kannst dir keinen Begriff machen wie traurig das verdammte Nest ist. In Neusatz wo man doch Menschen sieht, auf dem sich das Erträglichseyn der Festung stützt, sind lauter Juden, oder Kaufleute, bey denen das Intereße von allen Gesichtszügen hervorleuchtet; der 1.te Stock von allen Häusern, ist der Dachboden; ebene Erde, und 1.ter Stock zusammen, zählen zwey Fenster. In Peterwardein ist noch viel änger [enger], alles was sich dem Auge darbringt, ruft mir zu „Dienst, Dienst[“]. Bewaffnete, Arestanten oder Bürger die dem Straßenräuber ähnlich sehen, erregen Mittleid und scheinen mit Ihren ermatteten Blicke mir Trost zusprechen zu wollen, indem sie doch noch mehr leiden wie ich. Die Festungswerke sind sehr ausgedehnt, und alte Gräben mit stehendem verfaulten Wasser gefüllt; Ursache dessen hier auch die Luft peßtilenzialisch, und für meine Constitution (ich will sagen, Beschaffenheit des Körpers) höchst schädlich. Ich erwarte beynahe wollte ich sagen, mit Sehnsucht, die ohnehin unausbleibliche Krank[h]eit, um sie desto eher überstanden zu haben. Von meiner Reise werde ich dir nur das Merkwürdigste in kurzen Worten schreiben. In Wien ist nichts neues, und es regnet in einem fort. In Ofen und Pesth [Budapest] bin ich drey Tage geblieben. Schön gebaut, groß, lebhaft und bevölkert sind die zwei Städte, was ich aber sonderbar finde, ist: daß in der Hauptstadt Ungarns, höchstens der zehnte Theil Ungarisch versteht; und das keine stehende Brücke über die Donau ist. Bey Theresianopel sind mir zweymal die Pferde durchgegangen, der Wagen wurde schändlich zusammen gerichtet; mir aber im Schutz Gottes, [ist] nichts geschehen. Aus allen dem wirst du leicht einsehen, daß meine Lage nicht die beste ist, wenn sie noch dazu von deinem Stillschweigen verschlimmert wird, dann versichere ich dich Fany, ich würde es nicht aushalten können. Schreibe gleich, gleich, es fä[e]hlt dir nicht an Zeit, und Gelegenheit, aber deswegen kann ich dir auch nicht recht verzeihen, daß du nach Wien nicht geschrieben hast. Dem Herrn Doctor [Bayer] bitte ich alles schön auszurichten. Lebe wohl. Meine Unruhe über die Entwicklung unserer Verhältnisse, wächst alle Tage immer mehr, es ist nothwendig auf das Ende los zu gehen. Thue es, ich bitte dich, und beruhige mich mit dem nächsten Brief./ Peterwardein den 30.ten Januar/ Dein Castelli - „Peterwardein“: serbisch Petrovaradin, österreichische Grenzfestung; „Neusatz“: serbisch Novi Sad am linken Donauufer, Peterwardein ist Vorstadt dazu; „Theresianopel“: Maria-Theresianopel, ungarisch Szabadka, serbisch Subotica, an der Strecke von Budapest nach Semlin; „Doctor“: Dr.Bayer in Salzburg, siehe folgende Briefe. Zum Brief ist kein Umschlag erhalten, die zeitliche Einordnung ergibt sich aus der Briefzählung „No 3“. Die schwungvolle Unterschrift „Castelli“ ist etwas anders als in den folgenden Briefen (auch jeweils unterschiedlich unterschrieben und insgesamt mit gewissen Abweichungen in der Handschrift), doch die vier Briefe (drei von 1821 und einer von 1827) stammen sicherlich vom selben Castelli (siehe unten). | ||
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| + | '''Franz Castelli''' an '''Fanny Kobler''': [Peterwardein, 8.3.1821] Liebe gute Fany/ Zwischen Hoffnung und Furcht war ich bis jetzt unentschlossen, ob ich dir oder dem Doctor [Bayer] schreiben soll, um die Ursache deines Stillschweigens zu erfahren. Meine Fantasie beschäftigt sich immer mit verzweyflungsvollen Gedanken, die mich den ganzen Tag peinigen und martern. Wie sehnsuchtsvoll warte ich auf die Ankunft der Post, aber immer vergebens; wie kannst du mich so tief kränken, und mir einen ganzen Monathe deine Nachrichten berauben. Jede Ursache, die ich zu deiner Entschuldigung ausstudiere, ist für mich wie ein P[B]litzstrahl im Herzen, denn entweder bist du ja schon krank daß du die Feder nicht regieren kannst, oder deine Liebe zu mir, hat sich so weit erkältigt daß du sogar auf deine Pflichten vergißt. Diese beyde[n] für mich gleich entsetzliche[n] Bilder, mahlen [malen] sich in vielerley Gestalten vor meiner Einbildungskraft, und verursachen mir sehr bittere Stunden. Meine theuerste Fany ich bitte dich wenn du mich je geliebt hast, schreibe, schreibe. Laße dir die paar Minuten nicht berei[u]hen, die du mir widmest, denn sie üben mir große Wohlthat aus. Vom Doctor weis ich auch noch nicht was seine Krankheit für ein Ende genommen hat[t]e. Das Schicksal hätte bey Gott kein böseres Spiel mit mir ausüben können, als mich in eine solche Lage zu versetzen. Ich, von der Menscheit verbannt, diejenige, die einst mein Leben versüßen soll außer Stand zu schreiben, und der einzige Grund von dem ich Trost abwarte entweder auf mich vergeßen, oder untunligst selbst diesem bösen Geschicke. Von nun an werde ich dir nicht wieder schreiben, bis ich nicht von dir was erfahren habe. Lebe wohl, und beglück mich bald mit einigen Zeilen. Deine Gegenliebe zu beSitzen, dich meiner Beständigkeit würdig zu wißen wird stets der große Lohn seyn, den ich für alle meine Schritte, und Bemühungen am liebsten abwarte, und wodurch ich nie aufhören werde zu seyn/ Peterwardein den 8ten März./ Dein getreuer C.... - [Briefumschlag:] „No.5“/ Ovalstempel: „Peterwardein“/ „An Herrn Doctor von Bayer/ hochwohlgeboren zu Salzburg/ abzugeben in Johannes Spital“. St.Johanns-Spital in Salzburg, Vorstadt Mülln, seit 1695 Krankenhaus der Aufklärungszeit (vgl. Dopsch, 1996, S. 332 f.). - Rotes Siegellack: Helm und Waffen, kleines Wappenschild‚ bewaffneter Mann mit Palmwedel [?]. Daneben Stempel (sehr undeutlich): Salzburg 18 März 1821 [?]. Auf dem Umschlag „No.5“, der Brief selbst nicht nummeriert, aber die Zuordnung scheint mir sinnvoll (Größe, Faltung, Inhalt). Der Brief ist mit „C“ und vier Punkten unterzeichnet. | ||
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| + | '''Franz Castelli''' an '''Fanny Kobler''': [Peterwardein, 29.4.1821] Brief, grauer Umschlag bezeichnet „Nr. 9 – Peterwardein – An Herrn Doctor Bayer hochwohlgebohren zu Salzburg – abzugeben im Johannes Spital“, postalischer Ovalstempel „Peterwardein“, Siegel (ohne erkennbares Wappen). – „auch [?] Nr. 6.“ [! der Brief an Fanny lag wohl dem Brief an Dr. Bayer bei, der ihn weiterbeförderte?] Liebe, gute Fany. Seit der Zeit, daß ich in Peterwardein schmachte, habe ich schon fünf oder sechs mal das, für mich empfindsamste Beyspiel erlebt, daß bekannte Frauen stolz auf die gegebenen Beweiße ihrer Gefühle, in den Armen ihrer Männer, und unter ihren Liebkosungen, und immer zuerfreuende Freuden das Ziel ihrer Liebe glücklich erreicht, und nun wieder frisch, und gesund, das nehmliche was für uns Unglück war, mit tausend Freuden erwarten [sie erwartet von ihm ein uneheliches Kind]. Bey solchem Anblick ist die Empöhrung meines Gemüths auf das höchste, und nie werde ich mich genug über das Schicksaal beklagen können, das mich mit dem peinigt, was einen anderen beglückt. Das unterstrichene im Anfang dieses, habe ich schon als nothwendig in meinem vorigen Brief anvertraut, und in Anwendung gebracht [Nummerierung des Briefes? Brief „Nr. 5“ geht dem voran], thue das nehmliche damit ich weis, ob du meine Nummern richtig erhaltest oder nicht. Vor kurzem erhielt ich einen Brief von meinem Vater, ich schrieb ihm wieder, ich machte jedoch von dir noch keine Erwähnung, denn der beste Wille mich auszuhelfen, könnte bey den bestehenden Verhältnißen nicht das mindeste verändern. Er soll alles erfahren, jedoch nur dann wenn alles den besten Erfolg zu erwarten hat. Der gegenwärtige Zustand meiner Gesundheit trotz der sehr häufigen Krank[h]eiten, die ich hersche [?], läßt mein [mich] glauben daß Gott mich in seinem Schutz genommen hat, ob das durch mein Verdienst, oder deinetwegen bewirkt wird, ist mir unbewußt, ich fühle nur daß meine Beständigkeit zu dir, dieser Gnade würdig ist. Ich beschäftige mich Sogleich mit dem Gedanken wie du jetzt aussehen magst, und jede Vorstellung meiner Einbildung, verschaft mir Freude, und Schmerzt. Du warst ja manchmal so gut mir in der Wirklichkeit zu erscheinen, erscheine mir jetzt wenigstens im Traum, jedoch mit deiner wahren Gestalt daß ich dich sehen, bewundern, und mich in meinen Handlungen erkennen kann. Liebe Fany, unseren Glauben verspricht Vergeltung für alle Leiden, wenn das ist, so muß die Natur nun Freuden erschaffen, oder unsere Zusammenkunft beschleunigen, denn das erlittene ist größer als jede zu erwartende Freude. Jetzt habe ich zu viel zu thun, so bald ich einen Tag frey haben werde, werde ich nicht XXXgete für den Herrn Doctor etwas für seinen Stammbuch zu zeichnen, er möchte indeßen gedulden, und mich nicht meiner Nachläßigkeit beschuldigen. Deinen Eltern alles erdenkliche, und an die Familie Laschinki [Laschensky] meine Empfehlungen, auch vergiß nicht die Therese, die ohne Zweifel von allem erkundigt seyn wird, recht herzlich zu grüßen, und trag ihr auf auch dir von meiner Seite tausend Pußeln [Busserln] zu geben. Die Streitigkeit wegen der Unterschrift ist nun zu Ende, die Parteyen mit friedlichen Gesinnungen beseelt, wollen sich mit Güte vertragen und durch mich den ersten Beweis der gütigen Uibereinkunft und Versöhnung geben – Den 29te April [1]821. Dein dich ewig getreuer Petergribier [? Peterwardeiner]: Franz Castell[i] | ||
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| + | '''Franz Castelli''' an '''Fanny Kobler''': [Peterwardein, 10.6.1821] Theuerste Fany/ Vor zwey Wochen mußte ich in der größten Eile nach Semlin um einen Grund aufzunehmen, und einer Schatzung [Steuerschätzung] beizuwohnen; vor der Abreise war es mir nicht möglich deinen Brief zu beantworten, in Semlin ergab sich keine Gelegenheit, nun aber daß ich wieder zurück bin, erfülle ich meine erste Pflicht, dich von meiner Abreise, Aufenthalt, und Ankunft zu benachrichtigen. Obschon von Geschäften, und Aufträgen aller Art überhäuft, ließ ich doch diese Gelegenheit nicht unbenutzt, um nach Belgrad zu fahren. Der Uibergang von unserem ins türkische Land ist zwar, wie von einem schön möblirten Zimmer, in einem[n] Schweinstall, es bleibt doch deswegen diese Fahrt höchst intereßant, und der schandvolle Anblick ihrer Wildheit, gewährt uns das Bewuß[t]seyn einer beßeren Existenz. Ich wurde beym Wisir [Wesir] aufgeführt, er war sehr galant, ließ mir sogleich einen Stuhl bringen, der gewiß zu schlecht für eine Küche wäre, wartete mich mit Caffé auf, jedoch ohne Zucker, und presentierte mir eine Pfeiffe; das Einzige was man bey ihnen schön heißen kann; ich schmauchte sie mit Gusto ganz aus, und bewunderte indeßen die Anwesenden seines Gefolge[s], die sich um uns versammelt hatten. Wir gingen von ihm, in die Stadt um die Paläste zu betrachten. Trümmer, Brandstätte, Steinhaufen, und die aus der Erde noch hervorragende Knochen, erinnerten uns noch an die letzte Belagerung. Damit du einen Begriff von der Bauart der Türcken faßen kannst mag es hinlänglich seyn zu erinnern, daß im Hofe des Hauses des Gouverneurs Misthaufen verbrannt werden; daß die Fenster in seinem Appartement, mit Papier verpappt sind, und daß der Wisir in seinem Audienz Saal über die vermorschten Löcher des Fußbodens stolpern muß, auch haben in diesem Saal die Schwalben ihre Nester, und die Spinnen ihr Gewebe mit höchster Zulaßung aufgebaut. Nun auf uns. Mein Schreiben No.10 wirst du empfangen haben, auch ich erhielt das deinige, du sprichst von banger Erwartung, ich von Furcht; nun wird aber (ich darf an die Gerechtigkeit Gottes nicht zweyfeln) alles das erwünschte, glückliche Ende erreicht haben. An Versöhnung darf ich noch nicht hoffen. Ich halte auch so bald nicht darum an; wie deine Schmerzen sich lindern werden, wird auch dein Herz jeden Zug des Haßes verlaßen. Ich bin in der größten Erwartung deiner Nachrichten. Deine Gefahr laßtet so schwer auf meiner Seele, daß [ich] jeden Sinn für das gesellschaftliche Leben verlohren habe. Gute Fany, tröste mich bald mit erfreuliche[n] Nachrichten, und laße die edle Rache deines Haßes mit Wohltahten [!] erfolgen. So bald es mir möglich ist werde ich dem Herrn Doctor [Bayer] ein paar Zeile[n] schreiben, es ist aber nicht recht, daß er gerade auf mich wartet; er könnte mir wohl außer der Tour auch das Vergnügen verschaffen seine Nachrichten zu lesen. Wenn du es für schicklich glaubst, wiederhole bey deinen Eltern, statt meiner, meine Versprechungen. Ich halte es bey dir [für] unnötig. Empfehle mich bey der Familie Lasch[e]nsky, bey deinen Eltern und dem Doctor, und laße mich bey dir besonders empfohlen seyn, nicht wie ich es verdient habe, sondern wie ich durch die Vollziehung meines Versprechens [die Familie mit Kind später ernähren zu wollen] es verdienen werde. Lebe wohl. Den 10.ten Juny 21. Peterwardein. Dein aufrichtigster Franz - „Semlin“: Vorstadt von Belgrad; zuletzt 1789 von den Österreichern erobert [„letzte Belagerung“], aber weiterhin türkische Garnison. „Grund aufnehmen“: Castelli ist (militär.) Landvermesser. - Briefumschlag, gesiegelt mit rotem Lack und ‚großem Wappenschild mit Helm vor Fahnen und Kanonen’, auf dem Schild (auch im Vergleich mit dem zweiten, gleichen Siegel) ein verschlungenes F und C [Franz Castelli]. Brief sehr undeutlich gestempelt: XXrg.: Salzburg 20.Jun.XX21 [1821]. Adresse: „No.11“ [private Briefzählung]/ „Peterwardein“/ undeutlicher Ovalstempel: „Peterwardein“/ „An Herrn Doctor von Bayer/ hoch und wohlgeboren zu/ Salzburg/ abzugeben in Johannes Spital“. - Die Familie #Laschensky (auch im vorstehenden Brief vom 29.4.1821) gehört zu den angesehenen Familien der Stadt Salzburg (vgl. Dopsch, 1996, S. 363). In dem Geburts- und Taufschein [Abschrift von 1939] von Zäzilia Amalia Kobler, geboren am 14.Mai 1821 in Salzburg (also gut 5 Wochen vor diesem Brief vom 10.6.! Ist das das im Brief erwähnte „glückliche Ende“?), ist als Mutter eingetragen: „Franziska Kobler, des Franz Seraph. Kobler, Bierbrauers und der Franziska Hofmann, dessen Gattin, eheliche Tochter“. Als Pate erscheint: „Cäcilia Laschensky, bürgl. Baumeistersgattin“ [Tauftaler 1848 und Begleitzettel von Cäcilia Laschensky für „Franziska Schlögl“, Münze in der Münzsammlung 18 F.X.Spängler]. - Vater „nicht eingetragen“ (siehe auch nächstfolgenden Brief von 1827); vgl. Partezettel für Cäcilia Laschensky, 84 Jahre alt, Salzburg 1877. | ||
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| + | === 1822 === | ||
| + | '''Franz Castelli''' an '''Fanny Kobler''' (1796-1886; Nr. 79): Briefumschlag „Madmoiselle Mad.lle Françoise [Fanny] de Kobler, Salzburg“ aus „Podvin“, handschriftlich „von Brod“, No. 22; Reste von rotem Lacksiegel, Ankunftsstempel Salzburg 7.11.1822. – Briefbogen, „No.22“, „Theuerste Fany. So eben komme ich von einer Hochzeit, meine Rolle war diesmahl wichtig, ich war Beystand jetzt stell[s]t du dich vor wie mir zu Muthe ist, die schöne Braut war dir sehr ähnlich wodurch meine Einbildungskraft XXX Luftschlößer gehabt hat. Wie glücklich würden wir beide wenn nur die Hälfte meiner eingebildeten Glückseligkeiten zur Erfüllung gebracht würden. XXX Es sind nun bald zwei Jahre daß wir getrennt leben und unsere Verhältniße haben sich nicht um das mindeste gebeßert XXX da ich täglich stummer bleibe. Im Monate Jänner künftigen Jahres wird die berühmte Lotterie über die Grein(?)schaft Ernsdorf gezogen. Diesmahl XXX, und nie wieder, da würden wohl alle Bedenklichkeiten ein Ende haben. Indeßen glücklich kann ich seyn, aber leider immer nur im Traum. Der Unfall meiner Amalia war ein wenig ungeschickt, der Dienstboth hätte wohl verdient XXX zu werden. Ich brauche dir nichts Einkünftlig zu XXX du sollst jetzt sorgen, ich später. Lebe wohl, grüße deine Aeltern. Brod den 4ten XXX 822. Dein dich ewig liebender Castelli. - „Amalia“ Castelli/ Kobler ist über ein Jahr alt. | ||
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| + | === 1826 === | ||
| + | '''Maria Anna Lürzer von Zehendthal''' [Nr. 75] an '''Franz Xaver Spängler''' [Nr. 36]: [Hall in Tirol, 17.4.1826] [...abgerissene Briefteile] verhältnisse setzen, Sie [...] würde; den na[c]h disser berufung, welche [...das Weitere ist weggerisssen] Ihnen beizt [?] und, aus zu führen, wen es eine Unnag[XX? das Weitere ist weggerisssen] aus disser Handlung fortkomen zu könen. Sie könen nicht wohl anders als auf bessere Zeiten warten, alles zu nuzten. Indessen, walten aber, no[c]h immer die nehmlichen Verhältnisse ob, wie damals, als Sie um u[n]ssere Tony [Maria Anthonia Lürzer, Nr. 37; er heiratet sie im November 1826] anhielten, Sie sind no[c]h immer in der Scheztnerischen [Gschnitzer] Handlung, u[n]d weis Gott wie lange, es sich no[c]h hinaus zieht, bis ein Käufer, oder Pächter, zu disser Handlung vorkömmbt; u[n]d findet sich au[c]h disser, so wird es dissen villeicht sehr erwünscht seyn, wen Sie no[c]h in der Handlung bleiben, wenigstens, eine Zeit, und [...eine halbe Seite weggerissen] waren, allein es erstens [?] sich hierbey [...] der Etablierung, auf eine art geschehen müße, wobey die Subhüflen [-hilfe, Unterstützung] gesichert were; da aber um die Handlung [die] verhältnisse so schlecht stehen, wird es besser seyn, gegenwärtig nichts zu kaufen sondern, das gewisse, den ungewissen vorzuziehen; und wie Sie schon anfangs gewolt, als Spetitur in die Scheztnerischen Handlung zu heyrathen; wo Sie doch leben können, und nichts wagen dürfen von Ihren Vermögen; auf uns ist Ihre offenherzig sagen, würde sich die Tony, wenn das Ziel ihrer Wünsche noch gar so weit sich hinaus ziehen würde, sich gar zu sehr ab härmen, ich spreche ihr nach kräften Worte des trostes zu, führ ihr Muth einzuflössen. Sie ist au[c]h oft ganz getröstet; allein, es gibt hier so ville bösse oder villmehr unkluge Menschen, welche sich die undelikatesten bemerkungen erlauben ihr in das Gesicht zu sagen, und mein ganzes gebäude, welches ich mit Mühe erbaut, stürzt dann in einem Nu zusammen. sie weint dan ein par Stunden und nur mit Mühe kann ich sie dan beruhigen, weill sie alles erst tief fühlt, und sie wirklich oft gekränkt wird. Das beste ist, daß ein Gott über uns waltet, u[n]ssere Schi[c]ksale leitet, und alles zu u[n]sseren besten wendet; auf dissen wollen wir u[n]sser Vertrauen setzen. Uns alle in seinem göttlichen Schutze verlassen und bleibe ich stets die mit aller Liebe Sie auftente [?] Lürzer. Meinn Mann küst Sie herzlich mit mir - „An des Wohlgeborenen Herrn Franz Xaver Spangler in Salzburg“; vorpostalischer Stempel: XX Salzburg 18 Apr.XX. Ohne Absender; handschriftlich „1826 v Lurzer M. A Hall 17 April Empf[angen] 18 April Beantw[ortet] 3 May“ [Maria Anna Lürzer, Hall in Tirol]. Reste von rotem Siegel. Anfang des Briefes auf einer halben Seite abgerissen; dadurch fehlt auch auf der zweiten Seite eine Hälfte. Vieles ist schwer zu lesen; die Anschrift ist mit anderer Hand und anderer Tinte. Im Brief sind einzelne Zusätze bzw. Verdeutlichungen mit anderer Hand und anderer Tinte darüber geschrieben (hier nicht besonders vermerkt). Praktisch durchgehend steht „ud“ für ‘und’ und „ih“ für ‘ich’, „noh“ für ‘noch’ und ähnlich (hier nicht besonders vermerkt; ‘ch’ oft nur als ‘h’, ‘sch’ als ‘sh’ abgekürzt geschrieben). Bei einigen Lesungen bin ich mir weiterhin unsicher. - „Tony“: Maria Anthonia (Antonia) Lürzer v. Zehendthal, geb. 1803, aus Hall in Tirol, heiratet am 14.11.1826, sieben Monate später, Franz Xaver Gregor Spängler, geb. 1793, der als Spediteur bei „Math. Gschnitzer“ in Salzburg arbeitet („Scheztnerische Handlung“). Im Trauungsregister von 1826 steht „Spediteur bei der Schastznerl. Handlung“. Ab 1828 gibt es die Duregger-Handelsgesellschaft, in die später Carl Spängler einheiratet, woraus sich 1870 die Spängler-Bank entwickelt. Die Familie #Gschnitzer gehört zu den angesehenen Handelsfamilien in Salzburg; von 1847 bis 1850 ist Matthias Gschnitzer Bürgermeister (vgl. Dopsch, 1996, S. 641), von 1854 bis 1861 dann Alois Spängler. - Die Briefschreiberin ist die Schwiegermutter von Franz Xaver Spängler [Nr. 36], d.h. die Großmutter von Franz Spängler [Nr. 18], geb. 1839 (siehe folgenden Brief an die Mutter): Maria Anna Grassl [Nr. 75], geb. 1774 in Wien, gest. 1853 in Hall in Tirol; verh. 1796 in Salzburg mit Franz Lürzer von Zehendthal (1768-1830) [Nr. 74]. | ||
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| + | === 1827 === | ||
| + | FRANZ CASTELLI [Nr. 78] an FANNY KOBLER [Nr. 79]: No 35 [Venedig, 1827] Liebe Fany. Daß ich dir so lange nicht schrieb, waren die Verhältniße in denen ich bis jetzt verwikelt war daran Schuld. Ich versuchte wie du weißt meinem Bruder eine Civil Anstellung zu verschaffen, es wäre mir sicher gelungen, aber der gute Mann anstatt sich die Kenntniße zu erwerben die ihm erforderlich waren, und durch Fleiß und Studium das einzuhohlen, was er vernachläßigt hatte, fing an ein liederliches Leben zu führen, auf meine Rechnung Schulden zu machen etc. etc. Die Sachen gingen zu weit, als daß ich nicht Einhalt zu thun trachten sollen, und beschloß ihn zu entfernen. Gesagt, gethan, er ist nun nach Petersburg [Peterwardein?] abgereist, die Expedition kostet mir freylich über 300 fl [Gulden] Münzen, ich hoffe aber daß diese für ihn die letzte Auslage seyn wird, und daß ich, wenn nicht bald, doch mit der Zeit die ungeheuren Lücken ausfüllen werde, die er auf eine sehr indiscrete Weise hinterlaßen hat. - Die Amalia hat von mir viel zu fordern, ich weis es, und werde mit nach, und nach meine Schuld abtragen; auch du bist meine Gläubnerin, und auch mit dir hoffe [ich] in Balde in Ordnung zu kommen, und zwar dadurch daß ich die Gelegenheit benutze in Brescia, wo ich um meinen Vater, und die Schwester zu besuchen, auf ein Paar Wochen auf Urlaub gehen möchte, von meinem guten Freunde, und zugleich guten Mahler ein Portrait machen laße, und dir zusende. Daß ich so lange damit warten laße, wirst du vergeben, ich denke wohl immer daran ohne es machen laßen zu können. Ich übersende dir 15 fl C.M. [? Kurant-, gängige Münze] mehr kann ich nicht, weil selbst diese mir schwer fallen. Wir haben das Project fahren laßen, hier das Geld zu erlegen, daß dir von meinem dortigen Haus [Bank] gezahlt wurde; der erste Versuch hat wohl fehlgeschlagen. Man sollte aber noch weiter fragen, vielleicht wäre auch dieses einzuleiten möglich. Ich erwarte recht bald Nachrichten von dir, und von der Amalia, so wie einige Erkundigungen über deine Familie die ich freylich grüßen laße. Addio Fanny/ Venedig den 19.ten N[ovem]ber [1]827./ Dein aufrichtiger Freund Castelli - Brief mit stark vergilbtem, grauen Umschlag, gefaltet, dreimal mit rotem Lack versiegelt: zwei verschiedene Siegel: österreichischer ‚Doppeladler mit Kaiserkrone’, Inhalt vom Wappenschild nicht erkennbar und Umschrift, und ‘Helm mit Fahnen-Hintergrund vor großem Wappenschild’ und verschlungenem F und C: mit kräftiger Tinte: „No 35 1.)“; mit anderer, blasser Tinte: „de Venice“ und „A’ Mademoiselle Mad.lle Francese [?] de Kobler“ „fl 20 x“ [1 Gulden 20 Kreuzer?] und „Salzbourg.“ und „abzugeben beim höhlbräuer mit 15 fl.C.M.“ - „Petersburg“: wohl das österreichische Peterwardein, Serbien (siehe oben). Adressiert ist der Brief von 1827 mit „abzugeben beim Höllbräuer“ (mit dieser Lesung bin ich mir auch ziemlich sicher, obwohl die Schrift sehr verblaßt ist) an Franziska (Fanny) Kobler [Nr. 79], geb. 1796 in Salzburg (gest. dort 1886 als „vormals Besitzerin des Höllbräuhauses“). Das Gasthaus „Zur Hölle“ (heute „Altstadthotel Radisson“) in der Judengasse 15 steht auf dem Platz (und sinnigerweise als ‚Hölle‘ auf den Mauern?) der alten Synagoge, die nach dem Progrom von 1404 verlassen werden musste (vgl. Dopsch, 1996, S. 161, 189 f., 243; oder bereits 1349, vgl. S. 177). Die ‘Höllbräuin’ ist ebenfalls die Schreiberin weiterer Briefe in dieser Sammlung an ihre Enkelin Fanni Spängler. - Fanny Kobler bekommt ein Kind (Nr. 39, Zäzilia Amalia Kobler: in dem Brief „Amalia“) mit (dem in der Geburtsurkunde nicht eingetragenen) Franz Castelli [Nr. 78] aus der Lombardei; sie ist, wie es heißt (so Trudl Widerin) „verlobt mit Francesco Castelli, geb. 17.7.1796, gest. 17.4.1832, aus Brescia; Oberlieutenant im Genie Korps, durch Briefe Anerkennung der Vaterschaft“ [was sich in den Briefen hier bestätigt]. Der Briefschreiber nennt hier seine Vaterstadt Brescia. - Die Tochter Cäcilia Kobler (1821-1848) heiratet 1846 in Salzburg Richard Schlegel [Nr. 38], und deren Tochter, Franziska Schlegel [Nr. 19], geb. 1.6.1848 in Salzburg, heiratet Franz Spängler [Nr. 18]. Zur Zeit dieses Briefes von Franz Castelli ist die Tochter 6 Jahre alt. Einer Notiz von Trudl Widerin entsprechend gehören die drei kleinen Portraits (zwei davon Abbildung unten, links, das dritte rechts), bezeichnet „Spitzer pinxit 1825“ und „1827“, wahrscheinlich hierher; eines davon, 1827, zeigt offenbar die blondbezopfte Zäcilia Amalia Kobler (1821-1848 = Abbildung unten rechts; Foto ganz rechts als erwachsene Frau). Die Miniaturmaler sind sozusagen Vorläufer der Porträtfotografen. Um 1840 ist der Wandel in diesem Gewerbe weitgehend abgeschlossen; man geht zum Fotografen (vgl. einen der folgenden Briefe). | ||
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| + | === 1832 === | ||
| + | FANNY KOBLER (1796-1886; Nr. 79): Buchseite herausgeschnitten, rosa Rückseite (Vorsatzblatt), jeweils durch einen Strich getrennt: 1832. den 20ten April starb mein unvergeßlicher Fo. Castelli/ 1837. den 17ten April starb meine brave, gute, gute Mutter./ 1841. den 30ten Jenner starb mein lieber, guter Vater./ 1842. den 14ten May starb mein guter Bruder./ 1848. den 14ten Juni starb meine liebe, gute, gute Maly [Amalie Kobler]./ Gott gebe das wir uns Jenseitz alle wiedersehen./ [Abstand und mit etwas anderer Schrift:] Die gute Betti Katzinger ist den 10ten August 1881 in Grein an der Donau gestorben. – Vgl. Partezettel für Betti #Katzinger, 56 Jahre alt, 1881. Sie ist eine geborene Kobler, Fanny Kobler nennt sie an erster Stelle unter den „Legaten“ in ihrem Testament von 1878; sie ist Fannys Cousine. Ein Bruder Wilhelm Kobler ist in Linz. Vgl. viele Briefe [bisher ungelesen]: „Betti“ an „Mali“ [Amalia Kobler, Fanny Koblers Tochter, welche einmal als Bettis Nichte, zumeist aber als deren Freundin und Herzensfreundin unterschreibt], Mali and Betti (1844 bis 1848); ein Brief Betti Katzinger an Fanny Kobler (1880). | ||
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| + | === 1833 === | ||
| + | Brief an [Nr. 79] Franziska, Fanny KOBLER (1796-1886) von [Nr. 78] Francesco (Franz) CASTELLI (1796-20.4.1832), vgl. gemeinsame Tochter [Nr. 39] Cäcilia Amalia Kobler-Castelli (1821-1848). - [Briefbogen gefaltet, Siegel fehlt] A Mademoisel Francoise Kobler. Ricapito presto Hóllbr[äurer] a Salisburg. [undeutliche Stempel:] RES GEN[X] 28 / A SALZBURG 3 FEB 1XXX [1833]: [unsichere Lesung, vielfach „u“ für v:] Sig/n Janni Stim/men [?]. Se tardai sino ad oggi a dos riscontro alla casa scea del 8 curente deue atribuisla al interessamento che senta il mio cuore a tante disauentura sucesse alle nostra Famiglie quali ni occupasso la mente che non so come prender la pena in mano per compicor il mio douare di repondere a si compassionati lettera – Sapia adunque che tutt ora presente sono anur alle siccro di quassto posso auer lasciato il pouero Capitano esenda parte de suoi effetti a Venezia presce il Genio, e parto a Brescia in casa de mio Genero sotto sugallo; e come dissi io non tengo presso di me il piu picolo degli efetti fasciati, per conseqenzo non so se il portafoglio che dica sia a do una parte o dal altra, mi fo pero Carico di n’ntraciati al momento opotune e se mi viesce ouerti di forme tosto la spedizione el suo addressa. - Con le sue lettera che erano presso di me esequi li suoi ordini; aurei molte cose a dira ma a che giono quando l’impotenzo mete in ridicola la speranza. – Mi tengo nel numero degli infelici dio mi Baccio allo figlio, e attendiamo un maglio avenia e con tutto stimo e amori sono – Brescia 06 Genajo 1833 – il Suo aff Gio Anto [anderer Brief: Giovanni Anto.] Castelli – Aus „Brescia am 6.Januar 1833: Wenn sich bis heute die Begegnung in seinem Haus verzögert hat, am 8. dieses Monats... verliere ich das Interesse mit allem Unglück, das unsere Familie verfolgt und meinen Geist belastet um, wie eine Strafe die Pflicht zu erfüllen, mitleidenswerten Briefen zu antworten. Ich weiß also, dass ich jetzt nur von der Vergangenheit... von einer Seite die Zuneigung des Capitans in Venedig..., auf der anderen Seite in Brescia in dem Haus, das mein Schwiegersohn unter... und wie gesagt... ich kann nicht in der Nähe von diesen kleinen, wunderbaren Zuneigungen, von deren Nachfolge ich nicht weiß, und nicht sein Portefeuille, wie die einen oder die anderen, mir macht in dem günstigen Moment die [Urkunde]... und alle Formalitäten für die Spedition an seine Adressse. – Mit seinen Briefen, die mich verpflichtet haben, mich immer an seine Anweisungen zu halten... und viele Worte sagen, aber die Unfähigkeit macht diese Hoffnung lächerlich. Ich halte mich an die Zahl der Unglücklichen, gib dem Sohn [!] einen Kuss und wir warten auf eine bessere Zukunft. Mit aller Achtung und Liebe bin ich ihr...“ - Franceso Castelli ist bereits am 20.4.1832 verstorben; der „Kuss“ soll wohl der Tochter Amalia Kobler gelten, 12 Jahre alt. Den Brief, den offenbar ein Verwandter schreibt [vielleicht ein Bruder, vgl. Brief von 1827; der Vater schreibt auf Deutsch], kann ich auch wegen mangelnder Italienisch-Kenntnisse kaum entziffern; eine Kollegin hat ihn mir bruckstückhaft zu übersetzen versucht. | ||
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| + | === 1840 === | ||
| + | Brief (gefaltet, mit gebrochenem roten Lacksiegel= sechszackiger [jüd.] Stern mit [nicht erkennbaren] Buchstaben; keine Adresse angegeben [Umschlag fehlt?]) an [Nr. 39] Cäcilia Amalia KOBLER-Castelli (1821-1848): An Fräulein Mally Kobler. – Festung Königstein den 7 Novbr. 1840. Werthestes Fräulein! Schon hatte ich die Hoffnung, daß Sie Wort halten und schreiben würden, fast aufgegeben, und war entschlossen, statt an Sie, an Ihr Fräulein Schwester [!] Fanni zu schreiben, um Sie zu verklagen- als ich von einer Landpartie zurückkommend, am 3 Novbr. höchstangenehm durch die Zeilen Ihrer Hand überrascht wurde. Aber wie lange sind di[e]se- schon am 28 Septbr geschriebenen Worte unterwegs gewesen!- Destomehr beeile ich mich, unverzüglich zu antworten, um Sie nicht längere Zeit in dem Argwohn zu lassen, daß wir so schnell vergessen könnten, als wir schnell liebgenommen. Das läßt kein ächter Sachse sich zu Schulden kommen!- Uiber unsere weitere Reise von Salzburg aus werden Sie ohne Zweifel einen ausführlichen Bericht von meiner Schwägerin erhalten, [w]ie Sie ja auch durch ein längeres Schreiben von d[e]n übrigen Reisegefährten begünstiget haben [sind]. Daß es uns aber nirgends wieder so wohl geworden ist, als in Salzburg, muß auch ich Ihnen bekennen. Im Bilde hängt das herrliche Salzburg über meinem Schreibepulte, und das Bild ist mir doppelt werth, weil es Salzburg von der Seite darstellt, die Ihr freundliches Wohnhaus zeigt. – Auch nicht der mindeste Unfall ist uns auf der Reise nach der Heimath zugestoßen, und im besten Wohlsein traf ich die Meinigen zu Hause an. Meine gute Frau sah sich für die lange Trennung reich entschädigt durch die Mittheilung all des Guten, das uns zu Theil geworden. Ihre Grüße giebt sie Ihnen freundlichst zurück. - Den Triumph der feinen Bratkunst müssen wir Ihnen schon lassen, wenigstens was die Salzburger Nudeln [Nockerln] und den Kugelhupf betrifft. Denn, so viel ich weiß, sind alle Nachahmungen seither nur unglückliche Versuche gewesen. – Zum Schlusse noch eine Versicherung und eine angelegentliche Bitte.- Es gewährt mir ein besonderes Vergnügen, mir alle di[e] Personen öfter zu vergegenwärtigen, die ich in einem Hause kennen gelernt, in dem es mir so wohl gegangen, Ihren wüdigen Herrn Vater, wie er mir die Geschichte von dem verbo[r]genen Thaler erzählt, Ihren ernsten Herrn Bruder, der mit stiller Freundlichkeit doch lebhaften Antheil an unserer Freude zu nehmen schien, Ihre achtunggebietenes Fräulein Schwester Fanni, mit welcher nicht öfter und ausführlicher haben sprechen zu können, mir heute noch herzlich leid thut. Die freundliche Nanni, wir sie mir den Brief meiner Frau überreicht, die finstere Eisi, wenn sie den würzigen 1834er Rebensaft und das kräftige Märzbier auf den Tisch brachte, selbst die blonde Kati, die Ihnen einen kurzen Besuch machte, und endlich unseren diensteiligen Josef H Koburger der ohne mich zu fragen auf der Partie nach Berchtesgaden meinen Mantel beim Stegergasse umgenommen und meine Landkarte geXXXrichen ließ.- So bitte ich Sie denn auch, nicht nur alle, denen etwas daran gelegen sein könnte, meines freundlichen Andenkens zu versichern, sondern mir auch zu versprechen, daß Sie mir, insbesondere was di[e] ehrenwerthen Mitglieder Ihrer geXXdenen Familie betrifft, wenn auch nur eine kurze Nachricht geben, sobald Einem derselben irgend etwas von Bedeutung begegnet. Eine Verlobungskarte dürfen Sie mir nun gleich gar nicht schuldig bleiben, wenn Fanni oder Malli sich unter das Ehestandsjoch beugen sollten.- Und wie stehts mit Ihrer Reise nach Sachsen? – Ich meines Theils kenne keinen schöneren Reiseplan für di[e] Zukunft, als eine zweite Reise nach dem wunderreizenden Salzburg. Möchte ich, wenn der Himmel mir diese Freud[e] zu Theil werden läßt, Ihre Heimath wieder zu sehen, auch die Freud[e] haben, des Lebens und Glückes Ihrer ganzen Familie Zeuge zu sein, und nicht als ein ganz Fremder in Ihrem Hause empfangen werden! – Möge es Ihnen allen so wohl gehen, als es von ganzem Herzen wünscht Ihr dankbar Ergebenster Paul C. Reschig. - „Vater“, „Bruder“, „Schwester“: Die Mutter ist [Nr. 79] Franziska Kobler (1796-1886), Amalia ist ihr uneheliches Kind. Es gibt einen Bruder der Mutter, [Nr. 79 a] N.N. Kobler ( -1842), und einige Cousins und Cousinen: Betti Kobler, verh. Katzinger (1825-1881) [in Schärding und Grein], Wilhelm Kobler, Luise Kobler, Paul Kobler und Babette Kobler, verh. Weyrer. - „Fanni oder Malli“: Die Mutter Fanny ist 44 Jahre alt, die Tochter 19; sie könnten einem Außenstehenden vielleicht als Schwestern vorkommen. Dem Porträt der (älteren) Höllbräuin nach war sie eine wunderschöne Frau. „Malli“, die Briefempfängerin Amalia, heiratet 1846 Richard Schlegel. | ||
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| + | Kobler-Spängler-Briefe = nicht näher identifizierte Reste [rot verschnürt, nicht gelesen]: u.a. Salzburg 1843; 1845 (?); „Heirats-Antrag“ (Briefpapier „Lida“); gedrucktes Trostgebet 1827; Foto Salzburg Lida und Fanni Schlegel (?); Tagebuch-Notizen 1843; Brief Kufstein 1840; „Liebe Schwiegermutter!...“ (mit Bleistift = Entwurf?) [gleicher Eintrag 1843]. | ||
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| + | === 1841 === | ||
| + | 17.1. siehe: „Verlobung“ Sept. 1871 [Theaterzettel u.ä.] | ||
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| + | === 1842 === | ||
| + | W.[Wiener] Neustadt am 27 Aug. [1]842 [Brief von Rosa Hablin {siehe nachstehende Briefe vom 28.Juni 1844 und 20.Juni 1845 und öfter} an [Nr. 39] Cäcilia Amalia KOBLER-Castelli, 1821-1848] Meine theure unvergeßliche Freundin! Kannst du mir denn verzeihen, meine innig geliebte Maly, daß ich Saumselige jetzt erst dem so heilig und feyerlich gegebenen Versprechen nachkomme- allein bevor du über mein Verbrechen den Stab brichst, gönne mir Verteidigung;- vor Allem glaube nicht, daß es Mangel an Freundschaft- Vergeßlichkeit sey, was mein Stillschweigen veranlaßte, diese Beschuldigung nämlich [...] nicht weiter gelesen; sieben [!] eng beschriebene Blätter, markiert 1 bis 7, Schluss fehlt wohl, keine Unterschrift, auf unterschiedlichem Papier, zum Teil sehr schwer lesbar; am 28.Jänner, dann kurz danach am 31.Mai in Opeka [Kroatien], also offenbar über einen längeren Zeitraum geschrieben. | ||
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| + | Einzelblatt ohne Angaben, Handschrift wohl der Cäcilia Amalia KOBLER-Castelli, 1821-1848: Fortsetzung. Unsere Familie war eben vom Tische aufgestanden, als sie, besonders die 3 Mädchen den alten Herrn von Blauenstein bestürmten, die Geschäfte seiner Jugend zu erzählen. [...] So lebten sie. - Dazu ein kurzer, offenbar ebenfalls literarischer Text „Die Trauer“. Zu dieser Zeit wo ich mich [...]; vielleicht von der Schreiberin selbst? | ||
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| + | === 1843 === | ||
| + | ==== Brief an [Nr. 39] ==== | ||
| + | Cäcilia Amalia KOBLER-Castelli (1821-1848) [flüssige, gute Schrift, etwas verblasst; Bogen, gefaltet, rotes Lacksiegel „K.[?] D“; Stempel „Kufstein 18.Jän.“ und „Salzburg 19.Jan.“; auf der Adressenseite Tinte verlaufen; vgl. folgenden Gegenbrief vom 22.1.1843]: A Mademoiselle Mademoiselle Amalie de Castelli à Salzburg. abzugeben in Kobler’s Bräuhause. - Kufstein am 15ten Jänner 1843. Liebe Malie! Fanni’s Zigeuner mit seiner Auswahl von unglücklichen Tagen war ein Gaudieb, denn jener Tag an dem ich abreisete [!] wurd zu den glücklichen gezählt und er gehörte wahrlich zu den Bösen, denn ich hatte unangenehmes Wetter, schlechten Weg, wurde in Unken [am Steinpass] erbärmlich geschnürt [!], kam nicht weiter bis Kößen [Kössen, 23 km vor Kufstein], und überdies Alles– mußte ich nicht von Ihnen fort!? Sie sind ein schlechter Kor[r]espondent werden Sie mir sagen und ich gestehe es Ihnen sogar zu, ja ich gestehe Ihnen noch mehr, daß ich in dieser Beziehung schon Schand und Spott zu tragen gewohnt bin, aber diesmal möchten Sie doch zu schnell mich verdammt haben und um Sie zu überzei[u]gen werde ich Ihnen jenen Tag verwehren: wie bekannt reisete ich den 9ten Morgens von Salzburg ab kam jedoch nicht weiter als Kößen, den 10ten nach Kufstein, wo ich um 11 Uhr eintraf- Nachmittags suchte ich eine Wohnung und informirte mich über die hiesigen Verhältniße, die ich in dem Grade ungünstig fand, daß ich allsogleich nach Innsbruck abzureisen beschloß, um durch eine dem Obersten zu schenkende Aufmerksamkeit eine baldige Veränderung zu erwirken, am 11ten Vormittags stattete ich meine Dienstbesuche ab, wobei ich dem Festungs Kommandanten bekanntgab, daß ich am 12ten mit dem Gesellschaftswagen nach Innsbruck abzureisen Willens sei- Nachmittags suchte ich wieder Quartier und konnte noch keines finden, des Abend‘s ward ich bei Weißbarth geladen,- den 12ten fuhr ich nach Innsbruck, den 13ten Vormittags machte ich meine dienstlichen Gänge, des Nachmittags besuchte ich die Waßerheilanstalt zu Mühlau und den Abend brachte ich in der Kama[e]raden Gesellschaft zu,- den 14ten fuhr ich wieder zurück und den 15ten meldete ich wieder meine Rückkunft und daß ich Inspektion auf der Festung bekäme, von wo ich, der vom Schicksale verfolgte, inmitten Unglücklicher Ihnen liebe Marlie dies berichte, und hoffe, durch diesen strengen Ausweis meiner Zeit vollkommen gerech[t]fertigt vor Ihnen zu erscheinen. – Die Filharmonische Wurst liebes Malchen hat Ihnen den Magen [vgl. folgenden Gegenbrief] und mir den Humor verdorben- wie kann man aber auch so viel zu sich nehmen?!- um so mehr da die Erfahrung an mir Sie hätte belehren sollen, wie ungesund sie seien, für dermal hoffe ich jedoch, daß Sie Sich [!] wie früher eines gesunden Appetitts [!] werden zu erfreuen haben. – Sie sahen den inneren Kampf, es ward mir unmöglich Ihnen das mitzutheilen, was in mir vorging; ich versprach deshalb Ihnen zu schreiben und ich fühle wieder dasselbe beklemmende Gefühl wie dazumal, denn die Erkenntniß meiner Stellung ist die nie versiegende Quelle meines Unmuths und der inneren Zerrißenheit, denn wie glücklich, wie beseeligend machte mich nicht der Augenblick in welchem s[S]ie den Bund besiegelten in dem Ihre schöne Liebe eine neue Welt mir erschloß?!- um so drückend schwerer lastet auf mir die Verantwortung, den über Sie hereinbrechenden Stürmen durch meine Schuld unmännlich einem obgleich edlem Gefühle unterlegen zu haben, das, wenn i[I]hre gute Mutter es nicht billigt, ihre harmlosen heiteren Stunden vergiftet hat.- Dies die Erinnerung über den Vorwurf von Kälte, der mein Innerstes schmerzlichst berührte während dem sich die entgegengesetzten Elemente bekämpften. – Können, werden Sie vergeben und nicht Zürnen dem Schwachen? den vom Schicksale ohnedies hart Bedrängten, der es wagt in seiner verkrüppelten Existens[z] Ansprüche zu machen, welche ihm die Macht der Verhältniße tirranisch [!] verweigern will, deßen Leben einem Winterschlafe ähnelt in dem ein entfernter Wiederhall [!], wie ein dunkler Traum dringt. – Von düstern Ahnungen gefoltert bittet Sie theuerste Malie baldigst um einige Zeilen und Nachsicht, und Ihrer guten Mutter ihn empfehlend, herzlichst Sie küßend Ihr Karl. – Vgl. nachfolgenden Gegenbrief und Anmerkung dazu. Die „[!]“ sollen z.T. nur an die Korrektur in heutiger Schreibung erinnern. | ||
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| + | Kobler-Spängler-Briefe = nicht näher identifizierte Reste [rot verschnürt, nicht gelesen]: u.a. Salzburg 1843; 1845 (?); „Heirats-Antrag“ (Briefpapier „Lida“); gedrucktes Trostgebet 1827; Foto Salzburg Lida und Fanni Schlegel (?); Tagebuch-Notizen 1843; Brief Kufstein 1840; „Liebe Schwiegermutter!...“ (mit Bleistift = Entwurf?) [gleicher Eintrag 1840]. | ||
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| + | ==== 1843 Brief von [Nr. 39] ==== | ||
| + | Cäcilia Amalia KOBLER-Castelli (1821-1848) [manche Wörter und Wortanfänge kräftig durchgestrichen XXX und neu geschrieben, z.T. Unstimmigkeiten durch die Korrekturen, markiert durch runde Klammern = (); Ergänzungen und Hinweise in eckigen Klammern []; / = Blattwechsel; manche sehr energischen Endstriche bei den letzten Buchstaben eines Wortes sehen fast auch wie Durchstreichungen aus. Endungen sind zuweilen nur als dicker Strich markiert; die Handschrift ist insgesamt sehr kräftig mit einer Feder]: Salzburg den 22 Januar 1843. Lieber Freund! Von einer recht angenehmen Schlittenfahrt eben zurückgekehrt wo ich mich in Gesellschaft meiner lieben Mutter mit der Familie Abele recht gut in Hellbrun[n] unterhielt, wohin wir auf meinen Lieblingswege u[ü]ber Grödig hynlangten, sitze ich weiser [?] in meinen Zimmer, in XXX XXX in der gemütlichsten Stimung, um Ihr liebes Schreiben zu beantworten. Ich bin eben auch heute wirklich so heiter und fühle mich so unendlich wol, daß ich unmöglich den Wunsch unterdrücken kann, daß Sie sich eben so fühlen mög(t)en wie ich. könnte ich Ihnen doch durch mein Schreiben nur einen XXX Theil jenes woltuenden Gefühls, einfloißen, des Gefühls XXX dem einer Zufriedenheit mit sich, und dem Bewußtseyn von einer zu guten Mutter wie die meinige ist: geliebt, und zu was man jetzt gehätschelt zu wissen, welches mir täglich klarer vor den Augen steht. So sehr mich Ihr Brief erfreute, wäre doch bald mein guter Humor bei Lesen deßelben zu Grunde gegangen, dur[ch] die trübe Stimung die sich in jedem Ihrer letzten Zeillen so deutlich ausdrückt, und ich beXX mich wirklich etwas XXX verstimte. Tausend Gedanken kreutzen sich in meinem Gehirn, und denn so gar genau möchte ich si Ihnen de anschaulich machen, wie den die Ihre Unzufriedenheit, und Ihre selbst hervorgesuchte und mit Vergnügen festgehaltener Unmuth, Sie alles im grellsten und schwärzesten Lichte darstellt, so zwar: daß Sie sogar meine gute unaussprechlich geliebte Mutter bey im Stande glauben, daß Sie [mit „2“ und längerem Strich Umstellung angedeutet] die nur mein Wohl im Auge hat, mir nur Eure bittere Stunde zu bereiten / Denn wie könnte die Mutter, die mich so innig liebt, und die (der ich) natürlich von Allen in Kenntnis ist mir zürnen, I d daß ihr Kind einem Freund wie Sie das natürlichste Gefühl, das der frei innigen Freundschaft erkennen ließ; denn nicht Liebe jene so gepriesenen Leidenschaft die ach so viele Opfer fordert, und beynahe alle ihre Anfänger mehr oder minder unglücklich macht war es, was auch einig[e] Thränen erpreßte, wie, ich wiederhole es noch ein mal, ich will es war die eing unbegränzte uneigennützigste Freundschaft, wel die Sie sahen, die ich herzlich bitte nicht zu verkennen, und die Macht des scheidenden Augenblicks; wo der mich von Ihnen trennte mein Freund trennte, dem ich so gerne und aufrichtig alle meine kleinen Betrübniße und Freude[n] mittheilte. Ja ich gestehe es, es wäre drückend für XXX, hätte aus XXX dem Sie, und XX bringend für mich, mich mit mit einen Gefühle bekannt gemacht zu haben, da die Macht der Verhältniße, ungerne beyderseitig, was irgent uns im Leben näher zu stehen, doch, ich hoffe Sie werden mich nicht mißverstehen, so ser das Verhältnis in welchen wir uns wiedersehen, wie es wolle, wir können einander ohne Vorwurf entgegen tretten und freundlich die Hand bieten dem Freund der XXX er wärdeste [?] Freundin. ────── Und nun will ich Ihnen von meiner Lebensweise erzählen. Am Tag Ihrer Abreise neulich Montag den 9ten forderte mein gekränkter Magen sein Opfer [vgl. vorstehender Brief], nemlich daß obwol es mir sehr unlieb war, ich nicht länger als bis 7 Uhr Abends mich außer Bette aufhalten konnte, und ich dasselbe mit großer(n) Ub Unwohlseyn eiligst suchen mußte, den nächsten Tag war es jedoch großtentheils vorüber, und jetzt Gott sei Dank befinde ich mich ganz wol. / Die Eintheilung meiner Tagesstunden, ist Ihnen ohnedies bekannt sie bleibt im[m]er dieselbe, und ist darum mir um so lieber, da ich nie über Langeweille mich beklagen kann. Daher kann ich nur von meinen Abendstunden sprechen. Wie ich den nächsten [die letzten] Tag(e) im Gasteyner [Gastein/ Gasteiner Tal] zubrachte, fielen Hagel und Schloßen auf mein armes Haupt, in gewisser Beziehung, doch Ihre(n) weisen Ermahnungen noch zu frisch im Gedächtnisse, schüttelte ich aber dasselbe, und siehe da, die witzigen, und mitunter nichtwitzigen Bemerkungen zerstiebten an meiner mit Heiterkeit und Ruhe gestählte Stierne. Doch einer von den Herren wird es schmerzlich bedauern, nicht auch sein Scherlein dazu beygetragen haben zu können, und das ist gerade der Oberl. Babier, dem Gott das Verhängnis mir zu Liebe die Sprache nahm, denn er war sich seit den letzten Tage Ihrer Hierseyns nicht mehr bei uns, weil er sich da ihn schon damals nicht wol war, von Museumsballe die Kehlkopfwassersucht hal[t]te, und, sehr schwer darniederlag. AchXXX Uibrigens hat er jetzt Zeit gehabt, darüber nachzudenken, und die Antworten die ihr[m] von früher im Halse stecken geblieben werden jetzt mit verdoppelter Kraft hervorbrechen. Wie weilland bey dem Mann der in russischen Feldzuge die Worte im Munde erfroren, und die da die Zeit kam das selbe wieder in Gang kam die ganze Stadt nur ein Getumel war, so wird es dem Oberl. gehen, der wahrscheinlich schon in ein Paar Tagen komt, und das Kag[?]viertel wird nicht wissen, was für ein Lärm entstanden ist. Doch jetzt kann ich ihm getrost entgegen gehn, da er nun der einzige ist, der in der Hinsicht mich necken wird, denn die anderen und besonders Gläser, XXX zaubern sich so sehr vom Gegentheile ihrer frühren ausgesprochenen Meinungen überzeugt, das Gläser glaube ich sogar dir den Fehde / handschuh hünwerfen würde, den sich untersteht, noch weiter von der Sache zu sprechen. E Die vielen Fü[ä]le die jetzt erzählt werden höre ich mit den ernsthaftem Gesicht an wie ich mit Ihrem ganz besonders XXX da ich sie XXX nur mit meiner Mutter noch besprechen kann. Zu den mir vorgenommenen Uibungen in Franzosisch u Italien[isch] bin ich noch nicht gekommen, doch col tempo e colla patzienza uo tutto. und also auch das. ──── von dXX[rei] Tagen Mittwoch bis Samstag fiel nichts Neues vor. Samstag der 14. wurde in kleiner Gesellschaft ein großes Gesellschaftsspiel veranstaltet, wo auch wir uns nicht ausschließen konnten. └──┐ und wobey von meiner s viel gelacht wurde. Sonntag war also der XX viel besprochene Handlungsball; und während Sie armer Freund inmitten sXXXX in der Abgeschiedenheit an mich schrieben war ich in glänzender Gesellschaft; ich unterhielt mich gemütlich tanzte aber nicht viel da es sehr voll war, und meine Angenehmlichkeit sehr groß ist. BXX Ich ahnte nicht daß jetzt ein würd[i]ger Abschnitt meines Lebens begann, indem ich 1 den andern Tag 2 Briefe ankamen, worin ein würdigen junger Mann in aller Form und auf die ehrenvollste Art um meine Hand bittet; er befinde sich derzeit in Stuttgart als Associe in einen ergiebigen Fabrick geschäfte; daß es schmerzlich m(e)ich so fand ich berührte können Sie deuten, wie er XXX ein solchen Fall sehr zart behandelt seyn will, doch die weite Entfernung, die eine Trennung war meiner dann so einsam stehenden Mutter heischte, und die ich selbst nicht zu denken ertragen Im Stande wäre, war das schiklichste Motiv mich für denselben zu bedanken XXX Nicht wa[h]r das waren bedeutungsvolle Tage für mich!!! Doch ist jetzt das auch wieder beseitiget und und ich bin froh daß das was so schwer für mich war nemlich die Antwort nach Stuttgart ist überwunden; dX Jetzt bin ich wieder so ruhig und heiter, und fühle mich in meiner Behausung wohl enendlich glücklich. ──── Besonders im Leben meiner XXX, da Und das was Abends mich oft nur vorgeht eigentlich nicht in meine Sphäre gehört, die sich mich in meinem Zimer oder in Gesellschaft meiner Mutter sie kann lieber Freund so heimisch fü[h]le / Ach wie geht es bei Ihrem Anwesen, verwalten Sie Ihr Amt als Nachtwächter? ─── Die Mutter grüßt Sie herzlichst und läßt Ihnen melden, daß es Sie möchten Ihr Amt im Auge behalten, nur daß es jetzt bei uns nur doch nicht anders ist da wenn einer lange da ist, der andere sich bemüht noch länger zu bleiben. Wir freuen uns wenn es Sie bald wieder zu sehen, und in der Zwischenzeit wieder einmal etwas von Ihrem Befinden zu erfahren; ich aber möchte gut an Ihrer Seite stehen wenn Sie meinen Brief lesen, denn ich daß [S]ie so viel von mir erfahren würden, hätte[n] Sie wahrscheinlich nicht geahnt. ──── Ich bitte anbei meine herzliche Absicht Sie ein wenig zu erheitern nicht zu verstimmen, Noch muß ich fragen, ob welches die Ursache war daß ich Ihren Brief welcher Freitag früh unten ganz mit Tinte begossen erhielt?! ── Doch schadete es dem meinen Wunsch nichts, nur die Adresse war verwischt [vgl. vorstehender Brief]. ─── und war aber glüc[k]lich wär, könte mir zu schweigen L Ankömling für XXX XXX halten. Leben Sie recht wo[h]l. NXXX Sie noch ein XXX XXX Wunsch daß es Sie bald zufrieden werden möcht, daß es XXX gut und Sie sich in Ihrer Abgeschiedenheit ebenso recht wo[h]l fü[h]len mögten wie ich und gedenken Sie manchmal sich in Freundschaft mit herzlicher Gesinnung Ihrer unveränderlich[en] Freund[] Xus Amalie – An wen der Brief adressiert ist, wird nicht angegeben [vgl. jedoch vorstehenden Brief von einem Freund „Karl“, zu dem dieser Brief die Antwort darstellt]. Von einem Heiratsantrag 1843 aus Stuttgart weiß ich sonst nichts (vgl. aber bisher ungelesen Briefe von Ph.Reichmann aus Stuttgart, 1843). Der Brief ist offensichtlich nicht an [Nr. 38] Dr.med. Richard Schlegel (1811-1881) gerichtet [vgl. vorstehenden Brief mit anderer Unterschrift, „Karl“], welchen Amalia Kobler dann am 21.4.1846 in Salzburg heiratet. Hat der Freund den Brief vielleicht nach Amalia Koblers Tod 1848 zurückgeben? | ||
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| + | 1843 XX.Sept.1843 [vielleicht Bruchstück eines Briefes von Rosa Hablin:] So eben bin ich von Agram u. Carlstadt zurück [...] ein Blatt eng beschrieben, Rückseite ebenso und darauf und darüber noch quer geschrieben... für mich unleserlich. – Ähnlich ein Blatt, französisch und deutsch, kreuz und quer beschrieben; ohne erkennbares Datum. – Dazu zweites Blatt mit ähnlicher Vignette, handgemalt, deutsch und französisch, Gedichtzitat, Datierung „20.August“; ebenfalls nicht gelesen. | ||
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| + | 1843-1844 [nicht endgültig gelesen, deshalb rot verschnürt] Briefe an Nr. 39 Amalia Kobler. Bündel mit schwarzem Band = Liste „Was halten Sie für das größte Glück“ (jeweils 40 Punkte aufgeführt), ...liebste Beschäftigung, ...zu lieben, ...zu tadeln usw. – Briefe aus Wien 1844 an „Malchen Castelli“ und „Amalia Castelli“, Absender nicht entziffert, und aus Schärding an „Herrn Hauptmann“ 1844 von Betty Kobler. – Im hellblauen Briefumschlag Briefe an „Fräulein Amalia“ aus Stuttgart 1843, an „Fanny v. Castelli, Besitzerin des Gasthauses zur Hölle Salzburg“, Postbrief aus Stuttgart mit Stempeln, 14. Januar 1843 von Ph.Reichmann. – Brief aus Salzburg 1843 an „Herrn von Barbier“ „Mein lieber Freund“ von „Ihrer Freundin Amalia Castelli“. Die Briefe wurden nur flüchtig gesichtet [März 2011]. | ||
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| + | === 1844 === | ||
| + | FANNY KOBLER [Nr. 79]: 184X, wahrscheinlich 1844, Meldezettel (Einquartierungszettel) des Höllbräu für Otto von SXXX aus Zwickau/Sachsen, unterschrieben „Serafin Kobler“ | ||
| + | ==== 5. Juni 1844 ==== | ||
| + | 1844 [5. Juni 1844] Brief von Rosa [Hablin; siehe nachstehende Briefe vom 28.Juni 1844 und 20.Juni 1845 und öfter] an [Nr. 39] Cäcilia Amalia KOBLER-Castelli (1821-1848) [gefaltetes Blatt, gebrochenes Siegel „H“, Stempel „Warasdin 6.Jun.XX“ -der sehr undeutliche Stempel am Knick sieht fast eher wie eine 3X aus! Im Zusammenhang datiere ich jedoch 1844- und „Salzburg 10.Jun.“]: Fräulein Fräulein Amalie v. Castelli zu Salzburg. Judengasse No.67. 1ter Stock. – Petite méchante! C’est la même amitié, mit der du mich so lange auf eine Antwort auf mein Schreiben erwarten läßt, et m[ê]me celle, mit der du dich in Salzburg gegen mich betrugst! 3mal besuchte mich die zärtliche Freundin während meiner halbjährigen Anwesenheit. C’est une amitié bien commode, et comme je crois, aussi beaucoup dans la mode!- Es ist fürwahr zu arg! seit dem ich hier bin, erhielt ich noch keinen einzigen Brief- und den 8ten May verließ ich Salzburg- u. heute avons nous le 5ieme du mois de Juin. C’est trop- c’est trop! Daß mir mein lieber guter Vater nicht schreibt, weiß ich u. bin beruhigt darüber, da er mir selbst Zeitpunkte darüber bestimmte; aber du, du- je ne trouve pas des mots qui expriment justement, ce qui je te veux xxmmer! also du –Unaussprechliche!- was kannst du für einen Grund haben als xxx [creuse?] für dein obstinates Schweigen!- Jedermann hier erhält Briefe. Isabelle schon ein halbes Dutzend, nur mir allein bringt der heißersehnte Bote keine, den ich mit so hochklopfenden Herzen in’s Schloß tretten- u. mit Thränen getäuschter Erwartung wiederfortgehen sehe. Mais au nôm de ciel! petite mêchante. warum schreibst du denn nicht?. Pour te punir justement, c’est à dire, pour de [te] faire payer 1 2 x monnaie- schreibe ich dir wieder. Eigentlich drängt es mich nun, meiner unsäglichen Galle etwas Luft zu machen! Ich Ärmste! gebannt in ein / alter Gespenster[h]auß, von der Außenwelt total abgeschnitten keinen fremden Gast sehend, als die ungebetenende Ratten u. Mäuse, die, trotz dem Bataillon Katzen das jetzt hier einrücken mußte, noch mit größter Unverschämtheit herum trottiren; ich arme Verbannte, die ich mir selbst vorkomme wie der trostlose Geist eines weiland hier schmachtenden Burgfräulein’s, wenn ich in das erblindete Glas meiner Vyngel’s schaue, ich Ärmste bekomme nicht eine einzige allerwinzigste Nachricht aus der lieben Alpenstadt, die meinem Herzen stets so unbeschreiblich theuer ist, wenn ich ferne- ferne von ihr bin. C’est étonnant! inconcerable! Nicht wahr?- Ach! plötzlich aus ihr fortgerissen, wie Mephistopheles den Faust entführte, bin ich in eine reitzende Einöde versetzt, welcher um sie ganz romantisch zu finden nichts abgeht als eine Strohhüt[t]e, ein Bächlein, eine Rasenbank- ein Feld mit Kartoffeln und- Er!- Allein keinen „Er! sondern nur den Grafen, die Gräfin(n), Nandinchen, die expricieuse Anglaise, u. die bittersüße De Taux sehe ich, u. diese Gestalten wechseln nie mit Ande[r]n. Wir können uns ferb xxbelten, wir seyen im Paradiese u. die einzigen Menschen, letzterer Wahn wird sicher nicht gestört! Hier auf dieser Felsenburg hausend wie ein einsamer Spatze, kann ich kaum für wahrscheinlich halten, daß ich noch vor Kurzem in dem bunten Geräusch einer Stadt war, kaum noch vermag mir meine XXX imaginativer nachgufild an was ich dort sah, phantastischte Gebilde steigen umdeutlich vor mir auf, „bunte Kuppen“ in schwarzen, rothen, grünen, gelben Farben, „mit Waffen behangen“- hier ist nichts was mir das Alles deutlicher zu xxkrufen wünscht,- doch ja, j’oubliais! nous en avons aussi un exemple! et c’est le Baron Fermont ein mit dem Zipperlein behafteter Rittmeister / welcher das dadurch entstanden u. seine Eitelkeit wenig choquierendes Hinken, als folge einer in der Schlacht erhaltenen Wunde ausgibt. Dieser der Baron, kommt oft zu mir, er ist so etwas von einer männlichen Coquette, u. in seinen schöneren Jahren- tempi paßati, haben, wie man sich erzählt, seine sorgfältige Toilette, sein solides Vermögen zwey-drey Herzen gebrochen! Und dieser Lovelaer, will hier Ähnliches bewerkstelligen u. ich soll das Opfer dieses podagrischen Unwiderstehlichen seyn. Durch einen köstlichen Zufall erfuhr ich daß er sogar mit Graf Georg eine Wette einging, das ihn diesen xxkke, er brächte es doch noch sicher dahin, daß ich mich in ihn verliebe! „Was für eine dumme Gans er ist!“ sagte Isabelle mit ihren exxroblen Deutsch /:das jetzt noch schlechter geworden:/ als sie es mit mir zugleich erfuhr. „Welch ein köstlicher Spaß, das seyn wird,“ dachte ich; u. wie ich mich mit diesen ruses réciproques amazire rief endlich die Gräfin, wan mir Xnachrichtigs, u. gibt nun eine stille Beobachterin ab.- Unser Leben hier ist wie im vergangenen Jahr. Die Grillen u. he[XXX] schreyen noch immer, die Nachtigallen schlagen und die Kapaunen singen wie neulich Isabelle sagte, anstatt „die Hähne krähten.“ Unsere plaisirs innocents erstrecken sich noch immer auf alle Xand- Buch- u. Schlafstellungen u. überdieß sxuen nach auf eine bedeutend[e] Zucht Seidenwürmer, wo ich fleißig- ja mit Passion arbeite, bis mich die Gräfin fortjagt wenn ich in den warmen Häusern wie gebraten endlich geworden bin. Du siehst welch ein weites campagne de plaisir ich besitze. Ubrigens ist das sonst so milde Klima sehr kalt naß immer, ich friere beständig. Ist es auch so in Salzburg? War es die Pfingsttage schön? Wird es morgen schön seyn in Salzburg- nämlich am frahelxchen Tage!- Antworte hierauf!- Doch a Dieu, my dearest- ich lerne ausnehmend fleißig l’anglais! u. Géographie! a Dieu, petite satan! Man ruft mich zum Xher. Ein willkommener Ruf! car j’ai appetit!- a Dieu! adieu! adieu!- Rosa. – Die Briefe von Rosa Hablin an Amalia Kobler 1844/45 zeugen von einer etwas anstrengenden Freundschaft, deren Einzelheiten ich nicht kenne. Immer wieder wird diese Freundschaft bemüht, aber offenbar von Seiten Amalias enttäuscht, und Rosa antwortet bitter, z.T. verfällt sie in die distanzierte Form des „Sie“. Ich habe diese Briefe aus Kroatien gekürzt nicht nur weil sie zum großen Teil auf Französisch abgefasst sind, sondern weil sie kaum Hinweise auf Salzburger Verhältnisse enthalten. | ||
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| + | ==== Brief von Rosa an Cäcilia Amalia Kobler-Castelli ===== | ||
| + | 1844 Brief von Rosa [Hablin, eine Freundin von Amalia Kobler] an [Nr. 39] Cäcilia Amalia KOBLER-Castelli (1821-1848) [gefaltetes Blatt, gebrochenes Siegel „H“, Stempel „Warasdin 29.Jun.1844“ [Varazdin, heute in Kroatien] und „Salzburg 3.Jul.“ manches schwer lesbar]: Fräulein Fräulein Amalie v. Castelli zu Salzburg, Judengasse No.67. 1ter Stock. – Meine gute theure Maly! Ach Gott! wie ich mich verschrieben habe-: gute theure Maly, das wollte ich wahrhaftig nicht schreiben, denn ich bin sehr- sehr böse auf Dich, u. glaube, es ist nicht Scherz- sondern Wahrheit, wenn ich Dir sage, daß floß aus alten Gewohnheit, diese zärtlichen Worte meiner Feder entschlüpften. Jetzt bin ich 2 Monate hier und habe einen einzigen Brief, und den von meinem guten Vater erhalten. Dieser war 2 u. ½ Zeile lang, der Inhalt folgender: Liebe Rosa. Deine Briefe habe ich richtig erhalten u. daraus gesehen daß Du in Versicherungen Deiner kindlichen Liebe durch die Feder weit freygebiger bist als mit Worten. Übrigens befinde ich mich in vol[s]tXX Gesundheit was auch dir wünscht dein Vater! Sonst erhielt ich von keinen Nachricht, u. nun sage ob es nicht zum Verzweifeln ist. Du weißt wie schwer, mit welchen Bangen gepresten Hunger ich Salzburg verließ, Du kannst ahnen, daß durch diese so schnelle unverhof[f]te Abreise ich unendl XXehrlich auf die Ungewißheit drucken muß, mit der wir selbst von der nächsten Kunde mit Bestimmheit sprechen können. „Werde ich meinen Vater wieder sehen, wird mein Fuß Salzburg jeh wieder betretten!“ So quäle ich mich beständig, ach bin sehr- sehr traurig.- Selbst die größte Gleichgültigkeit einer Fremden würde mich nicht so grausam der MaXX hingeben. Nachrichten von meinen Lieben von der Stadt grd geben die ich verließ, u. die dem Herzen so theuer sind, so unendlich süß, wenn man ferne u. so einsam ist:- Ich hätte dir unendlich viel zu sagen, zu erzählen, XXigenden sich in Zungen sehr viel seiner XX und, allein ist bin zu verstimmt, dieses XXgentliche Harren u. Hoffen, das immer vergebens, der nimmer bXXgt der äusehnde Bote mir de erwünschte Nachrichten, ich die krank an Körper u. Gemüth, gestern hatte ich einen Fieberanfall ich war sehr unwohl, und wir füchten daß das Fieber Morgen bey mir ausbrechen wird.- Ich kann diesen beständigen Temparaturwechsel nicht ganz ertragen, u. vorgestern wo ich schon sehr unwohl war, fuhr ich nach Warasdin u. das hat mich in dieser unerträglichen Hitze die wir hier haben sehr angegriffen.- Habe Mitleid mit mir, Maly! schreibe mir, ich weiß nicht mehr was ich denken soll. Hast Du meine beyden Briefe nicht erhalten?- Was- was ist die Ursache dieses zerdrückenden Schweigens. Ich weiß nur mehr ein Mittel! Wie ich mit umgehender Post keinen Brief habe, send ich Dir ein großes Paket voll altes Papier damit du unendlich viel Postporto zahlen mußt. Ich weiß Dich nicht anders zu strafen- aber es wird geschehen. Maly, ich gebe dir mein Wort darauf!- Lebe wohl, mich schmers[zt] der Kopf, u. ich schreib Dir nun noch schnell weil ich glaube krank zu werden u. mir für diese Zeit eine Nachricht aus Salzburg gewinnen müste [möchte] – 28 Juni [1]844. Rosa. | ||
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| + | ==== Brief von Rosa an Cäcilia Amalia Kobler-Castelli ===== | ||
| + | 1844 Brief von Rosa [Hablin; siehe vorstehende Briefe vom Juni 1844] an [Nr. 39] Cäcilia Amalia KOBLER-Castelli (1821-1848), Blatt ohne Umschlag: Ma bien aimée! Je recevais votre lettre piquant, ennuyant, méchant, abominable ect ect- mais pour en punir, vous me saurez rien de l’éffet qu’il produisait dans mon coeur!- [...] nicht gelesen [...Schluss:] adieu ma bien aimée! ma petite méchante, adieu! Ecris moi chère Amelie, je t’en prie, écris moi! je me suis armé de la patience de Job [Hiob]; j’éspère que je peux attendre ta épouse. Tout à vous. Rosa. – Opeka, 29 July [1]844 – Je te prie à me copier ce poème de Castelli: Es sind zwey kleine Fensterlein in einem großen Haus ect. Et puis ces mots de Schiller vous l’avez dans votre album: Wie entzückend u. süß ist es in einer schönen Seele ect.- Ay[ez] la bonté, et m’envoye dans une lettre tres aimable, ces deux XXX.- Mes compliment à votre mère.- [quer:] Isabelle travaille quelques chose pour vous! Ayez bonte[é], ma Mignonne, vous m‘avez encore rien fait pour votre amie et corespondant inconnu. - „épouse“ = (?) Amalia Kobler heiratet 1846 Richard Schlegel. – „Schiller“ = aus „Don Carlos“: „Wie entzückend und süß ist es, in einer schönen Seele verherrlicht uns zu fühlen, es zu wissen, dass unsre Freude fremde Wangen rötet, dass unsre Angst in fremden Busen zittert, dass unsre Leiden fremde Augen wässern!“ | ||
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| + | ==== Brief von Rosa an Cäcilia Amalia Kobler-Castelli ===== | ||
| + | 1844 Brief von Rosa [Hablin; siehe vorstehende Briefe vom Juni 1844] an [Nr. 39] Cäcilia Amalia KOBLER-Castelli (1821-1848) [Umschlag, gebrochenes Siegel „H“, Stempel „Warasdin 5.Oct.1844“ und „Salzburg 9.Oct.“]: Fräulein Amalie v. Castelli zu Salzburg, Judengasse No.67. 1ter Stock. – 3ie[me] Octobre [1]844. Opeka. - Ma bien aimée! Quel plaisir, quel bonheur dans un petit morceau de papier! Tu me fairais tr��s heureuse, ma charmante Amélie, ta lettre m’a rendu très joyeuse très contente! c’était mon Amélie d’autre fois- elle n’y était plus bizarre et malicieuse! Merci, ma mignonne- merci, reçois mes plus tendres baisers! Tu sais que je t’aime. et Dieu m’es têmoin, je t’aime fidélement, mon amour pour tai ne varie [?] jamais; je ne me gêne pas à te confier tout ce qui je pense, mon ame te dit tous ses sécrets; elle te confie les chagrins- sufragers et ses folles ésperances. Quelque fois elle s’humilie devant ta sagesse de matrone; bien plus souvent encore elle s’appuie à ton affection et demande un sourire à ta bonté!- [nicht weiter übertragen: ...weiter u.a. über die Freundschaft. Ich habe viele Verehrer, aber nur du bedeutest mir etwas. Auch nach einem turbulenten Tag wünsche ich nur ein stilles Zimmer bei dir zu besuchen. Ich will nicht heiraten; mein Engel ist weg, aber Gott verlässt mich nicht. Die Liebe ist für mich nur ein Traum, ein Phantom... ich war sehr krank. Baron und Baronesse „D.“ helfen mir in meiner Einsamkeit, aber ich langweile mich... und, quer geschrieben, Louise, eine Ungarin...] | ||
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| + | dazu Einzelblatt gefaltet, undatiert [in viel steiferer und eher kantiger Schrift als „Rosa“s obigen Brief von 1844; vielleicht von ihr noch als junges Mädchen?]: Liebe, gute Freundin! Der Inhalt meines Briefes war derselbe wie des deinigen, nähmlich, daß du mir eine wahre aufrechte Freundin bist, wie mit der beygefügten Bitte daß du mir wo möglich mit Rath u. That beystehst.- Und herzlich freuen würde es mich wenn du mir eine Schwester wirst. Ich will dir gerne wo ich nur vermag einen Dienat erweisen obwohl ich es nur schwer vermögen werde, denn meine gute Maly ist mir ja an Verstand weit unendlich weit überlegen. Freudig meinen Brief schließend eine Freundin gefunden zu haben, verbleibe ich Deine dich ewig liebende Freundin Rosa H. [Hablin] | ||
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| + | ==== Weitere Briefe ===== | ||
| + | Briefe [rot verschnürt, nicht gelesen] mit breitem, weißen Seidenband zusammengehalten an Nr. 39 Amalia Kobler, verh. Schlegel (1821-14.6.1848), von ihrer Freundin Betti Kobler, das ist die Cousine ihrer Mutter, also ihre Tante [obwohl jünger], später verh. Katzinger in Grein, 1825-1881: Schärding [S.] 28.12.1844 von deiner Freundin „Betty Kobler“; S. 11.3.1845 von Betti [B.]; S. 28.3.1845 von B.; S. 6.7. o.J. [1845 ?] von B.; S. 17.8.1845 mit Umschlag (Stempel 17.8.45) und Wappen-Siegel „stehender Löwe“ von Betti an „Fräulein Fräulein Amalie Castelli abzugeben beym Höllbräu in der Juden-Gasse / Salzburg“; S. 1,5 Bogen 30.9.1845 von Betti; S. 1,5 Bogen 23.8.1846 von Betty; S. 1,5 Bogen blau, weiß 24.1.1848 mit Umschlag, Stempel 26.1.8 und Wappen-Siegel, von Betti an „Madame Madame Amalie Schlegel k.k. Kreiswund-Arztens Gattin Wohlgeboren / Salzburg“; [hinten angefügt] 12.XX.1846 von ? | ||
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| + | === 1844 bis 1848 ==== | ||
| + | 1844-1848 [nicht endgültig gelesen, deshalb rot verschnürt] Briefe von Nr. 39 Amalia (Maly, Mali) Kobler (1821-1848, am 21.4.1846 verh. Nr. 38 Dr.Richard Schlegel, 1811-1881; vgl. 1844 beiliegend kleine Visitenkarte „Amalia Schlegel“) an ihre Freundin Betti Kobler, später verh. Katzinger (1825-1881). Vgl. Partezettel für Betti Katzinger, 56 Jahre alt, 1881. Sie ist eine geborene Kobler, Fanny Kobler nennt sie an erster Stelle unter den „Legaten“ in ihrem Testament von 1878; sie ist Fannys Cousine. Die Briefe sind zumeist an „Betti“ von „Mali“ [Amalia Kobler, Fanny Koblers Tochter, welche einmal spaßeshalber als Bettis Nichte, zumeist aber als deren Freundin und Herzensfreundin unterschreibt. Auch der Altersunterschied ist gering.]. - Die Briefe [März 2011] wurden flüchtig gesichtet, z.T. geordnet. Ich wiederhole einmal genannte Namen in der Regel nicht und in den Anreden nur die Veränderungen. Mit jeden Datum ist ein Brief gemeint; die Briefe waren gebündelt, wahrscheinlich von Betti, und wurden vielleicht später oder aus dem Nachlass an Nr. 19 Fanni Schlegel, verh. Nr. 18 Spängler, überlassen, deren Mutter Amalia wenige Tage nach der Geburt des Kindes stirbt. Amalia lebt, wie später auch die Enkelin Fanni, bei Nr. 79 Fanny Kobler, der „Höllbräuin“, in Salzburg. Jahreszahlen in den Folgebriefen des gleichen Jahres werden nicht wiederholt. Die Namen [zumeist die in den Briefen grüßen lassen oder über die etwas geschrieben wird] lassen sich in den Briefen leicht erkennen, da sie lateinisch geschrieben sind. Doppeldaten sind Doppelbriefe mit mehrfachen Daten. - Amalie Castelli, Salzburg, an die Freundin Babette Kobler, Schärding, 7.5.1844; es grüßen Madame Schlögelkofer, Dr.Schlegel. – An Betti 18.8./11.9., Dr.Schlegel, Madame Schlögelhofer [und so weiterhin]. – Die Freundin Mali an Betti Kobler, Schärding, 5.1.1845; Dr.Schlegel; Zusatz von Nr. 79 Fanny Kobler an Betti wegen „meine Bitte mit der Maly“. – 19.4. (grüßen) Mad.Fuchs, Madame Schlögelhofer, D.Richard [Schlegel], Müllbauer Theres, Dr.Gsteiner, Mad.Bauernfeind und Betti, Dr.Fischer. – 21.5. – 5.6. Fräulein Lisi Müllbauer. – 6.8. Amalie an die liebe Herzensfreundin; Kudorfer Theres. – 9.10. Mali an Betti; Agnete Kempf, Hauptmann Gläeser [auch vorher genannt]. – 17.10. Amalie Castelli an Betti; Richard [Schlegel], Fr.[au] Weizner. – 4.5.1846 aus Wien als Amalia Schlegel auf dem Weg nach Leitmeritz zu Frau Therese Schlegel, Oberarztens Witwe; genannt u.a. [in Salzburg] Laschenkys, Mad. Bauernfeind. – 11.5. aus Leitmeritz, aufdem Weg zurück zu Vinzenz Schlegel, Feldwebel im löbl. k.k. Mineur Corps in Wien, Haupt Genie Amt; Grüße an Familie Burdorffer, Hr.Weizner, Hr.Bübel u.a. – 2.7. „Madame Babette Kobler, Scheerding“, zuerst von „Großnichte Amalie Schlegel“ und „Meine liebe gute Kobler“ von „deiner Freundin Fanny“, Amalies Mutter. - 2.8. Salzburg; Schlegel hat wieder operiert; Amalie Schlegel. – 7.8. Fanni u. Richard grüßen dich, Mali. – 27.8. – 9.9./24.9. – 16.11./1.12. – 4.12. – 15.12. – [ohne Banderole] 23.1.1847 Keschreiter Claire, Fr. v.Gschnitzer, Madame Sitter; Richard hat Patientin in Wals... bekam eine Flasche Champagner von ihr. – 29.1. An Fräulein Betti Kobler von „deine gehorsame Nichte Amalie Schlegel k.k. Kreiswundarzts Gattin und deine treue Freundin“; „...sagen, daß mein Mann von mir ein schönes braunes Samtpilet [-weste?] vom Christkind bekam... Stoff im Herbstmarkt gekauft“. – 1.2. – 20.2. – 20.3. – [ohne Datum, lag aber hier]/6.5. [ohne Jahr]. – 17.9. – 7.10. – 1.11. „[Richard hat] Operation gemacht, die der Hr. Professor nicht zu unternehmen gewagt hatte“; Bauernfeind [fast in jedem Brief genannt], Frau von Duregger, Feueregger. – 26.11. – 29.12. „Richard erhielt von der Mutter ein schönes ostindisches Taschentuch, einen vor ihr gehäkelten Geldbeutel und 6 Paar recht feine Socken, von mir erhielt er einen Schal und [...]; ich erhielt von ihm einen schönen Siegelring mir Carniol“... - 8.1.1848 [Anfang fehlt?] „Schlegel als Papa, ich als Mutter, Fanni als Großmutter, und du als Groß Tante.“ – 15.1. [Anfang fehlt?] – 12.2. – 14.3. 3 Seiten von Nr. 79 Fanny Kobler, 3 Seiten Mali. – 5.4. „deine Amalie“. - Am 14.6.1848, 14 Tage nach Geburt der Tochter, stirbt Mali. - Beigebunden Brief vom 12.6.1845 am „Malchen“ [Mali] von der „wahren Freundin Claire Reuhreiler (?). - Brief aus Grein vom 7.3.1880 von Betti Katzinger an Nr. 19 Fanni Spängler: Franzi, Toni; Fanny [Kobler Nr. 79] gesund, schwere Krankheit glücklich überstanden; Bettis Mann gesund [Schluss fehlt; Betti stirbt 10.8.1881, Fanny 1886]. - Bei den Stammbuchblättern für Nr. 18 Franz Spängler = Emilie #Weizner (Salzburg 1858) und Therese Weizner (Salzburg 1858) | ||
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| + | === 1845 === | ||
| + | Brief von Rosa Hablin [nicht Familie] an [Nr. 39] Cäcilia Amalia KOBLER-Castelli (1821-1848) Briefumschlag, Siegel „Säulenstumpf mit Schild“, Stempel „Warasdin 16.Sep.1845“ [Varazdin, heute in Kroatien] und „Salzburg 21.Sep.“ [drei Blätter sehr eng beschrieben, manches schwer lesbar bzw. vieles übersprungen und nicht gelesen; mehrfach blasse Schrift und Feder gewechselt; über mehrere Tage geschrieben]: Fräulein Fräulein Amalie v. Castelli zu Salzburg, Judengasse No.67. 1ter Stock. – Opeka, am 20 Juny [1]845. - Liebe Freundin, meine theure unvergeßliche Maly! – Würde mich mein Herz nicht freysprechen von jedem Vorwurf wovon Du vielleicht –ja gewiß- unzählige für mich bereit hälst, so würde ich es nicht wagen Dir diese Zeilen zu senden, nach so langen tiefen Schweigen. [...] ewig unwandelbare Freundschaft [...] meine Maly [...] Wo? -und Wie? [...] gute Nacht. – Guten Morgen, Malchen [...] Encore un adieu, mir ist als wäre ich bey Dir, meine Maly, als berührte mein Mund, Deine Stirn, Deine Lippen, adieu ma bien aimée, sey glücklich, zufrieden. sey geliebt und des Himmels Segen möge Dich nie verlasssen;- nun gedenke oft und gern Deiner Dich zärtlich liebenden unwandelbaren Freundin Rosa Hablin. – Meine Adresse: An Rosa H. mit Briefen an Gräfin Clothilde Draskowich über Warasdin nach Opeka in Croatien. [quer:] An Deine verehrteste Mutter meine innigsten Grüße, erinnert sie sich doch zuweilen freundlich meiner- ? - | ||
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| + | 1845 und 1846 siehe auch oben! | ||
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| + | === 1847 === | ||
| + | Brief von [Nr. 39] Cäcilia Amalia KOBLER-Castelli (1821-1848) [ohne Umschlag:] Salisburgo il 22, Augusto 1847. – Venerato e Caro Signor Avo! – Essendo corso ozmai gia otto anni d’auhé non godeva più l’incredicibile piacere [...] ich traue mich nicht weiter mit meinen fehlenden Italienisch-Kenntnissen, was für Amalia offenbar kein Problem war. [...] Mio madre et i stamo bene [...] Amalia Castelli. | ||
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| + | 1848 siehe oben! | ||
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| + | === 1850/1851 === | ||
| + | Briefe (rot verschnürt, zumeist nicht gelesen) von Nr. 38 Richard Schlegel, 1811-1881, verh. 1848 mit Nr. 39 Amalia Kobler-Castelli, 1821-1848, an Nr. 79 Fanny Kobler, 1796-1886. 19.3.1850 aus Wien an „Liebe theure Schwiegermutter... dein aufrichtiger und dankbarer Sohn Richard“, k.k. Kreiswundarzt. – 28.4.1850. – 27.5.1850. – 29.5.1850 „Liebe gute Schwiegermutter...“ – 12.6.1850 Bogen mit Poststempel „Frau Frau Fanni Kobler Bräuin und Gasthausbesitzerin Wohlgeboren in Salzburg“. – Sonntag [ohne Datum] „weil ich keinen Kalender habe“, braucht Mittellosigkeitszeugnis, kein Vermögen, lebt vom kleinen Gehalt [als Arzt]. – Dienstag 13. [ohne Monat und Jahr] Rigorosum mit „gut“ bestanden. – Wien 4.4.1851. – Wien 13.4. – 23.4.1851. – 2.5.1851. – 7.5.1851 „dein studierender Sohn Richard“. – 19.5.1851 „halber Doktor. – 3.6.1851. – Wien 9.6.1851 „Ich danke für das Busserl vom Dirndl“ [= Nr. 17 Fanni Schlegel, verh. Spängler, geb. 1848]. – 16./17.5.1851 Wien. – Wien 23.6.1851 bestätigt und dankt für Empfang von 200 Gulden „aus deiner Kasse“. – 1.7.1851. – 20.7.1851 dankt [wieder] für 200 Gulden. – 27.3.1851 „nächsten Donnerstag Promotion, und, Juchheh!!!“. – 28.7. [ohne Jahr = 1851] „Vivat, der letzte Brief“ [vor der Rückkehr nach Salzburg] 2.Rigorosum mit „sehr gut“. – Salzburg 10.5.1875 an Nr. 17 Fanni von „deinem Vater Richard“. – Liebe Fanny [ohne Datum] vom „Vater Richard“. – [Entwurf von] Gesuch von Nr. 79 Fanni Kobler an „Euer Gnaden“ um Unterstützung für den armen Schlegel... [siehe oben, Brief vom „Sonntag“?]. | ||
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| + | === 1853 === | ||
| + | Briefe (rot verschnürt, durchgesehen, aber nicht vollständig gelesen) von Nr. 18 Franz Spängler (1839-1912) an seine Mutter Nr. 37 Antonia Spängler, geb. von Lürzer [so schreibt er selbst], von einer Reise bis nach Venedig zusammen mit Pater Albert Eder, dem späteren Salzburger Erzbischof: Münsing (bei Wolfratshausen, Nähe Starnberger See) 7.-10.8.1853, Brief mit Umschlag und gebrochenem Siegel; Franz Spängler schreibt an die Mutter: vorher in München, hier beim Bruder des P.Albert, Erlebnisse in München und Andechs usw. Beigelegt Brief an den Bruder Otto Spängler. - Augsburg 14.8.53, Brief mit gebrochenem Siegel, Stempel (Constanz 16.8., Feldkirch 17.8., Salzburg 19.8.), an die Mutter Spängler, „Salzburg in Oberösterreich“ [! auch auf anderen Umschlägen]; Nachschrift an „Frau Mutter und liebsten Otto“ von Albert Eder, 16.8., „Dein Bruder Franz ist immer allegro, ich bin sehr zufrieden mit ihm“. - Von der Reise zeugen ein grünes Salzburger Schokoladenpapier mit gesammelten Blättern und gleiches, Blumen und Blätter in grauem Papier, markiert „Rheinfall“ [Schaffhausen]. Stift Rheinau 17.8.53, Brief [Umschlag siehe unten] an die „Theuerste Mutter“, jetzt im Benediktinerkloster, vorher in Konstanz, Schiffe aufgezählt. Einsiedeln 20.8., Rhein, Schaffhausen; Nachschrift von Albert Eder; beigelegt an Otto „20.7.53“ [muss 20.8. heißen, demnach Umschlag zugeordnet]; Umschlag Franz Spängler an die Mutter in Salzburg, Siegel entfernt, keine Marke, unleserliche Stempel, aus Einsiedeln 20.7. [muss 20.8. heißen]; blasse Schrift. - Mailand 27.8.53 bis 29.8. mit Umschlag, Siegel abgeschnitten, Marke entfernt; Franz an die Mutter und an Otto, Beischrift von Albert Eder; Franz erzählt von Einsiedeln, Rigi, Rütli usw.; Nachschrift von Albert Eder, dass nicht vor dem 20.9. zurück in Salzburg. - Venedig 5.9.53, beigelegt an Otto; zwei Blätter, ohne Umschlag; Nachschrift von Albert Eder; Regen in Venedig, die „zwei Pilgrime“ nicht von der Sommerwärme geplagt; übermorgen endlich in Agordo. - Agordo (im italien. Bezirk Veneto) 10.8.53 [muss September heißen! im Brief wird u.a. von Venedig berichtet]; ohne Umschlag langer Brief von Albert Eder an „Verehrte Frau Mutter“, Herrn Inspektor getroffen [Lürzer, der Bruder der Mutter Spängler] und gut aufgenommen. Zweiter ebenso langer Brief an Otto Spängler, richtig datiert Agordo 10.September 1853, Onkel Lürzer, Bergwerk; hierher gehört wohl die kleine Skizze [von wem? Lürzer?] der Agordo umgebenden Berge mit Angabe des dort geschürften Kupfer, Vitriol und Schwefel. Zettel von Albert Eder an Mutter Spängler und an Otto Spängler, datiert „10. August / September [?] 1853“ [diese Korrrektur im September 1853, Fragezeichen hier von mir, stützt meine obigen Korrekturen]. | ||
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| + | Münsing 8. Jänn[er 1854; Ecke abgebrannt]; Mein lieber Franz!... P.P.E. [Eder, der Bruder von P.A.E.], den Franz und P.A.E. [Albert Eder] im August 1853 besucht haben, dankt für einen Brief und erinnert an das Treffen in Münsing: Franz betrunken, große Mengen gegessen... und zeichnet ihre Runde zweimal. – Zusammen verschnürt mit den Briefen von 1953 und hiermit zusammengebunden die weiteren Briefe von 1876 und 1883/86/88. | ||
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| + | === 1858 === | ||
| + | Briefe „1858 bis 1862 und 1870“ (rot verschnürt, zumeist nicht gelesen) von Nr. 18 Franz Spängler, 1839-1912, an den Bruder Otto aus Graz nach Salzburg: 3.4.1859 „Liebster Otto! – mais j’avais déjà voulu depuis longtemps vous écrire en français... zum Schluss wieder deutsch... dein(em) dich liebender Bruder FXSpaengler. NB. [in Steno].“ – Graz 8.5.1859 ...dein dich aufrichtig liebender Bruder Franz. – 22.5.59 auf Französisch ...votre fidèle frère François. – 28.6.59 auf Französisch. – 27.10.59 deutsch. – 24.11.59 auf Französisch. – Graz 4.12.59 auf Französisch: Otto Spengler à Salzbourg. – 16.2.1860 auf Französisch. – Gracè 5.4.1860 auf Französisch. – Gracè 25.4.60 auf Französisch. – Graz 6.5.60 auf Französisch. – Graz 21.5.60 auf Französisch. – Graz 27.5.60: „Theuerste Mutter! u Otto! Empfangen Sie hiermit meinen herzlichen Dank für Ihren Brief u. das übersandte Geld... Ihr dankbarer Sohn FXSpaengler. / An Herr Otto Spaengler... k.k. Gymnasium zu Salzburg. durch Güte.“ – 10.6. [ohne Jahr] auf Französisch. – 17.6.60 auf Französisch. – Wien 24.6.1862 deutsch. – ohne Datum, deutsch. – ohne Datum, deutsch. – An die Mutter, ohne Datum, zweite Seite ohne Anfang; mit finanziellen Berechnungen, Einnahmen = Monatsgeld April/Mai 42 fl. [Gulden], andere Einnahmen ca. 40 fl.; Ausgaben = u.a. Zimmergeld April/Mai 6 fl., Wiener Reise 21 fl., sonstige Verpflegung 8 fl., Spazierstock 1,5 fl., zusammen 45 fl., Rest 37 fl. [ca.-Zahlen]. – Schnipsel hier beigelegt „Agordo 2.2.51“ mit (leider nur) dem Rest einer Zeichnung [die Venedigreise mit Eder war 1853]. – An die Mutter Nr. 37 Antonia Spängler, 1803-1882, Graz 28.9.1858 „Liebste theuerste Mutter! Zum ersten Male ist es heute, dß ich aus der Fremde an Sie schreibe... Ihr dankbarer Sohn FXSpaengler“ – Graz 13.4.1859. – Wien 29.4.1859 „An die wohlgeborne gnädige Frau Antonia Spaengler geb. v.Lürzer zu Salzburg“ (mit undeutlichem Poststempel). – Graz 8.5.1859 [ohne Schluss]. – Wien 5.11.1861. – Wien 5.7.1862. – ohne Datum. – ohne Datum, Anfang fehlt: „Blatt III“ und „IV“ an Otto Spängler. - Nr. 18 a Otto Spängler, 1841-1919, an die Mutter und an den Bruder Franz, Wien 24.12.1861 „Meine Theuren! (Liebstes Mutterl! Liebster Franz!) [ausgeschrieben]. – 1.1.1862 an Franz. – Salzburg 4.4.62 an Franz. – Salzburg 29.4.62 an Franz [Schluss felhlt]. – Salzburg 25.5.62 an Franz. – Innsbruck 29.6.62 [Anfang und Schluss fehlen]. – Salzburg 9.7.62 Mutter Nr. 37 Antonia Spängler, geb. von Lürzer, 1803-1882, an Franz. – 5.11. [ohne Jahr] Otto an die Mutter. – ohne Datum, Mutter und Otto an Franz. – Lofer 10.8. [ohne Jahr], Otto und „Mutter Spängler“ an Franz nach Gmunden. – Franz Spängler Liste „Correspondenz 1861/62“, 1861 an u.a. die Mutter, Otto, Cousine Resi, J.Plazer [Julius Ritter von Plazer], Anton und Heb. Sattler und „Photographien a) Empfangen... [54 Stück] ...Gegeben am... [38 Stück]. – Auf blauem Papier „Lieber Franz....“, ohne Datum. – Auszug aus dem Testamente der Frau XX [unleserlich] Schaupp für Frl. Pepi Reisige [... nach deren Tod alles an die Lürzerischen]. - Nr. 18 a Otto Spängler, 1841-1919, an den Bruder Franz 5.5.1870, mit Bleistift angefügt „Lieber Onkel Franz! Dein kleiner Otto“, mit Abrechnung, u.a. Monatsgeld für die Mutter 10 [welche Währung?]. – Otto an Franz ohne Datum. – 24.6.1870 Otto an Franz. – 4.7.70 Schwägerin Luise Spängler an Franz zusammen mit Otto an Franz. – Otto an Franz, ohne Datum. – Briefbogen „Dr.Otto Spängler Salzburg“, Otto an Franz ohne Datum, Berechnungen von Aktienerträgen. – Otto an Franz, ohne Datum. | ||
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| + | ==== Franz Spängler an Antonia Spängler ==== | ||
| + | 1858 FRANZ SPÄNGLER [Nr. 18] an ANTONIA SPÄNGLER, geb. Lürzer v.Z. [Nr. 37]: [München, ca. August 1858] Liebste Mutter! Sie werden verzeihen, dß [daß] ich kein Briefpapier nehme, um Ihnen zu schreiben, doch jetzt um 1/2 11 Abends, am 15. August, wo wir soeben von Starnberg mit dem letzten Bahnzug heimgekehrt sind, habe ich kein anderes bei der Hand, u. morgen möchte ich am Ende nicht mehr dazukommen/ Wir befinden uns sehr wohl, sind fleißig auf den Füßen, sehen aber auch ziemlich viel. - Am Mittwoch, wo wir mit Duscher u. Schweinesten [?] uns herumtrieben, gingen wir in die Glyptothek, die Gewerbeausstellung, die Bavaria u. den Friedhof, am Donnerstag die Burg, u. Nachmittags fuhren wir nach Großhesellohe, u. Abends gingen wir ins Theater. - Am Freitag besuchten wir die Schatzkammer, die alte Pinakothek, die Aukirche, dann badeten wir, und gingen Abends in eine Vorstellung von Akrobaten, am Samstag Vormittags gingen Hubert u. Louis in die neue Pinakothek u. ich in die naturhistorischen Sammlungen/ das Münzkabinet u. die Bibliothek, Nachmittags alle mitsammen in die deutsche Kunst-Ausstellung, heute waren wir noch in mehreren Kirchen, u. Nachmittags am Starnbergersee. Morgen wollen wir noch einiges ansehen, wozu wir jetzt noch nicht gekommen sind; Nachmittags fahren wir nach Augsburg, u. am Dienstag nach Kaufbaiern [!] vielleicht noch bis Füssen. Photographirt sind wir schon, ich glaube dß ich gut getroffen bin, den als ich die Bilder abholte, gab mir die Frau des Photographen, die mich früher noch nicht gesehen hatte, dieselben mit den Worten: „da sind Ihre Portraits; die vom andern Herrn (denn ich war allein) müßen Sie sich selbst suchen.“ - Tarenczy [?] u. Warnersberger [?] trafen wir ebenfalls hier in München; der leztere wohnt in einem Privathause. Auch die Obermüller Greiz [?] trafen [wir] gleich am ersten Abend beim Stachus, er logierte aber mit seinem Vater im Bamberger Hof, daher sah ich den Landgerichtsrat nicht mehr, weil er schon an anderen Morgen fortging. - Auch die Gschnizer [Gschnitzer] Marie als Frau von Harrer ist hier samt ihrem Gemal, Louis wollte sie besuchen, traf sie aber nicht. Der Abschied nach der Hochzeit soll besonders den Eltern sehr schwer gefallen sein besonders da die Harrerischen über Achental nach Tyrol, u. von da nach Zell gehen, ohne nach Salzburg zurückzukehren. - Hat man wegen der Entbind[un]g der Kaiserin schon geschloßen [be-?], wir haben noch nichts davon gehört, u. Zeitungen lesen wir weniger. - Wegen der Standeswahl [Berufs-] bin ich noch nicht im Reinen. Ampfer [?] u. Häferle [?] meinen ich sollte jedenfalls nach Wien gehen, denn Stipendium bekäme ich, wie auch Julius [Spängler] sagte, im ersten Jahre doch nicht, u. 1 od 2 Jahre Philosophie würden mir auch nicht schaden, wenn ich Geistlicher würde. Es hat das manches für sich, doch richten werde ich mich gerade noch nicht darauf. - [zweites Blatt:] Als ich neulich in den naturhistorischen Sammlungen auch die Todtenschädel ansah, und darunter auch einen von einem 19 jährigen Mädchen fand, da dachte mir wohl: „Alles ist eitel u. das Leben ist so schnell vorbei“ etc. aber Nachmittags sah ich in der Gemälde-Ausstellung im Bild „Ein Mönch einer Trauung zuschauend“, das auch nicht ohne Eindruck auf mich blieb. - So ist denn diese Frage noch nicht erledigt. Beten Sie fleißig für mich, dß es gut ausfallen möge. Wenn Sie Tante Therese sehen/ so grüßen Sie mir selbe schönstens. Vielleicht hält sie sich doch so lange auf, dß ich sie noch sehen kann. Ich denke halt bis Dienstag od. Mittwoch über 8 Tag (24. oder 25.) nach Salzburg zu kommen. - Indem ich Ihnen recht gute Unterhaltung wünsche, u. um Ihre fernere Liebe bitte, verbleibe ich mit Hochachtung Sie gesund u. glüklich wieder zu sehen Ihr dankbarer Sohn F X Spängler - Herzliche Grüße an Otto, Therese u. alle Bekannte, die Sie sehen, od. denen Sie schreiben. Wie steht es mit den Lürzerischen? Kommen sie? od[er] sind sie schon da? Grüßen Sie mir dieselben tausendmal. - „Duscher“ siehe folgender Brief (aus Wien); „Großhesellohe“: Stadtteil Großhesselohe im Süden von München (Isartal); „Gschnizer Marie“= Gschnitzer [mehrfach in den Briefen]: vgl. der Vater Franz Spängler [Nr. 36], geb. 1793 in Salzburg, gest. dort 1854, fängt als Spediteur in Salzburg bei Matthias Gschnitzer an. - Auch die Familie „Harrer“ gehört zu den ‘großen’ Familien in Salzburg (vgl. Dopsch, 1996, S. 492, 641; Ignaz #Harrer als Bürgermeister der Stadt von 1872-1875). Franz Xaver Spängler, Sohn [Nr. 18], geb. 1839, besucht die Schule in Salzburg und studiert dann in Graz (daher die ungefähre Datierung des Briefes etwa mit der Matura 1857/58, aber offenbar noch vor dem Beginn des Jura-Studiums im Oktober 1858). Eine „Gschnizer Clara“ taucht auch im Tagebuch des Franz Spängler 1861 auf. - „Entbindung der Kaiserin“: Erzherzog Rudolf von Habsburg wird am 21.Aug.1858 geboren; das ist ein weiterer Hinweis auf die Datierung des Briefes von ca. August 1858. - „Julius“, ein Cousin. „Otto“ Spängler, Bruder, geb. 1841, verh. Duregger (aus der Bank-Linie in Salzburg); die „Lürzerischen“: Familie der Mutter Lürzer von Zehendthal (Hall in Tirol). - Aus dem Besitz von Franz Spängler stammt eine „Vita S. Francisci Xaverii“ von 1797, mit einem Prachteinband der Erzabtei St.Peter in Salzburg von 1806, die der Schüler erhielt: „In der I.Vorbereitungsklasse zu St.Peter. Aus der Rechtschreibung. Preis. Nob. Franz Xav. Spangler.“ Vom Juli 1853 stammt als Schülerarbeit eine sehr exakt ausgeführte Federzeichnung einer Weintraube, unterschrieben „F X Spaengler“. Ein zweibändiges Wörterbuch Griechisch-Deutsch von 1854 (Val. Rost) enthält als Widmung einen Zettel für „Spängler Franc. 1.August 1855. Dr.Kottinger G.Director.“ – Abbildung = undatiertes Foto mit Antonia Spängler und den beiden Söhnen Franz und Otto. | ||
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| + | === 1859 === | ||
| + | siehe auch: Briefe „1858 bis 1862 und 1870“ | ||
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| + | 1859. Unbekannte Schreiberinnen an ANTONIA SPÄNGLER [Nr. 37]: Wien den 8ten Mai 1859. Theuerste Freundin! Ungemein freute mich Ihr liebes Schreiben, welches ich gestern den 7ten Mai erhielt, Karl schrieb mir daß der Brief beim Fellerer war, ich kann gar nicht begreifen indem ich noch nie der Fellerer geschrieben habe, wir überhaupt in gar keinen Briefwechsel mit Ihnen stehen, wie sie den Brief nicht dem Karl gleich hinschickte, daß ist schon das zweite Mahl, daß ich wegen ihr einen Brief so lange nicht bekome; bitte also wenn Sie mir wieder die Freude machen zu schreiben ja den Brief gleich dem Karl zu geben, was hätte Franz vor [für] eine Freude gehabt, wenn der Brief während seiner Anwesenheit gekomen wäre. Franz sieht prächtig aus, und es hat ihm Wien so gut gefallen, daß ihm der Abschied, recht schwer angekomen ist [/] wir sind recht viel mitsamen herumgegangen. Auch wir vermissen alle Ihre liebe Gesellschaft, sehr [,] ich kann mich nicht ganz der Hoffnung erwehren, Sie theure Freundin wenn einmahl beide Söhne in Wien sind, vielleicht doch auch herunter zu ziehen, wir fänden auch hier Spaziergänge die wohl mit Salzburg keinen Vergleich aushalten, im ganzen aber auch recht hübsch sind. Vergangenen Sontag waren wir alle mit Franz und meinem Bruder der mit der Deputation der Stände beim Kaiser war in Schönbrunn, und früher einmhl [einmal] im Prater haben uns recht gut unterhalten; Bis dato gefällt es mir ganz gut hier [/] wir haben eine sehr kleine Wohnung aber eine wunderschöne Aussicht, die wir wohl leider wieder verlieren denn wir haben von Micheli [Michaeli?: 29.9.] an eine Wohnung in der Stadt gemiethtet im 3ten Stok mit der Aussicht in einen Hof, um 600 f [Florin: Gulden] C.M. [Kurantgeld, gängige Münze?] sie ist ganz in der Nähe der Universität sehr licht nd freundlich, und wir können 2 Zimer vermiethen, sie ist im MXXngeti schon Richtungsfeste. Bei Lubitsch sind alle ganz wohlauf, sind aber seit Georgi [23.4.] ziemlich weit von uns weg[g]ezogen. Die Lebensmittel sind wohl theurer als in Salzburg aber nicht gar so bedeutend, nur sehr mühsam [/] man muß alles selbst kaufen, den die Leut gäben sich die Mühe nicht, die Toni und ich haben jeder einen braunen Marktkorb, wo wir alles zusamenschlagen. Das Pfund Rindschmalz 60 x [Kreuzer] bis 63 x Neugeld Schweinschmalz von der fast alles kocht auch wir 36 x Butter 60 bis 70 x Eyer 25 um 40 x Neugeld. Grünspeisen billiger als in Salzburg. Semel besser und im Geld gleich [/] Hausbrod theurer und schlechter Fleisch 26 x Neukreutzer nicht gut. Kertzen und Seifen billiger. Schuster billiger. Männer Schneider nicht viel theurer. Milch 1 Seitel 5 Neukreutzer 1 Seitel Obers 10 x sauer Ram 10 x letzterer sehr gut. 1 Klafter Eschenlenner [?] Mischling [?] ei[n]mahl zum Abschneiden 8 f 30 x C.M. und da brennen wir nebst dem Steinkohlen kostet der Centner 1 f 26 x Neugeld. Nun muß ich schließen denn der Raum fehlt. Mein Mann empfielt sich vielmahls und dankt vor [für] den Glükwunsch zu seinem Namenstag, [mit kleinerer Schrift und anderer Tinte, doch gleiche Handschrift:] er ist derjenige der Salzburg am meisten zu vermissen scheint. An Otto viele Grüsse von allen so wie an die Theres, und alle die sich unser erinnern auch wenn ich bitten darf an die Davidlin [?] sie soll gut auf das Preiserl [?] schauen mir ist noch immer leid um sie. Erfreuen Sie mich wieder mit ein paar Zeilen ich küsse Sie im Geiste und bin Ihre inigliebende Freundin Antonia Duscher [?] [sehr klein:] An die beiden FXXel [Franzel?] alles Schöne. - [andere Schrift?:] Verehrteste, gnädige Frau. Auch ich bin so frei, an Sie gnädige Frau einige Zeilen zu richten. Ich befinde mich hier recht wol und habe mich schon angewöhnt, obwohl ich sehr oft an Salzburg und seine lieben Bewohner denke! - Hr Franz ist auch wieder nach Graz zurück, er hat sich hier, wie es scheint sehr gut unterhalten, wir waren auch einmal zusammen in Schönbrunn. Er sieht sehr gut aus. Heute Sonntag wollten wir eine Parthie nach Don[n]er[s]bach [?] unternehmen, die jedoch des Regens wegen unterbleiben wird müssen. Die Aussicht unserer Zimmer ist herrlich, jedoch die Einsicht ist nicht großartig. Sehr freue ich mich in die Wohnung in die Stadt hinein. Gnädige Frau besuchen gewiß wieder fleißig die Mainandacht, ich bitte, gedenken Sie dabey auch öfters meyner. Hier ist Alles Krieg, Freiwillige sieht man auf allen Strassen sich im Rausche herumtummeln, man darf sich garnicht getrauen solchen in die Nähe zu kommen, denn sie haben sogar vorgestern einigen Frauen die Hüte vom Kopfe gerissen. Es ist gut, dß [daß] sie fortkommen. Im Prater waren wir schon 2 mal, er gefällt mir sehr gut. Ich hätte mich gerne noch länger mit Ihnen gnädige Frau unterhalten, allein der Raum fehlt. Indem ich Sie auch bitte mich nicht ganz zu vergessen, küsse ich Ihnen, gnädige Frau die Hände, und verbleibe Ihre dankbarste [!] Antonia Duscher [! Antonin ?]. [daneben:] An Hr Otto, so auch an die beiden Franzl bitte ich mich ergebenst zu empfehlen; Theres grüsse ich 1000 mal! - [/]: zur Verdeutlichung hier Satztrennung eingefügt (auch andere Zusätze bei der Übertragung ebenfalls in eckigen Klammern). [?]: Bedeutung oder Lesung (hier bes. bei Familienamen) unsicher. Kürzelzeichen, z.B. Verdoppelung durch Strich über m und n, sind aufgelöst; aber z.B. „bekome“ und „Zimer“ trotzdem mit einem ‘m’. - Vorpostalischer Brief, ‘unbekannte’ Absenderin (doppelt mit Antonia Duscher unterschrieben?) an: „Der Wolgeborenen Frau Antonie Spängler in Salzburg. Durch Güte.“ Brief eng gefaltet, kleine Reste von rotem Siegellack. An: Maria Antonia (Antonia) Spängler [Nr. 37], geb. Lürzer, geb. 1803 (siehe unten, nächste Briefschreiberin); der im Brief genannte „Franz“ ist der Sohn [Nr. 18] Franz Spängler, geb. 1839 (vgl. „...beide Söhne“), zur Zeit des Briefes also 20 Jahre alt. Er studiert in „Graz“ und ist bzw. war offenbar zu Besuch in Wien bei der Briefschreiberin. Eine „Duscher Toni“ taucht auch im Tagebuch des Franz Spängler 1860 auf. - „Neugeld“: seit 1857 sind in Österreich 100 Kreuzer: 1 Gulden; Der Gulden [fl.] war zwischen 1857 und 1892 in Österreich die Silberwährung (1 Gulden= 100 Kreuzer). - „Krieg“ im Frühjahr 1859 gegen Frankreich unter Napoleon III. | ||
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| + | === 1860 === | ||
| + | siehe auch: Briefe „1858 bis 1862 und 1870“ | ||
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| + | 1860, Brief von [Nr. 18 a] OTTO SPÄNGLER und [Nr. 37] Maria ANTONIA SPÄNGLER (1803-1882) an den Bruder bzw. Sohn [Nr. 18] FRANZ SPÄNGLER: [Salzburg, ohne Datum/ um 1860:] Theuerster Franz! Als ich die letzten Zeilen an dich schrieb, glaubte ich denselben durch Frau v Schaffner zu senden; aber der Brief kam zu spät. der heutige aber geht mit Konfekt und Kalhefers [?] brief heute durch die Güte der Frau v.Schafner. Gestern als am 20 ten hatte Kalhster [?] Ausgang und ich verbrachte 2 recht angenehme Nachmittagsstunden mit ihm und Rothenbuchner bei feinen Leuten. Von 6 Uhr an spielte bei uns Tarok, denn wir hatten Spiel und der Konrad ging um 6 Uhr. Abends 8 ½ Uhr ging ich noch zu Obermüller, wo die Auscultanten geladen waren, und es herzlich langweilig war. Quamquæm praesentia mea bene incepit, brevi mutata eft; mater me vidit intrantem in domum ejus et infernale spectaculum incepit, quum fila in conclave intrasset. Ne forte credas, matrem [nicht weiter gelesen; Latein... was ich nicht alles verstehe, außer dass er offenbar schnell aus diesem Haus schnell wieder verschwindet...] Hodie die veneris ibo ad veterem. Quelle change! Saluez de mon part Tenzl et Vozarye [?], Guttenberg, Daeltrer [?] etc. – Ton fidele frère Otto. - - [die Mutter:] Lieber guter Franz. Wen ich auch recht viel zu thun habe, so will doch den Brief nicht fort gehen lassen, ohne ein paar Zeilen an dich zu schreiben. Lieber Franz hier sende ich dir ein wenig Konfekt, den XXX liegt gerade hier XXX bekommst du XXX durch die Post oder es bringt die selben der Wassinger. Als weiteres geschenk lasse ich dir den Mantel neu füllen ich glaube das dir dieses auch gut taugen wird. Wir sprechen wohl oft von dir, laufe dich fei(n) nicht zu sehr ab, und sey XXXling in allen was du thust, und gebe das geld nicht leicht hinaus. Lebe recht wohl es küßt dich mit inniger Liebe dich in Schutz gottes empfehlend und dich von ganzen Herzen Segnend deine treue Mutter Spángler – An alle Bekanten viele Empfehlungen nebst vielen Dank besonders bei Franzl und guttenberg lasse ich gute Feyertag wünschen. Alle hier grüßen dich recht herzlich. An lozarign [Lorinser?] viele herzliche Grüße. Die Therese läßt dich auch herzlich grüßen. - „#Guttenberg“: nach Visitenkarten „Emil Ritter von Guttenberg k.k.Rittmeister“; „Minna von Guttenberg née de Launsperg“. Nach einem undatierten Foto sind Fanni Schlegel/Spängler und Lida Guttenberg, die Schwiegertochter, Freundinnen, ebenfalls genannt in mehreren Briefen. – Wahrscheinlich ein relativ früher Brief; Franz Spängler studiert in Graz bis zum WS 1858/59, das SS 1862 in Wien, die erste Staatsprüfung ist in Wien im Juni 1862. Geburstag hat Franz Spängler am 10.4. - Foto von Lida Guttenberg bei 19 Fanni Schlegel/Spängler in einer der roten Schachteln. | ||
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| + | „Briefe 1860 ff. an Nr. 18 Franz Spängler“ = Briefe (rot verschnürt, nicht gelesen) von (vor allem) Freunden und (einigen) Verwandten (die meisten Namen sind für mich leider unlesbar = XX; ich habe die Briefe nur chronologisch geordnet, zusammengebunden waren sie bereits: Ort/Datum/Absender) an Nr. 18 Franz Spängler: 27.10.1860 Julius PlazXXy [Julius Ritter von Plazer]; Aschermittwoch 1862 Cousine Therese [v.Lürzer?]; 19.5.1862 Freund Jul. PlazXX [Julius Ritter von Plazer]; Innsbruck 14.6.1862; Salzburg 13.12.1868 Freund KoXX; Ried 2.2.1869 Otto Dunkler; mit Umschlag Gesangsfest August 1869 in Salzburg, Einladung dazu und Programm; 30.6.1870 Freund Al. KXX; Lainz 14.9.1871 Freund Fr.Fenzl; Wien 24.9.1871 Cousin und Cousine Vinzenz und Josefine A. [Arrigler?]; Innsbruck 1.10.1871 Vetter Adolf; Zara 13.10.1871 Vetter LoXX; Salzburg 1.12.1871 Anna Lanser; Wien 12.4.1872 Freund Kaserer; Mödling 12.4.1872; mit Umschlag Salzburg 10.10.1872 Wappensiegel Weiß (?); Salzburg Januar 1873 Goldene Hochzeit von Alois und Therese Spängler, gedruckte Einladung und Brief „Aloys“ Spängler u. Therese; Wien 27.9.1874; Wien 19.7.1878. – Bei diesen Briefen wurde bei den anderen Jahreszahlen keine Verweise geschrieben. - Ohne Ort und Datum. - [„1“] Briefumschlag (Stempel Salzburg 20.2.XX) „Sr. Wohlgeboren Herrn Dr. Franz Xaver Späng[ler] k.k. Landesgerichts Auskultant zu Salzburg.“ [Briefmarke herausgeschnitten] mit mehreren Briefen von Rudolf Handel = Freising 17.9.1865 Verehrtester Freund... Ihr aufrichtig ergebener Rudolf Handel; Linz 30.3.1866 (1,5 Bogen); Linz 19.4.1866 Lieber Dr. Spängler... Ihr ergebener Rudolf Ha[ndel]; 19.6.1866 Verehrtester Freund...; Freising 26.10.1866 Verehrter Freund... Ihr ergebener Frd Rudolf Ha[ndel]; Linz 10.12.1866 Lieber Doktor Spängler... (1,5 Bogen); o.O.u.J. Verehrter Freund.... – [„2“] Briefumschlag (Stempel Salzburg 19.1.XX; rotes Siegel) „Sr. Wohlgeboren Herrn Franz Xaver Spängler der Rechte Doktor, und k.k. Landesgerichts Auskultant zu Salzburg.“ [Briefmarke herausgeschnitten] mit mehreren Briefen von Rudolf Handel = Linz 14.7. o.J. Verehrtester Freund...; 20.2.1867 Mein verehrter Freund...; Linz 4.3.1867 Verehrter Freund... Ihr ergebener Rudolf Handel; Linz 21.4.1867; 5.7.1867 Lieber Freund... Ihr aufrichtiger Rudolf Ha; Freising 30.10. ohne Jahr; Linz 17.6.1868. – [„3“] Briefumschlag (Briefmarke mit Stempel herausgeschnitten) Herrn Dr. Franz Xaver Spängler k.k. Landesger[.] Auskultant Wohlgeboren Salzburg.“ [Briefmarke herausgeschnitten] mit mehreren Briefen von Rudolf Handel = o.O.u.J. ...Ihr ergebener Rolf Han; mit Trauerrand 5.1.1870 ...Ihr ergebener Freund Rolf Han; 14.1.1870 Lieber Doktor...; Linz 19.1.1870 blaues Papier, „Herrn Baron Seiller zur Einsicht.“; 31.12.1870; beigelegt gedruckte, kleine „Einladung zum Abiturienten-Valete im Kaserer-Hof am 5.August 1858“. – Bei den Handel-Briefen wurde nur ein Verweis bei 1865 geschrieben [„mehrere Briefe 1865 bis 1870“]. Über Handel habe ich bisher nichts gefunden. - Bei den Stammbuchblättern für Nr. 18 Franz Spängler = Julius Ritter von #Plazer. | ||
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| + | === 1861 === | ||
| + | Briefe (rot verschnürt, nicht gelesen) von Nr. 37 Antonia Spängler, geb. von Lürzer, 1803-1882, an den Sohn Nr. 18 Franz Spängler, 1839-1912, aus Salzburg; zusätzlich mehrfach vom Bruder Otto. Oder umgekehrt von Nr. 18 a Otto Spängler, 1841-1919, zumeist über Geldangelegenheiten der Mutter, und zusätzlich dann auch von der Mutter. Ohne Umschläge (einzelne Umschläge sind angegeben). – Vom 14.4.1861 bis 1.7.1861 und vom 7.4.1862 bis 16.7.1862; insgesamt 15 Briefe, 1 Umschlag nach Wien. | ||
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| + | siehe auch: Briefe „1858 bis 1862 und 1870“ | ||
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| + | Brief von (Nr. 18 a) Otto Spängler, 1841-1919, an die Mutter (Nr. 37) Antonia Spängler, geb. von Lürzer, 1803-1882, und an den Bruder (Nr. 18) Franz Xaver Spängler, 1839-1912 (liegt bei den Kobler-Spängler-Briefen, Bündel „1858 bis 1862 und 1870“) | ||
| + | Meiner lieben Mutter Frau Antonia Spängler Salzburg. dG. [durch Güte, d.h. wohl durch Boten] | ||
| + | [Briefbogen mit Prägestempel „O.S.“] | ||
| + | Wien am 24 Dezember [1]861<br /> | ||
| + | Meine Theuren! (Liebstes Mutterl! Liebster Franz!)<br /> | ||
| + | Es ist der heilige Christabend; und ich will und kann denselben nicht vorübergehen lassen, ohne an dem Abende, den ich noch Jahr für Jahr an der Seite meiner guten Mutter zubrachte, doch wenigstens schriftlich mit jenen Wesen zu verkehren, dessen Liebe und Zuneigung in allen Verhältnissen und, wenn auch alles andere vergeht, stets gleich und unverändert bleibt. Der liebe Gott fügte es so, daß ich an dem ersten Christabende, den ich außer Haus zubringe, manche Freude erlebte. Hören Sie einmal! Morgens um 9 Uhr war mir die größte Freude zutheil, ich erhielt Ihren und meines lieben Franz‘s Brief, für den ich Ihnen sehr danke. Um 11 Uhr kam ein Brief vom Alberti, der mich auf den Freitag zum Speisen einlud. Um 1 Uhr brachte mir der Hausmeister ein Paquet, und als ich dasselbe öffnete, war von unbekannter Spenderin ein allerliebster, kleiner mit allen möglichen Kleinigkeiten behängter Christbaum darin, der ein wahrhaft niedliches Aussehen gewährt. Um 2 Uhr war ich vom Bürgermeister Mertens zum Speisen geladen, wo wir trotz des Fasttages sehr gut aßen und tranken, dann in ein Kafeehaus gingen. Und 6 Uhr sind wir bei Fenzl geladen, und jetzt um ¾ auf 6 Uhr sitze ich eben dabei, um Ihnen noch zuvor dieß alles zu schreiben. Wenn ich von Fenzl werd zurückgekehrt sein, werde ich darüber Bericht erstatten. – Fortsetzung um 10 Uhr Nachts - Nur um meinem Versprechen getreu zu bleiben, schreib ich noch vorm Schlafengehen wenige Worte und zeige Ihnen an, dß ich einen sehr schönen Schal weiß und schwarz quarirt, und die Fotografie der beiden Knaben erhalten habe. Es war ein sehr schöner und mit glänzenden Sachen geschmückter Baum; und ich muß gestehen so gemütlich, dß ich einigermaßen für die Entfernung der Heimat entschädigt bin, so gut es eben sein kann. Und nun gute Nacht, liebs Mutterl, es ist die stille Heilige Nacht! – Weihnachtstag, um ½ 6 Uhr Abends. Heute Mittag also war ich bei Guttenberg geladen, wo ich sehr gut speiste und wo sich alle angelegentlich um Sie erkundigten und Sie herzlichst grüßen lassen; zugleich erfuhr ich auch von Rosa Petz, die nach dem Essen etwas heraufkam, dß der Christbaum von ihr und Ludmilla sei und dß sie mir ihn sandten, weil ich allein wäre und sie mir auf diese Weise einen Ersaz für die Heimat diesen Christbaum geben wollten. Um 6 Uhr gehe ich jezt dann zu Lacroix und beschließe dort den Hl. Christtag. Noch um eines möchte ich Sie dringlichst bitten, dß Sie für Zenta Guttenberg einen Klozenstruzen [Kletzenbrot] machen. Der Onkel und die Tante essen es für ihr Leben gern und hier gibt es keines; und sie sind wirklich so unendlich liebevoll und freundlich, dß wir etwas schon thun müßen. Und nun adieu, jezt geh ich zu Lacroix! – Stefanitag, Morgens 8 Uhr. Guten Morgen, meine lieben; Heute Morgens wenige Minuten nach 12 Uhr kam ich nach Hause, ich unterhielt mich gottvoll; wir hatten eine grandiose Jause zu Ende des Weihnachtstages; es war auch Lotti Partenau da. Die Frau von Lacroix läßt dich grüßen, lieber Franz und dir sagen, dß es ihr sehr leid war, uns damals nicht vorlassen zu können; sie war nicht angezogen. Im nach Hause gehen wollte mich Tante Guttenberg auf heute, also 2 Tage nacheinander zum Speisen wieder einladen, aber ich bin ja bei Alberti schon geladen. Sie lud mich für heute Abends ein, und für Sonntag oder Neujahrstag wieder zu Mittag. – Da ich vor Neujahr nimmer dazu kommen werde, Ihnen zu schreiben, so sende ich Ihnen dießenmal meine beßten Wünsche. Liebste Mutter seien Sie überzeugt, dß Dankbarkeit und Liebe für Sie lebendig in meinem Herzen wohnen, dß ich den unendlichen Werth einer so guten Mutter zu schätzen weiß, und dß täglich mein erstes Gebet für Sie, liebstes Mutterl, um auch langes und glückliches Leben zum Himmel steigt. Bewahren auch Sie mir diese zärtliche Mutterliebe, mit der Sie mich jezt umfangen halten, ich will nach Kräften mich derselben werth machen. Auch du, lieber Franz, wirst von meiner aufrichtigsten und innigsten Liebe zu dir überzeugt sein, und ich kann dich versichern, dß du trotz der vielen Vergnügen, die ich genieße, mir unendlich abgehst. Und sollten wir uns auch in bälde trennen müßen, bleibe mir auch dann der selbe liebende hilfreiche Bruder, der du mir während der vielen Jahre die wir jezt zusammen sind, warst. Auch meiner guten Therese alles Glück und herzliche Grüße zum neuen Jahr, und es begleite uns alle am Ende des alten und auch im neuen Jahre der Schutz des Allerhöchsten, er walte gütig über eine Familie, die wenn auch klein, doch durch Eintracht und Liebe glücklich ist. Dieß ist der Wunsch und das Gebet Ihres Sie beide innigliebenden Otto. 26/12 – An alle alles Schöne, so wie alle Bekannten dich lieber Franz vielmals grüßen. Deine Grüße an Rose Plachetka etc. soll ich alle erwiedern. Schreiben Sie mir bald, recht bald; noch vor Neujahr! | ||
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| + | Mertens = Heinrich Ritter von Mertens (1810-1872), kaiserl. Rat und 1861-1872 Bürgermeister von Salzburg; Familien Fenzl, Guttenberg und Plachetka mehrfach in den Briefen als enge Bekannte und Freunde in Salzburg genannt. Lida, geb. Plachetka, verh. Guttenberg, ist zudem eine enge Freundin von Fanni Schlegel, der späteren Frau des Bruders Franz Spängler; Therese ist hier wohl die Hausangestellte in Salzburg. – Franz Spängler und Franz Plachetka schreiben 1862 zusammen an einer Schülerzeitung [Studenten- /Faschingszeitung?]. – #Petz: Bei den Stammbuchblättern für Nr. 18 Franz Spängler = Rosa Petz (Wien 1861) | ||
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| + | === 1862 === | ||
| + | siehe auch: Briefe „1858 bis 1862 und 1870“ | ||
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| + | 25.6.1862, Brief ohne Umschlag von [Nr. 18] FRANZ SPÄNGLER (1839-1912) aus Wien an die Mutter ANTONIA SPÄNGLER [Nr. 37] (1803-1882; der Vater ist bereits 1854 gestorben): Liebste Mutter! Wie Sie hoffentlich d[urc]h meinen Brief erfahren haben, habe ich die Staatsprüfung glü[c]klich bestanden, u. zwar mit Auszeichnung aus 3 Gegenständen, aus dem bürgerlichen Gese[t]zbuche, u. dem Verfahren in und außer Streitsachen, auch aus dem Strafrechte hätte ich sie bekommen, wenn nicht der Prüfungscommissär so streng am [auf dem] Wortlaute bestanden hätte. Ich bin sehr froh d[a]ß sie glü[c]klich vorüber ist, u. wünsche nur, d[a]ß auch die andern Prüfungen u. Rigorosen ebensogut vorübergehen. Ich hoffe auch, dß Sie mit dem Resultate zufrieden sein werden; mich freut es, dß ich auch hier ein glükliches Resultat erreicht habe, u. wünsche, dß mir das Zeugnis auch für die Zukunft von Vortheil sein dürfte. Den Abend nach der Staatsprüfung (denn ich hatte sie von 4-7 Uhr) brachte ich bei Gut{t]enberg recht angenehm zu; auch bei Plachetka war ich noch am selben Abend; sie waren alle sehr erfreut über das Resultat; ebenso bei Gengl [?], wo ich noch am Abende vor der Staatsprüfung eingeladen war; ich habe es doch angenommen, weil ich mich wirklich sehnte zwischen den Stunden wo ich studierte, eine kleine Abwechslung zu haben, die le[t]zten 14 Tagen seit Pfingstmittwoch habe ich sehr fleißig gearbeitet, um die Gegenst[än]de nochmals zu wiederholen; doch fühlte ich mich recht wohl, und d[urc]haus nicht angegriffen; ich habe mir ja nebenbei immer einige Erholung gegönnt, und mir nichts abgehen lassen. – Daß Böhm [?] plözlich wieder nicht kommt, hat uns sehr überrascht; er hätte es wirklich etwas früher uns mittheilen können; denn das hätte er ja früher auch sich schon überlegen können. Wir hatten schon die Bettstelle aufstellen lassen und alles hergerichtet, ihm auch eine Schublade ausgeräumt. Ich habe aber seine übrigen Aufträge noch nicht vollführen können, da ich die betreffenden Studierunden noch nicht sah, ich werde es aber ehestens thun u. kann es mündlich nicht sein, so thue ich es schriftlich. Ich bitte ihm das einstweilen mitzutheilen. – 25/6 1862 Abends. – Nun zu den Hauptgegenständen meines heutigen Briefes. Erstens, da ich durch die drei Auszeichnungen bei der 2. Staatsprüfung die gesetzlichen Bedingungen erfüllt habe, um im Juli noch die 3te Staatsprüfung zu machen, so war ich heute bei Ministerialrath Thomaschek, dem Präses der betreffenden Commission, u. bat um Zulassung zu denselben im Juli, ich werde also hier bleiben bis Ende Juli u. werde fleißig studieren, um die drei Gegenstände der Prüfung zu vollenden; sollte ich für die hiesigen Anforderungen mich aber nicht gewachsen fühlen, so mache ich sie in Innsbruck, wo ich für diesen Fall d[urc]h Otto [der Bruder] habe Vorbereitungen treffen lassen. Ich bin dann auf diese Art ganz fertig und kann dann mit ganzem Eifer für die Rigorosen arbeiten. Ich hoffe dß Sie diesem Plan Ihre Zustimmung geben; dann seze ich ihn durch, so ist es mir ein großer Vortheil; u. was mein Befinden anbelangt, so kann ich es schon unternehmen, noch die 4 Wochen fleißig zu arbeiten; ich fühle mich ja nicht im geringsten erschöpft u. sollte es sich zeigen, dß ich ohne zu große Anstrengung nicht fertig werde, so kann ich noch immer jeden Augenblick zurücktreten. – 2tens. Ich war heute auch bei Minister Lasser mit meinem Zeugniße; er war sehr freundlich, gab mir den Rath, doch lieber zur Justiz zu gehen, u. gab mir seine Karte mit der Anweisung an 2 Ministerial-Räthe des Justizministeriums, von denen ich alle nöthige Auskunft erhalten würde, wo ich am ehesten mit Aussicht auf ein Adjutum [Referendariat] unterkommen könnte; zu diesen konnte ich aber heute nicht mehr gehen, ich werde aber morgen od. übermorgen hingehen, u. Ihnen entweder noch in diesem od. im nächsten Briefe berichten, damit wird dann noch ein Brief an Hrn. Finanzrath Barchetti [später, 1886, eingeheiratet in Spängler-Verwandtschaft, Bank-Linie] [.] – 3. Auch werde ich Ihnen ein Gesuch an die Landesregierung sammt einer Abschrift des Zeugnißes schiken, worin ich um den Fortgenuß des Stipendiums bitte. Ich bitte Sie dieses dann zu überreichen, u. falls außer dem Zeugniße noch Belege nöthig sein sollten es mir sogleich zu schreiben [.] NB. Das 1. Verleih[ung]sdekret werde ich etwa auch mitschiken. – 4. Wenn Sie also meinen Plan wegen der 3. Staatsprüf[un]g, wie ich nicht zweifle, genehmigen, so bitte ich Sie mir den noch oben befindlichen Junicoupon sowie den bald fälligen Julicoupon zu schiken, u. ebenso bitte ich um das Monatgeld für Juli; mein Bargeld ist nämlich nicht reichlich mehr; u die 70 fl Obligationen die ich noch habe, könnte ich diesen Augenblik nur mit Nachtheil verkaufen. – 5. Bei Franz Spängler [Franz Seraphin Spängler, 1837-1913, älterer Cousin; Landgerichtsrat in Salzburg] bitte ich zu sagen, dß ich heute mit Herrn Prälaten gesprochen, der mir sagte, dß er in der Angelegenheit der Gabriele mit Min. Lasser geprochen, u. dß er Hoffnung auf ein günstiges Resultat habe. – Wie ich heute aus einem Briefe der Frau v Dresler [?] entnahm, erwartete sie schon heut einen Brief von mir; ich habe doch am Samst[a]g d[urc]h meinen Collegen Hefner Ihnen einen Brief geschikt, den Sie wie es scheint dienstags noch nicht hatte, während Sie ihn doch hätten Sonntags schon erhalten können. – Er wird hoffentlich einstweilen in Ihre Hände gekommen sein. – Den Augenbalsam werde ich kaufen, u. da es, ihn selbst mitzubringen, zu spät sein dürfte, ihn bei nächster Gelegenheit schiken [.] – Wie kommt es dß Lürzer Otto [Cousin?] heute sobald fertig wird? Was wird er im nächsten Jahre machen? Was u. wo wird er studieren? – 26.6. Ich konnte leider die beiden Ministerialräthe heute nicht XXXchen; da ich aber den Brief doch abschiken möchte, so behalte ich mir für’s nächste Mal vor, Ihnen das Resultat zu schreiben. Wie gesagt bitte ich also um baldige Antwort; damit ich bis 7.es wegen des Quartiers auch weiß; denn ginge ich fort, so würde Weiß die 2.Hälfte des Juli zu Sparge [?] ziehen, damit dieser nicht allein das Quartier zahlen muß. An alle Bekannten alles Schöne; von meiner Unterred[un]g mit Min. Lasser bitte ich weiter keinen Gebrauch zu machen; denn solche Dinge will ich nicht gern weiter verbreitet haben. – Mit der Hoffnung, Sie recht bald, längstens bis Montag einen Brief zu erhalten u sie [!] recht bald, od längstens in 5 Wochen zu sehen verbleibe ich um Ihre mütterliche Liebe u. Ihren Segen bittende Ihr dankbarer Sohn FXSpaengler | ||
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| + | bei den Kobler-Spängler-Briefen [rot verschnürt, nicht gelesen]: Poesiebuch / Gedicht-Sammlung ohne Datum und ohne Bezugsperson, versch. Handschriften = u.a. Fastnachtsrede für Salzhausen; A.Grün; Herwegh; Körner; Hohenhausen; Blumauer; Die Kindsmörderin. – Handschriftliche Faschingsansprache Salzburg 1878; handschriftl. Faschingsfestlied Salzburg 1874; gedrucktes Gedicht Winterfeld; gedruckte Beschreibung der St.Lorenz-Kirche in Nürnberg; dito St.Sebald [gehört vielleicht zur Bayreuth-Reise 1889]; handschriftl. Schnaderhüpfl; gedruckter Studentenschwank, Wien 1862; „Aus der Heimath“ (handschriftliche Schülerzeitung [Studenten- /Faschingszeitung?]), Salzburg, Nr. 1-2, 1862 (u.a. F.X.Sp. [Spängler]; Franz Plachetka). | ||
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| + | === 1863 === | ||
| + | siehe: „Verlobung“ Sept. 1871 [Theaterzettel u.ä.] | ||
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| + | === 1865 === | ||
| + | [und ff. bis 1870] mehrere Briefe von Rudolf Handel [ein nicht näher identifizierter Freund] an Nr. 18 Franz Spängler = „Briefe 1860 ff. an Nr. 18 Franz Spängler“ | ||
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| + | === 1867 === | ||
| + | Silvester, siehe: „Verlobung“ Sept. 1871 [Theaterzettel u.ä.] | ||
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| + | === 1868 === | ||
| + | „1868“ im braunen Briefumschlag (rot verschnürt) „Gemeinde-Zeitung“ von „Salzhausen“ vom 16.2.1868 (Faschingsausgabe); rosa Blatt „Fibel“ für Schulkinder in Salzhausen; Festgedicht zum 30. Jubiläum der Matura 1858; farbige „Plan-Skizze“ der Stadterweiterung von Salzburg 1861 (mit handschriftlichen Notizen) und dazu gedruckte „Randglossen“ von G.Pezolt (darin u.a. erwähnt der Dureggersche Garten unterhalb der Hohensalzburg). - Für Nr. 18 Franz Spängler ein Rechnungsbuch über Aktien, Ausgaben, Schulden usw. um 1864 bis um 1900 und extra 1911, Beträge errechnet für u.a. Otto Spängler (der Bruder), Mathias Pichler, Therese von Lürzer, „Fannis Heirathsgut“ usw. – Urkunden u.ä. = für Nr. 19 Fanni Schlegel (1848- ) „Schul-Zeugniss“ Mädchenhauptschule der Ursulinen in Salzburg in der 3.Klasse 1858/1859. – Der Mutter, „Wittwe Antonia Spaengler“, für Franz Spängler, Schüler der 5.Klasse des k.k. Gymnasiums aus einer Stiftung 200 Gulden jährlich, 1855. – Herrn Franz Spängler, Hörer der Rechte, Fakultäts-Stipendium jährlich 300 fl [Gulden] 1858. – Herrn Franz Spängler, absolviertem Hörer der Rechte, Virgilianisches Fakultäts-Stipendium jährlich 315 fl [Gulden] 1862. | ||
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| + | === 1869 === | ||
| + | 15.3., siehe: „Verlobung“ Sept. 1871 [Theaterzettel u.ä.] | ||
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| + | === 1870 === | ||
| + | Briefe (rot verschnürt, nicht gelesen) von Nr. 37 Antonia Spängler, geb. von Lürzer, 1803-1882, an den Sohn Nr. 18 Franz Spängler, 1839-1912, aus Salzburg; zusätzlich mehrfach vom Bruder Otto. Oder umgekehrt von Nr. 18 a Otto Spängler, 1841-1919, zumeist über Geldangelegenheiten der Mutter, und zusätzlich dann auch von der Mutter. Ohne Umschläge (einzelne Umschläge sind angegeben). – Vom 18.4.1870 bis 1871 und 28.12.1872; insgesamt 42 Briefe, 2 Umschläge nach Mödling. | ||
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| + | siehe auch: Briefe „1858 bis 1862 und 1870“ | ||
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| + | === 1870 === | ||
| + | Brief von [Nr. 37] ANTONIA SPÄNGLER (1803-1882) an den Sohn [Nr. 18] FRANZ SPÄNGLER, 1872 verh. mit FANNI SCHLEGEL]: Salzburg den 2.10.70. Mein innigst geliebter theuerster Franz! Was wirst du dir denken das ich heute noch nicht geschrieben habe, und dir nicht einmal gedankt für die so hübsche Jop[p]e welche mir so gute Dienste leistet, ich habe sie heute in die Kirche zum erstenmahl angezogen sie steht zu jedem Kleid. Ich danke dir also recht herzlich dafür. Otto [der andere Sohn] und Louise sind glücklich hier angekommen, und grüßen dich recht herzlich. Wie gut hat es Otto das er dich nun öfter sehen kann. Die starken Stiefel werde ich dir im November [be]vor er hinunter geht schücken, so darf [braucht] man niemand fremden plagen. Otto sagte mir du siehst recht gut auß was mich sehr freut. Otto hat also die Stelle nicht angenohmen; mir ist es ganz recht, weil er zu wenig Sicherheit [für] sich gesehen, ich meine er soll jetzt so bald wie möglich die Advokaten Prüfung machen dan kann er wenigstens Advokat werden, wen wie man sagt alle Strücke reissen. Hier lassen dich eine menge Leute recht herzlich grüßen. Die Zeller ist mit Emma und Pfaundler Loni nach Ischl und geXXXden auf einige Tage. Die Stipitz ist wie ich höre in der Hoffnung. Die Ida von den Schlögelhofer ist verlobt mit den jungen Erlach. Die Betti Langer ist noch in Linz, die Frau läßt dich recht herzlich grüßen. Der kleine Otto [Otto Spänglers Sohn] spricht recht viel von dir, und die kleine Paula [Tochter] sagt auch ihn wen man sie fragt wer das ist auf dem Bild der Papa und dan frage ich ist dies Onkl Franz, dan sagt sie ja; die Kinder sind zimlich oft bey mein freunden, diese Tage seit sie zurück sind war ich so viel Oben weil es so viel zu thun gab sie hatten eben große Wasch, da gab es für die Mägde zu bügeln und ich war viel bey denen Kindern besonde[r]s bey den kleinen Max, welcher nun auch schon auf gelagt wird, und recht frezig ist. Diesen Tage war ich gar in Bertolsgrund [?], aber nicht in See mit den Fräulein Rosa Gunauer [?] welche die Frau v Danegger [Duregger?] die Fräulein Rosalie Henf und mich eingeladen hat, es war ein wunderschöner Tag, die Gegend, und die vielen Landha[ä]user wunderschön, wird haben uns sehr gut unterhalten, und gut gelebt. Die Leopoldin Spängler ist gestern mit Herman nach Kremsmünster gereißt, wo sie heute Nacht zurück kommen wird es ist ihr wohl etwas schwer angekommen, es war einmal beschloßen, und konte nicht mehr geändert werden, er ging ganz gerne. Ich bin doch sehr begierig ob Leopold Lürzer würklich seine Heußmine heurathet, es wär doch zu dum, aber die Schwester Therese fürchtet es, den er thut sehr lieb mit ihr, mir thäte es für den jungen Leopold leid weil dieser dan um sein Erbtheil kömmt, und zuletzt noch für die Stiefmutter sorgen müßte. Lebe recht wohl mein lieber Franz noch einmal recht vielen herzlichen Dank für die so hübsche Jacke. Sey recht innigst gegrüßt und geküßt von deiner dich herzlich liebenden Mutter Spängler – Otto Lovinser und die Kinder grüßen dich herzlich. Heute ist die Kepsa [Kobsa] mit den Kindern bey Sauter. – „Betti Langer/Linz“: Frau von Julius Spängler (1837-1903), verh. mit Bertha Langer [später Wien]. - „Rosalie Henf“: Frl. Rosalie Henf wird z.B. in einem Brief von Fanni Schlegel an Franz Spängler vom 6.12.1871 genannt und in „Verteilte Andenken“ an die Mutter Spängler am 10.4.1882 bedacht. - Die Rechtschreibung der Mutter Spängler ist zumeist unkonventionell und eher an Mündlichkeit orientiert. Sie schreibt durchgehend deutsche Schrift, außer bei ihrem eigenen Namen „Spángler“ und einigen anderen, die lateinische Buchstaben bekommen. - „Kobsa / #Sauter“: Marie Steiner, geb. Kobsa, Ehefrau von Friedrich Steiner (1849-1901, Prag); offenbar gute Bekannte [und über Lürzer Verwandte, so 2015], vgl. „gesammelte Todesanzeigen“ von u.a. Philomena Bamberger, geb. Sauter, Wien (1836-1897), aus Innsbruck. - Anna Payr, geb. Sauter ( -1908) [u.a. Bruder: Eduard von Sauter, k.k.Vizepräsident] in Lans/Innsbruck. - Karl Payr, Univ.-Prof. Innsbruck (1835-1907) [Ehefrau: Anna Payr, geb. Sauter]. - Eduard Sauter Edler von Riedenegg, k.k.Vizepräsident [Finanzverwaltung] (1839-1910), Innsbruck. - Friedrich Steiner (1849-1901), Prag [Schwester: Tochter Payr]. - Vgl. Andreas Sauter (1802-1872), Forstdirektor, verh. mit Josefine Lürzer von Zehendthal [Josephine v.Lürzer] (1800-1872) [Partezettel 1872]. | ||
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| + | ==== Fanni Schlegel an Franz Spängler ==== | ||
| + | FANNI SCHLEGEL (1848-1905) [Nr. 19], verh. Spängler 1872, an [Nr. 18] FRANZ SPÄNGLER: | ||
| + | 5.10.1870, Brief mit Umschlag [von anderer Hand und ‚falsch’] „Frl. F.Schlögl 12 Brusle [?]“ aus Salzburg an: Mein lieber Franz! [...Dank für Brief]; Sonett habe ich gelesen und finde es sehr lieb. Was das lesen in den Hebelschen Gedichten betrifft, bin ich einverstanden daß wir jedesmal 2 Gedichte lesen, und werde damit am Samstag beginnen: Frühlingsoffenbarung und drei Bitten; schickt Fotos, Musterbilder, je 12 Stück, bringt der Mutter Spängler die Fotos, auch meiner Großmutter [Kobler] und meinem Vater [Richard Schlegel] [...] Minna ist bei Lida, und ich soll nun auch hinüberkommen [...] Großmutter grüßt dich. Lebe recht wohl und behalte mich lieb. Mit herzlichem Gruß und Kuß deine Fanni. - undatiertes Foto Fanni Spängler und Lida Guttenberg (im schwarzen Kleid) | ||
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| + | ==== Antonia Spängler an Sohn Franz Spängler ==== | ||
| + | Brief von [Nr. 37] ANTONIA SPÄNGLER an den Sohn [Nr. 18] FRANZ SPÄNGLER]: Salzburg 12.10. [1870]: Mein innigst geliebter Franz! [darüber auf dem Kopf mit kleiner Schrift von Hand des Bruders Otto Spängler: Über Reisigls Angelegenheiten nächstens. Unser Zins wird am 1.November längstens bezahlt werden.] Wie wirst du gestaunt haben wie du den Partezetel von Bruder Franz [Lürzer von Zehendthal; siehe unten] erhalten hast. Es war mir noch nicht möglich zum schreiben zu kommen theils kommen zu mir viele Leute und anderseits war ich bey Lürzer. Denke dir wie dieses schnell gegangen ist. Am Sonntag war Franz noch wie sonst an jeden andern Tag er aß alles Trank ging kurz. seinen gewöhnlichen ganz am Sontag Nachmittag waren die Joseph Spängler Familie dort sogar die kleine Lisa wo er sich gut unterhielt, er spielte noch auf die Nacht mit Marie wie gewöhnlich, ging ins Bett schlief bis ½ 1 Uhr da weckte die Marie ihre eigne Husten auf, sie hörte auch den Franz Xxtzen [ächzen] sie fragte ihn ob er etwas wolle, und er sagte er habe eine Beklemmung auf der Brust sie stund sogleich auf gab ihm die Kirschlorben [?] Tropfen, er sagte dan er wolle auf den Nachtstul, sie legte ihm die Strümpfe an und half ihm herauß den Bethen wurde beangten [?], sie schückte um den Doktor und um die Buigen [?], er sagte dan sie mögen ihm den Tisch näherrücken damit er sich auf lehnen köne, er zündete noch selbst das Licht an half sogar noch den Tisch neher rücken. eine Minute darauf machte er einen Rück mit dem Kopf zurück, und weg war er es erreichte ihn kein Doktor noch Geistlicher das ganze dauerte einige Minuten höchstens eine halbe 1/4 Stund. er starb ohne allen Kampf, Otto welcher 8 Tage früher kommen wußte in der Nacht gar nichts erst am Morgen weckten sie ihn und sagten es natürlich auch u auch ich es erst am Morgen. Du kannst wohl denken wie wir alle empfanden. Die Pezi schläft bey uns die Maria bey Spängler ich ging mit den Begrabnüß und Gottes dienst. – Lebe recht wo[hl] für heute habe ich nicht recht Zeit zum schreiben deine treue Mutter. - - [Rückseite mit Ottos Schrift:] Lieber Franz! Nachdem die Mutter dir über den erschütternden Todesfall des Onkel Franz geschrieben, füge ich nun noch geschäftliches bei. Ich habe am 1.Oktober für dich behoben [Aktiengewinne]: 1 Coupon/ RudolfsbahnXXXrität in Silber – 7.50. – 1 „/ Siebenbürger oder Ungar(ich weiß nicht mehr) 5.- - 6 „/ Silberrente à 2.10 = 12.60; [zusammen:] 25.10 – Hiervon in Silber ab für die Mutter 9. – bleibt Silber – 16.10 oder mit 22 % Agio in Papier – 19.64. – Interesse von Spängler Gewölbe 10.- Darlehen von Tante Therese 21.- Summe der Einnahmen: 50.64. – Ausgaben: An mich abbezahlt 20.9. – 30.- - Zinsen von 50 Xr. für 1/8 – 20/9 - -.34 (Rest 20 Xr.) – Za[h]le Mutter Monatgeld 10.- - Za[h]le an mich ab 1/10 – 3.- Zinsen von 20 Xr. für 20/9.-1/10 – 3.- (Rest 17 Xr. mit Zins vom 1/10 70 – Joppe Kaufschillingsrest – 6.25 – [zusammen:] 49 tl 62 Xr. – 50.64 [minus] 49.62 – Rest 1 tl 02 Xr. (vorhanden Kasse). – Von Louise die herzlichsten Grüße; es hat uns innigst gefreut, mit dir so viel zusammen sein zu können; ich danke dir für alle Freundlichkeit. Leopold Spängler läßt dich fragen, ob du seinen lezten Brief erhalten hast? Wäre es ganz unthunlich, für den fall meines öfteren Reisens nach Wien bei dir in Mödling am Kanapee schlafen zu können? dein Otto. - Maria (Marie) Anna Spängler heiratet Nr. 37 a Franz Lürzer von Zehendthal, „k.k.jubilirter Bergwerks-Inspector“. Sie ist gest. 15.11.1880 (61 Jahrer alt; Partezettel mit und ohne Foto) und er im Oktober 1870; sie liegen zusammen mit einer Anna Lürzer von Zehendthal, die 1866 stirbt, auf dem Salzburger Petersfriedhof begraben [nicht unsere Linie]; Grabsteine am Aufgang zu den „Katakomben“. Kinder sind Josefine und Otto. | ||
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| + | ==== Antonia Spängler an Franz Spängler ==== | ||
| + | [Brief von Nr. 37 ANTONIA SPÄNGLER an den Sohn Nr.18 FRANZ SPÄNGLER]: Salzburg 13.11.70: Mein innigst geliebter Franz! Schon wider vergingen einige Tage bevor ich dazu komm dir zu schreiben, ich weiß es selbst nicht wie es kömmt, aber bey Otto war alles der Reihe nach krank, da war ich viel Oben, und diese Zeit wo ich zu Hauße bin, habe ich für uns wider einiges zu thun was sich nicht aufschieben läßt. Otto ist dermalen noch immer unwohl an Halsweh. Konnte daher gar nicht nach Wien gehen. Wir freuten uns schon das du hättest mit Otto zusammen kommen können, und er mir sagen könte, wie er dich außsehen findet, ich bin immer so sehr erfreut wen dich Leute gut außsehen finden. ich bin außer einen starken Strauhe [die Strauchen, Katarrh, Schnupfen], welche ich bey deren Kindern erwischt habe ganz wohl. Die Lini war auch schon unwohl, da mußte unsere Kathi sehr viel oben sein, und so vergeht die Zeit so schnel. Diese Tage war ich mit den Zellner bey Eschenloon, die Mädchen waren bey Plachetka auf Besuch, somit war sie allein, und lud mich ein, es war ganz angenehm. Die Sattler wäre auch geladen geweßen wen sie nicht hätte von Swim[?]verein auß, hätte mit der Leiche den Branntspektor [?] Schmit gehen. Die Tage allen Heil eX waren sehr traurig und öde, die Lürzer hat immer noch Husten, und darf nur wenig außgehen, daher sie auch oft sehr Melancholisch ist. Ich konnte wenig auf die gottesacker gehen weil ich eben damals gar sehr die Strauhe hatte. Die Witterung war grenzenloos schlecht. Max war auch sehr leidend an Zahnwehen und Cartahr. Die Sachen gabuinden [?] wurde heute zum 2ten mahl verkündet mit den Consipianten Huber bey Gestimme [?]. Wen sie nicht neue Zulagen von Hauß bekommt, so darf sie schauen darauß zu kommen den es ist keine Kleinigkeit was man braucht um zu leben. Es wird dir ganz angenehm sein das Ludwich Sauter in Wien ist, den er ist ein ganz netter Mann lebt das Kind von Emil guttenberg? Die Lürzer hat ihre Pension noch nicht erledigt bekommen, hoft es eben alle Tage. Die Pepi will nun wieder vormund um die Prebende [Präbende, Pfründe] bitten. Vielleicht erreicht sie dieselben würdest du vielleicht gelegenheit haben zum Minister Taffe mit dem Bittgesuch zu gehen und zu bitten weil er um die ganze Sache recht gut weiß. Die Lürzer wird dir selbst schreiben. / auf den 17 en lasse ich für den Paten eine heil Meße lesen ich denke um Pathe auch für die Eltern lasse ich dieser Tage eine H Meße lesen. Dieser Tage habe ich die Duregger Familie Nachmittag geladen und am nächsten Dienstag die Zeller mit ihre Leute. für Carl Spängler lag kein Conte in meinem Brief bey. Ich heitze schon seit Mitte Oktober ich mache schon wieder Frühstück in meinem Ofen, Jause und Nachtsupe, es thut mir so wohl ein warmes Zimer. Lebe recht wohl mein lieber Franz: sehen wir uns auf Weihnachten? Es küßt und segnet dich im geiste deine treue Mutter Spängler / alle Bekante grüßen dich recht herzlich, der kleine Otto spricht oft von dir. - „die Lürzer... Pension“: Marie Spängler, verh. mit Nr.37 a Franz Lürzer von Zehendthal, -1870 (siehe vorhergehenden Brief). - „Ludwig Sauter“, siehe Brief vom 2.10.1870. | ||
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| + | ==== Dr. Otto Spängler an Franz Spängler ==== | ||
| + | Dr. OTTO SPÄNGLER [Nr.18 a; 1841-1919; verh. mit Aloisia [LOUISE] Duregger, 1846-1915], Salzburg, später Direktor der Salzburger Sparkasse und Gemeinderat, ein Bruder von Franz Spängler (Nr.18, 1839-1912), an FRANZ SPÄNGLER: 13.11.1870; fügt eine Abrechnung an, wohl über Zinsen u.ä. von Aktien, die er für seinen Bruder verwaltet (siehe unten) - 24.11.1870: Weihnachten in Wien oder Salzburg, kommt wohl vorher nach Wien zur Generalversammlung der Forstbankaktionäre; Entschädigung für Wasserleitung; „einen schönen Gruß und Busserl vom kleinen Otto“ (ein Sohn, geb. 1868) - 23.12.1870: Franz kann also zu Weihnachten nicht nach Salzburg kommen; hat sich mehrmals mit Franz in Wien getroffen; kauft neue Vorhänge für die Mutter, Mutter hat gegen die Gabe „protestiert“, da sie von Franz eine „schöne Joppe“ erhielt [die Brüder unterstützen die Mutter, und Otto rechnet ab] | ||
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| + | ==== Antonia Spängler an Sohn Franz Spängler ==== | ||
| + | [Brief von Nr. 37 ANTONIA SPÄNGLER an den Sohn Nr.18 FRANZ SPÄNGLER]: Salzburg 24.11.70: Mein innigst geliebter theuerster Franz! Es wird nun schon wieder 10 Tage sein seit ich dir zum letzten mal geschrieben habe, aber ich will heute schreiben damit du öfter Nachrichten von uns bekömmst wir sind dermalen gottlob wieder alle wohl. Die Kinder gehen wieder alle auß da die Wittrung so milde ist. Ich heitze nun im kleinen Öferl zum Frühstück Jause und abendsupe mit kleinen Stückchen Holz und habe viel die Fenster offen. Wir werden diese mülde Wittrung gut im Holz mercken, was ich sehr froh bin. Die Lürzer wird wie sie durch Chiari gehört die 333 Münz [Pension] bekommen weil er nicht den Kriegsrathstitel führte sie will noch in gnaden Weg eingeben um Erhöhung Chiari glaubt für die Pepi wird der gnadengehalt gut außfallen. Sie wissen nur nicht ob sie zuerst für die Pepi um die gnad eingeben sollen, oder für sie um Erhöhung. Lürzer Otto glaubt zuerst für die Pepi, ich weiß nicht, waß sie thun. Um die Prebende geben sie auch jetzt ein. Nun scheint die Frau doch ruhiger zu sein, sie nimt doch wieder an XXX theil, sie spielt auch wieder, es ist doch kurzweiliger. Otto wird nun wohl die 400 fl [Gulden] bekommen, was auch gut wäre dan wird er der Mutter 10 fl im Monath geben, was auch beßer ist, es muß halt eins zum anderen helfen. / Ich danke dir recht herzlich für deine guten Wünsche zum Hochzeits tag ich verbrachte denselben wie jeden anderen Tag Abends war ich bey Otto zum Essen und dann gingen wir zu den Duregger hinab. Den Xaveritag ist um 10 eine heil Meße im Domm für den Paten mache auch du deine Meinung, bis zu deinem Nammenstag schreibe ich wieder. Du hast es in deinem letzten Brief in zweifel gesetzt ob du um Weihnachten kömmst dies thäte mir sehr leid, weil ich mich schon so sehr auf dich freue, je nun wie gott will möge er es fügen - - Wens nicht sein so muß man es auch ertragen - - -. Wegen Rußland hoffe ich, haben wir nichts zu fürchten, sie werden sich wohl vergleichen. / geß[t]ern warn 3 Spänglermädchen bey mir Nachmittag wo wir der Lürzer ihren Namenstag feyerten auch die F Rosalie [Henf] war Abends da, zum Schluß wurd ich Abends Duregger zum Essen geladen bis ½ 8 Uhr wo dann alles außeinander ging Fräulein Rosalie ging dann auch zu Duregger. Heute war ich bey Hofrichter Spängler mit der Lürzer Pepi, wo es recht angenehm war, dan spielten wir noch bey Spängler Tarok wo die Lürzer auf die Pepi wartet, um 7 Uhr ging ich zu Hauße und nun habe ich an dich lieber Franz geschrieben. Lebe nun recht wohl mein lieber guter Franz sey recht inig gegrüßt und geküßt von deiner dich herzlich liebenden Mutter Spängler / Von allen Bekanten recht viele herzliche grüße. - „Hofrichter Spängler“: Joh.Peter Maria Spängler (1792-1837) war Hofrichter des Stiftes Nonnberg in Salzburg; vielleicht ist die Familie seines (einzigen) Sohns Anton Spängler (1831-1913) gemeint (so ebenfalls in einem Brief von 1885). | ||
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| + | ==== Antonia Spängler an Sohn Franz Spängler ==== | ||
| + | [Brief von Nr. 37 ANTONIA SPÄNGLER an den Sohn Nr.18 FRANZ SPÄNGLER]: Salzburg 1.12.70: Mein innigst geliebter theuerster Franz! Ich habe dir schon das letzte mahl versprochen dir zu deinem Namenstag wieder zu schreiben. Lieber Franz nim heute die herzlichsten aufrichtigsten Wünsche gütig an, und sey versichert, das mir dein Wohl und Weh immer recht nah am Herzen liegt, das ich recht oft für dich bethe, das dich der liebe gott recht glücklich werden lasse. – das Sein Göttlicher Segen immer bey dir verbleibe, - und das du so leben mögest, daß du für Zeit – und Ewigkeit gesichert seyst, der lieben gott wolle meine heißen Wünsche [...]. [über der Anrede, auf dem Kopf:] Kathi küßt deine Hände und wünscht alles gute zum Nammenstag. Denke dir ich kaufe öfter einen kleinen theil ein XXX XXX, wo man heuer auf den Mark bekömmt. / Das Nammensfestgeschenk bekömmst du zusammen zum Christkind – kömmst du so gebe ich dir es selbst – wo nicht so schücke ich es dir. Der kleine Otto läßt dir auch alles gute Wünschen, der war gestern mein Gast, Otto und Louise waren in Werfen und da habe ich ihn für einen Tag eingeladen, was er sehr wohl schon versteht, er spricht alles und weiß sich sehr gut außzudrücken, gestern sagte Otto bey Tisch: wen Onkl Franz kömmt dan lange dableiben, nicht gleich fortgehen, dan sagte ich ob ich dir es schreiben soll, dan sagte er, Otto auch schreiben, mit den Papa. Denke dir lieber Franz die Sauter in Inspruck war dieser Tage auf den Tod krank an einer Lungenentzündung es geht aber Gottlob beßer. Die Ida Schißl war so freundlich uns täglich durch eine Corespondenz-Karte uns das fortschreiten der Beßerung anzuzeigen gestern kam keine, daher hoffe ich sicherlich sie fand es nicht mehr für nöthig, jedoch heute erwarten wir schon eine es ist möglich ich gebe den Brief erst morgen auf, vieleicht kan ich dir dan das Befinden noch hinein setzen. Eduard Spängler ist bey der neuen Montan geselschaft nicht untergekommen, es ist glücklicherweise, in Hallstatt ganz zufrieden, und kann daher leicht zuwarten, bis etwas beßeres kömmt. Sie haben einige Beamte entlassen, und keine neuen angestellt. Otto ist gestern Abends wieder von Werfen zurück gekommen war in der Rückfahrt 3 Stund auf den Weg mit Halhofer beysammen er fuhr dan mit ihnen nach Hallein, wo diese dan nach Salzburg fuhren und er wieder nach Hauße ging. Heute haben wir den ersten Wintertag, aber in diesem Augenblück sehr schön, und heiter. Gestern war ich mit den Duregger, und Emile und Henf Rosalie in Kreutzbrückl zur Jause. Es war ganz angenehm. Ich soll dir von so vielen Bekannten zum Nammenstag alles Schöne bringen, besonders Fräulein Rosalie Spängler Lürzer Alois Spängler, Stipitz, Anhl [?], Otto. Lebe recht wohl noch einmal meinen Segen über dich, und alles was dein ist. Es küßt dich mit iniger Liebe deine treue Mutter Spängler. [auf dem Kopf:] Den 2.1. Nachricht ist keine gekommen von Inspruck. - Der „kleine Otto“ Spängler ist im Juni 1868 geboren, also zweieinhalb Jahre alt. – „#Sauter Innsbruck“: Andreas Sauter (1802-1872), Forstdirektor, verh. mit Josefine Lürzer von Zehendthal [Josephine v.Lürzer] (1800-1872) [Partezettel 1872]; vgl. in Wien den „Vetter“ Ludwig Sauter; siehe Brief vom 2.10.1870. – „Eduard Spängler“ (1839-1883), ein Neffe der Mutter Spängler (Eduard Spängler wohnt zeitweise Alter Markt Nr.2 in Salzburg, eigenes Foto 2014) | ||
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| + | Salzburg Alter Markt 2, rechts fängt die Judengasse an (Gasthof Hölle) | ||
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| + | ==== Antonia Spängler an Franz Spängler ==== | ||
| + | [Brief von Nr. 37 ANTONIA SPÄNGLER an den Sohn Nr. 18 FRANZ SPÄNGLER]: Salzburg 9.12.70: Liebster theuerster Franz! Du wirst staunen, das Morgen schon Otto in Wien sich bewegt, ich will daher auch heute gleich schreiben, und deinen lieben Brief beantworten. Wie froh bin ich auß deinen letzten Brief wieder zu hören das es dir gut geht und [du] gesund bist, nur bedauere ich daß du es mit gar so vielen Spitzbuben zu thun hast, ich denke es wird wohl auch einmal eine andere Lage hergehen, wen einer von deinen Kolegen wegkämme, und du dann seinen Platz bekämest. Ich glaube wohl das man [sich] auch [an] dieses gewöhnen kann, aber man möchte mit der Zeit fast überal einen Lumpen sehen. Was ich sehr gerne höre daß du nun endlich ein gutes, dir angenehmes Ha[u]ß, gefunden hast, wo du doch vieleicht jede Woche einen Abend zubringen kanst, und vieleicht mit der Bahn zurükfahren kannst. oder vieleicht mit den Hern Bezürksrichter gehen- sonnst möchte mir für dich, zum Nachhaußegehen bange werden. Vieleicht findest du dort auch ein Mädchen welches dich anspricht, und dir zusagt? ich bin begierig, ob ichs errathe- - - Auch bey uns war der November größtentheils schön, mit 1 Dezember hat der Winter fest, begonnen, die Schlitten fahren schon über und über, wen auch noch nicht so viel Schne ist, das der Weg gut gut ist, aber es muß gefahren sein. Wie ist es den mit deinem hieher kommen? auf Weihnachten das es mich unendlich freut wen du komen kannst weißt du, wen es aber durchauß nicht sein kann, so muß ich mich halt auch fügen. Die Lürzer hat nichts in den Händen wegen ihrer Pension, währentdem die Wahlhüselstätter die Pension schon im Vorigen Monnath schon erhalten hat. Ich glaube schon es liegt schon lange hier, aber der Wamhe [?] ist gar so beq[u]em, vieleicht bekömmt sie es dieser Tage. Die Lürzer läßt dich recht schön bitten zu thun was möglich ist wegen der Pepi. Ich hoffe lieber Franz du machst es mir zu wissen durch Otto ob du kömmst, da Otto ohnedies vieleicht 10- bis 12 Tage in Wien ist wird er schon öfter an Louise schreiben du kannst auch du mir vieleicht einmal ein Zettel einschließen Was glaubst du lieber Franz? köntest du vieleicht nicht zu denen vielen Komissionen welche du zu machen hast, Handstützerln brau[ch]en? ich würde sie dir von rother und Schwarzer Wolle strücken. Bey Sautter in Inspruck geht es den geregelten gang beßer gottlob. Lebe recht wohl mein lieber guter Franz ich bethe schon fleißig für dich vergiß auch du der Mutter nicht im gebeth. Es küßt und segnet dich im Geiste deine treue Mutter die Spängler / Von allen Bekanten recht viele herzliche grüße. Otto und Paula schreiben oft an dich, bald mit Kreide bald mit Bleistift. - „ein Mädchen“: die Verlobung mit Fanni Schlegel war im September 1871. | ||
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| + | ==== Antonia Spängler an Sohn Franz Spängler ==== | ||
| + | [Brief von Nr.37 ANTONIA SPÄNGLER an den Sohn Nr.18 FRANZ SPÄNGLER]: Salzburg 23.12.70: Mein innigstgeliebter Franz! Wie leid thut es mir, daß du diese Weihnachten nicht bey uns zubringen kannst, ich freute mich schon lange auf diese Zeit, in der Hoffnung meinen lieben Franz zu sehen- aber wie es in der Welt geht, man darf sich auf nichts freuen- in gottes Nahmen, man muß sich in das unabenderliche fügen. Alle bedauern schon dein nicht kommen, beyliegend sende ich dir eine ungesottene Zunge, vieleicht kannst du selbe in deinen Ofen sieden es ist auch die Suppe dann sehr gut. Ich hoffe es soll auch die Zunge sehr gut sein aber sie muß so lange gesotten werden bis sie weich ist und gut schellen [schälen] läßt warm essen ist viel gesünder als kalt, und grumberne [Kartoffeln] kann dazu. Lasse dir selbe recht gut schmecken. Auch sende ich anliegend 5 fl damit du dir kauffen kannst was du wilst auch habe ich die Stützeln gestrückt damit du zu die Komissionen etwas warmmes hast, die Stiefl wird Otto das nächste mahl bringen die Krägen zu ändern wird sehr schwer fallen weil in der Mitte Rückwerts ein Knopfloch ist alles weg zu nehmen wird zu viel sein, ich werde sehen was sich machen laßt. Ich denke sie sind beim Bügeln in die Weite gezogen worden. Lieber Franz es ist zu viel daß du mir noch etwas kaufen laßest, da du mir ja ohnehin schon die hübsche Jophe geschückt hast. Ich danke dir recht herzlich dafür. Ich wünsche dir von ganzen Herzen recht glückliche Feyertage, und auch ein recht glückliches neues Jahr, ich denke zwar daß wir bis dahin noch schreiben aber man kann nicht gewißes sagen ziehe frei ja jetzt die Wollenen Sechel an sowol Baumwoll als auch die Schafwollsocken. Den es ist hier sehr kalt, vieleicht ist es auch dort so. Lieber Franz dir noch herzlich dankend und dir noch alles gute wünschend verbleibe ich in aller Liebe deine dich segnende Mutter Spängler – Alle Bekanten bedauern dein nicht kommen die beiden Langer haben schon verabredet wan sie dich einladen, so sagte sie mir von einer ¼ Stund. Der Kriefant [?] Minna wurde gestern Abends um ½ 9 Uhr [e]in neugemachter Mantl und eine hübsche Jophe gestollen vom Nagl an der Thür. – [Mit anderer Schrift; der Bruder Otto:] An meinen lieben Franz. Lieber Franz! Eben bei Schluß des Briefes fällt mir ein, wenn du etwa ein Klezenbrod wolltest, so bitte ich es zu vermelden; es würde mir ein Vergnügen sein, dir eins zu senden. - „Langer“: Familie von der Frau von Julius Spängler (1837-1903), verh. mit Bertha Langer [Linz]. | ||
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| + | === 1871 === | ||
| + | Briefe (rot verschnürt, nicht gelesen) von Nr.37 Antonia Spängler, geb. von Lürzer, 1803-1882, an den Sohn Nr.18 Franz Spängler, 1839-1912, aus Salzburg; zusätzlich mehrfach vom Bruder Otto. Oder umgekehrt von Nr.18 a Otto Spängler, 1841-1919, zumeist über Geldangelegenheiten der Mutter, und zusätzlich dann auch von der Mutter. Ohne Umschläge (einzelne Umschläge sind angegeben). – Vom 18.4.1870 bis 1871 und 28.12.1872; insgesamt 42 Briefe, 2 Umschläge nach Mödling. | ||
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| + | ==== Antonia Spängler an Sohn Franz Spängler ==== | ||
| + | [1871; Brief von Nr.37 ANTONIA SPÄNGLER (1803-1882) an den Sohn Nr.18 FRANZ SPÄNGLER, 1872 verh. mit FANNI SCHLEGEL]: Salzburg 4.1.71: Mein innigstgeliebter Franz! Vor allen meinen herzlichsten Dank für deinen glückwunsch zum neuen Jahr. Möge der liebe gott alle deine Wünsche in Erfühlung bringen. Leute kammen genug mir kamm es vor, als wen die Leute wieder anfingen die Neujahr-Wünsche zu erneuern. Ich darf erst jetzt noch einige Nachzuhollen, welche erst um ½ 1 Uhr Mittag kammen unter andern auch die Hedwich Langer [?], ich war bey ihr noch nicht dort den[n] gestern und heute hatte ich noch nicht zeit. Du hast wie mir scheint den heil Abend doch gottlob ganz gut zugebracht. Bey Spängler war es auch ganz angenehm. Ich bekamm auß Scherz eine alte Hrer [?] scho[ö]n verzirt mit rothen Bändern und neue Tarokkarte ich konte beydes brauchen. ich kaufte für die Ida ein sehr hübsches Portmonn. Bey Otto bekamm ich einen sehr hübschen und warmen Schwanz seiden Gaprschen [?] welcher mir sehr gut taugt dan[n] sehr hübsche Vorhänge für das hübsche Zimmer welche mich auch sehr freuen, wen[n] du einmal kömmst dan[n] werden sie Baredizen [? z.T. latein geschrieben] ich gab der Louise so Spulben Poletirte welche sie auf den Tisch stellen und herab strüken sie hat sie sich gewunschen und ein paar hübsche Handschuhe, den großen Otto habe ich zum Siglring 5 fl dazu gegeben, und damit war es fertig, den Kindern strükte ich jeden ein paar hochrothe Strümpfe jeden 1 paar Stützerln den [kleinen] Otto kaufte ich ein Schachtel Soltaten der Paula eine Schachtel holzernes Kichengeschirr. den Maxl einen hübschen Hanswurst zum Ziehen. Am Weihnachtstag war ich zu Mittag bey Duregger geladen. Am letzten Montag habe ich sammtliche Famile nebst Schißtl [?] Nachmittag bey mir. Am Abend am Weihnachts Tag wurde ich wider bey Duregger geholt zum spillen, und am Silfester Abend war ich auch zum speisen und Punsch geladen, wo es sehr angenehm war. 5te Gestern konnte ich nicht weiter schreiben. Morgen bin ich bey der Ida für Nachmittag geladen. Heute Abends kömt Fräulein Rosalie [Henf] welche sich dir bestens empfiehlt. Gestern und Vorgestern war ich den ganzen Nachmittag bey den Kindern oben, und so vergehen mir die Tage immer zu schnell. Denke dir zu Neujahr schrieb mir die Schwester Theunser [?] das sie auf einem Au den schwarzen Staar habe, und gar nichts sieht darauf, und der Doktor fürchtet auch für das 2te Aug, die Lizzi ist sonst recht hinfällig. Es ist halt ein Kreutz, wen man alt wird. Die Sauter Charlotte ist auch sehr krank an einer Lungenentzündung gestern ist es etwas besser gegangen heute weiß ich es noch nicht. Ich hoffe zu gott, das es sich wieder beßern wird. Ist es bey Euch auch so kalt, bey uns ist es sehr kalt ich heitze den ganzen Tag und auch im außeren Zimer damit es bey uns leichter ergibt. Allen war sehr leid das du nicht gekommen bist, für den Heil Abend. Wo warst du den am Neujahrstag? Ich war bey den F Rosalie [Henf] geladen. Ich habe schon recht fleißig für dich gebethet, daß du in jeder Beziehung recht glücklich wirst. Die Stiefleten wird Otto schon mitnehmen wen er nach Wien geht die Krägen habe ich der Weitzner Pepi gegeben ich getraue sie mir nicht zu machen sie sagt sie wird sehen was sich machen läßt wird was so bekömmst du dieselben durch Otto. Lebe recht wohl es küßt und segnet dich deine dich treuliebende Mutter Spängler / Alle Bekante grüßen dich recht herzlich. - „Langer“: Familie der Frau von einem Cousin von Franz, Julius Spängler (1837-1903), verh. mit Bertha Langer [Linz]. – Den Namen „Spängler“ schreibt sie wie ihre eigene Unterschrift als Familiennamen in ihrer sonst deutschen Schrift lateinisch. – „bei den Kindern oben“: Familie des Sohns Otto Spängler, wohnt im selben Haus, Mozartplatz 4 [Salzburgwiki.at:] Das [[Antretterhaus]] am Mozartplatz Nr.4 in der Salzburger Altstadt ist das ehemalige Stadtpalais des Adelsgeschlechtes Rehlingen mit der Hauskapelle Mariae Himmelfahrt. Daran schließt das 1620 erbaute niedrige Imhofstöckl an. Der gut gegliederte Bau mit seinen zwei Höfen und dem reich gegliederten Korbbogenportal entstand in der Zeit zwischen dem 16. und 18.Jh. Die Fassaden mit den gekurvten Fensterumrahmungen stammen aus den Jahren um 1760. | ||
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| + | ==== Otto Spängler an Franz Spängler ==== | ||
| + | OTTO SPÄNGLER, Salzburg, an FRANZ SPÄNGLER: 5.1.1871: Abrechnung, Cassarest 14 Gulden 76; „Monatsgeld der Mutter pro Jänner 10 fl [Gulden]“. Da nach Ausgaben nur 5.99 verbleiben, bittet er um eine à conto Zahlung von 10 Gulden, von der „die Buchhandlungsrechnung und das Museum“ bezahlt werden. Der kleine Otto lässt einen Gruß schicken. - 26.1.1871: der gute kleine Max ist „nach einem kaum 24 stündigen Unwolsein an einer plözlich eingetretenen Krise in folge schweren Zahnens“ verstorben; bietet dem Bruder eine Karte für den Concordia-Ball an. - 1.5.1871: hat angefangen (nebenbei) zu studieren für die Advocatenprüfung, wird aber gestrichen, weil seine Arbeit als Repräsentant und Verwaltungsrat der Forstbank damit unvereinbar sei – man hat ihm diese Doppelbeschäftigung, „die paar tausend Gulden“ von der Forstbank nicht gegönnt; will evtl. nach Saalfelden und dort „als Hauptsache das Geldgeschäft“ betreiben. „Nebenbei“ guckt er „nicht ungern auf die Börse und habe neulich durch Kauf u. Verkauf von 50 Union baaractien in drei Wochen ohne einen Kreuzer Geld herzugeben 904 fl [Gulden] bar ausbezahlt erhalten. Wie das geht werde ich dir mündlich mitteilen“; folgt Abrechnung, Silbercoupons, 1860er Coupons, 1 Grundentlastungscoupon... 29 fl; Ausgaben: restliches Monatsgeld der Mutter pro April 4 fl, Abschlagszahlung 5 fl, Volksblatt 1 fl 40, Monatsgeld der Mutter pro Mai 10 fl. – Fortsetzung am 9.5. „hier regnet u. schneit es seit 14 Tagen ununterbrochen“. | ||
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| + | ==== Antonia Spängler an Sohn Franz Spängler ==== | ||
| + | [Brief von Nr. 37 ANTONIA SPÄNGLER an den Sohn Nr. 18 FRANZ SPÄNGLER]: Salzburg 23.1.71: Mein innigstgeliebter theuerster Franz! Endlich gestern den 22te habe ich seit 1 Jänner, einen Brief von dir erhalten. Gottlob das nicht Krankheit ein Hindernis war Wie froh bin ich daß du dich ganz gut befindest in Mödling. Solte Otto bis 28te nach Wien gehen so sende ich dir die umg[e]änderten Krägen, und die Stiefleten durch Otto, er weiß es aber noch nicht gewiß ob er geht, die auffo[r]derung hat er heute schon bekommen, aber es hängt noch von Umständen ab, geht er, so bekömst du noch eine Corespondenskarte [teilweise latein. Schrift]. Wie bist du zur Doktor Würstl bekommen mich freut es daß sie dich geladen hat, bey gelegenheit bitte ich mich zu Empfehlen Ich wünsche dir einen recht gute Unterhaltung für Mittwoch zum Haußball Gott gebe das keine Stöhrung ist wie bey demm Haußball wo die F. Volgt gestorben ist, das muß schon erbärmlich gewesen sein. gebe nun ja auf deine Gesundheit recht obacht. Es ist schon recht wen du die Socken schückst, ich werde schon alle wieder in Ordnung bringen, jetzt strücke ich 6 paar Baumwollnen für dich, in der duld [Jahrmarkt] kaufe ich wieder für 6 paar Socken einen Zwirn, damit sie nach und nach zusammen kommen. Die 36 paare [Grade] ./ Min [?] scheint die Witterung ist hier und in Mödling so zimlich gleich, bevor [?] nun diesen Thauwetter war es hier ungemein kalt. Neue Bräuter gibt es die Meninger Susi die jüngste, mit einen gewissen Haaß, der Bräutigam ist 22 Jahre alt hat 1800 fl Besoldung bey der Bahn. Dan die Eistenen Berta mit den Offizier. Der Eduard Spängler ist hier er kömt nach Idnia, bleibt aber jetzt einige Tage hier. Die Frau von Geschnitzer ist sehr krank, so das der Chun oben schlaft, damit er gleich bey der Hand ist. Der Obervinanzrath Mühler ist auch zum sterben. Bey der Goiginger ist der kleinste Knab an Gehirnkrankheit gestorben, und heute begraben. Eine menge haben hier die Flecken auch größere Leute. Die Saulich PXXter die Mina Reinfort [?], und mehrere auch Kinder eine menge. Bey Cloner hat sie auch der große Knab. Die Sauter Charlotte ist gottlob wieder beßer geworden. Hier geht es allen Bekanten zimlich gut gottlob. Ich bitte dich lieber Franz kaufe ja keine Papiere, sondern wen du ein geld hast, so zahle lieber ab, damit du einmal schuldenfrey wirst, den jetzt ist in allen disen Geschäften ein solcher Schwindel, das einem übel werden möchte. Recht viele Bekante lassen dich recht herzlich grüßen Berger Rosalie – Zeller Bey Berger haben auch die Kinder die Flecken. Lebe recht wohl lieber Franz es bethet gewiß immer fleißig für dich deine dich treu liebende Mutter Antonia Spängler. | ||
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| + | ==== Antonia Spängler an Sohn Franz Spängler ==== | ||
| + | ANTONIA SPÄNGLER an den Sohn FRANZ SPÄNGLER: Salzburg den 13.2.[18]71/ Mein liebster theuerster Franz! Daß ich von dir einen Brief erhalten habe ist schon sehr lange, und wie mir scheint nimt dich der Fasching so sehr in Anspruch. Den[n] wie wir durch Pireago [?] erfahren solst du jede Woche 2 Bälle in Wien mitmachen/ das ist doch gewiß, sehr viel -/ mir wird oft recht bange für deine Gesundheit, - und ich danke den lieben Gott, wen[n] der Fasching vorüber ist, Otto und Louise sind nirgens hingegangen, die Voch [Woche] wen[n] nur einmal, auf ein paar Stunden, ins [fehlt ein Wort?] schauen. Ich bin sehr froh, das die Krägen recht sind, so bist du in dieser Beziehung gut bestehlt. - Die Sachen wen ich sie bekomme werde ich sogleich außnähen, ich habe auch jetzt leichter Zeit, da der kleine Max nicht mehr lebt bin ich im bewirten mehr wieder für mich. Die Spängler Oma geht heuer gar auf keinen Ball, Sie sagt, sie müßte sich alles neu anschaffen und das freut sie nicht. Die Frau von glanz [?] ist neulich ganz je gestorben als sie ins Bett gestiegen/ die guggenbühler ist auch zum sterben, man hat ihr heute Nacht schon 3 mal das Licht eingehalten im Wochenbett. Die Prohascha soll auch sehr schlecht sein in Wochenbett. Ich freue mich den Adolf seine Gattin kennen zu lernen. Den Fasching Montag Abends bin ich bey Hothschizkas eingeladen und am Fasching dienstag bey dureggers so gott will das alles gesund bleibt, Was man nie sagen kann, Wie ich hoffe bist du lieber Franz gesund, ich hatte schon lange einen Husten und Schnupfen noch im[m]er, und gehe Abends sehr wenig auß/ bey Schmelzing sind beyde Unwohl, er hat starken Husten Sie liegt. schon lange an der Gicht. Eben höre ich das die Junge Wolfstein an den Folgen des Wochenbett sehr krank sein soll. Wegen: LXX Betti [Katzinger] lasse ich es den Otto üben es zu schreiben. Nun ist die Zahl der hübschen heurathsmeßigen Frauenzimmer nicht mehr groß. Lebe recht wohl mein lieber guter Franz schon deine Gesundheit, und sey recht herzlich gegrüßt und geküßt von deiner treuen Mutter Spängler/ Ein menge Bekante grüßen dich recht herzlich. Otto der kleine läßt dich recht schön grüßen, er glaubt immer du schreibst an ihm großmutter lies mir den Brief vor sagt er oft. - Vielfach ist kein Unterschied zwischen einem großen und einem kleinen „d“ zu sehen; kleines „d“ auch im Satzanfang wurde entsprechend nicht korrigiert [sollte aber vielleicht doch stehen]. Brief von Maria Antonia (Antonia) Spängler [geb. Lürzer; Nr.37], geb. 1803, verh. mit Franz Spängler [Nr.36]; gest. 1882 in Salzburg. Sie wohnen im Haus „Nr.48“, heute Mozartplatz 4 in Salzburg. Geschrieben an den Sohn Franz Spängler, geb. 1839 [Nr.18]; 1870 am Gericht in Mödling (1874 dann in Wien). - „Fasching“: bereits das Tagebuch von Franz Spängler von 1860/61 beginnt mit sehr ausführlichen Schilderungen der Tanzveranstaltungen in der Faschingszeit. Franz Spängler notiert genau, mit wem er welchen Tanz hatte, und das über viele Stunden hinweg. - „Otto und Louise“: Bruder Otto Spängler, verh. Aloisia Duregger; „Prohascha“: wahrscheinlich Prochaska (vgl. Dopsch, 1996, S. 698, Anm.154); „der kleine Max“: Bruder von [dem kleinen] Otto, geb. 1870, gest. 26.1 1871; „die Spängler Oma“: wohl Fanny Kobler [?], geb. 1796, siehe Briefschreiberin unten. - „Duregger“: Eltern der Bank-Linie der Spängler in Salzburg, Alois Duregger und Henriette Bolland (sie: 1810-1892; zu dem Bankhaus Duregger-Spängler vgl. Dopsch, 1996, S. 409); „Otto der kleine“: Otto Spängler, geb. 1868. | ||
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| + | ==== Franz Spängler an Fanni Schlegel ==== | ||
| + | FRANZ SPÄNGLER [Nr.18] an FANNI SCHLEGEL [Nr.19]: Brief heute früh zu meiner Freude erhalten, ausführliche Antwort nächstens. - Mdlg [Mödling] 24.6.1871 - Postkarte von Franz Spängler [Nr.18] aus Mödling an seine spätere Frau [Nr.19], „Frl Fanny Schlegel, Marktplatz, Salzburg“, gestempelt Mödling, ohne Datum, und Salzburg 25.6.71. | ||
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| + | Briefe „1871/1872“ (rot verschnürt, nicht gelesen) von Fanni aus Salzburg = Nr.19 Fanni Schlegel, 1848-1905, an Franz = Nr.18 Franz Spängler, 1839-1912, durchgehend mit Umschlägen (z.T. auf- und ausgerissen, z.T. fehlen Briefmarken usw.) „Herrn Doctor Franz Spängler kk. Gerichtsadjunkt in Mödling bei Wien“: 1.7.1871. – 25.7.71. – 17.9.71 von einem Freund aus Reutlingen. – 19.9.71. – 6.10.71 Karte. – 6.10.71 Brief. – 10.10.71. – Entsprechende Briefe von Franz = Nr.18 Franz Spängler aus Mödling an Fanni = Nr.19 „Frl Fanny Schlegel Salzburg Marktplaz N 10 II Stok“ = heute Alter Markt Nr.10; durchgehend mit Umschlägen, aufgedruckte Briefmarken, insgesamt gut erhalten: 29.8.71 von einer Freundin (?), d.G. [durch Boten]. – 30.8.71 nach Bad Adelholzen in Bayern. – 20.12.71. – 2.1.1872. – 3.1.72. – 12.1.72. – 21.1.72. – 26.1.72. – 28.1.[72] mit „Blümchen“ vom Gesangvereinsball. – 29.1.72. – 4.2.72. – 11.2.72. mit Papierblümchen. – 16.2.72. – 19.2.72. – 22.2.72 Karte. – 23.2.72. – 24.2.72. – 27.2.72 Karte. – 28.2. – 11.3.72 mit Einschreiben und einem Glücksklee. – 23.3.72. – 27.3.72. – 30.3.72. – Angefügt: Brief ohne Umschlag 9.3.72 von Ludwig Zeller, Salzburg. – 20.10.1872 aus Leitmeritz von der „Großmutter Katharina Schlegel“ = Nr.77 Theresia Heygel, geb. 20.10.1783, verh. Nr.76 Franz Schlegel; sie ist demnach 89 Jahre alt, als sie diesen Brief mit klarer Schrift an ihre Enkelin schreibt. – 24.9. ohne Jahr [1880er Jahre] von ?, Dank für Kinderfotos. | ||
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| + | Briefe u.ä. [rot verschnürt, nicht gelesen] von verschiedenen Personen an Nr.18 Franz Spängler: Blatt unbekannter Herkunft mit Beschreibung „...[Salzburg] Nachtwandler... Dr.Franz Spängler in Gedanken tief versunken... Marktplatz dann Milchgassel...“; Bleistiftzeichnung ohne Hinweise: Franz Sp. verspeist ein Ferkel [Foto bei Nr.18]; kleines Blatt „Meinem guten lieben Dr. Franz... treu ergebener Schlögelhofer“; Salzburg 21.8.1843 [?]... Die Hofrichtrischen [Spängler] lassen dich ganz besonders grüßen.“; Salzburg 6.6.1867 [?]... Franz Zeller“; Salzburg 2.8.1871... , ... Lanser, beiliegend Visitenkarte „Madame Auguste d’Engerth née Lanser de Moos et Festenstein.“; „A.K.“ Kuchl 30.11.1871, Mein lieber Freund!... dein stets dankschuldiger Freund Al. Kalhofer Caaej. [? Bei den Stammbuchblättern für Nr.18 Franz Spängler = „Alois Kalhofer, 1854“]; Wien 28.6.1872 mit Umschlag ...Dr.Franz Spaengler... Mödling... „Geehrter Herr!... Eduard Herbst [?]; Postkarte Wien 3.11.1874 an Franz Sp. Mödling... Glückwünsche; Postkarte Kitzbichl 14.8.1893 an Familie Spängler Salzburg „Haus zur Hölle Judengasse“ von Familie A. „...im Namen aller Elsa“. [keine Verweise geschrieben] – Von mir zusammengebunden mit: Briefe [nicht gelesen] an 18 von Nr.18 a Otto Spängler: „Donnerstag früh. Lieber Franz!... finanzielle Abrechnungen 1872; Briefbogen „Regierungsrat Dr.Otto Spängler Salzburg“ „Lieber Franz!... [ohne Datum] dein treuer Otto“. - Von mir zusammengebunden mit: Briefe u.ä. [nicht gelesen], Nr.18 betreffend: Notizen von Franz Sp.: „Georg Spängler, Bürger. Wirt u Gastgeb in Stertzing / dessen Bruder Hanß Spangler Wirt u Gastgeb am Sandt in der Herrschaft Tauffers / Georg Spängler Weingutbesitzer in Dietenheim bei Bruneck (geb. um 1681) Sohn Franz Anton geb 1705“; finanzielle Notizen, ohne Jahr; Briefrest ...“behalte lieb deinen treuen Franz“ und Auflistung 20.Jänner mit einem Gedicht [?]...; Brief Mödling 18.1.1872 „Meine liebe Fanny!... [ohne Ende?]; Blatt „13“ bis 1.März“ mit Liebesbeteuerungen [?]; dito mit Bleistift „10.“ bis „30.“ und 31. Nachtrag 1833...1846“; mit Bleistift Notizen= Gästeliste [?]: Fanny / Franz / Großmutter [Fanny Kobler] / Mutter / Dr.Schlegel / u Frau / Dr.Otto Spängler / Louise / alte Laschenky / Frau Schneeberger / Richard / Rosa / Lida Schlegel / Dr.Scumacher / u Frau Emma / Wahl / Wahlin / Onkel Alois / u Tante / Tante Lürzer / Angest u. Anna / Resi Spängler / Praelat / Aichinger / Carl Spängler / Leopoldine u / Rudolf Spgl / Marie / Lorinser Mina / Carl Laschensky / Gattermayr / Ludwig Zeller / Anna Spängl / Ida; Blatt mit Wohnungsskizze; Correspondenzliste 1860/61; kleiner Briefumschlag aufgerissen an Fanny Schlegel Hier Marktplaz, Franz Sp. Salzburg Aschermittwoch 1869, „Bitte“ in Mundart, zwei beschriebene Visitenkarten Franz Sp. Salzburg/Mödling 1871, „Liebe Lida u. Fanny!... Marie Wahl [?] 3.6.1871. [Keine Verweise zu den anderen Jahreszahlen geschrieben.] | ||
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| + | ==== Franz Spängler an Fanni Schlegel ==== | ||
| + | FRANZ SPÄNGLER an FANNI SCHLEGEL: Mödling 4 Sept. 1871/ Meine liebe Fanny! Heute Morgens 8 ½ Uhr - früher als ich gehofft hatte - erhielt ich Ihren lieben Brief, u. ich fühle mich verpflichtet, Ihnen insbesondere zu danken, d[a]ß Sie die lezten Augenblike Ihres Aufenthaltes in Adelholzen noch der Correspondenz mit mir widmeten, u. dann in Salzburg angelangt, sobald dieselbe fortsezten. - Daß Sie glüklich heimgekommen sind, freute mich zu hören, doch hatte ich dieß ohnehin gehofft. Auch danke ich Ihnen für die Beantwortung meiner Fragen, u. bin doppelt befriedigt dß jenes Ereigniß vom Fasching Dienstag 1869 Ihnen wieder eine angeneme Erinnerung verursacht, noch irgend welche Folgen nach sich gezogen hat. - Was die junge Baronin Haan betrifft so hoffe ich, dß Sie sich seinerzeit selbst überzeugen werden, dß eine „Schwärmerei“ für dieselbe bei mir dann doch nicht vorhanden ist, u. dß Sie keine Ursache zu einer Eifersucht haben werden/ Uebrigens neme ich die Versicherung, dß Sie zu dieser Leidenschaft keine Anlage in sich verspüren mit Vergnügen zur Kenntniß; u. ich kann nur den Wunsch u[nd] die Hoffnung aussprechen, dß dieß eine Kapitel nie, das nie im Ernst zwischen uns verhandelt werden möge. - Ich glaube auch, dß dieselbe wir im Stadium glüklichen Besize ganz fremd sein werde, wenn gleich ich nicht behaupten will, dß sie mir bisher ganz fremd geblieben sei; denn insbes. zu jener Zeit, wo ich, - sei es mit Recht od[er] Unrecht, - Karl Schmid von Lida für bevorzugt hielt, war sie in mir ziemlich rege. Doch das liegt nun als längst vergangen u. abgeschloßen hinter mir, u[nd] soll auch auf sich beruhen. - Heute haben wir die Landtagswal gehabt, u der von uns aufgestellte verfassungstreue Candidat ist hier sowol, als in den 3. andern Orten, die zu unserm Walbezirk gehören, mit großer Majorität gewält worden. Hiermit ist auch die Funktion des Walcomité zu Ende/ das glüklicher Weise ohnehin nicht gar viel zu thun hatte, u uns ist die Sache - was mir sehr angenem ist, so abgelaufen, dß ich nicht einmal in die Notwendigkeit kam, meiner Opposition gegen das jezige Ministerium öffentlichen Ausdruk zu geben. - Wenn ich noch etwas aus meinen hiesigen Verhältnißen heute bespreche/ so ist es das, dß die von mir ausgedrükte Befürchtung einer Störung des bisherigen collegialen Verhältnißes im Amte nicht dahin geht, dß der neue College sich unaufrichtig od falsch gegen uns benemen, od sich Verdrehungen, od Verhezungen schuldig machen werde/ sondern dahin, daß er nicht gerne arbeitet, u daher stets bemüht sein wird, so viel Arbeit als möglich von sich u auf uns hinüber zu wälzen. - Denn das ist eine Eigenschaft so vieler junger Leute, besonders derer die in sehr günstigen Vermögensverhältnissen aufgewachsen sind, zu glauben, dß sie dies Arbeiten anderen überlassen können/ dß sie für eine regelmäßige od gar angestrengte Thätigkeit zu gut seien. - Ich bin Gottlob dafür erzogen u auch durch meine bisherigen Verhältniße dazu geführt worden, die ehrliche Arbeit u. eine regelmäßige ernste, möglichst auch für andere Nuzen bringende Thätigkeit als eine Hpt[Haupt]aufgabe des Menschen anzusehen, treu dem schönen Worte Schillers. - Arbeit ist des Bürgers Zierde/ Segen ist der Mühe Preis/ Ehrt den König seine Würde,/ Ehret uns der Hände Fleiß. - Darin finde ich jene echte Bürgertugend, die den Staat u die menschliche Gesellschaft erhält u. stets neu belebt. Und ich hoffe u. erwarte, ja ich verlange von meiner Lebensgefährtin die gleiche Gesinnung, dieselbe echt bürgerliche Lebensanschauung u. diese Anschauung soll auch in meiner Familie - so Gott will - fortgepflanzt werden. - Diese Lebensauffassung ist aber gerade in Wien, wo es so viele mühelos reichgewordene Leute gibt, in manchen Kreisen abhanden gekommen, u gerade so häufig trifft man es daß die Söhne solcher Männer, die sich durch sich selbst durch ihre eigene Thätigkeit u. Zünftigkeit emporgebracht u. zu günstigen Vermögensverhältnißen u. einer schönen Lebensstellung erschwungen haben, statt nun den Genuß des von den Eltern erworbenen im Auge zu haben, aber es nicht mehr für nothwendig halten, diejenigen Eigenschaften ihres Vaters in sich zu pflegen, u. fortzu üben, durch die er u. mit ihm auch sie selbst das geworden sind was sie nun sind. - 5 Sept 1871 früh./ Wir haben nun wenigstens die Zusicherung einer Aushilfe erhalten, u ich hoffe daß der Auskultant der hieher kömmt, im Laufe dieser Woche kommen wird, u. dß er verwendbar ist; hievon wird es abhängen, ob ich noch Ende dieser Woche werde abkommen können, doch hoffe ich wenigstens das als gesichert betrachten zu dürfen, dß ich im Laufe des September nach Salzburg kommen kann. Wenn es möglich ist, werde ich sicher bis Freitag od Sonntag nach Salzburg [zu] kommen. Ich bitte Sie daher die Antwort auf diesen Brief mir entweder wo möglich schon bis Donnerstag hieher zu kommen zu lassen, od sonst ihn erst am Freitag, wenn ich nicht inzwischen nach Salzburg gekommen sein sollte abzusenden. Soll ich es Ihnen noch zuvor anzeigen, ob und wann ich komme? - Wenn ich mich nun auch so sehr freue, das zur festen Gestaltung gelangen zu sehen, was vor nun vollen 3 Monaten begonnen wurde, so kann ich mich doch öfters des Gedankens nicht erwehren/ ob ich denn wol Sie glüklich zu machen im Stande sein werde ob nicht so manche Eigenschaft sich in mir finden wird, die Ihnen mißfallen wird/ ob endlich nicht jene Stimmung, die schon einmal in einer Sie beunruhigenden Weise in einem meiner Briefe Ausdruk fand, u. die manchesmal - wenn auch nur vorübergehend - auch später noch sich einstellte, jene Stimmung in der ich von einem nicht auf ein würdiges Ziel gerichteten Ehrgeize, von einer zu großen Wertschäzung bloß an Äußerlichkeiten befangen, ja vielleicht geneigt war, selbst von jener echt bürger[lichen] Gesinnung/ die ich oben betonte, abzuweichen, sich in störender Weise wieder geltend machen könnte, u. Ihnen Schmerz bereiten könnte. Nemen Sie diese offenheit nicht übel, mißdeuten Sie diese Worte nicht; ich mußte dieß sagen, um offen gegen Sie zu sein; ich hoffe aber, dß insbesondere auch diese lezte Befürcht[un]g sich als grundlos herausstellen werde; ich hoffe, dß die getroffene glükliche Entscheidung u. Ihre Liebe mir die Kraft geben wird, solche Störungen, wenn sie überhaupt noch hereintreten sollten glüklich zu beseitigen. Gott gebe dazu die Gnade! - Doch ich muß mich für heute dem Schluße zuwenden; baldige Fortsetzung, sei es mündlich od schriftlich! - Zum Schluße nun noch das eine, dß mir die Mutter in ihrem lezten Briefe mittheilte, daß in Salzburg bereits von uns als Brautpaar gesprochen würde. Mein Bruder, den die Mutter vor kurzer Zeit die Sache mittheilte, hat mir auch bereits in diesem Sinne gratuliert/ Nun leben Sie recht wol, schreiben Sie mir recht bald, grüßen Sie die Großmutter u. seien Sie herzlichst gegrüßt u geküßt von Ihrem treuen/ D[r] Spängler - Franz Spängler (Mödling, Wien) an seine spätere Frau Fanni [er schreibt Fanny] Schlegel (Salzburg). Viele Wörter zusammengeschrieben (hier nicht vermerkt); Abkürzungen (‘u’ bzw. ‘u.’ für ‘und’; ‘od’ für ‘oder’) sind belassen; mehrfach ‘k’ für [heute] ‘ck’, ebenso belassen. Briefumschlag, ohne Absender, gestempelt Mödling 5.9.71, Wien 5.9.71 und Salzburg 6.9.71: „Fräulein Fanny Schlegel, Salzburg, Marktplatz N 10, II Stok“. „Lida“ [Guttenberg; Freundin]), auch genannt in weiteren Briefen. – Abbildung = undatiertes Foto der Fanny Schlegel in jungen Jahren | ||
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| + | [bei den Briefen von Nr.37 ANTONIA SPÄNGLER, an den Sohn Nr.18 FRANZ SPÄNGLER, 1872 verh. mit „Fany“, FANNI SCHLEGEL]: 7.9.1871 Telegramm aus Mödling an: Antonia Spaengler, Mozartplatz 73, Salzburg: Ich komme morgen frueh. Benachrichtigen Sie auch Fany = Dr Spaengler. | ||
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| + | Briefe [rot verschnürt, nicht gelesen] Nr.18 Franz Spängler an Nr.19, alle mit Briefumschlägen, aufgedruckterBriefmarke und dem Siegel „F. Sp.“, von Mödling an „Fräulein Fanny Schlegel Salzburg Marktplaz 10. II Stok.“ =18.9.1871; Postkarte 21.9.; 22.9. Einschreiben, beiliegend Visitenkarte Franz Spängler; 25.9.; 28./29.9.; 2./3.10.; 5.10. ohne Umschlag; 8.10.; 12./13.10.; 16.10.; 19./20.10.; 21.10. Einschreiben, ausführlich mit Wohnungsgrundrissen; 22.10. Wohnung; 28./29.10.1871. | ||
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| + | ==== Fanni Schlegel an Fanni von „Lonchen Ziegler“ ==== | ||
| + | 21.9.1871 an FANNI SCHLEGEL (1848-1905; Nr.19), verh. Spängler 1872: Brief aus Würzburg an Fanni von „Lonchen Ziegler“ [nicht gelesen]; dito 11.1.1872; Visitenkarte „C.A.Ziegler“ und „Frau von Kobler und Fräulein Fanny unsere herzlichsten Glückwünsche“; Karte handschriftlich „C.A.Ziegler wohnt im Hause des Herrn Hofrath Dr.Riencker kgl. Universitäts Professor Würzburg.“; Gedichtezettel „Ob Du auf stolzer Burg...“, gedruckt Salzburg o.J.; Visitenkarte „C.A.Ziegler“ und „Fräulein Fanny Schlegel; herzlichen Dank für außerordentlich liebe Zeilen und innigste Grüße an sie und Frau von Kobler von Ziegler und Frau, Würzburg 27.10.1871“; Glückwunsch mit 2 Bildchen „Juristen lieben ‚die Fälle’ und je interessanter solche sind, desto pikanter für den Herrn Rechtsgelehrten. – die schönsten der Fälle sind aber doch immer die: ‚bis tief ins Herz hinein’! Drum meinen Glückwunsch für Sie und den Mann, der ein so herzig’ Kind lieben kann! Würzburg 22.9.71 Ziegler“. Alles im Umschlag „Wohlgeboren Fräulein Fanni Schlegel [bei] Frau Fanni von Kobler Salzburg“ [Briefmarke entfernt; Siegel] „C.A.Z.“ | ||
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| + | ==== Fanni Schlegel an Franz Spängler ==== | ||
| + | Briefe von FANNI SCHLEGEL (Nr.19) an FRANZ SPÄNGLER (Nr.18): 24.9. „Herrn Doctor Franz Spängler, k.k.Gerichtsadjunkt in Mödling bei Wien“, Stempel auf 15 Kr. Salzburg 24.9.1871, Einschreiben, rotes Lacksiegel „F. S.“ [Fanni Schlegel], Vermerke Franz Sp. „XXIII. erh[alten] 25/9 beantw[ortet] 25/9“: Salzburg 23.September 1871, 8 Uhr Abends. Mein lieber Franz! Ich muß schon bei dieser Aufschrift bleiben, da ich sehe, daß sie dir Vergnügen macht, sonst hätte ich mit „Hochgeehrter Herr Doktor“ meinen Brief überschrieben. Deinem Briefe, für den ich dir herzlichst danke, hatte ich schon recht ungeduldig entgegen gesehen, da ich mich schon gestern auf Nachricht von dir gefreut hatte. Ich danke dir aber auch für die Aufmerksamkeit, mir mittels Postkarte den Empfang meines Briefes zu bestätigen, sowie für die beiden Ansichten meiner künftigen Residenz. – Beiliegend folgen die zwei Fotografien, damit du vergleichen kannst, ich bin neugierig, dein Urtheil zu hören. Wenn ich aufrichtig sein soll, muß ich sagen, daß ich keine besonders gut finde. Ich bitte dich zugleich, mir zu sagen, wie viele Exemplare ich von der einen oder der anderen bestellen soll? Deine gute Mutter hat beide gesehen und findet beide schlecht, so daß sie meint, wir sollen gar keine kopieren laßen. Jedenfalls, meine ich, lassen wir nicht viele Abdrücke machen. Bestimme nur wie viel du brauchen wirst. – Die Brustbilder von dir wurden, so weit es möglich ist, ein wenig dunkler gemacht, ich war heute im Vorbeigehen bei Baldi. Gegen Ende der nächsten Woche werde ich die Brustbilder bekommen. Ich freue mich, daß meine Mahnungen zur Geduld gefruchtet und du nun einsiehst, daß es nicht thunlich wäre vor dem nächsten Frühling an Hochzeit zu denken. – Zum Lohn dafür will ich dir auch erzählen, daß ich mit allem Eifer an die Ausstattung gehe und gestern bereits eine ganze Menge Namen ausgetrennt habe, eine durchaus nicht geistanstrengende, dafür aber ziemlich mühevolle Arbeit. Wie oft dabei meine Gedanken in die Zukunft schweifen, kannst du dir vorstellen. – Auch mir wird mancher Winterabend recht lang werden, wenn ich bei einem Buche oder irgend einer Arbeit sitzen werde, doch nehme ich mir vor, recht fleißig an der Einrichtung des künftigen, eigenen Nestchens mitzuhelfen. – Heute Nachmittag kauften wir in Gesellschaft deiner Mutter Leinwand ein. Die gute Mutter trug mir viele Grüße an dich auf, da ich sagte, daß ich dir heute Abend schreibe. – Auch in meine Hände gelangten mehrere Glückwünsche, unsere Verlobung betreffend, so von Fr: Maria Spängler, geb. Bernstein [Pernstein, Frau von Franz Seraphin Spängler, Cousin], von Lotti Katzinger ein besonders lieber Brief, in dem sich ihre Freude ausdrückt, daß die Festung doch endlich kapituliert hat, dann Karten von Direktor Dauner [?] u. Frau aus Ellwangen und ein lieber Brief von Fr: Ziegler und Gemal aus Würzburg, die sich auch dir empfehlen. Daß ich von Fr. v. Dauner kürzlich einen Brief bekam, glaube ich schon geschrieben zu haben. – Ich mußte lachen bei der Erzählung, was die Leute Alles in meinem Gesichte lesen wollen und fühle mich sehr geschmeichelt daß man mich für so jung hält. Nur meine ich, du sollst die Neugier der Leute auf meine werthe Person nicht so reizen, sonst sind sie zu sehr enttäuscht wenn das Original erscheint. – Drum fände ich es auch ganz und gar überflüßig, ihre Neugierde auch noch mit Zeugnissen meiner selig entschlafenen Muße zu unterhalten [von ihr existieren einige Gedichte, im Poesiealbum und ohne Namen, von denen ich bereits vorher vermutete, es seien eigene Texte], und ich bin froh, daß sich Nichts hiervon in deinen Händen befindet, und werde mich wol hüten etwas davon an dich gelangen zu laßen, damit du es mitthe[i]len könntest. – Ich beherzige gar sehr, was Elise Polko [?] über den Punkt des Dichtens bei Frauen und Mädchen sagte, und bitte dich recht herzlich, Niemand davon zu erzählen, und jenen die davon wißen, recht in Erinnerung zu bringen, daß es zu den verklungenen Dingen gehört, daß ich einst Verse machte. - - - Ich bin dir sehr dankbar, daß du in solcher Weise bei Buschmann mich vertheidigt hast. Von dem Aufenthalt meines Vaters weiß ich nichts, er hat an die Mutter nur einmal geschrieben, daß es ihm u. seiner Begleitung gut geht und daß sie irgendwo in die Schweiz reisen, aber daß er nicht weiß, wohin er einen Brief schicken laßen sollte. Ich denke die 3 Doctoren werden bis Dienstag heim kommen, weil am selben Tag Minna Lorinser von Wien kommt, sie wird dann einige Zeit bei uns bleiben. Ich freue mich sehr auf sie. Auch von ihr bekam ich einen lieben Brief. Morgen wenn es schön ist, gehen Lida u. ich mit Zeller über Glanegg nach Reichenhall, daher ich heute schon meinen Brief schließe, sonst hätte ich noch morgen etwas hinzugefügt. Lebe recht wol und behalte lieb deine treue Fanni. Good night – Großmutter grüßt dich/ Meine Mutter grüßt dich. Hr: Rudolf [Franz Seraphin; „Rudolf“ ist mit Marie Weinwurm verh.] Spängler u. Frau Maria Sp: geb. Bernstein [Pernstein] grüßen gleichfalls. - [1871] ohne nähere Zuordnung bei der Korrespondenz Visitenkarten von: „Emil Ritter von #Guttenberg k.k.Rittmeister“ (handschriftlich: Meine herzlichste Gratulation zur Verlobung! Dein getreuer Vetter“); „Minna von Guttenberg née de Launsperg“ (Herzlichen Glückwunsch! durch Abwesenheit verspätet); „Stephanie de La Croix Langenheim“ (p.f.); „Georg Adensamer“ (p.f.); „Johanna Adensamer“ (p.f.); „Josef Adensamer“ (p.f.). – Vgl. undatiertes Foto Fanni Spängler und Freundin Lida Guttenberg, auch genannt in mehreren Briefen. Sonstige Personen nicht identifiziert. | ||
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| + | ==== Bruno an Fanni Schlegel ==== | ||
| + | 25.9.1871, an FANNI SCHLEGEL Brief aus St.Johann [im Pongau]: „Liebe Fanni! Als altem Bekannten und Spielkameraden wirst du mir wol erlauben, dass ich dich auch noch heute ‚du’ nenne, wo ich dir schreibe, um dir nebst meinem Danke für die Verlobungsanzeige meinen aufrichtigen Glückwunsch zu der von dir getroffenen Wahl auszusprechen u. dich zu bitten, denselben auch deinem Bräutigam zu entrichten... wie ich gehört habe, kommst du nach Wien; ich bin dir darum unbeschreiblich neidig... Wie gehts der Großmutter?... Mit den herzlichsten Glückwünschen grüßt dich Dein Bruno XXX. Auch an deinen Vetter und Lorinser viele Empfehlungen!!“ | ||
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| + | ==== Fanni Schlegel an Franz Spängler ==== | ||
| + | 1871 Briefe von FANNI SCHLEGEL (Nr.19) an FRANZ SPÄNGLER (Nr.18): 27.9. dito 5 Kr. gestempelt: Lieber Franz! Mit großer Freude empfing ich gestern deinen lieben Brief und danke dir hiefür herzlichst. Daß du so viel Glück im Scheibenschießen hattest, freut mich, das ist ja ein ganz neu entdecktes Talent. Du hast auch Recht, daß ich dir ganz gewiß nicht böse bin, weil du dich vom Tanze nicht ausgeschloßen, ich weiß ja doch, daß du recht oft meiner gedenkst, wenn auch Vergnügen oder Arbeit Ansprüche an dich erheben. Und daß ich dann überzeugt bin u. sein darf, macht mich glücklich, denn herzliches, unbedingtes Vertrauen gehört meiner Meinung nach zu dem rechten Glücke. Nich[t] wahr, du bist auch überzeugt, daß ich oft, recht oft liebend dein gedenke, auch mitten in der schönsten Prosa des täglichen Lebens und im Kreise der um mich versammelten Freunde? – Der am Sonntag unternommene Ausflug von Glanegg nach Reichenhall war recht hübsch, wir waren alle recht heiter, und es wurde öfters von dir gesprochen, noch öfter beschäftigten sich meine Gedanken mit dir. Daß es nicht ohne obligate Neckerei abging [siehe unten, am Rand], kannst du dir denken. Jetzt scheint auch Ludwig wieder heiterer zu werden, wenigstens am Sonntag war er recht lustig und freundlich. Das Resultat der Parthie für mich ist ein kleiner Husten, den ich mir wol durch eigene Unvorsichtigkeit zugezogen habe. Ich muß daher heute zu Hause bleiben, obwol Minna seit gestern Abend bei uns ist. – Mein Vater und die beiden Doktoren sind heiter und wolbehalten von ihrer Reise zurückgekehrt. Meinen guten Vater hat es sichtbar sehr gut gethan, daß er einmal wieder draußen war aus der täglichen Arbeit. – Daß man in Wien auch schon von meinem Zitherspielen weiß, und am Ende weiß Gott was davon erwartet, macht mich fast bange. Bitte, sage den Leuten doch, daß sie sich nur ja keine großartige Vorstellung von meinen Leistungen machen sollen, sonst bin ich, wenn ich je einmal veranlaßt sein sollte vor Fremden zu spielen, so ängstlich, daß ich gar nichts kann. Damit du siehst, daß ich in dein Versprechen, über meine „selige Muße“ gegen Niemand etwas zu erwähnen, volles Vertrauen se[t]ze, sende ich dir beiliegendes Blatt [liegt nicht bei], worauf ich in Eile etwas abgeschrieben habe, aber nicht wahr, Niemand zeigen. Bitte, bitte. – Ich lese gewissenhaft jeden Abend das bestimmte Gedicht in deinem Buche, darnach gewöhnlich noch zwei oder drei andere. Für heute Abend trifft Einkehr Seite 20. – [am Rand verkehrt:] Minna sagt „Sie gratuliert dir zu der garstigen Frau, die du an mir kriegst! – Ich habe neulich vergeßen, über das Kapitel von der „Pantoffelherrschaft“ zu sprechen. Sei es denn heute! Ich habe ganz und gar nicht den Wunsch, einen Pantoffelhelden zum Mann zu bekommen, und kenne und anerkenne das Wort der hl. Schrift „Und er soll dein Herr sein.“ Wie es um meine Energie dir gegenüber bestellt ist, davon habe ich im Punkte des Dusagens einen recht hübschen Beweis geliefert sollte ich meinen. - - - Übrigens bin ich gewillt, den äußeren Lebensverhältnissen mit der notwendigen Energie entgegen zu treten und hoffe auch, daß zuweilen auch das Wort der Frau im häuslichen Rath wird gelten dürfen nicht wahr? Es bleibt dabei! – Es ist mir nur möglich eine Verlobungskarte zu schicken, weil ich auf den besonderen Wunsch an den Bürgermeister Mertens [die Freundin Camilla ist die Verlobte von dessen Sohn Demeter Mertens] eine Anzeige schicken mußte. Wegen der „bösen Zungen kann ich dir leider nur ungenügend dienen. Meine Großmutter findet dermalen die Nummer welche wir haben, nicht, wenn sie dieselbe findet, werde ich sie dir schicken. Doch glaube ich sicher zu wißen, daß in dieser Nummer nichts über Mödling steht. Sobald es mir möglich ist, werde ich bei Hr: Rudolf Spängler [Cousin, geb. 1830, Apotheker und Vizebürgermeister] die Nummer und genaue Adresse zu erfahren suchen. – Von der Gruppenfotografie werde ich nur ganz wenige Exemplare bestellen, lieber nur ½ Dutzend, ich muß aber selbst mit dem Fotografen sprechen. – Wegen der Wiener Reise werde ich mein Bestes thun, ich würde mich ja selber so sehr freuen, wenn ich nach Wien käme! – Neulich kamen Beglückwünschungen in meine Hände von Maiersfels in Enns, vom Hofrat Schroff von Frl: Helene Schreiber aus Stuttgart und von Willi Gattermayer aus St.Johann, der sich dir empfiehlt und auch dir gratuliert. Er schreibt, daß du bei den St.Johannser Frauen noch immer im besten Andenken stehst. Aber werde nur nicht zu eitel deßwegen! – Ich schließe mit der Bitte mir wieder recht bald zu schreiben. Es umarmt dich deine treue Fanni. Grüße von Großmutter Vater u. Mutter u. v. Minna Lorinser. - „#Mertens“: vgl. „gesammelte Todesanzeigen“ von u.a. Anna Edle von Mertens, geb. Steinbauer, Wien (1819-1906), Tochter: Anna Aigner. - Heinrich Ritter von Mertens, kaiserl. Rat und Bürgermeister von Salzburg (1810-1872), Schwiegertochter: Camilla. | ||
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| + | ==== Antonia Spängler an Franz Spängler ==== | ||
| + | ANTONIA SPÄNGLER an den Sohn FRANZ SPÄNGLER: Salzburg den 29.9.[18]71/ Mein inigstgeliebter Franz! Schon lange wollte ich dir schreiben, allein die Zeit mangelt mir immer, ich weiß oft nicht wo anfangen, wir haben schon sehr viel gekauft, und brauchen doch noch eine Menge. Otto wird dir geschrieben haben wie viel wir schon geld außgegeben, aber wir brauchen gewiß noch mehr mehr als 100 fl [Florin: Gulden]. Ich sage dir in ganz kurzen. ob es dir recht ist die Junge Fany hat 30 Stück Sacktuchen ganz neue von den Mama [?] gerade in der größe wie du sie wünschest, sie möchte kleine und ich fürchte, keine so großen zu bekommen wie du sie wünschest, die Fany würde 30 Stück kleiner kauffen, und würde den dieselben ihn bezahlen, und ich die ande[r]n 30 Stück für dich merken lassen, und noch 6 Stück dazu kauffen damit es 36 sind, die Nachthemten habe ich schon zugeschnitten und eines haben wir schon in machen auch auf 6 Taghemten habe gekauft. Ich bin froh das es dir gut geht, und ich denke, es wird dir die Zeit auch nicht zu lange werden/ besonders wen du um Weihnachten wieder kämst. Die Fany hat auch sehr viel zu thun, sie möchte auch gerne deine Leintücher machen, und auch das Tischtuch, und die 12 Servieten säumen damit alles gleich wird, sehr hübsch ist das Tischzeug eben so die Handtücher/ der Fany welche dabei war wie ich es kaufte, gefällt es sehr gut zusammen 25 fl die Leintücher 23 fl zu denen Zirheln [?] hat es auch 8 fl 98 gekostet und so ist alle Augenblicke etwas anders. Die Bomberger ist hier sie läßt dich recht herzlich grüßen. Lebe recht wohl für heute muß ich schließen/ es grüßt dich recht herzlich im geiste deine treue Mutter Spängler. - Brief von Maria Antonia (Antonia) Spängler [Nr.37] an den Sohn Franz Spängler [Nr.18], 1870 in Mödling . „Otto“: Bruder von Franz, geb. 1841, verh. Duregger; „Fany“: Franziska (Fanni) Schlegel, geb. 1848, dann 1872 verh. mit Franz Spängler. | ||
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| + | ==== Leopold von Lürzer an Richard Schlegel ==== | ||
| + | 30.9.1871, Brief von Leopold von Lürzer an Nr.38 Richard Schlegel: Hall [Tirol] am 30te Septbr 1871. - Euer Wohlgeborener! – Sehr erfreut war ich bei meiner Rückkehr aus Achenthal, wo ich einige Zeit zubrachte, über Ihre freundliche Mittheilung der Verlobung Ihrer Fräulein Tochter Fani [Nr.19 Fanni Schlegel] mit meinem lieben Neffen Franz Späng[l]er [Nr.18], welche Sie mir nebst meinem herzlichen Glückswunsche schönstens und vielmals grüßen wollen. – Indem ich Ihnen für diese Nachricht vielmals danke in der Hoffnung daß sich seiner Zeit die Gelegenheit biethen dürfte das Vergnügen zu haben Sie persönlich kennen zu lernen sowie deren verehrte Familie welche ich mich empfehlen lasse, zeichne ich mit Hochachtung – Euer Wohlgeborener – ergebener künftiger Vet[t]er Leop. von Lürzer [37 c Leopold Lürzer von Zehendthal] von mir beigebunden anderen Briefen zur Verlobung: Briefe (rot verschnürt) an Nr.19 Fanni Schlegel (1848-1905) zur Verlobung 1871 von u.a. Anna Lori (Lorinser?; München), Helene Schreiber (Stuttgart; siehe auch Klaiber ?), Wilhelm Kobler, Franz und Maria (Ried), Schwiegermutter Spängler (mit Verlobungsanzeige von Betti von Lanser mit August von Engerth, Salzburg 1871). Helene Klaiber (? geb. Schreiber; Göppingen, und weitere Briefe mit Fotos und aus Ellwangen), Christian Auer Mayer (Neumarkt), Wilhelm Fenzl, Onkel Vinzenz (Schlegel; kathol. Pfarrer in Leipzig), Freundin Lentli (? Ottmersheim), Hermann Lielermann, Anna Schof (?) und – bereits übertragen – von Leopold von Lürzer 30.9.1871. - Beigebunden versch. gedruckte Blätter zu Theater und Veranstaltungen in Salzburg: „Gültig für Herrn Kobler und Familie“, schwarz gedruckt, Einladung zum Gesellschafts-Ball... 17.1.1841 im Museumssaale. – [2 Hefte:] Programm zur Feier der fünfhundertjährigen Vereinigung Tirols mit Österreich, Innsbruck 1863. – Sylvester-Abend 1867 im Handels-Casino in Salzburg (mit handschriftlichen Notizen mit den Namen der Ausführenden, u.a. auch Dr.Franz Spängler) [doppelt]. – Programm der Abend-Unterhaltung im Handels-Casino... 15.3.1869, zwei Theaterstücke, mit handschriftlichen Notizen der Namen der Ausführenden, u.a. Fanni Schlegel. – Theaterzettel ohne Jahr. – [Heft:] Festspiel... gespielt von den Enkeln... Goldene Hochzeit... Alois und Therese Spängler, Salzburg 1873. – [Flugschrift:] A Brief von Franz vo Piesenham... 26.7.1874. | ||
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| + | 30.9.1871, Brief mit Umschlag FANNI SCHLEGEL, Salzburg, an k.k. Gerichtsadjunkt Dr.FRANZ SPÄNGLER, Mödling bei Wien: Sie ist „still zufrieden und daß ich für unser künftiges Heim einiges selbst arbeiten kann“; möchte nach Wien kommen, „noch ist aber wenig Aussicht vorhanden, daß Großmutter diesen Wunsch erfüllen wird“; fortgesetzt Sonntag, 1.10., „du frägst, mein Lieber, ob ich der Engel sein will, der sich an deine Seele schmiegt [ach der Engel ist nur ein armes, schwaches Menschenkind, das wol allerlei gute Vorsätze, aber sehr viele menschliche Schwächen und Fehler hat und von englischen Eigenschaften gar wenig in sich verspürt. [...] Ich will dir einmal eine recht böse Eigenschaft von mir bekennen. Sieh, wenn ich die Großmutter um etwas bitte, erlaubt sie es mir meist nicht sogleich, sondern schlägt manchmal meine Bitte rundweg ab. Hätte ich die Geduld, meine Bitte zu wiederholen, so würde mir dieselbe in vielen Fällen gewährt.“ Man hat ihr gesagt, dass sie als Frau nicht mehr freien Willen haben wird, denn als Mädchen jetzt... „allzeit wird der Mann sie beherrschen“ [...] ‚Und er soll dein Herr sein.’ - Bekam einen Brief von Pfarrer Vinzenz Schlegel, sie hat von der Verlobung an die böhmische Großmutter in Leitmeritz geschrieben, wo Vinzenz gerade auf Ferien war. – Hat aus Zeitmangel die Singstunden aufgegeben. Sollte Franz das dennoch wünschen, so müßte er drei Jahre warten (bis sioe wieder Zeit hat). „Ich bitte mir in diesem Punkte deinen Willen bekannt zu machen.“ Dagegen bekommt sie jetzt mehr englische Stunden; „derweilen spreche ich manchmal mit Minna englisch.“ Minna erzählt ihr über Wiener Verhältnisse; Fanni fühlt sich ratlos gegenüber den möglichen Verhältnissen in Wien, macht sich auf „allerlei größere oder kleinere Ungeschicklichkeiten gefaßt, ehe der Haushalt seinen regelrechten Gang bekommen wird.“ | ||
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| + | Oktober bis Dezember 1871 = „1871 und 1884, 1887“ Briefe (rot verschnürt, nicht gelesen) von Fanni aus Salzburg = Nr.19 Fanni Schlegel, 1848-1905, an Franz = Nr.18 Franz Spängler, 1839-1912, durchgehend mit Umschlägen „Herrn Doctor Franz Spängler kk. Gerichtsadjunkt in Mödling bei Wien“, 10. und 11.10.1871. – 14./15.10. – 18.10. – 22./23.10. – 26./27.10. mit Einschreiben. – Briefe von Franz = Nr.18 Franz Spängler aus Mödling an Fanni = Nr.19 „Frl Fanny Schlegel Salzburg Marktplaz N 10 II Stok“ fast durchgehend mit Umschlägen, aufgedruckte Briefmarken, 30.10.1871. – 4.11. ohne Umschlag. – 9.11. Einschreiben, mit zwei Blumensträußchen [Foto bei Nr.18]. – 13.11. – 17.11. – 22.11. – 25.11. – 29.11. - 3.12. – 5.12. – 6.12. ohne Umschlag. – 8.12. – 12.12. – 13.12. - 16.12.1871. – Abschiedsgedicht der „Geburtsfrau“ [Hebamme] vor dem Umzug nach Pottenstein. – Brief eines Freundes Albert ohne Datum. – Brief 24.4.1871 aus Linz von Rudolf Handel. – Brief 6.7.1871 aus Salzburg von Hedwig L. – Briefe von Kollegen, Salzburg 1887 mit Brief von Fanni in Pottenstein an Franz in Krems mit Umschlag „1887“. – Brief 30.12.1881/31.12. von Franz und Fanni, Pottenstein, an die Großmutter in Salzburg Nr.79 Fanny Kobler. – Karten-Brief Pottenstein 6.4.1887 Fanni an Franz. - „August 1884“ mit mehreren Briefen in einem Umschlag von Nr.19 Fanni Spängler an Nr.18 Franz Spängler „Wolgeboren Doctor Franz Spängler kk. Bezirksrichter in Pottenstein a.d. Triesting“ = Salzburg 1.8. – 2.8. mit zweieinhalb Bogen „...behalte lieb deine Alte“, Erlebnisse von der Reise nach Salzburg zur Urgroßmutter. – 2.8. bis 5.8. einenhalb Bogen Franzi (geb. 1877; Nr.9 a Franziska Spängler, 1877-1962) und Fanni. – 12.8. „deine alte Fanni“. –13.8. Franzi, Postkarte mit kleinem, gedruckten Bild von Salzburg. – 17.8. Fanni. – 17.8. Franzi. – 20.8. Fanni. | ||
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| + | 1871 Brief von FANNI SCHLEGEL (Nr.19) an FRANZ SPÄNGLER (Nr.18): 3.11. dito, 5 ½ Abends: Mein lieber Franz! Heute empfing ich deinen lieben Brief, als wir uns eben bereit machten, zur Seelenmesse der armen Marie zu gehen. Ich konnte denselben nur in großer Eile durchlesen, erst nach Tisch fand ich dann Zeit, deine lieben Zeilen ordentlich durchzustudiren, wie es sich gehört. Daß du, obgleich viel beschäftigt, so fleißig an mich schreibst, macht mir große Freude, und ich bin dir dafür herzlich dankbar. An den Tagen, wo ich einen Brief zu bekommen hoffe, bin ich meist von der Frühe an voll Erwartung, was ich von dir hören werde. Und wenn ich dann den Briefträger kommen höre, ich erkenne meist seinen Tritt, stehe ich oft schon an der Thüre um ja bald in Besitze des Schreibens zu sein. Da ist es dann manchmal eine rechte Geduldprüfung, wenn eine nicht aufzuschiebende Arbeit mir nicht gestattet, gleich an die Lektüre zu gehen. Eröffnet wird aber der Brief gewöhnlich sofort. – Gestern besuchte uns Willi Gattermay[e]r, er empfiehlt sich dir freundlich. Er sagte, daß unsere Verlobung ihn sehr überrascht aber auch recht erfreut habe. Ich war zuerst nicht zu Hause, und da erzählte ihm die Großmutter, in welcher Weise unsere Verbindung sich anbahnte, und zugleich, daß ich öfters den Wunsch ausgesprochen habe, er sollte mein Brautführer sein. Obgleich jetzt kein Zeitpunkt ist für ihn, derlei zu besprechen, zeigte er sich doch wohlgeneigt, dieses Amt zu übernehmen. Es frägt sich nur, ob sein Vater, der bekanntlich manchmal ziemlich eigen ist, nichts dagegen hat. Ich muß sagen, daß es mich freuen würde, da Willi zu meinen besten Jugendbekannten zählt, ja eigentlich ist er und seine Schwestern von unserer Kindheit meine Spielgenossen gewesen. Da darüber werden wir zu Weihnachten mehr sprechen, er hofft nämlich da für 8-14 Tage kommen zu können. – Da sagst, es sei doch zu viel, wenn ich aus Theilnahme für fremdes Leid kaum den Gedanken an mein, an unser Glück recht zu faßen wagte. Ich meine, gerade das eigene Glück macht uns geneigter, dem Schmerz des Nächsten tieferes Mitgefühl zu widmen, wir denken uns ernster in die Lage des Unglücklichen, der uns im Vergleich mit unserer eigenen so viel trauriger erscheint, je heller und schöner das Leben vor unsern Blicken liegt. Einerseits aber bringt ein trauriges Ereignis uns auch die Wandelbarkeit irdischen Glückes in Erinnerung, und in diesem Sinne meine ich, wagen wir kaum das eigene Glück recht zu durchdenken, indem wir an unserem Nächsten erfahren, wie rasch ein trauriger Wehsel eintritt. – Du mußt aber nach diesem nicht glauben, ich schaue so düster und furchtsam in die Zukunft, ich vertraue auf Gottes Güte, die uns sicher durch alle Vorfälle des Erdenlebens führen kann und wird. Für heute muß ich schließen, da ich die Singakademie besuchen will. Es wird für ein Concert am Cäcilienfeste studirt, wo ich mitsingen werde, vielleicht zum letzten Mal. Erinnerst du dich an die Concertprobe, welchem du bei deinem Aufenthalte zu Pfingsten beinerhatest [?]? – 4.11. ½ 9 Uhr früh. Auf deine Frage wegen Schumacher und Emma weiß ich keine bestimmte Antwort. Emma [Emma Seehofer; Freundin; Foto bei 19 Fanni Schlegel/Spängler in einer der roten Schachteln] sagte mir neulich, daß sie doch hoffentlich im Laufe des nächsten Sommers heirathen werden. Sie bedauert, daß ich wahrscheinlich nicht bei ihrer Hochzeit sein werde. Ich erwiderte, sie sollte eine geschickte Zeit zu ihrer Vermählung aussuchen, dann kommen wir Beide, du u. ich per Dampf angefahren an ihrem Hochzeitstag. Findest du vielleicht besser, daß wir warten, damit ich ihre Brautjungfer sein kann? Damit wärst du wol nicht einverstanden, oder? – Mir scheint, du wirst ohnehin ungeduldig genug bis zum April, aber denke an das „Wort der Frau: Es bleibt dabei. Und es bleibt dabei, sagt auch die Großmutter bezüglich der Hochzeitsreise, die wir im Februar noch keinesfalls machen dürften, weder nach Italien noch auch sonst wohin. Also Geduld. – Wo Albert und Emma sich niederlaßen werden, scheint auch noch nicht bestimmt, doch wird häufig von Wien gesprochen. Das wäre recht hübsch, wenn wir so nahe zusammen kämen. Minna Lorinser freut sich auch schon, wenn ich einmal für immer nach Wien komme, sie schrieb neulich, wenn ich komme, wird ihr sein, als ob ein Stück Salzburg in ihr Staubnest käme. So ungebührlich beliebt sie die alte Kaiserstadt zu betiteln, für die sie eben gar keine Sympathie hat. Ich weiß nicht, womit ich es verdiene, daß Minna, so wenig wir uns früher verstanden, mich nun so lieb hat, und so gern bei mir ist. – Nun heute sind noch 50 Tage bis zum Weihnachtsabend, siehst du, ich bin wie ein Kind, und zähle die Tage bis zu dem lieben, schönen Fest. Ich gehöre aber nicht zu den braven Kindern, die an das Christkind schreiben dürfen. Am Ende würde eine solche Correspondenz auch unseren Briefwechsel beeinträchtigen und das wäre wieder dir nicht recht, ich bilde mir sogar ein, daß dich meine Briefe mehr erfreuen, als sie das Christkindl freuen würden, das doch so sehr viele Briefe von viel braveren Kindern kriegt. – Mittwoch 1.Nov. schrieb ich an Frau v.Danner, bin neugierig, wann ich eine Antwort bekomme. – An meine sogenannte böhmische Großmutter schrieb ich zu ihrem Namenstag, sie heißt Therese [Schlegel], und schickte ihr die Fotografien von uns, die Brustbilder. Sie hatte Freude daran und findet auch, daß wir gut zusammen passen. Das finden wir auch, nicht wahr? – Am Allerseelentage ging ich allein in die Franziskanerkirche, nach der hl:Messe besuchte ich am St.Peterfriedhofe die Gräber. Zuerst das deines sel: Vater, wo ich mich auch erinnerte, wie wir Beide an derselben Stelle standen. Was dein guter Vater wol sagen würde wenn er mich sehen könnte. Dann besuchte ich das Grab der armen Fanni Plachetka. Obwohl ich sie nicht kannte, ich sah sie nur einmal, habe ich doch Sympathie für sie, als die Schwester meiner lieben Lida. Zuletzt stand ich einige Augenblicke an dem neuen Grabhügel der armen Marie Gattermay[e]r. Bei Gelegenheit ihres Todes trat mir der Gedanke nahe, wie trostreich der Glaube an ein Fortleben der Seele, an ein einstiges Wiedersehen ist. Resi Gattermay[e]r sagte am Todestag ihrer Schwester, nun uns die gute Marie vorangegangen ist, kann ich mich freuen auf das Hinübergehen ins Jenseits, weil ich weiß, daß ich dort die verklärte Marie wiederfinden werde. Wieviel größer muß der Schmerz der Trennung für Jene sein, die den seligen Glauben an ein künftiges Leben aufgegeben haben! – Doch genug hiervon. – Ich freue mich, daß du soviel Talent zeigst, ein recht guter Ehemann zu werden, doch daran zweifelte ich ohnehin nicht. Ich erkläre mich auch bereit, als deine treue Lebensgefährtin dich auf den verschiedenen Lebenswegen zu begleiten, auch auf denen die Abends ins Gasthaus führen. Wenn wir zum Einkaufe der Möbel u.s.f. im Februar nach Wien kommen, freue ich mich schon, mit dir recht viel Schönes und Neues sehen zu können. Ich werde auch eigens für diese Zeit recht schöne Theaterstücke zur Aufführung bestellen. Hoffentlich wird man mir zu Ehren auch eine Festvorstellung veranstalten, natürlich mit Beleuchtung des äußeren Schauplatzes, meinst du nicht? – Was die Fotografien betrifft, habe ich bereits die Rechnung verlangt, aber noch nicht bekommen, heute will ich wieder danach fragen, wenn ich in die englische Stunde gehe. Ich bitte dann Großmutter, daß sie einstweilen alles berichtigt, wenn du dann zu Weihnachten kommst, werden wir uns ausgleichen. So ist es am einfachsten. Ich bin nun schon sehr neugierig auf unsere Wohnung. Dieselbe früher zu beziehen, wie du vor hast, mußt du doch noch überlegen, hast du denn Jemand zu Bedienung dort? abgesehen davon, daß du im Anfang wenigstens auch mit den Möbeln schlecht versehen sein wirst. Doch das alles läßt sich viel besser mündlich besprechen, darum komme nur ganz gewiß zu Weihnachten, und suche von Herrn Bezirksrichter einen recht langen Urlaub zu erhalten. Sag ihm, ich laße schön bitten! Lebe wol ich freue mich schon so aufs Wiedersehen das kannst du glauben. Es umarmt dich deine Fanni/das Kind/. Großmutter grüßt. – „Marie #Gattermayer“: Partezettel für „Marie Gattermayer“ 22 Jahre alt, gestorben 30.Okt.1871. | ||
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| + | 1871 bei den Briefen von FANNI SCHLEGEL (Nr.19) an FRANZ SPÄNGLER (Nr.18): 8.11. Correspondenz-Karte von Salzburg nach Mödling, 9 Uhr früh: Sendung soeben erhalten, sehr erfreut, herzlichen Dank dafür. Brief wird heut Abend geschrieben. F. S. | ||
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| + | 1871 Brief von FANNI SCHLEGEL (Nr.19) an FRANZ SPÄNGLER (Nr.18): 8.11. Brief 5 Kr. gestempelt, von Salzburg nach Mödling, ¼ nach 8 Uhr Abends: Mein lieber Franz! Wie gern hätte ich heute früh gleich nach dem Empfang deiner Sendung meine Freude und meinen Dank ausgesprochen, allein ich hatte durchaus nicht Zeit zum Schreiben, und mußte mich begnügen, die Postkarte mit den wenigen Worten abzusenden, die hoffentlich in deine Hände kommt. So nun einen herzlichen Dank sowol für deinen lieben Brief als auch für das schöne Buch, womit du mich überraschtest. – Ich brauche dir wo[h]l nicht zu versichern, daß ich auch so daran gedacht habe, daß ich nun schon volle zwei Monate deine Braut bin, ebenso wenig wirst du zweifeln, daß ich große Freude mit deinem schönen Hute habe. Ich erinnere mich wol im Allgemeinen an jene Aufführung der Frithiofsage, doch ist mir das Werk in seinen Einzelheiten fremd geblieben. Ich werde bald mit der Lektüre beginnen, obwohl ich recht wenig Zeit zum Lesen habe. Neben den Arbeiten für die Ausstattung haben wir nun auch die Näherin, ich denke, du wirst seinerzeit auch einmal die Erfahrung machen, was das zu bedeuten hat. Die Anwesenheit der Näherin ist auch Ursache, daß ich unter Tags nicht zum Schreiben komme, sonst würde ich ganz gewiß heut Früh geschrieben haben damit die Verzögerung des Briefwechsels aufgehoben worden wäre, denn, wie du schon gesehen haben wirst, habe ich erst heute dein Paket erhalten, wo ich schon gestern [auf] einen Brief gehofft hatte. – Um nicht zu vergeßen, muß ich gleich jetzt einem Auftrag des Dr.Kanisch nachkommen. Er ersuchte mich nämlich bei Gelegenheit seines Abschiedsbesuches, dich von ihm freundlich zu grüßen, und dich zu ersuchen, du möchtest ihn wißen laßen, wann und wo er dich in Wien treffen könne, da er sehr wünscht, dich zu sehen. Er wird bis gegen Mitte Dezember in Wien bleiben, wenn du also im Laufe der nächsten Wochen einmal einen Tag in Wien zuzubringen gedenkest sei so freundlich etwa zwei Tage früher den Dr.Kanisch davon zu verständigen. Der betreffende Brief wäre an das allgemeine Krankenhaus zu adressiren. Dr.K: hat mir schon seine Fotografie gegeben, er wäre auch bereit gewesen, für dich ein Exemplar zu hinterlegen, doch dankte ich ihm dafür, ich meine wir sind mit dem einem Bild zufrieden, nicht wahr? – Es ist gut, daß du mir jetzt schon sagst, daß du zu Weihnachten das „Wort der Frau“ umzustoßen suchen willst, ich werde mich gefaßt machen, recht fest dabei stehen zu bleiben, schon um Standhaftigkeit zu beweisen. So lange ich zu Hause bin, wird meine Widerstandsfähigkeit größer sein, besonders wenn ich meine Großmutter als Verbündete weiß, aber später fürchte ich wird es mir manch liebes Mal gehen, wie bei der Affaire vom du sagen. Da mußte ich auch bald klein beigeben. – Ich stimme daneben durchaus für den April [für den Hochzeitstermin], länger möchte ich aber doch auch nicht warten. Wenn die Emma mich als Brautjungfrau will, muß sie sich schon beeilen. Frau Marie, denke ich, hat deine Aufträge an Emma entrichtet, sie hat auch mir gesagt von deinem Briefe. – Für morgen Nachmittag haben sich die Zellerischen bei uns angesagt. Wie oft denke ich an das nächste Weihnachten und freue mich, wenn wir wieder beisammen sein werden! Wie viel giebt es doch zu besprechen, wozu man auch bei noch häufigerem Briefverkehr nicht kommt. – Mit deiner guten Mutter kommen wir jetzt nicht häufig zusammen, sie ist ja viel in Anspruch genommen. Für heute aber „Gute Nacht, mein Lieber, morgen werde ich wol nur wenig noch schreiben können, dann es ist eben wieder die Näherin schuld. – Die Großmutter, welche dich grüßt, ist über das Befinden des Briefträgers nun auch beruhigt. – 9.Nov. ½ 8 Uhr früh. Ich kann wirklich nicht mit Ruhe weiter schreiben, und bitte dich, mich zu entschuldigen. Mein nächster Brief wird hoffentlich wieder länger. Schreib nur recht bald wieder und behalte lieb deine treue Fanni. – Mein Vater läßt dich grüßen. | ||
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| + | 1871 Brief von FANNI SCHLEGEL (Nr.19) an FRANZ SPÄNGLER (Nr.18): 11.11. dito, Brief 5 Kr. aufgedruckt, von Salzburg nach Mödling: 8 Uhr Abends. Mein lieber Franz! Freudig überrascht empfing ich deinen lieben Brief. Ich hatte erst für morgen einen erwartet. Ich danke dir für denselben herzlichst, ebenfalls für die hübschen Blumen, die mir sagen, daß du auch inmitten der Arbeit liebevoll mir gedenkest. Ich werde sie sorgfältig aufbewahren und an ihrem Anblick mich öfters erfreuen. Denke dir, heut Nacht träumte ich, du seist gekommen, und empfand innige Freude darüber. Wie schön wird es sein, wenn dieser Traum zur Wahrheit wird. Hoffentlich liegen nur noch 6 kurze Wochen zwischen heute und dem Tage des Wiedersehens. – Kurze Wochen sage ich, denn mir verfließt die Zeit rasend schnell. Wenn ich zurückdenke scheint mir die Zeit vom 3.Juni [da hat er um ihre Hand angehalten; vgl. Brief vom 6.12. Ihr Geburtstag ist der 1.6.; die Verlobung war im September; in einem anderen Brief am 27.8.71 wird noch „Sie“ geschrieben, nicht geduzt] wie eine kurze Reihe von Wochen, nicht wie 5 Monate. Und auch die 5 Monate bis zum 10.April werden rasch verfloßen sein, wenn du nur etwas mehr Geduld haben wolltest. Denke nur, kommt erst Weihnachten, wo wir wenigstens einige Tage beisammen sein werden, so wird bis zu unserer Vereinigung für immer, keine so lange Trennung mehr stattfinden wie die nunmehrige, denn Mitte Februar hoffe ich die Großmutter zur Wiener Reise bewegen zu können, also sind nur 6 Wochen, und von Wien zurückgekehrt, bleiben mir ebenfalls nur noch 6 bis 7 kurze Wochen, um Alles für die Hochzeit und die Umsiedlung zu bereiten. Und wie viel wird es da noch zu besorgen geben! Darum empfehle ich dir, anstatt immer wieder am „Wort der Frau“ zu rütteln, lieber heilsame und nützliche Betrachtungen über das Thema Geduld anzustellen und dir einige Sentenzen zu Gemüt zu führen, z.B. Geduld überwindet Alles, oder mit Geduld und Zeit wird aus dem Maulbeerblatt ein Atlaskleid u. so fort. Ich erinnere mich, dir schon einmal Ähnliches angerathen zu haben als Beruhigungsmittel bei Anfällen von Ungeduldsfieber. – Für heute schließe ich mit dieser Ermahnung, ich werde morgen um 7 oder ½ 8 Uhr in die Kirche gehen, so bleibt mir eine ruhige Zeit um Vormittags den Brief zu vollenden. Heute Nacht, du lieber, vielleicht träume ich wieder von dir! Wie froh macht es mich doch, zu wißen, daß du mich lieb hast! Gute Nacht! – 12. Nov: ½ 9 Uhr früh. Guten Morgen! Hast du gut geschlafen? Ich war wirklich um 7 Uhr in der hl. Messe und habe für uns Beide gebetet. Mit dem Träumen von dir aber war es Nichts diese Nacht, ich werde das Versäumte mit offenen Augen nachholen, was oft genug vorkommt. Thust du es auch? Heute über 6 Wochen hoffe ich dich in Salzburg begrüßen zu dürfen! Heute Nachmittag ist wieder Konzertprobe im Landtagsaale. Es wird „Athalie“ [nach Racine] von Mendelssohn einstudiert. Professor Maier spricht den verbindenden Text, die Musik ist wunderschön. Ich liebe Mendelssohn, ich finde seine Musik liegt auch dem Verständnis des musikalisch wenig Unterrichtetem mehr. Ich war meines Erinnerns nicht mehr im Landtagssaal seit jenem Conzert am 1.Juni. Die Probe muß am 30. o. 31.Mai gewesen sein. Ich erinnere mich, daß ich damals wol bemerkte, daß deine Blicke häufig auf mir ruhten und du warst mir sehr aufmerksam gegen mich vorgekommen, aber ahnungslos wie ich war, machte ich mir keine weiteren Gedanken darüber. Ich hegte ja damals die Meinung um mich bekümmert sich Niemand. Aber nun weiß ich ja daß sich Jemand um mich bekümmert und nicht nur dies, sondern daß mich dieser Jemand auch noch lieb hat. Und daß ich dieses weiß macht mich so glücklich. – Am 16 November sind es zwei Jahre, daß Großmutters Leiden mit der Hand anfing. Es begann damals eine rechte Schule des Lebensernstes für mich, und wenn ich darüber nachdenke, so muß ich mir sagen, daß ich nicht ohne Vortheil dieselbe durchmachte. Bis dahin war ich mir nur vorübergehend der ernsten Seite des Lebens bewußt geworden, und ich war in der Lage gewesen meine moralische Kraft zu erproben. In den langen Leidenswochen mußte ich lernen meinen Mut und meine Thatkraft aufrecht zu halten, und es wäre mir damals leichter gewesen selbst körperlich zu leiden, als den fortgesetzten Anblick des Leidens zu ertragen, und dabei so viel als möglich die mir sonst eigene Heiterkeit zu bewahren. Freilich meinte ich damals oft, so harmlos lustig wie ich gewesen, könne ich nimmer werden. Dann kam unser Aufenthalt im Weinbründl und die Zeit wo, du weißt es ja, in mir der Wunsch und der Glaube lebte L.Z. [Ludwig Zellner?] denke mit mehr als nur freundschaftlichem Interesse an mich. Du erinnerst dich wol daß ich dir sagte, auch diese Zeit innerer Erregung sei nicht ohne Vortheil für mich gewesen. Ich fand damals nicht recht Worte, diese sonderbare Behauptung zu erklären, ich will es heute versuchen. Es zeigte sich bald, daß ich keinen Grund hatte, dem Gedanken nach L. in solcher Weise nachzuhängen, doch wollte ich nicht so rasch dran glauben. Im täglichen Verkehr mit der ganzen Familie Z. kam mir freilich auch erst allmählich und später, die Überzeugung, daß ich nicht die Eigenschaften habe, für dieses Haus zu passen. Ich mußte auch lernen mich völlig zu beherrschen, denn ich war stolz genug, Niemand zu zeigen wie es mit mir war. Nur Lida wußte davon, die ich aber gerade in der Zeit ziemlich selten allein sah. So konnte ich auch, nachdem ich klar genug sah, daß L. entweder nie in solcher Weise wie ich gemeint, an mich gedacht hatte, oder daß er eingesehen hatte, daß wir nicht zueinander passen würden, den gewohnten freundlichen Ton gegen ihn festhalten, der hoffentlich fortbestehen wird, daß ich aber den Mut hatte, einer unerwiderten Neigung wegen nicht mich selbst für unglücklich zu halten, daß ich die Kraft hinzu[neh]men hatte, das nenne ich den Vortheil, von welchem ich sprach. Mit kurzen Worten, durch diese Sache ist mein Charakter fester, bewußter geworden. Daß ich nun geliebt werde und die Neigung erwidern kann, nehme ich als ein unverdientes Glück an und will nur suchen mich desselben nicht unwert zu zeigen. Ich will deine Liebe, du Lieber, Guter, zu verdienen suchen, indem ich so viel als möglich das sein werde, was du von mir erwartest, eine treue, liebende Gefährtin für dich, durch unser Leben. - Ich wurde hier unterbrochen, und ehe ich wieder zu schreiben beginne las ich auch das Vorstehende wieder durch. Es kommt dir vielleicht eigen vor, daß ich so schreibe, aber ich hatte mir vorgenommen, diesen Punkt einmal zu besprechen. Und damit genug davon. Weißt du, unser erstes und gemeinschaftliches Eigenthum sind vielleicht die Alpenblumen, die ich von jenem Alpenfeste am 8.September heimbrachte und davon einen Theil ich dir dann gab. Hast du sie noch? Nächsten Sommer werden wir wol mitsammen Blumen suchen, wenn du mich spazieren führst, oder auf geschäftlichen Ausflügen mitnimmst. Ob wir wirklich zu englischen Studien kommen? Wir wollen sehen! Du mußt schon deswegen bis zum April warten, damit ich in der englischen Conversation gewandter werde. Ich bilde mir ein, ich bemerke doch, daß ich etwas fließender englisch spreche, seit ich zu Miß Ung gehe. Auch englisch Lesen übe ich mich. Es ist nun 12 Uhr und ich schließe meine Zeilen, indem ich genau wie du rechne, wann ich wieder einen Brief erhalte. Lebe wol und behalte lieb deine Fanni. Großmutter grüßt. | ||
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| + | 1871 Brief von FANNI SCHLEGEL (Nr.19) an FRANZ SPÄNGLER (Nr.18): 13.11. ein Blatt ohne Umschlag [Vermerk Franz Spängler:] XL 15/11 1871 beantw mit XLI 18/11 1871. – Mein lieber Franz! Ich kann diese Gelegenheit nicht vorüber gehen laßen, ohne wenigstens einige Worte des Grußes beizufügen. Deine Mutter ist soeben bei uns, und ersuchte mich ihren Brief zu adressiren. Eben war Emma bei mir, um mir zu sagen, daß Albert an Stelle des kürzlich verstorbenen Dr.Gstöttner nach Hallein kommt und zwar binnen 8 bis 14 Tagen. Somit wird Emma wahrscheinlich auch im nächsten Frühjahr heirathen. Emma ist natürlich sehr erfreut. Lebe wol und behalte mich lieb. Übermorgen hoffe ich [auf] einen Brief. Es umarmt dich herzlich deine treue Fanni. | ||
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| + | 1871 Brief von FANNI SCHLEGEL (Nr.19) an FRANZ SPÄNGLER (Nr.18): 15.11. Brief 5 Kr. aufgedruckt. „XLI erh 17/11 beantw 18/11“. Herrn Doctor Franz Spängler...: 5 ¾ Uhr. Mein lieber Franz! Wenn dieser Brief etwas verwirrt sein sollte, so bitte ich, dich hierüber nicht zu wundern, da die holde Näherin an meiner Seite sitzt und ab und zu mit mir spricht. – Für deinen lieben Brief meinen besten Dank, hast du noch nichts über das Befinden deines Hrn: Collegen erfahren, weißt du, sein Wol liegt mir sehr am Herzen, und ich wünsche innig seine Genesung vor Weihnachten! Das klingt sehr edel, nicht wahr, und doch ist es der reine Egoismus, der aus mir spricht, denn ich möchte dich so gerne für länger hier haben zu Weihnachten, und so sollten nur wenige Tage des Beisammenseins uns gegönnt sein. Doch ich gebe die Hoffnung nicht auf, daß du doch eine Woche hier zubringen wirst können. O wie ich mich freue! Meine Großmutter ist soeben sehr böse auf mich, doch fühlt sich mein Gewissen ganz ruhig darüber. Verzeihe wenn ich dir so unwichtiges erzähle. Erinnerst du dich, als wir am 16 September bei der Überfuhr [Fähre] waren, wurde davon gesprochen, daß im Laufe dieses Winters regelmäßige Leseabende bei Ludwig Zellner stattfinden sollten. Meines Wissens wurde auch später die Großmutter unterrichtet. Seither war keine Rede mehr und ich dachte mit den Leseabenden wird es Nichts. Heute früh nun meldet sich Lida daß heute der erste Leseabend in Ludwigs Wohnung sein werde. Ich dachte gleich, daß Großmutter nicht damit einverstanden sein werde und wagte heute den ganzen Tag nicht davon zu sprechen. Gegen 4 Uhr kommt Mama Zellner und macht für heute und jeden 6.Tag die Einladung. Großmutter sagt zu meiner Verwunderung ziemlich freundlich zu. Mittlerweile kam deine gute Mutter mit dem kleinen Otto, und ich ahnte nichts Schlimmes. Kaum waren wir aber allein, als Großmutter schrecklich mit mir zankte, daß ich nicht früher etwas gesagt habe X [eingefügt] daß ich ein falsches Geschöpf bin X ferners daß ich keinen Sinn für Häuslichkeit habe, sondern immer fortlaufen will u. s. fort. Ich blieb ganz ruhig Gott sei Dank, aber gekränkt haben die Vorwürfe mich doch. Ich gestehe, daß ich ganz gern an den Lesungen teilnehmen würde, wenn nicht die Großmutter so böse darüber wäre. Sie will jetzt überhaupt gar nicht, daß ich irgendwohin gehe, am wenigsten daß ich einen Abend außer dem Hause zubringe. Was wird sie thun, wenn ich einmal ganz fort bin. O, ich habe Angst vor dem Abschiede, ich fürchte, sie wird sich sehr schwer an meine Abwesenheit gewöhnen, wenngleich sie mir in der Aufregung heute versicherte, sie sei froh, wenn ich fort bin. – Liebster Freund, sei nicht böse über dieses Geschreibsel, es war mir eine Erleichterung, denn daß ich durch so etwas nicht erheitert werde, kannst du dir denken. Ich kann es nicht ertragen, Jemand gegen mich aufgebracht zu wißen und ich werde auch jetzt mein Bestes thun, daß Großmutter wieder gut wird. Um deine Frage der Wahrheit gemäß zu beantworten, will ich nur gestehen, aber ganz heimlich, daß es mir wol gar viel lieber ist, wenn du mit Ungeduld den Tag herbeisehnst, wen[n] ich dein werde, als wenn du allzu gleichmüthig sein Herankommen erwartest, und ich meine, auch ich würde mehr Ungeduld empfinden, sähe ich nicht noch so sehr viel zu thun vor mir, daß ich oft meine, es ist gar nicht möglich, daß Alles fertig wird. Wenn nur erst Weihnachten ist! Nun ich deine Frage beantwortet habe, möchte ich ganz gehorsamst um eine nützliche Auskunft bitten, und zwar, ob du mir sagen könntest, wie man von Mödling Correspondenzkarten am sichersten an Frau Antonia Spängler in Salzburg [Mutter vom Franz, „unsere Mutter“] befördert? Indem man sie ohne Adresse anschreibt, nicht wahr? – Nun muß ich mich zum Leseabend rüsten, daher lebe wol, mein Lieber. [auf dem Kopf:] Großmutter grüßt. Deine gute Mutter trug mir auch gestern viele Grüße auf. – 16. November ½ 10 Uhr früh. Nachdem ich meine Pflichten am Bügelbrett erfüllte, gestatte ich mir, ein halbes Stündchen mit dir zu plaudern. Vorerst muß ich berichten, daß Großmutter heute wieder ziemlich gut ist. Der gestrige Leseabend war ganz hübsch. Es wurde aus dem Buche „über menschliche Schwächen“ gelesen, weißt du, wir haben es bei Zellner mitsammen durchblättert. Ich malte mir gestern aus, wie hübsch es sein wird, wenn wir in unserer eigenen behaglich eingerichteten Wohnung miteinander lesen werden. – Letzten Samstag begann ich die Frithiofssage zu lesen, bin aber erst bis zum 3.Gesang gekommen, da ich die für jeden Abschnitt treffenden Erklärungen gleich mitlas. Es ist mir interessant, daß soviel über die nordische Götterlehre in dem Buche enthalten ist, ich hatte längst gewünscht den altgermanischen Sagenkreis etwas näher kennen zu lernen. – Heute treffen aus Geibels Gedichten [Emanuel Geibel, 1815-1884]: Sehnsucht u. das Sonett: Dichterleben, ich hoffe wir sind bezüglich der Gedichte in der Ordnung [gemeinsame parallele Lektüre]. – Die Sammlung deiner lieben Briefe ist für mich ein liebes Eigenthum, und es geschieht wol in freien Minuten, daß ich mich an dem Anblick des stattlichen Paketes erfreue, auch wenn ich Zeit habe, einen oder den anderen Brief durchlese. – Das habe ich im Leben nie gedacht daß ich einmal so viele Briefe schreiben werde, und daß mir diese Beschäftigung so lieb werden könne, denn bis zum Juni 1871 hatte ich wenig Lust am Briefschreiben. Es ist gut, daß ich mich im Briefschreiben übe, da ich von hier fortkomme, werde ich wol ziemlich oft die Feder zur Hand nehmen, um nicht ganz aus dem Verkehr mit meinen hiesigen Bekannten zu kommen. – Doch ich darf nicht mehr weiter schreiben, sondern muß wieder nach meiner Arbeit sehen. Jetzt sind noch 21 Wochen bis Anfang April. – Daß du für den nächsten Brief mehr Muße findest wünscht herzlich deine treue Fanni – „Frithiofssage“: wohl „Frithiofs saga“ in 24 Gesängen von Esaias Tegnér, 1825; aus dem Schwedischen ins Deutsche übertragen 1826 und 1841 (und neuere Übersetzungen). Mit „Aufführung“ ist vielleicht ein Leseabend gemeint. | ||
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| + | 1871 Brief von FANNI SCHLEGEL (Nr.19) an FRANZ SPÄNGLER (Nr.18): 19.11. dito 8 Uhr Abends. Mein lieber Franz! Mit aufrichtiger Freude empfing ich zur gewohnten Stunde deinen lieben Brief für welchen ich dir bestens danke. Ich fühle mich sehr geschmeichelt von deiner Versicherung, daß dir, tro[t]z des vielen Schreibens, welches deine Stellung mit sich bringt, der Briefwechsel mit mir nicht zur Beschwerde wird. Ich wünsche mir auch, daß dir meine Briefe eben solche Freude machen mögen, wie die deinen mir. Dabei muß ich auch bemerken, daß mein „ich darf nicht mehr weiter schreiben nur so gemeint war, daß ich mir selbst nicht mehr erlaubte, weiter zu schreiben, sondern mich verpflichtet fühlte eine Arbeit zur Hand zu nehmen. In dem Punkte des Schreibens ist meine Großmutter ganz tolerant Sie sieht eben gut genug ein, daß unser lebhafter brieflicher Verkehr die einzige Entschädigung für unser Getrenntsein ist. Es ist schon recht gut, daß keines von uns im Kaukasus ist! – Heute über 5 Wochen um diese Zeit sind wir hoffentlich recht glücklich und froh beisammen. Wie viel werden wir uns zu sagen haben! Wenn nur dein Hr: College gewiß gesund wird. – Seit dem Sturm vom Mittwoch [Großmutter ärgerlich] der aber am Donnerstag noch ein ziemlich heftiges Nachspiel hatte, ist die Luft wieder rein, und sind Großmutter und ich wieder auf dem gewohnten freundlichen Fuße. Ob ich an den besprochenen unangenehmen XXX ganz unschuldig bin, wage ich nicht zu entscheiden, meine Sanftmut, weißt du, ist eben nicht unbesiegbar, aber für falsch halte ich mich wirklich selbst nicht, und hoffe, du wirst dich dereinst von meiner Wahrheitsliebe überzeugen. Doch das klingt fast wie Selbstlob, ich hoffe, du wirst es nicht so auf[fassen.] – Die Trennung wird mir immerhin schwer genug bleiben, obwohl ich gut einsehe, daß es für uns Allen besser ist, wenn wir, du u. ich nach unserer Weise uns einrichten können, und dieses ist nur möglich wenn wir ganz unabhängig von unseren Angehörigen leben. Man wünscht mir vielseitig Glück, daß Mödling mein nächster Aufenthalt sein wird, ich bin schon sehr neugierig wie unsere Residenz aussieht. – Was das Schreiben betrifft, glaube ich gerne, daß du nach vollendeter Tagesarbeit keine besondere Lust mehr dazu hast, und bin gar bereit, seinerzeit einen guten Theil der Korrespondenz zu übernehmen, und ich denke, ich werde einen ziemlich ausgebreiteten Briefwechsel zu unterhalten haben, um mit allen meinen hiesigen lieben Bekannten ein wenig in Verkehr zu bleiben. – Wegen der Hebelschen Geschichten bitte ich dich, in deinem nächsten Brief den Tag zu bestimmen, an welchem ich beginnen soll, je drei Geschichten zu lesen. – Heute wurde also das Konzert abgehalten, zu meiner Verwunderung ging es besser als ich gehofft hatte. Am Freitage bei der Generalprobe war noch nicht Alles gut gegangen. Es war heute ein sehr elegantes Publikum. Auch Erzherzogin Sofie war zugegen. Unweit unseres Platzes saß auch Abt Eder. Ich mußte an Allerlei denken, als ich ihn so betrachtete. Einmal bildete ich mir auch ein, er faße mich ziemlich aufmerksam ins Auge. Vielleicht bin ich ihm etwas bekannt vorgekommen. Vielleicht habe ich mich übrigens auch getäuscht. Am Freitag Abend war mir ein großer musikalischer Genuß zu Theil, nämlich ich durfte einer Soirée des bekannten Florentiner Quartetts beiwohnen. Diese Soirée fand im Saal des Oser [?] Hofes statt und war vorzüglich schön. Eine Serenade von Haydn und ein Scherzo von Beethoven entzückten mich besonders. – Emma ist natürlich sehr glücklich, daß das Ziel ihrer Wünsche so nahe gerückt ist. Ich freue mich für sie und wünsche herzlich, daß Albert in Hallein eine recht angenehme und einträgliche Stellung erlangt. Ich bin nur neugierig ob ich Emmas Brautjungfrau werde oder Emma die meine. Ich denke, es wird sich kaum um mehr als um einige Wochen handeln. Am gleichen Tage Hochzeit zu halten, wäre wol nicht gut ausführbar, schon deshalb, weil Emmas Hochzeit jedenfalls in ihrem eigenen Haus gefeiert werden wird. Dies ist auch der Grund, daß Emma bis zum Frühjahr warten wird, damit die Hochzeit im Hofe gehalten werden kann. – Es ist nun ½ 10 Uhr und ich schließe meine Zeilen, und werde wol morgen früh nur ganz wenig mehr beifügen, da die Stunden wo es helle ist, jetzt so wenige sind, die ich daher um so gewißenhafter benützen muß, sonst wird wirklich nur 1 Stück in jeder Woche fertig. Gute Nacht lieber Freund daß du recht gut schläfst, wünscht herzlich deine treue Fanni. – 20 Nov: ¾ auf 8 Uhr. Ich füge nur noch einen freundlichen Morgengruß bei und die Bitte, behalte mich lieb. Es umarmt dich, du Lieber deine aufrichtige Fanni. – Grüße von Großmutter und Vater. Ich bin sehr einverstanden, wenn mein künftiger Haushalt zuweilen vom k.Jagdamt versorgt wird. - „Abt Eder“: neben einem Partezettel für Peter Paul Eder ( -1851), Hallein, und Maria Th.Eder ( -1865) liegt ein Gruß „Zum XVI.Geburtstage“ von „Benediktiner P.Albert Eder“ [später Erzbischof von Salzburg Franz de Paula Albert Eder] als „Freund und Bruder“ [Franz Spängler, siehe: Briefe 1853 (und 1876,1883]. | ||
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| + | 1871 Brief von FANNI SCHLEGEL (Nr.19) an FRANZ SPÄNGLER (Nr.18): 24.11. dito 6 Uhr Abends. Mein lieber Franz! Du mußt doch den Brief zu spät aufgegeben haben, da er erst heute früh 8 Uhr in meine Hände kam. Wie du dir denken kannst, hatte ich um so ungeduldiger auf seine Ankunft gewartet. Ich danke dir bestens für deine lieben Zeilen. Deinen Rath, mir keine zu großartige Vorstellung von Mödling zu machen, will ich getreulich befolgen, ich hatte es übrigens bis jetzt auch noch gar nicht versucht, viel öfter male ich mir aus, wie ich meinen künftigen Haushalt einrichten werde, wie sich unsere Lebensweise gestalten wird. Häufig auch begehre ich den Rath der Großmutter für diesen oder jenen möglichen Fall, damit ich als Frau nicht ganz unvorbereitet den täglichen Vorkommnissen gegenüber stehe. Du würdest lachen müßen, wenn du hören könntest, wie ich mich oft um manche Kleinigkeiten bekümmere deren Vorhandensein sonst kaum von mir bemerkt wurden, die aber aufhörten für mich bedeutungslos zu sein, seit ich weiß, daß ich mich in nicht zu ferner Zeit damit beschäftigen müßen werde. – Ob ich Heimweh bekommen werde? Vielleicht; vor Langeweile fürchte ich mich nicht, ich denke, ich werde mich wol in den Stunden, wo du nicht bei mir sein wirst, zu beschäftigen wißen. Kommt manchmal eine Stunde, wo ich die bisher gewohnte Umgebung vermiße, und zuweilen wird früher eine kommen, so bitte ich dich schon jetzt um Geduld, ich hoffe solche Stimmungen sollen rasch vorübergehen. In dieser Hinsicht halte ich es für entschieden besser, wenn ich erst im Frühjahr meine bisherige Heimat mit der neuen vertausche, ich meine, wenn alles um mich grünt und blüht, werde ich auch leichter Wurzel faßen können in fremder Erden. Und dann, denke ich auch, wird deine Liebe zu mir der Sonnenschein sein, den die Pflanze so nöthig hat, zum Gedeihen. Es ist nun Emma’s Hochzeit für den Monat Februar festgesetzt. Siehst du – jetzt werde doch ich ihre Kranzjungfrau. Wahrscheinlich wird Emma am 10.Februar heirathen, die Hochzeit wird also in der Stadt im eigenen Hause gehalten. Zu unserer Hochzeit kommen dann Albert und Emma schon als ehrsame Eheleute. Es ist eigentlich nicht mehr also billig, daß die Beiden vor uns heirathen, sie warten ja schon mehr Jahre lang aufeinander als wir Monate. Im Hause Zeller giebt es nun auch Vieles noch zu thun, bis Emmas Haushalt vollständig eingerichtet sein wird. – Daß du an deiner Mutter eine Bundesgenossin hast, habe ich längst gewußt, ich weiß nicht warum sie mit solcher Ungeduld unsere Vereinigung erwartet. – Ich denke nach deinem Vorschlag wird sich Alles gut ordnen. Wie viel wird es noch zu besorgen geben, die letzten Tage vor der Trauung! – Wohin uns die Hochzeitsreise führen wird, bin ich neugierig, wenn du zu Weihnachten hier bist, wollen wir Reisepläne machen. Mit Freude vernehme ich, daß deine College sich auf dem Wege der Besserung befindet, und also Aussicht ist, daß du doch mehrere Tage hier bleiben kannst. Wie schön wird es sein, wenn wir dann gemüthlich mitsammen plaudern können! Wie manches [Mal] möchte ich oft sagen, wenn du bei mir wärst, bis ich zum Schreiben komme, ist bereits wieder ein ganz anderer Gedankengang gekommen und, was ich aussprechen oder fragen wollte, bleibt unausgesprochen. – Nun ist die Fasanparthie auch vorüber, hast du dich gut unterhalten? Ich werde also am 29. mit den drei Gedichten beginnen. Die für jeden Abend bestimmten Gedichte zu lesen ist mir eine liebe Gewohnheit geworden, ich denke dabei immer, nun begegnen sich vielleicht unsere Gedanken. Besonders hübsch habe ich das „Zauberschloß“ gefunden. Wenn ich die beiden Gedichte gelesen habe, nehme ich die Frithiofssage zu Hand, ich bin gestern mitten im 8.Gesang stehen geblieben. Je weiter ich lese, desto besser gefällt mir das Buch. – Ich werde achtgeben auf das von dir erwähnte Feuilleton der neuen freien Presse, doch wird es wol erst in etwa 8 Tagen in meine Hände kommen. Das Volksblatt haben wir aufgegeben, wir mochten die fortwährenden Zänkereien mit der Chronik nicht leiden. – Was das Schlittschuhlaufen betrifft, will ich heuer wol zum Abschied dieses Vergnügen noch genießen, oft werde ich freilich nicht nach Leopoldskron kommen, da drei Nachmittage durch die englische Stunde verkürzt werden und ich die übrigen 3 Nachmittage in der Woche mir wol nicht für das Schlittschuhlaufen gönnen werde. So bleibt nur der Sonntag. Manchmal werde ich freilich troz dieser soliden Vorsätze auch an Werktagen hinausspazieren, es ist gar so lustig so über das glänzende Eis hinzufliegen. Die englische Conversation ist jetzt auch in der Wohnung der Wihsthory [?], bis ich da in das Podstatzky’sche Haus und wieder nach der Stunde heim komme, gehn mehr als 1 ½ Stunde dahin. – Doch die hierdurch bedingte Bewegung ist auch nützlich. – Wir haben seit mehreren Tagen jene leise Kälte und seit gestern viel Schnee. Wenn es so fortgeht wird der Leopoldskroner Weiher wirklich bald fest genug gefroren sein. – Am Dienstag war wieder Leseabend bei Zeller, diesesmal ohne vorhergehenden Sturm. Auch Albert war dabei; er ist am selben Tag von Wien angekommen, und wird nun auch bald seinen neuen Posten beziehen. – Bist du schon mir Dr Stanisch beisammen gewesen? Wenn du ihn siehst, kannst du ihm erzählen, daß es hier heißt, Fräulein Lina Spaztenegger sei seine Braut. – Doch ich schließe nun mit vielen herzlichen Grüßen, bitte behalte lieb deine treue Fanni. – Viele Grüße von Großmutter, ebenso von deiner Mutter. Gute Nacht, du Lieber schlafe wol. – Von heute über einen Monat ist der Weihnachtsabend, noch 30 Tage. – „#Zeller“: Partezettel für Marie Zeller, geb. Bolland, Salzburg 1812-1873, und für Friedrich Zeller (Salzburg 1838-1862); an gleicher Stelle Visitenkarte für „Ludwig Zeller“; „Zeller“ und die „Zellerischen“ mehrfach in den Briefen. - „Spatzenegger“: vgl. undatierte Visitenkarte „Pfr. Dr. Spatzenegger und Frau“. | ||
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| + | 1871 Brief von FANNI SCHLEGEL (Nr.19) an FRANZ SPÄNGLER (Nr.18): 27.11. dito 6 Uhr Abd: Meiner lieber Franz! Es ist recht lieb von dir, daß du mich heute schon mit einem so lieben Briefe erfreust, zur Entschädigung für mein längeres Warten auf dein letztes Schreiben. Nun kommt das ersehnte Weihnachtsfest schon näher und näher, bald werden wir sagen können in diesem Moment würden wir uns wiedersehn. Wie sehr freue ich mich auf die Tage, die wir dann zusammen erleben werden! Ich bedaure, daß du dich so wenig behaglich fühlst daheim, einerseits freue ich mich aber bei dem Gedanken, daß es wol hauptsächlich der Wunsch ist, mich bald als Gefährtin bei dir zu wißen, was dir dein bisheriges Leben ungenügend erscheinen läßt. Gebe Gott, daß ich dir dein Heim recht angenehm und behaglich zu machen vermag. Daß du mir so viel Vertrauen schenkest und alles Gute von mir erwartest, macht mich stolz, und ich wünsche innig, daß ich dein Vertrauen rechtfertigen möge. – Aus allen deinen Andeutungen scheint hervor zu gehen, daß du Talent zu einem recht soliden Ehemann hast, der seiner Frau gerne manche freie Stunden schenken wird. Da meine ich auch, wird sich das Heimweh nicht zu sehr einstellen. Ob ich Anlage hiezu habe, kann ich wirklich nicht beurtheilen wenn ich von hier weg war habe ich bis jezt noch nie welches empfunden, nur hat mir regelmäßig nach meiner Heimkunft Salzburg doppelt gut gefallen. – Für heute lebe recht wol, es ist wieder Leseabend/: ohne Donnerwetter so Gott will :/ - 28.November 8 ½ Uhr früh. Daß du in Mödling keinen eigentlichen Freund hast, schriebst du mir nach Adelholzen mit der Bemerkung, du würdest nun auch keinen suchen, sondern warten, bis du die Freundin bei dir hättest. Geduld, liebster Freund in wenigen Monaten wird sie bei dir sein, und wird suchen, so gut sie es kann, eine treue, theilnehmende Gefährtin zu sein, so wie sie in dir, du Lieber ihren besten, innigen Freund gefunden zu haben glaubt. Und gebe der liebe Gott, daß zwischen uns allzeit inniges Vertrauen, vollste Offenheit und unbedingte Wahrheit bestehe. „Einander ganz sich schließen ein, sich nie ein Wort verhehlen.“ Daran wollen wir festhalten, nicht wahr? – Daß du am vergangenen Mittwoch einen heiteren gemütlichen Abend verlebtest, freut mich für dich. Ich freue mich auch, daß Ihr Euch meiner freundlich erinnert habt, und danke für den mir gebrachten Toast! An die beiden Ehepaare, Angermay[e]r und Spängler bitte ich dich bei Gelegenheit freundliche Empfehlungen meinerseits zu entrichten. Emma ist natürlich sehr froh, daß ihr so lange erwartetes Ziel auf einmal so nahe gerückt ist. Gestern hielt Albert seinen Einzug in Hallein, ich glaube, er bekommt vorläufig zwei Zimmer von der Wohnung des kürzlich verstorbenen Dr: Gstöttner für seinen neu zu gründenden Haushalt mit Emma ist noch keine Wohnung ermittelt. Mama Zeller und Emma gehen schon Möbel aussuchen, und belustigen sich an dem Gedanken, daß sie am Ende für die ausgewählten Einrichtungsstücke kein Zimmer haben. Wie es Stielitz geht, habe ich in neuerer Zeit nicht erfahren, gestern mochte ich das Gespräch nicht auf dieses traurige Thema bringen. – Um nicht zu vergeßen: Meiner Rechnung nach trifft von den Geibelschen Gedichten für heute N:5 u. 6 von den Distichen aus Griechenland, morgen werde ich dann drei und am Donnerstag die 4 lezten Gedichte dieses Abschnittes lesen. Am Freitag können wir mit dem dritten Buch beginnen, betitelt: „Athen“ und von da regelmäßig drei Gedichte lesen, ist es dir so recht? – In der Frithiofsage bin ich gestern beim 12.Gesang „Frithiofs Rückkehr“ stehen geblieben. Um die verschiedenen fremden Anspielungen auf die nordische Mythe u. dgl. möglichst zu verstehen, lese ich jedesmal vor dem Beginn eines neuen Gesanges, die dazu gehörigen Anmerkungen, wodurch ja das Verständnis sehr erleichtert wird. – Am Sonntag Nachmittag wohnten wir einem Vortrag des Herrn von Korab [?] bei, den er in einer Versammlung der „Salzburger Landeskunde“ hielt, über die Familie Thanhausen. Schade um die viele Arbeit, die ein derartiger Vortrag kostet. Wir erfuhren dadurch nichts Weiteres über diese Familie als daß ein gewißer So und So von Thanhausen, eine aus der Familie X X heirathete u. so fort, über das Wirken der verschiedenen Familienglieder kam nicht viel vor. Dazu ließ auch die Vortragsweise zu wünschen übrig. Wirklich bedauern muß ich, daß Direktor Schmund [?] nicht mehr hier ist, seine geschichtlichen Vorträge waren für mich ein sehr großer Genuß, und sehr nüzlich, da wie du weißt mein Unterricht in Geschichte und Geografie recht mangelhaft war. – Gestern war ich ganz kurz bei deiner Mutter, sie dankt für deine Sendung und grüßt dich herzlich. Sie hat eben die Näherin um ein Kleid zu machen, wenn dieselbe fort ist, wird sie dir schreiben. – Hast du dich in Wien gut unterhalten? Neuestes Stadtgeschwätz ist, daß Frau von Engroth sich scheiden laßen wolle. Hoffentlich ist das eben nur Geschwätz. Nun lebewol mit tausend herzlichen Grüßen deine treue Fanni. Großmutter grüßt. | ||
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| + | 1871 Brief von FANNI SCHLEGEL (Nr.19) an FRANZ SPÄNGLER (Nr.18): 1.12. dito [mit im Umschlag des folgenden Briefes] 4 Uhr Nachmittag: Mein lieber Franz! Wenn ich heute gegen meine sonstige Gewohnheit, so bald nach Empfang deines lieben Briefes an dessen Beantwortung gehe, so ist es die Hoffnung und der Wunsch, diese Zeilen sollten dich morgen noch ehe du nach Wien fährst, treffen, da ich für dieselben die gewohnte Adresse vorziehe. Deinen Brief erhielt ich nämlich erst nach 2 Uhr. – Für dein so sehr liebes Schreiben meinen herzlichsten Dank, ich kann nur die oft ausgesprochene Bitte an den Allmächtigen wiederholen, es möge die Zukunft Alles das erfüllen, was wir Beide jezt erwarten. Könnte ich am Sonntag anstatt mit diesen wenigen Zeilen, aus der Ferne dir zu deinem lieben Namensfeste zu gratuliren, vor dich hintreten und Aug in Aug meine Wünsche dir sagen, ich müßte immer wiederholen, daß es mein erster innigster Wunsch ist, dir das sein zu können, wast du von mir hoffest, eine treue, liebende Frau, die es vermag, dich so recht glücklich zu machen. Sehe ich dieses Ziel erreicht, dann will auch ich mich glücklich nennen. Daß sich diesem ersten und größten noch manche andere gute Wünsche anreihen, die an Tagen wie der 3.Dez. mehr als sonst zum Ausdruck gelangen möchten, wirst du mir glauben, so aber auch, daß diese Wünsche fort und fort in meiner Seele leben. Beiliegende freilich so sehr bescheidene Gabe, deren Stickerei ein recht mangelhaftes Werk meiner Hand ist, nimm freundlich als ein kleines Zeichen liebender Erinnerung. Möchten sich diese leeren Blätter mit recht vielen guten Aufzeichnungen bedecken! Deinen nächsten Namenstag werden wir, so Gott will, mitsammen als ein liebes, häusliches Fest feiern. Ich freue mich darauf, wenn es mir gelingt, dich nach des Tages Mühe und Beschwerde zu erheitern, und mit liebender Hand auf deiner Stirn die Falten des Unmutes zu zerstr vertilgen, die geschäftliche Sorgen und Unannehmlichkeiten darauf gesammelt haben. Ach, auch mir wird es oft schwer, zu glauben, daß jene Bilder stillen Glückes Wahrheit werden können die oft in unbestimmten Umrissen meinem inneren Auge vorschwebten, die nun um so mehr zu festerer Gestaltung kommen, je tiefer der Glaube an deine treue Liebe an unsere Zusammengehörigkeit in meiner Seele Wurzel faßt. Die Liebe sei blind, sagen die Menschen, sie sehe nicht die etwaigen Fehler des Geliebten; ich meine aber, es bedürfe nicht der Blindheit um diese zu ertragen, sondern nur der Duldsamkeit, die ja eine Eigenschaft der wahren Liebe ist. Ich stelle dem Worte, die Liebe ist blind das Wort entgegen: Wahre Liebe erträgt alles. Darum, sollten wir Eins am Anderen dereinst Fehler und Schwächen sehen, für deren Erkenntnis wir jetzt kein Auge haben so wollen wir mit Schonung und Nachsicht einerseits und mit dem ehrlichen Willen, dieselbe zu bessern andererseits dagegen zu Felde ziehen, und es wird gewiß gut werden. Ich wende mich diesmal zum Schluße, obwol noch Allerlei in deinem Briefe zu erledigen bleibt, damit das Paketchen heute noch fortkommt. Siehst du, jezt können wir schon sagen, in diesem Monat werden wir uns wiedersehen! Mit dem Wunsche du sollst deinen Namenstag recht heiter feiern, umarmt dich innig deine treue Fanni. – Großmutter grüßt dich und gratulirt auch. | ||
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| + | 1871 Brief von FANNI SCHLEGEL (Nr.19) an FRANZ SPÄNGLER (Nr.18): 2.12. dito, Spängler... „Abgabe bei Sr. Wolgeboren Herrn Landesgerichtsrath Angermayer VIII Bezirk, Schmidgasse N:3, Thür 20. III Stock“ Mein lieber Franz! Hoffentlich kommt heute mein gestern abgeschicktes Packetchen in deine Hände, um aber deinen Wunsch zu erfüllen, beginne ich hier einen zweiten Brief, den ich unter der vor dir angegebenen Adresse nach Wien sende, damit du morgen früh auch einen Brief von mir findest. Durch die größere Eile, mit der ich gestern Abend schrieb, war ich auch verhindert, deine lieben Zeilen eingehender zu beantworten. Nimm daher diesen Brief als Fortsetzung des gestrigen. Daß ich doch morgen persönlich unter der Zahl Jener sein dürfte, die dir freundliche, herzliche Wünsche darbringen! So muß ich mich begnügen, dir im Geiste nahe zu sein, und kann nur in Gedanken den morgigen Tag mit dir feiern. – Bis zum nächsten Jahr wird das anders sein, und da hoffe ich auch dir freudig bestätigen zu können, daß du wirklich Talent zum guten Ehemanne hast, und du wirst auch bis dahin wißen, ob ich deinen Anforderungen einigermaßen entspreche. Was das Stadtgespräch wegen dem Ehepaar Engroth betrifft, hoffe auch ich, daß kein eigentlicher Grund dazu vorhanden ist obwol solche Sch[w]ätzereien denkbarerweise nicht ganz ohne Grund entstehen können. Freilich wird aus der Mücke ein Elephant gemacht. Obwol ich Betty nur sehr flüchtig kenne, würde ich sie herzlich bedauern, und hat mich die Geschichte auch gar sehr befremdet. Hast du schon gehört, daß Wilhelm Fenzl gestorben ist? Wenn du Jemand von der Familie Fenzl siehst, entrichte mein aufrichtiges Beileid. – Das von dir lezthin erwähnte Feuilleton habe ich gefunden und natürlich mit Interesse gelesen, ich finde auch, daß über das „Alter der Liebe“ Gesagte sehr hübsch. Liesest du die lezten Nummern der „Gartenlaube“? Heideprinzeßchen ist schrecklich unwahrscheilich, da ist das „Geheimnis der alten Mamsell von Marlitt von viel natürlicher. Der kürzlich erschienene Aufsatz über das Leben, oder besser das Zugrundegehen einer Pariser Arbeiterin, war ganz dazu angethan zu recht bitteren Gedanken zu stimmen. Warum kann denn solches Elend über manche arme Menschen verhängt sein die ja so gut Ansprüche auf das Glück haben und die eben so gute Menschen sind wie die Begünstigten? vielleicht so viel Bessere! Doch das ist eben auch kein heiteres Thema. Und nun zu was Anderem! Ich bin schon neugierig, wie die Zusammenkünfte der Salzburger dir gefallen werden. – Emma hat noch immer keine Wohnung so viel ich weiß, sie beneidet uns, daß wir schon eine haben. – Um in der in der Apologie geschilderten Weise von künftigen schönen Stunden zu träumen, bin ich viel zu sehr „Schlafhaube“. Morgens ruft mich die großmütterliche Stimme aus tiefem Schlummer zu Bewüßtsein und ich behalte durchaus keine Zeit für Morgenträume mit offenen Augen. Aber bei den verschiedenen täglichen Arbeiten male ich mir oft aus, wie Alles in meinem künftigen Haushalt sein wird! – Doch nun lebe wol und behalte lieb deine treue Fanni. – In 22 Tagen auf Wiedersehen! | ||
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| + | 1871 Brief von FANNI SCHLEGEL (Nr.19) an FRANZ SPÄNGLER (Nr.18): 4.12. dito, kleinerer Umschlag mit aufgeklebter Marke 5 Kr., 5 Uhr Abends. Mein lieber Franz! Für deine lieben Zeilen meine besten Dank. Es ist mir lieb, daß ich am Samstag einen Brief nach Wien schrieb, da mein Schreiben vom Freitag sich verspätete. Es muß eine Ahnung gewesen sein, was mich bestimmte, auch am Samstag zu schreiben, denn ich hatte sicher darauf gerechnet, daß du meinen ersten Brief noch vor der Fahrt nach Wien bekommst. – Also die Zusammenkunft der Salzburger hatte eine solche „Anwandlung“ zur Folge! und auch noch andere unschuldige Seelen hast du verführt, in mitternächtiger Stunde die öffentliche Halle des edlen Mokka mit dir zu besuchen, anstatt friedlich zu ihren Privaten heimzukehren. Oh Oh, was hören meine Augen, sehen meine Ohren. Doch da bekanntlich ein freimüthiges Geständnis ein großer Milderungsgrund ist, so will ich die „Anwandlung“ mit sehr milden Blicke betrachten, und sogar lobend hervorheben, daß troz alledem Geibel nicht hintergesezt wurde, sondern die 3 Gedichte obgleich zu etwas ungewöhnlicher Zeit und wahrscheinlich mit müden Augen von dir gelesen wurden. In Ernst, ich freue mich, daß du einen vergnügten Abend zubrachtest und höre gern, daß du so heiter warst, und wünsche dir zugleich öfters so gemüthliche Abende. Wie hast du den gestrigen Tag zugebracht? Wir waren von der Familie Zeller aufgefordert gewesen zu einer Schlittenfahrt nach Hallein, lehnten es aber ab, und so war ich still zu Hause. Oft weilten meine Gedanken bei dir, du Lieber. Gegend Abend gingen wir zu Gattermayer. – Von den G‘[eibel]schen Gedichten treffen heute: Beim Feste, das Mädchen im Hades und Hirsch und Reh. Meiner Rechnung nach werden wir den 22. Dez. fertig. Bald kommt nun Weihnachten, wie freue ich mich darauf! Hast du Nichts mehr über das Befinden deines Herrn Collegen gehört? Wirst du denn alle Arbeit die du dir vornimmst, bewältigen können. Gar so sehr sollst du dich doch nicht anstrengen! Heute werde ich die Frithiofssage auslesen, wol auch erst etwas später da heute wieder Leseabend ist. Diesen Brief werde ich morgen Vormittag schließen, vielleicht ist dann wieder dein Brief in meinen Händen. Für jezt, behüt dich Gott! – 5.12. 12 ½ Uhr Mittag. Da ich bis jezt deinen für heute gehofften Brief noch nicht erhielt, will ich diesen nun schließen, damit du ihn morgen bekommst. Du wirst gestern wol nicht Zeit gehabt haben, mir zu schreiben, da will ich den[n] mit Geduld auf deinen nächsten Brief warten. – Der gestrige Leseabend verlief ohne besondere Ereigniße. Im Bette las ich noch die Gedichte, war aber dann zu müde, um die Frithiofs sage noch auszulesen. – Emma hat noch immer keine Wohnung in Hallein finden können die ihr gefällt. Es sind da oben überhaupt wenig annehmbare Quartiere. Albert wartet auf Patienten. Es wird viel geneckt, daß er den Leuten anstatt wie bisher beim Abschied zu sagen, leben Sie wol, bleiben Sie gesund, lieber wünschen möchte, werden Sie bald krank u.s.f. Immerhin ist es schwer, als Arzt seine Stellung zu gründen, Albert hat aber auch noch keinen Namen als Doktor. Emma hat auch etwas bange. Mit Stiebitz geht es ziemlich gleich, manchen Tag ist er natürlicher und besser, manchmal ist er so voll Einbildungen. Dazu wird natürlich von den Leuten wieder alles mögliche Unsinn zusammen gewschwätzt. Nachsten Sonntag wird Athalia [Athalie] wiederholt. Von dort sind nur noch zwei Wochen bis Weihnachten, wie freue ich mich, wenn wir beisammen sein werden. Indem ich mich auf baldiges frohes Wiedersehen freue bleibe ich deine treue Fanni. Großmutter grüßt. | ||
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| + | 1871 Brief von FANNI SCHLEGEL (Nr.19) an FRANZ SPÄNGLER (Nr.18): 6.12. dito 7 ¾ Uh Abend. Mein lieber Franz! Ich danke dir bestens für deine lieben Zeilen von gestern, wie du gesehen haben wirst, habe ich auch deinen Brief vom 3. richtig erhalten. Am Sonntag, obwol ich meine Gedanken so oft bei dir weilen ließ, hatte ich nicht daran gedacht, daß gerade ein halbes Jahr seit dem 3.Juni verfloßen ist, erst gestern oder vorgestern fiel es mir ein. Der 3.Juni ist für uns ein mindestens eben so wichtiger Tag wie der 8.September und wird als ein bedeutungsvolles Fest im Kalender unseres gemeinschaftlichen Lebens verzeichnet stehen, welches wir, so Gott will, auch nach manchem wechselvollen Jahr gerne als ein recht freudiges feiern werden. Wenn ich daran denke, welcher Sturm damals in mir sich erhoben hatte, will mir der 3.Juni eigentlich so wichtig vorkommen, daß nur der Tag der Trauung damit verglichen werden kann, denn das entscheidende Ja des Verlobungstages hatte sich im Laufe unserer Correspondenz allmälig vorbereitet, und ich hatte da auch wirklich eine weit geringere Aufregung als an jenem Nachmittag bei Zeller. Wer mir damals gesagt hätte, wie bedeutungsvoll die Gartenpromenade werden sollte. Ich fand, weißt du noch, das Wetter so gar nicht einladend zum Spazierengehen und hätte dir auch auf jenem Hügel beinahe nicht Stand halten wollen. Es kam mir überhaupt so eigen vor, daß du mit mir immer so aus der Nähe des Ehepaares Wahl zu kommen suchtest, aber doch ahnte ich nicht Arges. – Und der Schreck den du mir bereitetest war doch arg. – Wo wir am nächsten 3.Juni sein werden? Hoffentlich in Mödling. Weist du, heute beschäftigete mich ziemlich lebhaft der Gedanke, es wäre doch Schade, wenn wir, kaum in unserer hübschen Wohnung eingerichtet, wieder anfangen müßten, in Wien eine zu suchen, wer weiß ob uns da das Glück auch so günstig wäre. Doch, wir wollen uns deshalb noch nicht beunruhigen, es wird ja Alles recht werden. Mein nächster Wunsch ist dermalen, daß wir zu Weihnachten uns recht froh und glücklich wiedersehen, und daß es das Befinden deines Collegen erlaubt, daß du doch eine Woche bei mir bleibst. Frl. Fanni Stölzl war früh einen Augenblick bei uns, und ich ersuchte sie, an Ludwig zu entrichten, was du mir hinsichtlich Dr.Kanisch schreibst. Natürlich wirst du ihn nicht wieder bestellen. Wenn er dich gerne sehen will, soll er einmal nach Mödling fahren. Ist der von dir oft genannte Dr.Kaserer nicht ein Sohn des hier lebenden Rechnungsrathes Kaserer? Eine Tochter des Lezteren Frl: Maria ist ein Mitglied unserer englischen Conversation, die andere Theilnehmerin ist Fräulein Worderegger, eine Nicht von Frl: Henf [Rosalie Henf]. Frl: Worderegger ist ein sonderbares Geschöpf. Anfangs war mir ihre Art gar nicht sympathisch, und nun finde ich sie ganz interessant und empfinde eine Art von Theilnahme für sie, da aus ihren Reden sooft hervorleuchtet, daß sie wenig Liebe von ihrer Umgebung genoßen hat, überhaupt eine ziemlich freudlose Jugend verlebte, was sie mit einer gewißen Bitterkeit und mit wenig Glauben an das Gute in der Welt erfüllte. Frl: Kaserer ist noch etwas Backfischchen und würde im Falle, Psyche käme als Amorettenspenderin, etwa von N:2. der Beschenkten sich gebohren [?]. Welchen Platz würdest du mir etwa zuspielen? Zum Schluß muß ich dir noch mittheilen, daß wir F.J. Arma XXX Lida und ich, heute zum ersten Mal wieder am Eis waren, zwar nicht in Leopoldskron, sondern in der Nähe der Lederfabrik. Ich habe das Eislaufen nicht verlernt, doch scheint mir, ich werde es heuer nicht mit solcher Passion betreiben wie in den letzten Wintern. Indem ich mich auf deinen nächsten ausführlicheren Brief freue bleibe ich deine treue Fanni. – Großmutter grüßt. - In der „grünen Mappe“ Briefchen an Franz Spängler, Glückwunsch 1871, auf Visitenkarte von Dr.Josef Kaserer. – „Nachmittag bei Zeller“: dazu Umschlag mit Visitenkarte „Fanni Schlegel“ mit zwei getrockneten Blättern: handschriftlich „Weinlaub Zellerhügel 13/9 Nachm.“ [da hat er um die Hand angehalten; vgl. das Jahr der Verlobung 1871] und „Eichenblatt Maria Plain 13/9 1871 Vorm.“/ „Ich stelle hiemit den vergeßnen Hut zu, und wünsche recht gute Nacht. Morgen auf Wiedersehen in der Franziskanerkirche zur 8 Uhr Messe.“ | ||
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| + | 1871 Brief von FANNI SCHLEGEL (Nr.19) an FRANZ SPÄNGLER (Nr.18): 8.12. dito 8 ¼ Uhr Abends. Mein lieber Franz! Wie soll ich dir danken, du Lieber, für die mir heute zugekommene Sendung? Ich brauche dir wol nicht zu versichern daß ich dieselbe mit freudiger Überraschung in Empfang nahm. Auch für deine so sehr lieben Zeilen meinen besten Dank! Wie innig freue ich mich, aus jedem deiner Briefe zu sehen daß du mich so lieb hast. Ich weiß nur so gar nicht, wie ich diese Liebe verdiene, doch nein, sie läßt sich nicht verdienen, sondern ist ein freies Geschenk des Himmels. „Lieb ist Wunder, Lieb ist Gnade die wie der Thau vom Himmel fällt. singt ja unser Freund Geibel und ich will nur suchen mich diese[m] Glück auch wert zu zeigen so weit es in meiner Macht ist. – Denke dir, Amaranth ist mir bis auf einige Stellen ganz unbekannt, doch nun will ich bald recht gut damit bekannt werden. – Wolthuend ist mir die Überzeugung daß die Religion dir nicht wie es bei so vielen Anderen der Fall ist, zu den „überwindbaren Standpunkten“ gehört, sondern daß du dieselbe hoch und heilig hältst. So Gott will, werde auch ich all mein Leben lang festhalten an dem Glauben und in allen verschiedenen Lagen Mut und Trost im Gebete suchen. Um so unangenehmer berührt es mich oft, wenn ich sehe, wie so manche leere Ceremonien, wie viel unnützer Pomp und leider auch wie manche Mißbräuche die einfache, reine Christuslehre entstellt haben. Wer es vermöchte, sie von dem Schlechten zu befreien, und sie zu der einfachen Würde zurückzuführen, die in dem Wesen unserer hl: Religion begründet liegt! – Doch wohin bin ich jezt gekommen. Ich schließe für heute, morgen Vormittag Fortsezung. – Gute Nacht du Lieber, behalte mich lieb. – 9.12. ¾ 10 Uhr Vorm. Erst nachdem ich meinen Wirtschaftspflichten Genüge geleistet habe, komme ich zur Fortsezung meines Briefes. Großmutter kann nämlich heut beinahe 2 Wochen nicht ausgehen, da ihr eine Frostbeule am Fuße so zu schaffen macht, und so mußte ich auch heute die verschiedenen Einkäufe besorgen. – Bitte sage dem uns so freundlich gestimmten St: Nikolaus meinen besten Dank dafür, daß er sich so freundlich gütig um die Einrichtung unsers neuen Haushaltes besorgt zeigte. Wenn die Heiligen selbst an der Ausstattung unsers Hauses Theil nehmen, kann doch nichts Anderes als ein kleines Paradies daraus werden. Nur scheinen mir die himmlischen Hausgeräthe ein wenig zu zierlich für irdischen Gebrauch. Jedenfalls nimmt der himmlische Nudelwalger einen Ehrenplatz ein, da er im Archiv sorglich verwahrt liegt. – Auch ich bin jezt öfters ziemlich ernstgestimmt, im Grunde bin ich stiller als sonst, und oft und oft beschäftigen sich meine Gedanken mit der großen Veränderung die mir bevorsteht. Zuweilen empfinde ich etwas wie Furcht, namentlich um den bevorstehenden Abschied, doch auch dieser wieder vorübergehen und ich hoffe in meinem neuen Heim auch bald angewöhnt zu sein. – Endlich hat Emma eine Wohnung in Hallein, im Hause des Kaufmanns Hänsel, doch muß sehr viel von Herrn v.Zeller gerichtet werden. Freilich zahlen sie auch nur 130 fl Zins. Auch Emma denkt mit einiger Besorgnis an ihre herannahende Vermählung. Ihre Hauptsorge ist freilich, ob Albert hinreichend Beschäftigung finden wird. Gestern war ich bei Zeller und da hörte ich, daß sich Stiebitz doch auf dem Wege der Besserung zu befinden scheint. Wie ich es Allen wünsche, daß diese Sorge verschwindet. Für diesmal aber genug, ich muß in die Küche, da hätte ich keine Ruhe mehr. Heut über 14 Tage fährst du hoffentlich von Mödling fort. Wie freut sich auf ein fröhliches Wiedersehen deine treue Fanni. – Großmutter grüßt. | ||
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| + | 1871 Brief von FANNI SCHLEGEL (Nr.19) an FRANZ SPÄNGLER (Nr.18): 11.12. dito 9 ¼ Uhr Vorm: Mein lieber Franz! Es ist sehr freundlich von dir, daß du mir schon gestern wieder einen so lieben Brief zukommen ließest und ich danke dir hiemit herzlichst dafür. – Der 3.Juni wird noch manchmal Stoff zu Gesprächen liefern, denke ich; ob wir zu Weihnachten den denkwürdigen Hügel besuchen werden, hängt wol zunächst von dem Wetter ab. – Sollte ein Tag schön genug sein, um einen Spaziergang zu machen, so möchte ich recht gern mit dir die Stelle besuchen, wo du mir solchen Schreck bereitetest. Wie du selbst sagst, habe ich mich dann gründlich erholt und begriff auch längst warum du immer auf einsamen Pfaden mit mir wandeltest. Jezt wundert mich nur, daß diese Promenade nicht einen göttlichen Schnupfen zur Folge hatte! Diesmal werden wir es wohl nicht wie eine Erleichterung empfinden, wenn uns Jemand beim traulichen Gespräche in den Weg kommt! – Dem Herrn Bez: Richter bin ich sehr dankbar, daß er dein Kommen bewilligte, und wünsche nur, daß du recht lange Urlaub bekommen möchtest. Tag wie Tag enteilt, und bald werden wir froh und glücklich beisammen sein. Wie ich mich auf den Augenblick des Wiedersehens freue! Aber der Sturmlauf, liebster Freund, wird nichts nützen, es bleibt doch dabei! Ganz im Ernst, ich finde selbst den April besser für unsere Hochzeit. Ich glaube im Winter wäre es mir auch schwerer meinen kleinen Haushalt in Gang zu bringen. Anfangs wo sowol der Magd als mir Alles neu und fremd sein wird, werde ich ja auch alle Einkäufe selber besorgen müßen, um die Verhältniße kennen zu lernen, und mancher Weg wird da auch doppelt gemacht werden, das wäre im Winter nicht besonders angenehm. Und der Hauptgrund bleibt immer die Hochzeitsreise, es wäre doch ewig schade, wenn wir mit unsern werthen Namen nicht an verschiedenen Orten die historischen Denkmäler vermehren helfen würden, denn wir dankbar wird sich die Nachwelt über unsere Autographen freuen. Glaubst du nicht das Straßburger Münster würde ein heiliger Schimmer durchzucken, wenn unser Namenszug seinem ehrwürdigen Gestein eingerizt würde, ähnlich wie Uhland von der Namensinschrift Goethe’s singt? – Die Fälschung meiner Namensunterschrift halte ich für ein schweres Vergehen, dessen einziger Milderungsgrund darin besteht, daß dadurch allen Erfahrungen zufolge, Niemandem ein nac[h]weisbarer Schade zugefügt wurde. Aber auch noch eine Vorlage für künftige Fälschungen zu liefern würde mich ja zur Mitschuldigen machen, da werde ich mich hüten! – Nach Tische. Wegen mir, bitte ich dich, in der Versezungsangelegenheit ganz nach deinem Ermessen zu handeln. Mir wäre es leid, wenn du aus Rücksicht für mich etwas versäumen solltest, was zur Erreichung dieses nächsten Zieles deiner Bestrebungen beiträgt. Ob wir zuerst nach Mödling oder sogleich nach Wien kommen, ist für mich doch im Grunde gleich. – Wo du bist, da will ich auch sein. – Die prosaische Wendung deines lezten Briefes gefiel mir ganz gut, und ich wäre von einer Erhöhung deines Gehaltes ganz angenehm berührt. Siehst du, ein wenig geldgierig bin ich auch. Es kommen immer neue Eigenschaften ans Tageslicht. – Vormittag war deine gute Mutter bei uns sie trug mir nebst vielen Grüßen noch Folgendes an dich auf: 1. Du sollst doch für die Heimreise einen Pelz auszuleihen suchen, vielleicht bei einem deiner Collegen oder einem Kürschner? 2. Wünscht deine Mutter, daß du Pelzstiefel für die Reise haben solltest u. 3. läßt sie dich an die wollenen Pulzwärmer erinnern, die du nicht nur zur Reise sondern auch so anziehen solltest. Ich möchte dich wol auch bitten, dich für die Reise recht gut zu versorgen. Bei dieser Kälte ist eine 12stündige Eisenbahnfahrt ohnehin ein sehr frisches Vergnügen. Mit der Bitte behalte mich lieb umarmt dich deine Fanni. – Großmutter grüßt. | ||
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| + | 1871 Brief von FANNI SCHLEGEL (Nr.19) an FRANZ SPÄNGLER (Nr.18): 14.12. dito ¾ 10 Uhr Vorm: Mein lieber Franz! Recht sehnsüchtig erwartete ich deinen lieben Brief, den ich vor eben einer halben Stunde erhalten habe. Ich hatte schon gestern auf ein Schreiben gehofft, und dein Brief hätte auch eigentlich gestern kommen sollen, da er schon am 12. geschrieben wurde. Um die Verzögerung wieder gut zu machen, schreibe ich schon jezt und werde den Brief noch vor Tische aufgeben. Ich weiß nicht, warum die Briefe jezt länger brauchen, allein deinen lezten Brief erhielt ich wirklich erst Sonntag den 10. früh. Ich hatte am Samstag eine Arbeit, nämlich die Kisseneinsätze fertig zu machen und schrieb darum erst am Montag, schickte den Brief aber noch bald genug fort, daß du ihn Dienstag hättest bekommen müßen. Hast du am Dienstag Abends meinen lezten Brief bekommen und wie du dir vornahmst, beantwortet, so glaube ich, ist es besser wenn du diese Zeilen nicht beantwortest, sondern meinen nächsten Brief abwartest, sonst kommen wir nicht in die Ordnung. Sobald ich deinen nächsten Brief erhalte, werde ich wieder schreiben. – Über 10 Tage ist nun schon der Weihnachtsabend da! – Ich habe schon nachgedacht, wie wir denselben zubringen werden. – Bisher haben wir die Weihnachtsabende sehr einfach zugebracht. Um 6 Uhr Abends ist der Christbaum bei meinen Eltern, dann blieben wir noch eine kurze Zeit beisammen, die Kinder werden bald zu Bette gebracht und wir verbrachten den Rest des Abends still zu Hause. Frl: Nainringer [?] und mein Bruder Richard warteten mit uns die Mitternachtsstunde, wo wir zur Mette gingen. Für heuer nun meinte ich, wirst du vielleicht mit uns bei der Bescherung zusehen und dann dachte ich, würde deine gute Mutter und du bei uns sein. So war mein bisheriges Programm. Wird etwas Anderes bestimmt, so können wir ja am hl: Abend noch darüber verhandeln. Die Hauptsache ist und bleibt, daß wir beide vergnügt beisammen sind. O wie ich den hl: Abend herbeiwünsche! - Jezt kommt wieder die liebe Prosa! Deine gute Mutter war eben bei uns; sie fügt den dir lezthin mitgetheilten Ermahnung nebst vielen Grüßen noch bei, du sollst dir zur Reise und auch wenn du sonst über Land mußt, doch eine Mütze von Astrachanstoff machen laßen, wie dein Bruder auch eine hat, und zwar mit Lappen für die Ohren, um dich so genug zu schützen von Erkältung. Ferners sollst du auch die wollenen Sachen [?] nicht vergeßen und falls dieselben schadhaft wären, solches allzugleich melden! Bitte diese Frage zu beantworten. – ½ 12 Uhr Mittag. Soeben erhielt ich auch deinen gestrigen Brief ich danke dir bestens dafür. Nun wird unser Briefwechsel ja wieder in Ordnung kommen. Bis zur Hochzeit wird das Hundert unserer Briefe sicher voll. Um diesen Brief rechtzeitig aufgeben zu können, füge ich nur noch in Kürze bei, daß Großmutter zwar jezt noch nicht ausgehen kann, doch ist ihr Fuß schon viel besser. Zu Weihnachten kann sie auch hoffentlich ausgehen. Deine Frage wegen dem Wirthschaftsgeld diene zur Antwort, daß mir die Großmutter doch keine freie Hand in der Eintheilung unserer Wirthschaft ließ, und ich daher baldigst das Portefeuille zurücklegte. Ich muß schon sehen, wie ich ohne diese Vorstudien mit meinem Finanzminister auf Gleich komme. – Was meinen künftigen Namen betrifft, so habe ich noch nie versucht, wie er aussehen wird und zeichne mich hiemit feierlich als deine treue Fanni Schlegel in Zukunft Fanni Spängler. – Großmutter grüßt. | ||
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| + | [Brief von (Nr.37) ANTONIA SPÄNGLER an den Sohn (Nr.18) FRANZ SPÄNGLER]: Salzburg 14.12.71: Mein innigstgeliebter Franz! Recht herzlich freute es mich, heute von dir einen Brief erhalten zu haben, deine Briefe sind selten aber ich kann es dir gar nicht verargen, da du so oft an deine Fany [Fanni] schreibst, und die Zeit dir ohnedieß oft sehr zugemeßen sein wird. Ich freue mich schon auf den 24te wo ich so Gott will [dich] in meine Arme werde schließen könen, mit Vergnügen nehme ich heute wahr besonders Abends das die große Kälte ein wenig nachläßt, seit 1830 war es nie mehr so kalt wie diese 3 Tage, man glaubte es sey nicht zum außhalten so hat es einen gebrant, wen man auß dem Hauß ging. Wie ich höre so bekömmt man für die Füße Wärm Flaschen, dieß ist doch beßer sonst könte man am Ende ganz steif werden. Ziehe ja jetzt oft die Schafwollsocken an, und das ist klar daß du die schlechten [Hemden] mit denen Krägen als Nachthemden hernimmst, du bekömmst ja ohnedieß 24 neue Taghemden und 6 neue Nachthemden also gewiß genug. Beyliegend sende ich dir die Fingerweite von der Fany [Fanni] mit, die groß Mutter glaubt, es würde sie ein solchen sihr [Ziehr?] freuen, weil der von ihrer Mamma ja gebrochen ist. Ich glaube schon das bey Carl eine Einladung ist, aber ich denke, man wird uns sagen, wir sollen uns nicht genieren, wen wir zur großmutter gehen wollen den ich glaube nicht, daß es Ihre Begehren [?] ist, wenn die groß mutter auch kömmt, die Fany [Fanni] allein würde sie vieleicht auch einladen, aber die großmutter hat heute gesagt sie wünscht den letzten Weihnachts Abend mit Fany [Fanni] zu zubringen, bey Schlägl [Schlegel] ist nur die Christvertheilung, ohne alles weiter. Die großmutter glaubt, wen nicht für sie auch eine Einladung kömmt, so wollen wir 2 den Abend bey ihr zubringen. Alles wird sich geben wen du kömmst. Wir richten uns nach Umständen. Die geldangelegenheit wird Otto schon bedenken wen er eines hat. Heute habe ich wieder um 51 X [Kreuzer] Knöpf gekauft zu die Duchend [Bettdecke] und Küßziehen. Das die Geschnitzer gestorben ist wird dir die Fany [Fanni] schon mitgetheilt haben, gestern war ihr Gottesdienst. Der Stipitz soll heute nach Linz gebracht worden sein in ein Institut, es ist dieß sehr traurig. Dieser Fall vom Stipitz kömmt mir nicht viel beßer vor als bey Egghofer [?]. Den letzten Samstag wo es glücklicherweise noch nicht so kalt war, war ich mit Otto und Louise in Hallein wo wir auch den Schumacher gesehen haben, nun hat er Geltenhaußen bekommen es ist doch etwas und wenn der Doktor FuhXX [?] in der Nacht geholt würde so, schückt an die Leute zu Schumacher es wird wohl nach und nach beßer werden. Lebe recht wohl mein lieber Franz es freut sich inig dich recht bald zu sehen deine treu dich zärtlich liebende Mutter Spängler. Sey versichert das ich dich gewiß täglich im Gebeth einschließe. / Lieber Franz! Die Mutter eilt schrecklich mit dem Absenden des Briefes, daher ich außer dem die Mutter betreffenden Weihnachtsgeschenk nichts anderes erörtern kann. Die Mutter braucht nothwendig einen Muff. Ich habe ihr ein Kleid gekauft. Wenn du circa 5 fl spediren willst, bekomme ich einen ordentlichen Muff. Wenn nicht einverstanden, bitte um Correspondenzkarte Dein Otto. - „Geschnitzer“: Die Familie Gschnitzer gehört zu den angesehenen Handelsfamilien in Salzburg; von 1847 bis 1850 ist Matthias Gschnitzer Bürgermeister, von 1854 bis 1861 dann Alois Spängler. Es liegt ein Partezettel vor für Anna von Reichel, geb. Gschnitzer, 84 Jahre alt, o.J. | ||
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| + | 1871 Brief von FANNI SCHLEGEL (Nr.19) an FRANZ SPÄNGLER (Nr.18): 17.12. dito 9 ¼ Uhr Abends. Mein lieber Franz! Um diese Stunde sitzen wir hoffentlich heute über 8 Tage längst vergnüglich beisammen; oh wie ich mich darauf freue, endlich wieder dich du Lieber hier begrüßen zu können. Heute sind es gerade 3 Monate, daß wir uns trennen mußten, eine lange Zeit, und doch wie traumhaft schnell verfloßen! Es ist so eigen, liegen vor uns Wochen, Monate bis zu einem ersehnten Ziel, so dehnt sich diese Zeit fast endlos vor unserem Auge, liegt eine ebenso lange Zeit hinter uns, so faßt unsere Erinnerung die vielen Tage und Stunden in eine einzige so schnell zu überblickende Reihe zusammen! – Wie schnell werden uns aber erst die wenigen Tage des Beisammenseins verfliegen, doch ich will nicht vom Scheiden sprechen vor dem Wiedersehn, und wir wollen uns dankbar auch des kurzen Beisammenseins freuen, im Hinblick auf ein langes ununterbrochenes, welches uns in Aussicht steht. – Ich vergaß lezthin in der Eile, deine Frage wegen den englischen Büchern zu beantworten. Ich erhielt kürzlich von Minna einen Brief, wo sie mit sagt daß ihr Vater ohnehin etwas früher zu senden hat, wo sie die Bücher beilegen wird, dieselben könnten übrigens wirklich gleich in Wien bleiben, da ich, wenn ich will, von Nihs Urry mit englischer Lektüre versehen werde. Ich werde von ihrer Güte auch Gebrauch machen und mir wieder etwas entlehnen. Jezt habe ich gerade eine recht nette englische Erzählung in der Arbeit, die ich vielleicht bis übermorgen auslesen werde. Abends lese ich mit großem Interesse „Amaranth“. Ich habe schon viele wunderhübsche Stellen gefunden. Heute las ich auch den von dir erwähnten Artikel über das Straßburger Münster, in der Gartenlaube[.] Deine gute Mutter werde ich zu beruhigen suchen, ich schrieb dir wortgetreu ihre Aufträge weil sie es dringend wünschte, daß du nicht alle befolgen wirst, habe ich ohnehin gedacht. /: Ich hätte es auch nicht gethan. :/ Ich fürchte nicht, daß du dich erkälten wirst, doch ist es schon gut, wenn du dich mit warmen Sachen versiehst, so eine Fahrt während einer kalten Winternacht ist ohnehin nicht erquicklich. – Wenn du doch nur gewiß bis Neujahr bleiben kannst, damit du dich nach dieser langen kalten Fahrt doch gehörig ausruhen kannst. So einige Feiertage werden dir nach der vielen Arbeit auch wol thun, nicht wahr? Nun bekomme ich nur noch einen einzigen Brief von dir, und meine Antwort wird gerade vor deiner Abreise von Mödling an dich kommen, dann kommt eine kleine Ruhepause für den Briefträger. Das ahnte er wo nicht, als er mir deinen ersten Brief brachte, daß wir ihn so in Thätigkeit setzen würden. Was er gedacht haben mag als er mir neulich am selben Tage zweeimal einen Brief von dir brachte? Ich hätte selbst nie gedacht, daß ich ja so viel und so gerne Briefe schreiben würde, ich glaube bis zum Juni 1871 hatte ich im Ganzen noch kein halbes Hundert Briefe geschrieben. Die Zukunftsunterschrift ist mir nicht schwer geworden, etwas ungewohnt freilich. Ich muß mir noch Visitkarten mit meinem bisherigen Namen machen laßen, aber blos ein halbes Hundert, dann kommt das von dir seinerzeit verfertigte Muster zur Ausführung. Hast du schon gehört, daß die Frau des Ludwig Zeller in Traunstein auf den Tod krank sein soll? Emmas Brautzeit wird zum Schluße nicht eben erheitert. Bei Zeller haben sie auch den Plan, Stiebitz nun doch in eine Heilanstalt zu bringen. – Doch nun behüt dich Gott. Es freut sich auf ein fröhliches und baldiges Wiedersehen deine treue Fanni. – Grüße von Plachetkas u. Großmutter. | ||
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| + | 1871 Brief von FANNI SCHLEGEL (Nr.19) an FRANZ SPÄNGLER (Nr.18): 22.12.1871 „Herrn Doctor Franz Spängler kk. Gerichtsadjunkt Mödling bei Wien“ 5 Kr. gestempelt „Salzburg Stadt 22.12.1871 11 [Uhr] Früh“, [Vermerk Franz Spängler:] „I,III erh[alten] 23/12 1871/ Abreise 23/12/ Salzburg 24/12 1871/ 1/1 1872“; rotes Lacksiegel, Stempel „Wien 23/12 1871“ [Briefpapier „FS“; hier in moderner Schreibung]: Salzburg, 21.Dezember 1871 8 ½ Uhr Abends. Mein lieber Franz! Ich hatte heute nicht Zeit, deinen lieben Brief bald zu beantworten. Ahne, dass dir schon morgen mein Schreiben zukommen könnte. Meinen besten Dank für deine lieben Zeilen, den letzten in diesem Jahre, denn ich hoffe immer, du wirst doch die kommende Woche hier zubringen können. Endlich kommt der ersehnte Augenblick des Wiedersehens so nahe, und übermorgen um diese Stunde führt dich das Dampfross schon der lieben Heimat zu. Wie ich mich freue! Du sprichst die Erwartung aus, mich Sonntag am Bahnhof zu sehen, sei nicht böse, wenn ich diesen Wunsch dir nicht erfülle. Siehst du, ich finde es so viel schöner und, offen gesagt, auch passender, dich daheim erwarten und begrüßen zu dürfen. Ich meine auch, es ist für dich besser, wenn du nach der nächtlichen Fahrt so rasch als möglich einen Platz in einem Omnibus zu erreichen suchst, damit wir dann ungestört beisammen bleiben können. Freilich wird dadurch das Wiedersehen ein wenig verzögert und ich werde ungeduldig genug die Minuten zählen, bis ich mit herzinnigem Gruße in deine Arme eilen kann! Aber auch diese letzten Minuten werden verfließen und dann winkt uns ja eine kleine Weile seligen Beisammenseins! Und um noch einmal, nicht wahr, du zürnst mir nicht, dass ich dir so offen meinen Entschluss, nicht auf den Bahnhof zu gehen, darlege? Vor allem anderen muss ich dir berichten, dass sich vorgestern die Zahl meiner Geschwister um ein kleines Schwesterchen vergrößerte. Das kleine Prinzesschen befindet sich sehr wohl und wurde gestern auf den Namen Bertha Franziska Maria getauft. Die Mutter [Stiefmutter] ist Gott sei Dank auch ganz wohl. Heute Mittag wurde der arme Stiebitz in die Irrenanstalt nach Linz gebracht. Wahl begleitet ihn nebst einem Diener. Die arme Frau Rosa ist krank vor Aufregung, ist auch kein Wunder. Dr. Zillner gibt allerdings alle Hoffnung, dass Stiebitz wieder ganz gesund wird, allein Gott weiß, wie lange sein Leiden dauert. Weißt du, das neueste Brautpaar Frl. Resi Saullich ist die Braut eines Herrn Wöss, welcher Compagnon des Fritz Krockauer in der ehemals Volderauer’schen Handlung ist. Wie man hört, soll die Trauung im April stattfinden. Ich träume ziemlich oft von dir, dass du kommst und so fort. Sehr häufig spielt in meinen Träumen das Bewusstsein hinein, dass ich deine Braut bin. Kürzlich träumte ich, wir wären in Venedig gewesen und ich konnte dich beim Herabgehen vom Markusturm auf einmal nicht finden. Sind wir denn mit der Geschichte in der Ordnung? Meiner Rechnung nach trifft für heut: Muth, Im Grafenschlosse und Der Einsiedler. So werden wir gerade am Samstag fertig [sie lesen zeitgleich einen Roman]. Und nun du Lieber, gute Nacht, die Antwort auf diese Zeilen kannst du mir mündlich sagen, bis dahin behalte lieb deine treue Fanni. Großmutter grüßt dich, es geht ihr gut. | ||
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| + | 1872 | ||
| + | Briefe „1871/1872“ (rot verschnürt, nicht gelesen) von Nr.18 Franz Spängler aus Mödling an Fanni = Nr.19 „Frl Fanny Schlegel Salzburg Marktplaz N 10 II Stok“ [...]: 2.1.1872. – 3.1.72. – 12.1.72. – 21.1.72. – 26.1.72. – 28.1.[72] mit „Blümchen“ vom Gesangvereinsball. – 29.1.72. – 4.2.72. – 11.2.72. mit Papierblümchen. – 16.2.72. – 19.2.72. – 22.2.72 Karte. – 23.2.72. – 24.2.72. – 27.2.72 Karte. – 28.2. – 11.3.72 mit Einschreiben und einem Glücksklee. – 23.3.72. – 27.3.72. – 30.3.72. [...] | ||
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| + | 7.1.72 aus Wien, siehe: „!882“; 15.1.1872 aus Mödling, siehe: „1882“ | ||
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| + | Briefe (rot verschnürt, nicht gelesen) von Nr.37 Antonia Spängler, geb. von Lürzer, 1803-1882, an den Sohn Nr.18 Franz Spängler, 1839-1912, aus Salzburg; zusätzlich mehrfach vom Bruder Otto. Oder umgekehrt von Nr.18 a Otto Spängler, 1841-1919, zumeist über Geldangelegenheiten der Mutter, und zusätzlich dann auch von der Mutter. Ohne Umschläge (einzelne Umschläge sind angegeben). – Vom 18.4.1870 bis 1871 und 28.12.1872; insgesamt 42 Briefe, 2 Umschläge nach Mödling. | ||
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| + | [1872; Brief von Nr.37 ANTONIA SPÄNGLER (1803-1882) an den Sohn Nr.18 FRANZ SPÄNGLER, 1872 verh. mit FANNI SCHLEGEL]: Salzburg 15.1.72: Mein liebster, theuerster Franz! Es sind nun heute schon 15 Tage seit, du von uns fort bist, und ich habe noch keine Zeile an dich geschrieben, allein ich bekamm lange keinen Brief von dir, hörte aber von Fany [Fanni] schon wie es dir geht auch von Otto, der aber mit einen starken Lontach [?] nach Hauße kamm, geht ihm aber jetzt gottlob wieder beßer. Auch bey uns geht es gut. Wir arbeiten sehr fleißig, aber es giebt nicht so viel aus weil der Tag noch so kurz ist. Ich denke schon bis das Bett in Ordnung ist das noch bey 40 oder 50 fl aufgehen. Den Näherlohn trieft ja auch noch für 18 Hemden, und Joppenleintücher. Das Bett wird so groß, das ich werde Roßhaar- Schließ und dergleichen dazu kauffen müßen. Wegen der Loden hat dir Otto schon geschrieben, das Ihr das Geld bekömt, wird Euch schon recht sein, aber das die Pepi ohne jemand davon etwas zu sagen es gethan, und leicht hätte sie um 500 mehr bekommen können, ja der Riedl sagte zum Otto 5 Tausend 500 gebe ich, aber die Roch welche den Loden für die Grol [?] kaufte ging nicht mehr zurück. Wie schnell die Zeit vergeht – ehe wir uns es versehen wird die Zeit da sein wo die Hochzeit ist. Diese Zeit wo die beyden Fany [Großmutter und Enkelin] nach Wien reisen wird für dich eine sehr belebte sein bey Tag wirst du in Mödling sein die Abende wirst du bey, und mit Ihnen zubringen. Das die Wall schon 5 Monathe in gesegneten ist, wirst du vieleicht schon wissen. Der Pepi Zellner geht es wieder beßer die Zellner war neulich bey mir, aber sie war sehr betriebt, weil eben so vieles zusammen kömmt. Für deinen lieben Brief danke ich die recht herzlich, weiß der liebe Gott ob ich doch einmal zu Euch komme, ich denke immer ich kann mir zu wenig helfen auf einer so langen Reise. – Der Mensch denkt, der liebe Gott lenkt, verXXden [?] thue ich es nicht. Morgen Mittwoch sind die 2 Fany und ich, und die Roch bey der Louise eingeladen. Ich muß schließen Lebe recht wohl es küßt dich mit iniger Liebe deine dich herzlich liebende Mutter Spängler – Sey versichert das ich recht fleißig für dich bethe | ||
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| + | 1872, Päckchen, zusammengeschnürt [erster Teil bis einschl. 9.Februar 1872], von FANNI SCHLEGEL (Nr.19) an FRANZ SPÄNGLER (Nr.18): Correspondenz-Karte Herrn Doctor Franz Spängler kk Gerichtsadjunkt, Mödling bei Wien; [Vermerk von Franz Spängler:] LIV erhalten 3/1 1872 beantwor[tet] 3/1: Salzburg 2 Jänner 1872 – Bis jetzt, ½ 5 Uhr Nachmittag erwartete ich vergebens die versprochene Postkarte; durch den morgen zu erwartenden Brief hoffe ich zu hören, daß die Reise recht gut zurückgelegt wurde. Ich konnte es nicht unterlaßen wenigstens in dieser Form tausend herzliche Grüße zu senden. Der nächste Brief wird ausführlich beantwortet werden. Mit herzlichem Lebewo[h]l F S. | ||
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| + | Brief von FANNI SCHLEGEL (Nr.19) an FRANZ SPÄNGLER (Nr.18): Herrn Doctor Franz Spängler kk Gerichtsadjunkt, Mödling bei Wien [LV erh 5/1 beantw 6/1 CorreXXX 7/1 mit L Fw (?) 8/1]; rotes Siegel „F. S.“; Prägestempel „englisches Staatswappen“, auch auf den folgenden Briefen]: Salzburg 3.Jänner 1872. Mein lieber Franz! Anstatt, wie es in den letzten, ach so rasch vergangenen Tagen geschah, Aug in Aug mit dir plaudern zu können, waffne ich meine Hand mit der Feder um einen neuen Cyclus von Schreibebriefen zu beginnen, wovon wo[h]l noch manches Exemplar die Reise nach Mödling wird antreten müßen, ehe ein fortdauerndes Zusammenleben die von dir erwähnte Abwechslung von Thätigkeit und Erholung gestatten wird. Es wird freilich sehr schön sein wenn wir nach vollbrachtem Tagwerk so gemütlich mitsammen am Sofa sitzen und einander die kleinen Erlebnisse des Tages mittheilen oder etwas lesen werden! Um wie viel süßer wird solche Ruhestunde sein, wenn der Tag in nützlicher Geschäftigkeit verging und die Reihe der Arbeitsstunden gleichsam eine Anweisung auf eine Weile der Erholung und Unterhaltung wird! Nach diesen Tagen absoluten Nichtsthuns will mir noch die Arbeit nicht recht von der Hand gehen, ich muß mich ordentlich erst wieder daran gewöhnen. Aber schön waren diese acht Tage wo du hier warst, nicht wahr? Ich werde mich allezeit gerne an die Weihnachtsfeiertage 1871 erinnern! Lebhafter als je bisher empfand ich in der Zeit deines Aufenthaltes hier unsere Zusammengehörigkeit, und bestärkte sich in mir die Zuversicht, daß wir zueinander passen. Gott segne unsern Bund! Freilich wirst du oft, recht oft Geduld mit mir haben müßen, doch soll es mir nie an gutem Willen fehlen, dir in Allem recht zu thun. – Am Abend des 1.Jänner unternahm ich nicht mehr viel, erst ordnete ich mein Schmuckkästchen das ziemlich in Unordnung gerathen war, nach Tisch las ich ein wenig und begab mich bald nach 9 Uhr zu Bette. Gestern begann ich wieder mein Alltagsleben, indem ich Vormittags bügelte und Nachmittag die englische Conversation besuchte. Abends war ich bei Lida, und ging wieder ziemlich früh zu Bette. Meine gestrige Postkarte hast du hoffentlich erhalten, deine bekam ich erst heute früh und zu Mittag 2 Uhr deinen Brief. Hoffentlich werden sich nun die Briefe wieder regelmäßig folgen. Ich freue mich schon recht bald wieder von dir zu hören! Willi G: war heute noch bei mir, er läßt dich vielmals grüßen. Heut früh schrieb ich an Maria Gutenberg. – Mit dem Siegel dieses Briefes weihe ich feierlichst meinen neuen Siegelring ein, bitte daher dem Siegel auch die gehörige Aufmerksamkeit zu widmen. Emmas [Seehofer] Hochzeit wird doch gegen Ende Februar stattfinden können. Hr: Wahl schrieb mir gestern einige Zeilen wo sie bedauert unsern Besuch versäumt zu haben und dich vielmals grüßt. Mit herzlichem Lebewo[h]l deine treue Fanni. – Großmutter grüßt. – „Lida“ [verh.] Guttenberg, enge Freundin von Fanni, auch Spängler-Bekanntschaft, häufig genannt in den Briefen seit 1860. | ||
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| + | Brief von FANNI SCHLEGEL (Nr.19) an FRANZ SPÄNGLER (Nr.18): Herrn Doctor Franz Spängler kk Gerichtsadjunkt, Mödling bei Wien [LVI 9/1 beantw mit LVII 11/1]; rotes Siegel „F.S.“ [so auch alle folgenden Briefe dieses Päckchens]: Salzburg 7.Jänner 1872. ¾ 8 Uhr Abends. Mein lieber Franz! Besten Dank für deinen lieben Brief sowie auch für deine Zeilen vom 3. die ich deinem Wunsch gemäß unbeantwortet ließ. Heute hatte ich schon mit großer Ungeduld auf eine Nachricht gewartet, und freue mich zu sehen, daß auch dir die hier verlebten Tage schön erschienen sind. Was die Geduld betrifft, wird die Zukunft lehren, wer von uns mehr von diesem nützlichen Artikel in Anspruch nimmt, daß ich ein recht garstiges Ding bin zuweilen, habe ich dir längst gesagt, allein meine gutgemeinte Warnung hast du nicht berücksichtigt, da kannst du dann zusehen wie du mit deinem Hauskreuz fertig wirst. Mit der Pedanterie werde ich schon auf Gleich zu kommen suchen, und hoffe auch meinen lieben Pedanten die Grillen verzeihen zu können, wenn solche wirklich wagen sollten, sich im Reiche Bereiche meines Burgfriedens zu zeigen. Heiterer Sinn, mit dem die gütige Natur mich versorgte, soll eine recht tüchtige Waffe gegen diese kleinen Unholde sein. Wandelt mich aber bisweilen ein kleiner Mutwille an, so wird eine kleine XX geringe Dosis Pedanterie deinerseits gerade das rechte Gleichgewicht herstellen. Weißt du, heute vor 8 Tagen litt ich unter einer solchen Anwandlung, wo du sagtest, ich sekire [ärgere] dich. Jetzt sind schon ganze 8 7 Tage dahin, seit wir auf dem Bahnhofe Abschied nahmen! Wie doch die Zeit vergeht. Ich darf recht fleißig sein, wenn bis zum April Alles fertig sein soll. Morgen werde ich wahrscheinlich mein Reisekleid zuschneiden. Ich wählte zu diesem Zweck einen einfärbig grauen Stoff. Ich werde meine ganze Kunst aufbieten, damit ich zur Hochzeitsreise schön bin. Die Reisetour [-route] haben wir wirklich nicht festgestellt, während deinem Hiersein, vielleicht nimmst du einmal die Karte zur Hand, und theilst mir dann die voraussichtlichen Haupstationen mit? Wie war denn diesmal die Salzburger Versammlung? Hast du am Ende wieder Unschuldige zum Besuch des Kafehauses verleitet? wie neulich? Heute findet eine Redoute [Ball] zum Besten der Volksküche statt. Lida ist bei den Verkäuferinnen in der Conditorei. Für sie beginnt hiermit der Fasching. Ich komme mir ordentlich erhaben in meiner heurigen Solidität vor. Heute war ich beim Mozarteumskonzerte. Ein blinder Klavierspieler ließ sich hören, er spielte sehr brav, namentlich sehr weich. Mich ergriff bei seinem Anblick tiefes Mitleid. Ich hatte Gelegenheit, ihn zu beobachten, während eine Symfonie v. Beethoven aufgeführt wurde, und beobachtete, wie lebhaft die Musik ihn bewegte. Manchmal glitt ein zufriedenes Lächeln über seine Züge, während unrichtige Töne ihm offenbar Mißbehagen erregten. Seine Erscheinung ist sehr sonderbar, auch seine SprXXX ist kaum so groß wie ich und sieht ziemlich leidend aus. Deiner guten Mutter habe ich deine Grüße entrichtet, sie findet es verzeihlich, daß du mir früher und öfter schreibst als ihr. Gestern war ich mit Lida noch einmal in Leopolskron, doch ist das Eis schon schlecht. Vielleicht war ich gestern zum letzten Male auf dem Eis, nächstes Jahr komme ich wo[h]l kaum dazu. Bei vielen Gelegenheiten denke ich mir jetzt: Das geschieht hier wo[h]l nicht mehr von mir. Es ist wie ein langsames Loslösen von bisher gewohnten Dingen, ein wortloser Abschied. Doch empfinde ich deßwegen keinen Schmerz. Freilich vor dem le[t]zten Abschied, der mir bevorsteht, habe ich bange. Da wirst du schon ein wenig an mir trösten müßen, wenn wir miteinander von hier weg reisen! Doch genug für heute! gute Nacht. – 8.Jänner 9 Uhr Morgens. Ich füge noch einige Zeilen bei, sonst komme ich nicht zur Arbeit! Du sagst, du wirst mir wieder ein Buch schicken, ich danke dir im Voraus dafür und freue mich schon darauf um so mehr als ich wieder etwas von dir hören werde. Ich werde deine Zeilen jedenfalls beantworten so bald ich kann. Wenn die Witterung so milde bleibt wie je[t]zt, wo es vollständig thaut, wird auch die Reise nach Wien nicht zu weit hinausgeschoben werden. Wie schön wird es sein, wenn du mich auf dem Westbahnhof erwarten wirst! Wenn ich nur einmal wüßte wann Emmas Hochzeit ist! Mir wäre viel lieber wenn die Reise nach derselben stattfände. Nun lebe recht wo[h]l und bleibe gut deiner treuen Fanni. – Großmutter grüßt dich. Vorgestern schickte ich unsere Fotografien nach Würzburg. – „Emma“: In einem Brief von 1871 heißt es, dass die Freundin Emma [Seehofer] „im Laufe des nächsten Sommers heirathen“ werde, das ist der Sommer 1872 während der gelanten Hochzeitsreise von Fanni und Franz. – „Würzburg“: u.a. im September 1871 schreibt Fanni Freundin Lonchen Ziegler aus Würzburg. | ||
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| + | Brief von FANNI SCHLEGEL (Nr.19) an FRANZ SPÄNGLER (Nr.18): Herrn Doctor Franz Spängler kk. Gerichtsadjunkt, Mödling bei Wien [LVII erh 10/1 1872 beantw 11/1 „]: Salzburg, 9.Jänner 1872. ¾ 6 Uhr Ab[en]ds. Mein lieber Franz! Heimkommend von meinem Besuche bei Zeller fand ich deine Liebesgabe und sitze nun fast eine halbe Stunde da, bereit, diese Zeilen an dich zu schreiben und blättere doch immer wieder neugierig im „Liebesfrühling[„ Gedichtsammlung]. Tausend Dank du Lieber, für Buch und Brief, welche mir so große Freude machen! Du hast meine kleine Büchersammlung schon mit so viel Schönem bereichert, ich habe deine Bücher vor mir liegen, und erfreue mich an ihrem Anblick. Von morgen an werde ich gewißenhaft täglich drei Gedichte lesen. Die von dir bezeichneten habe ich in aller Eile großentheils angesehen und mehrere wunderhübsch gefunden. Besonders lieb finde ich auch N:XIX, 5 ter Strauß. Auch N:75 ist reizend. 4:Strauß N:66 ist sehr wahr. Lida glaubt nun auch, daß wir uns wirklich lieb haben und freut sich darüber. Wie würde ich mich freuen, wenn sie in gleiche Lage mit mir käme. Sie hat doch so viel Anspruch auf das Glück, soll sie es nicht so finden, wie es nun einmal unsere Bestimmung ist? Wie oft mache ich mir diese Gedanken. Wenn N:33, I.Strauß, mir Antwort auf jene Frage sein soll deren ich mich sehr gut erinnere, so kann ich nur freylich wünschen du mögest all das Liebe und Gute, dessen Besi[t]z deine Liebe mir zuschreibt, auch an mir finden. Gewiß, ich wünsche oft, viel besser klüger und schöner zu sein, damit ich dir gefalle und genüge. Besser zu werden, will ich mich redlich bemühen, im Übrigen mußt du eben so mit mir vorlieb nehmen. Auf die Wiener Reise nehme ich natürlich das Buch mit, da können wir dann auch mitsammen lesen. Vor gestern über [in] 12 Wochen! 8.April [Hochzeitstermin], hast du schon nachgerechnet? Wenn wir nur Alles fertig kriegen! Die Aussicht, daß wir künftigen Sommer ruhig in Mödling sein können ist mir ganz angenehm. Wenn eine Übersiedlung dann notwendig wird habe ich mir wenigstens unsere kleine Wirthschaft schon eingerichtet. Bei Zeller geht es nicht sehr gut. Papa hat seine bekannten Anfälle von Athemnoth, und heute liegt die arme Mama, sie hat sich verkühlt, dazu kommen von Stiebitz [Stiepitz] keine guten Nachrichten. Emma [Seehofer] sagte mir, daß der Arme nicht nur geistig sondern auch körperlich krank ist. Die arme Emma hat eine traurige Brautzeit. Ich schließe um heute noch den Brief aufzugeben, vielleicht bekommst du ihn, ehe du morgen deinen Brief endest. Lebe wo[h]l du Lieber und bleib mir gut. deine treue Fanni – Großmutter grüßt dich. Ebenso deine Mutter. - „Zeller“: Familie Zeller häufig in den Briefen genannt seit 1870; Emma [Seehofer] ist die Freundin. Auch „Lida“ Guttenberg ist eine enge Freundin von Fanni. – „Stiebitz“, vgl. „Stiepitz“ in mehreren Briefen und besonders Brief vom 14.12.1871. | ||
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| + | Brief von FANNI SCHLEGEL (Nr.19) an FRANZ SPÄNGLER (Nr.18): Herrn Doctor Franz Spängler kk. Gerichtsadjunkt in Mödling bei Wien [LVIII erh 14/1 1872 beantw 15/1 1872]: Salzburg, 12.Jänner 1872. 8 Uhr Ab[en]ds. Mein lieber Franz! Seit gestern wartete ich schon ziemlich ungeduldig auf deinen lieben Brief, mit so viel größerer Freude nahm ich denselben heute in Empfang. Meine Zeit gestattete nicht, im Laufe des Tages zu antworten, um die Verzögerung wieder aus zugleichen, was ich gerne gethan hätte. Meine „Warnungen“ hatten wo[h]l nicht den Zweck, in ihrem ganzen Umfange von dir berücksichtigt zu werden, doch hatte ich, ehe das entscheidende Wort zwischen und gesprochen war, allerdings die Absicht, dir freimüthig auch manche schwache Seite, manchen Fehler an mir zu bekennen, damit nicht, wenn wir uns einst näher stünden, du dieselben erst entdecken müßtest, und dadurch manche unangenehme U[Ü]beraschung machen erleben müßtest. Hättest du dich damals von diesen „Warnungen“ zurück schrecken laßen, wäre es gewiß recht traurig gewesen, doch immerhin besser, als wenn dir sonst beim Zusammenleben mit mir ‚all‘ die minder guten Eigenschaften an mir wären vor Augen getreten. Daß du dich aber nicht warnen ließest, zeigt mir, daß du mich mit sammt meinen Fehlern liebhaben willst und mir auch einige gute Seiten zutraust. Ich will suchen dieses Vertrauen zu rechtfertigen, und dir so gut ich es eben vermag, die Lebensweise zu verschönern. Wie oft ist es der Inhalt meines Gebetes, Gott möge mir die Gnade schenken, dir eine recht gute Frau zu sein. – Es wird doch recht sonderbar sein, wenn ich auf einmal deine „Frau“ heißen werde, und so aus allen gewohnten Verhältnissen herausgetreten und in einen anderen Boden verpflanzt sein werde! Wir gingen heute Abend ein wenig aus, und ich mußte mich auf einmal fragen, wie wird es mir denn vorkommen, wenn ich aus meiner lieben, schönen Heimat soll fortgehen soll? Sei nicht böse, daß ich dir dieses so erzähle, ich hoffe ja doch, auch meine neue Heimat bald schön zu finden. Für heute aber gute Nacht, mein Lieber, ich bin müde. – 13.Jänner ¾ auf 8 Uhr früh. Ehe ich an mein heutiges Tagewerk gehe, will ich nur noch ein weniges mit dir plaudern, und rufe dir einen fröhlichen, guten Morgen zu. Zu dieser Stunde freute ich mich bei deinem Hiersein schon immer, dir den Morgengruß bieten zu können, und wenn wir so beisammen saßen am Frühstückstische, stellte ich mir immer vor ich sei schon deine Frau.- - Da wir im Zeitalter der Arbeitstheilung leben, ist es nicht mehr als billig, wenn wir uns dereinst auch in die Correspondenz theilen, mir kommt aber vor, du willst mir da den Löwenantheil zukommen laßen, weil du schon wiederholt sagst, daß ich so ziemlich den ganzen Briefwechsel werde übernehmen müßen. – Im Liebesfrühling [Gedichtsammlung] fand ich schon recht viele wunderliebe Gedichte, daß manche ein wenig überschwänglich sind, ist nicht zu läugnen [!], namentlich sind manche sehr kühne Wörterverbindungen wie: empfindungsblütenweich u.a. mehr, die zuweilen den Eindruck des Schwülstigen machen. Dagegen Damit versöhnen aber die oft reizend einfachen Gedichtchen. Ich kam noch nicht dazu, Lida das Gedichtchen zu zeigen. Wir kommen überhaupt jetzt wenig zusammen, das gehört auch zum Loslösen. Mama Zeller geht wieder aus. Doch wie heißt es: „Nähe, nähe und nähe, Stunde um Stunde fein“ [Ausstattung nähen], darum behüte dich Gott und hab mich lieb! Deine treue Fanni. – Großmutter grüßt. – [oben verkehrt:] Besten Dank für die Briefmarken, ich werde dieselben morgen abliefern. | ||
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| + | Brief von FANNI SCHLEGEL (Nr.19) an FRANZ SPÄNGLER (Nr.18): Herrn Doctor Franz Spängler kk. Gerichtsadjunkt in Mödling bei Wien [LIX erh 18/1 beantw 19/1 1872]: Salzburg, 16.Jänner 1872. ½ 9 Uhr Ab[en]ds. Mein lieber Franz! Wir hatten heute wieder einmal seit so vielen Wochen bei Zeller französische Conversation. Dadurch kam ich später zum Abendessen und fange ich nun erst diesen Brief an. Und doch will ich heute noch fertig schreiben, sonst komme ich morgen Vormittag zu keiner Arbeit. In Anbetracht, daß nun keine 3 Monate mehr bis zu unserer Hochzeit sind, muß ich aber meine Zeit gehörig zu benützen suchen. Auch ich empfinde oft genug das „Übergangsstadium“ zuweilen auch mit Fieberanfällen wie z.B. heute früh, wo ich mich wieder, ich weiß eigentlich nicht recht vor was, „fürchtete“. Als ich deinen lieben Brief erhielt, beruhigte sich das Fieber wieder. Dank der reichlichen Beschäftigung die ich stets finde, kann ich nicht sagen, daß mir die Zeit langsam vergeht, doch das wäre schon recht schön, wenn wir uns öfters sehen und sprechen könnten. Da haben es Emma und Albert gut, die kommen jetzt doch fast jede Woche ein oder 2mal zusammen. Freilich haben sie eine so lange Zeit hinter sich, wo sie sich auch nur selten sahen! Wie viel hätten wir doch zu besprechen. Ich habe es in diesem Punkte besser als du, weil ich wenigstens über Einiges mit der Großmutter sprechen kann, freilich geht es dabei nicht immer ohne Meinungsverschiedenheiten ab. Wer doch nicht so leicht die Geduld verliere! Aber ich! Sollten sich die von dir erwähnten Fragen nicht schriftlich erörtern lassen? Ich weiß zwar selbst nur zu gut, wie man manches gerne sagen würde, wozu man schriftlich nicht kommt. Wir müßten uns das eben auf später vorbehalten. – Sonntag war ich mit Emma, Ludwig und Mama in Hallein. Albert ist sehr lustig, scheint auch schon einige Patienten zu haben. Wir waren auch in der künftigen Wohnung, da sieht es freilich noch ziemlich trostlos aus. Es müßen noch Öfen gese[t]zt und 3 Zimmer tapeziert werden, doch hoffen sie doch bis gegen Ende Februar fertig zu werden. – Emmas [Seehofer] Hochzeit bestimmt den Zeitpunkt unserer Wiener Reise. Ich wollte, es wäre schon Alles eingekauft! Da werden wir auch wieder einige schöne Tage mitsammen verleben, doch so ruhig und ungestört wo[h]l kaum wie die Woche von Weihnachten bis Neujahr. Es wird aber auch hübsch sein, wenn so Eins ums Andere in unsere neue Wohnung geschafft wird. Hast du schon einen Ball besucht. [?] Auf das Salzburger Kränzchen wirst du gewiß gehen. Ich befinde mich ganz zufrieden, daß ich heuer keinen Ball zu besuchen brauche, da nähe ich schon viel lieber Ausstattungsachen. War mein Brief bis hierher nicht sehr poetisch, so muß ich doch noch etwas von rechter Alltagsprosa beifügen. Großmutter läßt dich nämlich ersuchen, du möchtest dich doch erkundigen, wo und ob man in Mödling Sch frisches Stroh zum füllen der Strohsäcke bekommt. Sie meint deine Wirthin könnte wo[h]l etwas Auskunft geben. In meiner Lektüre will ich regelmäßig fortfahren, schade daß wir nicht zusammen lesen können. Doch ich schließe nun, bitte behalte lieb deine treue Fanni. – Großmutter grüßt. | ||
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| + | Brief von FANNI SCHLEGEL (Nr.19) an FRANZ SPÄNGLER (Nr.18): Herrn Doctor Franz Spängler kk. Gerichtsadjunkt in Mödling bei Wien [LX erh 22/1 beantw 23/1 1872]: Salzburg, 20.Jänner 1872. 1/4 nach 8 Uhr Ab[en]ds. Mein lieber Franz! Ich freute mich sehr über deinen lieben Brief und danke dir recht sehr für denselben. – Die Mitheilung, daß dein Honorar für die Vorlesungen erhöht wurde berührte mich ganz angenehm, und ich wünsche aufrichtig, daß die Frage der Erhöhung des Gehaltes in eben so befriedigender Weise gelöst werde. Ich meine, je mehr, desto besser, obgleich ich auch mit unserer dermaligen Einnahme ganz zufrieden bin, und hoffe, unsere Finanzen werden hübsch in Ordnung bleiben. – Ich werde mich schon recht zusammennehmen, dir unser „Daheim“ so recht behaglich werden zu laßen, damit der Vergleich mit deiner jetzigen Lebensweise dereinst zu meinen Gunsten ausfalle. – Was das „Herabblicken“ auf das Treiben des Carnevals betrifft ergeht es mir ganz so wie dir. Im vergangenen Winter tanzte ich ganz gerne und ziemlich viel, und nun liegt mir der Gedanke, einen Ball mitzumachen so ferne als ob ich niemals von der Drehkrankheit wäre befallen gewesen. Wie sich die Zeiten ändern! Solltest du das Salzburger Kränzchen besuchen, und dort vielleicht Minna Lorinser treffen, so grüße sie von mir, sie soll mir einmal schreiben! Es ist sehr lieb von dir, daß du neulich, anstatt zu tanzen dich in Gedanken mit mit[r] beschäftigtest, doch fürchte ich, deine Bekannten werden von dir sagen „der ist je[t]zt auch unter die Philister gegangen“. Am Ende denken sie, dein künftiges Hauskreuz wäre so kindisch, dich ungerne in heiterer Gesellschaft zu wißen, das dürfen sie nicht glauben!! Ich bin heute schon so schläfrig und werde morgen die Vormittagsstunden benützen um fertig zu schreiben, gute Nacht, gute Nacht du Lieber! - 21.Jänner ¼ nach 9 Uhr Vorm[ittags]: Vor Allem etwas sehr Wichtiges. Ich habe die Ehre, mich hiermit als eigenberechtigt erklärt vorzustellen. Somit wäre ich also unabhängig von der väterlichen Gewalt geworden und zur uneingeschränkten Herrin meines etwaigen Vermögens avanciert. Le[t]zteres ist aber wie dir bekannt nicht eben bedeutend und daher mag es wo[h]l kommen, daß die Leute sich nicht besonders um meine neue Würde kümmern. Schritt um Schritt nähern sich die Vorbereitungen unserer Verbindung ihrer Vollendung. Am Freitag wurde Frau Pippan feierlichst in Kenntniß gese[t]zt, daß sie das Glück haben wird, mein Brautkleid anzufertigen. Das ist doch ein großer Schritt, nicht wahr? Meine Reisekleid ist bereits fertig. Mit Hülfe der Näherin wird dermalen Verschiedenes zu Hause gemacht und mit Vergnügen sehe ich wie „der Speicher sich füllt mit köstlicher Habe[„] und „Sammle im reinlich geglätteten Schrein die schimmernde Wolle, den schneeigen Lein“. Die arme Großmutter aber denkt mit immer schwererem Herzen an die Zeit, wo ich sie verlaßen werde. Dabei tröstet sie wo[h]l wieder der Gedanke, daß sie mich hoffentlich recht zufrieden an deiner Seite sehen wird. Wenn sie nur Jemand zu sich nehmen möchte, doch davon will sie Nichts hören. Was deine Einladung zu Emmas [Seehofer] Hochzeit betrifft, habe ich gar nichts gehört. Wärst du hier so zweifle ich nicht daß man dich laden würde, so aber glaube ich nicht, daß dir eine Einladung zukömmt, da Emma immer sagt, es werden möglichst wenig Gäste geladen und die ganze Hochzeit sehr still gefeiert werden. Sobald Emmas Hochzeit bestimmt ist wird sich auch die Zeit unserer Wiener Reise feststellen laßen, und werde ich dir dieß sogleich mittheilen. Ich bin dafür, die Reise nicht zu sehr hinaus zu schieben, weil es darauf noch Allerlei zu machen giebt, und weil man doch Manches vielleicht nicht sogleich bekommt, und es daher in Wien bestellen muß. – Vielleicht ist je[t]zt über 4 Wochen der Tag unserer Abreise schon nahe. Auf der Fahrt nach Wien werde ich sicher auch tüchtiges Fieber bekommen. Aber es wird schön sein, wenn ich dich am Perron werde XXX sehen und begrüßen können. Ich freue mich schon recht darauf! Es ist nun auch ziemlich bestimmt, daß unsere Hochzeit beim „Erzherzog Karl“ gehalten wird. Ich bin damit sehr zufrieden. Siehst du, die Vorbereitungen nehmen immer bestimmtere Gestalt an. – Da du, wie du schreibst, heute einen längeren Brief an mich beginnen wirst, freue ich mich schon am Mittwoch recht viel von dir zu hören. Mittwoch den 17. waren wir Nachmittags bei deiner Schwägerin Luise [Spängler], dein Bruder [Otto] trug mir viele Grüße auf, er hofft, dich bald wieder in Wien zu sehen. Ich danke dir für das Verzeichniß der Gedichte, ich werde jeden Abend das von dir genannte Gedicht lesen. Bisher hat mir von Allen die ich gelesen am Besten gefallen „O wärst du krank, daß ich dich könnte pflegen u.s.f. [und so fort] – Einen Unterhaltungsabend werde ich im Laufe dieses Carnevals doch wahrscheinlich mitmachen. Ludwig kündigte nämlich Lida und mir an, daß wir zum Unterhaltungsabend des Kaufmännischen Vereines geladen werden und er sehr böse wäre, wenn wir der Einladung nicht Folge leisteten. Es wird am 5.Februar im Mirabellsaal ein Theater aufgeführt werden, wahrscheinlich wird später getanzt. Lida und ich nehmen uns aber fest vor, vor dem Tanzen fortzugehen. Du hast hoffentlich Nichts dagegen, wenn ich hingehe? – Gestern war Juristenkränzchen, ich bin neugierig was mir Lida erzählen wird. Ich schließe nun mit der Bitte, behalte lieb deine treue Fanni. – Ich freue mich schon auf deinen nächsten Brief! Großmutter grüßt dich. - „Minna Lorinser“: in den Briefen seit September 1871 mehrfach erwähnt, ist eine Schulfreundin von Fanni, jetzt in Wien. Der Vater ist Arzt und betreut später die Spänglerkinder. – „Lida“: Lida [verh.] Guttenberg, eine enge Freundin von Fanni, in vielen Briefen seit 1860 genannt. | ||
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| + | Brief von FANNI SCHLEGEL (Nr.19) an FRANZ SPÄNGLER (Nr.18): Herrn Doctor Franz Spängler kk. Gerichtsadjunkt in Mödling bei Wien [LXI erh 26/1 beantw 27/1 1872 geschr. 28/1]: Salzburg, 24/1 1872. 8 Uhr Ab[en]ds. Mein lieber Franz! Im Laufe des ganzen heutigen Tages freute ich mich auf die Abendstunde, wo ich der mir so sehr lieben Pflicht nachkommen, und dein Schreiben, deine Zeilen beantworten kann. Wie oft sich meine Gedanken mit dir beschäftigen, kann ich kaum sagen. Führt meine je[t]zige Beschäftigung mich immer auf den uns bevorstehenden wichtigen Schritt hin, so ist es natürlich daß ich mir oft und oft ein Bild meiner neuen Heimat, meiner neuen Lebensweise ausmale, und den Mittelpunkt in diesem Gemälde bildet allezeit mein lieber „Pedant“, dem ich so gern alles recht nach Wunsch und zur Zufriedenheit machen möchte. Besonders möchte ich schon je[t]zt all‘ die ernsten, ja trüben Gedanken verjagen können, die ihn je[t]zt öfters zu überkommen scheinen und denen ich hiermit ernstliche Fehde ankündige. Die „Fieberanfälle“ gehören zwar noch nicht zu den überwundenen Standpunkten und manch liebes Mal tritt mir der ganze Ernst des nahenden, wichtigen Momentes vor die Seele, doch ebenso oft schaue ich freudigen Mutes auf den Augenblick hin, wo unser Bund unauflöslich besiegelt, mein Geschick dem deinen für immer wird geeint werden. O, daß ich dir das werden möchte, was du erwartest! Ich betrachte die noch übrige Zeit bis zum April wie eine Frist der Vorbereitung und möchte gern noch manches Mangelnde ergänzen, manches Versäumte nachholen. Daß du zur Zeit deiner le[t]zten Anwesenheit hier mehr dich überzeugtest, daß meine Gegenwart von erheiterndem und wo[h]ltätigen Einfluß auf dich ist, macht mich so glücklich. Siehst du, auch in mir befestigte sich die Überzeugung, daß wir, wenn der liebe Gott seinen Segen giebt, ganz gewiß recht füreinander passen werden. – Wie du dazu kommst, dir über Manches aus deinem Leben „Vorwürfe“ zu machen, kann ich nicht einsehen. Dank deines XXX mir bewiesenen Vertrauens glaube ich die Hauptpunkte deines bisherigen Lebens ziemlich zu kennen doch wüßte ich nicht, was hiervon dir zum Vorwurf werden könnte. Mir scheint, da kommen Grillen zum Vorschein, gegen welche ich werde zu Felde ziehen müßen. Auch daß du mit allzu strenger Auffassung deiner Pflichten dich quälst, kann ich nicht gut heißen, denn wenn du an dich solche ernste Anforderungen stellst, muß ich ja fürchten, du werdest auch erst mein Schreiben mit gar zu kritischen Augen betrachten und dieser Gedanke könnte eine ganze Kette von Fieberanfällen bei mir zur Folge haben, und das willst du doch sicher nicht. Ich achte gewiß getreue Pflichterfüllung als eine Tugend, die Jedes sich aneignen sollte, aber ich meine, wir dürfen aus der Pflicht, die uns obliegt, nicht eine Last machen die uns drückt. Doch nun zu etwas Anderen. Es scheint die Mödlinger Luft für Verlobungen ja ganz besonders ersprießlich zu sein, und daß die Mödlinger Mädchen mit euch Allen unzufrieden sind, ist ihnen wahrlich nicht zu verdenken. Die werden, wenn so jeder sein Bräutchen heimführt, wo[h]l ein wenig die Nase rümpfen und denken: nun, Engel sind anderswo auch gerade nicht, daß es dafür stände die Frau und den Herrn zu holen. Für kommenden Sanmstag wünsche ich dir recht gute Unterhaltung, und wenn du mit einer recht guten Tänzerin tanzest, so mache für mich extra eine Tour im Saale! Ob wir den Unterhaltungsabend besuchen, steht noch gar nicht fest. Fester aber der Entschluß nicht zu tanzen bei dieser Gelegenheit. Es ist nämlich am 6.Febr: Casinoball und da will Lida nicht am Abend vorher auch tanzen und ich habe gar keine Lust dazu. Ich danke dir herzlich für das Wort: „ich weiß, daß ich keine Ursache zur Eifersüchtelei habe“ u.s.f. Nein gewiß, die hast nicht! Und ich habe dir so schon gesagt, ich habe kein Talent zur Eifersucht. Ich bin schon so neugierig, wann wir nach Wien kommen. Großmutter spricht von einem Aufenthalte von 8 bis 10 Tagen. Ich freue mich schon, wenn wir uns wiedersehen werden! Für Minna habe ich nicht weiters zu entrichten. Wenn wir nach Wien kommen werden wir jedenfalls dort Besuch machen und Minna in aller Form zur Hochzeit laden. – Denke dir, Lidas Eltern werden Minna für die Zeit unserer Hochzeit einladen. Mich würde es schon recht freuen, wenn Minna dabei wäre. Neulich habe ich Lida schon gebeten, daß sie mir am Tage der Trauung beim Ankleiden hilft, was sie mir auch versprach. Dermalen kann ich mit vollem Rechte sagen: Petit à petit l’oiseau fait son nid /:diesmal nicht nied:/ denn bei uns werden gerade die mir gehörigen Betten gefüllt. Den Schatz der von dir empfangenen Briefe habe ich lange nicht mehr nachgezählt, willst du vielleicht warten, bis das Hundert voll ist?- - Ich habe Heideprinzeßchen schon ausgelesen, ich war nicht überrascht daß Leonore endlich doch den „uralten[„] Mann heirathet, das müßte nicht die Marlitt geschrieben haben, wenn die zwei am schroffsten gegenüberstehenden Charaktere nicht ein Paar würden. Aber zu alt ist Erich jedenfalls. Ich bin neugierig auf die neue Erzählung, von welcher ich heute die 2.Nummer erhielt. – Gestern war Leseabend, wo „Tasso“ [Goethe] gelesen wurde. Lida las die Prinzeßin, Emma die Leonore, Ludwig [Zellner] den Tasso, Mama den Alphons und ich den Antonio. Wir kamen bis zum IV.Acte, nachdem wir anfangs schrecklich kindisch gewesen waren. – Nun aber gute Nacht, behalte lieb deine Fanni. – Großmutter grüßt.- „Marlitt“: Eugenie Marlitt (1825-1887), Verf. von Romanen und Novellen im (trivialen) Stil der Zeitschrift „Gartenlaube“; Roman „Das Heideprinzeßchen“, 1872 [! wahrscheinlich schon vorher in Fortsetzungen erschienen]. | ||
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| + | Correspondenz-Karte von FANNI SCHLEGEL (Nr.19) an FRANZ SPÄNGLER (Nr.18): Herrn Doctor Franz Spängler kk. Gerichtsadjunkt in Mödling bei Wien [LXII erh 30/1 beantw mit LXIII 31/1]: Salzburg am 29 Jänner 1872. 1 Uhr Nachmittags. Ich habe heute früh den gestern erwarteten Brief und Mittags den 2. sammt Einschluß empfangen. Abends werde ich ausführlich antworten, für je[t]zt herzlichen Dank sowie den Ausdruck vollster Zufriedenheit sammt 1,000 Grüßen. FSch. – Aufgegeben um ½ 6 Ab[en]ds: | ||
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| + | Brief von FANNI SCHLEGEL (Nr.19) an FRANZ SPÄNGLER (Nr.18): Herrn Doctor Franz Spängler kk. Gerichtsadjunkt in Mödling bei Wien [LXIII erh. u beantw 31/1]: Salzburg, 29 Jänner 1872. 8 Uhr Ab[en]ds: Mein lieber Franz! Dein lieber Brief machte mir große Freude und ich danke dir herzlichst dafür. Daß ich dießmal wieder einen Tag länger auf denselben warten mußte, wirst du bereits durch die Correspondenz-Karte erfahren haben, ebenso wirst hast du vielleicht schon errathen, daß ich zerstreutes, vergeßenes Ding dieselbe aufzugeben unterließ, bis ich Abends vom Eise heimkam, welches dermalen ausgezeichnet ist und auf welchem Lida u. ich heute fast 3 Stunden zubrachten. Für den zweiten Brief danke ich dir ebenfalls, es ist ein Zeichen großer Aufmerksamkeit deinerseits, mir ein Ballandenken zu schicken, die Blumen werde ich sorgfältig aufheben, die kleinen Landleutchen [Figuren] eben so gut als möglich an den Aufenthalt in der Stadt zu gewöhnen suchen. Ich hoffe dabei um so sicherer auf günstigen Erfolg, als dieselben heiteren Gemütes und frei von jeder Anlage zum Heimweh zu sein scheinen. – Beim Cotillon unterhieltest du dich gewiß recht gut, Brautpaare sollen denselben jederzeit sehr angenehm finden. Heute über 10 Wochen zu dieser Stunde haben uns die Dampfrosse vielleicht schon an unser erstes Reiseziel geführt, da haben wir, so Gott will noch verschiedene, in Aussicht stehende Fieberanfälle glücklich hinter uns, und freuen uns der Gewißheit, einander für immer anzugehören. Bis dahin aber bitte ich dich innigst, durch trübe Stimmungen dich nicht beherrschen zu laßen oder dich gar mit grundlosen Vorwürfen zu quälen. Fehler haben wir gewiß Beide, und du XX wir sind ja eben Menschen, mit menschlichen Schwachheiten und Irrthümern, und wir thun gewiß Beide gut, in unseren Anforderungen hübsch Maas zu halten. Auch an das Leben wollen wir keine zu großen Ansprüche machen, sondern bescheiden dankbar die frohen und mit Gleichmut und möglichster Seelenruhe die trüben Stunden hinnehmen, und des schönen Wortes gedenken „Getheilte Freud ist doppelt Freude, Getheilter Schmerz ist halber Schmerz.“ Wann Antonio seine Rolle ausspielen wird, weiß ich noch nicht. Sollte die Antonio-Rolle sich einmal in’s Leben hinüberspielen müßen, so hoffe ich, heiterere Waffen gebrauchen zu können, und hoffe auch, keinen dem wirklichen Leben so hilflos gegenüber stehenden Charakter vor mir zu sehen, wie er im Tasso geschildert ist. – Auf deine Frage, wie es bei Zeller geht und wie meine Eltern und Großmutter sich befinden, kann ich dir sagen, daß bei Z[eller]. Alle ziemlich wo[h]l sind auch Fr: Wahl, von Stiebitz [Stipitz] hörte ich lange nichts mehr. Auch meine gute Großmutter ist gottlob wo[h]l, sie findet nur die Zeit bis April schrecklich kurz. Meine Eltern grüßen dich herzlich. Vater war dieser Tage nicht ganz wo[h]l und die arme Mutter [Stiefmutter; Fanni lebt bei der Großmutter] ist sehr traurig weil am Freitag mein kleinstes Schwesterchen, Bertha nach 8 tägiger Krankheit gestorben ist. Wer mit so namenloser Liebe an den Kindern hängt, wie meine Mutter, fühlt solchen Verlust gewiß schmerzlich genug, wenn auch die Kinderschaar immer noch groß genug ist. Richard [Fannis Halbbruder] hofft im Februar frei zu werden in der Buchhandlung. – Denke dir, am Donnerstag bekam ich schon Hochzeitsgeschenke und zwar von Mama Zeller zwei sehr schöne Battisttücher und von Lida u. Emma zusammen eine wunderhübsche Schreibtischeinrichtung, ein längst gesagter stiller Wunsch von mir. Das wird eine schöne Zierde für unsere Wohnung sein. Wann Emmas Hochzeit ist weiß ich noch immer nicht doch hoffentlich Ende Februar. Dann heißt es bald auf Wiedersehen. Es freut sich sehr darauf deine Fanni. – Großmutter grüßt. | ||
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| + | Brief von FANNI SCHLEGEL (Nr.19) an FRANZ SPÄNGLER (Nr.18): Herrn Doctor Franz Spängler kk. Gerichtsadjunkt in Mödling bei Wien [LXIV. erh. 3/2 beantw 4/2 1872.]: Salzburg, 1. Februar 1872 ¼ nach 1 Uhr: Mein lieber Franz! Es ist ein ganz besonderer Gnadenakt, daß Großmutter mir erlaubt, mitten am Tage an diesem Briefe zu schreiben. Meist kann ich dir ja nur Abends schreiben, und da werden die Briefe eben kürzer. Einige Punkte deines le[t]zten Schreibens will ich nachträglich beantworten. Vorerst danke ich dir bestens für die lieben Zeilen, die ich heute gegen 12 Uhr zu meiner freudigen Überraschung vor dir erhielt, sowie für die beigelegten „Frühlingsboten“ die mir sagen, daß du immer und überall mit liebevoller Aufmerksamkeit an mich denkst. Könnte ich dir sagen, wie glücklich der Gedanke an deine Liebe mich macht! Ich hoffe wenn wir erst vereint sein werden, mich deiner Liebe auch wert zeigen zu können, und dir eine gute Gefährtin zu sein, wenn du mich erst „geholt“ haben wirst. Ob ich auch gerne mitgehe? fragst du, auf diese Frage werde ich gar keine Antwort geben, du Böser! – Ob wir dazu geboren sind, einander anzugehören oder ob Gott uns dazu erkoren hat, wer beantwortet dieses [?]. Soviel aber weiß ich, daß ich recht sehr zufrieden bin, daß Alles so gekommen ist. Gott schenke uns allezeit, daß wir miteinander zufrieden sind. Du hast Recht, ich bete gewiß täglich für dich, mein Lieber und erflehe alles Gute und Schöne für dich! Wie oft in mein Beten der Gedanke an unsere Zukunft sich verwebt kann ich nicht schildern, oft vermag ich schwer zu unterscheiden, wo Gebet und Träumereien sich abgrenzen. Besonders früh in der hl: Messe beginne ich oft mein Gebet und auf einmal wird mir bewußt, daß meine Gedanken weitab schweiften, daß sie eben bei dir waren. Und doch glaube ich nicht, daß solches Unrecht ist, es sind ja lauter gute, liebevolle Gedanken, die mich so beschäftigen, manchmal freilich kommt auch die helle Prosa dazu. – Nun aber muß ich zur englischen Conversation. Erst Abends werde ich weiter schreiben können, weil wir dann später bei uns französische Conversation haben, da müßen die fremden Sprachen doch gedeihen! Diesen Monat werde ich die englische Stunde noch nehmen, doch dann höre ich auf. Lebe wo[h]l und hab mich lieb! – ¾ auf 8 Uhr - Nun zur Fortsetzung! Englische u. französische Conversation sind vorbei, le[t]ztere artete wieder einmal stark in eine deutsche aus, nur Anfangs wurde französisch gesprochen. Heute überreichten Lida und ich unser Hochzeitsgeschenk an Emma, nämlich ein Fotografiealbum in mattem schwarzen Leder, welches Emma recht zu freuen scheint. Wie herzlichst wünschte ich, auch für Lida bald ein Hochzeitsgeschenk wählen zu dürfen! Sollte gerade Lida nicht für jenes schöne Ziel geschaffen sein, welches die wahre Bestimmung des Weibes ist. Sie hat doch gewiß alle Eigenschaften, eine liebe Frau zu werden, und wie viele Vorzüge schmücken sie! Ich gebe mich aber doch der Hoffnung hin, daß nicht der eine unerfüllt gebliebene Wunsch, den sie so lange gehegt, ein ganzes Leben ohne Liebesglück mit sich bringen wird, doch genug hievor, seinerzeit will ich dir schon das Nähere mittheilen. Vorgestern war Emma wieder in Hallein, in ihrer Wohnung ist doch schon ziemlich viel fertig und wird nächstens auch ihr Hochzeit[s]tag festgesetzt, jedenfalls in den le[t]zten Tagen dieses Monates. Somit kämen Großmutter und ich in den ersten Tagen des März nach Wien. Also in 4 Wochen so Gott will, sehen wir uns wieder! Dann wollen wir wieder einige recht schöne Tage mitsammen zubringen. Und wie viel es zu thun wird geben! Ob es dafür steht [sich lohnen], daß du für den einen Monat in unsere Wohnung ziehst, weiß ich aufrichtig gesagt nicht recht. Ich verkenne gewiß nicht, daß es schade ist gleichzeitig für beide Wohnungen zu bezahlen, doch es geschieht ja hoffentlich nicht wieder, daß wir so lange im Voraus eine Wohnung miethen müßen. Um nicht zu vergeßen, muß ich dir gleich mittheilen daß unsere Bettstellen [Bettgestell] schon ausgesucht sind und die Federmatratzen eben beim Tapezierer Becker angefertigt werden. Wenn dieselben gemacht sind, werden sie freylich nach Mödling geschickt, wahrscheinlich Mitte Februar. Ich bitte dich dafür mir genau zu schreiben wie ich die Adreße machen laßen soll. Natürlich muß die Sendung gleich in unsere Wohnung befödert werden. Siehst du, je[t]zt kriegst du auch schon zu thun, mit der Hauseinrichtung. Die geblümte Garnitur ist noch nicht angerührt worden. Großmutter sagt, sie will erst sehen, wie sie in Wien die Möbel findet, vielleicht kauft sie dann doch Alles [für Fanni] ein und behält die [eigenen] Möbel. Was die Polsterung der Möbel betrifft, muß man eben in ein möglichst solides Geschäft gehen und sich irgendeine Garantie über für die Güte der Arbeit zu verschaffen suchen. Übrigens ist es häufig eine Nachlässigkeit der Frau, wenn die Motten sich einnisten, mit gehöriger Sorgfalt kann man dieselben schon fernhalten. Bei uns ist noch vollständiger Winter, und ich wünsche lebhaft daß sich bis zur Winter-Reise mildes Wetter einstelle. Von meiner Ausstattung ist allerdings das Meiste fertig, ein Theil ist sogar schon gewaschen doch geht noch gar Manches ab, und das unbenützt Liegen ist nicht so gefährlich! Für Emmas Hochzeit muß ich mir auch noch eine Toilette [Kleidung] besorgen, denke dir sie werden wahrscheinlich im Dom getraut. Da werde ich schon recht gut zusehen, damit ich weiß wie ich mich anzustellen habe. Woran ich etwa bei Emmas Hochzeit hauptsächlich denken werde, kannst du es errathen? Wenn ich, wie z.B. heute für die Conversation so Allerlei im Hause herzurichten habe, so komme ich mir zuweilen schon ganz „hausfraulich“ vor, und male mir dabei aus, wie ich in unserem Haushalte herumwirthschaften werde. Lache mich nicht aus, wenn ich dir sage, daß ich schon Allerlei ausdenke, wie ich es dann einrichten werde. Wenn unser kleines Heim erst ganz geordnet sein wird, das wird doch hübsch werden, hoffentlich gefällt es dir dann auch recht gut. Daß du neulich in der beschriebenen Art über mein einstiges Dichten gesprochen [hast], bin ich dir sehr dankbar, ich bin auch recht froh, daß du das Abgeschriebene nicht zeigen konntest. Die Poesie in dieser Form hat für mich ein Ende gefunden und die Prosa des Lebens ist vollgi[ü]ltig geworden. Man sollte denken, die schöne Brautzeit müßte die erlahmte Poesie wieder ein wenig flügge machen, allein dem ist nicht so und wenn es auch innen wie ein Lied aufklingen möchte, es finden sich keine Worte dazu. Du mußt schon mit einer Frau vorlieb nehmen, die ihren Empfindungen nur in einfachster Weise Ausdruck zu geben vermag. Mit rechter Freude höre ich, daß du ein ganz neues Feld der Thätigkeit betreten hast indem du unter die XXX „von der Feder“ gegangen bist. Weißt du, das wird einmal recht schön sein, wenn du zu Hause irgend eine Arbeit schreibst, und ich still an deiner Seite mich beschäftige! Vielleicht stellst du mich zule[t]zt erst noch als Schreiber an! und diktierst mir. Aber nichtwahr dießmal bin ich brav, und habe viel geschrieben! Ich freue mich schon sehr auf dein nächstes Schreiben. Behüt dich Gott die Lieber es grüßt dich 1000 mal deine treue Fanni. – Großmutter u. meine Eltern grüßen. | ||
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| + | Brief von FANNI SCHLEGEL (Nr.19) an FRANZ SPÄNGLER (Nr.18): Herrn Doctor Franz Spängler kk. Gerichtsadjunkt in Mödling bei Wien [LXIV. erh. 6/2 beantw 7/2 1872.]: Salzburg 5/2 1872 ½ 6 Uhr Ab[en]ds. Mein lieber Franz! Daß dein lieber Brief dießmal nicht sehr umfangreich sein werde, hatte ich vermuthet da ich an den Salzburger Abend gedacht hatte, wo du gewiß in Wien übernachten würdest. Nichts desto weniger danke ich dir bestens für deine lieben Zeilen und gehe an rasche Beantwortung derselben, damit du schon Morgen meinen Brief bekommst. Da wir heute den Unterhaltungsabend d. kaufmännischen Vereines besuchen könnte ich nicht wie sonst später am Abend an dich schreiben und du wirst entschuldigen müßen, wenn meine Epistel dießmal kurz wird. Vor Allem muß ich lobend anerkennen daß dießmal der Weg vom Salzburger Abend nicht über das Cafehaus führte, sondern mein verehrter Herr Bräutigam hübsch solid nach Hause ging. Die Ausstattungsarbeiten schreiten wacker fort, es wird nicht mehr lange dauern, bis die erste Sendung nach Mödling kommt. Natürlich werde ich dich davon benachrichtigen. Ich bin froh, daß ich doch je[t]zt unsere Adreße weiß. Wie oft male ich mir unser Heim aus. Je[t]zt wirklich unser Heim seit 2.Feb: Wenn in der Wohnung zu ebener Erde auch ein junges Ehepaar kommt, können wir sehen, welche von den beiden Frauen zuerst ihren kleinen Haushalt recht in Gang bringen wird. Es wäre hübsch, wenn die künftige junge Frau vielleicht ein angenehmer Umgang für mich wäre. Um nicht zu vergeßen, meines Vaters Namenstag ist am 3.April. Da werden wir hoffentlich mitsammen gratulieren. – Emmas Hochzeit ist also auf den 26.Februar festgese[t]zt und ich hoffe daß wir in den le[t]zten Tagen dieses Monats oder spätestens in den ersten Märztagen nach Wien kommen. Also auf baldiges Wiedersehen! Mir scheint immer du willst uns wirklich holen! zur Probe vonr dem wirklichen Leben „Holen“. – Doch nun muß ich schließen Großmutter läßt mir keine Ruhe mehr. – Ich freue mich schon sehr auf einen Brief lebe wo[h]l und behalte mich lieb deine Fanni. – Großmutter grüßt. | ||
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| + | Brief von FANNI SCHLEGEL (Nr.19) an FRANZ SPÄNGLER (Nr.18): Herrn Doctor Franz Spängler kk Gerichtsadjunkt in Mödling bei Wien [LXVI. erh. 10/2 beantw 11/2]: Salzburg, 9.Februar 1872. 1 Uhr Nachm: Mein lieber Franz! Du hast meinen Bücherschatz wieder mit einer schönen Gabe bereichert, tausend Dank dafür mein Lieber, so wie auch für deinen lieben Brief! Deine Güte hat mich schon so verwöhnt, daß ich gestern den ganzen Tag mit ziemlicher Sicherheit auf das Erscheinen des Postboten wartete und es mir leid that, als ich umsonst warten mußte. Erst heute früh empfing ich dein Geschenk, noch einmal meinen herzlichsten Dank. Das Buch ist mir nur dem Namen nach bekannt, doch seit ich „Ekkehard[„] gelesen, ist mir der Name Scheffel von gutem Klang. Soeben hat Großmutter unsere Abreise auf den ersten März festgesetzt. Also heute über drei Wochen! Wie lange wir in Wien bleiben werden, hängt von den zu besorgenden Geschäften ab. – Großmutter meint bezüglich deiner Besorgniß wegen unseren Sachen, es wird nicht so gefährlich sein, da man ja Alles verpackt laßen kann, bis Großmutter nach unserer Hochzeit hinterherkommt. Die Kisten mit den Betten und der Wäsche braucht man ja auch noch nicht zu schicken, und wenn die Wohnung gehörig versperrt ist, ist es doch schwer, die Möbel unbemerkt fortzubringen. – Um bei der Prosa zu bleiben, füge ich hinzu, daß man wenigstens hier Anricht u. Schlüßelkorb als zur Wohnung gehörig betrachtet, und du könntest schon die Hausfrau [Vermieterin] ersuchen, die fehlenden Gegenstücke zu besorgen. Das bleibt uns immer, dieselben selbst zu kaufen. Wenn du ohnehin wieder nach Wien fährst, wärst du ja wo[h]l so gut, dich zu erkundigen, ob das Hotel „Zum goldenen Kranz“ auf der Weide noch so ordentlich wie früher ist, und in diesem Falle ein heizbares Zimmer mit zwei guten Betten zu bestellen. Im Jahr 1867 bewohnten wir ein Zimmer im 1.Stock gegen die Gaße, und wenn ich nicht irre zahlten wir pro Tag 1 fl [Gulden] 60 X [Kreuzer] ÖW [? Österreich. Währung]. Meine Großmutter braucht mich je[t]zt und ich schließe und schicke den Brief ab. Abends werde ich dir ausführlicher schreiben. Nun noch so viel: du wirst dich erinnern daß du mir die für jeden Tag treffenden Gedichte aus dem Liebesfrühling [Lyriksammlung], welche ich gewißenhaft lese, bis zu[m] 12.Februar bezeichnet hast, ich bitte, gib mir die bis zu[m] 1.März treffenden bis dahin in deinem nächsten Brief an. – XXX lebe je[t]zt recht wo[h]l. Abends komme ich erst zur Fortse[t]zung. Großmutter u. deine Mutter grüßen dich. Behüt dich Gott. Deine treue Fanni. - „Scheffel“: Victor von Scheffel, „Ekkehard“, Roman 1855. | ||
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| + | Brief von FANNI SCHLEGEL (Nr.19) an FRANZ SPÄNGLER (Nr.18): Herrn Doctor Franz Spängler kk. Gerichtsadjunkt in Mödling bei Wien [LXVII erh 12/2 beantw mit LXVIII 13/2]: Salzburg, 9.Februar 1872. ½ 7 Uhr Ab[en]ds. Mein lieber Franz! Am Ende des heutigen vielbewegten Tages komme ich erst zu der versprochenen Fortse[t]zung meines Briefes. Warum heute eine solche Unruhe bei uns war, kann ich eigentlich kaum sagen, genug, bis zu diesem Augenblick kamen wir nicht recht zum Niedersetzen. Nun beginnt es bei uns schon nicht mehr ordentlich zu sein, meine Sachen haben keinen rechten Platz mehr, alles deutet schon darauf hin, daß ich nicht mehr recht daheim bin. So muß einer Pflanze zu Mut sein, die aus der Erde wo sie zuerst ans Licht kam, herausgehoben, und in neues Erdreich verse[t]zt wird. Ich fühle das Loslösen eben immer deutlicher, je rascher der Tag herankommt, der mich fort aus der alten Heimat in eine neue, so Gott will, auch glückliche, führt. Ich bin froh, daß Großmutter neulich den Tag unserer Abreise bestimmt hat, bald werden diese 3 Wochen verstrichen sein, und wir werden wieder beisammen sein. Und bis dahin bleibt mir noch so viel zu thun! Zu allem Überfluß ist unsere Näherin krank geworden, und ich bin recht aufgehalten. Wir besuchten sie heute um zu wißen, wann sie wieder kommen kann. Welch ein Bild der Armut bot sich uns dar! Wenn ich denke, wie so vieles ich für nöthig halte, um einen Haushalt einzurichten, ist es gar ein greller Abstand mit der Existenz so armer Menschen, die tro[t]z aller Mühe und Arbeit nicht so viel erwerben können um in Tagen der Krankheit vor Not gesichert zu sein. Wenn sich mir ein solcher Anblick vor Augen stellt, fühle ich mich beinahe verstimmt und es kommt mir vor, als wäre ich mitten im Überfluß, und viele Bedürfnisse seien nur Zeichen des U[Ü]bermutes. Ich muß dir mittheilen, daß ich schon wieder Hochzeitsgeschenke bekommen habe: von Frau Wahl ein sehr schönes Fotografiealbum und von Fr. von Schlögelhofer eine vollständige Waschtischeinrichtung von weißem Porze[l]lan mit Goldrand. Mir kommt vor, daß H: v. Sch: [Schlögelhofer] darauf rechnete, daß Ida bei meiner Hochzeit ist und so werden wir sie also einladen. Weißt du, Großmutter wünscht es und eigentlich ist es für uns ziemlich gleich. Neulich sagten wir Ida, wir würden sie zur Hochzeit bitten, und wurde die Einladung von der Hochgnädigen huldvollst angenommen und Ida hat sichtlich große Freude. Ich bin schon so neugierig ob Minna kommen darf, ich hoffe es, dann habe ich lauter so schöne Brautjungfrauen daß ich als Braut ganz davor verschwinden werde. Am Ende gefalle ich dir dann gar nicht mehr, wenn die Andern Alle so schön sind? Magst mich doch? Wer mein Brautführer sein wird, weiß ich noch nicht. Willi kommt im Mäerz heraus, da werden wir ja sehen. Warst du wirklich nicht am Salzburger Kränzchen? So viel ich weiß, war Minna [Lorinser] dort, so muß wunderschön auf einem Balle sein. Was meinst du nur immer mit den Andeutungen als wolltest du bald kommen? Willst du uns wirklich holen? Neulich bekam ich eine Gratulation, nämlich vobn Fräulein Schroff [?] in München, der ich neulich unser Bild /:Gruppe:/ geschickt habe, und die von meiner Verlobung noch nichts gewußt hatte, da die Karte an den Stiftsdechant Lohner [?] verloren ging. Frl: Schroff schreibt sehr lieb und ist entzückt von unserm edlen Conterfei. – Es dürfte dich vielleicht interessieren zu hören, daß der le[t]zte Casinoball wozu samm[äm]tliche Offiziere geladen waren, von vielleicht 80 Herren und nur 22 tanzenden Damen besucht war, darunter nur 9 Mädchen. Über die Unterhaltung am 5 Feb: kann ich berichten daß sehr viele Leute [da] waren. Ludwig [Zellner] sprach einen recht hübschen Prolog, Frau Asböck [?] sang zwei Lieder dann trug ein mir unbekannter Herr das Gedicht „Warum“ vor ziemlich trocken. Es war einmal in der Gartenlaube [Zeitschrift]. Ludwig sprach es einmal im Casino wenn du dich vielleicht erinnerst. Dann sang ein Herr den wir ebenfalls nicht kannten, und endlich entlud sich die Deklamiermitrailleuse /:im sonstigen Leben Frl Mitterbacher:/ Sie sprach das Gedicht das Glückshemd Hemd des Glücklichen u. dann im Dialekt „der Séjour im Lade[„]. Zum Schluß kam das Theater. Fräulein Maria Tomaselli spielte ihre kleine Rolle recht gut. Es wurde im Ganzen recht nett gespielt. – Beiliegend schicke ich darüber Programm, damit du siehst welch verlockend[e] Tanzordnung sich anreichte [?]. Wir sahen einem Walzer noch zu und entfernten uns dann. Da siehst du, daß ich der Versuchung des Tanzes nicht unterlag, es wurde mir auch ganz gewiß nicht schwer. – Man will es mir immer nicht glauben, daß ich kein Verlangen nach einem Balle spüre. Ich hätte mich gefreut, wenn du dich am Salzb:[urger] Kränzchen recht gut unterhalten hättest. Mir wäre es auch recht gewesen, wenn du mit Minna über mich gesprochen hättest, ich hoffe, sie würde dir nicht zu viel Übles von mir gesagt haben. Doch nun hoffe ich, daß meine beiden Briefe sich einer recht ausführlichen Antwort erfreuen werden und hoffe auch, du bist zufrieden mit mir. Gute Nacht du Lieber es freut sich auf baldiges Wiedersehen deine treue Fanni – Großmutter grüßt – [quer:] Ich danke dir nochmals für das schöne Buch. - „Wahl“: Ehepaar Wahl genannt u.a. in einem Brief vom 6.12.1871. – „Schlögelhofer“ u.a. in Briefen vom 2.10.1870 und 22.7.1876 genannt. – „Programm“: liegt bei das gedruckte „Programm der Abend-Unterhaltung des Kaufmännischen Vereins in Salzburg Montag den 5.Februar 1872.“ Gespielt wird ein Schwank in einem Akt, „Ein Stündchen auf dem Comptoir“ von S. Haber. | ||
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| + | teilweise dazwischen: | ||
| + | an FANNI SCHLEGEL, Franziska Spängler (1848-1905; Nr.19), verh. 8.4.1872, von FRANZ SPÄNGLER: 7.2.1872, Brief aus Mödling an Fanny: ... [nicht gelesen] von deinem treuen Franz - 15.2., dito: „Soeben erhielt ich deinen leider sehr kurzen Brief..., Geschenk für Emma, mit Schlüsselkästchen einverstanden [Rest nicht gelesen] - 16.2., Brief aus Salzburg: freuen sich, Großmutter „scheint auch schon getröstet“ [Abschied von der Braut] und freut sich, nach Wien zu fahren. „Denk an mich, wenn du den Golf [Adria] siehst mit seinen zahllosen Schiffen und Kähnen“; waren bei Emma, sie ist glücklich; ...deine MinnaXX - 10.3., Postkarte aus Wien an Fanni Schlegel, Marktplaz Nr.10, Salzburg [Bleistift]: „Durch Umstände, welche ich dir morgen brieflich mitteilen werde, werde ich veranlaßt heute noch in Wien zu bleiben, und muß es daher auch auf morgen verschieben, dir ausführlicher zu schreiben Herzl Grüße dein Dr.F.Sp. [Franz] - 15.3., Brief mit Umschlag und eingedruckter Briefmarke 5 kr., Siegel „F.Sp.“, aus Mödling an „Frl Fanny Schlegel Salzburg Marktplatz No 10 II Stok“: „Meine liebe Fanny! ... [nicht gelesen] dein treuer Franz“ - 19.3. dito [nicht gelesen] | ||
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| + | Brief von FANNI SCHLEGEL (Nr.19) an FRANZ SPÄNGLER (Nr.18): Herrn Doctor Franz Spängler kk. Gerichtsadjunkt, in Mödling bei Wien [Franz Spängler: LXVIII erh 13/2 beantw 13/2]; rotes Siegel „F. S.“: Salzburg 12.Februar 1872. 2 Uhr Nach:[mittags] - Mein lieber Franz! Das hätte ich wirklich nicht gedacht, daß ich einen so leichtsinngen Bräutigam habe, es ist nur gut, daß du eine so solide Frau kriegst! /:?:/ Wenn mein heutiger Brief nur kurz wird, so ist übrigens auch ein wenig der Fasching schuld, wir(d) sind nämlich heute bei Zeller geladen, wo[h]l das le[t]zte Mal so lange Emma noch zu Hause ist. – Die Zahl der Gäste bei Emmas Hochzeit wird sehr beschränkt sein, daher glaube ich auch nicht, daß sie dich einladen. Schön wäre es schon gewesen, wenn wir mitsammen den Tag hätten feiern können! So müßen wir aber zufrieden sein, daß wir uns bald in Wien sehen, und in wenigen Wochen für immer angehören werden. – Was das bewußte Geschenk betrifft so bin ich gern bereit, den Einkauf hier zu besorgen, nur bitte ich dich mir so bald als möglich zu sagen wie viel ich beiläufig [in etwa] dafür auslegen darf? – Lida meint, eine elegante Tischglocke wäre nicht übel. (Oder) ein silberner Schlüßelring. Vielleicht erfahre ich heute irgend einen stillen Wunsch von Emma. Ich werde ohnehin bald an Minna schreiben, da will ich mich wegen dem „Kranz“ [Hotel in Wien] anfragen. Minna hat wirklich die Erlaubniß erhalten, zu meiner Hochzeit zu kommen, was mich sehr freut. Minna war am Salzburger Kränzchen und lernte dort Marie Guttenberg kennen, die ihr sehr gut gefällt. Sauter junior scheint dermalen stark für Minna zu brennen, er tanzte den Cotillon mit ihr, du kannst ihn einmal raten, daß er seine Tänzerin so auf Umwegen engagiert. Marie Guttenberg mußte ihm nämlich durch Lida den Cotillon erbitten. – Vor dem ersten März wird Großmutter keinenfalls XXreisen. Wahrscheinlich benützen wir den Postzug jedenfalls fahren wir über Tag. Deinen nächsten lieben Brief, von dem ich hoffe daß er lang sein wird, werde ich ausführlich beantworten. – Meinen Dank für die kleine Haube, ich fürchte, ich werde sie nicht ohne Vergrößerung benützen können. Auch für die Bezeichnung der Gedichte meinen Dank. – Lebe wo[h]l und behalt‘ lieb deine treue Fanni – Großmutter grüßt. – „Marie Guttenberg“: Lida [verh.] Guttenberg ist eine enge Freundin von Fanni; vielleicht die Schwägerin zu Lida. | ||
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| + | Brief von FANNI SCHLEGEL (Nr.19) an FRANZ SPÄNGLER (Nr.18): Herrn Doctor Franz Spängler kk Gerichtsadjunkt, in Mödling bei Wien. [LXIX erh 15/2 beantw 15/2] aufgedruckte 5 Kr-Marke, blau-goldenes Papiersiegel „F“: Salzburg 14.Februar 1872. - Mein lieber Franz! Dießmal nur ganz in Eile. Ich will dich nur fragen, ob du mit einem eleganten Schlüßelkästchen für Emma einverstanden wärst? Ich sah eins bei Naumüller aber es kostet 7 fl. [Gulden] 20 X [Kreuzer]. Ich hätte gerne von Silber etwas gehabt, aber Emma hat schon alles Mögliche. Am Freitag kommen Zellers zu uns zum Abschied wenn du Zeit hättest könntest du mir gleich einen Brief für Emma schicken dann könnte ich ihr gleich das Kästchen überreichen. Wenn du einen Schlüßelring von Silber vorziehst, ich sah einen der etwas über 6 fl. kostet, so schreibe mir[.] auch eine Tortenschaufel von Silber schaute ich mir an sie kostet zwischen 6 u. 7 fl: das wären die einzigen GesX Gegenstände von Silber, die ich für Emma wüßte. Also ich bitte um baldige Antwort. – Morgen kommt Hr.v.Schlögelh[ofer]: für Jause [Nachmittagskaffee]: zu uns, da habe ich keine Zeit zum Schreiben. Wegen dem „goldenen Kranz“ [Hotel in Wien] erkundige ich mich noch bei Lorinser. Wann eine Sendung nach Mödling kommt, werde ich dir schon melden. – Nun zum Schluß meinen Dank für den Brief u. dem Vergißmeinnicht, daß du so leichtsinnig bist ist mir ganz recht, da ist es dann mit der Pechenterin [?] nicht so gefährlich. – Behüt dich Gott, nächstens mehr, deine Fanni. – Wenn möglich möchte ich bis Freitag eine Antwort von dir | ||
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| + | Brief von FANNI SCHLEGEL (Nr.19) an FRANZ SPÄNGLER (Nr.18): Herrn Doctor Franz Spängler kk: Gerichtsadjunkt in Mödling bei Wien [LXX erh 16/2 beantw 16/2] aufgedruckte 5 Kr-Marke, rotes Lacksiegel [siehe oben] „F“: Salzburg 14. [gleicher Tag wie voriger Brief!] Februar 1872. ½ 9 Uhr Ab[en]ds. - Mein lieber Franz! Obwo[h]l ich vor kaum 2 Stunden einen Brief an dich abschickte, benütze ich doch noch ein freies Stündchen vor dem Schlafengehn, um etwas ausführlicher und geordneter an dich zu schreiben. Die „Hochgnädige“ zu welcher wir um 7 Uhr gingen, war nicht zu Hause, und so kann ich dir schreiben, nachdem ich zuerst an Minna einen Brief schrieb. – Wie ich dir unlängst schon schrieb, geht es bei uns immer geschäftiger zu. Tag um Tag rückt das Ziel näher und immer giebt es Neues zu besorgen und anzuordnen. Am Montag waren wir also noch einmal bei Zeller, wie bald wird der gewohnte Kreis so anders gestaltet sein! Emma ist sehr lieb und vergnügt, ich versprach ihr, wenn wir Beide d.h. du u. ich S sie zur Hochzeit laden, einen ganzen Tag dazu zu verwenden, damit wir ihren Haushalt sehen können, du bist doch einverstanden? Gestern mußte ich lebhaft an den Faschingsdienstag 1869 denken. Gestern soll es recht hübsch im Casino gewesen sein, erzählte mir Lida. – Ich bin beschäftigt mein Kleid zu Emmas Hochzeit zu fabrizi[e]ren. Morgen ist Hr.Laschensky sowie Hr: v. Schlögelh:[ofer] u. Ida bei uns eingeladen Am Freitag kommen Zeller und Plachetka u Hr: Wahl. Wir wollen aber, so lange ich noch hier bin, unsere alten Bekannten noch einmal einladen. Da muß ich Vormittags herrichten. Bald werden die 14 Tage bis zum 1.März vorüber sein, und die Dampfrosse führen mich zu dir du Lieber, das wird wieder ein schönes Fieber werden! während der Reise. Wer hätte gedacht, daß wir unser Versprechen dich in Mödling bei einer allfälligen Wiener Reise zu besuchen, in dieser Weise einlösen werden, und daß diesem Besuch ein Daueraufenthalt folgen werde? Ist es dir recht, daß es so kam? Ich muß schon gleich hinzufügen, ich hoffe ja, sonst machst du mich Böse. Aber daß meine Kranzjungfrauen viel schöner sein werden als ich ist sicher, habe dank, daß du nicht nach dem Äußern allein schautest bei der Wahl deiner Frau. Gott gebe, daß du mich deinen Erwartungen entsprechend findest! Daß wir an unserem Hochzeitstag in feierlicher Stimmung sein werden, bezweifle ich nicht, doch glaube ich auch, daß wenigstens ich ziemlich erregt sein werde. Bist du böse, wenn die notwendigen Abschiedsbesuche manchmal nicht ohne Tränen abgehen sollten? Wäre doch erst der Abschied vorbei! – Frau Rosa Stiebitz schickte mir zum Hochzeitsgeschenk ein sehr nettes Kafegeschirr für zwei Personen, mit dem Wunsche, daß wir Beide recht viele gemütliche Frühstücksstündchen bei demselben zubringen möchten. Von ihrem Mann sind noch immer keine guten Nachrichten hier. Nachdem heute die Fastenzeit beginnt, hoffe ich auch bald wieder einen solchen Bräutigam zu haben, den bald zu sehen sich herzlich freut deine treue Fanni. – Meine Empfehlungen an Angermayer, u.s.f. Großmutter grüßt. – „Stiebitz“: vielfach in den Briefen; nach einem Brief vom 22.12.1871 ist Herr Stiebitz in einer Heilanstalt, „Irrenanstalt“ in Linz; siehe auch Brief vom 21.2.1872. - „#Angermayer“: Maria Josepha Spängler (1832-1896), verh. mit Vinc. Angermayer (1815-1886), zuletzt Landesgerichtsrat in Wien. | ||
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| + | Brief von FANNI SCHLEGEL (Nr.19) an FRANZ SPÄNGLER (Nr.18): Herrn Doctor Franz Spängler kk. Gerichtsadjunkt in Wien Poste restante Hauptpostamt [LXXI erh 18/2 Corresp[ondenz]k[arte] 18/2]: Salzburg 15.Februar 1872. 1/4 nach 8 Uhr Ab[en]ds. - Mein lieber Franz! Ich hoffe, du wirst zufrieden sein, daß dem „leider sehr kurzen“ Brief von vorgestern fast unmittelbar ein längerer folgte, und ich schmeichle mir sogar mit der Hoffnung, auf denselben recht bald Anwort zu bekommen. Diese Zeilen haben zum Hauptzweck, dir zu berichten, daß ich im stolzen Gefühl meiner Machtvollkommenheit heute nach Tisch zum 2ten Male zum Silberarbeiter Schwihl wollte, und für Emma doch etwas Silbernes aussuchte. Lida hatte ich gerechter Weise als Geheimrath bei mir und wir beschloßen Emma selbst zwischen mehreren Gegenständen von gleichem Wert wählen zu laßen. Wir brachten also eine Tortenschaufel, zwei Zuckerzangen und zwei hübsche gehe[ä]rtete Messer für Käse und Butter nach Hause. Emma entschied sich in der engeren Wahl für die Letzteren, welche zusammen 7 fl kosten. Ich habe also, wie du siehst das zuerst in Vorschlag gewesene Schlüßelkästchen stehen gelassen. – Emma schien sich über deine Gabe recht zu freuen, sie ersuchte mir, dir in ihrem Namen für Geschenk und Brief zu danken, wenn sie Zeit findet, wird sie dir selbst schriftlich danken. Heute waren Zeller und Plachetka bei uns, auch Frau Wahl und Frau Rosa [Stiebitz]. Die Arme sieht recht übel aus. Gestern kamen böse Nachrichten von ihrem bedauernswerthen Mann. Er soll kürzerlich [?] schon heruntergekommen sein, und sein Geisteszustand ist durchaus nicht tröstlich. Er spricht gar nicht mehr und man muß ihm die Speisen zwangsweise beibringen. Es scheinen sich schon Zweifel an seiner Genesung aufzudrängen. Rosa zeigt sich wunderbar gefaßt, sie verbirgt und verschweigt ihren Kummer in einer Weise, daß die Arme von vielen Seiten mißverstanden wird. Sie sucht offenbar sich von ihrem Schmerz so wenig als möglich beherrschen zu laßen, und die Leute legen ihr dieß als Mangel an Theilnahme aus. Wenn man mehr mit ihr spricht, sieht man gut genug, daß sie genug leidet. – Meine beiden Brüder [Halbbrüder] Richard und Karl sind so sonderbar erkrankt, sie müßen sich sehr verkühlt haben. Sie haben kein Fieber aber heftige Schmerzen am Körper, so daß sie sich gar nicht bewegen können, man darf gar nicht an ihren Betten rühren, ohne daß sie vor Schmerz schreien. Die arme Mutter steht da wieder genug aus. Dieser Zustand dauert nun schon über eine Woche. Doch nun habe ich dir so viel Nachtheiliges erzählt, daß ich wenigstens mit einer freundlichen Aussicht schließen will, nämlich heute über 14 Tagen haben wir hoffentlich schon ein recht frohes Wiedersehen gefeiert, und diese Aussicht finde ich sehr schön. Gott gebe nur, daß wir zur Reise kein so schauerliches Wetter haben wie heute. Emma u. Albert reisen vielleicht als Hochzeitsreise doch nach Wien, da wäre es möglich daß wir uns unten treffen könnten. Nun aber gute Nacht, mein Lieber, unterhalte dich gut in Wien, dieß wünscht deine treue Fanni. – Großmutter grüßt – [auf dem Kopf:] Laß mit[ch] doch mittels Postkarte wißen, ob du diesen Brief bekommst! Hugo Schumacher hat die Schafblattern, sehr leicht. | ||
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| + | Brief von FANNI SCHLEGEL (Nr.19) an FRANZ SPÄNGLER (Nr.18): Herrn Doctor Franz Spängler kk. Gerichtsadjunkt in Mödling bei Wien [LXXII erh 19/2 beantw mit LXXI 19/2]: Salzburg 17.Februar 1872. 3/4 1 Uhr Nach:[mittags]. - Mein lieber Franz! Da ich in angestammter Bravheit heute in aller Frühe meine Antwort an dich absandte, bleibt mir nichts übrig, als gleich einen neuen Schreibebrief zu beginnen zum Dank für deine lieben Zeilen. Meinen getrigen Brief adressierte ich, wie du gewünscht, Poste restante, Hauptpostamt Wien, und eigentlich sollte ich diesen auch dorthin schicken, doch ich denke, so findest du diesen vielleicht wenn du nach Hause kommst, vor. – Heute ging also die erste Sendung nach Mödling ab, nämlich 3 Bettstellen, 3 Federmatratzen und eine Seegrasmatratze, du wirst ohnehin das Aviso [Anzeige] bekommen haben. Großmutter meint, du solltest Alles verpackt in unserer Wohnung stehen laßen, so kann Niemand etwas davon thun. – Von der gestrigen Einladung habe ich dir schon geschrieben; Emma scheint nicht daran zu denken, dich zur Hochzeit zu laden. Ich bin neugierig ob wir lustig sein werden, wie die Ereignisse in der Familie Zeller stehen, ist wenig Grund dazu. Ich weiß nicht, ob du schon hörtest, daß die Frauensteiner Zeller zum Sterben ist. – Daß ich an Emmas Hochzeit[s]tag ernster gestimmt sein werde, kannst du mir glauben. Mir wird der Trauungsakt wie ein Vorspiel für mich vorkommen, und wird mir genug zu denken geben. Doch nun muß ich mich wieder zur englischen Stunde bereit machen. Behüt‘ dich Gott. Good bye, till we meet again. – Sonntag ¼ auf 12 Uhr. Ich hatte gestern den Brief absenden wollen, komme aber erst je[t]zt zum Weiterschreiben. Wir waren gestern Nachmittag bei Fr: Schneeberger eingeladen. Es war ganz gemütlich dort. Es war auch am Samsta Donnerstag nicht so übel. Ich unterhielt mich hauptsächlich mit Fr: Schneeberger, dich die ich wirklich recht gern habe, sie ist mir auch recht gut. Ich sprach mit ihr länger über deine Cousine Angermeyr [-mayer], die sie sehr aus ihrer Mädchenzeit sehr gut kennt. Mathilde freut sich gar so auf unsere Hochzeit, sie verspricht mir immer, daß sie sich sehr „schön machen“ wird. Auch Ida freut sich sehr und die Hochgnädige ist ungeheuer liebenswürdig mit mir. Du stehst aber ganz besonders in Gnaden bei ihr. Nun ist Emma schon ihrem Ziel so nah, wie bald wird auch für uns jener wichtigste Moment kommen, wo Gottes Segen unseren Bund heiligen und unauflöslich machen wird. Und zuvor kommen noch vielgeschäftige Tage und Stunden, ein, so Gott will, fröhliches Zusammenkommen in Wien, und wo[h]l noch verschiedene Aufregungen und Fieberanfälle. Unsere Ausstattung geht immer mehr der Vollendung entgegen, es ist hübsch zu sehen, wie sich Stück um Stück einreiht und die Kästen die Menge unserer Sachen nicht mehr faßen. Seit zwei Tagen ist es auch schön, und ich hoffe auf mildes Wetter zur Reise. Wenn nur Großmutter in Wien gut aufgelegt ist! sonst stehen mir noch einige Kämpfe bevor, doch ich hoffe das Beste. Der Gedanke daß ich fortgehe wird ihr immer schmerzlicher. Nun aber lebe recht wo[h]l und behalt‘ mich lieb, deine treue Fanni. - „Angermayer“: Maria Josepha Spängler (1832-1896), verh. mit Vinc. Angermayer (1815-1886), zuletzt Landesgerichtsrat in Wien. | ||
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| + | Brief von FANNI SCHLEGEL (Nr.19) an FRANZ SPÄNGLER (Nr.18): Herrn Doctor Franz Spängler kk. Gerichtsadjunkt in Mödling bei Wien. [LXXIII erh 23/2 beantw 23/2]: Salzburg 21 Februar 1872. 1/4 auf 9 Uhr Ab[en]ds. - Mein lieber Franz! Ich danke dir für deinen lieben Brief, den ich heute früh erhielt. Wie freue ich mich, daß wir uns schon so nahe unseres, hoffentlich frohen Wiedersehen[s] sind! In zehn kurzen Tagen werden wir beisammen sein, und mitsammen unser Nestchen einrichten beginnen. Ich bin schon gar so neugierig, wie mir meine neue Residenz vorkommen wird? Die Ausstattungsarbeiten gehen nun ihrem Ende entgegen, und dank den freundlichen Gebern mehrt sich unser Hausrat um manches hübsche Stück. An Hochzeitsgeschenken sind neuerdings folgende Gegenstände eingerückt: Von Papa Zeller und Ludwig zusammen ein wü[u]nderschönes Theeservice für 12 Pers:[onen], von meinen Eltern eine sehr hübsche Kukuksuhr, ein besonderer Wunsch von mir, und heute von der alten Frau Laschensky eine Zuckerzange und eine Salzbüchse sammt Schäufelchen von Silber. Wie du siehst, lauter brauchbare Dinge. Ich sehe alle meine hübschen Sachen zuweilen an, und denke wie schön es sein wird, wenn wir dieselben miteinander benützen werden. – Ich habe je[t]zt wieder so viel zu thun, daß ich unter Tags nicht zum Schreiben komme, doch morgen werde ich diesen Brief doch schließen können, heute bin ich schon so müde. Gute Nacht. – 22/2 7 Uhr früh. Du mußt es vorstehendem Geschreibsel ansehen, daß ich gestern ganz unfähig zum Schreiben war, so will ich je[t]zt eine kleine freie Zeit benützen, um mit dir zu plaudern. Also schönen guten Morgen, mein Lieber, ich hoffe du hast dich von der Semesterprüfung erholt und bist nicht gar zu streng gewesen. Warst du zufrieden mit deinen Schülern? – Ich habe Minna gefragt wegen dem „Kranz“ [Hotel in Wien], doch das Anpathinn [?] hat mir noch nicht geantwortet, ich meine aber, wir sollten jedenfalls im Kranz wohnen. So bitte ich dich, gelegentlich für uns ein ordentliches Zimmer mit zwei Betten für einige Tage zu bestellen. Wir werden mit dem Zug um 9 Uhr Vormittag fahren, ist das nicht der Postzug? Wann werden wir dann da ankommen? Wenn du das Zimmer bestellst, sei so gut und sage auch, daß wir dasselbe gut geheizt finden wenn wir kommen. Wenn man den ganzen Tag fährt, wird es doch kalt. Wie freue ich mich, wenn du uns am Bahnhof entgegenkommst? Nun muß ich dir aber recht was Trauriges erzählen, nämlich von dem armen Stiebitz. Neulich, Dienstag, kam wieder schlechte Nachricht, und daß er versehen [letzte Ölung eines Todkranken] wurde. Daraufhin reisten Papa Zeller u. Rosa nach Linz und einem Telegramm zufolge trafen sie den Armen geistig und körperlich sehr herabgekommen, doch noch nicht sterbend, wie man zuerst fürchtete. Es wurde schon davon gesprochen, Emmas Hochzeit zu verschieben, die arme Emma ist ganz desperat. Melancholisch genug wird die Hochzeit werden, und wenn sie wirklich verschoben wird, kann mittlerweile die Frauensteiner Zeller sterben. Ich bedauere die Emma schon recht, daß ihre le[t]zten Mädchentage gar so betrübt sind. – Meinen Brüdern geht es etwas besser, Karl geht aus, aber Richard liegt noch fest im Bett. Er ist auch ganz melancholisch. Nun aber lebe wo[h]l und schreibe recht balb und viel deiner treuen Fanni. – Großmutter grüßt, dein Bruder läßt dich grüßen, u. du sollst ihm doch mit einigen Zeilen die Frage beantworten, was Eure Forderung bei Spängler [Bankgeschäfte u.ä.?] beträgt? - „Stiebitz“: vielfach in den Briefen; nach dem Brief vom 22.12.1871 ist Herr Stiebitz in der Irrenanstalt in Linz. Siehe auch folgende Briefe. | ||
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| + | Brief von FANNI SCHLEGEL (Nr.19) an FRANZ SPÄNGLER (Nr.18): Herrn Doctor Franz Spängler kk. Gerichtsadjunkt in Mödling bei Wien. [LXXIV erh 25/2 beantw 25/2; Brief ohne übrliches Lacksiegel]: Salzburg 24 Februar 1872. 4 1/2 Uhr Nach[mittags]. - Lieber Franz! Für dießmal nur wenige Zeilen, ich will noch zu Zeller gehen, denn das unsäglich Traurige ist eingetroffen, der arme Stiebitz ist todt. Natürlich wird Emmas Hochzeit verschoben, du kannst dir vorstellen, wie schwer Alle betroffen sind. Ich werde dir heute Abend oder morgen ausführlicher schreiben. Für je[t]zt nur soviel, daß wir, so Gott will, am Freitag um 7 Uhr Morgens von hier abreisen werden. Großmutter will doch im Kranz wohnen, also bitte ich dich, dort für uns Wohnung zu bestellen. – Ich schließe, sonst wird es mir zu spät. Lebe wo[h]l, deine Fanni. - „Stiebitz“: siehe voranstehenden und folgenden Brief. | ||
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| + | Brief von FANNI SCHLEGEL (Nr.19) an FRANZ SPÄNGLER (Nr.18): Herrn Doctor Franz Spängler kk. Gerichtsadjunkt in Mödling bei Wien. [LXXV erh 26/2 Corresp.K[arte] 27/2]: Salzburg 25 Februar 1872. 1/2 9 Uhr Vorm:[ittags]. – Mein lieber Franz! Mein gestriger Brief wird nun bald in deinen Händen sein, ich rechnete auf deine Nachsicht, da ich dir nur so wenige Worte schrieb. Ich ging wirklich noch zu Zellers die ich Alle in großer Betrübniß fand, wie du dir denken wirst. Mein Vornehmen [-haben], noch gestern einen Brief an dich zu beginnen, führte ich nicht aus, weil ich im Auftrag der Mama Zeller die Trauernachricht an Fräulein Lori Pfaundler besorgte, und dann wirklich so von dem traurigen Vorfall verstimmt war, daß ich nicht mehr an dich schreiben mochte, ich hätte doch kein anderes Thema besprechen können. – Nächst der armen Rosa erbarmt mich Emma vor Allem, daß das neulich so nahe Ziel wieder entfernt wurde. Wenn doch die Hochzeit hätte sein können. Auch Albert wird wird schwer betroffen sein, denn abgesehen von allem Anderen, ist es ja für ihn ordentlich Lebensfrage, endlich mal in Ordnung zu kommen. Zudem muß er seine je[t]zige Wohnung zum 1.März verlaßen. Allem Anschein nach wird die Hochzeit so bald als thunlich, gehalten werden, die näheren Umstände von dem so schnellen Ende des armen Stiebitz wißen Zellers selbst noch nicht, da gestern Nachmittag blos ein Telegramm einlangte, daß C.St: um 4 Uhr früh verschieden ist. Du kannst mir glauben, daß dieß traurige Ereigniß auch einen düstern Schatten auf meine Gemütsstimmung wirft, und ich kaum den Mut finde mich auf die Zukunft zu freuen. Doch nein, wir wollen das Beste hoffen, auch daß unser nun schon so nahes Wiedersehen froh und ungetrübt sein wird, und daß uns der liebe Gott seinen Segen auf zu unserm vereinten Lebensweg mitgeben wird. – Einschließlich dem heutigen Tag und Freitag, wo doch erst die Abendstunden uns traulich vereinen werden, noch 6 Tage. Wie schnell werden diese hinüber gehen! Ich habe noch Einiges vorzubereiten, in den le[t]zten Tagen hatte ich viel mit meinem Anzuge zu Emmas Hochzeit zu thun, nun ist der ganze Staat beinahe fertig, und ich bin neugierig, wann er seine Bestimmung erfüllen wird? Großmutter zieht vor beim Kranz zu wohnen, es ist ja nicht gar so weit von der Stadt, und mittags werden wir meistens dort speisen wo uns eben der Weg vorbeiführt. Wir haben uns längst schon vorgenommen, bei Angermayer, Spängler und Guttenberg Besuche zu machen. Es wäre hübsch wenn wir mit den erstgenannten einmals Abends beisammen wären. – Fräulein Lori wird uns beim Einkaufen behülflich sein, auch Minna muß manchmal mit als Hilfskorps. – Vielleicht kommt Minna gleich mit uns herauf [nach Salzburg], sonst müßtest du sie mitbringen. Das zeigt großes Vertrauen, nicht wahr? Minna soll auch meine eigentliche Brau Kranzjungfrau sein, sie verdient diese Auszeichnung, weil sie so weit [von Wien] herkommt zu meiner Hochzeit. Die „6 Wochen“ machen mir doch noch kein Fieber, das kommt erst, wenn der große Tag noch näher sein wird. Wenn nur erst alle meine schönen Sachen glücklich in Mödling sein werden. Wenn Mödling mir nun gar nicht gefiele, was würdest du thun? - ---- Wenn ich rechtes Heimweh bekäme. Hast du schon gehört, daß die arme Anna Mertens den Typhus hat und im Spital ist. Es sind zwar wieder bessere Nachrichten da. Nun aber behüte dich Gott, wenn ich bis Dienstag oder Mittwoch früh von dir einen Briefe bekomme, schreibe ich auch noch einmal. Auf baldiges Wiedersehen freut sich herzlich deine treue Fanni – Großmutter grüßt dich. | ||
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| + | Brief von FANNI SCHLEGEL (Nr.19) an FRANZ SPÄNGLER (Nr.18): Herrn Doctor Franz Spängler kk. Gerichtsadjunkt in Mödling bei Wien [LXXVI erh 28/2 beantw 28/2; anderes Briefpapier ohne Zeichen, sonst mit englischem Prägestempel; dem Brief beiliegend Blumen]: Salzburg 27.Februar 1872 1/2 10 Uhr Vorm:[ittags]. – Mein lieber Franz! So gerne hätte ich dir gestern schon geschrieben und für deinen so lieben Brief gedankt, doch konnte ich nicht dazu kommen und auch heute ist der Tag schon wieder so weit vorgerückt, ehe ich zu schreiben beginne. Daß mich die in dem Briefe enthaltenen guten Nachrichten recht angenehm überraschten, darfst du glauben, auch Großmutter freut sich mit mir, daß unsere Finanzen sich so günstig gestalten. Sie läßt dich bestens grüßen und dir gratulieren. Ich mache auch schon Pläne wie hübsch sich unsere Wirthschaft mit dem von dir großmütig ver-größerten mehrten Monat[s]geld wird einrichten laßen. Daß die Sendung glücklich an Ort und Stelle ist, bin ich auch froh. In wenigen Tag wird uns nun so Gott will, ein recht frohes Beisammensein erfreuen, wie ungeduldig werde ich am Freitag die Ankunft in Wien erwarten und den Augenblick, wo wir dich am Bahnhof erblicken werden. Über die Dauer unseres Aufenthaltes in Wien läßt sich nichts bestimmen Das hängt davon ab, wie es mit den Einkäufen geht, doch habe ich es immer [für] selbstverständlich gehalten, daß wir über den 9.März unten bleiben, und Großmutter widerspricht nicht. - - Ich werde nicht ermangeln die von dir genannten Papiere mitzunehmen, und werde deinem Rath gemäß auch wo[h]lgestiefelt sein. Daß ich den Regen momentan nicht vergeße, dafür sorgt das liebliche Wetter, welches wir hier haben. Es wird mir doch ganz eigen zu Mute sein, wenn ich zuerst mit dir unsere Wohnung betrete. Gebe der liebe Gott, daß wir dieselbe gesund und zufrieden bewohnen können! Wenn ich sehe, wie nahe Glück und Leid sich berühren, und wie leicht ein noch so sicher gehofftes Ziel sich wieder verschieben kann, wage ich es wirklich nicht, mich recht auf unsere Zukunft zu freuen. Wer bürgt uns dafür, daß Alles ohne Zwischenfall zurecht kommt? Gott allein kann uns führen, und um seinen Segen und Schutz bitte ich täglich. Zudem fürchte ich mich noch so sehr vor der le[t]zten Zeit hier, und vor dem Abschiednehmen von allen Bekannten, und kann das Fieber noch immer nicht recht überwinden, wenn ich an den 8.April [Hochzeitstermin] denke! Großmutter nimmt sich auch den Abschied schon zu Herzen, einestheils erfreut sie sich an den Gedanken, uns Beide recht zufrieden und vergnügt zu sehen, aber daß sie dann gar so allein sein wird, fällt ihr recht schwer. Wenn ich wüßte daß sie Jemand Paßenden bei sich hätte, wäre mir auch eine große Sorge vom Herzen. Mein allernächster Wunsch ist, daß es am Freitag nicht gar so garstig stürme wie eben heute. Wir gehen gar nicht mit dem Leichenbegängniß des armen Stiebitz, weil es so heillos stürmt. Die wenigen Tage bis zu unserer Abfahrt haben wir noch Einiges zu ordnen. Als Reiselektüre werde ich den Trompeter mitnehmen, ich kam noch nicht dazu mehr als die Vorrede und einzelne Stellen davon zu lesen. Morgen hoffe ich wieder von dir zu hören, und werde wenn auch nur noch kurz, antworten. Dann soll uns ein langes gemütliches Aussprechen für etwaige Versäumnisse beim Schreiben entschädigen. Ein baldiges frohes Wiedersehen hoffend, grüßt dich herzlich deine Fanni. – Nun müßen wir aber auch den Plan für die Hochzeitsreise endlich festsetzen! – Richard ist zwar besser, doch liegt er noch immer. - „Trompeter“: Victor von Scheffels Versepos „Der Trompeter von Säckingen“, 1854. | ||
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| + | Correspondenz-Karte von FANNI SCHLEGEL (Nr.19) an FRANZ SPÄNGLER (Nr.18): Herrn Doctor Franz Spängler kk Gerichtsadjunkt in Mödling bei Wien [LXXVII erh 1/3]: Salzburg am 29.Febr:1872 [Bleistift:] Den Brief habe ich erhalten und danke bestenst, weitere Antwort mündlich. Wir haben noch nicht eingepackt, daher noch viel zu thun. Morgen Abfahrt um 7 Uhr früh. Auf fröhlich[es] Wiedersehn herzlichst Grüße d. F S. | ||
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| + | 7.3.1872, Brief ohne Umschlag aus Salzburg von ANTONIA SPÄNGLER (Nr.37; 1803-1882 an die Schwiegertochter FANNI Schlegel, verh. SPÄNGLER, mit Zusatz vom Schwager OTTO SPÄNGLER: Meine innigst geliebte Fani! Meine Gedanken sind oft, sehr oft bey Euch; vertheilt, bald in Mödling [zu Hause], bald in Wien [Arbeitsstelle von Franz] – ich male es mir oft so auß – wo Ihr sein könnt – und was Ihr vieleicht thut – die Selligkeit im Gesicht, - und im Herzen. Die herliche Witterung trägt noch viel mehr bey, Euch meine lieben den Aufenthalt noch angenemer zu machen. Der Zweck meines Schreibens ist, Euch meine lieben beyden Fani alles gute zu diesem Feste zu wünschen, der liebe gott wolle beyden nach Verhältniß das geben, was jede an Leib und Seele beglüken kann. Dir liebe Fany wünsche ich von ganzen Herzen, daß deine neue Laufbahn, welche du nun bald betritst eine recht glückliche werde, - daß du in meinem Franz findest, was dein Lebensglück erhöht, und dir die Welt zu einem Baradis verwandeln. Der lieben guten Großmutter [Fanny Kobler], wünsche ich vor allem, daß der liebe Gott ihr die Ruhe des Gemüthes schenke daß sie die Trennung von dir, mit möglichsten XXXßung ertrage – dan bin ich zufrieden. Liebe Fany behalte mich immer ein wenig lieb. Ich habe diese Woche immer mit Raßhna [Rosshaar] zupfen zu thun, hoffe heute oder doch morgen fertig zu werden, dan laße ich sie hin, hell [?] füllen, und dan geht es über die Polster und Duchend, einen großen Theil der Wäsche habe ich auch schon weg gegeben, so hoffe ich das dann alles in Ordnung kömt, ein Stück Band denke ich wirst du für Franz schon gekauft haben zun Wasch zusammen zu binden nicht breit, was er für eine Farbe wünscht. Ein Lagebinder hoffe ich wird dir Franz in meinen Nahmen übergeben wenigstens habe ich ihn gebethen etwas zu kauffen, kann er nicht dazu, so werde ich schon hier etwas finden, was dir Freude macht. Die Zeit wird die gewiß viel zu schnell vergehen heute schon den 7t Tag seit Ihr fort gereißt. Die Geschichte von Spindlen das er sich den Hals abschneiden wollte und in den Armmen die Adern öffnen werdet Ihr gewiß schon gehört haben. – Und vom Wall das er geklagt wurde wegen Müßhandlung eines sehr braven Jungen welcher einen kleinen Scherz machte – es ist in mehreren Blättern zu lesen. Die Zeller hat nun wohl viel zu übertragen. Grüße mir den Franz recht herzlich, so auch die gute Großmutter. Leben recht wohl meine liebe Fany noch einmal dir alles gute wünschend bleibe ich deine dich herzlich liebende Mutter Antonia Spängler. – Dem Fräulein Lorinzer alles herzliche. - „Lorinzer“: Minna Lorinser, Schulfreundin, Vater ist Arzt, später betreut er die Spänglerkinder (Franzi). - Liebe Fanni! Im eigenen u. im Namen meiner Louise füge ich den Zeilen der Mutter mit unseren herzlichsten Grüßen die besten Wünsache zu deinem u. der verehrten Großmutter Namenstage bei. Auch meinen lieben Bruder Franz, dessen Glück u Freude ich mit brüderlicher Innigkeit mitempfinde, bitte ich mir herzlichst zu grüßen u. zu küssen; er wird nichts dagegen haben, wenn du es per procura thust. Adieu liebe Fanni dein aufrichtiger Schwager Otto | ||
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| + | Correspondenz-Karte von FANNI SCHLEGEL (Nr.19) an FRANZ SPÄNGLER (Nr.18): Herrn Doctor Franz Spängler kk Gerichtsadjunkt in Mödling bei Wien [LXXVIII erh 11/3 beantw 11/3]: Enns am 10.März 1872 [abgestempelt „Linz Bahnhof“; Bleistift, sehr undeutlich:] Wir sind XXX XXX XXX | ||
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| + | Brief von FANNI SCHLEGEL (Nr.19) an FRANZ SPÄNGLER (Nr.18): Herrn Doctor Franz Spängler kk Gerichtsadjunkt in Mödling bei Wien [LXXIX erh 12/3 Corresp K 14/3 beantw 15/3; Daten verbessert]: Salzburg 12.März 1872. 1/4 nach 6 Uhr Ab[en]d[s]. – Mein lieber Franz! Ich danke dir für deine lieben Zeilen sammt Einschluß u. die beiden Postkarten. Umsonst hoffte ich den ganzen heutigen Tag auf eine freie Stunde um dir zu schreiben, erst je[t]zt bleibt mir eine halbe Stunde, wo ich auch den Brief schließen will, damit derselbe um 7 Uhr noch abgeht. – Wir kamen also glücklich an, die Zeit während der Heimfahrt vertrieb ich mir meist mit Lesen in deinem so wunderhübschen Buche, welches mich ganz besonders freut. Oft noch beschäftigten sich meine Gedanken mit dir, du Lieber, mit unserer neuen Heimat und mit den so kurzen schönen Stunden, die wir wieder mitsammen zugebracht hatten. – Nach Salzburg gekommen, was mein Erstes zu Lida zu gehen, um Näheres über die Hochzeit zu hören. Dann, denkst du wo[h]l, bin ich hübsch nach Hause gegangen und habe frühzeitig die Ruhe gesucht. Weit gefehlt, ehe ich nach Hause kam war Ludwig schon bei uns um mich abzuholen, und ich mußte im Reisekleid wie ich war in Ludwigs Wohnung kommen und Emma’s Polterabend feiern helfen. – Deine leichtsinnige Braut kam erst gegen Mitternacht heim, es war ganz gemütlich gewesen. Beim Champagner wur[de] unter Anderen auch [auf] dein u. mein Wo[h]l getrunken. Nur einen Moment wollte uns der Ernst übermannen, das war wie die arme Rosa Emma und mir wünschte es möge uns mehr Glück beschieden sein als ihr. Ich konnte einen Augenblick nicht den Thränen wehren. Die Hochzeit am andern Tag ging Gott sei Dank glücklich vorüber. Als Emma und Albert am Altar standen waren meine Gedanken wo[h]l auf ein nahes uns betreffendes Fest gerichtet, und ich betete für uns Alle. – Das Hochzeitsmahl war über Erwartung heiter. Wir waren Alle so lustig, und als der Champagner perlte kam es sogar zu verschiedenem Bruderschaft trinken. Auf Emmas Wunsch tranken sagen Lida und ich zu Albert du. Lida trank dann mit deinem Bruder auf du u. der und ich, denke dir, mit Ludwig doch nun ist es höchste Zeit daß ich schließe, so bald als möglich mehr. Behüt‘ dich Gott. Deine Fanni. – Großmutter grüßt | ||
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| + | Brief von FANNI SCHLEGEL (Nr.19) an FRANZ SPÄNGLER (Nr.18): Herrn Doctor Franz Spängler kk. Gerichtsadjunkt in Mödling bei Wien. [LXXX erh. 18/3 beantw 19/3; großes [Efeu-]Blatt beliegend; siehe unten]: Salzburg 16.März 1872. – Mein lieber Franz! Ich hatte mich schon sehr auf deine lieben Zeilen gefreut und ich danke dir herzlichst dafür ferner auch für das Veilchen, welches sogar noch ein wenig duftet. Ich sehe mit großer Freude, daß du meiner dich oft erinnerst, und kann dir nur sagen, daß meine Gedanken oft und oft bei dir weilen. Meine ganze je jezrge jetzige [sie schreibt, wie damals üblich, „jezt“, zögert aber offenbar bei dieser Schreibung] Thätigkeit weist mich immer auf das nun schon so nahe Ziel hin, auf unser, so gebe Gott, glückliches Beisammensein! Wo wir etwa über 4 Wochen sein werden? Seit Mittwoch ist meine Ausstattung sowie sämmtliche Hochzeit[s]geschenke aufgestellt, und unsere Bekannten machen sich die Unterhaltung die Sachen anzusehen. Die vielen neuen und hübschen Dinge sehe ich selbst gern an und ich denke dabei immer wie alles so schön in unserer gemeinschaftlichen Wohnung sein wird. Ich freue mich schon, wenn ich Alles dort ordnen werde. Ich hoffe, es soll uns Beiden recht wo[h]l und behaglich werden in unserer lieben neuen Heimat. Hier komme ich mir schon beinahe wie ein Fremdling vor, so sehr richten sich immer meine Gedanken auf das mit dem Tage unserer Vermä[h]lung beginnende neue Leben. Aus deinen Zeilen glaube ich zu sehen, daß du auch nicht mehr frei von Fieberanfällen bist, aber den dich überkommenden zu ernsten Stimmungen mußt du nicht zu sehr nachgeben. Es würde mich recht betrüben, wenn ich denken müßte, du seiest verstimmt, viel lieber höre ich, daß du dich erheiterst wie neulich, wo du mit Albert und Emma beisammen warst. Daß ich dir keine weitern Details erzählte von Emmas Hochzeit erklärt sich sehr einfach durch die Kürze der Zeit, die ich für den Brief verwenden konnte. Ich gebe hie[r]mit freilich die Erlaubniß zur allfälligen Revanche. Wenn ich etwas mehr Gewohnheit im Küßen erlangt habe, mußt du dir schon selbst die Schuld daran beimeßen, das ist einfach Erziehungsresultat. – Also Willi Gattermayer wird nicht mein Brautführer sein, da er je[t]zt schon hier ist, und gestern seine Prüfungen vollendete, kann er nicht wieder [aus Wien] heraus kommen. Weißt du, daß ich statt desssen denke, ob ich nicht doch Ludwig ersuchen soll, mein Brautführer zu werden, da er bei Emmas Hochzeit so lustig war, wäre es ihm vielleicht nicht zuwider. Auch Lida meint, daß er gern bei unserer Hochzeit wäre. Was meinst du? Ich denke wir würden erst wenn du hier bist mit Ludwig darüber sprechen. Als ich Samstags ankam, fand ich zu meiner großen Freude einen Brief von meiner so sehr verehrten Frau v. Daume [?]. Tags darauf bekam ich einen von den Schreibers aus Stuttgart. Ich werde jedenfalls, ehe ich Salzburg verlaße, diese Briefe beantworten. – An Hochzeit[s]geschenken erhielt ich noch Folgendes: Von Anna Zillner und deren Mutter ein sehr hübsches Theegeschirr für 2 Personen, samt Theeserviet[t]en, von Betti Katzinger die versprochene Couvertdecke und heute zwei Bettvorlagen von Herrn Bürgermeister Spängler. Ich wollte, ich ko[ö]nnte dir je[t]zt schon Alles zeigen, es sieht so nett aus, wie Alles so beisammen ist. Weißt du, was noch abgeht? Fensterpolster. Ich weiß nicht ob ich welche bekomme, aber du könntest mal so gut sein, mir nächstens anzugeben wie breit und lang ein Fensterpolster sein müßte, vielleicht läßt sich etwas machen, da nächste Woche die Garnitur überzogen wird. Wir wählten bei Spängler einen grünen gemusterten Wollstoff aus, von dem ich hoffe, daß er dir gefallen wird. – Doch nun für heute gute Nacht, morgen füge ich hoffentlich noch etwas bei. Sind auch die Glassachen schon gekommen? – Sonntag 17.März, 9 Uhr – Guten Morgen, mein Lieber, wie hast du geschlafen? Ich hoffe, du bist nicht verstimmt, sondern denkst vergnüglich wie ich, daran, daß nur noch zwei kurze Wochen zwischen heute und dem Tage unserer Wiedervereinigung liegen. Je[t]zt ist es gerade eine Woche, daß du mich zum le[t]zten Male beim Abschied umarmtest. Es war doch recht lieb, daß du uns noch eine Strecke begleitetest, ich freute mich auch sehr darüber. Die Heimfahrt kam mir viel kürzer vor, als die Reise von hier nach Wien, wo ich zum Schluße schon so ungeduldig war, dich endlich zu sehen. – Alle wundern sich, daß Großmutter und ich so gut aussehen seit der Wiener Reise. Ich bin schon recht froh, daß Großmutter sich nicht überanstrengt so zu sehr ermüdete. Sie ist im Ganzen ziemlich heiter, nur zuweilen betrübt sie der nun schon so nahe Abschied. Ich glaube, es wird recht gut für sie sein, daß sie nach unserer Hochzeit nach Mödling reist, um meine Wirthschaft einzurichten. Die Aussicht, daß wir uns bald wieder sehen werden, wird ihr und mir das Scheiden erleichtern. An dem Spitzentuch von uns hat sie wirklich eine rechte Freude, sie zeigt es mit einigem Stolz als „Namenstaggeschenk von dem Brautpaare“. Bei dieser Gelegenheit fällt mir ein, daß ich dir blos 8 fl: [Gulden] bezahlte, also noch 25 Kr.[euzer] schuldig bin. Ich schließe zur Deckung meiner großen Schuld 5 Briefmarken bei. – Am Freitag kam dieselbe Näherin zu mir, welche Emmas Kleider verfertigte, und nun geht es tüchtig an die Arbeit. So viel ich kann helfe ich mit der Maschine und auch so, ich hoffe, daß Alles recht hübsch wird. Ich lernte neulich eine Braut kennen, die auch am 8.April ihre Hochzeit haben wird, und die mit ihrem Mann ebenfalls eine Reise nach Italien machen will. – Man fragte mich schon mehrmals, ob doch die Rundreisekarten schon im April gelten, sei doch so gut und erkundige dich darum. Ich bin je[t]zt mit einer Reise nach Italien recht einverstanden, es muß wunderschön sein so alles in voller Blüthe zu sehen. Hier ist es wirklich viel rauher als in Wien, am Mittwoch brachten wir den Abend bei Zillner zu, da schneite es sehr stark, gestern war es wieder schön, aber heute haben wir ein Wetter wie am 2.März. Ich lege dir ein Epheublatt aus dem Bouquet bei welche[s] ich bei Emmas Hochzeit hatte. Ich gehe je[t]zt so wenig als möglich aus, weil ich so viel zu thun habe. Großmutter will nächstens schon mit dem Einpacken beginnen. Weißt du nicht wann Minna von Pesth [Budapest] kommt? Ich freue mich schon sehr, recht bald und viel von dir zu hören, drum schreibe bald deiner treuen Fanni. – Viele Grüße v. Großmutter. Was giebt es Neues in Mödling? - „Bürgermeister Spängler“ und Wollstoff bei „Spängler“: Alois Spängler (1800-1875) war Kaufmann und 1854-1861 Bürgermeister von Salzburg. – Die Salzburger #Spängler-Bank, „Bankhaus Carl Spängler & Co. Seit 1828“, entwickelt sich aus der Spängler-Handelsgesellschaft in Salzburg. Carl I.Spängler (1825-1902) ist kaiserlicher Rat und Bankier in Salzburg und übernimmt die Bank von der Familie Duregger (Wohnhaus am Mozartplatz 4). | ||
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| + | [Brief von Nr.37 ANTONIA SPÄNGLER an den Sohn Nr.18 FRANZ SPÄNGLER]: Salzburg 16.3.72: Mein liebster theuerster Franz. Es ist halt heute schon Sonntag und ich komme erst dazu dir zu schreiben. die großmutter und Fany [Fanni] erzählten mir viel wie viel du bey ihnen warst, und wie Ihr mitsammen herum gegangen seit, die großmutter hat der Fany [Fanni] würklich sehr viel gekauft, und hat vorgestern wider 50 fl [Gulden] außgegeben für sie. Ich bin nun gottlob mit allen fertig bis auf 6 Hemmten welche noch nicht vom machen gekommen sind. Das Bett ist hübsch und ordentlich, ich mußte freulich 6 [Pfund] Borten kauffen wie eben auch beim Otto, doch geschehen mußte. Zuerst sagte die großmutter ich soll alles hinauf schücken zum einpacken und gestern sagte sie ich sollte eine eigene Kiste nehmen und bey uns packen. Bis wan soll ich dan alles packen, und soll ich die Juri[s]tischen Bücher welche im Bücherkasten in der Lade sind mitpacken? Die Küste werde ich halt kauffen müßen, weil diese, welche ich habe, viel zu klein ist. Müßen die Sachen von der Kathi auch gleich mitgeschückt werden? Du hast mir noch nicht meine 2 Fragen beantwortet wo ich dich gebethen habe, ich bitte dich darum bald. Die Leuchten scheint es, haben die Fany sehr gefreut, ich bitte dich schreibe mir bald, was sie kosten, damit ich selbe dir bezahlen kann, ich bin immer froh, wen ich mit allen gleich in Ordnung komme. Wie wird es den mit den Verkünden sein, das Ihr ja nichts versäummt. Die Brautringe wird wohl die Fany besorgen, die Louise sagt, die Brautringe sind die Sache der Braut. Ich bin würklich froh, wen alles vorüber ist, auch für die Fany. Ob die großmutter Euch etwas zur Reise giebt, möchte ich recht sehr zweifeln. Ich würde die Hochzeitsreise darauf einrichten. Ihr könnt ja nach Brunecken gehen und vielleicht nach Riva damit ihr doch bei Verwandten sein könnt und die Tage der Reise ausgefühlt werden. Alle Verwandten wird es freuen Euch zu sehen. Lieber Franz schnell wird die Zeit vergehen nur noch 14 Tage und du darfst dich nicht mehr von der Fany trennen. Die Schuhmacherischen wirst du gewiß auch in Wien oder vielleicht haben sie dich gar in Mödling besucht. Heute ist Sattler Fina angekommen um sich vielleicht ein XXX ihr zu XXX, leider ist die Toda dermalen ziemmlich unwohl, das heißt eigentlich sehr schwach. Die Trennung von der Sattler fählt allen sehr schwer. Der Alois Spängler hat Euch sehr hübsche Vorlagen zu deinen Betten gekauft, und wird sie diese Woche nach schücken wegen XXX. Lebe recht wohl mein lieber Franz ich bethe schon oft und fleißig für dich es küßt dich mit iniger Liebe deine treue Mutter Spängler – Otto Louise und die Kinder Leopoldine alle grüßen dich herzlich. Das Tuch ist schon schön welches Ihr der Großmutter gekauft habt. | ||
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| + | Brief von FANNI SCHLEGEL (Nr.19) an FRANZ SPÄNGLER (Nr.18): Herrn Doctor Franz Spängler kk. Gerichtsadjunkt in Mödling bei Wien. [LXXXI erh. 22/3 beantw 23/3]: Salzburg 20.März 1872. ¾ 8 Abends. – Mein lieber Franz! Ich danke dir für deine lieben Briefe dießmal gibt es eine ganze Reihe von wichtigen Dingen zu verzeichnen, die alle auf das eine, wichtige Ziel hindeuten. Erstens haben Großmutter und ich noch am Sonntag die Eheringe bestellt. Mit dem Gravi[e]ren wird noch gewartet, bis wir mit voller Sicherheit den Tag unserer Vereinigung sagen können. Denn ich traue mir [mich] wirklich noch nicht, den 8ten April als ganz bestimmt zu betrachten. Ich hoffe aber zu Gott, daß nichts dazwischen kommen wird. – Am Montag waren Großmutter und ich beim Pfarrer, ich legte ihm unsere Taufscheine und die Volljährigkeits-Erklärung vor und er versprach die Verkündigung am Ostersonntag, Ostermontag und w[W]eißen Sonntag vorzunehmen. Er trug mir nur auf, dir zu sagen, du möchtest den Hrn: Pfarrer in Mödling fragen, ob er von Seite[n] der Dompfarre einen Bericht über unser Verkünden erwartet, in welchem Falle der Domherr Eihinger ihm denselben übermitteln würde, oder ob er diese Form für unnotwendig erachtet. – Ferners hat sich Großmutter mit Hrn: Seefeldner besprochen bezüglich der Versorgung[s]kasse, und die Statuten ihm vorgelegt. Dr: Seefeldner [Name jetzt lateinisch geschrieben] ist nicht für den Verein eingenom[m]en, er sagt er hat ein Beispiel erlebt, wo wegen größerer Sterblichkeit die anfangs versprochene Jahresrente per 600 fl: [Gulden] auf 400 fl: herabgese[t]zt und schließlich auch noch von diesen 400 fl. [!] abgezogen wurde. So meint also Großmutter du solltest in dieser Richtung nichts unternehmen, sondern wir sollten lieber suchen, selbst etwas zu ersparen. Soll ich dir das Büchlein mit den Statuten schicken oder sollen wir dasselbe aufheben bis du kommst? Die mir gehörige Garnitur ist auch schon beinahe fertig überzogen, der grüne Stoff sieht recht hübsch aus. Ich wagte heute eine kleine Anspielung wegen der Fensterpolster, welche aber nichts nützte. Thut auch nichts! Die Ausstattung war in dem rückwärtigen Zimmer aufgelegt, wo sonst das allfällige Gäste beherbergt werden. Heute begann Großmutter meine Sachen einzupacken, und wurde schon das zur Hochzeit[s]reise Notwendige bei Seite gelegt. Was nun die Hochzeit[s]reise betrifft, so hat sich deine Mutter auch der Großmutter gegenüber in dem Sinne geäußert, wie du andeutetest, doch meine ich, wir sollten uns wirklich von dem einmal gefaßten Plan nicht abwendig machen laßen, wer weiß, ob sich je in unserm spätern Leben Gelegenheit bietet, ein pPaar [oder: Ppaar] Wochen heiter und sorglos in der Welt herumzureisen, und die Hochzeitsreise [! mit s] ist eben die Hochzeitsreise. Es bleibt dabei. Großmutter grüßt dich. Bezüglich der Besuche bei deinen Verwandten, meine ich auch, wir sollten auf der Reise nur die unumgänglich notwendigen machen und dazu so wenig Zeit als möglich verwenden. Die Gastfreundlichkeit derselben aber in Anspruch zu nehmen, wäre mir, die Allen ganz fremd ist, geradezu peinlich. Die Rundreisebillets sind wirklich so bedeutend billiger, daß wir Strecke um Strecke zahlend kaum halb so weit kämen und wir brauchen ja sonst keine Verschwendung zu treiben, da werden die Finanzen schon langen. In der sichern Vorausse[t]zung daß du wegen Ludwig einverstanden bist, fragte ich die Wahlin, ob sie meint er würde mein Brautführer s werden, und sie sagte, sie zweifle gar nicht, daß es ihn freut. Ob ich, ehe du kommst etwas zu ihm selbst sage, lasse ich dem Zufall über. Minna wird erst am 26.März von Pesth zurück kommen, es wäre erst möglich, daß sie dann mit dir zugleich kommt. Heute, denke ich, wird Schumacher und Frau angekommen sein. Ich bin schon recht begierig, Emma zu sehen. Heute hörte ich mit Bedauern, daß Albert es noch nicht verstanden haben soll, sich in Hallein beliebt zu machen. Man vermißt noch gar zu sehr den Ernst, der namentlich in Alberts Berufe [Arzt] so notwendig scheint. Es wäre schon recht traurig wenn er in Hallein keine gute Stellung erringen könnte. – Denke dir, der Frau Wahl hat man die ganze Geschichte mit dem mißhandelten Buben verschwiegen, wenn ihr aus [nur] nicht einmal von unberufener Seite davon gesagt wird! Die beste Rechtfertigung für Hrn: Wahl ist, daß die Mutter des betroffenen Knaben gebeten haben soll, daß ihr Sohn wieder behalten wird. – Wie es scheint wird Frl: Fanni nicht bei Zeller bleiben. Mama sagte auch so zur Großmutter, doch ist es noch Geheimniß. Bist du denn schon um Urlaub eingekommen? Susi Menninger wird am 2.April heiraten. Sie ist schrecklich aufgeregt und weint sehr viel. Meine Stimmung ist ziemlich gleichmäßig. Ich bin sehr beschäftigt, und habe immer zu denken, damit alles Nöthige geschieht. Nächster Tage werde ich auch mein Brautkleid bestellen [zum Zusammennähen?]. Walli, die Näherin und ich schneidern den ganzen Tag mit allem Eifer. So, nun habe ich dir aber wieder viel vorgeplaudert, nicht wahr, nun behüt dich Gott und habe nur nicht zu viel Fieber. Auf baldiges Wiedersehen sich herzlich freuend bleibe ich deine treue Fanni – Denke dir die Magd, welche seit fast 19 Jahren bei meinen Eltern ist, ist die Braut meines Dienstmannes und heirathet Ende April. - „Volljährigkeitserklärung“: Fanni Schlegel ist am 1.6.1848 in Salzburg geboren, ist also fast 24 Jahre alt. Mit der Erklärung [siehe frühere Briefe] ist sie aber auch finanziell eigenverantwortlich (juristische Mündigkeitserklärung). | ||
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| + | Brief von FANNI SCHLEGEL (Nr.19) an FRANZ SPÄNGLER (Nr.18): Herrn Doctor Franz Spängler kk. Gerichtsadjunkt in Mödling bei Wien [LXXXII erh. 26/3 beantw 27/3]: Salzburg 24.März 1872. Abends ½ 8 Uhr. – Mein lieber Franz! Solltest du es glauben, daß ich mir bis zu dieser Stunde nicht die Zeit gönnte, deinen lieben Brief zu beantworten? Obgleich Sonntag ist, nähte ich, da ich nicht viel Aussicht habe, meine Kleider fertig zu bekommen. So verging mir der Tag sehr schnell, gegen Abend kam Frau Rudolf Spängler, in deren Gegenwart ich noch Putzwäsche stärkte, weil ich an Werktagen wirklich nicht Zeit habe, so etwas zu machen. Denke dir, wir haben vorgestern zwei wunderschöne Pendeluhren bekommen, die eine von Karl u. Rudolf Spängler und die andere von deinem Bruder und Luise. Durch Zufall unterließen die Betreffenen, sich über die für uns bestimmten Hochzeit[s]geschenke zu besprechen, und hatten Alle denselben Gedanken. Ich muß gestehen, daß ich Anfangs ordentlich verblüfft war, als in Zeit einer Stunde die beiden Uhren anlangten. Dein Bruder war ganz ärgerlich und entschuldigte sich ordentlich, ich aber versicherte ihm, daß wir Beide es keineswegs für ein Unglück halten, anstatt einer zwei so schöne Uhren zu haben. Ich habe schon nachgedacht, wohin wir die Uhren hängen sollen. Ich denke, die eine würde in das hübsche Zimmer, und die andere ins Schlafzimmer kommen. Die Kukuksuhr kommt dann ins Speisezimmer. Jedenfalls haben wir alle Veranlaßung, recht pünktliche Leute zu sein. – Am Donnerstag waren Lida und ich bei Zeller mit dem Ehepaar Schumacher beisammen. Am Freitag hielten Albert und Emma ihren Einzug in Hallein. Wir Beide, du und ich sind für einen Mittag schon bei Emma eingeladen, weil ich ihr sagte, wir werden jedenfalls kommen um in feierlicher Weise sie zu unserer Hochzeit zu laden. Emma ist recht vergnügt und thut ihr Bestes ihren Mann recht zu verziehen. Das werde ich ihr hoffentlich nicht nachmachen, ich werde mich lieber selber ein wenig verziehen laßen. Emma hat mir auch deine Grüße entrichtet. Ludwig erklärte sich freundlichst bereit, mein Brautführer zu werden, ich ließ ihn durch Emma darum bitten weil ich nicht bis zur le[t]zten Woche in Ungewißheit hierüber sein wollte. Nun liegt nur noch eine kurze Woche zwischen heute und dem Tage deiner Ankunft. Dann noch eine Woche, und dann: da werden wir wo[hl] noch genug Fieber bekommen! Je[t]zt kommt es mir so stoßweise, am besten hilft mir die XXX vielfältige Beschäftigung darüber hinweg. Aber manchmal fürchte ich mich schon sehr. Für heute aber gute Nacht, du wirst wo[h]l in Wien schlafen. - 25 März. 1/4 auf 12 Uhr! Heute über vierzehn Tage wird, so Gott will, gerade in dieser Stunde über unsern Bund der priesterliche Segen gesprochen werden! – ½ 12 Uhr. Deine gute Mutter kam, ich mußte darum den Brief liegen laßen. Über 14 Tage um diese Zeit sitzen wir wo[h]l schon als Vermählte bei Tische. Der Abschied kommt immer näher und Großmutter kann je[t]zt nicht immer mehr die Thränen verbergen, wenn die Rede darauf kommt. Da muß ich mich immer zusammennehmen, und meinen ganzen heitern Mut aufbieten um sie auch wieder heiterzumachen. Ich selbst bin noch immer, einzelne Fieberanfälle abgerechnet, ganz wo[h]lgemut, ich bin neugierig, wie es mir gehen wird, wenn das Abschied nehmen einmal Ernst wird. Wüßte ich nur Jemand, der zur Großmutter paßte, dann wäre mir viel leichter. Ich bin nun schon sehr neugierig, wie es mit deinem Urlaub wird, ich hoffe, die gestrengen Herrn werden ein Einsehen haben, und begreifen, daß man zum Heirathen gehörig Zeit haben muß. Deine gute Mutter spricht oft davon, daß wir ja nicht zu weit reisen sollen. m[M]ir scheint fast, es wäre ihr nicht Unrecht, wenn du nur kurzen Urlaub bekämest. Die Braut, von der ich neulich schrieb, ist die Nichte von Fräulein Gasteger [?] u. wird deren Geschäft übernehmen. Sie ist von Ischl, ihren Namen weiß ich nicht. Weißt du schon, daß Dr: Hermann Stieger heirathet, eine Linzerin glaube ich. Die Schlögelhofer Ida freut sich gar so auf unsere Hochzeit, da hätten wir schön Verdruß gehabt, wenn wir sie nicht geladen hätten! – Bitte, schreibe mir doch an welchem Tage du kommen wirst. Ich hoffe heute über 8 Tage. a[A]lso auf baldiges Wiedersehn! Von meinen Sachen ist schon viel eingepackt, für die Reise werde ich so wenig als möglich mitnehmen. Nun aber behüt dich Gott, ich habe Allerlei zu thun Schreibe bald und viel - deine treue Fanni. – Grüße von Großmutter deiner Mutter Hr: Rudolf Spängler u. Frau Bürgermeister Spängler. - Wenn du nach Wien fährst, grüße alle Bekannten von mir. – Gleichzeitig mit diesem Briefe folgen unter Kreuzband die Statuten. - „Rudolf Spängler“: ein Cousin Dr.Rudolf Spängler, Apotheker, verh. mit Marie Spängler, geb. Weinwurm (1839-1911 Salzburg); „Karl“ ist dessen Bruder Carl Spängler sen. (1825-1902 Salzburg), Großhändler, kaiserl. Rat und Bankier, wohnhaft am Mozartplatz 4, verheiratet mit Leopoldine Duregger. | ||
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| + | [Brief von Nr.37 ANTONIA SPÄNGLER an den Sohn Nr.18 FRANZ SPÄNGLER]: Salzburg 27.3.72: Mein innigst geliebter Franz! Deinen lieben Brief habe ich richtig erhalten, und danke dir dafür. Heute erhielt Otto dein Telegram, er schückt aber das geld nicht ab bevor der Brief von dir kömmt. Ich will dir aber nur bemmerken das die großmutter Montag zu mir sagte, Franz soll ja nicht einlegen in den doktor Colegium den doktor SeselXX sagte der großmutter bestimmt du sollst es nicht thun, wen ihr ordentlich Hauß haltet so braucht es dießes nicht indem ja die Fany ohnehin noch ein Vermögen bekömmt, und du ja auch gewiß und stürbe bald eines von Euch beyden, so bekömmt die Fany von der großmutter ja jedenfall so viel das sie leben kan, und stürbe die Fany, so würde es dir nichts nützen, wen auch eingelegt wäre, und überdieß sind diese Institute ja doch nicht so ganz sicher also zu diesen Zweck hoffe ich wirst du das geld nicht brauchen. Verwende ja nicht zu viel geld um der Fany einen Brautschmuck zu kauffen. Den Otto seiner für die Louise hat 130 fl gekostet, er war mit Schmuck gewiß sehr hübsch. Ich bin sehr begierig wen du kömmst, schreibe es uns doch genau, dammit ich mich einrichten kann, die Feyertage bekömmt man ja nichts ordentliches mehr. Nun nur noch einige Tage und ich sehe dich wieder ich freue mich schon recht sehr auf dich. Ich hoffe es wird alles in Ordnung gehen, nur wird es eine rechte He[t]ze werden, bis alles gepackt und geordnet ist und alle Visiten gemacht sind Otto Fany Louise die Kinder grüßen dich herzlich. manches neue wirst du hören wen du kömmst. Lebe recht wohl es küßt und segnet dich von ganzen Herzen deine treue Mutter Spängler. | ||
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| + | Brief von FANNI SCHLEGEL (Nr.19) an FRANZ SPÄNGLER (Nr.18): Herrn Doctor Franz Spängler kk. Gerichtsadjunkt in Mödling bei Wien [LXXXIII erh. 29/3 beantw 31/3; inliegend Zweig und verblasstes Foto der Fanni Schlegel]: Salzburg, 28.März 1872. 7 ½ Uhr Abends. – Mein lieber Franz! Es war mir heute nicht möglich, zu schreiben, doch werde ich den Brief noch auf die Hauptpost schicken und hoffe doch, daß du ihn morgen noch bekommst. Allein ich muß mich auf ganz kurze Beantwortung deiner verschiedenen Fragen beschränken. – Lida bekam einen Brief von Minna, daß diese vielleicht erst am 6. kommen wird, es wäre also jedenfalls zu spät daß du sie begleiten könntest. Und ich habe doch immer die Hoffnung, du kommst schon in den Feiertagen, ist es nicht so? Daß du den Urlaub bekommst, ist mir schon lieb, wenn du noch mit der besprochenen Frau einverstanden bist, so sei so gut und besorge die Karten. Ich hoffe, daß die Reiseerinnerungen einst mit zu den schönsten gehören werden. – Es ist beschloßen worden, daß Karl und Rudolf Spängler sammt deren Frauen jedenfalls geladen werden. – So viel man hört, will sich Alles wunderschön machen zu unserer Hochzeit, und ich sage immer, die Leute werden finden, „daß Alles sehr elegant ist, wenn auch die Braut nicht viel frißt.“ Habe ich Recht? Es wird mit wahrer Leidenschaft geschneidert, doch muß das Notwendige bis Samstag Abend fertig werden, da ich die le[t]zte Woche meines Hierseins ganz gewiß zu keiner rechten Arbeit mehr komme. Was übrig bleibt, muß ich laßen und erst in Mödling machen, da kannst du gleich erleben, wie so ein „wichtiges Werk“ in Scene gese[t]zt wird. Deine gute Mutter meint, wir werden es dem Herrn Prälaten überlaßen müßen, wann die Trauung sein soll. Wenn es ausführbar wäre, möchte ich mich gern nach der Trauung fotografi[e]ren laßen. Ich meine, wir sollten blos einen Koffer, keinen Reisesack brauchen. Was den schwarzen Anzug betrifft, bin ich mit deinem Vorschlag einverstanden. Noch eins zur Kleiderfrage, falls du etwas von Kleidern hättest, das für dich unbrauchbar geworden ist, dürfte ich dich wo[h]l bitten, es mitzubringen und unserm Schützling Hinterholzer zukommen zu laßen? Wegen Großmutter wäre es wo[h]l gut, wenn du sie an Irgendjemand empfehlen könntest, um wenn nöthig, ihr an der Hand zu gehen. Auch bittet dich Großmutter, ihr für sie und Kathi zwei kleine Zimmer in dem Gasthause zu bestellen. Großmutter will allein schlafen, und es macht auch nichts, wenn Kathi nicht im selben Stockwerk ein Zimmer bekommt. Nun lebe recht wo[h]l und komm‘ nur bald! ich möchte daß dieß der le[t]zte Brief wäre, vor der Hochzeit. Behalte lieb deine Fanni. – Großmutterr grüßt. – [quer klein:] Vielleicht kannst du die Frau Wirthin auch ersuchen, daß sie der Großmutter ein wenig an die Hand geht. Ob Angermayer so gut wären, sie am Westbahnhof zu empfangen? Was meinst du? | ||
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| + | [bei den Briefen von Nr.37 ANTONIA SPÄNGLER an den Sohn Nr.18 FRANZ SPÄNGLER, 1872 verh. mit FANNI SCHLEGEL]: 8.4.1872 Telegramm an: Antonia Spängler, Dureggerhaus, Salzburg: Aus Regau Herzliche Glückwünsche dir und dem Brautpaar von Alois und Therese Spängler. – Alois Spängler (1800-1875), im Großhandelshaus in Salzburg (Vorläufer der Spängler-Bank), zudem Bürgermeister von Salzburg 1854-1861. | ||
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| + | Telegramme an Dr.FRANZ SPÄNGLER in Salzburg, Mozartplatz 73, 8.4.1872 aus Wien-Mödling: Die herzlichsten Glückwünsch den Neuvermälten von der Tischgesellschaft. – dito, Salzburg, Hôtel Erzh. Carl, aus Wien-Mödling: Herzliches Glück auf! dem Brautpaare. Langer, Pohl, Reitlechner, Strobl, Thausing. – dito, Salzburg Marktplatz Nr.10, 2.Stock, aus Wien: Der Erde Glück, des Himmels Segen begleite euch, ob schön, ob Regen; hoch leben Bräutigam und Braut, so jubelt an der Donau laut, die Salzburger Gesellschaft. – dito, Salzburg aus Linz: Herzliche Segenswünsche dem neuvermählten Paare, Rudolph Handel. – dito, aus Wien: Dem jungen Ehepaar bringt seine Wünsche dar von Herzen gutgemeint und lauter, der Vetter Ludwig Sauter. - In der „grünen Mappe“ eine Postkarte von „Vetter Ludwig“, 1.10.1871; siehe auch Brief vom 2.10.1870. | ||
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| + | Briefe u.a. an FANNI SCHLEGEL= Franziska SPÄNGLER (1848-1905; Nr.19), verh. 8.4.1872, Postkarte an Frau Dr.Spängler, Venezia, poste restante: Gruß auf die Hochzeitsreise - 8.4., Telegramm aus Würzburg, blauer Telegramm-Umschlag, an „Frau Doctor Fanny Spängler Adreße Frau Fanny Kobler Marktplatz Salzburg. Zum heutigen Tage unsere besten Wünsche. Ziegler und Zillner. - 8.4., Telegramm an Doctor Schlegel, Salzburg, aus Wien: Dem neuvermählten Paare unsere herzlichsten Glückwünsche. Lorinser. - 16.4., Brief an Fanni: Erinnerung an Hochzeit; seid vergnügt auf der Reise; waren in Hallein, Emma grüßt; vorgestern mit Großmutter bei Zillner; alle fragen nach dir und grüßen; „Behüt dich Gott Frau Doctorin grüß deinen Mann er soll sich nur recht in Acht nehmen vor dir der Arme lernt dich schon kennen Taußend Küße deine Liedl“ [?] | ||
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| + | Hochzeitsreise 1872 Nr.19 Fanni und Nr.18 Franz Spängler (rot verschnürt): Fahrplanheftchen der italien. Eisenbahn, April 1872; Rechnungen von u.a. Riva (Gardasee), Verona, Triest, Milano, Isola Bella, Bozen, Innsbruck, Lugano, Arone (Schweiz), Venedig [ohne Reihenfolge]; Telegramm aus Graz; Landkarte der österreich. Länder | ||
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| + | Salzburg, 15/4 1872, Brief ohne Umschlag, „I.M.“ [? IDA MAIER, nicht Familie; 1885 in Taxenbach]: Liebes Ehepaar! Glückliche Ankunft in der schönen Lagunenstadt [Hochzeitsreise nach Venedig] rufe ich Euch von der Heimath zu! – Was ich mit Entzücken beschrieben gelesen habe, sht ihr heute mit seelenvoller Übereinstimmung der Gedanken in Wirklichkeit. Wie von ganzer Seele gönne ich Euch das Glük, Euch ist das schöne Venedig gewiß nicht das Bild einer prächtigen Vergänglichkeit, sondern Ihr seht sie im Glanze, Euch grüßt sie in den Farben der Freude [.] nehmt die besten, u. schönsten Erinnerungen mit, für Euer häusliches Stillleben, und gedenkt hie u. da auch an Euere Freundin Ida. – In der Heimath ist alles wol, Grüße wurden uns entrichtet. Die Mutter küßt u. grüßt dich. Lebe wol. | ||
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| + | 17.4.1872, Brief vom Vater RICHARD SCHLEGEL (NR.38, 1811-1881) an Fanny und Franz Spängler: Liebe Kinder! Euer lang gehaltenen Lebenszeichen, die wir von Kufstein, Station Bernaer (?) u. Lio (?) haben, zeigen daß ihr herzlich vergnügt seyd woran auch Niemand gezweifelt hat, u. daß wir im Geiste Euch von Station zu Station wandern könnt Ihr Euch wohl selbst denken. Großmutter trägt ihr Schicksal mit bewunderungswürdiger Seelenstärke, so geXXX wie ich es selbst nicht erwartet habe; wenn sie allein ist, mags wohl anders ausschauen, sie geht erst gegen 11 Uhr zu Bette, um nicht zu zeitlich ausgeschlafen zu haben, und auf diese Art die schweren Gedanken zu verschlafen, kömmt der Morgen, so hat sie wieder Beschäftigung u. dann eine Menge Visitten. Von dir, liebe Fanni, erwartet sie einen längeren Brief. Ich habe sie vertröstet mit Mailand, von wo ich glaube, daß du ihr wieder schreiben mußt. Sie will ja die von dir erhaltenen Briefe den guten Bekannten zeigen. Viel wird von Eurer Hochzeit gesprochen der feierliche Akt hat allgemein und in jeder Richtung gefallen, wir sprechen oft von den wirklich lustigen Hochzeitsbutel (?), u. speziell mir brennen noch die Lippen als wenn sie mit Cayenn-Pfeffer eingerieben werden würden von den vielen Busseln u. Küssen, die von so schmalzigen jugendlichen Lippen bei der Leidenschaft drücken mir alten Mann hinauf geschnalzt wurden. Wie müssen erst Eure Lippen brennen!! !!! Also, liebe Fanni, vergiß nicht, der Großmutter einen längeren Brief zu schreiben, sie denkt natürlich nicht an den Umstand, daß Ihr jetzt wenig Zeit habt zu langen Briefen, aber du weißt ja, wie sehr du ihr abgehst u. dann lebt in der guten Alten noch immer ein Stück Romantik, Lafontain, Klauren, Van der Velde sind noch nicht ganz vergessen u. dazu auch noch die poetisch romantische Schlegelhofer [Schlögelhofer]! Lebt wohl u. seyd glücklich. Die herzlichsten Grüße von Allen Euer Vater Schlegel. | ||
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| + | FANNY KOBLER (1796-1886) „Großmutter“, an FANNI SPÄNGLER: Brief [Prägestempel englisches Staatswappen], Salzburg 19.4.1872, an „Fani“ (Spängler): Dank für Zeilen aus Kufstein, aber wenig, von allen Seiten gefragt, „wo ihr seit, und wie es Euch geht“, beklagt sich über fehlende Nachrichten, „es hat mich sehr geschmerzt“, dein Mann zeigt dir alle Naturschönheiten, „ein ganz kleines Plätzchen in deinem Herzen gehört auch noch mir, so hab ich mir gedacht.“ ... „Seit mehreren Tagen rüstet sich alles zum Ball der Morgen stattfinden wird. Mina hat ein gelbes Seidenkleid mit weisen Oberkleid, die Lida [Guttenberg] ein Rosakleid. Es sind über 600 Personen geladen.“ ... „Die Arigler [Arrigler] Lina ist Braut von Hr.Hager der von Arigler das Geschäft gekauft hat.“ ... „Lebet wohl und vergnügt bis wir uns in Mödling treffen, Gott erhalten uns gesund, dieß ist der innigste Wunsch deiner dich liebenden Großmutter Fanni.“ | ||
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| + | [Brief von Nr.37 ANTONIA SPÄNGLER an den Sohn Nr.18 FRANZ SPÄNGLER und an FANNY]: Salzburg 20.4.72: Meine lieben theuren! Wie sehr freuen wir uns alle über Euer Glück, wir vergönen es Euch von ganzen Herzen, und wünschen das es immer so grüne- und blühe. Recht sehr danke ich, für Eure freundlichen Zeilen, zu meinen Geburtstag, wie es kamm weiß ich gar nicht aber die Großmutter über brachte mir selbst den Brief ich laß ihr dan den Brief gleich vor, und gab ihr auch denselben mit, damit sie in in Muse lesen kan. Wie froh bin ich daß die Groß mutter von gestern endlich einen Brief von Euch bekamm sie war schon in der that recht ver droßen und gekränkt, so lange von der Fany [Fanni] keinen Brief erhalten zu haben, nun scheint es, ist sie wider gut. Sie hat viel für die Fany [Fanni], und Euch gethan, daher bitte ich Euch, nie die Dankbarkeit aus dem Wege zu lassen, von Euch etwas zu hören, ist ihr größten Lust seit sie allein ist, die Groß mutter ist wohl; zurstunt sich durch Lubreit [?], und ist nun immer darauf bedacht, was du etwa noch brauchen könntest. Wir hatten in dieser Zeit immer schon großen Strauß zu überkommen bey Otto waren alle 3 Kinder krank Otto hatte die häutige Launen mit schrecklich starken Fieber mußte 2 mal mit Luzis in Hals gebracht werden, der Kuhn kamm 2 mahl in einem Tag. Die Paula hatte starken Husten und war sehr k[g]rantig, und die kleine hat einen sehr starken Brust herten [?] so daß sie gewiß 3 Tag und Nächt gewiß nicht länger als eine ¼ Stund außsetzte mit Husten also war eine Person mit Otto, eine mit der kleinen, und die Mamma größtentheil mit der Paula beschäftigt. Die 2 Mädchen mußten so gar auß den Zimmer weg geXXaumt werden wo Otto lag damit sie nicht diese kranke Luf[t] einathmen also war die Pepi nun mit Otto beschäftigt, ich besorgte die kleinen. Die Paula hat dan einmal ich glaube es war gerade am Dienstag fast den ganzen Nachmittag geschlaffen, wo dan diese wider ganz frisch wurden. Otto ist nun auch gottlob wider gut, und fast ganz geheilt im Hals, er mußte auch Tag und Nacht Eis über schlag auf den Kopf haben, den er war oft ganz außeinander. Nun sind sie wieder alle im Kindszimmer beysammen, die kleine hat gestern Nachmmittag auch angefangen länger an ein ander zu schlaffen, und so gott will wird alles wider recht werden Otto ist auch schon wider auf. und zimmlich heiter man muß ihn nur imer hütten das er nicht hinauß kömmt. Ich muß nun schließen um die Post nicht zu ver säumen Lebt alle recht wohl genießt Eure Tage in Lust und Freude und seit herzlich gegrüßt und geküßt von Eurer treuen Mutter Spängler – Alle Bekanten grüßen Euch herzlich und freuen sich über Euer glück. Die Chati küßt die Hände. | ||
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| + | 1872 bis 1887, Briefe (rot verschnürt, zumeist nicht gelesen) von Nr.19 Fanni Schlegel, verh. Spängler, 1848-1905, z.T. zusammen mit Nr.18 Franz Spängler, 1839-1912, manchmal zwei Briefe zusammen = „und“, an die Großmutter Nr.79 Fanny Kobler, 1796-1886, in Salzburg. – [vorweg] Verlobungsanzeige Richard Schlegel für Fanni mit Franz Spängler, Salzburg 8.9.1871. – Mödling [M.] 29. und 30.5.1872. – M. 11.12.1873. – M. 22.12.1873 und 23.12.1873. – M. 7.3.1874 (Fanni) und 7.3.1874 (Franz). – M. 10.3.1874. – M. 27.3.1874. – M. 10.4.1874. – beschriebene Visitenkarte „Fanni Spängler geb. Schlegel“, Wien 7.4.1876. – Wien [W.] 28.7.1876. – W. 16.10.1876. – W. 9.12.1876. – W. 31.12.1876. – W. 4.3.1880 (Fanni) und ohne Datum (Franz). – W. 9.4.1880. – W. 6.6.1880. – W. 9.9.1880. – W. 11.10.1880. – W. 2.11.1880 Franz zum Bezirksrichter in Pottenstein ernannt. – W. 27.11.1880 mit Umschlag und Briefmarke an „Frau Fanny Kobler Private Salzburg Marktplaz N 10“. – W. 26.12.1880 mit Umschlag und Briefmarke, gleich vorstehend, aber ohne „Private“. – W. 8.1.1881/ 19.1. – W. 8.3.1881 Franzi, geb. 1877, und Toni, geb. 1879, schreiben dazu (diktiert?) an die Urgroßmutter. – W. 19.5.1881. – Pottenstein [P.] 10.6.1881. – P. 19.6.1881. – P. 10.7.1881. – P. 26.9.1881. – P. 12.11.1881. – P. 18.11.1881. – P. 28.1.1882. – P. 5.3.1882 sie haben 400 Gulden erhalten und danken. – P. 19.7.1882 Großmutter will nach P. kommen, allein mit Bahn bis Wien oder St.Pölten, wird dann dort von Franz abgeholt [am 16.5.1882 ist Nr.9 Johanna Holzapfel geb., meine Großmutter ]. – P. 8.8.1882 danken für Zulage von 600 Gulden; sie wollen die Großmutter (die vielleicht nicht nach P. kam?) in Salzburg besuchen, mit Eilzug von St.Pölten; für „Hanna“ kein Bett, Wäschekorb und ein Polster genügen. – P. 17.1.1883. – P. 4.2.1883. – P. 1.4.1883 sie „betteln“ um einen Zuschuss für ein neues Sofa, 50 bis 60 Gulden. Kinder freuen sich auf die Reise nach Salzburg = Franzi, Toni, Rosa und „Hanna“. Franz lässt grüßen, „er sagt, ich [Fanni] sei ein Bettelsack“. – P. 7.9.1883 danken für drei Wochen in Salzburg bei der [Ur-]großmutter; Franzi kommt in die 2.Klasse. – P. 1.11.1883. – P. 6.3.1884. – P. 30.12.1884. – Mödling 26.12. ohne Jahr. – Fanni, ohne Ort und Jahr. – Franz, o.O.u.J. – Franz, o.O.u.J. [diese Briefe lagen vielleicht anderen bei; die Briefe waren insgesamt ungeordnet, eine Zuordnung ist, ohne sie näher gelesen zu haben, nicht gegeben]. – Fanni, o.O.u.J. – Fanni/ Franz, o.O.u.J. [Rest eines mehrseitigen Briefes]. | ||
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| + | 29.7.1872 aus Wien, siehe: „1882“ | ||
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| + | Briefe „1871/1872“ (rot verschnürt, nicht gelesen) von Nr.18 Franz Spängler aus Mödling an Fanni [...] Angefügt: Brief ohne Umschlag 20.10.1872 aus Leitmeritz von der „Großmutter Katharina Schlegel“ = Nr.77 Theresia Heygel, geb. 20.10.1783, verh. Nr.76 Franz Schlegel; sie ist demnach 89 Jahre alt, als sie diesen Brief mit klarer Schrift an ihre Enkelin schreibt. [...] | ||
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| + | FANNY KOBLER an FANNI SPÄNGLER: Salzburg am 14te Dez: 1872./ Liebe Fanni! Dießmal muß ich deinen Brief gleich beantworten, damit du nicht zweifeln darfst ob ich euch beherbergen werde. Wie, und warum du, daran auch nur einen Augenblick zweifeln konntest, weis ich nicht. Ich habe nur zu ein paar Bekante mich geäußert, das wenn ihr im Winter kommt es mir recht leid thut, weil ich euch zum schlafen kein geheiztes Zimmer geben kann, das hab ich auch zu Franzens Mutter gesagt. Wenn es die Geschäfte deines Mannes erlauben, o, so komt nur meine Lieben/ die alte Großmutter hat große Sensucht euch einmal wieder zu seh’n. - Die Feyertage werden ja doch keine Verhandlungen sein, und so gebe ich mich der Hoffnung hin, euch gewiß zu seh’n. Die Lida [Guttenberg; Freundin] hab ich nur einmal gesprochen, solang sie jetzt in Salzburg ist, jezt hat sie die Nani schon 8 Tage die Winterkleidung zusammenzurichten. Hast du dir ein schwarzes Tuchkleid gekauft, oder nur eine Ueberschosse [?] und eine Jage [Jacke]. Die meisten Mädchen bey uns, haben Ansetze von Sammt/ wenn es aber nicht ein schönes Sammt ist gefallen sie mir viel weniger als von Tuch. Der Walli ihre Hochzeit wird den 25.ten Januar sein. Erlach Robert ist Brautführer und Ida [Schlögelhofer] eine von die Kranzjungfraun. Die Schwester der Haßseck [?] die Mari hat den 20.te Hochzeit mit Herrn Mößer, der einmal die Schnerberger hat heurathen wollen, er ist Braumeister in Steuer [Steyr]; die Laschenzki welche dich herzlich grüß, hat zwey Hochzeiten in einer Woche. Das deine Wirthschaft so gut geht freud mich sehr, aller Anfang ist schwer, besonders wenn man fremd ist, ich habe auch gar nicht gezweifelt, das es so werden wird, wenn du länger in Mödling bist. Was deine Geschwister betrift mußt du entweder jeden etwas geben, oder keinen nichts [!], ich glaube es [ist] nicht notwendig ihnen etwas zu geben. Die schönen Tage sind jetzt bey uns vorüber, 2 Tag haben wir Schnee und kalt. Wenn es zur Reise kommt wie ich hoffe, zieht euch ja recht warm an. Jedenfalls sey so gut ein paar Tage früher es mir wißen zu lassen wann ihr eintrefft. Lebe recht wohl, grüße deinen Mann von mir herzlich, es ist auch für ihn wohlthuent einige Tage [fehlt wohl: Ferien] zu mach’n. Erfreue bald mit einer angenehmen Antwort deine dich liebende Großmutter Fanni Kobler. - Alle Bekanten grüßen dich herzlich/ Deinen Brief hab ich erst den 12.te erhalten | ||
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| + | 1873 | ||
| + | Briefe (rot verschnürt, nicht gelesen) von Nr.37 Antonia Spängler, geb. von Lürzer, 1803-1882, an den Sohn Nr.18 Franz Spängler, 1839-1912, aus Salzburg; zusätzlich mehrfach vom Bruder Otto. Oder umgekehrt von Nr.18 a Otto Spängler, 1841-1919, zumeist über Geldangelegenheiten der Mutter, und zusätzlich dann auch von der Mutter. Ohne Umschläge (einzelne Umschläge sind angegeben). – Vom 21.4.1873 bis 1874 und 4.12.1875; insgesamt 36 Briefe, 2 Umschläge 1873 nach Mödling. | ||
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| + | 12.1.1873, siehe: „Verlobung“ Sept. 1871 [Theaterheftchen für die Goldene Hochzeit von Alois und Therese Spängler] | ||
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| + | 6.2.1873, Brief: „My dear Fanny [Spängler]! Are you not a little angry with me that I do not write?“... [nicht gelesen] Yours faithful Lida [Guttenberg; Freundin]“ | ||
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| + | 11.12.1873 und ff. siehe: Briefe 1872 bis 1887 | ||
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| + | [Brief von (Nr.37) ANTONIA SPÄNGLER an den Sohn (Nr.18) FRANZ SPÄNGLER und an FANNI]: Salzburg 28.12.73: Meine innigstgeliebten Theuren! Gott zum gruß: Ihr habt mich schön lange warten lassen, auf einen Brief, ich glaubte schon, es sey der eine an Euch verloren gegangen, weil ich von 1[ten] wo ich geschrieben, bis 25[ten] nicht eine Zeile von Euch erhalten habe. Ich habe es den Rudolf Spängler schon aufgegeben, das sie Euch statt meiner einen kleinen Putzen giebt, - aber es eine Frage sein, ob ihr Euch sehen werdet. Sie sind am Dienstag von hier abgereist, und werden am Dienstag oder längstens Mitwoch Früh hier ankommen. Ich danke Euch beyden recht herzlich für die guten Wünsche zum Jahreswechsel, der liebe Gott wolle uns alle in seinen heilgen Schutz erhalten und in seiner Gnade, dan wird uns alles zum besten gereichen, ich bin nun schon sehr alt [70 Jahre], es kann jeden Tag der letzte sein, wie gott will. Sein Wille sey auch der meine. – Meinen Lieben auch bringe Euch die herzlichsten gewiß auf[ch] n[w]ichtigen Wünsche zum Neuen Jahr möge Euer Glück immer so ungetrübt bleiben wie bis jetzt. Ist es zu Euren beßten, so wird der liebe Gott schon noch Euer Glück erhöhen, durch die Freude, ein Kindlein auf Euren Armen zu wiegen was nicht ist– kann werden, es ist noch nichts auß der Zeit. Behaltet mich immer in Euerer Liebe. Für das hübsche Jangerl danke ich dir recht herzlich lieber Franz, so was kann man immer brauchen. Den kleinen Otto geht es gottlob schon beßer und darf nun schon Vormittag und Nachmittag jedes mahl 2 Stund auf sein und auch mehreres essen, und etwas Wein oder Schoko zur Sterkung nehmen. Lieber Franz ich denke schon das Ihr zu Ostern hierher kömmt, dan wollen wir von der Wienerreise reden. Die Feyertage sind nun auch wieder bald vorbey. Heil Abend und Weihnachtstag Mittag, war ich bey Duregger geladen Die Obrigen Tage gingen wie alle anderen Tage vorüber. Zum Christgeschenk bekam ich von Otto und Louise eine recht liebe Ha[u]be mit Kirsch rothen Bändern Stüzeln von Wolle und ein geldtascherl alles kann ich sehr gut brauchen. Otto sagte mir heute das er einen Brief von dir erhalten wo du so freundlich bist und mir etwas kauffen willst zum Christgeschenk- in diesen Augenblück ist mir noch nichts eingefallen, ich werde es ihm sagen wen mir etwas nöthiges einfällt. Bey Langer bitte ich mich beßtens zu Empfehlen. ich lasse alle Bekanten ein gutes neues Jahr wünschen. Wie ich auch von hier von vielen entrichten soll. Denkt Euch die F v Feusle [?] ist vor 3 Tagen mit einem Mädchen glücklich Entbunden worden welches den Nahmen Linna erhalten hat. Beide befinden sich wohl. Der Dommherr Schweiger ist am Weihnachtstag begraben worden. – Otto hat gesagt, er läßt Euch einsweilen ein recht gutes neues Jahr wünschen, er wird erst, wen alles geordnet ist schreiben. Die Frau von Pausing bedauere ich recht sehr, es läßt sich wohl denken wie leid ihr seyn wird. Gott gebe das es ein andermal beßer geht. Der Herr von Duregger war auch dieser Tage unwohl ist aber wider beßer aber mit den aufstehen vom Seßl und gehen da geht es oft so schlecht das 2 oder 3 zusammen helfen müßen um ihn aufzubringen. – Lebt recht wohl meine lieben Euch oft und oft im Gottes Schutz empfehlend verbleibe ich Eure Euch von ganzen Herzen lieben treue Mutter Spängler. – Otto und Bekante grüßen Euch recht herzlich. - „Duregger“: Die Duregger-Handelsgesellschaft gibt es ab 1828, ab 1855 übernimmt das „Spängler & Trauner“, 1870 „Carl Spängler“ die Bank. Die Familie Duregger besaß ein Haus in der Getreidegasse Nr.3. Sie zieht 1855 um in das ansehnliche Haus am Mozartplatz Nr.4, und Leopoldine Duregger, verh. mit Carl Spängler, erbt dieses Haus. – „#Langer“: Familie der Frau von Julius Spängler (1837-1903), verh. mit Bertha Langer. Julius (Wien) ist ein Cousin von Franz Spängler und Studienkamerad aus Graz. | ||
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| + | OTTO SPÄNGLER, Salzburg, an den Bruder FRANZ SPÄNGLER: [1873] ohne Datum: wünscht angenehme Weihnachten und ein glückliches Jahr 1874; „manche bitter Lehre“ in diesem Jahr, „und hat mich auch gelehrt, mit kleinen Ersparnissen zufrieden zu sein“... „Gott erhalte mich gesund; dieses ist mein erster Wunsch hierzu“; folgt Abrechnung... Verlosung von Actien „2 vom Duregger wurde endlich gezogen“ - ohne Datum: Dank für Brief und Wünsche zum Jahreswechsel; am Sylvesterabend alle mit der Mutter im 2.Stock zusammen, abends zur Casino Unterhaltung, Champagnerpartie, „dem bösen alten Jahr den Rücken“ kehren, „herrliche friedvolle Winternacht die über Salzburg lag“; folgt Abrechnung, Einnahmen 123.36, Ausgaben 108.02; an Mutter wieder 10 fl. Wegen Geschenk an Mutter glaubt Louise, gut wäre ein Stoff zu einem Rock, zu der man verschiedene Joppen anziehen kann; der Stoff dürfte ca. 4 fl kosten. | ||
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| + | 1874 | ||
| + | 7.3.1874 und ff. siehe: Briefe 1872 bis 1887 | ||
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| + | Briefe (rot verschnürt, nicht gelesen) von Nr.37 Antonia Spängler, geb. von Lürzer, 1803-1882, an den Sohn Nr.18 Franz Spängler, 1839-1912, aus Salzburg; zusätzlich mehrfach vom Bruder Otto. Oder umgekehrt von Nr.18 a Otto Spängler, 1841-1919, zumeist über Geldangelegenheiten der Mutter, und zusätzlich dann auch von der Mutter. Ohne Umschläge (einzelne Umschläge sind angegeben). – Vom 21.4.1873 bis 1874 und 4.12.1875; insgesamt 36 Briefe, 2 Umschläge 1873 nach Mödling. | ||
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| + | 1874 Brief von (Nr.37) Maria ANTONIA SPÄNGLER (1803-1882) an den Sohn (Nr.18) FRANZ SPÄNGLER und an FANNI SPÄNGLER [geb. SCHLEGEL]: Salzburg 3.4.74: Meine innigstgeliebten Theuren! Nun nahen sich Feste- an Feste am 8te wird es 2 Jahre das Ihr das ehliche Band geschloßen- ich denke immer schon zurük, an diese Zeit wie wir zu thun hatten um alles zu ordnen- wie wir schon von einen Tag auf den andern warteten bis du endlich gekommen bist, es sind dieß alles angenehme Erinnerungen. Gott gebe das Ihr meine Lieben in 25 Jahren noch eben so glücklich seid, wie heute.- - will der liebe Gott noch eine Zugabe Euch bescheren- - so wird es mich freuen,- wen nicht, so müßen wir uns ergeben, und denken, es wird so beßer sein. der Wille des Herrn gesche[he]. Es thut mir sehr leid das Ihr nicht auf Ostern kommt Es wäre so schön, Euern Hochzeitstag, und meines lieben Franz geburtstag [! nicht der Namenstag, wie sonst üblich] hierin gefallen, und wir hätten denselben mitsammen feyern können, was mich schon gefreut hätte, da man solche Feste immer am liebsten- und glücklichsten mit seinen Kindern feyert. Lieber Franz Gottes reichsten Segen sey mit dir, der liebe Gott möge dir alles geben, was dich beglücken kann, in jeder Richtung besonders wünsche ich Euch beiden imer die beste Gesundheit, nur behalte immer deine Liebe. Vielleicht kommt Ihr doch noch im Frühjahr ich würde mich herzlich darüber freuen. Otto Louise und die Kindlein wünschen dir herzlich Glück zu beyden Festen, nebst herzlichen Grüßen. - - Das Unglück welches die Braunauer getroffen ist wohl sehr hart. Hoffrichter Katrin [?] ist mit Seiner Famil noch zimlich glücklich darauß gekommen, er har alles außgebracht es sind ihm auch 2 Zimmer und die Kanzlei geblieben, aber einige Hundert Gulden hat er doch Schaden gehabt, vielen ist alles verbrannt so auch der Bezirksrichter Gasner währens andern wie auß durch einen Brief erfahren, welche die Hofrichter i[nzwi]schen erhalten werden. Heute sind in Siehausen 3 Heuser und die Gazeln [Gasse] abgebrant wo die Gemeinde ihre Andachten hielt, eben um Mittag, es ist wohl sehr traurig, ich glaube, gewiß die Leute gehen zu leichtsinig um mit dem Licht. Es ist dieß so schrecklich das durch einen Menschen so viele Unglücklich werden, der Jamer in Braunau soll grenzenlos sein. Bey gattermeyer geht es immer so zimmlich gleich nicht beßer und auch nicht schlechter. - - Großmutter [Fanny Kobler] geht es gottlob gut, so auch bey Schlegl [Schlegel]. Franz Spängler mit seiner Frau ist hier, sie soll wider ganz gut außsehen. Die Marlin Weiß sieht sehr übel auß es scheint fast als ob sie die Außzehrung hätte, der Weiß will nun gehen sagt er und will in die Nähe von Wien Ziehen, die Leute wollen ihm nicht recht glauben schenken obwohl sie froh wären. Lebt recht wohl meine lieben, ich wünsche Euch gute Sonntage. bringt diese 2 Festtage [Ostern] gut zu seid herzlich gegrüßt und gesegnet von Eurer treuen Mutter Spángler. - „Franz Spängler“ wohl: Franz Seraphin Spängler (1837-1913), Oberlandesgerichtsrat in Salzburg, ein Cousin von (Nr.18) Franz Xaver Spängler. | ||
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| + | Brief von (Nr.37) Maria ANTONIA SPÄNGLER (1803-1882) an den Sohn (Nr.18) FRANZ SPÄNGLER und an FANNI SPÄNGLER [geb. SCHLEGEL]: Salzburg den 28.6.74 [1874]: Meine inigst geliebten Theuren! [verkehrt: Otto Louise grüßen Euch recht herzlich.] Dießmal muß auch ich mich entschuldigen, wegen des langen Stielschweigen, aber es kamm immer so viel dazwischen, das ich nie zum schreiben kamm, doch heute bin ich von der Kirche nachhauße gegangen, ohne einen Besuch zu machen, und setze mich zum schreiben damit ich doch einmal zu recht komme. bey Otto oben [im selben Haus] gab es so viel unwohl sein, das ich in der that ihnen viel nützlich sein konnte, die kleine Louise war 2 mal sehr krank dan lag die Kleine über 4 Wochen zu Hause krank dan kamm sie ins Spital wo auch täglich jemand hinauß ging um zu fragen wie es geht, es nahm auch viele Zeit in Anspruch sie nahmen wohl eine Außhülfe, die eine alte Person konte es auch nicht lange dermachen, dan wurde die Marie krank an einer starken Halsentzündung mit geschwühr, nun ist die Klara nach St gilgen gefahren, aber es mußte jemmand mit fahren und ein Bett hiere [?], da fuhr die Marie mit und blieb 2 Tage weg da hatten sie oben schon eine ordentliche Köchin aufgenohmen aber es waren halt doch nun 2 Mägde zu Hauße und dieser Tage hatten sie Mauern Tapeziren, und eine Kleidermacherin also läßt es sich leicht denken das man bey solcher Arbeit vor allem sucht die Kinder fortzubringen, so ging ich bald mit den 2 größeren Kindern, oder mit allen 4 Kindern und der Pezi auß wie es kamm- dann hatte ich auch einige Glückwünsche auf Konti und so vergeht mir die Zeit schnel und angenehm vorbey. - Bey Duregger bin ich auch gewöhnlich 3 mal in der Woche Abends geladen, da gehe ich gewöhnlich um 5 Uhr hinauß und genieße noch die herliche Luft in freyen. So sehr mich die Uhr als Geschenk freute so sehr bedaure ich, daß sie noch keinen Tag richtig gegangen ist, ich habe sie schon wider über 8 Tage dort [zur Reparatur], es ist doch schade, wenn man so viel geld für eine Sag[ch]e hergiebt, und man kann keine Freude haben weil sie nie recht geht. Auch ist der Zweck nicht ereicht. Heute werde ich sie wider hollen, und ich gebe so acht darauf, und es bekömmt sie niemand anderes in die Hände. Für die Glückwünsche zu meinen Nammenstag meinen herzlichsten Dank, der liebe Gott möge sie erfüllen ich war zu Mittag bey Otto und Abends bey Duregger, und am Tag darauf bey der Toda. - Wir hatten für Euch recht bange da Otto in der Presse gelesen das in Mödling und Baden ein Wolkenbruch nidergegangen mit starken Hagel bekleidet so das in einer Seite der langen gaße, alle Fenster eingeschlagen wurden, aber Ihr habt ja doch meistens die Palcken [Fensterläden] geschloßen, so hoffe ich wird es Euch nicht so stark getroffen haben. Heute haben wir den 30te und ich komm erst dazu diesen Brief zu schließen, es kamm neulich als ich gerade im Schreiben war die [!] Anton Spängler von Braunau und, ich mußte diese 2 Tage fast immer mit ihnen zubringen, bis sie gestern Abend fort reisten, und wie ich nachhauße kamm war schon wieder die Post da, ich bin bey Duregger zum Spielen geladen. Gestern Abends traf ich Otto und Louise draußen, welche mir sagten das es dich auch mit den Fenstern getroffen hat, ich bedauere Euch sehr. Bey XXX geht es beßer, gottlob es haben alle die Flecken [!] [verkehrt:] Lebt wohl mit 1000 Küßen Eure euch herzlich küßende Mutter Spángler - „Toda“ auch in einem Brief der Antonia Spängler vom 16.3.1872 genannt; nicht näher identifiziert. | ||
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| + | 26.7.1874, siehe: „Verlobung“ Sept. 1871 [Theaterzettel, Flugschrift] | ||
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| + | FANNY KOBLER (1796-1886) an FANNI SPÄNGLER: 27.7.1874, Brief ohne Umschlag aus Salzburg an: Liebe Fanni! [darüber:] Alle Bekanten grüßen euch. Hast du die Laurey [?] nie besucht? Weis dein Mann nicht wo er angestellt ist. – Ich sollte dich ein wenig auszanken, weil ich seyd den 14ten Juni keine Nachricht auf meine zwey Briefe erhalten habe, und mir gar kein Hinternüß denken konnte. Ich hätte so gerne die mir zugeschückten Kleider in Ordnung gebracht; weil der Vater vom K.Beringer könnt mit deinem Bruder Karl in Schweiz gehn wird, und ich weder hörte, das er Verschiedenes zu der Reise benötiget, besonders ein Beinkleid. Du kannst dir denken das die Mutter [und] der Karl über Euer Geschänck erfreud warn. Auch den Vater hat es gefreud das du an Karl gedacht hast. Das schwarze Beinkleid hab ich für Hinterholzer behalten. [...] besonders ist dein Vater wie ich entschieden dagegen das du die Zimmer bürsten thust, er sagt, solche Arbeiten muß man gewöhnt seyn, es könnte für dich üble Folgen haben, da deine Brust nicht so stark ist. In Mödling gibt es gewiß einen Zimmerputzer, wenn du alle 14 Tage einen kommen läßt, der dir auch zu gleich die Teppiche ausstaubt ist es oft genug, und diese Auslage wird schon zu bestreiten sein, um sich der Gefahr XXX böse Folgen auszusetzen. Ich bitte dich, mich bald darüber zu beruhigen, das du dein Zimmer nicht mehr sebst bürsten wilst. So viel Geschück im Kleider machen hab ich dir fast nicht zugetraut das du dich auch über Männer Kleidungs-Stücke wagst. – Da muß dir dein Mann schon ein gutes Trinkgeld gegeben haben. – [...] und sträng dich nicht so sehr an. Dieß wünscht und erwarthet deine Großmutter Fanni. | ||
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| + | Brief von (Nr.37) Maria ANTONIA SPÄNGLER (1803-1882) an den Sohn (Nr.18) FRANZ SPÄNGLER und an FANNI SPÄNGLER [geb. SCHLEGEL]: Salzburg den 15.8.74 [1874]: [verkehrt:] Sind sie bey Langer für ganz von Mödling weggekommen? Viele grüße von allen Bekannten. Lürzer Leopold von Hopfgarten ist am 3 dieses Monnaths an Lungenleiden gestorben. - Meine inigst geliebten Theuren! Es ist schon so lange, seit ich den letzten Brief erhalten von Euch, das, ich wen ich nicht zufällinger Weise, von dort, und da, etwas hörte, und mir auch die Versuchung [Versicherung] geben, das Ihr beide sehr gut außseht, so müßte mir bange werden, aber so denke ich mir, keines wird gerne schreiben, und so kömmt man ins [auf]schieben, ich weiß dieses von mir selbst. Wie mir Otto sagte so willst du mit Otto mir den Regenkragen [Wetterfleck] kauffen, ich traue dem Otto nicht recht, ich fürchte er hat dich aufgefordert die hälfte zu zahlen, ich habe ihm fest gesagt, ich zahle die hälfte davon, und nun sagte er auf einmal du wollest die Hälfte zahlen zum Nammenstag, was ich wohl nicht annehmen kann, da die Fanny auf wiederholtes bitten, sie möchte sich doch in meinem Nahmen etwas kauffen was sie freut und braucht, es nicht gethan hat. Ich bath sie, sie möge so gut sein, es dem Franz zu sagen, damit ich mit Otto dan abrechnen kann. - Wie geht es Euch meine Lieben geht Ihr recht viel spatzieren! Ich gehe halt sehr viel in Duregger Hof [Mozartplatz 4 mit kleinem Innenhof]. am Mittwoch gehen Otto Louise die 2 größeren Kinder ins Pußterthal nach Meystatt es ist inner Brunnecken [bei Bruneck/Südtirol], die Fammile Duregger geht auch mit. Sie freuen sich schon alle, er will bis 8te Septemmber wider hier sein. Gott gebe das alles gut vorüber gehe. – Heute den 17te bis hierher schrieb ich vorgestern mitlerweile wurde die kleine Louise wider an einer Halsentzündung krank, es ist daher wider unbestimmt ob sie so weit gehen, und wann sie gehen wie die Louise nicht beßer ist, kan davon nicht die Rede sein, sie will sich ja nichts anthun lassen, und nichts nehmen, sie hatte auch von einigen Tagen eine Halsentzündung es ging aber schnel vorüber. Dießmal scheint aber das Übel tiefer zu sitzen, wie wollen das beßere hoffen. - Gestern war ich bey der großmutter [Fanny Kobler] es geht ihr gottlob gut bis auf öfters Herzklopfen. Die Großmutter scheint doch so bald sie kan nach Mödling zu gehen; ihre Partey [Mieter] geht bis 1 September fort, dan muß sie erst den Maurer und anstreicher nehmen für die Küche, dan denke ich wird nicht mehr viel im Wege liegen, Wie mir scheint möchte sie mit Louise fahren. Ich denke gerade auf, wenn die Großmutter es mitnehmen könnte, so schücke ich Euch ein Glaß, schönster eingesottener Ribisel [Johannisbeeren], ich werde schon die Großmutter darum bitten. Otto und Louise lassen Euch recht herzlich grüßen. Nun sind wider die Schissel beyde hier er war in Bad, in Baden, in der Schweitz, und hat ihm sehr gut gethan. Sie werden noch, einige Tage hier bleiben. die Frau direktor Reitlechner war vor ein paar Tagen auf besuch bey mir, bat mich aber nicht mehr zu ihr zu kommen in dem sie den volgenden Tag ziehen sie weiß nicht wohin da in ihrem Hauß in ein paar Tagen alles gepfändet wird, und so war mir sehr leid ihr keinen gegenbesuch machen zu können. die Späth ist schon längere Zeit an einen Magenkatahr [-katarrh] krank und oft sehr schwach. Lebt recht wohl meine lieben theuren lasset recht bald etwas von Euch hören Eure Euch treu liebende Mutter Spángler | ||
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| + | FANNY KOBLER an FANNI SPÄNGLER: 24.12.1874, Brief ohne Umschlag aus Salzburg an: Liebe Fanni! Der 15te Dez: ist wie ich von Franzens: Mutter gehört habe, Gott lob glücklich überstanden, und wie ich hoffe werdet ihr ainhr auch schon zimmlich in Ortung seyn. Täglich, fast Stündlich hab ich mich mit euerer Wanderung [Umzug von Mödling nach Wien] beschäftigt. Euer jetztiges Schlafzimmer wird doch geheizt werden? Schläft die Rosi wieder in der Küche? Wie ist dein Mann mit Zimmer eintheilung zufrieden und sind deine gebräuchlichen Sachen unbeschätiget angelangt? Vor allem aber schreibe mir bald ob ihr beyd gesund geblieben seid. Ich Gott lob befinde mich wohl, euere Umgebung und wechslung der Luft hat mir recht gut gethan, ich bin sogar etwas dicker geworden. Ich war jetzt auf einige Tage viel beschäftiget. Wir haten groß Säuberei und ich Näher-nani die wie du weißt nimmermer im Athen hält, die Armme wußte keine Arbeit für wenige Tage, und ich suchte alles hervor um sie zu beschäftigen, sie dankte mir recht dafür, jetzt ist sie wieder bey der Baumman die schon drey Kinder hat. Die Nani läßt dir die Hand küßen. Schlegel [Vater Richard Schlegel, Arzt] ist nicht einverstanden das ihr in ein so kurz gebaudes Haus schon eingezogen seyd, es sind so gar Gesetze welche verbithen ein solches Lokal zu bewohnen, weil wenn es bewohnt ist nicht mehr austrocknen kann, und daher für die Gesundheit sehr nachtheilig ist. Gott gebe das ihr gesund bleibt. Was ich von der Mutter [Spängler] erfahren habe, habt ihr euere Sachen gut untergebracht, worüber ich sehr erfreud bin. Das es möglich war noch vor den Feyertagen hinein zu wandern ist sehr angenehm, ihr werdet doch aoch noch schöns Wetter gehabt haben. Schreibe mir doch was die Wanderung [Umzug] gekostet hat, ich bin schon mehrmals darum gefragt worden dein Vater möcht auch gerne wißen, warum du meinen Koffer wieder nach Mödling zurück bringen mußtest. Deinen Mann grüße ich herzlich, er wird recht froh seyn so nahe zu wohnen. Mit dem das dein Mann den ganzen Vormittag bis 3 Uhr nichts zu sich nimt bin ich nicht einverstanden, er könnte wahrhaftig krank werden. Ich wünsche auch in diesem Brief zugleich alles Gute zum Neuenjahr. Mein tägliches Gebeth zu Gott besteht um Gesundheit, Zufriedenheit, die in unseren Jaren bestehn muß zu bitten, möge er meine Bitte erhören. Schänkt auch im kommenden Jahr euerer Großmutter euer Vertrauen, und euere Liebe. Mit [nehmt] folgendes Christgeschänk nun freundlich von mir an, möge euch alles gut bekommen. Die Spitzenbaret ist richtig bey den bewusten Sachen gelegen, zu den später gekauften Seidenkleid wird es vieleicht recht gut passen. Lebt beide recht wohl und bringt die Feyertage recht vergnügt zu; jedenfalls besser alls euere einsame Großmutter Fanni. - Schreibe ob die Attreße wenn ich einen Brief schreibe so recht ist Wie auf den Kistel. – Das sich das Christkind etwas verspätet hat ist die Ursache weil ich alles recht frisch schüken wollte. Die Zunge ist schon gesotten. Guten Appetit. – Von allen Bekante viele, viele Grüße. Grüße die Rosi, wie benihmt sie sich? wird sie sich doch entschließen bey euch zu bleiben, ich wäre würklich sehr froh. Schreibe mit bald wie du alles empfangen hast. Mit meinen Sachen hat es gar keine Eille. | ||
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| + | OTTO SPÄNGLER, Salzburg, an den Bruder FRANZ SPÄNGLER: 1874, Umschlag ohne Brief an „Herrn Dr.Franz Spängler, k.k.Gerichtsadjunkt, k.k.Bezirksgericht Mödling bei Wien“ - ohne Datum: „dienstag früh“; schickt die verlangten Bücher und gratuliert zur Professur [!?]; erzählt von Bekannten; das Salzburger Volksblatt „hat bis dato nicht viel rares gebracht“, Drittelauslosung...; ausgelost wurden ...Rud. Spängler, Josef Spängler... „Ich bin Vorsitzender der Walcomission des I.Wahlkörpers. Deine Geldangelegenheiten werde ich ganz nach Wunsch ordnen. Warum willst du Tante Therese nicht abzalen. Mir ist es gleich.“ [der kleine] Otto: „du sollst auch zur Großmutter kommen“... [liegt bei mit Bleistift:] „Lieber Onkel Franz! ...komm bald zu uns. dein kleiner Otto. Zur Großmutter sollst du auch kommen.“ | ||
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| + | OTTO SPÄNGLER, Salzburg, an FRANZ SPÄNGLER: [1874] ohne Datum: „Freitag Abend“, Dank für Glückwünsche zum Geburts- und Namenstag, eine Flecken- [Krankheit] bis jetzt an der Familie vorübergegangen, „Groß und Klein“ hatten sie; geplante Rheinreise nicht angetreten; führt das „Lombardgeschäft u. Excompteigeschäft“; „alle Schäden des Jahres 1873 sind noch nicht geheilt“; Rudolf und Maria auf Reisen, haben Norddeutschland sehr teuer gefunden. Abrechnung. Geschenk für Mutters Namenstag? Wünscht sich einen Regenmantel, Louise macht ihn, die Hälfte des Stoffes kostet 4 fl 20 Xr. | ||
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| + | 1875 | ||
| + | Briefe (rot verschnürt, nicht gelesen) von Nr.37 Antonia Spängler, geb. von Lürzer, 1803-1882, an den Sohn Nr.18 Franz Spängler, 1839-1912, aus Salzburg; zusätzlich mehrfach vom Bruder Otto. Oder umgekehrt von Nr.18 a Otto Spängler, 1841-1919, zumeist über Geldangelegenheiten der Mutter, und zusätzlich dann auch von der Mutter. Ohne Umschläge (einzelne Umschläge sind angegeben). – Vom 21.4.1873 bis 1874 und 4.12.1875; insgesamt 36 Briefe, 2 Umschläge 1873 nach Mödling. | ||
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| + | Brief Salzburg 10.5.1875 an Nr.17 Fanni Schlegel von „deinem Vater Richard“ Schlegel [Nr.38], siehe: 1850/1851 Briefe... | ||
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| + | 1875 FANNI SPÄNGLER an FANNY KOBLER: Wien 3/7.1875/ Meine liebe Großmutter! Verzeihe, daß ich dich mit dieser Sendung belästige, aber ich denke Ida kommt ohnehin oft zu dir, und da ich nicht weiß ob sie häufig zu Hause ist, dachte ich, es ist beßer wenn die Franzen an dich kommen. Ich glaube, die Franzen sind für ihre Schönheit nicht theuer. Ida hat mir einen ziemlich traurigen Brief geschrieben. Ich würde ihre die Angelegenheit sobald als möglich zu entscheiden führen, wenn ich an ihrer Stelle wäre./ Selbst die traurigste Gewißheit wäre minder peinlich als dieses ewige Hin und Her. Ich glaube du bist auch dieser Ansicht. Liebe Großmutter ich lege eine weiße Schürze bei, welche dem Fräulein Lina Schmelzing gehört, sie wurde mir durch Trudwin [?] Duscher übergeben, bei welcher das Fräulein die Schürze vergeßen hat. Bitte schicke die Liesa zu Frau von Schmelzing. Wenn Lotti nicht mehr in Salzburg sein sollte so sei so gut und schicke meinen Brief an sie./ Zur angenehmen Neuigkeit kann ich berichten, daß Franzl gestern schriftlich seinen 4 wochentlichen Urlaub zugesichert bekommen hat. Wir werden Wien in den letzten Tagen dieses Monates, möglicherweise erst am 2. August verlaßen. Unser Reiseplan steht noch immer nicht fest, doch denken wir ohngefähr eine Woche zu reisen. Gestern begegnete ich in der Stadt Frau von Taube und ihre Tante, sie sehen Beide recht gut aus. Sie erkundigten sich sogleich nach dir, und empfehlen/ sich dir aufs Beste. Letzten Sonnt Feiertag waren wir in Dornbach, wo wir den dort weilenden Cardinal von Salzburg unsere ergebenste Aufwartung machten. Wir wurden sehr freundlich empfangen[.] Tante Alois ist hier bei Angermeyer, sie ist doch ziemlich ruhig und wol. Mittwoch waren alle hiesigen Spängler sowie Angermeyer bei uns. Es waren unser 11 Personen. Es war ganz lustig. Und nun lebe recht wol. Franzl grüßt dich, Rosi küßt die Hand und auf baldiges frohes und langes Wiedersehn freut sich ungeheuer deine dankbare Enkelin Fanni [am Rand:] Unseren Gruß an Theres, geht es ihr wieder gut? An Allem Alle die herzlichsten Gruße/ Ist zur Hochzeit unser Telegramm rechtzeitig gekommen? - Der Brief liegt in der kleinen Schatztruhe, die [auch bei uns] „neben der Spängler-Uhr steht“. Im Umschlag liegt ebenfalls dort eine Rechnung des „Hôtel de la Poste, Genève“, für Mon[sier]. Spängler, ohne erkennbares Datum, kommt von der im Brief erwähnten „Reise“. Seit 1874 sind die Spängler in Wien. – Eine Cousine Maria Spängler ist mit Vinc. Angermayer verh.; zur Verlobung gratuliert „Maria Spängler“ 1871 aus Ried. | ||
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| + | Brief von (Nr.37) Maria ANTONIA SPÄNGLER (1803-1882) an den Sohn (Nr.18) FRANZ SPÄNGLER und an FANNI SPÄNGLER [geb. SCHLEGEL]: Salzburg den 28.10.75 [1875]: Meine innigst geliebten Theuren! Ich hatte schon große Sensucht, von Euch meine Lieben einen Brief zu erhalten, endlich am Montag wurde ich mit einer Nachricht erfreut, und zwar doppelt erfreulich, weil ich nun mit aller Ruhe hoffen kann das alles in Ordnung ist. Der liebe Gott gebe seinen Segen dazu: Ich bitte dich liebe Fany [Fanni] schon dich- thue ja nichts was dir oder den Kinde nachtheilig sein könte. Besonders Verkühlung ist sehr nachtheilig. Wie froh bin ich daß du so heiter und ruhig bist, so hoffe ich wird auch das Kindlein so werden. Ich habe bey durchlesung des Briefes Freudenthränen vergoßen. Ich freue mich schon auf das Kindlein. Gott gebe das alles glücklich Vorübergehe, dan werden wir uns alle im stillen glück erfreuen. Liebe Fany ich bin schon immer jetzt schon sehr bedacht auf meine Gesundheit und auch auf meine Kraft das ich Euch meine wenige Kraft bieten kann, auch giebt der liebe Gott für besodere Fälle auch besondere Kräfte, und dieß erwarte auch ich, von den lieben Gott. Wie schnel wird die Zeit, diese wenigen Monathe vorüber gehen bis ich fort reise von hier. Ich habe nun schon angefangen an den Leibchen zu strücken und Morgen nehmen wir bey der Großmutter eine restliche durchschau der Kindswasch vor, auch nehme ich Wückelthuch und unterlegel mit und so binderln wie man sie nimmt wen man die Kinder nicht mehr fatscht [eng in Binden wickelt] einen Flanel nehme ich auch mit damit sie alles sieht, wie es die Louise hat. Du hast gewiß schon manches gemacht, für das Kindlein. 1 Barterl werde ich auch minehmen. - Otto kömmt nicht nach Wien man weiß nicht wem es eingefallen ist so etwas hinein setzen zu lassen [in die Zeitung] er hat es auch schon wider ruffen lasen. Wegen Hechen [?] Beschau wirst du wie alle hier sehr erfreut geweßen sein besonders die Holzschu Fräulein welche so kümmerlich leben mußten diese können nun wen sie dieses Geld bekommen ganz anständig leben. Sie haben bey einer Außbeute [Rente, Zinsen] 57 fl [Gulden] mit der Außbeute welche auch zugleich mit der großen Zahlung vereint wird bekommen die Holzschuischen bey 3000 fl nebst dem wird auch beantragt, das ferner 6 bis 7 Außbeuten, allzahnlich sind. Dieß ist wohl ein großes Glück, für die gesellschaft. Die Großmutter ist Gottlob zimmlich wohl, im ganzen hält dies Klopfen nicht mehr so lange an wie sonst. Ich habe zu Otto gesagt wen Ihr die Zahlung von der Hannerau [?] bekömmt so wäre es sehr angezeugt wen Ihr für den guten Vater einen Grabstein setzen laßen würdet. Lebt recht wohl meine innigstgeliebten Euch segnend und herzlich grüßend verbleibe ich Eure Euch treuliebende Mutter Antonia Spángler. – Otto und Louise grüßen Euich herzlich. | ||
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| + | Brief von (Nr.37) Maria ANTONIA SPÄNGLER (1803-1882) an den Sohn (Nr.18) FRANZ SPÄNGLER und an FANNI SPÄNGLER [geb. SCHLEGEL]: Salzburg den 11.9.75 [1875]: Meine lieben Theuren! Wie lange habe ich mir schon vorgenohmen, an Euch meine lieben zu schreiben, und erst heute komme ich zur Außführung. Ich bin viel auf dem Land bald bey Otto, und bald bei Duregger, dan wird im Hauß in allen 3 Stöcken die Wasserleitung gerichtet wo ich besonders im 3te Stock oft nachschauen muß in meinem Spiegel wurden auch 3 Löcher zu Röhrenlegung durchgebrochen, ist aber noch nicht ganz fertig, es giebt so manchmal unangenehme dabey. Daß Ihr glücklich und wohlbehalten in Wien angekommen seit freute mich sehr, und ich hoffe es wird alles in Ordnung bleiben. Fany [Fanni, schwanger] soll sich nun halten, und besonders nicht schwer heben, und nicht zu weite S[p]atziergänge machen. Besonders bevor die ersten 4 Monnathe vorbey sind muß man in jeder Beziehung vorsichtig sein. Seit 2 Tagen geht es der Natalie, auch beßer, sie hatt Fieber die Mama wird sehr viele angst außgestanden haben, das Kindlein soll sehr gedeien. - Die Großmutter [Fanny Kobler] ist im ganzen zimmlich gleich, bald beßer, dan muß sie wider einige Stunden liegen, nach und nach wird es sich schon geben. Dermalen hat die Großmutter noch gar nichts von der Wasch [große Wäsche] gesprochen, es ist wohl auch noch Zeit. Die Großmutter hat neulich der Conto [Rechnung] gebracht, von dem Herrn Joseph Müllner, welcher das Bild [Foto] für dich ferfertigt hat, es mach[t] 2 f 75 der Otto wird es schon berichtigen wie es zeit hat, ich lasse ihm nicht vergeßen. Wegen der Pezi im Hoff ist es schon wie wir gesehen, es ist ihr bis 1te Ocktober aufgesagt. Vieleicht heurathet er sie bis dahin, noch weiß man nichts, er ist nicht hier, er muß aber dieser Tage kommen, weil die Stelle beginnt am 16te. Die Angermeier gehen Heute von hier fort sommit weil Ihr so nahe wohnt gebe ich ihn diesen Brief mit. Die Zeit läuft so schnel, wie bald werden auch wieder diese Monathe vergehen bis wir uns widersehen. Nicht wahr, ich dachte es mir, wie wohl dir wider gewesen sein wird, in deinen eigenen Haußwesen zu dirXXXnen zu könen. Es ist überal gut aber zu Hauße amm besten. - Den Herrn Prälaten habe ich noch nicht gesprochen. Das dir das viele Abstossen nichts getahn, ist ein großes Glück. auch ein Beweiß das es festen Sitz genohmen hat. Lida Plachetka ist eine ganz glückliche Braut. Im November ist die Vermählung. Auch Frau Auer soll verlobt sein mit dem jungen Weber. Ob wahr oder nicht kann ich nicht behaupten. Otto und Louise grüßen Euch recht herzlich Otto wird schon alles besorgen. Otto kann noch nicht herein Ziehen weil wir noch keine Wasser zum putzen haben das neue ist nicht fertig und das alte kömmt nicht mehr. Lebt recht wohl mit aller liebe Eure Euch herzlich liebende Mutter Spángler von allen Bekanten herzliche Grüße. | ||
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| + | Brief von (Nr.37) Maria ANTONIA SPÄNGLER (1803-1882) an den Sohn (Nr.18) FRANZ SPÄNGLER und an FANNI SPÄNGLER [geb. SCHLEGEL]: Salzburg den 25.11.[18]75: [verkehrt:] Die Länge dieses Schiiel [?] ist die größe von den Unterlegeln ganz 4 XXX zum Saume ist schon zugegeben. - Meine lieben- lieben Theuren. Hiemit meinen herzlichen innigen Dank für Eure Wünsche zum 49te Hochzeitstag, es ist mir dieser Tag immer ein Tag, selliger Erinnerung- und Schmerz- das mir mein Glück so bald zu Grabe ging. Der Vater war mehr als gut wir lebten sehr glücklich. Nun seit Er tod ist suche ich mein Glück, im Glücke meiner Kinder. Nun will ich genau der lieben Fany [Fanni] ihre Fragen beantworten wegen der Kindswasch [Kinderwäsche, Ausstattung]. Im ganzen bin ich zufrieden was ich für dich liebe Fany errungen habe. Am schlechtesten geht es mit den Wückeltüchern und Unterlegeln es sind in der Zahl 26 Wückeltücher aber nur 9 haben die größe von der Louise ihren Muster. die anderen sind halt viel kürzer. Unterlegeln sind es 42 Stück, 13 davon sehr schon [schön] und groß, die U[e]brigen, kann ich mir nicht recht denken das wir sie brauchen können. Die Großmutter giebt mir aber immer zur Antwort, sind 2 Kinder damit groß geworden so wird diß Kind sie auch brauchen können. Ich mag sie nicht böse machen, sonst kauft sie uns die anderen Sachen zuletzt auch nicht mehr. Wir haben 4 ganz neue gute Flanell gekauft 5 Ell [Ellen] für 4 Stück die El 1 f 20 X [Gulden/Kreuzer] dan recht sehr liebe Bens [?] auf deckerl und duchentziehen [Bettüberzüge] fürs Bett. dan 4 Kapenleintücheln, und ich hoffe auch noch 4 Unterleinlicherln [?] dan 3 Einbinddeckerln. eines davon ist sehr lieb dan bekömmst du 4 recht gute Leibchen neue 2 kleine Leibchen. Dan einen Pfleiben-Sack als Unterbett im Korb, und darauf eine Matratze von Seegraß. und Polster. Vieleicht köntest du einmal ein Maß von der größe des Korbes, in Lange und Breite schücken. damit alles ordentlich wird. - Fatschpolster Kappe und Zieher bekömmst du auch hinunter. Wegen den Unterlegeln glaube ich wir sollen gar nichts sagen ich schücke die an den Santemetter [Centimeter] abgemeßen ganz genau die länge sie sind 4 ekicht. Ich bitte dich in der 27 X Handlung auf meine Rechnung 12 Ell Leinwand zu kaufen und zu machen, und es von mir als Christgeschenk zu nehmen, für dich und statt Franz etwas zu schücken kaufe dir Gutaberger Einlage für das Bett. Sie kostet auch ein paar gulden. Den sie bedeckt beynahe den ganzen Korb. So wären gute und Sachen gedeckt. Sage aber der großmutter nichts davon, weil sie es nicht zugiebt das die Unterlegeln nichts taugen. 2 Einlagen für die Einbinddeckerln gab mir die Louise für dich die nehme ich dan mit, oder wen ich mit deinen Leibchen fertig werde, schücke ich alles zusammen auf Weihnachten mit der Großmutter ihren Sachen. Otto ist Heute und Gestern in Achthall [Achtal] er läßt dich recht herzlich grüßen. Wie froh bin ich immer zu hören das es dir liebe Fany recht gut geht, so wird gewiß auch dan alles recht gut und glücklich vorüber gehen. Gieb auch vor Verkühlung recht obacht. Lebe recht wohl es küßt und Segnet Euch alle 3 Euere Euch von ganzen Herzen liebende Mutter Spángler. - „Hochzeitstag“: Vermählung mit Franz Xaver Spängler am 14.11.1826; Ehemann gestorben am 1.3.1854. | ||
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| + | Brief von (Nr.37) Maria ANTONIA SPÄNGLER (1803-1882) an den Sohn (Nr.18) FRANZ SPÄNGLER und an FANNI SPÄNGLER [geb. SCHLEGEL]: Salzburg den 21.12.[18]75: [verkehrt:] Otto Louise grüßen Euch recht herzlich, mit Kindern [und] Bekannten. - Meine lieben Theuren! Soeben erhielt ich Euren lieben theuren Brief und danke schon im vorauß für das zu bekommende Weihnachts geschenk, der liebe Gott wolle mich gesund erhalten, das ich Euch an den so wichtigen Zeitpunkt, einige Hülfe leisten kann. Auch danke ich recht schön, das Ihr beschloßen, Ihr wollet mir in Zukunft jeden 11 fl Papier [11 Gulden Papiergeld] geben statt 10 f [monatliche Unterstützung beider Brüder], was mir bleibt gehört ja wieder Euch meine lieben Kinder. Die Louise sagte neulich das eine Gutenberger einlage über 2 f [Gulden] kostet, so dachte ich mir damit Ihr das Geld nicht dafür auß geben dürftet wil ich sie als Christgeschenk kauffen lassen nun hat sie aber eine schöne große gekauft und hat be[i]weiten nicht das gekostet. Nun glaube ich Franz soll sich lieber in meine Rech[n]ung beziehend 6 Hals krägen [Hemdkragen] kaufen wie er sie brauchen kann, oder was er sonst brauchen kann, es würde mich freuen, wen du etwas kaufen würdest was dir eine Freude oder Nutzen bringt. - Heute haben wir bey der Großmutter die Sachen gepackt für den kleinen Ankömling auch von mir sind 2 Heubchen und 2 Leibchen dabey du wirst sie schon kenen, sie sind, in den Ermeln roth und Blau eingezogen, und des gleichen auch die Hëubchen. Eines hoffe ich noch zu strücken welches ich selbst mitbringe. Die Großmutter hat sich schrecklich viel Mühe gegeben, bis sie alles so beysammen hatte,- und endlich eingepackt wurde; Ich hoffe es wird alles glücklich dort angelangen, sehet ja die Kiste so bald als moglich auf zu machen damit die Würste nicht verderben, welche die Großmutter / wie ich hoffe noch zur rechten Zeit bekommen hat / [und] bey packt. Die Großmutter hat sich viel kosten lassen, bis sie alles hat machen lassen. Gieb ja beim Außpacken obacht es liegt in den Bettdeckeln Ein Dutten [vielleicht Retorte, Destillierkolben? „Dutte“ ist aber auch die weibliche Brust; ist es eine Art Schnuller? Ich habe an versch. Stelle nachgefragt, leider vergeblich.], und die Schale zum Dizerlwasser [vielleicht destilliertes Wasser?] samt deckel, das es nicht zerbrechen wird, auch glaubt die Großmutter du solst die Sachen wen du sie angesehen, wieder in die Kiste geben bis man sie braucht damit du nicht schon jetzt den Platz verlierst. Die Kiste solst du ja nicht zusammen schlagen, da sie eine so gute ist. 22 h [Uhr] Die Großmutter war soeben bey mir und sagte das sie die Kiste soeben aufgegeben hat, und man sagte ihr das selbe Morgen schon nach Wien kömt, ich schücke daher heute noch diesen Brief ab dammit Ihr von der Kiste in Kentniß seid die Würste hat sie auch noch bekommen für die Kiste dürft Ihr nicht mehr zahlen, den die Großmutter hat die Fracht schon hier bezahlt. Sie läßt Euch recht herzlich grüßen- gute Feyertage und guten Apetit zu den Würsten wünschen. - Wie sie kann wird sie Euch schreiben- jetzt muß sie einmal ein paar Tage rasten, den sie ist dermalen sehr auf geregt, aber im ganzen nicht übel. Im ganzen ist die Gesundheit der Großmutter beßer, da das Klopfen [Herzklopfen] nicht so lange anhält als früher. Liebe Fany du wirst wirst mich schon verstanden haben wegen denen Unterlegeln das du auf meine Rechnung 12 Stück kaufen solst und Franz 6 Krägen oder wen er sonst etwas nothwendig braucht ein gutes Meßer oder dergleichen, dann wen alles gekauft ist mit den Otto verrechnen. Du wirst schon sehen das es nothwendig ist den diese denke ich kann man wie sie sind nicht gebrauchen. bitte nur dir Nantalin [?] das sie dir ein Unterlegel leiht, dan weist du gleich schon was zu machen ist. Meine lieben gute glückliche Feyertage und ein gutes gutes neues Jahr, und ein frisches Kindlein mit krausten Hare. Gott Segen Euch und uns alle Mit Liebe Eure Euch herzlich liebende. Mutter Spángler - Wohl im März 1876 hat Fanni Spängler ein Kind, das (namenlos) stirbt (in den Briefen vom Dezember 1875 und März/April 1876 genannt); die älteste Tochter, Nr.9 a, Franziska Spängler, ist dann am 18.6.1877 in Wien geboren. Siehe auch Brief vom 17.11.1877. | ||
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| + | FANNY KOBLER an FANNI SPÄNGLER: 22.12.1875 [erst 1877 wird Franzi, die älteste der Spängler-Geschwister, geboren, vgl. folgenden Brief vom 15.4.1876; es ist ein totgeborenes {?} Kind davor gemeint], Brief 1,5 Bogen ohne Umschlag aus Salzburg an: „Liebe Fanni! „Es ist gerade 11 Uhr Mittag und ich habe das Kistl wo sich die kleine Ausstat[t]ung für euer kleines Kind befindet den Eillgut übergeben. Morgen wirst du es in Haus gestellt erhalten. ich hoffe das Christkind wird euch [erreichen] du kannst es glauben liebe Fanni es hat mir viele Mühe und Sorge gemach alles zusammen zu bringen. Ich habe es mit Freuden gethan. Wenn Gott mir die Gnade schänkt das kleine Wesen an mein Herz zu drücken und ihm den Urgroßmütterlichen Kuß zu geben, bin [ich] für alles belohnt. Du wirst sehn wie mit Mühe und Sorge für das kleine Wuzi wächst, nur meine ich immer es wird dir zu viel werden ohne Magd, weil dir dir schlaflosen Nächt oft Müdigkeit und Unwohlsein bereitet gemacht haben, und auch für das Geschäft deines Franzes beschwerlich ist. Doch wenn der liebe Gott dem ich täglich inig bitte Gesundheit schänkt, wirst du dich schon daran gewöhnen, die Lieb überwindet alles. Der Güttig Gott schänke dir an Geist und Korper ein gesunds Kind. Ich brauche dir nicht erst zu sagen wie gern ich dir in den Wochenbett zur Seite gestanden wäre und alles überwacht hätte. Doch ich weis ja die gute Mutter [Spängler, geb. Lürzer, gest. 1882, Nr.37; Fannis eigene Mutter stirbt bei der Geburt der Tochter 1848; auch deshalb ist die Verbindung zur Großmutter besonders eng] bey dir die ja Sorgsam, lieb und gut ist, Gott möge ihrr Gesundheit schänken. Wie wird sich dein guter Mann freuen das kleine Püpchen auf seinen Arm zu tragen und auf seinen Knien zu schaukeln. Euer Leben wird jetzt ein ganz anderes sein. Eine Kinderlose Ehe wird mit den Jahren zu Monoton, es fehl dem Leben an Jntreße [Interesse]. Nun liebe Fanni hab ich einmal über das was uns beyde so sehr intresiert sprächen können nach dem ich mich schon lange gesähnt habe. Heute hab ich gerade die Lichte für meine Augen da ich mehr sehe als gewöhnlich. Ich füge daher dem besten Wunsch zum freudigen Christkind, dem aufrichtigen herzlichen Wunsch bey zum Neuenjahr bey, Gott wolle uns Gesundheit und ein Wiedersehn verleihn. – Meine Gesundheit hat sich viel gebessert, doch frey bin ich von meinen Magenklopfen nicht, aber ich darf doch wieder etwas mehr genießen, und es dauert nicht 4-5 Stunden lang. Ich danke dir für den Stoff den du mir hast färben lassen er gefählt mir gut, was daraus wird, weis ich noch nicht. Die Näherin ist im Spital bedenklich krank, wenn sie wieder besser wird, werden ihr die 3 fl [Taler] zur Erholung recht wohl thun. Ida welche dich vielmals grüßt, ist jetzt recht beschäftigt. sie geht in 3-4 Häuser wo sie Kleider macht, man ist mit ihr [zweites Blatt, Prägestempel „Bath“] zufrieden, da muß von 4 ½ Uhr bis 7 ½ Uhr fleißig nähn, und kann nicht davon laufen. Gestern war sie den ganzen Tag bey mir, da haben wir die Kindswäsche geordnet und zusammen gebunden, es hat ihr Freude gemacht, es thun zu dürfen. Jetzt muß ich schlüßen eds wird schon dunkl die Augen versagen mir ihrn Dienst. Ich meine du sollst die Wäsche wenn du selbr gesehn hast in der Küste lassen, du darfst nur einen Tepich darunter legen, da kanst du sie in jeden Zimmer stehn lassen. Grüße die Rosi, ich hoffe das Mieder wird recht sein Lebe recht wohl es umarmt Euch beyde Euere Großmutter Fanni.“ – Beigelegt [von mir; gehört nicht unbedingt hierher] zwei Visitenkarten „Fanni Kobler. Private“. | ||
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| + | 1876 | ||
| + | Briefe (rot verschnürt, nicht gelesen) von Nr.37 Antonia Spängler, geb. von Lürzer, 1803-1882, an den Sohn Nr.18 Franz Spängler, 1839-1912, aus Salzburg; zusätzlich mehrfach vom Bruder Otto. Oder umgekehrt von Nr.18 a Otto Spängler, 1841-1919, zumeist über Geldangelegenheiten der Mutter, und zusätzlich dann auch von der Mutter. Ohne Umschläge (einzelne Umschläge sind angegeben). – Vom 28.1.1876 bis 1877 und 26.12.1878; insgesamt 25 Briefe. | ||
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| + | 1876 Ida [eine Freundin von Fanni, verh. Schlögelhofer] und „Großmutter“, FANNY KOBLER, an FANNI SPÄNGLER: Salzburg den 21/2 [1]876./ Liebe gute Fanni! Gestern war die Mutter bei der Großmutter wo sie ihr mitteilte, das sie am 29ten Feber [Februar] abreisen wird, um Euch alle außer Sorge zu bringen, wir wünschen nur das es alles recht glüklich vorüber geht, dieß bitten wir den lieben Gott innig, u. ich und Großmutter freuen uns ebenso auf dein Wuzi [Kind] wie du dich u. Franzl, u. wie sehr würde es Großm.[utter] freuen diesen kleinen Weltbürger in ihre Arme schließen zu können. Großm. lässt dich bitten wenn der große Akt vorüber ist ihr gleich zu telegrafieren // darüber mit Fannys Schrift: Dem Papi viele Grüße. Thomas grüßt Dich.// u. die ersten 9 Tage ih täglich durch Telegramm wißen zu laßen wie es Dir u. dem kleinen Wuzi geht, sei nur muthig liebe Fanni, der Allmächtige zur dem Deine Großmutter täglich bettet wird Dich gewiß wieder bald gesund hervorgehen laßen, u. Dir Dein kleines Wuzerl auch recht gesund erhalten./ Die Großm. wird die Rechnung schon bald in Ordnung bringen, du sollst nur bald schreiben, was du für Wien ausgelegt hast./ Also liebe Fanni ich schließe auch dem Briefe meinen herzlichsten Dank an für die Besorgung der Franzen, u. Großmutter wird Dir den Betrag durch die Mutter [Spängler] überschiken, dem ich ihr am 12te Febr. übergab, ich danke Dir noch vielmals dafür, das du mir so lange zugewartet hast. An Franzl von uns herzliche Grüße, u. Großm. läßt ihm sagen er soll nur recht standhaft sein, es ist Dir auch eine Erleichterung./ Nun lebe wol liebe Fanni nächstens ein ausfürlicherer Brief, sei herzlich geküßt u. gegrüßt, von Deiner Freundin Ida u. Großmutter./ [Nr.79, Fanny Koblers, 1796-1886, eigene Schrift:] Liebe Fanni! Wie mich das glüklich macht heute 8 Tag dich in Geselschaft der guten Mutter [Spängler] und erfahrene Frau zu wissen kann ich dir nicht beschreiben, nach dem dein Befinden Gott sey Dank immer so gut als es unter diesen Umständen seyn kann ist, so wird alles gut vorüber geh’n. Mein Befinden ist zimmlich gut, daher kannst du auch in dieser Beziehung ruhig sein. Laschanzki [Laschensky] seine Frau wird auch schon im März entbunden; es [geht] gut soviel ich von seiner Mutter höre welche dich vielmals grüßen läßt. Frau v: Bauernfeind [Paurnfeind] ist von Reumatischenschmerz im Fuß schon 8 Wochen im Bett. Wenn dein Wuzl Gethauft und eingewikelt ist, so [gib ihm] einen lan lange[n], lange[n] Kuß von mir, was würde ich darum geben wenn ich bey euch sein könnte. Lebe wohl liebe Fanni, grüße deinen Mann. Meine Augen erlauben mir nicht länger zu schreiben. Fanni. [Dieser Brief liegt ausnahmsweise in weiße Schachtel Nr.3 (Inhaltsverz. liegt oben); von ihm sind Fotos in der Datei „FamArchiv“ und Text und Fotos habe ich für Salzburgwiki.at (Kobler-Spängler-Briefe) verwendet. Die anderen Kobler-Briefe liegen in der Spängler-Holzkiste.] | ||
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| + | FANNY KOBLER an FANNI SPÄNGLER: Salzburg am 6te März 1876./ Liebe Fanni! Worin meine meine inigsten aufrichtigen Wünsche bestehen weißt du ohnehin, dießmal [schließt] sich noch ein Wunsch an, ich bethe täglich Gott, dich eine recht glückliche Mutter werden zu lassen. Gott möge dir die Gnade verlein das du ein gesundes Kind in deine Arme schlüßen kannst. Das die gute Mutter gesund bey auch angelang [?] ist, bin recht/ bin ich recht erfreud, sage ihm von mir herzlich Grüße und Küße; so auch deinen guten Mann. Mein Befinden ist ziemlich gut, gestern bin ich nach 3 Wochen das erst mal wieder in die Kirche gegangen; ich konte ja keinen Schuh vertragen. Lorinser Mina die Vermählungsanzeige geschickt. Das Preßent wirst du ihr wohl schon überschückt haben. Schreibe mir was du da für ausgegeben hast. Die Ida hat mir für die Franzen die 6 f gegeben/ sage mir mit kurzen Worten wenn du das was ich für dich ausgeben abziehst was ich dir in barem zu zahlen habe, damit ich dir das Geld schücken kann. Den Brief wo du mir das geschrieben hast den hab ich verlegt. Ich werde dann wie gewöhnlich zu deinem Namenstag die 10 f bey legen. Die Muster vom Schlafrock gefählt mir gut. wieviel Ellen hast du gebraucht und was hat die Elle gekostet. Heute geht das Schreiben wieder garnicht. Lebe wohl liebe Fanni meine Wünsche werden hollent [?] umarmt und küßt dich deine Großmutter Fanni Kobler. Ther ses [Theres] wünscht dir alles Gute - Geschrieben mit 80 Jahren von Fanny Kobler, geb. 1796 in Salzburg, gest. 1886. – Abbildung = undatiertes Foto der Fanny Kobler als würdige, ältere Dame | ||
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| + | Briefe [rot verschnürt, nicht gelesen] von Nr.37 Antonia von Lürzer, verh. Spängler, an Nr.18 Franz Spängler (und Fanni); Briefpapier Prägestempel „A. S.“, 9.3.1876 an „meine lieben Theuren... von Euerer Euch treu liebenden Mutter Spängler“; Salzburg 28.4.76; 26.12.76 „meine innigst geliebten Theuren... Euere Euch herzlich liebende Mutter Spängler; 3.7.1877; 22.3.77 (von Otto und Louise viele Grüße.“); 18.12.77; 26.2.1878; Baumkirchen 6.7.78; Salzburg 24.1.1879; 22.7.79 „Mein lieber theurer Franz!...“; 19.11.79 „...Mutter Spángler. Bey Schlegel lassen sie Euch alle herzlich grüßen.“; 10.4.1880; 1.10.80 Briefpapier „A“; 14.10.80; 1.12.80; 4.4.1881; 28.4.81 (1,5 Blätter); 7.6.81; 23.6.81; Baumkirchen 21.7.81; Salzburg 22.12.81 (Prägestempel „Salzburg“, „...Eure treue Mutter Antonia Spängler“; 16.1.1882; 6.3.82; 16.11. ohne Jahr; 30.11. ohne Jahr (von dem Hofrichter Spängler herzliche Glückwünsche). | ||
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| + | FANNY KOBLER an FANNI SPÄNGLER: 15.4.1876, Brief ohne Umschlag: „Nach langen 3 Wochen sind meine Augen wieder so daß es mir möglich ist ein paar Zeilen an dich zu schreiben, wie vieles hätte ich dich zu fragen, leider kann ich das nicht. Den lieben Gott tausent Dank das er dir deine Gesundheit wieder geschänkt hat, deine Kräfte werden wieder kommen wenn das Wetter es erlaubt die frische Luft wieder zu grüßen Noch mal tausent Dank der guten umsichtigen Mutter [Spängler] und und deinen lieben Mann, über allen die dich in den bangen Stunden umgeben haben – Ich kann leider deine lieben Briefe nicht beantworten ich kann das von mir geschriebene nicht mehr lesen, wie schwer mir das ist kannst du dir gar nicht denken so mußt du mit meinem Geschreibsel schon zufrieden sein, und dir alles selbst zu samen denken. Wie leid es mir ist das ich weder Kistel noch Bücher deinem Mann aufbewahren kann ist selbstverständlich. Ich bekome in die zwey Zimmer neben mir, bis 1 May einem Herrn Oberkriegscomisär von Graz, Herrn Qualler, welche jetzt in Salzburg leben wollen. Sie werden mehrere Möbel selbst mitbringen daher ich von meinen Möbeln mehreres raus nehmen muß, da kan im Kammerl nichts untergebracht werden, unser beschra[ä]nkter Durchboden ist dir bekant. Frau v: Bauernfeid [Paurnfeind] liegt 4 Monate schon an ihren Fußleiden Dr: Günther vertröst[et] sie immer mit dem besseren Wetter sie ist oft recht verzagt hat viele Schmerzen, grüßt auch alle vie[l]mals. Oma Gattermayer geht es immer gleich, die linke Seite ist beynahe unbeweglich, so sind meine Freundinnen zusammengeschmolzen, die Rosi ist trauXXX Mein Befinden ist wied[er] ziemlich gut ich bin sehr hoch in die 70 [sie ist 79] was kann man da soch [?] ansprächen. Der alten Baschenzky [?] geht es gut bis auf ihren gewöhnlichen Zustand. Bitte alle Bekannten grüßen mich herzlich. Die SchXXberger ist oft unwohl. Ich wünsche recht gute Feyertage Grüß herzliche Grüße an die gute Mutter, an deinen Mann und vielen Dank für seine Nachrichten während deinen Wochenbett Lebe wohl liebe Fanni es umarmt euch Euere Großmutter Fanni“ [ganzen Brief übertragen] – „Wochenbett“: sie heiraten 1872, Fanny Kobler ist 1796 geboren, Franzi Spängler wird 1877 in Wien geboren. Hier muss es ein (totes) Kind geben, von dem ich nichts Näheres weiß (siehe auch Brief vom Febr. und folgende Briefe!). | ||
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| + | Briefumschlag ohne Marke, Stempel Wien-Josefstadt 1876; „Dem Herrn Doctor Franz Spängler [Nr.18] kk Gerichtsadjunkt in Wien VIII Schlößelgasse Nr.8, II.Stock, Thür 14“, enthaltend: FANNI SPÄNGLER an FRANZ SPÄNGLER und zurück: 11.7.1876 Postkarte, Bleistift, von Salzburg nach Wien: Lieber Franzl! in Frankenmarkt gut angelangt, fange schon an einigen Hunger zu kriegen, auf Nachricht von dir freue ich mich sehr, es wird schön sein wieder bei dir zu sein, Maria Plain in Sicht [im Zug vor Salzburg], ich hoffe dir heut noch zu schreiben, grüße alle Bekannten, grüße Rosi [Hausangestellte]. | ||
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| + | FANNI SPÄNGLER (Nr.19) an FRANZ SPÄNGLER (Nr.18): 11.7. [1876] ein Bogen Brief von Salzburg [verblasste Tinte]: Mein lieber Franzl! Meine Karte hast du hoffentlich erhalten, die dir beweisen sollte, daß ich glücklich ankam; ich benütze nun die erste ruhige Minute, um mit dir zu plaudern, und gedenke überhaupt meine freien Augenblicke zu diesem Geschäfte fleißig zu benützen. Also den Reisebericht: Ich fuhr recht angenehm mit der Familie, die du gesehen hast, den Namen habe ich nicht erfahren; es war Großmutter, Tochter und Enkelin. In Wels stieg Frl. Agathe aus und Frl. Lotte Lungenschneid ein. Wir erkannten uns anfangs gegenseitig nicht, dann war natürlich das Weiberl dasjenige, welche keine Idee hatte, wen sie vor sich hatte. Nach geschehener Erkennung haben wir gemütlich geplauscht. [am Rand, oben und unten:]/Die Ränder dieser Epistel sind auf gewohnte Weise beschrieben./ Hat dir Rosi gut gekocht? Großmutter u. Mutter grüßen sehr herzlich, auch ich natürlich. Allen Verwandten unseren Gruß. Am Bahnhof nahmen mich deine Mutter und meine Stiefmutter u. Schwägerin Luise [Louise Spängler] in Empfang. Wir wanderten zu Fuße in die Stadt. Meinen Koffer beförderte der Omnibus von Raith /: nun mehr Hutêl Haas [?]:/ Die Großmutter nahm mich mit Freuden auf und installirte mich in unser Fremdenzimmer. Es ist mir sehr lieb, mein eigenes Zimmer zu haben. Und somit wäre Alles schön und gut, wenn ich auch nur meinen herzlieben Franzl da hätte! Und wie kommt es denn dir vor, ohne deinen Plagegeist. Recht erfreut war Großmutter über das Mitbringen meiner Zither. Nach Tische waren wir beim Vater [Richard Schlegel, Arzt], der sehr zufrieden mit meinem Aussehen ist. Alle grüßen dich herzlichst, Großmutter läßt dir noch ganz besonders danken daß du mich geschickt hast. Wenn ich doch Abends nur 10 Minuten bei meinem lieben, lieben Franzl sein könnte. Deine Mutter sieht wieder recht gut aus. Meine Mutter [Kathi Schlegel, geb. Arrigler; Stiefmutter] ist nahezu ergraut, die Großmutter [Fanny Kobler] sieht weit besser aus, als ich es zu hoffen wagte. Ihre Stimmung ist ziemlich verbittert, ihr Ton gegen Theres [Hausangestellte] ist derselbe wie vor einem Jahre. Ich habe mir vorgenommen, meine Ohren und meinen Schnabel nach Möglichkeit zu zubehalten. Ein kluger Vorsatz, nicht wahr? Wenn er nur auch gehalten wird! Es gefällt mir hier gar nicht übel, aber daß ich mich schon aufs Heimreisen freue, kannst du glauben. Ich werde mich jetzt beeilen, den Brief auf die Post zu bringen und bitte dich, mir zu schreiben, ob du denselben noch rechtzeitig, d.h. morgen, den 12. bekommen hast. Wie freue ich mich auf einen Brief von dir, du Lieber! Ich hoffe, du wirst zufrieden sein, wenn ich dir sage, daß die neuen Blumen schon auf meinem Hute sind. Großmutter hat mich schon ihrer Parthei [Untermieter] aufgeführt. Es ist der kk. Kriegskomissär Daler u. Frau. Es scheinen wirklich sehr liebe Menschen zu sein. – Das Thema von unserem armen kleinen Engel [totes Kind] ist schon vielseitig variirt worden. Ich zeige mich so heiter und getröstet als ich es zusammenbringe. – Als wir von meinen Eltern weggingen, begegnete ich Nathalie. Sie war recht lieb, und sieht wirklich überraschend gut aus. Ich habe mich recht gefreut, sie ist ordentlich rosig. Sie grüßt dich freundlich. Ich will nun den Versuch machen, deine Mutter zu treffen. Bei Karl Baschensky ist vor wenigen Tagen ein Mädchen gekommen. Ich werde, um nicht meine Stiefmutter immer mit diesem üblichen Worte bezeichnen zu müssen, dieselbe kurz meine Mutter, und deine Mutter unsere Mutter nennen, einverstanden? So nun siehst du, wie dein Weiberl an dich schreibt. Ich hoffe bald auf einen Brief von dir. Behüt’ dich Gott, du Lieber, sei 100000erte mal geküßt von deiner treuen Frau Fanni Sp. [Spängler]/[am Rand:] Die KuXXX [Coupons; Zinsen auf Wertpapiere] sind ausgezahlt, und sollen auch die heurigen bald ausgezahlt werden. Soll Otto das Geld schicken? | ||
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| + | FRANZ SPÄNGLER (Nr.18) an FANNI SPÄNGLER (Nr.19): 11.7. [1876] ein Bogen Brief aus Wien: Morgens ½ 7 [Uhr]. Meine liebe Fanny! So sitze ich denn allein im Zimmer da, u. mußte aufstehen, ohne dich mit einem Buße [Bussi] aufgewekt zu haben, u. harre des Café, ohne dß ich dich dabei ans Aufstehen erinnern kann! Guten Morgen meine Liebe! Ich hoffe du hast während der Fahrt gut geschlafen, u. näherst dich jetzt der Salzburg’schen Grenze... habe schon die Uhren gerichtet... das fehlende Knöpfchen angenäht, bemühe mich, die ganze Wirtschaft und die Wohnung in möglichster Ordnung zu erhalten. – ¾ 6 [Uhr] Abends... Zeitungslektüre, hoffe die Nachrichten zu erhalten, wie dir die Reise bekommen hat... Befinden der Großmutter, der Mutter etc. – Was ich heute Abends anfangen werde, weiß ich noch nicht... Rosi [Hausangestellte] läßt dir die Hand küßen, Minerl läßt dich grüßen. Ich schließe für heute... Mit Herzlichen Gruße und Kuße, dein treuer Franz. [nicht alles gelesen] | ||
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| + | FANNI SPÄNGLER (Nr.19) an FRANZ SPÄNGLER (Nr.18): 12.7. [1876] zwei Bogen Brief von Salzburg: Mein herzlieber Franzl! Mit dem Wunsch und der Hoffnung, heute von dir zu hören, etwas nach 7 Uhr aufgestanden, angekleidet, Franziskanerkirche, nachher „warf ich mich in Staat und ging zur Mutter u Schwägerin Luise [Louise Spängler]“, dann zu Plachetka, 12 Uhr nach Hause, fand deine lieben Zeilen, „recht herzlichen Kuß, oder noch lieber, recht viele Küsse dafür“, „deine Fotografie bekommt schon welche, aber dir bleiben ja unvermindert. Schau auch beim Schreiben ist dein Weiberl das alte verliebte Katzerl, du wirst gewiß lachen über mein Geschreibsel.“ Freue mich auf gemütliches Heim, „Gegen Otto’s Prachtwohnung haben wir haben wir freilich ein nur gar enges Nestchen, aber es ist gar so traulich.“ Otto [Spängler, Bruder von Franz] noch nicht gesehen, die Kinder sind allerliebst, grüßen Onkel Franz... Im Dureggerschen Hause [Mozartplatz 4: Otto Spängler; die Großmutter wohnt in der ‚Hölle’] wird noch immer gebaut, vor Karls Wohnung über dem einstigen Holzlager eine große Veranda, gerade dem Fenster unserer Mutter gegenüber. Der armen Ida bei Karl geht es heute wieder gar nicht gut, Schmerzen im Rücken und klagt über Kälte. Bekannte getroffen, Besuche bei Schneeberger und Plachetka. – 13.7. 7 ¾ Uhr. Guten Morgen, du Lieber! Dein Faulenzerl hat bis 6 ½ Uhr geschlafen wie ein Murmeltier, „Jeder Schritt ist Gottes Wille, ist ein Schritt zum Wiedersehen und Kein Harm darf uns kränken, denn uns hält ein treu Gedenken“, du denkst oft an dein kindisches Weiberl, die Leute finden, dass 14 Tage ein kurzer Urlaub sei, doch ich zähle jeden Tag, bis ich wieder bei dir bin. Großmutter grüßt herzlich, ist aber einsichtsvoll genug, um keine Verlängerung zu begehren. – [2.Bogen] 11 Uhr Mittags. Karte erhalten, danke, dass du fleißig schreibst, besseres Wetter, nachmittags nach Moos, Frau von Bauernfeind [Paurnfeind] und Frau Gattermayer sind in Ludwigsbad. „Gestern Abend spielte ich auf der Zither, die Großmutter will aber immer die alten Stücke lieber hören, die neuen Sachen gefallen ihr nicht.“ Ehepaar von Daler bringt hübsches Bouquet mit Stiefmütterchen [zwei Blüten liegen bei]... er hat etwas Ritterliches in seinem Wesen. Nun bist du noch nicht eifersüchtig. - - - ...du beim Schwurgericht, wann wirst du kommen? Seit 11 Uhr Tisch gedeckt, obwohl wir erst nach 12 Uhr essen, die Wirtschaft ist schon wunderbar bei uns, Großmutter will so viel als möglich selber machen, doch Augenschwäche. „Nur so viel ist gewiß, daß ich einen schweren Stand hier hätte, wenn ich einmal mit einem kleinen Wuzi [Kind] hier wäre. Hoffe bald auf ein Kind. Karl Spängler geht es besser. – 1 Uhr Nachmittag. Freue mich auf deinen Brief. „Unsere Mutter hat gelacht über dein Versprechen, die Wirtschaft in Ordnung zu halten und gemeint, die Rosi müsste wohl das Beste tun. Wie bei Silveri unterhalten? Meine Mutter [Schlegel] über Hose und Überzieher sehr erfreut, dankt. Otto flüchtig auf der Straße gesehen, grüßt. Behalte lieb deine treuergebene Alte, grüße Rosi, der Minerl auch einen Gruß. – „Bauernfeind“: Partezettel für Carl Baurnfeind, 23 Jahre alt gestorben 1860, Sohn des Hotelbesitzers, Hotel „Erzherzog Carl“ in Salzburg, und für Josefa Baurnfeind, 72 Jahre alt, 1878. | ||
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| + | FRANZ SPÄNGLER (Nr.18) an FANNI SPÄNGLER (Nr.19): 13.7. [1876] aus Wien ein Bogen Brief: Liebe Fanny! Du bist sehr brav dß du fleißig schreibst, doch will ich auch wieder brav sein, u. dir heute einen, wenn auch wegen der vorgerükten Zeit nur kurzen Brief schreiben. – Vorerst kann ich dir nichts berichten; ich bin auch außer gestern Abends bei Silveri [Lokal] noch mit Niemanden von unseren Bekannten zusammengetroffen. Am Dienstag war ich Abends zu Hause, gestern mit Angermayer, Julius, Schadet u. Maria bei Silveri; Bertha hatte nicht Zeit wegen des Waschtages, Franz, weil er zu Hause arbeitete. Alle grüßen dich bestens. Haben übrigens, als ich ihnen sagte, dß du mir so fleißig schreibst, ihre Bemerkungen gemacht dß so etwas nur bei einem so „jungen“ Ehepaar vorzukommen pflege. – Heute war ich bis 4 ¼ Uhr bei der Schwurgerichts verhandlung; Rosi hat natürlich früher gegessen. Morgen u. Samstag wird es voraussichtlich noch länger dauern. Die Wirtschaft geht ganz friedlich, nur hat die Rosi heute zu viel gekauft; unsere Wirtschaft ist übrigens auch sehr billig; ich habe noch keinen Tag viel mehr als einen Gulden der Rosi gezahlt. Gestern habe ich selbst von dem Greisler in der Klostergasse frische Butter geholt. Ich bitte um gebührende Anerkennung. Auch habe ich gestern früh mich zur Sparkasse begeben um die 20 fl [Gulden] heraus zu nemen, muß aber das Abholen des Buches bis Montag früh versschieben; ich gedenke bis dorthin ganz gut auszukommen. – Genug dieser prosaischen Mittheilungen, die ich dir als „pflichtschuldigen“ Rechenschaftsbericht sende, wie es einem „wohlerzogenen“ Ehemann geziemmt. – Es freut mich sehr, zu hören, dß du dich wohlbefindest, u. besonders dß auch der Vater dein Aussehen zufriedenstellend fand. Grüße mir alle bestens. Daß [du] die Blumen schon auf den Hut gegeben, lobe ich; hoffentlich hast du dich überzeugt dß es nicht überflüssig war. Was ist mit den Kleidern geschehen, die du von mir mitnahmst? Spielst du wohl fleißig auf der Zither? Was sagt die Mutter wegen der Visiten? Ich schließe für heute mit dem Wunsche dß Ihr alle Euch wohlbefindet, u. mit der Bitte alle von mir bestens zu grüßen. Vergiß nicht auf Dr.Mallmanns Namenstag, u. auf den der Frau v.Euruggen. Hast du XXX mitgenommen? – Lebe recht wohl, schreibe mir bald wieder, u. sei herzlichst gegrüßt u. geküßt von deinem treuen Franz. | ||
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| + | FANNI SPÄNGLER (Nr.19) an FRANZ SPÄNGLER (Nr.18): 15.7. [1876] aus Salzburg zwei Bogen Brief: Mein lieber Franzl! 12 Uhr Mittags. Von lauter Nichtsthun habe ich gestern nicht einmal Zeit gefunden, diesen Brief an dich zu beginnen, wie ich es so gern gethan hätte. Auch heute konnte ich noch nicht dazu kommen. Großmutter, die dich herzlich grüßt, hat verschiedene Geschäfte für mich, die ich natürlich bereitwilligst verrichte; bei denselben bedarf es aber mancher Erklärungen ihrerseits, die nicht immer leicht u. schnell zu erlangen sind, da wird oft Zeit vertrödelt, die ich so gerne zu einer kleinen Plauderei mit dir, du Lieber, verwerthen möchte. Nun laß dir vorerst danken für deinen Brief vom 13.7.: ich kann nicht sagen, wie jede Zeile von dir, du Lieber, mich freut. Morgen, nicht wahr, kommt wieder Nachricht von dir. Die Fragen, welche dein Brief enthält, sind ohnehin schon beantwortet, Karten von mir habe ich mit. Die Leute sollen sich nur lustig machen über unseren Briefwechsel, deßhalb schreibe ich doch fleißig. Wie freu ich mich, wenn ich dir wieder vorplauschen kann. Dein Wirtschaftsbericht hat mich befriedigt, hat Rosi schon Marillenknödel gekocht? Hier kostet eine Marille noch 4 Xr [Kreuzer], da ist’s vor der Hand Nichts mit den Knödeln. Rosi grüße recht schön von mir, und sage ihr, daß ich mich schon auf einen Brief von ihr freue, ich werde ihr dann auch antworten. Um dir von meinem Treiben zu berichten. Vorgestern waren wir im Ludwigsbad, wohin wir auch morgen für den ganzen Tag wollen, was mir ganz recht ist, da Resi Gattermayer auch oben sein wird. Frau Gattermayer hat sich wunderbar erholt. Gestern gingen wir in Gesellschaft unserer Mutter über den Nonn- [Nonnberg] u. Mönchsberg. Heute Vormittag war ich im warmen Bade, was mir sehr behaglich war, doch bin ich etwas müde davon. Ich glaube ich fühle den Unterschied der Luft. Sonst bin ich sehr wol, man sagt mir, daß ich gut aussehe. Viele behaupten ich sei noch gewachsen. Von unsern Verwandten habe ich schon Viele begegnet und gesprochen; gestern unter Anderen Bamberger u Frau sowie Rudolf u Maria. Alle grüßen dich. Vetter Bamberger fand mich so jung aussehend, daß er glaubte, ich sei meine Schwester. Schmeichelhaft, was? Auch unsere Mutter sagt, ich sehe gut u jung aus. Mutter und alle sind froh, daß Otto’s damalige Idee wegen der Wohnung nicht ausgeführt wurde. Frl: Lürzer [Verwandte, Lürzer von Zechenthall] wohnt jetzt bei uns im 4.Stock, sie ist sehr zufrieden mit ihrer Wohnung. Ich unterbreche, um zum Vater zu gehen. – 3 Uhr Nachmittag. – Während ich hier dem geschäftigen Müßiggange mich ergebe, sitzt du mal wieder im grauen Hause und mußt arbeiten. Wenn die frische, würzige Luft mir wohlthut, denke ich immer daran, wie du indeß die heiße, staubige Wiener Luft genießen mußt. Ja, wenn ich dich hier hätte, wie schön wäre das! Übrigens werden wir, wenn wir im Herbste hieher kommen, auch in der Geduld uns üben müßen. Großmutter hat im verfloßenen Jahre wahrlich nicht an Fügsamkeit zugenommen. - Ich habe mir übrigens ziemlich viel persönliche Freizeit hier gewahrt, darf auch viel sagen, ohne Großmutter zu erzürnen. Wenn nur ihr Verhältniß zur Theres ein leidlicheres wäre. Nun ich werde dir mündlich einiges erzählen. Ich begreife eigentlich kaum, daß ich es doch so aushalte ohne meinen lieben Franzl. Es ist wol nur die Aussicht, wieder bald bei dir sein zu dürfen. – Ich nehme mir aber auch fest vor, dich du Guter, nicht mehr so mit übler Laune zu plagen, wie ich es leider schon so oft gethan habe. Das Medaillon mit deinem Bilde kommt selten von meinem Halse. Ich bilde mir ein, du seist bei mir, wenn ich wenigstens dein Bild bei mir trage. – Das Wetter ist prachtvoll jetzt, ohne daß es besonders heiß wäre. Heute wollen wir die Emma besuchen, sie ist im Hofe draußen. Es wird mir der Anblick ihrer Kinder mal wieder ein wenig Herzweh machen. – Heute habe ich Frau v Lürzer begegnet, sie sagte mir, daß ihre Schwiegertochter noch immer sehr traurig über den Verlust ihres zweiten Kindes sei. Ich entschuldige mich überall, daß ich gar keine Besuche mache, und es geben mir Alle vollständig Recht. Wenn wir im Herbste hier sein werden, können wir uns aber aufs Besuchemachen freuen! Mit Lektüre bin ich mehr versorgt, als notwendig ist, Frau von Daler gab mir die Gartenlaube zu lesen, ich komme aber nur Abends vor dem Einschlafen ein wenig zum Lesen. – Die Mutter läßt dir sagen, daß ihr mein schwarzes Überkleid mit dem grauen Rock sehr gut gefällt, ich habe ihr nämlich erzählt, daß du diesen Anzug für nicht mehr hübsch genug hälst. Großmutter u Mutter sagen, ich soll die Zither nur in Salzburg laßen, bis wir wieder kommen, ich weiß eigentlich selbst nicht, warum sie das wollen. Soll ich? – Morgen werde ich wol bis Abends warten müßen, wenn dein Brief nicht schon um 8 Uhr früh kommt, da wir ja schon um 10 Uhr nach Moos fahren werden. – Wie ich mich wieder auf Nachricht von dir freue. Heute hoffte ich halb u halb eine Korrespondenzkarte, vielleicht kommt morgen ein langer Brief. – Heute wird allenthalben in den Häusern angesagt, daß Fahnen sollen aufgesteckt werden, da am Dienstag der Kaiser hieher kommt. – Und nun du Lieber, Guter, behüte dich Gott, bald wird die halbe Zeit meines Hierseins vorüber gehen. Hast du doch auch ein klein wenig Sehnsucht nach deinem allzeit getreuen, verliebten Weiberl? | ||
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| + | FRANZ SPÄNGLER (Nr.18) an FANNI SPÄNGLER (Nr.19): 15.7. [1876] aus Wien Visitenkarte „Dr.Franz Spängler, k.k. Gerichtsadjunkt“: Liebe Fanny! keine Correspondenzkarte zu Hause, Schwurgerichtssitzung, in der Zwischenpause etwas gegessen, gestern nicht mehr Zeit, dir zu schreiben, entschuldige bitte... Ich grüße alle herzlich u. freue mich auf Nachrichten und fröhliches Wiedersehen, dein treuer Franz. | ||
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| + | dito 16.7. [1876] Abends, ein Bogen Brief von Wien: Meine liebe theure Fanny, du bist schon viel fleissiger im Briefschreiben, als ich es bin, u. ich muß daher nicht bloß dir herzlich für deine lieben und so ausführlichen Briefe danken, sondern auch um Entschuldigung bitten, daß ich minder fleissig bin. Du wirst hoffentlich heute (Sonntags) meinen gestern während des Essens geschriebene Karte erhalten haben, u. könntest mit Fug und Recht für Montags einen Brief von mir erwarten, doch kam ich in Folge dessen, dß ich heute Journal hatte, u. daher nicht bloß Vormittags 2 Stunden im Bureau war, nicht dazu einen Brief an dich zu schreiben, u. ich versparte es mir daher lieber für den Abend, da ich nun mehr Muße habe. Deine Biefe machen mir immer sehr große Freude, denn ich ersehe daraus jedesmal neuerdings wie lieb du mich hast, u. entneme überdies daraus, dß es dir geht geht. Es war mir insbesondere sehr angenem, zu hören, dß man dich in Salzburg allgemein gut aussehend findet. Wenn dir dieses gute u. jugendliche Aussehen einige Galanterien u. Aufmerksamkeiten des Herrn v.Daler einträgt, so freut es mich, aber eifersüchtig wirst du mich gewiß nicht machen; dazu habe ich keine Anlage, u. noch weniger eine wirkliche Ursache. – Du fragst mich, was du wegen der Zither thun sollst; ich muß, bevor ich eine Antwort gebe, die Gegenfrage an dich richten, ob du dann einstweilen auf der anderen Zither spielen wirst? U. auch alles das, was du auf der Elegie [?]-Zither spielst spielen kannst; ist das der Fall, so magst du ja die Elegie-Zither in Salzburg lassen wiewohl ich keinen hinlänglichen Grund dafür finde, da wir ja, wenn wir auf Urlaub gehen, u. eine Reise machen, doch wieder einen Koffer mit Sachen nach Salzburg direkt schicken würden; trifft aber die oben aufgestellte Voraussetzung nicht ein, dann nimm doch lieber die Zither mit dir hieher, da mir für dich u. mich leid wäre, wenn du in der ganzen Zeit bis Mitte September nicht spielen würdest. – Daß auch dritte Personen die Unterlassung aller weiteren Besuche natürlich finden, ist mir sehr angenem; nur auf eines mache ich dich aufmerksam, dß du vielleicht doch – sei es allein, sei es mit der Großmutter od. der Mutter zur Frau v Fenzl gehst; bitte sei aber hiebei direkt u entschieden, dß sie sich mit einem Gegenbesuche nicht anstrengen soll. Ich füge dieß deßhalb bei, weil Roll mir sagte, dß ihr das Stiegensteigen beschwerlich falle. Gute Nacht für heute mein lieber Schatz! Morgen früh Fortsetzung! – 17 Juli 1876 Morgens. Guten Morgen! Soeben habe ich mit Rosi den Küchenzettel verabredet, auf welchem heute die Marillenknödel stehen. Weil ich gerade bei einer Bücher Angelegenheit bin, so füge ich noch sogleich die Anfrage der Rosi bei, ob sie vielleicht weil es jetzt recht schöne Ribisel 9-10 Xr [Kreuzer] pr ½ Kilogr bekäme, Ribisel einsieden soll; ich bitte um Antwort im nächsten Briefe u eventuell um Weisung hinsichtlich der Menge. – Nachm ½ 7. In Folge des leidigen Journaldienstes welche die ganze Woche andauert aber dann erst in circa ¼ J wiederkehrt bin ich heute nicht dazu gekommen, dir weiter zu schreiben, u ich beeile mich nur diesen Brief noch rechtzeitig zur Post zu bringen. An Neuigkeiten theile ich dir mit, dß heute um ½ 2 Uhr ein ganz merkl Erdbeben hier war u dß Demeter Mertens mit ; Weißmayer verlobt ist. Heute Abends bin ich bei Glaier [?], Morgen Fortsetzung Dein treuer Franz - Undatiertes Foto Fanni Schlegel (in Tracht mit Fächer) und Camilla Mertens (Goldhaube, weißes Kleid) vor Alpen-Kulisse beim Fotografen (in einer der roten Schachteln); dito mit zwei anderen; Schwiegervater Mertens ist Bürgermeister, vgl. Brief vom 27.9.1871. | ||
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| + | FANNI SPÄNGLER (Nr.19) an FRANZ SPÄNGLER (Nr.18): 17.7. [1876] aus Salzburg zwei Bogen Brief: Mein liebster Franzl. Elf Uhr schon vorbei: und noch hoffe ich vergebens auf deinen lieben Brief, du glaubst nicht, wie ungeduldig ich bin, etwas von dir, du Lieber und von deinem Thun zu erfahren! Du fehlst mir ja so sehr, wie freu ich mich, wenn ich wieder bei dir sein werde! Am Ende aber gehe ich dir gar noch nicht ab? Und ich freu mich schon so, wenn meine 14 Tage vorüber sind! Es ist ordentlich undankbar von mir, daß ich mich so fort freue, hier kommt man mir ja mit so viel Freundlichkeit entgegen. – Vorgestern waren wir im Zeller Hof. Emma sieht wirklich sehr gut aus, ihr Buberl ist nicht sehr stark, doch gedeiht es jetzt besser. Albert sieht sehr gut aus, nun ich glaube, er braucht sich nicht viel zu plagen. Liderl ist ein allerliebstes Kind, sie hat wunderschöne Auge. Das Herzweh beim ersten Anblick der Schumacherischen Kinder ist also auch überstanden, denke dir, das Buberl heißt Franz. - - - Im Herzen ist meine Stimmung heiter, nur ab und zu kommt eine kleine Anwandlung von Trauer. So eben jetzt, wo Frau Kockauer [?] geb: Marie [?] bei mir war, und ohne unseren Verlust zu ahnen, nach meinem Kinde frug. Das hat wieder recht weh gethan! Wenn ich nur schon einen Brief von dir hätte, das wäre wieder der beste Trost. Ich fürchte immer, du strengst dich gar zu sehr an. Wie ich es dir gönnen wollte, wenn du wieder einmal etwas freie Zeit hättest. Im August ist hier der deutsche Juristentag, wirst du da nicht nach Salzburg kommen? Man bereitet schon allenthalben Wohnungen für die Juristen-Gäste. – Gestern waren wir mit Plachetka im Moos. Wir fuhren bis Marienbad, gingen dann zu Fuße ins Ludwigsbad und nach längerem Sitzen dort über Leopoldskron nach Hause. Wie oft habe ich da an dich gedacht! Heute Nachmittag gehen wir zu Zillner, Abends sind wir bei Otto. Unsere Mutter läßt dir sagen, du sollst die Rumänier [Aktien] nicht auszuwechseln vergeßen. Für die Coupons vom vorigen Jahre bekommst du 24 Mark d. ist 7 fl [Gulden] 20 Kr. Ich laße mir wenn es dir recht ist, das Geld vom Otto geben, um beihändiges Geld zu haben; Großmutter [hat] wol einmal vom Reisegeld gesagt, aber bekommen habe ich noch nichts. Am 2.August gehen Otto und Luise [Louise Spängler] und Kochs nach Unken. Fr.v.Duregger und unsere Mutter folgen ihnen nach. Fr:v.D: hat Mutter eingeladen mit ihr zu reisen und wird auch das Zimmer mit Mutter gemeinschäftlich haben. Unsere Mutter wird noch ganz kühn im Reisen. Ich freue mich, daß Mutter diese Erholung haben kann. – Nun wird aber kein Buchstabe mehr geschrieben, bis ich einen Brief von dir in Händen habe! die Ungethüme. Wie kann man denn das Weiberl solche Sehnsucht leiden lassen! [zweites Blatt Fortsetzung nach dem folgenden Gegenbrief] | ||
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| + | FRANZ SPÄNGLER (Nr.18) an FANNI SPÄNGLER (Nr.19): 18.7. [1876] aus Wien eineinhalb Bogen Brief: Meine liebe Fanny! ...Demeter Mertens Verlobungsanzeige... Erdbeben wohl schon in den Zeitungen, keine Unglücksfälle bekannt, in der Kanzlei spürten ziemlich starkes Schütteln... Geld Sparkasse, wie steht es mit dir? von der Großmutter oder von Otto aus den in seiner Verwahrung befindl Gulden? – schon 8 Tage in Salzburg, in weiteren 8 Tagen hoffe ich dich wieder hier zu haben... Ich weiß nicht wie es kommt, dß ich zu Hause nichts rechtes ausrichte, u auch zum Spazierengehen keine besondere Passion habe; es geht mir halt offenbar jemand ab, u. dieser Jemand scheint mein liebes Weiberl zu sein... Hast du den neugewählten Erzbischof nicht gesehen [Franz Albert, siehe „Briefe 1860 ff. an Nr.18 Franz Spängler“, 1883]? Ich habe ihm noch immer nicht geschrieben, vielleicht komme ich heute Abends dazu. – deine Karte erhalten... nicht Zeit gehabt, um dir einen ordentlichen Brief zu schreiben... Rosi läßt dir „alle Hand küßen“... grüße Großmutter, Mutter u. Otto... dein treuer Franz. – Nachschrift... [nicht alles gelesen]. - Zu Mertens vgl. Brief vom 27.9.1871. | ||
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| + | FANNI SPÄNGLER (Nr.19) an FRANZ SPÄNGLER (Nr.18): [zweites Blatt vom obigen Brief 17.7.1876 aus Salzburg:] 18.7. ¾ 12 Uhr Mittags. Herzlieber Franzl! Sehnsüchtig, wie ein Kind seinen Weihnachtsbaum habe ich deinen Brief erwartet, und, was nie in der Brautzeit vorgekommen ist, kostete es mich eben frische Thränen, da ich zu fürchten begann, ich werde auch heute Nichts von dir hören, und meine so leicht bewegte Fantasie dich schon krank wähnte. Das sieht wieder deinem kindischen Weiberl gleich, nicht wahr? Daß ich dir nunmehr herzlichst für deine lieben Zeilen danke, brauche ich kaum zu sagen. Nun bin ich ja wieder ganz vergnügt. N.B.: Von den eben erwähnten Thränen hat Niemand etwas zu sehen gekriegt, dieß zu meiner Beschönigung:/. Bei Frau von Fenzl gedenke ich mit Großmutter heute oder allernächstens einen Besuch zu machen. Über Verlobung und Erdbeben war ich gleicher Weise erstaunt. Wegen der Ribisel sage der Rosi, die ich schön grüße, daß sie 2 bis 3 Kilo einsieden kann, daß sie dieselben aber entweder gar nicht passieren soll, oder aber zuerst ohne Zucker überkochen dann passieren und erst den Saft mit Zucker einkochen soll. Sonst bleibt so viel Zucker im Rückstand der Ribisel. Haben dir die Marillenknödel geschmeckt? Nun bin ich schon eine volle Woche hier, ich weiß gar nicht wo die Zeit hinkommt! Gestern habe ich wieder einmal gespielt, was ich mit der Zither machen werde, weiß ich vor der Hand noch nicht, spielen kann ich Alles auf der kleinen Zither ich müßte dieselbe nur wieder herrichten. Großmutter hat oft allerlei Ansichten, wer weiß, ob sie ihre Meinung nicht wieder ändert. Großmutter ist recht wol, ärgert sich auch mitunter, besonders ist das Thema von einer Kindermagt ein ziemlich gefährliches. – Nach dem Grundsatze, daß man selten Jemand kennen lernt, mit welchem man nicht gemeinsame Bekannte hat, kennt Frau v Daler auch deinen Freund Plager in Graz und neulich im Moos traf ich die Gesellschäfterin der Frau v Tschusi, die wieder den Stigner recht gut kennt. Hast du von Ehepaar Kaserer nichts gesehen? – Also, das Reisegeld, glaube ich, zahlt Großmutter, wenigstens sprach sie gestern davon. Wenn ich dich recht verstehe, so darf ich mich morgen auf einen Brief freuen. Vederemo! Heute hätte ich eigentlich Lust zu schwimmen, da es wirklich heiß ist. Leidest du doch nicht recht von Hitze? – Wir wollen heute Tante Alois besuchen, trafen sie aber nicht. – Manchmal überkommt mich eine große Sehnsucht nach dir, du Lieber, mag es hier noch so schön sein bei dir ist’s doch viel schöner. – Und nun behüte dich Gott mein Herzens Franzl behalte lieb dein kindisches verliebtes Weiberl. – Alle grüßen dich auf’s Beste, auch Otto’s Kinder. Paula u Luise hingen gestern wie die Kletten an mir. Die kleine Emilie ist noch nicht recht warm geworden. – Nochmals lebe wol und sei tausendmal geküßt von deiner alten, treuen Fanni. | ||
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| + | FANNI SPÄNGLER (Nr.19) an FRANZ SPÄNGLER (Nr.18): 20.7. [1876] aus „Wien“ [richtig: Salzburg] eineinhalb Bogen Brief: Mein Herzensfranzl! Dein gestriger so lieber und ausführlicher Brief hat mir doppelte Freude gemacht, einmal durch seine Länge, und dann, weil ich ihn nicht zu hoffen gewagt hatte. Also meinen herzinnigen Dank für die lieben Zeilen, in weniger als einer Woche hoffe ich wieder bei dir zu sein. Heute habe ich dir allerlei zu berichten. Erstens folgt die Verrechnung mit, wobei Otto dir bemerken läßt, daß selbstverständlich nur die zweite Seite, wo die 14 fl [Gulden] Kassirrest obenan stehen, dir neu ist. Wie du siehst, hat Otto für dich 20 fl 4 Xr; wenn es dir recht ist, nehme ich dieses Geld mit, nur mußt du dann im September dem Otto das Geld für die Mutter geben. /:Schau, was ich für ein Esel bin:/ [der Brief beginnt auf Seite 2 des Bogens, was sie beim Umblättern bemerkt] Ich meine, es soll dir recht sein wenn ich die 20 fl bringe, da ja im August der fatale Zins zu zahlen ist. Ich bitte dich mir jedenfalls bald hierüber zu schreiben. Die doppelte Hannoverer Ausbeute [Aktien] liegt in Mark bei Otto, ist in die Verrechnung nicht einbezogen, soll ich dir dieselbe auch bringen? – Und nun mein Herzensfranzl muß ich dir auch mittheilen, daß ich von deiner Erlaubniß Gebrauch gemacht, und heute meine Schwester Rosa eingeladen habe, mit mir nach Wien zu reisen, und einige Wochen bei uns zu bleiben. Vater giebt ihr das Reisegeld, wir fahren über Tag, aber dritte Klaße. – Ich habe erst mit Großmutter darüber gesprochen, die, was ich kaum erwartete, ganz dafür war, dann sprach ich mit dem Vater und mit der Mutter. Beide sind sichtlich erfreut. Während ich mit Minna und Maria im neuen Schulhause die oben aufgelegten Zeichnungen ansah, hat Vater der Rosa die Erlaubnis zur Reise ertheilt. Bei meiner Rückkehr fand ich das arme Mädchen zitternd vor Aufregung u Freude. Rosa sieht nicht gut aus, ich hoffe Luftveränderung und Zerstreuung werden ihr gut thun. Du Guter Lieber hast mir ja selbst die erste Idee eingegeben, eine meiner Schwestern mitzunehmen, und ich halte mich wirklich für überzeugt, daß es für Rosa recht gut sein wird. – Ich hoffe, unser Wirtschaftsbudget wird nicht allzusehr belastet werden, da Rosa ein sehr bescheidenes Mädchen ist. Ich habe ihr schon gesagt, daß sie mit unserer Rosi das Zimmer theilen muß, somit macht ihr Ankunft keinerlei Umstände. Sage der Rosi, die ich schön grüße, daß meine Schwester mit mir kommt. und daß ich die Bettwäsche sogleich nach meiner Ankunft hergeben werde, da ich nur um das Nöthige in meinen Kasten zu langen brauche, wo ich sonst eine ganze Beschreibung brauchen würde. Bis wir schlafen gehen ist ja längst Alles in Ordnung. Ich denke, es wird beim nächsten Mittwoch bleiben, mit der Abreise. Großmutter ist schon für den Dienstag vorbereitet, ich habe immer gesagt, daß ich nur 14 Tage Urlaub habe. Großmutter läßt dich herzlich grüßen und dir sagen, daß, falls Rosa und ich dir zu viel Unruhe machen sollten, du nur deine Frau, „die alte Schachtel“ hieher zurück schicken sollst, sie nimmt dieselbe auch auf länger als 14 Tage auf. Was meinst, mein Herzensmann? – Ich habe mit dem Vater auch gesprochen, ob er etwas Eisen für mich für zuträglich hielte, er sagt aber, es sei überflüßig, wenn ich auch nicht blutreich bin, so könne er mich doch nicht blutarm nennen. Ich bin natürlich froh. Ich befinde mich ganz wol, mir fehlt nichts als nur mein lieber Franzl, der eben mein Alles ist. Von den Eltern, Mutter und Otto die besten Grüße. Dich küßt x mal dein verliebtes Weiberl. - Gott sei mir dir. – Eduard Zillner ist schon hier. – Heute habe ich mit Erna Lauser gesprochen, sie war recht lieb, hat mich abermals mit du angesprochen, und ich habe ihr einfach auch du gesagt. – Heute sind wir bei Zillner für den Nachmittag, zuerst will ich zu Fenzl gehen. Salzburg ist noch geflagt, was sich aber bei dem regnerischen Wetter nicht besonders gut ausnimmt. Die Dekoration ist natürlich mir zu Ehren, zufällig ist auch der Kaiser hier. Den neuen Erzbischof habe ich noch nicht gesehen. Die Mutter tituliert ihn auf Ottos Wunsch „hochfürstlich Gnaden“. – Vom Erdbeben hatte ich noch nichts Näheres gehört, war aber nachträglich noch verschreckt darüber. - Mutter ist zufrieden, durch mich von dir zu hören. Nächster Tage kommt ihre Pepi zu Schiestl nach Innsbruck. [auf dem Kopf:] Allen Bekannten u. Verwandten meine besten Grüße. | ||
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| + | FRANZ SPÄNGLER (Nr.18) an FANNI SPÄNGLER (Nr.19): 21.7. [1876] aus Wien ein Bogen Brief: Liebe Fanny! ...Partezettel von Nina Griemauer erhalten; sie ist gestern Früh ihrem Leiden erlegen... Journaldienst... Wirst du Mittwoch kommen?... Es ist doch allein recht langweilig zu Hause u. mein Leben nach dem eines Junggesellen einzurichten habe ich auch keine Lust! Also bleibe nicht mehr gar zu lange weg... von deinem Franz. Rosi grüßt... [nicht alles gelesen] | ||
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| + | FANNI SPÄNGLER (Nr.19) an FRANZ SPÄNGLER (Nr.18): 21.7. [1876] aus Salzburg ein Bogen Brief: Lieber Franz! Heute habe ich eine große Bitte. Fani hat uns angetragen die Rosa mitzunehmen ein zwei Wochen u. da der Vater glaubt, daß das ihr gut thut u. Rosa sich so freut so nehmen wir es an u. plagen Euch so. ich bitte dich aber macht gewiß, wie Ihr sonst lebt nichts anderes, es wäre uns leid, wenn Ihr gestört wäret, es macht so schon eine große Aenderung, auch Rosa läßt dich bitten. Indem wir dich herzlich grüßen verbleibe ich deine Mutter Kathi Sch.[Schlegel] – 23.7. Mein herzlieber Mann! Beiliegenden, beßer gesagt vorstehenden Brief kann ich nicht fortschicken, ohne dir, du Lieber wieder etwas vorgeplauscht zu haben. Vorerst danke ich dir, daß du mir heute eine Karte zukommen liesest, ich [bin] schon gerade wie jener Jude, der sich durch die Überschrift der Adresse von dem Wol der Seinen überzeugte. Eine Korrespondenzkarte von dir wirkt wie ein nervenberuhigendes Mittel bei mir; der Anblick deiner Schrift gibt mir die Versicherung, daß es dir gut geht, und daß du an mich denkst. – Heute hoffe ich wirst du mit Vetter Leopold in’s Fonie [?] gehen, unterhalte dich nur recht gut du Lieber. – Nächsten Samstag machen wir, so Gott will, wieder zusammen einen Ausflug, wie wird das hübsch sein! Du glaubst nicht, wie ich mich wieder freue, dich meinen Herzensfranzl zu umarmen. Ob ich wirklich Mittwoch Salzburg verlaße, werde ich dir endgiltig am Dienstag zu wißen machen, ich habe nicht die Absicht eine Zugabe zu machen, da ich fühle, daß Großmutter sich stündlich mehr an meine Anwesenheit gewöhnt, so daß, je länger ich hier bleibe, desto schwerer für sie der Abschied wird. – Rosa ist sehr glücklich über die Wiener Reise. – Ida Spängler flößt meiner schweren Besorgniß ein, die Ohnmachten wiederholen sich, sogar ein leichter Starrkrampf ist einmal eingetretten. Alles ist sehr in Sorge. - Morgen wollen wir für den ganzen Tag nach Maria Plain. Unsere Mutter fährt auch mit. Plachetka kommen nach. Tante Alois wollte auch mit, doch Idas Befinden hält sie ab. – Heute war Mutter, Tante Alois, Herr v.Zillner und Anna u. Cousine und Pepi Angermayer bei mir. Alle grüßen dich. – Gestern waren wir also wieder im Moos, Frau v.Gattermayer kann bereits allein gehen. – Dr.Zillner sagt, es sei wunderbar, wie diese Frau sich erholt, der Bluterguß hat in der gefährlichsten Parthie des Gehirns stattgefunden. Eingehinderter Trettnisse wegen komme ich nicht zum Baden. Die Luftveränderung mag an der Verfrühung schuld sein. X [auf dem Kopf:] Es küßt dich innig deine treue Fanni. Großmutter grüßt dich. Grüße Rosi. [quer:] Grüße Vetter Leopold und alle Anderen. Dienstag kommt kein Brief von mir. - „Pepi“: Eine Cousine Maria Spängler ist mit Vinc. Angermayer verh., deren Sohn heißt Josef, geb. 1853. | ||
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| + | FANNI SPÄNGLER (Nr.19) an FRANZ SPÄNGLER (Nr.18): 22.7.[1876] aus Salzburg zwei Bogen Brief: Mein liebster Franzl! Sicher hoffend, heute von dir, du Lieber zu hören, beginne ich diesen Brief, um ihn gewiß heute als Antwort auf deine Zeilen noch fortschicken zu können. Ich hoffe, du bist mir nicht böse darüber, daß ich in eigener Machtvollkommenheit Schwester Rosa eingeladen habe zu uns, das Mädchen ist so erfreut darüber, und ich hoffe, sie wird sich mit ihrer stillen anspruchslosen Weise recht gut in unser kleines Heim hineinfügen. Ich bin schon so neugierig welchen Eindruck die Großstadt auf Rosa machen wird. – Vorgestern waren Großmutter und ich bei Frau v.Fenzl. Wir wurden sehr freundlich empfangen, ich glaube es hat Frau v.Fenzl und Frau v.Biragki wirklich gefreut. Sie empfehlen sich dir bestens. Frau v.Biragki sieht sehr gut aus, auch die Kinder, Frau v.Fenzl ist aber immer noch recht angegriffen, und sieht ziemlich übel aus. Daß Koll als Auskultant nach Salzburg kommt, weißt du natürlich. Herzensfranzl, einen innigen Kuß für deinen lieben Brief, den ich vor ¼ Stunde erhalten habe. – Nach Enigl gingen wir zu Zillner, und zwar an der Johannesapotheke vorbei, wo ich mir den Pepi Angermayer holen ließ um ihn zu sehen. Es geht ihm gut, er läßt dich grüßen. Bei Zillner wurde es gemütlich wie immer. Herr von Peterwandl /: der Messerfex [?]:/ kam auch für kurze Zeit, wir waren recht heiter. Eduard hat eine kleine Reich von Wien gebracht, ein allerliebstes 13jähriges Mädchen mit wahren Rehaugen. Emilie Reich bleibt über die Ferien hier. Gestern nach der h.Messe, ich gehe meistens um 8 ½ Uhr in die Franziskanerkirche, machte ich einen Gang über den Friedhof von St:Peter, wo ich mich am Grab unseres guten Vaters [Spängler], an dem der armen Maria Gattermayer und der armen Schlögelhofer in kurzem Gebete aufhielt. Meine arme, verstorbene Mutter [Amalia Kobler, verh. Schlegel] habe ich noch nicht besucht, vielleicht komm ich morgen dazu. Nachmittag war ich bei Schumacher, dann im oberen Hof bei der Wahlin. Maria sieht übel aus, ist häufig leidend, zudem in anderen Umständen. Aus einigen Äußerungen der Emma sehe ich, daß auch ihre Ehe nicht die allervergnüglichste ist. Ihre Kinder sah ich nicht. Emmas Lida ist ein reizendes Geschöpf so klug und zutraulich [Emma Seehofer; Freundin]. - - - Abends waren Großmutter und ich bei deiner guten Mutter eingeladen. Otto u. Luise [Louise Spängler] waren da u. Maria Koch. Alle grüßen dich herzlich. Gestern begegnete uns der Herr Domkapitular Klingler, er war recht lieb mit mir, empfiehlt sich dir. Bei der Mutter war es hübsch und gemütlich wie jedesmal, die Heiterkeit wurde durch das Leiden der armen Ida, welches das Hauptthema des Gespräches bildete, einigermaßen beeinträchtigt. Die Arme ist so schwach, daß das Rücken eines ihrer Kopfkissen sie für mehrere Minuten ohnmächtig machte. Die Krämpfe kehren auch immer wieder. Trotzdem geben die Ärzte Hoffnung, auch Pater Alois aus Steyr, der eben hier ist. – Mit meinem Entschluße, Rosa mit mir zu nehmen, sind Alle sehr einverstanden. Alle gönnen ihr so sehr eine kleine Erheiterung. Vater u. Mutter sind sehr erfreut. Bruder Richard [Schlegel; 1853-1878] ist gestern nach Gmunden abgereist, wo er bei der Materialverwaltung der Eisenbahn eine Stelle bekommen hat. Er hat außer freier Wohnung 50 fl. [Gulden] monatlich, wenn er befriedigt bekommt er mehr und hat dabei die Aussicht, Beamter der Bahn zu werden. Gott gebe, daß es ihm dort gut gehe. Die Stelle im Saullich’schen Cement-Geschäft mußte er durch die Übersiedlung des Geschäftes nach Wien, wobei das Personal vermindert wurde, verlieren. Ich werde mir also vom Otto das Geld geben laßen, schon deshalb, weil ich nicht darauf angewiesen sein möchte, ob Großmutter mir Reisegeld giebt. Ausgegeben habe ich hier etwa 2-3 fl [Gulden], doch muß ich noch für Rosi etwas kaufen, der Theres gebe ich 1 Kilo Käse [?] u. der Luise ein Trinkgeld. Die arme Lina Griesenauer hat also auch vollendet. Schade um das liebenswürdige, talentvolle Mädchen. Per Marie brauchst du mir nichts zu schicken, in wenigen Tagen packe ich ja ohnehin unsere 7 Sachen zusammen. O, wie ich mich auf dich freue, mein lieber Franzl. Wie viel werde ich dir zu erzählen haben. Ich bin fest entschloßen, Mittwoch früh Salzburg zu verlaßen, ich möchte, abgesehen davon, daß ich mich ja so sehr auf dich freue, meine Heimreise schon der Großmutter wegen nicht verzögern, denn ja länger ich hier bin, desto mehr gewöhnt sie sich wieder an mich. Ich ersehe mit Freuden, daß ich dir doch ein wenig fehle, es ist sehr lieb von dir, daß du dein altes Hauskreuz so gern hast. – Doch nun heißt es schließen, wir unternehmen heute abermals eine kühne Fahrt per „Arche Noah“ vulgo Stellwagen, nach Moos. Ach Franzl behalte mich lieb und schreibe bald u viel deinem über den Kopf verliebten Weiberl. – Von Großmutter die schönsten Grüße. Wir grüßen auch Rosi. – Hat sie Ribisel eingesotten? – „Schlögelhofer“: Partezettel für Katharina Schlögelhofer, geb. Miller, Salzburg 1805-2.5.1875. | ||
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| + | FRANZ SPÄNGLER (Nr.18) an FANNI SPÄNGLER (Nr.19): 24.7.[1876] aus Wien ein Bogen Brief: Liebe Fanny! ...Brief erhalten mit Zeilen der Mutter... Leopold Spängler gestern abgereist, vorher zusammen in Schönbrunn; Spingbrunnen, mit Hochquellenleitung gespeist, in bedeutende Höhe springen; schon 14 Tage, dß du mich allein läßt; hoffentlich kommst du bald wieder! Ich freue mich schon auf mein liebes Weiberl! – keine Neuigkeiten, die Wirtschaft geht in Ordnung; ich hoffe du wirst entzükt sein. Grüße... komm bald in die Arme, herzlich liebender Franz. [nicht alles gelesen] | ||
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| + | FANNI SPÄNGLER (Nr.19) an FRANZ SPÄNGLER (Nr.18): 25.7. [1876] Postkarte, Tinte, von Salzburg nach Wien: Lieber Franzl! Fahren Salzburg [mit dem Zug] ab 7 Uhr 42 Rosa [die jüngere Stiefschwester] und ich. „So Gott will also frohes Wiedersehen Abends in Wien“, danke für Brief, Grüße deine Fanni, grüße Rosi. „Jeder Schritt ist Gottes Wille, ist ein Schritt zum Wiedersehen.“ | ||
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| + | Ohne Ortsangabe [Salzburg], 3.12.1876 [zusammengebunden mit den Briefen von 1853; siehe dort] auf einfachem Briefpapier ein Brief des Salzburger Erzbischofs Albert Eder an Nr.18 Franz Spängler, 1839-1912: | ||
| + | „Dilectissime Amice! Das liebe Briefchen dto Wien 15. Nov. [Franz Spänglers Brief] erhielt ich auf meiner Rückreise von Trient am 18. zu Reith bei Brixlegg, woselbst ich am 19. den sonntägl. Gottesdienst und darauf die Spendung der hl. Firmung übernommen hatte. Die Gratulation zu meinem Namenstage traf aber dennoch früh genug ein, weil ich hinfüro [fernerhin] meinen Taufnamenstag den 2.April feiern werde; es ist dieß üblich, wenn ein Ordensmann als Bischof einer Diöcese eingesetzt wird. Am 7.[11.1876] hatte ich die Consekration der Pfarrkirche von Taxenbach, am 8. Firmung in Fieberbrunn, am 9. dto [gleiches] in St.Johann in Tirol, am 10. in Kitzbühel, 11. in Kirchberg 12. zu Brixen im Brixenthal [Brixen im Thale], am 13. zu Westendorf, 14. zu Hopfgarten, am 15. und 16. war ich in Trient auf Besuch des Fürstbischofs v. Riccabona [Benedikt von Riccabona, Bischof von Trient/Trentino von 1861 bis 1879; Trient war Suffraganbistum von Salzburg 1825 bis 1920] und des Bischofs Coadj. Maller, am 16. abends u. 17. bis Mittag in Brixen [Bressanone], 17. abends u. 18. vormittags in Innsbruck. – Am 20. hatte ich die Firmung in Rattenberg, am 21. in Kundl, am 22. in Kösen, am 23. hielt ich [mich] in Saalfelden, am 24. in Zell am See auf, am 25. hatte ich die Firmung in Taxenbach, am 26. in Rauris, am 27. Kirchweih und Firmung in Wildbadgastein, am 28. Firmung in Hofgastein, am 29. dto in Dorfgastein und abends 6 Uhr desselben Tages gelangte ich nach Salzburg heim. Im Ganzen hatte ich 5676 Firmlingen die hl.Firmung gespendet. Te unacum uxore Tua amicissime salutans Deique protectioni Vos commendans perenno. Vobis in Xto addictissimus amicus [Dich samt deiner Frau als sehr guter Freund grüßend empfehle ich Euch dem immerwährenden Schutz Gottes. Euch in Christo gewidmet von dem Freund] F.Al Archiep. 3/12 [1]876. - Anm.: Die genannten Ortschaften in Tirol gehörten damals zur Salzburger Kirchenprovinz. Die Reise, vor allem nach Trient, war sicherlich nur möglich, nachdem die Brennerbahn 1867 eingeweiht worden war. Es scheint eine der ersten, vielleicht die erste größere Reise des am 22.10.1876 neu geweihten Erzbischofs zu sein mit einer bemerkenswerten Fülle von Terminen [entspr. Text von mir in Salzburgwiki.at eingefügt, April 2011, unter „[[Franz de Paula Albert Eder]]“]. | ||
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| + | 1877 | ||
| + | Briefe (rot verschnürt, nicht gelesen) von Nr.37 Antonia Spängler, geb. von Lürzer, 1803-1882, an den Sohn Nr.18 Franz Spängler, 1839-1912, aus Salzburg; zusätzlich mehrfach vom Bruder Otto. Oder umgekehrt von Nr.18 a Otto Spängler, 1841-1919, zumeist über Geldangelegenheiten der Mutter, und zusätzlich dann auch von der Mutter. Ohne Umschläge (einzelne Umschläge sind angegeben). – Vom 28.1.1876 bis 1877 und 26.12.1878; insgesamt 25 Briefe. | ||
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| + | 1877 an FANNI SPÄNGLER (1848-1905; Nr.19): 1.3.1877, Brief aus Salzburg von RICHARD SCHLEGEL [1811-1881, Vater von Fanny]: Liebe Fanny! Ich sende dir hiermit die verlangte Vollmacht, u. Notar Kofler hat mir mitgetheilt, daß das Gericht Leitmeritz ein eigenes Dokument verfaßt habe, wodurch ich als Curator von WiXXenz aufgestellt wurde XXX mit dem Akte erledigt habe, wo ich zum Erlage von 4 fl genöthigt wurde, Franz sagte es mir, daß die von dir angeführte Nachtrags Abhandlung nach der Antonia seiner Meinung nach überflüssig sey, weil Antonia todt ist, mithin nichts mehr erben kann. Ich verstehe von dem Ganzen gar nichts, nur kommt es der Louise sonderbar vor, daß eine so XXX Verlassenschafts-Abhandlung so viel Zeit u. Geld kostet. Was die bestehenden Auslagen betrifft, so überlasse ich das ganz deinem Ermessen, u. wenn du einen Vorschuß haben willst, so gib mir die Summe bekannt. Du verlangst von mir zu wissen, was Lorinser über den Fuß Eures kleinen Mastschweines zu mir gesagt hat, gewiß nichts Anderes als was er Euch sagt, er äußerte sich dahin, daß der Zustand leicht geheilt werden wird, u. zwar hoffe er ohne alle Operation, u. wenn eine solche zur Beschleunigung der Kur wünschenswerth oder nothwendig seyn sollte, so braucht Ihr keine Furcht zu haben, es ist eine Operation die in einer halben Stunde der Operierte schon vergessen hat. Wir freuen uns, daß wir wissen, daß es Euch Allen gut geht, u. Hegenbarth XXX hat gesehen XXX, daß die Rosa sogar sehr dick sey. Uns geht es auch gut, nur die Marie hat mit ihrer Bleichsucht zu leiden, doch geht es auch besser. Lebt wohl u. bleibt gesund, Alle grüßen Euch herzlich, euer alter Vater Richard. | ||
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| + | Briefe [rot verschnürt, nicht gelesen] von Nr.18 Franz Spängler und Nr.19 Fanni Schlegel, verh. Spängler, an die Großmutter Nr.79 Fanny Kobler in Salzburg: Franz Sp. Wien 7.3.1877 „Meine liebe, gute Großmutter!... dein dankbarer Enkel Franz“; Wien 26.12.1878 „Liebe Großmutter!... dein dankbarer Enkel Franz“; Wien 28.2.1881 „...dein dankbarer Franz“. – Fanni Sp. Wien 23.5.1877 „Meine liebe Großmutter!... deine dankbare und dicke [schwangere] Enkelin Fanni Spängler“; Wien 3./4.7.1877 zwei Blätter „...Meine Tochter [die älteste, Franzi, geg. 18.6.] grüßt dich ebenfalls sie würde selbst einige Zeilen beifügen, doch geruht sie dermalen fest zu schlafen.“; Wien 24.2.1878; Wien 6.3.1878 drei Bögen von Franz Sp., dann Rest Bogen 3 und Bogen 4 von Fanni, „Spruch der 4 alten Salzburger Frauen, welche am 2.März 1878 die Versammlung der Salzburger in Wien bei der Goldenen Ente mit ihrem Besuch überraschten... Kamilla v.Mertens [Fanni Schlegels Freundin Camilla heiratet Demeter, den Sohn des Salzburger Bürgermeisters Mertens]... Gabriele Egghofer [Familie Egghofer genannt in einem Brief von 1871 von Franz Spänglers Mutter Antonia]... Fanni Spängler... Marie Spängler [zwei oder mehrere möglich: Marie Spängler, verh. mit Nr.37 a Franz Lürzer von Zehendthal, -1870, oder die Frau des Cousins Dr.Rudolf Spängler, Apotheker, verh. mit Marie Spängler, geb. Weinwurm, 1839-1911 Salzburg]“; Wien 8.7.1878 „Liebe Betti... Liebe Großmutter... Fanni. Franzl grüßt herzlichst; Wien 29.10.1878 eineinhalb Blätter; Wien 4.3.1879; Wie 10.5.1879 ein Blatt, Rest fehlt offenbar; Wien 20.6.1879; Wien 11.7.1879; Wien 2.9. ohne Jahr [1879?] Fanni Spängler und „dein dankschuldiger Enkel Franz“; Wien 3.9.1879 „...dein Betteldirndl.“; Wien 20.12.1879; Wien 3.2.1880; Wien 10.2.1880; beiliegend „Liebe Urgroßmutter [deutsche Schrift] Franziska. Pottenstein 6.3.1887“ [also knapp 10 Jahre alt]. – Keine Verweise bei den anderen Jahreszahlen. | ||
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| + | BETTI KATZINGER [geb. Kobler] an FANNI SPÄNGLER (1848-1905; Nr.19): 20.5.1877, Brief aus Grein: Liebe theure Fanny! Dein letztes herziges Schreiben mit der freudigen Mittheilung deines nahenden Mutterglückes hat mich sehr ja recht sehr erfreut; aber am größten wird meine Freude sein, wenn ich einmahl erfahre, Fanny hat einen frischen gesunden schlimmen Buben oder ein Mäderl bekommen, und hat den Schmerzenskampf glücklich überstanden, Mutter und Kindchen befinden sich wohl, der liebende Gatte ist überglücklich in seiner Vaterfreude“... „wenn du und das liebe Kindchen am Leben bleibt, gewiß wird der gütige Gott unser Aller Gebet erhören.“ ...Wohnungswechsel, deine Schwester; „Das unsere gute Großmutter sich jetzt immer außer den schlechten Augen so wohl befindet, bin ich ebenso erfreut“...; Bräutigam der Ida, die „volle Befriedigung des Herzens“... [eigene] Gesundheit nicht so gut, fühlt sich stets müde, traurig gestimmt, der Mann rät zu einem Arzt, aber kein Vertrauen zu dem hiesigen Doktor, wartet... „welche Freude ich und die gute Großmutter an dir hatten“ „...deine alte treue Freundin Betti.“ Viele Grüße an Schwester Rosa. | ||
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| + | FANNI SPÄNGLER (Nr.19) an FRANZ SPÄNGLER (Nr.18): 26.7.1877; Brief ohne Umschlag, Wien, Fanni an Franz in Salzburg; das kleine Dirndl wird von der Hitze geplagt; trägt eine Schiene geduldig, Rosa [die Stiefschwester von Fanni] weint nicht mehr so viel wie sonst. „Der liebe Gott wird schon alles recht machen, ich vertraue auf ihn.“ [das Kind ist Franzi, die 18.6.1877 geboren wird], nennt das Kind mehrmals „Mastschweinchen“, ihre „Milchproduktion wird immer größer“, sie freut sich. „Rosa grüßt dich, Rosi küßt die Hand“. | ||
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| + | FANNI SPÄNGLER (Nr.19) an FRANZ SPÄNGLER (Nr.18): 29.7. [1877], Brief ohne Umschlag, Fanni in Wien: Franz kommt bald aus Salzburg zurück; ging mit dem Kind auch bei ‚Aprilwetter’ und „stoßweise“ Wind spazieren, nur eine Stunde lang... „Ich bin schon so neugierig, wie es dir gefallen wird, mit unserm Dirndl im selben Zimmer zu schlafen. Ich denke mir, du wirst anfangs ängstlich sein, wenn das Kind schreit, wenn du aber die Überzeugung gewonnen haben wirst, daß es keine Gefahr hat, wirst du dich schon daran gewöhnen.“ Seit zwei Tagen wendet die Kleine, den Kopf, wenn jemand laut neben ihr spricht, ihr Lachen ist nicht mehr so unwillkürlich, wie in der ersten Zeit, „Mastschweinchen“ ist jetzt 6 Wochen alt. | ||
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| + | FANNI SPÄNGLER (Nr.19) an FRANZ SPÄNGLER (Nr.18): 31.7. [1877], Brief ohne Umschlag, Fanni [Wien]: freut sich auf die „Schilderungen“ von der Reise; „Frau Batsy [Name latein. geschrieben, sonst deutsche Schrift] machte mir und der kleinen feierlich ihren Besuch gestern, zum Schluß meiner Wochen.“ „Dann hörte ich die 12 Uhr Messe in St.Stefan. Ich habe für dich und der Kleinen recht herzlich gebetet. Sie schreibt während des Stillens; „Wenn mein Geschreibsel heute noch garstiger als sonst dir vorkommen sollte, so denke, daß Mastschweinchen noch immer sauft.“ „Ich habe schon von dir geträumt.“ | ||
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| + | FANNI SPÄNGLER (Nr.19) an FRANZ SPÄNGLER (Nr.18): 2.8. [1877], 2 Bogen Brief ohne Umschlag, Fanni in Wien: Mastschweinchen schläft; Rosi will heiraten und hat zum 1.Sept. gekündigt, freut sich für sie, hat Kündigung angenommen, „mit Gottes Hilfe werde ich schon wieder ein ordentliches Mädchen kriegen“; „wo Rosa [aus Salzburg mitgekommen] bei mir ist, ist mir gar nicht bange, wir werden mit der Arbeit schon fertig“. Mögliches Hochzeitsgeschenk für Rosi; rede aber in Salzburg „vielleicht gar nichts vom Magdwechsel, sonst gibt es wieder 10.000 Befürchtungen“. – Der Güterdirektor verlangt Wasserzins, sollen 2 fl 40 per Vierteljahr zahlen. – Erfreuliches, „daß Mastschweinchen sehr, sehr lieb u. brav ist.“ Morgen will sie mit Rosa zu Dr.Lorinser fahren, damit er das Füßchen anschaut „und mir sagt, ob ich die Schiene richtig anlege“. Waren im Brünnlebad, die frische Luft hat dem Kind behagt; gehen im Rathauspark spazieren; „Mastschweinchen schickt ein unbewußtes Bußerl“ | ||
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| + | Brief von (Nr.37) Maria ANTONIA SPÄNGLER (1803-1882) an den Sohn (Nr.18) FRANZ SPÄNGLER und an FANNI SPÄNGLER [geb. SCHLEGEL]: Salzburg den 1.10.[18]77: Meine inigst geliebten Theuren! Endlich ist es uns gelungen eine gute Gelegenheit für die gute Großmutter zur Rückreise zu erfragen. Die Fräulein Megenbacher reißt heute, mit einer Damme [!] welche auch nicht allein reisen will hinunter nach Wien, und geht in einigen Tagen wider zurück, da glaubten wir köne die Großmutter ganz gut mit reisen, nur eines muß ich sagen das sie 3 te Klasse fährt, aber ich bin am 28 Februar auch 3 te Klasse nach Wien gefahren und hat mir gar nichts gemacht. Die Fräulein Megenbacher hat die Adresse von Franz und wird Mittwoch zu Euch in die Wohnung kommen um alles weitere zu besprechen. - Am 10- oder 12 Oktober will auch die Frau von Klingler nach Wien reisen, und würde auch die Großmutter mit herauf nehmen aber, ob man da, sachen darauf nehmen kann, wissen wir nicht. Wir freuen uns schon, wen die Großmutter kömmt, damit sie uns recht viel von Euch, und der Kleinen erzählen kann. Jetzt ist auch die Witterung ganz gut zum reisen. Wie geht es Euch meine lieben? bey uns geht es allen gut, nur die kleine Paula ist oft sehr streitig, wir[r], und auch der Doktor glaubt es komme schon von den Zahnmachen, den sie hat kein Fieber, und wen dies vorbey ist, dan schaut sie recht frisch herum und lacht wider. Aber wer dabey sein muß, ist recht bänglich. Wir gehen nun bey dieser schönen Witterung recht fleißig spatzieren. Leopold ist nun glücklich in Hall angelangt. Er hat sich 3 Tage in Hall aufgehalten und 1 Tag in Zell am See, und fühlte sich ganz glücklich. Ropert [!] Spángler ist am Sammstag früh nach Wien abgereist, der wird Euch auch einmal besuchen. Hermman [!] wird auch den 10 gehen. Diese Jungen Leute haben es gut sie haben eine menge Verwante unten und könen bald dort, bald dahin gehen. Lieber Franz ich danke recht sehr für den Beytrag für meinen Lebensunterhalt. Lebt recht wohl ich möchte gerne den Brief recht bald der Post übergeben damit er so bald als möglich in Eure Hände gelange, damit sich die Großmutter zusammen richten kann. Gottes Segen sey mit Euch allen, bethen thue ich gewiß fließig für Euch. Mit aller Liebe Eure Euch treu liebende Mutter Spángler – An Alle viele herzliche Grüße, der kleinen Fany ein kräftiges Bußerl. - „kleine Fany“: Die älteste Tochter, Nr.9 a, Franziska Spängler, ist am 18.6.1877 in Wien geboren, siehe auch folgenden Brief vom 17.11.1877. | ||
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| + | 11.10.1877, Brief; Umschlag dazu [?] Marke herausgeschnitten, Stempel undeutlich bzw. abgeschnitten: Salzburg und Mödling, Siegel „Dr. R. S.“. Von Nr.38 RICHARD SCHLEGEL (1811-1881) an Nr.18 FRANZ SPÄNGLER (1839-1912): Lieber Franz! Du hast mir erlaubt die Akten betreffend der Verlassenschaftshandlung nach dem Tode meiner Mutter dir schicken zu dürfen, um das Nothwendige befragen zu können. Ich verstehe von dem ganzen Verlauf der Dinge gar nichts, ich weiß noch heute nicht, warum ich ans Gericht in Leitmeritz 40 fl schicken mußte, u. wie u. wann ich zu diesem Geld wieder kommen werde etc. etc. Notar Kofler hat 2 Jahre gebraucht, um das zu erreichen, was ich dir hiemit sende. Nun ist diese langsame Procedur hauptsächlich deshalb sehr unangenehm, weil ich von den Kindern meines verstorbenen Bruders alle Augenblick um die Erbschaft geplagt werde. Sey also so gut, lieber Franz, u. thue das Nothwendige. – Daß die Großmutter gut angekommen ist, wißt Ihr aus der Correspondenzkarte der Kathi [Richard Schlegels zweite Frau Katharina Arrigler], sie ist sehr zufrieden u. schwärmt in der Erinnerung an ihren Aufenthalt bei Euch, ist ganz verliebt in Eure Dirndel, beschreibt mir dasselbe als außerordentlich schön u. intelligent, nurr darf ich nichts nach dem Mastschweinerl fragen [so nennen die Eltern selbst ihre Tochter]. Bei uns ist alles so ziemlich im gleichen Gange, nur bin ich gegenwärtig von meinem Emphysem [Lungenbläschenblähung] mehr geplagt, und durch den schnellen Uibergang zum Winter bedingt sind. Seit 24t. September muß bei mir geheizt werden. – Sey nicht böse, lieber Franz, daß ich deine ohnehin so knap zugemessene freie Zeit mit meiner Angelegenheit verkürze. – Bleibet gesund, zufrieden seyd Ihr ja. Alle grüßen Euch auf das herzlichste durch Euren alten Vater Richard. Salzburg am 11t.Oktbr 877. - [Auf der Rückseite mit Bleistift von der Hand von Franz Spängler?:] Vater gest 1845 / Vinzenz Curator & Rich / Josef + Henriette u. Clara / Antonia + gest Leitmeriz 8/10 1872 / Blure [?] + Wien VIII 5/10 1854 / Therese + Wien Mazleinsd[orf] 9 Jul 1856 / Friedrich gest Olmüz 22/8 1850 BgHer Leiter [?] – Namen und Daten offenbar aus der Familie Schlegel, Geschwister von Richard und deren Nachkommen, deren Einzelheiten ich bisher (bis auf „Vater gest 1845“) nicht näher deuten kann. – Dabei: Briefumschlag dito „[empfangen] Mödling 19.12.73“ mit kurzen Notizen von Franz Spängler „5/2 1868 8/2 1868...“ – Ebenfalls dabei: Briefumschlag, grob aufgerissen, an Franz Spängler, Mödling, ohne Datum, Marke abgelöst, Stempel „[Wie]n“ [?] mit kirchlichem Siegel. | ||
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| + | Brief von (Nr.37) Maria ANTONIA SPÄNGLER (1803-1882) an den Sohn (Nr.18) FRANZ SPÄNGLER und an FANNI SPÄNGLER [geb. SCHLEGEL]: Salzburg den 17.11.[18]77: Meine inigst geliebten Theuren! Herzlichsten Dannck meine lieben für Euer theures Schreiben, und Erinnerung zu meinen 51 te Hochzeitstag- eine schöne Zeit- -. Wie viel Schmerzliches- - aber auch wie viel angenehmes- und wohlthuendes, hat sich mir entfaltet, Gott seys gedannckt, ich sehe deutlich, der liebe Gott ist mit mir,- Er schenckt mir die Ruhe, und Zufriedenheit, welches einem über vieles hinieber hielft. Ich empfehle uns Alle unendlich, Täglich den lieben Gott, arbeite was ich kann, und so lebe ich fort, bis der liebe Gott mich ruft; und dann wirds, so Gott will, auch recht werden. Wie leid thut es uns, das mein- und Ottos Luise [Briefe], sind verloren gegangen, wir haben gewiß schon vor 14 Tagen geschrieben, jedenfall habe ich am Allerheiligen Tag angefangen zu schreiben, und bis Otto die Rechnung fertig brachte und den Brief fortschükte wurde es dan 3 te November. Ich habe so viel geschrieben das jedes kleine Fleckerl benützt geweßen Habe dir lieber Franz recht herzlich gedannckt für die Photografien, und für den Rock welcher mir zum Tepich strücken [!] sehr gut taugen wird [Arbeitsrock?]. Wie unendlich freue ich mich das die Kleine so gut gedeiht, die muß nun schon allerliebst sein, den die Brustkinder entwückeln sich gewöhnlich schneller, ich stelle mir sie so vor, als wen sie den ersten Kinderln gleiche, die war ja ganz so lieb. Jetzt hat sie gerade das Alter, wo sie jeden Tag neue Liebenswürdigkeiten entwükelt. - Das Buch habe ich herauß gesucht, Otto wird es heute schücken, Wegen der Ida Schantl [?], habe ich Euch auch eine menge geschrieben im letzten Brief, die arme ist glaube ich schlecht daran, er hat kein Vermögen, sondern wie man hört Schulden, sie hat 1000 fl [Gulden] hergenohmen um sich die Außstattung herzurichten, nun darf sie sehen was sie bekömmt wen sie die Sachen verkaufen will, niemand wird etwas kaufen, weil die Leute sich so fürchten, Die Rothnerischen wo sie einen Hut für Ida richten mußten hat die Platern [Blattern] bekommen und die Pepi bey Pipan, welche ihr das Kleid ändern mußte, bekam auch die Platern, und eine Person welche ihr, im Hauß eine Kleinigkeit besorgte, bekamm sie auch, also kann man leicht denken wie sich alles schweut, etwas zu kaufen. - Otto glaubte er müße diesertage nach Wien reisen, aber die Sache hat sich so wider außgeglichen, dermalen geht er nicht, aber ich denke es wird doch nicht lange dauern bis er hinunter geht. Lebt recht wohl ich muß schließen damit das Buch weg kömmt. Mit Tausend Küßen und Segnungen küßt Euch herzlich Eure treue Mutter Antonia Spängler [mit „ä“]. Fany küße ich herzlich so wie ich Rosa freundlich grüße. Von allen hier viele herzliche grüße, auch von der Großmutter welche sich so pasabl befindet. - „die Kleine/das erste Kinderl“: Wohl im März 1876 hat Fanni Spängler ein Kind, das (namenlos) stirbt (in den Briefen vom Dezember 1875 und März/April 1876 genannt); die älteste Tochter, Nr.9 a, Franziska Spängler, ist dann am 18.6.1877 in Wien geboren. | ||
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| + | 1878 | ||
| + | Briefe (rot verschnürt, nicht gelesen) von Nr.37 Antonia Spängler, geb. von Lürzer, 1803-1882, an den Sohn Nr.18 Franz Spängler, 1839-1912, aus Salzburg; zusätzlich mehrfach vom Bruder Otto. Oder umgekehrt von Nr.18 a Otto Spängler, 1841-1919, zumeist über Geldangelegenheiten der Mutter, und zusätzlich dann auch von der Mutter. Ohne Umschläge (einzelne Umschläge sind angegeben). – Vom 28.1.1876 bis 1877 und 26.12.1878; insgesamt 25 Briefe. | ||
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| + | 17.7.1878 aus Salzburg, ebenso 20.7., 27.7., 30.7., siehe: „1882“ | ||
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| + | 18.3.1878, gedruckte Todesanzeige RICHARD SCHLEGEL [geb. 1853, ein Halbbruder von Fanni], Handlungs-Commis. Salzburg, Katharina Schlegel, geb. Arrigler, als Mutter; Dr.Richard Schlegel, Stadtarzt, als Vater; sieben Geschwister. | ||
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| + | 1879 | ||
| + | Briefe (rot verschnürt, nicht gelesen) von Nr.37 Antonia Spängler, geb. von Lürzer, 1803-1882, an den Sohn Nr.18 Franz Spängler, 1839-1912, aus Salzburg; zusätzlich mehrfach vom Bruder Otto. Oder umgekehrt von Nr.18 a Otto Spängler, 1841-1919, zumeist über Geldangelegenheiten der Mutter, und zusätzlich dann auch von der Mutter. Ohne Umschläge (einzelne Umschläge sind angegeben). – Vom 25.2.1879 bis 1880 und 23.10.1881; insgesamt 20 Briefe (3 aus Baumkirchen). | ||
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| + | 11.3.1879, Brief ohne Umschlag [Salzburg] von Nr.38 RICHARD SCHLEGEL (1811-1881) an Nr.18 FRANZ SPÄNGLER (1839-1912): Lieber Franz! Ich besitze gar Nichts, was auf meine verstorbenen Eltern u. Geschwister Bezug hätte, was da war habe ich dem Notar Kofler übergeben u. das alles ist jetzt in deinem Besitz. Fritz ist von Leitmeritz nur zum Militair abgestellt worden, zu welcher Zeit er bei den Eltern lebte, der Vater ist ein geborener Leitmeritzer u. als pensionierter Oberarzt dort gestorben. Der Bruder Vincenz ist im Jahre 1807 in Theresienstadt geboren. – Die Mutter ist in Bemisch Leippa [Böhmisch Leipa] geboren, ihre Eltern sind aber nach Theresienstadt überzogen, wo der Vater sie geheirathet hat. Unterstützung von der Gemeinde Leitmeritz hat sie nie eine gehabt. Ob nach dem Tode der Geschwister Verlassenschaftsabhandlungen gepflogen wurden oder nicht, ist mir unbekannt, es läßt sich aber leicht denken, daß die betreffenden Akten als werthlose Papiere beseitigt wurden, da sie Alle ohne Vermögen gestorben sind. – Lebet wohl u. bleibt gesund, die herzlichsten Grüße von uns Allen u. Euch allen. Wir freuen uns immer sehr, wenn wir von den Kunststücken der Franzl etwas zu hören bekommen, ich hoffe, Rosa wird fleißíg berichten. Euer Vater Richard 11/3 79. - Nr.76, der Vater von Richard, Franz #Schlegel, geb. 1769 in Leitmeritz in Böhmen, ist Wundarzt und Oberarzt beim Fürstl. Reuss Plauen Infanterie Regiment; der Sohn, Nr.38, Richard Franz Schlegel, ist 1811 in Theresienstadt geboren. Fritz und Vincenz müssten verstorbene Brüder von Richard sein. – Die Mutter: Nr.77 Maria Theresia Heygel, geb. 20.10.1783 in Böhmisch-Leipa. | ||
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| + | FANNY KOBLER an FANNI SPÄNGLER: Salzburg am 24te Juni 1879. [darüber:] Ausgehen kann ich noch nicht allein./ Liebe Fanni. Wie ich deinen ersten Brief gelesen habe, dacht ich mir wie wäre es den möglich die Fanni mit ihren zwey lieben Kindern abzuweisen [?] und ich ging zur Lida [Guttenberg] und bath sie dir zu schreiben du sollst nur kommen, und wie freue ich darauf wenn du komst. Deinem Mann den ich schnüsten [am schönsten?] grüße/ sag ihm er möchte nicht pöse seyn auf mich; das ich ihn dießmal nicht beherbergen kann. Der Lida ihr Mäthen [Mädchen] erinert mich sehr an dein Franzi. Küß deine Kinder für mich. Lebt alle recht wohl, das ist der inigste Wunsch deiner Großmutter Fanni. - Grüße Opa [?]. | ||
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| + | FANNI SPÄNGLER (Nr.19) an FRANZ SPÄNGLER (Nr.18): 20.7.1879, Brief ohne Umschlag, Fanni in Salzburg: keine „Reiseabentheuer zu berichten“, Kinder schlafen (im Zug), „Franzi erwachte in Attnang und war von da an kreuzfidel“; bei der Großmutter untergebracht, die Schwestern [Stiefschwestern von Fanni] helfen „in jeder Hinsicht“, in Salzburg Fr.v.Kaserer samt Sohn getroffen, auf dem Weg nach Saalfelden. 9 Uhr in St.Peter bei der hl. Messe, „Franzi war recht brav“, Toni war auf dem Arm der Mutter, da diese sie nicht hinlegte, hat sie sie nass gemacht; „Großmutter entsetzt sich einigermaßen über unseren Hunger“; „die Luft wird uns Allen gut thun. Eben regnet es wieder.“; Franz soll einen Bekannten aus Salzburg in Wien beim Kauf einer Zither beraten, eine Halb Palisander Zither. - „Den Coupon ließ ich mir von Otto auszahlen“; Franz soll Stoff für Rosa kaufen; „Heute über 3 Wochen sind wir mit Gottes Hilfe wieder beisammen“; „Es küßt dich 100 mal deine Alte“ „Bußl von Franzi“ „Franzi und Toni schicken dir viele viele Bußerl. Kom bald nach Salzburg.“ | ||
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| + | FANNI SPÄNGLER (Nr.19) an FRANZ SPÄNGLER (Nr.18): 24.7. [1879], Brief ohne Umschlag: [Franzi ist knapp 2 Jahre alt:] „will immer bei ‚den Tanten’ sein. Madi jetzt den Vater schreiben: Lieber Vater komm bald zur Mutter und zur schlimmen Franzi und zu den schlimmen Tanten u. Toni [jüngere Schwester Toni, geb.30.3.1879; Nr.9 b]. Ich ein Bußi schicken. Behüt Gott, lieber Vater. Deine Franzi. Bußi [im Kreis]“... „Montag waren wir bei Luise [Louise Spängler], Franzi hat recht nett mit den Kindern gespielt, Toni lag meistens auf dem Bette der kl. Emilie und strampelte und lachte.“ Die Großmutter ‚entsetzt’ sich, dass Toni „so viel Freiheit für ihre Füßchen beansprucht“ und bemüht sich vergeblich, „die kleine Unruhe hübsch ordentlich in Flanell zu hüllen, aber ohne Erfolg“. – „Es ist schwer, die Kinder bei Otto [Spängler, Bruder vom Franz] sollen nichts vom Stillen wissen, so muß ich jedesmal mit Toni verschwinden, wenn ihr der Hunger kommt.“ „Der kleine Rudolf ist ein sehr starkes, hübsches Kind, doch wird er sehr viel wärmer gehalten als unsere Kinder, und was mich ganz besonders wundert, er hat einen Schnuller, ganz kunstgerecht nach alter Sitte gefertigt. Ich glaube, Luise [Louise Spängler] kam neulich ein wenig in Verlegenheit, als ich dieses Überbleibsel früherer Zeiten bemerkte. Die kleine Bertha ist etwas kleiner als Franzi, und spricht weniger deutlich...“ – „Bisher hat Großmutter mich noch nie etwas zahlen laßen, es wird auch ganz zu Hause gekocht, einfach aber vollständig genug.“ Hat aber Kaffee zum Frühstück aus Wien mit... Franz soll das der Anna [wohl die neue Magd] sagen, braucht evtl. noch Kaffee aus Wien... über Geld, sie kann ihm [!] schicken, kann mit Otto darüber sprechen... Großmutter (ist froh über) den Regenmantel [vgl. Brief von Otto Spängler] und grüßt. | ||
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| + | FANNI SPÄNGLER (Nr.19) an FRANZ SPÄNGLER (Nr.18): Salzburg 31. Juli 1879./ Mein Herzensfranzl! Wie sehr ich mich nun schon auf dich freue, kann ich dir nicht sagen. Noch 10 Tage, und dann wirst du, Lieber, doch wenigstens in demselben Bete mit mir sein, wenn schon nicht so bei mir u. den Kindern wie ich es gerne hätte. Nun, hoffentlich wird der Herr Doctor uns doch öfters die Ehre seines Besuches gönnen? Heute also bekam ich das Paket, und Rosa und ich danken dir für deine Mühe 1/8. Mutter hat Freude an dem Stoffe; Rosa dankt für die Bestellung zugleich auch für deine Namenstags gratulation, welche, da Rosa am 30: Aug: ist, sicherlich bald genug dran ist. Rosa hofft, doch im Laufe des kommenden Monats einmal mit dir sprechen zu können. - Deine Mutter war so gut mich schon für Sonntag den 10/8 mit den Kindern zu Mittag zu laden, so daß wir gleich am 1. Tage zusammen sein können! O, wie ich mich auf dich freue! - Uns geht es immer gut, die Kinder sehen Gottlob gut aus. Ich gehe aber auch an die Luft, so viel ich nur kann. Gestern sprach ich einen Augenblick mit Hr: Kalhofer [?], er ver[r]eist am 11./8. Hiermit sende ich dir das verlangte Sparkassen/buch, und erinnere dich bei dieser Gelegenheit daß du die Bücheln unsrer Kinder hierher mitnemen wolltest. Wie steht es denn mit dem Geld? Ob Großmutter unsere Zulage bekommt, weiß ich noch nicht. Soll ich dir durch Otto Geld schicken? Ich habe jedenfalls genug hier, bis du kommst, auch mal länger. - Sei doch so gut und sage der Anna, sie soll die Bettwäsche, worin Dr: Pohl geschlafen hat, ausschwemmen dann überbügeln und wieder auf das Bett geben. Dann soll Anna dir eine Büchse gebrannten Kafe mitgeben, mein Vorrath erreicht sein Ende, bis du kommst. Übrigens grüße ich Anna sowie alle Bekannten. Das Feuilleton über den Kuß finde ich eigenthümlich, ich habe gleich der Franzi ein wolüberlegtes Bußerl gegeben nur des Studiums wegen. Auch ich freue mich auf einige wolstudirte K.... - Heute gehe ich mit deiner Mutter zur Überfuhr. Es ist jezt sehr heiß hier. - Großmutter die dich grüßt, läßt dich bitten, ihr von Wien um 20 bis 30 f [fl: Gulden] Weinscharlzukerl [?] zu bringen, sie behauptet, sie bekomme hier keine, die einen ordentlichen Geschmack haben. Sei so gut und sieh ob du bei einem Konditor oder in einer Apotheke welche bekommst, die ziemlich säuerlich schmecken. Haben sie solche Sachen nicht auch beim schwarzen Hund? Sei nicht böse wenn ich schließe/ Toni wird unruhig. - Es küßt dich deine Alte - - Lieber Vater - Kom bald zu uns Franzi und Toni freuen sich sehr so sehr auf dich XXX [‘Unterschrift’] - Die älteste Tochter Franzi ist 2 Jahre alt, ihre Hand wurde offenbar zu einer etwas krakeligen Schrift geführt; Toni ist vier Monate alt. | ||
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| + | unbekannte Briefschreiberin an FANNI SPÄNGLER: Grein am 5. Dezb. [18]79. [Monogramm: BK] Liebe gute Fanni! Sei so freundlich und entrichte nebst vielen Grüßen von mir und meinem Mann an Deinen Hr. Gemahl unsere besten aufrichtigsten Glückwünsche zu seinem Namensfeste. Möchtet ihre beyde sammt Euren herzigen Mädis stets recht gesund bleiben und froh und zufrieden dieß wünsche ich vom ganzem Herzen. - Heute erhielt ich von der guten Großmutter einige recht herzliche Zeilen, welche mich sehr erfreuten; ich bewundere daß sie so hübsch schreiben kann, so ganz ihre festen Schriftzüge wie sonst, dieß ist gewiß ein rechtes Glück was ich ihr so recht vom Herzen gönne, auch sonst ist sie außer dem fatalen Herzklopfen Gott sei dank gesund, der Theres geht es auch beßer schrieb sie mir, nur jetzt seit es so kalt ist, hat sie wieder öfters Schmerzen; der Winter hat halt so manches Unangenehme in seinem Gefolge. Uns geht es bis jetzt doch noch ziemlich gut, nur ich habe ein krankes Auge, doch wird es zum Glück schon etwas beßer. - Ich weis nicht ob Du Dich noch erinnern kannst liebe Fanni, an eine Verwandte von uns die Gerharlinger Fanni von Rind welche lange Zeit in Salzburg beym Bruder Paul war als er auch das Kaffeehaus hatte, sie war eine hübsche Brünette/ hat vor 5 Jahren einen Buchbinder Namens Beib [?] in Rind geheirathet war recht glücklich hatte ein Mädchen und 1 Knaben, und vor 8 Wochen ist sie wieder mit einem Mädchen entbunden ging alles gut vorüber/ sie hat sich aber dan zu wenig geschont und verkühlt und ist am 9.te Novb. gestorben. Die Kobler Paulin ist auch in Folge des Wochenbettes am 13.te Novb. gestorben so auch das Kind ein Bub, ihr Mann der Wechselwächter [Bahnwärter] in St.Johann in Tyrol ist hat mir geschrieben er bittet wir sollten uns seines 6 Jahre alten Mädchens Luise annehmen, weis sich mit dem Kind allein nicht zu helfen. So sehr mir das arme Kind erbarmt, so gen [?] traue ich mich doch meinen Mann nicht zu bitten und ihm diese Last aufzubürden, den wir haben ja selbst nichts Uebriges, und er müßte sich doch manche Entbehrung auferlegen, wenn er auch noch für ein Kind sorgen müßte, dan sind wir auch beyde schon so alt, aber der Haupthemmschuh ist das Geld. Mir thut das Herz weh wenn ich an das arme mutterlose Wesen in dem Wächterhäuschen denke, und bete täglich Gott möge sich derselben erbarmen; wenn es nur die Greisbergerischen in Salzburg die ebenso nahe verwandt sind zur Paulin wie ich, und auch keine Kinder haben, sich des kleinen Mädchens annehmen möchten, die könnten es leichter thun wie wir, da sie sehr wohlhabend sind! Die arme Paulin hat sehr viel Elend und Noth ausgestanden, und für ihren Leichtsin gewiß genug gebüßt, sie verlohr nichts am Leben, den sie hätte kaum noch ein beßeres Loos zu hoffen gehabt - aber das schuldlose Kind ist sehr zu bedauern. Du glaubst nicht liebe Fanni wie sehr mir das traurige Geschick Pauls und seines Kindes schon das Leben verkümmerte - was ich thun kann um ihm hie und da eine kleine Unterstützung zukommen zu laßen thue ich wohl, aber es hilft halt nicht viel, im Herbst war er einige Wochen in Steyeregg bey Wilhelm, da konnte er sich wieder ein wenig erholen und doch täglich satt essen - Wilhelm thut recht viel für ihn, aber ganz erhalten kann er ihn auch nicht den er hat ja selbst 3 Kinder. Wilhelm hat seinen größeren Buben Hans der 12 Jahre alt ist, im Herbst nach Linz gegeben wo er die Bürgerschule besucht, der Bub macht ihm viel Freude weil er so brav lernt. Gott gebe daß er so fortfährt in seinem Fleiß und auch sonst brav wird, Hans war und ist immer mein Liebling von meines Bruders Kindern! Kürzlich habe ich in der Zeitung gelesen, daß in Wien so viele Kinder an den Masern erkrankt sind, im vorigen Jahr herschte in Grein diese zwar nicht gefährliche aber immerhin unangenehme Krankheit/ Gott gebe das Deine 2 Lieben herzigen Mädi welche ich vielmahls küße, davon verschont bleiben. Bin recht begirig wenn Du mir einmahl schreibst ob Du schon ein Hemd gemacht, und ob es zur vollen Zufriedenheit Deines gestrengen Herrn Gemahls ausgefallen ist? Das Du ein so gute Nähmaschin bekommen ist ein Glück das ich Dir sehr gönne, mich hat meine Maschin die ersten Jahre sehr oft segiert [sekiert, geärgert] und viele Thränen gekostet, jetzt bin ich zufrieden damit, wir haben uns nun schon zusammen gewöhnt. - Von meinem Leopold soll ich Dir viele Empfehlungen schreiben, Deine gute Schwester Rosa grüße vielmahls von mir, ich hoffe und wünsche das es Euch Allen recht wohl ergeht, denke sehr sehr oft an Alle besonders an die mir so sehr liebe Franzi! Lebe wohl gute theure Fanni, es küßt Dich innig Deine aufrichtige Betti. - Briefschreiberin Betti Katzinger [siehe unten]; in einem Brief 1871 ist „Betti“ genannt (siehe oben), ebenfalls 1880 (siehe unten). - Eine Tuschzeichnung auf Pergament unbekannter Herkunft liegt bei der Korrespondenz: Dr.Franz Spängler, ca.1880, als Kopf des österr. Doppeladlers, mit dem ‘Corpus Juris’ als Schild, umrahmt von vielen kleinen Kindern; in den Klauen das k.k. Bezirksgericht in Ottaking (Wien) und das k.k. Bezirksgericht in Pottenstein. Franz Spängler wird 1880 Bezirksrichter in Pottenstein an der Triesting (Nieder-Österreich). - Auf einer herausgeschnittenen Buchseite (bei den Briefen der Fanny Kobler) schreibt Fanny Kobler: „Die gute Betti Katzinger ist den 10ten August 1881 in Grein an der Donau gestorben.“ Betti ist die Tochter von Fannys Cousine. - Wilhelm Kobler in Linz ist Bettis Bruder, Fannys Neffe. | ||
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| + | Briefe [rot verschnürt, nicht gelesen] von „Betti“ = Betti #Katzinger = „Betti Kobler Tochter meines Vater Bruder“ (Fanny) = Fanny Koblers Cousine, verh. Leopold Katzinger, gest. 10.8.1881 in Grein, an Nr.79 Fanny Kobler; Umschlagpapier mit Fanny Koblers Schrift „Briefe von der Betti“; Betti schreibt sie ebenfalls als „Großmutter“ an: „Grein an der Donau“ (Prägestempel auf dem Briefpapier) 27.8.1879 (Doktor Kerschbaumer hat Fannys Augen operiert); 25.10.1880; 21.12.80 (Briefpapier „B.K.“; Brief mit 30 Gulden erhalten, sie und Leopold danken; Dr.Schlegels Krankheit zieht sich in die Länge; Leopold Katzinger fügt an für „hochverehrte Frau Tante“ mit Handkuss); 10.3.1881 (dankt für 20 Gulden; lässt Familien Schlegel, Schneeburger, v.Klausnitz, die Theres und die Lisi grüßen... Betti Katzinger); 10.4.81 (Betti alt, kein Blut und mager geworden; Wilhelm musste viel Geld bezahlen, Bräuhaus in Steyeregg; grüße die Schleglischen, Frau Mutter Spängler); Steyeregg 8.6.81 (die Krise hat mich sehr angegriffen, beide Lungenspitzen sind angegriffen, langes Kranksein schrecklicher als baldiger Tod, musste meinen Bruder bitten, dass er mir das Goldkettchen, welches ich von der Mutter habe, für 40 Gulden abkauft, teuere Medikamente, eine Flasche „Gleichenbergerwasser“ [aus Bad Gleichenberg, Steiermark] kostet 25 Kreuzer, und ich muss vielleicht 60 Flaschen oder gar mehr trinken; grüße Schlegel, Mutter Spängler... deine arme unglückliche Betti Katzinger); 14.6.81 (Dank für großartige Unterstützung, 40 Gulden, deine wohlthätigen Hände, Gleichenberger Wasser mit Milch, grüße Schlegel, Frau v.Spängler, Schneeberger, Clausnitz, Laschensky, Theres und Lisi, deine dankbare Betti Katzinger); Postkarte 25.6.81 (Frau Fanni Kobler, Privatiere, Salzburg Alter Marktplatz No 10. II Stock; Besserung langsam vorwärts, schwach bin ich freilich noch, habe 18 Flaschen Gleichenberger Wasser getrunken, soll 30 Flaschen trinken); Postkarte 19.7.81 (Fanny will nach Pottenstein reisen); von anderer Hand, Karoline Kristlbauer [?], Grein 21.7.1881 mit der Todesnachricht (Hochgeehrte Frau! Mitt großem Bedauern...). | ||
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| + | 1880 | ||
| + | Briefe (rot verschnürt, nicht gelesen) von Nr.37 Antonia Spängler, geb. von Lürzer, 1803-1882, an den Sohn Nr.18 Franz Spängler, 1839-1912, aus Salzburg; zusätzlich mehrfach vom Bruder Otto. Oder umgekehrt von Nr.18 a Otto Spängler, 1841-1919, zumeist über Geldangelegenheiten der Mutter, und zusätzlich dann auch von der Mutter. Ohne Umschläge (einzelne Umschläge sind angegeben). – Vom 25.2.1879 bis 1880 und 23.10.1881; insgesamt 20 Briefe (3 aus Baumkirchen). | ||
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| + | 27.1.1880, Brief ohne Umschlag [Salzburg] von Nr.38 RICHARD SCHLEGEL (1811-1881) an Nr.18 FRANZ SPÄNGLER (1839-1912): Lieber Schwiegersohn! Mich freut es sehr, daß ich mit deinem Briefe sehe, daß diese Abhandlung über ein so großes Vermögen ihrem Ende entgegen geht. Daß der Vormund Weihs so dumm war mit seinem Streben wenigstens noch einige Zeit nicht warten zu wollen, ist wieder eine kleine Abwechslung. So viel ich weiß, ist die Mutter dieser beiden Mädchen auch schon vor mehreren Jahren gestorben, u. werden diese Mädchen sicher noch in Traismauer leben, ich stehe mit ihnen in keiner Corespondenz. Ich fühle mich zu einem Vormund gar nicht geeignet, u. weiß auch Niemanden, den ich für diese Stelle vorschlagen könnte. - Daß die Schwiegermutter [wohl N.N.Arrigler] recht krank war, hat Euch die Kathi [Katharina Arrigler, -1911, Richard Schlegels zweite Frau] geschrieben, es geht ihr jetzt ganz gut; die hatte eine Lungenentzündung linkerseits, u. es ist merkwürdig, daß dieser Prozeß bei dem hohen Alter so schnell u. günstig abgelaufen ist, als Anfang zu dieser Krankheit hatte ich mit ihrem Gehirn zu thun, sie war die letzten 8 Tage ganz wie eine Irrsinnige u. ist ihr Gehirn erst seit zwei Tagen wieder frei. – Mich freut es sehr, daß Euere Kinder so gut gedeihen u. daß es Euch gut geht, ich hoffe daß Ihr im Herbst wieder einen Ausflug nach Salzburg machen werdet, nach Wien werde ich wohl schwerlich mehr kommen, ich brauche das Geld zu anderen Auslagen, denn meine Einnamen [als Arzt, 69 Jahre alt] werden immer kleiner u. meine Ausgaben immer größer. Lebet wohl u. bleibt gesund. Die herzlichsten Grüße von Allen Euer Vater Richard 27/1 880. – „Abhandlung“ siehe übernächsten Brief. | ||
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| + | 4.3.1880 und ff. siehe: Briefe 1872 bis 1887 | ||
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| + | FANNI SPÄNGLER (Nr.19) an FRANZ SPÄNGLER (Nr.18): Salzburg 21. Juli 1880. [darüber, verkehrt:] Dank für deine Karte/ Lieber Mann! Ich hatte dir gestern eine Karte schreiben wollen, damit du schon heute Näheres über unsere Reise erfahren hättest, doch war es mir nicht möglich, da ich doch meine Sachen so viel als möglich in Ordnung bringen wollte, was mir auch ziemlich gelungen ist. Unsere Fahrt ist ganz außerordentlich gut von Statten gegangen, das Coupé wurde nicht weiter besezt und von Linz an hatte ich das Glück, mit den beiden Kindern allein zu bleiben bis hierher, so war ich also sehr bequem dran, habe mich auch hingelegt zum Schlafen. Die Kinder waren sehr brav, Toni erwachte in Breiten/schützing, Franzi erst in Attnang, dann hielten wir fröhlich Frühstück, und kamen wohlbehalten mit 1/2 stündiger Verspätung in Salzburg an, wo uns Rose u Minna in Empfang namen. Hier wurden wir sehr freundlich empfangen, Großmutter welche sehr gut aussieht, hat heuer große Freude an den Kindern; deine Mutter, die dich herzlich grüßt, findet Franzi sehr groß, Toni gefällt ihr aber besonders gut. Heute war ich bei deiner Mutter und wollte auch Schwägerin Luise [Louise Spängler] besuchen, traf sie aber nicht daheim. Franzi befindet sich sehr wol, besonders bei den Tanten, die auch ganz glücklich über die Kinder sind. - Dem Vater geht es Gott sei dank, wieder recht gut, er sieht wunderbar gut aus, und machte mir gestern die Freude, mich zu besuchen. Die Kinder sind recht freundlich, Franzi ist auch gar nicht scheu, nur nimmt sie weder von deiner Mutter noch vom Großpapa etwas zu essen an. - Als wir gestern ankamen, wollte Großmutter einen Kafe machen laßen, doch bat ich statt dessen um Würstel und Bier, was den Kindern ganz köstlich schmeckte. War in Wien auch in der Nacht auf gestern so ein starkes Gewitter? Wir hatten in Enns, und bis wir nach Linz kamen ein sehr heftiges Gewitter, und furchtbar Regen, doch darauf einen herrlichen Morgen. Es thut mir schon sehr wol, hier eine reine, kühlere Luft zu genießen. - Wegen deiner Stiefel habe ich es der Mutter gesagt, doch sie behauptet, du habest sie mitgenommen. Wenn die Stiefel in unserer Wohnung sind, so sind sie kaum anderswo, als in dem Kleiderkasten in Anna’s Zimmer, frage Anna, ich weiß nicht was mit den Stiefeln geschehen ist. - Hier bin ich untergebracht wie gewöhnlich/ daß ich einiges durchzusezen haben werde, wußte ich, doch bekomm ich, was ich will und brauche, nur mit einigen höchst überflüßigen Umständlichkeiten, übrigens befinde ich mich sehr wol, der Reiß hat mir ganz gut angeschlagen, nur war ich gestern sehr schläfrig und müd. Heute bin ich vollständig ausgeruht. Meine Schwestern helfen mir sehr fleißig bei den Kindern, was mir recht wol thut. - Und nun, du Lieber, wie geht es denn dir? ich freue mich schon sehr auf dich, Franzi schickt die viele Bußerl. Grüße Anna von mir und Franzi. Heute scheint es regnen zu wollen, dann werde ich fleißig nähen. - Nun lebe recht wol, und behalte lieb deine alte Fanni. Grüße alle Bekannten. - Von der Wahl’schen Geschichte scheint hier viel gesprochen zu werden, gestern soll er von hier fort sein. Herr von Zeller, gibt ihm monatlich 40 fl. [Florin: Gulden] Unterstützung. Ein recht angenehmer Schwiegersohn. Die neuen goldenen Knöpfe fand ich nicht, sollten sie dir unterkommen so nimm sie mit. Großmutter und Betti grüßen dich. - „eine reine, kühlere Luft“: das Salzburger Klima gilt traditionell als gesund; dieser Ruf ist mitbegründend für den Tourismus in der Stadt (vgl. Dopsch, 1996, S. 469). „Toni“ geb.1879; „Franzi“ geb.1877; „Schwägerin Luise“: Aloisia/Louise, geb. Duregger, verh. Otto Spängler; „Großmutter“: wohl Fanny Kobler; der Mann, Franz Xaver Gregor Spängler, ist bereits 1854 gestorben (oder Schwiegermutter Antonia Spängler, geb. Lürzer, gest. 1882; vgl. ihren Brief oben und Erwähnung unten). Fanni ist im 3.Monat, Rosl wird im Dezember 1880 geboren. | ||
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| + | RICHARD SCHLEGEL [Nr.38] an den Schwiegersohn FRANZ SPÄNGLER [Nr.18]: [Salzburg, ca. 1880] Lieber Franz! Ich danke dir herzlich für deine freundlichen u. gründlichen Mittheilungen über den Stand der Verlassenschafts-Angelegenheiten, u. freue mich, daß du bereits an End[e] dieser lästigen Arbeit angelangt bist, ich danke dir auch für deine Einladung nach Wien zu kommen, leider aber werde ich diese Reise nicht machen, denn es kostet Geld, u. das wird bei mir immer weniger, während die Auslagen immer steigen, meine Prax[is] ist auf ein Minimum reduziert, mit Ausname der kranken Füsse sind es nur noch einige alte anhängliche Familien, die mich manchmal beschäftigen. Nun, ich bin 69 Jahre, hätte sicher [?] lange genug gearbeitet, u. die Kraft nimmt sehr schnell bei mir in letzter Zeit ab, das Asthma plagt mich sehr, ich muß sehr langsam gehen, und häufig stehen bleiben um tief einathmen zu können, daraus wirst du sehen, daß Wien für mich nicht mehr paßt. Wir freuen uns alle auf Euch, u. die Fanni wird es schon so einrichten, daß Ihr hier seyn könnt. Wegen der 43 se [?] brauchst du dir kein graues Haar wachsen zu lassen, u. auch keine Postporto deshalb auszugeben, du brauchst dirselben nur der Rosa zu geben, der [die] wird sie schon brauchen können. Ich danke dir nochmals herzlich, grüße Euch alle u. bleibe Euer alter Vater Richard - Richard Schlegel, geb. 3.4.1811, Dr.med., Stadtarzt in Salzburg, gest. 1881 in Salzburg, an seinen Schwiegersohn Dr.iur. Franz Spängler. Der Brief ist nach dem 3.4.1880 geschrieben worden (und wohl bevor Franz Spängler ebenfalls 1880 Bezirksrichter in Pottenstein wird) und weniger als ein Jahr vor dem Tod von Richard Schlegel am 1.3.1881. – „Verlassenschaft“, siehe auch vorstehenden Brief vom 27.1.1880; es ist unbekannt, um welche es sich handelt (wohl nicht Familie, sondern vielleicht ein „Fall“ des Schwiegersohns). – Abbildung = bereits in der Vorlage retouchiertes Foto von Richard Schlegel | ||
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| + | 1881 | ||
| + | 8.1.1881 und ff. siehe: Briefe 1872 bis 1887 | ||
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| + | Briefe (rot verschnürt, nicht gelesen) von Nr.37 Antonia Spängler, geb. von Lürzer, 1803-1882, an den Sohn Nr.18 Franz Spängler, 1839-1912, aus Salzburg; zusätzlich mehrfach vom Bruder Otto. Oder umgekehrt von Nr.18 a Otto Spängler, 1841-1919, zumeist über Geldangelegenheiten der Mutter, und zusätzlich dann auch von der Mutter. Ohne Umschläge (einzelne Umschläge sind angegeben). – Vom 25.2.1879 bis 1880 und 23.10.1881; insgesamt 20 Briefe (3 aus Baumkirchen). | ||
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| + | 1881 FANNI SPÄNGLER (Nr.19) an FRANZ SPÄNGLER (Nr.18): Salzburg den 18te Januar 1881/ Liebe Fani! Beinahe ein ganzes Mant [Monat] ist verflossen und ich habe kein Wort von Euren Befinden gehört; noch mehr wie ich findet sich dein Vater, der sehr schwer krank ist, und allein Anschein auch nicht gesund werden wird gekränkt das du dich schriftlich dich nach seinem Befinden erkundiget hast. Er sagte erst vor kurzem, von allen Bekannten kommen Nachfragen nur von der Fanni nicht. - Du hättest recht gut wie ihn vor kurzen dein Man geschrieben hat ein paar Zeilen beyfügen können. Erweun [erwähn] nichts von diesem Brief, und entschuldige so gut du kannst. Ich hoffe das ihr alle Gesund seyd seyd [!] Ich Gott sey Dank, bin zufrieden/ Lebe recht wohl, küße und grüße meine 3 Urenkeln, so auch deinen Mann. Soeben war d Opa da und sagte das dem Vater sehr schlecht ist, sie sind darauf gefaßt ihn bald nicht mehr zu haben. Lebe wohl dieß wünscht deine Großmutter Fanni - „Vater“: Richard Schlegel stirbt am 1.3.1881. | ||
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| + | Briefe [rot verschnürt, nicht gelesen] von Nr.38 Richard Schlegel an Nr.79 Fanny Kobler: Salzburg 1.8.1860, dankt für 3.000 Gulden; Blatt 18.6.1878 dankt für 1.600 Gulden. – Nr.(38) Kathi Schlegel, geb. Katharina Arrigler, Stiefmutter zu Nr.19 Fanni Schlegel, verh. Spängler, „Liebe Fanni, lieber Franz... von Eurer alten Mutter, von mir notiert: 7.4.1897. - Liebe Fani!...deine Mutter. – Salzburg 18.7. ohne Jahr, Liebe Rosa!...deine aufrichtige Mutter Kathi Sch. – An Nr.39 Amalia Kobler Notenblättchen mit „Canzonetta napolitana“, Rosa, 21.8.1845 [?]. – Über Nr.78 Francesco Castelli: Briefkarte Innsbruck 27.12.1938 von Rudl (Widerhofer) über Castelli; Briefumschlag an Franzi Spängler, Krems, Ringstr.2, 2.10.1939, von Otto Dafert mit Abschrift Taufschein Castelli; darin auch Brief von Otto (Dafert) wegen Totenschein Castelli 13.2.1939; masch.geschriebene Abschrift Taufschein Castelli, Brescia 1796, ausgestellt 1939. – Nr.79 Fanny Kobler an 18/19: Liebe[r] Franzl... deine dich liebende Großmutter, ohne Datum; Salzburg 14.5.1881, Liebe Fani... Großmutter Fanni; 21.10.1883, „Liebe Fanni... [mit zittriger Schrift, 1886 gest.]... deine Urgroßmutter Fanni.“ Verweise für die anderen Jahre nicht geschrieben. | ||
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| + | FANNY KOBLER (1796-1886; Nr.79): Postkarte 9.7.1881 an Fany Kobler, Salzburg, Alter Marktplatz aus Baumkirchen: Rückreise nach Hall gut... Toni Spängler [die Urenkelin] | ||
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| + | FANNI SPÄNGLER an FANNY KOBLER: Brief aus Pottenstein 26.10.1881: „Liebe Großmutter! Ich habe hiermit die Ehre, mich dir als ungewählte Vorsteherstellvertreterin des Pottensteiner Frauenwolthätigkeitsvereines aufzuführen und in dieser, meiner neuen Würde erlaube ich mir, dich recht schön zu bitten, du mögest mir die Freude machen, und diesem Verein als Mitglied beitreten. Der Jahresbeitrag ist 2 fl und die Eintrittstaxe beträgt 1 fl, doch werden Überzahlungen dankbarst angenommen. Solltest du geneigt sein, meine Bitte zu gewähren, so werde ich dir sofort die Statuten schicken, und falls du gleich beitreten und den oben genannten Betrag /: oder mehr:/ widern wolltest, auch sofort die Mitgliedskarte.“ [...weiter mit Spaß über den Familienverein] für Toni und Franzi Wintermäntel genäht, für Roserl ein weißes Winterhäubel gehäkelt; Ausbesserung der Bettwäsche, dazu Wollleinen in Wien gekauft. Dr.Lorinser mit der Franzi sehr zufrieden, „doch muß sie noch die Maschine [Schiene] fort tragen“. Im Sitzzimmer und Schlafzimmer eigenhändig Böden lackiert. Mein Mann ist fleißig in der Kanzlei. [...] deine Enkelin kk. XXX Betteldirndl.“ | ||
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| + | FRANZISKA SPÄNGLER (18.6.1877-1962; Nr.9 a): vor 1882 „Liebe Urgroßmutter [Antonia Lürzer, verh. Spängler, 1803-15.3.1882 in Salzburg, Nr.37]. Wir freuen uns schon sehr, dich in Salzburg besuchen zu dürfen. Es küßt dir die Hände deine dank-bare Urenkelin Franziska.“ [Kinderschrift, ohne Datum, ca. 5 Jahre alt!] | ||
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| + | siehe auch Oktober bis Dezember 1871 = „1871 und 1884, 1887“ Briefe [...] Brief 30.12.1881/31.12. von Franz und Fanni, Pottenstein, an die Großmutter in Salzburg Nr.79 Fanny Kobler. | ||
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| + | 1882 | ||
| + | 28.1.1882 und ff. siehe: Briefe 1872 bis 1887 | ||
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| + | Brief von Nr.18 a OTTO SPÄNGLER (1841-1919), grauer Umschlag an: „Wolgeboren Herrn kk Bezirksrichter Dr FRANZ SPÄNGLER [Nr.18], Pottentein, St.Pölten-Leobersdorf, Niederösterreich.“ Mit Bleistift „Tod der Mutter“ [Nr.37 Maria Anthonia Lürzer von Zehendthal, 1803-1882; verh. mit Nr.36 Franz Xaver Gregor Spängler, 1793-1854; verstorben 15.3.1882] ohne Datum: Lieber Franz! Leider kann ich dir über das Befinden der Mutter noch nichts beßers schreiben; das Fieber scheint zwar etwas beßer geworden zu sein,doch ist die Schwäche immer sehr groß. – Ich wollte schon gestern durchaus um eine Wärterin umschauen, allein sie will absolut keine; sie bedarf allerdings sehr wenig Pflege, weil sie sehr ruhig ist; allein ich fürchte nur, dß die Arme bei allem beßten Willen nicht beschloßen genug ist, und sich, wenn der Mutter in der Nacht irgend etwas zustoßen würde, sich nicht zu helfen weiß. Mir ist recht bang um die gute Mutter; ich fürchte, sie macht sich nicht mehr ganz heraus. Ihre Unwolseins haben sich in lezteren Jahren zu oft wiederholt. – Wenn ich die Mutter noch schlechter finden sollte, als sie dermalen ist, so würde ich dir telegrafiren, damit du kommst. – Sie selbst scheint allerdings von einer bedeutenden Erkrankung gar nichts zu fühlen oder zu ahnen denn sie spricht über ihr Kranksein gar nichts; ich war eben wieder eine Stunde bei ihr unten; sie sprach in manchen Augenbliken ganz zusammenhängend von anderen Dingen; meist aber von ihrem Unwolsein. Gott gebe eine baldige beßerung! Wie immer dein treuer Otto. – Montag Nachmittag. | ||
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| + | dito [1882], ohne Umschlag und Datum: Lieber Franz! Leider muß ich dir heute abermals mittheilen, dß die Mutter erkrankt ist; sie war bereits recht wo, gieng etwas aus; da befiel sie gestern ohne jede nachweisbare Ursache ein Fieber, an dem sie, wenn auch ohne alle Schmerzen, aber recht schwach daniederliegt. Sie schlummert die meiste Zeit, und hat ein unendliches Bedürfniß nach Ruhe. Der Doktor kömmt täglich 2mal. Ich werde die wieder fleißig Nachrichten geben. Mit herzlichen Grüßen, dein Otto – Sonntag Abends | ||
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| + | 22.2. [1882], ohne Umschlag, LOUISE SPÄNGLER (1846-1915, geb. Duregger, verh. mit Nr.18 a): Lieber Franz! Da Otto jetzt sehr viel zu thun hat, und heute vielleicht nicht mehr schreiben könnte, will ich dir mittheilen, daß die Großmutter [Mutter Antonia Spängler] gestern einen sehr starken Colerine[Kolerik-]-Anfall hatte, mit bedeutenden Schmerzen, heute geht es ihr wieder besser, doch ist sie noch recht schwach, Dr.Faistenau ist aber zufrieden, so daß Otto heute Nachmittag nach München reist. Seid nicht besorgt es geht ihr heute bedeutend besser, sie ist wieder ganz frisch. Ich werde recht bald wieder Nachricht geben. Wir sind Gottlob gesund was wir auch von Euch hoffen. Mit herzlichen [Grüßen] an dich und die deinen deine Schwägerin Luise. – Bitte der Großmutter über ihr Befinden nichts zu schreiben. 22.Feb. In Eile weil ich zur Großmutter gehen soll. | ||
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| + | leerer Umschlag, zugeklebt, ungebraucht: Frau Antonia Spängler, Salzburg, Mozartplaz N 4 – Mehrere Visitenkarten „Antonie Spängler, geb. v.Lürzer“ | ||
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| + | Telegramm an Bezirksrichter SPÄNGLER, Pottenstein bei Wien, von Salzburg, 14.3.1882: Mutter sehr schwach komm wenn möglich bald. Otto - - dito, Fani Spängler... Pottenstein, 15.3. 10 Uhr 45 von Salzburg: Gesund angekommen Mutter sehr schwach Hoffnungslos. Franz - - dito, Fani Spängler... Pottenstein, 15.3. 1 Uhr 35 N-Mittag: Mutter um 11 ¼ Vormittag ganz ruhig Entschlummert Brief folgt. Franz | ||
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| + | 15.3. [1882] FANNI SPÄNGLER, Pottenstein, ohne Umschlag an FRANZ SPÄNGLER, Salzburg: 2 Uhr Nachm. - Mein lieber Franz! Kurz nach 12 Uhr Mittags ist das [erste] Telegramm an mich gelangt, ich danke dir herzlich dafür. Ich hatte mit Spannung auf eine Nachricht gewartet, ach, es ist leider eine schmerzliche gewesen. Ich weiß nicht, was ich dir schreiben soll, es ist mir sehr schwer, daß ich jezt nicht bei dir sein kann, wo du so Trauriges erleben mußt. Morgen hoffe ich einige Zeilen von dir. Gott möge dir Kraft und Trost senden in diesen bangen Stunden, meine Gedanken sind unabläßig bei dir. Wenn unsere gute, gute Mutter meiner oder der Kinder gedenkt, so sage ihr, daß Franzi und Toni ihr ein Bußerl schicken und mit mir für sie beten. Von mir sage ihr noch tausend Dank für all die Liebe und Güte, die sie mir stets bewiesen hat, und küße sie in meinem Namen. Wie oft habe ich heute Nacht an dich gedacht, mich quälte die Befürchtung, du könntest schon zu spät gekommen sein, und ich danke Gott daß dem nicht so ist. Du guter, lieber Mann, sei versichert, daß ich, wenn auch entfernt von dir, getreulich diese Stunden mit dir durchlebe. Noch bitte ich dir, mich sofort telegrafisch zu verständigen, wenn das Gefürchtete, Traurige wirklich eintreten sollte. Das Telegramm soll mich vollständig gefaßt finden, sei deshalb ohne Sorge um mich, ich bin ganz wol. [Sie ist etwa im 7 Monat schwanger mit Johanna, „Hansimutti“, geb. 16.5.1882.] – Deinen Auftrag konnte ich gestern nicht mehr bestellen, da Herr von Hoffinger nicht mehr in der Kanzlei war, heute übergab ich ihm Stempel und Notizen schon um 8 ½ Uhr früh. Nach Tisch holte Herr von Hoffinger den Sessionsschlüßel, weil er Sparkassebücheln in die Kasse legen will. Abend wird er den Schlüßel wieder mir bringen. Er jammert, daß er schrecklich viel zu thun hat. – 2 ½ Uhr. Du lieber, lieber Guter! Eben habe ich dir Trauernachricht erhalten, obwol gefaßt darauf, habe ich doch mit Zittern das Telegramm geöffnet So haben wir denn die beste, liebevollste Mutter verloren. Gott tröste dich, mein liebster Franz, ich kann es nicht, ich kann nur mit dir weinen. Sage auch Otto und seiner Familie mein Beileid, sie werden noch viel mehr unsere arme, unvergeßliche Mutter vermißen, da sie ja stets bei ihr waren. Ein, wenn auch trauriger Trost ist es mir, daß ich annehmen zu können glaube, daß die lezte Krankheit der lieben Hingegangenen ohne Schmerz für sie war. Mit unserer guten, unvergeßlichen Mutter ist wol ein selten reiches, lauteres Frauengemüth der Erde entrückt, und nicht allzuviele Frauen können so auf eine wolangewendete Lebenszeit zurückblicken, wie es unserer Mutter vergönnt war. Kaum je ist mir der Glaube an ein Leben im Jenseits tröstlicher und schöner erschienen, als in dieser Stunde, wo ich mit dir diesen schmerzlichen Verlust beklage. Lebe nun wol, Franzi und Toni senden dir viele Bußerl. - Den Anfang des Briefes hätte ich dir nicht geschickt, wenn nicht die paar geschäftlichen Notizen schon voran geschrieben gewesen. – Sei innig umarmt von deiner mit dir trauernden Fanni. | ||
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| + | liegt dem obigen Brief [1882] bei, Handschrift von FRANZ SPÄNGLER, ohne Datum: Barschaft – 100/ Aus der Sparkasse behoben 374/ Kleingeld 11/ Herauszahlung bei Renten Umtausch 12.20/ Möbel Erlkös 47.9/ [Summe:] 544.29 - Ausgaben für die Armen 25 fl [Gulden]/ Dank in der Zeitg 2.50/ Leichenkasten Rechnung 406.94/ der Näherin 1.90/ Stempel zum Dienstzeugniß der AXXX -.15/ für Grablampen 2.-/ Wohnungsmiethe 29.25/ Wäscherei 3.72/ für Paken u Expedition der Kisten 2.60/ für die Gedenkbilder 16.50/ VergolderXXX 13.60/ Große Kiste 7.-/ Grabstein 29.81/ [Summe:] 540.97/ Kassarest 3.32 | ||
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| + | ohne Datum [15.3.1882], FRANZ SPÄNGLER, Salzburg, an FANNI SPÄNGLER: Liebste Fanni. So ist schon das Befürchtete so bald eingetreten und unsere gute Mutter ist nicht mehr. Ich habe, wie ich mir wohl gedacht hatte, gestern den Schnellzug nicht mehr erreicht, u. bin mit dem Postzuge um 9 Uhr hier nach einer fast schlaflos zugebrachten Nacht eingelangt. Louise mit der kleinen Bertha erwarteten mich mit einem Wagen am Bahnhofe, u. aus den Mittheilungen der Louise entnam ich sofort dß jede Hoffnung auf Wiedergenesung aufzugeben sei. Ich fand die Mutter mit fast unveränderten Gesichtszügen, aber in den Händen sehr abgeXXX u. kalt, theilnamslos u. etwas röchelnd dahin liegen; ich redete sie an, sagte ihr, dß ihr Franz da sei, dß du und die Kinder sie grüßen lassen, sie blikte etwas auf, lächelte etwas, um aber sogleich wieder in ihre Theilnamslosigkeit zurück zu sinken; sie scheint also meine Anwesenheit noch aufgefaßt zu haben. Sprechen konnte sie erst nicht mehr, oder doch nicht mehr verständlich; Anna behauptete wohl so habe noch meinen Namen genannt, aber ich habe es nicht sicher vernommen. Ich blieb mit Otto an ihrem Bette, flößte ihr noch einige Male Wasser u. Himbeersaft ein, was ihr sichtlich behagte. Circa um 11 Uhr wurde das Röcheln, welches jedoch nur von Schleim herrührte, schwächer; da kam Kalhofer, u. während wir mit diesem sprachen, wurde die gute Mutter noch stiller, u. während nun Kalhofer noch Sterbegebete sprach, machte die Mutter ein Paar stärkere Athemzüge, öffnete u. schloß noch einige Male nacheinander den Mund u. ruhig ohne den geringsten Todeskampfe, ja mit fast einem Lächeln um den Mund schlummerte die gute Mutter hinüber, um hoffentlich im Jenseits den Lohn ihrer Liebe u. Güte, ihrer Frömmigkeit u. ihres Wohlthuns zu finden. Ein Tod so ruhig, so schmerzlos, wie man sich denselben nur wünschen kann. Sie war berets Dienstags versehen worden, u. hatte ruhig und ergeben ihrem Ende entgegen gesehen. – Was mir sehr zur Beruhigung dient, ist dß wir es durch die Zuvorkommenheit des Pater Prior von St.Peter erreicht haben, dß sie noch in der Familiengruft beigesezt werden kann. So ist ihr Wunsch, an derselben Stätte zu ruhen, wie der selige Vater, erfüllt, u. wir können doch, wenn wir hier sind, viel leichter ihr Grab besuchen, als wenn es draußen auf dem neuen Friedhofe wäre. Deine Großmutter sowie die Familie Schlegel habe ich heute Nachmittags besucht u. ihnen deine und der Kinder Grüße entrichtet. Deine Großmutter sieht sehr gut aus, u. ist recht frisch, nur ihr Gehör scheint mir eher abgenommen zu haben. Bei Schlegel befinden sie sich den Umständen angemessen; die Stimmung ist noch immer eine gedrückte, u. das heutige Ereigniß hat dieselbe natürlich nicht gebeßert. Auch beim Erzbischof war, der dich, ebenso wie Großmutter, Familie Schlegel, Otto, Louise u. deren Familie, dann Mamma Duregger, Emma, Siegl etc. bestens grüßen läßt; allseits gibt sich die herzlichste Theilname, sowie die allgemeine Achtung u. Beliebheit, die die Mutter genoß, kund. – Das Begräbnis wird am Freitag 17/3 um 4 Uhr Nachm. stattfinden, der Seelengottesdienst am Samstag um 9 Uhr früh, in St.Peter stattfinden. Ich werde voraussichtlich am Sonntag Abends von hier abreisen u daher am Montag entweder früh oder Mittags 1 ¼ Uhr wieder in Pottenstein eintreffen. Nun lebn wohl u. sei mit den Kindern herzlichst gegrüßt und gekßt von deinem Franz. – Morgen folgt jedenfalls wieder Nachricht | ||
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| + | [bei den Briefen von (Nr.37) Maria ANTONIA SPÄNGLER, geb. LÜRZER VON ZEHENDTHAL (1803-1882)]: 15.3.1882: Partezettel für Antonia Spängler, geb. Lürzer, mit Foto. „Sie war geliebt von Gott und Menschen; ihr Andenken ist im Segen. Sanft war ihr Leben, war ihr Tod.“ | ||
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| + | 16.3.[1882] ohne Umschlag, Pottenstein, FANNI SPÄNGLER an FRANZ SPÄNGLER, Salzburg: Mein lieber Franz! Ich danke dir herzlich für deine lieben Zeilen und den Mittheilungen über die lezten Augenblicke unserer guten, unvergeßlichen Mutter. Wie lieb ich sie gehabt habe, brauche ich dir nicht erst zu sagen; es wird mir selbst zur Beruhigung und Befriedigung dienen, daß, so lange ich die liebe Hingeschiedene „Mutter“ nennen durfte, kein noch so leiser Mißton sich zwischen uns bemerkbar machte, was aber ganz gewiß nicht mein Verdienst, sondern nur ein Beweis war, wie gütig und liebenswürdig die Verewigte war. Daß die Auflösung so schmerzlos und ruhig war, ist gewiß auch ein Trost in dem Leide um unsere liebe Mutter. Man kann bei ihr wirklich sagen, sie starb wie sie lebte, die verkörperte Ruhe und Friedensliebe. Gestern Abends war ich im Pfarrhof, der Herr Dechant spricht dir sein aufrichtiges Beileid aus ebenso Frl: Fanni. Morgen um 7 Uhr früh wird der Herr Dechant seine erste hl: Messe lesen, und zwar seinen eigenen Worten nach, mit der guten Manung für deine verstorbene Mutter „der Frau, welche uns einen so braven Bezirksrichter erzogen hat“. Die schlichten Worte des würdigen Mannes sind auch ein ehernes Denkmal für die liebe Mutter. Ich werde selbstverständlich der hl: Messe beiwohnen. – Auf Herrn Hoffinger, der mir gestern Abends deinen Sessionsschlüßel wieder einhändigte, bat mich, dir sein Beileid auszusprechen. – Daß ich mich sehr freue dich wieder hier begrüßen zu können, brauche ich dich wol nicht zu versichern. Auch die Kinder freuen sich schon auf dich und schiken dir viele Bußerl. Grüße alle unsere Lieben von mir und sage allen, dir mir ihre Teilname senden, besten Dank. – Sei nicht böse, wenn ich dich zum Schluße noch mit einigen Commißionen behellige, ich denke Rosa [Fannis jüngere Halbschwester] wird mir gerne Alles besorgen ich laße sie bitten. I. Vom Hackenbuchner 1 Centimetermaß, II. ein Paar schwarze Glacé-Handschuhe mit 2 Knöpfen N: 6 ¾, ferner 8 Meter Baumwollstoff von der Qualität des beiliegenden Musters, aber mit möglichst viel Schwarz, so wie mein jeziger Hausrok ist, das Meter kostet bei Grömling zwischen 30 u 4o K. Dann möchte ich noch 2 ½ Meter hübschen schwarzen Lüster 70 bis 80 K. für Franzi zu einem schwarzen Kleidchen und schließlich 3 Meter schwarzen Creton mit möglichst wenig auffallender weißer Zeichnung zu einer Hausjacke für mich. Sei nur nicht böse, aber ich finde es einfacher, von Salzburg diese Gegenstände von dir bringen zu laßen als erst wieder nach Wien zu schreiben. – Indem ich dich tausendmal grüße bleibe ich deine treue Alte. – Für Franzi ein ähnliches Umhängetuch wie Toni hat. Handkuß von Anna u Kathi. – Bunter Gebetszettel „Heiligtes Herz/ Süßes Herz...“, „Von Herrn Dechant Philipp Mahler in Pottenstein 6 Sept. 1881“. | ||
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| + | 17.3.[1882] FRANZ SPÄNGLER, Salzburg, an FANNI SPÄNGLER: ½ 3 Uhr Nachm. – Innigstgeliebte Fanni! Soeben haben Otto und ich mit blutendem Herzen u. thränendem Auge Abschied genommen von unserer geliebten Mutter, und hernach gedankt für alle ihre Liebe u Güte, ihr auch gedankt in deinem u. der Kinder Namen, u. den lezten Kuß auf ihre Stirne u. ihre Hand gedrükt; in etwas mehr als einer Stunde werden wir sie hinabsenken in die Gruft an die Stelle, wo auch ihr unvergeßlicher „Xaver“ unser guter Vater ruht. Sei ihnen beiden die Erde leicht, uns wird ihr Andenken unser Leben lang theuer und unvergeßlich sein, ihr Beispiel u. ihre Lehren sollen auch für uns der Leitstern sein. Am Sarge der Mutter haben Otto u. ich uns die Versicherung unwandelbarer brüderlicher Liebe erneuert, u. treues Zusammenhalten uns gelobt. – Der Segen der Mutter den sie so oft vom Himmel auf uns und unsere Familien herabgefleht wird hoffentlich über uns bleiben, wenn sie auch leider in den lezten Stunden ihn auch nicht mehr geben konnte. Und dich liebste Fanni bitte ich in dieser ernsten Stunde, bleibe mir was du mir bisher warst, meine treue innigstgeliebte Lebensgefährtin, meine beste Freundin, und die liebende sorgsame Mutter meiner Kinder; in dieser Stunde bitte ich auch dich, wie ich die Mutter noch für alles womit ich sie je gekränkt um Verziehung gebeten habe, daß du mir alles verzeihen wollest, was ich dir gegenüber je durch Unfreundlichkeit und Heftigkeit gefehlt habe. – Ich habe jezt vor allem den Wunsch u. die Bitte zum Himmel, dß er dich u. die Kinder mir gesund und wol erhalte, u. dß die Kinder brav werden. – Abds ½ 6 Uhr – Vor kurzem sind wir von dem schweren Gange zurückgekommen, den wir hinter dem Sarge der guten Mutter gemacht. Du wirst in dieser Stunde unserer u. ihrer gedacht u. gewiß manche Thränen vergoßen haben. – Unmittelbar vor dem Begräbniße, als schon bei Carl Sp.[ängler] im großen Zimmer die Trauergäste sich versammelten erhielt ich deinen lieben Brief, für den ich dir bestens danke. Auch bitte ich dich den Herrn Dechant einstweilen meinen Dank auszusprechen, bis ich es in der nächsten Woche selbst thun kann. – Die Comissionen werde ich schon besorgen, beziehungsweise durch die Schwestern besorgen lassen, u. die Sachen mitbringen. – Die Betheiligung an dem Begräbniße war eine sehr zahlreiche, auch Kränze waren der Mutter von allen Seiten gewidmet worden; überhaupt wurde u. wird uns von allen Seiten die herzlichste Theilname; sogar einer der Prinzen des Großherzogs war gestern in der Sparkasse, um Otto das Beileid auszusprechen. – Aber all die Beweise von Liebe u Verehrung für die gute Mutter geben uns dieselbe nicht wieder! Bei dem Begräbniße war ich gefaßter als ich nach dem lezten Abschied am Sarge mir zugetraut hatte. Ich werde womöglich heute noch ihr Grab besuchen. Auch wegen eines Grabsteines wird sofort Anstalt getroffen, u. zwar kommt an die Wand neben der Familiengruft an der auch, wenn du dich erinnerst die Gedenktafel für Paul Hofheimer ist; selbstverständlich wird die Gedenktafel für beide Eltern errichtet [so ist es heute noch]. Lebe nun recht wohl, u. bleibe gesund; am Montag hoffe ich Euch alle wieder zu sehen. Es grüßt u küßt dich herzlichst dein treuer Franz – Otto u Louise grüßen Euch, u. danken für deine Theilname; sie sind beide von der größten Freundlichkeit u. Liebenswürdigkeit. – Bald hätte ich vergeßen, dir zu schreiben, dß in der Nacht von gestern auf heute Louise plözlich die sog. Rötheln bekommen hat so dß sie im Bette liegen muß, u. daher auch an dem Leichenbegräbniße nicht theilnemen konnte; übrigens ist [sie] von dem Ausschlage abgesehen ganz wohl; die Mädchen lassen die Franzi u. Toni bestens grüßen u haben mir auch Bilder für sie gegeben – Also nochmals Lebewohl dein Franz | ||
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| + | 18.3.[1882] FRANZ SPÄNGLER an FANNI SPÄNGLER: Salzburg, Abends 7 Uhr. - Liebste Fanni! Durch verschiedenes heute in Ansprach genommen, finde ich nicht die Zeit dir einen ordentlichen Brief zu schreiben, u. beschränke mich auf wenige geschäftliche Mittheilungen. Zunächst theile ich dir mit, dß ich die Einkäufe bereits besorgt habe, u. zwar [habe] ich einen Baumwollstoff bekommen, der, wenn mich die Erinnerung nicht trügt, ganz gleich mit deinem bisherigen Hausroke ist, zu dem wir vergeblich einen gleichen Stoff suchten. – Ferner theile ich dir mit, dß ich beinahe entschloßen bin, am Montag noch hier zu bleiben, u. erst Dienstag früh hinab zu kommen, jedoch nur unter Voraussezungen 1) dß du und die Kind wohl bist, u 2). dß Hoffinger, den du darum fragen wollest, dir bestätigt, dß zum Montag 20. Niemand vorgeladen ist, um dessentwillen meine persönliche Anwesenheit nothwendig wäre u. dß auch sonst nichts außergewöhnliches vorgefallen ist. Sei also so gut, u. erkundige dich morgen gleich nach Erhalt dieses Briefes bei Hoffinger; sollte aus häuslichen oder ämtlichen Gründen meine Anwesenheit in Pottenstein schon am Montag erforderlich sein, so bitte ich dir [dieses] sofort zu telefrafiren, u. dann reise ich morgen Abends ab u. komme Montag früh an; anderenfalls aber würde ich erst Montag Abends abreisen, u. am Dienstag früh ankommen. – Bezüglich der Stunde meiner Ankunft bemerke ich noch, dß dieselbe mit dem Frühzuge um ½ [Zeit fehlt] Uhr beabsichtigt ist, u. es würde sich dieselbe auf Mittags 1 ¼ Uhr nur in dem Falle verschieben, wenn der Zug der Westbahn solche Verspätung hätte, dß der Anschluß versäumt würde. Du brauchst dich also nicht zu sorgen, falls ich Montag [respektive] Dienstags nicht mit dem Frühzuge komme. – Ferner bitte ich dich Herrn von Hoffinger einstweilen meinen Dank für seinen freundlichen Brief auszusprechen. – Uebrigens war sein Brief der einzige, den ich heute aus Pottenstein erhielt; leider langte von dir keine Nachricht ein; vielleicht hast du dich mit der Aufgabe verspätet, u. ich erhalte dann wenigstens morgen früh eine Nachricht. – Großmutter, Mutter u. Geschwister Schlegel, Tante Alois, Familie Angermayer, Otto, Louise etc. lassen dich u die Kinder bestens grüßen. Mit herzlichem Gruße u Kuße dein Franz. | ||
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| + | 18.3.[1882] FANNI SPÄNGLER (Nr.19) an FRANZ SPÄNGLER (Nr.18): Mein liebster Franz! Keine Liebe ersezt dem Kinde die Liebe der Mutter, denn Niemand kann so selbstlos lieben, wie die Mutter ihr Kind liebt bis zum lezten Athemzuge. - Wenn aber die Versicherung treuer, inniger Liebe, die ich für dich empfinde, und die mich bis zum Schluße meines irdischen Daseins erfüllen wird, dir in diesen traurigen Tagen tröstlich erscheint, so nimm diese Versicherung hin und gleichzeitig das Versprechen, daß es mein erstes Streben sein soll, meinen Kindern auch eine so gut, pflichtgetreue Mutter zu sein, wie die liebe Hingeschiedene es ihren Kindern war. Ihr Beispiel will ich stets vor Augen behalten, dann wird es mit Gottes Segen auch uns gegönnt sein, am Ende unseres Lebens auf so gute, rechtschaffene Kinder zurückblicken zu können, wie unsere unvergeßliche Mutter es konnte. Ferner bitte ich dich innig, wenn je wieder Heftigkeit oder Übellaune sich meiner bemächtigen sollten, mich an die sanfte, heitere Gemütsruhe zu erinnern, die deine Mutter besaß, du wirst sehen, daß ich mich bemühen werde, auch hierin ihr ähnlich zu werden. – Je herber der Verlust eines theuren Familiengliedes die Zurückbleibenden trifft, desto inniger schlinge sich das Band der Zusammengehörigkeit um die trauernd Zurückbleibenden, gegenseitige Liebe beruhigt am besten den gemeinsamen Schmerz. Wol habe ich gestern im Geiste an deiner Seite geweilt und von Minute zu Minute mir vorgestellt, wie bitter der Abschied von der irdischen Hülle der Heimgegangenen Euch sein wird, doch habe ich diese Stunde ruhiger verlebt, als ich mir vorgestellt hatte. Adelheid war bei den Kindern und so machte sich die kindliche Sorglosigkeit und Lust geltend, so daß unwillkürlich auch meine traurigen Gedanken etwas abgelenkt wurden. Gestern wohnte ich mit Franzi der hl: Messe des würdigen Dechants bei, heute besuchte ich um 6 ½ Uhr ebenfalls die hl. Messe, beidemale gedachte ich der guten Mutter und deiner in innigem Gebete. Heute kamen schon von vielen Seiten Beileidsbriefe und Karten, v. a. auch eine Karte mit einigen Worten von Hr. Präsidenten Schwaiger und ein sehr lieber gemütvoller Brief des Anton Sebbler [?]. Ich gestatte mir, die einlangenden Briefe zu öffnen, wenn sie auch an dich adressiert sind. – Ich freue mich schon unendlich, dich wieder bei mir zu haben, komm mir gesund wieder, und möge es mir gelingen, dich ein wenig zu erheitern und zu zerstreuen. Auch die Kinder freuen sich recht auf dich und fragen oft, wann denn der Vater kommt. – An Otto und Luise meine besten Grüße, und ich danke ihnen für alle die Freundlichkeit, die sie dir bezeigen, und bitte sie, mir auch ferner ihre geschwisterliche Liebe zu schenken. Allen Bekannten und Lieben viele Grüße. Luise möge bald wieder ganz wol sein. Es küßt dich innig deine treue Fanni. | ||
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| + | ohne Datum [1882] und Umschlag, OTTO SPÄNGLER an FRANZ SPÄNGLER: Mein lieber Franz! Ich war recht froh, aus deiner Karte u. dann aus deinem Briefe zu entnehmen, dß du glücklich in Mitte[n] deiner lieben Angehörigen angekommen bist. – Bei einem so hartem schmerzlichen Verluste, wie es der Tod unserer beßten unvergeßlichen Mutter für uns beide war, ist das eigene glückliche Familienleben wol der einzige Trost, der beßte Ersaz! – Ich kann mich an den Gedanken noch immer nicht gewöhnen, meine liebe Mutter nicht wiederzusehen; wie oft im Tage meine ich, sie müßte zur gewohnten Stunde, wie sonst, zur Thüre hereinkommen! Ich weine wol oft u. oft um sie! Allmälig werde ich wol die Fassung wieder gewinnen, um an die Beantwortung all der liebe Briefe und die Abstattung der Besuche gehen zu können. Die Bilder mit den Fotografien habe ich noch nicht erhalten; von den anderen liegen hier 2 Duzend bei. Die Kiste für den großen Kasten habe ich angeschafft; wir werden im Laufe dieser Woche sie erhalten u dann sofort paken. – Die Stockuhr, lieber Franz, würde ich, sowie das Arbeitstischchen der Mutter recht gerne hier behalten. Den Spieltisch hebe ich dir auf; Zur hübschen Couvertdecke übers Bett gehört auch ein gleicher Teppich über den Tisch, welchen ich dir selbstverständlich auch beipaken werde; ebenso die Laufteppiche. Der Spiegel ist beim Vergolden. Zu Andenken habe ich nebst mehreren Schalen, die Spielrequisiten, und einige Bilder, Statuetten etc verwendet [vgl. vorstehende Liste]. Das schwarzseidene Kleid, ein hübscher Tuchmantel werden gleich dem großen Kafensake [?] eingepakt. Ebenso auch mehrere Gegenstände für Eure Mägde: Arme sind ein Menge gekommen, und haben um Sachen gebeten. Louise hat die minderen Kleidungsstüke, welche weder der Sammlung noch der Aufbewahrung noch des Verkaufes wert waren, dazu verwendet. Auch fand sich eine Menge geradezu wertloser Fleke, Gestelle von Schirmen, Schachteln etc., welche wir um Plaz u Ordnung [?] zu machen, wol einfach wegwerfen mußten. Soll ich im eidenstättigen Vermögensbekenntniße das halbe Keglewichloos angeben, das die Mutter gemeinsam mit uns besaß? Dr Faistauer hat die Rechn[un]g noch immer nicht geschikt. Ist die anruhende Grabschrift recht? Aus deinem Concepte als Vermögensbekenntester entnehme ich, dß du auch den Grabstein unter die Abzugsposten sezen willst. Ist das so Gepflogenheit? – Ich werde bemüht sein, allen deinen Wünschen nach Möglichkeit gerecht zu werden. Mit den herzlichsten Grüßen an dich u deine lieben Angehörigen bin ich wie stets dein Bruder Otto. – Von Louise u den Kindern alles Schöne! | ||
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| + | 4.4.[1882] ohne Umschlag, Salzburg, Trauerrand, LOUISE SPÄNGLER an FANNI SPÄNGLER: Liebe Fani! Endlich sind wir nun mit dem packen der Kiste fertig, es war mir wirklich recht schwer die ganze Wohnung zu räumen, denn die Erinnerung an die liebe Großmutter kam immer wieder, und man sah mit welchem Fleiß sie die Ordnung überall aufrecht erhielt. Ich muß dir nun einiges über den Inhalt der Kiste schreiben. Wäsche, Kleidungsstücke, Bilder, Spiegel, sowie das Bett ist alles im Kasten, betreffs des Unterbeetes [!], welches du nicht geschickt haben wolltest will ich dir nun mittheilen, daß es mich zum verkaufen reute, ich habe mit deiner Mutter gesprochen, weilche meinte du sollst Kopfkißen daraus machen, ich habe es auch gethan und habe 5 Kißen bekommen, welche recht gut sind. Du wirst die Federn in 2 Reben [?] finden, das kommt daher weil ich Anfangs nur die Hälfte schicken wollte, dann aber wollte der Packer mehr Gegenstände um die Kiste zu füllen, und so gab ich die zweite Hälfte auch noch her. Deine Mutter bat mich es gewiß zu schicken. Das Spiel welches du in der Kiste findet [!], schicket meine Maman deinen Kindern; sie hatte an den Tellern mit grünen Rande welche wir ihr als Andenken an die Mutter gaben eine große Freude [vgl. Liste bei dem Brief vom 10.4.]. Die Bücher waren um sie in die Kiste zu legen zu schwer, wir packten sie in eine eigene Kiste, beide Kisten sind heute abgeschickt worden. Einige Küchen-Geräthe welche nicht schwer sind, haben wir auch inein gepackt. Ferner kommt noch die Couvertdecke nebst derselben Tischdecke, und 2 Bettdecken. Für den eingelegten Kasten, denn wir Euch schickten, haben wir uns einen Chiffonier und einen ordinären grauen Kasten behalten, welchen ich als Rumpelkasten benützen. Die Kiste haben wir liegend im Hofraume gepackt, und ich denke es wird auch wieder am Besten sein, wenn ihr sie in Eurem Hofe aufmachen und die Stücke hinauftragen laßt. Obenauf in der Kiste liegt noch Stroh was wir zum füllen des Kastens brauchten, die Casette mit Silber sowie das Kistchen mit Gläser und Schalen werdet ihr auch finden. 2 Dutz. Gedenkbilder der sel. Großmutter werdet ihr auch finden, wir finden sie sehr gut; es wird immer ein trauriges Andenken bleiben. Ich wünsche dir zu deiner Entbindung viel Glück; es würde mich freuen wenn es ein Knabe wäre. Wenn auch die Großmutter nicht mehr lebt so hoffe ich, daß wir deswegen einander nicht XXX XXX Grüße an die deinen von Otto den Kindern u. deine Schwägerin Luise [Louise Spängler, geb. Duregger] | ||
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| + | [10.4.1882] ohne Umschlag und Datum „Dr.OTTO SPÄNGLER. Salzburg.“ an FRANZ SPÄNGLER: Lieber Franz! Zu deinem Geburtstage [10.4.] u. Eueren Hochzeitstage bringe ich dir für mich u. die meinen unsere herzlichen Glückwünsche dar. – Die gute Mutter, deren fromme Wünsche an diesem Tage dir leider fehlen, wird ihren Segen vom Himmel senden, und so möge dieser Doppelfesttag Euch recht oft und glücklich wiederkehren. – Meine Karte u. dein lezter Brief haben sich gekreuzt; ich besorge heute noch den Stein. Mit dem baren Gelde bin ich bereits fertig; ich bestreite einstweilen natürlich alles; wenn die zum Verkauf bestimmten Sachen werden verkauft sein, dann mache ich mir wieder alles gut. Betreffend diese Auslagen bitte ich auf das entschiedenste um eines nämlich, dß wenn einzelne Dinge davon auch nur dich allein angehen, wir sie miteinander tragen. Entgegne mir nichts darauf, ich bitte dich recht schön! – Was nun die zwischen uns geteilten Papiere betrifft, so stellt sich deren Wert folgender Maßen: Rumänierobligation 400 RM al pari – 236 fl [Gulden] – Xr [Kreuzer]/ 1860er Loos – 132 „/ 368 fl – Xr – Dem entgegen 2 Pfandbriefe al pari – 200 fl/ eine Perlmosser Actie 90 „/ 290 fl. – Also hast du mir die Hälfte der Differenz p. 78 f., id est 39 f. zu vergüten welchen betrag ich nach deiner Genehmhaltung dir in deiner Rechnung zu Last schreiben und mir aus den Julicoupons seinerzeit gutmachen werde. Oblige Cursdaten habe ich den Curszetteln bei Carl [Spängler; Bank] entnommen. Die Zinsen habe ich der Einfachheit der Rechnung halber weggelaßen. – Im anruhenden Zettel [als Einzelblatt beigelegt, folgt] habe ich versucht, deinem Wunsch wegen der Andenken nach Möglichkeit zu entsprechen. Auf Vollständigkeit macht das Verzeichniß keinen Anspruch. Im nächsten Briefe bitte ich dich, mir die Adresse der Frau von Martens bekannt zu geben [mit Bleistift:], ebenso wie die der Frau von Sattler – Mit Kuß u Gruß an Euch Alle dein Otto. – Charsamstag Abends. | ||
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| + | Einzelblatt: Vertheilte Andenken. Familie Joseph Spängler [der Neffe Josef Spängler jun. 1823-1895, ältester Sohn des ältesten Bruders von Franz Spängler sen. 1793-1854] den hübschen Spieleinsatz/ Elise Spängler [Nichte Elisabeth, eine Schwester dazu, 1829-1905] eine violette Kaffeeschale/ Ida Spängler [1862-1884, Tochter vom Cousin Carl Spängler, Banklinie] das Fluidlamperl/ Maria Spängler [eine Schwester dazu, 1866- verh. Barchetti] die beiden Porzellanfiguren/ Frl. Rosalie Henf [genannt in einem Brief von Fanni Schlegel an Franz Spängler vom 6.12.1871 und öfter] den 2.Spieleinsatz und eine Schale/ Tante Therese v.Lürzer [Thiz, Schwägerin der Verstorbenen; Stiftsdame] eine Haube und mehrere Kragerln u Chemisetten/ Frl. Josephine v.Lürzer [ebenfalls, verh. Sauter] eine violette Schale/ Tante Emilie #Duregger [1833–1896, Banklinie] eine silberne Reliquie/ Großmama Duregger {Mutter von Louise Spängler, verh. mit Otto Sp.] weiße Teller mit grünen Rande [genannt im Brief vom 4.4.]./ Marie Koch Lichtschirm u ein Gebetbuch./ Das kleine Madonnenbild mit breitem Rahmen habe ich selbst [Louise Spängler, geb. Duregger. Zuerst ihre Schrift, dann die von Otto Spängler] behalten. Den Schlips von gestickter Seide, welchen die Mutter um Weihnachten von Duregger erhielt, haben wir Rosa Schlegel [jüngere Halbschwester von Fanni Spängler] gegeben. Andere Kleinigkeiten, als Portmonnaies, Brieftascherln, Gebetbücher kleinere Bilder etc haben wir den verschiedenen Mägden als Andenken gegeben; Leopoldine Spängler [Frau von Carl Spängler, 1834-1918] gaben wir ein Theeseicherl; u eine Menge der schlechten Wäsche und Kleider haben wir verschenkt. – Emilie Duregger, Partezettel: | ||
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| + | 15.5.[1882] dito: Lieber Franz! Im Nachhange zu meinem durch Rose dir gesendeten Briefe berichte ich dir, dß ich Cortolezis zur Abfuhr des Geldes aufmahnte und heute auch für einen Theil der Sachen das Geld erhielt. Ich sende dir anruhend die Originalverrechnung sammt allen Beilagen u. bitte mir dieselbe nach Prüfung mit den Beilagen wieder zu senden. Den verbliebenen Barrest fl. 3.32 habe ich auf gemeinschaftliche Rechnung übertragen. Die Erbserklärung u das eidesstättige Vermögensbekenntniß habe ich deinen Weisungen entsprechend überreicht. Mir thut es sehr leid, dß gerade jezt eine so lange Zeit keine Veranlaßung zu einer Wienerreise sich für mich ergibt; denn es möchte mich unendlich freuen, mit dir wieder einen Tag in der Erinnerung an unsere gute herzliebe Mutter zuzubringen. – Mit herzlichen Grüßen von all den Meinen an dich und deine liebe Familie bin ich wie stets dein treuer Bruder Otto. | ||
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| + | FRANZ SPÄNGLER (Nr.18) an FANNI SPÄNGLER (Nr.19): Pottenstein 2 Aug 1882/ Innigstgeliebte Fanni! Heute endlich finde ich Zeit, dir einen Brief zu schreiben; zunächst berichte ich dir, d[a]ß ich mich wohl befinde, u. freue mich, wieder gute Nachrichten zu erhalten. Auf den nun schon in mehreren Karten versprochenen langen Brief freue ich mich schon, u. ich hoffe, daraus auch näheres über die Reise-Erlebnisse zu erhalten. - Das gestrige Fest ist sehr gut ausgefallen; es hat sich alles recht gut unterhalten. Von Schwechat waren einschließlich der ganzen Familie Bechtel bis 40 Personen hier. Das Concert bei Mayer war sehr besucht, u. ist sehr gelungen. Das Wetter war sehr schön, in Folge dessen auch sehr heiß, so daß bei dem Concerte die ganze Gesellschaft unter Hitze ziemlich zu leiden hatte; es war zudem so voll, dß manche ohne den Eintritt zu versuchen wieder weggingen; wir konnten eben von den Nebenlokalitäten keine haben, da sie sämtlich vermiethet sind. Dr Bechtel und Frau lassen sich dir empfehlen; waren über meine Bitte so freundlich, das Clavier anzusehen u. zu versuchen, u. hat es für ganz gut u. preiswürdig erklärt, nur sei der Ton im Sopran etwas zu schwer gegenüber dem Baße, es [sind] die höchsten Töne ein wenig verstimmt. Dem lezten Mangel wird sich ja nöthigenfalls leicht abhelfen lassen. - Alle Bekannten lassen sich dir empfehlen, insbes. Defant, u. Frau Megel [?], Frl Zemsauer, Thernten [?], Frau Dr Laad, Haidl etc.; ebenso Frau Zinken, bei denen ich Samstags zu kurzem Besuche war; er ist wieder an einem Bronchialkatarrh erkrankt. Sie lud mich dringend ein, sobald ihr Gema[h]l besser sei, einen Abend bei ihnen zu verbringen, was ich auch zusagte. - Auch Herr Pittel und Frau empfehlen sich, sie waren ebenfalls beim Concerte. - Heute Abends werde ich mich [mit] Tomanntys [?] zusammen sein; wo, weiß ich noch nicht; ich hole sie verabredeter Massen um 3/4 8 Abends ab/ Zu Mittag u zum Frühstück gehe ich zum Hirschen. Abends bin ich bald dort, bald da. - Wie geht es den Verwandten, insbes. bei Otto u dessen Familie, dann bei Schlegel. Maria ist wie ich aus deiner mir heute zugekommen[en] Karte erfahre, bereits in Salzburg angekommen. - Hast du in Angelegenheiten der Familie Lanser nichts näheres erfahren? ich erhielt am Tage deiner Abreise eine Karte von ihm. - Ich muß dir noch berichten, dß ich in dem Eilzuge, welcher bald nach Eurer Abreise St Pölten passirte, auch Frau von Biraphi [?] gesehen zu haben glaube dß [da] war der Zug schon im Fahren, u so konnte ich sie nur noch eiligst grüßen, sie bemerkte u erwiderte meinen Gruß. Frage sie doch, wenn du sie siehst, ob sie es wirklich war. - Ist Julius in Salzburg? Grüße mir ihn u seine Familie bestens wenn du Jemand siehst. Das gleiche Angermayer, Carl u Rudolf Spängler. - Nun lebe recht wohl, denke oft meiner, wie auch ich deiner in aufrichtiger Liebe oft gedenke. - Küße die Kinder von mir, u. sage ihnen dß sie ja gewiß brav seien, u. sorge auch dafür, dß sie ihr Morgen- und Abendgebet ordentlich beten. - Mit herzlichsten Grüßen an Euch alen insbes. auch die Großmutter dein treuer Franz - Warst du schon am Grabe der Mutter? Wirst du nicht se[l]ber wieder ein Kranz auf dasselbe geben? - Franz Spängler, seit 1880 Bezirksrichter in Pottenstein (und dann ab 1887 am Kreisgericht in Krems) an seine Frau Fanni. Viele Wörter zusammengeschrieben [hier mit Abstand] bzw. abgekürzt, manchmal scheint der letzte Buchstabe im Wort ein Komma zu sein. - „Otto u dessen Familie“: Bruder Otto Spängler; „Schlegel“: Familie der Frau; „Maria“: vielleicht Angermayer (siehe unten); „Angermayer“: Maria Josepha Spängler (1832-1896), verh. mit Vinc. Angermayer (1815-1886), zuletzt Landesgerichtsrat in Wien; „Carl“: Carl Spängler (1825-1902), verh. mit Leopoldine Duregger („Bank-Linie“ in Salzburg; sie wohnen im Haus am Mozartplatz Nr.4); „Rudolf Spängler“ (1830-1895), verh. Marie Weinwurm, Vizebürgermeister und Vizehandelkammerpräsident in Salzburg). Carl, Rudolf, Maria und Julius (und weitere) sind Cousins und Cousinen von Franz Spängler. – „Mayer“ (?): vgl. Partezettel für Theresia Mayer, 1806-1878. - „Lanser“: vgl. Partezettel für Carl von Lanser (1805-1869 Salzburg); Brief von Anna Lanser [noch ungelesen; ohne Datum]. | ||
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| + | FRANZ SPÄNGLER an FANNI SPÄNGLER: Pottenstein 7 Aug 1882/ früh. 6 Uhr/ Liebste Fanni! Für deinen ausführlichen Brief nochmals meinen besten Dank! Ich freute mich daraus zu erfahren, dß Ihr dieses Reise-Abenteuer glüklich über standen habt u. dß die Kinder sich bei dieser ganzen Geschichte brav benommen haben. - Von mir kann ich nicht viel berichten. Am Montag Abends war ich mit Tomannty [?]; u. Staats-Amwalt [-anwalt] Hindezs [?] sammt Frau beim Bierbaumer; am Dienstag Nachm in Enzasfeld, u. Abends beim Hirschen, wo der 50ste GeburtsTag Schörbichlers mit einigen Bouteillen Wein gefeiert wurde; gestern (Mittwoch) Abends bei Thernten [?] zu einer Whistpartie. Alle empfehlen sich dir; Anna sagte sie werde dir nächstens schreiben. - [gleicher Brief:] Pottenstein 8/8 1882/ Gestern Abds [abends] war ich im Gesang-Verein, u. theile auch mit Tomannty [?] u Hindezs [?] zusammen bei Friedrich. Heute gehe ich Abds in den Pfarrhof u morgen (Samstag) bin ich bei Barme Pittel [?] geladen. Du siehst, dß ich meir die Abende so gut als es in meiner Einsamkeit möglich ist, vertreibe. - Was mein Kommen nach Salzburg betrifft, so habe ich dir vor allem zu berichten, dß gestern im Gesang-Verein beschloßen wurde das für August beabsichtigte Concert nicht abzuhalten/ Ich habe daher in dieser Hinsicht gar keine Rücksichten zu nemen, u. werde daher entweder Donnerstag 21. od Freitag den 22. von hier abreisen, wahrscheinlich mit Benutzung des Schnellzuges od noch über Nacht. Das bestimmte werde ich dir schon rechtzeitig mittheilen. Hoffentlich bleibt mir ein ähnl Abenteuer, wie das Eure war, erspart - Heute habe ich das Gesuch wegen Tonis Schuleintritt geschrieben. Was machen die Kinder? Arbeiten Franzi u Toni doch mitunter etwas?, u lernt auch Franz mitunter. Ich habe bisher vergeblich auf einen Brief von ihr gewartet. Treibe sie nur dazu an! Ich werde ihr dann schon antworten - 8/8 1882 Nachm./ Eben erhielt ich deinen lieben Brief mit Franzi’s Zeilen. Ich danke ihr einstweilen; doch sage ihr, dß sie einige Schreibfehler gemacht hat; mein Versprechen ihr direkt zu schreiben, werde ich nächstens erfüllen. - B[e]ide bitte ich von mir bestens zu grüßen. Es freut mich für dich, dß Ihr heuer wieder zusammen getroffen [hier fehlt etwas?]. Wie befindet sich Mama Plachetka? - Ich muß für heute schließen, damit der Brief noch weggeht. Lebe recht wohl u. denke fleißig deines treuen Franz - „Mama Plachetka“: von der Familie Plachetka ist in den Briefen und im Tagebuch des Franz Spängler von 1860/61 öfters die Rede; die Schwester der Marie Plachetka, Lida [verh. Guttenberg], ist auch eine gute Freundin von Fanni Schlegel, verh. Spängler. | ||
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| + | „1882“ [und andere, bes. 1872 und 1878; nicht endgültig gelesen, deshalb rot verschnürt; Briefe nur flüchtig gesichtet im März 2011] Briefe von Nr.18 Franz Spängler an Nr.19 Fanni Spängler: „Meine liebe Fanny... Dein treuer Mann Franz“ und ähnlich aus Wien 7.1.1872. – aus Mödling 15.1.1872. – aus Wien 29.7.1872. – aus Wien 15.7. ohne Jahr. – aus Pottenstein 15.8.1884. – vier Briefe ohne Datum. – Briefe von Nr.19 Fanni Spängler an Nr.18 Franz Spängler: „Mein Herzensfranzl / liebster Mann... behalt lieb deine Gattin / deine treue Alte“ und ähnlich aus Salzburg [ebenfalls alle folgende Briefe] 17.7.1878. – 20.7.1878. – 27.7.1878. – 30.7.1878. – 14.8.1882 und gleiches Datum beigelegt an „Tante Ho“. – 18.8.1882. – 21.8.1882. – 26.8.1882. | ||
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| + | Briefe [rot verschnürt, nicht gelesen] von Tante Therese von Lürzer = Nr.37 a Theresia von Lürzer-Zehenthal, 1800-14.12.1894, Stiftsdame in Hall i.T., an Nr.18 Franz Spängler in Pottenstein aus Hall 1.12. [ca. 1875-80]; Hall 17.4.1882; mit Briefumschlag [Briefmarke herausgeschnitten, Stempel „Pottenstein 3.12.“] Hall 1.12. ohne Jahr; dito Briefumschlag „5.3.“ ohne Jahr; Hall 27.2.1883; Hall 22.12.1883; mit dito Briefumschlag Pottenstein 28.11.84 mit Brief 26.11.1884. - Angefügt ein Brief von Otto von Lürzer an „Herrn Zetter“ [?], Saalfelden 19.10.1871 [?], nicht näher identifiziert. | ||
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| + | FRANZ SPÄNGLER an FANNI SPÄNGLER: [Pottenstein, 19.8.1882] Liebste Fanni! In Beantwortung deiner letzten Karte inbetreff des Schlüßels möchte ich dir folgendes vorschlagen. - Da es Frl Rupi seit gestern um vieles bessergeht, so kann ich die Schlüssel dr Frl Anna Zemsauer [?] geben, u[nd] ich habe sie auch bereits darum gebeten, u sie es mir gestattet. Es frägt sich nur, welche Schlüßel? Soll ich insbes. auch jenen Schlüßel den jezt Frau Steinmayer hat derselben abverlangen u. dr Zemsauer geben? Was die Rückkunft der Anna betrifft so besteht doch keine Nothwendigkeit, d[a]ß sie mit dem lezten um 1/2 11 Uhr ankommenden Abendzuge hier eintrifft, sie kann ja bereits mit dem Zuge um 8 Uhr kommen, od[er] auch am Samstag früh, denn ich meine, dß es uns fast besser taugen wird, am Samstag im Gasthause zu essen, od schon zu Hause zu kochen. - Diese leztere Frage können wir übrigens auch noch mündlich besprechen, die erstere wegen der Schlüßel-Aufbewahrung ist aber schon teilweise erledigt; über die eben noch offengelassenen Punkte bitte ich umgehend um deine Willensmeinung. - Gestern Abends war ich bei Zink [?] eingeladen, beide lassen sich dir empfehlen/ Neues kann ich nichts berichten. Ich schließe für heute, u küße u grüße dich u die Kinder herzlichst. Dein treuer Franz - Pottenstein 19.8.1882. | ||
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| + | 2 u 3.9.1882 OTTO SPÄNGLER, Salzburg, an FRANZ SPÄNGLER: Lieber Franz! Endlich komme ich dazu, dir wieder zu schreiben. Wie du aus meiner lezten Karte entnommen haben wirst, in welcher ich dir dankend den Empfang Eurer lieben Briefe bestätigte, war ich mittlerweile mit Louise auf 24 Stunden in München. Ich hatte in Handelskammerangelegenheiten dort zu thun; wir haben nämlich den Verkauf des ganzen gewerkschaftlichen besizes angebahnt; ob es gelingt, weiß ich allerdings noch nicht. Ferner gebe ich dir nachfolgend wieder Verrechnung: Einnahmen ...Coupons 36 [Gulden] Ausgaben Franz zu Reise geliehen 25 fl ...36 [Gulden] – Was nun die Abrechnung aus dem Nachlasse der Mutter betrifft, so habe ich mit Ausnahme des Dr Faistauer, von welchem ich troz dreimaliger Mahnung noch immer keine Rechnung erhielt, alles bezalt; Von der Einrichtung habe ich noch immer keinen Erlös erhalten; ich bringe es auch nicht über mich, ihr darum anzugehen; mir war das ganze Räumen u Weggeben der Sachen so gräßlich, dß ich den Muth nicht mehr hatte, in die leere Wohnung zu gehen. – Das runde Arbeitstischchen, an dem die gute Mutter so viele Stunden ihres Lebens saß, habe ich politiren u zusammenrichten lassen; es steht neben meinem Schreibtische; u. in der hölzernen Kassette, welche auf dem Kasten im ersten Zimmer stand, habe ich den ganzen Schaz der Andenken an unsere liebe unvergeßliche Mutter zusammengegeben; ihre Bilder, ihre Briefe, Haare u.s.f. Von XXXken habe ich noch nachzutragen, dß ich Frl. Amalia Tockr [?] auch eine der hübschen Schalen gab. – Bezüglich ds Xxbestättigen Vermögensbekenntnißes möchte ich dich nun fragen, ob es nicht gleich wäre, wenn wir an Barschaft u. Salzburger Sparkassebüchl im Aktivum so viel wegließen, als Doktor, Grabstein, Mietzins etc. im Passivum ausmachen würden? Bitte mir hierüber zu schreiben; mir käme es schöner u. nobler vor und dem Acrar gegenüber bliebe es sich gleich. Von all den meinen an die deinen herzlichste Grüße! Mit stets gleicher treuer Bruderliebe dein Otto. – Übermorgen muß ich einige Tage ins Gebirge. XXX. | ||
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| + | FANNY KOBLER: Briefbogen Seidenpapier, Salzburg 2.10.1882 [1883], von „Urgroßmutter Fanni“ an „Fani“ (Spängler): XXX Mir Gott lob geht es ja zimlich gut. XXX Wan wirst du entbinden XXX Wochenbett XXX grüße Mann und Kinder [schwer zu lesen, da durchscheinend] – ein Sohn Franz Spängler ist 20.10.1883 (?) geboren. | ||
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| + | FANNY KOBLER an FANNI SPÄNGLER: Salzburg am 29te Dez. 1882./ Liebe Fanni! Das ihr Gott sey Dank, euch alle Wohl befindet hat mir mir viele Freude gemacht. Ich danke dir für die guten und vielen Süßigkeiten die du mir güsch [geschickt?] hast. Ich an deiner Stelle hätte weniger so feine und gebrächliche Sachen gemacht. Es gehört viel Geduld dazu; und den Christbaum damit zu schmücken ebenfalls. Mein Befinden ist Gott sey dank, so ziemlich gut. Ich danke euch für die guten Wünsche zum Neuenjahr. Möge Gott meine inigsten Wünsche erhören und auch Gesundheit und Zufriedenheit schücken, auch im kommenden Jahr schücken. An Christabenten warn meine Gedanken immer bey euch; die Kinder werden nicht genug ausdrücken wie schön alles ist. - Grüße deinen Mann und deine Kinder recht herzlich von mir. Bey mir war der Christabend sehr still und langweilig. Lebe wohl liebe Fanni zum Neuenjahr alles gut wünscht deine Großmutter Fanni. | ||
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| + | 1883 | ||
| + | Salzburg 16.1.1883 [zusammengebunden mit den Briefen von 1853; siehe dort] Erzbischof Franz Albert, Briefbogen mit Bildchen von Maria Plain; Salzburg 30.11.1886 Briefbogen mit Bildchen von Salzburg und Prägestempel, (Erzbischof) F.A.; Salzburg 2.12.1888 mit Umschlag [darin habe ich die beiden anderen Briefe ebenfalls eingelegt] und Siegel, Briefbogen mit Bildchen von Salzburg, eingelegt Andachtsbildchen, (Erzbischof) F.A. = [nach Salzburgwiki.at] [[Franz de Paula Albert Eder]] OSB (* 30.1.1818 in Hallein; † 10.4.1890 in Salzburg) war Erzbischof von Salzburg. Er trat 1839 dem Benediktinerorden bei und erhielt seine Priesterweihe im Alter von 25 Jahren in Salzburg. Von 1857 bis 1876 wirkte er als Abt von St.Peter. Am 22.10.1876 wurde er vom Erzbischof von Prag zum Erzbischof von Salzburg geweiht. | ||
| + | „Hochwolgeborenem Herrn Bezirksrichter! Verehrtester Freund! Nun bin ich nach zwei lieben Briefchen dir eine Antwort schuldig geworden. Praeteriere dies omni novus appulit annus: Det Deus Omnipotens optima quaeque Tibi! [Die vergangenen Tage des Jahres... [?]: Möge der allmächtige Gott dir das Beste geben!] Dieß mein herzlichster Segenswunsch für dich, Frau Gemalin und Kindern. Für deine freundlichste Begrüßung und Beglückwünschung aus Anlaß der jüngst (3.d.M. [des Monats]) von Sr.Majestät unserem Kaiser allergnädigst mir verliehenem GeheimenRaths-Würde dir geziemendst dankend benachrichtige ich dich zu gleich, daß ich nach Wien mich begeben werde, sobald die Schulgesetz-Novelle auf die Tagesordnung der öffentlichen Sitzung im Herrenhause gesetzt sein wird und um jene Zeit freue ich mich also aufs frohe Wiedersehen in Wien. Dich samt Frau Gemalin und Kindern herzlichst grüssend und Gottes Schutze anflehend Dein ergebenster alter Freund + Franz Albert Erzbischof. Salzburg 16.I.[18]83. | ||
| + | Dilectissime mi Francisco! Der Namenstag rückt heran und da muß ich wenigstens auf brieflichem Wege nach Pottenstein mich begeben, um im Anschlusse an dem trauten Familiekreis meinen herzlichen Segenswunsch darzubringen. Det Deus Omipotens Tibi quae pia corda prevantur. Contigit ecce binas mihi visere Virginis Aulas, Obtuli Tegne domumque Tuam sine lobe Parenti, Quae cum Prole Tibi clemens, pia, dulcis adesto! [Möge der allmächtige Gott dir geben, was du mit frommem Herzen wünscht...]! Mit herzlichen Grüßen an Frau Gemalin und Kindern Vobis in Xto addictamus + F.Al 30.XI.[18]86. | ||
| + | Hochwolgeborer Herr LandesgerichtsRath! Verehrtester Freund! Als Angebinde zum Namenstage übersende ich mit diesen Zeilen zugleich ein Bildchen, welches ich gestern von Maria Plain mir heimbrachte und meinem lieben Franz samt Frau Gemalin und Familie der Fürbitte und dem Schutze unserer himmlischen Mutter Maria empfehlend versetze ich mich im Geiste in den trauten Familienkreis und bedauere nur, daß durch die Verschiebung des Katholikentages etc auch meine beabsichtigte Excursion und zwar am 1. d.M. verschoben wurde. Mit herzlichem Grusse verharre ich in alter Liebe und Verehrung notus a manu + F.Al archiep. 2.XII.[18]88. [Klein:] Das liebe Schreiben zum 16. v.M. [vorigen Monats] ist mir in München zugekommen wohin ich auf einige Tage mich begeben hatte. Gratias ago debitas. Beigelegt = Bildchen von Maria Plain, rückseitig handschriftlich: Nominis ad Festum precor optima dona salutis! + Franciscus Albertus archiepiscopus / ad 3.XII.[18]88. – Andachtsbildchen von St.Corbinian, rückseitig handschriftlich: Freising bei München am St.Corbinias Translationsfesttage den 20. Nov. 1889 [soll wohl „1888“ heißen]. + F.Al. | ||
| + | Papierspitzchenbildchen mit einem Jesusknaben. – Bei den anderen Briefen [siehe: 19.11.1871] liegen ein Partezettel für Peter Paul Eder ( -1851), Hallein, und Maria Th.Eder ( -1865) und Benediktiner P.Albert Eder gratuliert „Zum XVI.Geburtstage“ [für Franz Spängler 1855]. – Die drei Briefe habe ich im April 2011 bei „Franz de Paula Albert Eder“ in Salzburgwiki.at eingefügt; ein vierter von 1876 kam dazu [für 1886 und 1888 keine Verweise geschrieben]. – Eigenes Foto 2014 = Grabplatte in der Salzburger Domkrypta: | ||
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| + | 17.1.1883 und ff. siehe: Briefe 1872 bis 1887 | ||
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| + | FANNY KOBLER [Nr.79] an FANNI SPÄNGLER [Nr.19]: Salzburg 19te Januar 1883/ Liebe Fanni! Unser Briefwechsel ist ins Stocken geworden, fast einen ganzen Monat hab ich von Euch und euren Beidenn nichts mehr gehört. Ich hoffe ihr werdet euch alle wohl befinden? mir Gott sey dank, geht es auch so ziemlich gut. Die 84 Jahren drüken oft recht schwer. - Ich muß mir oft recht Gewalt an thun mich in der frischen Luft längere Zeit aufzuhalten. Deine 4 Dirndel werden dir Bewegung genug verschaffen. Aber Gott sey dank sie sind Gesund und gedei[he]n/ las dich keine Stunde reuen, die du für sie Verwendest. Wir haben einen schlechten Winter. Schnee fast gar keinen, Regen genug. - Grüße mir deinen Mann vielmals. Im Herbst hoffe ich euch alle bey mir zu seh’n. Die Rosa welche euch alle herzlich grüßt, ist immer etwas kränklicht. Lebt alle recht wohl und bleibt gesund. Dieß wünscht Eure Großmutter Fanni. - Von der Lisi einen Handkuß. | ||
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| + | FANNI SPÄNGLER an FANNY KOBLER: Pottenstein 1.8.1883: Liebe Großmutter! kündigt Ankunft in Salzburg mit dem Postzug für den 7.8. an; freuen „uns sehr auf den Aufenthalt in der lieben Heimat“; der Mann freut sich über die kleine Erholung, hat mit der „Anlegung der neuen Grundbücher“ viel zu tun, „die Kinder spielen stundenlang ‚Reise nach Salzburg’, 15 Stunden Reise, davon 3 Stungen Warten in St.Pölten; Kathi (Magd) begleitet sie. „Zugleich bitte ich dich, für Dienstag Nachmittag 3 Seitel Milch und 1 Seiten Obers [Sahne] zur Jause zu besorgen, da ich weiß, daß man nur in der Frühe Milch bekommt. Eben so viel brauche ich zum Frühstück. Roserl u. Hanna [Hansimutti, geb. 16.5.1882] bekommen nämlich zur Jause und Abends Cacao. [...] Sonntag oder Montag wird meine Kiste kommen, die ich nur in’s Zimmer zu stellen bitte. XXX | ||
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| + | FANNY KOBLER an FANNI SPÄNGLER: Salzburg am 13. September [nach 1882/83] Liebe Fani. Du wirst nicht wißen warum auf dein Brief so lange keine Antwort bekommst, wir hatten das schöne Wetter benuzen müßen um die Betten in die Sonn zu bringen, du weist ja wie groß und schwer sie sind. Morgen wird der Bodenzezer [-setzer] kommen um die Böden einzulassen und zu beüsten [? beizen]. Wie geht es dir, deinem Mann und die Kinde/ Mit dem Pottografie [! Photo-] der kleinen Gesellschaft hast du mir eine große Freunde gemacht, ich danke dir vilmals dafür, sie sind alle gut getroffen. Mir Gott sey dank geht es so zimmlich gut. Ihr werdet woll oft von Salzburg und den schönen Bergen sprächen. - Du würst wohl nicht lange herumgehn? Gott gebe das alles gut vorübergeht/ Vor einigen Tagen hat sich die Feurwache hier Protezirt. d Lostin [?] ist recht schön. Von Linz, Wien, Tirol und Bömmen. Auch die Maschinen sehr zwekmeßig. Die Franzi sollte ja in der Schulle recht fleißig sein. Deinem Mann sage viele Grüße von mir. Lebt alle rech wohl dieß wünscht und bleibt gesund dieß wünscht euere Urgroßmutter Fani. - Meine Augen werden sehr schwach. Grüß Anna und Lotti. Die Liese küß die dir Hand. - Herr und Frau von König [?] haben mich vor einigen Tagen besucht, und haben mich ersucht wenn du einmal nach Wien hinein Fahren würdest sie zu besuchen. Sie sieht recht gut aus, hat einen kleinen Buben. Es scheind ihnen gut zu gehn. Ich denke er muß in Wien in der Akademi angestellt sein Aderweiße [?]. Sie wohnen den Zellfitur [?] gegenüber No 56. - „Die Kinder“ werden gegrüßt, und offenbar wird wieder eines erwartet: Rosa, das dritte Kind, wird 1880 geboren, Johanna 1882 [Nr.9]; Franzi, geb. 1877, ist bereits bzw. soll offenbar in die Schule. | ||
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| + | Briefe und Postkarten von/ an FRANZISKA SPÄNGLER (18.6.1877-1962; Nr.9 a): 1884 Vater Spängler schreibt aus Pottenstein Postkarte an „Fräulein Franziska Spängler, Bezirksrichterstochter, in Salzburg, Mozartplatz 10“, dankt für Brief. „Sei recht brav und folgsam, und mache dadurch der Mutter und mir Freude... dein dich liebender Vater“ | ||
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| + | 1884 | ||
| + | 6.3.1884 siehe: Briefe 1872 bis 1887 | ||
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| + | „August 1884“ siehe bei Oktober bis Dezember 1871 = „1871 und 1884, 1887“ Briefe [...] - „August 1884“ mit mehreren Briefen in einem Umschlag von Nr.19 Fanni Spängler an Nr.18 Franz Spängler „Wolgeboren Doctor Franz Spängler kk. Bezirksrichter in Pottenstein a.d. Triesting“ = Salzburg 1.8. – 2.8. mit zweieinhalb Bogen „...behalte lieb deine Alte“, Erlebnisse von der Reise nach Salzburg zur Urgroßmutter. – 2.8. bis 5.8. einenhalb Bogen Franzi (geb. 1877; Nr.9 a Franziska Spängler, 1877-1962) und Fanni. – 12.8. „deine alte Fanni“. –13.8. Franzi, Postkarte mit kleinem, gedruckten Bild von Salzburg. – 17.8. Fanni. – 17.8. Franzi. – 20.8. Fanni. | ||
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| + | 15.8.1884 aus Pottenstein, siehe „1882“ | ||
| + | 30.12.1884 siehe: Briefe 1872 bis 1887 | ||
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| + | 1885 | ||
| + | FANNY KOBLER (1796-12.7.1886): Brief, 1 Blatt, Salzburg 3.1.1885 verschrieben „1886“ und gestrichen; sie ist 88 Jahre alt] mit zittriger Schrift, von „Großmuttter Fanni“ an „Fani“ (Spängler): Dank für Süßigkeiten, Befinden „zimlig gut“, Augen schlecht, die 80er Jahre sind schon überwunden, „doch kann ich mich darüber nicht beklagen. Das Wetter ist sehr schön“ XXX. | ||
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| + | FANNY KOBLER an FANNI SPÄNGLER: Salzburg am 10te März 1885. Liebe Fanni! Ich danke dir recht ser für deine Wünsche zu meinem Namenstag; ich bin Gott sey dank Gesund, aber mit der Lunge geht es schlecht. ich könte ohne Fürerin nicht gehen. Jezt haben wir schlechtes Wetter da heißt es zu Hause bleiben; ich mache mir mit dem zu Hause seyn, nicht viel deraus. Neues kann ich dir garnicht schreiben. Ani Schlegel läßt dich vielmals Grüßen. Lebe recht wohl mit deinem schweren Leiden bis wir uns wiedersehn. Wie immer deine wohlmein[en]de Fanni. | ||
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| + | FANNI SPÄNGLER (Nr.19) an FRANZ SPÄNGLER (Nr.18): Salzburg, 29/7 1885/ Liebester Mann! Wie sehr freute mich deine Karte. sei herzlichst dafür geküßt, aber nicht mehr, du Lieber, du gönnst dir gewiß 3 Wochen? Um mit einiger Ordnung zu erzählen theile ich dir mit, daß unsere Herreise absolut ohne jeglichen Zwischenfall verlief, die Umsiedlung in Amstetten ging ganz ruhig vor sich, wir hatten 19 M. Zeit, bis Reindorf war noch eine Familie im Waggon. Dann waren wir beinahe allein. Die Kinder waren im Ganzen brav der Bubi und Hanna schliefen Nachmittags lange, die lezte Zeit haben wir Alle geschlafen. Mutter u. Minna erwarteten uns am Bahnhof, auch ein Wagen war für uns bestellt. Maria u. Emma erwarteten uns in der Wohnung auch Mutter u Mina kamen noch, und so wurde es spät ehe wir ins Bett kamen. Ich bin heuer mit Comfort eingerichtet, besitze hinreichend Sessel und sogar ein Ruhebett, auf dem Toni schläft. Nachdem ich heute angezogen war, ging ich zu Großmutter, die mich zu meiner großen Freude sogleich erkannte; ich hatte gefürchtet, daß sie sich nicht mehr meiner erinnert. Sie war recht freundlich, doch ist ihr Geist sehr schwach. Nach Tisch behauptete sie, sie habe noch nichts gegessen doch war dieß nicht richtig. Als ich zum Haus heraus trat fand Director Lorinser und Gehil[f]e bei Tomaselli [Café am Alten Markt, neben Nr.10 der Kobler], was mich sehr freute. Ich blieb einige Zeit bei Ihnen sitzen dann ging ich unter Emmis Assistenz mit den drei Großen ins Bad nach Mülln [Salzburger Vorstadt]. Auch die beiden Kleinen waren mit, doch ohne zu baden. Unser erstes Mittagsmal bei der Hölle [Gasthaus „Höllbräu“] ging auch in leidlicher Ordnung ab. Hierauf machte ich mit den vier Dirndln Besuch bei Otto und Luise [Louise Spängler], welche dich bestens grüßen. Sie gehen morgen nach St.Gilgen für etlige Tage. Bei Otto schlief Hanna am Boden fast ein. Einige Minuten waren wir nun [?] schon, dann Grabe deiner guten Mutter. So oft ich an dem Gitter ihrer einstigen Wohnung vorbeigehe, thut es mir leid, daß ich nicht mehr zur gütigsten aller Schwiegermütter gehen kann. - Unser kleines Volk geXX [?] ihr wol. Bei Koch ist vor ganz kurzer Zeit das dutzend Kinder vollständig geworden. Während Maria Koch im Wochenbette lag, brach der kleine Max den Fuß beim Schaukeln, und Olga bekam aus Schreck darüber einen FXXanfall - - - Nach der Taufe war ich und Kathi mit den Kindern im Mirabellgarten. Das ist alles ganz normal [?]. Abends aber war ich sehr unternehmend indem ich Dr. Lorinser im Hotel Griesberger aufsuchte wohrauf [?] Ziller Anna kam. Wir blieben bis 10 Uhr sitzen. Auch Millichhofer war dort, dann begleitete ich Anna ein Stück, hierauf sie mich, bei welcher Gelegenheit ich hörte, daß Frau Lida [Guttenberg] jeden Tag ihre Entbindung erwarte. Man muß nichts merken./: Eben ist Franzi aus dem Bette gefallen.:/ - Dr.Lorinser sieht sehr mager und kraftlos aus, morgen reist er nach Gastein. Anna Zillner sagte mir, daß nach ihres Vater Ansicht Dr. Lorinser ein Rückenmarkleiden habe. - Eduard Zillner ist gegenwärtig in Lofer, wo es ihm gut gehen soll. Die Reise nach Italien hat ihm nicht gut getan. Für heute schließe ich mit der herzlichen Bitte, strenge dich nicht gar so sehr an und kom auf drei Wochen! Mit 10 000 Grüßen deine Alte. - 3/4 12 Nachts. - [ziemlich undeutlich mit Bleistift geschrieben] „Bubi“: Franz Xaver, geb. 1883, „Hanna“: Johanna (Hansimutti), geb. 1882. „Toni“ geb. 1879, sechs Jahre alt. „Großmutter“: Höllbräuin Fanny Kobler, gest. 1886. „vier Dirndl“: Franzi(8), Toni(6), Rosl(5), „Hanna“: Johanna(3); Franz Xaver(2), Otto wird dann im Mai 1886 geboren (wird darauf angedeutet?); „Otto und Luise“: Otto Spängler (Bruder von Franz) und seine Frau Louise (siehe unten). - „Mutter“ (Schwiegermutter): Maria Antonia (Antonia) Spängler, geb. Lürzer, gest. 1882. - „Bahnhof“: der Salzburger Bahnhof wird 1861 eingeweiht; „Tomaselli“: das Café Tomaselli, Alter Markt Nr.9, neben Koblers Haus Nr.10, oder der „Tomaselli-Kiosk“ ist um 1900 ein beliebter Treffpunkt in der Stadt (vgl. Dopsch, 1996, S. 483). - „#Lorinser“: In dem Fotoalbum, das Fanni Spängler kurz vor der Hochzeit 1872 von einer Freundin bekommt, ist u.a. ein „Dr. Friedrich Lorinser“ (1866) abgebildet, Vater einer Freundin, Minna Lorinser, aus der Salzburger Schulzeit. | ||
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| + | FANNI SPÄNGLER an FRANZ SPÄNGLER: [Salzburg] 30.7.1885. Liebster Mann! Heute mußte ich leider umsonst auf ein Wort von dir warten. Ich hoffe zu Gott, daß es blos ein kleines Versäumniß ist, das dich am Schreiben hinderte. Heute Vormittag war ich in Angermeyers Wohnung, welche daneben der Familie Julius bewohnt. Angermeyers bewohnen ein Zimmer im Nebenhause, welches Hofrichter Spängler vermiethen. Ich traf nur Pepi, der recht gut aussieht/ Bei Julius ist Tochter Berta recht krank, Frau Berta und Helmer sehen auch nicht gut aus. Sie sind nun wol schon ruhiger über ihren Verlust. Dort traf ich Frau Ida Maier, die von Taxenbach hier ist um ihre Entbindung zu erwarten, die bald erfolgen dürfte. Sie scheint ganz vergnügt, sieht jetzt ihrer Mutter merkwürdig ähnlich. - Nach Tisch wollte ich noch [?] zu Schneeberger dann zu Schumacher gehen, blieb aber bei Schneeberger sitzen; wir hatten gar so viel zu reden. Großmutter zeigt jedesmal Freude, wenn ich komm, die Kinder gefallen ihr, doch sobald ich das Zimmer verlaße, hat sie auch vergeßen, daß ich hier bin. Vermutlich begegnete ich LgR. Chaberl [?] Abends [.] Präsident Mathes LugXX erkannte mich nicht. Später traf ich Lerer Weiß und Gemalin samt Schwiegertochter und den drei reizenden Mädchen. Als ich Abends heimkam war Großmutter wieder ruhig am Nachmittag aber fantasierte sie lebhaft. Das ist ihre große Schwäche. - Gute Nacht für heute, wenn ich Morgen ohne Nachricht von dir bleibe, so telegrafire ich an dich. - [gleicher Brief, mit Tinte fortgesetzt:] 31.7. [1885] Liebster Franz! Heute Morgens bekam ich deine Karte von vorgestern und heute Mittag die gestrige. Ich küße dich tausendmal dafür. - Heute war ich mit den Größeren in Leopoldskron und ließ Toni und Franzi Schwimmunterricht geben. Toni ist noch zu wurstelhaft [?], Franzi scheint sich gut darein zu finden. Sie bettelt, ich soll sie für einen Monat abonniren/ es würde 3 fl kosten. Ich weiß noch nicht was ich thue. - Denke dir, heute Vormittags bekam Großmutter einen Anfall von Verfolgungswahn, sie wollte zum Fenster hinaus rufen um Hilfe und eben jezt 3 Uhr Nachmittags fantasirte sie wieder. Sie spricht von drei ermordeten Kindern und daß man dafür keine Beweise habe, sonst könne die Person in[s] Kriminal. - Ich schicke nun Dr. Minnich [?] und bin neugierig was er spricht. - Ich schließe mein Geschreibsel mit 100 [?] Küßen. Gruße Fanni. - [ziemlich undeutlich mit Bleistift geschrieben; am nächsten Tag nach dem vorigen Brief!] Brief von Fanni Spängler [Nr.19] an ihren Mann, Franz Spängler. - „Hofrichter Spängler“: Joh.Peter Maria Spängler (1792-1837) ist Hofrichter des Stiftes Nonnberg in Salzburg; vielleicht ist hier die Familie seines (einzigen) Sohns Anton Spängler (1831-1913) gemeint. - „Schumacher“: [?] Albert Schumacher wird 1888 zum Salzburger Bürgermeister gewählt (vgl. Dopsch, 1996, S. 496). „Leopoldskron“: Salzburger Schloß mit Teich usw., wird in den Briefen öfters als beliebtes Ausflugsziel erwähnt (auch die Badeanstalt ist dort). Das Schloss ist übrigens, nach hochverschuldeten Vorbesitzern, kurzfristig von 1890 bis 1895 zur Hälfte im Besitz des Bankiers Carl Spängler [Auskunft von Roland Widerin, Salzburg 1997]. - „Toni“ (6), „Franzi“ (8). | ||
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| + | Franzi Spängler (Tochter) und FANNI SPÄNGLER an FRANZ SPÄNGLER: [Salzburg, 1.8.1885] Lieber Vater! Die Mutter läßt dir danken für deine Karte und grüßt dich herzlich. Gestern waren wir in der Schwimmschule und ich hatte dort die erste Schwimmstunde. Heute hat mich die Mutter abonnirt als Schülerin und zahlte drei Gulden für den Monat. Heute ging es mir schon recht gut bei der Schwimmstunde, ich durfte schon weiter schwimmen, bin auch zweimal gesprungen. Ich nehme mir vor, beim Schwimmen recht aufzumerken, um der Freiprobe [Freischwimmen] möglichst nach zukommen. - Lebe recht wohl lieber Vater, behalte lieb deine dankbare Tochter Fanny. - Salzburg, den 1. August 1885. - [mit Bleistift] Lieber Vater! Deine Toni schikt dir einen Kuß. - [mit Bleistift] Lieber Mann! - Den Briefen unserer Kinder kann ich nur beifügen, daß ich dich innigst grüße und küße und wegen des Urlaubs bitte, 3 Wochen/ Großmutter ist heute ruhig. Deine Fanni Sp. - Toni, 6 Jahre alt. Nachsatz der Mutter Fanni Sp[ängler]. | ||
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| + | FANNI SPÄNGLER (Nr.19) an FRANZ SPÄNGLER (Nr.18): Salzburg 2/8 1885/ Liebster Mann! Mit innigster Freude empfing ich deinen lieben Brief und bin mit dessen Inhalt sehr zufrieden; in der Thatsache, daß dein Urlaub 17 nicht 21 Tage dauern soll, muß ich mich halt fügen und ich freue mich einstweilen auf dich. Daß Herrn Neufeld noch eine fünfzig Guldennote für Euch gab, freut mich; dieser Herr schein[t] gut mit Kleingeld versehen zu sein. - Für den Touristenausflug am 9./8. wünsche ich viel Vergnügen und gutes Wetter. An diesem Tage werde ich wol kaum Nachricht von dir haben. - [gestrichen:] 3/8. Franzis Brief ist hoffentlich heute dir zugekommen. Sie stellt sich wirklich recht geschickt zum Schwimmen [an] und hat eine große Freude. Auf dem Heimweg von Leopoldskron begegnete uns gestern Fr. v.Plachetka die mich und die drei Größeren auf ihren Einspänner packte, und uns rings um den Leopoldskronenteich führte. So kamen wir zu einer Spazierfahrt. Nach Tisch machten wir einen Gang über den Mönchsberg, wo es mir auf’s Neue wolgefiel. Es wäre doch hübsch, wenn unsere nächste Übersiedlung hierher wäre! - - - Übrigens ist auch Korneuburg ein hübscher Ort. Morgen fortsetzung. - Liebster Mann! 4/8./ Deine Karte habe ich gestern Abend bekommen, auch heute Vormittag deine leztgeschriebene. Gestern u. vorgestern heute waren wir in Leopoldskron. Gestern sprang Franzi zweimal und heute denke dir, welcher Schreck! ist sie nicht zum Springen zu bewegen gewesen. Ich habe ihr alles [!] Ernstes gesagt, daß, wenn sie zu feig zum Springen ist, sie keine Schwimmstunde mehr bekommt. Sie versprach, morgen wieder zu springen. Gestern war ich Nachmittags allein bei Großmutter, da ihre Magd mich gebeten hatte, daß sie einmal nach Maria-Plein gehen möchte. - Gertraud ist eine sehr brave brauchbare Person, ich kann nur wünschen, daß sie bei Großmutter aushalten möge. Großmutter war recht ruhig und ziemlich klar. - Es kam eben das Inkasso von Schrems [?] durch Dr Widmann, mit meiner Beihilfe, freilich kaum leserlich unterzeichnete sie die Quittung, frug auch um den Betrag/: 350 fl:/ welchen ich in die Kasse versperrte, den Schlüßel hat meine Mutter in Händen. Mit Großmutter’s Bewilligung nehme ich mir den Bedarf für unser Essen Mittag u. Abends. Sie kümmert sich nicht weiter darum. Bis du kommst muß in den Geldangelegenheiten andere Ordnung werden. - Für heute lebe wol 1000 Küße. - Liebster Franzl! 5/8./ Ich muß dir doch wieder einmal sagen daß ich dich sehr lieb habe, und mich sehr auf dein Kommen freue! Im Übrigen geht es uns sehr gut. Heute hat Franzi wieder gutgemacht was sie gestern beim Springen schlecht machte. Zweimal sprang sie nach einigem Zureden und durch einen leichten Stoß veranlaßt, zum Schluß der Lektion sprang sie noch zweimal ohne Zögern. Ich hoffe dieser Anfall von Feigheit wäre vorbei. Im Übrigen schwimmt sie recht ordentlich. Wir gehen immer Vormittag nach Leopoldskron. Bei meinen Schwestern bin ich heuer weniger als andere Male, da Rosa [die jüngere Halbschwester von Fanni] leider immer recht leidend ist, und keinen Lärm der Kinder verträgt. Sie sieht recht übel aus. Gestern war ich bei Schumacher. Erna ist bedeutend schlanker geworden/ sieht aber sonst gut aus. Mit vielem dank für die heutige Karte schließe ich diesen Brief. Behalte lieb deine Fanni - Grüße von Franzi u[nd] Toni. - Tochter „Franzi“ ist 8 Jahre alt; „Großmutter“: Fanny Kobler, geb. 1796, 89 Jahre alt. | ||
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| + | FANNI SPÄNGLER (Nr.19) an FRANZ SPÄNGLER (Nr.18): Salzburg 7./8.1885/ Herzliebster Mann! Ich empfing mit großer Freude Brief und Zeitung, als ich eben mit Mama, Plachetka und dem damenquartett auf dem bekannten Gang in die Schwimmschule war. Nicht ohne einiges Herzklopfen öffnete ich deinen Brief, denn ich war wirklich diejenige, welche fotografie und biografische Notizen dem Herrn Lencke [?] über Ersuchen des Hrn: Controlves [?] auslieferte. Bei Frl: Zesmsauer [Zemsauer] kannst du dich von dem überzeugen, was ich schrieb, da sie mein Concept sich behielt. Die Notizen schöpfte ich aus deinen vor 14 Jahren an mich geschriebenen Briefen, bei welcher Gelegenheit ich mein heimlich süßen Genuß daran hatte, deine lieben Briefe theilweise durchzulesen. Ubrigens finde ich die Bilder recht gut und glaube, du solltest mir noch ein oder zwei Exemplare wenns leicht sein kann. Ich habe die Notizen in allereinfachster Weise gegeben; das damit verbundene Lob deines Wirkens ist weXX/ und gewiß wird Niemand der dich kennt, mutmaßen, du selbst habest dir Weihrauch streuen wollen, und was die journalistische Thätigkeit betrifft, so hast du ja doch eh und je geschriftstellert/ vide die Geschichte des Pottensteiner Männergesangsvereines:/ Aber gelt, böse bist du mir nicht, darüber beruhigt mich der Vorschlag mir noch weitere Exemplare zu senden und dann deine übrigen liebevollen Zeilen. - Über Franzi’s Schwimmen kann ich dir Befriedigendes sagen. Sie schwimmt an der Stange zwei bis drei Längen ohne Unterbrechung und heute glaubte ich zu bemerken, daß der Schwimmmeister öfters den Versuch machte ob das Wasser sie schon trägt, indem er die Leine an der Stange ziemlich wenig anspannte. Das Mädel ist ganz glücklich über das Schwimmen und so hoffe ich das Beste. Die anderen Kinder befinden sich sehr wol zuweilen nehme ich die 4 dirndln mit nach Leopoldskron, Toni u[nd] Roserl gehen meist ins Stehbad. Mit Toni lese ich, wenn möglich täglich, Franzi kommt leider wenig zum Klavier da wegen Rosa daheim nicht mehr gespielt werden soll. Mit den täglichen Gang nach Leopoldskron geht eigentlich die meiste Zeit dahin. Bisher war das Wetter sehr günstig heute Nachmittag begann es zu regnen, so Gott will, wird doch kein Landregen werden. So viel es möglich ist will ich mit Franzi schwimmen gehen. Ich gehe manchmal noch ins Wasser, zuweilen bleibe ich heraußen. - Großmutter’s Befinden ist ziemlich gleich, manchmal ist sie klar/ doch ist das Gedächtniß schwach. Mit Rosa ist es eine schwere Sache, ich habe mit Mutter über eine eventuelle Reise der Rosa zu/uns gesprochen, doch wird Rosa sich schwerlich entschließen. - Über Bruder Karl wage ich mit Mutter nicht zu reden, Schneeberger sprach mir von ihm, daß er eben keine Prüfung macht, und daß zu fürchten ist, daß er zu keinem Ende mit seinem Studien kommt. Ich habe bei Karl stets das Gefühl, daß er/seine Zeit nicht benuzt! - Für heute gute Nacht in einer Woche auf Wiedersehn - Behalte lieb deine schlaftrunkene Alte, - Ich schließe auch ei[n] Stück Englisch Pflaster bei, ich kaufte gestern um 10 fl. ein großes Stück, und daheim ist nur noch wenig. - „Notizen“ möglicherweise für eine Bewerbung in Korneuburg (siehe oben). | ||
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| + | FANNI SPÄNGLER an FRANZ SPÄNGLER: Salzburg 8/8 1885./ Liebster Mann! Anliegend folgen die „wahren Abbildungen“ zweier dir hoffentlich nicht ganz unbekannten Personen/ Ich hoffe du bist leidlich zufrieden und bitte dich, mir baldmöglichst zu sagen wieviele Exemplare ich bestellen soll, ich sagte bei Würthle daß ich erst nach Rücksprache mit dir die Bestellung machen wolle. Heute nach Tisch wollte ich eben ausgehen um Pittel’s [?] zu sehen, als mir dieser brave Geist von Tomaselli mir die Karte der Baronin brachte mit dem Ersuchen zum Kiosk zu kommen. Ich eilte in Roserl’s Begleitung hinunter und begleitete den Pittel’s bis zur Ernest Thunstraße, da sie zum 3 Uhr 40 Minutenzuge gingen, um nach Reichenhall zu fahren. Morgen reisen sie nach Gemunden. - Heute waren Franzi und Toni bei Tante Luise kamen auch mit ihren Cousinen in das Leopoldskron. Ihr Eifer für’s Schwimmen wir[d] stets größer, jezt wage ich zu hoffen, daß sie in diesem Monat die Freiprobe mache[n] kommt. Großmutter ist stets gleich, manchmal nicht klar manchmal ziemlich wirr. - Ich schließe mit 1000 küßen. - Guten Morgen Liebster! 9./8. ½ 7 Uhr früh. Ich möchte, ehe ich in die Predigtmesse gehe, diese Sendung expedieren. Heute habe ich verschiedene Bitten an dich. Durch Otto’s Güte bekomme ich die Erzählung aus der freien Presse, die Blätter darf ich behalten. Nun wurde durch Unachtsamkeit die Fortsezung vom 2/ August früher verrißen als ich sie lesen konnte, möchtest du bei Herrn Frühwald mir das Blatt verschaffen? Wenn das nicht geht, so muß eben meine Fantasie das Fehlende ergänzen. Zweitens bitte ich dich, mir aus der obersten Schublade des Kastens im Vorzimmer die blau geringelte Hausbluse mitzubringen, nicht schicken, ferners wirst du in der Tischlade im Magdzimmer jene wiedergefundene Scheere in sehr rostigem Zustand finden, die möchte ich hier herrichten laßen und in der Lade meiner Nähmaschine ist jene gebrochene Scheere, es ist ein neuer Schleifer hier, vielleicht kann er den einen Griff dafür machen. - Endlich the last, not the least haben wir hier eine Kafemühle im Gebrauch welche die Traudi entlehnt hat, so möchte ich unsere von dir bringen laßen; diese ist für unsern Bedarf längst sehr klein geworden, und für uns hier eine größere Kafemühle kaufen. Unsere Kafemühle findest du im Küchenkasten, welcher zunächst der Verandathür steht, im dritten Fache/ Mir ist es zuwider, daß Großmutter[s] Magd nicht einmal eine Kafemüh[le] hat. Heute will ich sogleich nach Tisch mit den Kindern nach Hellbrunn fahren, da später keine Stellwägen zu bekommen sind. Gestern sprach ich kurz mit Angermayer’s, später mit Vetter Julius, laßen dich grüßen. - Ich freue mich schon sehr auf dich, Lieber, hast du dich schon zu einer kleinen Reise entschloßen, oder kommst du direkt zu deiner dich allzeit herzlich liebenden Fanni. - Grüße alle Bekannten in Pottenstein. - Eine Cousine Maria Spängler ist mit Vinc. Angermayer verh. | ||
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| + | FANNI SPÄNGLER an FRANZ SPÄNGLER: Salzburg, 13./8. 1885. Lieber Mann! Heute hoffte ich zu hören an welchem Tag und welche Stunde du kommen wirst. Ich freue mich schon so sehr auf dich doch der Brief kommt mal erst Abends. Ich hoffe diese Zeilen sind die lezten für dich wohl nach Pottenstein. Wenn du nicht direkt fährst so schreibe mir wohin ich dir Post restant schreiben kann. Einerseits wünsch ich dir eine kleine Reise herzlich gerne, doch meine Selbstsucht wünscht du mögest Sonntag früh hier eintreffen. Heute erwartet man wieder einmal das Dampfschiff doch stinkt es leider wieder nach dem Schlachthause. Uns geht es gut, Franz schwimmt fleißig. Gestern habe ich Mutter angetragen, hierher mir Anna mitgeben, die auch an XXmut leidet, vielleicht wäre für diese Luftveränderung gut. mündlich weiters - deine Fanni. - [quer groß über die Karte:] Aus deinem Brief erfahre ich noch nicht, wann du hieher kom[s]t/ Bitte um Antwort - - Correspondenz-Karte An „Herrn Doctor Franz Spängler - kk Bezirksrichter“ in „Pottenstein a.d. Triesting“; gestempelt Salzburg 13.8. und Pottenstein 14.8. | ||
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| + | FANNI SPÄNGLER an FRANZ SPÄNGLER: Salzburg 15./8 1885. Lieber Mann! Du wirst dich heute gewundert haben, von mir eine Karte zu erhalten; doch hatte ich so fest darauf gerechnet, daß es bei dem Tag deiner Abreise bleibt, daß ich meinte, die Karte werde dich nicht mehr treffen, und deshalb nicht schrieb. - Es wäre mir lieb gewesen, wenn du dieser Tage wenigstens andeutend den Aufschub deiner Reise erwähnt hättest - Mir war es Otto und Luise [Louise Spängler] gegenüber peinlich, daß ich nichts Bestimmtes wußte, auch würde ich nicht heute mit allen 5 Kindern zum Postzug hinausgegangen sein, ich hatte mich schon so sehr auf dich gefreut. So wird also dein 4 wöchtentlicher Urlaub nach Möglichkeit reduzirt, Je nun, es läßt sich nichts dagegen thun! Daß der Herr Bürgermeister von wegen seiner strengen Frau nicht fort kann ist sehr traurig für ihn, ich hatte ihn nicht für so fügsam gehalten. - Vielleicht besinnt sich die Frau Bürgermeister noch anders, und er bekommt den Urlaub. Was ist denn mit der Reise nach Lungau? Wenn du sie noch vorhast, so wäre es [für] dich besser, sie gleich zu machen, denn es ist fraglich, ob du dafür nochmals fortkommst. - Der Bedienerin sollst du meiner Meinung nach doch die drei fl [Gulden] geben, da ja für die Woche 1 fl nicht zu viel ist. Ubrigens ist sie ja arm. Und so muß ich also noch länger auf dich warten nach meiner Meinung wäre die Trennung ganz lang genug gewesen. - Ubrigens geht es uns gut, und das Wetter ist köstlich, das ist für die Schwimmschule sehr nützlich. - Hoffend, daß deine Reise sich nicht noch mehr hinausschiebt und mit dem Wunsche, daß du dich noch gut munterhalten solltest. bin ich deine Fanni. - Die Kinder schicken dir noch Grüße und Küße. - Allen Bekannten Grüße. - „Otto und Luise“: Schwager Otto Spängler und dessen Frau. Siehe auch folgenden Brief als Antwort. | ||
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| + | FANNI SPÄNGLER an FRANZ SPÄNGLER: Salzburg, 16./8.1885. Lieber Mann! Zu einer angenehmen Uberraschung bekam ich heute deine Karte; ich hatte gedacht du werdest meine Unterlassungssünde bestrafen und mir auch nicht schreiben. Ich danke dir dafür. Aber nun wird es doch Anderentag [?] bleiben mit der Abreise. Heute sprach ich sie vor Sattler, sie freut sich schon dich zu sehen. Hofrat Chiari sah ich neulich, von Weitem. Eduard Zillner [?] soll auch diese Woche kommen, es geht ihm bedeutend besser in Lofer. Ludwig und Julius Spängler sah ich heute. Ludwig reist heute wieder fort. Alles trägt mir Grüße an dich auf und theilt mein Mißvergnügen über die sträfliche Verkürzung deines Urlaubes. Sonst geht es gut. Großmutter kräftigt sich etwas. Sie ist recht freundlich. die anderen grüßen. Deine alte Unzufriedene - Correspondenz-Karte An „Herrn Doctor Franz Spängler - kk Bezirksrichter“ in „Pottenstein a.d. Triesting“; gestempelt Salzburg 16.8. und Pottenstein [unleserlich]. - „Ludwig und Julius Spängler“: jüngere Cousins; Ludwig, geb. 1828, verh. Muffat (in Wien); Julius, geb. 1837, verh. Langer. Von „Julius“ ist im Tagebuch des Franz Spängler von 1860/61 immer wieder die Rede; er studiert zusammen mit ihm in Graz, und dem Tagebuch nach sind sie ‘unzertrennlich’. | ||
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| + | FRANZ SPÄNGLER an FANNI SPÄNGLER: Meine liebe alte Unzufriedene! Ich muß dir heute schon jenen Titel geben, welchen du dir selbst in deiner mir soeben zugekommenen Karte beilegst. Es klingt vielleicht etwas selbstbewußt u eitel, wenn ich mich der Erwartung hingebe, daß mit meinem Erscheinen deine Unzufriedenheit ein Ende haben wird, ja ich hoffe ferner [?], daß dieser Brief etwas zur Minderung der Unzufriedenheit beitragen werde. - Aber eines kann [ich] nicht recht mit der Logik vereinbar finden; du sprichst dein Mißver/gnügen über die Verzügerung meiner Abreise herbeigeführte Verlängerung unserer Trennung aus u. doch machst du mir den Vorschlag, ich solle eine kleine Reise zuerst machen u dann erst nach Salzburg kommen, also nochmals die Trennung verlängern. Wie reimt sich das zusammen? Ich will ebenselbst die Trennung nicht verlängern u. werde also morgen Abends abreisen u.s. direkt nach Salzburg/ Ich freue mich nun schon sehr auf dich, u. rechne darauf, daß du mich nicht mehXX Unzufriedene empfangen werdest. - Ich schreibe gleichzeitig einige Zeilen an meinen Bruder Otto. - Indem ich dich und die Kinder herzlichst grüße u küße, verspare ich mir weiteres auf mündlichen Verkehr u bleibe dich im Geiste innig umarmend - Dein treuer Franz/ Pottenstein 17/8 1885 | ||
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| + | Verwandte [MARIA SPÄNGLER] an FANNI SPÄNGLER [Nr.19]: [Linz, ca. 1885] Liebe Freunde! Wenn ich mich auf m. Mann verlasse, daß er Euere liebenswürdigen Aufmerksamkeit durch die Sendung zu einigen Dankzeilen kommt, so täusche ich mich gewöhnlich und so thue ich es ganz für ihn; es hat uns sehr interessirt von Eurem geselligen Leben und erfolgreichem Unterbungen [-nehmungen] hiezu zu lesen; überhaupt steht unsere Ansicht fest, daß es für jeden Ort von Nutzen und ein Glück ist wo Franz hinkomt! Wie lebt Ihr denn sonst immer? Werdet Ihr heuer nicht nach Salzburg reisen und wann? Sehen wir Euch hier? Wir waren vom 22/6 bis 10/7 wieder oben; meine Zeit war aber recht gekütt [?] da m. Schwester sehr leidend war u. noch ist an Lungen u. Herzleiden. Wir sind gesund, Franz seit der Rückkehr tüchtig in Suplirung eingespannt. Mit den allerherzlichsten Grüßen von uns allen an Euch alle lieben Eure Verwanten in Linz - Briefkarte: Stempel Linz [Briefmarke entfernt] 12 XX, Wien Südbahnhof 13.8.85 [?], Leobendorf Bahnhof 13.85 [?], Pottenstein 13.8. - „für jeden Ort...“: Dr.Franz Spängler ist seit 1880 Bezirksrichter in Pottenstein, ab 1887 dann in Krems. | ||
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| + | FANNY KOBLER an FANNI SPÄNGLER: Salzburg den 19. Dezember 1885/ Liebe Fanni! Ich wünsche dir ein recht glückles Neues Jahr. Grüße mir deine Mutter und deine Beiden. Mir geht es Gott lob gut. Ich wünsche das ihre auch alle gesund bleibt bis auf wieder sehn. - Lase auch von dir auch bald etwas hören. Fanni Kobler. - Geschrieben mit 89 Jahren von Franziska (Fanny) Kobler [Nr.79], geb. 1796 in Salzburg, gest. 12.7.1886, „Höllbräuin“ (siehe oben), an die Enkeltochter Fanni, seit 1872 verh. mit Franz Spängler. - [innen ohne Datum im gleichen Brief]: Wohlgeboren gnädige Frau Ich wünsche Ihnen auch recht fröhlich u. Gesunde Weihnachten, u. zugleich ein Glückliches Neues Jahr. Möge der gütige Gott Ihnen u. Ihrem Herrn Gemahl u. die lieben Kinder wieder recht Gesund erhalten, was ich Euch von Herzen wünschen möchte. Die Großmutter war sehr erfreut über das gebäk das gestern nachmitag gekomen ist/ hat gleich verschiedenes gegessen, aber Ihr Verstand ist seidt gestern nachmitag wieder so zerrittet, wie seidt 6 Wochen nie, gestern vormitag wars so gut das Sie selbst die ersten Zeilen an Ihnen geschrieben hat. Heut ist Sie auf mich so böß, die Polizei muß mich holen, weil ichs bestel u. betrüg, in der Nacht hat Sie müßen in einem schlechten stünkerten Handwerks burschen Bett liegen, was Ihr alles einbild das ist zum lachen/ Meiste Zeit ist die Großmutter beim Höllbräu mit die Mägd in Zorn, wenn Sie mir alle möglichen Titteln gibt, u. der andern Zofe ruft, vor ein par Wochen sagt, Sie werde bald nach St.Sebastian hinüber gehen, ins Bretl rutschen den vorigesjahr bin ich auch samt heut hinüber gangen, bin trüben Gestorben u. habe mich Bretlrutschen lassen. Seit einem Monat ist Sie doch wieder ziemlich [gesund] was sehr gut ist. Die Großmutter sieht jezt besser aus als im Sommer, aber die Kraft ist schlechter, werd nicht zabelt [„zeppeln“ = mit kleinen Schrittchen gehen] so kan Sie fast nicht einmal Tags über das Zimer gehen, der Abadit [Appetit] ist schon seit 2 Wochen nicht gut. Ich bitt um entschuldigung der Schreibfehler. Ich XXX XXX XXX XXX Ich Küß Ihnen achtungsvoll die Hand. Gertraud Hausner. Ich bitte einen Handkuß dem gnäden Herrn, u. viele Grüße Ihren lieben Kindern u. Kathi. | ||
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| + | an FRANZISKA SPÄNGLER (18.6.1877-1962; Nr.9 a): Vater Spängler schreibt 1885 aus Pottenstein nach Salzburg, kündigt seinen Besuch in Salzburg an | ||
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| + | 1886 | ||
| + | FANNY KOBLER an FANNI SPÄNGLER: [Salzburg 1886] Liebe Fani! Entlich komme ich dazu dir einige Zeilen zu schreiben. Mit ge[h]t es Gottlob so ziemlich gut. Ich bin ja in die 90 Jahre noch im stande am Arm meiner Magd in der Nachbarschaft einen Besuch zu machen. Zu deinen kommenten Namenstag wünsch ich dir alles Gute/ Grüß mir deinen Man vilmals. Deinen viele Kindern Grüße und Bußernl. [!] von Fanni Kobler - Geschrieben mit 90 Jahren von Franziska (Fanny) Kobler [Nr.79], geb. 25.9.1796 in Salzburg, gest. 12.7.1886 (ihr letzter, undatierter Brief). Fanny Kobler wohnt zuletzt, wie der Eintrag in ihrem Gebetbuch ausweist, „Haus No.10. Altenmarkt Plaz“; sie stirbt „den 12 Juli 11 uhr Nachts 1886“. | ||
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| + | Salzburg, Alter Markt Nr.10 (blau), zweiter Stock, neben dem Café Tomaselli Tomaselli, Nr.9; eigene Fotos 2014 | ||
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| + | FANNI SPÄNGLER an FRANZ SPÄNGLER und zurück: 3.8.1886, Brief aus Salzburg an Franz: „Liebster Mann! Indem ich für die heute erhaltene Sendung dir beßtens danke, gehe ich sogleich an die Beantwortung deiner verschiedenen Fragen. Franzi dankt dir für die Sendung, es ist alles in Ordnung. Toni’s erster Strumpf ist hin. Unter unsäglichem Quietschen hat Toni heute ihre Aufgabe bewältigt, sie heulte den ganzen Vormittag zum davonlaufen doch all’ ihr Jammer war machtlos vor mir. Da das Wetter schlecht ist, sind die 4 Dirndln unter Schwester Emma’s Schutze bei Mitzi“... ...“Heute brachte mir Herr Lauterbacher den Zins XXX per 350 fl. ich legte das Geld vorläufig in unsere Kasse, da ich nicht weiß, ob du dasselbe ganz oder teilweise in die Sparkasse legen willst. Ich habe vor der Hand noch Geld; da ich den Lohn auszahlte habe ich noch etwa 30-40 fl. Ich wünsche lebheft, du mögenst kommen, ehe ich dies ausgebe...“ ...“Otto III. spricht lustig drauf los. Hanna öfters eigensinnig. Roserl war heute sehr zornig /: Prügel:/ Toni wird hoffentlich morgen fleißiger sein. Franzi ist im ganzen brav und ordentlich. Nun behüt dich Gott du Lieber, grüße alle Bekanntn und behalte lieb deine Alte. Heute bekam ich eine Karte von Maria Spängler in Linz.“ | ||
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| + | ohne Datum [1886], Brief: „Liebe Fanni! In Fortsetzung des gestigen Briefes,der hoffentlich heute in deine Hände gelangt ist... mir fehlte Toni’s einzelner Strumpf... Ich bitte mir darüber Mitteilung zu geben... ich bitte auch hierüber um Antwort. Das neue Clavieraufgabenheftchen kann ich nirgends finden; im Clavier liegt nur das alte; vielleicht erinnert sich Franzi, wo sie es hingelegt hat... Ich freue mich zu hören, daß es mit dem Schwimmen der Kinder vorwärts geht; erinnere nur die Toni immer wieder, daß sie die Sache als Lernen, und nicht bloß als Unterhaltung behandle... täglich Aufgaben zu geben... lesen oder schreiben zu lassen... Vergiß nicht den Lohn vom Juli auszuzahlen... Franz“ | ||
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| + | 12.8.1886, Brief aus Pottenstein an Fanni: Dank für Correspondenzkarten, „deren Lesung übrigens nicht schwierig war“; bittet um Anwort, was mitzunehmen. „Was soll ich der Bedienerin geben? Im vorigen Jahr habe ich ihr 3 fl gegeben; ich möchte ihr diesmal um 1 fl mehr geben da sie einmal einen Tag oder halben Tag [aus den] unteren Kästen den Staub herausgebracht hat...“; Brief der Elise Kobler an dich nach Salzburg (weitergeleitet); ... Ich laß die Kinder grüßen u ihnen sagen, daß sie recht brav sein sollen... Indem ich dich schließlich meiner unwandelbaren Liebe versichere und dich herzlichst grüße, zeichne ich als dein getreuer Franz.“ | ||
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| + | betr. FANNY KOBLER (25.9.1796-12.7.1886; Nr.79) Briefkopf: Städtisches Museum Carolino-Augusteum in Salzburg/ P.Z. 1515/ Hochgeehrter Herr! Dem Museum Carolino-Augusteum in Salzburg sind aus der Verlassenschaft der seligen Frau Franziska Kobler nachstehende Gegenstände zum Geschenk von Ihnen, sehr geehrter Herr, übergeben worden: 1. Ein Holzlöffel mit Silberstiel mit den eingravierten Buchstaben A.R./ 2. Ein Messingsiegelstempel mit dem Monogramm A.W./ 3. Zwei salzburgische Einquartierungszettel aus dem Jahre 1800. [so ein Meldezettel siehe oben, 1840]/ 4. Zwei weitere salzburgische Drucksorten Posttarif und Einladungskarte./ 5. Eine Pergamenturkunde XXX der Marie Hueber, Bierbrauerin in Salzburg 1714./ 6. 2 Faszikel Aktenstücke betreffend XXX bezüglich des Durchganges neben der Michaeler Kirche 1874-40./ 7. 5 Sanitätsberichte der Stadtphisiken in Salzburg 1858-61 und 1863, sowie andere Sanitätsreferate. [Richard Schlegel ist Stadtarzt in Salzburg.]/ 8. Ein Aktenstück, die Armen XXX XXX betreffend./ 9. [...] 25.8.1886. [Im Gegensatz dazu habe ich 2003 vergeblich versucht, das lebensgroße, wunderschöne Porträt der Fanny Kobler in Salzburg unterzubringen. Das Nobel-Hotel Höllbräu [Altstadthotel Radisson] wollte es nicht, das Museum reagierte auf mehrmalige Anfragen überhaupt nicht. Jetzt behalten wir es!] | ||
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| + | an FANNI SPÄNGLER: Brief, ein Blatt, von KATHARINA ARRIGLER, verh. SCHLEGEL (zweite Frau von Nr.38 Richard Schlegel): 9.6. [ohne Ort und Jahr: 1886]: Liebe Fani [Spängler]! Was wirst du dir gedacht haben, daß ich heuer ganz auf deinen Geburtstag vergaß, nim die Wünsche also noch nachträglich an...“ vergesse alles, viele Sorgen, Gedanken an den Enkel und Franz [Fanni und Franz Spängler]... „unser Leben geht recht sehr still dahin...“ „Liebe Fani ich kann nicht mehr schreiben soeben brachte mein Vater das Telegram daß Schwester Louise todt ist u. gestern um halb zehn Uhr verschied. Lebt wohl es grüßt euch herzlich Eure betrübte Mutter Kath. Sch. Grüße mir Franz. Grüße die Kinder. - undatiertes Foto „Kat. Schlegel geb. Arigler [Arrigler]“ | ||
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| + | KATHARINA SCHLEGEL, Brief, ein Bogen, Salzburg 1.12. [ohne Jahr, 1886 oder früher] an FRANZ SPÄNGLER: dankt für gute Wünsche, grüßt zum Namenstag, „auch Dank für alles Liebe, was die Rose bei Euch hat“, wir gesund, besonders der Vater fühlt sich recht wohl. Von Vater, Großmutter und Kindern viele Grüße... deine aufrichtige Mutter Kathi Sch. – Liebe Fani! dankt für Wünsche, Gottlob gesund, besonders der Vater, Großmutter grüßt, Dank für Präsent, Betti auch in Linz... Hr. Major Kaserer und Fl. Eslinger sind gestorben. Viele Grüße an Alle, deine aufrichtige Mutter Kathi. Sch.[Schlegel] | ||
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| + | 1887 | ||
| + | siehe auch Oktober bis Dezember 1871 „1871 und 1884, 1887“ Briefe [...] Briefe von Kollegen, Salzburg 1887 mit Brief von Fanni in Pottenstein an Franz in Krems mit Umschlag „1887“. Und ebendort Karten-Brief Pottenstein 6.4.1887 Fanni an Franz. | ||
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| + | FRANZ SPÄNGLER an FANNI SPÄNGLER: Krems 17 April 1887/ Liebste Fanni! Ich habe dir heute nur eine Karte geschickt, da ich mit dem Brief aus verschiedenen Gründen nicht fertig zu werden glaube u ich dich nicht ohne Nachricht lassen will. Und nun zur Wohnungsfrage. Ich habe also gestern Abends mit Hauptmann Hartmann conferirt, u. das Resultat ist folgendes: Er behält mit Rücksicht darauf dß er möglicher Weise im Herbste wieder hierher transferirt wird die Wohnung als Miether, ist aber bereit vom Mai-Termin an die Wohnung bis Aug od[er] Nov 1887 zu überlassen; falls er nicht hierher zurückkäme, könnten wir dieselbe dann ganz übernehmen; falls er aber hierher zurückkäme, müßten wir dieselbe räumen. Das ist nun freilich keine angeneme Aussicht! Anderseits wurde mir von mehrer Seiten gesagt, dß, so empfehlenswerth die Wohnung für den Sommer sei, dieselbe doch im Winter wegen der einsamen Lage u des geringen Verkehrs in dieser Gegend der Stadt manches unangenehme habe; da wäre es also vielleicht doch nicht so böse, wenn wir im Herbste in eine andere Wohnung ziehen müßten. - Die gestrige Karte, in der ich dir von der Wohnung in der Alleegaße 25 schrieb, hast du hoffentlich erhalten; diese Wohnung hätte manches für sich; ich füge hier eine Skizze bei, mit f. sind die Fenster, mit t die Thüren bezeichnet, die Alleegasse ist durch die Anlagen von der Stadt getrennt, aber die Entfernung ist auch nicht groß. - [hier Skizze in den Text eingefügt: 3 Zimmer + Eßzimmer + Küche + Cabinet + Vorzimmer + Vorratsraum (?) + Abort] - Garten ist bei dieser Wohnung freilich keiner, wohl eben ein Hof, in dem sich die Kinder herumtummeln könnten/ Diese Herzog’schen Häuser sollen wie ich hörte auch 2 Unannehmlichkeiten haben, namlich einerseits dß die Wände u. Böden so dünn sind, dß man von einer Wohnung in die andere alles lautere Gespräch hören soll, u. dß die Kanäle dort nur sehr geringes Gefälle haben, u daher im Sommer ziemlich riechen. - Nun ist mir heute von einer Wohnung in der Stadt, in der Gasse zwischen Hirschen u Kreisgericht gesagt worden, die auch bis Mai frei werden soll; hierüber werde ich erst morgen näheres erfahren, u. dann dir gleich darüber schreiben/ Heute habe ich meine Besuche begonnen, u. war bei allen Advokaten (bis auf einen, zu dem ich morgen gehen werde) bei den 2 Notaren, dem Probste, der Frau Präsidentin u. der einen Familie Kreza, aber zufällig gerade bei jener, an welche der Brief nicht gerichtet war. Ich werde überall recht freundlich empfangen, u es haben mir auch die sämtlichen Herren einen ganz günstigen Eindruck gemacht. Die Frau Präsidentin ist eine lebhafte Frau von Anfangs 40, recht freundlich, u. so wie auch der Präsident, durchaus nicht stolz. Sie hat gesagt, dß ich dich gewiß ihr aufführen soll, - (was sich ja von selbst versteht.) Wie ich höre, ladet sie die Frauen der Räthe ab [gestrichen?] öfters zu einer Cafevisite, der Präsident mitunter die Herren für Abends zu einer Spielparthie ein. - Der Probst ist ein einfacher würdiger Herr mit dem sich vielleicht auch ein geselliger Verkehr entwickeln kann. Jene Frau Kreza, die ich besuchte, scheint sehr nobel zu sein, u. kennt Zieken [?] nur oberflächlich; wenn nicht die andere Familie Kreza entgegenkommender ist, wird sich kaum ein näherer Verkehr entwickeln. - Bei Tscheheer [?] war ich schon am Tage deiner Abreise; er ist im Gesundheitszustande besser, als ich erwartet hatte, u. erinnerte sich in freundlicher Weise deines sel. Vaters. - Auch im Gasthause habe ich durch Präsident Schreer [?] u Rath Vogel, welche donnerstags Abends zum Hirschen kommen, u. mit den ich auch gestern Abends in einem anderen Gasthause zusammen war, unsere Herren von hier kennen gelernt, darunter den hiesigen Bürgermeister/ den Gymnasial Direktor (Piarist)/ den Realschuldirektor u. den Bürgerschuldirektor, dann einen ehemaligen Kaufmann Schumacher, Bruder des verstorbenen Professors in Salzburg. Auch ist einer der Direktoren, Namens Eberle, ein Salzburger, u. mit Alexi verwandt. Daneben sich auch 2 Wiener Schulinspektoren hier, die neben mir wohnen u. mit denen ich ebenfalls bekannt wurde. Neulich war ich in Stein, das übrigens ein Nest ersten Ranges ist, u. wo ich mir nicht denken kann, dß ordentliche Wohnungen zu haben wären; ich habe daher dort auch gar nicht nachgefragt - Montag 18 April - Soeben habe ich die Wohnung/ von der ich dir gestern schrieb angesehen. Sie besteht aus einem großen 1 kleineren Zimmer 1 Cabinet 1 Vorzimmner eine finstere Kammer 1 Küche; hat Fußboden mit harten KrXXzen (wie Parquetten), aber mit weißer Füllung, daher ziemlich uneben, schlechte Öfen, in der Küche gehört der Sparherd der Parthei; es ist überhaupt ein altes Haus. Die Wohnung wäre uns jedenfalls zu klein; ob eine der XXßenden Wohnungen, von welchen die eine sich die an einen Professor in Wien verheiratete Hausbesizerin als AbsteigeQuartier vorbehalten hat/ und die andere der Hausmeister innehat, dazr [?] zu bekommen wäre, kann ich erst in einigen Tagen erfahren; da der Advokat D Frestl [?], deshalb an die Hausbesitzerin schrieb/ Uebrigens wäre auch diese Wohnung erst bis August zu haben. - Was soll ich also machen? Soll ich mit Hptm. [Hauptmann] Hartmann auch auf die Gefahr hin bis November ausziehen zu müßen, abschließen? od[er] willst du mit der Uebersiedlung bis August warten? Soll ich den Garten dazu nehmen od[er] nicht? Wenn wir die Hartmann’sche Wohnung nehmen, so müßte die Uebersiedlung in der Woche zwischen 1. u. 8. Mai geschehen, da am 8 Mai d[er] eine der Räthe auf Urlaub geht, u ich daher denselben zu suppliren habe, daher am 8. jedenfalls wieder her sein müßte. - Mit Neunherz [?] habe ich verhandelt, u ich werde ihm wohl die Spedition übertragen; er glaubt, dß wir mit 2 Waggons ausreichen u meint, wir sollen den etwaigen Rest der Sachen - Kisten - als gewöhnliche Fracht aufgeben. - Es ist hohe Zeit, dß wir über die Wohnungsfrage endlich schlüßig werden. Mir wäre es am liebsten, wenn du selbst die noch in Frage stehenden Wohnungen ansehen würdest u. ich mit dir die Sache mündlich besprechen könnte. Wenn es dir also möglich wäre, an einem der nächsten Tage etwa donnerstags hierher zu kommen, wäre es mir sehr angenehm; ich bitte nur in diesem Falle um briefliche, eventuell telegrafische Nachricht/ - NB. Auf dem Schreibtische muß meine Aufs(ch)tellung über die abgesendeten Dankschreiben liegen geblieben sein; vielleicht kannst du sie mir in einem Briefe schiken, od[er] du bringst mir selben mit; auch der Glückwunsch-brief od[er] Karte von Pf Wiegand von Furth fehlt mir; du hast mir denselben eingegeben/ darüber ob Bügelofen u Wäschwelle [Wäschemangel] in der Wehrmannschen Villa vorhanden sind, mag ich erst genau durch Augenschein mich überzeugen gehen, da ich eben wegen der Wohnung dort noch nichts definitives sagen könnte. Deine mir heute zugekommene Karte hast du offenbar im Halbschlaf geschrieben; ich konnte mehreres garnicht lesen. - Daß die beiden Franzeln brav sind, freut mich zu hören; dagegen bin ich mit Rosa sehr unzufrieden, dß sie gar strafweise in der Schule bleiben mußte; ich laße ihr sagen, dß das nicht mehr vorkommen darf. - Sei samt den Kindern herzlich gegrüßt u geküßt von deinem trauen Franz - Krems 18/4 1887 - Dr.Spängler und Familie sind 1887 eben dabei, nach Krems umzuziehen; der erste von drei fortlaufenden Briefen innerhalb weniger Tage (siehe auch die folgenden beiden Briefe). Vor allem bei der Schreibung einiger Familiennamen bin ich unsicher. Insgesamt ist die Schrift reichlich flüchtig, häufig abgekürzt, vielfach sind mehrere Wörter zusammengeschrieben; oft scheinen Wörter für den Zusammenhang zu fehlen, manches ist auch angeschrieben und dann ausgestrichen (hier nicht vermerkt). - „die beiden Franzeln“: Franziska, geb. 1877; Franz Xaver, geb. 1883; „Rosa“ geb. 1880. | ||
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| + | FRANZ SPÄNGLER an FANNI SPÄNGLER: Liebste Fanni! Ich habe dir heute morgen hierherkommend nicht telegrafirt, weil ich wegen der Linde’schen Wohnung mich noch umsehen u. dir darüber schreiben wollte. - Ich habe selbe nun angesehen, u. berichte dir folgendes. - Die Wohnung ist im 2.Stocke in der Nähe der Realschule in einem ziemlich neugebauten Hause, hoch, hell troken, u mit schöner Aussicht; die Stiegen sind jedoch von Holz, u. daher eventuell feuergefährlich. Die Wohnung selbst besteht aus einem großen 2fenstrigen Zimmer, 2 Cabineten welche als solche ziemlich geräumig sind, einem Vorzimmer, sehr geräumer [?] heller Küche, u. einem abgesonderten kleinen Cabinete, ist also wohl ziemlich klein, wäre aber sogleich zu beziehen u. kostet inclusive Zinskreuzer 220 fl. - Ich füge auch hier eine Planskizze bei. [hier Skizze] Jedes Cabinet ist heizbar. Es ist wohl beim Hause ein kleiner Garten aber nicht zur Benutzung. Dagegen ist gerade vom Hause gegenüber der Park, der zwischen Realschule u Turnhalle liegt. - Der Abort ist ein gewöhnlicher, ist außerhalb der Wohnung u. stinkt, wie ich mich heute überzeugte, sehr stark. Die Wohnung würde nur sehr knapp für uns ausreichen. - Ich soll innerhalb einiger Tage dem LGR Linde Antwort geben. - Wie es bezüglich der Möglichkeit der Vergrößerung der Wohnung am „täglichen Markte“ von der ich dir auch schrieb, stehe, habe ich noch nichts erfahren. - Also was thun? Kanst du freitags kommen, so wäre es mir sehr recht; denn wenn die Uebersiedlung in der 1.Mai-Woche geschehen soll, muß die Wohnungsfrage baldigst erledigt werden u. die Vereinbarung mit dem Spediteur getroffen werden. - Ich bitte dich, mir morgen nach Erhalt dieses Briefes baldmöglich zu telgrafiren, ob du am Freitag kommst; dann würde ich, wenn du kommst, mit dem Abschluße mit dem Hauptmann bis Freitag warten; andernfalls würde ich morgen oder freitags also doch mit Hptm Hartmann od dessen Frau abschließen. Was den Preis betrifft, so wird wohl schwerlich etwas abzuhandeln sein, besonders da wir ja hinsichtlich der Wohnung im Gedränge sind. Wegen der Wohnung Alleegasse 25 muß dich noch aufmerksam machen, dß nicht ungewiß, sondern nur wahrscheinlich ist, dß sie bis August frei wird; ich kann also bezüglich dieser Wohnung vorläufig nicht abschließen, habe aber von der Hptmannsfrau u von der Hausverwaltung das Versprechen, dß ich sofort verständigt werde, wenn die Wohnung wirklich frei wird. - Noch muß ich beifügen, dß es mir auch hinsichtlich der Uebersiedlung selbst angenehm wäre, wenn ich mit dir u. Neueferz [?] die Sache besprechen könnte. Wenn es dir also möglich ist, so komm freitags. Fahrst du aber nicht lieber über St Pölten? Du könntest dann am Rückweg dich in Wien aufhalten u zu Mina gehen. - Nun lebe wohl für heute! Hoffentlich übermorgen auf Wiedersehen. Morgen habe ich die 1. Verhandlung als Vorsizender zu führen! Dich und die Kinder herzlich grüßend und küßend - dein treuer Franz - Krems 20/4 1887 | ||
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| + | FRANZ SPÄNGLER an FANNI SPÄNGLER: 27.4.1887, Brief aus Krems an Fanni: „Heute habe ich gar keine Nachricht von dir erhalten, doch will ich hoffen, daß du sammt den Kindern wohl bist...“ verschicken einer Kiste, Schlüssel, Koffer... „Was die Geldesendung betrifft, so möchte ich gerne dir am 1. aus meinem Gehalte den Betrag von 100 fl. schicken; ich glaube es wird ja auch früh genug sein, so brauche ich nicht vor dem 1.5. Geld aus dem Postsparkassenbuch herauszunehmen, u. verliere daher auch keine Zinsen. Solltest du aber das Geld früher und mehr benöthigen, so schreibe es mir.“ ... „Dieser Tage habe ich an Otto und auch an die Mutter Schlegel geschrieben u. ihr ausführlich berichtet.“ ... „Dich und die Kinder herzlichst grüßen u. küßend dein treuer Franz.“ | ||
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| + | FRANZ SPÄNGLER an FANNI SPÄNGLER: Liebste Fanni! Auch deine Karte vom Mittwoch habe ich erst heute früh erhalten, war daher unmöglich in der Lage/ dir bis heute Nachm. noch Nachricht zukommen zu lassen in betreff der Concert-Eintrittskarten vom Fahnweihfeste. Wir haben dieselben bisher aufgehoben, um sie vielleicht ein anderes Mal wieder zu verwenden; bisher fanden sie keine Verwendung, u werden wahrscheinlich auch später keine mehr finden; von mir aus kann darüber nach Belieben verfügt werden; mir wäre es aber angenehm, wenn du noch den Steuereinnehmer des Vereinskassier fragen würdest, ob er Werth darauf legt, diese Karten noch weiter aufzuheben; in diesem Falle bitte ich sie ihm zu übergeben, andernfalls kannst du sie der Frau v ThXXten [?] ausfolgen, vielleicht ein Paar zur Erinnerung zurückbehalten/ den Einkauf des schwarzen Lüster [?] kann ich in Wien nicht besorgen, da ich mich keinen falls länger in Wien aufhalte, als vom Abendzuge bis zum 1. Zuge, der donnerstags früh nach Pottenstein geht. - Was von den Sachen packst du einstweilen schon? Mir wäre es angenem, wenn du die Sachen in dem Bücherkasten dann in den beiden oberen Laden meines Kastens mir zum Packen lassen würdest. - Bei Neueferz [?] war ich heute/ Karl [?] konnte ich aber nicht treffen/ weil er in Wien ist; vielleicht kommt er ohnehin heute od morgen nach Pottenstein. - Ich werde morgen wieder versuchen, mit ihm sprechen zu können. - Was machts du hinsichtl des Claviers? Ich bin schon mehr dafür, dß du dasselbe in die Kiste geben lassen sollst. Vergiß nicht, die Bücher, welche noch ausgeliehen sind, in Empfang zu nehmen. Auch wegen der noch versprochenen Photographien erinnere bei Gelegenheit die betreffenden Personen. - In betreff der Frage, in welche Schule wir die Kinder hier schiken sollen, habe ich noch nichts beschloßen. ich werde mich aber in diesen Tagen noch erkundigen, da wir doch, wenn wir halbwegs in Ordnung find[en]/ die Kinder sogleich wieder in die Schule schiken sollen, u. wollen/ Hast du mit dem Herr[n] Jerre [?] schon verhandelt? - Lebe wohl u. sei sammt den Kindern, die ich erinnern lasse brav zu sein, herzlich gegrüßt u. geküßt von - deinem treuen Franz/ Kems 29/4 1887 | ||
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| + | Abbildung = Foto der Familie mit den sechs Kindern, um 1888/89; Beschriftung hinten von Traudl Saska: | ||
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| + | FANNI SPÄNGLER (Nr.19) an FRANZ SPÄNGLER (Nr.18): Krems, Kreisgericht, aus Salzburg Karten-Brief 18.8.1887: Liebster Mann! [Briefmarke herausgeschnitten] ...sind Gott sei Dank glücklich und ohne Abentheuer [hier] angelangt. Vor der Hand konnten wir nur ein Zimmer mit 5 Betten bekommen. Hoffentlich wird morgen das 2te Zimmer frei. Wie bist du heim gekommen? Ich bin schon neugierig, zu hören wie es mit der Arbeit in der Wohnung steht? Bist du bei der Heimfahrt doch nicht recht naß geworden? Heute sah ich Vetter Julius und Rudolfine. Tante Lida mit Mann u. Kinder ist hier, ich traf sie auch schon. Die Kinder und ich haben jetzt geschlafen; die Nacht war zwar gut, wir konnten bis Salzburg I.Klasse fahren, aber müde waren wir doch. Du Liebster, wie ich mich freue, wenn du kommst, kann ich dir nicht sagen! Das Wetter ist unfreundlich, gebe Gott, daß es schöner wird. Behüt dich Gott, morgen hoffe ich von dir zu hören. Grüße Maria von uns allen und sei geküßt von deiner Alten. | ||
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| + | dito 20.8. [1887]: Lieber Mann! ...bitte dich um Vergebung, daß ich die erste [Karte] so spät schrieb, ich war gar so müde und schlief bis gegen 5 Uhr am Donnerstag. Heute ist wol schon der recommandierte Brief in deiner Hand, Maria wird gleichzeitig auch den Brief ihres Vaters bekommen haben, der schon einige Tage bei Otto lag. Ich schrieb auf dessen Außenseite, ob Maria vielleicht lieber für die Zeit unseres Hierseins nach Hause fahren will. Wenn die Arme recht traurig ist wegen des Todes ihrer Mutter, so soll sie allenfalls nach Hause fahren, das Reisegeld wird ziemlich gleich viel sein, und ich komme mit Anna ganz gut hier aus. Laß es also Maria wählen, wohin sie fahren will. Ob es gehen wird, die Böden der ganzen Wohnung zu streichen weiß ich doch nicht recht. Halte Maria nicht mehr zu lange auf, sonst steht es nicht dafür, daß sie weg fährt, und wenn sie hieher kommt habe ich es recht bequem. Sonst geht es uns gut, heute ist es schön, wir waren heute auf dem Friedhof von St:Sebastian am Grabe meiner guten Großmutter. Die Grabstätte sieht recht hübsch aus. Dann gingen wir in den Curpark, dort war Emma, Lina und Frau Leopoldine Gotter. Emma sieht sehr mager aus, Frau Gotter ist noch immer sehr hübsch, ihre jüngster Tochter sieht ihr ganz gleich, ihr Sohn hat schon die Matura gemacht und geht gänzlich zum Militair. Möglicher Weise fahren wir heute nach Hellbrunn oder gehen schwimmen. Für morgen ist großer Kinderausflug Schumacher Gantenberg Spängler in Kreuzbrückl. Gearbeitet habe ich noch nicht viel. Wie freue ich mich auf dein Kommen! Bis dahin sei 10 000 mal gegrüßt von den Kindern und deiner Alten. | ||
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| + | dito 21.8. [1887]: [Lieb]er Mann! ...trostloses Sauwetter könnte mich ...tig machen. Es regnet, als wollte nie mehr die Sonne scheinen, die Kinder sind auch zuwider, ich kann nichts machen, als über das Wetter schimpfen und die Kinder prügeln. Besonders Toni ist unausstehlich. Wenn nur du dann die wenigen Tage welche du hier sein kannst, beßeres Wetter hast! O wie ich mich freue, wenn wir wieder Alle beisammen sein werden! Und wenn dann Ordnung sein wird bei uns. Ich bin schon neugierig, wann Maria kommt, denn jetzt, wo Anna allein bei den Kindern ist, bin ich natürlich ganz angehängt. Wir Alle grüßen Maria herzlich. Paula’s Vermählung ist am 12 Oktober. Otto u. Luis[e] sind ganz allein. Mittwoch kommen Otto jun. Paula u. Luise heim. So werden wir auch dießmal Otto’s Familie hier nicht sehen. Heute speiste Tante Pepi mit uns bei d. Hölle. Sie grüßt dich. Gestern waren wir in Leopoldskron. Das Bad war höchst erfrischend. Behüt dich Gott und behalte lieb deine Alte. | ||
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| + | FANNI SPÄNGLER (Nr.19) an FRANZ SPÄNGLER (Nr.18): Correspondenz-Karte, Marke herausgeschnitten, an Franz Spängler, Krems, aus Salzburg 22.8. [1887] ...hatte ich mehr Nachrichten gehofft. ...[u]msonst. Hier ist große Überschwem[mung. D]ie Salzach ist ganz ausgetreten, bei der Hölle steht das Sudwerk [Brauerei], weil alles voll Wasser ist. Bei Taxenbach soll ein Wolkenbruch nieder gegangen sein. Der Bahnverkehr über Hallein ist unterbrochen, weil bei Glasenbach eine Brücke weggerissen wurde. Nonnthal sitzt im Wasser, die Localbahn verkehrt nicht. Soll ich dir Mittwoch Nachts einen Wagen zur Bahn schicken? Die Kellnerin sagt wol, daß ohnehin Wagen beim Eilzug seien. Uns geht es sonst gut nur Regen ohne Ende. Grüße Maria. Deine Alte. | ||
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| + | dito 23.8. [1887]: ...ter Mann! ...[wa]ren heute den ganzen Tag mit ...Schwester in Maria Plein, komme daher erst jezt 8 Uhr Abends zum Schreiben. Mir ist Leid, daß noch keine Ordnung zu hoffen ist. Die erste Nacht müßen wir halt allenfalls auf dem Boden schlafen. So Gott will übermorgen auf Wiedersehen bis dahin 1000 Grüße deine Alte. | ||
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| + | FRANZ SPÄNGLER an FANNI SPÄNGLER: 20.8.1887, Kartenbrief [Briefmarke herausgeschnitten] aus Krems an Fanni in Salzburg, Gasthof zum Höllbräuer: Franz schreibt aus der Kanzlei, im Besuchszimmer [zu Hause] sind Arbeiten begonnen, die Küche ist fertig, Kammerl und Vorzimmer ebenso, Hofzimmer in Ordnung, ebenso im Abort die „Spänglerarbeiten“ [!]. Marias [wohl Dienstmädchen] Mutter in Salzburg gestorben, will aber nicht nach Hause fahren. - - 22.8., Kartenbrief [Briefmarke herausgeschnitten]: [nicht gelesen] - - dito ohne Datum, Kartenbrief [Briefmarke herausgeschnitten]: [nicht gelesen] - - 23.8., Kartenbrief [Briefmarke herausgeschnitten]: Franz reist morgen ab, Arbeiten langsam, der Mal hat das Zimmer „mehr chokolatfarb als XXgrün gemacht“; Eßzimmer, das Zimmer der Kinder und das Cabinet gestrichen; keinen Wagen zum Eilzug schicken, da er nicht bestimmt weiß, wann er ankommt, Eilzug oder Postzug, wird einen Hotelwagen draußen finden [der Bahnhof liegt etwas außerhalb der Innenstadt], dein treuer Franz | ||
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| + | Briefe und Postkarten von/ an FRANZISKA SPÄNGLER (18.6.1877-1962; Nr.9 a): 1887, Mutter (und Vater) Spängler schreiben aus Gloggnitz an „Fräulein Franziska Spängler, Krems, Alleestraße Nr.7“ (Postkarte) | ||
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| + | Kartenbrief, Marke herausgeschnitten, an FRANZ SPÄNGLER, Krems, aus Pottenstein 31.12.1887: Sehr verehrter Herr Doktor! Besten Dank für Ihre u. Ihrer Frau Gemahlin freundliche Erinnerung. - ...Glückwünsche zum Jahreswechsel... Halsleiden, Spezialist in Wien, Arzt in Krems empfohlen, Namen vergessen... Photografien folgen demnächst... Wünsche, ihr ergener XXX [unleserlich, kein Absender] | ||
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| + | 1888 | ||
| + | 9.Juli 1888, „Löbliche Stadt-Gemeinde-Vorstehung Salzburg. Gesuch der Franziska Spängler, Landesgerichtsrahs-Gattin in Krems, /:derzeit in Salzburg, Judengasse:/ um Eintragung ihres Eigenthumes an der Gruft im St.Sebastians Friedhofe Nr LXXX S. 159. Einfach mit Beil A ...bewilligt... der Bürgermeister-Stellvertreter Dr. RUDOLF SPÄNGLER.“ | ||
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| + | Nr.18 Franz Spängler Briefe [rot verschnürt, nicht gelesen] 1889 aus Bayreuth und unterwegs dorthin zu den Festspielen = 1 Quartierkarte für Bayreuth; Mitgliedschaftskarte im Richard Wagner Verein; Festspielprogramm; Eisenbahnverbindung Wien-Bayreuth und zurück. Karten von Franz Spängler an Fanni = „Frau Franziska Spängler Salzburg Gasthof zum Höllbrauer“. Und acht Karten von Nr.19 Fanni Spängler an Franz Spängler aus Salzburg nach Bayreuth bzw. unterwegs (München, Nürnberg [dazu gehören vielleicht die gedruckten Kirchenbeschreibungen von Nürnberg an anderer Stelle; siehe bei 1862], „Baireuth“, „Bayreuth“). | ||
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| + | 1890 | ||
| + | Briefe [rot verschnürt, nicht gelesen] von Nr.18 Franz Spängler an Nr.19 Fanni Spängler in Salzburg: mit Briefumschlag „Frau Fanni Spängler Salzburg Marktplaz N 2 bei Frau Fanni Kobler“ ohne Briefmarke, Stempel 21.8.1882 „Liebste Fanni...“ aus Pottenstein; dito ohne Datum; dito ohne Datum; Postkarte „Frau Franziska Spängler LGR.Gattin Krems“ aus Zell am See, unterschrieben Franz und andere, Bildchen von Zell am See; Nr. 19 Fanni Spängler an Nr.18 Franz Sp., Salzburg 23.7.1878, Auftrag etwas einzukaufen; Pottenstein 28.4.1887; Karten-Brief nach München, poste restante, Krems 2.9.1890; Briefumschlag, ohne Marken, Einschreiben, nach Salzburg, Mozartplatz N.4 1 St. bei Frau von Angermayer, inliegend Briefe Krems 9.4.1890 zum Geburtstag: „Lieber Vater... Toni“, „Lieber Vater... Rosa“, „Lieber, guter Vater... Franzi“, „Lieber Vater...“ Franz, „Lieber, guter Vater... Otto Spängler“; Postkarte dito 10.4.90; Postkarte dito 11.4.90; Postkarte dito 12.4.90 zurück nach Krems. [Verweise zu den anderen Jahren nicht geschrieben]. – Brief „An Fräulein Francisca Spängler Wien IV. Mozartgasse 7 bei H Universitätsprof. Fritsch“ von der Mutter und vom Vater Franz Sp., 27.4. 1899 [?]; Briefkarte Aggsbach 26.5.1901 an Franzi und Rosa Spängler, Graz, „Schillerstraße N 1 bei Herrn Hofrath Ritter v. Gutenberg“ [Guttenberg] von Vater und Mutter. – Postkarte von Rosl und Oswald Grill an Nr.5 Joh. Holzapfel, Krems, Ringstr.2/ II. 25.1.19XX. – Brief Oswald Grill, München 15.3.1902 an Franzi. – Brief von Rosa [Kindermädchen?] aus Pottenstein an die Mutter Fanni Sp. von „Toni“ und „Rosa“, 16.8. ohne Jahr. – Angefügt: Brief mit Trauerrand von „Minna“ 6.5.1864 an „Liebe Freundin“, Tod des einzigen Bruders Fritz, „wegen Ublichkeit... aus der Schule nach Hause geführt... Anfälle...“ – Verrissenes Blatt „Liebe Fanny“ 6.7.1889 von „Minna“, Notiz „Josef Hepperl in Zwölfering N.34“. „Minna“ = Lorinser oder Guttenberg [?]. – Verweise zu den anderen Jahren wurden nicht geschrieben. | ||
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| + | OTTO SPÄNGLER [Bruder] an FRANZ SPÄNGLER: [Salzburg, Juli 1890?] Liebe Franz! Hoffentlich hast du meine Karte, welche ich dir vor einiger Zeit, bevor ich auf einige Tage verreiste, schrieb/ erhalten. Endlich komme ich dazu, nach langem Interwall die Korrespondenz wieder aufzunehmen u muß mich vor allem anfragen, was es denn mit Eurem Hierherkommen eigentlich ist? - Wir gehen übermorgen oder längstens Samstag nach St Gilgen, wo uns unsere 4 kleinen Kinder mit Marie schon seit 12 Tagen sind. Dort beabsichtigen wir ca 8 Tage zu bleiben u fahren dann wieder nach Salzburg zurück. Späterhin wollen wir noch einmal nach Aschthal [?] gehen u von dort aus unsere Ausflüge machen: Adalholzen, Reißeralm, Höglwört [?] etc. - Sei so gut, mir deine Urlaubs u. Ferienpläne, wenn du in den ersten Tagen August mir noch antwortest, nach St Gilgen auf die Post zu senden; u. späterhin wieder nach Salzburg. - Otto geht in der 2.Hälfte August nach Kitzbühel zu Herrn Pfarrer Lechner. - Aus den Zeitungen entnahm ich Euer großes Sängerfest; du wirst durch die Vorbereitungen u das Fest hattest [?] jedenfalls sehr viel in Anspruch genommen gewesen sein. Die Coupons werden wir bei deinem hiersein ordnen; denn kommen wirst du doch jedenfalls. - Mit herzlichen Grüßen an all’ die deinen von all’ den meinen dein treuer Otto. - Mittwoch früh. - „großes Sängerfest“: Sängerbundesfest in Wien 1890 (?). | ||
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| + | FANNI SPÄNGLER (Nr.19) an FRANZ SPÄNGLER (Nr.18): [Stempel:] Salzburg, 30.8.[18]90 - Krems 31.8.90: An Frau Fanni Spängler LGR [Landesgerichtsrats] Gattin in Krems Alleegasse 7 - Liebe Fanni/ Salzburg 30/8/1890/ Wir sind gestern Ab[en]ds wohlbehalten angekommen, u. wurden von Otto u Louise, u. Tochter Bertha in freundlichster Weise am Bahnhofe erwartet. Heute waren wir schon am Grabe der Eltern, dann mit dem elektr. Aufzuge auf d Mönchsberge, jetzt sind wir bei den Tanten, die Euch alle, wie auch wir, herzlichst grüßen/ das Wetter ist kalt u. regnerisch. Wir sind wohl. Behalte lieb deinen Franz - Herzlichen Gruß u. Kuß Franz - Karte von Franz Spängler [Nr.18] an seine Frau Fanni. - Zu Besuch bei Otto Spängler, Frau Aloisia (Louise) und Tochter Bertha, geb. 1877; die Eltern sind 1854 und 1882 gestorben, begraben auf dem St.-Peters-Friedhof in Salzburg [Grabplatten heute in der Mauer neben dem Eingang zu den Katakomben]. - „Tanten“ könten sein: die Geschwister Franziska (1821-1906; „Franzi“), Elisabeth (1829-1905) und Anna (geb. 1843), alle unverh. und Töchter von Josef Spängler (1786-1861), dem ältesten Bruder des Vaters Spängler. - Siehe auch folgenden, gleichzeitigen Gegenbrief. | ||
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| + | FANNI SPÄNGLER an FRANZ SPÄNGLER: Krems, 30/8 1890/ Liebster Mann! Indem ich dir das verlangte Buch sammt dem Touristenzeichen sende, benachrichtige ich dich, daß wir gestern wohlbehalten hier ankamen/ Ich danke dir für die genußreichen Tage, welche wir im lieben Triestingthale zubrachten, ich werde stets mich gern ihrer erinnern. Ich habe mich so gefreut, wieder einmal mehr mit dir sein zu können. - Wir sind Alle sehr zufrieden, daß wir wieder daheim sind. Es ist mir lieb, daß ich sehr beschäftigt bin, sonst käme es mir gar zu öde vor, da du nicht hier bist. Auch Franzi fehlt mir. Übrigens haben wir heute schon gekocht, wol sehr einfach, aber zu allseitiger Zufriedenheit. - Von dir und Franzi hoffe ich, daß Ihr vergnügt und wol in Salzburg seid. Eben erhielt ich von meiner Schwester Anna einen Brief, in welchem sie mir anzeigt, daß sie unsere Einladung nach Krems annimmt. - Heute waren wir Otto ausgenommen in der 8 Uhr Messe, dan gieng ich mit den Mädchen einschreiben in die Schule. Was macht dein Fuß, ich sorge mich, daß er schlechter wird. Bitte gehe nicht auf’s Hochkar! - Hier war das Wetter viel schlechter als im Triestingthale, die Donau ist so hoch, daß Wasser in den Auen steht. Dabei ist es so kalt daß ans Baden nicht zu denken ist und die Kinder morgen die Filzhüte ohne Bedenken aufsetzen können. Meine Zeit erlaubt mir nicht, länger zu schreiben. Frau Aigner ist hier und ich muß die Sendung fortschicken. - Guße [Küsse/Grüße] Franzi von mir, sobald ich Zeit habe schreibe ich ihr. Unterhaltet Euch recht gut grüßt Alle und seid gekßt von Eurer Mutter Fanni. - Hansi liegt im Bette, sie scheint sich etwas verkühlt zu haben/ Kein Fieber! - Es scheiner [? scheint] Aphten [?] zu kommen. Wohin soll ich schreiben? Wieder nach Innsbruck? - „Triestingthale“: Pottenstein an der Triesting, Wohnort 1880-1887. „Franzi“ (13 Jahre) ist noch beim Vater; „Hansi“ [Johanna] ist 8 Jahre alt, „Otto“ vier Jahre. | ||
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| + | FANNI SPÄNGLER an FRANZ SPÄNGLER: Krems, 1.9.1890/ Liebster Mann! liebes Dirndl! Ich mache hiermit den Versuch, Euch einen herzlichen Gruß zu senden, Pater Liely hat mir die Adresse gegeben. Für die verschiedenen Karten besten dank, bin glücklich ein Lebenszeichen zu erhalten. Vor allem wünsche ich, daß Ihr günstiges Wetter für Mittwoch habt, hier ist es abscheulich kalt. Aigners u. wir waren gestern bei Stoadinger [?] in Rehberg. Aigner’s grüßen Euch. Den Gehalt hat Aigner beheben [?], der [?] Wirtschaft geht recht gut, die Kinder senden 10000 Küsse, sie sind ganz leidlich brav Gerne wüßte ich, was der Fuß macht. Geh doch nicht aufs Hochkaar, darum bist nicht denn Alte [?] - [Kartenbrief:] An Herrn Doctor Franz Spängler kk. Landesgerichtsrat derzeit/ Oberammergau in Baiern/ bei Herrn Franz Hantle [?] N. 47/ Adresat abgereißt wohin unbekannt [Unterschrift: Hippler]/ Stempel: Krems 1.9.90/ Oberammergau 3. Sep 90/ Krems 6.9.90. | ||
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| + | von und an FANNI SPÄNGLER: 1.9.1890, Postkarte an Franzi in Krems aus Innsbruck: „Liebe Mutter! Wir befinden uns sehr wohl“, wohnen bei Cousine Louise und Robert... „Nächster Brief: München poste restante. Franzi und Vater“ | ||
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| + | FRANZ SPÄNGLER an FANNI SPÄNGLER: Seefeld 2/9 1890/ Liebe Mutter. Im eingeheizten Zimmer des Gasthauses v. Seefeld, umgeben von schneebedeckten [!] Feldern u. Wäldern sitzen wir bei einer Schale Suppe um uns zu erwärmen u. grüßen Euch alle. Seit wir Tiroler Boden betreten haben wir fast ununterbrochen Regen. Gestern Nachm waren wir in Hall bei Tante Therese, die dich herzlich grüßt/ dein treuer Franz - - Correspondenz-Karte an: Frau Franziska Spängler/ Landesgerichtsrathsgattin/ in Krems a.d. Donau/ N. Österr. Gestempelt Seefeld 3.9. und Krems 4.9. - Die Lürzer von Zehendthal (so geboren die Mutter des Briefschreibers; in Salzburg, gest. 1882) kommen aus Hall in Tirol. | ||
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| + | FRANZ SPÄNGLER und Kinder an FANNI SPÄNGLER: 3.9.1890, Postkarte aus Oberammergau [Bleistift]: „Liebe Mutter! Wir sind gestern abends in Oberammergau eingetroffen ... Franzi“ Quer darüber „der Vater grüßt Euch Alle“ - 4.9.1890, Postkarte aus München [Bleistift]: „Liebe Fanni Wir sind statt gestern Abend erst heute Nachm. hier angekommen...“ Eisenbahn bei Murnau unterbrochen, 100 Reisende mußten in Murnau über Nacht bleiben, Nachtquartier in einem Bauernhaus... „Dein treuer Franz“ | ||
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| + | an FRANZISKA SPÄNGLER (18.6.1877-1962; Nr.9 a): 1890, die Schwester Toni schreibt aus Krems an Franzi (Brief ohne Adresse); 1890, der Bruder Franz [Franz Spängler, Nr.9 d; geb. 1883) schreibt aus Krems an „Franzi“, also mit etwa 7 Jahren (Kinderschrift) - mit dem gleichen Datum schreibt die etwas ältere Schwester „Rosi“ (Nr.9 c) an Franzi; sie erzählt, dass sie von ihrer Schwester Johanna (Hansimutti) „zum Namenstag ein schönes Körbchen gefüllt mit Gurkerln bekommen“ hat, davon legt sie für Franzi einige bei; „die vier verschlafenen Rieder-Leut“ [die Geschwister?] grüßen, eine, „Amor“, schreibt eine „Hymne in AchDur u. WehMoll“ an Franzi... Toni baut Kartenhäuschen (ohne Datum) | ||
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| + | 1891 | ||
| + | an FRANZISKA SPÄNGLER (1877-1962): Elsa (XXX ?), noch Jungmädchen-Schrift, anders als später, schreibt aus Krems 1891 an Franzi; 2,5 Bogen Brief von Elsa „4.Aug. 18.“ [1891/92] an Franzi; berichtet von einem Traum und unterschreibt als „Kremser Stadtberühmtheit“ | ||
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| + | 1892 | ||
| + | an FRANZISKA SPÄNGLER (1877-1962): Elsa „an Franzi! dreimal Heil! der Staatsgeprüften“; Glückwünsche 1892 (also der ca. 15jährigen Franzi wohl zu einer Musikprüfung); gleiche Schrift an die „Geliebte Franzi“, ebenfalls in Gedichtform an „die schöne Franzi Primadonna in spe von der Zukunftstragödie von Egelsee“; von Elsa ein vier Blätter langer Brief an „Liebe Rosa und Franzi“; dankt für Briefe, Sehnsucht nach den lieben Kremsern, beschreibt ihren Aufenthaltsort, erinnert sich an „Professor Strobl“, wollen nach Golling; schrieb in Musikgeschichte „Was bedeuten Schumann und Liszt für die Musikgeschichte? (Von diesen Herschaften weis ich überhaupt noch nichts) Im Gesang [...] Harmonielehre“, „Realsprüfung“, singt Übungen und „gehaltene Töne“ | ||
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| + | 1893 | ||
| + | an FRANZISKA SPÄNGLER (1877-1962): Postkarte aus Kitzbichl an Franzi von der „treuesten Freundin Elsa“; 1893, Kartenbrief aus Kitzbichl von Elsa an Franzi „Salzburg, Gasthaus zur Hölle, Judengasse“ | ||
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| + | dito [1893] 2,5 Bogen Brief aus Kitzbühl an Franzi von „deiner treuen Freundin u. Intima Elsa“, „das Neueste ist, daß man nicht Intima sagt, sondern Intima.“ - 2 Bogen langer Brief von Elsa; erinnert an die Staatsprüfung 1892, mit der sich Franzis „Lebenszweck erfüllte“ - 2 Bogen Brief mit Gedicht am Anfang von Elsa; vor der (zweiten) Staatsprüfung von Franzi [wie die anderen Briefe nur überflogen] - Brief von Friedl (?) an Franzi ohne Datum; über Tonleitern, spielt Klavier | ||
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| + | 1896 | ||
| + | FRANZ SPÄNGLER an FANNI SPÄNGLER (Nr.19): 2.8., farbig illustrierte Karte „5.Deutsches Sängerfest, Stuttgart 1.-3.August 1896, an Franziska Spängler, Krems „vom 1.Festconcerte...“, Franz mit Gesangverein und u.a. Holzapfel [Rupert H.; späterer Schwiegersohn] - 2.8., farbig ill. Karte „Gruß aus Stuttgart“: hoffe auf Nachricht, Weiterfahrpläne nach Heidelberg, Darmstaft, Frankfurt, Franz und u.a. Holzapfel - 3.8., farbig ill. Karte „Gruß aus Stuttgart“: Franz und u.a. Holzapfel - 3.8., farbig ill. Karte „Gruß aus Stuttgart“: Franz und u.a. Holzapfel, „das Fest ist mit dem heutigen Concerte zu Ende... ich schreibe diese Zeilen, während die anderen ‚Huheissa mein Dirndl’ singen. Wir gedenken bei Champagner unseren Lieben... kolossale Überfüllung in einem Nebenraum einer Weinwirtschaft“, Franz und u.a. Holzapfel - 4.8., Ansichtskarte Heidelberg: im überfüllten Wagen, aber in bester Stimmung, zufällig Studentenfest, Franz und u.a. Holzapfel - 4.8., farbig ill. Karte „Gruß aus Heidelberg“: Dank für Karte, „Heidelberg wunderschön, die Lage erinnert an Salzburg“, Franz und u.a. Holzapfel - 5.8., ill. Karte „Gruß aus Frankfurt a/M“, Franz und u.a. Holzapfel - 6.8., farbig ill. Karte „Gruß vom National-Denkmal“ (Rüdesheim): „in gehobener Stimmung“, Franz und u.a. Holzapfel / [nachträglich: 5.8. Rechnung des „Hotel Landsberg“ in Frankfurt/M für „6 Logement und 6 Café compl“ mit Bleistiftnotizen von Fr.Spängler zu den Einzelsummen für die Teilnehmer: Holzapfel usw.; liegt bei Nr.18 im Fam.archiv] - 6.8., farbig ill. Karte „Gruß aus Coblenz“: Dank für Kartenbrief, „wir sind Gottlob sehr wohl“, Franz. und u.a. Holzapfel] - 7.8., ill. Karte „Gruß aus Köln“: „die großartigste Schöpfung deutscher Baukunst bewundert“, Franz und u.a. Holzapfel - 8.8., ill. Karte „Gruß aus Mainz“: Franz und u.a. Holzapfel - 9.8., ill. Karte „Gruß aus Worms“: auf dem Weg nach Speyer und Straßburg, Franz und u.a. Holzapfel - 18.8., farbig ill. Karte „Gruss aus Baden-Baden“, Franz und u.a. Holzapfel - 10.8.1896, ill. Karte „Gruß aus Straßburg“ an Franziska Spängler, [Wels]: Franz u.a. | ||
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| + | Correspondenz-Karte 31.7.1896 in St.Pölten, Bahnhof, abgestempelt, von FRANZ SPÄNGLER (Nr.18) an seine Frau: Liebe Fanni! [jetzt schreibt er „Fanni“, früher eher „Fanny“] Nach einem prächtigen Bade in der hiesigen Schwimmschule sitzen wir beim Mittagessen in der Ernst’schen Wirtstube. Herzliche Grüße an dich und die Kinder u. alle Bekannten dein Franz. [und:] Holzapfel, Kaufmann, I.Prey, Karl Rappl, Heindl, Jünger, Winterperger [Kremser Gesangverein] | ||
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| + | dito 1.8. [1896] aus Ried [gestempelt im Zug Simbach-Wels] an Franz Spängler... Oberer des Kremser Gesangvereines, Sängerfest Stuttgart, Sängerfestplatz: Lieber Freund! ...Heil Krems. Dr.Spängler... die entrüsteten Wetterhexen Elsa, Annerl, alte Anna. [unbekannt] | ||
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| + | dito 2.8. [1896] aus Krems nach Heidelberg, postlagernd: Lieber Mann! Tausend Grüße von mir und den Kindern! Es ist Alles in gewohnter Ordnung. Da es gestern fast den ganzen Tag regnete, hat Franzl seine Aufgabe schon fertig geschrieben. Franzi und ich sind heftig beim Schneidern. Schreibe mir nur bald und berichte, wie alles ist. Ich freue mich schon so sehr, bis du uns erzählen wirst. Morgen hoffe ich bestimmt auf Nachricht von dir, heute kam keine Karte. Seid Ihr recht ermüdet angekommen? Den Zins [Miete]] erlegte ich heute. Hier ist das Wetter kühl und veränderlich. Gestern war hier ein mindestens 3stündiges Gewitter, während in Wien laut Zeitung ganz schreckliches Umwetter war. Vergiß nicht deine Alte. | ||
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| + | Karten-Brief 1.8. [1896] aus Krems nach Stuttgart..., 11 ½ Uhr Vorm.: Liebster Mann! Ich und die Kinder sind sehr erfreut über deine Karte aus St.Pölten. Ich bin jederzeit glücklich, von dir zu hören. Bei uns ist alles so ziemlich in Ordnung. Ich habe solche Freude, dich in angenehmer Gesellschaft auf so schöner Reise zu wißen. Hoffentlich seid Ihr gut angekommen. – Die Gänge sind besorgt; heute war ich um 11 Uhr in der Stadt, das Gehalt zu beheben, doch wird Herr Höfner mir das Geld bringen, da Herfahrt nicht da war. Hast du deinem Bruder wegen der 100 fn [Gulden] geschrieben? Morgen schreibe ich nach Heidelberg. Für die kleine Helene Bruthner habe ich 5 f [Gulden] in die Postkasse gelegt. Lebe wol. Alle grüßen dich und deine Begleiter. Sei geküßt von deiner alten Fanni. | ||
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| + | dito 4.8. [1896] nach Coblenz postlagernd, Nachmittag 3 Uhr: Liebster Mann! Mit großer Freude empfangen wir deine Karten; die weißt, wie sehr ich jede Nachricht von dir ersehne. Drum sei dir tausendmal gedankt. Hoffentlich hast du noch in Stuttgart meinen Kartenbrief vom 1.8. erhalten und heute meine Karte in Heidelberg. Wir sind Gott sei dank Alle wol; ereignet hat sich nichst Besonderes, außer daß gestern Frau Rosa Papier uns besuchte. Sie brachte Grüße von Fräulein Cedek und läßt dich schön grüßen. Von Otto ist noch kein Geld angekommen. Heute schrieb Frau Schrems, daß wir die gewohnten Zimmer haben können. Wir haben noch viel zu nähen. Franzi beginnt glaube ich, heute mit ihrer Prüfungsarbeit. Die Kinder umarmen dich, sie sind so ziemlich verträglich brav. – Wir grüßen auch deine Reisegefährten. Bleibe nur recht gesund und behalte lieb deine Alte. – #Schrems, vgl. [Sterbebildchen, Partezettel] für Engelbert Schrems, bürgerl. Brauereibesitzer, geb. 1827, gest. 16.6.1892 in Salzburg. | ||
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| + | Korrespondenz-Karte 5.8. [1896], 10 ½ Uhr Nachts, Stempel vom 6.8. aus Krems nach Straßburg, postlagernd: Lieber Mann! Zwar nicht mit edlem Schaumwein, aber deswegen nicht minder herzlich, bringen wir ein Hoch auf die Kremser Rundrei Freunde aus. Fröhliche Fahrt und frohes Wiedersehen. Fr.Sp. [Franzi], Otto, Rosa Nittel [wohl das Dienstmädchen! falls es noch dieselbe „Rosa“ ist], Toni, samt geplagter Schülerin, Hansl [Hansimutti, geb. 16.5.1882, also 14 Jahre alt], Franzl, [in der Ecke] Rosl. | ||
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| + | Karten-Brief 7.8. [1896] aus Krems, FANNY SPÄNGLER an FRANZ SPÄNGLER, Straßburg postlagernd: Liebster Mann! Ich bin sehr glücklich, daß du mir täglich Nachricht sendest und xxxbei auch noch so hübsche Ansichtskarten. Ebenso bin ich erfreut, daß deine getreuen Begleiter stets an uns sich erinnern und ich bitte dich, ihnen unsere besten Grüße zu sagen. Hoffentlich habt Ihr heute besseres Wetter als wir, hier ist ein Schnürlregen, der sich getrost in Salzburg könnte sehen lassen. Heute brachte mir die Post nebst deiner 2.Karte aus Heidelberg eine Karte von Emma Wessely, die auf meine Anfrage, ob wir sie 12.8. in Wels treffen würden, freudiges Ja brachte. Wir gedenken also, falls du mir keine andere Weisung sendest, Dienstag den 11.8. mit dem Frühzuge abzufahren, und in Wels bis zum letzten Zuge, der nach Salzburg geht, zu bleiben. An Frau Schrems schreibe ich recht zeitig, soll ich auch für deine Herren Wohnung in der Hölle bestellen? Und werden wir uns in Wels oder erst in Salzburg treffen? Das Packet habe ich durch Herrn Zorn empfangen. Die Kinder grüßen dich, es geht alles in der gewohnten Ordnung /: Auch das Streiten:/ Auf baldiges Wiedersehen freut sich deine Alte. Heute bekam ich auch einen Brief v. Prof. Walter, er hat deine Karte erhalten. Franzl schickt tausend Busserln. | ||
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| + | dito 16.8. [1896] aus Krems [bzw. 15.8. Freischling am Manhartsberge] an FRANZ SPÄNGLER, Salzburg, Höllbräu: Verehrter Herr Vorstand! Wir sind schon wieder auf einer Sängerfahrt, einer Fahnenweihe. Soeben von dem obligaten Festzuge, diesmal um die verschiedenen Düngerhaufen des Festortes herum, zurückgekehrt, sitzen wir bei „guter Musik“ u. ebensolchem Gesange in einem für das Fest adaptierten Holzschupfen, u. die Stuttgarter gedenken, still vergleichend, der schönen Stuttgarter Tage, u. die nicht mit dort waren, ärgern sich heute darüber. Mit treuem deutschen Sängergruß und besten Dank für die Erinnerungszeichen Dein Freund XXX, Riedl, Koller, Vögl, Woraczek, Holzapfel, Winterperger, Kaufmann | ||
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| + | Brief aus Salzburg, 19.8. [1896], FANNI SPÄNGLER an FRANZ SPÄNGLER nach Krems [Umschlag ohne Marke, Stempel Krems 20.8.]: Liebster Mann! Zugleich mit deiner Karte, welche ich mit großer Freude empfing und für welche ich dir herzlichst danke, kam beifolgende Karte an Marie in meine Hände, welche die Nachricht von dem Tode ihrer Mutter enthält. Ich bitte dich, sage der armen Marie mit einiger Schonung und Vorsicht die traurige Nachricht, sonst erschrikt sie so, daß sie krank wird. Zugleich bitte ich dich, sorge ein wenig, daß sie doch etwas ißt und daß sie sich beim Putzen ordentlich helfen läßt. Ich glaiube, es wäre gut, wenn Marie so bald als möglich hieher kommt. Mir erbarmt Maria wirklich, weil sie ihre Mutter so lieb hatte. - Von uns kann ich dir sagen, daß wir gestern schon das zweite große Zimmer bekommen und nun recht gut untergebracht sind. Wäre das Wetter besser, so ginge es uns ganz gut. Gestern wollte ich Otto u. Luise [Louise Spängler] aufsuchen, doch waren sie in Achthal, dann ging ich zu Tante Pepi. Es war mir eigen, wieder die Wohnung deiner guten unvergeßlichen Mutter zu betreten, um so mehr, als die Eintheilung fast ganz gleich ist, wie unsere gute Mutter sie hatte. Tante Pepi ist wohl traurig, aber doch gefaßt und war sehr lieb mit mir und den Kindern. Ich hatte Franzi, Rosa und Bubi mit mir. – Heute Nacht wurde 3 mal geschossen, doch war nur ein unbedeutendes Feuer bei einem Selcher in d. Dreifaltigkeitsgaße. Heute habe ich im Mülle großes Badewaschen mit den Kindern gehalten, denn es ist wenig Hoffnung, daß wir schwimmen können. Wenn du nur schon bald kommen könntest! Hoffentlich bringst du dann beßeres Wetter, denn es ist schon kalt hier und die Salzach ziemlich groß. – Die Kinder sind selig bei den Tanten. Marie und Rose habe ich noch nicht gesehen, da sie ja in Plain sind. Paula Biebl ist nun auch die Braut eines Leutnants den sie schon lange liebte. Im November wird geheirathet. Ich schließe für heute, und bitte dich nur, mir bald zu schreiben und behalte lieb deine Alte. | ||
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| + | nach 1896, Telegramm „10.8.“ aus Pressburg an Franziska Spängler, Krems: Treffen Franz in Salzburg | ||
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| + | unbekannter Schreiber an FRANZ SPÄNGLER: Ried, 5./12. [18]96/ Liebster Franzl! Nachdem Dir mein Schwesterlein bereits nicht nur in Person, sondern auch sogar in Presir ihre Glückwünsche dargebracht hat, so ist es für mich schwer eine dritte Form zu finden in welcher ich meine Gratulation gebührend anbringen könnte. Ich muß Dich daher bitten, auch so von der Aufrichtigkeit und Herzlichkeit meiner Glückwünsche überzeugt zu sein, denen ich hiermit Ausdruck verleihe. Ich habe endlich die Freude mitempfunden, die dir das glückerreichte, mühsam errungene Ziel bereitet haben muß. Ach, liebster Franzl, wie kurze Zeit ist es doch erst, so scheint es mir wenigstens, als Du nach Deiner ersten Gesangsstunde glückstrahlend zu uns kamst und uns erzähltest, es sei Dir bereits ein Knopf aufgegangen, denn Du hättest nun einen Begriff von Kehlenstellung. Wie viele Knöpfe sind Dir wohl seit jenem Tag aufgegangen! Es war doch damals eine schöne, schöne Zeit! Für Dich ist sie jetzt wohl noch schöner aber in immer anderer Weise. Wir hier fühlen uns wohl auch äußerst behaglich, wie es bei einem so müsigen gleichmäßigem Leben wohl nicht anders möglich ist, doch wenn ich an jene Zeiten denke wo wir uns noch so für das Wesen, den frühesten Wunsch und Lebenszweck, Jemand ecl. interessierten, dann muß ich mir wohl gestehen, so wie damals ist es doch nicht mehr! - Was ist’s Franzl, werden wir auf’s Jahr nicht die Freude haben Euch allen unser Heim zeigen zu können. Ihr solltet Euch doch unsern Aufenthalt einmal anschauen dann hätten wir mehr Anknüpfungspunkte zu einem halbwegs inhaltsreichen Brief. Außerdem hättet Ihr ja das beneidenswerte Bewußtsein, dem reizenden Kind bald wieder den Rücken drehen zu können um nach unserm lieben Krems zurückzukehren! Überlegt Euch doch die Sache und bringt sie einmal an einem Sonntag auf’s Tapet, damit doch auch Prf. Walter und Basa [?] den Gedanken fassen. - Nimmst Du noch Gesangsstunden oder bist Du schon dazu auf einer zu hohen Stufe? Ich betreibe das Klavier mit ziemlichen Fleiß. Ich spiele täglich Scalen in allen möglichen und unmöglichen Arten, Etüden von Cremer u. Steffen Heller, Beethoven Sonaten und einige gefällige Vortragsstücke. Elsa singt fleißig Übungen, Lieder von Schubert und Robert Franz, die sie zum Namenstag bekam. Was machst Du denn für Weihnachten, ist das ein Geheimnis? Durch meine vielseitige Correspondenz vergesse ich leider immer, was ich den betreffenden im letzten Brief geschrieben habe, und so fürchte ich auch jetzt, Euch eine alte Geschichte aufzutischen, wenn ich Euch von unsern musikalischen Zusammenkünften mit Höss erzähle. Es ist dieß nämlich die Familie des hiesigen Raatsanwaltes, bestehend aus Papa, Mama und Sohn Theodor. Die beiden Herren spielen Violine und wir beiden begleiten sie dazu am Klavier. Es ist dieß eine ganz nette Zerstreuung für den Winter. - Daß wir unser altes Pianino verkauften, habe ich wohl auch schon einmal geschrieben? Mutter möchte auch noch zu diesem Brief dazuschreiben daher Schluß. Mit vielen, vielen Grüßen an unsere lieben Kremser Freunde umarme ich Dich innig als deine treue Anna. - Liebstes Franzerl. 5./12 [18]96/ Deinen lieben Eltern habe ich schon Glück gewünscht, nun nimm auch vorallem du selbst die aufrichtigsten herzlichsten Glückwünsche zur glücklich überstandenen Prüfung entgegen. Onkel Seh [?] schließt sich meinen Wünschen an, da er schwerlich dazukommen wird selbst zu schreiben/ Auch ich erinnere Euch alle an das Versprechen uns zu besuchen. Je größer die Zahl der Kremserbesuche desto lieber. Nimm einen herzlichen Kuß von deiner Tante Anna. - Franz Spängler ist in Krems in vielen Vereinen tätig, u.a. Ehrenmitglied des Wiener Sängerbundes und Aktiver der Liedertafel in Pottenstein und des „Gesang- und Orchestervereins“ in Krems (davon 25 Jahre als Vorstand). In seinem Nachlass befinden sich neben der Stimmpfeife u.a. Erinnerungen und Medaillen der Salzburger Liedertafel, des Niederösterreichischen Sängerbundes, des Wiener Lehrergesangvereins und der Sängerbundesfeste in Wien (1890) und Stuttgart (1896). [Medaillen gingen an der Volksmusikarchiv des Bezirks Oberbayern in Bruckmühl] | ||
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| + | an FRANZISKA SPÄNGLER (1877-1962): 1896, Kartenbrief (Bleistift) aus Ried von Elsa an Franzi und Toni, Krems; Brief an Franzi von „deiner ehemaligen Staatsprüfungsgenossin Elsa“ | ||
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| + | 1897 | ||
| + | OTTO SPÄNGLER [Bruder] an FRANZ SPÄNGLER [Nr.18] [gedruckter Briefkopf:] Dr. Otto Spängler Salzburg [1897] Mein lieber Franz! Zu deinem nahen Geburtstag insbesondere aber zu Eurem 25 jährigen Hochzeitstage sende ich dir u deiner lieben Frau im eigenen u im Namen meiner Angehörigen die innigsten Glück u. Segenswünsche. Möge Euch durch Eure Kinder eine zweite Reihe so schöner und glücklicher 25 Jahre zu Theil werden wie Ihr die ersten 25 Jahre Eures Lebensbundes zugebracht! - Wir aber wollen uns, wie bisher so auch fortan in treuer Anhänglichkeit zugetan bleiben! - Deiner lieben Einladung auf Sonntag kann ich leider nicht folgen; es geht mir geschäftlich nicht gut aus u. dann kommt die Lisel gerade am Samstag nach Salzburg zurück, nachdem sie 3 Wochen in München war. - Die Adresse meiner Emilie in Paris ist: Pension Mercier et Beauquis - Rue d’Amsterdam 49/ Es wird sie gewiß sehr freuen, einen Brief von Euch zu bekommen, sie ist sehr gerne dort, sieht viel interessantes; nur die Kost behagt ihr nicht. bei uns ist es durch den gleichzeitigen Abgang dreier Personen sehr still geworden. - Unser Haus schreitet rüstig der Vollendung entgegen u hoffe ich, dß wir ganz beruhigt auf Juli einziehen können. - bei der Mitteilung über die Fingerverlezung der Hanserl hat es mich ganz kalt überlaufen. Gute besserung! Nun lebe recht wol, mein lieber Franz, empfange noch einmal unsere innigsten Glückwünsche und sei auf das herzlichste gegrüßt von deinem treuen bruder Otto. - donnerstag Abends. - Regierungsrat Dr.Otto Spängler (1841-1919) ist Direktor der Salzburger Sparkasse und Ehrenbürger von Salzburg. Seine Frau Louise Spängler, geb. Duregger, stirbt 1915. Der Hochzeitstag des Bruders ist der 8.4.1872. - „Lisel“: Elisabeth, geb. 1881 (16 Jahre alt); „Emilie“, geb. 1874 (23 Jahre alt); „Hanserl“: Johanna Spängler, verh. Holzapfel, geb. 1882 (15 Jahre alt). | ||
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| + | an FRANZISKA SPÄNGLER (1877-1962): 1897, vom Vater Spängler Postkarte aus Krems an Franzi in Wien, Stadiongasse 4, bei „Frau Sektionsrathswitwe Dr.Kaserer“, der Operngucker soll zur Reparatur bei... (Adresse)... und grüße deine Mutter – Abbildung = Familie Spängler am 9.Juli 1897, von links Franz, Antonia, Rosa, die Mutter, Franziska, der Vater, Otto und Johanna; vgl. Rückseite mit Notizen von Traudl Saska: | ||
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| + | 1898 | ||
| + | an FRANZISKA SPÄNGLER (1877-1962): von der Mutter Fanni Spängler aus Krems an Franzi in Wien „bei Herrn Landesschulrat J.Spängler, Wien, Mozartgasse 7“; kündigt ihren Besuch an („hinunter fahren“), mit Rosl und Toni | ||
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| + | 1899 | ||
| + | 1899, 5.8., Ansichtskarte an Wohlgeboren Frl. (Nr.9 a) FRANZI SPÄNGLER, Salzburg, Höllbräu. Bildseite „Gruss aus Krems a. D.“; [handschriftlich:] Krems 5.8.99. Liebe Franzi! Herzlichen Dank für Deine schönen Karten sendet Dir Deine Nelly / Herzlichen Gruss von Ferry! / Johanna. / Hedda / XXX | ||
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| + | 1900 | ||
| + | an FRANZISKA SPÄNGLER (1877-1962) von OSWALD GRILL (1878-1964): 30.12.1900, Döbling [Wien]: erinnert an das Fest und bittet Franzi daran teilzunehmen, und wer von „Ihren Schwestern“ an diesem Frühlingsvergnügen teilnehmen wird; beschreibt das „Costum“ [für das Frühlingsfest] genau und legt farbige Skizze dazu bei [in diesem Kleid hat er dann Franzi mit Aquarell gemalt, datiert 1903; hängt bei uns], den Stoff dazu will er bei Herzmansky besorgen, bei dem sie „den Stoff für alle unsere Gruppen“ beziehen; auch Familie Kaserer nimmt teil | ||
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| + | 1901 | ||
| + | an FRANZISKA SPÄNGLER (1877-1962) von OSWALD GRILL (1878-1964): 19.1.1901: Frühlingsfest; „das Costüme ist sehr leicht selbst zu machen“, Preis höchstens 9 Gulden, Schnitt und Stoff bekommt sie - 25.1.1901: erinnert an das Fest - 30.1.1901: freut sich, dass sie zum Fest kommen will; beschreibt eingehend Teile des Costums, den Haarkranz aus Sumpfdotterblumen usw.; Schnittmuster liegt bei [nicht vorhanden]; sie soll mit im „Reigen“ teilnehmen, also auch dringend mit zur letzten Probe (vor der Generalprobe) nach Wien kommen - 8.2.1901: fragt, ob das Costum bereits fertig ist - 19.2.1901: berichtet vom jährlichen Künstlerfest mit verschiedenen Gruppen, „Frühlingsgruppe war 28 Mädchen stark“, „die besten Costume, die auf diesem Feste zu sehen waren“... „wäre es ganz nett gewesen, wenn sie auch gekommen wären“; lädt sie ein zu einem „Concert“ in die Pokornygasse 6. | ||
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| + | an FRANZISKA SPÄNGLER (1877-1962): Briefe von OSWALD GRILL (1878-1964): 6.5.1901: Kirschblütenfest in Wien (Rotunde, drei Tage lang); Schulausstellung wird im Museum eröffnet, „in der ich auch einige Sachen habe“; 5.6.1901: war in der Ausstellung; lädt sie ein, Vater Spängler bekommt eine Einladung von der „Antropologischen Gesellschaft aus Wien“, die nach Krems kommt und eine „Parthie“ nach Göttweig macht. Kommen Sie mit? „Mein Onkel [Dr.Hein] ist nämlich Veranstalter dieses Ausflugs...“ - 20.[6.] 1901: hofft auf Besuch in Wien; „Wie ist Ihnen denn die Göttweiger Parthie bekommen?“ „Mir persönlich ist Krems eines der sympathischesten Fleckchen Erde, die ich kenne.“ - 26.6.1901: planen Besuch in Spitz (Wachau) - 4.7.1901: Loblied auf den Stiefelknecht „Ein Lobenslied, das will ich jetzt erheben...“ 5 Str.; fährt mit Edi Kaserer, beide mit dem Rad, nach Straß; baden in der Kamp; will über Salzburg nach München fahren und möchte die Adresse von „Frl. Rosl“; von Franzi erbittet er deren Adresse in Pressburg | ||
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| + | an FRANZISKA SPÄNGLER (1877-1962): Briefe von OSWALD GRILL (1878-1964): 27.8. 19[01]: Franzi also aus Pressburg zurück; lädt sie ein, Mama wird sich freuen; hat die Schwester Rosl in Salzburg besucht; plant Besuch in Straß bei Familie Kaserer. „Handküsse und Empfehlungen an Ihre werten Eltern!“ - 29.8.1901: verabredet sich mit Franzi, die in Heiligenstadt ist; Oswald Grills Mama freut sich auch auf ihren Besuch | ||
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| + | an FRANZISKA SPÄNGLER (1877-1962) von OSWALD GRILL (1878-1964): 8.10.1901: plant die Abreise nach München; hat einen Fächer von Franzi, auf den er etwas zeichnen will; in Straß [Kaserer] was es sehr gemütlich und nett, „Hanna [die er unterrichtet] und ich haben sehr viel gemalt“... „Handküsse und Grüße! Oswald Grill“. - München 26.10.1901: dankt für das „Schriftstück“, Brief mit Reisebericht; „Jeder Ort hat seine Reize... [doch] Kein Ort möchte mich befriedrigen, kein Fleckchen Erde mich dauern fesseln... [dass] das wahre Glück nur in der ruhigen Häuslichkeit zu suchen ist. Und da ists gleich an welchem Orte. Die Natur ist überall gleich schön. Wer sie zu verstehen weiß, der hört ihre Sprache, in der Ebene, wie im Hochgebirge... was ich mir eben denke, so möchten Sie mich für trübsinnig halten. So etwas lässt sich auch besser auf einem Spaziergang nach Dürnstein oder am Heiligenstädter Bahnhof besprechen, vorausgesetzt daß der Zug mit dem man fahren will die nöthige Verspätung hat, oder man sich über die Kleinigkeit hinwegsetzt wenn er einem davonfährt.“ Erzählt von München, vom Museum („die Schule wo ich bisher war“); arbeitet in der Akademie; sucht Wohnung, nach 24 Zimmern gefällt ihm eines „so halbwegs“; geht in der Stadt spazieren; der Stil der Gebäude „ist ein ausgeprägterer und schönerer als in Wien“, rote Dächer, gelbe Bäume „geben jetzt eine wunderbare Farbharmonie“; erzählt von der reinen Harmonie bei Friedrik van Eden und seinem empfehlenswerten Buch.“ Dieses Buch ist mir förmlich ein Mittel zur Menschenbeurtheilung geworden... solche die sich hineinleben können, und solche die das Märchen gar nicht verstehen.“ | ||
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| + | an FRANZISKA SPÄNGLER (1877-1962): 1901, Lieut[enant] RUDOLF WIDERHOFER [ein Sohn der Schwester Toni Spängler (1879-1918, Nr.9 b; verh. von Widerhofer] „ihr aufrichtig ergebener Regimentsneffe“, schreibt aus Wien an Franzi, Krems, Alleestr.7; berichtet vom Krankenbett des Vaters; er bezeichnet Franzi als seine „Regimentstante“ | ||
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| + | an FRANZISKA SPÄNGLER (1877-1962): 1901, Postkarte aus Krems an Franzi in Genf; Grüße von einer Kellerjause, unterschrieben u.a. von Oswald Grill, „Vater“ und den Schwestern Toni und „Hansl“, dem Bruder Franzl | ||
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| + | 1902 | ||
| + | an FRANZISKA SPÄNGLER (1877-1962) von OSWALD GRILL (1878-1964): 13.1.1902: war zwischendurch in Wien; erzählt liebevoll von seiner Mutter; „... hinaus [nach München] meiner Arbeit, meinem Felde, meiner Zukunft entgegen, nur mit dem einen Gedanken, ich will, und muß in der Kunst etwas erreichen. [aber... hat trübsinnige Gedanken] Und was habe ich dann auf der Welt, wenn ich an meiner Kunst verzweifle“. Mutter alt und krank, bietet kein Zuhause. „Was gibt es da für eine Zukunft!“ Franzi hatte nach ‚Heimweh’ gefragt. Nein..., „denn da sehe ich die öde Wirklichkeit vor mir“. Fragt nach der Schwester Rosl. „Als ich letzhin von Ihnen fortging hatte ich den Zug noch sehr bequem erreicht. Schwips hatte ich keinen, und so habe ich die ganze Fahrt gelesen statt geschlafen. In der Pokornygasse [Döbling] kamen mir mein Bruder und Gerkauer entgegen, die einstweilen statt meiner einen Schwips bekommen hatten, und schrecklich schön sangen. Sie waren nämlich mit einem bekannten Herrn beim Heurigen in Grinzing. Wir hatten über beide an diesem Abende noch riesig zu lachen. Barto war melancholisch, und Erwin [wohl der Bruder] übertrieben lustig. Beide sind aber sonst gerade das Gegentheil davon. Freitag darauf hatten wir Besuch. Auch Barto Czeck [Czeckauer] war wieder bei uns. Da wurde heftig Tischgerückt. Unter den Anwesenden war eine Collegin von mir, die ich spaßweise hypnotisieren wollte. Als ich aber sah, daß sie es ernst zu nehmen anfing und trotz fortwährendem Sträuben schon wirklich in einem hypnotischen Zustand sich befand, mußte ich den Spaß natürlich aufgeben. Man hätte damals leicht ernste Versuche anstellen können, aber ich wollte das nicht riskieren; dann war auch die Zeit nicht mehr dazu.“ | ||
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| + | an FRANZISKA SPÄNGLER (1877-1962) von OSWALD GRILL (1878-1964): 22.5.1902: kommt Anfang August wieder nach Wien. „Aus derselben Quelle [Mama Grill, die die Post nachsendet] habe ich auch so etwas von einer Verlobung in Ihrem Hause gehört. Wußte aber nicht auf wen sich das bezieht, habe daher der Einfachheit halber Ihnen gratuliert.“ Berichtet von der Reise München – Rosenheim – Senbach – Achensee – Innsbruck (Martinswand) – „Landeg [Landeck]“ – St.Anton [am Arlberg] „ganz verschneit“ – Konstanz – „Schafhausen“ (Rheinfall) – Friedrichshafen – Ulm – „Studtgard“ (Großstadtgetriebe) – Heidelberg (Schloss großartig) – „Nekarthal“ Heilbronn (ein schreckliches Fabriksnest) – Ansbach – Rothenburg o.d.Tauber (das reizendste Städtchen das ich kenne; Studien und 4 Tage Aufenthalt) – Nürnberg (enttäuscht) – Harburg ([Donauwörth] das mir riesig gefiel, Schloss äußerst malerisch und interessant; 4 Tage, Studien) – Augsburg (das liebe) – München. „Vor 3 Tagen ist mein Onkel (Dr.Hein [hat das Altarbild in Unterach gemalt und das Glasfenster in der Kirche dort entworfen]) von seiner Forschungsreise aus Arabien“ nach Wien zurückgekehrt, zwei Araber mitgebracht. „Bin neugierig wie diese aussehen.“ | ||
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| + | an FANNI SPÄNGLER (Nr.19): X.9.1902, Ansichtskarte „Illbrücke“, Feldkirch an Franziska Spängler [und Toni], Krems: „Von unserer ersten Station...“, Franz, Franzi, Hansl - 4.9., Ansichtskarte „Taminaschlucht, Ragaz“ aus Pfäffers-Bad, Schweiz: „Wetter prachtvoll, Befinden sehr gut. Viele Grüße! Franz, Hansl, Franzi“ - 4.9., Ansichtskarte „Kloster Einsiedeln“: Franz, Hansl, Franzi - 5.9., Doppelkarte „Panorama vom Rigi“, „Dr.Spängler, Hansl, Franzi - 6.9., Ansichtskarte „Bellinzona“: wegen Regen mit der Bahn hierher, Franz, Hanls, Franzi - 7.9., Postkarte Luzern: Karte erhalten, Reise bisher folgende... Feldkirch, Ragaz, Pfäffers, Einsiedeln, Rigi, Altdorf, „wo es zu gießen anfing“. Göschenen, Bellinzona „bei strömenden Regen“, „Die zwei Mädchen sind ins Bad gegangen“. - 9.9., Ansichtskarte „Schynige Platte...“: Franz und Franzi - X.9., Ansichtskarte „Salève... Haute-Savoie“: „Rosl ist nicht mit uns, weil sie noch einiges zu XXX hat“; [sie haben vielleicht Rosl in Genf besucht; die Schwester Franzi ist 1901 in Genf] Franz und Hansl | ||
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| + | 1903 | ||
| + | an FRANZISKA SPÄNGLER (1877-1962) von OSWALD GRILL (1878-1964): 7.3.1903, Kondolenzbrief [halb durchgerissen] an Franzi, Krems, Alleestr.7, aus Wien; Dank für Mitgefühl [Tod der Mutter?], Gruß zum bevorstehendem Namensfest; „Handküsse und Empfehlungen, Ihr Oswald Grill“ | ||
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| + | an FRANZISKA SPÄNGLER (1877-1962): 1903, „TruXXX“ schreibt aus Znaim an Franzi, Krems, Alleestr.7; sie kommt zur Anprobe zur Schneiderin und bittet Franzi dabei zu sein und einen kritischen Blick darauf zu werfen, in Wien „Salon Salito“, Ecke Mariahilferstr./ Ringstr. Sie will auch nach Krems kommen; „vielleicht bekommt Rudi nach der Hochzeit Urlaub. „Trudl“ (?) ist vielleicht die Frau vom Vater Widerhofer, dessen Enkelin wiederum Trudl heißt (verh. Widerin). | ||
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| + | 28.8.1903 Ansichtskarte St.Gilgen [liegt bei Nr.19] an: Wolgeboren Fanny Spängler, Landesgerichtsraths-Gattin aus Krems a.D., derzeit in Salzburg, Gasthof z. Höllbräu. – d.28.Aug.1903. Liebe Fanny! Durch Anna Fahrner hörten wir von der Verlobung deiner lieben Tochter Hansi [Johanna Holzapfel] u. sage Dir u. Deinem Mann, sowie der l[ieben]. Braut meinen u. meiner Angehörigen verXXste Glückwünsche. Würde mich sehr freuen Euch hier einmal zu sehen. Mit vielen herzlichen Grüßen, deine alte Freundin Maria StXX. | ||
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| + | 1903, 28.8. [Krimml- ZXX], 29.8. [Salzburg], Ansichtskarte an Wohlgeboren Fräulein (Nr.9) HANSL SPÄNGLER, Lehrerin dz. Salzburg, Gasthof zur Hölle. Bildseite: 3 x klein „Venedigergruppe mit Sulzbachtälern, „Rosental (Ober Pinzgau)“ und „Gruß aus Huber’s Gasthof, Rosenthal“; [handschriftlich:] 28.Aug. Aus unserem Ferienheim senden die herzlichsten Glückwünsche nebst besten Grüßen A Prosch Tante Mina. | ||
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| + | 1903, 29.8., Ansichtskarte an (Nr.9) Fräulein HANSL SPÄNGLER Salzburg Höllbräu Krems, bei Herrn Lehrer Wohofsky, Heinzstraße. Bildseite „Gruss aus Schönberg am Kamp“, [handschriftlich:] 29.August 1903 Herzlichen Glückwunsch und beste Grüsse! Berta. | ||
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| + | 1903, 10.9. [Poststempel Pottschach], Ansichtskarte an (Nr.9) Fräulein JOHANNA SPÄNGLER Salzburg Gasthof zur Hölle Lehrerin in Pottschach Südbahn [Niederösterreich]. Bild: Kötschach mit Poliklinik; [handschriftlich:] Wir freuen uns sehr über die Nachricht Deiner Verlobung und gratulieren herzlichst. Tante Lida. Onkel Hermann. Mizl [und andere] | ||
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| + | 1903, 10.9., Ansichtskarte an (Nr.9) Fräulein HANSI SPÄNGLER Lehrerin / Pottschach Nieder-Österreich. Bild: Salzburg von Maria Plain; [handschriftlich:] Also auch Du willst in den sauren (?) (Holz-)Apfel der Ehe beißen? Glückauf dazu! Heili Dir! Familie Fritsch / 10/9 1903. | ||
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| + | JOHANNA SPÄNGLER, geb. Spängler (Nr.9; 1882-1973) an RUPERT HOLZAPFEL (Nr.8; 1868-1940; verh. 1904): Mein liebster Rupert! Bis Du diesen Brief erhälst, sind meine Angehörigen wahrscheinlich schon in Krems. Nach einer Bemerkung in Vaters Brief vermute ich, daß sie Montag 14.Sept., heim kommen. Bestimmte Nachricht habe ich selbst nicht. – Also, ich kann Dir mitteilen, daß ich am Mittwoch nach Krems komme u. zw[ar]. mit dem Zug, der um 9 ¼ h abends von Wien her eintrifft. Ich freue mich schon sehr auf ein baldiges Wiedersehen. Den heutigen Nachmittag verbrachte ich in der Familie des Oberlehrers. Wegen des heftigen Regens mußten wir im Zimmer bleiben. Erst gegen Abend konnten wir einen kleinen Spaziergang machen. – Morgen ist es gerade ein Monat, daß wir hinaufgestiegen sind gegen den Braunsdorfer [nach einer Weinlage dürfte das in Niederösterreich sein; ein Brief 1912 nennt „Braunstorfer“ bei Sandl/Krems]! Als ich dem Oberlehrer mein Anliegen wegen des Samstags mitteilte, sagte er: „Aber natürlich, bleiben Sie nur aus.“ Auf recht frohes Wiedersehen! Herzliche Grüße und Küsse von deiner Hansi. Pottschach [Niederösterreich], 13.Sept.1903. | ||
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| + | Mein liebster Rupert! So, nun bin ich wieder gut in Pottschach angekommen. Während der Fahrt habe ich viel geschlafen, denn ich bin sehr müde. Als ich ankam, hatte ich gerade noch Zeit zum Essen u. dann mußte ich gleich in die Schule gehen. Bezüglich meiner Enthebung [wohl Entlassung aus dem Schuldienst] ist noch keinerlei Nachricht hier. – Nach der Schule habe ich gleich die Bücher für Elsa Sacher angeguckt, damit sie heute noch fortgehen. – Ich werde mich heute sehr bald zu Bett begeben. – Hast du schon mit Eurem Religionslehrer gesprochen? Was sagt er? Das waren wieder selige Tage! Wenn nur solche nicht gar so schnell vergingen! Und diese Tage der Einsamkeit sind oft anders. – Mein Liebster, ich hoffe auf günstige Nachricht wegen des nächsten Samstags. Entrichte Grüße an deine Mutter u. deine Schwestern. Sie tausendmal gegrüßt und geküßt von Deiner Hansi. P[ottschach]. 21.9.1903. | ||
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| + | 12.11.1903, Postkarte an Frau IDA PICHLER, k.k.Ingenieursgattin, Krems, Parkstr.16 [Freundin der Familie, besonders von Franzi Spängler, liegt mit im Spänglergrab in Krems; Nachbarn in Krems] aus Stift Zwettl: My dearest Ida, yesterday evening I arrived here. But what a terrible weather!! It rains and snows, all pêle-mêle!! So that I heardly can visit the monastery (which is distant 3/4 h from the town!! And I was so very curious to see this interessant‘ building with its renXXned church and gothic Kreuzgang! Be embraced from yours very XXX Ro[XX ?]– I come merely saturday... | ||
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| + | 1904 | ||
| + | 1904, 19.7., Ansichtskarte an (Nr.8) Wohlgeboren Herrn Rupprecht [!] Holzapfel, Bürgerlehrer, in Krems a./d. Donau, N.Öst. „Pöstlingberg Linz a.D.“, [handschriftlich:] Viel Glück XXX [zwei Namen] | ||
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| + | 1905 | ||
| + | An „Wohlgeboren Herrn Rupert Holzapfel, Bürgerschullehrer in Krems a D., Heinzstr. Kaiser Friedrichstraße.“ [Nr.8 RUPERT HOLZAPFEL, 1868-1940; Poststempel 23.4.05; dreiteilig gefaltete Stadtansicht von Krems, Gesamtansicht und Hôtel zum goldenen Hirschen; auf einer Seite:] Mit dem Wunsche, daß der Stammhalter [Nr.4 Rupert Holzapfel, geb. 22.4.05] wachse, blühe und gedeihe, gratulieren herzlich Huber / F Kaufmann / Joh Kaufmann / H. Hofmann / E Wachtl./ Gustav Heftich / Eduard Aug Komm / Putschögl / Nikolaus Heftich [sieht nach Sängerrunde, Stammtisch o.ä. aus]. | ||
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| + | 1905, 29.4., Briefkarte: Liebe Frau Holzapfel resp. Hans! Soeben erfahre ich von der Freude die in Ihrem Hause wieder Einzug gehalten hat in Gestalt eines kleinen Weltbürgers. Da ist es mir nun ein Bedürfnis dem glücklichen Elternpaar aus vollem Herzen meine Glückwünsche zu sagen, was ich um so lieber thue, als mich das Unglück, das Sie alle in der letzten Zeit so schwer traf, sehr schmerzte. Und wenn ich daran denke, daß jetzt so ein kleiner neuer Mensch in das Leben getreten ist, so habe ich noch einen Wunsch für ihn, - „dieses Leben möge ihm leicht werden, heiter und sonnig“! Herzlich grüßt Sie und ihren lieben Herrn Gemal [!] Ihr [ad Nr.9 c] OSWALD GRILL. – „Unglück“: Die Mutter, Nr.19 Fanni Schlegel, verh. Spängler, ist am 21.3.1905 in Krems gestorben. | ||
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| + | 1905, 1.9. [Poststempel Krems] Ansichtskarte an (Nr.8) Herrn R. HOLZAPFEL, Bürgerschullehrer Krems/Donau, Friedr. Str.7, N.Öst. aus Znaim, auf die Bildseite (Eisenbahnviadukt und Stadt „Znaim“ in Mähren, „Nordwestbahnbrücke“) mit handschriftlichen Zusätzen, verwischt. L.R! Herzl. Gruß! XXX [...] XXX. | ||
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| + | 1907 | ||
| + | Brief ohne Ort und Datum [Wien 1907] von Nr.9 c ROSL SPÄNGLER (1880-1967), verh. Grill, an ihre Schwestern Johanna und Franziska in Krems: „Lieber Hans, liebe Franzi! Vor allem Franzi verzeih, dass ich wegen der Leinenhemden (die ich zugeschnitten aus Urgroßmutters Leinen hier habe) noch nicht Antwort gab. – Ich komme zu keinem Entschluss! Es ist mir leid um die 3 Hemden u doch würde ich die anderen Stoff[e] gern haben – Fürchte nicht, dass ich es so machen will, beides mir anzueignen! Ich tu das nicht, aber habe noch etwas Geduld. – Vater brachte 10 m. Windelleinen mit – davon soll Agnes Hemdchen zuschneiden – u.z. sie soll alle gleich jetzt zuschneiden u ich möchte dann einen Teil zum Arbeiten übernehmen u einen Teil nun von ihr in Krems machen lassen. – Wenn sie den Stoff noch nicht bei sich hat, so soll sie wohl am besten einen Tag für mich bei Euch, Hans oder Franzi arbeiten, da kann sie genug zuschneiden u zum Nähen richten; wann ich nach Krems komme ist unbestimmt; sicher aber doch ziemlich bald. – Kommt ihr alle, Holzäpfel? zu Ostern nach Wien? Wenn wir nicht morgen wegfahren so werden wir Sonntag oder Montag nach Nikola fahren u statt schon Mittwoch, vielleicht erst Freitag (Charfreitag) zurückkommen. Sollte aber jemand von Euch Nachtquatier brauchen so steht Euch unser Heim zur Verfügung auch wenn wir fort sein sollten! – Oswald lässt euch grüßen. Er hat wieder ein Bild verkauft u zwar an Dregden („Linz“). – Verzeiht die schöne Schrift. – Was ist’s mit den Deckenkappen – ich nehme sie mit wenn ich nach Krems komme. Sollte bis dahin von Euch jemand waschen, so lasst 2 davon mitwaschen, muss aber nicht sein! Wir wüssten von Franzi u Va [?] einen gr. Wunsch als Hochzeitsgeschenk!! [Hochzeit ist am 17.11.1907; klein:] Wird aber zu viel kosten! Nun lebt wohl! Eure Rosl | ||
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| + | 1908 | ||
| + | 9.4.1908 Brief mit Umschlag aus [Wien] Hütteldorf von ROSL GRILL, geb. Spängler, an „Herrn Dr FRANZ SPÄNGLER, kk Oberlandesgerichtsrat, Krems Donau, Schillerstr 7.“: Lieber Vater! Zu deinem morgigen Geburtstag senden wir Hütteldorfer Dir die herzlichsten Grüße und wünschen Dir alles Gute und besonders die beste Gesundheit. – Es hat uns sehr gefreut, dass wir Dich letzthin doch endlich einmal bei uns gesehen haben! Hoffentlich hat es Dir bei uns heraußen gefallen und Du besuchst uns in nicht gar zu ferner Zeit wieder! Wie wir hören kommst Du oder kommt Ihr – mehrere zu Ostern hierher. Da kommt Ihr dann doch nach Hütteldorf heraus? Ich weiß jedoch nicht einmal ob wir da sein werden, denn wir warten nur eine Besserung des Wetters ab um dann allsogleich nach St.Nikola-Grein abzudampfen, wo Oswald einige Tage zu arbeiten hat. Es ist daher in den allernächsten Tagen nicht möglich, dass wir nach Krems kommen vielleicht jedoch auf unserm Heimweg von Nikola. Ich will auch in Nikola malen u. zeichnen, darauf freue ich mich schon, denn ich komme hier doch nicht dazu u. verlerne dann noch das Wenige, das ich konnte. Vor hatten wir schon morgen (10.IV) ab zu fahren, da aber das Wetter gar so kalt und elend ist, wird es sich nicht machen lassen (es schneit) umso mehr da Liutschy Pietschmann mit uns fahren wird!!! – Montag war also dieses Souper, zu welchem wir die Einladung bekamen, als Du hier warst. – Es waren nur 20 Pers. und daher viel gemütlicher als vorauszusetzen; freilich es war sehr fein u gut. Wir erreichten noch den Westbahnzug 12.50. – Vorgestern hatten wir Kremser besuch! Joh.Wuppinger war da u. plauschte mit uns längere Zeit. – Der „Rose Pilgerfahrt“ ist also sehr gut ausgefallen?! Und viel Draherei soll damit verbunden gewesen sein! – Die Kremser Jubiläums-Ausstellung wird erst im Mai sein! – Also dort werde ich auch in die Öffentlichkeit treten mit einer oder 2 Arbeiten!! – Oswald ist heute in Mödling bei der Itunde [?] u lässt sich entschuldigen dass er nicht selbst ein paar Worte schreibt! – Uns allen geht es sehr gut u. wir hoffen das gleiche von Euch allen! Nun nochmals besten Glückwunsch Dir lieber Vater, und herzl. Gruß von Deiner Rosl. – Bitte beiliegenden Zettel an Hans [! der Hans = Johanna, Hansimutti] oder Franzi übergeben - ! – Abbildung = Franz Spängler, ca. 1908 | ||
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| + | [November 1908] Briefkopf „Regierungsrat Dr.Otto Spängler, Salzburg“ ohne Datum und Umschlag von Nr.18 a OTTO SPÄNGLER (1841-1919) an FRANZ SPÄNGLER (NR.18; 1839-1912): Lieber Franz! Mit aufrichtiger Freude entnehme ich soeben der Zeitung die Nachricht von der dir gewordenen allerhöchsten Auszeichnung [mit der Pensionierung der k.k.Orden der eisernen Krone] und sende dir in unser aller Namen die herzlichsten Glückwünsche. Möge dir in Gesundheit und Zufriedenheit eine lange Ruhezeit beschieden sein! Von hier kann ich dir eigentlich nicht viel Gutes berichten. Georg [Mussoni, 1859- ; seit 1887 verh. mit der Tochter Paula Spängler, 1869- ] ist seelisch und geistig mehr herabgestimmt, als je; bildet sich alle möglichen Krankheiten, die nichts [?] mehr zu seien, ein. Es ist ein ganz schreklicher Zustand, unter dem wir natürlich alle, am meisten aber die arme Paula zu leiden hat, die auch schon sehr schlecht aussieht. Ferner liegt meine Frau seit ein paar Tagen wieder an Magenkrampf zu bette; sie hat sich höchstwahrscheinlich mit einem kalten Obste verdorben. – Planck [Konrad Planck von Planckburg, 1878-; seit 1902 verh. mit der jüngsten Tochter Maria, 1883- ] ist endlich am 1.November nach 8 Jahren Oberlieutenant geworden und bleibt vorderhand als Regimentsadjutant hier. Mama [die eigene Frau oder Schwiegermutter Duregger], Mila [Tochter Emilie, 1874- , 1902 verwitwet nach dem Salzburger Buchhändler Eduard Höllrigl] u. ich waren vorige Woche auf 2 Tage in Landshut auf Besuch bei Trammer [Prof.Otto Trammer, geb. 1878, heiratet 1912 die Tochter Emilie, fällt aber 1914] u. dann 2 Tage in München. – Meine Mitteilung über die bei mir erliegende Ausbeute [Dividende] per 90 MM hast du wol erhalten; noch habe ich aber keinen Auftrag von dir, was ich damit machen soll. – Deinen Kindern u. Schwiegersöhnen geht es hoffentlich gut. Elsa [Trammer?] thut es sehr leid, dß Rosl, die seinerzeit so viel bei Trammers verkehrte, sich in vollständiges Schweigen hüllt; sie würde mit großem Interesse wieder einmal etwas von ihr hören. – Nun lebe wol lieber Franz; sei noch einmal meiner freundlichen Anteilnahme an der dir zu Teil gewordenen hochverdienten Auszeichnung versichert! Mit herzlichen Grüßen Euch allen dein treuer Bruder Otto. Freitag Abends. – #Mussoni: Bei den Stammbuchblättern für Nr.18 Franz Spängler = Albert Mussoni (St.Peter 1858). | ||
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| + | 1909 | ||
| + | Ansichtskarte „Partie bei Schellenberg“ an [Nr.4] RUPERT HOLZAPFEL (1905-1960) „dzt [derzeit] Maxglan b. Salzburg Schliesselbergweg 2. 7.9.1909 [?]. Viele Bussi Dir u. Walter [der Bruder, geb. 5.3.1909] u. Mutter! [Unterschriften:] Vater [Nr.8 Rupert Holzapfel], Großvater [Nr.18 F.X.Spängler; gest. 1912] Tante Toni [9 b Antonia (Toni) Spängler, 1879-1918; verh. von Widerhofer] | ||
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| + | 1909, 13.12. [Poststempel München], Ansichtskarte an Herrn (Nr.4) Ruppert [!] Holzapfel jun., Krems a./D. Nieder Österr., Kaiser Friedrich Straße. [handschriftlich:] Besten Gruß Onkel [Nr.9 e] OTTO [SPÄNGLER]. Bildseite „München, Kgl. Hofbräuhaus“. | ||
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| + | ca. 1909/1910, ohne Datum, Ansichtskarte an Herrn und Frau Holzäpfel [!], Krems Donau, Ringstr.1 / I: Euch allen die besten Wünsche! Hat Walter sich erholt? Herzl Gruß Rosl Oswald ([ad Nr.9 c] OSWALD GRILL). Habt Ihr Franzi wegen d. Kostüme gesagt! Bitte, sie soll sie mitbringen. – Bild „Sommer. D [!] Grill pinx.“ = Mutter mit Kind im Rosengarten, Rosl mit Heribert Grill, geb. 1908. | ||
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| + | 1910 | ||
| + | 1910, 4.3., Postkarte an Frau Johanna Holzapfel, Krems, Donau, Hundsteig (Villa Seif); L.H! 4.III.10 Eurem jüngsten Sohne [Nr.4 a Walter, geb. 5.3.1909] erlauben wir uns unsere herzlichsten Wünsche zum Geburtstage entgegenzubringen! Möge es ihm wohlergehen! Euch allen auf dem hohen Berge die besten Grüße! Bei uns ist jetzt immer Sonnenschein! Hast Du meinen Brief erhalten? Hast Du das Paket erhalten, welches ich Vater mitgab? Lass von Dir hören! Es grüßt Dich vielmals Deine [Nr.9 c] ROSL [GRILL]. / Hütteldorf. - | ||
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| + | 1910, 13.8., Ansichtskarte „Grein“, Oberösterreich, „An [Nr.4] meinen lieben Rupert Holzapfel / Krems a. Donau / Puchhaimbg.2 [nicht identifiziert; vgl. 21.4.1911]“: Lieber Rupert! Schau Dir diese Burg an, da sitze ich im Park auf einer Bank und sende Dir, die Mutter und dem Walti viele Bussi Vater. Wetter leider schlecht, Regen wechselt mit Sonnenschein. 13./8.1910. | ||
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| + | [Nr.8] RUPERT HOLZAPFEL (1868-1940) an [Nr.9] JOHANN [Hansi] HOLZAPFEL, geb. Spängler (1882-1973) weißer Briefumschlag: Frau Hansi Holzapfel bei Herrn Maler O.Grill in St.Nikola bei Grein O.Ö. [Abs.:] R.Holzapfel, Krems a Donau. – Liebe Hansi! Soeben kam Deine Karte, aus der ich entnehme, daß ihr trotz des Regens gut angekommen seid. Walter ist sehr brav, nur soll Papi immer mit ihm spielen. Gestern etwa ¼ 5 h saßen wir im Kinderzimmer beim Fenster und sahen regnen zu, da rief Walti plötzlich „Ubert“. Ich fragte: „Wo ist denn der Rupert?“ Ubert baba, Uta baba war die Antwort. Vor dem Schlafengehen verlangte er die Uka. Er schlief die ganze Nacht bis ¾ 6 und machte dann ins Topferl ein Laki. Als heute vormittag die Resi vom Markte kam und läutete, rief er „Uka“ und eilte hinaus. Im Laufe des Vormittags rief er öfter Dir und dem Rupert. Jetzt (3 h) krabbelt er hinter mir herum. Als der Briefträger kam, rief er auch: „Uka“. Naß hat er sich heute noch nicht gemacht. Auch mir geht es gut. Heute hatten wir rote Reissuppe (weil von gestern Reis da war) Karviol mit Nockerl u. Apfelstrudel. Abends bekommen wir Stosuppe [steirische Stosuppe/Stossuppe/Stoßsuppe]. Hoffentlich wird das Wetter besser, es regnet zwar nicht, aber der Wind geht stark und das Thermometer zeigt nur 12o. Bei Euch wird’s wohl noch frischer sein. – Gestern war eine Frau da, die will ihr Mädchen zu Dir in Kost u. Wohnung geben, vom Kloster wurde sie hergeschickt. Ich konnte ihr gar nichts sagen, sondern nur versprechen, daß sie sehr bald Nachricht erhalten wird. Ich gebe Dir die Adresse an und Du kannst ihr vielleicht den Preis u.s.w. mitteilen. Das Mädchen ist 15 Jahre alt. Die Adr. lautet Frau Blaha, Bürgerschullehrers-Gattin in Klosterneuburg. Schreibe aber sofort, weil sie ja bald Antwort haben will. Darum, bglaube ich, ist es auch besser, Du schreibst von Nikola als ich nach Deiner Antwort von Krems. Eintreten würde das Mädchen erst mit 1.Oktober, da der Bau nicht fertig ist. Nun bin ich aber mit allen Neuigkeiten fertig. Viele Grüße an Familie Grill / Dich u. Rupert küßt Dein Rupert. / Walti schickt Bussi – er trommelt auf meinen Rücken. / Krems, 2./9.1910. – [Gefaltet beigelegt auf zwei grün-weißen Blättern aus einem zerschnittenen Briefumschlag von „Ludwig Kelcher, Bäcker..., Grein“ Notizen von Hansimutti, ein Briefentwurf, vielfach durchgestrichen und überschrieben:] S g. F.B. Mein Mann teilte mir heute mit, daß Sie gestern bei mir waren, und gerne beabsichtigen mit m v. [?] Ihr Töchterchen zu mir zu geben anzuvertrauen wollten. Es tut mir leid Ich bedauere, daß ich Sie nicht persönlich sprechen konnte. [nicht alles lesbar:] ...die Zinnen werden Sie wohl gesehen haben. Es ist ein großes freundl. Zimmer, mit hübscher Aussicht. Das Zimmer ist für zwei Pers vollständig eingerichtet, so daß der Zögling außer Bettzeug noch Bettwäsche selbst mitzubringen hat... Ich möchte auch gerne zwei Zöglinge... falls sich noch jemand meldet... wenn Sie damit einverstanden sind. Ist es aber Ihr ausdrückl. Wunsch, daß Ihre Frl Tochter allein das Zimmer bewohnt, so könnte ich gern diesem Wunsch nachkommen. Wohl würde dies eine kl. Änderung im Preise bedingen. Wie Sie ja selbst gesehen haben, ist die Lage der Wohnung... auch versichere ich Ihnen, alles zu tun, um den Anforderungen der Gesundheitslehre zu entsprechen nachzukommen... Unser Badezimmer steht dem Frl 2-4 mal monatlich zur Verfügung... Erholung in frischer Luft der große Garten bietet Gelegenheit in frischer Luft die notwendige Erholung zu finden. Ebenso werde ich durch Spaziergänge für entsprechende Bewegung XXX sorgen... Fleiß der Zöglinge stellt und ich kann Ihnen die Versicherung geben, daß ich... besorgt sein werde, daß... Den Preis für Wohnung und Verpflegung denke ich mit 100 K monatl... darüber läßt sich übrigens persönlich noch verhandeln... besondere Wünsche... schon inbegriffen. Es handelt sich dann nur noch um die Wünsche des Zöglings... werden könnte. Ist es Ihnen aber lieber, so weiß ich... recht ordentlich... Ausbesserungen übernimmt... Wunsch erkläre ich mich auch bereit, Ihrem Töchterlein die notwendigen... zu geben, sich das Ausbessrn selbst... zu besorgen. Indem ich Ihnen die Versicherung gebe, für das mir anvertraute Mädchen wie für mein eigenes Kind zu sorgen, zeichne ich, einer gütigen Antwort entgegensehend, hochachtungsvoll Hansi Holzapfel Krems D. BXX | ||
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| + | 1910, 3.9. [Poststempel 4.9.], Postkarte von (Nr.8) RUP. HOLZAPFEL, Krems a D. an: Frau Hansi Holzapfel bei Herrn Oswald Grill, St.Nikola bei Grein, O.Ö. / Liebe Hansi! Danke für Deinen Brief. Hoffentlich hat sich auch bei Euch das Wetter gebessert. Bei uns ist’s heut seit Mittag annehmbar, freilich kühl. War Nachmittag mit Walti im Park (über 1 Std.) Der war darüber sehr erfreut. / [nachträglich klein] Haben sich die beiden Buben schon angefreundet? / Uns geht es recht gut. Walti ist sehr munter und fragt hie u. da nach Euch. Als Dein Brief kam, (nachmitt.) sagte ich ihm: „Der ist von der Mutter u. Rupert“. Er nahm den Brief, nickte und sagte „ja“. Dann machte er sich über den Briefumschlag, sagte immer „Uka“ und zerriß ihn. Abends, als die Resi das Koch brachte, rief er immer wieder dem Rupert. Heut hat er bis 1/2 8 früh geschlafen. Den ganzen Tag war er musterhaft auch inbezug auf Laki. Die Zwetschken sind fertig u. die Blumen im Zimmer. Sehen sehr frisch aus. Sonst hat sich nichts ereignet. Mit der Kost bin ich ganz zufrieden. Wenn es schön wird, fahre vielleicht doch nach Salzburg. Nur schreibe vorher. Bis 11. (Sonntag) könntest ja ausbleiben, dann hätte ich Dich wohl gern daheim. Herzl. Gruß an die Grillenfamilie. Küsse von Walti u. mir an Dich u. Rupert / Dein Rupert / Krems, 3./9. 1910. | ||
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| + | 1910, 4.9., Postkarte von (Nr.8) R. HOLZAPFEL, Krems D. an: Hansi Holzapfel, Fachlehrers-Gattin / / St.Nikola b. Grein bei Frau Kühberger / Liebe Hansi! Sei nicht böse, daß ich nicht komme. Bei uns geht seit früh ein Sturm, das Thermom. zeigt jetzt 1/2 11 h 110 Das Barometer ist seit gestern um 4 mm gefallen. Außerdem hat es schon zweimal heute geregnet. Das wäre für Walter nichts. Er schläft soeben. Heute stand er erst um 7 h auf und hat das Bett nicht naßgemacht. (In der Nacht auf d. Topferl gesessen) Neues gibt es nichts. Viele Grüße u. Küsse an Dich und Rupert. Spielt Rupert mit Heribert [Grill, geb. 1908] schon? Dein Rupert / Krems, 4./9. 10. | ||
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| + | 1910, 5.9., Postkarte von (Nr.8) [R.] HOLZAPFEL, Krems. D. an: Hansi Holzapfel, b. Frau Kühberger / St.Nikola b. Grein / Liebe Hansi! Wie geht es Euch Einsamen? Gestern hat es bei uns von 1/2 1 h bis nach 1 h geregnet, dann wurde es schön, aber kühl. Vormitt. war ich bei der Donau. Die geht bis zum Schutzdamm, das Lokalschiff verkehrt nicht. Nachmittags war ich mit Walti [Walter, 18 Monate alt] bei der Großmutter. Ich zog ihm das neue weiße Kleid an. Walti hat gestern den ganzen Tag nichts naß gemacht, auch heute nacht nicht das Bett. Um 1/2 8 ging er schlafen und schlief mit einmaliger Unterbrechung (1/2 4) bis gegen 6 h. Dann nahm ich ihn in mein Bett und um 1/2 7 standen wir auf. Bei uns ist es schrecklich kühl. Gestern nachts um 1/2 10 hatte es nur 70, heute 1/2 7 früh 100, jetzt 10 h hat es 130 Jetzt wird Walti gebadet, weil es früh zu kalt war. Frau Sonne will auch jetzt nicht heraus. Gestern hatten wir recht gute Schnitzel. Von dem 1/2 kg hatten wir abends und haben heute mittags. Walti sagt schon: „weg!“ also viele Grüße und Küsse ab Euch / Was machten gestern Rupert? und Du? / Dein Rupert. / Krems 5./9. 1910. | ||
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| + | 1911 | ||
| + | 1911, 21.4., Postkarte an (Nr.4) Herrn Rupert Holzapfel jun. Krems a/d D. Puchhaimbstraße 2 [was das für eine Adresse ist, weiß ich nicht, ein Heim? Die Straße gibt es offenbar nicht mehr; vgl. 13.8.1910; es gibt eine Puechhaimgasse Nr.2 in Horn, Nieder-Österreich] Lieber Rupert! Wir wünschen dir zu denem morgigen 6. Geburtstage Alles Gute u grüßen dich, deine Eltern u Walter herzlichst. Onkel RUDL [ad Nr.9 b WIDERHOFER] / Rudl [Widerhofer, geb. 1907] u Trudl [Widerhofer, geb. 1908]/ Tante [Nr.9 b] Toni [Spängler, verh. Widerhofer]. | ||
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| + | 1911, 12. [oder 8.?] 9. [Poststempel Krems; ohne Absender] Postkarte von (Nr.8) RUPERT HOLZAPFEL, an Frau Hansi Holzapfel / Maxglan bei Salzburg / Schließelbergerhof. / Liebe Hansi! Nun sitzen wir bei der Großmutter und lassen uns die Jause (Kaffee, Weintrauben, Zwetschken) gut schmecken. Walter war sehr brav. Jetzt kommt große Reinigung, dann Schlaf. In St.Pölten gingen wir im Park spazieren. Walter schickt Euch viele Bussi. Herzl. Grüße an Euch alle. / Walter springt recht lustig herum, ist von der Reise gar nicht müde. Den Kindern Küsse [„den…“ ! Traudl ist erst 1917 geboren, also „Zögling/e“ ? vgl. Brief vom 2.9.1910]. Dein alter Rupert / [andere, lateinische Schrift:] Viele herzliche Grüße von uns. Wir bedauern Dich wegen der gestörten Ferienpläne u. Deiner anstrengenden Mission als Krankenwärterin u. wünschen Dir baldige Befreiung. Bussi an Ruperti, Hermine [Hille]. – „Schliesselberger ist eine Salzburger Unternehmerfamilie“, auch in Salzburg-Maxglan ansässig [Salzburgwiki.at]. Vgl. Postkarte 7.9.1919. | ||
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| + | 1912 | ||
| + | [Nr.8] RUPERT HOLZAPFEL (1868-1940) an [Nr.9] JOHANNA HOLZAPFEL, geb. Spängler (1882-1973) [blaugrauer Briefumschlag:] Frau Hansi Holzapfel bei Herrn Ingenieur Hanakamp in Wiener-Neustadt Bahngasse 46./ Aufg. Rupert Holzapfel, Krems Donau. Liebe Hansl! Besten Dank für Deinen Brief und Deine Karten, sie kamen alle heute an. Daß es Euch gut geht, freut mich. Auch uns geht es gut (siehe Karte an Laura) Sonntag war der Notar bei mir und sagte, es wäre ihm lieb, wenn alle mir die Vollmacht geben würden, so daß er nur mit mir zu verhandeln hätte. Franzi hat Deine Unterschrift gefälscht, hoffentlich verzeihst Du ihrs. Sie hat auch Johanna Spängler geschrieben und wir haben es dann ausgebessert verehel. Holzapfel. Die Blumen sind gut angekommen und schmücken das Speisezimmer. Auch wir (die Tanten, Rupert [mein Vater] und ich) machten Sonntag einen schönen Spaziergang, nämlich Braunstorfer, gegen Sandl, Militärthingstätte, Ruhberg, von 3‘ bis ¼ 7‘. Sonntag vormittag war ein Gehilfe von Lösl da und machte die – Ringe auf. Rupert turnt jetzt fleißig, meist braucht er die Ringe aus Schaukel. Fast den ganzen Tag hängt er daran. Als größte Neuigkeit kann ich Dir mitteilen, daß Buschbek ein – Mädchen bekommen haben und zwar Montag (gestern) um 8 h früh. Die Wehen begannen aber schon Sonntag Samstag um 11 h. An diesem Abend waren Franzi u. Ida dort bis ½ 11 h. In der Nacht ging das Wasser ab und erst um 5 h früh holten sie die weise Frau. Arzt war überhaupt keiner dabei. War das nicht doch ein bißchen leichtsinnig? Die Kleine wog bei der Geburt fast 4 kg und ist frisch und munter, auch die Mutter. Berta läßt Dich bitten, Du möchtest ihr in Wien einen Busenhalter besorgen, wie Du einen hast von der Thelesia. Die beiden Tanten und Rupertl machten schon Besuch dort, Rupert ist sehr stolz, daß er „Onkel“ ist [keine Verwandtschaft]. Auch ich werde diese Tage hingehen, da mich Berta eingeladen hat. Vor einigen Tagen h kam wieder eine Dose Honig. Morgen oder übermorgen wäscht Resi die kl. Sachen. Sie ist wirklich sehr brav und fleißig. Heute hat sie die Fenster geputzt. Rupert gab ihr den Gürtel. Hat Walti seinen Geburtstag gut zugebracht? Unsere Karte blieb wieder einen Tag liegen, daher die Verspätung. Otto [Spängler, der Bruder von Hansimutti] war von Samstag abends bis heute früh da. Schreibe vielleicht der Berta, sie hat sich bei Ida erkundigt, ob Du es schon weißt. Da Du keine passende Hose erhalten hast, ist es vielleicht besser keine zu kaufen, eine gestreife dürfte doch nicht gut passen. Nun aber weiß ich nichts mehr, es ist auch schon 10 h abends, die Tanten schlafen schon. Lebe recht wohl und sei herzlich geküßt von Deinem Alten. / Walti viele Bussi. Rupert hatte große Freude über die Blumen, er war ganz gerührt. / Herzliche Grüße an die ganze Familie Hanakamp. Rupertl sendet Euch viele Busse. Auch die Tanten lassen Euch schön grüßen. Wenn sie nicht schon schliefen, würden sie das selber schreiben. / Krems, 5.März 1912. | ||
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| + | Briefumschlag: Gesang- und Orchester-Verein in Krems a./d. D. „An wohlgeb. Herrn Rupert Holzapfel [Nr.8 RUPERT HOLZAPFEL, 1868-1940], Fachlehrer, Krems, Puchhaimbgasse 3“. Briefpapier mit gleichem Kopf ...(Gegründet 1850)...: Sehr geehrter Herr Fachlehrer! Ihrem Wunsche gemäß erlaubt sich die gefertigte Vereinsleitung Ihnen über die, aus dem Nachlasse des verstorbenen, langjährigen Vorstandes, des Herrn Dr.Franz Spängler in seiner Privatwohnung aufbewahrten, dem obigen Verein gehörigen Ehren- und Erinnerungsmedaillen und der Vereinsleitung zurückgegebenen Medaillen folgende Bestätigung zu übermitteln. Bei der, am 16.März 1912 stattgefundenen Ausschußsitzung wurden die, dem Verein gehörigen Ehren- und Erinnerungsmedaillen dem Herrn Alois Oberbauer, Privatier und Wirtschafter des Vereines, welche bisher unser unvergeßliche, langjährige Vorstand aufbewahrt hatte, von dessen Erben dem Vereine übergeben. Bis zum heutigen Tage besitzt der Verein folgende Ehren- bzw. Erinnerungsmedaillen: [Liste, hier im Einzelenen gekürzt:] silberne Schubertmedaille 1900; dito 1900; silberne Bundesmedaille 1900; Schubertmedaille 1888; Fahnenmedaillen 1871, 1890, 1892 und 1896; Große Erinnerungsmedaille Stuttgarter Sängerfest 1896; Sängerbundesfeste Graz 1902 und Breslau 1907; Kette Wiener Sängerbund. – Alle diese Medaillen wurden [...] Dies bestätigen: der Vorstand Anton Noggler [und drei andere Unterschriften]. – [betrifft Nr.18 Franz Spängler, gest. im Krems 24.1.1912; Brief 1917 dem VMA überlassen, vgl. „Gesangverein“ in der Lexikon-Datei meines „Liedverzeichnisses“] | ||
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| + | 1913 | ||
| + | [Nr.8] RUPERT HOLZAPFEL (1868-1940) an [Nr.9] JOHANNA HOLZAPFEL, geb. Spängler (1882-1973) [Karte und Brief; Karte:] Frau Hansi Holzapfel dzt. Grado Küstenland [Dalmatien] postlagernd [mit Bleistift darüber „Antworten“ ?]: Sende Dir erst heute die Karte, weil ich keine Adresse wußte. Gestern war Otto [Spängler, Hansimuttis Bruder] hier. Also es geht Euch gut. Hast Du meinen Brief mit Elsas Einlage, die ich noch nach Salurn [?] sandte, erhalten? Laß wieder bald etwas hören! Uns geht es gut, vom Sonntg. an habe ich weniger zu tun. Das Geld hast Du erhalten? Gruß u. Kuß Dir u. den Kindern Rupert. 12.Juni 1913. / Lieber Hans! Ich muß Dir gehorsamst melden, daß Rupert eben furchtbar über die Schnur haut – oh könntest Du einen Blick in Dein Heim werfen – Dein Hausfrauenherz würde sich zusammenkrampfen – das reinste S--fgelage! 5 XXX Schnäpse, rein fließen – die ganze Schnapsabteilung wird geplündert, dann, höre und staune: Tante Marie hat uns alle verführt. Nur in mir glimmt noch ein Funken von Verantwortungsgefühl, dehalb schreib ich diese Karte. Die Andern mögen sie unterschreiben, zum Zeichen, daß ich die Wahrheit schrieb! IDA [PICHLER]. Tante Lürzer. [Maria Lürzer von Zehendthal, gest. in Salzburg 1922; bei Nr.37 liegt ein Brief von „Tante Maria v.Lürzer“ 1909 an „meine liebe Hansl;!...“, Hansimutti Johanna Holzapfel, und ebenfalls Postkarte, 1917; Brief übertragen, liegt in weiße Schachtel Nr.3 (Inhaltsverz. liegt oben) [Brief für Salzburgwiki.at „Spängler-Kobler-Briefe“ verwendet]. - Mit Handkuß Ihre Else. Franzi. Bis 12 h nachts wurde gespielt, ich habe 4 h gewonnen. Ich flüchte in die Ecke Rupert. 8.Juni | ||
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| + | Liebe Hansi! 16.6.13. Nach dem Brief habe ich eine Karte abgesendet, die Ida [Pichler?] am Abend, als Tante Lürzer [Familie der Mutter von Hansi] da war, schrieb. Ich wollte sie nicht mehr nach Salurn [?] senden, da schon Sonntag war, und auch nach Grado wollte ich warten, bis ich von dir Nachricht hatte. Das Geld hast du hoffentlich erhalten. Nun sende ich Dir den Zwicker [?], den weißen langen Unterrock (hoffentlich ist er recht) das Holzpfifferl und einen Laib Brot. Laßt es Euch schmecken! Bei uns ist es jetzt seit einigen Tagen recht angenehm, in der Früh sogar kühl. (6-10o) Was sagte denn Dr Gipser? Heute ist der 1.Tag, an dem ich ausschnaufen kann. Meine Mäderl sind schon bei der Prüfung [er ist Lehrer an der Mädchenschule in Krems]. Nur 1, die die Ergänzungspr[üfung]. macht, habe ich noch morgen v. 5-6. Gestern war ich mit Franzi [Spängler; Hansis Schwester] auf dem Vogelberg, Ida [Pichler? Franzis Freundin] kam aus dem Loibner Graben entgegen. Es war sehr schön, die Luft rein und angenehm. Tante Lürzer hat sich bei uns köstlich unterhalten, sie wollte vom Kartenspielen (mit den Juden [?]) gar nicht aufhören. Ida war schon ganz verzweifelt. Am nächsten Tag sprach sie oft noch davon. Die Tanten waren übrigens Sonntag mit ihr in Rossatz u. ich kam über die Ferd.-Warte nach. Trotzdem war sie gar nicht müde u. spielte abends fleißig. Hast Du der Frau Notar u. Seif u. Kaufmann u. Wachtl schon Ansichtskarten gesendet? Frau Seif traf ich unlängst. Sie erkundigte sich sehr eingehend nach Euch. Ich muß jetzt bald hinaufgehen, meine Versicherung zu zahlen. Rupertl [mein Vater] könnte auch dem Hrn. Paterheten [?] u. dem Hrn. Lehrer eine Karte senden. Den Kindern habe ich alles, was Du mir in den Karten und Briefen Passendes geschrieben hast, in ihr Tagebuch geschrieben. Den Brief der Tante Emma lege ich bei. Elsa gab mir Anfang des Monates 84 K [Kronen] 80 K [Kreuzer] Restgeld, 60 h [Heller] f. zwei Bäder, das andere für Milch. Abends nimmt sie aber oft nur Butterbrot u. Milch, vom andern kostet sie nur. (Du weißt es ja) Hat sie nicht zuviel gezahlt? In Grado gibt es wohl nicht nur Faulheitsbazillen, sondern auch Bazillen, die das deutliche Schreiben erschweren. Nicht wahr? Ich bin nur sehr neugierig, wie es Euch dort anschlägt und wie Ihr dann ausseht. Springst du nicht schon auf? Das Faulenzen, die Sonne und die Einförmigkeit ist doch das beste Mittel dick zu werden. Wie geht es den Kindern? Husten sie noch? Deine Kremser Bekannten kenne ich aber nicht alle. Die 3 Herren wurden von uns allen bedenklich gefunden. 17.6.13. Gestern (Montag) fand ich an der Mauer gegen die Kirche eine W.[?] Es ist doch noch nicht ganz alles in Ordnung. Heute suchte ich fleißig, fand aber nichts. Das Paket schickte ich so spät, weil ich frisches Brot wollte, es aber erst jetzt bekam. Das Paket kann ich erst morgen (Mittwoch) aufgeben, da das Brot so spät kam. Rosl [Grill; Hansis Schwester] schrieb mir heute, daß sie Ende dieser Woche nach dem Attersee fährt. Dann wollte sie mit den Kindern 2 Tage nach Salzburg, dann ohne Kinder oder mit Heribert [Grill] nach München u. 6 od. 7.Juli nach Ardagger. Ich habe ihr nämlich erst vor einigen Tagen geschrieben u. unser Wärmkastl angeboten. Tante Lürzer hofft, Euch auf der Rückfahrt in Salzburg zu sehen. Jetzt weiß ich aber nichts mehr. Herzl. Grüße u. Küsse Euch allen, auch von den andern. Empfehl. an Frau Dir. Spocher [?]. Deine getreuer Rupert – Otto [Spängler, 1886-1919; Hansis Bruder in Salzburg] konnte ich die 6 K [Kronen] nicht geben, weil ich nichts davon wußte. Ich sende sie ihm im Juli mit den and. Zahl. | ||
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| + | 1915 | ||
| + | 1915, 12.9., Postkarte von (Nr.8) R. HOLZAPFEL, Krems/D. an Hansi Holzapfel, dzt. Buchenort / Post Unterach a. Attersee / Sonntag früh. Liebe Hansi! Also bin ich wieder in Krems. Die Fahrt war recht schön u. verlief ganz programmgemäß. Um 1/4 9 waren wir in Krems. Abends besuchte ich die Tanten. Toni sah ich noch nicht. Sie kommt mittags zum Essen, das sie von der Frau Kramer hat. Bei uns ist heute ein herrlicher Morgen, hoffentl. auch bei Euch. Vielleicht bekommst Du doch bis Winter Wolle. Recht herzliche Grüße u. viele Küsse Euch allen! Dein Rupert. - Buchenort: „Buchenort 25“ [Atterseestr. Nr.48] in Unterach am Attersee wird zum sommerlichen Treffpunkt der ganzen Fam. und vieler Freunde. Mitten zw. Unterach und dem Haus der Grills auf dem Kratzersberg 10 gelegen, ist es bereits Treffpunkt, „unser Haus“, bevor man das Haus tatsächlich erwirbt [wann?]. | ||
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| + | 1915, 16.11., Ansichtskarte an Wohlgeb. Familie Holzapfel, Krems a/D. Ringstr.2, N.Ö. Viele Grüße und Küsse Euer Franzl [Nr.9 d FRANZ SPÄNGLER, 1883-1964] / Ich denke in 2 Tagen am Ziel zu sein. Bild: Lwów [Lviv] / Lemberg. | ||
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| + | 1919 | ||
| + | 1919, 7.9., Ansichtskarte „Schellenberg“, abgestempelt Berchtesgarden/ Bayern, an (Nr.4): Rupert Holzapfel, dzt. Maxglan b. Salzburg, Schlüsselbergweg 2. / Viele Bussi dir u. Walter v. Mutter! / Vater [Nr.8 RUPERT HOLZAPFEL] / Großvater [Spängler] / Tante Toni [Spängler]. – Vgl. Postkarte 12.9.1911: „Schliesselberger ist eine Salzburger Unternehmerfamilie“, auch in Salzburg-Maxglan ansässig. [Salzburgwiki.at]. | ||
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| + | 1933 | ||
| + | [Datierung „1933“ oben rechts von Tante Traudl] Nr.9: JOHANNA HOLZAPFEL, geb. Spängler (1882-1973), und [Nr.8] RUPERT HOLZAPFEL (1868-1940) an OTTO HOLZAPFEL (1920-1943): [...fehlt wohl ein erstes Blatt] Gestern war Frohnleichnam bei recht gutem Wetter. Die Beteiligung war sehr groß. Die Einteilung war anders als sonst. Der Zug ging Kirchengasse, Landstraße, Moserplatz, Gögelstraße, Garlandg. [?], Ringstraße [Krems], Süd-Tirolerplatz, Steinertor, Schmidtgasse, Körnermarkt, Theaterplatz Schlüsselamtsgasse. Altäre standen: Moserplatz, Karlschule, Südtirolerplatz und Körnermarkt. Es war sehr schön und viel Platz zur Entfaltung. In Seckau war jedenfalls auch Prozession; seid Ihr mitgegangen? [Otto, 13 Jahre alt, ist dort im Internat] Die Buben von der Kongregation waren unter Peyerls [?] Führung weiter in weißen Hemden mit den blauen Kravatten. Habt Ihr sie auch getragen? Bist du in S. bei der Kongre.? Beiliegend sende ich dir das botanische Besteck; für die Rasierklingen mußt du dir wieder einen Halter machen. – Rekserln [?] findest du auch in der Schachtel und einige Zuckerln; sie sind noch aus der Kassette, die Vater damals anläßlich seiner Auszeichnung [Goldenes Verdienstzeichen der Republik Österreich, April 1933] erhalten hat; du siehst, wie sparsam wir sind. Vielleicht machen sie dir eine kleine Freude. – Hoffentlich bist du durch meinen langen Brief für das lange Warten entschädigt. Schreibe mir recht bald; wenn du alle meine Fragen beantwortest, so wird es ein ganz langer Brief. – Sage den Hw. Herrn beste Empfehlungen und Grüße von mir; besonders Pater Rektor u P. Pius. Nun, lieber Otto, sei dem Schutze Gottes empfohlen und sei recht herzlich gegrüßt u geküßt von deiner Hansimutti. | ||
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| + | Lieber Otto! Mutter hat Dir soviel geschrieben, daß ich mich kurz fassen kann. In Lilienfeld war es sehr schön. Der Hw. Abt des Stiftes führte uns persönlich, so daß wir alles Sehenswerte sahen. Die Führung dauerte fast 3 Stunden. Ich kam erst um ½ 10 h abends heim. Hat dir Rupert [der älteste Bruder, mein Vater] geschrieben? Er sagte nämlich, er werde Dir selber auch schreiben. Auch Walter [der andere, ältere Bruder] wird Deinen Brief bald beantworten. Hoffentlich fühlst du dich schon wohler und ist Dein Kopfweh gut. Wir haben jetzt warmes Wetter. Mir geht es ziemlich gut. Wann ich an den Attersee fahre, weiß ich noch nicht. Jedenfalls aber werde ich trachten, so bald als möglich abzudampfen. Nun sei recht brav und fleißig! Daß das Lernen jetzt etwas schwerer geht, ist begreiflich. Du mußt Dich erst wieder daran gewöhnen, aber es wird schon gehen, wenn du den guten Willen dazu hast. Richte wieder Empfehlungen an die Hw. Herren aus. Viele Bussi sendet Dir Vater. 2 Krankenkassenzettel liegen bei, hoffentlich brauchst du sie nicht. | ||
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| + | 1934 | ||
| + | Postkarte [Nr.8] RUPERT HOLZAPFEL (1868-1940) an [Nr.9] JOHANNA HOLZAPFEL, geb. Spängler (1882-1973): Frau Hansi Holzapfel, Ring 43 / Krems/Donau N-Ö [Bleistift:] Liebe Hansi! Unsere Briefe und Karten kreuzen, meinen Brief hast Du wohl schon. Ich habe heute 200 S [Schilling] durch Postsparkasse gesendet. Das Wetter ist noch immer unbeständig, gestern früh 8o C, aber es regnete nicht mehr. Heute etwas wärmer (früh 12o C), grau trüb, doch dürfte es schöner werden. Mir geht es gut, ich gehe täglich spazieren. Recht herzl. Grüße Euch allen! Rupert [Abs.:] Holzapfel, Hochzirl, Tirol / 14.6.34 vorm. | ||
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| + | 1936 | ||
| + | 1936, 16.2. [Poststempel Garmisch-Partenkirchen] Ansichtskarte an: Fam. Schulrat (Nr.8) Rupert Holzapfel, Krems a.D. Ring 43 Österreich: Harmisch-Partenkirchen 16.2.36. So etwas erlebt ein Mensch nur einmal. Es waren ca. 250.000 Menschen hier. Hoff auf die Österreicher, herzlichst Euer Rudi [wohl Widerhofer] / SchXXX. Bildseite „Olympia-Sprungschanze […]“ | ||
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| + | 1937 | ||
| + | JOHANNA HOLZAPFEL (Nr.9; 1882-1973), „Hansimutti“, schreibt von einem Besuch beim Sohn Rupert [mein Vater] in Lindenberg [Beeskow] nach Hause an ihren Mann RUPERT HOLZAPFEL [Briefe liegen bei Fam.-Briefe A]: „Lieber Rupert! Meine letzte Erzählung reichte nur bis zur Ankunft in Lindenberg. Das war um 1 h nachts und wir waren beide so müde, daß wir beinahe Lindenberg verschlafen hätten. 10 Minuten von der Bahn liegt die Wohnung. Trotz Müdigkeit und NachtXX sah ich, daß es für mich hier Arbeit genug gibt, nur größere Möbelstücke standen wohl an ihren Plätzen, aber XXX gab es eine Fülle von Koffern, Kisten, etc. 2 große Haufen von kl. Gegenständen, alle in Papier gut eingewickelt, lagen da und Rupert erklärte sie mir als Porzellan u Glasgegenstände. Am Morgen schon kam das Mädchen, das Rupert schon aufgenommen hatte. Wir machten uns zuerst daran, diese gebrechlichen Gegenstände in Sicherheit zu bringen. Nun und dann gings weiter mit Auspacken und Einräumen und Putzen u Ordnung machen u so weiter die ganze Woche hindurch. Mitlerweile kamen auch die Teppiche, die Rup. mitgebracht hatte, aus der Putzerei. Und so haben wir die Wohnung so im Gröbsten jetzt fertig. Das Mädchen, das zur Hilfe für Else aufgenommen ist, ist sehr nett, intelligent u. macht einen sehr guten Eindruck. Ich bin für Else darüber sehr froh, denn es wird für sie gar nicht leicht sein, sich hier einzuleben. Lindenberg ist ein ganz kleines Dorf aus wenigen Häusern bestehend. ‚Hervorragend‘ sind nur die 5 je 100 m hohen Funktürme, die mich immer zum Besteigen reizen, doch geht es leider nicht, denn man müsste die 100 m auf eisernen Leitern erklettern. Außer den Funktürmen gibt es noch ein paar Häuser die zum Observatorium gehören. In einer Entfernung von Lindenberg von etwa 10 Min. liegt Herzberg, wo es sogar einen Kaufmann, einen Fleischer und eine Kirche gibt. Dorthin gehen wir, die täglichen kl. Besorgungen zu machen. Etwa 10 Km entfernt liegt Beeskow, ein Stadl mit 6000 Einwohnern, das ist die ‚Großstadt‘ wo man sich das meiste besorgt. Es ist mit der Bahn in ca ½ St. zu erreichen. Ich war schon 2 mal dort einkaufen; das geht mit der Bahn recht gut, so daß man 1 ½ - 2 Stunden Zeit dort hat. Berlin ist 60 Km entfernt. Ruperts Wohnung ist recht lieb; viel Licht, Luft u Sonne 3 Zimmer, 2 Kabinette, Küche u. Speise, Vorzimmer, Badezimmer, Glasveranda. Hochparterre. Es ist alles hell tapeziert, die Küche u Bad mit weißer Ölfarbe gestrichen. Gestern ist aus Berlin ein Gitterbett u Badewanne für Bambi [Christian] angekommen und morgen soll ein elektischer Herd kommen. Ein Warmwasserspeicher, der durch Nachtstrom geheizt wird, ist schon da. Morgen muß noch der Herd u Wasserspeicher montiert werden, dann sind die Handwerker fertig. Ich werde am Dienstag nach Hamburg fahren, einen Tag dort bleiben und am Mittwoch abends in Haderslev [bei den Eltern der Schwiegertochter Else geb. Lundbye] ankommen. Rupert meint, daß wir am 20.Okt. von Dänemark zurückkommen werden. Den nächsten Brief, bitte, schreibe mir nach Haderslev. Unsere Tageseinteilung ist: Aufstehen um ½ 7 h. Rupert geht ½ 8 h ins Obs[ervatorium]. Dort wird gearbeitet und um ¾ 9 Uhr kommen die Junggesellen zu einer Arbeiterfrau zum Frühstück; dort gehen wir jetzt auch hin. Was Otto [mein Onkel; war zur Ausbildung in Berlin] über die Arbeiter im Werk schrieb, bestätigt sich auch da wieder. Nett, intelleg[ent]. und Lebenshaltung wie unser besserer Mittelstand. Zu dieser Frau gehen wir auch meistens zum Abendessen. Mittags essen wir gewöhnlich zu Hause, weil wir die Zeit gewinnen u ich mit Rupert zusammen verschied[enes]. machen kann. Tee, Butterbrot, Wurst, Obst. Rupert ist vormittags u nachmittags im Obs. und kommt hier und da auf einen kurzen Besuch zu mir herüber. – Über uns wohnt Dr Kopp, bei dem waren wir am Freitag zum Abend eingeladen. Du, Traudl ich habe mir schon 2 x den Klips [?] gesteck[t] ganz ohne Ruperts Hilfe und zu Ruperts Zufriedenheit. Die Richtigkeit wird bestätigt!!! R [Schrift meines Vaters] Kannst es auch Hilde sagen! -!- Die Landschaft hier ist ziemlich eben. Doch immer wieder kl. Hügel rd. Höhe 20-30 m. Große Felder, unterbrochen durch kl. Waldbestände- Kiefern u Lärchen. Es ist durchaus nicht fad, wie man dachte, sondern wirklich lieblich und manchmal gibt es recht schöne BeXXingen. Das Wetter ist na, so-so, morgens meist neblig bis gegen 11 h, dann kommt die Sonne. Am Abend um 6 h ist es schon finster. Ein paarmal hat’s auch schon geregnet, aber das dauert nie länger. Na und wie geht es Euch? Hoffentlich geht alles in Ordnung. Ich bin froh, daß es der Traudl [sie ist 20 Jahre alt] mit dem Einkaufen gut geht, ich hab es gar nicht anders erwartet. Habt Ihr im Garten schon etwas gemacht? Hilft die Hildi dabei? Kann Hildi draußen [demnach ist der Brief nach Unterach geschrieben worden] bleiben, wenn O[swald Grill]. u R[osl; Hansimuttis Schwester]. wegfahren [nach Wien; im Sommer sind sie ebenfalls am Attersee]? Bitte, Vater, schreibe an d. Volkspresse eine Karte. Man soll an Erna Adensamer, Adresse bei Grill zu erfragen) Probeblätter v. d. Volkspresse schicken. Ich hab ihr versprochen und habe darauf vergessen. Ferner zahle für Okt.-Dez die Volkspresse für Rupert; man soll sie ihm hierher schicken. – Was gibt es bei uns Neues. Ist Walter [der Bruder von Rupert und Traudl] eigentlich in Krems od. in Wien? – An meinem gestrickten Jankerl habe ich noch gar nichts gearbeitet, ich hatte nicht Zeit dazu. Wegen Ilse [? nicht Else] habe ich schon am vorigen Sonntag mit Krebs [?] gesprochen. Es wird ganz leicht sein, unterzukommen. Ich werde, wenn ich wieder zu Krebs [?] komme, die Anschrift des Blattes erfahren, wohin sich Ilse wenden soll. – Um was soll ich mich für Dich erkundigen? Hat Traudl schon an Emmerl W. geschrieben? Und was hat sie erfahren? Habt ihr vom Otto [17 Jahre alt] u Christl [könnte sein Christl Avanzo, zu Nr. 9 e, sein] schon etwas erfahren od. gesehen? Nun muß ich schließen, den Rup. geht noch mit den Briefen an Euch u. von Else zur Post. Es ist schon 10 h abends. Ich freue mich, bald wieder von Euch Nachricht zu erhalten. Rupert läßt Euch und alle anderen herzlich grüßen. Ich grüße Euch beide etc. etc. recht herzlich. Alles Liebe Eure Hansimutti. / Lindenberg 10.10.37. | ||
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| + | 1937, 18.10., Ansichtskarte „Lillebæltsbroen“ [1935 eingeweiht] an (Nr.8) Herrn Schulrat Rupert Holzapfel, Buchenort 25, Unterach am Attersee, Ob. Österreich von (Nr.9) HANSI [Johanna] HOLZAPFEL: Meine Lieben! Heute haben wir wieder eine schöne Autofahrt gemacht. Ich habe schon so viel Schönes gesehen. Es kommt mir immer wie im Märchen vor. Am 21 fahre ich mit Else [und] Bubi [Nr.2 a Christian] nach Lindenberg. Hoffentlich geht es Euch gut. Seid recht herzlich gegrüßt Hansimutti. 18.X.37. Viele Grüsse Emma Lundbye. | ||
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| + | Meine Lieben daheim! Sonntag früh [ohne Datum, 24.10.1937] | ||
| + | Nun sind wir Donnerstag abends (21.) wohlbehalten in Lindenberg angekommen. Es war viel für Bambi, denn wir fuhren in Haderslev um 9 h früh mit dem Auto weg und kamen erst gegen 9 h in Lindenberg an, waren also fast 12 Std. unterwegs. Bambi war sehr brav und hat auch den Wechsel von Hadersleben nach hier sehr gut vertragen. Hamburg Berlin ging es mit dem FD-Zug ohne Aufenthalt. In Berlin holte uns Rupert ab, da ging es noch mit der Bahn nach Fürstenwalde und von da mit seinem Auto ½ stündige Fahrt nach L. Rupert hatte die ganze Wohnung geputzt u alles mit Blumen geschmückt. Else hat große Freude mit der Wohnung nur kam sie sich in den ersten Tagen als Gast in ihrem eigenen Heim vor. Noch gibt es viel zu ordnen, einzuräumen etc. Vorhänge müssen wir erst nähen etc. Bis jetzt haben wir noch von Tee u. Wurst gelebt und das Mädchen mittags heimgeschickt. Von Montag an wollen wir regelrechten Haushalt beginnen. Rupert erhält die Volkspresse richtig und hat große Freude damit. – Euren Brief erhielt ich hier und freue mich, daß alles so gut geht daheim. Besonders freuen mich Traudls Erfolge in Haus u Küche; das ist sehr gut für Traudl; auf diese Weise lernt sie am meisten. Ich freue mich auch, daß Ihr manche Wanderungen miteinander machen könnt. Solange das Wetter gut ist, tut ihr gut, am Attersee zu bleiben. – Montag früh. Wir haben hier noch schöne Tage u Bambi kann stundenlang im Garten stehen. Gestern machten wir einen „Familien-Spaziergang“ in der Umgebung des Obervatoriums. Die Gegend ist recht hübsch hier, viel schöner als ich es erwartet hätte. Über mein Heimkommen kann ich noch nichts sagen, ich denke, ich werde noch ca 1 Woche hier bleiben, möchte mich auf der Heimfahrt in Nürnberg u. München aufhalten. Es werden wohl die ersten Novembertage werden. Von Walter u Otto erhielt ich einen Brief, den sie gemeinsam in Hütteldorf geschrieben haben. Otto scheint heuer das Internat besser zu gefallen als im Vorjahr, worüber ich sehr froh bin. Jetzt weiß ich nichts mehr zu berichten, das heißt, es gäbe so viel zu erzählen daß ich gar nicht fertig werden kann. Das hebe ich mir aber für mündl. Bericht auf. Noch eines: Hat Vater wegen meiner Anmeldung zu V.F. etwas veranlaßt? Ich kann die Verhältnisse nicht beschreiben von hier aus, aber vielleicht wäre es doch gut, wenn Vater an den VF schriebe, daß ich verreist bin nach „Dänemark“ zu meiner Schwiegertochter u meinem Enkel, daher ich mich nicht selbst anmelden kann und er es für mich besorgt. Wenn er es nicht tut macht es mir nichts. Es wäre vielleicht nur ein Akt der Klugheit im Interesse der Kinder, besonders Otto. Was meint Walter dazu? Ich schreibe jetzt einen Brief an Walter und werde ihm auch darüber schreiben, was er meint. Nun wirklich Schluß! Seid recht herzlich gegrüßt von Eurer Hansimutti. Von Rupert, Else u Bambi viele herzl. Grüße. – Else hat in ihrem Koffer in Buchenort einen Malkasten, den sie gerne hier hätte. Traudl, sei so lieb, nimm den Malkasten, fülle den leeren Raum mit Holzwolle aus, wickle den Malkasten in Wellenkarton und in ein festes Packpapier und schick ihn hierher. Du wirst eine Zolldeklaration ausfüllen müssen, da schreibst du nur „gebrauchter Malkasten“. | ||
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| + | 1938 | ||
| + | an FRANZISKA SPÄNGLER (1877-1962): ROSL GRILL (Nr.9 c) schreibt 1938 an ihre Schwester „Franzi Spängler, Musikpädagogin, Krems/Donau, Adolf Hitlerstr.43“ u.a. sie waren auf Besuch bei „Halle“, und der Sohn Heribert [1945 gefallen] war auch mit; „ich bin mit ihm auf der Maschine [Motorrad] heim – Oswald mit Hund auf d. Elektrischen. Und du warst lange bei Christl [Dafert ?] u kamst spät nach Krems?“ | ||
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| + | 1938, 5.9., Ansichtskarte „Reichsparteitag Nürnberg 5.-12.9.“ 1938 an Frl. Franzi Spängler, Musik Pädagogin, Krems a/Donau, Nieder-Donau: Besten Dank für Olympiabuch und alles. Bin wunschlos glücklich und vollens begeistert / Heil Hitler / Franzl [Nr.9 d FRANZ SPÄNGLER, 1883-1964] | ||
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| + | außerhalb des Briefwechsels: Kleinbilder und ähnl. = marmorierter Pappdeckel, Notizbuch ohne Inhalt mit Totenbildchen (Partezettel) u.ä.: Bildchen mit Kelch usw. Fleisch/Blut/ Abendmahl, Luzern o.J.; Andenken an erste Beichte für Franziska Spengler [Spängler], 1858; Heil des Kreuzes, Innsbruck o.J.. - Partezettel mehrere jeweils für Antonia Spängler, 1803-1882, und Franziska Kobler, 1796-1886. - Umschlag mit Visitenkarte „Fanni Schlegel“ mit zwei getrockneten Blättern: handschriftlich „Weinlaub Zellerhügel 13/9 Nachm.“ [da hat er um die Hand angehalten; vgl. Jahr der Verlobung 1871] und „Eichenblatt Maria Plain 13/9 1871 Vorm.“/ „Ich stelle hiemit den vergeßnen Hut zu, und wünsche recht gute Nacht. Morgen auf Wiedersehen in der Franziskanerkirche zur 8 Uhr Messe.“ – Bildchen Serie Nr.1-15 „Geheimiß[e] der allerseligsten Jungfrau [Maria]“ Einsiedeln o.J. – Bildchen Serie ohne Nr. [1-9] Kindheit Jesu, pflegt den Garten, der durch die Sünde des ungetreuen Herzens verwildert ist. – Spielkarte XX „Begegnung des Kaisers mit Sobieski“. – Vater unser. – kindliches Vertrauen, Wien o.J. – Maria Carmel, St.Peter Salzburg, „Franziska Schlögl [Schlegel]... Salzburg 1862“ – Eisenbahn zum Himmel, Innsbruck o.J. – latein. Beleg für Beichte in der griech. Kathedrale, 1859. – 2 Partezettel für Genovefa Stainringer, 1813-Salzburg 1884 [nicht Familie]. – Umschlag mit Faltbild „Rose von Teplitz“ und kleines „Dirndl“, o.J. – Gnadenbild zu Riffian [Südtirol], o.J. – Partezettel für „Marie Gattermayer“ 22 Jahre alt, 30.Okt.1871 [Freundin der Fanni Spängler]; für Anna von Reichel, geb. Gschnitzer, 84 Jahre alt, o.J. [Dezember 1871]; für Carl Baurnfeind, 23 Jahre alt 1860, Hotel in Salzburg; für Josefa Baurnfeind, 72 Jahre alt, 1878. – Maria Erdkreis, Regenburg o.J. – „Herzliche Glückwünsche“ [handschriftlich:] von deiner Mitschülerin Hermine Hille F.Cl.Bürg.Sch. [Bürgerschule Krems]. – Hl.Pazifikus, Innsbruck o.J. – Partezettel für Alois Spängler, 1800-1875; für Cäcilia Laschenzky, 84 Jahre alt Salzburg 1877 [die Familie Laschensky gehörte zu den angesehenen Familien der Stadt Salzburg. In dem Geburts- und Taufschein von Zäzilia Amalia Kobler, geboren 1821, erscheint als Pate: „Cäcilia Laschensky, bürgl. Baumeistersgattin“]; für Katharina Schlögelhofer, geb. Miller, Salzburg 1805-1875; für Marie Lürzer von Zehendthal, geb. Spängler, 61 Jahre alt, gestorben 15.11.1880 [nicht direkte Familie]; für Alois Duregger, 77 Jahre alt 17.2.1876 [Familie Otto Spängler, Bank-Linie]; für Antonia Spängler, geb. von Lürzer, 1803-1882 [Mutter von Franz Spängler]; für Theresia Mayer, 1806-1878; für Marie Zeller, geb. Bolland, Salzburg 1812-1873 [Freunde der Spängler-Familie]; für Anna Abpacher, 1839-1869 Salzburg [nicht Familie]; für Georg Schnellinger, 57 Jahre alt 1893 [nicht Familie]; für Rechtsanwalt Dr.Franz Leithner, 79 Jahre alt 1907 [nicht Familie]; für Therese Rappel, 74 Jahre alt 1910 [nicht Familie]; 4 versch. für Betti Katzinger, 56 Jahre alt 1881 [Cousine der Fanny Kobler]; bunt für Maria Rosalia Preisinger, Ursulinen-Oberin Salzburg, 47 Jahre alt 1860; für Franziska Spängler 1906 [nicht direkte Familie]. – Maria Lourdes. – Hl.Seraphin. – Hl.Paulus. – Schutzengelbrief Herz Jesu, Donauwörth o.J. – Beichtzettel Krems 1889. – Maria Plain, o.J. - Maria Plain, „Franzi“. – „Die treuesten freunde Jesu’s“, Paris o.J. handschriftlich „Franz Albert Erzbischof / Franzi“ – „Gartenlaube“ – Maria ohne Makel, St.Peter Salzburg. – handschriftlich Geheimniß des hl. Rosenkranzes... – Heiligtes Herz/ Süßes Herz, „Von Herrn Dechant Philipp Mahler in Pottenstein 6 Sept. 1881“ [Wohnort der Spängler-Krems] – Mariae Himmelfahrt, Nürnberg o.J. handschriftlich: Salzburg 1844. – Jesuiten-Mission Salzburg 1862. – versch. Bildchen mit Papierspitzen: Nürnberg, Stuttgart (Maria Plain), Messopfer neugeweihter Priester Salzburg 1863, Jésus, Maria Kirchenthal, Paris, Innsbruck, Maria Plain. – Maria Zell. - - Einzelner grau marmorierter Pappdeckel, vorderer Buchdeckel mit erste Seiten, Stempel „Katholischer Gesellenverein Krems“ und Titelblatt „Neue Bibliothek... Band 12, Die Prinzessin von Wolfenbüttel von Heinr. Zschokke, Leipzig 1807, und Frontispiz mit Abb. u.a. eines napoleon. Soldaten und Bibliotheksstempeln, zuletzt 1941 [!]: [liegt dabei] Hl.Wenzel, König Ludwig von Ungarn... {herausgetrennt aus einem Buch]. – bunt Johannes der Täufer. – Hl.Familie, Regensburg o.J. – Engel und Schutzherr / Christus und Johanes, Regensburg o.J. „Pina Feistenberger“ [nicht Familie]. – bunt, handgemalt, Offizier. – Hl.Kindheit... Franz Spängler, Salzburg 1852 und 1859. – Friede sei mich euch, München o.J. „...Zum Andenken von deiner dich herzlichen liebenden Mutter Sp. {Spängler?]. – Ein guter Baum... – Magdalena – Andechs – Umschlag mit drei Edelweiß – Umschlag Franziska Spengler [Spängler] mit Papierspitzenbildchen – Jungfräulicher Bund... St.Peter Salzburg, „Franziska Schlögl [Schlegel] 1862“. | ||
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| + | Mehrfach-Anmerkungen: | ||
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| + | #Angermayer, vgl. Brief vom 14.2.1872: Maria Josepha Spängler (1832-1896) ist verh. mit Vinc. Angermayer (1815-1886), zuletzt Landesgerichtsrat in Wien. – Im Internet (2007) eine Angermayer & Co. GmbH. in Salzburg mit u.a. Agrarprodukten, Düngemitteln, Futtermitteln, Getreide, Hundefutter, Landesprodukte Salzburg und Vogelfutter. – Salzburgwiki.at = [[Angermayer von Rebenberg]]. | ||
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| + | Bolland, siehe: Zeller | ||
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| + | Duregger, siehe: Spängler-Bank | ||
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| + | Maria Antonia (Antonia) Lürzer von Zehendthal, geb. 1803, aus Hall in Tirol, heiratet am 14.11.1826 Franz Xaver Gregor Spängler, geb. 1793, der als Spediteur bei „Math.#Gschnitzer“ in Salzburg arbeitet (im Brief vom 7.4.1826 „Scheztnerische Handlung“?). Im Trauungsregister von 1826 steht „Spediteur bei der Schastznerl. Handlung“. Die Familie Gschnitzer gehört zu den angesehenen Handelsfamilien in Salzburg; von 1847 bis 1850 ist Matthias Gschnitzer Bürgermeister (vgl. Dopsch, 1996, S. 641), von 1854 bis 1861 dann Alois Spängler. Die Briefschreiberin ist die Schwiegermutter von Franz Xaver Spängler [Nr.36], d.h. die Großmutter von Franz Spängler [Nr.18], geb. 1839. Eine „Gschnizer Clara“ taucht auch im Tagebuch des Franz Spängler 1861 auf. - Es liegt ein Partezettel vor für Anna von Reichel, geb. Gschnitzer, 84 Jahre alt, o.J. – Im Internet (2007) eine Firmengruppe Gschnitzer, bis 1975 in Salzburg, mit u.a. Kindermöbelproduktion, Konsumgüter Bekleidung und Raumausstattung insbesondere für Kinder, Spiel- und Sportartikel. Mathias Gschnitzer (Salzburg 1808-1884 Salzburg) war österreichischer Reichstagsabgeordneter, Bürgermeister der Stadt Salzburg und Mitbegründer der Internationalen Stiftung Mozarteum (Wikipedia). – Salzburgwiki.at = [[Gschnitzer]] / [[Mathias Gschnitzer]], 1808-1884. – Petersfriedhof, Gschnitzer-Familiengrab, eigene Fotos 2014: | ||
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| + | #Guttenberg: nach Visitenkarten „Emil Ritter von Guttenberg k.k.Rittmeister“ und „Minna von Guttenberg née de Launsperg“. Nach einem undatierten Foto sind Fanni Schlegel/Spängler und Lida Guttenberg, geb. Plachetka, die Schwiegertochter, enge Freundinnen; sie ist auch genannt in mehreren Briefen außer dem von 1860. - [1871] ohne nähere Zuordnung bei der Korrespondenz Visitenkarten von u.a. „Emil Ritter von Guttenberg k.k.Rittmeister“ (handschriftlich: Meine herzlichste Gratulation zur Verlobung! Dein getreuer Vetter“) und „Minna von Guttenberg née de Launsperg“ (Herzlichen Glückwunsch! durch Abwesenheit verspätet). - Mama #Plachetka: Von der Familie Plachetka ist in den Briefen und im Tagebuch des Franz Spängler von 1860/61 öfters die Rede; die Schwester der Marie Plachetka, Lida [Guttenberg], ist auch eine gute Freundin von Fanni Schlegel, verh. Spängler. – Im Internet (2007): Gerda Guttenberg, geb. in Salzburg, ist Pianistin und seit 1986 Musikpädagogin am Mozarteum in Salzburg. – Mit dem Namen Plachetka gibt es u.a. ein Hotel und eine Steuerbearterfirma in Salzburg. – Bei den Stammbuchblättern für Nr.18 Franz Spängler = Josefine v. Guttenberg, Wien 1859, und die „Cousine“ Marie Guttenberg. - Bei den Stammbuchblättern für Nr.18 Franz Spängler = Muhme [Tante] Fanni Plachetka (Wien 1860, gest. 29.8.1865), Muhme [Tante] Ludmilla Plachetka (Wien 1865). – Vgl. Salzburgwiki.at = [[Adolf Ritter von Guttenberg (Hofrat)]]. | ||
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| + | Die Familie #Harrer gehört zu den großen Familien in Salzburg (vgl. Dopsch, 1996, S. 492, 641); Ignaz Harrer ist Bürgermeister der Stadt 1872-1875. | ||
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| + | Adressiert ist ein Brief von 1827 mit „abzugeben beim Höllbräuer“ an Franziska (Fanny) Kobler [Nr.79], geb. 1796 in Salzburg (gest. dort 1886 als „vormals Besitzerin des Höllbräuhauses“). Das Gasthaus „Zur Hölle“ (heute „Altstadthotel Radisson“) in der Judengasse 15 (1844 noch „Judengassen No 67“) steht auf dem Platz der alten Synagoge, die nach dem Progrom von 1404 verlassen werden musste (vgl. Dopsch, 1996, S. 161, 189 f., 243; oder bereits 1349, vgl. S. 177). Die „Höllbräuin“ Fanny Kobler ist auch die Schreiberin vieler weiterer Briefe in dieser Sammlung an ihre Enkelin Fanni Spängler. – Salzburgwiki.at = [[Franziska Kobler]]. | ||
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| + | #Langer: Familie der Frau von Julius Spängler (1837-1903), verh. mit Bertha Langer. Julius (Wien) ist ein Cousin von Franz Spängler und Studienkamerad aus Graz. - Vgl. zum Brief vom 16.8.1885: „Ludwig und Julius Spängler“: jüngere Cousins. Ludwig, geb. 1828, ist verh. Muffat (in Wien); Julius, geb. 1837, ist verh. Langer. Von „Julius“ ist im Tagebuch des Franz Spängler von 1860/61 immer wieder die Rede; er studiert zusammen mit ihm in Graz, und dem Tagebuch nach waren sie ‘unzertrennlich’. – Salzburgwiki.at = [[Spängler]]. | ||
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| + | Die Familie #Laschensky gehört zu den angesehenen Familien der Stadt Salzburg (vgl. Dopsch, 1996, S. 363). In dem Geburts- und Taufschein [Abschrift von 1939] von Zäzilia Amalia Kobler, geboren am 14.Mai 1821 in Salzburg, ist als Mutter eingetragen: „Franziska Kobler, des Franz Seraph. Kobler, Bierbrauers und der Franziska Hofmann, dessen Gattin, eheliche Tochter“. Als Pate erscheint: „Cäcilia Laschensky, bürgl. Baumeistersgattin“. Vgl. Partezettel für Cäcilia Laschensky, 84 Jahre alt, Salzburg 1877. - Mehrfach in den Briefen 1821 und 1872. – Im Internet (2007): in der Nähe von Salzburg gibt es das Hotel „Laschenskyhof“. – Salzburgwiki.at = [[Laschensky]]. | ||
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| + | #Lorinser: In dem Fotoalbum, das Fanni Spängler kurz vor der Hochzeit 1872 von einer Freundin bekommt, ist u.a. ein „Dr. Friedrich Lorinser“ (1866) abgebildet, der Vater einer Freundin, Minna Lorinser, aus der Salzburger Schulzeit. – Im Internet (2007): unter dem Namen Lorinser und Salzburg u.a. ein Autohandel, eine Pädagogin und einen Botaniker. | ||
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| + | #Lürzer: Bei den Stammbuchblättern für Nr.18 Franz Spängler = Anetta de Lürzer, Vetter Ernst Lürzer, Onkel Franz von Lürzer (Salzburg 1858), Großmutter Lürzer gest. 7.8.1853, Tante Marie von Lürzer, Otto von Lürzer. – Salzburgwiki.at = [[Lürzer von Zechenthal]] | ||
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| + | #Mertens, zum Brief vom 27.9.1871 vgl. „gesammelte Todesanzeigen“ von u.a. Anna Edle von Mertens, geb. Steinbauer, Wien (1819-1906), Tochter: Anna Aigner. - Heinrich Ritter von Mertens ist kaiserl. Rat und Bürgermeister von Salzburg (1810-1872), Schwiegertochter: Camilla. Vgl. Brief vom 16.7.1876 mit Verweis auf ein undatiertes Foto von Fanni Schlegel (in Tracht mit Fächer) und Camilla Mertens (Goldhaube, weißes Kleid) vor Alpen-Kulisse beim Fotografen; dito mit zwei anderen; zum Schwiegervater Mertens vgl. auch Brief vom 27.9.1871. – Im Internet (2007), Wikipedia: Heinrich Ritter von Mertens (*28.4.1811 in Wien; †26.10.1872 in Salzburg) war von 1861 bis 1872 Bürgermeister der Stadt Salzburg; in seine Amtszeit fielen die Eröffnung der Salzburger Eisenbahnlinien und die kaiserliche Schenkung des Mirabellschlosses sowie der Festungsgründe an die Stadt Salzburg, die dadurch und auch wegen der Zusammenkünfte Kaiser Franz Josefs mit Napoléon III. und Wilhelm I. zu dieser Zeit einen großen Aufschwung erlebte. Nach ihm benannt ist die Mertensstraße in der Elisabeth-Vorstadt. Nach seinem Ableben fand er seine letzte Ruhestätte im Friedhof St.Peter. – vgl. Salzburgwiki.at = [[Heinrich Ritter von Mertens]]. | ||
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| + | Mozartplatz 4, siehe: Spängler-Bank | ||
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| + | Plachetka, siehe: Guttenberg | ||
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| + | #Sauter (Innsbruck), vgl. Brief vom 1.12.1870: Andreas Sauter (1802-1872), Forstdirektor, verh. mit Josefine Lürzer von Zehendthal [Josephine v.Lürzer] (1800-1872) [Partezettel 1872]; vgl. in Wien den „Vetter“ Ludwig Sauter. Siehe auch Brief vom 2.10.1870: „Kobsa/Sauter“: Marie Steiner, geb. Kobsa, Ehefrau von Friedrich Steiner (1849-1901, Prag); offenbar gute Bekannte, vgl. „gesammelte Todesanzeigen“ von u.a. Philomena Bamberger, geb. Sauter, Wien (1836-1897), aus Innsbruck. - Anna Payr, geb. Sauter ( -1908) [u.a. Bruder: Eduard von Sauter, k.k.Vizepräsident] in Lans/Innsbruck. - Karl Payr, Univ.-Prof. Innsbruck (1835-1907) [Ehefrau: Anna Payr, geb. Sauter]. - Eduard Sauter Edler von Riedenegg, k.k.Vizepräsident [Finanzverwaltung] (1839-1910), Innsbruck. - Friedrich Steiner (1849-1901), Prag [Schwester: Tochter Payr]. - Vgl. Andreas Sauter (1802-1872), Forstdirektor, verh. mit Josefine Lürzer von Zehendthal [Josephine v.Lürzer] (1800-1872) [Partezettel 1872]. - Bei den Stammbuchblättern für Nr.18 Franz Spängler = Cousine Ludmilla Sauter [?] (Hall 1856), Andreas Sauter (Hall 1856), Anna Sauter (Salzburg 1858), Cousin Eduard Sauter, Tante Josefine Sauter (Hall 1856), Cousine Josefine Kobsa, Vetter Anton Kobsa (Ort 1859). – 2015 kommt in meinem Geneanet die ganze Familie Sauter dazu! – Salzburgwiki.at = [[Sauter]]. | ||
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| + | Zu [Nr.38] Richard #Schlegel (1811-1881) ist [Nr.76] der Vater Franz Schlegel, geb. 1769 in Leitmeritz in Böhmen, Wundarzt und Oberarzt beim Fürstl. Reuss Plauen Infanterie Regiment; der Sohn [Nr.38] Richard Franz Schlegel, ist 1811 in Theresienstadt geboren. Die Mutter ist [Nr.77] Maria Theresia Heygel, geb. 20.10.1783 in Böhmisch-Leipa. Vgl. Brief vom 11.10.1877 mit Notizen auf der Rückseite von der Hand von Franz Spängler?: Vater gest 1845 / Vinzenz Curator & Rich / Josef + Henriette u. Clara / Antonia + gest Leitmeriz 8/10 1872 / Blure [?] + Wien VIII 5/10 1854 / Therese + Wien Mazleinsd[orf] 9 Jul 1856 / Friedrich gest Olmüz 22/8 1850 BgHer Leiter [?]. Diese Namen und Daten sind offenbar aus der Familie Schlegel, die Geschwister von Richard und deren Nachkommen, deren Einzelheiten ich bisher (bis auf „Vater gest 1845“) nicht näher deuten kann. Vgl. auch zum Brief vom 11.3.1879: Die dort genannten Fritz [Friedrich] und Vincenz [Vinzenz] müssten demnach verstorbene Brüder von Richard Schlegel sein. – Im Internet (2007): Richard Schlegel war um 1934-36 wichtiger Stadtarchitekt in Salzburg. – Salzburgwiki.at = [[Richard Franz Schlegel]]. | ||
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| + | Die Salzburger #Spängler-Bank, „Bankhaus Carl Spängler & Co. Seit 1828“, entwickelt sich aus der Spängler-Handelsgesellschaft in Salzburg. Carl I.Spängler (1825-1902) ist kaiserlicher Rat und Bankier in Salzburg und übernimmt die Bank von der Familie Duregger (Wohnhaus am Mozartplatz 4). Die Duregger-Handelsgesellschaft gibt es ab 1828, ab 1855 übernimmt das „Spängler & Trauner“, 1870 „Carl Spängler“ die Bank. Die Familie Duregger besaß ein Haus in der Getreidegasse Nr.3. Sie zieht 1855 um in das ansehnliche Haus am Mozartplatz Nr.4, und Leopoldine Duregger, verh. mit Carl Spängler, erbt dieses Haus. Von Franz Spängler ist ein Cousin Dr.Rudolf Spängler, Apotheker, verh. mit Marie Spängler, geb. Weinwurm (1839-1911 Salzburg); dessen Bruder ist Carl Spängler sen. ist verheiratet mit Leopoldine Duregger. Der Vater Alois Spängler (1800-1875) im Großhandelshaus in Salzburg (Vorläufer der Spängler-Bank) ist Bürgermeister von Salzburg 1854-1861. Die Familie Duregger, Antonia Spängler, Mutter von Franz Spängler, und Otto Spängler, Bruder von Franz Spängler, wohnen in den Stockwerken übereinander im Dureggerhaus am Mozartplatz 4. – Internet (2007): Homepage der Spängler-Bank www.spaengler.co.at . - Bei den Stammbuchblättern für Nr.18 Franz #Spängler = viele Spängler (siehe Liste unter Fotos Nr.18). – Salzburgwiki.at = [[Bankhaus Carl Spängler & Co. AG]]. | ||
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| + | #Zeller, vgl. zum Brief vom 24.11.1871: Partezettel für Marie Zeller, geb. Bolland, Salzburg 1812-1873, und für Friedrich Zeller (Salzburg 1838-1862); an gleicher Stelle Visitenkarte für „Ludwig Zeller“; „Zeller“ und die „Zellerischen“ mehrfach in den Briefen. - #Bolland: in dem Brief vom 13.2.1871 werden bei „Duregger“ genannt die Eltern der Bank-Linie der Spängler in Salzburg, Alois Duregger und Henriette Bolland (sie: 1810-1892; zu dem Bankhaus Duregger-Spängler vgl. Dopsch, 1996, S. 409, und hier: Spängler-Bank). – Das Landesarchiv Salzburg hat unter den Nachlässen einen Karton „Bolland-Zeller-Schumacher“ (Internet 2007). – Salzburgwiki.at = [[Zeller]] und [[Bolland]]. | ||
== Quelle == | == Quelle == | ||
Version vom 15. Dezember 2020, 13:35 Uhr
Die Kobler-Spängler-Briefe bezeichnen eine umfangreiche Briefsammlung aus dem Besitz von Franz (II.) Xaver Gregor Spängler (* 1839; † 1912).
Über die Korrespondenz
Über seine Tochter Johanna Spängler (* 1882; † 1973), verheiratet mit dem Schuldirektor in Krems, Rupert Holzapfel (* 1868; † 1940), kam die Sammlung aus dem Nachlass von dessen Tochter Gertraud Holzapfel (* 1917; † 2001), verheiratet Saska in Krems, an Otto Holzapfel (* 1941) in Freiburg im Breisgau in Deutschland.
Die Briefe sind zum Teil übertragen, zum Teil zusammenfassend registriert; eine genauere Auswertung steht noch aus. Die ältesten Briefe stammen aus der Beziehung zwischen „Fanny“ Franziska Kobler (* 1796; † 1886) und Franz Francesco Castelli (* 1796; † 1832). Deren Tochter Zäzilia Amalia Kobler wird 1821 geboren und heiratet 1846 Richard Franz Schlegel, stirbt aber bei der Geburt des ersten Kindes 1848. Diese Tochter, „Fanni“ Franziska Schlegel (* 1848; † 1905), heiratet 1872 in der Stadt Salzburg den späteren Oberlandesgerichtsrat in Krems, den oben genannten Dr. Franz Xaver Spängler. Ein großer Teil des Briefwechsels spiegelt die besonders enge Beziehung zwischen Großmutter „Fanny“ und Enkelkind „Fanni“.[1]
Franz Castelli
Franz Francesco Castelli[2] aus Brescia in Oberitalien, schreibt 1821 und 1827 aus Peterwardein (damals Habsburgermonarchie, heute Novi Sad) in Serbien und aus (dem ebenfalls in dieser Zeit unter österreichischem Einfluss stehenden) Venedig fünf Briefe an seine Verlobte Fanny Kobler in Salzburg. Sie heiraten nicht, bleiben aber im Kontakt. Er, Landvermesser beim Militär, im „Genie Korps“ (Pioniere) im Rang eines Oberleutnants, stirbt, bevor er eine Familie ernähren kann.
Castelli schreibt aus Salzburg am 31. Dezember 1820 an Seraphin Kobler. Er beichtet dem Vater Kobler das „Unglück“, den „Unfall“, bittet aber, nicht nur dem „bösen Zorn“ zu folgen. Nach drei Jahren erwartet er zum Hauptmann zu avancieren; er will eine zivile Stelle als Kreis-Ingenieur suchen und kann dann auch seine Familie ernähren. Im Augenblick „darf“ er sich in „politischer“ wie in ökonomischer Hinsicht nicht verehelichen. Ein Brief an Fanny Kobler, datiert „Venizia 20 marzo“ [also 1832, im Jahr seines Todes], berichtet von seiner Krankheit. Er will nach Brescia reisen, um seine Krankheit pflegen zu lassen. Für März und April zahlt er „16 t. C. M.“ (Taler courante Münze): „ich wünschte der Amalia Hunderte geben zu können“, aber wegen seiner Krankheit muss er dem Arzt viel bezahlen.
Die (uneheliche) Tochter ist Zäzilia Amalia und wird in ihrer Jugend in Salzburg als „Fräulein Castelli“ angeschrieben. Auch der Salzburger Stadtarzt Dr. Richard Schlegel, der sie später heiratet, schreibt sie unter dem Namen „Amalia Castelli, in der Hölle“ an. Einige Beispiele, auch von anderen Briefpartnern:
„A Demoiselle la Demoiselle Amélie Castelli, Stadt, Judengasse N. 67, Salzburg. Trés aimable Amélie! La grande estime, quelle m’inspirent Vos prééminentes qualités, a reveillé en moi ce tendre sentiment, que le createur des mondes a planté dans nos coeurs, pour nous faire heureux […] Votre très intime amant Anonyme.“ [ohne Datum, Salzburg; Siegel mit Wappen, nicht Richard Schlegel].
„Fräulein Fräulein Amalie v Castelli zu Salzburg, Judengasse Nr. 67 [heute Nr. 15], 1. Stock. Meine philosophische Freundin! Sage mir nur was für ein Geist in Dich gefahren ist [… Warasdin, Datum nicht erkennbar; anderes Wappen-Siegel].
„Fräulein Malli Kobler. Im Gasthofe zur Hölle XXX Judengasse Nr. 67. Salzburg. Verehrtes Fräulein, Mit dem innigsten Bedauern vernehmen wir von Ihnen die Kunde von dem Dahinscheiden Ihres theuren Vaters. So mußte schon so bald der harte Schlag treffen XXX [… Salzburg 1841].
„A Mademoiselle Mademoiselle Amalie de Castelli à Salzburg, abzugeben in Kobler’s Brauhause. Liebes Malchen! Wieder ist heute die Stunde der Postankunft trostlos nun hingeschwunden – Nichts bringend, das mich beglücken sollte […] Richard [Schlegel; Kufstein 1843].
„Fräulein Amalia Castelli Wohlgeboren. Mein innigst geliebtes Malchen! «Was du heute thun kannst, verschiebe nich auf Morgen» daher geliebter Engel soll sich bey mir in Allem […] Dein innigster Verehrer Richard. 12. 5. [1]845.“
„An Fräulein Amalia Castelli Wohlgeboren in Loco. Guten Morgen! Liebes gutes Malchen! Ueberzeugt von deiner herzlichen Theilnahme will ich Dir so früh als möglich Nachricht von meinem Befinden geben. Gestern abends hatte ich etwas stärkeres Fieber […] 16. 10. 1845 Richard [Schlegel]“.
„An Fräulein Fräulein Amalia Castelli Wohlgeboren in der Hölle. NB Nur für Dich! Innigste geliebtes Mauserl! Es ist doch höchst sonderbar […] Dein kopfloser Richard. 8. 12. [1]845“.
Großmutter Fanny „Höllbräuin“
Großmutter Fanny, „Höllbräuin“ in Salzburg und Besitzerin des heutigen Gasthauses Höllbräu (heute Hotel Altstadt Radisson Blu), wechselt über viele Jahre hinweg Briefe mit ihrer Enkelin Fanni. In diesen Briefen ist viel von „Gesundheit“, „Tod im Kindbett“ usw. die Rede. Das ist nicht zufällig und nicht nur allgemeines Gesprächstema der Zeit, sondern auf die besondere Beziehung beider Frauen zueinander zurückzuführen. Zumeist geht es jedoch (später) um Alltagsdinge, um familiäre Nachrichten und um Grüße:
Fanny Kobler an Fanni Spängler Brief mit Prägestempel [englisches Staatswappen]
- „Salzburg 19. 4. 1872: Dank für Zeilen aus Kufstein, aber das sind wenig Nachrichten, von allen Seiten wird gefragt, „wo ihr seit, und wie es Euch geht“. Die Großmutter beklagt sich über fehlende Nachrichten, „es hat mich sehr geschmerzt, dein Mann zeigt dir alle Naturschönheiten, „ein ganz kleines Plätzchen in deinem Herzen gehört auch noch mir, so hab ich mir gedacht. [...] Seit mehreren Tagen rüstet sich alles zum Ball der Morgen stattfinden wird. Mina hat ein gelbes Seidenkleid mit weisen Oberkleid, die Lida [Guttenberg] ein Rosakleid. Es sind über 600 Personen geladen. [...] Die Arigler (Arrigler) Lina ist Braut von Hr. Hager der von Arigler das Geschäft gekauft hat. [...] Lebet wohl und vergnügt bis wir uns in Mödling treffen, Gott erhalten uns gesund, dieß ist der innigste Wunsch deiner dich liebenden Großmutter Fanni.“
Fanny Kobler an Fanni Spängler
- „Salzburg am 14te Dez: 1872. Liebe Fanni! Dießmal muß ich deinen Brief gleich beantworten, damit du nicht zweifeln darfst ob ich euch beherbergen werde. Wie, und warum du, daran auch nur einen Augenblick zweifeln konntest, weis ich nicht. Ich habe nur zu ein paar Bekante mich geäußert, das wenn ihr im Winter kommt es mir recht leid thut, weil ich euch zum schlafen kein geheiztes Zimmer geben kann, das hab ich auch zu Franzens Mutter gesagt. Wenn es die Geschäfte deines Mannes erlauben, o, so komt nur meine Lieben die alte Großmutter hat große Sensucht euch einmal wieder zu seh’n. – Die Feyertage werden ja doch keine Verhandlungen sein, und so gebe ich mich der Hoffnung hin, euch gewiß zu seh’n. Die Lida [Guttenberg; Freundin] hab ich nur einmal gesprochen, solang sie jetzt in Salzburg ist, jezt hat sie die Nani schon 8 Tage die Winterkleidung zusammenzurichten. Hast du dir ein schwarzes Tuchkleid gekauft, oder nur eine Ueberschosse [?] und eine Jage [Jacke]. Die meisten Mädchen bey uns, haben Ansetze von Sammt wenn es aber nicht ein schönes Sammt ist gefallen sie mir viel weniger als von Tuch. Der Walli ihre Hochzeit wird den 25.ten Januar sein. Erlach Robert ist Brautführer und Ida [Schlögelhofer] eine von die Kranzjungfraun. Die Schwester der Haßseck [?] die Mari hat den 20.te Hochzeit mit Herrn Mößer, der einmal die Schnerberger hat heurathen wollen, er ist Braumeister in Steuer [Steyr]; die Laschenzki welche dich herzlich grüß, hat zwey Hochzeiten in einer Woche. Das deine Wirthschaft so gut geht freud mich sehr, aller Anfang ist schwer, besonders wenn man fremd ist, ich habe auch gar nicht gezweifelt, das es so werden wird, wenn du länger in Mödling bist. Was deine Geschwister betrift mußt du entweder jeden etwas geben, oder keinen nichts [!], ich glaube es [ist] nicht notwendig ihnen etwas zu geben. Die schönen Tage sind jetzt bey uns vorüber, 2 Tag haben wir Schnee und kalt. Wenn es zur Reise kommt wie ich hoffe, zieht euch ja recht warm an. Jedenfalls sey so gut ein paar Tage früher es mir wißen zu lassen wann ihr eintrefft. Lebe recht wohl, grüße deinen Mann von mir herzlich, es ist auch für ihn wohlthuent einige Tage [fehlt wohl: Ferien] zu mach’n. Erfreue bald mit einer angenehmen Antwort deine dich liebende Großmutter Fanni Kobler. – Alle Bekanten grüßen dich herzlich Deinen Brief hab ich erst den 12.te erhalten“
Fanny Kobler an Fanni Spängler
- „27. 7. 1874 Liebe Fanni! Alle Bekanten grüßen euch. Hast du die Laurey [?] nie besucht? Weis dein Mann nicht wo er angestellt ist. – Ich sollte dich ein wenig auszanken, weil ich seyd den 14ten Juni keine Nachricht auf meine zwey Briefe erhalten habe, und mir gar kein Hinternüß denken konnte. Ich hätte so gerne die mir zugeschückten Kleider in Ordnung gebracht; weil der Vater vom K. Beringer könnt mit deinem Bruder Karl in Schweiz gehn wird, und ich weder hörte, das er Verschiedenes zu der Reise benötiget, besonders ein Beinkleid. Du kannst dir denken das die Mutter [und] der Karl über Euer Geschänck erfreud warn. Auch den Vater hat es gefreud das du an Karl gedacht hast. Das schwarze Beinkleid hab ich für Hinterholzer behalten. [...] besonders ist dein Vater wie ich entschieden dagegen das du die Zimmer bürsten thust, er sagt, solche Arbeiten muß man gewöhnt seyn, es könnte für dich üble Folgen haben, da deine Brust nicht so stark ist. In Mödling gibt es gewiß einen Zimmerputzer, wenn du alle 14 Tage einen kommen läßt, der dir auch zu gleich die Teppiche ausstaubt ist es oft genug, und diese Auslage wird schon zu bestreiten sein, um sich der Gefahr […] böse Folgen auszusetzen. Ich bitte dich, mich bald darüber zu beruhigen, das du dein Zimmer nicht mehr sebst bürsten wilst. So viel Geschück im Kleider machen hab ich dir fast nicht zugetraut das du dich auch über Männer Kleidungs-Stücke wagst. – Da muß dir dein Mann schon ein gutes Trinkgeld gegeben haben. – [...] und sträng dich nicht so sehr an. Dieß wünscht und erwarthet deine Großmutter Fanni.“
Fanny Kobler an Fanni Spängler
- „22. 12. 1875 Liebe Fanni! Es ist gerade 11 Uhr Mittag und ich habe das Kistl wo sich die kleine Ausstat[t]ung für euer kleines Kind befindet den Eillgut übergeben. Morgen wirst du es in Haus gestellt erhalten. ich hoffe das Christkind wird euch [erreichen] du kannst es glauben liebe Fanni es hat mir viele Mühe und Sorge gemach alles zusammen zu bringen. Ich habe es mit Freuden gethan. Wenn Gott mir die Gnade schänkt das kleine Wesen an mein Herz zu drücken und ihm den Urgroßmütterlichen Kuß zu geben, bin [ich] für alles belohnt. Du wirst sehn wie mit Mühe und Sorge für das kleine Wuzi wächst, nur meine ich immer es wird dir zu viel werden ohne Magd, weil dir dir schlaflosen Nächt oft Müdigkeit und Unwohlsein bereitet gemacht haben, und auch für das Geschäft deines Franzes beschwerlich ist. Doch wenn der liebe Gott dem ich täglich inig bitte Gesundheit schänkt, wirst du dich schon daran gewöhnen, die Lieb überwindet alles. Der Güttig Gott schänke dir an Geist und Korper ein gesunds Kind. Ich brauche dir nicht erst zu sagen wie gern ich dir in den Wochenbett zur Seite gestanden wäre und alles überwacht hätte. Doch ich weis ja die gute Mutter [Spängler, geb. Lürzer] bey dir die ja Sorgsam, lieb und gut ist, Gott möge ihrr Gesundheit schänken. Wie wird sich dein guter Mann freuen das kleine Püpchen auf seinen Arm zu tragen und auf seinen Knien zu schaukeln. Euer Leben wird jetzt ein ganz anderes sein. Eine Kinderlose Ehe wird mit den Jahren zu Monoton, es fehl dem Leben an Jntreße [Interesse]. Nun liebe Fanni hab ich einmal über das was uns beyde so sehr intresiert sprächen können nach dem ich mich schon lange gesähnt habe. Heute hab ich gerade die Lichte für meine Augen da ich mehr sehe als gewöhnlich. Ich füge daher dem besten Wunsch zum freudigen Christkind, dem aufrichtigen herzlichen Wunsch bey zum Neuenjahr bey, Gott wolle uns Gesundheit und ein Wiedersehn verleihn. – Meine Gesundheit hat sich viel gebessert, doch frey bin ich von meinen Magenklopfen nicht, aber ich darf doch wieder etwas mehr genießen, und es dauert nicht 4-5 Stunden lang. Ich danke dir für den Stoff den du mir hast färben lassen er gefählt mir gut, was daraus wird, weis ich noch nicht. Die Näherin ist im Spital bedenklich krank, wenn sie wieder besser wird, werden ihr die 3 fl [Taler] zur Erholung recht wohl thun. Ida welche dich vielmals grüßt, ist jetzt recht beschäftigt. sie geht in 3-4 Häuser wo sie Kleider macht, man ist mit ihr zufrieden, da muß von 4 ½ Uhr bis 7 ½ Uhr fleißig nähn, und kann nicht davon laufen. Gestern war sie den ganzen Tag bey mir, da haben wir die Kindswäsche geordnet und zusammen gebunden, es hat ihr Freude gemacht, es thun zu dürfen. Jetzt muß ich schlüßen eds wird schon dunkl die Augen versagen mir ihrn Dienst. Ich meine du sollst die Wäsche wenn du selbr gesehn hast in der Küste lassen, du darfst nur einen Tepich darunter legen, da kanst du sie in jeden Zimmer stehn lassen. Grüße die Rosi, ich hoffe das Mieder wird recht sein Lebe recht wohl es umarmt Euch beyde Euere Großmutter Fanni.“
Ida Schlögelhofer und Fanny Kobler an Fanni Spängler
- „Ida [eine Freundin von Fanni, verh. Schlögelhofer] und „Großmutter“, Fanny Kobler, an Fanni Spängler: Salzburg den 21/2 [1]876./ Liebe gute Fanni! Gestern war die Mutter bei der Großmutter wo sie ihr mitteilte, das sie am 29ten Feber [Februar] abreisen wird, um Euch alle außer Sorge zu bringen, wir wünschen nur das es alles recht glüklich vorüber geht, dieß bitten wir den lieben Gott innig, u. ich und Großmutter freuen uns ebenso auf dein Wuzi [Kind] wie du dich u. Franzl, u. wie sehr würde es Großm.[utter] freuen diesen kleinen Weltbürger in ihre Arme schließen zu können. Großm. lässt dich bitten wenn der große Akt vorüber ist ihr gleich zu telegrafieren // darüber mit Fannys Schrift: Dem Papi viele Grüße. Thomas grüßt Dich.// u. die ersten 9 Tage ih täglich durch Telegramm wißen zu laßen wie es Dir u. dem kleinen Wuzi geht, sei nur muthig liebe Fanni, der Allmächtige zur dem Deine Großmutter täglich bettet wird Dich gewiß wieder bald gesund hervorgehen laßen, u. Dir Dein kleines Wuzerl auch recht gesund erhalten./ Die Großm. wird die Rechnung schon bald in Ordnung bringen, du sollst nur bald schreiben, was du für Wien ausgelegt hast./ Also liebe Fanni ich schließe auch dem Briefe meinen herzlichsten Dank an für die Besorgung der Franzen, u. Großmutter wird Dir den Betrag durch die Mutter [Spängler] überschiken, dem ich ihr am 12te Febr. übergab, ich danke Dir noch vielmals dafür, das du mir so lange zugewartet hast. An Franzl von uns herzliche Grüße, u. Großm. läßt ihm sagen er soll nur recht standhaft sein, es ist Dir auch eine Erleichterung./ Nun lebe wol liebe Fanni nächstens ein ausfürlicherer Brief, sei herzlich geküßt u. gegrüßt, von Deiner Freundin Ida u. Großmutter. / [Fanny Koblers, 1796-1886, eigene Schrift:] Liebe Fanni! Wie mich das glüklich macht heute 8 Tag dich in Geselschaft der guten Mutter [Spängler] und erfahrene Frau zu wissen kann ich dir nicht beschreiben, nach dem dein Befinden Gott sey Dank immer so gut als es unter diesen Umständen seyn kann ist, so wird alles gut vorüber geh’n. Mein Befinden ist zimmlich gut, daher kannst du auch in dieser Beziehung ruhig sein. Laschanzki [Laschensky] seine Frau wird auch schon im März entbunden; es [geht] gut soviel ich von seiner Mutter höre welche dich vielmals grüßen läßt. Frau v: Bauernfeind [Paurnfeind] ist von Reumatischenschmerz im Fuß schon 8 Wochen im Bett. Wenn dein Wuzl Gethauft und eingewikelt ist, so [gib ihm] einen lan lange[n], lange[n] Kuß von mir, was würde ich darum geben wenn ich bey euch sein könnte. Lebe wohl liebe Fanni, grüße deinen Mann. Meine Augen erlauben mir nicht länger zu schreiben. Fanni.“
Briefe aus der Familie von Dr. jur. Franz Spängler
Ein weiterer Briefkomplex stammt aus der Familie von Dr. jur. Franz Spängler, der Fanni Schlegel heiratet. Er ist in der Stadt Salzburg geboren, wird nach dem Studium in Graz und Wien Richter an verschiedenen Orten in und bei Wien, zuletzt in Krems an der Donau. Er wechselt unzählige Briefe mit seiner Verlobten und späteren Frau, manchmal mehrmals in der Woche. Mit der Mutter Antonia Spängler (* 1803; † 1882), geborene Lürzer von Zehendthal, gibt es ebenfalls einen intensiven Briefwechsel, auch mit Zusätzen des Bruders Otto Spängler (* 1841; † 1919), Sparkassen-Direktor in der Stadt Salzburg und verheiratet mit Aloisia Duregger, der Tochter von Johann Alois Duregger. Die Familie Duregger, Antonia Spängler und Otto Spängler wohnen in den Stockwerken übereinander im Dureggerhaus (Antretterhaus) am Mozartplatz 4, nicht weit von der „Höllbräu“, wo die „Großmutter“ Fanny Kobler lebt.
Der spätere Landgerichtsdirektor Spängler schreibt an Fanni Schlegel (1871) bzw. an seine Frau Fanni Spängler zwischen 1882 [und davor] bis 1890 häufig Karten und Briefe. Sie antwortet bzw. schreibt ihm, z. B. aus den Sommerferien mit den Kindern in Salzburg, in langen Briefen, die vieles widerspiegeln: Sorgen mit den Kindern, Nähe und (gesellschaftlich anerzogene) Ferne zum Ehegatten, aber auch höchst moderne Gleichberechtigung in der Entscheidung über Dinge des Alltags. Vieles ist Zeitkolorit, aber auch Individuelles, z. B. sind ihre Briefe nicht ohne Ironie, die er offenbar weniger versteht. Hier beziehen sich die Briefe vielfach lückenlos aufeinander. Viel ist von „Ordnung“ die Rede, was auf Sicherheit und Übersichtlichkeit im täglichen Leben zielt. „Ordnung“ sind die Regelung der Hochzeit, das Herrichten der Aussteuer, das Einrichten der Wohnung, aber auch zur Ruhe kommen nach außergewöhnlichen Ereignissen. Häufig wird die Gesundheit angesprochen, und getragen ist der sehr intensive Briefwechsel von einer starken Gott-Ergebenheit und einer Alltagsfrömmigkeit, die wohl nicht nur verbal ist (häufig liest man: „..., so Gott will,...“).
Umrahmt wird diese Briefsammlung von vielen Einzelbriefen, z. B. schreibt 1826 die andere Großmutter Maria Anna Lürzer von Zehendthal aus Hall in Tirol, geborene Grassl, die Frau von Franz Lürzer von Zechenthal, an ihren späteren Schwiegersohn Franz Xaver Spängler in Salzburg. In diesem (leider nur fragmentarisch erhaltenen) Brief ist einiges von Not und Schwierigkeiten die Rede, aus denen dann doch die wohlhabende Handelsgesellschaft und spätere Spänglerbank (seit 1828) in Salzburg wurde. In den Briefen ist mehrfach die zahlreiche Spängler-Verwandtschaft in Salzburg angesprochen. Deren traditionelle gesellschaftliche Stellung in der Stadt ist offensichtlich und spiegelt sich in vielen Hinweisen.
Die vorliegenden Briefe sind Alltagskorrespondenz (z. B. auch die beiden Briefe der Mutter Spängler an ihren Sohn Franz, 1871, über Heiratsaussichten und Hochzeitsvorbereitungen). Die Briefe betreffen weniger die direkte Salzburger Stadtgeschichte, obwohl uns weitere Details zur Erklärung willkommen wären. Das Verständnis mancher Einzelheiten ist schwer zu rekonstruieren, und einige (zumeist nebensächliche) Fragen bleiben offen. Die Briefe stellen Zeitzeugnisse dar, welche zwar nicht unabhängig von einem Kontext zu verstehen sind, aber auf ihre Weise Einblicke in die Mentalität unserer entfernten (und in manchen Dingen doch so nahen) Vorfahren bieten. Gerade in diesem Spannungsfeld zwischen Nähe und Ferne, zwischen Vertrautheit mit den angesprochenen menschlichen Problemen und Entfremdung vom Zeitstil des 19. Jahrhunderts, liegt der Reiz dieser Briefe.
Eine weitere Auswahl an Kobler-Spängler-Briefe
Diese Sammlung wurde von Otto Holzapfel aus Freiburg im Breisgau dem Salzburgwiki zur Verfügung gestellt.
Die Daten müssen noch optisch aufbereitet werden (Stand 15. Dezember 2020) - es darf gerne jeder daran mitarbeiten
Originale im „Familienarchiv“ Otto Holzapfel, Datei „12 Briefe (Österreich)“ [Dateistand: Dezember 2020]
Briefsammlung (und Aktenreste von 1792) 1821 bis 1938 [weitergeführt, aber nicht im Salzburgwiki, Briefe Holzapfel, 1945 bis 1970]; chronologisch geordnet, Anfang einer Jahreszahl fett; aus dem Nachlass Saska (Traudl Saska, geb. Holzapfel; * 1917; † 2001 in Krems an der Donau; verh. Helmut Saska; * 1911; † 2002). Gelb fett sind auch hervorgehobene Namen (gelb normal Zusätze aus dem Familienarchiv, die Otto Holzapfel hier belassen hat). Es ist offensichtlich eine Arbeitsdatei die verbessert und ergänzt werden kann (und wird).
Weitere Briefe vor allem zwischen ranz (II.) Xaver Gregor Spängler (* 1839 in der Stadt Salzburg; † 1912 in Krems) = „Geneanet“ oholzapfel Sosa 18 [Sosa = Kekulé-Nummer; ergänzt durch Kleinbuchstaben für Geschwister] und seiner Ehefrau Franziska Maria Amalia Schlegel, „Fanni“ (* 1848 in der Stadt Salzburg; † 1905 in Krems) = Sosa 19, von Antonia Spängler = Sosa 37, geb. Lürzer von Zechnethal an den Sohn, vom Bruder Otto Spängler = Sosa 18 a, sind noch nicht übertragen worden (in der Briefkiste sind die nicht übertragenen rot verschnürt [mit Inhaltsangabe], die übertragenen grün verschnürt). – Zusammenfassendes über die Familien ist mit „#Name“ markiert (im Anschluss an die Briefe). Vgl. auch: Originale der Sosa 8-Spängler-Briefe [übertragen] ca. 1903 bis 1937 in „weißer Schachtel Nr. 1“ im Familienarchiv.
Franz (Francesco) Castelli(* 1796; † 1832) aus Brescia in Oberitalien schreibt 1821 und 1827 aus „Peterwardein“ in Serbien bzw. aus (dem ebenfalls in dieser Zeit unter österreichischem Einfluss stehenden) Venedig fünf Briefe an seine Verlobte Fanny Kobler (*1796; † 1886) Franziska Kobler in Salzburg; sie sind beide etwa 25 bis 30 Jahre alt. Sie heiraten nicht, bleiben aber im Kontakt. Er stirbt, bevor er eine Familie ernähren kann. Ihre (uneheliche) Tochter ist Zäzilia Amalia Kobler (* 1821; † 1848). Sie, die in ihrer Jugend in Salzburg auch als „Fräulein Castelli“ angeschrieben wird und den Salzburger Stadtarzt Dr. Richard Franz Schlegel heiratet - auch er schreibt sie unter dem Namen „Amalia Castelli, in der Hölle“ an -, stirbt 14 Tage nach der Geburt der Tochter Fanni Schlegel. Großmutter Fanny, „Höllbräuin“ in Salzburg (Besitzerin des Gasthauses „Höllbräu“ Höllbräuhaus oder „Gasthof und Brauhaus zur Hölle“; heute „Hotel Altstadt Radisson Blu“, vgl. auch Dopsch, 1996, S. 189 mit Abb.), wechselt über viele Jahre hinweg Briefe mit ihrer Enkelin Fanni Schlegel(* 1848; † 1905) [Franziska Schlegel]], verh. Spängler. Auch bei sehr unterschiedlicher Schreibweise in den Briefen vereinheitliche ich zu Großmutter „Fanny“ [Kobler] und Enkelin „Fanni“ [Schlegel / Spängler]. In den Briefen ist viel von ‚Gesundheit’, ‚Tod im Kindbett’ usw. die Rede. Das ist nicht zufällig und nicht nur allgemeines Gesprächstema der Zeit, sondern wohl auch auf die besondere Beziehung beider Frauen zueinander zurückzuführen.
Ein weiterer Briefkomplex stammt aus der Familie von Dr.jur. Franz Spängler (* 1839; † 1912) Franz (II.) Xaver Gregor Spängler, der Fanni Schlegel heiratet. Er ist in Salzburg geboren, wird nach dem Studium in Graz und Wien Richter an verschiedenen Orten in und bei Wien, zuletzt in Krems an der Donau. Er wechselt unzählige Briefe mit seiner Verlobten und späteren Frau, manchmal mehrmals in der Woche. Mit der Mutter Antonia Spängler (1803 –1882), geb. Lürzer von Zehendthal Lürzer von Zechenthal, gibt es ebenfalls einen intensiven Briefwechsel, auch mit Zusätzen des Bruders Otto Spängler (* 1841; † 1919), Sparkassen-Direktor in Salzburg und verheiratet mit mit Aloisia Duregger, Tochter von Johann Alois Duregger. Die Familie Duregger, Antonia Spängler und Otto Spängler wohnen in den Stockwerken übereinander im Dureggerhaus [Antretterhaus]] am Mozartplatz 4, nicht weit von der „Höllbräu“, wo die „Großmutter“ Fanny Kobler lebt. Der spätere Landgerichtsdirektor Spängler schreibt an Fanni Schlegel (1871) bzw. an seine Frau Fanni Spängler zwischen 1882 [und davor] bis 1890 häufig Karten und Briefe. Sie antwortet bzw. schreibt ihm, z. B. aus den Sommerferien mit den Kindern in Salzburg, in langen Briefen, die vieles widerspiegeln: Sorgen mit den Kindern, Nähe und (gesellschaftlich anerzogene) Ferne zum Ehegatten, aber auch höchst ‚moderne’ Gleichberechtigung in der Entscheidung über Dinge des Alltags. Vieles ist Zeitkolorit, aber auch Individuelles, z. B. sind ihre Briefe nicht ohne Ironie, die er offenbar weniger versteht. Hier beziehen sich die Briefe vielfach lückenlos aufeinander. Viel ist von ‚Ordnung‘ die Rede, was auf Sicherheit und Übersichtlichkeit im täglichen Leben zielt. ‚Ordnung‘ sind die Regelung der Hochzeit, Herrichten der Aussteuer, Einrichten der Wohnung, aber auch: das zur Ruhe Kommen nach außergewöhnlichen Ereignissen. Häufig wird Gesundheit angesprochen und getragen ist der sehr intensive Briefwechsel von einer starken Gott-Ergebenheit und einer Alltagsfrömmigkeit, die wohl nicht nur verbal ist („..., so Gott will,...“).
Umrahmt wird diese Briefsammlung von vielen Einzelbriefen, z. B. schreibt 1826 die andere Großmutter Maria Anna Lürzer von Zehendthal (* 1774; † 1853) Lürzer von Zechenthal aus Hall in Tirol an ihren späteren Schwiegersohn Franz Xaver Gregor Spängler (* 1793; † 1854) in Salzburg. In diesem (leider nur fragmentarisch erhaltenen) Brief ist einiges von Not und Schwierigkeiten die Rede, aus denen dann doch die wohlhabende Handelsgesellschaft und spätere (bis heute existierende) Spängler-Bank (Bankhaus Carl Spängler & Co AG; seit 1828) in Salzburg wurde. In den Briefen ist mehrfach die zahlreiche Spängler-Verwandtschaft in Salzburg angesprochen. Deren traditionelle gesellschaftliche Stellung in der Stadt soll hier nur durch den einen Hinweis beleuchtet werden, dass in der gleichen Generation, in der Petrus Mezger (Johann Peter Metzger) von 1775 bis 1795 Bürgermeister von Salzburg war (vgl. Dopsch, 1996, S. 351 f., S. 352 mit einem prächtigen Porträt), Franz Anton Spängler Franz Anton Spangler aus Bruneck in Südtirol (mit einem bürgerlichen Wappenbrief von 1677) im Jahre 1729 nach Salzburg zieht, dort das Bürgerrecht erwirbt, 1731 und 1744 ‚vermögende Witwen’ heiratet und schließlich 1755 in dritter Ehe Maria Traunbauerin (Trambauer, * 1730; † 1780) aus Wien, Tochter eines Kaufmanns, ehelicht.
Salzburg war in dieser Zeit eine Stadt der Handelsleute, die auch zumeist das Bürgermeisteramt innehatten (vgl. Dopsch, 1996, S. 351). Nach 1830 hat die Stadt einen wirtschaftlichen Aufschwung zu verzeichnen. Die Tochter Theresia Metzger (* 1764; † 1814) heiratet den Sohn des Franz Anton Spängler, nämlich Franz Josef Christian Spängler (* 1758; † 1819). Die Spängler gehören zu den ‚großen’ Salzburger Familien (vgl. Dopsch, 1996, S. 372). Für die Spängler-Hochzeit 1755 komponiert Vater [[Leopold Mozart[[ zehn Hochzeitsmenuette, genannt „Menuetti fatte per le Nozze del Signore Francesco Antonio Spangler dal Sig.re Leopoldo Mozart“. In der übernächsten Generation heiratet der Enkel Franz Xaver Spängler 1826 in Salzburg Antonia Lürzer von Zehendthal (* 1803; † 1882), von der in dem oben genannten Brief ihrer Mutter an Franz Xaver Spängler die Rede ist. – Von Franz Anton Spängler (* 1705; † 1784), „Franc. Ant. Spangler“ (so das eingeklebte Exlibris), stammt ein reich illustrierter Handatlas, „Atlas Portalis Germanicus“ (Nürnberg 1733) Handatlas 1733.
Gertrude Maier schrieb 1973 eine Wiener Dissertation über die „Geschichte des Bankhauses Carl Spängler & Co“. Sie weist darauf hin, dass die SPÄNGLER-BANK Spänglerbank die älteste, noch bestehende Privatbank in Österreich ist. Sie wächst nach einer Zeit des wirtschaftlichen Niedergangs in Salzburg im 19. Jahrhundert heran. Napoleonische Truppen haben Salzburg 1809 besetzt; es gibt auch eine Einquartierung im Hause Spängler. Der Krieg bedingt einen erheblichen Rückgang des Handels (u. a. durch die Zollgrenze nach Bayern), und die Einwohnerzahlen sinken bis um 1830. Erst danach gibt es eine langsame Erholung, der dann auch den Fremdenverkehr einschließt, und z. B. ab 1842 gibt es jährliche Mozartfeste, welche auch von der Spängler-Bank gefördert werden. – Handelshäuser mit Bankgeschäften gibt es in Salzburg seit dem 17. Jahrhundert, genannt wird u.a. Matthias Gschnitzer Mathias (II.) Gschnitzer (* 1808; † 1884). Die Spängler fangen ab 1828 mit Bankgeschäften an, wobei man ein Handelshaus mit Tradition seit dem 14. Jahrhundert übernimmt (zuletzt Andre Mayr, dann 1827 J. A. Duregger; daneben ab 1810 „Spängler & Trauner“). Die Duregger-Handelsgesellschaft mit Bankgeschäften gibt es ab 1828, ab 1855 übernimmt das „Spängler & Trauner“. Ab 1870 hat Carl Spängler nur noch die Bank, die bis dahin das einzige große Geldinstitut in Stadt und Land Salzburg ist. ¬¬¬- Die Familie Duregger besaß ein Haus in der Getreidegasse Nr. 3. Sie zieht 1855 um in ein ansehnliches Haus am Mozartplatz Nr. 4, und Leopoldine Duregger, verheiratet mit Carl Spängler, erbt dieses Haus, das im Familienbesitz bleibt.
Der Ahnherr Franz Anton Spängler (Spangler) ist 1705 in Dietenheim bei Bruneck in Südtirol geboren; er ist seit 1729 in Salzburg (d. h. seit diesem Jahr gibt es Briefe an ihn nach Salzburg). Er erwirbt 1731 das Bürgerrecht und durch eine erste Heirat das Haus „Alter Markt Nr. 2“ (das „Gehmacherhaus“ Gehmacher; Handlung mit Teppichen und Tuchen). Durch eine zweite Heirat erwirbt er 1744 die „Lang’sche Bettenhandlung“, und ab 1748 hat er selbst einen Tuch- und Seidenhandel. – Der Enkel Alois (I.) Spängler ist 1800 geboren, er führt das Großhandelshaus (mit praktisch ‚allen’ Waren) und das Tuchgeschäft am Alten Markt (daraus wird dann ab 1832/33 eine Salzburger Sparkasse). Alois Spängler ist zudem Bürgermeister von Salzburg 1854 bis 1861; unter ihm werden die Bastionen und einengenden Befestigungsanlagen geschleift.
Die vorliegenden Briefe sind Alltagskorrespondenz (z. B. auch die beiden Briefe der Mutter Spängler an ihren Sohn Franz, 1871, über Heiratsaussichten und Hochzeitsvorbereitungen). Die Briefe betreffen nicht so sehr Salzburger Stadtgeschichte, obwohl uns weitere Details zur Erklärung willkommen wären. Das Verständnis mancher Einzelheiten ist [für mich] schwer zu rekonstruieren, und einige (zumeist nebensächliche) Fragen bleiben offen. Die Briefe stellen Zeitzeugnisse dar, welche zwar nicht unabhängig von einem Kontext zu verstehen sind, aber auf ihre Weise Einblicke in die Mentalität unserer entfernten (und in manchen Dingen doch so ‚nahen’) Vorfahren bieten. Gerade in diesem Spannungsfeld zwischen ‚Nähe’ und ‚Ferne’, zwischen Vertrautheit mit den angesprochenen menschlichen Problemen und Entfremdung vom Zeitstil des 19. Jahrhunderts, liegt m. E. der Reiz der Briefe. – An vielen Stellen werden wir nachdenklich, z. B. in Fragen der Erziehung der Kinder: Wie kann man etwa einem zögernden Mädchen von acht Jahren in der ersten Schwimmstunde ‚Feigheit’ vorwerfen und ernsthaft darüber diskutieren? Meine Großmutter, Johanna Spängler (*1882 ; † 1973), verheiratet mit Rupert Holzapfel (* 1868; † 1940), wohnte in Krems an der Donau und in Unterach am Attersee; sie ist bei einem der letzten der übertragenen Briefe, 1897, gerade fünfzehn Jahre alt. Gertraud Saska (*1917; † 2001), verheiratet mit Hellmut Saska (* 1911; † 2002), Krems, ist eine Tochter dieser Johanna Holzapfel und meine Tante. Von ihr und aus ihrem Nachlass habe ich diese Briefe. - Literatur: [nicht eingesehen:] H. Widmann, Geschichte Salzburgs, Bd. 1 - 3, 1907 ff.; H. Dopsch / H. Spatzenberger, Geschichte Salzburgs, 1981. - [früher eingesehen:] Franz V. Zillner, Geschichte der Stadt Salzburg, Bd. 1 - 2, Salzburg 1885 - 90. - [hier zitiert:] „Dopsch, 1996“: Heinz Dopsch - Robert Hoffmann, Geschichte der Stadt Salzburg, Salzburg - München 1996.
Angefügt sind bis 1938 u. a. die Briefe und Postkarten, die sich meine Großeltern schrieben, nämlich (Sosa 9) Johanna [Hansi] Holzapfel, geb. Spängler (* 1882; † 1973), verheiratet 1904 mit (Sosa 8) Rupert Holzapfel (*1868; † 1940). Sie schreiben u. a. über ihre Kinder, Rupert (geboren 1905 in Krems a.d.Donau) – das ist mein Vater – , Walter (geboren 1909), Traudl (geboren 1917) und Otto (geboren 1920).
=== Übersicht [in Klammern Sosa-Nummern nach Geneanet oholzapfel]:
- Franz (Francesco) Castelli [Nr. 78] an Fanny (Franziska) Kobler [Nr. 79]
- Maria Anna Lürzer von Zehendthal [Nr. 75] an Franz Xaver Spängler [Nr. 36]
- Franz Spängler [Nr. 18] an Maria Antonia Spängler [Nr. 37] und zurück
- Franz Spängler [Nr. 18] an Fanni (Franziska) Schlegel [Nr. 19] bzw. Spängler und zurück (sehr viele Briefe)
- Fanny Kobler [Nr. 79] an Fanni Spängler, geb. Schlegel [Nr. 19] und zurück
- Richard Schlegel [Nr. 38] an Franz Spängler [Nr. 18]
- Otto Spängler [Nr. 18 a] an Franz Spängler [Nr. 18]
- Rupert Holzapfel [Nr. 8] an Hansi, seine Frau [Nr. 9]
- Johanna Holzapfel [Nr. 9] an versch. Personen
Nr. 78 Franz (Francesco) Castelli (1796-1832), Brescia
verlobt mit
Nr. 79 Fanny Kobler (1796-1886), Salzburg ↓ Nr. 75 Maria Anna Grassl (1774-1853) ↓ verh. mit ↓ Nr. 74 Franz Lürzer v. Zehendthal ↓ (Zechenthal), Hall in Tirol ↓
↓ ↓
Nr. 36 Franz Xaver Spängler (1793-1854), Salzburg Nr. 39 Zäzilia Amalia Kobler (1821-1848) verh. mit verh. mit Nr. 37 Maria Antonia Lürzer v. Zehendthal (1803-1882) Nr. 38 Richard Schlegel (1811-1881),
↓ Salzburg
↓ ↓
Nr. 18 Franz Spängler (1838-1912), verh. mit Nr. 19 Fanni Schlegel
Nr. 18 a Otto Spängler (1841-1919)
↓
Nr. 9: Johanna (Hansi) Spängler (1882-1973),
verh. mit
Nr. 8 Rupert Holzapfel (1868-1940), Krems und Unterach a.A.
Vgl. Otto Holzapfel, Rod: Familiengeschichte(n), [Privatdruck: Freiburg i. Br.] 1993, S. 12 f. (Spängler) und 28 f. (Lürzer von Zehendthal, Kobler, Schlegel) und darauf aufbauend das umfangreiche „Familienarchiv“ in mehreren Dateien. - Zur Zählung: Der Verfasser ist „Nr. 2“, sein Vater Rupert Holzapfel Nr. 4, der Großvater Rupert Holzapfel Nr. 8, dessen Frau Nr. 9 usw. Die geraden Zahlen ergeben direkte männliche Vorfahren, die entsprechenden ungeraden die Frauen dazu. Johann Spängler, 1627 in Taufers in Südtirol geboren, trägt so die Sosa-Nr. 576. Er ist Gastwirt in Sand in Taufers (heute das Hotel „Spanglerhof“). Später werden ein Mathias Spängler und ein Johannes Spängler als Kaufleute in Venedig genannt; Johannes Matthias Spängler, „mercator in Venetia“, ist 1758 Taufpate von Franz Josef Spängler, dem Vater von [Nr. 36] Franz Xaver Spängler. Die Handelsstraße zwischen Salzburg und Venedig hat bereits mittelalterliche Tradition (vgl. Dopsch, 1996, S. 228).
Runde Klammern ( ) sind aus den Briefen mitübernommen; eckige Klammern [ ] enthalten meine Zusätze. / Schrägstrich bedeutet zumeist Blattwechsel (nicht durchgehend markiert), manchmal (in diesem Zusammenhang) auch ‚Ersatz‘ für einen [fehlenden] Punkt. Durchstrichene Wörter und unterstrichene stehen so im Original, ebenso Kleindruck über einer Zeile. XX und XXX sind [für mich] unleserliche Stellen. – Natürlich wird eine derartige Datei nicht fehlerfrei sein; für entspr. Hinweise bin ich sehr dankbar. Aber ich bin zuversichtlich, dass die Briefe eine gute Quelle für die weitere Arbeit an Salzburgwiki.at darstellt. Mein Dank gilt für die Aufnahme in deren Obhut. Freiburg i. Br., Dezember 2020 / Otto Holzapfel.
1792
Fanny Kobler (1796-1886; Nr. 79) [Reste zerrissener Aktenstücke; nicht übertragen]: Salzburg 16.Januar 1792: Franz Elixhauser als Hochzeiter, Franziska Hofmannin als Hochzeiterin XXX XXX [Abschrift der Zeit von dem auch im Orignal vorhandener Ehe-Vertrag von 1792]/ Februar 1830, Franziska Kobler geborene Hofmann, Seraphin Kobler, Franz Hofmann als Zeuge XXX XXX 1839 Papiersiegel/ Salzburg am 13.Mai 1837: Seraphin Kobler Franziska Kobler./ Salzburg am 3.Oktober 1837: Seraphin Kobler Franziska Kobler/ Salzburg am 20.Februar 1841: Seraphin Kobler Franziska Kobler. – „Elixhausen“ ist ein Ort bei Salzburg.
1821
Franz Castelli [Nr. 78] an Fanny Kobler [Nr. 79]: [Peterwardein, 30.1.1821] No 3/ Liebe Fany. Gestern den 29.ten Januar (unwürdiger Tag meines Lebens) bin ich endlich in Peterwardein angekommen. Meine liebe, du kannst dir keinen Begriff machen wie traurig das verdammte Nest ist. In Neusatz wo man doch Menschen sieht, auf dem sich das Erträglichseyn der Festung stützt, sind lauter Juden, oder Kaufleute, bey denen das Intereße von allen Gesichtszügen hervorleuchtet; der 1.te Stock von allen Häusern, ist der Dachboden; ebene Erde, und 1.ter Stock zusammen, zählen zwey Fenster. In Peterwardein ist noch viel änger [enger], alles was sich dem Auge darbringt, ruft mir zu „Dienst, Dienst[“]. Bewaffnete, Arestanten oder Bürger die dem Straßenräuber ähnlich sehen, erregen Mittleid und scheinen mit Ihren ermatteten Blicke mir Trost zusprechen zu wollen, indem sie doch noch mehr leiden wie ich. Die Festungswerke sind sehr ausgedehnt, und alte Gräben mit stehendem verfaulten Wasser gefüllt; Ursache dessen hier auch die Luft peßtilenzialisch, und für meine Constitution (ich will sagen, Beschaffenheit des Körpers) höchst schädlich. Ich erwarte beynahe wollte ich sagen, mit Sehnsucht, die ohnehin unausbleibliche Krank[h]eit, um sie desto eher überstanden zu haben. Von meiner Reise werde ich dir nur das Merkwürdigste in kurzen Worten schreiben. In Wien ist nichts neues, und es regnet in einem fort. In Ofen und Pesth [Budapest] bin ich drey Tage geblieben. Schön gebaut, groß, lebhaft und bevölkert sind die zwei Städte, was ich aber sonderbar finde, ist: daß in der Hauptstadt Ungarns, höchstens der zehnte Theil Ungarisch versteht; und das keine stehende Brücke über die Donau ist. Bey Theresianopel sind mir zweymal die Pferde durchgegangen, der Wagen wurde schändlich zusammen gerichtet; mir aber im Schutz Gottes, [ist] nichts geschehen. Aus allen dem wirst du leicht einsehen, daß meine Lage nicht die beste ist, wenn sie noch dazu von deinem Stillschweigen verschlimmert wird, dann versichere ich dich Fany, ich würde es nicht aushalten können. Schreibe gleich, gleich, es fä[e]hlt dir nicht an Zeit, und Gelegenheit, aber deswegen kann ich dir auch nicht recht verzeihen, daß du nach Wien nicht geschrieben hast. Dem Herrn Doctor [Bayer] bitte ich alles schön auszurichten. Lebe wohl. Meine Unruhe über die Entwicklung unserer Verhältnisse, wächst alle Tage immer mehr, es ist nothwendig auf das Ende los zu gehen. Thue es, ich bitte dich, und beruhige mich mit dem nächsten Brief./ Peterwardein den 30.ten Januar/ Dein Castelli - „Peterwardein“: serbisch Petrovaradin, österreichische Grenzfestung; „Neusatz“: serbisch Novi Sad am linken Donauufer, Peterwardein ist Vorstadt dazu; „Theresianopel“: Maria-Theresianopel, ungarisch Szabadka, serbisch Subotica, an der Strecke von Budapest nach Semlin; „Doctor“: Dr.Bayer in Salzburg, siehe folgende Briefe. Zum Brief ist kein Umschlag erhalten, die zeitliche Einordnung ergibt sich aus der Briefzählung „No 3“. Die schwungvolle Unterschrift „Castelli“ ist etwas anders als in den folgenden Briefen (auch jeweils unterschiedlich unterschrieben und insgesamt mit gewissen Abweichungen in der Handschrift), doch die vier Briefe (drei von 1821 und einer von 1827) stammen sicherlich vom selben Castelli (siehe unten).
Franz Castelli an Fanny Kobler: [Peterwardein, 8.3.1821] Liebe gute Fany/ Zwischen Hoffnung und Furcht war ich bis jetzt unentschlossen, ob ich dir oder dem Doctor [Bayer] schreiben soll, um die Ursache deines Stillschweigens zu erfahren. Meine Fantasie beschäftigt sich immer mit verzweyflungsvollen Gedanken, die mich den ganzen Tag peinigen und martern. Wie sehnsuchtsvoll warte ich auf die Ankunft der Post, aber immer vergebens; wie kannst du mich so tief kränken, und mir einen ganzen Monathe deine Nachrichten berauben. Jede Ursache, die ich zu deiner Entschuldigung ausstudiere, ist für mich wie ein P[B]litzstrahl im Herzen, denn entweder bist du ja schon krank daß du die Feder nicht regieren kannst, oder deine Liebe zu mir, hat sich so weit erkältigt daß du sogar auf deine Pflichten vergißt. Diese beyde[n] für mich gleich entsetzliche[n] Bilder, mahlen [malen] sich in vielerley Gestalten vor meiner Einbildungskraft, und verursachen mir sehr bittere Stunden. Meine theuerste Fany ich bitte dich wenn du mich je geliebt hast, schreibe, schreibe. Laße dir die paar Minuten nicht berei[u]hen, die du mir widmest, denn sie üben mir große Wohlthat aus. Vom Doctor weis ich auch noch nicht was seine Krankheit für ein Ende genommen hat[t]e. Das Schicksal hätte bey Gott kein böseres Spiel mit mir ausüben können, als mich in eine solche Lage zu versetzen. Ich, von der Menscheit verbannt, diejenige, die einst mein Leben versüßen soll außer Stand zu schreiben, und der einzige Grund von dem ich Trost abwarte entweder auf mich vergeßen, oder untunligst selbst diesem bösen Geschicke. Von nun an werde ich dir nicht wieder schreiben, bis ich nicht von dir was erfahren habe. Lebe wohl, und beglück mich bald mit einigen Zeilen. Deine Gegenliebe zu beSitzen, dich meiner Beständigkeit würdig zu wißen wird stets der große Lohn seyn, den ich für alle meine Schritte, und Bemühungen am liebsten abwarte, und wodurch ich nie aufhören werde zu seyn/ Peterwardein den 8ten März./ Dein getreuer C.... - [Briefumschlag:] „No.5“/ Ovalstempel: „Peterwardein“/ „An Herrn Doctor von Bayer/ hochwohlgeboren zu Salzburg/ abzugeben in Johannes Spital“. St.Johanns-Spital in Salzburg, Vorstadt Mülln, seit 1695 Krankenhaus der Aufklärungszeit (vgl. Dopsch, 1996, S. 332 f.). - Rotes Siegellack: Helm und Waffen, kleines Wappenschild‚ bewaffneter Mann mit Palmwedel [?]. Daneben Stempel (sehr undeutlich): Salzburg 18 März 1821 [?]. Auf dem Umschlag „No.5“, der Brief selbst nicht nummeriert, aber die Zuordnung scheint mir sinnvoll (Größe, Faltung, Inhalt). Der Brief ist mit „C“ und vier Punkten unterzeichnet.
Franz Castelli an Fanny Kobler: [Peterwardein, 29.4.1821] Brief, grauer Umschlag bezeichnet „Nr. 9 – Peterwardein – An Herrn Doctor Bayer hochwohlgebohren zu Salzburg – abzugeben im Johannes Spital“, postalischer Ovalstempel „Peterwardein“, Siegel (ohne erkennbares Wappen). – „auch [?] Nr. 6.“ [! der Brief an Fanny lag wohl dem Brief an Dr. Bayer bei, der ihn weiterbeförderte?] Liebe, gute Fany. Seit der Zeit, daß ich in Peterwardein schmachte, habe ich schon fünf oder sechs mal das, für mich empfindsamste Beyspiel erlebt, daß bekannte Frauen stolz auf die gegebenen Beweiße ihrer Gefühle, in den Armen ihrer Männer, und unter ihren Liebkosungen, und immer zuerfreuende Freuden das Ziel ihrer Liebe glücklich erreicht, und nun wieder frisch, und gesund, das nehmliche was für uns Unglück war, mit tausend Freuden erwarten [sie erwartet von ihm ein uneheliches Kind]. Bey solchem Anblick ist die Empöhrung meines Gemüths auf das höchste, und nie werde ich mich genug über das Schicksaal beklagen können, das mich mit dem peinigt, was einen anderen beglückt. Das unterstrichene im Anfang dieses, habe ich schon als nothwendig in meinem vorigen Brief anvertraut, und in Anwendung gebracht [Nummerierung des Briefes? Brief „Nr. 5“ geht dem voran], thue das nehmliche damit ich weis, ob du meine Nummern richtig erhaltest oder nicht. Vor kurzem erhielt ich einen Brief von meinem Vater, ich schrieb ihm wieder, ich machte jedoch von dir noch keine Erwähnung, denn der beste Wille mich auszuhelfen, könnte bey den bestehenden Verhältnißen nicht das mindeste verändern. Er soll alles erfahren, jedoch nur dann wenn alles den besten Erfolg zu erwarten hat. Der gegenwärtige Zustand meiner Gesundheit trotz der sehr häufigen Krank[h]eiten, die ich hersche [?], läßt mein [mich] glauben daß Gott mich in seinem Schutz genommen hat, ob das durch mein Verdienst, oder deinetwegen bewirkt wird, ist mir unbewußt, ich fühle nur daß meine Beständigkeit zu dir, dieser Gnade würdig ist. Ich beschäftige mich Sogleich mit dem Gedanken wie du jetzt aussehen magst, und jede Vorstellung meiner Einbildung, verschaft mir Freude, und Schmerzt. Du warst ja manchmal so gut mir in der Wirklichkeit zu erscheinen, erscheine mir jetzt wenigstens im Traum, jedoch mit deiner wahren Gestalt daß ich dich sehen, bewundern, und mich in meinen Handlungen erkennen kann. Liebe Fany, unseren Glauben verspricht Vergeltung für alle Leiden, wenn das ist, so muß die Natur nun Freuden erschaffen, oder unsere Zusammenkunft beschleunigen, denn das erlittene ist größer als jede zu erwartende Freude. Jetzt habe ich zu viel zu thun, so bald ich einen Tag frey haben werde, werde ich nicht XXXgete für den Herrn Doctor etwas für seinen Stammbuch zu zeichnen, er möchte indeßen gedulden, und mich nicht meiner Nachläßigkeit beschuldigen. Deinen Eltern alles erdenkliche, und an die Familie Laschinki [Laschensky] meine Empfehlungen, auch vergiß nicht die Therese, die ohne Zweifel von allem erkundigt seyn wird, recht herzlich zu grüßen, und trag ihr auf auch dir von meiner Seite tausend Pußeln [Busserln] zu geben. Die Streitigkeit wegen der Unterschrift ist nun zu Ende, die Parteyen mit friedlichen Gesinnungen beseelt, wollen sich mit Güte vertragen und durch mich den ersten Beweis der gütigen Uibereinkunft und Versöhnung geben – Den 29te April [1]821. Dein dich ewig getreuer Petergribier [? Peterwardeiner]: Franz Castell[i]
Franz Castelli an Fanny Kobler: [Peterwardein, 10.6.1821] Theuerste Fany/ Vor zwey Wochen mußte ich in der größten Eile nach Semlin um einen Grund aufzunehmen, und einer Schatzung [Steuerschätzung] beizuwohnen; vor der Abreise war es mir nicht möglich deinen Brief zu beantworten, in Semlin ergab sich keine Gelegenheit, nun aber daß ich wieder zurück bin, erfülle ich meine erste Pflicht, dich von meiner Abreise, Aufenthalt, und Ankunft zu benachrichtigen. Obschon von Geschäften, und Aufträgen aller Art überhäuft, ließ ich doch diese Gelegenheit nicht unbenutzt, um nach Belgrad zu fahren. Der Uibergang von unserem ins türkische Land ist zwar, wie von einem schön möblirten Zimmer, in einem[n] Schweinstall, es bleibt doch deswegen diese Fahrt höchst intereßant, und der schandvolle Anblick ihrer Wildheit, gewährt uns das Bewuß[t]seyn einer beßeren Existenz. Ich wurde beym Wisir [Wesir] aufgeführt, er war sehr galant, ließ mir sogleich einen Stuhl bringen, der gewiß zu schlecht für eine Küche wäre, wartete mich mit Caffé auf, jedoch ohne Zucker, und presentierte mir eine Pfeiffe; das Einzige was man bey ihnen schön heißen kann; ich schmauchte sie mit Gusto ganz aus, und bewunderte indeßen die Anwesenden seines Gefolge[s], die sich um uns versammelt hatten. Wir gingen von ihm, in die Stadt um die Paläste zu betrachten. Trümmer, Brandstätte, Steinhaufen, und die aus der Erde noch hervorragende Knochen, erinnerten uns noch an die letzte Belagerung. Damit du einen Begriff von der Bauart der Türcken faßen kannst mag es hinlänglich seyn zu erinnern, daß im Hofe des Hauses des Gouverneurs Misthaufen verbrannt werden; daß die Fenster in seinem Appartement, mit Papier verpappt sind, und daß der Wisir in seinem Audienz Saal über die vermorschten Löcher des Fußbodens stolpern muß, auch haben in diesem Saal die Schwalben ihre Nester, und die Spinnen ihr Gewebe mit höchster Zulaßung aufgebaut. Nun auf uns. Mein Schreiben No.10 wirst du empfangen haben, auch ich erhielt das deinige, du sprichst von banger Erwartung, ich von Furcht; nun wird aber (ich darf an die Gerechtigkeit Gottes nicht zweyfeln) alles das erwünschte, glückliche Ende erreicht haben. An Versöhnung darf ich noch nicht hoffen. Ich halte auch so bald nicht darum an; wie deine Schmerzen sich lindern werden, wird auch dein Herz jeden Zug des Haßes verlaßen. Ich bin in der größten Erwartung deiner Nachrichten. Deine Gefahr laßtet so schwer auf meiner Seele, daß [ich] jeden Sinn für das gesellschaftliche Leben verlohren habe. Gute Fany, tröste mich bald mit erfreuliche[n] Nachrichten, und laße die edle Rache deines Haßes mit Wohltahten [!] erfolgen. So bald es mir möglich ist werde ich dem Herrn Doctor [Bayer] ein paar Zeile[n] schreiben, es ist aber nicht recht, daß er gerade auf mich wartet; er könnte mir wohl außer der Tour auch das Vergnügen verschaffen seine Nachrichten zu lesen. Wenn du es für schicklich glaubst, wiederhole bey deinen Eltern, statt meiner, meine Versprechungen. Ich halte es bey dir [für] unnötig. Empfehle mich bey der Familie Lasch[e]nsky, bey deinen Eltern und dem Doctor, und laße mich bey dir besonders empfohlen seyn, nicht wie ich es verdient habe, sondern wie ich durch die Vollziehung meines Versprechens [die Familie mit Kind später ernähren zu wollen] es verdienen werde. Lebe wohl. Den 10.ten Juny 21. Peterwardein. Dein aufrichtigster Franz - „Semlin“: Vorstadt von Belgrad; zuletzt 1789 von den Österreichern erobert [„letzte Belagerung“], aber weiterhin türkische Garnison. „Grund aufnehmen“: Castelli ist (militär.) Landvermesser. - Briefumschlag, gesiegelt mit rotem Lack und ‚großem Wappenschild mit Helm vor Fahnen und Kanonen’, auf dem Schild (auch im Vergleich mit dem zweiten, gleichen Siegel) ein verschlungenes F und C [Franz Castelli]. Brief sehr undeutlich gestempelt: XXrg.: Salzburg 20.Jun.XX21 [1821]. Adresse: „No.11“ [private Briefzählung]/ „Peterwardein“/ undeutlicher Ovalstempel: „Peterwardein“/ „An Herrn Doctor von Bayer/ hoch und wohlgeboren zu/ Salzburg/ abzugeben in Johannes Spital“. - Die Familie #Laschensky (auch im vorstehenden Brief vom 29.4.1821) gehört zu den angesehenen Familien der Stadt Salzburg (vgl. Dopsch, 1996, S. 363). In dem Geburts- und Taufschein [Abschrift von 1939] von Zäzilia Amalia Kobler, geboren am 14.Mai 1821 in Salzburg (also gut 5 Wochen vor diesem Brief vom 10.6.! Ist das das im Brief erwähnte „glückliche Ende“?), ist als Mutter eingetragen: „Franziska Kobler, des Franz Seraph. Kobler, Bierbrauers und der Franziska Hofmann, dessen Gattin, eheliche Tochter“. Als Pate erscheint: „Cäcilia Laschensky, bürgl. Baumeistersgattin“ [Tauftaler 1848 und Begleitzettel von Cäcilia Laschensky für „Franziska Schlögl“, Münze in der Münzsammlung 18 F.X.Spängler]. - Vater „nicht eingetragen“ (siehe auch nächstfolgenden Brief von 1827); vgl. Partezettel für Cäcilia Laschensky, 84 Jahre alt, Salzburg 1877.
1822
Franz Castelli an Fanny Kobler (1796-1886; Nr. 79): Briefumschlag „Madmoiselle Mad.lle Françoise [Fanny] de Kobler, Salzburg“ aus „Podvin“, handschriftlich „von Brod“, No. 22; Reste von rotem Lacksiegel, Ankunftsstempel Salzburg 7.11.1822. – Briefbogen, „No.22“, „Theuerste Fany. So eben komme ich von einer Hochzeit, meine Rolle war diesmahl wichtig, ich war Beystand jetzt stell[s]t du dich vor wie mir zu Muthe ist, die schöne Braut war dir sehr ähnlich wodurch meine Einbildungskraft XXX Luftschlößer gehabt hat. Wie glücklich würden wir beide wenn nur die Hälfte meiner eingebildeten Glückseligkeiten zur Erfüllung gebracht würden. XXX Es sind nun bald zwei Jahre daß wir getrennt leben und unsere Verhältniße haben sich nicht um das mindeste gebeßert XXX da ich täglich stummer bleibe. Im Monate Jänner künftigen Jahres wird die berühmte Lotterie über die Grein(?)schaft Ernsdorf gezogen. Diesmahl XXX, und nie wieder, da würden wohl alle Bedenklichkeiten ein Ende haben. Indeßen glücklich kann ich seyn, aber leider immer nur im Traum. Der Unfall meiner Amalia war ein wenig ungeschickt, der Dienstboth hätte wohl verdient XXX zu werden. Ich brauche dir nichts Einkünftlig zu XXX du sollst jetzt sorgen, ich später. Lebe wohl, grüße deine Aeltern. Brod den 4ten XXX 822. Dein dich ewig liebender Castelli. - „Amalia“ Castelli/ Kobler ist über ein Jahr alt.
1826
Maria Anna Lürzer von Zehendthal [Nr. 75] an Franz Xaver Spängler [Nr. 36]: [Hall in Tirol, 17.4.1826] [...abgerissene Briefteile] verhältnisse setzen, Sie [...] würde; den na[c]h disser berufung, welche [...das Weitere ist weggerisssen] Ihnen beizt [?] und, aus zu führen, wen es eine Unnag[XX? das Weitere ist weggerisssen] aus disser Handlung fortkomen zu könen. Sie könen nicht wohl anders als auf bessere Zeiten warten, alles zu nuzten. Indessen, walten aber, no[c]h immer die nehmlichen Verhältnisse ob, wie damals, als Sie um u[n]ssere Tony [Maria Anthonia Lürzer, Nr. 37; er heiratet sie im November 1826] anhielten, Sie sind no[c]h immer in der Scheztnerischen [Gschnitzer] Handlung, u[n]d weis Gott wie lange, es sich no[c]h hinaus zieht, bis ein Käufer, oder Pächter, zu disser Handlung vorkömmbt; u[n]d findet sich au[c]h disser, so wird es dissen villeicht sehr erwünscht seyn, wen Sie no[c]h in der Handlung bleiben, wenigstens, eine Zeit, und [...eine halbe Seite weggerissen] waren, allein es erstens [?] sich hierbey [...] der Etablierung, auf eine art geschehen müße, wobey die Subhüflen [-hilfe, Unterstützung] gesichert were; da aber um die Handlung [die] verhältnisse so schlecht stehen, wird es besser seyn, gegenwärtig nichts zu kaufen sondern, das gewisse, den ungewissen vorzuziehen; und wie Sie schon anfangs gewolt, als Spetitur in die Scheztnerischen Handlung zu heyrathen; wo Sie doch leben können, und nichts wagen dürfen von Ihren Vermögen; auf uns ist Ihre offenherzig sagen, würde sich die Tony, wenn das Ziel ihrer Wünsche noch gar so weit sich hinaus ziehen würde, sich gar zu sehr ab härmen, ich spreche ihr nach kräften Worte des trostes zu, führ ihr Muth einzuflössen. Sie ist au[c]h oft ganz getröstet; allein, es gibt hier so ville bösse oder villmehr unkluge Menschen, welche sich die undelikatesten bemerkungen erlauben ihr in das Gesicht zu sagen, und mein ganzes gebäude, welches ich mit Mühe erbaut, stürzt dann in einem Nu zusammen. sie weint dan ein par Stunden und nur mit Mühe kann ich sie dan beruhigen, weill sie alles erst tief fühlt, und sie wirklich oft gekränkt wird. Das beste ist, daß ein Gott über uns waltet, u[n]ssere Schi[c]ksale leitet, und alles zu u[n]sseren besten wendet; auf dissen wollen wir u[n]sser Vertrauen setzen. Uns alle in seinem göttlichen Schutze verlassen und bleibe ich stets die mit aller Liebe Sie auftente [?] Lürzer. Meinn Mann küst Sie herzlich mit mir - „An des Wohlgeborenen Herrn Franz Xaver Spangler in Salzburg“; vorpostalischer Stempel: XX Salzburg 18 Apr.XX. Ohne Absender; handschriftlich „1826 v Lurzer M. A Hall 17 April Empf[angen] 18 April Beantw[ortet] 3 May“ [Maria Anna Lürzer, Hall in Tirol]. Reste von rotem Siegel. Anfang des Briefes auf einer halben Seite abgerissen; dadurch fehlt auch auf der zweiten Seite eine Hälfte. Vieles ist schwer zu lesen; die Anschrift ist mit anderer Hand und anderer Tinte. Im Brief sind einzelne Zusätze bzw. Verdeutlichungen mit anderer Hand und anderer Tinte darüber geschrieben (hier nicht besonders vermerkt). Praktisch durchgehend steht „ud“ für ‘und’ und „ih“ für ‘ich’, „noh“ für ‘noch’ und ähnlich (hier nicht besonders vermerkt; ‘ch’ oft nur als ‘h’, ‘sch’ als ‘sh’ abgekürzt geschrieben). Bei einigen Lesungen bin ich mir weiterhin unsicher. - „Tony“: Maria Anthonia (Antonia) Lürzer v. Zehendthal, geb. 1803, aus Hall in Tirol, heiratet am 14.11.1826, sieben Monate später, Franz Xaver Gregor Spängler, geb. 1793, der als Spediteur bei „Math. Gschnitzer“ in Salzburg arbeitet („Scheztnerische Handlung“). Im Trauungsregister von 1826 steht „Spediteur bei der Schastznerl. Handlung“. Ab 1828 gibt es die Duregger-Handelsgesellschaft, in die später Carl Spängler einheiratet, woraus sich 1870 die Spängler-Bank entwickelt. Die Familie #Gschnitzer gehört zu den angesehenen Handelsfamilien in Salzburg; von 1847 bis 1850 ist Matthias Gschnitzer Bürgermeister (vgl. Dopsch, 1996, S. 641), von 1854 bis 1861 dann Alois Spängler. - Die Briefschreiberin ist die Schwiegermutter von Franz Xaver Spängler [Nr. 36], d.h. die Großmutter von Franz Spängler [Nr. 18], geb. 1839 (siehe folgenden Brief an die Mutter): Maria Anna Grassl [Nr. 75], geb. 1774 in Wien, gest. 1853 in Hall in Tirol; verh. 1796 in Salzburg mit Franz Lürzer von Zehendthal (1768-1830) [Nr. 74].
1827
FRANZ CASTELLI [Nr. 78] an FANNY KOBLER [Nr. 79]: No 35 [Venedig, 1827] Liebe Fany. Daß ich dir so lange nicht schrieb, waren die Verhältniße in denen ich bis jetzt verwikelt war daran Schuld. Ich versuchte wie du weißt meinem Bruder eine Civil Anstellung zu verschaffen, es wäre mir sicher gelungen, aber der gute Mann anstatt sich die Kenntniße zu erwerben die ihm erforderlich waren, und durch Fleiß und Studium das einzuhohlen, was er vernachläßigt hatte, fing an ein liederliches Leben zu führen, auf meine Rechnung Schulden zu machen etc. etc. Die Sachen gingen zu weit, als daß ich nicht Einhalt zu thun trachten sollen, und beschloß ihn zu entfernen. Gesagt, gethan, er ist nun nach Petersburg [Peterwardein?] abgereist, die Expedition kostet mir freylich über 300 fl [Gulden] Münzen, ich hoffe aber daß diese für ihn die letzte Auslage seyn wird, und daß ich, wenn nicht bald, doch mit der Zeit die ungeheuren Lücken ausfüllen werde, die er auf eine sehr indiscrete Weise hinterlaßen hat. - Die Amalia hat von mir viel zu fordern, ich weis es, und werde mit nach, und nach meine Schuld abtragen; auch du bist meine Gläubnerin, und auch mit dir hoffe [ich] in Balde in Ordnung zu kommen, und zwar dadurch daß ich die Gelegenheit benutze in Brescia, wo ich um meinen Vater, und die Schwester zu besuchen, auf ein Paar Wochen auf Urlaub gehen möchte, von meinem guten Freunde, und zugleich guten Mahler ein Portrait machen laße, und dir zusende. Daß ich so lange damit warten laße, wirst du vergeben, ich denke wohl immer daran ohne es machen laßen zu können. Ich übersende dir 15 fl C.M. [? Kurant-, gängige Münze] mehr kann ich nicht, weil selbst diese mir schwer fallen. Wir haben das Project fahren laßen, hier das Geld zu erlegen, daß dir von meinem dortigen Haus [Bank] gezahlt wurde; der erste Versuch hat wohl fehlgeschlagen. Man sollte aber noch weiter fragen, vielleicht wäre auch dieses einzuleiten möglich. Ich erwarte recht bald Nachrichten von dir, und von der Amalia, so wie einige Erkundigungen über deine Familie die ich freylich grüßen laße. Addio Fanny/ Venedig den 19.ten N[ovem]ber [1]827./ Dein aufrichtiger Freund Castelli - Brief mit stark vergilbtem, grauen Umschlag, gefaltet, dreimal mit rotem Lack versiegelt: zwei verschiedene Siegel: österreichischer ‚Doppeladler mit Kaiserkrone’, Inhalt vom Wappenschild nicht erkennbar und Umschrift, und ‘Helm mit Fahnen-Hintergrund vor großem Wappenschild’ und verschlungenem F und C: mit kräftiger Tinte: „No 35 1.)“; mit anderer, blasser Tinte: „de Venice“ und „A’ Mademoiselle Mad.lle Francese [?] de Kobler“ „fl 20 x“ [1 Gulden 20 Kreuzer?] und „Salzbourg.“ und „abzugeben beim höhlbräuer mit 15 fl.C.M.“ - „Petersburg“: wohl das österreichische Peterwardein, Serbien (siehe oben). Adressiert ist der Brief von 1827 mit „abzugeben beim Höllbräuer“ (mit dieser Lesung bin ich mir auch ziemlich sicher, obwohl die Schrift sehr verblaßt ist) an Franziska (Fanny) Kobler [Nr. 79], geb. 1796 in Salzburg (gest. dort 1886 als „vormals Besitzerin des Höllbräuhauses“). Das Gasthaus „Zur Hölle“ (heute „Altstadthotel Radisson“) in der Judengasse 15 steht auf dem Platz (und sinnigerweise als ‚Hölle‘ auf den Mauern?) der alten Synagoge, die nach dem Progrom von 1404 verlassen werden musste (vgl. Dopsch, 1996, S. 161, 189 f., 243; oder bereits 1349, vgl. S. 177). Die ‘Höllbräuin’ ist ebenfalls die Schreiberin weiterer Briefe in dieser Sammlung an ihre Enkelin Fanni Spängler. - Fanny Kobler bekommt ein Kind (Nr. 39, Zäzilia Amalia Kobler: in dem Brief „Amalia“) mit (dem in der Geburtsurkunde nicht eingetragenen) Franz Castelli [Nr. 78] aus der Lombardei; sie ist, wie es heißt (so Trudl Widerin) „verlobt mit Francesco Castelli, geb. 17.7.1796, gest. 17.4.1832, aus Brescia; Oberlieutenant im Genie Korps, durch Briefe Anerkennung der Vaterschaft“ [was sich in den Briefen hier bestätigt]. Der Briefschreiber nennt hier seine Vaterstadt Brescia. - Die Tochter Cäcilia Kobler (1821-1848) heiratet 1846 in Salzburg Richard Schlegel [Nr. 38], und deren Tochter, Franziska Schlegel [Nr. 19], geb. 1.6.1848 in Salzburg, heiratet Franz Spängler [Nr. 18]. Zur Zeit dieses Briefes von Franz Castelli ist die Tochter 6 Jahre alt. Einer Notiz von Trudl Widerin entsprechend gehören die drei kleinen Portraits (zwei davon Abbildung unten, links, das dritte rechts), bezeichnet „Spitzer pinxit 1825“ und „1827“, wahrscheinlich hierher; eines davon, 1827, zeigt offenbar die blondbezopfte Zäcilia Amalia Kobler (1821-1848 = Abbildung unten rechts; Foto ganz rechts als erwachsene Frau). Die Miniaturmaler sind sozusagen Vorläufer der Porträtfotografen. Um 1840 ist der Wandel in diesem Gewerbe weitgehend abgeschlossen; man geht zum Fotografen (vgl. einen der folgenden Briefe).
1832
FANNY KOBLER (1796-1886; Nr. 79): Buchseite herausgeschnitten, rosa Rückseite (Vorsatzblatt), jeweils durch einen Strich getrennt: 1832. den 20ten April starb mein unvergeßlicher Fo. Castelli/ 1837. den 17ten April starb meine brave, gute, gute Mutter./ 1841. den 30ten Jenner starb mein lieber, guter Vater./ 1842. den 14ten May starb mein guter Bruder./ 1848. den 14ten Juni starb meine liebe, gute, gute Maly [Amalie Kobler]./ Gott gebe das wir uns Jenseitz alle wiedersehen./ [Abstand und mit etwas anderer Schrift:] Die gute Betti Katzinger ist den 10ten August 1881 in Grein an der Donau gestorben. – Vgl. Partezettel für Betti #Katzinger, 56 Jahre alt, 1881. Sie ist eine geborene Kobler, Fanny Kobler nennt sie an erster Stelle unter den „Legaten“ in ihrem Testament von 1878; sie ist Fannys Cousine. Ein Bruder Wilhelm Kobler ist in Linz. Vgl. viele Briefe [bisher ungelesen]: „Betti“ an „Mali“ [Amalia Kobler, Fanny Koblers Tochter, welche einmal als Bettis Nichte, zumeist aber als deren Freundin und Herzensfreundin unterschreibt], Mali and Betti (1844 bis 1848); ein Brief Betti Katzinger an Fanny Kobler (1880).
1833
Brief an [Nr. 79] Franziska, Fanny KOBLER (1796-1886) von [Nr. 78] Francesco (Franz) CASTELLI (1796-20.4.1832), vgl. gemeinsame Tochter [Nr. 39] Cäcilia Amalia Kobler-Castelli (1821-1848). - [Briefbogen gefaltet, Siegel fehlt] A Mademoisel Francoise Kobler. Ricapito presto Hóllbr[äurer] a Salisburg. [undeutliche Stempel:] RES GEN[X] 28 / A SALZBURG 3 FEB 1XXX [1833]: [unsichere Lesung, vielfach „u“ für v:] Sig/n Janni Stim/men [?]. Se tardai sino ad oggi a dos riscontro alla casa scea del 8 curente deue atribuisla al interessamento che senta il mio cuore a tante disauentura sucesse alle nostra Famiglie quali ni occupasso la mente che non so come prender la pena in mano per compicor il mio douare di repondere a si compassionati lettera – Sapia adunque che tutt ora presente sono anur alle siccro di quassto posso auer lasciato il pouero Capitano esenda parte de suoi effetti a Venezia presce il Genio, e parto a Brescia in casa de mio Genero sotto sugallo; e come dissi io non tengo presso di me il piu picolo degli efetti fasciati, per conseqenzo non so se il portafoglio che dica sia a do una parte o dal altra, mi fo pero Carico di n’ntraciati al momento opotune e se mi viesce ouerti di forme tosto la spedizione el suo addressa. - Con le sue lettera che erano presso di me esequi li suoi ordini; aurei molte cose a dira ma a che giono quando l’impotenzo mete in ridicola la speranza. – Mi tengo nel numero degli infelici dio mi Baccio allo figlio, e attendiamo un maglio avenia e con tutto stimo e amori sono – Brescia 06 Genajo 1833 – il Suo aff Gio Anto [anderer Brief: Giovanni Anto.] Castelli – Aus „Brescia am 6.Januar 1833: Wenn sich bis heute die Begegnung in seinem Haus verzögert hat, am 8. dieses Monats... verliere ich das Interesse mit allem Unglück, das unsere Familie verfolgt und meinen Geist belastet um, wie eine Strafe die Pflicht zu erfüllen, mitleidenswerten Briefen zu antworten. Ich weiß also, dass ich jetzt nur von der Vergangenheit... von einer Seite die Zuneigung des Capitans in Venedig..., auf der anderen Seite in Brescia in dem Haus, das mein Schwiegersohn unter... und wie gesagt... ich kann nicht in der Nähe von diesen kleinen, wunderbaren Zuneigungen, von deren Nachfolge ich nicht weiß, und nicht sein Portefeuille, wie die einen oder die anderen, mir macht in dem günstigen Moment die [Urkunde]... und alle Formalitäten für die Spedition an seine Adressse. – Mit seinen Briefen, die mich verpflichtet haben, mich immer an seine Anweisungen zu halten... und viele Worte sagen, aber die Unfähigkeit macht diese Hoffnung lächerlich. Ich halte mich an die Zahl der Unglücklichen, gib dem Sohn [!] einen Kuss und wir warten auf eine bessere Zukunft. Mit aller Achtung und Liebe bin ich ihr...“ - Franceso Castelli ist bereits am 20.4.1832 verstorben; der „Kuss“ soll wohl der Tochter Amalia Kobler gelten, 12 Jahre alt. Den Brief, den offenbar ein Verwandter schreibt [vielleicht ein Bruder, vgl. Brief von 1827; der Vater schreibt auf Deutsch], kann ich auch wegen mangelnder Italienisch-Kenntnisse kaum entziffern; eine Kollegin hat ihn mir bruckstückhaft zu übersetzen versucht.
1840
Brief (gefaltet, mit gebrochenem roten Lacksiegel= sechszackiger [jüd.] Stern mit [nicht erkennbaren] Buchstaben; keine Adresse angegeben [Umschlag fehlt?]) an [Nr. 39] Cäcilia Amalia KOBLER-Castelli (1821-1848): An Fräulein Mally Kobler. – Festung Königstein den 7 Novbr. 1840. Werthestes Fräulein! Schon hatte ich die Hoffnung, daß Sie Wort halten und schreiben würden, fast aufgegeben, und war entschlossen, statt an Sie, an Ihr Fräulein Schwester [!] Fanni zu schreiben, um Sie zu verklagen- als ich von einer Landpartie zurückkommend, am 3 Novbr. höchstangenehm durch die Zeilen Ihrer Hand überrascht wurde. Aber wie lange sind di[e]se- schon am 28 Septbr geschriebenen Worte unterwegs gewesen!- Destomehr beeile ich mich, unverzüglich zu antworten, um Sie nicht längere Zeit in dem Argwohn zu lassen, daß wir so schnell vergessen könnten, als wir schnell liebgenommen. Das läßt kein ächter Sachse sich zu Schulden kommen!- Uiber unsere weitere Reise von Salzburg aus werden Sie ohne Zweifel einen ausführlichen Bericht von meiner Schwägerin erhalten, [w]ie Sie ja auch durch ein längeres Schreiben von d[e]n übrigen Reisegefährten begünstiget haben [sind]. Daß es uns aber nirgends wieder so wohl geworden ist, als in Salzburg, muß auch ich Ihnen bekennen. Im Bilde hängt das herrliche Salzburg über meinem Schreibepulte, und das Bild ist mir doppelt werth, weil es Salzburg von der Seite darstellt, die Ihr freundliches Wohnhaus zeigt. – Auch nicht der mindeste Unfall ist uns auf der Reise nach der Heimath zugestoßen, und im besten Wohlsein traf ich die Meinigen zu Hause an. Meine gute Frau sah sich für die lange Trennung reich entschädigt durch die Mittheilung all des Guten, das uns zu Theil geworden. Ihre Grüße giebt sie Ihnen freundlichst zurück. - Den Triumph der feinen Bratkunst müssen wir Ihnen schon lassen, wenigstens was die Salzburger Nudeln [Nockerln] und den Kugelhupf betrifft. Denn, so viel ich weiß, sind alle Nachahmungen seither nur unglückliche Versuche gewesen. – Zum Schlusse noch eine Versicherung und eine angelegentliche Bitte.- Es gewährt mir ein besonderes Vergnügen, mir alle di[e] Personen öfter zu vergegenwärtigen, die ich in einem Hause kennen gelernt, in dem es mir so wohl gegangen, Ihren wüdigen Herrn Vater, wie er mir die Geschichte von dem verbo[r]genen Thaler erzählt, Ihren ernsten Herrn Bruder, der mit stiller Freundlichkeit doch lebhaften Antheil an unserer Freude zu nehmen schien, Ihre achtunggebietenes Fräulein Schwester Fanni, mit welcher nicht öfter und ausführlicher haben sprechen zu können, mir heute noch herzlich leid thut. Die freundliche Nanni, wir sie mir den Brief meiner Frau überreicht, die finstere Eisi, wenn sie den würzigen 1834er Rebensaft und das kräftige Märzbier auf den Tisch brachte, selbst die blonde Kati, die Ihnen einen kurzen Besuch machte, und endlich unseren diensteiligen Josef H Koburger der ohne mich zu fragen auf der Partie nach Berchtesgaden meinen Mantel beim Stegergasse umgenommen und meine Landkarte geXXXrichen ließ.- So bitte ich Sie denn auch, nicht nur alle, denen etwas daran gelegen sein könnte, meines freundlichen Andenkens zu versichern, sondern mir auch zu versprechen, daß Sie mir, insbesondere was di[e] ehrenwerthen Mitglieder Ihrer geXXdenen Familie betrifft, wenn auch nur eine kurze Nachricht geben, sobald Einem derselben irgend etwas von Bedeutung begegnet. Eine Verlobungskarte dürfen Sie mir nun gleich gar nicht schuldig bleiben, wenn Fanni oder Malli sich unter das Ehestandsjoch beugen sollten.- Und wie stehts mit Ihrer Reise nach Sachsen? – Ich meines Theils kenne keinen schöneren Reiseplan für di[e] Zukunft, als eine zweite Reise nach dem wunderreizenden Salzburg. Möchte ich, wenn der Himmel mir diese Freud[e] zu Theil werden läßt, Ihre Heimath wieder zu sehen, auch die Freud[e] haben, des Lebens und Glückes Ihrer ganzen Familie Zeuge zu sein, und nicht als ein ganz Fremder in Ihrem Hause empfangen werden! – Möge es Ihnen allen so wohl gehen, als es von ganzem Herzen wünscht Ihr dankbar Ergebenster Paul C. Reschig. - „Vater“, „Bruder“, „Schwester“: Die Mutter ist [Nr. 79] Franziska Kobler (1796-1886), Amalia ist ihr uneheliches Kind. Es gibt einen Bruder der Mutter, [Nr. 79 a] N.N. Kobler ( -1842), und einige Cousins und Cousinen: Betti Kobler, verh. Katzinger (1825-1881) [in Schärding und Grein], Wilhelm Kobler, Luise Kobler, Paul Kobler und Babette Kobler, verh. Weyrer. - „Fanni oder Malli“: Die Mutter Fanny ist 44 Jahre alt, die Tochter 19; sie könnten einem Außenstehenden vielleicht als Schwestern vorkommen. Dem Porträt der (älteren) Höllbräuin nach war sie eine wunderschöne Frau. „Malli“, die Briefempfängerin Amalia, heiratet 1846 Richard Schlegel.
Kobler-Spängler-Briefe = nicht näher identifizierte Reste [rot verschnürt, nicht gelesen]: u.a. Salzburg 1843; 1845 (?); „Heirats-Antrag“ (Briefpapier „Lida“); gedrucktes Trostgebet 1827; Foto Salzburg Lida und Fanni Schlegel (?); Tagebuch-Notizen 1843; Brief Kufstein 1840; „Liebe Schwiegermutter!...“ (mit Bleistift = Entwurf?) [gleicher Eintrag 1843].
1841
17.1. siehe: „Verlobung“ Sept. 1871 [Theaterzettel u.ä.]
1842
W.[Wiener] Neustadt am 27 Aug. [1]842 [Brief von Rosa Hablin {siehe nachstehende Briefe vom 28.Juni 1844 und 20.Juni 1845 und öfter} an [Nr. 39] Cäcilia Amalia KOBLER-Castelli, 1821-1848] Meine theure unvergeßliche Freundin! Kannst du mir denn verzeihen, meine innig geliebte Maly, daß ich Saumselige jetzt erst dem so heilig und feyerlich gegebenen Versprechen nachkomme- allein bevor du über mein Verbrechen den Stab brichst, gönne mir Verteidigung;- vor Allem glaube nicht, daß es Mangel an Freundschaft- Vergeßlichkeit sey, was mein Stillschweigen veranlaßte, diese Beschuldigung nämlich [...] nicht weiter gelesen; sieben [!] eng beschriebene Blätter, markiert 1 bis 7, Schluss fehlt wohl, keine Unterschrift, auf unterschiedlichem Papier, zum Teil sehr schwer lesbar; am 28.Jänner, dann kurz danach am 31.Mai in Opeka [Kroatien], also offenbar über einen längeren Zeitraum geschrieben.
Einzelblatt ohne Angaben, Handschrift wohl der Cäcilia Amalia KOBLER-Castelli, 1821-1848: Fortsetzung. Unsere Familie war eben vom Tische aufgestanden, als sie, besonders die 3 Mädchen den alten Herrn von Blauenstein bestürmten, die Geschäfte seiner Jugend zu erzählen. [...] So lebten sie. - Dazu ein kurzer, offenbar ebenfalls literarischer Text „Die Trauer“. Zu dieser Zeit wo ich mich [...]; vielleicht von der Schreiberin selbst?
1843
Brief an [Nr. 39]
Cäcilia Amalia KOBLER-Castelli (1821-1848) [flüssige, gute Schrift, etwas verblasst; Bogen, gefaltet, rotes Lacksiegel „K.[?] D“; Stempel „Kufstein 18.Jän.“ und „Salzburg 19.Jan.“; auf der Adressenseite Tinte verlaufen; vgl. folgenden Gegenbrief vom 22.1.1843]: A Mademoiselle Mademoiselle Amalie de Castelli à Salzburg. abzugeben in Kobler’s Bräuhause. - Kufstein am 15ten Jänner 1843. Liebe Malie! Fanni’s Zigeuner mit seiner Auswahl von unglücklichen Tagen war ein Gaudieb, denn jener Tag an dem ich abreisete [!] wurd zu den glücklichen gezählt und er gehörte wahrlich zu den Bösen, denn ich hatte unangenehmes Wetter, schlechten Weg, wurde in Unken [am Steinpass] erbärmlich geschnürt [!], kam nicht weiter bis Kößen [Kössen, 23 km vor Kufstein], und überdies Alles– mußte ich nicht von Ihnen fort!? Sie sind ein schlechter Kor[r]espondent werden Sie mir sagen und ich gestehe es Ihnen sogar zu, ja ich gestehe Ihnen noch mehr, daß ich in dieser Beziehung schon Schand und Spott zu tragen gewohnt bin, aber diesmal möchten Sie doch zu schnell mich verdammt haben und um Sie zu überzei[u]gen werde ich Ihnen jenen Tag verwehren: wie bekannt reisete ich den 9ten Morgens von Salzburg ab kam jedoch nicht weiter als Kößen, den 10ten nach Kufstein, wo ich um 11 Uhr eintraf- Nachmittags suchte ich eine Wohnung und informirte mich über die hiesigen Verhältniße, die ich in dem Grade ungünstig fand, daß ich allsogleich nach Innsbruck abzureisen beschloß, um durch eine dem Obersten zu schenkende Aufmerksamkeit eine baldige Veränderung zu erwirken, am 11ten Vormittags stattete ich meine Dienstbesuche ab, wobei ich dem Festungs Kommandanten bekanntgab, daß ich am 12ten mit dem Gesellschaftswagen nach Innsbruck abzureisen Willens sei- Nachmittags suchte ich wieder Quartier und konnte noch keines finden, des Abend‘s ward ich bei Weißbarth geladen,- den 12ten fuhr ich nach Innsbruck, den 13ten Vormittags machte ich meine dienstlichen Gänge, des Nachmittags besuchte ich die Waßerheilanstalt zu Mühlau und den Abend brachte ich in der Kama[e]raden Gesellschaft zu,- den 14ten fuhr ich wieder zurück und den 15ten meldete ich wieder meine Rückkunft und daß ich Inspektion auf der Festung bekäme, von wo ich, der vom Schicksale verfolgte, inmitten Unglücklicher Ihnen liebe Marlie dies berichte, und hoffe, durch diesen strengen Ausweis meiner Zeit vollkommen gerech[t]fertigt vor Ihnen zu erscheinen. – Die Filharmonische Wurst liebes Malchen hat Ihnen den Magen [vgl. folgenden Gegenbrief] und mir den Humor verdorben- wie kann man aber auch so viel zu sich nehmen?!- um so mehr da die Erfahrung an mir Sie hätte belehren sollen, wie ungesund sie seien, für dermal hoffe ich jedoch, daß Sie Sich [!] wie früher eines gesunden Appetitts [!] werden zu erfreuen haben. – Sie sahen den inneren Kampf, es ward mir unmöglich Ihnen das mitzutheilen, was in mir vorging; ich versprach deshalb Ihnen zu schreiben und ich fühle wieder dasselbe beklemmende Gefühl wie dazumal, denn die Erkenntniß meiner Stellung ist die nie versiegende Quelle meines Unmuths und der inneren Zerrißenheit, denn wie glücklich, wie beseeligend machte mich nicht der Augenblick in welchem s[S]ie den Bund besiegelten in dem Ihre schöne Liebe eine neue Welt mir erschloß?!- um so drückend schwerer lastet auf mir die Verantwortung, den über Sie hereinbrechenden Stürmen durch meine Schuld unmännlich einem obgleich edlem Gefühle unterlegen zu haben, das, wenn i[I]hre gute Mutter es nicht billigt, ihre harmlosen heiteren Stunden vergiftet hat.- Dies die Erinnerung über den Vorwurf von Kälte, der mein Innerstes schmerzlichst berührte während dem sich die entgegengesetzten Elemente bekämpften. – Können, werden Sie vergeben und nicht Zürnen dem Schwachen? den vom Schicksale ohnedies hart Bedrängten, der es wagt in seiner verkrüppelten Existens[z] Ansprüche zu machen, welche ihm die Macht der Verhältniße tirranisch [!] verweigern will, deßen Leben einem Winterschlafe ähnelt in dem ein entfernter Wiederhall [!], wie ein dunkler Traum dringt. – Von düstern Ahnungen gefoltert bittet Sie theuerste Malie baldigst um einige Zeilen und Nachsicht, und Ihrer guten Mutter ihn empfehlend, herzlichst Sie küßend Ihr Karl. – Vgl. nachfolgenden Gegenbrief und Anmerkung dazu. Die „[!]“ sollen z.T. nur an die Korrektur in heutiger Schreibung erinnern.
Kobler-Spängler-Briefe = nicht näher identifizierte Reste [rot verschnürt, nicht gelesen]: u.a. Salzburg 1843; 1845 (?); „Heirats-Antrag“ (Briefpapier „Lida“); gedrucktes Trostgebet 1827; Foto Salzburg Lida und Fanni Schlegel (?); Tagebuch-Notizen 1843; Brief Kufstein 1840; „Liebe Schwiegermutter!...“ (mit Bleistift = Entwurf?) [gleicher Eintrag 1840].
1843 Brief von [Nr. 39]
Cäcilia Amalia KOBLER-Castelli (1821-1848) [manche Wörter und Wortanfänge kräftig durchgestrichen XXX und neu geschrieben, z.T. Unstimmigkeiten durch die Korrekturen, markiert durch runde Klammern = (); Ergänzungen und Hinweise in eckigen Klammern []; / = Blattwechsel; manche sehr energischen Endstriche bei den letzten Buchstaben eines Wortes sehen fast auch wie Durchstreichungen aus. Endungen sind zuweilen nur als dicker Strich markiert; die Handschrift ist insgesamt sehr kräftig mit einer Feder]: Salzburg den 22 Januar 1843. Lieber Freund! Von einer recht angenehmen Schlittenfahrt eben zurückgekehrt wo ich mich in Gesellschaft meiner lieben Mutter mit der Familie Abele recht gut in Hellbrun[n] unterhielt, wohin wir auf meinen Lieblingswege u[ü]ber Grödig hynlangten, sitze ich weiser [?] in meinen Zimmer, in XXX XXX in der gemütlichsten Stimung, um Ihr liebes Schreiben zu beantworten. Ich bin eben auch heute wirklich so heiter und fühle mich so unendlich wol, daß ich unmöglich den Wunsch unterdrücken kann, daß Sie sich eben so fühlen mög(t)en wie ich. könnte ich Ihnen doch durch mein Schreiben nur einen XXX Theil jenes woltuenden Gefühls, einfloißen, des Gefühls XXX dem einer Zufriedenheit mit sich, und dem Bewußtseyn von einer zu guten Mutter wie die meinige ist: geliebt, und zu was man jetzt gehätschelt zu wissen, welches mir täglich klarer vor den Augen steht. So sehr mich Ihr Brief erfreute, wäre doch bald mein guter Humor bei Lesen deßelben zu Grunde gegangen, dur[ch] die trübe Stimung die sich in jedem Ihrer letzten Zeillen so deutlich ausdrückt, und ich beXX mich wirklich etwas XXX verstimte. Tausend Gedanken kreutzen sich in meinem Gehirn, und denn so gar genau möchte ich si Ihnen de anschaulich machen, wie den die Ihre Unzufriedenheit, und Ihre selbst hervorgesuchte und mit Vergnügen festgehaltener Unmuth, Sie alles im grellsten und schwärzesten Lichte darstellt, so zwar: daß Sie sogar meine gute unaussprechlich geliebte Mutter bey im Stande glauben, daß Sie [mit „2“ und längerem Strich Umstellung angedeutet] die nur mein Wohl im Auge hat, mir nur Eure bittere Stunde zu bereiten / Denn wie könnte die Mutter, die mich so innig liebt, und die (der ich) natürlich von Allen in Kenntnis ist mir zürnen, I d daß ihr Kind einem Freund wie Sie das natürlichste Gefühl, das der frei innigen Freundschaft erkennen ließ; denn nicht Liebe jene so gepriesenen Leidenschaft die ach so viele Opfer fordert, und beynahe alle ihre Anfänger mehr oder minder unglücklich macht war es, was auch einig[e] Thränen erpreßte, wie, ich wiederhole es noch ein mal, ich will es war die eing unbegränzte uneigennützigste Freundschaft, wel die Sie sahen, die ich herzlich bitte nicht zu verkennen, und die Macht des scheidenden Augenblicks; wo der mich von Ihnen trennte mein Freund trennte, dem ich so gerne und aufrichtig alle meine kleinen Betrübniße und Freude[n] mittheilte. Ja ich gestehe es, es wäre drückend für XXX, hätte aus XXX dem Sie, und XX bringend für mich, mich mit mit einen Gefühle bekannt gemacht zu haben, da die Macht der Verhältniße, ungerne beyderseitig, was irgent uns im Leben näher zu stehen, doch, ich hoffe Sie werden mich nicht mißverstehen, so ser das Verhältnis in welchen wir uns wiedersehen, wie es wolle, wir können einander ohne Vorwurf entgegen tretten und freundlich die Hand bieten dem Freund der XXX er wärdeste [?] Freundin. ────── Und nun will ich Ihnen von meiner Lebensweise erzählen. Am Tag Ihrer Abreise neulich Montag den 9ten forderte mein gekränkter Magen sein Opfer [vgl. vorstehender Brief], nemlich daß obwol es mir sehr unlieb war, ich nicht länger als bis 7 Uhr Abends mich außer Bette aufhalten konnte, und ich dasselbe mit großer(n) Ub Unwohlseyn eiligst suchen mußte, den nächsten Tag war es jedoch großtentheils vorüber, und jetzt Gott sei Dank befinde ich mich ganz wol. / Die Eintheilung meiner Tagesstunden, ist Ihnen ohnedies bekannt sie bleibt im[m]er dieselbe, und ist darum mir um so lieber, da ich nie über Langeweille mich beklagen kann. Daher kann ich nur von meinen Abendstunden sprechen. Wie ich den nächsten [die letzten] Tag(e) im Gasteyner [Gastein/ Gasteiner Tal] zubrachte, fielen Hagel und Schloßen auf mein armes Haupt, in gewisser Beziehung, doch Ihre(n) weisen Ermahnungen noch zu frisch im Gedächtnisse, schüttelte ich aber dasselbe, und siehe da, die witzigen, und mitunter nichtwitzigen Bemerkungen zerstiebten an meiner mit Heiterkeit und Ruhe gestählte Stierne. Doch einer von den Herren wird es schmerzlich bedauern, nicht auch sein Scherlein dazu beygetragen haben zu können, und das ist gerade der Oberl. Babier, dem Gott das Verhängnis mir zu Liebe die Sprache nahm, denn er war sich seit den letzten Tage Ihrer Hierseyns nicht mehr bei uns, weil er sich da ihn schon damals nicht wol war, von Museumsballe die Kehlkopfwassersucht hal[t]te, und, sehr schwer darniederlag. AchXXX Uibrigens hat er jetzt Zeit gehabt, darüber nachzudenken, und die Antworten die ihr[m] von früher im Halse stecken geblieben werden jetzt mit verdoppelter Kraft hervorbrechen. Wie weilland bey dem Mann der in russischen Feldzuge die Worte im Munde erfroren, und die da die Zeit kam das selbe wieder in Gang kam die ganze Stadt nur ein Getumel war, so wird es dem Oberl. gehen, der wahrscheinlich schon in ein Paar Tagen komt, und das Kag[?]viertel wird nicht wissen, was für ein Lärm entstanden ist. Doch jetzt kann ich ihm getrost entgegen gehn, da er nun der einzige ist, der in der Hinsicht mich necken wird, denn die anderen und besonders Gläser, XXX zaubern sich so sehr vom Gegentheile ihrer frühren ausgesprochenen Meinungen überzeugt, das Gläser glaube ich sogar dir den Fehde / handschuh hünwerfen würde, den sich untersteht, noch weiter von der Sache zu sprechen. E Die vielen Fü[ä]le die jetzt erzählt werden höre ich mit den ernsthaftem Gesicht an wie ich mit Ihrem ganz besonders XXX da ich sie XXX nur mit meiner Mutter noch besprechen kann. Zu den mir vorgenommenen Uibungen in Franzosisch u Italien[isch] bin ich noch nicht gekommen, doch col tempo e colla patzienza uo tutto. und also auch das. ──── von dXX[rei] Tagen Mittwoch bis Samstag fiel nichts Neues vor. Samstag der 14. wurde in kleiner Gesellschaft ein großes Gesellschaftsspiel veranstaltet, wo auch wir uns nicht ausschließen konnten. └──┐ und wobey von meiner s viel gelacht wurde. Sonntag war also der XX viel besprochene Handlungsball; und während Sie armer Freund inmitten sXXXX in der Abgeschiedenheit an mich schrieben war ich in glänzender Gesellschaft; ich unterhielt mich gemütlich tanzte aber nicht viel da es sehr voll war, und meine Angenehmlichkeit sehr groß ist. BXX Ich ahnte nicht daß jetzt ein würd[i]ger Abschnitt meines Lebens begann, indem ich 1 den andern Tag 2 Briefe ankamen, worin ein würdigen junger Mann in aller Form und auf die ehrenvollste Art um meine Hand bittet; er befinde sich derzeit in Stuttgart als Associe in einen ergiebigen Fabrick geschäfte; daß es schmerzlich m(e)ich so fand ich berührte können Sie deuten, wie er XXX ein solchen Fall sehr zart behandelt seyn will, doch die weite Entfernung, die eine Trennung war meiner dann so einsam stehenden Mutter heischte, und die ich selbst nicht zu denken ertragen Im Stande wäre, war das schiklichste Motiv mich für denselben zu bedanken XXX Nicht wa[h]r das waren bedeutungsvolle Tage für mich!!! Doch ist jetzt das auch wieder beseitiget und und ich bin froh daß das was so schwer für mich war nemlich die Antwort nach Stuttgart ist überwunden; dX Jetzt bin ich wieder so ruhig und heiter, und fühle mich in meiner Behausung wohl enendlich glücklich. ──── Besonders im Leben meiner XXX, da Und das was Abends mich oft nur vorgeht eigentlich nicht in meine Sphäre gehört, die sich mich in meinem Zimer oder in Gesellschaft meiner Mutter sie kann lieber Freund so heimisch fü[h]le / Ach wie geht es bei Ihrem Anwesen, verwalten Sie Ihr Amt als Nachtwächter? ─── Die Mutter grüßt Sie herzlichst und läßt Ihnen melden, daß es Sie möchten Ihr Amt im Auge behalten, nur daß es jetzt bei uns nur doch nicht anders ist da wenn einer lange da ist, der andere sich bemüht noch länger zu bleiben. Wir freuen uns wenn es Sie bald wieder zu sehen, und in der Zwischenzeit wieder einmal etwas von Ihrem Befinden zu erfahren; ich aber möchte gut an Ihrer Seite stehen wenn Sie meinen Brief lesen, denn ich daß [S]ie so viel von mir erfahren würden, hätte[n] Sie wahrscheinlich nicht geahnt. ──── Ich bitte anbei meine herzliche Absicht Sie ein wenig zu erheitern nicht zu verstimmen, Noch muß ich fragen, ob welches die Ursache war daß ich Ihren Brief welcher Freitag früh unten ganz mit Tinte begossen erhielt?! ── Doch schadete es dem meinen Wunsch nichts, nur die Adresse war verwischt [vgl. vorstehender Brief]. ─── und war aber glüc[k]lich wär, könte mir zu schweigen L Ankömling für XXX XXX halten. Leben Sie recht wo[h]l. NXXX Sie noch ein XXX XXX Wunsch daß es Sie bald zufrieden werden möcht, daß es XXX gut und Sie sich in Ihrer Abgeschiedenheit ebenso recht wo[h]l fü[h]len mögten wie ich und gedenken Sie manchmal sich in Freundschaft mit herzlicher Gesinnung Ihrer unveränderlich[en] Freund[] Xus Amalie – An wen der Brief adressiert ist, wird nicht angegeben [vgl. jedoch vorstehenden Brief von einem Freund „Karl“, zu dem dieser Brief die Antwort darstellt]. Von einem Heiratsantrag 1843 aus Stuttgart weiß ich sonst nichts (vgl. aber bisher ungelesen Briefe von Ph.Reichmann aus Stuttgart, 1843). Der Brief ist offensichtlich nicht an [Nr. 38] Dr.med. Richard Schlegel (1811-1881) gerichtet [vgl. vorstehenden Brief mit anderer Unterschrift, „Karl“], welchen Amalia Kobler dann am 21.4.1846 in Salzburg heiratet. Hat der Freund den Brief vielleicht nach Amalia Koblers Tod 1848 zurückgeben?
1843 XX.Sept.1843 [vielleicht Bruchstück eines Briefes von Rosa Hablin:] So eben bin ich von Agram u. Carlstadt zurück [...] ein Blatt eng beschrieben, Rückseite ebenso und darauf und darüber noch quer geschrieben... für mich unleserlich. – Ähnlich ein Blatt, französisch und deutsch, kreuz und quer beschrieben; ohne erkennbares Datum. – Dazu zweites Blatt mit ähnlicher Vignette, handgemalt, deutsch und französisch, Gedichtzitat, Datierung „20.August“; ebenfalls nicht gelesen.
1843-1844 [nicht endgültig gelesen, deshalb rot verschnürt] Briefe an Nr. 39 Amalia Kobler. Bündel mit schwarzem Band = Liste „Was halten Sie für das größte Glück“ (jeweils 40 Punkte aufgeführt), ...liebste Beschäftigung, ...zu lieben, ...zu tadeln usw. – Briefe aus Wien 1844 an „Malchen Castelli“ und „Amalia Castelli“, Absender nicht entziffert, und aus Schärding an „Herrn Hauptmann“ 1844 von Betty Kobler. – Im hellblauen Briefumschlag Briefe an „Fräulein Amalia“ aus Stuttgart 1843, an „Fanny v. Castelli, Besitzerin des Gasthauses zur Hölle Salzburg“, Postbrief aus Stuttgart mit Stempeln, 14. Januar 1843 von Ph.Reichmann. – Brief aus Salzburg 1843 an „Herrn von Barbier“ „Mein lieber Freund“ von „Ihrer Freundin Amalia Castelli“. Die Briefe wurden nur flüchtig gesichtet [März 2011].
1844
FANNY KOBLER [Nr. 79]: 184X, wahrscheinlich 1844, Meldezettel (Einquartierungszettel) des Höllbräu für Otto von SXXX aus Zwickau/Sachsen, unterschrieben „Serafin Kobler“
5. Juni 1844
1844 [5. Juni 1844] Brief von Rosa [Hablin; siehe nachstehende Briefe vom 28.Juni 1844 und 20.Juni 1845 und öfter] an [Nr. 39] Cäcilia Amalia KOBLER-Castelli (1821-1848) [gefaltetes Blatt, gebrochenes Siegel „H“, Stempel „Warasdin 6.Jun.XX“ -der sehr undeutliche Stempel am Knick sieht fast eher wie eine 3X aus! Im Zusammenhang datiere ich jedoch 1844- und „Salzburg 10.Jun.“]: Fräulein Fräulein Amalie v. Castelli zu Salzburg. Judengasse No.67. 1ter Stock. – Petite méchante! C’est la même amitié, mit der du mich so lange auf eine Antwort auf mein Schreiben erwarten läßt, et m[ê]me celle, mit der du dich in Salzburg gegen mich betrugst! 3mal besuchte mich die zärtliche Freundin während meiner halbjährigen Anwesenheit. C’est une amitié bien commode, et comme je crois, aussi beaucoup dans la mode!- Es ist fürwahr zu arg! seit dem ich hier bin, erhielt ich noch keinen einzigen Brief- und den 8ten May verließ ich Salzburg- u. heute avons nous le 5ieme du mois de Juin. C’est trop- c’est trop! Daß mir mein lieber guter Vater nicht schreibt, weiß ich u. bin beruhigt darüber, da er mir selbst Zeitpunkte darüber bestimmte; aber du, du- je ne trouve pas des mots qui expriment justement, ce qui je te veux xxmmer! also du –Unaussprechliche!- was kannst du für einen Grund haben als xxx [creuse?] für dein obstinates Schweigen!- Jedermann hier erhält Briefe. Isabelle schon ein halbes Dutzend, nur mir allein bringt der heißersehnte Bote keine, den ich mit so hochklopfenden Herzen in’s Schloß tretten- u. mit Thränen getäuschter Erwartung wiederfortgehen sehe. Mais au nôm de ciel! petite mêchante. warum schreibst du denn nicht?. Pour te punir justement, c’est à dire, pour de [te] faire payer 1 2 x monnaie- schreibe ich dir wieder. Eigentlich drängt es mich nun, meiner unsäglichen Galle etwas Luft zu machen! Ich Ärmste! gebannt in ein / alter Gespenster[h]auß, von der Außenwelt total abgeschnitten keinen fremden Gast sehend, als die ungebetenende Ratten u. Mäuse, die, trotz dem Bataillon Katzen das jetzt hier einrücken mußte, noch mit größter Unverschämtheit herum trottiren; ich arme Verbannte, die ich mir selbst vorkomme wie der trostlose Geist eines weiland hier schmachtenden Burgfräulein’s, wenn ich in das erblindete Glas meiner Vyngel’s schaue, ich Ärmste bekomme nicht eine einzige allerwinzigste Nachricht aus der lieben Alpenstadt, die meinem Herzen stets so unbeschreiblich theuer ist, wenn ich ferne- ferne von ihr bin. C’est étonnant! inconcerable! Nicht wahr?- Ach! plötzlich aus ihr fortgerissen, wie Mephistopheles den Faust entführte, bin ich in eine reitzende Einöde versetzt, welcher um sie ganz romantisch zu finden nichts abgeht als eine Strohhüt[t]e, ein Bächlein, eine Rasenbank- ein Feld mit Kartoffeln und- Er!- Allein keinen „Er! sondern nur den Grafen, die Gräfin(n), Nandinchen, die expricieuse Anglaise, u. die bittersüße De Taux sehe ich, u. diese Gestalten wechseln nie mit Ande[r]n. Wir können uns ferb xxbelten, wir seyen im Paradiese u. die einzigen Menschen, letzterer Wahn wird sicher nicht gestört! Hier auf dieser Felsenburg hausend wie ein einsamer Spatze, kann ich kaum für wahrscheinlich halten, daß ich noch vor Kurzem in dem bunten Geräusch einer Stadt war, kaum noch vermag mir meine XXX imaginativer nachgufild an was ich dort sah, phantastischte Gebilde steigen umdeutlich vor mir auf, „bunte Kuppen“ in schwarzen, rothen, grünen, gelben Farben, „mit Waffen behangen“- hier ist nichts was mir das Alles deutlicher zu xxkrufen wünscht,- doch ja, j’oubliais! nous en avons aussi un exemple! et c’est le Baron Fermont ein mit dem Zipperlein behafteter Rittmeister / welcher das dadurch entstanden u. seine Eitelkeit wenig choquierendes Hinken, als folge einer in der Schlacht erhaltenen Wunde ausgibt. Dieser der Baron, kommt oft zu mir, er ist so etwas von einer männlichen Coquette, u. in seinen schöneren Jahren- tempi paßati, haben, wie man sich erzählt, seine sorgfältige Toilette, sein solides Vermögen zwey-drey Herzen gebrochen! Und dieser Lovelaer, will hier Ähnliches bewerkstelligen u. ich soll das Opfer dieses podagrischen Unwiderstehlichen seyn. Durch einen köstlichen Zufall erfuhr ich daß er sogar mit Graf Georg eine Wette einging, das ihn diesen xxkke, er brächte es doch noch sicher dahin, daß ich mich in ihn verliebe! „Was für eine dumme Gans er ist!“ sagte Isabelle mit ihren exxroblen Deutsch /:das jetzt noch schlechter geworden:/ als sie es mit mir zugleich erfuhr. „Welch ein köstlicher Spaß, das seyn wird,“ dachte ich; u. wie ich mich mit diesen ruses réciproques amazire rief endlich die Gräfin, wan mir Xnachrichtigs, u. gibt nun eine stille Beobachterin ab.- Unser Leben hier ist wie im vergangenen Jahr. Die Grillen u. he[XXX] schreyen noch immer, die Nachtigallen schlagen und die Kapaunen singen wie neulich Isabelle sagte, anstatt „die Hähne krähten.“ Unsere plaisirs innocents erstrecken sich noch immer auf alle Xand- Buch- u. Schlafstellungen u. überdieß sxuen nach auf eine bedeutend[e] Zucht Seidenwürmer, wo ich fleißig- ja mit Passion arbeite, bis mich die Gräfin fortjagt wenn ich in den warmen Häusern wie gebraten endlich geworden bin. Du siehst welch ein weites campagne de plaisir ich besitze. Ubrigens ist das sonst so milde Klima sehr kalt naß immer, ich friere beständig. Ist es auch so in Salzburg? War es die Pfingsttage schön? Wird es morgen schön seyn in Salzburg- nämlich am frahelxchen Tage!- Antworte hierauf!- Doch a Dieu, my dearest- ich lerne ausnehmend fleißig l’anglais! u. Géographie! a Dieu, petite satan! Man ruft mich zum Xher. Ein willkommener Ruf! car j’ai appetit!- a Dieu! adieu! adieu!- Rosa. – Die Briefe von Rosa Hablin an Amalia Kobler 1844/45 zeugen von einer etwas anstrengenden Freundschaft, deren Einzelheiten ich nicht kenne. Immer wieder wird diese Freundschaft bemüht, aber offenbar von Seiten Amalias enttäuscht, und Rosa antwortet bitter, z.T. verfällt sie in die distanzierte Form des „Sie“. Ich habe diese Briefe aus Kroatien gekürzt nicht nur weil sie zum großen Teil auf Französisch abgefasst sind, sondern weil sie kaum Hinweise auf Salzburger Verhältnisse enthalten.
Brief von Rosa an Cäcilia Amalia Kobler-Castelli =
1844 Brief von Rosa [Hablin, eine Freundin von Amalia Kobler] an [Nr. 39] Cäcilia Amalia KOBLER-Castelli (1821-1848) [gefaltetes Blatt, gebrochenes Siegel „H“, Stempel „Warasdin 29.Jun.1844“ [Varazdin, heute in Kroatien] und „Salzburg 3.Jul.“ manches schwer lesbar]: Fräulein Fräulein Amalie v. Castelli zu Salzburg, Judengasse No.67. 1ter Stock. – Meine gute theure Maly! Ach Gott! wie ich mich verschrieben habe-: gute theure Maly, das wollte ich wahrhaftig nicht schreiben, denn ich bin sehr- sehr böse auf Dich, u. glaube, es ist nicht Scherz- sondern Wahrheit, wenn ich Dir sage, daß floß aus alten Gewohnheit, diese zärtlichen Worte meiner Feder entschlüpften. Jetzt bin ich 2 Monate hier und habe einen einzigen Brief, und den von meinem guten Vater erhalten. Dieser war 2 u. ½ Zeile lang, der Inhalt folgender: Liebe Rosa. Deine Briefe habe ich richtig erhalten u. daraus gesehen daß Du in Versicherungen Deiner kindlichen Liebe durch die Feder weit freygebiger bist als mit Worten. Übrigens befinde ich mich in vol[s]tXX Gesundheit was auch dir wünscht dein Vater! Sonst erhielt ich von keinen Nachricht, u. nun sage ob es nicht zum Verzweifeln ist. Du weißt wie schwer, mit welchen Bangen gepresten Hunger ich Salzburg verließ, Du kannst ahnen, daß durch diese so schnelle unverhof[f]te Abreise ich unendl XXehrlich auf die Ungewißheit drucken muß, mit der wir selbst von der nächsten Kunde mit Bestimmheit sprechen können. „Werde ich meinen Vater wieder sehen, wird mein Fuß Salzburg jeh wieder betretten!“ So quäle ich mich beständig, ach bin sehr- sehr traurig.- Selbst die größte Gleichgültigkeit einer Fremden würde mich nicht so grausam der MaXX hingeben. Nachrichten von meinen Lieben von der Stadt grd geben die ich verließ, u. die dem Herzen so theuer sind, so unendlich süß, wenn man ferne u. so einsam ist:- Ich hätte dir unendlich viel zu sagen, zu erzählen, XXigenden sich in Zungen sehr viel seiner XX und, allein ist bin zu verstimmt, dieses XXgentliche Harren u. Hoffen, das immer vergebens, der nimmer bXXgt der äusehnde Bote mir de erwünschte Nachrichten, ich die krank an Körper u. Gemüth, gestern hatte ich einen Fieberanfall ich war sehr unwohl, und wir füchten daß das Fieber Morgen bey mir ausbrechen wird.- Ich kann diesen beständigen Temparaturwechsel nicht ganz ertragen, u. vorgestern wo ich schon sehr unwohl war, fuhr ich nach Warasdin u. das hat mich in dieser unerträglichen Hitze die wir hier haben sehr angegriffen.- Habe Mitleid mit mir, Maly! schreibe mir, ich weiß nicht mehr was ich denken soll. Hast Du meine beyden Briefe nicht erhalten?- Was- was ist die Ursache dieses zerdrückenden Schweigens. Ich weiß nur mehr ein Mittel! Wie ich mit umgehender Post keinen Brief habe, send ich Dir ein großes Paket voll altes Papier damit du unendlich viel Postporto zahlen mußt. Ich weiß Dich nicht anders zu strafen- aber es wird geschehen. Maly, ich gebe dir mein Wort darauf!- Lebe wohl, mich schmers[zt] der Kopf, u. ich schreib Dir nun noch schnell weil ich glaube krank zu werden u. mir für diese Zeit eine Nachricht aus Salzburg gewinnen müste [möchte] – 28 Juni [1]844. Rosa.
Brief von Rosa an Cäcilia Amalia Kobler-Castelli =
1844 Brief von Rosa [Hablin; siehe vorstehende Briefe vom Juni 1844] an [Nr. 39] Cäcilia Amalia KOBLER-Castelli (1821-1848), Blatt ohne Umschlag: Ma bien aimée! Je recevais votre lettre piquant, ennuyant, méchant, abominable ect ect- mais pour en punir, vous me saurez rien de l’éffet qu’il produisait dans mon coeur!- [...] nicht gelesen [...Schluss:] adieu ma bien aimée! ma petite méchante, adieu! Ecris moi chère Amelie, je t’en prie, écris moi! je me suis armé de la patience de Job [Hiob]; j’éspère que je peux attendre ta épouse. Tout à vous. Rosa. – Opeka, 29 July [1]844 – Je te prie à me copier ce poème de Castelli: Es sind zwey kleine Fensterlein in einem großen Haus ect. Et puis ces mots de Schiller vous l’avez dans votre album: Wie entzückend u. süß ist es in einer schönen Seele ect.- Ay[ez] la bonté, et m’envoye dans une lettre tres aimable, ces deux XXX.- Mes compliment à votre mère.- [quer:] Isabelle travaille quelques chose pour vous! Ayez bonte[é], ma Mignonne, vous m‘avez encore rien fait pour votre amie et corespondant inconnu. - „épouse“ = (?) Amalia Kobler heiratet 1846 Richard Schlegel. – „Schiller“ = aus „Don Carlos“: „Wie entzückend und süß ist es, in einer schönen Seele verherrlicht uns zu fühlen, es zu wissen, dass unsre Freude fremde Wangen rötet, dass unsre Angst in fremden Busen zittert, dass unsre Leiden fremde Augen wässern!“
Brief von Rosa an Cäcilia Amalia Kobler-Castelli =
1844 Brief von Rosa [Hablin; siehe vorstehende Briefe vom Juni 1844] an [Nr. 39] Cäcilia Amalia KOBLER-Castelli (1821-1848) [Umschlag, gebrochenes Siegel „H“, Stempel „Warasdin 5.Oct.1844“ und „Salzburg 9.Oct.“]: Fräulein Amalie v. Castelli zu Salzburg, Judengasse No.67. 1ter Stock. – 3ie[me] Octobre [1]844. Opeka. - Ma bien aimée! Quel plaisir, quel bonheur dans un petit morceau de papier! Tu me fairais tr��s heureuse, ma charmante Amélie, ta lettre m’a rendu très joyeuse très contente! c’était mon Amélie d’autre fois- elle n’y était plus bizarre et malicieuse! Merci, ma mignonne- merci, reçois mes plus tendres baisers! Tu sais que je t’aime. et Dieu m’es têmoin, je t’aime fidélement, mon amour pour tai ne varie [?] jamais; je ne me gêne pas à te confier tout ce qui je pense, mon ame te dit tous ses sécrets; elle te confie les chagrins- sufragers et ses folles ésperances. Quelque fois elle s’humilie devant ta sagesse de matrone; bien plus souvent encore elle s’appuie à ton affection et demande un sourire à ta bonté!- [nicht weiter übertragen: ...weiter u.a. über die Freundschaft. Ich habe viele Verehrer, aber nur du bedeutest mir etwas. Auch nach einem turbulenten Tag wünsche ich nur ein stilles Zimmer bei dir zu besuchen. Ich will nicht heiraten; mein Engel ist weg, aber Gott verlässt mich nicht. Die Liebe ist für mich nur ein Traum, ein Phantom... ich war sehr krank. Baron und Baronesse „D.“ helfen mir in meiner Einsamkeit, aber ich langweile mich... und, quer geschrieben, Louise, eine Ungarin...]
dazu Einzelblatt gefaltet, undatiert [in viel steiferer und eher kantiger Schrift als „Rosa“s obigen Brief von 1844; vielleicht von ihr noch als junges Mädchen?]: Liebe, gute Freundin! Der Inhalt meines Briefes war derselbe wie des deinigen, nähmlich, daß du mir eine wahre aufrechte Freundin bist, wie mit der beygefügten Bitte daß du mir wo möglich mit Rath u. That beystehst.- Und herzlich freuen würde es mich wenn du mir eine Schwester wirst. Ich will dir gerne wo ich nur vermag einen Dienat erweisen obwohl ich es nur schwer vermögen werde, denn meine gute Maly ist mir ja an Verstand weit unendlich weit überlegen. Freudig meinen Brief schließend eine Freundin gefunden zu haben, verbleibe ich Deine dich ewig liebende Freundin Rosa H. [Hablin]
Weitere Briefe =
Briefe [rot verschnürt, nicht gelesen] mit breitem, weißen Seidenband zusammengehalten an Nr. 39 Amalia Kobler, verh. Schlegel (1821-14.6.1848), von ihrer Freundin Betti Kobler, das ist die Cousine ihrer Mutter, also ihre Tante [obwohl jünger], später verh. Katzinger in Grein, 1825-1881: Schärding [S.] 28.12.1844 von deiner Freundin „Betty Kobler“; S. 11.3.1845 von Betti [B.]; S. 28.3.1845 von B.; S. 6.7. o.J. [1845 ?] von B.; S. 17.8.1845 mit Umschlag (Stempel 17.8.45) und Wappen-Siegel „stehender Löwe“ von Betti an „Fräulein Fräulein Amalie Castelli abzugeben beym Höllbräu in der Juden-Gasse / Salzburg“; S. 1,5 Bogen 30.9.1845 von Betti; S. 1,5 Bogen 23.8.1846 von Betty; S. 1,5 Bogen blau, weiß 24.1.1848 mit Umschlag, Stempel 26.1.8 und Wappen-Siegel, von Betti an „Madame Madame Amalie Schlegel k.k. Kreiswund-Arztens Gattin Wohlgeboren / Salzburg“; [hinten angefügt] 12.XX.1846 von ?
1844 bis 1848 =
1844-1848 [nicht endgültig gelesen, deshalb rot verschnürt] Briefe von Nr. 39 Amalia (Maly, Mali) Kobler (1821-1848, am 21.4.1846 verh. Nr. 38 Dr.Richard Schlegel, 1811-1881; vgl. 1844 beiliegend kleine Visitenkarte „Amalia Schlegel“) an ihre Freundin Betti Kobler, später verh. Katzinger (1825-1881). Vgl. Partezettel für Betti Katzinger, 56 Jahre alt, 1881. Sie ist eine geborene Kobler, Fanny Kobler nennt sie an erster Stelle unter den „Legaten“ in ihrem Testament von 1878; sie ist Fannys Cousine. Die Briefe sind zumeist an „Betti“ von „Mali“ [Amalia Kobler, Fanny Koblers Tochter, welche einmal spaßeshalber als Bettis Nichte, zumeist aber als deren Freundin und Herzensfreundin unterschreibt. Auch der Altersunterschied ist gering.]. - Die Briefe [März 2011] wurden flüchtig gesichtet, z.T. geordnet. Ich wiederhole einmal genannte Namen in der Regel nicht und in den Anreden nur die Veränderungen. Mit jeden Datum ist ein Brief gemeint; die Briefe waren gebündelt, wahrscheinlich von Betti, und wurden vielleicht später oder aus dem Nachlass an Nr. 19 Fanni Schlegel, verh. Nr. 18 Spängler, überlassen, deren Mutter Amalia wenige Tage nach der Geburt des Kindes stirbt. Amalia lebt, wie später auch die Enkelin Fanni, bei Nr. 79 Fanny Kobler, der „Höllbräuin“, in Salzburg. Jahreszahlen in den Folgebriefen des gleichen Jahres werden nicht wiederholt. Die Namen [zumeist die in den Briefen grüßen lassen oder über die etwas geschrieben wird] lassen sich in den Briefen leicht erkennen, da sie lateinisch geschrieben sind. Doppeldaten sind Doppelbriefe mit mehrfachen Daten. - Amalie Castelli, Salzburg, an die Freundin Babette Kobler, Schärding, 7.5.1844; es grüßen Madame Schlögelkofer, Dr.Schlegel. – An Betti 18.8./11.9., Dr.Schlegel, Madame Schlögelhofer [und so weiterhin]. – Die Freundin Mali an Betti Kobler, Schärding, 5.1.1845; Dr.Schlegel; Zusatz von Nr. 79 Fanny Kobler an Betti wegen „meine Bitte mit der Maly“. – 19.4. (grüßen) Mad.Fuchs, Madame Schlögelhofer, D.Richard [Schlegel], Müllbauer Theres, Dr.Gsteiner, Mad.Bauernfeind und Betti, Dr.Fischer. – 21.5. – 5.6. Fräulein Lisi Müllbauer. – 6.8. Amalie an die liebe Herzensfreundin; Kudorfer Theres. – 9.10. Mali an Betti; Agnete Kempf, Hauptmann Gläeser [auch vorher genannt]. – 17.10. Amalie Castelli an Betti; Richard [Schlegel], Fr.[au] Weizner. – 4.5.1846 aus Wien als Amalia Schlegel auf dem Weg nach Leitmeritz zu Frau Therese Schlegel, Oberarztens Witwe; genannt u.a. [in Salzburg] Laschenkys, Mad. Bauernfeind. – 11.5. aus Leitmeritz, aufdem Weg zurück zu Vinzenz Schlegel, Feldwebel im löbl. k.k. Mineur Corps in Wien, Haupt Genie Amt; Grüße an Familie Burdorffer, Hr.Weizner, Hr.Bübel u.a. – 2.7. „Madame Babette Kobler, Scheerding“, zuerst von „Großnichte Amalie Schlegel“ und „Meine liebe gute Kobler“ von „deiner Freundin Fanny“, Amalies Mutter. - 2.8. Salzburg; Schlegel hat wieder operiert; Amalie Schlegel. – 7.8. Fanni u. Richard grüßen dich, Mali. – 27.8. – 9.9./24.9. – 16.11./1.12. – 4.12. – 15.12. – [ohne Banderole] 23.1.1847 Keschreiter Claire, Fr. v.Gschnitzer, Madame Sitter; Richard hat Patientin in Wals... bekam eine Flasche Champagner von ihr. – 29.1. An Fräulein Betti Kobler von „deine gehorsame Nichte Amalie Schlegel k.k. Kreiswundarzts Gattin und deine treue Freundin“; „...sagen, daß mein Mann von mir ein schönes braunes Samtpilet [-weste?] vom Christkind bekam... Stoff im Herbstmarkt gekauft“. – 1.2. – 20.2. – 20.3. – [ohne Datum, lag aber hier]/6.5. [ohne Jahr]. – 17.9. – 7.10. – 1.11. „[Richard hat] Operation gemacht, die der Hr. Professor nicht zu unternehmen gewagt hatte“; Bauernfeind [fast in jedem Brief genannt], Frau von Duregger, Feueregger. – 26.11. – 29.12. „Richard erhielt von der Mutter ein schönes ostindisches Taschentuch, einen vor ihr gehäkelten Geldbeutel und 6 Paar recht feine Socken, von mir erhielt er einen Schal und [...]; ich erhielt von ihm einen schönen Siegelring mir Carniol“... - 8.1.1848 [Anfang fehlt?] „Schlegel als Papa, ich als Mutter, Fanni als Großmutter, und du als Groß Tante.“ – 15.1. [Anfang fehlt?] – 12.2. – 14.3. 3 Seiten von Nr. 79 Fanny Kobler, 3 Seiten Mali. – 5.4. „deine Amalie“. - Am 14.6.1848, 14 Tage nach Geburt der Tochter, stirbt Mali. - Beigebunden Brief vom 12.6.1845 am „Malchen“ [Mali] von der „wahren Freundin Claire Reuhreiler (?). - Brief aus Grein vom 7.3.1880 von Betti Katzinger an Nr. 19 Fanni Spängler: Franzi, Toni; Fanny [Kobler Nr. 79] gesund, schwere Krankheit glücklich überstanden; Bettis Mann gesund [Schluss fehlt; Betti stirbt 10.8.1881, Fanny 1886]. - Bei den Stammbuchblättern für Nr. 18 Franz Spängler = Emilie #Weizner (Salzburg 1858) und Therese Weizner (Salzburg 1858)
1845
Brief von Rosa Hablin [nicht Familie] an [Nr. 39] Cäcilia Amalia KOBLER-Castelli (1821-1848) Briefumschlag, Siegel „Säulenstumpf mit Schild“, Stempel „Warasdin 16.Sep.1845“ [Varazdin, heute in Kroatien] und „Salzburg 21.Sep.“ [drei Blätter sehr eng beschrieben, manches schwer lesbar bzw. vieles übersprungen und nicht gelesen; mehrfach blasse Schrift und Feder gewechselt; über mehrere Tage geschrieben]: Fräulein Fräulein Amalie v. Castelli zu Salzburg, Judengasse No.67. 1ter Stock. – Opeka, am 20 Juny [1]845. - Liebe Freundin, meine theure unvergeßliche Maly! – Würde mich mein Herz nicht freysprechen von jedem Vorwurf wovon Du vielleicht –ja gewiß- unzählige für mich bereit hälst, so würde ich es nicht wagen Dir diese Zeilen zu senden, nach so langen tiefen Schweigen. [...] ewig unwandelbare Freundschaft [...] meine Maly [...] Wo? -und Wie? [...] gute Nacht. – Guten Morgen, Malchen [...] Encore un adieu, mir ist als wäre ich bey Dir, meine Maly, als berührte mein Mund, Deine Stirn, Deine Lippen, adieu ma bien aimée, sey glücklich, zufrieden. sey geliebt und des Himmels Segen möge Dich nie verlasssen;- nun gedenke oft und gern Deiner Dich zärtlich liebenden unwandelbaren Freundin Rosa Hablin. – Meine Adresse: An Rosa H. mit Briefen an Gräfin Clothilde Draskowich über Warasdin nach Opeka in Croatien. [quer:] An Deine verehrteste Mutter meine innigsten Grüße, erinnert sie sich doch zuweilen freundlich meiner- ? -
1845 und 1846 siehe auch oben!
1847
Brief von [Nr. 39] Cäcilia Amalia KOBLER-Castelli (1821-1848) [ohne Umschlag:] Salisburgo il 22, Augusto 1847. – Venerato e Caro Signor Avo! – Essendo corso ozmai gia otto anni d’auhé non godeva più l’incredicibile piacere [...] ich traue mich nicht weiter mit meinen fehlenden Italienisch-Kenntnissen, was für Amalia offenbar kein Problem war. [...] Mio madre et i stamo bene [...] Amalia Castelli.
1848 siehe oben!
1850/1851
Briefe (rot verschnürt, zumeist nicht gelesen) von Nr. 38 Richard Schlegel, 1811-1881, verh. 1848 mit Nr. 39 Amalia Kobler-Castelli, 1821-1848, an Nr. 79 Fanny Kobler, 1796-1886. 19.3.1850 aus Wien an „Liebe theure Schwiegermutter... dein aufrichtiger und dankbarer Sohn Richard“, k.k. Kreiswundarzt. – 28.4.1850. – 27.5.1850. – 29.5.1850 „Liebe gute Schwiegermutter...“ – 12.6.1850 Bogen mit Poststempel „Frau Frau Fanni Kobler Bräuin und Gasthausbesitzerin Wohlgeboren in Salzburg“. – Sonntag [ohne Datum] „weil ich keinen Kalender habe“, braucht Mittellosigkeitszeugnis, kein Vermögen, lebt vom kleinen Gehalt [als Arzt]. – Dienstag 13. [ohne Monat und Jahr] Rigorosum mit „gut“ bestanden. – Wien 4.4.1851. – Wien 13.4. – 23.4.1851. – 2.5.1851. – 7.5.1851 „dein studierender Sohn Richard“. – 19.5.1851 „halber Doktor. – 3.6.1851. – Wien 9.6.1851 „Ich danke für das Busserl vom Dirndl“ [= Nr. 17 Fanni Schlegel, verh. Spängler, geb. 1848]. – 16./17.5.1851 Wien. – Wien 23.6.1851 bestätigt und dankt für Empfang von 200 Gulden „aus deiner Kasse“. – 1.7.1851. – 20.7.1851 dankt [wieder] für 200 Gulden. – 27.3.1851 „nächsten Donnerstag Promotion, und, Juchheh!!!“. – 28.7. [ohne Jahr = 1851] „Vivat, der letzte Brief“ [vor der Rückkehr nach Salzburg] 2.Rigorosum mit „sehr gut“. – Salzburg 10.5.1875 an Nr. 17 Fanni von „deinem Vater Richard“. – Liebe Fanny [ohne Datum] vom „Vater Richard“. – [Entwurf von] Gesuch von Nr. 79 Fanni Kobler an „Euer Gnaden“ um Unterstützung für den armen Schlegel... [siehe oben, Brief vom „Sonntag“?].
1853
Briefe (rot verschnürt, durchgesehen, aber nicht vollständig gelesen) von Nr. 18 Franz Spängler (1839-1912) an seine Mutter Nr. 37 Antonia Spängler, geb. von Lürzer [so schreibt er selbst], von einer Reise bis nach Venedig zusammen mit Pater Albert Eder, dem späteren Salzburger Erzbischof: Münsing (bei Wolfratshausen, Nähe Starnberger See) 7.-10.8.1853, Brief mit Umschlag und gebrochenem Siegel; Franz Spängler schreibt an die Mutter: vorher in München, hier beim Bruder des P.Albert, Erlebnisse in München und Andechs usw. Beigelegt Brief an den Bruder Otto Spängler. - Augsburg 14.8.53, Brief mit gebrochenem Siegel, Stempel (Constanz 16.8., Feldkirch 17.8., Salzburg 19.8.), an die Mutter Spängler, „Salzburg in Oberösterreich“ [! auch auf anderen Umschlägen]; Nachschrift an „Frau Mutter und liebsten Otto“ von Albert Eder, 16.8., „Dein Bruder Franz ist immer allegro, ich bin sehr zufrieden mit ihm“. - Von der Reise zeugen ein grünes Salzburger Schokoladenpapier mit gesammelten Blättern und gleiches, Blumen und Blätter in grauem Papier, markiert „Rheinfall“ [Schaffhausen]. Stift Rheinau 17.8.53, Brief [Umschlag siehe unten] an die „Theuerste Mutter“, jetzt im Benediktinerkloster, vorher in Konstanz, Schiffe aufgezählt. Einsiedeln 20.8., Rhein, Schaffhausen; Nachschrift von Albert Eder; beigelegt an Otto „20.7.53“ [muss 20.8. heißen, demnach Umschlag zugeordnet]; Umschlag Franz Spängler an die Mutter in Salzburg, Siegel entfernt, keine Marke, unleserliche Stempel, aus Einsiedeln 20.7. [muss 20.8. heißen]; blasse Schrift. - Mailand 27.8.53 bis 29.8. mit Umschlag, Siegel abgeschnitten, Marke entfernt; Franz an die Mutter und an Otto, Beischrift von Albert Eder; Franz erzählt von Einsiedeln, Rigi, Rütli usw.; Nachschrift von Albert Eder, dass nicht vor dem 20.9. zurück in Salzburg. - Venedig 5.9.53, beigelegt an Otto; zwei Blätter, ohne Umschlag; Nachschrift von Albert Eder; Regen in Venedig, die „zwei Pilgrime“ nicht von der Sommerwärme geplagt; übermorgen endlich in Agordo. - Agordo (im italien. Bezirk Veneto) 10.8.53 [muss September heißen! im Brief wird u.a. von Venedig berichtet]; ohne Umschlag langer Brief von Albert Eder an „Verehrte Frau Mutter“, Herrn Inspektor getroffen [Lürzer, der Bruder der Mutter Spängler] und gut aufgenommen. Zweiter ebenso langer Brief an Otto Spängler, richtig datiert Agordo 10.September 1853, Onkel Lürzer, Bergwerk; hierher gehört wohl die kleine Skizze [von wem? Lürzer?] der Agordo umgebenden Berge mit Angabe des dort geschürften Kupfer, Vitriol und Schwefel. Zettel von Albert Eder an Mutter Spängler und an Otto Spängler, datiert „10. August / September [?] 1853“ [diese Korrrektur im September 1853, Fragezeichen hier von mir, stützt meine obigen Korrekturen].
Münsing 8. Jänn[er 1854; Ecke abgebrannt]; Mein lieber Franz!... P.P.E. [Eder, der Bruder von P.A.E.], den Franz und P.A.E. [Albert Eder] im August 1853 besucht haben, dankt für einen Brief und erinnert an das Treffen in Münsing: Franz betrunken, große Mengen gegessen... und zeichnet ihre Runde zweimal. – Zusammen verschnürt mit den Briefen von 1953 und hiermit zusammengebunden die weiteren Briefe von 1876 und 1883/86/88.
1858
Briefe „1858 bis 1862 und 1870“ (rot verschnürt, zumeist nicht gelesen) von Nr. 18 Franz Spängler, 1839-1912, an den Bruder Otto aus Graz nach Salzburg: 3.4.1859 „Liebster Otto! – mais j’avais déjà voulu depuis longtemps vous écrire en français... zum Schluss wieder deutsch... dein(em) dich liebender Bruder FXSpaengler. NB. [in Steno].“ – Graz 8.5.1859 ...dein dich aufrichtig liebender Bruder Franz. – 22.5.59 auf Französisch ...votre fidèle frère François. – 28.6.59 auf Französisch. – 27.10.59 deutsch. – 24.11.59 auf Französisch. – Graz 4.12.59 auf Französisch: Otto Spengler à Salzbourg. – 16.2.1860 auf Französisch. – Gracè 5.4.1860 auf Französisch. – Gracè 25.4.60 auf Französisch. – Graz 6.5.60 auf Französisch. – Graz 21.5.60 auf Französisch. – Graz 27.5.60: „Theuerste Mutter! u Otto! Empfangen Sie hiermit meinen herzlichen Dank für Ihren Brief u. das übersandte Geld... Ihr dankbarer Sohn FXSpaengler. / An Herr Otto Spaengler... k.k. Gymnasium zu Salzburg. durch Güte.“ – 10.6. [ohne Jahr] auf Französisch. – 17.6.60 auf Französisch. – Wien 24.6.1862 deutsch. – ohne Datum, deutsch. – ohne Datum, deutsch. – An die Mutter, ohne Datum, zweite Seite ohne Anfang; mit finanziellen Berechnungen, Einnahmen = Monatsgeld April/Mai 42 fl. [Gulden], andere Einnahmen ca. 40 fl.; Ausgaben = u.a. Zimmergeld April/Mai 6 fl., Wiener Reise 21 fl., sonstige Verpflegung 8 fl., Spazierstock 1,5 fl., zusammen 45 fl., Rest 37 fl. [ca.-Zahlen]. – Schnipsel hier beigelegt „Agordo 2.2.51“ mit (leider nur) dem Rest einer Zeichnung [die Venedigreise mit Eder war 1853]. – An die Mutter Nr. 37 Antonia Spängler, 1803-1882, Graz 28.9.1858 „Liebste theuerste Mutter! Zum ersten Male ist es heute, dß ich aus der Fremde an Sie schreibe... Ihr dankbarer Sohn FXSpaengler“ – Graz 13.4.1859. – Wien 29.4.1859 „An die wohlgeborne gnädige Frau Antonia Spaengler geb. v.Lürzer zu Salzburg“ (mit undeutlichem Poststempel). – Graz 8.5.1859 [ohne Schluss]. – Wien 5.11.1861. – Wien 5.7.1862. – ohne Datum. – ohne Datum, Anfang fehlt: „Blatt III“ und „IV“ an Otto Spängler. - Nr. 18 a Otto Spängler, 1841-1919, an die Mutter und an den Bruder Franz, Wien 24.12.1861 „Meine Theuren! (Liebstes Mutterl! Liebster Franz!) [ausgeschrieben]. – 1.1.1862 an Franz. – Salzburg 4.4.62 an Franz. – Salzburg 29.4.62 an Franz [Schluss felhlt]. – Salzburg 25.5.62 an Franz. – Innsbruck 29.6.62 [Anfang und Schluss fehlen]. – Salzburg 9.7.62 Mutter Nr. 37 Antonia Spängler, geb. von Lürzer, 1803-1882, an Franz. – 5.11. [ohne Jahr] Otto an die Mutter. – ohne Datum, Mutter und Otto an Franz. – Lofer 10.8. [ohne Jahr], Otto und „Mutter Spängler“ an Franz nach Gmunden. – Franz Spängler Liste „Correspondenz 1861/62“, 1861 an u.a. die Mutter, Otto, Cousine Resi, J.Plazer [Julius Ritter von Plazer], Anton und Heb. Sattler und „Photographien a) Empfangen... [54 Stück] ...Gegeben am... [38 Stück]. – Auf blauem Papier „Lieber Franz....“, ohne Datum. – Auszug aus dem Testamente der Frau XX [unleserlich] Schaupp für Frl. Pepi Reisige [... nach deren Tod alles an die Lürzerischen]. - Nr. 18 a Otto Spängler, 1841-1919, an den Bruder Franz 5.5.1870, mit Bleistift angefügt „Lieber Onkel Franz! Dein kleiner Otto“, mit Abrechnung, u.a. Monatsgeld für die Mutter 10 [welche Währung?]. – Otto an Franz ohne Datum. – 24.6.1870 Otto an Franz. – 4.7.70 Schwägerin Luise Spängler an Franz zusammen mit Otto an Franz. – Otto an Franz, ohne Datum. – Briefbogen „Dr.Otto Spängler Salzburg“, Otto an Franz ohne Datum, Berechnungen von Aktienerträgen. – Otto an Franz, ohne Datum.
Franz Spängler an Antonia Spängler
1858 FRANZ SPÄNGLER [Nr. 18] an ANTONIA SPÄNGLER, geb. Lürzer v.Z. [Nr. 37]: [München, ca. August 1858] Liebste Mutter! Sie werden verzeihen, dß [daß] ich kein Briefpapier nehme, um Ihnen zu schreiben, doch jetzt um 1/2 11 Abends, am 15. August, wo wir soeben von Starnberg mit dem letzten Bahnzug heimgekehrt sind, habe ich kein anderes bei der Hand, u. morgen möchte ich am Ende nicht mehr dazukommen/ Wir befinden uns sehr wohl, sind fleißig auf den Füßen, sehen aber auch ziemlich viel. - Am Mittwoch, wo wir mit Duscher u. Schweinesten [?] uns herumtrieben, gingen wir in die Glyptothek, die Gewerbeausstellung, die Bavaria u. den Friedhof, am Donnerstag die Burg, u. Nachmittags fuhren wir nach Großhesellohe, u. Abends gingen wir ins Theater. - Am Freitag besuchten wir die Schatzkammer, die alte Pinakothek, die Aukirche, dann badeten wir, und gingen Abends in eine Vorstellung von Akrobaten, am Samstag Vormittags gingen Hubert u. Louis in die neue Pinakothek u. ich in die naturhistorischen Sammlungen/ das Münzkabinet u. die Bibliothek, Nachmittags alle mitsammen in die deutsche Kunst-Ausstellung, heute waren wir noch in mehreren Kirchen, u. Nachmittags am Starnbergersee. Morgen wollen wir noch einiges ansehen, wozu wir jetzt noch nicht gekommen sind; Nachmittags fahren wir nach Augsburg, u. am Dienstag nach Kaufbaiern [!] vielleicht noch bis Füssen. Photographirt sind wir schon, ich glaube dß ich gut getroffen bin, den als ich die Bilder abholte, gab mir die Frau des Photographen, die mich früher noch nicht gesehen hatte, dieselben mit den Worten: „da sind Ihre Portraits; die vom andern Herrn (denn ich war allein) müßen Sie sich selbst suchen.“ - Tarenczy [?] u. Warnersberger [?] trafen wir ebenfalls hier in München; der leztere wohnt in einem Privathause. Auch die Obermüller Greiz [?] trafen [wir] gleich am ersten Abend beim Stachus, er logierte aber mit seinem Vater im Bamberger Hof, daher sah ich den Landgerichtsrat nicht mehr, weil er schon an anderen Morgen fortging. - Auch die Gschnizer [Gschnitzer] Marie als Frau von Harrer ist hier samt ihrem Gemal, Louis wollte sie besuchen, traf sie aber nicht. Der Abschied nach der Hochzeit soll besonders den Eltern sehr schwer gefallen sein besonders da die Harrerischen über Achental nach Tyrol, u. von da nach Zell gehen, ohne nach Salzburg zurückzukehren. - Hat man wegen der Entbind[un]g der Kaiserin schon geschloßen [be-?], wir haben noch nichts davon gehört, u. Zeitungen lesen wir weniger. - Wegen der Standeswahl [Berufs-] bin ich noch nicht im Reinen. Ampfer [?] u. Häferle [?] meinen ich sollte jedenfalls nach Wien gehen, denn Stipendium bekäme ich, wie auch Julius [Spängler] sagte, im ersten Jahre doch nicht, u. 1 od 2 Jahre Philosophie würden mir auch nicht schaden, wenn ich Geistlicher würde. Es hat das manches für sich, doch richten werde ich mich gerade noch nicht darauf. - [zweites Blatt:] Als ich neulich in den naturhistorischen Sammlungen auch die Todtenschädel ansah, und darunter auch einen von einem 19 jährigen Mädchen fand, da dachte mir wohl: „Alles ist eitel u. das Leben ist so schnell vorbei“ etc. aber Nachmittags sah ich in der Gemälde-Ausstellung im Bild „Ein Mönch einer Trauung zuschauend“, das auch nicht ohne Eindruck auf mich blieb. - So ist denn diese Frage noch nicht erledigt. Beten Sie fleißig für mich, dß es gut ausfallen möge. Wenn Sie Tante Therese sehen/ so grüßen Sie mir selbe schönstens. Vielleicht hält sie sich doch so lange auf, dß ich sie noch sehen kann. Ich denke halt bis Dienstag od. Mittwoch über 8 Tag (24. oder 25.) nach Salzburg zu kommen. - Indem ich Ihnen recht gute Unterhaltung wünsche, u. um Ihre fernere Liebe bitte, verbleibe ich mit Hochachtung Sie gesund u. glüklich wieder zu sehen Ihr dankbarer Sohn F X Spängler - Herzliche Grüße an Otto, Therese u. alle Bekannte, die Sie sehen, od. denen Sie schreiben. Wie steht es mit den Lürzerischen? Kommen sie? od[er] sind sie schon da? Grüßen Sie mir dieselben tausendmal. - „Duscher“ siehe folgender Brief (aus Wien); „Großhesellohe“: Stadtteil Großhesselohe im Süden von München (Isartal); „Gschnizer Marie“= Gschnitzer [mehrfach in den Briefen]: vgl. der Vater Franz Spängler [Nr. 36], geb. 1793 in Salzburg, gest. dort 1854, fängt als Spediteur in Salzburg bei Matthias Gschnitzer an. - Auch die Familie „Harrer“ gehört zu den ‘großen’ Familien in Salzburg (vgl. Dopsch, 1996, S. 492, 641; Ignaz #Harrer als Bürgermeister der Stadt von 1872-1875). Franz Xaver Spängler, Sohn [Nr. 18], geb. 1839, besucht die Schule in Salzburg und studiert dann in Graz (daher die ungefähre Datierung des Briefes etwa mit der Matura 1857/58, aber offenbar noch vor dem Beginn des Jura-Studiums im Oktober 1858). Eine „Gschnizer Clara“ taucht auch im Tagebuch des Franz Spängler 1861 auf. - „Entbindung der Kaiserin“: Erzherzog Rudolf von Habsburg wird am 21.Aug.1858 geboren; das ist ein weiterer Hinweis auf die Datierung des Briefes von ca. August 1858. - „Julius“, ein Cousin. „Otto“ Spängler, Bruder, geb. 1841, verh. Duregger (aus der Bank-Linie in Salzburg); die „Lürzerischen“: Familie der Mutter Lürzer von Zehendthal (Hall in Tirol). - Aus dem Besitz von Franz Spängler stammt eine „Vita S. Francisci Xaverii“ von 1797, mit einem Prachteinband der Erzabtei St.Peter in Salzburg von 1806, die der Schüler erhielt: „In der I.Vorbereitungsklasse zu St.Peter. Aus der Rechtschreibung. Preis. Nob. Franz Xav. Spangler.“ Vom Juli 1853 stammt als Schülerarbeit eine sehr exakt ausgeführte Federzeichnung einer Weintraube, unterschrieben „F X Spaengler“. Ein zweibändiges Wörterbuch Griechisch-Deutsch von 1854 (Val. Rost) enthält als Widmung einen Zettel für „Spängler Franc. 1.August 1855. Dr.Kottinger G.Director.“ – Abbildung = undatiertes Foto mit Antonia Spängler und den beiden Söhnen Franz und Otto.
1859
siehe auch: Briefe „1858 bis 1862 und 1870“
1859. Unbekannte Schreiberinnen an ANTONIA SPÄNGLER [Nr. 37]: Wien den 8ten Mai 1859. Theuerste Freundin! Ungemein freute mich Ihr liebes Schreiben, welches ich gestern den 7ten Mai erhielt, Karl schrieb mir daß der Brief beim Fellerer war, ich kann gar nicht begreifen indem ich noch nie der Fellerer geschrieben habe, wir überhaupt in gar keinen Briefwechsel mit Ihnen stehen, wie sie den Brief nicht dem Karl gleich hinschickte, daß ist schon das zweite Mahl, daß ich wegen ihr einen Brief so lange nicht bekome; bitte also wenn Sie mir wieder die Freude machen zu schreiben ja den Brief gleich dem Karl zu geben, was hätte Franz vor [für] eine Freude gehabt, wenn der Brief während seiner Anwesenheit gekomen wäre. Franz sieht prächtig aus, und es hat ihm Wien so gut gefallen, daß ihm der Abschied, recht schwer angekomen ist [/] wir sind recht viel mitsamen herumgegangen. Auch wir vermissen alle Ihre liebe Gesellschaft, sehr [,] ich kann mich nicht ganz der Hoffnung erwehren, Sie theure Freundin wenn einmahl beide Söhne in Wien sind, vielleicht doch auch herunter zu ziehen, wir fänden auch hier Spaziergänge die wohl mit Salzburg keinen Vergleich aushalten, im ganzen aber auch recht hübsch sind. Vergangenen Sontag waren wir alle mit Franz und meinem Bruder der mit der Deputation der Stände beim Kaiser war in Schönbrunn, und früher einmhl [einmal] im Prater haben uns recht gut unterhalten; Bis dato gefällt es mir ganz gut hier [/] wir haben eine sehr kleine Wohnung aber eine wunderschöne Aussicht, die wir wohl leider wieder verlieren denn wir haben von Micheli [Michaeli?: 29.9.] an eine Wohnung in der Stadt gemiethtet im 3ten Stok mit der Aussicht in einen Hof, um 600 f [Florin: Gulden] C.M. [Kurantgeld, gängige Münze?] sie ist ganz in der Nähe der Universität sehr licht nd freundlich, und wir können 2 Zimer vermiethen, sie ist im MXXngeti schon Richtungsfeste. Bei Lubitsch sind alle ganz wohlauf, sind aber seit Georgi [23.4.] ziemlich weit von uns weg[g]ezogen. Die Lebensmittel sind wohl theurer als in Salzburg aber nicht gar so bedeutend, nur sehr mühsam [/] man muß alles selbst kaufen, den die Leut gäben sich die Mühe nicht, die Toni und ich haben jeder einen braunen Marktkorb, wo wir alles zusamenschlagen. Das Pfund Rindschmalz 60 x [Kreuzer] bis 63 x Neugeld Schweinschmalz von der fast alles kocht auch wir 36 x Butter 60 bis 70 x Eyer 25 um 40 x Neugeld. Grünspeisen billiger als in Salzburg. Semel besser und im Geld gleich [/] Hausbrod theurer und schlechter Fleisch 26 x Neukreutzer nicht gut. Kertzen und Seifen billiger. Schuster billiger. Männer Schneider nicht viel theurer. Milch 1 Seitel 5 Neukreutzer 1 Seitel Obers 10 x sauer Ram 10 x letzterer sehr gut. 1 Klafter Eschenlenner [?] Mischling [?] ei[n]mahl zum Abschneiden 8 f 30 x C.M. und da brennen wir nebst dem Steinkohlen kostet der Centner 1 f 26 x Neugeld. Nun muß ich schließen denn der Raum fehlt. Mein Mann empfielt sich vielmahls und dankt vor [für] den Glükwunsch zu seinem Namenstag, [mit kleinerer Schrift und anderer Tinte, doch gleiche Handschrift:] er ist derjenige der Salzburg am meisten zu vermissen scheint. An Otto viele Grüsse von allen so wie an die Theres, und alle die sich unser erinnern auch wenn ich bitten darf an die Davidlin [?] sie soll gut auf das Preiserl [?] schauen mir ist noch immer leid um sie. Erfreuen Sie mich wieder mit ein paar Zeilen ich küsse Sie im Geiste und bin Ihre inigliebende Freundin Antonia Duscher [?] [sehr klein:] An die beiden FXXel [Franzel?] alles Schöne. - [andere Schrift?:] Verehrteste, gnädige Frau. Auch ich bin so frei, an Sie gnädige Frau einige Zeilen zu richten. Ich befinde mich hier recht wol und habe mich schon angewöhnt, obwohl ich sehr oft an Salzburg und seine lieben Bewohner denke! - Hr Franz ist auch wieder nach Graz zurück, er hat sich hier, wie es scheint sehr gut unterhalten, wir waren auch einmal zusammen in Schönbrunn. Er sieht sehr gut aus. Heute Sonntag wollten wir eine Parthie nach Don[n]er[s]bach [?] unternehmen, die jedoch des Regens wegen unterbleiben wird müssen. Die Aussicht unserer Zimmer ist herrlich, jedoch die Einsicht ist nicht großartig. Sehr freue ich mich in die Wohnung in die Stadt hinein. Gnädige Frau besuchen gewiß wieder fleißig die Mainandacht, ich bitte, gedenken Sie dabey auch öfters meyner. Hier ist Alles Krieg, Freiwillige sieht man auf allen Strassen sich im Rausche herumtummeln, man darf sich garnicht getrauen solchen in die Nähe zu kommen, denn sie haben sogar vorgestern einigen Frauen die Hüte vom Kopfe gerissen. Es ist gut, dß [daß] sie fortkommen. Im Prater waren wir schon 2 mal, er gefällt mir sehr gut. Ich hätte mich gerne noch länger mit Ihnen gnädige Frau unterhalten, allein der Raum fehlt. Indem ich Sie auch bitte mich nicht ganz zu vergessen, küsse ich Ihnen, gnädige Frau die Hände, und verbleibe Ihre dankbarste [!] Antonia Duscher [! Antonin ?]. [daneben:] An Hr Otto, so auch an die beiden Franzl bitte ich mich ergebenst zu empfehlen; Theres grüsse ich 1000 mal! - [/]: zur Verdeutlichung hier Satztrennung eingefügt (auch andere Zusätze bei der Übertragung ebenfalls in eckigen Klammern). [?]: Bedeutung oder Lesung (hier bes. bei Familienamen) unsicher. Kürzelzeichen, z.B. Verdoppelung durch Strich über m und n, sind aufgelöst; aber z.B. „bekome“ und „Zimer“ trotzdem mit einem ‘m’. - Vorpostalischer Brief, ‘unbekannte’ Absenderin (doppelt mit Antonia Duscher unterschrieben?) an: „Der Wolgeborenen Frau Antonie Spängler in Salzburg. Durch Güte.“ Brief eng gefaltet, kleine Reste von rotem Siegellack. An: Maria Antonia (Antonia) Spängler [Nr. 37], geb. Lürzer, geb. 1803 (siehe unten, nächste Briefschreiberin); der im Brief genannte „Franz“ ist der Sohn [Nr. 18] Franz Spängler, geb. 1839 (vgl. „...beide Söhne“), zur Zeit des Briefes also 20 Jahre alt. Er studiert in „Graz“ und ist bzw. war offenbar zu Besuch in Wien bei der Briefschreiberin. Eine „Duscher Toni“ taucht auch im Tagebuch des Franz Spängler 1860 auf. - „Neugeld“: seit 1857 sind in Österreich 100 Kreuzer: 1 Gulden; Der Gulden [fl.] war zwischen 1857 und 1892 in Österreich die Silberwährung (1 Gulden= 100 Kreuzer). - „Krieg“ im Frühjahr 1859 gegen Frankreich unter Napoleon III.
1860
siehe auch: Briefe „1858 bis 1862 und 1870“
1860, Brief von [Nr. 18 a] OTTO SPÄNGLER und [Nr. 37] Maria ANTONIA SPÄNGLER (1803-1882) an den Bruder bzw. Sohn [Nr. 18] FRANZ SPÄNGLER: [Salzburg, ohne Datum/ um 1860:] Theuerster Franz! Als ich die letzten Zeilen an dich schrieb, glaubte ich denselben durch Frau v Schaffner zu senden; aber der Brief kam zu spät. der heutige aber geht mit Konfekt und Kalhefers [?] brief heute durch die Güte der Frau v.Schafner. Gestern als am 20 ten hatte Kalhster [?] Ausgang und ich verbrachte 2 recht angenehme Nachmittagsstunden mit ihm und Rothenbuchner bei feinen Leuten. Von 6 Uhr an spielte bei uns Tarok, denn wir hatten Spiel und der Konrad ging um 6 Uhr. Abends 8 ½ Uhr ging ich noch zu Obermüller, wo die Auscultanten geladen waren, und es herzlich langweilig war. Quamquæm praesentia mea bene incepit, brevi mutata eft; mater me vidit intrantem in domum ejus et infernale spectaculum incepit, quum fila in conclave intrasset. Ne forte credas, matrem [nicht weiter gelesen; Latein... was ich nicht alles verstehe, außer dass er offenbar schnell aus diesem Haus schnell wieder verschwindet...] Hodie die veneris ibo ad veterem. Quelle change! Saluez de mon part Tenzl et Vozarye [?], Guttenberg, Daeltrer [?] etc. – Ton fidele frère Otto. - - [die Mutter:] Lieber guter Franz. Wen ich auch recht viel zu thun habe, so will doch den Brief nicht fort gehen lassen, ohne ein paar Zeilen an dich zu schreiben. Lieber Franz hier sende ich dir ein wenig Konfekt, den XXX liegt gerade hier XXX bekommst du XXX durch die Post oder es bringt die selben der Wassinger. Als weiteres geschenk lasse ich dir den Mantel neu füllen ich glaube das dir dieses auch gut taugen wird. Wir sprechen wohl oft von dir, laufe dich fei(n) nicht zu sehr ab, und sey XXXling in allen was du thust, und gebe das geld nicht leicht hinaus. Lebe recht wohl es küßt dich mit inniger Liebe dich in Schutz gottes empfehlend und dich von ganzen Herzen Segnend deine treue Mutter Spángler – An alle Bekanten viele Empfehlungen nebst vielen Dank besonders bei Franzl und guttenberg lasse ich gute Feyertag wünschen. Alle hier grüßen dich recht herzlich. An lozarign [Lorinser?] viele herzliche Grüße. Die Therese läßt dich auch herzlich grüßen. - „#Guttenberg“: nach Visitenkarten „Emil Ritter von Guttenberg k.k.Rittmeister“; „Minna von Guttenberg née de Launsperg“. Nach einem undatierten Foto sind Fanni Schlegel/Spängler und Lida Guttenberg, die Schwiegertochter, Freundinnen, ebenfalls genannt in mehreren Briefen. – Wahrscheinlich ein relativ früher Brief; Franz Spängler studiert in Graz bis zum WS 1858/59, das SS 1862 in Wien, die erste Staatsprüfung ist in Wien im Juni 1862. Geburstag hat Franz Spängler am 10.4. - Foto von Lida Guttenberg bei 19 Fanni Schlegel/Spängler in einer der roten Schachteln.
„Briefe 1860 ff. an Nr. 18 Franz Spängler“ = Briefe (rot verschnürt, nicht gelesen) von (vor allem) Freunden und (einigen) Verwandten (die meisten Namen sind für mich leider unlesbar = XX; ich habe die Briefe nur chronologisch geordnet, zusammengebunden waren sie bereits: Ort/Datum/Absender) an Nr. 18 Franz Spängler: 27.10.1860 Julius PlazXXy [Julius Ritter von Plazer]; Aschermittwoch 1862 Cousine Therese [v.Lürzer?]; 19.5.1862 Freund Jul. PlazXX [Julius Ritter von Plazer]; Innsbruck 14.6.1862; Salzburg 13.12.1868 Freund KoXX; Ried 2.2.1869 Otto Dunkler; mit Umschlag Gesangsfest August 1869 in Salzburg, Einladung dazu und Programm; 30.6.1870 Freund Al. KXX; Lainz 14.9.1871 Freund Fr.Fenzl; Wien 24.9.1871 Cousin und Cousine Vinzenz und Josefine A. [Arrigler?]; Innsbruck 1.10.1871 Vetter Adolf; Zara 13.10.1871 Vetter LoXX; Salzburg 1.12.1871 Anna Lanser; Wien 12.4.1872 Freund Kaserer; Mödling 12.4.1872; mit Umschlag Salzburg 10.10.1872 Wappensiegel Weiß (?); Salzburg Januar 1873 Goldene Hochzeit von Alois und Therese Spängler, gedruckte Einladung und Brief „Aloys“ Spängler u. Therese; Wien 27.9.1874; Wien 19.7.1878. – Bei diesen Briefen wurde bei den anderen Jahreszahlen keine Verweise geschrieben. - Ohne Ort und Datum. - [„1“] Briefumschlag (Stempel Salzburg 20.2.XX) „Sr. Wohlgeboren Herrn Dr. Franz Xaver Späng[ler] k.k. Landesgerichts Auskultant zu Salzburg.“ [Briefmarke herausgeschnitten] mit mehreren Briefen von Rudolf Handel = Freising 17.9.1865 Verehrtester Freund... Ihr aufrichtig ergebener Rudolf Handel; Linz 30.3.1866 (1,5 Bogen); Linz 19.4.1866 Lieber Dr. Spängler... Ihr ergebener Rudolf Ha[ndel]; 19.6.1866 Verehrtester Freund...; Freising 26.10.1866 Verehrter Freund... Ihr ergebener Frd Rudolf Ha[ndel]; Linz 10.12.1866 Lieber Doktor Spängler... (1,5 Bogen); o.O.u.J. Verehrter Freund.... – [„2“] Briefumschlag (Stempel Salzburg 19.1.XX; rotes Siegel) „Sr. Wohlgeboren Herrn Franz Xaver Spängler der Rechte Doktor, und k.k. Landesgerichts Auskultant zu Salzburg.“ [Briefmarke herausgeschnitten] mit mehreren Briefen von Rudolf Handel = Linz 14.7. o.J. Verehrtester Freund...; 20.2.1867 Mein verehrter Freund...; Linz 4.3.1867 Verehrter Freund... Ihr ergebener Rudolf Handel; Linz 21.4.1867; 5.7.1867 Lieber Freund... Ihr aufrichtiger Rudolf Ha; Freising 30.10. ohne Jahr; Linz 17.6.1868. – [„3“] Briefumschlag (Briefmarke mit Stempel herausgeschnitten) Herrn Dr. Franz Xaver Spängler k.k. Landesger[.] Auskultant Wohlgeboren Salzburg.“ [Briefmarke herausgeschnitten] mit mehreren Briefen von Rudolf Handel = o.O.u.J. ...Ihr ergebener Rolf Han; mit Trauerrand 5.1.1870 ...Ihr ergebener Freund Rolf Han; 14.1.1870 Lieber Doktor...; Linz 19.1.1870 blaues Papier, „Herrn Baron Seiller zur Einsicht.“; 31.12.1870; beigelegt gedruckte, kleine „Einladung zum Abiturienten-Valete im Kaserer-Hof am 5.August 1858“. – Bei den Handel-Briefen wurde nur ein Verweis bei 1865 geschrieben [„mehrere Briefe 1865 bis 1870“]. Über Handel habe ich bisher nichts gefunden. - Bei den Stammbuchblättern für Nr. 18 Franz Spängler = Julius Ritter von #Plazer.
1861
Briefe (rot verschnürt, nicht gelesen) von Nr. 37 Antonia Spängler, geb. von Lürzer, 1803-1882, an den Sohn Nr. 18 Franz Spängler, 1839-1912, aus Salzburg; zusätzlich mehrfach vom Bruder Otto. Oder umgekehrt von Nr. 18 a Otto Spängler, 1841-1919, zumeist über Geldangelegenheiten der Mutter, und zusätzlich dann auch von der Mutter. Ohne Umschläge (einzelne Umschläge sind angegeben). – Vom 14.4.1861 bis 1.7.1861 und vom 7.4.1862 bis 16.7.1862; insgesamt 15 Briefe, 1 Umschlag nach Wien.
siehe auch: Briefe „1858 bis 1862 und 1870“
Brief von (Nr. 18 a) Otto Spängler, 1841-1919, an die Mutter (Nr. 37) Antonia Spängler, geb. von Lürzer, 1803-1882, und an den Bruder (Nr. 18) Franz Xaver Spängler, 1839-1912 (liegt bei den Kobler-Spängler-Briefen, Bündel „1858 bis 1862 und 1870“)
Meiner lieben Mutter Frau Antonia Spängler Salzburg. dG. [durch Güte, d.h. wohl durch Boten]
[Briefbogen mit Prägestempel „O.S.“]
Wien am 24 Dezember [1]861
Meine Theuren! (Liebstes Mutterl! Liebster Franz!)
Es ist der heilige Christabend; und ich will und kann denselben nicht vorübergehen lassen, ohne an dem Abende, den ich noch Jahr für Jahr an der Seite meiner guten Mutter zubrachte, doch wenigstens schriftlich mit jenen Wesen zu verkehren, dessen Liebe und Zuneigung in allen Verhältnissen und, wenn auch alles andere vergeht, stets gleich und unverändert bleibt. Der liebe Gott fügte es so, daß ich an dem ersten Christabende, den ich außer Haus zubringe, manche Freude erlebte. Hören Sie einmal! Morgens um 9 Uhr war mir die größte Freude zutheil, ich erhielt Ihren und meines lieben Franz‘s Brief, für den ich Ihnen sehr danke. Um 11 Uhr kam ein Brief vom Alberti, der mich auf den Freitag zum Speisen einlud. Um 1 Uhr brachte mir der Hausmeister ein Paquet, und als ich dasselbe öffnete, war von unbekannter Spenderin ein allerliebster, kleiner mit allen möglichen Kleinigkeiten behängter Christbaum darin, der ein wahrhaft niedliches Aussehen gewährt. Um 2 Uhr war ich vom Bürgermeister Mertens zum Speisen geladen, wo wir trotz des Fasttages sehr gut aßen und tranken, dann in ein Kafeehaus gingen. Und 6 Uhr sind wir bei Fenzl geladen, und jetzt um ¾ auf 6 Uhr sitze ich eben dabei, um Ihnen noch zuvor dieß alles zu schreiben. Wenn ich von Fenzl werd zurückgekehrt sein, werde ich darüber Bericht erstatten. – Fortsetzung um 10 Uhr Nachts - Nur um meinem Versprechen getreu zu bleiben, schreib ich noch vorm Schlafengehen wenige Worte und zeige Ihnen an, dß ich einen sehr schönen Schal weiß und schwarz quarirt, und die Fotografie der beiden Knaben erhalten habe. Es war ein sehr schöner und mit glänzenden Sachen geschmückter Baum; und ich muß gestehen so gemütlich, dß ich einigermaßen für die Entfernung der Heimat entschädigt bin, so gut es eben sein kann. Und nun gute Nacht, liebs Mutterl, es ist die stille Heilige Nacht! – Weihnachtstag, um ½ 6 Uhr Abends. Heute Mittag also war ich bei Guttenberg geladen, wo ich sehr gut speiste und wo sich alle angelegentlich um Sie erkundigten und Sie herzlichst grüßen lassen; zugleich erfuhr ich auch von Rosa Petz, die nach dem Essen etwas heraufkam, dß der Christbaum von ihr und Ludmilla sei und dß sie mir ihn sandten, weil ich allein wäre und sie mir auf diese Weise einen Ersaz für die Heimat diesen Christbaum geben wollten. Um 6 Uhr gehe ich jezt dann zu Lacroix und beschließe dort den Hl. Christtag. Noch um eines möchte ich Sie dringlichst bitten, dß Sie für Zenta Guttenberg einen Klozenstruzen [Kletzenbrot] machen. Der Onkel und die Tante essen es für ihr Leben gern und hier gibt es keines; und sie sind wirklich so unendlich liebevoll und freundlich, dß wir etwas schon thun müßen. Und nun adieu, jezt geh ich zu Lacroix! – Stefanitag, Morgens 8 Uhr. Guten Morgen, meine lieben; Heute Morgens wenige Minuten nach 12 Uhr kam ich nach Hause, ich unterhielt mich gottvoll; wir hatten eine grandiose Jause zu Ende des Weihnachtstages; es war auch Lotti Partenau da. Die Frau von Lacroix läßt dich grüßen, lieber Franz und dir sagen, dß es ihr sehr leid war, uns damals nicht vorlassen zu können; sie war nicht angezogen. Im nach Hause gehen wollte mich Tante Guttenberg auf heute, also 2 Tage nacheinander zum Speisen wieder einladen, aber ich bin ja bei Alberti schon geladen. Sie lud mich für heute Abends ein, und für Sonntag oder Neujahrstag wieder zu Mittag. – Da ich vor Neujahr nimmer dazu kommen werde, Ihnen zu schreiben, so sende ich Ihnen dießenmal meine beßten Wünsche. Liebste Mutter seien Sie überzeugt, dß Dankbarkeit und Liebe für Sie lebendig in meinem Herzen wohnen, dß ich den unendlichen Werth einer so guten Mutter zu schätzen weiß, und dß täglich mein erstes Gebet für Sie, liebstes Mutterl, um auch langes und glückliches Leben zum Himmel steigt. Bewahren auch Sie mir diese zärtliche Mutterliebe, mit der Sie mich jezt umfangen halten, ich will nach Kräften mich derselben werth machen. Auch du, lieber Franz, wirst von meiner aufrichtigsten und innigsten Liebe zu dir überzeugt sein, und ich kann dich versichern, dß du trotz der vielen Vergnügen, die ich genieße, mir unendlich abgehst. Und sollten wir uns auch in bälde trennen müßen, bleibe mir auch dann der selbe liebende hilfreiche Bruder, der du mir während der vielen Jahre die wir jezt zusammen sind, warst. Auch meiner guten Therese alles Glück und herzliche Grüße zum neuen Jahr, und es begleite uns alle am Ende des alten und auch im neuen Jahre der Schutz des Allerhöchsten, er walte gütig über eine Familie, die wenn auch klein, doch durch Eintracht und Liebe glücklich ist. Dieß ist der Wunsch und das Gebet Ihres Sie beide innigliebenden Otto. 26/12 – An alle alles Schöne, so wie alle Bekannten dich lieber Franz vielmals grüßen. Deine Grüße an Rose Plachetka etc. soll ich alle erwiedern. Schreiben Sie mir bald, recht bald; noch vor Neujahr!
Mertens = Heinrich Ritter von Mertens (1810-1872), kaiserl. Rat und 1861-1872 Bürgermeister von Salzburg; Familien Fenzl, Guttenberg und Plachetka mehrfach in den Briefen als enge Bekannte und Freunde in Salzburg genannt. Lida, geb. Plachetka, verh. Guttenberg, ist zudem eine enge Freundin von Fanni Schlegel, der späteren Frau des Bruders Franz Spängler; Therese ist hier wohl die Hausangestellte in Salzburg. – Franz Spängler und Franz Plachetka schreiben 1862 zusammen an einer Schülerzeitung [Studenten- /Faschingszeitung?]. – #Petz: Bei den Stammbuchblättern für Nr. 18 Franz Spängler = Rosa Petz (Wien 1861)
1862
siehe auch: Briefe „1858 bis 1862 und 1870“
25.6.1862, Brief ohne Umschlag von [Nr. 18] FRANZ SPÄNGLER (1839-1912) aus Wien an die Mutter ANTONIA SPÄNGLER [Nr. 37] (1803-1882; der Vater ist bereits 1854 gestorben): Liebste Mutter! Wie Sie hoffentlich d[urc]h meinen Brief erfahren haben, habe ich die Staatsprüfung glü[c]klich bestanden, u. zwar mit Auszeichnung aus 3 Gegenständen, aus dem bürgerlichen Gese[t]zbuche, u. dem Verfahren in und außer Streitsachen, auch aus dem Strafrechte hätte ich sie bekommen, wenn nicht der Prüfungscommissär so streng am [auf dem] Wortlaute bestanden hätte. Ich bin sehr froh d[a]ß sie glü[c]klich vorüber ist, u. wünsche nur, d[a]ß auch die andern Prüfungen u. Rigorosen ebensogut vorübergehen. Ich hoffe auch, dß Sie mit dem Resultate zufrieden sein werden; mich freut es, dß ich auch hier ein glükliches Resultat erreicht habe, u. wünsche, dß mir das Zeugnis auch für die Zukunft von Vortheil sein dürfte. Den Abend nach der Staatsprüfung (denn ich hatte sie von 4-7 Uhr) brachte ich bei Gut{t]enberg recht angenehm zu; auch bei Plachetka war ich noch am selben Abend; sie waren alle sehr erfreut über das Resultat; ebenso bei Gengl [?], wo ich noch am Abende vor der Staatsprüfung eingeladen war; ich habe es doch angenommen, weil ich mich wirklich sehnte zwischen den Stunden wo ich studierte, eine kleine Abwechslung zu haben, die le[t]zten 14 Tagen seit Pfingstmittwoch habe ich sehr fleißig gearbeitet, um die Gegenst[än]de nochmals zu wiederholen; doch fühlte ich mich recht wohl, und d[urc]haus nicht angegriffen; ich habe mir ja nebenbei immer einige Erholung gegönnt, und mir nichts abgehen lassen. – Daß Böhm [?] plözlich wieder nicht kommt, hat uns sehr überrascht; er hätte es wirklich etwas früher uns mittheilen können; denn das hätte er ja früher auch sich schon überlegen können. Wir hatten schon die Bettstelle aufstellen lassen und alles hergerichtet, ihm auch eine Schublade ausgeräumt. Ich habe aber seine übrigen Aufträge noch nicht vollführen können, da ich die betreffenden Studierunden noch nicht sah, ich werde es aber ehestens thun u. kann es mündlich nicht sein, so thue ich es schriftlich. Ich bitte ihm das einstweilen mitzutheilen. – 25/6 1862 Abends. – Nun zu den Hauptgegenständen meines heutigen Briefes. Erstens, da ich durch die drei Auszeichnungen bei der 2. Staatsprüfung die gesetzlichen Bedingungen erfüllt habe, um im Juli noch die 3te Staatsprüfung zu machen, so war ich heute bei Ministerialrath Thomaschek, dem Präses der betreffenden Commission, u. bat um Zulassung zu denselben im Juli, ich werde also hier bleiben bis Ende Juli u. werde fleißig studieren, um die drei Gegenstände der Prüfung zu vollenden; sollte ich für die hiesigen Anforderungen mich aber nicht gewachsen fühlen, so mache ich sie in Innsbruck, wo ich für diesen Fall d[urc]h Otto [der Bruder] habe Vorbereitungen treffen lassen. Ich bin dann auf diese Art ganz fertig und kann dann mit ganzem Eifer für die Rigorosen arbeiten. Ich hoffe dß Sie diesem Plan Ihre Zustimmung geben; dann seze ich ihn durch, so ist es mir ein großer Vortheil; u. was mein Befinden anbelangt, so kann ich es schon unternehmen, noch die 4 Wochen fleißig zu arbeiten; ich fühle mich ja nicht im geringsten erschöpft u. sollte es sich zeigen, dß ich ohne zu große Anstrengung nicht fertig werde, so kann ich noch immer jeden Augenblick zurücktreten. – 2tens. Ich war heute auch bei Minister Lasser mit meinem Zeugniße; er war sehr freundlich, gab mir den Rath, doch lieber zur Justiz zu gehen, u. gab mir seine Karte mit der Anweisung an 2 Ministerial-Räthe des Justizministeriums, von denen ich alle nöthige Auskunft erhalten würde, wo ich am ehesten mit Aussicht auf ein Adjutum [Referendariat] unterkommen könnte; zu diesen konnte ich aber heute nicht mehr gehen, ich werde aber morgen od. übermorgen hingehen, u. Ihnen entweder noch in diesem od. im nächsten Briefe berichten, damit wird dann noch ein Brief an Hrn. Finanzrath Barchetti [später, 1886, eingeheiratet in Spängler-Verwandtschaft, Bank-Linie] [.] – 3. Auch werde ich Ihnen ein Gesuch an die Landesregierung sammt einer Abschrift des Zeugnißes schiken, worin ich um den Fortgenuß des Stipendiums bitte. Ich bitte Sie dieses dann zu überreichen, u. falls außer dem Zeugniße noch Belege nöthig sein sollten es mir sogleich zu schreiben [.] NB. Das 1. Verleih[ung]sdekret werde ich etwa auch mitschiken. – 4. Wenn Sie also meinen Plan wegen der 3. Staatsprüf[un]g, wie ich nicht zweifle, genehmigen, so bitte ich Sie mir den noch oben befindlichen Junicoupon sowie den bald fälligen Julicoupon zu schiken, u. ebenso bitte ich um das Monatgeld für Juli; mein Bargeld ist nämlich nicht reichlich mehr; u die 70 fl Obligationen die ich noch habe, könnte ich diesen Augenblik nur mit Nachtheil verkaufen. – 5. Bei Franz Spängler [Franz Seraphin Spängler, 1837-1913, älterer Cousin; Landgerichtsrat in Salzburg] bitte ich zu sagen, dß ich heute mit Herrn Prälaten gesprochen, der mir sagte, dß er in der Angelegenheit der Gabriele mit Min. Lasser geprochen, u. dß er Hoffnung auf ein günstiges Resultat habe. – Wie ich heute aus einem Briefe der Frau v Dresler [?] entnahm, erwartete sie schon heut einen Brief von mir; ich habe doch am Samst[a]g d[urc]h meinen Collegen Hefner Ihnen einen Brief geschikt, den Sie wie es scheint dienstags noch nicht hatte, während Sie ihn doch hätten Sonntags schon erhalten können. – Er wird hoffentlich einstweilen in Ihre Hände gekommen sein. – Den Augenbalsam werde ich kaufen, u. da es, ihn selbst mitzubringen, zu spät sein dürfte, ihn bei nächster Gelegenheit schiken [.] – Wie kommt es dß Lürzer Otto [Cousin?] heute sobald fertig wird? Was wird er im nächsten Jahre machen? Was u. wo wird er studieren? – 26.6. Ich konnte leider die beiden Ministerialräthe heute nicht XXXchen; da ich aber den Brief doch abschiken möchte, so behalte ich mir für’s nächste Mal vor, Ihnen das Resultat zu schreiben. Wie gesagt bitte ich also um baldige Antwort; damit ich bis 7.es wegen des Quartiers auch weiß; denn ginge ich fort, so würde Weiß die 2.Hälfte des Juli zu Sparge [?] ziehen, damit dieser nicht allein das Quartier zahlen muß. An alle Bekannten alles Schöne; von meiner Unterred[un]g mit Min. Lasser bitte ich weiter keinen Gebrauch zu machen; denn solche Dinge will ich nicht gern weiter verbreitet haben. – Mit der Hoffnung, Sie recht bald, längstens bis Montag einen Brief zu erhalten u sie [!] recht bald, od längstens in 5 Wochen zu sehen verbleibe ich um Ihre mütterliche Liebe u. Ihren Segen bittende Ihr dankbarer Sohn FXSpaengler
bei den Kobler-Spängler-Briefen [rot verschnürt, nicht gelesen]: Poesiebuch / Gedicht-Sammlung ohne Datum und ohne Bezugsperson, versch. Handschriften = u.a. Fastnachtsrede für Salzhausen; A.Grün; Herwegh; Körner; Hohenhausen; Blumauer; Die Kindsmörderin. – Handschriftliche Faschingsansprache Salzburg 1878; handschriftl. Faschingsfestlied Salzburg 1874; gedrucktes Gedicht Winterfeld; gedruckte Beschreibung der St.Lorenz-Kirche in Nürnberg; dito St.Sebald [gehört vielleicht zur Bayreuth-Reise 1889]; handschriftl. Schnaderhüpfl; gedruckter Studentenschwank, Wien 1862; „Aus der Heimath“ (handschriftliche Schülerzeitung [Studenten- /Faschingszeitung?]), Salzburg, Nr. 1-2, 1862 (u.a. F.X.Sp. [Spängler]; Franz Plachetka).
1863
siehe: „Verlobung“ Sept. 1871 [Theaterzettel u.ä.]
1865
[und ff. bis 1870] mehrere Briefe von Rudolf Handel [ein nicht näher identifizierter Freund] an Nr. 18 Franz Spängler = „Briefe 1860 ff. an Nr. 18 Franz Spängler“
1867
Silvester, siehe: „Verlobung“ Sept. 1871 [Theaterzettel u.ä.]
1868
„1868“ im braunen Briefumschlag (rot verschnürt) „Gemeinde-Zeitung“ von „Salzhausen“ vom 16.2.1868 (Faschingsausgabe); rosa Blatt „Fibel“ für Schulkinder in Salzhausen; Festgedicht zum 30. Jubiläum der Matura 1858; farbige „Plan-Skizze“ der Stadterweiterung von Salzburg 1861 (mit handschriftlichen Notizen) und dazu gedruckte „Randglossen“ von G.Pezolt (darin u.a. erwähnt der Dureggersche Garten unterhalb der Hohensalzburg). - Für Nr. 18 Franz Spängler ein Rechnungsbuch über Aktien, Ausgaben, Schulden usw. um 1864 bis um 1900 und extra 1911, Beträge errechnet für u.a. Otto Spängler (der Bruder), Mathias Pichler, Therese von Lürzer, „Fannis Heirathsgut“ usw. – Urkunden u.ä. = für Nr. 19 Fanni Schlegel (1848- ) „Schul-Zeugniss“ Mädchenhauptschule der Ursulinen in Salzburg in der 3.Klasse 1858/1859. – Der Mutter, „Wittwe Antonia Spaengler“, für Franz Spängler, Schüler der 5.Klasse des k.k. Gymnasiums aus einer Stiftung 200 Gulden jährlich, 1855. – Herrn Franz Spängler, Hörer der Rechte, Fakultäts-Stipendium jährlich 300 fl [Gulden] 1858. – Herrn Franz Spängler, absolviertem Hörer der Rechte, Virgilianisches Fakultäts-Stipendium jährlich 315 fl [Gulden] 1862.
1869
15.3., siehe: „Verlobung“ Sept. 1871 [Theaterzettel u.ä.]
1870
Briefe (rot verschnürt, nicht gelesen) von Nr. 37 Antonia Spängler, geb. von Lürzer, 1803-1882, an den Sohn Nr. 18 Franz Spängler, 1839-1912, aus Salzburg; zusätzlich mehrfach vom Bruder Otto. Oder umgekehrt von Nr. 18 a Otto Spängler, 1841-1919, zumeist über Geldangelegenheiten der Mutter, und zusätzlich dann auch von der Mutter. Ohne Umschläge (einzelne Umschläge sind angegeben). – Vom 18.4.1870 bis 1871 und 28.12.1872; insgesamt 42 Briefe, 2 Umschläge nach Mödling.
siehe auch: Briefe „1858 bis 1862 und 1870“
1870
Brief von [Nr. 37] ANTONIA SPÄNGLER (1803-1882) an den Sohn [Nr. 18] FRANZ SPÄNGLER, 1872 verh. mit FANNI SCHLEGEL]: Salzburg den 2.10.70. Mein innigst geliebter theuerster Franz! Was wirst du dir denken das ich heute noch nicht geschrieben habe, und dir nicht einmal gedankt für die so hübsche Jop[p]e welche mir so gute Dienste leistet, ich habe sie heute in die Kirche zum erstenmahl angezogen sie steht zu jedem Kleid. Ich danke dir also recht herzlich dafür. Otto [der andere Sohn] und Louise sind glücklich hier angekommen, und grüßen dich recht herzlich. Wie gut hat es Otto das er dich nun öfter sehen kann. Die starken Stiefel werde ich dir im November [be]vor er hinunter geht schücken, so darf [braucht] man niemand fremden plagen. Otto sagte mir du siehst recht gut auß was mich sehr freut. Otto hat also die Stelle nicht angenohmen; mir ist es ganz recht, weil er zu wenig Sicherheit [für] sich gesehen, ich meine er soll jetzt so bald wie möglich die Advokaten Prüfung machen dan kann er wenigstens Advokat werden, wen wie man sagt alle Strücke reissen. Hier lassen dich eine menge Leute recht herzlich grüßen. Die Zeller ist mit Emma und Pfaundler Loni nach Ischl und geXXXden auf einige Tage. Die Stipitz ist wie ich höre in der Hoffnung. Die Ida von den Schlögelhofer ist verlobt mit den jungen Erlach. Die Betti Langer ist noch in Linz, die Frau läßt dich recht herzlich grüßen. Der kleine Otto [Otto Spänglers Sohn] spricht recht viel von dir, und die kleine Paula [Tochter] sagt auch ihn wen man sie fragt wer das ist auf dem Bild der Papa und dan frage ich ist dies Onkl Franz, dan sagt sie ja; die Kinder sind zimlich oft bey mein freunden, diese Tage seit sie zurück sind war ich so viel Oben weil es so viel zu thun gab sie hatten eben große Wasch, da gab es für die Mägde zu bügeln und ich war viel bey denen Kindern besonde[r]s bey den kleinen Max, welcher nun auch schon auf gelagt wird, und recht frezig ist. Diesen Tage war ich gar in Bertolsgrund [?], aber nicht in See mit den Fräulein Rosa Gunauer [?] welche die Frau v Danegger [Duregger?] die Fräulein Rosalie Henf und mich eingeladen hat, es war ein wunderschöner Tag, die Gegend, und die vielen Landha[ä]user wunderschön, wird haben uns sehr gut unterhalten, und gut gelebt. Die Leopoldin Spängler ist gestern mit Herman nach Kremsmünster gereißt, wo sie heute Nacht zurück kommen wird es ist ihr wohl etwas schwer angekommen, es war einmal beschloßen, und konte nicht mehr geändert werden, er ging ganz gerne. Ich bin doch sehr begierig ob Leopold Lürzer würklich seine Heußmine heurathet, es wär doch zu dum, aber die Schwester Therese fürchtet es, den er thut sehr lieb mit ihr, mir thäte es für den jungen Leopold leid weil dieser dan um sein Erbtheil kömmt, und zuletzt noch für die Stiefmutter sorgen müßte. Lebe recht wohl mein lieber Franz noch einmal recht vielen herzlichen Dank für die so hübsche Jacke. Sey recht innigst gegrüßt und geküßt von deiner dich herzlich liebenden Mutter Spängler – Otto Lovinser und die Kinder grüßen dich herzlich. Heute ist die Kepsa [Kobsa] mit den Kindern bey Sauter. – „Betti Langer/Linz“: Frau von Julius Spängler (1837-1903), verh. mit Bertha Langer [später Wien]. - „Rosalie Henf“: Frl. Rosalie Henf wird z.B. in einem Brief von Fanni Schlegel an Franz Spängler vom 6.12.1871 genannt und in „Verteilte Andenken“ an die Mutter Spängler am 10.4.1882 bedacht. - Die Rechtschreibung der Mutter Spängler ist zumeist unkonventionell und eher an Mündlichkeit orientiert. Sie schreibt durchgehend deutsche Schrift, außer bei ihrem eigenen Namen „Spángler“ und einigen anderen, die lateinische Buchstaben bekommen. - „Kobsa / #Sauter“: Marie Steiner, geb. Kobsa, Ehefrau von Friedrich Steiner (1849-1901, Prag); offenbar gute Bekannte [und über Lürzer Verwandte, so 2015], vgl. „gesammelte Todesanzeigen“ von u.a. Philomena Bamberger, geb. Sauter, Wien (1836-1897), aus Innsbruck. - Anna Payr, geb. Sauter ( -1908) [u.a. Bruder: Eduard von Sauter, k.k.Vizepräsident] in Lans/Innsbruck. - Karl Payr, Univ.-Prof. Innsbruck (1835-1907) [Ehefrau: Anna Payr, geb. Sauter]. - Eduard Sauter Edler von Riedenegg, k.k.Vizepräsident [Finanzverwaltung] (1839-1910), Innsbruck. - Friedrich Steiner (1849-1901), Prag [Schwester: Tochter Payr]. - Vgl. Andreas Sauter (1802-1872), Forstdirektor, verh. mit Josefine Lürzer von Zehendthal [Josephine v.Lürzer] (1800-1872) [Partezettel 1872].
Fanni Schlegel an Franz Spängler
FANNI SCHLEGEL (1848-1905) [Nr. 19], verh. Spängler 1872, an [Nr. 18] FRANZ SPÄNGLER: 5.10.1870, Brief mit Umschlag [von anderer Hand und ‚falsch’] „Frl. F.Schlögl 12 Brusle [?]“ aus Salzburg an: Mein lieber Franz! [...Dank für Brief]; Sonett habe ich gelesen und finde es sehr lieb. Was das lesen in den Hebelschen Gedichten betrifft, bin ich einverstanden daß wir jedesmal 2 Gedichte lesen, und werde damit am Samstag beginnen: Frühlingsoffenbarung und drei Bitten; schickt Fotos, Musterbilder, je 12 Stück, bringt der Mutter Spängler die Fotos, auch meiner Großmutter [Kobler] und meinem Vater [Richard Schlegel] [...] Minna ist bei Lida, und ich soll nun auch hinüberkommen [...] Großmutter grüßt dich. Lebe recht wohl und behalte mich lieb. Mit herzlichem Gruß und Kuß deine Fanni. - undatiertes Foto Fanni Spängler und Lida Guttenberg (im schwarzen Kleid)
Antonia Spängler an Sohn Franz Spängler
Brief von [Nr. 37] ANTONIA SPÄNGLER an den Sohn [Nr. 18] FRANZ SPÄNGLER]: Salzburg 12.10. [1870]: Mein innigst geliebter Franz! [darüber auf dem Kopf mit kleiner Schrift von Hand des Bruders Otto Spängler: Über Reisigls Angelegenheiten nächstens. Unser Zins wird am 1.November längstens bezahlt werden.] Wie wirst du gestaunt haben wie du den Partezetel von Bruder Franz [Lürzer von Zehendthal; siehe unten] erhalten hast. Es war mir noch nicht möglich zum schreiben zu kommen theils kommen zu mir viele Leute und anderseits war ich bey Lürzer. Denke dir wie dieses schnell gegangen ist. Am Sonntag war Franz noch wie sonst an jeden andern Tag er aß alles Trank ging kurz. seinen gewöhnlichen ganz am Sontag Nachmittag waren die Joseph Spängler Familie dort sogar die kleine Lisa wo er sich gut unterhielt, er spielte noch auf die Nacht mit Marie wie gewöhnlich, ging ins Bett schlief bis ½ 1 Uhr da weckte die Marie ihre eigne Husten auf, sie hörte auch den Franz Xxtzen [ächzen] sie fragte ihn ob er etwas wolle, und er sagte er habe eine Beklemmung auf der Brust sie stund sogleich auf gab ihm die Kirschlorben [?] Tropfen, er sagte dan er wolle auf den Nachtstul, sie legte ihm die Strümpfe an und half ihm herauß den Bethen wurde beangten [?], sie schückte um den Doktor und um die Buigen [?], er sagte dan sie mögen ihm den Tisch näherrücken damit er sich auf lehnen köne, er zündete noch selbst das Licht an half sogar noch den Tisch neher rücken. eine Minute darauf machte er einen Rück mit dem Kopf zurück, und weg war er es erreichte ihn kein Doktor noch Geistlicher das ganze dauerte einige Minuten höchstens eine halbe 1/4 Stund. er starb ohne allen Kampf, Otto welcher 8 Tage früher kommen wußte in der Nacht gar nichts erst am Morgen weckten sie ihn und sagten es natürlich auch u auch ich es erst am Morgen. Du kannst wohl denken wie wir alle empfanden. Die Pezi schläft bey uns die Maria bey Spängler ich ging mit den Begrabnüß und Gottes dienst. – Lebe recht wo[hl] für heute habe ich nicht recht Zeit zum schreiben deine treue Mutter. - - [Rückseite mit Ottos Schrift:] Lieber Franz! Nachdem die Mutter dir über den erschütternden Todesfall des Onkel Franz geschrieben, füge ich nun noch geschäftliches bei. Ich habe am 1.Oktober für dich behoben [Aktiengewinne]: 1 Coupon/ RudolfsbahnXXXrität in Silber – 7.50. – 1 „/ Siebenbürger oder Ungar(ich weiß nicht mehr) 5.- - 6 „/ Silberrente à 2.10 = 12.60; [zusammen:] 25.10 – Hiervon in Silber ab für die Mutter 9. – bleibt Silber – 16.10 oder mit 22 % Agio in Papier – 19.64. – Interesse von Spängler Gewölbe 10.- Darlehen von Tante Therese 21.- Summe der Einnahmen: 50.64. – Ausgaben: An mich abbezahlt 20.9. – 30.- - Zinsen von 50 Xr. für 1/8 – 20/9 - -.34 (Rest 20 Xr.) – Za[h]le Mutter Monatgeld 10.- - Za[h]le an mich ab 1/10 – 3.- Zinsen von 20 Xr. für 20/9.-1/10 – 3.- (Rest 17 Xr. mit Zins vom 1/10 70 – Joppe Kaufschillingsrest – 6.25 – [zusammen:] 49 tl 62 Xr. – 50.64 [minus] 49.62 – Rest 1 tl 02 Xr. (vorhanden Kasse). – Von Louise die herzlichsten Grüße; es hat uns innigst gefreut, mit dir so viel zusammen sein zu können; ich danke dir für alle Freundlichkeit. Leopold Spängler läßt dich fragen, ob du seinen lezten Brief erhalten hast? Wäre es ganz unthunlich, für den fall meines öfteren Reisens nach Wien bei dir in Mödling am Kanapee schlafen zu können? dein Otto. - Maria (Marie) Anna Spängler heiratet Nr. 37 a Franz Lürzer von Zehendthal, „k.k.jubilirter Bergwerks-Inspector“. Sie ist gest. 15.11.1880 (61 Jahrer alt; Partezettel mit und ohne Foto) und er im Oktober 1870; sie liegen zusammen mit einer Anna Lürzer von Zehendthal, die 1866 stirbt, auf dem Salzburger Petersfriedhof begraben [nicht unsere Linie]; Grabsteine am Aufgang zu den „Katakomben“. Kinder sind Josefine und Otto.
Antonia Spängler an Franz Spängler
[Brief von Nr. 37 ANTONIA SPÄNGLER an den Sohn Nr.18 FRANZ SPÄNGLER]: Salzburg 13.11.70: Mein innigst geliebter Franz! Schon wider vergingen einige Tage bevor ich dazu komm dir zu schreiben, ich weiß es selbst nicht wie es kömmt, aber bey Otto war alles der Reihe nach krank, da war ich viel Oben, und diese Zeit wo ich zu Hauße bin, habe ich für uns wider einiges zu thun was sich nicht aufschieben läßt. Otto ist dermalen noch immer unwohl an Halsweh. Konnte daher gar nicht nach Wien gehen. Wir freuten uns schon das du hättest mit Otto zusammen kommen können, und er mir sagen könte, wie er dich außsehen findet, ich bin immer so sehr erfreut wen dich Leute gut außsehen finden. ich bin außer einen starken Strauhe [die Strauchen, Katarrh, Schnupfen], welche ich bey deren Kindern erwischt habe ganz wohl. Die Lini war auch schon unwohl, da mußte unsere Kathi sehr viel oben sein, und so vergeht die Zeit so schnel. Diese Tage war ich mit den Zellner bey Eschenloon, die Mädchen waren bey Plachetka auf Besuch, somit war sie allein, und lud mich ein, es war ganz angenehm. Die Sattler wäre auch geladen geweßen wen sie nicht hätte von Swim[?]verein auß, hätte mit der Leiche den Branntspektor [?] Schmit gehen. Die Tage allen Heil eX waren sehr traurig und öde, die Lürzer hat immer noch Husten, und darf nur wenig außgehen, daher sie auch oft sehr Melancholisch ist. Ich konnte wenig auf die gottesacker gehen weil ich eben damals gar sehr die Strauhe hatte. Die Witterung war grenzenloos schlecht. Max war auch sehr leidend an Zahnwehen und Cartahr. Die Sachen gabuinden [?] wurde heute zum 2ten mahl verkündet mit den Consipianten Huber bey Gestimme [?]. Wen sie nicht neue Zulagen von Hauß bekommt, so darf sie schauen darauß zu kommen den es ist keine Kleinigkeit was man braucht um zu leben. Es wird dir ganz angenehm sein das Ludwich Sauter in Wien ist, den er ist ein ganz netter Mann lebt das Kind von Emil guttenberg? Die Lürzer hat ihre Pension noch nicht erledigt bekommen, hoft es eben alle Tage. Die Pepi will nun wieder vormund um die Prebende [Präbende, Pfründe] bitten. Vielleicht erreicht sie dieselben würdest du vielleicht gelegenheit haben zum Minister Taffe mit dem Bittgesuch zu gehen und zu bitten weil er um die ganze Sache recht gut weiß. Die Lürzer wird dir selbst schreiben. / auf den 17 en lasse ich für den Paten eine heil Meße lesen ich denke um Pathe auch für die Eltern lasse ich dieser Tage eine H Meße lesen. Dieser Tage habe ich die Duregger Familie Nachmittag geladen und am nächsten Dienstag die Zeller mit ihre Leute. für Carl Spängler lag kein Conte in meinem Brief bey. Ich heitze schon seit Mitte Oktober ich mache schon wieder Frühstück in meinem Ofen, Jause und Nachtsupe, es thut mir so wohl ein warmes Zimer. Lebe recht wohl mein lieber Franz: sehen wir uns auf Weihnachten? Es küßt und segnet dich im geiste deine treue Mutter Spängler / alle Bekante grüßen dich recht herzlich, der kleine Otto spricht oft von dir. - „die Lürzer... Pension“: Marie Spängler, verh. mit Nr.37 a Franz Lürzer von Zehendthal, -1870 (siehe vorhergehenden Brief). - „Ludwig Sauter“, siehe Brief vom 2.10.1870.
Dr. Otto Spängler an Franz Spängler
Dr. OTTO SPÄNGLER [Nr.18 a; 1841-1919; verh. mit Aloisia [LOUISE] Duregger, 1846-1915], Salzburg, später Direktor der Salzburger Sparkasse und Gemeinderat, ein Bruder von Franz Spängler (Nr.18, 1839-1912), an FRANZ SPÄNGLER: 13.11.1870; fügt eine Abrechnung an, wohl über Zinsen u.ä. von Aktien, die er für seinen Bruder verwaltet (siehe unten) - 24.11.1870: Weihnachten in Wien oder Salzburg, kommt wohl vorher nach Wien zur Generalversammlung der Forstbankaktionäre; Entschädigung für Wasserleitung; „einen schönen Gruß und Busserl vom kleinen Otto“ (ein Sohn, geb. 1868) - 23.12.1870: Franz kann also zu Weihnachten nicht nach Salzburg kommen; hat sich mehrmals mit Franz in Wien getroffen; kauft neue Vorhänge für die Mutter, Mutter hat gegen die Gabe „protestiert“, da sie von Franz eine „schöne Joppe“ erhielt [die Brüder unterstützen die Mutter, und Otto rechnet ab]
Antonia Spängler an Sohn Franz Spängler
[Brief von Nr. 37 ANTONIA SPÄNGLER an den Sohn Nr.18 FRANZ SPÄNGLER]: Salzburg 24.11.70: Mein innigst geliebter theuerster Franz! Es wird nun schon wieder 10 Tage sein seit ich dir zum letzten mal geschrieben habe, aber ich will heute schreiben damit du öfter Nachrichten von uns bekömmst wir sind dermalen gottlob wieder alle wohl. Die Kinder gehen wieder alle auß da die Wittrung so milde ist. Ich heitze nun im kleinen Öferl zum Frühstück Jause und abendsupe mit kleinen Stückchen Holz und habe viel die Fenster offen. Wir werden diese mülde Wittrung gut im Holz mercken, was ich sehr froh bin. Die Lürzer wird wie sie durch Chiari gehört die 333 Münz [Pension] bekommen weil er nicht den Kriegsrathstitel führte sie will noch in gnaden Weg eingeben um Erhöhung Chiari glaubt für die Pepi wird der gnadengehalt gut außfallen. Sie wissen nur nicht ob sie zuerst für die Pepi um die gnad eingeben sollen, oder für sie um Erhöhung. Lürzer Otto glaubt zuerst für die Pepi, ich weiß nicht, waß sie thun. Um die Prebende geben sie auch jetzt ein. Nun scheint die Frau doch ruhiger zu sein, sie nimt doch wieder an XXX theil, sie spielt auch wieder, es ist doch kurzweiliger. Otto wird nun wohl die 400 fl [Gulden] bekommen, was auch gut wäre dan wird er der Mutter 10 fl im Monath geben, was auch beßer ist, es muß halt eins zum anderen helfen. / Ich danke dir recht herzlich für deine guten Wünsche zum Hochzeits tag ich verbrachte denselben wie jeden anderen Tag Abends war ich bey Otto zum Essen und dann gingen wir zu den Duregger hinab. Den Xaveritag ist um 10 eine heil Meße im Domm für den Paten mache auch du deine Meinung, bis zu deinem Nammenstag schreibe ich wieder. Du hast es in deinem letzten Brief in zweifel gesetzt ob du um Weihnachten kömmst dies thäte mir sehr leid, weil ich mich schon so sehr auf dich freue, je nun wie gott will möge er es fügen - - Wens nicht sein so muß man es auch ertragen - - -. Wegen Rußland hoffe ich, haben wir nichts zu fürchten, sie werden sich wohl vergleichen. / geß[t]ern warn 3 Spänglermädchen bey mir Nachmittag wo wir der Lürzer ihren Namenstag feyerten auch die F Rosalie [Henf] war Abends da, zum Schluß wurd ich Abends Duregger zum Essen geladen bis ½ 8 Uhr wo dann alles außeinander ging Fräulein Rosalie ging dann auch zu Duregger. Heute war ich bey Hofrichter Spängler mit der Lürzer Pepi, wo es recht angenehm war, dan spielten wir noch bey Spängler Tarok wo die Lürzer auf die Pepi wartet, um 7 Uhr ging ich zu Hauße und nun habe ich an dich lieber Franz geschrieben. Lebe nun recht wohl mein lieber guter Franz sey recht inig gegrüßt und geküßt von deiner dich herzlich liebenden Mutter Spängler / Von allen Bekanten recht viele herzliche grüße. - „Hofrichter Spängler“: Joh.Peter Maria Spängler (1792-1837) war Hofrichter des Stiftes Nonnberg in Salzburg; vielleicht ist die Familie seines (einzigen) Sohns Anton Spängler (1831-1913) gemeint (so ebenfalls in einem Brief von 1885).
Antonia Spängler an Sohn Franz Spängler
[Brief von Nr. 37 ANTONIA SPÄNGLER an den Sohn Nr.18 FRANZ SPÄNGLER]: Salzburg 1.12.70: Mein innigst geliebter theuerster Franz! Ich habe dir schon das letzte mahl versprochen dir zu deinem Namenstag wieder zu schreiben. Lieber Franz nim heute die herzlichsten aufrichtigsten Wünsche gütig an, und sey versichert, das mir dein Wohl und Weh immer recht nah am Herzen liegt, das ich recht oft für dich bethe, das dich der liebe gott recht glücklich werden lasse. – das Sein Göttlicher Segen immer bey dir verbleibe, - und das du so leben mögest, daß du für Zeit – und Ewigkeit gesichert seyst, der lieben gott wolle meine heißen Wünsche [...]. [über der Anrede, auf dem Kopf:] Kathi küßt deine Hände und wünscht alles gute zum Nammenstag. Denke dir ich kaufe öfter einen kleinen theil ein XXX XXX, wo man heuer auf den Mark bekömmt. / Das Nammensfestgeschenk bekömmst du zusammen zum Christkind – kömmst du so gebe ich dir es selbst – wo nicht so schücke ich es dir. Der kleine Otto läßt dir auch alles gute Wünschen, der war gestern mein Gast, Otto und Louise waren in Werfen und da habe ich ihn für einen Tag eingeladen, was er sehr wohl schon versteht, er spricht alles und weiß sich sehr gut außzudrücken, gestern sagte Otto bey Tisch: wen Onkl Franz kömmt dan lange dableiben, nicht gleich fortgehen, dan sagte ich ob ich dir es schreiben soll, dan sagte er, Otto auch schreiben, mit den Papa. Denke dir lieber Franz die Sauter in Inspruck war dieser Tage auf den Tod krank an einer Lungenentzündung es geht aber Gottlob beßer. Die Ida Schißl war so freundlich uns täglich durch eine Corespondenz-Karte uns das fortschreiten der Beßerung anzuzeigen gestern kam keine, daher hoffe ich sicherlich sie fand es nicht mehr für nöthig, jedoch heute erwarten wir schon eine es ist möglich ich gebe den Brief erst morgen auf, vieleicht kan ich dir dan das Befinden noch hinein setzen. Eduard Spängler ist bey der neuen Montan geselschaft nicht untergekommen, es ist glücklicherweise, in Hallstatt ganz zufrieden, und kann daher leicht zuwarten, bis etwas beßeres kömmt. Sie haben einige Beamte entlassen, und keine neuen angestellt. Otto ist gestern Abends wieder von Werfen zurück gekommen war in der Rückfahrt 3 Stund auf den Weg mit Halhofer beysammen er fuhr dan mit ihnen nach Hallein, wo diese dan nach Salzburg fuhren und er wieder nach Hauße ging. Heute haben wir den ersten Wintertag, aber in diesem Augenblück sehr schön, und heiter. Gestern war ich mit den Duregger, und Emile und Henf Rosalie in Kreutzbrückl zur Jause. Es war ganz angenehm. Ich soll dir von so vielen Bekannten zum Nammenstag alles Schöne bringen, besonders Fräulein Rosalie Spängler Lürzer Alois Spängler, Stipitz, Anhl [?], Otto. Lebe recht wohl noch einmal meinen Segen über dich, und alles was dein ist. Es küßt dich mit iniger Liebe deine treue Mutter Spängler. [auf dem Kopf:] Den 2.1. Nachricht ist keine gekommen von Inspruck. - Der „kleine Otto“ Spängler ist im Juni 1868 geboren, also zweieinhalb Jahre alt. – „#Sauter Innsbruck“: Andreas Sauter (1802-1872), Forstdirektor, verh. mit Josefine Lürzer von Zehendthal [Josephine v.Lürzer] (1800-1872) [Partezettel 1872]; vgl. in Wien den „Vetter“ Ludwig Sauter; siehe Brief vom 2.10.1870. – „Eduard Spängler“ (1839-1883), ein Neffe der Mutter Spängler (Eduard Spängler wohnt zeitweise Alter Markt Nr.2 in Salzburg, eigenes Foto 2014)
Salzburg Alter Markt 2, rechts fängt die Judengasse an (Gasthof Hölle)
Antonia Spängler an Franz Spängler
[Brief von Nr. 37 ANTONIA SPÄNGLER an den Sohn Nr. 18 FRANZ SPÄNGLER]: Salzburg 9.12.70: Liebster theuerster Franz! Du wirst staunen, das Morgen schon Otto in Wien sich bewegt, ich will daher auch heute gleich schreiben, und deinen lieben Brief beantworten. Wie froh bin ich auß deinen letzten Brief wieder zu hören das es dir gut geht und [du] gesund bist, nur bedauere ich daß du es mit gar so vielen Spitzbuben zu thun hast, ich denke es wird wohl auch einmal eine andere Lage hergehen, wen einer von deinen Kolegen wegkämme, und du dann seinen Platz bekämest. Ich glaube wohl das man [sich] auch [an] dieses gewöhnen kann, aber man möchte mit der Zeit fast überal einen Lumpen sehen. Was ich sehr gerne höre daß du nun endlich ein gutes, dir angenehmes Ha[u]ß, gefunden hast, wo du doch vieleicht jede Woche einen Abend zubringen kanst, und vieleicht mit der Bahn zurükfahren kannst. oder vieleicht mit den Hern Bezürksrichter gehen- sonnst möchte mir für dich, zum Nachhaußegehen bange werden. Vieleicht findest du dort auch ein Mädchen welches dich anspricht, und dir zusagt? ich bin begierig, ob ichs errathe- - - Auch bey uns war der November größtentheils schön, mit 1 Dezember hat der Winter fest, begonnen, die Schlitten fahren schon über und über, wen auch noch nicht so viel Schne ist, das der Weg gut gut ist, aber es muß gefahren sein. Wie ist es den mit deinem hieher kommen? auf Weihnachten das es mich unendlich freut wen du komen kannst weißt du, wen es aber durchauß nicht sein kann, so muß ich mich halt auch fügen. Die Lürzer hat nichts in den Händen wegen ihrer Pension, währentdem die Wahlhüselstätter die Pension schon im Vorigen Monnath schon erhalten hat. Ich glaube schon es liegt schon lange hier, aber der Wamhe [?] ist gar so beq[u]em, vieleicht bekömmt sie es dieser Tage. Die Lürzer läßt dich recht schön bitten zu thun was möglich ist wegen der Pepi. Ich hoffe lieber Franz du machst es mir zu wissen durch Otto ob du kömmst, da Otto ohnedies vieleicht 10- bis 12 Tage in Wien ist wird er schon öfter an Louise schreiben du kannst auch du mir vieleicht einmal ein Zettel einschließen Was glaubst du lieber Franz? köntest du vieleicht nicht zu denen vielen Komissionen welche du zu machen hast, Handstützerln brau[ch]en? ich würde sie dir von rother und Schwarzer Wolle strücken. Bey Sautter in Inspruck geht es den geregelten gang beßer gottlob. Lebe recht wohl mein lieber guter Franz ich bethe schon fleißig für dich vergiß auch du der Mutter nicht im gebeth. Es küßt und segnet dich im Geiste deine treue Mutter die Spängler / Von allen Bekanten recht viele herzliche grüße. Otto und Paula schreiben oft an dich, bald mit Kreide bald mit Bleistift. - „ein Mädchen“: die Verlobung mit Fanni Schlegel war im September 1871.
Antonia Spängler an Sohn Franz Spängler
[Brief von Nr.37 ANTONIA SPÄNGLER an den Sohn Nr.18 FRANZ SPÄNGLER]: Salzburg 23.12.70: Mein innigstgeliebter Franz! Wie leid thut es mir, daß du diese Weihnachten nicht bey uns zubringen kannst, ich freute mich schon lange auf diese Zeit, in der Hoffnung meinen lieben Franz zu sehen- aber wie es in der Welt geht, man darf sich auf nichts freuen- in gottes Nahmen, man muß sich in das unabenderliche fügen. Alle bedauern schon dein nicht kommen, beyliegend sende ich dir eine ungesottene Zunge, vieleicht kannst du selbe in deinen Ofen sieden es ist auch die Suppe dann sehr gut. Ich hoffe es soll auch die Zunge sehr gut sein aber sie muß so lange gesotten werden bis sie weich ist und gut schellen [schälen] läßt warm essen ist viel gesünder als kalt, und grumberne [Kartoffeln] kann dazu. Lasse dir selbe recht gut schmecken. Auch sende ich anliegend 5 fl damit du dir kauffen kannst was du wilst auch habe ich die Stützeln gestrückt damit du zu die Komissionen etwas warmmes hast, die Stiefl wird Otto das nächste mahl bringen die Krägen zu ändern wird sehr schwer fallen weil in der Mitte Rückwerts ein Knopfloch ist alles weg zu nehmen wird zu viel sein, ich werde sehen was sich machen laßt. Ich denke sie sind beim Bügeln in die Weite gezogen worden. Lieber Franz es ist zu viel daß du mir noch etwas kaufen laßest, da du mir ja ohnehin schon die hübsche Jophe geschückt hast. Ich danke dir recht herzlich dafür. Ich wünsche dir von ganzen Herzen recht glückliche Feyertage, und auch ein recht glückliches neues Jahr, ich denke zwar daß wir bis dahin noch schreiben aber man kann nicht gewißes sagen ziehe frei ja jetzt die Wollenen Sechel an sowol Baumwoll als auch die Schafwollsocken. Den es ist hier sehr kalt, vieleicht ist es auch dort so. Lieber Franz dir noch herzlich dankend und dir noch alles gute wünschend verbleibe ich in aller Liebe deine dich segnende Mutter Spängler – Alle Bekanten bedauern dein nicht kommen die beiden Langer haben schon verabredet wan sie dich einladen, so sagte sie mir von einer ¼ Stund. Der Kriefant [?] Minna wurde gestern Abends um ½ 9 Uhr [e]in neugemachter Mantl und eine hübsche Jophe gestollen vom Nagl an der Thür. – [Mit anderer Schrift; der Bruder Otto:] An meinen lieben Franz. Lieber Franz! Eben bei Schluß des Briefes fällt mir ein, wenn du etwa ein Klezenbrod wolltest, so bitte ich es zu vermelden; es würde mir ein Vergnügen sein, dir eins zu senden. - „Langer“: Familie von der Frau von Julius Spängler (1837-1903), verh. mit Bertha Langer [Linz].
1871
Briefe (rot verschnürt, nicht gelesen) von Nr.37 Antonia Spängler, geb. von Lürzer, 1803-1882, an den Sohn Nr.18 Franz Spängler, 1839-1912, aus Salzburg; zusätzlich mehrfach vom Bruder Otto. Oder umgekehrt von Nr.18 a Otto Spängler, 1841-1919, zumeist über Geldangelegenheiten der Mutter, und zusätzlich dann auch von der Mutter. Ohne Umschläge (einzelne Umschläge sind angegeben). – Vom 18.4.1870 bis 1871 und 28.12.1872; insgesamt 42 Briefe, 2 Umschläge nach Mödling.
Antonia Spängler an Sohn Franz Spängler
[1871; Brief von Nr.37 ANTONIA SPÄNGLER (1803-1882) an den Sohn Nr.18 FRANZ SPÄNGLER, 1872 verh. mit FANNI SCHLEGEL]: Salzburg 4.1.71: Mein innigstgeliebter Franz! Vor allen meinen herzlichsten Dank für deinen glückwunsch zum neuen Jahr. Möge der liebe gott alle deine Wünsche in Erfühlung bringen. Leute kammen genug mir kamm es vor, als wen die Leute wieder anfingen die Neujahr-Wünsche zu erneuern. Ich darf erst jetzt noch einige Nachzuhollen, welche erst um ½ 1 Uhr Mittag kammen unter andern auch die Hedwich Langer [?], ich war bey ihr noch nicht dort den[n] gestern und heute hatte ich noch nicht zeit. Du hast wie mir scheint den heil Abend doch gottlob ganz gut zugebracht. Bey Spängler war es auch ganz angenehm. Ich bekamm auß Scherz eine alte Hrer [?] scho[ö]n verzirt mit rothen Bändern und neue Tarokkarte ich konte beydes brauchen. ich kaufte für die Ida ein sehr hübsches Portmonn. Bey Otto bekamm ich einen sehr hübschen und warmen Schwanz seiden Gaprschen [?] welcher mir sehr gut taugt dan[n] sehr hübsche Vorhänge für das hübsche Zimmer welche mich auch sehr freuen, wen[n] du einmal kömmst dan[n] werden sie Baredizen [? z.T. latein geschrieben] ich gab der Louise so Spulben Poletirte welche sie auf den Tisch stellen und herab strüken sie hat sie sich gewunschen und ein paar hübsche Handschuhe, den großen Otto habe ich zum Siglring 5 fl dazu gegeben, und damit war es fertig, den Kindern strükte ich jeden ein paar hochrothe Strümpfe jeden 1 paar Stützerln den [kleinen] Otto kaufte ich ein Schachtel Soltaten der Paula eine Schachtel holzernes Kichengeschirr. den Maxl einen hübschen Hanswurst zum Ziehen. Am Weihnachtstag war ich zu Mittag bey Duregger geladen. Am letzten Montag habe ich sammtliche Famile nebst Schißtl [?] Nachmittag bey mir. Am Abend am Weihnachts Tag wurde ich wider bey Duregger geholt zum spillen, und am Silfester Abend war ich auch zum speisen und Punsch geladen, wo es sehr angenehm war. 5te Gestern konnte ich nicht weiter schreiben. Morgen bin ich bey der Ida für Nachmittag geladen. Heute Abends kömt Fräulein Rosalie [Henf] welche sich dir bestens empfiehlt. Gestern und Vorgestern war ich den ganzen Nachmittag bey den Kindern oben, und so vergehen mir die Tage immer zu schnell. Denke dir zu Neujahr schrieb mir die Schwester Theunser [?] das sie auf einem Au den schwarzen Staar habe, und gar nichts sieht darauf, und der Doktor fürchtet auch für das 2te Aug, die Lizzi ist sonst recht hinfällig. Es ist halt ein Kreutz, wen man alt wird. Die Sauter Charlotte ist auch sehr krank an einer Lungenentzündung gestern ist es etwas besser gegangen heute weiß ich es noch nicht. Ich hoffe zu gott, das es sich wieder beßern wird. Ist es bey Euch auch so kalt, bey uns ist es sehr kalt ich heitze den ganzen Tag und auch im außeren Zimer damit es bey uns leichter ergibt. Allen war sehr leid das du nicht gekommen bist, für den Heil Abend. Wo warst du den am Neujahrstag? Ich war bey den F Rosalie [Henf] geladen. Ich habe schon recht fleißig für dich gebethet, daß du in jeder Beziehung recht glücklich wirst. Die Stiefleten wird Otto schon mitnehmen wen er nach Wien geht die Krägen habe ich der Weitzner Pepi gegeben ich getraue sie mir nicht zu machen sie sagt sie wird sehen was sich machen läßt wird was so bekömmst du dieselben durch Otto. Lebe recht wohl es küßt und segnet dich deine dich treuliebende Mutter Spängler / Alle Bekante grüßen dich recht herzlich. - „Langer“: Familie der Frau von einem Cousin von Franz, Julius Spängler (1837-1903), verh. mit Bertha Langer [Linz]. – Den Namen „Spängler“ schreibt sie wie ihre eigene Unterschrift als Familiennamen in ihrer sonst deutschen Schrift lateinisch. – „bei den Kindern oben“: Familie des Sohns Otto Spängler, wohnt im selben Haus, Mozartplatz 4 [Salzburgwiki.at:] Das Antretterhaus am Mozartplatz Nr.4 in der Salzburger Altstadt ist das ehemalige Stadtpalais des Adelsgeschlechtes Rehlingen mit der Hauskapelle Mariae Himmelfahrt. Daran schließt das 1620 erbaute niedrige Imhofstöckl an. Der gut gegliederte Bau mit seinen zwei Höfen und dem reich gegliederten Korbbogenportal entstand in der Zeit zwischen dem 16. und 18.Jh. Die Fassaden mit den gekurvten Fensterumrahmungen stammen aus den Jahren um 1760.
Otto Spängler an Franz Spängler
OTTO SPÄNGLER, Salzburg, an FRANZ SPÄNGLER: 5.1.1871: Abrechnung, Cassarest 14 Gulden 76; „Monatsgeld der Mutter pro Jänner 10 fl [Gulden]“. Da nach Ausgaben nur 5.99 verbleiben, bittet er um eine à conto Zahlung von 10 Gulden, von der „die Buchhandlungsrechnung und das Museum“ bezahlt werden. Der kleine Otto lässt einen Gruß schicken. - 26.1.1871: der gute kleine Max ist „nach einem kaum 24 stündigen Unwolsein an einer plözlich eingetretenen Krise in folge schweren Zahnens“ verstorben; bietet dem Bruder eine Karte für den Concordia-Ball an. - 1.5.1871: hat angefangen (nebenbei) zu studieren für die Advocatenprüfung, wird aber gestrichen, weil seine Arbeit als Repräsentant und Verwaltungsrat der Forstbank damit unvereinbar sei – man hat ihm diese Doppelbeschäftigung, „die paar tausend Gulden“ von der Forstbank nicht gegönnt; will evtl. nach Saalfelden und dort „als Hauptsache das Geldgeschäft“ betreiben. „Nebenbei“ guckt er „nicht ungern auf die Börse und habe neulich durch Kauf u. Verkauf von 50 Union baaractien in drei Wochen ohne einen Kreuzer Geld herzugeben 904 fl [Gulden] bar ausbezahlt erhalten. Wie das geht werde ich dir mündlich mitteilen“; folgt Abrechnung, Silbercoupons, 1860er Coupons, 1 Grundentlastungscoupon... 29 fl; Ausgaben: restliches Monatsgeld der Mutter pro April 4 fl, Abschlagszahlung 5 fl, Volksblatt 1 fl 40, Monatsgeld der Mutter pro Mai 10 fl. – Fortsetzung am 9.5. „hier regnet u. schneit es seit 14 Tagen ununterbrochen“.
Antonia Spängler an Sohn Franz Spängler
[Brief von Nr. 37 ANTONIA SPÄNGLER an den Sohn Nr. 18 FRANZ SPÄNGLER]: Salzburg 23.1.71: Mein innigstgeliebter theuerster Franz! Endlich gestern den 22te habe ich seit 1 Jänner, einen Brief von dir erhalten. Gottlob das nicht Krankheit ein Hindernis war Wie froh bin ich daß du dich ganz gut befindest in Mödling. Solte Otto bis 28te nach Wien gehen so sende ich dir die umg[e]änderten Krägen, und die Stiefleten durch Otto, er weiß es aber noch nicht gewiß ob er geht, die auffo[r]derung hat er heute schon bekommen, aber es hängt noch von Umständen ab, geht er, so bekömst du noch eine Corespondenskarte [teilweise latein. Schrift]. Wie bist du zur Doktor Würstl bekommen mich freut es daß sie dich geladen hat, bey gelegenheit bitte ich mich zu Empfehlen Ich wünsche dir einen recht gute Unterhaltung für Mittwoch zum Haußball Gott gebe das keine Stöhrung ist wie bey demm Haußball wo die F. Volgt gestorben ist, das muß schon erbärmlich gewesen sein. gebe nun ja auf deine Gesundheit recht obacht. Es ist schon recht wen du die Socken schückst, ich werde schon alle wieder in Ordnung bringen, jetzt strücke ich 6 paar Baumwollnen für dich, in der duld [Jahrmarkt] kaufe ich wieder für 6 paar Socken einen Zwirn, damit sie nach und nach zusammen kommen. Die 36 paare [Grade] ./ Min [?] scheint die Witterung ist hier und in Mödling so zimlich gleich, bevor [?] nun diesen Thauwetter war es hier ungemein kalt. Neue Bräuter gibt es die Meninger Susi die jüngste, mit einen gewissen Haaß, der Bräutigam ist 22 Jahre alt hat 1800 fl Besoldung bey der Bahn. Dan die Eistenen Berta mit den Offizier. Der Eduard Spängler ist hier er kömt nach Idnia, bleibt aber jetzt einige Tage hier. Die Frau von Geschnitzer ist sehr krank, so das der Chun oben schlaft, damit er gleich bey der Hand ist. Der Obervinanzrath Mühler ist auch zum sterben. Bey der Goiginger ist der kleinste Knab an Gehirnkrankheit gestorben, und heute begraben. Eine menge haben hier die Flecken auch größere Leute. Die Saulich PXXter die Mina Reinfort [?], und mehrere auch Kinder eine menge. Bey Cloner hat sie auch der große Knab. Die Sauter Charlotte ist gottlob wieder beßer geworden. Hier geht es allen Bekanten zimlich gut gottlob. Ich bitte dich lieber Franz kaufe ja keine Papiere, sondern wen du ein geld hast, so zahle lieber ab, damit du einmal schuldenfrey wirst, den jetzt ist in allen disen Geschäften ein solcher Schwindel, das einem übel werden möchte. Recht viele Bekante lassen dich recht herzlich grüßen Berger Rosalie – Zeller Bey Berger haben auch die Kinder die Flecken. Lebe recht wohl lieber Franz es bethet gewiß immer fleißig für dich deine dich treu liebende Mutter Antonia Spängler.
Antonia Spängler an Sohn Franz Spängler
ANTONIA SPÄNGLER an den Sohn FRANZ SPÄNGLER: Salzburg den 13.2.[18]71/ Mein liebster theuerster Franz! Daß ich von dir einen Brief erhalten habe ist schon sehr lange, und wie mir scheint nimt dich der Fasching so sehr in Anspruch. Den[n] wie wir durch Pireago [?] erfahren solst du jede Woche 2 Bälle in Wien mitmachen/ das ist doch gewiß, sehr viel -/ mir wird oft recht bange für deine Gesundheit, - und ich danke den lieben Gott, wen[n] der Fasching vorüber ist, Otto und Louise sind nirgens hingegangen, die Voch [Woche] wen[n] nur einmal, auf ein paar Stunden, ins [fehlt ein Wort?] schauen. Ich bin sehr froh, das die Krägen recht sind, so bist du in dieser Beziehung gut bestehlt. - Die Sachen wen ich sie bekomme werde ich sogleich außnähen, ich habe auch jetzt leichter Zeit, da der kleine Max nicht mehr lebt bin ich im bewirten mehr wieder für mich. Die Spängler Oma geht heuer gar auf keinen Ball, Sie sagt, sie müßte sich alles neu anschaffen und das freut sie nicht. Die Frau von glanz [?] ist neulich ganz je gestorben als sie ins Bett gestiegen/ die guggenbühler ist auch zum sterben, man hat ihr heute Nacht schon 3 mal das Licht eingehalten im Wochenbett. Die Prohascha soll auch sehr schlecht sein in Wochenbett. Ich freue mich den Adolf seine Gattin kennen zu lernen. Den Fasching Montag Abends bin ich bey Hothschizkas eingeladen und am Fasching dienstag bey dureggers so gott will das alles gesund bleibt, Was man nie sagen kann, Wie ich hoffe bist du lieber Franz gesund, ich hatte schon lange einen Husten und Schnupfen noch im[m]er, und gehe Abends sehr wenig auß/ bey Schmelzing sind beyde Unwohl, er hat starken Husten Sie liegt. schon lange an der Gicht. Eben höre ich das die Junge Wolfstein an den Folgen des Wochenbett sehr krank sein soll. Wegen: LXX Betti [Katzinger] lasse ich es den Otto üben es zu schreiben. Nun ist die Zahl der hübschen heurathsmeßigen Frauenzimmer nicht mehr groß. Lebe recht wohl mein lieber guter Franz schon deine Gesundheit, und sey recht herzlich gegrüßt und geküßt von deiner treuen Mutter Spängler/ Ein menge Bekante grüßen dich recht herzlich. Otto der kleine läßt dich recht schön grüßen, er glaubt immer du schreibst an ihm großmutter lies mir den Brief vor sagt er oft. - Vielfach ist kein Unterschied zwischen einem großen und einem kleinen „d“ zu sehen; kleines „d“ auch im Satzanfang wurde entsprechend nicht korrigiert [sollte aber vielleicht doch stehen]. Brief von Maria Antonia (Antonia) Spängler [geb. Lürzer; Nr.37], geb. 1803, verh. mit Franz Spängler [Nr.36]; gest. 1882 in Salzburg. Sie wohnen im Haus „Nr.48“, heute Mozartplatz 4 in Salzburg. Geschrieben an den Sohn Franz Spängler, geb. 1839 [Nr.18]; 1870 am Gericht in Mödling (1874 dann in Wien). - „Fasching“: bereits das Tagebuch von Franz Spängler von 1860/61 beginnt mit sehr ausführlichen Schilderungen der Tanzveranstaltungen in der Faschingszeit. Franz Spängler notiert genau, mit wem er welchen Tanz hatte, und das über viele Stunden hinweg. - „Otto und Louise“: Bruder Otto Spängler, verh. Aloisia Duregger; „Prohascha“: wahrscheinlich Prochaska (vgl. Dopsch, 1996, S. 698, Anm.154); „der kleine Max“: Bruder von [dem kleinen] Otto, geb. 1870, gest. 26.1 1871; „die Spängler Oma“: wohl Fanny Kobler [?], geb. 1796, siehe Briefschreiberin unten. - „Duregger“: Eltern der Bank-Linie der Spängler in Salzburg, Alois Duregger und Henriette Bolland (sie: 1810-1892; zu dem Bankhaus Duregger-Spängler vgl. Dopsch, 1996, S. 409); „Otto der kleine“: Otto Spängler, geb. 1868.
Franz Spängler an Fanni Schlegel
FRANZ SPÄNGLER [Nr.18] an FANNI SCHLEGEL [Nr.19]: Brief heute früh zu meiner Freude erhalten, ausführliche Antwort nächstens. - Mdlg [Mödling] 24.6.1871 - Postkarte von Franz Spängler [Nr.18] aus Mödling an seine spätere Frau [Nr.19], „Frl Fanny Schlegel, Marktplatz, Salzburg“, gestempelt Mödling, ohne Datum, und Salzburg 25.6.71.
Briefe „1871/1872“ (rot verschnürt, nicht gelesen) von Fanni aus Salzburg = Nr.19 Fanni Schlegel, 1848-1905, an Franz = Nr.18 Franz Spängler, 1839-1912, durchgehend mit Umschlägen (z.T. auf- und ausgerissen, z.T. fehlen Briefmarken usw.) „Herrn Doctor Franz Spängler kk. Gerichtsadjunkt in Mödling bei Wien“: 1.7.1871. – 25.7.71. – 17.9.71 von einem Freund aus Reutlingen. – 19.9.71. – 6.10.71 Karte. – 6.10.71 Brief. – 10.10.71. – Entsprechende Briefe von Franz = Nr.18 Franz Spängler aus Mödling an Fanni = Nr.19 „Frl Fanny Schlegel Salzburg Marktplaz N 10 II Stok“ = heute Alter Markt Nr.10; durchgehend mit Umschlägen, aufgedruckte Briefmarken, insgesamt gut erhalten: 29.8.71 von einer Freundin (?), d.G. [durch Boten]. – 30.8.71 nach Bad Adelholzen in Bayern. – 20.12.71. – 2.1.1872. – 3.1.72. – 12.1.72. – 21.1.72. – 26.1.72. – 28.1.[72] mit „Blümchen“ vom Gesangvereinsball. – 29.1.72. – 4.2.72. – 11.2.72. mit Papierblümchen. – 16.2.72. – 19.2.72. – 22.2.72 Karte. – 23.2.72. – 24.2.72. – 27.2.72 Karte. – 28.2. – 11.3.72 mit Einschreiben und einem Glücksklee. – 23.3.72. – 27.3.72. – 30.3.72. – Angefügt: Brief ohne Umschlag 9.3.72 von Ludwig Zeller, Salzburg. – 20.10.1872 aus Leitmeritz von der „Großmutter Katharina Schlegel“ = Nr.77 Theresia Heygel, geb. 20.10.1783, verh. Nr.76 Franz Schlegel; sie ist demnach 89 Jahre alt, als sie diesen Brief mit klarer Schrift an ihre Enkelin schreibt. – 24.9. ohne Jahr [1880er Jahre] von ?, Dank für Kinderfotos.
Briefe u.ä. [rot verschnürt, nicht gelesen] von verschiedenen Personen an Nr.18 Franz Spängler: Blatt unbekannter Herkunft mit Beschreibung „...[Salzburg] Nachtwandler... Dr.Franz Spängler in Gedanken tief versunken... Marktplatz dann Milchgassel...“; Bleistiftzeichnung ohne Hinweise: Franz Sp. verspeist ein Ferkel [Foto bei Nr.18]; kleines Blatt „Meinem guten lieben Dr. Franz... treu ergebener Schlögelhofer“; Salzburg 21.8.1843 [?]... Die Hofrichtrischen [Spängler] lassen dich ganz besonders grüßen.“; Salzburg 6.6.1867 [?]... Franz Zeller“; Salzburg 2.8.1871... , ... Lanser, beiliegend Visitenkarte „Madame Auguste d’Engerth née Lanser de Moos et Festenstein.“; „A.K.“ Kuchl 30.11.1871, Mein lieber Freund!... dein stets dankschuldiger Freund Al. Kalhofer Caaej. [? Bei den Stammbuchblättern für Nr.18 Franz Spängler = „Alois Kalhofer, 1854“]; Wien 28.6.1872 mit Umschlag ...Dr.Franz Spaengler... Mödling... „Geehrter Herr!... Eduard Herbst [?]; Postkarte Wien 3.11.1874 an Franz Sp. Mödling... Glückwünsche; Postkarte Kitzbichl 14.8.1893 an Familie Spängler Salzburg „Haus zur Hölle Judengasse“ von Familie A. „...im Namen aller Elsa“. [keine Verweise geschrieben] – Von mir zusammengebunden mit: Briefe [nicht gelesen] an 18 von Nr.18 a Otto Spängler: „Donnerstag früh. Lieber Franz!... finanzielle Abrechnungen 1872; Briefbogen „Regierungsrat Dr.Otto Spängler Salzburg“ „Lieber Franz!... [ohne Datum] dein treuer Otto“. - Von mir zusammengebunden mit: Briefe u.ä. [nicht gelesen], Nr.18 betreffend: Notizen von Franz Sp.: „Georg Spängler, Bürger. Wirt u Gastgeb in Stertzing / dessen Bruder Hanß Spangler Wirt u Gastgeb am Sandt in der Herrschaft Tauffers / Georg Spängler Weingutbesitzer in Dietenheim bei Bruneck (geb. um 1681) Sohn Franz Anton geb 1705“; finanzielle Notizen, ohne Jahr; Briefrest ...“behalte lieb deinen treuen Franz“ und Auflistung 20.Jänner mit einem Gedicht [?]...; Brief Mödling 18.1.1872 „Meine liebe Fanny!... [ohne Ende?]; Blatt „13“ bis 1.März“ mit Liebesbeteuerungen [?]; dito mit Bleistift „10.“ bis „30.“ und 31. Nachtrag 1833...1846“; mit Bleistift Notizen= Gästeliste [?]: Fanny / Franz / Großmutter [Fanny Kobler] / Mutter / Dr.Schlegel / u Frau / Dr.Otto Spängler / Louise / alte Laschenky / Frau Schneeberger / Richard / Rosa / Lida Schlegel / Dr.Scumacher / u Frau Emma / Wahl / Wahlin / Onkel Alois / u Tante / Tante Lürzer / Angest u. Anna / Resi Spängler / Praelat / Aichinger / Carl Spängler / Leopoldine u / Rudolf Spgl / Marie / Lorinser Mina / Carl Laschensky / Gattermayr / Ludwig Zeller / Anna Spängl / Ida; Blatt mit Wohnungsskizze; Correspondenzliste 1860/61; kleiner Briefumschlag aufgerissen an Fanny Schlegel Hier Marktplaz, Franz Sp. Salzburg Aschermittwoch 1869, „Bitte“ in Mundart, zwei beschriebene Visitenkarten Franz Sp. Salzburg/Mödling 1871, „Liebe Lida u. Fanny!... Marie Wahl [?] 3.6.1871. [Keine Verweise zu den anderen Jahreszahlen geschrieben.]
Franz Spängler an Fanni Schlegel
FRANZ SPÄNGLER an FANNI SCHLEGEL: Mödling 4 Sept. 1871/ Meine liebe Fanny! Heute Morgens 8 ½ Uhr - früher als ich gehofft hatte - erhielt ich Ihren lieben Brief, u. ich fühle mich verpflichtet, Ihnen insbesondere zu danken, d[a]ß Sie die lezten Augenblike Ihres Aufenthaltes in Adelholzen noch der Correspondenz mit mir widmeten, u. dann in Salzburg angelangt, sobald dieselbe fortsezten. - Daß Sie glüklich heimgekommen sind, freute mich zu hören, doch hatte ich dieß ohnehin gehofft. Auch danke ich Ihnen für die Beantwortung meiner Fragen, u. bin doppelt befriedigt dß jenes Ereigniß vom Fasching Dienstag 1869 Ihnen wieder eine angeneme Erinnerung verursacht, noch irgend welche Folgen nach sich gezogen hat. - Was die junge Baronin Haan betrifft so hoffe ich, dß Sie sich seinerzeit selbst überzeugen werden, dß eine „Schwärmerei“ für dieselbe bei mir dann doch nicht vorhanden ist, u. dß Sie keine Ursache zu einer Eifersucht haben werden/ Uebrigens neme ich die Versicherung, dß Sie zu dieser Leidenschaft keine Anlage in sich verspüren mit Vergnügen zur Kenntniß; u. ich kann nur den Wunsch u[nd] die Hoffnung aussprechen, dß dieß eine Kapitel nie, das nie im Ernst zwischen uns verhandelt werden möge. - Ich glaube auch, dß dieselbe wir im Stadium glüklichen Besize ganz fremd sein werde, wenn gleich ich nicht behaupten will, dß sie mir bisher ganz fremd geblieben sei; denn insbes. zu jener Zeit, wo ich, - sei es mit Recht od[er] Unrecht, - Karl Schmid von Lida für bevorzugt hielt, war sie in mir ziemlich rege. Doch das liegt nun als längst vergangen u. abgeschloßen hinter mir, u[nd] soll auch auf sich beruhen. - Heute haben wir die Landtagswal gehabt, u der von uns aufgestellte verfassungstreue Candidat ist hier sowol, als in den 3. andern Orten, die zu unserm Walbezirk gehören, mit großer Majorität gewält worden. Hiermit ist auch die Funktion des Walcomité zu Ende/ das glüklicher Weise ohnehin nicht gar viel zu thun hatte, u uns ist die Sache - was mir sehr angenem ist, so abgelaufen, dß ich nicht einmal in die Notwendigkeit kam, meiner Opposition gegen das jezige Ministerium öffentlichen Ausdruk zu geben. - Wenn ich noch etwas aus meinen hiesigen Verhältnißen heute bespreche/ so ist es das, dß die von mir ausgedrükte Befürchtung einer Störung des bisherigen collegialen Verhältnißes im Amte nicht dahin geht, dß der neue College sich unaufrichtig od falsch gegen uns benemen, od sich Verdrehungen, od Verhezungen schuldig machen werde/ sondern dahin, daß er nicht gerne arbeitet, u daher stets bemüht sein wird, so viel Arbeit als möglich von sich u auf uns hinüber zu wälzen. - Denn das ist eine Eigenschaft so vieler junger Leute, besonders derer die in sehr günstigen Vermögensverhältnissen aufgewachsen sind, zu glauben, dß sie dies Arbeiten anderen überlassen können/ dß sie für eine regelmäßige od gar angestrengte Thätigkeit zu gut seien. - Ich bin Gottlob dafür erzogen u auch durch meine bisherigen Verhältniße dazu geführt worden, die ehrliche Arbeit u. eine regelmäßige ernste, möglichst auch für andere Nuzen bringende Thätigkeit als eine Hpt[Haupt]aufgabe des Menschen anzusehen, treu dem schönen Worte Schillers. - Arbeit ist des Bürgers Zierde/ Segen ist der Mühe Preis/ Ehrt den König seine Würde,/ Ehret uns der Hände Fleiß. - Darin finde ich jene echte Bürgertugend, die den Staat u die menschliche Gesellschaft erhält u. stets neu belebt. Und ich hoffe u. erwarte, ja ich verlange von meiner Lebensgefährtin die gleiche Gesinnung, dieselbe echt bürgerliche Lebensanschauung u. diese Anschauung soll auch in meiner Familie - so Gott will - fortgepflanzt werden. - Diese Lebensauffassung ist aber gerade in Wien, wo es so viele mühelos reichgewordene Leute gibt, in manchen Kreisen abhanden gekommen, u gerade so häufig trifft man es daß die Söhne solcher Männer, die sich durch sich selbst durch ihre eigene Thätigkeit u. Zünftigkeit emporgebracht u. zu günstigen Vermögensverhältnißen u. einer schönen Lebensstellung erschwungen haben, statt nun den Genuß des von den Eltern erworbenen im Auge zu haben, aber es nicht mehr für nothwendig halten, diejenigen Eigenschaften ihres Vaters in sich zu pflegen, u. fortzu üben, durch die er u. mit ihm auch sie selbst das geworden sind was sie nun sind. - 5 Sept 1871 früh./ Wir haben nun wenigstens die Zusicherung einer Aushilfe erhalten, u ich hoffe daß der Auskultant der hieher kömmt, im Laufe dieser Woche kommen wird, u. dß er verwendbar ist; hievon wird es abhängen, ob ich noch Ende dieser Woche werde abkommen können, doch hoffe ich wenigstens das als gesichert betrachten zu dürfen, dß ich im Laufe des September nach Salzburg kommen kann. Wenn es möglich ist, werde ich sicher bis Freitag od Sonntag nach Salzburg [zu] kommen. Ich bitte Sie daher die Antwort auf diesen Brief mir entweder wo möglich schon bis Donnerstag hieher zu kommen zu lassen, od sonst ihn erst am Freitag, wenn ich nicht inzwischen nach Salzburg gekommen sein sollte abzusenden. Soll ich es Ihnen noch zuvor anzeigen, ob und wann ich komme? - Wenn ich mich nun auch so sehr freue, das zur festen Gestaltung gelangen zu sehen, was vor nun vollen 3 Monaten begonnen wurde, so kann ich mich doch öfters des Gedankens nicht erwehren/ ob ich denn wol Sie glüklich zu machen im Stande sein werde ob nicht so manche Eigenschaft sich in mir finden wird, die Ihnen mißfallen wird/ ob endlich nicht jene Stimmung, die schon einmal in einer Sie beunruhigenden Weise in einem meiner Briefe Ausdruk fand, u. die manchesmal - wenn auch nur vorübergehend - auch später noch sich einstellte, jene Stimmung in der ich von einem nicht auf ein würdiges Ziel gerichteten Ehrgeize, von einer zu großen Wertschäzung bloß an Äußerlichkeiten befangen, ja vielleicht geneigt war, selbst von jener echt bürger[lichen] Gesinnung/ die ich oben betonte, abzuweichen, sich in störender Weise wieder geltend machen könnte, u. Ihnen Schmerz bereiten könnte. Nemen Sie diese offenheit nicht übel, mißdeuten Sie diese Worte nicht; ich mußte dieß sagen, um offen gegen Sie zu sein; ich hoffe aber, dß insbesondere auch diese lezte Befürcht[un]g sich als grundlos herausstellen werde; ich hoffe, dß die getroffene glükliche Entscheidung u. Ihre Liebe mir die Kraft geben wird, solche Störungen, wenn sie überhaupt noch hereintreten sollten glüklich zu beseitigen. Gott gebe dazu die Gnade! - Doch ich muß mich für heute dem Schluße zuwenden; baldige Fortsetzung, sei es mündlich od schriftlich! - Zum Schluße nun noch das eine, dß mir die Mutter in ihrem lezten Briefe mittheilte, daß in Salzburg bereits von uns als Brautpaar gesprochen würde. Mein Bruder, den die Mutter vor kurzer Zeit die Sache mittheilte, hat mir auch bereits in diesem Sinne gratuliert/ Nun leben Sie recht wol, schreiben Sie mir recht bald, grüßen Sie die Großmutter u. seien Sie herzlichst gegrüßt u geküßt von Ihrem treuen/ D[r] Spängler - Franz Spängler (Mödling, Wien) an seine spätere Frau Fanni [er schreibt Fanny] Schlegel (Salzburg). Viele Wörter zusammengeschrieben (hier nicht vermerkt); Abkürzungen (‘u’ bzw. ‘u.’ für ‘und’; ‘od’ für ‘oder’) sind belassen; mehrfach ‘k’ für [heute] ‘ck’, ebenso belassen. Briefumschlag, ohne Absender, gestempelt Mödling 5.9.71, Wien 5.9.71 und Salzburg 6.9.71: „Fräulein Fanny Schlegel, Salzburg, Marktplatz N 10, II Stok“. „Lida“ [Guttenberg; Freundin]), auch genannt in weiteren Briefen. – Abbildung = undatiertes Foto der Fanny Schlegel in jungen Jahren
[bei den Briefen von Nr.37 ANTONIA SPÄNGLER, an den Sohn Nr.18 FRANZ SPÄNGLER, 1872 verh. mit „Fany“, FANNI SCHLEGEL]: 7.9.1871 Telegramm aus Mödling an: Antonia Spaengler, Mozartplatz 73, Salzburg: Ich komme morgen frueh. Benachrichtigen Sie auch Fany = Dr Spaengler.
Briefe [rot verschnürt, nicht gelesen] Nr.18 Franz Spängler an Nr.19, alle mit Briefumschlägen, aufgedruckterBriefmarke und dem Siegel „F. Sp.“, von Mödling an „Fräulein Fanny Schlegel Salzburg Marktplaz 10. II Stok.“ =18.9.1871; Postkarte 21.9.; 22.9. Einschreiben, beiliegend Visitenkarte Franz Spängler; 25.9.; 28./29.9.; 2./3.10.; 5.10. ohne Umschlag; 8.10.; 12./13.10.; 16.10.; 19./20.10.; 21.10. Einschreiben, ausführlich mit Wohnungsgrundrissen; 22.10. Wohnung; 28./29.10.1871.
Fanni Schlegel an Fanni von „Lonchen Ziegler“
21.9.1871 an FANNI SCHLEGEL (1848-1905; Nr.19), verh. Spängler 1872: Brief aus Würzburg an Fanni von „Lonchen Ziegler“ [nicht gelesen]; dito 11.1.1872; Visitenkarte „C.A.Ziegler“ und „Frau von Kobler und Fräulein Fanny unsere herzlichsten Glückwünsche“; Karte handschriftlich „C.A.Ziegler wohnt im Hause des Herrn Hofrath Dr.Riencker kgl. Universitäts Professor Würzburg.“; Gedichtezettel „Ob Du auf stolzer Burg...“, gedruckt Salzburg o.J.; Visitenkarte „C.A.Ziegler“ und „Fräulein Fanny Schlegel; herzlichen Dank für außerordentlich liebe Zeilen und innigste Grüße an sie und Frau von Kobler von Ziegler und Frau, Würzburg 27.10.1871“; Glückwunsch mit 2 Bildchen „Juristen lieben ‚die Fälle’ und je interessanter solche sind, desto pikanter für den Herrn Rechtsgelehrten. – die schönsten der Fälle sind aber doch immer die: ‚bis tief ins Herz hinein’! Drum meinen Glückwunsch für Sie und den Mann, der ein so herzig’ Kind lieben kann! Würzburg 22.9.71 Ziegler“. Alles im Umschlag „Wohlgeboren Fräulein Fanni Schlegel [bei] Frau Fanni von Kobler Salzburg“ [Briefmarke entfernt; Siegel] „C.A.Z.“
Fanni Schlegel an Franz Spängler
Briefe von FANNI SCHLEGEL (Nr.19) an FRANZ SPÄNGLER (Nr.18): 24.9. „Herrn Doctor Franz Spängler, k.k.Gerichtsadjunkt in Mödling bei Wien“, Stempel auf 15 Kr. Salzburg 24.9.1871, Einschreiben, rotes Lacksiegel „F. S.“ [Fanni Schlegel], Vermerke Franz Sp. „XXIII. erh[alten] 25/9 beantw[ortet] 25/9“: Salzburg 23.September 1871, 8 Uhr Abends. Mein lieber Franz! Ich muß schon bei dieser Aufschrift bleiben, da ich sehe, daß sie dir Vergnügen macht, sonst hätte ich mit „Hochgeehrter Herr Doktor“ meinen Brief überschrieben. Deinem Briefe, für den ich dir herzlichst danke, hatte ich schon recht ungeduldig entgegen gesehen, da ich mich schon gestern auf Nachricht von dir gefreut hatte. Ich danke dir aber auch für die Aufmerksamkeit, mir mittels Postkarte den Empfang meines Briefes zu bestätigen, sowie für die beiden Ansichten meiner künftigen Residenz. – Beiliegend folgen die zwei Fotografien, damit du vergleichen kannst, ich bin neugierig, dein Urtheil zu hören. Wenn ich aufrichtig sein soll, muß ich sagen, daß ich keine besonders gut finde. Ich bitte dich zugleich, mir zu sagen, wie viele Exemplare ich von der einen oder der anderen bestellen soll? Deine gute Mutter hat beide gesehen und findet beide schlecht, so daß sie meint, wir sollen gar keine kopieren laßen. Jedenfalls, meine ich, lassen wir nicht viele Abdrücke machen. Bestimme nur wie viel du brauchen wirst. – Die Brustbilder von dir wurden, so weit es möglich ist, ein wenig dunkler gemacht, ich war heute im Vorbeigehen bei Baldi. Gegen Ende der nächsten Woche werde ich die Brustbilder bekommen. Ich freue mich, daß meine Mahnungen zur Geduld gefruchtet und du nun einsiehst, daß es nicht thunlich wäre vor dem nächsten Frühling an Hochzeit zu denken. – Zum Lohn dafür will ich dir auch erzählen, daß ich mit allem Eifer an die Ausstattung gehe und gestern bereits eine ganze Menge Namen ausgetrennt habe, eine durchaus nicht geistanstrengende, dafür aber ziemlich mühevolle Arbeit. Wie oft dabei meine Gedanken in die Zukunft schweifen, kannst du dir vorstellen. – Auch mir wird mancher Winterabend recht lang werden, wenn ich bei einem Buche oder irgend einer Arbeit sitzen werde, doch nehme ich mir vor, recht fleißig an der Einrichtung des künftigen, eigenen Nestchens mitzuhelfen. – Heute Nachmittag kauften wir in Gesellschaft deiner Mutter Leinwand ein. Die gute Mutter trug mir viele Grüße an dich auf, da ich sagte, daß ich dir heute Abend schreibe. – Auch in meine Hände gelangten mehrere Glückwünsche, unsere Verlobung betreffend, so von Fr: Maria Spängler, geb. Bernstein [Pernstein, Frau von Franz Seraphin Spängler, Cousin], von Lotti Katzinger ein besonders lieber Brief, in dem sich ihre Freude ausdrückt, daß die Festung doch endlich kapituliert hat, dann Karten von Direktor Dauner [?] u. Frau aus Ellwangen und ein lieber Brief von Fr: Ziegler und Gemal aus Würzburg, die sich auch dir empfehlen. Daß ich von Fr. v. Dauner kürzlich einen Brief bekam, glaube ich schon geschrieben zu haben. – Ich mußte lachen bei der Erzählung, was die Leute Alles in meinem Gesichte lesen wollen und fühle mich sehr geschmeichelt daß man mich für so jung hält. Nur meine ich, du sollst die Neugier der Leute auf meine werthe Person nicht so reizen, sonst sind sie zu sehr enttäuscht wenn das Original erscheint. – Drum fände ich es auch ganz und gar überflüßig, ihre Neugierde auch noch mit Zeugnissen meiner selig entschlafenen Muße zu unterhalten [von ihr existieren einige Gedichte, im Poesiealbum und ohne Namen, von denen ich bereits vorher vermutete, es seien eigene Texte], und ich bin froh, daß sich Nichts hiervon in deinen Händen befindet, und werde mich wol hüten etwas davon an dich gelangen zu laßen, damit du es mitthe[i]len könntest. – Ich beherzige gar sehr, was Elise Polko [?] über den Punkt des Dichtens bei Frauen und Mädchen sagte, und bitte dich recht herzlich, Niemand davon zu erzählen, und jenen die davon wißen, recht in Erinnerung zu bringen, daß es zu den verklungenen Dingen gehört, daß ich einst Verse machte. - - - Ich bin dir sehr dankbar, daß du in solcher Weise bei Buschmann mich vertheidigt hast. Von dem Aufenthalt meines Vaters weiß ich nichts, er hat an die Mutter nur einmal geschrieben, daß es ihm u. seiner Begleitung gut geht und daß sie irgendwo in die Schweiz reisen, aber daß er nicht weiß, wohin er einen Brief schicken laßen sollte. Ich denke die 3 Doctoren werden bis Dienstag heim kommen, weil am selben Tag Minna Lorinser von Wien kommt, sie wird dann einige Zeit bei uns bleiben. Ich freue mich sehr auf sie. Auch von ihr bekam ich einen lieben Brief. Morgen wenn es schön ist, gehen Lida u. ich mit Zeller über Glanegg nach Reichenhall, daher ich heute schon meinen Brief schließe, sonst hätte ich noch morgen etwas hinzugefügt. Lebe recht wol und behalte lieb deine treue Fanni. Good night – Großmutter grüßt dich/ Meine Mutter grüßt dich. Hr: Rudolf [Franz Seraphin; „Rudolf“ ist mit Marie Weinwurm verh.] Spängler u. Frau Maria Sp: geb. Bernstein [Pernstein] grüßen gleichfalls. - [1871] ohne nähere Zuordnung bei der Korrespondenz Visitenkarten von: „Emil Ritter von #Guttenberg k.k.Rittmeister“ (handschriftlich: Meine herzlichste Gratulation zur Verlobung! Dein getreuer Vetter“); „Minna von Guttenberg née de Launsperg“ (Herzlichen Glückwunsch! durch Abwesenheit verspätet); „Stephanie de La Croix Langenheim“ (p.f.); „Georg Adensamer“ (p.f.); „Johanna Adensamer“ (p.f.); „Josef Adensamer“ (p.f.). – Vgl. undatiertes Foto Fanni Spängler und Freundin Lida Guttenberg, auch genannt in mehreren Briefen. Sonstige Personen nicht identifiziert.
Bruno an Fanni Schlegel
25.9.1871, an FANNI SCHLEGEL Brief aus St.Johann [im Pongau]: „Liebe Fanni! Als altem Bekannten und Spielkameraden wirst du mir wol erlauben, dass ich dich auch noch heute ‚du’ nenne, wo ich dir schreibe, um dir nebst meinem Danke für die Verlobungsanzeige meinen aufrichtigen Glückwunsch zu der von dir getroffenen Wahl auszusprechen u. dich zu bitten, denselben auch deinem Bräutigam zu entrichten... wie ich gehört habe, kommst du nach Wien; ich bin dir darum unbeschreiblich neidig... Wie gehts der Großmutter?... Mit den herzlichsten Glückwünschen grüßt dich Dein Bruno XXX. Auch an deinen Vetter und Lorinser viele Empfehlungen!!“
Fanni Schlegel an Franz Spängler
1871 Briefe von FANNI SCHLEGEL (Nr.19) an FRANZ SPÄNGLER (Nr.18): 27.9. dito 5 Kr. gestempelt: Lieber Franz! Mit großer Freude empfing ich gestern deinen lieben Brief und danke dir hiefür herzlichst. Daß du so viel Glück im Scheibenschießen hattest, freut mich, das ist ja ein ganz neu entdecktes Talent. Du hast auch Recht, daß ich dir ganz gewiß nicht böse bin, weil du dich vom Tanze nicht ausgeschloßen, ich weiß ja doch, daß du recht oft meiner gedenkst, wenn auch Vergnügen oder Arbeit Ansprüche an dich erheben. Und daß ich dann überzeugt bin u. sein darf, macht mich glücklich, denn herzliches, unbedingtes Vertrauen gehört meiner Meinung nach zu dem rechten Glücke. Nich[t] wahr, du bist auch überzeugt, daß ich oft, recht oft liebend dein gedenke, auch mitten in der schönsten Prosa des täglichen Lebens und im Kreise der um mich versammelten Freunde? – Der am Sonntag unternommene Ausflug von Glanegg nach Reichenhall war recht hübsch, wir waren alle recht heiter, und es wurde öfters von dir gesprochen, noch öfter beschäftigten sich meine Gedanken mit dir. Daß es nicht ohne obligate Neckerei abging [siehe unten, am Rand], kannst du dir denken. Jetzt scheint auch Ludwig wieder heiterer zu werden, wenigstens am Sonntag war er recht lustig und freundlich. Das Resultat der Parthie für mich ist ein kleiner Husten, den ich mir wol durch eigene Unvorsichtigkeit zugezogen habe. Ich muß daher heute zu Hause bleiben, obwol Minna seit gestern Abend bei uns ist. – Mein Vater und die beiden Doktoren sind heiter und wolbehalten von ihrer Reise zurückgekehrt. Meinen guten Vater hat es sichtbar sehr gut gethan, daß er einmal wieder draußen war aus der täglichen Arbeit. – Daß man in Wien auch schon von meinem Zitherspielen weiß, und am Ende weiß Gott was davon erwartet, macht mich fast bange. Bitte, sage den Leuten doch, daß sie sich nur ja keine großartige Vorstellung von meinen Leistungen machen sollen, sonst bin ich, wenn ich je einmal veranlaßt sein sollte vor Fremden zu spielen, so ängstlich, daß ich gar nichts kann. Damit du siehst, daß ich in dein Versprechen, über meine „selige Muße“ gegen Niemand etwas zu erwähnen, volles Vertrauen se[t]ze, sende ich dir beiliegendes Blatt [liegt nicht bei], worauf ich in Eile etwas abgeschrieben habe, aber nicht wahr, Niemand zeigen. Bitte, bitte. – Ich lese gewissenhaft jeden Abend das bestimmte Gedicht in deinem Buche, darnach gewöhnlich noch zwei oder drei andere. Für heute Abend trifft Einkehr Seite 20. – [am Rand verkehrt:] Minna sagt „Sie gratuliert dir zu der garstigen Frau, die du an mir kriegst! – Ich habe neulich vergeßen, über das Kapitel von der „Pantoffelherrschaft“ zu sprechen. Sei es denn heute! Ich habe ganz und gar nicht den Wunsch, einen Pantoffelhelden zum Mann zu bekommen, und kenne und anerkenne das Wort der hl. Schrift „Und er soll dein Herr sein.“ Wie es um meine Energie dir gegenüber bestellt ist, davon habe ich im Punkte des Dusagens einen recht hübschen Beweis geliefert sollte ich meinen. - - - Übrigens bin ich gewillt, den äußeren Lebensverhältnissen mit der notwendigen Energie entgegen zu treten und hoffe auch, daß zuweilen auch das Wort der Frau im häuslichen Rath wird gelten dürfen nicht wahr? Es bleibt dabei! – Es ist mir nur möglich eine Verlobungskarte zu schicken, weil ich auf den besonderen Wunsch an den Bürgermeister Mertens [die Freundin Camilla ist die Verlobte von dessen Sohn Demeter Mertens] eine Anzeige schicken mußte. Wegen der „bösen Zungen kann ich dir leider nur ungenügend dienen. Meine Großmutter findet dermalen die Nummer welche wir haben, nicht, wenn sie dieselbe findet, werde ich sie dir schicken. Doch glaube ich sicher zu wißen, daß in dieser Nummer nichts über Mödling steht. Sobald es mir möglich ist, werde ich bei Hr: Rudolf Spängler [Cousin, geb. 1830, Apotheker und Vizebürgermeister] die Nummer und genaue Adresse zu erfahren suchen. – Von der Gruppenfotografie werde ich nur ganz wenige Exemplare bestellen, lieber nur ½ Dutzend, ich muß aber selbst mit dem Fotografen sprechen. – Wegen der Wiener Reise werde ich mein Bestes thun, ich würde mich ja selber so sehr freuen, wenn ich nach Wien käme! – Neulich kamen Beglückwünschungen in meine Hände von Maiersfels in Enns, vom Hofrat Schroff von Frl: Helene Schreiber aus Stuttgart und von Willi Gattermayer aus St.Johann, der sich dir empfiehlt und auch dir gratuliert. Er schreibt, daß du bei den St.Johannser Frauen noch immer im besten Andenken stehst. Aber werde nur nicht zu eitel deßwegen! – Ich schließe mit der Bitte mir wieder recht bald zu schreiben. Es umarmt dich deine treue Fanni. Grüße von Großmutter Vater u. Mutter u. v. Minna Lorinser. - „#Mertens“: vgl. „gesammelte Todesanzeigen“ von u.a. Anna Edle von Mertens, geb. Steinbauer, Wien (1819-1906), Tochter: Anna Aigner. - Heinrich Ritter von Mertens, kaiserl. Rat und Bürgermeister von Salzburg (1810-1872), Schwiegertochter: Camilla.
Antonia Spängler an Franz Spängler
ANTONIA SPÄNGLER an den Sohn FRANZ SPÄNGLER: Salzburg den 29.9.[18]71/ Mein inigstgeliebter Franz! Schon lange wollte ich dir schreiben, allein die Zeit mangelt mir immer, ich weiß oft nicht wo anfangen, wir haben schon sehr viel gekauft, und brauchen doch noch eine Menge. Otto wird dir geschrieben haben wie viel wir schon geld außgegeben, aber wir brauchen gewiß noch mehr mehr als 100 fl [Florin: Gulden]. Ich sage dir in ganz kurzen. ob es dir recht ist die Junge Fany hat 30 Stück Sacktuchen ganz neue von den Mama [?] gerade in der größe wie du sie wünschest, sie möchte kleine und ich fürchte, keine so großen zu bekommen wie du sie wünschest, die Fany würde 30 Stück kleiner kauffen, und würde den dieselben ihn bezahlen, und ich die ande[r]n 30 Stück für dich merken lassen, und noch 6 Stück dazu kauffen damit es 36 sind, die Nachthemten habe ich schon zugeschnitten und eines haben wir schon in machen auch auf 6 Taghemten habe gekauft. Ich bin froh das es dir gut geht, und ich denke, es wird dir die Zeit auch nicht zu lange werden/ besonders wen du um Weihnachten wieder kämst. Die Fany hat auch sehr viel zu thun, sie möchte auch gerne deine Leintücher machen, und auch das Tischtuch, und die 12 Servieten säumen damit alles gleich wird, sehr hübsch ist das Tischzeug eben so die Handtücher/ der Fany welche dabei war wie ich es kaufte, gefällt es sehr gut zusammen 25 fl die Leintücher 23 fl zu denen Zirheln [?] hat es auch 8 fl 98 gekostet und so ist alle Augenblicke etwas anders. Die Bomberger ist hier sie läßt dich recht herzlich grüßen. Lebe recht wohl für heute muß ich schließen/ es grüßt dich recht herzlich im geiste deine treue Mutter Spängler. - Brief von Maria Antonia (Antonia) Spängler [Nr.37] an den Sohn Franz Spängler [Nr.18], 1870 in Mödling . „Otto“: Bruder von Franz, geb. 1841, verh. Duregger; „Fany“: Franziska (Fanni) Schlegel, geb. 1848, dann 1872 verh. mit Franz Spängler.
Leopold von Lürzer an Richard Schlegel
30.9.1871, Brief von Leopold von Lürzer an Nr.38 Richard Schlegel: Hall [Tirol] am 30te Septbr 1871. - Euer Wohlgeborener! – Sehr erfreut war ich bei meiner Rückkehr aus Achenthal, wo ich einige Zeit zubrachte, über Ihre freundliche Mittheilung der Verlobung Ihrer Fräulein Tochter Fani [Nr.19 Fanni Schlegel] mit meinem lieben Neffen Franz Späng[l]er [Nr.18], welche Sie mir nebst meinem herzlichen Glückswunsche schönstens und vielmals grüßen wollen. – Indem ich Ihnen für diese Nachricht vielmals danke in der Hoffnung daß sich seiner Zeit die Gelegenheit biethen dürfte das Vergnügen zu haben Sie persönlich kennen zu lernen sowie deren verehrte Familie welche ich mich empfehlen lasse, zeichne ich mit Hochachtung – Euer Wohlgeborener – ergebener künftiger Vet[t]er Leop. von Lürzer [37 c Leopold Lürzer von Zehendthal] von mir beigebunden anderen Briefen zur Verlobung: Briefe (rot verschnürt) an Nr.19 Fanni Schlegel (1848-1905) zur Verlobung 1871 von u.a. Anna Lori (Lorinser?; München), Helene Schreiber (Stuttgart; siehe auch Klaiber ?), Wilhelm Kobler, Franz und Maria (Ried), Schwiegermutter Spängler (mit Verlobungsanzeige von Betti von Lanser mit August von Engerth, Salzburg 1871). Helene Klaiber (? geb. Schreiber; Göppingen, und weitere Briefe mit Fotos und aus Ellwangen), Christian Auer Mayer (Neumarkt), Wilhelm Fenzl, Onkel Vinzenz (Schlegel; kathol. Pfarrer in Leipzig), Freundin Lentli (? Ottmersheim), Hermann Lielermann, Anna Schof (?) und – bereits übertragen – von Leopold von Lürzer 30.9.1871. - Beigebunden versch. gedruckte Blätter zu Theater und Veranstaltungen in Salzburg: „Gültig für Herrn Kobler und Familie“, schwarz gedruckt, Einladung zum Gesellschafts-Ball... 17.1.1841 im Museumssaale. – [2 Hefte:] Programm zur Feier der fünfhundertjährigen Vereinigung Tirols mit Österreich, Innsbruck 1863. – Sylvester-Abend 1867 im Handels-Casino in Salzburg (mit handschriftlichen Notizen mit den Namen der Ausführenden, u.a. auch Dr.Franz Spängler) [doppelt]. – Programm der Abend-Unterhaltung im Handels-Casino... 15.3.1869, zwei Theaterstücke, mit handschriftlichen Notizen der Namen der Ausführenden, u.a. Fanni Schlegel. – Theaterzettel ohne Jahr. – [Heft:] Festspiel... gespielt von den Enkeln... Goldene Hochzeit... Alois und Therese Spängler, Salzburg 1873. – [Flugschrift:] A Brief von Franz vo Piesenham... 26.7.1874.
30.9.1871, Brief mit Umschlag FANNI SCHLEGEL, Salzburg, an k.k. Gerichtsadjunkt Dr.FRANZ SPÄNGLER, Mödling bei Wien: Sie ist „still zufrieden und daß ich für unser künftiges Heim einiges selbst arbeiten kann“; möchte nach Wien kommen, „noch ist aber wenig Aussicht vorhanden, daß Großmutter diesen Wunsch erfüllen wird“; fortgesetzt Sonntag, 1.10., „du frägst, mein Lieber, ob ich der Engel sein will, der sich an deine Seele schmiegt [ach der Engel ist nur ein armes, schwaches Menschenkind, das wol allerlei gute Vorsätze, aber sehr viele menschliche Schwächen und Fehler hat und von englischen Eigenschaften gar wenig in sich verspürt. [...] Ich will dir einmal eine recht böse Eigenschaft von mir bekennen. Sieh, wenn ich die Großmutter um etwas bitte, erlaubt sie es mir meist nicht sogleich, sondern schlägt manchmal meine Bitte rundweg ab. Hätte ich die Geduld, meine Bitte zu wiederholen, so würde mir dieselbe in vielen Fällen gewährt.“ Man hat ihr gesagt, dass sie als Frau nicht mehr freien Willen haben wird, denn als Mädchen jetzt... „allzeit wird der Mann sie beherrschen“ [...] ‚Und er soll dein Herr sein.’ - Bekam einen Brief von Pfarrer Vinzenz Schlegel, sie hat von der Verlobung an die böhmische Großmutter in Leitmeritz geschrieben, wo Vinzenz gerade auf Ferien war. – Hat aus Zeitmangel die Singstunden aufgegeben. Sollte Franz das dennoch wünschen, so müßte er drei Jahre warten (bis sioe wieder Zeit hat). „Ich bitte mir in diesem Punkte deinen Willen bekannt zu machen.“ Dagegen bekommt sie jetzt mehr englische Stunden; „derweilen spreche ich manchmal mit Minna englisch.“ Minna erzählt ihr über Wiener Verhältnisse; Fanni fühlt sich ratlos gegenüber den möglichen Verhältnissen in Wien, macht sich auf „allerlei größere oder kleinere Ungeschicklichkeiten gefaßt, ehe der Haushalt seinen regelrechten Gang bekommen wird.“
Oktober bis Dezember 1871 = „1871 und 1884, 1887“ Briefe (rot verschnürt, nicht gelesen) von Fanni aus Salzburg = Nr.19 Fanni Schlegel, 1848-1905, an Franz = Nr.18 Franz Spängler, 1839-1912, durchgehend mit Umschlägen „Herrn Doctor Franz Spängler kk. Gerichtsadjunkt in Mödling bei Wien“, 10. und 11.10.1871. – 14./15.10. – 18.10. – 22./23.10. – 26./27.10. mit Einschreiben. – Briefe von Franz = Nr.18 Franz Spängler aus Mödling an Fanni = Nr.19 „Frl Fanny Schlegel Salzburg Marktplaz N 10 II Stok“ fast durchgehend mit Umschlägen, aufgedruckte Briefmarken, 30.10.1871. – 4.11. ohne Umschlag. – 9.11. Einschreiben, mit zwei Blumensträußchen [Foto bei Nr.18]. – 13.11. – 17.11. – 22.11. – 25.11. – 29.11. - 3.12. – 5.12. – 6.12. ohne Umschlag. – 8.12. – 12.12. – 13.12. - 16.12.1871. – Abschiedsgedicht der „Geburtsfrau“ [Hebamme] vor dem Umzug nach Pottenstein. – Brief eines Freundes Albert ohne Datum. – Brief 24.4.1871 aus Linz von Rudolf Handel. – Brief 6.7.1871 aus Salzburg von Hedwig L. – Briefe von Kollegen, Salzburg 1887 mit Brief von Fanni in Pottenstein an Franz in Krems mit Umschlag „1887“. – Brief 30.12.1881/31.12. von Franz und Fanni, Pottenstein, an die Großmutter in Salzburg Nr.79 Fanny Kobler. – Karten-Brief Pottenstein 6.4.1887 Fanni an Franz. - „August 1884“ mit mehreren Briefen in einem Umschlag von Nr.19 Fanni Spängler an Nr.18 Franz Spängler „Wolgeboren Doctor Franz Spängler kk. Bezirksrichter in Pottenstein a.d. Triesting“ = Salzburg 1.8. – 2.8. mit zweieinhalb Bogen „...behalte lieb deine Alte“, Erlebnisse von der Reise nach Salzburg zur Urgroßmutter. – 2.8. bis 5.8. einenhalb Bogen Franzi (geb. 1877; Nr.9 a Franziska Spängler, 1877-1962) und Fanni. – 12.8. „deine alte Fanni“. –13.8. Franzi, Postkarte mit kleinem, gedruckten Bild von Salzburg. – 17.8. Fanni. – 17.8. Franzi. – 20.8. Fanni.
1871 Brief von FANNI SCHLEGEL (Nr.19) an FRANZ SPÄNGLER (Nr.18): 3.11. dito, 5 ½ Abends: Mein lieber Franz! Heute empfing ich deinen lieben Brief, als wir uns eben bereit machten, zur Seelenmesse der armen Marie zu gehen. Ich konnte denselben nur in großer Eile durchlesen, erst nach Tisch fand ich dann Zeit, deine lieben Zeilen ordentlich durchzustudiren, wie es sich gehört. Daß du, obgleich viel beschäftigt, so fleißig an mich schreibst, macht mir große Freude, und ich bin dir dafür herzlich dankbar. An den Tagen, wo ich einen Brief zu bekommen hoffe, bin ich meist von der Frühe an voll Erwartung, was ich von dir hören werde. Und wenn ich dann den Briefträger kommen höre, ich erkenne meist seinen Tritt, stehe ich oft schon an der Thüre um ja bald in Besitze des Schreibens zu sein. Da ist es dann manchmal eine rechte Geduldprüfung, wenn eine nicht aufzuschiebende Arbeit mir nicht gestattet, gleich an die Lektüre zu gehen. Eröffnet wird aber der Brief gewöhnlich sofort. – Gestern besuchte uns Willi Gattermay[e]r, er empfiehlt sich dir freundlich. Er sagte, daß unsere Verlobung ihn sehr überrascht aber auch recht erfreut habe. Ich war zuerst nicht zu Hause, und da erzählte ihm die Großmutter, in welcher Weise unsere Verbindung sich anbahnte, und zugleich, daß ich öfters den Wunsch ausgesprochen habe, er sollte mein Brautführer sein. Obgleich jetzt kein Zeitpunkt ist für ihn, derlei zu besprechen, zeigte er sich doch wohlgeneigt, dieses Amt zu übernehmen. Es frägt sich nur, ob sein Vater, der bekanntlich manchmal ziemlich eigen ist, nichts dagegen hat. Ich muß sagen, daß es mich freuen würde, da Willi zu meinen besten Jugendbekannten zählt, ja eigentlich ist er und seine Schwestern von unserer Kindheit meine Spielgenossen gewesen. Da darüber werden wir zu Weihnachten mehr sprechen, er hofft nämlich da für 8-14 Tage kommen zu können. – Da sagst, es sei doch zu viel, wenn ich aus Theilnahme für fremdes Leid kaum den Gedanken an mein, an unser Glück recht zu faßen wagte. Ich meine, gerade das eigene Glück macht uns geneigter, dem Schmerz des Nächsten tieferes Mitgefühl zu widmen, wir denken uns ernster in die Lage des Unglücklichen, der uns im Vergleich mit unserer eigenen so viel trauriger erscheint, je heller und schöner das Leben vor unsern Blicken liegt. Einerseits aber bringt ein trauriges Ereignis uns auch die Wandelbarkeit irdischen Glückes in Erinnerung, und in diesem Sinne meine ich, wagen wir kaum das eigene Glück recht zu durchdenken, indem wir an unserem Nächsten erfahren, wie rasch ein trauriger Wehsel eintritt. – Du mußt aber nach diesem nicht glauben, ich schaue so düster und furchtsam in die Zukunft, ich vertraue auf Gottes Güte, die uns sicher durch alle Vorfälle des Erdenlebens führen kann und wird. Für heute muß ich schließen, da ich die Singakademie besuchen will. Es wird für ein Concert am Cäcilienfeste studirt, wo ich mitsingen werde, vielleicht zum letzten Mal. Erinnerst du dich an die Concertprobe, welchem du bei deinem Aufenthalte zu Pfingsten beinerhatest [?]? – 4.11. ½ 9 Uhr früh. Auf deine Frage wegen Schumacher und Emma weiß ich keine bestimmte Antwort. Emma [Emma Seehofer; Freundin; Foto bei 19 Fanni Schlegel/Spängler in einer der roten Schachteln] sagte mir neulich, daß sie doch hoffentlich im Laufe des nächsten Sommers heirathen werden. Sie bedauert, daß ich wahrscheinlich nicht bei ihrer Hochzeit sein werde. Ich erwiderte, sie sollte eine geschickte Zeit zu ihrer Vermählung aussuchen, dann kommen wir Beide, du u. ich per Dampf angefahren an ihrem Hochzeitstag. Findest du vielleicht besser, daß wir warten, damit ich ihre Brautjungfer sein kann? Damit wärst du wol nicht einverstanden, oder? – Mir scheint, du wirst ohnehin ungeduldig genug bis zum April, aber denke an das „Wort der Frau: Es bleibt dabei. Und es bleibt dabei, sagt auch die Großmutter bezüglich der Hochzeitsreise, die wir im Februar noch keinesfalls machen dürften, weder nach Italien noch auch sonst wohin. Also Geduld. – Wo Albert und Emma sich niederlaßen werden, scheint auch noch nicht bestimmt, doch wird häufig von Wien gesprochen. Das wäre recht hübsch, wenn wir so nahe zusammen kämen. Minna Lorinser freut sich auch schon, wenn ich einmal für immer nach Wien komme, sie schrieb neulich, wenn ich komme, wird ihr sein, als ob ein Stück Salzburg in ihr Staubnest käme. So ungebührlich beliebt sie die alte Kaiserstadt zu betiteln, für die sie eben gar keine Sympathie hat. Ich weiß nicht, womit ich es verdiene, daß Minna, so wenig wir uns früher verstanden, mich nun so lieb hat, und so gern bei mir ist. – Nun heute sind noch 50 Tage bis zum Weihnachtsabend, siehst du, ich bin wie ein Kind, und zähle die Tage bis zu dem lieben, schönen Fest. Ich gehöre aber nicht zu den braven Kindern, die an das Christkind schreiben dürfen. Am Ende würde eine solche Correspondenz auch unseren Briefwechsel beeinträchtigen und das wäre wieder dir nicht recht, ich bilde mir sogar ein, daß dich meine Briefe mehr erfreuen, als sie das Christkindl freuen würden, das doch so sehr viele Briefe von viel braveren Kindern kriegt. – Mittwoch 1.Nov. schrieb ich an Frau v.Danner, bin neugierig, wann ich eine Antwort bekomme. – An meine sogenannte böhmische Großmutter schrieb ich zu ihrem Namenstag, sie heißt Therese [Schlegel], und schickte ihr die Fotografien von uns, die Brustbilder. Sie hatte Freude daran und findet auch, daß wir gut zusammen passen. Das finden wir auch, nicht wahr? – Am Allerseelentage ging ich allein in die Franziskanerkirche, nach der hl:Messe besuchte ich am St.Peterfriedhofe die Gräber. Zuerst das deines sel: Vater, wo ich mich auch erinnerte, wie wir Beide an derselben Stelle standen. Was dein guter Vater wol sagen würde wenn er mich sehen könnte. Dann besuchte ich das Grab der armen Fanni Plachetka. Obwohl ich sie nicht kannte, ich sah sie nur einmal, habe ich doch Sympathie für sie, als die Schwester meiner lieben Lida. Zuletzt stand ich einige Augenblicke an dem neuen Grabhügel der armen Marie Gattermay[e]r. Bei Gelegenheit ihres Todes trat mir der Gedanke nahe, wie trostreich der Glaube an ein Fortleben der Seele, an ein einstiges Wiedersehen ist. Resi Gattermay[e]r sagte am Todestag ihrer Schwester, nun uns die gute Marie vorangegangen ist, kann ich mich freuen auf das Hinübergehen ins Jenseits, weil ich weiß, daß ich dort die verklärte Marie wiederfinden werde. Wieviel größer muß der Schmerz der Trennung für Jene sein, die den seligen Glauben an ein künftiges Leben aufgegeben haben! – Doch genug hiervon. – Ich freue mich, daß du soviel Talent zeigst, ein recht guter Ehemann zu werden, doch daran zweifelte ich ohnehin nicht. Ich erkläre mich auch bereit, als deine treue Lebensgefährtin dich auf den verschiedenen Lebenswegen zu begleiten, auch auf denen die Abends ins Gasthaus führen. Wenn wir zum Einkaufe der Möbel u.s.f. im Februar nach Wien kommen, freue ich mich schon, mit dir recht viel Schönes und Neues sehen zu können. Ich werde auch eigens für diese Zeit recht schöne Theaterstücke zur Aufführung bestellen. Hoffentlich wird man mir zu Ehren auch eine Festvorstellung veranstalten, natürlich mit Beleuchtung des äußeren Schauplatzes, meinst du nicht? – Was die Fotografien betrifft, habe ich bereits die Rechnung verlangt, aber noch nicht bekommen, heute will ich wieder danach fragen, wenn ich in die englische Stunde gehe. Ich bitte dann Großmutter, daß sie einstweilen alles berichtigt, wenn du dann zu Weihnachten kommst, werden wir uns ausgleichen. So ist es am einfachsten. Ich bin nun schon sehr neugierig auf unsere Wohnung. Dieselbe früher zu beziehen, wie du vor hast, mußt du doch noch überlegen, hast du denn Jemand zu Bedienung dort? abgesehen davon, daß du im Anfang wenigstens auch mit den Möbeln schlecht versehen sein wirst. Doch das alles läßt sich viel besser mündlich besprechen, darum komme nur ganz gewiß zu Weihnachten, und suche von Herrn Bezirksrichter einen recht langen Urlaub zu erhalten. Sag ihm, ich laße schön bitten! Lebe wol ich freue mich schon so aufs Wiedersehen das kannst du glauben. Es umarmt dich deine Fanni/das Kind/. Großmutter grüßt. – „Marie #Gattermayer“: Partezettel für „Marie Gattermayer“ 22 Jahre alt, gestorben 30.Okt.1871.
1871 bei den Briefen von FANNI SCHLEGEL (Nr.19) an FRANZ SPÄNGLER (Nr.18): 8.11. Correspondenz-Karte von Salzburg nach Mödling, 9 Uhr früh: Sendung soeben erhalten, sehr erfreut, herzlichen Dank dafür. Brief wird heut Abend geschrieben. F. S.
1871 Brief von FANNI SCHLEGEL (Nr.19) an FRANZ SPÄNGLER (Nr.18): 8.11. Brief 5 Kr. gestempelt, von Salzburg nach Mödling, ¼ nach 8 Uhr Abends: Mein lieber Franz! Wie gern hätte ich heute früh gleich nach dem Empfang deiner Sendung meine Freude und meinen Dank ausgesprochen, allein ich hatte durchaus nicht Zeit zum Schreiben, und mußte mich begnügen, die Postkarte mit den wenigen Worten abzusenden, die hoffentlich in deine Hände kommt. So nun einen herzlichen Dank sowol für deinen lieben Brief als auch für das schöne Buch, womit du mich überraschtest. – Ich brauche dir wo[h]l nicht zu versichern, daß ich auch so daran gedacht habe, daß ich nun schon volle zwei Monate deine Braut bin, ebenso wenig wirst du zweifeln, daß ich große Freude mit deinem schönen Hute habe. Ich erinnere mich wol im Allgemeinen an jene Aufführung der Frithiofsage, doch ist mir das Werk in seinen Einzelheiten fremd geblieben. Ich werde bald mit der Lektüre beginnen, obwohl ich recht wenig Zeit zum Lesen habe. Neben den Arbeiten für die Ausstattung haben wir nun auch die Näherin, ich denke, du wirst seinerzeit auch einmal die Erfahrung machen, was das zu bedeuten hat. Die Anwesenheit der Näherin ist auch Ursache, daß ich unter Tags nicht zum Schreiben komme, sonst würde ich ganz gewiß heut Früh geschrieben haben damit die Verzögerung des Briefwechsels aufgehoben worden wäre, denn, wie du schon gesehen haben wirst, habe ich erst heute dein Paket erhalten, wo ich schon gestern [auf] einen Brief gehofft hatte. – Um nicht zu vergeßen, muß ich gleich jetzt einem Auftrag des Dr.Kanisch nachkommen. Er ersuchte mich nämlich bei Gelegenheit seines Abschiedsbesuches, dich von ihm freundlich zu grüßen, und dich zu ersuchen, du möchtest ihn wißen laßen, wann und wo er dich in Wien treffen könne, da er sehr wünscht, dich zu sehen. Er wird bis gegen Mitte Dezember in Wien bleiben, wenn du also im Laufe der nächsten Wochen einmal einen Tag in Wien zuzubringen gedenkest sei so freundlich etwa zwei Tage früher den Dr.Kanisch davon zu verständigen. Der betreffende Brief wäre an das allgemeine Krankenhaus zu adressiren. Dr.K: hat mir schon seine Fotografie gegeben, er wäre auch bereit gewesen, für dich ein Exemplar zu hinterlegen, doch dankte ich ihm dafür, ich meine wir sind mit dem einem Bild zufrieden, nicht wahr? – Es ist gut, daß du mir jetzt schon sagst, daß du zu Weihnachten das „Wort der Frau“ umzustoßen suchen willst, ich werde mich gefaßt machen, recht fest dabei stehen zu bleiben, schon um Standhaftigkeit zu beweisen. So lange ich zu Hause bin, wird meine Widerstandsfähigkeit größer sein, besonders wenn ich meine Großmutter als Verbündete weiß, aber später fürchte ich wird es mir manch liebes Mal gehen, wie bei der Affaire vom du sagen. Da mußte ich auch bald klein beigeben. – Ich stimme daneben durchaus für den April [für den Hochzeitstermin], länger möchte ich aber doch auch nicht warten. Wenn die Emma mich als Brautjungfrau will, muß sie sich schon beeilen. Frau Marie, denke ich, hat deine Aufträge an Emma entrichtet, sie hat auch mir gesagt von deinem Briefe. – Für morgen Nachmittag haben sich die Zellerischen bei uns angesagt. Wie oft denke ich an das nächste Weihnachten und freue mich, wenn wir wieder beisammen sein werden! Wie viel giebt es doch zu besprechen, wozu man auch bei noch häufigerem Briefverkehr nicht kommt. – Mit deiner guten Mutter kommen wir jetzt nicht häufig zusammen, sie ist ja viel in Anspruch genommen. Für heute aber „Gute Nacht, mein Lieber, morgen werde ich wol nur wenig noch schreiben können, dann es ist eben wieder die Näherin schuld. – Die Großmutter, welche dich grüßt, ist über das Befinden des Briefträgers nun auch beruhigt. – 9.Nov. ½ 8 Uhr früh. Ich kann wirklich nicht mit Ruhe weiter schreiben, und bitte dich, mich zu entschuldigen. Mein nächster Brief wird hoffentlich wieder länger. Schreib nur recht bald wieder und behalte lieb deine treue Fanni. – Mein Vater läßt dich grüßen.
1871 Brief von FANNI SCHLEGEL (Nr.19) an FRANZ SPÄNGLER (Nr.18): 11.11. dito, Brief 5 Kr. aufgedruckt, von Salzburg nach Mödling: 8 Uhr Abends. Mein lieber Franz! Freudig überrascht empfing ich deinen lieben Brief. Ich hatte erst für morgen einen erwartet. Ich danke dir für denselben herzlichst, ebenfalls für die hübschen Blumen, die mir sagen, daß du auch inmitten der Arbeit liebevoll mir gedenkest. Ich werde sie sorgfältig aufbewahren und an ihrem Anblick mich öfters erfreuen. Denke dir, heut Nacht träumte ich, du seist gekommen, und empfand innige Freude darüber. Wie schön wird es sein, wenn dieser Traum zur Wahrheit wird. Hoffentlich liegen nur noch 6 kurze Wochen zwischen heute und dem Tage des Wiedersehens. – Kurze Wochen sage ich, denn mir verfließt die Zeit rasend schnell. Wenn ich zurückdenke scheint mir die Zeit vom 3.Juni [da hat er um ihre Hand angehalten; vgl. Brief vom 6.12. Ihr Geburtstag ist der 1.6.; die Verlobung war im September; in einem anderen Brief am 27.8.71 wird noch „Sie“ geschrieben, nicht geduzt] wie eine kurze Reihe von Wochen, nicht wie 5 Monate. Und auch die 5 Monate bis zum 10.April werden rasch verfloßen sein, wenn du nur etwas mehr Geduld haben wolltest. Denke nur, kommt erst Weihnachten, wo wir wenigstens einige Tage beisammen sein werden, so wird bis zu unserer Vereinigung für immer, keine so lange Trennung mehr stattfinden wie die nunmehrige, denn Mitte Februar hoffe ich die Großmutter zur Wiener Reise bewegen zu können, also sind nur 6 Wochen, und von Wien zurückgekehrt, bleiben mir ebenfalls nur noch 6 bis 7 kurze Wochen, um Alles für die Hochzeit und die Umsiedlung zu bereiten. Und wie viel wird es da noch zu besorgen geben! Darum empfehle ich dir, anstatt immer wieder am „Wort der Frau“ zu rütteln, lieber heilsame und nützliche Betrachtungen über das Thema Geduld anzustellen und dir einige Sentenzen zu Gemüt zu führen, z.B. Geduld überwindet Alles, oder mit Geduld und Zeit wird aus dem Maulbeerblatt ein Atlaskleid u. so fort. Ich erinnere mich, dir schon einmal Ähnliches angerathen zu haben als Beruhigungsmittel bei Anfällen von Ungeduldsfieber. – Für heute schließe ich mit dieser Ermahnung, ich werde morgen um 7 oder ½ 8 Uhr in die Kirche gehen, so bleibt mir eine ruhige Zeit um Vormittags den Brief zu vollenden. Heute Nacht, du lieber, vielleicht träume ich wieder von dir! Wie froh macht es mich doch, zu wißen, daß du mich lieb hast! Gute Nacht! – 12. Nov: ½ 9 Uhr früh. Guten Morgen! Hast du gut geschlafen? Ich war wirklich um 7 Uhr in der hl. Messe und habe für uns Beide gebetet. Mit dem Träumen von dir aber war es Nichts diese Nacht, ich werde das Versäumte mit offenen Augen nachholen, was oft genug vorkommt. Thust du es auch? Heute über 6 Wochen hoffe ich dich in Salzburg begrüßen zu dürfen! Heute Nachmittag ist wieder Konzertprobe im Landtagsaale. Es wird „Athalie“ [nach Racine] von Mendelssohn einstudiert. Professor Maier spricht den verbindenden Text, die Musik ist wunderschön. Ich liebe Mendelssohn, ich finde seine Musik liegt auch dem Verständnis des musikalisch wenig Unterrichtetem mehr. Ich war meines Erinnerns nicht mehr im Landtagssaal seit jenem Conzert am 1.Juni. Die Probe muß am 30. o. 31.Mai gewesen sein. Ich erinnere mich, daß ich damals wol bemerkte, daß deine Blicke häufig auf mir ruhten und du warst mir sehr aufmerksam gegen mich vorgekommen, aber ahnungslos wie ich war, machte ich mir keine weiteren Gedanken darüber. Ich hegte ja damals die Meinung um mich bekümmert sich Niemand. Aber nun weiß ich ja daß sich Jemand um mich bekümmert und nicht nur dies, sondern daß mich dieser Jemand auch noch lieb hat. Und daß ich dieses weiß macht mich so glücklich. – Am 16 November sind es zwei Jahre, daß Großmutters Leiden mit der Hand anfing. Es begann damals eine rechte Schule des Lebensernstes für mich, und wenn ich darüber nachdenke, so muß ich mir sagen, daß ich nicht ohne Vortheil dieselbe durchmachte. Bis dahin war ich mir nur vorübergehend der ernsten Seite des Lebens bewußt geworden, und ich war in der Lage gewesen meine moralische Kraft zu erproben. In den langen Leidenswochen mußte ich lernen meinen Mut und meine Thatkraft aufrecht zu halten, und es wäre mir damals leichter gewesen selbst körperlich zu leiden, als den fortgesetzten Anblick des Leidens zu ertragen, und dabei so viel als möglich die mir sonst eigene Heiterkeit zu bewahren. Freilich meinte ich damals oft, so harmlos lustig wie ich gewesen, könne ich nimmer werden. Dann kam unser Aufenthalt im Weinbründl und die Zeit wo, du weißt es ja, in mir der Wunsch und der Glaube lebte L.Z. [Ludwig Zellner?] denke mit mehr als nur freundschaftlichem Interesse an mich. Du erinnerst dich wol daß ich dir sagte, auch diese Zeit innerer Erregung sei nicht ohne Vortheil für mich gewesen. Ich fand damals nicht recht Worte, diese sonderbare Behauptung zu erklären, ich will es heute versuchen. Es zeigte sich bald, daß ich keinen Grund hatte, dem Gedanken nach L. in solcher Weise nachzuhängen, doch wollte ich nicht so rasch dran glauben. Im täglichen Verkehr mit der ganzen Familie Z. kam mir freilich auch erst allmählich und später, die Überzeugung, daß ich nicht die Eigenschaften habe, für dieses Haus zu passen. Ich mußte auch lernen mich völlig zu beherrschen, denn ich war stolz genug, Niemand zu zeigen wie es mit mir war. Nur Lida wußte davon, die ich aber gerade in der Zeit ziemlich selten allein sah. So konnte ich auch, nachdem ich klar genug sah, daß L. entweder nie in solcher Weise wie ich gemeint, an mich gedacht hatte, oder daß er eingesehen hatte, daß wir nicht zueinander passen würden, den gewohnten freundlichen Ton gegen ihn festhalten, der hoffentlich fortbestehen wird, daß ich aber den Mut hatte, einer unerwiderten Neigung wegen nicht mich selbst für unglücklich zu halten, daß ich die Kraft hinzu[neh]men hatte, das nenne ich den Vortheil, von welchem ich sprach. Mit kurzen Worten, durch diese Sache ist mein Charakter fester, bewußter geworden. Daß ich nun geliebt werde und die Neigung erwidern kann, nehme ich als ein unverdientes Glück an und will nur suchen mich desselben nicht unwert zu zeigen. Ich will deine Liebe, du Lieber, Guter, zu verdienen suchen, indem ich so viel als möglich das sein werde, was du von mir erwartest, eine treue, liebende Gefährtin für dich, durch unser Leben. - Ich wurde hier unterbrochen, und ehe ich wieder zu schreiben beginne las ich auch das Vorstehende wieder durch. Es kommt dir vielleicht eigen vor, daß ich so schreibe, aber ich hatte mir vorgenommen, diesen Punkt einmal zu besprechen. Und damit genug davon. Weißt du, unser erstes und gemeinschaftliches Eigenthum sind vielleicht die Alpenblumen, die ich von jenem Alpenfeste am 8.September heimbrachte und davon einen Theil ich dir dann gab. Hast du sie noch? Nächsten Sommer werden wir wol mitsammen Blumen suchen, wenn du mich spazieren führst, oder auf geschäftlichen Ausflügen mitnimmst. Ob wir wirklich zu englischen Studien kommen? Wir wollen sehen! Du mußt schon deswegen bis zum April warten, damit ich in der englischen Conversation gewandter werde. Ich bilde mir ein, ich bemerke doch, daß ich etwas fließender englisch spreche, seit ich zu Miß Ung gehe. Auch englisch Lesen übe ich mich. Es ist nun 12 Uhr und ich schließe meine Zeilen, indem ich genau wie du rechne, wann ich wieder einen Brief erhalte. Lebe wol und behalte lieb deine Fanni. Großmutter grüßt.
1871 Brief von FANNI SCHLEGEL (Nr.19) an FRANZ SPÄNGLER (Nr.18): 13.11. ein Blatt ohne Umschlag [Vermerk Franz Spängler:] XL 15/11 1871 beantw mit XLI 18/11 1871. – Mein lieber Franz! Ich kann diese Gelegenheit nicht vorüber gehen laßen, ohne wenigstens einige Worte des Grußes beizufügen. Deine Mutter ist soeben bei uns, und ersuchte mich ihren Brief zu adressiren. Eben war Emma bei mir, um mir zu sagen, daß Albert an Stelle des kürzlich verstorbenen Dr.Gstöttner nach Hallein kommt und zwar binnen 8 bis 14 Tagen. Somit wird Emma wahrscheinlich auch im nächsten Frühjahr heirathen. Emma ist natürlich sehr erfreut. Lebe wol und behalte mich lieb. Übermorgen hoffe ich [auf] einen Brief. Es umarmt dich herzlich deine treue Fanni.
1871 Brief von FANNI SCHLEGEL (Nr.19) an FRANZ SPÄNGLER (Nr.18): 15.11. Brief 5 Kr. aufgedruckt. „XLI erh 17/11 beantw 18/11“. Herrn Doctor Franz Spängler...: 5 ¾ Uhr. Mein lieber Franz! Wenn dieser Brief etwas verwirrt sein sollte, so bitte ich, dich hierüber nicht zu wundern, da die holde Näherin an meiner Seite sitzt und ab und zu mit mir spricht. – Für deinen lieben Brief meinen besten Dank, hast du noch nichts über das Befinden deines Hrn: Collegen erfahren, weißt du, sein Wol liegt mir sehr am Herzen, und ich wünsche innig seine Genesung vor Weihnachten! Das klingt sehr edel, nicht wahr, und doch ist es der reine Egoismus, der aus mir spricht, denn ich möchte dich so gerne für länger hier haben zu Weihnachten, und so sollten nur wenige Tage des Beisammenseins uns gegönnt sein. Doch ich gebe die Hoffnung nicht auf, daß du doch eine Woche hier zubringen wirst können. O wie ich mich freue! Meine Großmutter ist soeben sehr böse auf mich, doch fühlt sich mein Gewissen ganz ruhig darüber. Verzeihe wenn ich dir so unwichtiges erzähle. Erinnerst du dich, als wir am 16 September bei der Überfuhr [Fähre] waren, wurde davon gesprochen, daß im Laufe dieses Winters regelmäßige Leseabende bei Ludwig Zellner stattfinden sollten. Meines Wissens wurde auch später die Großmutter unterrichtet. Seither war keine Rede mehr und ich dachte mit den Leseabenden wird es Nichts. Heute früh nun meldet sich Lida daß heute der erste Leseabend in Ludwigs Wohnung sein werde. Ich dachte gleich, daß Großmutter nicht damit einverstanden sein werde und wagte heute den ganzen Tag nicht davon zu sprechen. Gegen 4 Uhr kommt Mama Zellner und macht für heute und jeden 6.Tag die Einladung. Großmutter sagt zu meiner Verwunderung ziemlich freundlich zu. Mittlerweile kam deine gute Mutter mit dem kleinen Otto, und ich ahnte nichts Schlimmes. Kaum waren wir aber allein, als Großmutter schrecklich mit mir zankte, daß ich nicht früher etwas gesagt habe X [eingefügt] daß ich ein falsches Geschöpf bin X ferners daß ich keinen Sinn für Häuslichkeit habe, sondern immer fortlaufen will u. s. fort. Ich blieb ganz ruhig Gott sei Dank, aber gekränkt haben die Vorwürfe mich doch. Ich gestehe, daß ich ganz gern an den Lesungen teilnehmen würde, wenn nicht die Großmutter so böse darüber wäre. Sie will jetzt überhaupt gar nicht, daß ich irgendwohin gehe, am wenigsten daß ich einen Abend außer dem Hause zubringe. Was wird sie thun, wenn ich einmal ganz fort bin. O, ich habe Angst vor dem Abschiede, ich fürchte, sie wird sich sehr schwer an meine Abwesenheit gewöhnen, wenngleich sie mir in der Aufregung heute versicherte, sie sei froh, wenn ich fort bin. – Liebster Freund, sei nicht böse über dieses Geschreibsel, es war mir eine Erleichterung, denn daß ich durch so etwas nicht erheitert werde, kannst du dir denken. Ich kann es nicht ertragen, Jemand gegen mich aufgebracht zu wißen und ich werde auch jetzt mein Bestes thun, daß Großmutter wieder gut wird. Um deine Frage der Wahrheit gemäß zu beantworten, will ich nur gestehen, aber ganz heimlich, daß es mir wol gar viel lieber ist, wenn du mit Ungeduld den Tag herbeisehnst, wen[n] ich dein werde, als wenn du allzu gleichmüthig sein Herankommen erwartest, und ich meine, auch ich würde mehr Ungeduld empfinden, sähe ich nicht noch so sehr viel zu thun vor mir, daß ich oft meine, es ist gar nicht möglich, daß Alles fertig wird. Wenn nur erst Weihnachten ist! Nun ich deine Frage beantwortet habe, möchte ich ganz gehorsamst um eine nützliche Auskunft bitten, und zwar, ob du mir sagen könntest, wie man von Mödling Correspondenzkarten am sichersten an Frau Antonia Spängler in Salzburg [Mutter vom Franz, „unsere Mutter“] befördert? Indem man sie ohne Adresse anschreibt, nicht wahr? – Nun muß ich mich zum Leseabend rüsten, daher lebe wol, mein Lieber. [auf dem Kopf:] Großmutter grüßt. Deine gute Mutter trug mir auch gestern viele Grüße auf. – 16. November ½ 10 Uhr früh. Nachdem ich meine Pflichten am Bügelbrett erfüllte, gestatte ich mir, ein halbes Stündchen mit dir zu plaudern. Vorerst muß ich berichten, daß Großmutter heute wieder ziemlich gut ist. Der gestrige Leseabend war ganz hübsch. Es wurde aus dem Buche „über menschliche Schwächen“ gelesen, weißt du, wir haben es bei Zellner mitsammen durchblättert. Ich malte mir gestern aus, wie hübsch es sein wird, wenn wir in unserer eigenen behaglich eingerichteten Wohnung miteinander lesen werden. – Letzten Samstag begann ich die Frithiofssage zu lesen, bin aber erst bis zum 3.Gesang gekommen, da ich die für jeden Abschnitt treffenden Erklärungen gleich mitlas. Es ist mir interessant, daß soviel über die nordische Götterlehre in dem Buche enthalten ist, ich hatte längst gewünscht den altgermanischen Sagenkreis etwas näher kennen zu lernen. – Heute treffen aus Geibels Gedichten [Emanuel Geibel, 1815-1884]: Sehnsucht u. das Sonett: Dichterleben, ich hoffe wir sind bezüglich der Gedichte in der Ordnung [gemeinsame parallele Lektüre]. – Die Sammlung deiner lieben Briefe ist für mich ein liebes Eigenthum, und es geschieht wol in freien Minuten, daß ich mich an dem Anblick des stattlichen Paketes erfreue, auch wenn ich Zeit habe, einen oder den anderen Brief durchlese. – Das habe ich im Leben nie gedacht daß ich einmal so viele Briefe schreiben werde, und daß mir diese Beschäftigung so lieb werden könne, denn bis zum Juni 1871 hatte ich wenig Lust am Briefschreiben. Es ist gut, daß ich mich im Briefschreiben übe, da ich von hier fortkomme, werde ich wol ziemlich oft die Feder zur Hand nehmen, um nicht ganz aus dem Verkehr mit meinen hiesigen Bekannten zu kommen. – Doch ich darf nicht mehr weiter schreiben, sondern muß wieder nach meiner Arbeit sehen. Jetzt sind noch 21 Wochen bis Anfang April. – Daß du für den nächsten Brief mehr Muße findest wünscht herzlich deine treue Fanni – „Frithiofssage“: wohl „Frithiofs saga“ in 24 Gesängen von Esaias Tegnér, 1825; aus dem Schwedischen ins Deutsche übertragen 1826 und 1841 (und neuere Übersetzungen). Mit „Aufführung“ ist vielleicht ein Leseabend gemeint.
1871 Brief von FANNI SCHLEGEL (Nr.19) an FRANZ SPÄNGLER (Nr.18): 19.11. dito 8 Uhr Abends. Mein lieber Franz! Mit aufrichtiger Freude empfing ich zur gewohnten Stunde deinen lieben Brief für welchen ich dir bestens danke. Ich fühle mich sehr geschmeichelt von deiner Versicherung, daß dir, tro[t]z des vielen Schreibens, welches deine Stellung mit sich bringt, der Briefwechsel mit mir nicht zur Beschwerde wird. Ich wünsche mir auch, daß dir meine Briefe eben solche Freude machen mögen, wie die deinen mir. Dabei muß ich auch bemerken, daß mein „ich darf nicht mehr weiter schreiben nur so gemeint war, daß ich mir selbst nicht mehr erlaubte, weiter zu schreiben, sondern mich verpflichtet fühlte eine Arbeit zur Hand zu nehmen. In dem Punkte des Schreibens ist meine Großmutter ganz tolerant Sie sieht eben gut genug ein, daß unser lebhafter brieflicher Verkehr die einzige Entschädigung für unser Getrenntsein ist. Es ist schon recht gut, daß keines von uns im Kaukasus ist! – Heute über 5 Wochen um diese Zeit sind wir hoffentlich recht glücklich und froh beisammen. Wie viel werden wir uns zu sagen haben! Wenn nur dein Hr: College gewiß gesund wird. – Seit dem Sturm vom Mittwoch [Großmutter ärgerlich] der aber am Donnerstag noch ein ziemlich heftiges Nachspiel hatte, ist die Luft wieder rein, und sind Großmutter und ich wieder auf dem gewohnten freundlichen Fuße. Ob ich an den besprochenen unangenehmen XXX ganz unschuldig bin, wage ich nicht zu entscheiden, meine Sanftmut, weißt du, ist eben nicht unbesiegbar, aber für falsch halte ich mich wirklich selbst nicht, und hoffe, du wirst dich dereinst von meiner Wahrheitsliebe überzeugen. Doch das klingt fast wie Selbstlob, ich hoffe, du wirst es nicht so auf[fassen.] – Die Trennung wird mir immerhin schwer genug bleiben, obwohl ich gut einsehe, daß es für uns Allen besser ist, wenn wir, du u. ich nach unserer Weise uns einrichten können, und dieses ist nur möglich wenn wir ganz unabhängig von unseren Angehörigen leben. Man wünscht mir vielseitig Glück, daß Mödling mein nächster Aufenthalt sein wird, ich bin schon sehr neugierig wie unsere Residenz aussieht. – Was das Schreiben betrifft, glaube ich gerne, daß du nach vollendeter Tagesarbeit keine besondere Lust mehr dazu hast, und bin gar bereit, seinerzeit einen guten Theil der Korrespondenz zu übernehmen, und ich denke, ich werde einen ziemlich ausgebreiteten Briefwechsel zu unterhalten haben, um mit allen meinen hiesigen lieben Bekannten ein wenig in Verkehr zu bleiben. – Wegen der Hebelschen Geschichten bitte ich dich, in deinem nächsten Brief den Tag zu bestimmen, an welchem ich beginnen soll, je drei Geschichten zu lesen. – Heute wurde also das Konzert abgehalten, zu meiner Verwunderung ging es besser als ich gehofft hatte. Am Freitage bei der Generalprobe war noch nicht Alles gut gegangen. Es war heute ein sehr elegantes Publikum. Auch Erzherzogin Sofie war zugegen. Unweit unseres Platzes saß auch Abt Eder. Ich mußte an Allerlei denken, als ich ihn so betrachtete. Einmal bildete ich mir auch ein, er faße mich ziemlich aufmerksam ins Auge. Vielleicht bin ich ihm etwas bekannt vorgekommen. Vielleicht habe ich mich übrigens auch getäuscht. Am Freitag Abend war mir ein großer musikalischer Genuß zu Theil, nämlich ich durfte einer Soirée des bekannten Florentiner Quartetts beiwohnen. Diese Soirée fand im Saal des Oser [?] Hofes statt und war vorzüglich schön. Eine Serenade von Haydn und ein Scherzo von Beethoven entzückten mich besonders. – Emma ist natürlich sehr glücklich, daß das Ziel ihrer Wünsche so nahe gerückt ist. Ich freue mich für sie und wünsche herzlich, daß Albert in Hallein eine recht angenehme und einträgliche Stellung erlangt. Ich bin nur neugierig ob ich Emmas Brautjungfrau werde oder Emma die meine. Ich denke, es wird sich kaum um mehr als um einige Wochen handeln. Am gleichen Tage Hochzeit zu halten, wäre wol nicht gut ausführbar, schon deshalb, weil Emmas Hochzeit jedenfalls in ihrem eigenen Haus gefeiert werden wird. Dies ist auch der Grund, daß Emma bis zum Frühjahr warten wird, damit die Hochzeit im Hofe gehalten werden kann. – Es ist nun ½ 10 Uhr und ich schließe meine Zeilen, und werde wol morgen früh nur ganz wenig mehr beifügen, da die Stunden wo es helle ist, jetzt so wenige sind, die ich daher um so gewißenhafter benützen muß, sonst wird wirklich nur 1 Stück in jeder Woche fertig. Gute Nacht lieber Freund daß du recht gut schläfst, wünscht herzlich deine treue Fanni. – 20 Nov: ¾ auf 8 Uhr. Ich füge nur noch einen freundlichen Morgengruß bei und die Bitte, behalte mich lieb. Es umarmt dich, du Lieber deine aufrichtige Fanni. – Grüße von Großmutter und Vater. Ich bin sehr einverstanden, wenn mein künftiger Haushalt zuweilen vom k.Jagdamt versorgt wird. - „Abt Eder“: neben einem Partezettel für Peter Paul Eder ( -1851), Hallein, und Maria Th.Eder ( -1865) liegt ein Gruß „Zum XVI.Geburtstage“ von „Benediktiner P.Albert Eder“ [später Erzbischof von Salzburg Franz de Paula Albert Eder] als „Freund und Bruder“ [Franz Spängler, siehe: Briefe 1853 (und 1876,1883].
1871 Brief von FANNI SCHLEGEL (Nr.19) an FRANZ SPÄNGLER (Nr.18): 24.11. dito 6 Uhr Abends. Mein lieber Franz! Du mußt doch den Brief zu spät aufgegeben haben, da er erst heute früh 8 Uhr in meine Hände kam. Wie du dir denken kannst, hatte ich um so ungeduldiger auf seine Ankunft gewartet. Ich danke dir bestens für deine lieben Zeilen. Deinen Rath, mir keine zu großartige Vorstellung von Mödling zu machen, will ich getreulich befolgen, ich hatte es übrigens bis jetzt auch noch gar nicht versucht, viel öfter male ich mir aus, wie ich meinen künftigen Haushalt einrichten werde, wie sich unsere Lebensweise gestalten wird. Häufig auch begehre ich den Rath der Großmutter für diesen oder jenen möglichen Fall, damit ich als Frau nicht ganz unvorbereitet den täglichen Vorkommnissen gegenüber stehe. Du würdest lachen müßen, wenn du hören könntest, wie ich mich oft um manche Kleinigkeiten bekümmere deren Vorhandensein sonst kaum von mir bemerkt wurden, die aber aufhörten für mich bedeutungslos zu sein, seit ich weiß, daß ich mich in nicht zu ferner Zeit damit beschäftigen müßen werde. – Ob ich Heimweh bekommen werde? Vielleicht; vor Langeweile fürchte ich mich nicht, ich denke, ich werde mich wol in den Stunden, wo du nicht bei mir sein wirst, zu beschäftigen wißen. Kommt manchmal eine Stunde, wo ich die bisher gewohnte Umgebung vermiße, und zuweilen wird früher eine kommen, so bitte ich dich schon jetzt um Geduld, ich hoffe solche Stimmungen sollen rasch vorübergehen. In dieser Hinsicht halte ich es für entschieden besser, wenn ich erst im Frühjahr meine bisherige Heimat mit der neuen vertausche, ich meine, wenn alles um mich grünt und blüht, werde ich auch leichter Wurzel faßen können in fremder Erden. Und dann, denke ich auch, wird deine Liebe zu mir der Sonnenschein sein, den die Pflanze so nöthig hat, zum Gedeihen. Es ist nun Emma’s Hochzeit für den Monat Februar festgesetzt. Siehst du – jetzt werde doch ich ihre Kranzjungfrau. Wahrscheinlich wird Emma am 10.Februar heirathen, die Hochzeit wird also in der Stadt im eigenen Hause gehalten. Zu unserer Hochzeit kommen dann Albert und Emma schon als ehrsame Eheleute. Es ist eigentlich nicht mehr also billig, daß die Beiden vor uns heirathen, sie warten ja schon mehr Jahre lang aufeinander als wir Monate. Im Hause Zeller giebt es nun auch Vieles noch zu thun, bis Emmas Haushalt vollständig eingerichtet sein wird. – Daß du an deiner Mutter eine Bundesgenossin hast, habe ich längst gewußt, ich weiß nicht warum sie mit solcher Ungeduld unsere Vereinigung erwartet. – Ich denke nach deinem Vorschlag wird sich Alles gut ordnen. Wie viel wird es noch zu besorgen geben, die letzten Tage vor der Trauung! – Wohin uns die Hochzeitsreise führen wird, bin ich neugierig, wenn du zu Weihnachten hier bist, wollen wir Reisepläne machen. Mit Freude vernehme ich, daß deine College sich auf dem Wege der Besserung befindet, und also Aussicht ist, daß du doch mehrere Tage hier bleiben kannst. Wie schön wird es sein, wenn wir dann gemüthlich mitsammen plaudern können! Wie manches [Mal] möchte ich oft sagen, wenn du bei mir wärst, bis ich zum Schreiben komme, ist bereits wieder ein ganz anderer Gedankengang gekommen und, was ich aussprechen oder fragen wollte, bleibt unausgesprochen. – Nun ist die Fasanparthie auch vorüber, hast du dich gut unterhalten? Ich werde also am 29. mit den drei Gedichten beginnen. Die für jeden Abend bestimmten Gedichte zu lesen ist mir eine liebe Gewohnheit geworden, ich denke dabei immer, nun begegnen sich vielleicht unsere Gedanken. Besonders hübsch habe ich das „Zauberschloß“ gefunden. Wenn ich die beiden Gedichte gelesen habe, nehme ich die Frithiofssage zu Hand, ich bin gestern mitten im 8.Gesang stehen geblieben. Je weiter ich lese, desto besser gefällt mir das Buch. – Ich werde achtgeben auf das von dir erwähnte Feuilleton der neuen freien Presse, doch wird es wol erst in etwa 8 Tagen in meine Hände kommen. Das Volksblatt haben wir aufgegeben, wir mochten die fortwährenden Zänkereien mit der Chronik nicht leiden. – Was das Schlittschuhlaufen betrifft, will ich heuer wol zum Abschied dieses Vergnügen noch genießen, oft werde ich freilich nicht nach Leopoldskron kommen, da drei Nachmittage durch die englische Stunde verkürzt werden und ich die übrigen 3 Nachmittage in der Woche mir wol nicht für das Schlittschuhlaufen gönnen werde. So bleibt nur der Sonntag. Manchmal werde ich freilich troz dieser soliden Vorsätze auch an Werktagen hinausspazieren, es ist gar so lustig so über das glänzende Eis hinzufliegen. Die englische Conversation ist jetzt auch in der Wohnung der Wihsthory [?], bis ich da in das Podstatzky’sche Haus und wieder nach der Stunde heim komme, gehn mehr als 1 ½ Stunde dahin. – Doch die hierdurch bedingte Bewegung ist auch nützlich. – Wir haben seit mehreren Tagen jene leise Kälte und seit gestern viel Schnee. Wenn es so fortgeht wird der Leopoldskroner Weiher wirklich bald fest genug gefroren sein. – Am Dienstag war wieder Leseabend bei Zeller, diesesmal ohne vorhergehenden Sturm. Auch Albert war dabei; er ist am selben Tag von Wien angekommen, und wird nun auch bald seinen neuen Posten beziehen. – Bist du schon mir Dr Stanisch beisammen gewesen? Wenn du ihn siehst, kannst du ihm erzählen, daß es hier heißt, Fräulein Lina Spaztenegger sei seine Braut. – Doch ich schließe nun mit vielen herzlichen Grüßen, bitte behalte lieb deine treue Fanni. – Viele Grüße von Großmutter, ebenso von deiner Mutter. Gute Nacht, du Lieber schlafe wol. – Von heute über einen Monat ist der Weihnachtsabend, noch 30 Tage. – „#Zeller“: Partezettel für Marie Zeller, geb. Bolland, Salzburg 1812-1873, und für Friedrich Zeller (Salzburg 1838-1862); an gleicher Stelle Visitenkarte für „Ludwig Zeller“; „Zeller“ und die „Zellerischen“ mehrfach in den Briefen. - „Spatzenegger“: vgl. undatierte Visitenkarte „Pfr. Dr. Spatzenegger und Frau“.
1871 Brief von FANNI SCHLEGEL (Nr.19) an FRANZ SPÄNGLER (Nr.18): 27.11. dito 6 Uhr Abd: Meiner lieber Franz! Es ist recht lieb von dir, daß du mich heute schon mit einem so lieben Briefe erfreust, zur Entschädigung für mein längeres Warten auf dein letztes Schreiben. Nun kommt das ersehnte Weihnachtsfest schon näher und näher, bald werden wir sagen können in diesem Moment würden wir uns wiedersehn. Wie sehr freue ich mich auf die Tage, die wir dann zusammen erleben werden! Ich bedaure, daß du dich so wenig behaglich fühlst daheim, einerseits freue ich mich aber bei dem Gedanken, daß es wol hauptsächlich der Wunsch ist, mich bald als Gefährtin bei dir zu wißen, was dir dein bisheriges Leben ungenügend erscheinen läßt. Gebe Gott, daß ich dir dein Heim recht angenehm und behaglich zu machen vermag. Daß du mir so viel Vertrauen schenkest und alles Gute von mir erwartest, macht mich stolz, und ich wünsche innig, daß ich dein Vertrauen rechtfertigen möge. – Aus allen deinen Andeutungen scheint hervor zu gehen, daß du Talent zu einem recht soliden Ehemann hast, der seiner Frau gerne manche freie Stunden schenken wird. Da meine ich auch, wird sich das Heimweh nicht zu sehr einstellen. Ob ich Anlage hiezu habe, kann ich wirklich nicht beurtheilen wenn ich von hier weg war habe ich bis jezt noch nie welches empfunden, nur hat mir regelmäßig nach meiner Heimkunft Salzburg doppelt gut gefallen. – Für heute lebe recht wol, es ist wieder Leseabend/: ohne Donnerwetter so Gott will :/ - 28.November 8 ½ Uhr früh. Daß du in Mödling keinen eigentlichen Freund hast, schriebst du mir nach Adelholzen mit der Bemerkung, du würdest nun auch keinen suchen, sondern warten, bis du die Freundin bei dir hättest. Geduld, liebster Freund in wenigen Monaten wird sie bei dir sein, und wird suchen, so gut sie es kann, eine treue, theilnehmende Gefährtin zu sein, so wie sie in dir, du Lieber ihren besten, innigen Freund gefunden zu haben glaubt. Und gebe der liebe Gott, daß zwischen uns allzeit inniges Vertrauen, vollste Offenheit und unbedingte Wahrheit bestehe. „Einander ganz sich schließen ein, sich nie ein Wort verhehlen.“ Daran wollen wir festhalten, nicht wahr? – Daß du am vergangenen Mittwoch einen heiteren gemütlichen Abend verlebtest, freut mich für dich. Ich freue mich auch, daß Ihr Euch meiner freundlich erinnert habt, und danke für den mir gebrachten Toast! An die beiden Ehepaare, Angermay[e]r und Spängler bitte ich dich bei Gelegenheit freundliche Empfehlungen meinerseits zu entrichten. Emma ist natürlich sehr froh, daß ihr so lange erwartetes Ziel auf einmal so nahe gerückt ist. Gestern hielt Albert seinen Einzug in Hallein, ich glaube, er bekommt vorläufig zwei Zimmer von der Wohnung des kürzlich verstorbenen Dr: Gstöttner für seinen neu zu gründenden Haushalt mit Emma ist noch keine Wohnung ermittelt. Mama Zeller und Emma gehen schon Möbel aussuchen, und belustigen sich an dem Gedanken, daß sie am Ende für die ausgewählten Einrichtungsstücke kein Zimmer haben. Wie es Stielitz geht, habe ich in neuerer Zeit nicht erfahren, gestern mochte ich das Gespräch nicht auf dieses traurige Thema bringen. – Um nicht zu vergeßen: Meiner Rechnung nach trifft von den Geibelschen Gedichten für heute N:5 u. 6 von den Distichen aus Griechenland, morgen werde ich dann drei und am Donnerstag die 4 lezten Gedichte dieses Abschnittes lesen. Am Freitag können wir mit dem dritten Buch beginnen, betitelt: „Athen“ und von da regelmäßig drei Gedichte lesen, ist es dir so recht? – In der Frithiofsage bin ich gestern beim 12.Gesang „Frithiofs Rückkehr“ stehen geblieben. Um die verschiedenen fremden Anspielungen auf die nordische Mythe u. dgl. möglichst zu verstehen, lese ich jedesmal vor dem Beginn eines neuen Gesanges, die dazu gehörigen Anmerkungen, wodurch ja das Verständnis sehr erleichtert wird. – Am Sonntag Nachmittag wohnten wir einem Vortrag des Herrn von Korab [?] bei, den er in einer Versammlung der „Salzburger Landeskunde“ hielt, über die Familie Thanhausen. Schade um die viele Arbeit, die ein derartiger Vortrag kostet. Wir erfuhren dadurch nichts Weiteres über diese Familie als daß ein gewißer So und So von Thanhausen, eine aus der Familie X X heirathete u. so fort, über das Wirken der verschiedenen Familienglieder kam nicht viel vor. Dazu ließ auch die Vortragsweise zu wünschen übrig. Wirklich bedauern muß ich, daß Direktor Schmund [?] nicht mehr hier ist, seine geschichtlichen Vorträge waren für mich ein sehr großer Genuß, und sehr nüzlich, da wie du weißt mein Unterricht in Geschichte und Geografie recht mangelhaft war. – Gestern war ich ganz kurz bei deiner Mutter, sie dankt für deine Sendung und grüßt dich herzlich. Sie hat eben die Näherin um ein Kleid zu machen, wenn dieselbe fort ist, wird sie dir schreiben. – Hast du dich in Wien gut unterhalten? Neuestes Stadtgeschwätz ist, daß Frau von Engroth sich scheiden laßen wolle. Hoffentlich ist das eben nur Geschwätz. Nun lebewol mit tausend herzlichen Grüßen deine treue Fanni. Großmutter grüßt.
1871 Brief von FANNI SCHLEGEL (Nr.19) an FRANZ SPÄNGLER (Nr.18): 1.12. dito [mit im Umschlag des folgenden Briefes] 4 Uhr Nachmittag: Mein lieber Franz! Wenn ich heute gegen meine sonstige Gewohnheit, so bald nach Empfang deines lieben Briefes an dessen Beantwortung gehe, so ist es die Hoffnung und der Wunsch, diese Zeilen sollten dich morgen noch ehe du nach Wien fährst, treffen, da ich für dieselben die gewohnte Adresse vorziehe. Deinen Brief erhielt ich nämlich erst nach 2 Uhr. – Für dein so sehr liebes Schreiben meinen herzlichsten Dank, ich kann nur die oft ausgesprochene Bitte an den Allmächtigen wiederholen, es möge die Zukunft Alles das erfüllen, was wir Beide jezt erwarten. Könnte ich am Sonntag anstatt mit diesen wenigen Zeilen, aus der Ferne dir zu deinem lieben Namensfeste zu gratuliren, vor dich hintreten und Aug in Aug meine Wünsche dir sagen, ich müßte immer wiederholen, daß es mein erster innigster Wunsch ist, dir das sein zu können, wast du von mir hoffest, eine treue, liebende Frau, die es vermag, dich so recht glücklich zu machen. Sehe ich dieses Ziel erreicht, dann will auch ich mich glücklich nennen. Daß sich diesem ersten und größten noch manche andere gute Wünsche anreihen, die an Tagen wie der 3.Dez. mehr als sonst zum Ausdruck gelangen möchten, wirst du mir glauben, so aber auch, daß diese Wünsche fort und fort in meiner Seele leben. Beiliegende freilich so sehr bescheidene Gabe, deren Stickerei ein recht mangelhaftes Werk meiner Hand ist, nimm freundlich als ein kleines Zeichen liebender Erinnerung. Möchten sich diese leeren Blätter mit recht vielen guten Aufzeichnungen bedecken! Deinen nächsten Namenstag werden wir, so Gott will, mitsammen als ein liebes, häusliches Fest feiern. Ich freue mich darauf, wenn es mir gelingt, dich nach des Tages Mühe und Beschwerde zu erheitern, und mit liebender Hand auf deiner Stirn die Falten des Unmutes zu zerstr vertilgen, die geschäftliche Sorgen und Unannehmlichkeiten darauf gesammelt haben. Ach, auch mir wird es oft schwer, zu glauben, daß jene Bilder stillen Glückes Wahrheit werden können die oft in unbestimmten Umrissen meinem inneren Auge vorschwebten, die nun um so mehr zu festerer Gestaltung kommen, je tiefer der Glaube an deine treue Liebe an unsere Zusammengehörigkeit in meiner Seele Wurzel faßt. Die Liebe sei blind, sagen die Menschen, sie sehe nicht die etwaigen Fehler des Geliebten; ich meine aber, es bedürfe nicht der Blindheit um diese zu ertragen, sondern nur der Duldsamkeit, die ja eine Eigenschaft der wahren Liebe ist. Ich stelle dem Worte, die Liebe ist blind das Wort entgegen: Wahre Liebe erträgt alles. Darum, sollten wir Eins am Anderen dereinst Fehler und Schwächen sehen, für deren Erkenntnis wir jetzt kein Auge haben so wollen wir mit Schonung und Nachsicht einerseits und mit dem ehrlichen Willen, dieselbe zu bessern andererseits dagegen zu Felde ziehen, und es wird gewiß gut werden. Ich wende mich diesmal zum Schluße, obwol noch Allerlei in deinem Briefe zu erledigen bleibt, damit das Paketchen heute noch fortkommt. Siehst du, jezt können wir schon sagen, in diesem Monat werden wir uns wiedersehen! Mit dem Wunsche du sollst deinen Namenstag recht heiter feiern, umarmt dich innig deine treue Fanni. – Großmutter grüßt dich und gratulirt auch.
1871 Brief von FANNI SCHLEGEL (Nr.19) an FRANZ SPÄNGLER (Nr.18): 2.12. dito, Spängler... „Abgabe bei Sr. Wolgeboren Herrn Landesgerichtsrath Angermayer VIII Bezirk, Schmidgasse N:3, Thür 20. III Stock“ Mein lieber Franz! Hoffentlich kommt heute mein gestern abgeschicktes Packetchen in deine Hände, um aber deinen Wunsch zu erfüllen, beginne ich hier einen zweiten Brief, den ich unter der vor dir angegebenen Adresse nach Wien sende, damit du morgen früh auch einen Brief von mir findest. Durch die größere Eile, mit der ich gestern Abend schrieb, war ich auch verhindert, deine lieben Zeilen eingehender zu beantworten. Nimm daher diesen Brief als Fortsetzung des gestrigen. Daß ich doch morgen persönlich unter der Zahl Jener sein dürfte, die dir freundliche, herzliche Wünsche darbringen! So muß ich mich begnügen, dir im Geiste nahe zu sein, und kann nur in Gedanken den morgigen Tag mit dir feiern. – Bis zum nächsten Jahr wird das anders sein, und da hoffe ich auch dir freudig bestätigen zu können, daß du wirklich Talent zum guten Ehemanne hast, und du wirst auch bis dahin wißen, ob ich deinen Anforderungen einigermaßen entspreche. Was das Stadtgespräch wegen dem Ehepaar Engroth betrifft, hoffe auch ich, daß kein eigentlicher Grund dazu vorhanden ist obwol solche Sch[w]ätzereien denkbarerweise nicht ganz ohne Grund entstehen können. Freilich wird aus der Mücke ein Elephant gemacht. Obwol ich Betty nur sehr flüchtig kenne, würde ich sie herzlich bedauern, und hat mich die Geschichte auch gar sehr befremdet. Hast du schon gehört, daß Wilhelm Fenzl gestorben ist? Wenn du Jemand von der Familie Fenzl siehst, entrichte mein aufrichtiges Beileid. – Das von dir lezthin erwähnte Feuilleton habe ich gefunden und natürlich mit Interesse gelesen, ich finde auch, daß über das „Alter der Liebe“ Gesagte sehr hübsch. Liesest du die lezten Nummern der „Gartenlaube“? Heideprinzeßchen ist schrecklich unwahrscheilich, da ist das „Geheimnis der alten Mamsell von Marlitt von viel natürlicher. Der kürzlich erschienene Aufsatz über das Leben, oder besser das Zugrundegehen einer Pariser Arbeiterin, war ganz dazu angethan zu recht bitteren Gedanken zu stimmen. Warum kann denn solches Elend über manche arme Menschen verhängt sein die ja so gut Ansprüche auf das Glück haben und die eben so gute Menschen sind wie die Begünstigten? vielleicht so viel Bessere! Doch das ist eben auch kein heiteres Thema. Und nun zu was Anderem! Ich bin schon neugierig, wie die Zusammenkünfte der Salzburger dir gefallen werden. – Emma hat noch immer keine Wohnung so viel ich weiß, sie beneidet uns, daß wir schon eine haben. – Um in der in der Apologie geschilderten Weise von künftigen schönen Stunden zu träumen, bin ich viel zu sehr „Schlafhaube“. Morgens ruft mich die großmütterliche Stimme aus tiefem Schlummer zu Bewüßtsein und ich behalte durchaus keine Zeit für Morgenträume mit offenen Augen. Aber bei den verschiedenen täglichen Arbeiten male ich mir oft aus, wie Alles in meinem künftigen Haushalt sein wird! – Doch nun lebe wol und behalte lieb deine treue Fanni. – In 22 Tagen auf Wiedersehen!
1871 Brief von FANNI SCHLEGEL (Nr.19) an FRANZ SPÄNGLER (Nr.18): 4.12. dito, kleinerer Umschlag mit aufgeklebter Marke 5 Kr., 5 Uhr Abends. Mein lieber Franz! Für deine lieben Zeilen meine besten Dank. Es ist mir lieb, daß ich am Samstag einen Brief nach Wien schrieb, da mein Schreiben vom Freitag sich verspätete. Es muß eine Ahnung gewesen sein, was mich bestimmte, auch am Samstag zu schreiben, denn ich hatte sicher darauf gerechnet, daß du meinen ersten Brief noch vor der Fahrt nach Wien bekommst. – Also die Zusammenkunft der Salzburger hatte eine solche „Anwandlung“ zur Folge! und auch noch andere unschuldige Seelen hast du verführt, in mitternächtiger Stunde die öffentliche Halle des edlen Mokka mit dir zu besuchen, anstatt friedlich zu ihren Privaten heimzukehren. Oh Oh, was hören meine Augen, sehen meine Ohren. Doch da bekanntlich ein freimüthiges Geständnis ein großer Milderungsgrund ist, so will ich die „Anwandlung“ mit sehr milden Blicke betrachten, und sogar lobend hervorheben, daß troz alledem Geibel nicht hintergesezt wurde, sondern die 3 Gedichte obgleich zu etwas ungewöhnlicher Zeit und wahrscheinlich mit müden Augen von dir gelesen wurden. In Ernst, ich freue mich, daß du einen vergnügten Abend zubrachtest und höre gern, daß du so heiter warst, und wünsche dir zugleich öfters so gemüthliche Abende. Wie hast du den gestrigen Tag zugebracht? Wir waren von der Familie Zeller aufgefordert gewesen zu einer Schlittenfahrt nach Hallein, lehnten es aber ab, und so war ich still zu Hause. Oft weilten meine Gedanken bei dir, du Lieber. Gegend Abend gingen wir zu Gattermayer. – Von den G‘[eibel]schen Gedichten treffen heute: Beim Feste, das Mädchen im Hades und Hirsch und Reh. Meiner Rechnung nach werden wir den 22. Dez. fertig. Bald kommt nun Weihnachten, wie freue ich mich darauf! Hast du Nichts mehr über das Befinden deines Herrn Collegen gehört? Wirst du denn alle Arbeit die du dir vornimmst, bewältigen können. Gar so sehr sollst du dich doch nicht anstrengen! Heute werde ich die Frithiofssage auslesen, wol auch erst etwas später da heute wieder Leseabend ist. Diesen Brief werde ich morgen Vormittag schließen, vielleicht ist dann wieder dein Brief in meinen Händen. Für jezt, behüt dich Gott! – 5.12. 12 ½ Uhr Mittag. Da ich bis jezt deinen für heute gehofften Brief noch nicht erhielt, will ich diesen nun schließen, damit du ihn morgen bekommst. Du wirst gestern wol nicht Zeit gehabt haben, mir zu schreiben, da will ich den[n] mit Geduld auf deinen nächsten Brief warten. – Der gestrige Leseabend verlief ohne besondere Ereigniße. Im Bette las ich noch die Gedichte, war aber dann zu müde, um die Frithiofs sage noch auszulesen. – Emma hat noch immer keine Wohnung in Hallein finden können die ihr gefällt. Es sind da oben überhaupt wenig annehmbare Quartiere. Albert wartet auf Patienten. Es wird viel geneckt, daß er den Leuten anstatt wie bisher beim Abschied zu sagen, leben Sie wol, bleiben Sie gesund, lieber wünschen möchte, werden Sie bald krank u.s.f. Immerhin ist es schwer, als Arzt seine Stellung zu gründen, Albert hat aber auch noch keinen Namen als Doktor. Emma hat auch etwas bange. Mit Stiebitz geht es ziemlich gleich, manchen Tag ist er natürlicher und besser, manchmal ist er so voll Einbildungen. Dazu wird natürlich von den Leuten wieder alles mögliche Unsinn zusammen gewschwätzt. Nachsten Sonntag wird Athalia [Athalie] wiederholt. Von dort sind nur noch zwei Wochen bis Weihnachten, wie freue ich mich, wenn wir beisammen sein werden. Indem ich mich auf baldiges frohes Wiedersehen freue bleibe ich deine treue Fanni. Großmutter grüßt.
1871 Brief von FANNI SCHLEGEL (Nr.19) an FRANZ SPÄNGLER (Nr.18): 6.12. dito 7 ¾ Uh Abend. Mein lieber Franz! Ich danke dir bestens für deine lieben Zeilen von gestern, wie du gesehen haben wirst, habe ich auch deinen Brief vom 3. richtig erhalten. Am Sonntag, obwol ich meine Gedanken so oft bei dir weilen ließ, hatte ich nicht daran gedacht, daß gerade ein halbes Jahr seit dem 3.Juni verfloßen ist, erst gestern oder vorgestern fiel es mir ein. Der 3.Juni ist für uns ein mindestens eben so wichtiger Tag wie der 8.September und wird als ein bedeutungsvolles Fest im Kalender unseres gemeinschaftlichen Lebens verzeichnet stehen, welches wir, so Gott will, auch nach manchem wechselvollen Jahr gerne als ein recht freudiges feiern werden. Wenn ich daran denke, welcher Sturm damals in mir sich erhoben hatte, will mir der 3.Juni eigentlich so wichtig vorkommen, daß nur der Tag der Trauung damit verglichen werden kann, denn das entscheidende Ja des Verlobungstages hatte sich im Laufe unserer Correspondenz allmälig vorbereitet, und ich hatte da auch wirklich eine weit geringere Aufregung als an jenem Nachmittag bei Zeller. Wer mir damals gesagt hätte, wie bedeutungsvoll die Gartenpromenade werden sollte. Ich fand, weißt du noch, das Wetter so gar nicht einladend zum Spazierengehen und hätte dir auch auf jenem Hügel beinahe nicht Stand halten wollen. Es kam mir überhaupt so eigen vor, daß du mit mir immer so aus der Nähe des Ehepaares Wahl zu kommen suchtest, aber doch ahnte ich nicht Arges. – Und der Schreck den du mir bereitetest war doch arg. – Wo wir am nächsten 3.Juni sein werden? Hoffentlich in Mödling. Weist du, heute beschäftigete mich ziemlich lebhaft der Gedanke, es wäre doch Schade, wenn wir, kaum in unserer hübschen Wohnung eingerichtet, wieder anfangen müßten, in Wien eine zu suchen, wer weiß ob uns da das Glück auch so günstig wäre. Doch, wir wollen uns deshalb noch nicht beunruhigen, es wird ja Alles recht werden. Mein nächster Wunsch ist dermalen, daß wir zu Weihnachten uns recht froh und glücklich wiedersehen, und daß es das Befinden deines Collegen erlaubt, daß du doch eine Woche bei mir bleibst. Frl. Fanni Stölzl war früh einen Augenblick bei uns, und ich ersuchte sie, an Ludwig zu entrichten, was du mir hinsichtlich Dr.Kanisch schreibst. Natürlich wirst du ihn nicht wieder bestellen. Wenn er dich gerne sehen will, soll er einmal nach Mödling fahren. Ist der von dir oft genannte Dr.Kaserer nicht ein Sohn des hier lebenden Rechnungsrathes Kaserer? Eine Tochter des Lezteren Frl: Maria ist ein Mitglied unserer englischen Conversation, die andere Theilnehmerin ist Fräulein Worderegger, eine Nicht von Frl: Henf [Rosalie Henf]. Frl: Worderegger ist ein sonderbares Geschöpf. Anfangs war mir ihre Art gar nicht sympathisch, und nun finde ich sie ganz interessant und empfinde eine Art von Theilnahme für sie, da aus ihren Reden sooft hervorleuchtet, daß sie wenig Liebe von ihrer Umgebung genoßen hat, überhaupt eine ziemlich freudlose Jugend verlebte, was sie mit einer gewißen Bitterkeit und mit wenig Glauben an das Gute in der Welt erfüllte. Frl: Kaserer ist noch etwas Backfischchen und würde im Falle, Psyche käme als Amorettenspenderin, etwa von N:2. der Beschenkten sich gebohren [?]. Welchen Platz würdest du mir etwa zuspielen? Zum Schluß muß ich dir noch mittheilen, daß wir F.J. Arma XXX Lida und ich, heute zum ersten Mal wieder am Eis waren, zwar nicht in Leopoldskron, sondern in der Nähe der Lederfabrik. Ich habe das Eislaufen nicht verlernt, doch scheint mir, ich werde es heuer nicht mit solcher Passion betreiben wie in den letzten Wintern. Indem ich mich auf deinen nächsten ausführlicheren Brief freue bleibe ich deine treue Fanni. – Großmutter grüßt. - In der „grünen Mappe“ Briefchen an Franz Spängler, Glückwunsch 1871, auf Visitenkarte von Dr.Josef Kaserer. – „Nachmittag bei Zeller“: dazu Umschlag mit Visitenkarte „Fanni Schlegel“ mit zwei getrockneten Blättern: handschriftlich „Weinlaub Zellerhügel 13/9 Nachm.“ [da hat er um die Hand angehalten; vgl. das Jahr der Verlobung 1871] und „Eichenblatt Maria Plain 13/9 1871 Vorm.“/ „Ich stelle hiemit den vergeßnen Hut zu, und wünsche recht gute Nacht. Morgen auf Wiedersehen in der Franziskanerkirche zur 8 Uhr Messe.“
1871 Brief von FANNI SCHLEGEL (Nr.19) an FRANZ SPÄNGLER (Nr.18): 8.12. dito 8 ¼ Uhr Abends. Mein lieber Franz! Wie soll ich dir danken, du Lieber, für die mir heute zugekommene Sendung? Ich brauche dir wol nicht zu versichern daß ich dieselbe mit freudiger Überraschung in Empfang nahm. Auch für deine so sehr lieben Zeilen meinen besten Dank! Wie innig freue ich mich, aus jedem deiner Briefe zu sehen daß du mich so lieb hast. Ich weiß nur so gar nicht, wie ich diese Liebe verdiene, doch nein, sie läßt sich nicht verdienen, sondern ist ein freies Geschenk des Himmels. „Lieb ist Wunder, Lieb ist Gnade die wie der Thau vom Himmel fällt. singt ja unser Freund Geibel und ich will nur suchen mich diese[m] Glück auch wert zu zeigen so weit es in meiner Macht ist. – Denke dir, Amaranth ist mir bis auf einige Stellen ganz unbekannt, doch nun will ich bald recht gut damit bekannt werden. – Wolthuend ist mir die Überzeugung daß die Religion dir nicht wie es bei so vielen Anderen der Fall ist, zu den „überwindbaren Standpunkten“ gehört, sondern daß du dieselbe hoch und heilig hältst. So Gott will, werde auch ich all mein Leben lang festhalten an dem Glauben und in allen verschiedenen Lagen Mut und Trost im Gebete suchen. Um so unangenehmer berührt es mich oft, wenn ich sehe, wie so manche leere Ceremonien, wie viel unnützer Pomp und leider auch wie manche Mißbräuche die einfache, reine Christuslehre entstellt haben. Wer es vermöchte, sie von dem Schlechten zu befreien, und sie zu der einfachen Würde zurückzuführen, die in dem Wesen unserer hl: Religion begründet liegt! – Doch wohin bin ich jezt gekommen. Ich schließe für heute, morgen Vormittag Fortsezung. – Gute Nacht du Lieber, behalte mich lieb. – 9.12. ¾ 10 Uhr Vorm. Erst nachdem ich meinen Wirtschaftspflichten Genüge geleistet habe, komme ich zur Fortsezung meines Briefes. Großmutter kann nämlich heut beinahe 2 Wochen nicht ausgehen, da ihr eine Frostbeule am Fuße so zu schaffen macht, und so mußte ich auch heute die verschiedenen Einkäufe besorgen. – Bitte sage dem uns so freundlich gestimmten St: Nikolaus meinen besten Dank dafür, daß er sich so freundlich gütig um die Einrichtung unsers neuen Haushaltes besorgt zeigte. Wenn die Heiligen selbst an der Ausstattung unsers Hauses Theil nehmen, kann doch nichts Anderes als ein kleines Paradies daraus werden. Nur scheinen mir die himmlischen Hausgeräthe ein wenig zu zierlich für irdischen Gebrauch. Jedenfalls nimmt der himmlische Nudelwalger einen Ehrenplatz ein, da er im Archiv sorglich verwahrt liegt. – Auch ich bin jezt öfters ziemlich ernstgestimmt, im Grunde bin ich stiller als sonst, und oft und oft beschäftigen sich meine Gedanken mit der großen Veränderung die mir bevorsteht. Zuweilen empfinde ich etwas wie Furcht, namentlich um den bevorstehenden Abschied, doch auch dieser wieder vorübergehen und ich hoffe in meinem neuen Heim auch bald angewöhnt zu sein. – Endlich hat Emma eine Wohnung in Hallein, im Hause des Kaufmanns Hänsel, doch muß sehr viel von Herrn v.Zeller gerichtet werden. Freilich zahlen sie auch nur 130 fl Zins. Auch Emma denkt mit einiger Besorgnis an ihre herannahende Vermählung. Ihre Hauptsorge ist freilich, ob Albert hinreichend Beschäftigung finden wird. Gestern war ich bei Zeller und da hörte ich, daß sich Stiebitz doch auf dem Wege der Besserung zu befinden scheint. Wie ich es Allen wünsche, daß diese Sorge verschwindet. Für diesmal aber genug, ich muß in die Küche, da hätte ich keine Ruhe mehr. Heut über 14 Tage fährst du hoffentlich von Mödling fort. Wie freut sich auf ein fröhliches Wiedersehen deine treue Fanni. – Großmutter grüßt.
1871 Brief von FANNI SCHLEGEL (Nr.19) an FRANZ SPÄNGLER (Nr.18): 11.12. dito 9 ¼ Uhr Vorm: Mein lieber Franz! Es ist sehr freundlich von dir, daß du mir schon gestern wieder einen so lieben Brief zukommen ließest und ich danke dir hiemit herzlichst dafür. – Der 3.Juni wird noch manchmal Stoff zu Gesprächen liefern, denke ich; ob wir zu Weihnachten den denkwürdigen Hügel besuchen werden, hängt wol zunächst von dem Wetter ab. – Sollte ein Tag schön genug sein, um einen Spaziergang zu machen, so möchte ich recht gern mit dir die Stelle besuchen, wo du mir solchen Schreck bereitetest. Wie du selbst sagst, habe ich mich dann gründlich erholt und begriff auch längst warum du immer auf einsamen Pfaden mit mir wandeltest. Jezt wundert mich nur, daß diese Promenade nicht einen göttlichen Schnupfen zur Folge hatte! Diesmal werden wir es wohl nicht wie eine Erleichterung empfinden, wenn uns Jemand beim traulichen Gespräche in den Weg kommt! – Dem Herrn Bez: Richter bin ich sehr dankbar, daß er dein Kommen bewilligte, und wünsche nur, daß du recht lange Urlaub bekommen möchtest. Tag wie Tag enteilt, und bald werden wir froh und glücklich beisammen sein. Wie ich mich auf den Augenblick des Wiedersehens freue! Aber der Sturmlauf, liebster Freund, wird nichts nützen, es bleibt doch dabei! Ganz im Ernst, ich finde selbst den April besser für unsere Hochzeit. Ich glaube im Winter wäre es mir auch schwerer meinen kleinen Haushalt in Gang zu bringen. Anfangs wo sowol der Magd als mir Alles neu und fremd sein wird, werde ich ja auch alle Einkäufe selber besorgen müßen, um die Verhältniße kennen zu lernen, und mancher Weg wird da auch doppelt gemacht werden, das wäre im Winter nicht besonders angenehm. Und der Hauptgrund bleibt immer die Hochzeitsreise, es wäre doch ewig schade, wenn wir mit unsern werthen Namen nicht an verschiedenen Orten die historischen Denkmäler vermehren helfen würden, denn wir dankbar wird sich die Nachwelt über unsere Autographen freuen. Glaubst du nicht das Straßburger Münster würde ein heiliger Schimmer durchzucken, wenn unser Namenszug seinem ehrwürdigen Gestein eingerizt würde, ähnlich wie Uhland von der Namensinschrift Goethe’s singt? – Die Fälschung meiner Namensunterschrift halte ich für ein schweres Vergehen, dessen einziger Milderungsgrund darin besteht, daß dadurch allen Erfahrungen zufolge, Niemandem ein nac[h]weisbarer Schade zugefügt wurde. Aber auch noch eine Vorlage für künftige Fälschungen zu liefern würde mich ja zur Mitschuldigen machen, da werde ich mich hüten! – Nach Tische. Wegen mir, bitte ich dich, in der Versezungsangelegenheit ganz nach deinem Ermessen zu handeln. Mir wäre es leid, wenn du aus Rücksicht für mich etwas versäumen solltest, was zur Erreichung dieses nächsten Zieles deiner Bestrebungen beiträgt. Ob wir zuerst nach Mödling oder sogleich nach Wien kommen, ist für mich doch im Grunde gleich. – Wo du bist, da will ich auch sein. – Die prosaische Wendung deines lezten Briefes gefiel mir ganz gut, und ich wäre von einer Erhöhung deines Gehaltes ganz angenehm berührt. Siehst du, ein wenig geldgierig bin ich auch. Es kommen immer neue Eigenschaften ans Tageslicht. – Vormittag war deine gute Mutter bei uns sie trug mir nebst vielen Grüßen noch Folgendes an dich auf: 1. Du sollst doch für die Heimreise einen Pelz auszuleihen suchen, vielleicht bei einem deiner Collegen oder einem Kürschner? 2. Wünscht deine Mutter, daß du Pelzstiefel für die Reise haben solltest u. 3. läßt sie dich an die wollenen Pulzwärmer erinnern, die du nicht nur zur Reise sondern auch so anziehen solltest. Ich möchte dich wol auch bitten, dich für die Reise recht gut zu versorgen. Bei dieser Kälte ist eine 12stündige Eisenbahnfahrt ohnehin ein sehr frisches Vergnügen. Mit der Bitte behalte mich lieb umarmt dich deine Fanni. – Großmutter grüßt.
1871 Brief von FANNI SCHLEGEL (Nr.19) an FRANZ SPÄNGLER (Nr.18): 14.12. dito ¾ 10 Uhr Vorm: Mein lieber Franz! Recht sehnsüchtig erwartete ich deinen lieben Brief, den ich vor eben einer halben Stunde erhalten habe. Ich hatte schon gestern auf ein Schreiben gehofft, und dein Brief hätte auch eigentlich gestern kommen sollen, da er schon am 12. geschrieben wurde. Um die Verzögerung wieder gut zu machen, schreibe ich schon jezt und werde den Brief noch vor Tische aufgeben. Ich weiß nicht, warum die Briefe jezt länger brauchen, allein deinen lezten Brief erhielt ich wirklich erst Sonntag den 10. früh. Ich hatte am Samstag eine Arbeit, nämlich die Kisseneinsätze fertig zu machen und schrieb darum erst am Montag, schickte den Brief aber noch bald genug fort, daß du ihn Dienstag hättest bekommen müßen. Hast du am Dienstag Abends meinen lezten Brief bekommen und wie du dir vornahmst, beantwortet, so glaube ich, ist es besser wenn du diese Zeilen nicht beantwortest, sondern meinen nächsten Brief abwartest, sonst kommen wir nicht in die Ordnung. Sobald ich deinen nächsten Brief erhalte, werde ich wieder schreiben. – Über 10 Tage ist nun schon der Weihnachtsabend da! – Ich habe schon nachgedacht, wie wir denselben zubringen werden. – Bisher haben wir die Weihnachtsabende sehr einfach zugebracht. Um 6 Uhr Abends ist der Christbaum bei meinen Eltern, dann blieben wir noch eine kurze Zeit beisammen, die Kinder werden bald zu Bette gebracht und wir verbrachten den Rest des Abends still zu Hause. Frl: Nainringer [?] und mein Bruder Richard warteten mit uns die Mitternachtsstunde, wo wir zur Mette gingen. Für heuer nun meinte ich, wirst du vielleicht mit uns bei der Bescherung zusehen und dann dachte ich, würde deine gute Mutter und du bei uns sein. So war mein bisheriges Programm. Wird etwas Anderes bestimmt, so können wir ja am hl: Abend noch darüber verhandeln. Die Hauptsache ist und bleibt, daß wir beide vergnügt beisammen sind. O wie ich den hl: Abend herbeiwünsche! - Jezt kommt wieder die liebe Prosa! Deine gute Mutter war eben bei uns; sie fügt den dir lezthin mitgetheilten Ermahnung nebst vielen Grüßen noch bei, du sollst dir zur Reise und auch wenn du sonst über Land mußt, doch eine Mütze von Astrachanstoff machen laßen, wie dein Bruder auch eine hat, und zwar mit Lappen für die Ohren, um dich so genug zu schützen von Erkältung. Ferners sollst du auch die wollenen Sachen [?] nicht vergeßen und falls dieselben schadhaft wären, solches allzugleich melden! Bitte diese Frage zu beantworten. – ½ 12 Uhr Mittag. Soeben erhielt ich auch deinen gestrigen Brief ich danke dir bestens dafür. Nun wird unser Briefwechsel ja wieder in Ordnung kommen. Bis zur Hochzeit wird das Hundert unserer Briefe sicher voll. Um diesen Brief rechtzeitig aufgeben zu können, füge ich nur noch in Kürze bei, daß Großmutter zwar jezt noch nicht ausgehen kann, doch ist ihr Fuß schon viel besser. Zu Weihnachten kann sie auch hoffentlich ausgehen. Deine Frage wegen dem Wirthschaftsgeld diene zur Antwort, daß mir die Großmutter doch keine freie Hand in der Eintheilung unserer Wirthschaft ließ, und ich daher baldigst das Portefeuille zurücklegte. Ich muß schon sehen, wie ich ohne diese Vorstudien mit meinem Finanzminister auf Gleich komme. – Was meinen künftigen Namen betrifft, so habe ich noch nie versucht, wie er aussehen wird und zeichne mich hiemit feierlich als deine treue Fanni Schlegel in Zukunft Fanni Spängler. – Großmutter grüßt.
[Brief von (Nr.37) ANTONIA SPÄNGLER an den Sohn (Nr.18) FRANZ SPÄNGLER]: Salzburg 14.12.71: Mein innigstgeliebter Franz! Recht herzlich freute es mich, heute von dir einen Brief erhalten zu haben, deine Briefe sind selten aber ich kann es dir gar nicht verargen, da du so oft an deine Fany [Fanni] schreibst, und die Zeit dir ohnedieß oft sehr zugemeßen sein wird. Ich freue mich schon auf den 24te wo ich so Gott will [dich] in meine Arme werde schließen könen, mit Vergnügen nehme ich heute wahr besonders Abends das die große Kälte ein wenig nachläßt, seit 1830 war es nie mehr so kalt wie diese 3 Tage, man glaubte es sey nicht zum außhalten so hat es einen gebrant, wen man auß dem Hauß ging. Wie ich höre so bekömmt man für die Füße Wärm Flaschen, dieß ist doch beßer sonst könte man am Ende ganz steif werden. Ziehe ja jetzt oft die Schafwollsocken an, und das ist klar daß du die schlechten [Hemden] mit denen Krägen als Nachthemden hernimmst, du bekömmst ja ohnedieß 24 neue Taghemden und 6 neue Nachthemden also gewiß genug. Beyliegend sende ich dir die Fingerweite von der Fany [Fanni] mit, die groß Mutter glaubt, es würde sie ein solchen sihr [Ziehr?] freuen, weil der von ihrer Mamma ja gebrochen ist. Ich glaube schon das bey Carl eine Einladung ist, aber ich denke, man wird uns sagen, wir sollen uns nicht genieren, wen wir zur großmutter gehen wollen den ich glaube nicht, daß es Ihre Begehren [?] ist, wenn die groß mutter auch kömmt, die Fany [Fanni] allein würde sie vieleicht auch einladen, aber die großmutter hat heute gesagt sie wünscht den letzten Weihnachts Abend mit Fany [Fanni] zu zubringen, bey Schlägl [Schlegel] ist nur die Christvertheilung, ohne alles weiter. Die großmutter glaubt, wen nicht für sie auch eine Einladung kömmt, so wollen wir 2 den Abend bey ihr zubringen. Alles wird sich geben wen du kömmst. Wir richten uns nach Umständen. Die geldangelegenheit wird Otto schon bedenken wen er eines hat. Heute habe ich wieder um 51 X [Kreuzer] Knöpf gekauft zu die Duchend [Bettdecke] und Küßziehen. Das die Geschnitzer gestorben ist wird dir die Fany [Fanni] schon mitgetheilt haben, gestern war ihr Gottesdienst. Der Stipitz soll heute nach Linz gebracht worden sein in ein Institut, es ist dieß sehr traurig. Dieser Fall vom Stipitz kömmt mir nicht viel beßer vor als bey Egghofer [?]. Den letzten Samstag wo es glücklicherweise noch nicht so kalt war, war ich mit Otto und Louise in Hallein wo wir auch den Schumacher gesehen haben, nun hat er Geltenhaußen bekommen es ist doch etwas und wenn der Doktor FuhXX [?] in der Nacht geholt würde so, schückt an die Leute zu Schumacher es wird wohl nach und nach beßer werden. Lebe recht wohl mein lieber Franz es freut sich inig dich recht bald zu sehen deine treu dich zärtlich liebende Mutter Spängler. Sey versichert das ich dich gewiß täglich im Gebeth einschließe. / Lieber Franz! Die Mutter eilt schrecklich mit dem Absenden des Briefes, daher ich außer dem die Mutter betreffenden Weihnachtsgeschenk nichts anderes erörtern kann. Die Mutter braucht nothwendig einen Muff. Ich habe ihr ein Kleid gekauft. Wenn du circa 5 fl spediren willst, bekomme ich einen ordentlichen Muff. Wenn nicht einverstanden, bitte um Correspondenzkarte Dein Otto. - „Geschnitzer“: Die Familie Gschnitzer gehört zu den angesehenen Handelsfamilien in Salzburg; von 1847 bis 1850 ist Matthias Gschnitzer Bürgermeister, von 1854 bis 1861 dann Alois Spängler. Es liegt ein Partezettel vor für Anna von Reichel, geb. Gschnitzer, 84 Jahre alt, o.J.
1871 Brief von FANNI SCHLEGEL (Nr.19) an FRANZ SPÄNGLER (Nr.18): 17.12. dito 9 ¼ Uhr Abends. Mein lieber Franz! Um diese Stunde sitzen wir hoffentlich heute über 8 Tage längst vergnüglich beisammen; oh wie ich mich darauf freue, endlich wieder dich du Lieber hier begrüßen zu können. Heute sind es gerade 3 Monate, daß wir uns trennen mußten, eine lange Zeit, und doch wie traumhaft schnell verfloßen! Es ist so eigen, liegen vor uns Wochen, Monate bis zu einem ersehnten Ziel, so dehnt sich diese Zeit fast endlos vor unserem Auge, liegt eine ebenso lange Zeit hinter uns, so faßt unsere Erinnerung die vielen Tage und Stunden in eine einzige so schnell zu überblickende Reihe zusammen! – Wie schnell werden uns aber erst die wenigen Tage des Beisammenseins verfliegen, doch ich will nicht vom Scheiden sprechen vor dem Wiedersehn, und wir wollen uns dankbar auch des kurzen Beisammenseins freuen, im Hinblick auf ein langes ununterbrochenes, welches uns in Aussicht steht. – Ich vergaß lezthin in der Eile, deine Frage wegen den englischen Büchern zu beantworten. Ich erhielt kürzlich von Minna einen Brief, wo sie mit sagt daß ihr Vater ohnehin etwas früher zu senden hat, wo sie die Bücher beilegen wird, dieselben könnten übrigens wirklich gleich in Wien bleiben, da ich, wenn ich will, von Nihs Urry mit englischer Lektüre versehen werde. Ich werde von ihrer Güte auch Gebrauch machen und mir wieder etwas entlehnen. Jezt habe ich gerade eine recht nette englische Erzählung in der Arbeit, die ich vielleicht bis übermorgen auslesen werde. Abends lese ich mit großem Interesse „Amaranth“. Ich habe schon viele wunderhübsche Stellen gefunden. Heute las ich auch den von dir erwähnten Artikel über das Straßburger Münster, in der Gartenlaube[.] Deine gute Mutter werde ich zu beruhigen suchen, ich schrieb dir wortgetreu ihre Aufträge weil sie es dringend wünschte, daß du nicht alle befolgen wirst, habe ich ohnehin gedacht. /: Ich hätte es auch nicht gethan. :/ Ich fürchte nicht, daß du dich erkälten wirst, doch ist es schon gut, wenn du dich mit warmen Sachen versiehst, so eine Fahrt während einer kalten Winternacht ist ohnehin nicht erquicklich. – Wenn du doch nur gewiß bis Neujahr bleiben kannst, damit du dich nach dieser langen kalten Fahrt doch gehörig ausruhen kannst. So einige Feiertage werden dir nach der vielen Arbeit auch wol thun, nicht wahr? Nun bekomme ich nur noch einen einzigen Brief von dir, und meine Antwort wird gerade vor deiner Abreise von Mödling an dich kommen, dann kommt eine kleine Ruhepause für den Briefträger. Das ahnte er wo nicht, als er mir deinen ersten Brief brachte, daß wir ihn so in Thätigkeit setzen würden. Was er gedacht haben mag als er mir neulich am selben Tage zweeimal einen Brief von dir brachte? Ich hätte selbst nie gedacht, daß ich ja so viel und so gerne Briefe schreiben würde, ich glaube bis zum Juni 1871 hatte ich im Ganzen noch kein halbes Hundert Briefe geschrieben. Die Zukunftsunterschrift ist mir nicht schwer geworden, etwas ungewohnt freilich. Ich muß mir noch Visitkarten mit meinem bisherigen Namen machen laßen, aber blos ein halbes Hundert, dann kommt das von dir seinerzeit verfertigte Muster zur Ausführung. Hast du schon gehört, daß die Frau des Ludwig Zeller in Traunstein auf den Tod krank sein soll? Emmas Brautzeit wird zum Schluße nicht eben erheitert. Bei Zeller haben sie auch den Plan, Stiebitz nun doch in eine Heilanstalt zu bringen. – Doch nun behüt dich Gott. Es freut sich auf ein fröhliches und baldiges Wiedersehen deine treue Fanni. – Grüße von Plachetkas u. Großmutter.
1871 Brief von FANNI SCHLEGEL (Nr.19) an FRANZ SPÄNGLER (Nr.18): 22.12.1871 „Herrn Doctor Franz Spängler kk. Gerichtsadjunkt Mödling bei Wien“ 5 Kr. gestempelt „Salzburg Stadt 22.12.1871 11 [Uhr] Früh“, [Vermerk Franz Spängler:] „I,III erh[alten] 23/12 1871/ Abreise 23/12/ Salzburg 24/12 1871/ 1/1 1872“; rotes Lacksiegel, Stempel „Wien 23/12 1871“ [Briefpapier „FS“; hier in moderner Schreibung]: Salzburg, 21.Dezember 1871 8 ½ Uhr Abends. Mein lieber Franz! Ich hatte heute nicht Zeit, deinen lieben Brief bald zu beantworten. Ahne, dass dir schon morgen mein Schreiben zukommen könnte. Meinen besten Dank für deine lieben Zeilen, den letzten in diesem Jahre, denn ich hoffe immer, du wirst doch die kommende Woche hier zubringen können. Endlich kommt der ersehnte Augenblick des Wiedersehens so nahe, und übermorgen um diese Stunde führt dich das Dampfross schon der lieben Heimat zu. Wie ich mich freue! Du sprichst die Erwartung aus, mich Sonntag am Bahnhof zu sehen, sei nicht böse, wenn ich diesen Wunsch dir nicht erfülle. Siehst du, ich finde es so viel schöner und, offen gesagt, auch passender, dich daheim erwarten und begrüßen zu dürfen. Ich meine auch, es ist für dich besser, wenn du nach der nächtlichen Fahrt so rasch als möglich einen Platz in einem Omnibus zu erreichen suchst, damit wir dann ungestört beisammen bleiben können. Freilich wird dadurch das Wiedersehen ein wenig verzögert und ich werde ungeduldig genug die Minuten zählen, bis ich mit herzinnigem Gruße in deine Arme eilen kann! Aber auch diese letzten Minuten werden verfließen und dann winkt uns ja eine kleine Weile seligen Beisammenseins! Und um noch einmal, nicht wahr, du zürnst mir nicht, dass ich dir so offen meinen Entschluss, nicht auf den Bahnhof zu gehen, darlege? Vor allem anderen muss ich dir berichten, dass sich vorgestern die Zahl meiner Geschwister um ein kleines Schwesterchen vergrößerte. Das kleine Prinzesschen befindet sich sehr wohl und wurde gestern auf den Namen Bertha Franziska Maria getauft. Die Mutter [Stiefmutter] ist Gott sei Dank auch ganz wohl. Heute Mittag wurde der arme Stiebitz in die Irrenanstalt nach Linz gebracht. Wahl begleitet ihn nebst einem Diener. Die arme Frau Rosa ist krank vor Aufregung, ist auch kein Wunder. Dr. Zillner gibt allerdings alle Hoffnung, dass Stiebitz wieder ganz gesund wird, allein Gott weiß, wie lange sein Leiden dauert. Weißt du, das neueste Brautpaar Frl. Resi Saullich ist die Braut eines Herrn Wöss, welcher Compagnon des Fritz Krockauer in der ehemals Volderauer’schen Handlung ist. Wie man hört, soll die Trauung im April stattfinden. Ich träume ziemlich oft von dir, dass du kommst und so fort. Sehr häufig spielt in meinen Träumen das Bewusstsein hinein, dass ich deine Braut bin. Kürzlich träumte ich, wir wären in Venedig gewesen und ich konnte dich beim Herabgehen vom Markusturm auf einmal nicht finden. Sind wir denn mit der Geschichte in der Ordnung? Meiner Rechnung nach trifft für heut: Muth, Im Grafenschlosse und Der Einsiedler. So werden wir gerade am Samstag fertig [sie lesen zeitgleich einen Roman]. Und nun du Lieber, gute Nacht, die Antwort auf diese Zeilen kannst du mir mündlich sagen, bis dahin behalte lieb deine treue Fanni. Großmutter grüßt dich, es geht ihr gut.
1872
Briefe „1871/1872“ (rot verschnürt, nicht gelesen) von Nr.18 Franz Spängler aus Mödling an Fanni = Nr.19 „Frl Fanny Schlegel Salzburg Marktplaz N 10 II Stok“ [...]: 2.1.1872. – 3.1.72. – 12.1.72. – 21.1.72. – 26.1.72. – 28.1.[72] mit „Blümchen“ vom Gesangvereinsball. – 29.1.72. – 4.2.72. – 11.2.72. mit Papierblümchen. – 16.2.72. – 19.2.72. – 22.2.72 Karte. – 23.2.72. – 24.2.72. – 27.2.72 Karte. – 28.2. – 11.3.72 mit Einschreiben und einem Glücksklee. – 23.3.72. – 27.3.72. – 30.3.72. [...]
7.1.72 aus Wien, siehe: „!882“; 15.1.1872 aus Mödling, siehe: „1882“
Briefe (rot verschnürt, nicht gelesen) von Nr.37 Antonia Spängler, geb. von Lürzer, 1803-1882, an den Sohn Nr.18 Franz Spängler, 1839-1912, aus Salzburg; zusätzlich mehrfach vom Bruder Otto. Oder umgekehrt von Nr.18 a Otto Spängler, 1841-1919, zumeist über Geldangelegenheiten der Mutter, und zusätzlich dann auch von der Mutter. Ohne Umschläge (einzelne Umschläge sind angegeben). – Vom 18.4.1870 bis 1871 und 28.12.1872; insgesamt 42 Briefe, 2 Umschläge nach Mödling.
[1872; Brief von Nr.37 ANTONIA SPÄNGLER (1803-1882) an den Sohn Nr.18 FRANZ SPÄNGLER, 1872 verh. mit FANNI SCHLEGEL]: Salzburg 15.1.72: Mein liebster, theuerster Franz! Es sind nun heute schon 15 Tage seit, du von uns fort bist, und ich habe noch keine Zeile an dich geschrieben, allein ich bekamm lange keinen Brief von dir, hörte aber von Fany [Fanni] schon wie es dir geht auch von Otto, der aber mit einen starken Lontach [?] nach Hauße kamm, geht ihm aber jetzt gottlob wieder beßer. Auch bey uns geht es gut. Wir arbeiten sehr fleißig, aber es giebt nicht so viel aus weil der Tag noch so kurz ist. Ich denke schon bis das Bett in Ordnung ist das noch bey 40 oder 50 fl aufgehen. Den Näherlohn trieft ja auch noch für 18 Hemden, und Joppenleintücher. Das Bett wird so groß, das ich werde Roßhaar- Schließ und dergleichen dazu kauffen müßen. Wegen der Loden hat dir Otto schon geschrieben, das Ihr das Geld bekömt, wird Euch schon recht sein, aber das die Pepi ohne jemand davon etwas zu sagen es gethan, und leicht hätte sie um 500 mehr bekommen können, ja der Riedl sagte zum Otto 5 Tausend 500 gebe ich, aber die Roch welche den Loden für die Grol [?] kaufte ging nicht mehr zurück. Wie schnell die Zeit vergeht – ehe wir uns es versehen wird die Zeit da sein wo die Hochzeit ist. Diese Zeit wo die beyden Fany [Großmutter und Enkelin] nach Wien reisen wird für dich eine sehr belebte sein bey Tag wirst du in Mödling sein die Abende wirst du bey, und mit Ihnen zubringen. Das die Wall schon 5 Monathe in gesegneten ist, wirst du vieleicht schon wissen. Der Pepi Zellner geht es wieder beßer die Zellner war neulich bey mir, aber sie war sehr betriebt, weil eben so vieles zusammen kömmt. Für deinen lieben Brief danke ich die recht herzlich, weiß der liebe Gott ob ich doch einmal zu Euch komme, ich denke immer ich kann mir zu wenig helfen auf einer so langen Reise. – Der Mensch denkt, der liebe Gott lenkt, verXXden [?] thue ich es nicht. Morgen Mittwoch sind die 2 Fany und ich, und die Roch bey der Louise eingeladen. Ich muß schließen Lebe recht wohl es küßt dich mit iniger Liebe deine dich herzlich liebende Mutter Spängler – Sey versichert das ich recht fleißig für dich bethe
1872, Päckchen, zusammengeschnürt [erster Teil bis einschl. 9.Februar 1872], von FANNI SCHLEGEL (Nr.19) an FRANZ SPÄNGLER (Nr.18): Correspondenz-Karte Herrn Doctor Franz Spängler kk Gerichtsadjunkt, Mödling bei Wien; [Vermerk von Franz Spängler:] LIV erhalten 3/1 1872 beantwor[tet] 3/1: Salzburg 2 Jänner 1872 – Bis jetzt, ½ 5 Uhr Nachmittag erwartete ich vergebens die versprochene Postkarte; durch den morgen zu erwartenden Brief hoffe ich zu hören, daß die Reise recht gut zurückgelegt wurde. Ich konnte es nicht unterlaßen wenigstens in dieser Form tausend herzliche Grüße zu senden. Der nächste Brief wird ausführlich beantwortet werden. Mit herzlichem Lebewo[h]l F S.
Brief von FANNI SCHLEGEL (Nr.19) an FRANZ SPÄNGLER (Nr.18): Herrn Doctor Franz Spängler kk Gerichtsadjunkt, Mödling bei Wien [LV erh 5/1 beantw 6/1 CorreXXX 7/1 mit L Fw (?) 8/1]; rotes Siegel „F. S.“; Prägestempel „englisches Staatswappen“, auch auf den folgenden Briefen]: Salzburg 3.Jänner 1872. Mein lieber Franz! Anstatt, wie es in den letzten, ach so rasch vergangenen Tagen geschah, Aug in Aug mit dir plaudern zu können, waffne ich meine Hand mit der Feder um einen neuen Cyclus von Schreibebriefen zu beginnen, wovon wo[h]l noch manches Exemplar die Reise nach Mödling wird antreten müßen, ehe ein fortdauerndes Zusammenleben die von dir erwähnte Abwechslung von Thätigkeit und Erholung gestatten wird. Es wird freilich sehr schön sein wenn wir nach vollbrachtem Tagwerk so gemütlich mitsammen am Sofa sitzen und einander die kleinen Erlebnisse des Tages mittheilen oder etwas lesen werden! Um wie viel süßer wird solche Ruhestunde sein, wenn der Tag in nützlicher Geschäftigkeit verging und die Reihe der Arbeitsstunden gleichsam eine Anweisung auf eine Weile der Erholung und Unterhaltung wird! Nach diesen Tagen absoluten Nichtsthuns will mir noch die Arbeit nicht recht von der Hand gehen, ich muß mich ordentlich erst wieder daran gewöhnen. Aber schön waren diese acht Tage wo du hier warst, nicht wahr? Ich werde mich allezeit gerne an die Weihnachtsfeiertage 1871 erinnern! Lebhafter als je bisher empfand ich in der Zeit deines Aufenthaltes hier unsere Zusammengehörigkeit, und bestärkte sich in mir die Zuversicht, daß wir zueinander passen. Gott segne unsern Bund! Freilich wirst du oft, recht oft Geduld mit mir haben müßen, doch soll es mir nie an gutem Willen fehlen, dir in Allem recht zu thun. – Am Abend des 1.Jänner unternahm ich nicht mehr viel, erst ordnete ich mein Schmuckkästchen das ziemlich in Unordnung gerathen war, nach Tisch las ich ein wenig und begab mich bald nach 9 Uhr zu Bette. Gestern begann ich wieder mein Alltagsleben, indem ich Vormittags bügelte und Nachmittag die englische Conversation besuchte. Abends war ich bei Lida, und ging wieder ziemlich früh zu Bette. Meine gestrige Postkarte hast du hoffentlich erhalten, deine bekam ich erst heute früh und zu Mittag 2 Uhr deinen Brief. Hoffentlich werden sich nun die Briefe wieder regelmäßig folgen. Ich freue mich schon recht bald wieder von dir zu hören! Willi G: war heute noch bei mir, er läßt dich vielmals grüßen. Heut früh schrieb ich an Maria Gutenberg. – Mit dem Siegel dieses Briefes weihe ich feierlichst meinen neuen Siegelring ein, bitte daher dem Siegel auch die gehörige Aufmerksamkeit zu widmen. Emmas [Seehofer] Hochzeit wird doch gegen Ende Februar stattfinden können. Hr: Wahl schrieb mir gestern einige Zeilen wo sie bedauert unsern Besuch versäumt zu haben und dich vielmals grüßt. Mit herzlichem Lebewo[h]l deine treue Fanni. – Großmutter grüßt. – „Lida“ [verh.] Guttenberg, enge Freundin von Fanni, auch Spängler-Bekanntschaft, häufig genannt in den Briefen seit 1860.
Brief von FANNI SCHLEGEL (Nr.19) an FRANZ SPÄNGLER (Nr.18): Herrn Doctor Franz Spängler kk Gerichtsadjunkt, Mödling bei Wien [LVI 9/1 beantw mit LVII 11/1]; rotes Siegel „F.S.“ [so auch alle folgenden Briefe dieses Päckchens]: Salzburg 7.Jänner 1872. ¾ 8 Uhr Abends. Mein lieber Franz! Besten Dank für deinen lieben Brief sowie auch für deine Zeilen vom 3. die ich deinem Wunsch gemäß unbeantwortet ließ. Heute hatte ich schon mit großer Ungeduld auf eine Nachricht gewartet, und freue mich zu sehen, daß auch dir die hier verlebten Tage schön erschienen sind. Was die Geduld betrifft, wird die Zukunft lehren, wer von uns mehr von diesem nützlichen Artikel in Anspruch nimmt, daß ich ein recht garstiges Ding bin zuweilen, habe ich dir längst gesagt, allein meine gutgemeinte Warnung hast du nicht berücksichtigt, da kannst du dann zusehen wie du mit deinem Hauskreuz fertig wirst. Mit der Pedanterie werde ich schon auf Gleich zu kommen suchen, und hoffe auch meinen lieben Pedanten die Grillen verzeihen zu können, wenn solche wirklich wagen sollten, sich im Reiche Bereiche meines Burgfriedens zu zeigen. Heiterer Sinn, mit dem die gütige Natur mich versorgte, soll eine recht tüchtige Waffe gegen diese kleinen Unholde sein. Wandelt mich aber bisweilen ein kleiner Mutwille an, so wird eine kleine XX geringe Dosis Pedanterie deinerseits gerade das rechte Gleichgewicht herstellen. Weißt du, heute vor 8 Tagen litt ich unter einer solchen Anwandlung, wo du sagtest, ich sekire [ärgere] dich. Jetzt sind schon ganze 8 7 Tage dahin, seit wir auf dem Bahnhofe Abschied nahmen! Wie doch die Zeit vergeht. Ich darf recht fleißig sein, wenn bis zum April Alles fertig sein soll. Morgen werde ich wahrscheinlich mein Reisekleid zuschneiden. Ich wählte zu diesem Zweck einen einfärbig grauen Stoff. Ich werde meine ganze Kunst aufbieten, damit ich zur Hochzeitsreise schön bin. Die Reisetour [-route] haben wir wirklich nicht festgestellt, während deinem Hiersein, vielleicht nimmst du einmal die Karte zur Hand, und theilst mir dann die voraussichtlichen Haupstationen mit? Wie war denn diesmal die Salzburger Versammlung? Hast du am Ende wieder Unschuldige zum Besuch des Kafehauses verleitet? wie neulich? Heute findet eine Redoute [Ball] zum Besten der Volksküche statt. Lida ist bei den Verkäuferinnen in der Conditorei. Für sie beginnt hiermit der Fasching. Ich komme mir ordentlich erhaben in meiner heurigen Solidität vor. Heute war ich beim Mozarteumskonzerte. Ein blinder Klavierspieler ließ sich hören, er spielte sehr brav, namentlich sehr weich. Mich ergriff bei seinem Anblick tiefes Mitleid. Ich hatte Gelegenheit, ihn zu beobachten, während eine Symfonie v. Beethoven aufgeführt wurde, und beobachtete, wie lebhaft die Musik ihn bewegte. Manchmal glitt ein zufriedenes Lächeln über seine Züge, während unrichtige Töne ihm offenbar Mißbehagen erregten. Seine Erscheinung ist sehr sonderbar, auch seine SprXXX ist kaum so groß wie ich und sieht ziemlich leidend aus. Deiner guten Mutter habe ich deine Grüße entrichtet, sie findet es verzeihlich, daß du mir früher und öfter schreibst als ihr. Gestern war ich mit Lida noch einmal in Leopolskron, doch ist das Eis schon schlecht. Vielleicht war ich gestern zum letzten Male auf dem Eis, nächstes Jahr komme ich wo[h]l kaum dazu. Bei vielen Gelegenheiten denke ich mir jetzt: Das geschieht hier wo[h]l nicht mehr von mir. Es ist wie ein langsames Loslösen von bisher gewohnten Dingen, ein wortloser Abschied. Doch empfinde ich deßwegen keinen Schmerz. Freilich vor dem le[t]zten Abschied, der mir bevorsteht, habe ich bange. Da wirst du schon ein wenig an mir trösten müßen, wenn wir miteinander von hier weg reisen! Doch genug für heute! gute Nacht. – 8.Jänner 9 Uhr Morgens. Ich füge noch einige Zeilen bei, sonst komme ich nicht zur Arbeit! Du sagst, du wirst mir wieder ein Buch schicken, ich danke dir im Voraus dafür und freue mich schon darauf um so mehr als ich wieder etwas von dir hören werde. Ich werde deine Zeilen jedenfalls beantworten so bald ich kann. Wenn die Witterung so milde bleibt wie je[t]zt, wo es vollständig thaut, wird auch die Reise nach Wien nicht zu weit hinausgeschoben werden. Wie schön wird es sein, wenn du mich auf dem Westbahnhof erwarten wirst! Wenn ich nur einmal wüßte wann Emmas Hochzeit ist! Mir wäre viel lieber wenn die Reise nach derselben stattfände. Nun lebe recht wo[h]l und bleibe gut deiner treuen Fanni. – Großmutter grüßt dich. Vorgestern schickte ich unsere Fotografien nach Würzburg. – „Emma“: In einem Brief von 1871 heißt es, dass die Freundin Emma [Seehofer] „im Laufe des nächsten Sommers heirathen“ werde, das ist der Sommer 1872 während der gelanten Hochzeitsreise von Fanni und Franz. – „Würzburg“: u.a. im September 1871 schreibt Fanni Freundin Lonchen Ziegler aus Würzburg.
Brief von FANNI SCHLEGEL (Nr.19) an FRANZ SPÄNGLER (Nr.18): Herrn Doctor Franz Spängler kk. Gerichtsadjunkt, Mödling bei Wien [LVII erh 10/1 1872 beantw 11/1 „]: Salzburg, 9.Jänner 1872. ¾ 6 Uhr Ab[en]ds. Mein lieber Franz! Heimkommend von meinem Besuche bei Zeller fand ich deine Liebesgabe und sitze nun fast eine halbe Stunde da, bereit, diese Zeilen an dich zu schreiben und blättere doch immer wieder neugierig im „Liebesfrühling[„ Gedichtsammlung]. Tausend Dank du Lieber, für Buch und Brief, welche mir so große Freude machen! Du hast meine kleine Büchersammlung schon mit so viel Schönem bereichert, ich habe deine Bücher vor mir liegen, und erfreue mich an ihrem Anblick. Von morgen an werde ich gewißenhaft täglich drei Gedichte lesen. Die von dir bezeichneten habe ich in aller Eile großentheils angesehen und mehrere wunderhübsch gefunden. Besonders lieb finde ich auch N:XIX, 5 ter Strauß. Auch N:75 ist reizend. 4:Strauß N:66 ist sehr wahr. Lida glaubt nun auch, daß wir uns wirklich lieb haben und freut sich darüber. Wie würde ich mich freuen, wenn sie in gleiche Lage mit mir käme. Sie hat doch so viel Anspruch auf das Glück, soll sie es nicht so finden, wie es nun einmal unsere Bestimmung ist? Wie oft mache ich mir diese Gedanken. Wenn N:33, I.Strauß, mir Antwort auf jene Frage sein soll deren ich mich sehr gut erinnere, so kann ich nur freylich wünschen du mögest all das Liebe und Gute, dessen Besi[t]z deine Liebe mir zuschreibt, auch an mir finden. Gewiß, ich wünsche oft, viel besser klüger und schöner zu sein, damit ich dir gefalle und genüge. Besser zu werden, will ich mich redlich bemühen, im Übrigen mußt du eben so mit mir vorlieb nehmen. Auf die Wiener Reise nehme ich natürlich das Buch mit, da können wir dann auch mitsammen lesen. Vor gestern über [in] 12 Wochen! 8.April [Hochzeitstermin], hast du schon nachgerechnet? Wenn wir nur Alles fertig kriegen! Die Aussicht, daß wir künftigen Sommer ruhig in Mödling sein können ist mir ganz angenehm. Wenn eine Übersiedlung dann notwendig wird habe ich mir wenigstens unsere kleine Wirthschaft schon eingerichtet. Bei Zeller geht es nicht sehr gut. Papa hat seine bekannten Anfälle von Athemnoth, und heute liegt die arme Mama, sie hat sich verkühlt, dazu kommen von Stiebitz [Stiepitz] keine guten Nachrichten. Emma [Seehofer] sagte mir, daß der Arme nicht nur geistig sondern auch körperlich krank ist. Die arme Emma hat eine traurige Brautzeit. Ich schließe um heute noch den Brief aufzugeben, vielleicht bekommst du ihn, ehe du morgen deinen Brief endest. Lebe wo[h]l du Lieber und bleib mir gut. deine treue Fanni – Großmutter grüßt dich. Ebenso deine Mutter. - „Zeller“: Familie Zeller häufig in den Briefen genannt seit 1870; Emma [Seehofer] ist die Freundin. Auch „Lida“ Guttenberg ist eine enge Freundin von Fanni. – „Stiebitz“, vgl. „Stiepitz“ in mehreren Briefen und besonders Brief vom 14.12.1871.
Brief von FANNI SCHLEGEL (Nr.19) an FRANZ SPÄNGLER (Nr.18): Herrn Doctor Franz Spängler kk. Gerichtsadjunkt in Mödling bei Wien [LVIII erh 14/1 1872 beantw 15/1 1872]: Salzburg, 12.Jänner 1872. 8 Uhr Ab[en]ds. Mein lieber Franz! Seit gestern wartete ich schon ziemlich ungeduldig auf deinen lieben Brief, mit so viel größerer Freude nahm ich denselben heute in Empfang. Meine Zeit gestattete nicht, im Laufe des Tages zu antworten, um die Verzögerung wieder aus zugleichen, was ich gerne gethan hätte. Meine „Warnungen“ hatten wo[h]l nicht den Zweck, in ihrem ganzen Umfange von dir berücksichtigt zu werden, doch hatte ich, ehe das entscheidende Wort zwischen und gesprochen war, allerdings die Absicht, dir freimüthig auch manche schwache Seite, manchen Fehler an mir zu bekennen, damit nicht, wenn wir uns einst näher stünden, du dieselben erst entdecken müßtest, und dadurch manche unangenehme U[Ü]beraschung machen erleben müßtest. Hättest du dich damals von diesen „Warnungen“ zurück schrecken laßen, wäre es gewiß recht traurig gewesen, doch immerhin besser, als wenn dir sonst beim Zusammenleben mit mir ‚all‘ die minder guten Eigenschaften an mir wären vor Augen getreten. Daß du dich aber nicht warnen ließest, zeigt mir, daß du mich mit sammt meinen Fehlern liebhaben willst und mir auch einige gute Seiten zutraust. Ich will suchen dieses Vertrauen zu rechtfertigen, und dir so gut ich es eben vermag, die Lebensweise zu verschönern. Wie oft ist es der Inhalt meines Gebetes, Gott möge mir die Gnade schenken, dir eine recht gute Frau zu sein. – Es wird doch recht sonderbar sein, wenn ich auf einmal deine „Frau“ heißen werde, und so aus allen gewohnten Verhältnissen herausgetreten und in einen anderen Boden verpflanzt sein werde! Wir gingen heute Abend ein wenig aus, und ich mußte mich auf einmal fragen, wie wird es mir denn vorkommen, wenn ich aus meiner lieben, schönen Heimat soll fortgehen soll? Sei nicht böse, daß ich dir dieses so erzähle, ich hoffe ja doch, auch meine neue Heimat bald schön zu finden. Für heute aber gute Nacht, mein Lieber, ich bin müde. – 13.Jänner ¾ auf 8 Uhr früh. Ehe ich an mein heutiges Tagewerk gehe, will ich nur noch ein weniges mit dir plaudern, und rufe dir einen fröhlichen, guten Morgen zu. Zu dieser Stunde freute ich mich bei deinem Hiersein schon immer, dir den Morgengruß bieten zu können, und wenn wir so beisammen saßen am Frühstückstische, stellte ich mir immer vor ich sei schon deine Frau.- - Da wir im Zeitalter der Arbeitstheilung leben, ist es nicht mehr als billig, wenn wir uns dereinst auch in die Correspondenz theilen, mir kommt aber vor, du willst mir da den Löwenantheil zukommen laßen, weil du schon wiederholt sagst, daß ich so ziemlich den ganzen Briefwechsel werde übernehmen müßen. – Im Liebesfrühling [Gedichtsammlung] fand ich schon recht viele wunderliebe Gedichte, daß manche ein wenig überschwänglich sind, ist nicht zu läugnen [!], namentlich sind manche sehr kühne Wörterverbindungen wie: empfindungsblütenweich u.a. mehr, die zuweilen den Eindruck des Schwülstigen machen. Dagegen Damit versöhnen aber die oft reizend einfachen Gedichtchen. Ich kam noch nicht dazu, Lida das Gedichtchen zu zeigen. Wir kommen überhaupt jetzt wenig zusammen, das gehört auch zum Loslösen. Mama Zeller geht wieder aus. Doch wie heißt es: „Nähe, nähe und nähe, Stunde um Stunde fein“ [Ausstattung nähen], darum behüte dich Gott und hab mich lieb! Deine treue Fanni. – Großmutter grüßt. – [oben verkehrt:] Besten Dank für die Briefmarken, ich werde dieselben morgen abliefern.
Brief von FANNI SCHLEGEL (Nr.19) an FRANZ SPÄNGLER (Nr.18): Herrn Doctor Franz Spängler kk. Gerichtsadjunkt in Mödling bei Wien [LIX erh 18/1 beantw 19/1 1872]: Salzburg, 16.Jänner 1872. ½ 9 Uhr Ab[en]ds. Mein lieber Franz! Wir hatten heute wieder einmal seit so vielen Wochen bei Zeller französische Conversation. Dadurch kam ich später zum Abendessen und fange ich nun erst diesen Brief an. Und doch will ich heute noch fertig schreiben, sonst komme ich morgen Vormittag zu keiner Arbeit. In Anbetracht, daß nun keine 3 Monate mehr bis zu unserer Hochzeit sind, muß ich aber meine Zeit gehörig zu benützen suchen. Auch ich empfinde oft genug das „Übergangsstadium“ zuweilen auch mit Fieberanfällen wie z.B. heute früh, wo ich mich wieder, ich weiß eigentlich nicht recht vor was, „fürchtete“. Als ich deinen lieben Brief erhielt, beruhigte sich das Fieber wieder. Dank der reichlichen Beschäftigung die ich stets finde, kann ich nicht sagen, daß mir die Zeit langsam vergeht, doch das wäre schon recht schön, wenn wir uns öfters sehen und sprechen könnten. Da haben es Emma und Albert gut, die kommen jetzt doch fast jede Woche ein oder 2mal zusammen. Freilich haben sie eine so lange Zeit hinter sich, wo sie sich auch nur selten sahen! Wie viel hätten wir doch zu besprechen. Ich habe es in diesem Punkte besser als du, weil ich wenigstens über Einiges mit der Großmutter sprechen kann, freilich geht es dabei nicht immer ohne Meinungsverschiedenheiten ab. Wer doch nicht so leicht die Geduld verliere! Aber ich! Sollten sich die von dir erwähnten Fragen nicht schriftlich erörtern lassen? Ich weiß zwar selbst nur zu gut, wie man manches gerne sagen würde, wozu man schriftlich nicht kommt. Wir müßten uns das eben auf später vorbehalten. – Sonntag war ich mit Emma, Ludwig und Mama in Hallein. Albert ist sehr lustig, scheint auch schon einige Patienten zu haben. Wir waren auch in der künftigen Wohnung, da sieht es freilich noch ziemlich trostlos aus. Es müßen noch Öfen gese[t]zt und 3 Zimmer tapeziert werden, doch hoffen sie doch bis gegen Ende Februar fertig zu werden. – Emmas [Seehofer] Hochzeit bestimmt den Zeitpunkt unserer Wiener Reise. Ich wollte, es wäre schon Alles eingekauft! Da werden wir auch wieder einige schöne Tage mitsammen verleben, doch so ruhig und ungestört wo[h]l kaum wie die Woche von Weihnachten bis Neujahr. Es wird aber auch hübsch sein, wenn so Eins ums Andere in unsere neue Wohnung geschafft wird. Hast du schon einen Ball besucht. [?] Auf das Salzburger Kränzchen wirst du gewiß gehen. Ich befinde mich ganz zufrieden, daß ich heuer keinen Ball zu besuchen brauche, da nähe ich schon viel lieber Ausstattungsachen. War mein Brief bis hierher nicht sehr poetisch, so muß ich doch noch etwas von rechter Alltagsprosa beifügen. Großmutter läßt dich nämlich ersuchen, du möchtest dich doch erkundigen, wo und ob man in Mödling Sch frisches Stroh zum füllen der Strohsäcke bekommt. Sie meint deine Wirthin könnte wo[h]l etwas Auskunft geben. In meiner Lektüre will ich regelmäßig fortfahren, schade daß wir nicht zusammen lesen können. Doch ich schließe nun, bitte behalte lieb deine treue Fanni. – Großmutter grüßt.
Brief von FANNI SCHLEGEL (Nr.19) an FRANZ SPÄNGLER (Nr.18): Herrn Doctor Franz Spängler kk. Gerichtsadjunkt in Mödling bei Wien [LX erh 22/1 beantw 23/1 1872]: Salzburg, 20.Jänner 1872. 1/4 nach 8 Uhr Ab[en]ds. Mein lieber Franz! Ich freute mich sehr über deinen lieben Brief und danke dir recht sehr für denselben. – Die Mitheilung, daß dein Honorar für die Vorlesungen erhöht wurde berührte mich ganz angenehm, und ich wünsche aufrichtig, daß die Frage der Erhöhung des Gehaltes in eben so befriedigender Weise gelöst werde. Ich meine, je mehr, desto besser, obgleich ich auch mit unserer dermaligen Einnahme ganz zufrieden bin, und hoffe, unsere Finanzen werden hübsch in Ordnung bleiben. – Ich werde mich schon recht zusammennehmen, dir unser „Daheim“ so recht behaglich werden zu laßen, damit der Vergleich mit deiner jetzigen Lebensweise dereinst zu meinen Gunsten ausfalle. – Was das „Herabblicken“ auf das Treiben des Carnevals betrifft ergeht es mir ganz so wie dir. Im vergangenen Winter tanzte ich ganz gerne und ziemlich viel, und nun liegt mir der Gedanke, einen Ball mitzumachen so ferne als ob ich niemals von der Drehkrankheit wäre befallen gewesen. Wie sich die Zeiten ändern! Solltest du das Salzburger Kränzchen besuchen, und dort vielleicht Minna Lorinser treffen, so grüße sie von mir, sie soll mir einmal schreiben! Es ist sehr lieb von dir, daß du neulich, anstatt zu tanzen dich in Gedanken mit mit[r] beschäftigtest, doch fürchte ich, deine Bekannten werden von dir sagen „der ist je[t]zt auch unter die Philister gegangen“. Am Ende denken sie, dein künftiges Hauskreuz wäre so kindisch, dich ungerne in heiterer Gesellschaft zu wißen, das dürfen sie nicht glauben!! Ich bin heute schon so schläfrig und werde morgen die Vormittagsstunden benützen um fertig zu schreiben, gute Nacht, gute Nacht du Lieber! - 21.Jänner ¼ nach 9 Uhr Vorm[ittags]: Vor Allem etwas sehr Wichtiges. Ich habe die Ehre, mich hiermit als eigenberechtigt erklärt vorzustellen. Somit wäre ich also unabhängig von der väterlichen Gewalt geworden und zur uneingeschränkten Herrin meines etwaigen Vermögens avanciert. Le[t]zteres ist aber wie dir bekannt nicht eben bedeutend und daher mag es wo[h]l kommen, daß die Leute sich nicht besonders um meine neue Würde kümmern. Schritt um Schritt nähern sich die Vorbereitungen unserer Verbindung ihrer Vollendung. Am Freitag wurde Frau Pippan feierlichst in Kenntniß gese[t]zt, daß sie das Glück haben wird, mein Brautkleid anzufertigen. Das ist doch ein großer Schritt, nicht wahr? Meine Reisekleid ist bereits fertig. Mit Hülfe der Näherin wird dermalen Verschiedenes zu Hause gemacht und mit Vergnügen sehe ich wie „der Speicher sich füllt mit köstlicher Habe[„] und „Sammle im reinlich geglätteten Schrein die schimmernde Wolle, den schneeigen Lein“. Die arme Großmutter aber denkt mit immer schwererem Herzen an die Zeit, wo ich sie verlaßen werde. Dabei tröstet sie wo[h]l wieder der Gedanke, daß sie mich hoffentlich recht zufrieden an deiner Seite sehen wird. Wenn sie nur Jemand zu sich nehmen möchte, doch davon will sie Nichts hören. Was deine Einladung zu Emmas [Seehofer] Hochzeit betrifft, habe ich gar nichts gehört. Wärst du hier so zweifle ich nicht daß man dich laden würde, so aber glaube ich nicht, daß dir eine Einladung zukömmt, da Emma immer sagt, es werden möglichst wenig Gäste geladen und die ganze Hochzeit sehr still gefeiert werden. Sobald Emmas Hochzeit bestimmt ist wird sich auch die Zeit unserer Wiener Reise feststellen laßen, und werde ich dir dieß sogleich mittheilen. Ich bin dafür, die Reise nicht zu sehr hinaus zu schieben, weil es darauf noch Allerlei zu machen giebt, und weil man doch Manches vielleicht nicht sogleich bekommt, und es daher in Wien bestellen muß. – Vielleicht ist je[t]zt über 4 Wochen der Tag unserer Abreise schon nahe. Auf der Fahrt nach Wien werde ich sicher auch tüchtiges Fieber bekommen. Aber es wird schön sein, wenn ich dich am Perron werde XXX sehen und begrüßen können. Ich freue mich schon recht darauf! Es ist nun auch ziemlich bestimmt, daß unsere Hochzeit beim „Erzherzog Karl“ gehalten wird. Ich bin damit sehr zufrieden. Siehst du, die Vorbereitungen nehmen immer bestimmtere Gestalt an. – Da du, wie du schreibst, heute einen längeren Brief an mich beginnen wirst, freue ich mich schon am Mittwoch recht viel von dir zu hören. Mittwoch den 17. waren wir Nachmittags bei deiner Schwägerin Luise [Spängler], dein Bruder [Otto] trug mir viele Grüße auf, er hofft, dich bald wieder in Wien zu sehen. Ich danke dir für das Verzeichniß der Gedichte, ich werde jeden Abend das von dir genannte Gedicht lesen. Bisher hat mir von Allen die ich gelesen am Besten gefallen „O wärst du krank, daß ich dich könnte pflegen u.s.f. [und so fort] – Einen Unterhaltungsabend werde ich im Laufe dieses Carnevals doch wahrscheinlich mitmachen. Ludwig kündigte nämlich Lida und mir an, daß wir zum Unterhaltungsabend des Kaufmännischen Vereines geladen werden und er sehr böse wäre, wenn wir der Einladung nicht Folge leisteten. Es wird am 5.Februar im Mirabellsaal ein Theater aufgeführt werden, wahrscheinlich wird später getanzt. Lida und ich nehmen uns aber fest vor, vor dem Tanzen fortzugehen. Du hast hoffentlich Nichts dagegen, wenn ich hingehe? – Gestern war Juristenkränzchen, ich bin neugierig was mir Lida erzählen wird. Ich schließe nun mit der Bitte, behalte lieb deine treue Fanni. – Ich freue mich schon auf deinen nächsten Brief! Großmutter grüßt dich. - „Minna Lorinser“: in den Briefen seit September 1871 mehrfach erwähnt, ist eine Schulfreundin von Fanni, jetzt in Wien. Der Vater ist Arzt und betreut später die Spänglerkinder. – „Lida“: Lida [verh.] Guttenberg, eine enge Freundin von Fanni, in vielen Briefen seit 1860 genannt.
Brief von FANNI SCHLEGEL (Nr.19) an FRANZ SPÄNGLER (Nr.18): Herrn Doctor Franz Spängler kk. Gerichtsadjunkt in Mödling bei Wien [LXI erh 26/1 beantw 27/1 1872 geschr. 28/1]: Salzburg, 24/1 1872. 8 Uhr Ab[en]ds. Mein lieber Franz! Im Laufe des ganzen heutigen Tages freute ich mich auf die Abendstunde, wo ich der mir so sehr lieben Pflicht nachkommen, und dein Schreiben, deine Zeilen beantworten kann. Wie oft sich meine Gedanken mit dir beschäftigen, kann ich kaum sagen. Führt meine je[t]zige Beschäftigung mich immer auf den uns bevorstehenden wichtigen Schritt hin, so ist es natürlich daß ich mir oft und oft ein Bild meiner neuen Heimat, meiner neuen Lebensweise ausmale, und den Mittelpunkt in diesem Gemälde bildet allezeit mein lieber „Pedant“, dem ich so gern alles recht nach Wunsch und zur Zufriedenheit machen möchte. Besonders möchte ich schon je[t]zt all‘ die ernsten, ja trüben Gedanken verjagen können, die ihn je[t]zt öfters zu überkommen scheinen und denen ich hiermit ernstliche Fehde ankündige. Die „Fieberanfälle“ gehören zwar noch nicht zu den überwundenen Standpunkten und manch liebes Mal tritt mir der ganze Ernst des nahenden, wichtigen Momentes vor die Seele, doch ebenso oft schaue ich freudigen Mutes auf den Augenblick hin, wo unser Bund unauflöslich besiegelt, mein Geschick dem deinen für immer wird geeint werden. O, daß ich dir das werden möchte, was du erwartest! Ich betrachte die noch übrige Zeit bis zum April wie eine Frist der Vorbereitung und möchte gern noch manches Mangelnde ergänzen, manches Versäumte nachholen. Daß du zur Zeit deiner le[t]zten Anwesenheit hier mehr dich überzeugtest, daß meine Gegenwart von erheiterndem und wo[h]ltätigen Einfluß auf dich ist, macht mich so glücklich. Siehst du, auch in mir befestigte sich die Überzeugung, daß wir, wenn der liebe Gott seinen Segen giebt, ganz gewiß recht füreinander passen werden. – Wie du dazu kommst, dir über Manches aus deinem Leben „Vorwürfe“ zu machen, kann ich nicht einsehen. Dank deines XXX mir bewiesenen Vertrauens glaube ich die Hauptpunkte deines bisherigen Lebens ziemlich zu kennen doch wüßte ich nicht, was hiervon dir zum Vorwurf werden könnte. Mir scheint, da kommen Grillen zum Vorschein, gegen welche ich werde zu Felde ziehen müßen. Auch daß du mit allzu strenger Auffassung deiner Pflichten dich quälst, kann ich nicht gut heißen, denn wenn du an dich solche ernste Anforderungen stellst, muß ich ja fürchten, du werdest auch erst mein Schreiben mit gar zu kritischen Augen betrachten und dieser Gedanke könnte eine ganze Kette von Fieberanfällen bei mir zur Folge haben, und das willst du doch sicher nicht. Ich achte gewiß getreue Pflichterfüllung als eine Tugend, die Jedes sich aneignen sollte, aber ich meine, wir dürfen aus der Pflicht, die uns obliegt, nicht eine Last machen die uns drückt. Doch nun zu etwas Anderen. Es scheint die Mödlinger Luft für Verlobungen ja ganz besonders ersprießlich zu sein, und daß die Mödlinger Mädchen mit euch Allen unzufrieden sind, ist ihnen wahrlich nicht zu verdenken. Die werden, wenn so jeder sein Bräutchen heimführt, wo[h]l ein wenig die Nase rümpfen und denken: nun, Engel sind anderswo auch gerade nicht, daß es dafür stände die Frau und den Herrn zu holen. Für kommenden Sanmstag wünsche ich dir recht gute Unterhaltung, und wenn du mit einer recht guten Tänzerin tanzest, so mache für mich extra eine Tour im Saale! Ob wir den Unterhaltungsabend besuchen, steht noch gar nicht fest. Fester aber der Entschluß nicht zu tanzen bei dieser Gelegenheit. Es ist nämlich am 6.Febr: Casinoball und da will Lida nicht am Abend vorher auch tanzen und ich habe gar keine Lust dazu. Ich danke dir herzlich für das Wort: „ich weiß, daß ich keine Ursache zur Eifersüchtelei habe“ u.s.f. Nein gewiß, die hast nicht! Und ich habe dir so schon gesagt, ich habe kein Talent zur Eifersucht. Ich bin schon so neugierig, wann wir nach Wien kommen. Großmutter spricht von einem Aufenthalte von 8 bis 10 Tagen. Ich freue mich schon, wenn wir uns wiedersehen werden! Für Minna habe ich nicht weiters zu entrichten. Wenn wir nach Wien kommen werden wir jedenfalls dort Besuch machen und Minna in aller Form zur Hochzeit laden. – Denke dir, Lidas Eltern werden Minna für die Zeit unserer Hochzeit einladen. Mich würde es schon recht freuen, wenn Minna dabei wäre. Neulich habe ich Lida schon gebeten, daß sie mir am Tage der Trauung beim Ankleiden hilft, was sie mir auch versprach. Dermalen kann ich mit vollem Rechte sagen: Petit à petit l’oiseau fait son nid /:diesmal nicht nied:/ denn bei uns werden gerade die mir gehörigen Betten gefüllt. Den Schatz der von dir empfangenen Briefe habe ich lange nicht mehr nachgezählt, willst du vielleicht warten, bis das Hundert voll ist?- - Ich habe Heideprinzeßchen schon ausgelesen, ich war nicht überrascht daß Leonore endlich doch den „uralten[„] Mann heirathet, das müßte nicht die Marlitt geschrieben haben, wenn die zwei am schroffsten gegenüberstehenden Charaktere nicht ein Paar würden. Aber zu alt ist Erich jedenfalls. Ich bin neugierig auf die neue Erzählung, von welcher ich heute die 2.Nummer erhielt. – Gestern war Leseabend, wo „Tasso“ [Goethe] gelesen wurde. Lida las die Prinzeßin, Emma die Leonore, Ludwig [Zellner] den Tasso, Mama den Alphons und ich den Antonio. Wir kamen bis zum IV.Acte, nachdem wir anfangs schrecklich kindisch gewesen waren. – Nun aber gute Nacht, behalte lieb deine Fanni. – Großmutter grüßt.- „Marlitt“: Eugenie Marlitt (1825-1887), Verf. von Romanen und Novellen im (trivialen) Stil der Zeitschrift „Gartenlaube“; Roman „Das Heideprinzeßchen“, 1872 [! wahrscheinlich schon vorher in Fortsetzungen erschienen].
Correspondenz-Karte von FANNI SCHLEGEL (Nr.19) an FRANZ SPÄNGLER (Nr.18): Herrn Doctor Franz Spängler kk. Gerichtsadjunkt in Mödling bei Wien [LXII erh 30/1 beantw mit LXIII 31/1]: Salzburg am 29 Jänner 1872. 1 Uhr Nachmittags. Ich habe heute früh den gestern erwarteten Brief und Mittags den 2. sammt Einschluß empfangen. Abends werde ich ausführlich antworten, für je[t]zt herzlichen Dank sowie den Ausdruck vollster Zufriedenheit sammt 1,000 Grüßen. FSch. – Aufgegeben um ½ 6 Ab[en]ds:
Brief von FANNI SCHLEGEL (Nr.19) an FRANZ SPÄNGLER (Nr.18): Herrn Doctor Franz Spängler kk. Gerichtsadjunkt in Mödling bei Wien [LXIII erh. u beantw 31/1]: Salzburg, 29 Jänner 1872. 8 Uhr Ab[en]ds: Mein lieber Franz! Dein lieber Brief machte mir große Freude und ich danke dir herzlichst dafür. Daß ich dießmal wieder einen Tag länger auf denselben warten mußte, wirst du bereits durch die Correspondenz-Karte erfahren haben, ebenso wirst hast du vielleicht schon errathen, daß ich zerstreutes, vergeßenes Ding dieselbe aufzugeben unterließ, bis ich Abends vom Eise heimkam, welches dermalen ausgezeichnet ist und auf welchem Lida u. ich heute fast 3 Stunden zubrachten. Für den zweiten Brief danke ich dir ebenfalls, es ist ein Zeichen großer Aufmerksamkeit deinerseits, mir ein Ballandenken zu schicken, die Blumen werde ich sorgfältig aufheben, die kleinen Landleutchen [Figuren] eben so gut als möglich an den Aufenthalt in der Stadt zu gewöhnen suchen. Ich hoffe dabei um so sicherer auf günstigen Erfolg, als dieselben heiteren Gemütes und frei von jeder Anlage zum Heimweh zu sein scheinen. – Beim Cotillon unterhieltest du dich gewiß recht gut, Brautpaare sollen denselben jederzeit sehr angenehm finden. Heute über 10 Wochen zu dieser Stunde haben uns die Dampfrosse vielleicht schon an unser erstes Reiseziel geführt, da haben wir, so Gott will noch verschiedene, in Aussicht stehende Fieberanfälle glücklich hinter uns, und freuen uns der Gewißheit, einander für immer anzugehören. Bis dahin aber bitte ich dich innigst, durch trübe Stimmungen dich nicht beherrschen zu laßen oder dich gar mit grundlosen Vorwürfen zu quälen. Fehler haben wir gewiß Beide, und du XX wir sind ja eben Menschen, mit menschlichen Schwachheiten und Irrthümern, und wir thun gewiß Beide gut, in unseren Anforderungen hübsch Maas zu halten. Auch an das Leben wollen wir keine zu großen Ansprüche machen, sondern bescheiden dankbar die frohen und mit Gleichmut und möglichster Seelenruhe die trüben Stunden hinnehmen, und des schönen Wortes gedenken „Getheilte Freud ist doppelt Freude, Getheilter Schmerz ist halber Schmerz.“ Wann Antonio seine Rolle ausspielen wird, weiß ich noch nicht. Sollte die Antonio-Rolle sich einmal in’s Leben hinüberspielen müßen, so hoffe ich, heiterere Waffen gebrauchen zu können, und hoffe auch, keinen dem wirklichen Leben so hilflos gegenüber stehenden Charakter vor mir zu sehen, wie er im Tasso geschildert ist. – Auf deine Frage, wie es bei Zeller geht und wie meine Eltern und Großmutter sich befinden, kann ich dir sagen, daß bei Z[eller]. Alle ziemlich wo[h]l sind auch Fr: Wahl, von Stiebitz [Stipitz] hörte ich lange nichts mehr. Auch meine gute Großmutter ist gottlob wo[h]l, sie findet nur die Zeit bis April schrecklich kurz. Meine Eltern grüßen dich herzlich. Vater war dieser Tage nicht ganz wo[h]l und die arme Mutter [Stiefmutter; Fanni lebt bei der Großmutter] ist sehr traurig weil am Freitag mein kleinstes Schwesterchen, Bertha nach 8 tägiger Krankheit gestorben ist. Wer mit so namenloser Liebe an den Kindern hängt, wie meine Mutter, fühlt solchen Verlust gewiß schmerzlich genug, wenn auch die Kinderschaar immer noch groß genug ist. Richard [Fannis Halbbruder] hofft im Februar frei zu werden in der Buchhandlung. – Denke dir, am Donnerstag bekam ich schon Hochzeitsgeschenke und zwar von Mama Zeller zwei sehr schöne Battisttücher und von Lida u. Emma zusammen eine wunderhübsche Schreibtischeinrichtung, ein längst gesagter stiller Wunsch von mir. Das wird eine schöne Zierde für unsere Wohnung sein. Wann Emmas Hochzeit ist weiß ich noch immer nicht doch hoffentlich Ende Februar. Dann heißt es bald auf Wiedersehen. Es freut sich sehr darauf deine Fanni. – Großmutter grüßt.
Brief von FANNI SCHLEGEL (Nr.19) an FRANZ SPÄNGLER (Nr.18): Herrn Doctor Franz Spängler kk. Gerichtsadjunkt in Mödling bei Wien [LXIV. erh. 3/2 beantw 4/2 1872.]: Salzburg, 1. Februar 1872 ¼ nach 1 Uhr: Mein lieber Franz! Es ist ein ganz besonderer Gnadenakt, daß Großmutter mir erlaubt, mitten am Tage an diesem Briefe zu schreiben. Meist kann ich dir ja nur Abends schreiben, und da werden die Briefe eben kürzer. Einige Punkte deines le[t]zten Schreibens will ich nachträglich beantworten. Vorerst danke ich dir bestens für die lieben Zeilen, die ich heute gegen 12 Uhr zu meiner freudigen Überraschung vor dir erhielt, sowie für die beigelegten „Frühlingsboten“ die mir sagen, daß du immer und überall mit liebevoller Aufmerksamkeit an mich denkst. Könnte ich dir sagen, wie glücklich der Gedanke an deine Liebe mich macht! Ich hoffe wenn wir erst vereint sein werden, mich deiner Liebe auch wert zeigen zu können, und dir eine gute Gefährtin zu sein, wenn du mich erst „geholt“ haben wirst. Ob ich auch gerne mitgehe? fragst du, auf diese Frage werde ich gar keine Antwort geben, du Böser! – Ob wir dazu geboren sind, einander anzugehören oder ob Gott uns dazu erkoren hat, wer beantwortet dieses [?]. Soviel aber weiß ich, daß ich recht sehr zufrieden bin, daß Alles so gekommen ist. Gott schenke uns allezeit, daß wir miteinander zufrieden sind. Du hast Recht, ich bete gewiß täglich für dich, mein Lieber und erflehe alles Gute und Schöne für dich! Wie oft in mein Beten der Gedanke an unsere Zukunft sich verwebt kann ich nicht schildern, oft vermag ich schwer zu unterscheiden, wo Gebet und Träumereien sich abgrenzen. Besonders früh in der hl: Messe beginne ich oft mein Gebet und auf einmal wird mir bewußt, daß meine Gedanken weitab schweiften, daß sie eben bei dir waren. Und doch glaube ich nicht, daß solches Unrecht ist, es sind ja lauter gute, liebevolle Gedanken, die mich so beschäftigen, manchmal freilich kommt auch die helle Prosa dazu. – Nun aber muß ich zur englischen Conversation. Erst Abends werde ich weiter schreiben können, weil wir dann später bei uns französische Conversation haben, da müßen die fremden Sprachen doch gedeihen! Diesen Monat werde ich die englische Stunde noch nehmen, doch dann höre ich auf. Lebe wo[h]l und hab mich lieb! – ¾ auf 8 Uhr - Nun zur Fortsetzung! Englische u. französische Conversation sind vorbei, le[t]ztere artete wieder einmal stark in eine deutsche aus, nur Anfangs wurde französisch gesprochen. Heute überreichten Lida und ich unser Hochzeitsgeschenk an Emma, nämlich ein Fotografiealbum in mattem schwarzen Leder, welches Emma recht zu freuen scheint. Wie herzlichst wünschte ich, auch für Lida bald ein Hochzeitsgeschenk wählen zu dürfen! Sollte gerade Lida nicht für jenes schöne Ziel geschaffen sein, welches die wahre Bestimmung des Weibes ist. Sie hat doch gewiß alle Eigenschaften, eine liebe Frau zu werden, und wie viele Vorzüge schmücken sie! Ich gebe mich aber doch der Hoffnung hin, daß nicht der eine unerfüllt gebliebene Wunsch, den sie so lange gehegt, ein ganzes Leben ohne Liebesglück mit sich bringen wird, doch genug hievor, seinerzeit will ich dir schon das Nähere mittheilen. Vorgestern war Emma wieder in Hallein, in ihrer Wohnung ist doch schon ziemlich viel fertig und wird nächstens auch ihr Hochzeit[s]tag festgesetzt, jedenfalls in den le[t]zten Tagen dieses Monates. Somit kämen Großmutter und ich in den ersten Tagen des März nach Wien. Also in 4 Wochen so Gott will, sehen wir uns wieder! Dann wollen wir wieder einige recht schöne Tage mitsammen zubringen. Und wie viel es zu thun wird geben! Ob es dafür steht [sich lohnen], daß du für den einen Monat in unsere Wohnung ziehst, weiß ich aufrichtig gesagt nicht recht. Ich verkenne gewiß nicht, daß es schade ist gleichzeitig für beide Wohnungen zu bezahlen, doch es geschieht ja hoffentlich nicht wieder, daß wir so lange im Voraus eine Wohnung miethen müßen. Um nicht zu vergeßen, muß ich dir gleich mittheilen daß unsere Bettstellen [Bettgestell] schon ausgesucht sind und die Federmatratzen eben beim Tapezierer Becker angefertigt werden. Wenn dieselben gemacht sind, werden sie freylich nach Mödling geschickt, wahrscheinlich Mitte Februar. Ich bitte dich dafür mir genau zu schreiben wie ich die Adreße machen laßen soll. Natürlich muß die Sendung gleich in unsere Wohnung befödert werden. Siehst du, je[t]zt kriegst du auch schon zu thun, mit der Hauseinrichtung. Die geblümte Garnitur ist noch nicht angerührt worden. Großmutter sagt, sie will erst sehen, wie sie in Wien die Möbel findet, vielleicht kauft sie dann doch Alles [für Fanni] ein und behält die [eigenen] Möbel. Was die Polsterung der Möbel betrifft, muß man eben in ein möglichst solides Geschäft gehen und sich irgendeine Garantie über für die Güte der Arbeit zu verschaffen suchen. Übrigens ist es häufig eine Nachlässigkeit der Frau, wenn die Motten sich einnisten, mit gehöriger Sorgfalt kann man dieselben schon fernhalten. Bei uns ist noch vollständiger Winter, und ich wünsche lebhaft daß sich bis zur Winter-Reise mildes Wetter einstelle. Von meiner Ausstattung ist allerdings das Meiste fertig, ein Theil ist sogar schon gewaschen doch geht noch gar Manches ab, und das unbenützt Liegen ist nicht so gefährlich! Für Emmas Hochzeit muß ich mir auch noch eine Toilette [Kleidung] besorgen, denke dir sie werden wahrscheinlich im Dom getraut. Da werde ich schon recht gut zusehen, damit ich weiß wie ich mich anzustellen habe. Woran ich etwa bei Emmas Hochzeit hauptsächlich denken werde, kannst du es errathen? Wenn ich, wie z.B. heute für die Conversation so Allerlei im Hause herzurichten habe, so komme ich mir zuweilen schon ganz „hausfraulich“ vor, und male mir dabei aus, wie ich in unserem Haushalte herumwirthschaften werde. Lache mich nicht aus, wenn ich dir sage, daß ich schon Allerlei ausdenke, wie ich es dann einrichten werde. Wenn unser kleines Heim erst ganz geordnet sein wird, das wird doch hübsch werden, hoffentlich gefällt es dir dann auch recht gut. Daß du neulich in der beschriebenen Art über mein einstiges Dichten gesprochen [hast], bin ich dir sehr dankbar, ich bin auch recht froh, daß du das Abgeschriebene nicht zeigen konntest. Die Poesie in dieser Form hat für mich ein Ende gefunden und die Prosa des Lebens ist vollgi[ü]ltig geworden. Man sollte denken, die schöne Brautzeit müßte die erlahmte Poesie wieder ein wenig flügge machen, allein dem ist nicht so und wenn es auch innen wie ein Lied aufklingen möchte, es finden sich keine Worte dazu. Du mußt schon mit einer Frau vorlieb nehmen, die ihren Empfindungen nur in einfachster Weise Ausdruck zu geben vermag. Mit rechter Freude höre ich, daß du ein ganz neues Feld der Thätigkeit betreten hast indem du unter die XXX „von der Feder“ gegangen bist. Weißt du, das wird einmal recht schön sein, wenn du zu Hause irgend eine Arbeit schreibst, und ich still an deiner Seite mich beschäftige! Vielleicht stellst du mich zule[t]zt erst noch als Schreiber an! und diktierst mir. Aber nichtwahr dießmal bin ich brav, und habe viel geschrieben! Ich freue mich schon sehr auf dein nächstes Schreiben. Behüt dich Gott die Lieber es grüßt dich 1000 mal deine treue Fanni. – Großmutter u. meine Eltern grüßen.
Brief von FANNI SCHLEGEL (Nr.19) an FRANZ SPÄNGLER (Nr.18): Herrn Doctor Franz Spängler kk. Gerichtsadjunkt in Mödling bei Wien [LXIV. erh. 6/2 beantw 7/2 1872.]: Salzburg 5/2 1872 ½ 6 Uhr Ab[en]ds. Mein lieber Franz! Daß dein lieber Brief dießmal nicht sehr umfangreich sein werde, hatte ich vermuthet da ich an den Salzburger Abend gedacht hatte, wo du gewiß in Wien übernachten würdest. Nichts desto weniger danke ich dir bestens für deine lieben Zeilen und gehe an rasche Beantwortung derselben, damit du schon Morgen meinen Brief bekommst. Da wir heute den Unterhaltungsabend d. kaufmännischen Vereines besuchen könnte ich nicht wie sonst später am Abend an dich schreiben und du wirst entschuldigen müßen, wenn meine Epistel dießmal kurz wird. Vor Allem muß ich lobend anerkennen daß dießmal der Weg vom Salzburger Abend nicht über das Cafehaus führte, sondern mein verehrter Herr Bräutigam hübsch solid nach Hause ging. Die Ausstattungsarbeiten schreiten wacker fort, es wird nicht mehr lange dauern, bis die erste Sendung nach Mödling kommt. Natürlich werde ich dich davon benachrichtigen. Ich bin froh, daß ich doch je[t]zt unsere Adreße weiß. Wie oft male ich mir unser Heim aus. Je[t]zt wirklich unser Heim seit 2.Feb: Wenn in der Wohnung zu ebener Erde auch ein junges Ehepaar kommt, können wir sehen, welche von den beiden Frauen zuerst ihren kleinen Haushalt recht in Gang bringen wird. Es wäre hübsch, wenn die künftige junge Frau vielleicht ein angenehmer Umgang für mich wäre. Um nicht zu vergeßen, meines Vaters Namenstag ist am 3.April. Da werden wir hoffentlich mitsammen gratulieren. – Emmas Hochzeit ist also auf den 26.Februar festgese[t]zt und ich hoffe daß wir in den le[t]zten Tagen dieses Monats oder spätestens in den ersten Märztagen nach Wien kommen. Also auf baldiges Wiedersehen! Mir scheint immer du willst uns wirklich holen! zur Probe vonr dem wirklichen Leben „Holen“. – Doch nun muß ich schließen Großmutter läßt mir keine Ruhe mehr. – Ich freue mich schon sehr auf einen Brief lebe wo[h]l und behalte mich lieb deine Fanni. – Großmutter grüßt.
Brief von FANNI SCHLEGEL (Nr.19) an FRANZ SPÄNGLER (Nr.18): Herrn Doctor Franz Spängler kk Gerichtsadjunkt in Mödling bei Wien [LXVI. erh. 10/2 beantw 11/2]: Salzburg, 9.Februar 1872. 1 Uhr Nachm: Mein lieber Franz! Du hast meinen Bücherschatz wieder mit einer schönen Gabe bereichert, tausend Dank dafür mein Lieber, so wie auch für deinen lieben Brief! Deine Güte hat mich schon so verwöhnt, daß ich gestern den ganzen Tag mit ziemlicher Sicherheit auf das Erscheinen des Postboten wartete und es mir leid that, als ich umsonst warten mußte. Erst heute früh empfing ich dein Geschenk, noch einmal meinen herzlichsten Dank. Das Buch ist mir nur dem Namen nach bekannt, doch seit ich „Ekkehard[„] gelesen, ist mir der Name Scheffel von gutem Klang. Soeben hat Großmutter unsere Abreise auf den ersten März festgesetzt. Also heute über drei Wochen! Wie lange wir in Wien bleiben werden, hängt von den zu besorgenden Geschäften ab. – Großmutter meint bezüglich deiner Besorgniß wegen unseren Sachen, es wird nicht so gefährlich sein, da man ja Alles verpackt laßen kann, bis Großmutter nach unserer Hochzeit hinterherkommt. Die Kisten mit den Betten und der Wäsche braucht man ja auch noch nicht zu schicken, und wenn die Wohnung gehörig versperrt ist, ist es doch schwer, die Möbel unbemerkt fortzubringen. – Um bei der Prosa zu bleiben, füge ich hinzu, daß man wenigstens hier Anricht u. Schlüßelkorb als zur Wohnung gehörig betrachtet, und du könntest schon die Hausfrau [Vermieterin] ersuchen, die fehlenden Gegenstücke zu besorgen. Das bleibt uns immer, dieselben selbst zu kaufen. Wenn du ohnehin wieder nach Wien fährst, wärst du ja wo[h]l so gut, dich zu erkundigen, ob das Hotel „Zum goldenen Kranz“ auf der Weide noch so ordentlich wie früher ist, und in diesem Falle ein heizbares Zimmer mit zwei guten Betten zu bestellen. Im Jahr 1867 bewohnten wir ein Zimmer im 1.Stock gegen die Gaße, und wenn ich nicht irre zahlten wir pro Tag 1 fl [Gulden] 60 X [Kreuzer] ÖW [? Österreich. Währung]. Meine Großmutter braucht mich je[t]zt und ich schließe und schicke den Brief ab. Abends werde ich dir ausführlicher schreiben. Nun noch so viel: du wirst dich erinnern daß du mir die für jeden Tag treffenden Gedichte aus dem Liebesfrühling [Lyriksammlung], welche ich gewißenhaft lese, bis zu[m] 12.Februar bezeichnet hast, ich bitte, gib mir die bis zu[m] 1.März treffenden bis dahin in deinem nächsten Brief an. – XXX lebe je[t]zt recht wo[h]l. Abends komme ich erst zur Fortse[t]zung. Großmutter u. deine Mutter grüßen dich. Behüt dich Gott. Deine treue Fanni. - „Scheffel“: Victor von Scheffel, „Ekkehard“, Roman 1855.
Brief von FANNI SCHLEGEL (Nr.19) an FRANZ SPÄNGLER (Nr.18): Herrn Doctor Franz Spängler kk. Gerichtsadjunkt in Mödling bei Wien [LXVII erh 12/2 beantw mit LXVIII 13/2]: Salzburg, 9.Februar 1872. ½ 7 Uhr Ab[en]ds. Mein lieber Franz! Am Ende des heutigen vielbewegten Tages komme ich erst zu der versprochenen Fortse[t]zung meines Briefes. Warum heute eine solche Unruhe bei uns war, kann ich eigentlich kaum sagen, genug, bis zu diesem Augenblick kamen wir nicht recht zum Niedersetzen. Nun beginnt es bei uns schon nicht mehr ordentlich zu sein, meine Sachen haben keinen rechten Platz mehr, alles deutet schon darauf hin, daß ich nicht mehr recht daheim bin. So muß einer Pflanze zu Mut sein, die aus der Erde wo sie zuerst ans Licht kam, herausgehoben, und in neues Erdreich verse[t]zt wird. Ich fühle das Loslösen eben immer deutlicher, je rascher der Tag herankommt, der mich fort aus der alten Heimat in eine neue, so Gott will, auch glückliche, führt. Ich bin froh, daß Großmutter neulich den Tag unserer Abreise bestimmt hat, bald werden diese 3 Wochen verstrichen sein, und wir werden wieder beisammen sein. Und bis dahin bleibt mir noch so viel zu thun! Zu allem Überfluß ist unsere Näherin krank geworden, und ich bin recht aufgehalten. Wir besuchten sie heute um zu wißen, wann sie wieder kommen kann. Welch ein Bild der Armut bot sich uns dar! Wenn ich denke, wie so vieles ich für nöthig halte, um einen Haushalt einzurichten, ist es gar ein greller Abstand mit der Existenz so armer Menschen, die tro[t]z aller Mühe und Arbeit nicht so viel erwerben können um in Tagen der Krankheit vor Not gesichert zu sein. Wenn sich mir ein solcher Anblick vor Augen stellt, fühle ich mich beinahe verstimmt und es kommt mir vor, als wäre ich mitten im Überfluß, und viele Bedürfnisse seien nur Zeichen des U[Ü]bermutes. Ich muß dir mittheilen, daß ich schon wieder Hochzeitsgeschenke bekommen habe: von Frau Wahl ein sehr schönes Fotografiealbum und von Fr. von Schlögelhofer eine vollständige Waschtischeinrichtung von weißem Porze[l]lan mit Goldrand. Mir kommt vor, daß H: v. Sch: [Schlögelhofer] darauf rechnete, daß Ida bei meiner Hochzeit ist und so werden wir sie also einladen. Weißt du, Großmutter wünscht es und eigentlich ist es für uns ziemlich gleich. Neulich sagten wir Ida, wir würden sie zur Hochzeit bitten, und wurde die Einladung von der Hochgnädigen huldvollst angenommen und Ida hat sichtlich große Freude. Ich bin schon so neugierig ob Minna kommen darf, ich hoffe es, dann habe ich lauter so schöne Brautjungfrauen daß ich als Braut ganz davor verschwinden werde. Am Ende gefalle ich dir dann gar nicht mehr, wenn die Andern Alle so schön sind? Magst mich doch? Wer mein Brautführer sein wird, weiß ich noch nicht. Willi kommt im Mäerz heraus, da werden wir ja sehen. Warst du wirklich nicht am Salzburger Kränzchen? So viel ich weiß, war Minna [Lorinser] dort, so muß wunderschön auf einem Balle sein. Was meinst du nur immer mit den Andeutungen als wolltest du bald kommen? Willst du uns wirklich holen? Neulich bekam ich eine Gratulation, nämlich vobn Fräulein Schroff [?] in München, der ich neulich unser Bild /:Gruppe:/ geschickt habe, und die von meiner Verlobung noch nichts gewußt hatte, da die Karte an den Stiftsdechant Lohner [?] verloren ging. Frl: Schroff schreibt sehr lieb und ist entzückt von unserm edlen Conterfei. – Es dürfte dich vielleicht interessieren zu hören, daß der le[t]zte Casinoball wozu samm[äm]tliche Offiziere geladen waren, von vielleicht 80 Herren und nur 22 tanzenden Damen besucht war, darunter nur 9 Mädchen. Über die Unterhaltung am 5 Feb: kann ich berichten daß sehr viele Leute [da] waren. Ludwig [Zellner] sprach einen recht hübschen Prolog, Frau Asböck [?] sang zwei Lieder dann trug ein mir unbekannter Herr das Gedicht „Warum“ vor ziemlich trocken. Es war einmal in der Gartenlaube [Zeitschrift]. Ludwig sprach es einmal im Casino wenn du dich vielleicht erinnerst. Dann sang ein Herr den wir ebenfalls nicht kannten, und endlich entlud sich die Deklamiermitrailleuse /:im sonstigen Leben Frl Mitterbacher:/ Sie sprach das Gedicht das Glückshemd Hemd des Glücklichen u. dann im Dialekt „der Séjour im Lade[„]. Zum Schluß kam das Theater. Fräulein Maria Tomaselli spielte ihre kleine Rolle recht gut. Es wurde im Ganzen recht nett gespielt. – Beiliegend schicke ich darüber Programm, damit du siehst welch verlockend[e] Tanzordnung sich anreichte [?]. Wir sahen einem Walzer noch zu und entfernten uns dann. Da siehst du, daß ich der Versuchung des Tanzes nicht unterlag, es wurde mir auch ganz gewiß nicht schwer. – Man will es mir immer nicht glauben, daß ich kein Verlangen nach einem Balle spüre. Ich hätte mich gefreut, wenn du dich am Salzb:[urger] Kränzchen recht gut unterhalten hättest. Mir wäre es auch recht gewesen, wenn du mit Minna über mich gesprochen hättest, ich hoffe, sie würde dir nicht zu viel Übles von mir gesagt haben. Doch nun hoffe ich, daß meine beiden Briefe sich einer recht ausführlichen Antwort erfreuen werden und hoffe auch, du bist zufrieden mit mir. Gute Nacht du Lieber es freut sich auf baldiges Wiedersehen deine treue Fanni – Großmutter grüßt – [quer:] Ich danke dir nochmals für das schöne Buch. - „Wahl“: Ehepaar Wahl genannt u.a. in einem Brief vom 6.12.1871. – „Schlögelhofer“ u.a. in Briefen vom 2.10.1870 und 22.7.1876 genannt. – „Programm“: liegt bei das gedruckte „Programm der Abend-Unterhaltung des Kaufmännischen Vereins in Salzburg Montag den 5.Februar 1872.“ Gespielt wird ein Schwank in einem Akt, „Ein Stündchen auf dem Comptoir“ von S. Haber.
teilweise dazwischen: an FANNI SCHLEGEL, Franziska Spängler (1848-1905; Nr.19), verh. 8.4.1872, von FRANZ SPÄNGLER: 7.2.1872, Brief aus Mödling an Fanny: ... [nicht gelesen] von deinem treuen Franz - 15.2., dito: „Soeben erhielt ich deinen leider sehr kurzen Brief..., Geschenk für Emma, mit Schlüsselkästchen einverstanden [Rest nicht gelesen] - 16.2., Brief aus Salzburg: freuen sich, Großmutter „scheint auch schon getröstet“ [Abschied von der Braut] und freut sich, nach Wien zu fahren. „Denk an mich, wenn du den Golf [Adria] siehst mit seinen zahllosen Schiffen und Kähnen“; waren bei Emma, sie ist glücklich; ...deine MinnaXX - 10.3., Postkarte aus Wien an Fanni Schlegel, Marktplaz Nr.10, Salzburg [Bleistift]: „Durch Umstände, welche ich dir morgen brieflich mitteilen werde, werde ich veranlaßt heute noch in Wien zu bleiben, und muß es daher auch auf morgen verschieben, dir ausführlicher zu schreiben Herzl Grüße dein Dr.F.Sp. [Franz] - 15.3., Brief mit Umschlag und eingedruckter Briefmarke 5 kr., Siegel „F.Sp.“, aus Mödling an „Frl Fanny Schlegel Salzburg Marktplatz No 10 II Stok“: „Meine liebe Fanny! ... [nicht gelesen] dein treuer Franz“ - 19.3. dito [nicht gelesen]
Brief von FANNI SCHLEGEL (Nr.19) an FRANZ SPÄNGLER (Nr.18): Herrn Doctor Franz Spängler kk. Gerichtsadjunkt, in Mödling bei Wien [Franz Spängler: LXVIII erh 13/2 beantw 13/2]; rotes Siegel „F. S.“: Salzburg 12.Februar 1872. 2 Uhr Nach:[mittags] - Mein lieber Franz! Das hätte ich wirklich nicht gedacht, daß ich einen so leichtsinngen Bräutigam habe, es ist nur gut, daß du eine so solide Frau kriegst! /:?:/ Wenn mein heutiger Brief nur kurz wird, so ist übrigens auch ein wenig der Fasching schuld, wir(d) sind nämlich heute bei Zeller geladen, wo[h]l das le[t]zte Mal so lange Emma noch zu Hause ist. – Die Zahl der Gäste bei Emmas Hochzeit wird sehr beschränkt sein, daher glaube ich auch nicht, daß sie dich einladen. Schön wäre es schon gewesen, wenn wir mitsammen den Tag hätten feiern können! So müßen wir aber zufrieden sein, daß wir uns bald in Wien sehen, und in wenigen Wochen für immer angehören werden. – Was das bewußte Geschenk betrifft so bin ich gern bereit, den Einkauf hier zu besorgen, nur bitte ich dich mir so bald als möglich zu sagen wie viel ich beiläufig [in etwa] dafür auslegen darf? – Lida meint, eine elegante Tischglocke wäre nicht übel. (Oder) ein silberner Schlüßelring. Vielleicht erfahre ich heute irgend einen stillen Wunsch von Emma. Ich werde ohnehin bald an Minna schreiben, da will ich mich wegen dem „Kranz“ [Hotel in Wien] anfragen. Minna hat wirklich die Erlaubniß erhalten, zu meiner Hochzeit zu kommen, was mich sehr freut. Minna war am Salzburger Kränzchen und lernte dort Marie Guttenberg kennen, die ihr sehr gut gefällt. Sauter junior scheint dermalen stark für Minna zu brennen, er tanzte den Cotillon mit ihr, du kannst ihn einmal raten, daß er seine Tänzerin so auf Umwegen engagiert. Marie Guttenberg mußte ihm nämlich durch Lida den Cotillon erbitten. – Vor dem ersten März wird Großmutter keinenfalls XXreisen. Wahrscheinlich benützen wir den Postzug jedenfalls fahren wir über Tag. Deinen nächsten lieben Brief, von dem ich hoffe daß er lang sein wird, werde ich ausführlich beantworten. – Meinen Dank für die kleine Haube, ich fürchte, ich werde sie nicht ohne Vergrößerung benützen können. Auch für die Bezeichnung der Gedichte meinen Dank. – Lebe wo[h]l und behalt‘ lieb deine treue Fanni – Großmutter grüßt. – „Marie Guttenberg“: Lida [verh.] Guttenberg ist eine enge Freundin von Fanni; vielleicht die Schwägerin zu Lida.
Brief von FANNI SCHLEGEL (Nr.19) an FRANZ SPÄNGLER (Nr.18): Herrn Doctor Franz Spängler kk Gerichtsadjunkt, in Mödling bei Wien. [LXIX erh 15/2 beantw 15/2] aufgedruckte 5 Kr-Marke, blau-goldenes Papiersiegel „F“: Salzburg 14.Februar 1872. - Mein lieber Franz! Dießmal nur ganz in Eile. Ich will dich nur fragen, ob du mit einem eleganten Schlüßelkästchen für Emma einverstanden wärst? Ich sah eins bei Naumüller aber es kostet 7 fl. [Gulden] 20 X [Kreuzer]. Ich hätte gerne von Silber etwas gehabt, aber Emma hat schon alles Mögliche. Am Freitag kommen Zellers zu uns zum Abschied wenn du Zeit hättest könntest du mir gleich einen Brief für Emma schicken dann könnte ich ihr gleich das Kästchen überreichen. Wenn du einen Schlüßelring von Silber vorziehst, ich sah einen der etwas über 6 fl. kostet, so schreibe mir[.] auch eine Tortenschaufel von Silber schaute ich mir an sie kostet zwischen 6 u. 7 fl: das wären die einzigen GesX Gegenstände von Silber, die ich für Emma wüßte. Also ich bitte um baldige Antwort. – Morgen kommt Hr.v.Schlögelh[ofer]: für Jause [Nachmittagskaffee]: zu uns, da habe ich keine Zeit zum Schreiben. Wegen dem „goldenen Kranz“ [Hotel in Wien] erkundige ich mich noch bei Lorinser. Wann eine Sendung nach Mödling kommt, werde ich dir schon melden. – Nun zum Schluß meinen Dank für den Brief u. dem Vergißmeinnicht, daß du so leichtsinnig bist ist mir ganz recht, da ist es dann mit der Pechenterin [?] nicht so gefährlich. – Behüt dich Gott, nächstens mehr, deine Fanni. – Wenn möglich möchte ich bis Freitag eine Antwort von dir
Brief von FANNI SCHLEGEL (Nr.19) an FRANZ SPÄNGLER (Nr.18): Herrn Doctor Franz Spängler kk: Gerichtsadjunkt in Mödling bei Wien [LXX erh 16/2 beantw 16/2] aufgedruckte 5 Kr-Marke, rotes Lacksiegel [siehe oben] „F“: Salzburg 14. [gleicher Tag wie voriger Brief!] Februar 1872. ½ 9 Uhr Ab[en]ds. - Mein lieber Franz! Obwo[h]l ich vor kaum 2 Stunden einen Brief an dich abschickte, benütze ich doch noch ein freies Stündchen vor dem Schlafengehn, um etwas ausführlicher und geordneter an dich zu schreiben. Die „Hochgnädige“ zu welcher wir um 7 Uhr gingen, war nicht zu Hause, und so kann ich dir schreiben, nachdem ich zuerst an Minna einen Brief schrieb. – Wie ich dir unlängst schon schrieb, geht es bei uns immer geschäftiger zu. Tag um Tag rückt das Ziel näher und immer giebt es Neues zu besorgen und anzuordnen. Am Montag waren wir also noch einmal bei Zeller, wie bald wird der gewohnte Kreis so anders gestaltet sein! Emma ist sehr lieb und vergnügt, ich versprach ihr, wenn wir Beide d.h. du u. ich S sie zur Hochzeit laden, einen ganzen Tag dazu zu verwenden, damit wir ihren Haushalt sehen können, du bist doch einverstanden? Gestern mußte ich lebhaft an den Faschingsdienstag 1869 denken. Gestern soll es recht hübsch im Casino gewesen sein, erzählte mir Lida. – Ich bin beschäftigt mein Kleid zu Emmas Hochzeit zu fabrizi[e]ren. Morgen ist Hr.Laschensky sowie Hr: v. Schlögelh:[ofer] u. Ida bei uns eingeladen Am Freitag kommen Zeller und Plachetka u Hr: Wahl. Wir wollen aber, so lange ich noch hier bin, unsere alten Bekannten noch einmal einladen. Da muß ich Vormittags herrichten. Bald werden die 14 Tage bis zum 1.März vorüber sein, und die Dampfrosse führen mich zu dir du Lieber, das wird wieder ein schönes Fieber werden! während der Reise. Wer hätte gedacht, daß wir unser Versprechen dich in Mödling bei einer allfälligen Wiener Reise zu besuchen, in dieser Weise einlösen werden, und daß diesem Besuch ein Daueraufenthalt folgen werde? Ist es dir recht, daß es so kam? Ich muß schon gleich hinzufügen, ich hoffe ja, sonst machst du mich Böse. Aber daß meine Kranzjungfrauen viel schöner sein werden als ich ist sicher, habe dank, daß du nicht nach dem Äußern allein schautest bei der Wahl deiner Frau. Gott gebe, daß du mich deinen Erwartungen entsprechend findest! Daß wir an unserem Hochzeitstag in feierlicher Stimmung sein werden, bezweifle ich nicht, doch glaube ich auch, daß wenigstens ich ziemlich erregt sein werde. Bist du böse, wenn die notwendigen Abschiedsbesuche manchmal nicht ohne Tränen abgehen sollten? Wäre doch erst der Abschied vorbei! – Frau Rosa Stiebitz schickte mir zum Hochzeitsgeschenk ein sehr nettes Kafegeschirr für zwei Personen, mit dem Wunsche, daß wir Beide recht viele gemütliche Frühstücksstündchen bei demselben zubringen möchten. Von ihrem Mann sind noch immer keine guten Nachrichten hier. Nachdem heute die Fastenzeit beginnt, hoffe ich auch bald wieder einen solchen Bräutigam zu haben, den bald zu sehen sich herzlich freut deine treue Fanni. – Meine Empfehlungen an Angermayer, u.s.f. Großmutter grüßt. – „Stiebitz“: vielfach in den Briefen; nach einem Brief vom 22.12.1871 ist Herr Stiebitz in einer Heilanstalt, „Irrenanstalt“ in Linz; siehe auch Brief vom 21.2.1872. - „#Angermayer“: Maria Josepha Spängler (1832-1896), verh. mit Vinc. Angermayer (1815-1886), zuletzt Landesgerichtsrat in Wien.
Brief von FANNI SCHLEGEL (Nr.19) an FRANZ SPÄNGLER (Nr.18): Herrn Doctor Franz Spängler kk. Gerichtsadjunkt in Wien Poste restante Hauptpostamt [LXXI erh 18/2 Corresp[ondenz]k[arte] 18/2]: Salzburg 15.Februar 1872. 1/4 nach 8 Uhr Ab[en]ds. - Mein lieber Franz! Ich hoffe, du wirst zufrieden sein, daß dem „leider sehr kurzen“ Brief von vorgestern fast unmittelbar ein längerer folgte, und ich schmeichle mir sogar mit der Hoffnung, auf denselben recht bald Anwort zu bekommen. Diese Zeilen haben zum Hauptzweck, dir zu berichten, daß ich im stolzen Gefühl meiner Machtvollkommenheit heute nach Tisch zum 2ten Male zum Silberarbeiter Schwihl wollte, und für Emma doch etwas Silbernes aussuchte. Lida hatte ich gerechter Weise als Geheimrath bei mir und wir beschloßen Emma selbst zwischen mehreren Gegenständen von gleichem Wert wählen zu laßen. Wir brachten also eine Tortenschaufel, zwei Zuckerzangen und zwei hübsche gehe[ä]rtete Messer für Käse und Butter nach Hause. Emma entschied sich in der engeren Wahl für die Letzteren, welche zusammen 7 fl kosten. Ich habe also, wie du siehst das zuerst in Vorschlag gewesene Schlüßelkästchen stehen gelassen. – Emma schien sich über deine Gabe recht zu freuen, sie ersuchte mir, dir in ihrem Namen für Geschenk und Brief zu danken, wenn sie Zeit findet, wird sie dir selbst schriftlich danken. Heute waren Zeller und Plachetka bei uns, auch Frau Wahl und Frau Rosa [Stiebitz]. Die Arme sieht recht übel aus. Gestern kamen böse Nachrichten von ihrem bedauernswerthen Mann. Er soll kürzerlich [?] schon heruntergekommen sein, und sein Geisteszustand ist durchaus nicht tröstlich. Er spricht gar nicht mehr und man muß ihm die Speisen zwangsweise beibringen. Es scheinen sich schon Zweifel an seiner Genesung aufzudrängen. Rosa zeigt sich wunderbar gefaßt, sie verbirgt und verschweigt ihren Kummer in einer Weise, daß die Arme von vielen Seiten mißverstanden wird. Sie sucht offenbar sich von ihrem Schmerz so wenig als möglich beherrschen zu laßen, und die Leute legen ihr dieß als Mangel an Theilnahme aus. Wenn man mehr mit ihr spricht, sieht man gut genug, daß sie genug leidet. – Meine beiden Brüder [Halbbrüder] Richard und Karl sind so sonderbar erkrankt, sie müßen sich sehr verkühlt haben. Sie haben kein Fieber aber heftige Schmerzen am Körper, so daß sie sich gar nicht bewegen können, man darf gar nicht an ihren Betten rühren, ohne daß sie vor Schmerz schreien. Die arme Mutter steht da wieder genug aus. Dieser Zustand dauert nun schon über eine Woche. Doch nun habe ich dir so viel Nachtheiliges erzählt, daß ich wenigstens mit einer freundlichen Aussicht schließen will, nämlich heute über 14 Tagen haben wir hoffentlich schon ein recht frohes Wiedersehen gefeiert, und diese Aussicht finde ich sehr schön. Gott gebe nur, daß wir zur Reise kein so schauerliches Wetter haben wie heute. Emma u. Albert reisen vielleicht als Hochzeitsreise doch nach Wien, da wäre es möglich daß wir uns unten treffen könnten. Nun aber gute Nacht, mein Lieber, unterhalte dich gut in Wien, dieß wünscht deine treue Fanni. – Großmutter grüßt – [auf dem Kopf:] Laß mit[ch] doch mittels Postkarte wißen, ob du diesen Brief bekommst! Hugo Schumacher hat die Schafblattern, sehr leicht.
Brief von FANNI SCHLEGEL (Nr.19) an FRANZ SPÄNGLER (Nr.18): Herrn Doctor Franz Spängler kk. Gerichtsadjunkt in Mödling bei Wien [LXXII erh 19/2 beantw mit LXXI 19/2]: Salzburg 17.Februar 1872. 3/4 1 Uhr Nach:[mittags]. - Mein lieber Franz! Da ich in angestammter Bravheit heute in aller Frühe meine Antwort an dich absandte, bleibt mir nichts übrig, als gleich einen neuen Schreibebrief zu beginnen zum Dank für deine lieben Zeilen. Meinen getrigen Brief adressierte ich, wie du gewünscht, Poste restante, Hauptpostamt Wien, und eigentlich sollte ich diesen auch dorthin schicken, doch ich denke, so findest du diesen vielleicht wenn du nach Hause kommst, vor. – Heute ging also die erste Sendung nach Mödling ab, nämlich 3 Bettstellen, 3 Federmatratzen und eine Seegrasmatratze, du wirst ohnehin das Aviso [Anzeige] bekommen haben. Großmutter meint, du solltest Alles verpackt in unserer Wohnung stehen laßen, so kann Niemand etwas davon thun. – Von der gestrigen Einladung habe ich dir schon geschrieben; Emma scheint nicht daran zu denken, dich zur Hochzeit zu laden. Ich bin neugierig ob wir lustig sein werden, wie die Ereignisse in der Familie Zeller stehen, ist wenig Grund dazu. Ich weiß nicht, ob du schon hörtest, daß die Frauensteiner Zeller zum Sterben ist. – Daß ich an Emmas Hochzeit[s]tag ernster gestimmt sein werde, kannst du mir glauben. Mir wird der Trauungsakt wie ein Vorspiel für mich vorkommen, und wird mir genug zu denken geben. Doch nun muß ich mich wieder zur englischen Stunde bereit machen. Behüt‘ dich Gott. Good bye, till we meet again. – Sonntag ¼ auf 12 Uhr. Ich hatte gestern den Brief absenden wollen, komme aber erst je[t]zt zum Weiterschreiben. Wir waren gestern Nachmittag bei Fr: Schneeberger eingeladen. Es war ganz gemütlich dort. Es war auch am Samsta Donnerstag nicht so übel. Ich unterhielt mich hauptsächlich mit Fr: Schneeberger, dich die ich wirklich recht gern habe, sie ist mir auch recht gut. Ich sprach mit ihr länger über deine Cousine Angermeyr [-mayer], die sie sehr aus ihrer Mädchenzeit sehr gut kennt. Mathilde freut sich gar so auf unsere Hochzeit, sie verspricht mir immer, daß sie sich sehr „schön machen“ wird. Auch Ida freut sich sehr und die Hochgnädige ist ungeheuer liebenswürdig mit mir. Du stehst aber ganz besonders in Gnaden bei ihr. Nun ist Emma schon ihrem Ziel so nah, wie bald wird auch für uns jener wichtigste Moment kommen, wo Gottes Segen unseren Bund heiligen und unauflöslich machen wird. Und zuvor kommen noch vielgeschäftige Tage und Stunden, ein, so Gott will, fröhliches Zusammenkommen in Wien, und wo[h]l noch verschiedene Aufregungen und Fieberanfälle. Unsere Ausstattung geht immer mehr der Vollendung entgegen, es ist hübsch zu sehen, wie sich Stück um Stück einreiht und die Kästen die Menge unserer Sachen nicht mehr faßen. Seit zwei Tagen ist es auch schön, und ich hoffe auf mildes Wetter zur Reise. Wenn nur Großmutter in Wien gut aufgelegt ist! sonst stehen mir noch einige Kämpfe bevor, doch ich hoffe das Beste. Der Gedanke daß ich fortgehe wird ihr immer schmerzlicher. Nun aber lebe recht wo[h]l und behalt‘ mich lieb, deine treue Fanni. - „Angermayer“: Maria Josepha Spängler (1832-1896), verh. mit Vinc. Angermayer (1815-1886), zuletzt Landesgerichtsrat in Wien.
Brief von FANNI SCHLEGEL (Nr.19) an FRANZ SPÄNGLER (Nr.18): Herrn Doctor Franz Spängler kk. Gerichtsadjunkt in Mödling bei Wien. [LXXIII erh 23/2 beantw 23/2]: Salzburg 21 Februar 1872. 1/4 auf 9 Uhr Ab[en]ds. - Mein lieber Franz! Ich danke dir für deinen lieben Brief, den ich heute früh erhielt. Wie freue ich mich, daß wir uns schon so nahe unseres, hoffentlich frohen Wiedersehen[s] sind! In zehn kurzen Tagen werden wir beisammen sein, und mitsammen unser Nestchen einrichten beginnen. Ich bin schon gar so neugierig, wie mir meine neue Residenz vorkommen wird? Die Ausstattungsarbeiten gehen nun ihrem Ende entgegen, und dank den freundlichen Gebern mehrt sich unser Hausrat um manches hübsche Stück. An Hochzeitsgeschenken sind neuerdings folgende Gegenstände eingerückt: Von Papa Zeller und Ludwig zusammen ein wü[u]nderschönes Theeservice für 12 Pers:[onen], von meinen Eltern eine sehr hübsche Kukuksuhr, ein besonderer Wunsch von mir, und heute von der alten Frau Laschensky eine Zuckerzange und eine Salzbüchse sammt Schäufelchen von Silber. Wie du siehst, lauter brauchbare Dinge. Ich sehe alle meine hübschen Sachen zuweilen an, und denke wie schön es sein wird, wenn wir dieselben miteinander benützen werden. – Ich habe je[t]zt wieder so viel zu thun, daß ich unter Tags nicht zum Schreiben komme, doch morgen werde ich diesen Brief doch schließen können, heute bin ich schon so müde. Gute Nacht. – 22/2 7 Uhr früh. Du mußt es vorstehendem Geschreibsel ansehen, daß ich gestern ganz unfähig zum Schreiben war, so will ich je[t]zt eine kleine freie Zeit benützen, um mit dir zu plaudern. Also schönen guten Morgen, mein Lieber, ich hoffe du hast dich von der Semesterprüfung erholt und bist nicht gar zu streng gewesen. Warst du zufrieden mit deinen Schülern? – Ich habe Minna gefragt wegen dem „Kranz“ [Hotel in Wien], doch das Anpathinn [?] hat mir noch nicht geantwortet, ich meine aber, wir sollten jedenfalls im Kranz wohnen. So bitte ich dich, gelegentlich für uns ein ordentliches Zimmer mit zwei Betten für einige Tage zu bestellen. Wir werden mit dem Zug um 9 Uhr Vormittag fahren, ist das nicht der Postzug? Wann werden wir dann da ankommen? Wenn du das Zimmer bestellst, sei so gut und sage auch, daß wir dasselbe gut geheizt finden wenn wir kommen. Wenn man den ganzen Tag fährt, wird es doch kalt. Wie freue ich mich, wenn du uns am Bahnhof entgegenkommst? Nun muß ich dir aber recht was Trauriges erzählen, nämlich von dem armen Stiebitz. Neulich, Dienstag, kam wieder schlechte Nachricht, und daß er versehen [letzte Ölung eines Todkranken] wurde. Daraufhin reisten Papa Zeller u. Rosa nach Linz und einem Telegramm zufolge trafen sie den Armen geistig und körperlich sehr herabgekommen, doch noch nicht sterbend, wie man zuerst fürchtete. Es wurde schon davon gesprochen, Emmas Hochzeit zu verschieben, die arme Emma ist ganz desperat. Melancholisch genug wird die Hochzeit werden, und wenn sie wirklich verschoben wird, kann mittlerweile die Frauensteiner Zeller sterben. Ich bedauere die Emma schon recht, daß ihre le[t]zten Mädchentage gar so betrübt sind. – Meinen Brüdern geht es etwas besser, Karl geht aus, aber Richard liegt noch fest im Bett. Er ist auch ganz melancholisch. Nun aber lebe wo[h]l und schreibe recht balb und viel deiner treuen Fanni. – Großmutter grüßt, dein Bruder läßt dich grüßen, u. du sollst ihm doch mit einigen Zeilen die Frage beantworten, was Eure Forderung bei Spängler [Bankgeschäfte u.ä.?] beträgt? - „Stiebitz“: vielfach in den Briefen; nach dem Brief vom 22.12.1871 ist Herr Stiebitz in der Irrenanstalt in Linz. Siehe auch folgende Briefe.
Brief von FANNI SCHLEGEL (Nr.19) an FRANZ SPÄNGLER (Nr.18): Herrn Doctor Franz Spängler kk. Gerichtsadjunkt in Mödling bei Wien. [LXXIV erh 25/2 beantw 25/2; Brief ohne übrliches Lacksiegel]: Salzburg 24 Februar 1872. 4 1/2 Uhr Nach[mittags]. - Lieber Franz! Für dießmal nur wenige Zeilen, ich will noch zu Zeller gehen, denn das unsäglich Traurige ist eingetroffen, der arme Stiebitz ist todt. Natürlich wird Emmas Hochzeit verschoben, du kannst dir vorstellen, wie schwer Alle betroffen sind. Ich werde dir heute Abend oder morgen ausführlicher schreiben. Für je[t]zt nur soviel, daß wir, so Gott will, am Freitag um 7 Uhr Morgens von hier abreisen werden. Großmutter will doch im Kranz wohnen, also bitte ich dich, dort für uns Wohnung zu bestellen. – Ich schließe, sonst wird es mir zu spät. Lebe wo[h]l, deine Fanni. - „Stiebitz“: siehe voranstehenden und folgenden Brief.
Brief von FANNI SCHLEGEL (Nr.19) an FRANZ SPÄNGLER (Nr.18): Herrn Doctor Franz Spängler kk. Gerichtsadjunkt in Mödling bei Wien. [LXXV erh 26/2 Corresp.K[arte] 27/2]: Salzburg 25 Februar 1872. 1/2 9 Uhr Vorm:[ittags]. – Mein lieber Franz! Mein gestriger Brief wird nun bald in deinen Händen sein, ich rechnete auf deine Nachsicht, da ich dir nur so wenige Worte schrieb. Ich ging wirklich noch zu Zellers die ich Alle in großer Betrübniß fand, wie du dir denken wirst. Mein Vornehmen [-haben], noch gestern einen Brief an dich zu beginnen, führte ich nicht aus, weil ich im Auftrag der Mama Zeller die Trauernachricht an Fräulein Lori Pfaundler besorgte, und dann wirklich so von dem traurigen Vorfall verstimmt war, daß ich nicht mehr an dich schreiben mochte, ich hätte doch kein anderes Thema besprechen können. – Nächst der armen Rosa erbarmt mich Emma vor Allem, daß das neulich so nahe Ziel wieder entfernt wurde. Wenn doch die Hochzeit hätte sein können. Auch Albert wird wird schwer betroffen sein, denn abgesehen von allem Anderen, ist es ja für ihn ordentlich Lebensfrage, endlich mal in Ordnung zu kommen. Zudem muß er seine je[t]zige Wohnung zum 1.März verlaßen. Allem Anschein nach wird die Hochzeit so bald als thunlich, gehalten werden, die näheren Umstände von dem so schnellen Ende des armen Stiebitz wißen Zellers selbst noch nicht, da gestern Nachmittag blos ein Telegramm einlangte, daß C.St: um 4 Uhr früh verschieden ist. Du kannst mir glauben, daß dieß traurige Ereigniß auch einen düstern Schatten auf meine Gemütsstimmung wirft, und ich kaum den Mut finde mich auf die Zukunft zu freuen. Doch nein, wir wollen das Beste hoffen, auch daß unser nun schon so nahes Wiedersehen froh und ungetrübt sein wird, und daß uns der liebe Gott seinen Segen auf zu unserm vereinten Lebensweg mitgeben wird. – Einschließlich dem heutigen Tag und Freitag, wo doch erst die Abendstunden uns traulich vereinen werden, noch 6 Tage. Wie schnell werden diese hinüber gehen! Ich habe noch Einiges vorzubereiten, in den le[t]zten Tagen hatte ich viel mit meinem Anzuge zu Emmas Hochzeit zu thun, nun ist der ganze Staat beinahe fertig, und ich bin neugierig, wann er seine Bestimmung erfüllen wird? Großmutter zieht vor beim Kranz zu wohnen, es ist ja nicht gar so weit von der Stadt, und mittags werden wir meistens dort speisen wo uns eben der Weg vorbeiführt. Wir haben uns längst schon vorgenommen, bei Angermayer, Spängler und Guttenberg Besuche zu machen. Es wäre hübsch wenn wir mit den erstgenannten einmals Abends beisammen wären. – Fräulein Lori wird uns beim Einkaufen behülflich sein, auch Minna muß manchmal mit als Hilfskorps. – Vielleicht kommt Minna gleich mit uns herauf [nach Salzburg], sonst müßtest du sie mitbringen. Das zeigt großes Vertrauen, nicht wahr? Minna soll auch meine eigentliche Brau Kranzjungfrau sein, sie verdient diese Auszeichnung, weil sie so weit [von Wien] herkommt zu meiner Hochzeit. Die „6 Wochen“ machen mir doch noch kein Fieber, das kommt erst, wenn der große Tag noch näher sein wird. Wenn nur erst alle meine schönen Sachen glücklich in Mödling sein werden. Wenn Mödling mir nun gar nicht gefiele, was würdest du thun? - ---- Wenn ich rechtes Heimweh bekäme. Hast du schon gehört, daß die arme Anna Mertens den Typhus hat und im Spital ist. Es sind zwar wieder bessere Nachrichten da. Nun aber behüte dich Gott, wenn ich bis Dienstag oder Mittwoch früh von dir einen Briefe bekomme, schreibe ich auch noch einmal. Auf baldiges Wiedersehen freut sich herzlich deine treue Fanni – Großmutter grüßt dich.
Brief von FANNI SCHLEGEL (Nr.19) an FRANZ SPÄNGLER (Nr.18): Herrn Doctor Franz Spängler kk. Gerichtsadjunkt in Mödling bei Wien [LXXVI erh 28/2 beantw 28/2; anderes Briefpapier ohne Zeichen, sonst mit englischem Prägestempel; dem Brief beiliegend Blumen]: Salzburg 27.Februar 1872 1/2 10 Uhr Vorm:[ittags]. – Mein lieber Franz! So gerne hätte ich dir gestern schon geschrieben und für deinen so lieben Brief gedankt, doch konnte ich nicht dazu kommen und auch heute ist der Tag schon wieder so weit vorgerückt, ehe ich zu schreiben beginne. Daß mich die in dem Briefe enthaltenen guten Nachrichten recht angenehm überraschten, darfst du glauben, auch Großmutter freut sich mit mir, daß unsere Finanzen sich so günstig gestalten. Sie läßt dich bestens grüßen und dir gratulieren. Ich mache auch schon Pläne wie hübsch sich unsere Wirthschaft mit dem von dir großmütig ver-größerten mehrten Monat[s]geld wird einrichten laßen. Daß die Sendung glücklich an Ort und Stelle ist, bin ich auch froh. In wenigen Tag wird uns nun so Gott will, ein recht frohes Beisammensein erfreuen, wie ungeduldig werde ich am Freitag die Ankunft in Wien erwarten und den Augenblick, wo wir dich am Bahnhof erblicken werden. Über die Dauer unseres Aufenthaltes in Wien läßt sich nichts bestimmen Das hängt davon ab, wie es mit den Einkäufen geht, doch habe ich es immer [für] selbstverständlich gehalten, daß wir über den 9.März unten bleiben, und Großmutter widerspricht nicht. - - Ich werde nicht ermangeln die von dir genannten Papiere mitzunehmen, und werde deinem Rath gemäß auch wo[h]lgestiefelt sein. Daß ich den Regen momentan nicht vergeße, dafür sorgt das liebliche Wetter, welches wir hier haben. Es wird mir doch ganz eigen zu Mute sein, wenn ich zuerst mit dir unsere Wohnung betrete. Gebe der liebe Gott, daß wir dieselbe gesund und zufrieden bewohnen können! Wenn ich sehe, wie nahe Glück und Leid sich berühren, und wie leicht ein noch so sicher gehofftes Ziel sich wieder verschieben kann, wage ich es wirklich nicht, mich recht auf unsere Zukunft zu freuen. Wer bürgt uns dafür, daß Alles ohne Zwischenfall zurecht kommt? Gott allein kann uns führen, und um seinen Segen und Schutz bitte ich täglich. Zudem fürchte ich mich noch so sehr vor der le[t]zten Zeit hier, und vor dem Abschiednehmen von allen Bekannten, und kann das Fieber noch immer nicht recht überwinden, wenn ich an den 8.April [Hochzeitstermin] denke! Großmutter nimmt sich auch den Abschied schon zu Herzen, einestheils erfreut sie sich an den Gedanken, uns Beide recht zufrieden und vergnügt zu sehen, aber daß sie dann gar so allein sein wird, fällt ihr recht schwer. Wenn ich wüßte daß sie Jemand Paßenden bei sich hätte, wäre mir auch eine große Sorge vom Herzen. Mein allernächster Wunsch ist, daß es am Freitag nicht gar so garstig stürme wie eben heute. Wir gehen gar nicht mit dem Leichenbegängniß des armen Stiebitz, weil es so heillos stürmt. Die wenigen Tage bis zu unserer Abfahrt haben wir noch Einiges zu ordnen. Als Reiselektüre werde ich den Trompeter mitnehmen, ich kam noch nicht dazu mehr als die Vorrede und einzelne Stellen davon zu lesen. Morgen hoffe ich wieder von dir zu hören, und werde wenn auch nur noch kurz, antworten. Dann soll uns ein langes gemütliches Aussprechen für etwaige Versäumnisse beim Schreiben entschädigen. Ein baldiges frohes Wiedersehen hoffend, grüßt dich herzlich deine Fanni. – Nun müßen wir aber auch den Plan für die Hochzeitsreise endlich festsetzen! – Richard ist zwar besser, doch liegt er noch immer. - „Trompeter“: Victor von Scheffels Versepos „Der Trompeter von Säckingen“, 1854.
Correspondenz-Karte von FANNI SCHLEGEL (Nr.19) an FRANZ SPÄNGLER (Nr.18): Herrn Doctor Franz Spängler kk Gerichtsadjunkt in Mödling bei Wien [LXXVII erh 1/3]: Salzburg am 29.Febr:1872 [Bleistift:] Den Brief habe ich erhalten und danke bestenst, weitere Antwort mündlich. Wir haben noch nicht eingepackt, daher noch viel zu thun. Morgen Abfahrt um 7 Uhr früh. Auf fröhlich[es] Wiedersehn herzlichst Grüße d. F S.
7.3.1872, Brief ohne Umschlag aus Salzburg von ANTONIA SPÄNGLER (Nr.37; 1803-1882 an die Schwiegertochter FANNI Schlegel, verh. SPÄNGLER, mit Zusatz vom Schwager OTTO SPÄNGLER: Meine innigst geliebte Fani! Meine Gedanken sind oft, sehr oft bey Euch; vertheilt, bald in Mödling [zu Hause], bald in Wien [Arbeitsstelle von Franz] – ich male es mir oft so auß – wo Ihr sein könnt – und was Ihr vieleicht thut – die Selligkeit im Gesicht, - und im Herzen. Die herliche Witterung trägt noch viel mehr bey, Euch meine lieben den Aufenthalt noch angenemer zu machen. Der Zweck meines Schreibens ist, Euch meine lieben beyden Fani alles gute zu diesem Feste zu wünschen, der liebe gott wolle beyden nach Verhältniß das geben, was jede an Leib und Seele beglüken kann. Dir liebe Fany wünsche ich von ganzen Herzen, daß deine neue Laufbahn, welche du nun bald betritst eine recht glückliche werde, - daß du in meinem Franz findest, was dein Lebensglück erhöht, und dir die Welt zu einem Baradis verwandeln. Der lieben guten Großmutter [Fanny Kobler], wünsche ich vor allem, daß der liebe Gott ihr die Ruhe des Gemüthes schenke daß sie die Trennung von dir, mit möglichsten XXXßung ertrage – dan bin ich zufrieden. Liebe Fany behalte mich immer ein wenig lieb. Ich habe diese Woche immer mit Raßhna [Rosshaar] zupfen zu thun, hoffe heute oder doch morgen fertig zu werden, dan laße ich sie hin, hell [?] füllen, und dan geht es über die Polster und Duchend, einen großen Theil der Wäsche habe ich auch schon weg gegeben, so hoffe ich das dann alles in Ordnung kömt, ein Stück Band denke ich wirst du für Franz schon gekauft haben zun Wasch zusammen zu binden nicht breit, was er für eine Farbe wünscht. Ein Lagebinder hoffe ich wird dir Franz in meinen Nahmen übergeben wenigstens habe ich ihn gebethen etwas zu kauffen, kann er nicht dazu, so werde ich schon hier etwas finden, was dir Freude macht. Die Zeit wird die gewiß viel zu schnell vergehen heute schon den 7t Tag seit Ihr fort gereißt. Die Geschichte von Spindlen das er sich den Hals abschneiden wollte und in den Armmen die Adern öffnen werdet Ihr gewiß schon gehört haben. – Und vom Wall das er geklagt wurde wegen Müßhandlung eines sehr braven Jungen welcher einen kleinen Scherz machte – es ist in mehreren Blättern zu lesen. Die Zeller hat nun wohl viel zu übertragen. Grüße mir den Franz recht herzlich, so auch die gute Großmutter. Leben recht wohl meine liebe Fany noch einmal dir alles gute wünschend bleibe ich deine dich herzlich liebende Mutter Antonia Spängler. – Dem Fräulein Lorinzer alles herzliche. - „Lorinzer“: Minna Lorinser, Schulfreundin, Vater ist Arzt, später betreut er die Spänglerkinder (Franzi). - Liebe Fanni! Im eigenen u. im Namen meiner Louise füge ich den Zeilen der Mutter mit unseren herzlichsten Grüßen die besten Wünsache zu deinem u. der verehrten Großmutter Namenstage bei. Auch meinen lieben Bruder Franz, dessen Glück u Freude ich mit brüderlicher Innigkeit mitempfinde, bitte ich mir herzlichst zu grüßen u. zu küssen; er wird nichts dagegen haben, wenn du es per procura thust. Adieu liebe Fanni dein aufrichtiger Schwager Otto
Correspondenz-Karte von FANNI SCHLEGEL (Nr.19) an FRANZ SPÄNGLER (Nr.18): Herrn Doctor Franz Spängler kk Gerichtsadjunkt in Mödling bei Wien [LXXVIII erh 11/3 beantw 11/3]: Enns am 10.März 1872 [abgestempelt „Linz Bahnhof“; Bleistift, sehr undeutlich:] Wir sind XXX XXX XXX
Brief von FANNI SCHLEGEL (Nr.19) an FRANZ SPÄNGLER (Nr.18): Herrn Doctor Franz Spängler kk Gerichtsadjunkt in Mödling bei Wien [LXXIX erh 12/3 Corresp K 14/3 beantw 15/3; Daten verbessert]: Salzburg 12.März 1872. 1/4 nach 6 Uhr Ab[en]d[s]. – Mein lieber Franz! Ich danke dir für deine lieben Zeilen sammt Einschluß u. die beiden Postkarten. Umsonst hoffte ich den ganzen heutigen Tag auf eine freie Stunde um dir zu schreiben, erst je[t]zt bleibt mir eine halbe Stunde, wo ich auch den Brief schließen will, damit derselbe um 7 Uhr noch abgeht. – Wir kamen also glücklich an, die Zeit während der Heimfahrt vertrieb ich mir meist mit Lesen in deinem so wunderhübschen Buche, welches mich ganz besonders freut. Oft noch beschäftigten sich meine Gedanken mit dir, du Lieber, mit unserer neuen Heimat und mit den so kurzen schönen Stunden, die wir wieder mitsammen zugebracht hatten. – Nach Salzburg gekommen, was mein Erstes zu Lida zu gehen, um Näheres über die Hochzeit zu hören. Dann, denkst du wo[h]l, bin ich hübsch nach Hause gegangen und habe frühzeitig die Ruhe gesucht. Weit gefehlt, ehe ich nach Hause kam war Ludwig schon bei uns um mich abzuholen, und ich mußte im Reisekleid wie ich war in Ludwigs Wohnung kommen und Emma’s Polterabend feiern helfen. – Deine leichtsinnige Braut kam erst gegen Mitternacht heim, es war ganz gemütlich gewesen. Beim Champagner wur[de] unter Anderen auch [auf] dein u. mein Wo[h]l getrunken. Nur einen Moment wollte uns der Ernst übermannen, das war wie die arme Rosa Emma und mir wünschte es möge uns mehr Glück beschieden sein als ihr. Ich konnte einen Augenblick nicht den Thränen wehren. Die Hochzeit am andern Tag ging Gott sei Dank glücklich vorüber. Als Emma und Albert am Altar standen waren meine Gedanken wo[h]l auf ein nahes uns betreffendes Fest gerichtet, und ich betete für uns Alle. – Das Hochzeitsmahl war über Erwartung heiter. Wir waren Alle so lustig, und als der Champagner perlte kam es sogar zu verschiedenem Bruderschaft trinken. Auf Emmas Wunsch tranken sagen Lida und ich zu Albert du. Lida trank dann mit deinem Bruder auf du u. der und ich, denke dir, mit Ludwig doch nun ist es höchste Zeit daß ich schließe, so bald als möglich mehr. Behüt‘ dich Gott. Deine Fanni. – Großmutter grüßt
Brief von FANNI SCHLEGEL (Nr.19) an FRANZ SPÄNGLER (Nr.18): Herrn Doctor Franz Spängler kk. Gerichtsadjunkt in Mödling bei Wien. [LXXX erh. 18/3 beantw 19/3; großes [Efeu-]Blatt beliegend; siehe unten]: Salzburg 16.März 1872. – Mein lieber Franz! Ich hatte mich schon sehr auf deine lieben Zeilen gefreut und ich danke dir herzlichst dafür ferner auch für das Veilchen, welches sogar noch ein wenig duftet. Ich sehe mit großer Freude, daß du meiner dich oft erinnerst, und kann dir nur sagen, daß meine Gedanken oft und oft bei dir weilen. Meine ganze je jezrge jetzige [sie schreibt, wie damals üblich, „jezt“, zögert aber offenbar bei dieser Schreibung] Thätigkeit weist mich immer auf das nun schon so nahe Ziel hin, auf unser, so gebe Gott, glückliches Beisammensein! Wo wir etwa über 4 Wochen sein werden? Seit Mittwoch ist meine Ausstattung sowie sämmtliche Hochzeit[s]geschenke aufgestellt, und unsere Bekannten machen sich die Unterhaltung die Sachen anzusehen. Die vielen neuen und hübschen Dinge sehe ich selbst gern an und ich denke dabei immer wie alles so schön in unserer gemeinschaftlichen Wohnung sein wird. Ich freue mich schon, wenn ich Alles dort ordnen werde. Ich hoffe, es soll uns Beiden recht wo[h]l und behaglich werden in unserer lieben neuen Heimat. Hier komme ich mir schon beinahe wie ein Fremdling vor, so sehr richten sich immer meine Gedanken auf das mit dem Tage unserer Vermä[h]lung beginnende neue Leben. Aus deinen Zeilen glaube ich zu sehen, daß du auch nicht mehr frei von Fieberanfällen bist, aber den dich überkommenden zu ernsten Stimmungen mußt du nicht zu sehr nachgeben. Es würde mich recht betrüben, wenn ich denken müßte, du seiest verstimmt, viel lieber höre ich, daß du dich erheiterst wie neulich, wo du mit Albert und Emma beisammen warst. Daß ich dir keine weitern Details erzählte von Emmas Hochzeit erklärt sich sehr einfach durch die Kürze der Zeit, die ich für den Brief verwenden konnte. Ich gebe hie[r]mit freilich die Erlaubniß zur allfälligen Revanche. Wenn ich etwas mehr Gewohnheit im Küßen erlangt habe, mußt du dir schon selbst die Schuld daran beimeßen, das ist einfach Erziehungsresultat. – Also Willi Gattermayer wird nicht mein Brautführer sein, da er je[t]zt schon hier ist, und gestern seine Prüfungen vollendete, kann er nicht wieder [aus Wien] heraus kommen. Weißt du, daß ich statt desssen denke, ob ich nicht doch Ludwig ersuchen soll, mein Brautführer zu werden, da er bei Emmas Hochzeit so lustig war, wäre es ihm vielleicht nicht zuwider. Auch Lida meint, daß er gern bei unserer Hochzeit wäre. Was meinst du? Ich denke wir würden erst wenn du hier bist mit Ludwig darüber sprechen. Als ich Samstags ankam, fand ich zu meiner großen Freude einen Brief von meiner so sehr verehrten Frau v. Daume [?]. Tags darauf bekam ich einen von den Schreibers aus Stuttgart. Ich werde jedenfalls, ehe ich Salzburg verlaße, diese Briefe beantworten. – An Hochzeit[s]geschenken erhielt ich noch Folgendes: Von Anna Zillner und deren Mutter ein sehr hübsches Theegeschirr für 2 Personen, samt Theeserviet[t]en, von Betti Katzinger die versprochene Couvertdecke und heute zwei Bettvorlagen von Herrn Bürgermeister Spängler. Ich wollte, ich ko[ö]nnte dir je[t]zt schon Alles zeigen, es sieht so nett aus, wie Alles so beisammen ist. Weißt du, was noch abgeht? Fensterpolster. Ich weiß nicht ob ich welche bekomme, aber du könntest mal so gut sein, mir nächstens anzugeben wie breit und lang ein Fensterpolster sein müßte, vielleicht läßt sich etwas machen, da nächste Woche die Garnitur überzogen wird. Wir wählten bei Spängler einen grünen gemusterten Wollstoff aus, von dem ich hoffe, daß er dir gefallen wird. – Doch nun für heute gute Nacht, morgen füge ich hoffentlich noch etwas bei. Sind auch die Glassachen schon gekommen? – Sonntag 17.März, 9 Uhr – Guten Morgen, mein Lieber, wie hast du geschlafen? Ich hoffe, du bist nicht verstimmt, sondern denkst vergnüglich wie ich, daran, daß nur noch zwei kurze Wochen zwischen heute und dem Tage unserer Wiedervereinigung liegen. Je[t]zt ist es gerade eine Woche, daß du mich zum le[t]zten Male beim Abschied umarmtest. Es war doch recht lieb, daß du uns noch eine Strecke begleitetest, ich freute mich auch sehr darüber. Die Heimfahrt kam mir viel kürzer vor, als die Reise von hier nach Wien, wo ich zum Schluße schon so ungeduldig war, dich endlich zu sehen. – Alle wundern sich, daß Großmutter und ich so gut aussehen seit der Wiener Reise. Ich bin schon recht froh, daß Großmutter sich nicht überanstrengt so zu sehr ermüdete. Sie ist im Ganzen ziemlich heiter, nur zuweilen betrübt sie der nun schon so nahe Abschied. Ich glaube, es wird recht gut für sie sein, daß sie nach unserer Hochzeit nach Mödling reist, um meine Wirthschaft einzurichten. Die Aussicht, daß wir uns bald wieder sehen werden, wird ihr und mir das Scheiden erleichtern. An dem Spitzentuch von uns hat sie wirklich eine rechte Freude, sie zeigt es mit einigem Stolz als „Namenstaggeschenk von dem Brautpaare“. Bei dieser Gelegenheit fällt mir ein, daß ich dir blos 8 fl: [Gulden] bezahlte, also noch 25 Kr.[euzer] schuldig bin. Ich schließe zur Deckung meiner großen Schuld 5 Briefmarken bei. – Am Freitag kam dieselbe Näherin zu mir, welche Emmas Kleider verfertigte, und nun geht es tüchtig an die Arbeit. So viel ich kann helfe ich mit der Maschine und auch so, ich hoffe, daß Alles recht hübsch wird. Ich lernte neulich eine Braut kennen, die auch am 8.April ihre Hochzeit haben wird, und die mit ihrem Mann ebenfalls eine Reise nach Italien machen will. – Man fragte mich schon mehrmals, ob doch die Rundreisekarten schon im April gelten, sei doch so gut und erkundige dich darum. Ich bin je[t]zt mit einer Reise nach Italien recht einverstanden, es muß wunderschön sein so alles in voller Blüthe zu sehen. Hier ist es wirklich viel rauher als in Wien, am Mittwoch brachten wir den Abend bei Zillner zu, da schneite es sehr stark, gestern war es wieder schön, aber heute haben wir ein Wetter wie am 2.März. Ich lege dir ein Epheublatt aus dem Bouquet bei welche[s] ich bei Emmas Hochzeit hatte. Ich gehe je[t]zt so wenig als möglich aus, weil ich so viel zu thun habe. Großmutter will nächstens schon mit dem Einpacken beginnen. Weißt du nicht wann Minna von Pesth [Budapest] kommt? Ich freue mich schon sehr, recht bald und viel von dir zu hören, drum schreibe bald deiner treuen Fanni. – Viele Grüße v. Großmutter. Was giebt es Neues in Mödling? - „Bürgermeister Spängler“ und Wollstoff bei „Spängler“: Alois Spängler (1800-1875) war Kaufmann und 1854-1861 Bürgermeister von Salzburg. – Die Salzburger #Spängler-Bank, „Bankhaus Carl Spängler & Co. Seit 1828“, entwickelt sich aus der Spängler-Handelsgesellschaft in Salzburg. Carl I.Spängler (1825-1902) ist kaiserlicher Rat und Bankier in Salzburg und übernimmt die Bank von der Familie Duregger (Wohnhaus am Mozartplatz 4).
[Brief von Nr.37 ANTONIA SPÄNGLER an den Sohn Nr.18 FRANZ SPÄNGLER]: Salzburg 16.3.72: Mein liebster theuerster Franz. Es ist halt heute schon Sonntag und ich komme erst dazu dir zu schreiben. die großmutter und Fany [Fanni] erzählten mir viel wie viel du bey ihnen warst, und wie Ihr mitsammen herum gegangen seit, die großmutter hat der Fany [Fanni] würklich sehr viel gekauft, und hat vorgestern wider 50 fl [Gulden] außgegeben für sie. Ich bin nun gottlob mit allen fertig bis auf 6 Hemmten welche noch nicht vom machen gekommen sind. Das Bett ist hübsch und ordentlich, ich mußte freulich 6 [Pfund] Borten kauffen wie eben auch beim Otto, doch geschehen mußte. Zuerst sagte die großmutter ich soll alles hinauf schücken zum einpacken und gestern sagte sie ich sollte eine eigene Kiste nehmen und bey uns packen. Bis wan soll ich dan alles packen, und soll ich die Juri[s]tischen Bücher welche im Bücherkasten in der Lade sind mitpacken? Die Küste werde ich halt kauffen müßen, weil diese, welche ich habe, viel zu klein ist. Müßen die Sachen von der Kathi auch gleich mitgeschückt werden? Du hast mir noch nicht meine 2 Fragen beantwortet wo ich dich gebethen habe, ich bitte dich darum bald. Die Leuchten scheint es, haben die Fany sehr gefreut, ich bitte dich schreibe mir bald, was sie kosten, damit ich selbe dir bezahlen kann, ich bin immer froh, wen ich mit allen gleich in Ordnung komme. Wie wird es den mit den Verkünden sein, das Ihr ja nichts versäummt. Die Brautringe wird wohl die Fany besorgen, die Louise sagt, die Brautringe sind die Sache der Braut. Ich bin würklich froh, wen alles vorüber ist, auch für die Fany. Ob die großmutter Euch etwas zur Reise giebt, möchte ich recht sehr zweifeln. Ich würde die Hochzeitsreise darauf einrichten. Ihr könnt ja nach Brunecken gehen und vielleicht nach Riva damit ihr doch bei Verwandten sein könnt und die Tage der Reise ausgefühlt werden. Alle Verwandten wird es freuen Euch zu sehen. Lieber Franz schnell wird die Zeit vergehen nur noch 14 Tage und du darfst dich nicht mehr von der Fany trennen. Die Schuhmacherischen wirst du gewiß auch in Wien oder vielleicht haben sie dich gar in Mödling besucht. Heute ist Sattler Fina angekommen um sich vielleicht ein XXX ihr zu XXX, leider ist die Toda dermalen ziemmlich unwohl, das heißt eigentlich sehr schwach. Die Trennung von der Sattler fählt allen sehr schwer. Der Alois Spängler hat Euch sehr hübsche Vorlagen zu deinen Betten gekauft, und wird sie diese Woche nach schücken wegen XXX. Lebe recht wohl mein lieber Franz ich bethe schon oft und fleißig für dich es küßt dich mit iniger Liebe deine treue Mutter Spängler – Otto Louise und die Kinder Leopoldine alle grüßen dich herzlich. Das Tuch ist schon schön welches Ihr der Großmutter gekauft habt.
Brief von FANNI SCHLEGEL (Nr.19) an FRANZ SPÄNGLER (Nr.18): Herrn Doctor Franz Spängler kk. Gerichtsadjunkt in Mödling bei Wien. [LXXXI erh. 22/3 beantw 23/3]: Salzburg 20.März 1872. ¾ 8 Abends. – Mein lieber Franz! Ich danke dir für deine lieben Briefe dießmal gibt es eine ganze Reihe von wichtigen Dingen zu verzeichnen, die alle auf das eine, wichtige Ziel hindeuten. Erstens haben Großmutter und ich noch am Sonntag die Eheringe bestellt. Mit dem Gravi[e]ren wird noch gewartet, bis wir mit voller Sicherheit den Tag unserer Vereinigung sagen können. Denn ich traue mir [mich] wirklich noch nicht, den 8ten April als ganz bestimmt zu betrachten. Ich hoffe aber zu Gott, daß nichts dazwischen kommen wird. – Am Montag waren Großmutter und ich beim Pfarrer, ich legte ihm unsere Taufscheine und die Volljährigkeits-Erklärung vor und er versprach die Verkündigung am Ostersonntag, Ostermontag und w[W]eißen Sonntag vorzunehmen. Er trug mir nur auf, dir zu sagen, du möchtest den Hrn: Pfarrer in Mödling fragen, ob er von Seite[n] der Dompfarre einen Bericht über unser Verkünden erwartet, in welchem Falle der Domherr Eihinger ihm denselben übermitteln würde, oder ob er diese Form für unnotwendig erachtet. – Ferners hat sich Großmutter mit Hrn: Seefeldner besprochen bezüglich der Versorgung[s]kasse, und die Statuten ihm vorgelegt. Dr: Seefeldner [Name jetzt lateinisch geschrieben] ist nicht für den Verein eingenom[m]en, er sagt er hat ein Beispiel erlebt, wo wegen größerer Sterblichkeit die anfangs versprochene Jahresrente per 600 fl: [Gulden] auf 400 fl: herabgese[t]zt und schließlich auch noch von diesen 400 fl. [!] abgezogen wurde. So meint also Großmutter du solltest in dieser Richtung nichts unternehmen, sondern wir sollten lieber suchen, selbst etwas zu ersparen. Soll ich dir das Büchlein mit den Statuten schicken oder sollen wir dasselbe aufheben bis du kommst? Die mir gehörige Garnitur ist auch schon beinahe fertig überzogen, der grüne Stoff sieht recht hübsch aus. Ich wagte heute eine kleine Anspielung wegen der Fensterpolster, welche aber nichts nützte. Thut auch nichts! Die Ausstattung war in dem rückwärtigen Zimmer aufgelegt, wo sonst das allfällige Gäste beherbergt werden. Heute begann Großmutter meine Sachen einzupacken, und wurde schon das zur Hochzeit[s]reise Notwendige bei Seite gelegt. Was nun die Hochzeit[s]reise betrifft, so hat sich deine Mutter auch der Großmutter gegenüber in dem Sinne geäußert, wie du andeutetest, doch meine ich, wir sollten uns wirklich von dem einmal gefaßten Plan nicht abwendig machen laßen, wer weiß, ob sich je in unserm spätern Leben Gelegenheit bietet, ein pPaar [oder: Ppaar] Wochen heiter und sorglos in der Welt herumzureisen, und die Hochzeitsreise [! mit s] ist eben die Hochzeitsreise. Es bleibt dabei. Großmutter grüßt dich. Bezüglich der Besuche bei deinen Verwandten, meine ich auch, wir sollten auf der Reise nur die unumgänglich notwendigen machen und dazu so wenig Zeit als möglich verwenden. Die Gastfreundlichkeit derselben aber in Anspruch zu nehmen, wäre mir, die Allen ganz fremd ist, geradezu peinlich. Die Rundreisebillets sind wirklich so bedeutend billiger, daß wir Strecke um Strecke zahlend kaum halb so weit kämen und wir brauchen ja sonst keine Verschwendung zu treiben, da werden die Finanzen schon langen. In der sichern Vorausse[t]zung daß du wegen Ludwig einverstanden bist, fragte ich die Wahlin, ob sie meint er würde mein Brautführer s werden, und sie sagte, sie zweifle gar nicht, daß es ihn freut. Ob ich, ehe du kommst etwas zu ihm selbst sage, lasse ich dem Zufall über. Minna wird erst am 26.März von Pesth zurück kommen, es wäre erst möglich, daß sie dann mit dir zugleich kommt. Heute, denke ich, wird Schumacher und Frau angekommen sein. Ich bin schon recht begierig, Emma zu sehen. Heute hörte ich mit Bedauern, daß Albert es noch nicht verstanden haben soll, sich in Hallein beliebt zu machen. Man vermißt noch gar zu sehr den Ernst, der namentlich in Alberts Berufe [Arzt] so notwendig scheint. Es wäre schon recht traurig wenn er in Hallein keine gute Stellung erringen könnte. – Denke dir, der Frau Wahl hat man die ganze Geschichte mit dem mißhandelten Buben verschwiegen, wenn ihr aus [nur] nicht einmal von unberufener Seite davon gesagt wird! Die beste Rechtfertigung für Hrn: Wahl ist, daß die Mutter des betroffenen Knaben gebeten haben soll, daß ihr Sohn wieder behalten wird. – Wie es scheint wird Frl: Fanni nicht bei Zeller bleiben. Mama sagte auch so zur Großmutter, doch ist es noch Geheimniß. Bist du denn schon um Urlaub eingekommen? Susi Menninger wird am 2.April heiraten. Sie ist schrecklich aufgeregt und weint sehr viel. Meine Stimmung ist ziemlich gleichmäßig. Ich bin sehr beschäftigt, und habe immer zu denken, damit alles Nöthige geschieht. Nächster Tage werde ich auch mein Brautkleid bestellen [zum Zusammennähen?]. Walli, die Näherin und ich schneidern den ganzen Tag mit allem Eifer. So, nun habe ich dir aber wieder viel vorgeplaudert, nicht wahr, nun behüt dich Gott und habe nur nicht zu viel Fieber. Auf baldiges Wiedersehen sich herzlich freuend bleibe ich deine treue Fanni – Denke dir die Magd, welche seit fast 19 Jahren bei meinen Eltern ist, ist die Braut meines Dienstmannes und heirathet Ende April. - „Volljährigkeitserklärung“: Fanni Schlegel ist am 1.6.1848 in Salzburg geboren, ist also fast 24 Jahre alt. Mit der Erklärung [siehe frühere Briefe] ist sie aber auch finanziell eigenverantwortlich (juristische Mündigkeitserklärung).
Brief von FANNI SCHLEGEL (Nr.19) an FRANZ SPÄNGLER (Nr.18): Herrn Doctor Franz Spängler kk. Gerichtsadjunkt in Mödling bei Wien [LXXXII erh. 26/3 beantw 27/3]: Salzburg 24.März 1872. Abends ½ 8 Uhr. – Mein lieber Franz! Solltest du es glauben, daß ich mir bis zu dieser Stunde nicht die Zeit gönnte, deinen lieben Brief zu beantworten? Obgleich Sonntag ist, nähte ich, da ich nicht viel Aussicht habe, meine Kleider fertig zu bekommen. So verging mir der Tag sehr schnell, gegen Abend kam Frau Rudolf Spängler, in deren Gegenwart ich noch Putzwäsche stärkte, weil ich an Werktagen wirklich nicht Zeit habe, so etwas zu machen. Denke dir, wir haben vorgestern zwei wunderschöne Pendeluhren bekommen, die eine von Karl u. Rudolf Spängler und die andere von deinem Bruder und Luise. Durch Zufall unterließen die Betreffenen, sich über die für uns bestimmten Hochzeit[s]geschenke zu besprechen, und hatten Alle denselben Gedanken. Ich muß gestehen, daß ich Anfangs ordentlich verblüfft war, als in Zeit einer Stunde die beiden Uhren anlangten. Dein Bruder war ganz ärgerlich und entschuldigte sich ordentlich, ich aber versicherte ihm, daß wir Beide es keineswegs für ein Unglück halten, anstatt einer zwei so schöne Uhren zu haben. Ich habe schon nachgedacht, wohin wir die Uhren hängen sollen. Ich denke, die eine würde in das hübsche Zimmer, und die andere ins Schlafzimmer kommen. Die Kukuksuhr kommt dann ins Speisezimmer. Jedenfalls haben wir alle Veranlaßung, recht pünktliche Leute zu sein. – Am Donnerstag waren Lida und ich bei Zeller mit dem Ehepaar Schumacher beisammen. Am Freitag hielten Albert und Emma ihren Einzug in Hallein. Wir Beide, du und ich sind für einen Mittag schon bei Emma eingeladen, weil ich ihr sagte, wir werden jedenfalls kommen um in feierlicher Weise sie zu unserer Hochzeit zu laden. Emma ist recht vergnügt und thut ihr Bestes ihren Mann recht zu verziehen. Das werde ich ihr hoffentlich nicht nachmachen, ich werde mich lieber selber ein wenig verziehen laßen. Emma hat mir auch deine Grüße entrichtet. Ludwig erklärte sich freundlichst bereit, mein Brautführer zu werden, ich ließ ihn durch Emma darum bitten weil ich nicht bis zur le[t]zten Woche in Ungewißheit hierüber sein wollte. Nun liegt nur noch eine kurze Woche zwischen heute und dem Tage deiner Ankunft. Dann noch eine Woche, und dann: da werden wir wo[hl] noch genug Fieber bekommen! Je[t]zt kommt es mir so stoßweise, am besten hilft mir die XXX vielfältige Beschäftigung darüber hinweg. Aber manchmal fürchte ich mich schon sehr. Für heute aber gute Nacht, du wirst wo[h]l in Wien schlafen. - 25 März. 1/4 auf 12 Uhr! Heute über vierzehn Tage wird, so Gott will, gerade in dieser Stunde über unsern Bund der priesterliche Segen gesprochen werden! – ½ 12 Uhr. Deine gute Mutter kam, ich mußte darum den Brief liegen laßen. Über 14 Tage um diese Zeit sitzen wir wo[h]l schon als Vermählte bei Tische. Der Abschied kommt immer näher und Großmutter kann je[t]zt nicht immer mehr die Thränen verbergen, wenn die Rede darauf kommt. Da muß ich mich immer zusammennehmen, und meinen ganzen heitern Mut aufbieten um sie auch wieder heiterzumachen. Ich selbst bin noch immer, einzelne Fieberanfälle abgerechnet, ganz wo[h]lgemut, ich bin neugierig, wie es mir gehen wird, wenn das Abschied nehmen einmal Ernst wird. Wüßte ich nur Jemand, der zur Großmutter paßte, dann wäre mir viel leichter. Ich bin nun schon sehr neugierig, wie es mit deinem Urlaub wird, ich hoffe, die gestrengen Herrn werden ein Einsehen haben, und begreifen, daß man zum Heirathen gehörig Zeit haben muß. Deine gute Mutter spricht oft davon, daß wir ja nicht zu weit reisen sollen. m[M]ir scheint fast, es wäre ihr nicht Unrecht, wenn du nur kurzen Urlaub bekämest. Die Braut, von der ich neulich schrieb, ist die Nichte von Fräulein Gasteger [?] u. wird deren Geschäft übernehmen. Sie ist von Ischl, ihren Namen weiß ich nicht. Weißt du schon, daß Dr: Hermann Stieger heirathet, eine Linzerin glaube ich. Die Schlögelhofer Ida freut sich gar so auf unsere Hochzeit, da hätten wir schön Verdruß gehabt, wenn wir sie nicht geladen hätten! – Bitte, schreibe mir doch an welchem Tage du kommen wirst. Ich hoffe heute über 8 Tage. a[A]lso auf baldiges Wiedersehn! Von meinen Sachen ist schon viel eingepackt, für die Reise werde ich so wenig als möglich mitnehmen. Nun aber behüt dich Gott, ich habe Allerlei zu thun Schreibe bald und viel - deine treue Fanni. – Grüße von Großmutter deiner Mutter Hr: Rudolf Spängler u. Frau Bürgermeister Spängler. - Wenn du nach Wien fährst, grüße alle Bekannten von mir. – Gleichzeitig mit diesem Briefe folgen unter Kreuzband die Statuten. - „Rudolf Spängler“: ein Cousin Dr.Rudolf Spängler, Apotheker, verh. mit Marie Spängler, geb. Weinwurm (1839-1911 Salzburg); „Karl“ ist dessen Bruder Carl Spängler sen. (1825-1902 Salzburg), Großhändler, kaiserl. Rat und Bankier, wohnhaft am Mozartplatz 4, verheiratet mit Leopoldine Duregger.
[Brief von Nr.37 ANTONIA SPÄNGLER an den Sohn Nr.18 FRANZ SPÄNGLER]: Salzburg 27.3.72: Mein innigst geliebter Franz! Deinen lieben Brief habe ich richtig erhalten, und danke dir dafür. Heute erhielt Otto dein Telegram, er schückt aber das geld nicht ab bevor der Brief von dir kömmt. Ich will dir aber nur bemmerken das die großmutter Montag zu mir sagte, Franz soll ja nicht einlegen in den doktor Colegium den doktor SeselXX sagte der großmutter bestimmt du sollst es nicht thun, wen ihr ordentlich Hauß haltet so braucht es dießes nicht indem ja die Fany ohnehin noch ein Vermögen bekömmt, und du ja auch gewiß und stürbe bald eines von Euch beyden, so bekömmt die Fany von der großmutter ja jedenfall so viel das sie leben kan, und stürbe die Fany, so würde es dir nichts nützen, wen auch eingelegt wäre, und überdieß sind diese Institute ja doch nicht so ganz sicher also zu diesen Zweck hoffe ich wirst du das geld nicht brauchen. Verwende ja nicht zu viel geld um der Fany einen Brautschmuck zu kauffen. Den Otto seiner für die Louise hat 130 fl gekostet, er war mit Schmuck gewiß sehr hübsch. Ich bin sehr begierig wen du kömmst, schreibe es uns doch genau, dammit ich mich einrichten kann, die Feyertage bekömmt man ja nichts ordentliches mehr. Nun nur noch einige Tage und ich sehe dich wieder ich freue mich schon recht sehr auf dich. Ich hoffe es wird alles in Ordnung gehen, nur wird es eine rechte He[t]ze werden, bis alles gepackt und geordnet ist und alle Visiten gemacht sind Otto Fany Louise die Kinder grüßen dich herzlich. manches neue wirst du hören wen du kömmst. Lebe recht wohl es küßt und segnet dich von ganzen Herzen deine treue Mutter Spängler.
Brief von FANNI SCHLEGEL (Nr.19) an FRANZ SPÄNGLER (Nr.18): Herrn Doctor Franz Spängler kk. Gerichtsadjunkt in Mödling bei Wien [LXXXIII erh. 29/3 beantw 31/3; inliegend Zweig und verblasstes Foto der Fanni Schlegel]: Salzburg, 28.März 1872. 7 ½ Uhr Abends. – Mein lieber Franz! Es war mir heute nicht möglich, zu schreiben, doch werde ich den Brief noch auf die Hauptpost schicken und hoffe doch, daß du ihn morgen noch bekommst. Allein ich muß mich auf ganz kurze Beantwortung deiner verschiedenen Fragen beschränken. – Lida bekam einen Brief von Minna, daß diese vielleicht erst am 6. kommen wird, es wäre also jedenfalls zu spät daß du sie begleiten könntest. Und ich habe doch immer die Hoffnung, du kommst schon in den Feiertagen, ist es nicht so? Daß du den Urlaub bekommst, ist mir schon lieb, wenn du noch mit der besprochenen Frau einverstanden bist, so sei so gut und besorge die Karten. Ich hoffe, daß die Reiseerinnerungen einst mit zu den schönsten gehören werden. – Es ist beschloßen worden, daß Karl und Rudolf Spängler sammt deren Frauen jedenfalls geladen werden. – So viel man hört, will sich Alles wunderschön machen zu unserer Hochzeit, und ich sage immer, die Leute werden finden, „daß Alles sehr elegant ist, wenn auch die Braut nicht viel frißt.“ Habe ich Recht? Es wird mit wahrer Leidenschaft geschneidert, doch muß das Notwendige bis Samstag Abend fertig werden, da ich die le[t]zte Woche meines Hierseins ganz gewiß zu keiner rechten Arbeit mehr komme. Was übrig bleibt, muß ich laßen und erst in Mödling machen, da kannst du gleich erleben, wie so ein „wichtiges Werk“ in Scene gese[t]zt wird. Deine gute Mutter meint, wir werden es dem Herrn Prälaten überlaßen müßen, wann die Trauung sein soll. Wenn es ausführbar wäre, möchte ich mich gern nach der Trauung fotografi[e]ren laßen. Ich meine, wir sollten blos einen Koffer, keinen Reisesack brauchen. Was den schwarzen Anzug betrifft, bin ich mit deinem Vorschlag einverstanden. Noch eins zur Kleiderfrage, falls du etwas von Kleidern hättest, das für dich unbrauchbar geworden ist, dürfte ich dich wo[h]l bitten, es mitzubringen und unserm Schützling Hinterholzer zukommen zu laßen? Wegen Großmutter wäre es wo[h]l gut, wenn du sie an Irgendjemand empfehlen könntest, um wenn nöthig, ihr an der Hand zu gehen. Auch bittet dich Großmutter, ihr für sie und Kathi zwei kleine Zimmer in dem Gasthause zu bestellen. Großmutter will allein schlafen, und es macht auch nichts, wenn Kathi nicht im selben Stockwerk ein Zimmer bekommt. Nun lebe recht wo[h]l und komm‘ nur bald! ich möchte daß dieß der le[t]zte Brief wäre, vor der Hochzeit. Behalte lieb deine Fanni. – Großmutterr grüßt. – [quer klein:] Vielleicht kannst du die Frau Wirthin auch ersuchen, daß sie der Großmutter ein wenig an die Hand geht. Ob Angermayer so gut wären, sie am Westbahnhof zu empfangen? Was meinst du?
[bei den Briefen von Nr.37 ANTONIA SPÄNGLER an den Sohn Nr.18 FRANZ SPÄNGLER, 1872 verh. mit FANNI SCHLEGEL]: 8.4.1872 Telegramm an: Antonia Spängler, Dureggerhaus, Salzburg: Aus Regau Herzliche Glückwünsche dir und dem Brautpaar von Alois und Therese Spängler. – Alois Spängler (1800-1875), im Großhandelshaus in Salzburg (Vorläufer der Spängler-Bank), zudem Bürgermeister von Salzburg 1854-1861.
Telegramme an Dr.FRANZ SPÄNGLER in Salzburg, Mozartplatz 73, 8.4.1872 aus Wien-Mödling: Die herzlichsten Glückwünsch den Neuvermälten von der Tischgesellschaft. – dito, Salzburg, Hôtel Erzh. Carl, aus Wien-Mödling: Herzliches Glück auf! dem Brautpaare. Langer, Pohl, Reitlechner, Strobl, Thausing. – dito, Salzburg Marktplatz Nr.10, 2.Stock, aus Wien: Der Erde Glück, des Himmels Segen begleite euch, ob schön, ob Regen; hoch leben Bräutigam und Braut, so jubelt an der Donau laut, die Salzburger Gesellschaft. – dito, Salzburg aus Linz: Herzliche Segenswünsche dem neuvermählten Paare, Rudolph Handel. – dito, aus Wien: Dem jungen Ehepaar bringt seine Wünsche dar von Herzen gutgemeint und lauter, der Vetter Ludwig Sauter. - In der „grünen Mappe“ eine Postkarte von „Vetter Ludwig“, 1.10.1871; siehe auch Brief vom 2.10.1870.
Briefe u.a. an FANNI SCHLEGEL= Franziska SPÄNGLER (1848-1905; Nr.19), verh. 8.4.1872, Postkarte an Frau Dr.Spängler, Venezia, poste restante: Gruß auf die Hochzeitsreise - 8.4., Telegramm aus Würzburg, blauer Telegramm-Umschlag, an „Frau Doctor Fanny Spängler Adreße Frau Fanny Kobler Marktplatz Salzburg. Zum heutigen Tage unsere besten Wünsche. Ziegler und Zillner. - 8.4., Telegramm an Doctor Schlegel, Salzburg, aus Wien: Dem neuvermählten Paare unsere herzlichsten Glückwünsche. Lorinser. - 16.4., Brief an Fanni: Erinnerung an Hochzeit; seid vergnügt auf der Reise; waren in Hallein, Emma grüßt; vorgestern mit Großmutter bei Zillner; alle fragen nach dir und grüßen; „Behüt dich Gott Frau Doctorin grüß deinen Mann er soll sich nur recht in Acht nehmen vor dir der Arme lernt dich schon kennen Taußend Küße deine Liedl“ [?]
Hochzeitsreise 1872 Nr.19 Fanni und Nr.18 Franz Spängler (rot verschnürt): Fahrplanheftchen der italien. Eisenbahn, April 1872; Rechnungen von u.a. Riva (Gardasee), Verona, Triest, Milano, Isola Bella, Bozen, Innsbruck, Lugano, Arone (Schweiz), Venedig [ohne Reihenfolge]; Telegramm aus Graz; Landkarte der österreich. Länder
Salzburg, 15/4 1872, Brief ohne Umschlag, „I.M.“ [? IDA MAIER, nicht Familie; 1885 in Taxenbach]: Liebes Ehepaar! Glückliche Ankunft in der schönen Lagunenstadt [Hochzeitsreise nach Venedig] rufe ich Euch von der Heimath zu! – Was ich mit Entzücken beschrieben gelesen habe, sht ihr heute mit seelenvoller Übereinstimmung der Gedanken in Wirklichkeit. Wie von ganzer Seele gönne ich Euch das Glük, Euch ist das schöne Venedig gewiß nicht das Bild einer prächtigen Vergänglichkeit, sondern Ihr seht sie im Glanze, Euch grüßt sie in den Farben der Freude [.] nehmt die besten, u. schönsten Erinnerungen mit, für Euer häusliches Stillleben, und gedenkt hie u. da auch an Euere Freundin Ida. – In der Heimath ist alles wol, Grüße wurden uns entrichtet. Die Mutter küßt u. grüßt dich. Lebe wol.
17.4.1872, Brief vom Vater RICHARD SCHLEGEL (NR.38, 1811-1881) an Fanny und Franz Spängler: Liebe Kinder! Euer lang gehaltenen Lebenszeichen, die wir von Kufstein, Station Bernaer (?) u. Lio (?) haben, zeigen daß ihr herzlich vergnügt seyd woran auch Niemand gezweifelt hat, u. daß wir im Geiste Euch von Station zu Station wandern könnt Ihr Euch wohl selbst denken. Großmutter trägt ihr Schicksal mit bewunderungswürdiger Seelenstärke, so geXXX wie ich es selbst nicht erwartet habe; wenn sie allein ist, mags wohl anders ausschauen, sie geht erst gegen 11 Uhr zu Bette, um nicht zu zeitlich ausgeschlafen zu haben, und auf diese Art die schweren Gedanken zu verschlafen, kömmt der Morgen, so hat sie wieder Beschäftigung u. dann eine Menge Visitten. Von dir, liebe Fanni, erwartet sie einen längeren Brief. Ich habe sie vertröstet mit Mailand, von wo ich glaube, daß du ihr wieder schreiben mußt. Sie will ja die von dir erhaltenen Briefe den guten Bekannten zeigen. Viel wird von Eurer Hochzeit gesprochen der feierliche Akt hat allgemein und in jeder Richtung gefallen, wir sprechen oft von den wirklich lustigen Hochzeitsbutel (?), u. speziell mir brennen noch die Lippen als wenn sie mit Cayenn-Pfeffer eingerieben werden würden von den vielen Busseln u. Küssen, die von so schmalzigen jugendlichen Lippen bei der Leidenschaft drücken mir alten Mann hinauf geschnalzt wurden. Wie müssen erst Eure Lippen brennen!! !!! Also, liebe Fanni, vergiß nicht, der Großmutter einen längeren Brief zu schreiben, sie denkt natürlich nicht an den Umstand, daß Ihr jetzt wenig Zeit habt zu langen Briefen, aber du weißt ja, wie sehr du ihr abgehst u. dann lebt in der guten Alten noch immer ein Stück Romantik, Lafontain, Klauren, Van der Velde sind noch nicht ganz vergessen u. dazu auch noch die poetisch romantische Schlegelhofer [Schlögelhofer]! Lebt wohl u. seyd glücklich. Die herzlichsten Grüße von Allen Euer Vater Schlegel.
FANNY KOBLER (1796-1886) „Großmutter“, an FANNI SPÄNGLER: Brief [Prägestempel englisches Staatswappen], Salzburg 19.4.1872, an „Fani“ (Spängler): Dank für Zeilen aus Kufstein, aber wenig, von allen Seiten gefragt, „wo ihr seit, und wie es Euch geht“, beklagt sich über fehlende Nachrichten, „es hat mich sehr geschmerzt“, dein Mann zeigt dir alle Naturschönheiten, „ein ganz kleines Plätzchen in deinem Herzen gehört auch noch mir, so hab ich mir gedacht.“ ... „Seit mehreren Tagen rüstet sich alles zum Ball der Morgen stattfinden wird. Mina hat ein gelbes Seidenkleid mit weisen Oberkleid, die Lida [Guttenberg] ein Rosakleid. Es sind über 600 Personen geladen.“ ... „Die Arigler [Arrigler] Lina ist Braut von Hr.Hager der von Arigler das Geschäft gekauft hat.“ ... „Lebet wohl und vergnügt bis wir uns in Mödling treffen, Gott erhalten uns gesund, dieß ist der innigste Wunsch deiner dich liebenden Großmutter Fanni.“
[Brief von Nr.37 ANTONIA SPÄNGLER an den Sohn Nr.18 FRANZ SPÄNGLER und an FANNY]: Salzburg 20.4.72: Meine lieben theuren! Wie sehr freuen wir uns alle über Euer Glück, wir vergönen es Euch von ganzen Herzen, und wünschen das es immer so grüne- und blühe. Recht sehr danke ich, für Eure freundlichen Zeilen, zu meinen Geburtstag, wie es kamm weiß ich gar nicht aber die Großmutter über brachte mir selbst den Brief ich laß ihr dan den Brief gleich vor, und gab ihr auch denselben mit, damit sie in in Muse lesen kan. Wie froh bin ich daß die Groß mutter von gestern endlich einen Brief von Euch bekamm sie war schon in der that recht ver droßen und gekränkt, so lange von der Fany [Fanni] keinen Brief erhalten zu haben, nun scheint es, ist sie wider gut. Sie hat viel für die Fany [Fanni], und Euch gethan, daher bitte ich Euch, nie die Dankbarkeit aus dem Wege zu lassen, von Euch etwas zu hören, ist ihr größten Lust seit sie allein ist, die Groß mutter ist wohl; zurstunt sich durch Lubreit [?], und ist nun immer darauf bedacht, was du etwa noch brauchen könntest. Wir hatten in dieser Zeit immer schon großen Strauß zu überkommen bey Otto waren alle 3 Kinder krank Otto hatte die häutige Launen mit schrecklich starken Fieber mußte 2 mal mit Luzis in Hals gebracht werden, der Kuhn kamm 2 mahl in einem Tag. Die Paula hatte starken Husten und war sehr k[g]rantig, und die kleine hat einen sehr starken Brust herten [?] so daß sie gewiß 3 Tag und Nächt gewiß nicht länger als eine ¼ Stund außsetzte mit Husten also war eine Person mit Otto, eine mit der kleinen, und die Mamma größtentheil mit der Paula beschäftigt. Die 2 Mädchen mußten so gar auß den Zimmer weg geXXaumt werden wo Otto lag damit sie nicht diese kranke Luf[t] einathmen also war die Pepi nun mit Otto beschäftigt, ich besorgte die kleinen. Die Paula hat dan einmal ich glaube es war gerade am Dienstag fast den ganzen Nachmittag geschlaffen, wo dan diese wider ganz frisch wurden. Otto ist nun auch gottlob wider gut, und fast ganz geheilt im Hals, er mußte auch Tag und Nacht Eis über schlag auf den Kopf haben, den er war oft ganz außeinander. Nun sind sie wieder alle im Kindszimmer beysammen, die kleine hat gestern Nachmmittag auch angefangen länger an ein ander zu schlaffen, und so gott will wird alles wider recht werden Otto ist auch schon wider auf. und zimmlich heiter man muß ihn nur imer hütten das er nicht hinauß kömmt. Ich muß nun schließen um die Post nicht zu ver säumen Lebt alle recht wohl genießt Eure Tage in Lust und Freude und seit herzlich gegrüßt und geküßt von Eurer treuen Mutter Spängler – Alle Bekanten grüßen Euch herzlich und freuen sich über Euer glück. Die Chati küßt die Hände.
1872 bis 1887, Briefe (rot verschnürt, zumeist nicht gelesen) von Nr.19 Fanni Schlegel, verh. Spängler, 1848-1905, z.T. zusammen mit Nr.18 Franz Spängler, 1839-1912, manchmal zwei Briefe zusammen = „und“, an die Großmutter Nr.79 Fanny Kobler, 1796-1886, in Salzburg. – [vorweg] Verlobungsanzeige Richard Schlegel für Fanni mit Franz Spängler, Salzburg 8.9.1871. – Mödling [M.] 29. und 30.5.1872. – M. 11.12.1873. – M. 22.12.1873 und 23.12.1873. – M. 7.3.1874 (Fanni) und 7.3.1874 (Franz). – M. 10.3.1874. – M. 27.3.1874. – M. 10.4.1874. – beschriebene Visitenkarte „Fanni Spängler geb. Schlegel“, Wien 7.4.1876. – Wien [W.] 28.7.1876. – W. 16.10.1876. – W. 9.12.1876. – W. 31.12.1876. – W. 4.3.1880 (Fanni) und ohne Datum (Franz). – W. 9.4.1880. – W. 6.6.1880. – W. 9.9.1880. – W. 11.10.1880. – W. 2.11.1880 Franz zum Bezirksrichter in Pottenstein ernannt. – W. 27.11.1880 mit Umschlag und Briefmarke an „Frau Fanny Kobler Private Salzburg Marktplaz N 10“. – W. 26.12.1880 mit Umschlag und Briefmarke, gleich vorstehend, aber ohne „Private“. – W. 8.1.1881/ 19.1. – W. 8.3.1881 Franzi, geb. 1877, und Toni, geb. 1879, schreiben dazu (diktiert?) an die Urgroßmutter. – W. 19.5.1881. – Pottenstein [P.] 10.6.1881. – P. 19.6.1881. – P. 10.7.1881. – P. 26.9.1881. – P. 12.11.1881. – P. 18.11.1881. – P. 28.1.1882. – P. 5.3.1882 sie haben 400 Gulden erhalten und danken. – P. 19.7.1882 Großmutter will nach P. kommen, allein mit Bahn bis Wien oder St.Pölten, wird dann dort von Franz abgeholt [am 16.5.1882 ist Nr.9 Johanna Holzapfel geb., meine Großmutter ]. – P. 8.8.1882 danken für Zulage von 600 Gulden; sie wollen die Großmutter (die vielleicht nicht nach P. kam?) in Salzburg besuchen, mit Eilzug von St.Pölten; für „Hanna“ kein Bett, Wäschekorb und ein Polster genügen. – P. 17.1.1883. – P. 4.2.1883. – P. 1.4.1883 sie „betteln“ um einen Zuschuss für ein neues Sofa, 50 bis 60 Gulden. Kinder freuen sich auf die Reise nach Salzburg = Franzi, Toni, Rosa und „Hanna“. Franz lässt grüßen, „er sagt, ich [Fanni] sei ein Bettelsack“. – P. 7.9.1883 danken für drei Wochen in Salzburg bei der [Ur-]großmutter; Franzi kommt in die 2.Klasse. – P. 1.11.1883. – P. 6.3.1884. – P. 30.12.1884. – Mödling 26.12. ohne Jahr. – Fanni, ohne Ort und Jahr. – Franz, o.O.u.J. – Franz, o.O.u.J. [diese Briefe lagen vielleicht anderen bei; die Briefe waren insgesamt ungeordnet, eine Zuordnung ist, ohne sie näher gelesen zu haben, nicht gegeben]. – Fanni, o.O.u.J. – Fanni/ Franz, o.O.u.J. [Rest eines mehrseitigen Briefes].
29.7.1872 aus Wien, siehe: „1882“
Briefe „1871/1872“ (rot verschnürt, nicht gelesen) von Nr.18 Franz Spängler aus Mödling an Fanni [...] Angefügt: Brief ohne Umschlag 20.10.1872 aus Leitmeritz von der „Großmutter Katharina Schlegel“ = Nr.77 Theresia Heygel, geb. 20.10.1783, verh. Nr.76 Franz Schlegel; sie ist demnach 89 Jahre alt, als sie diesen Brief mit klarer Schrift an ihre Enkelin schreibt. [...]
FANNY KOBLER an FANNI SPÄNGLER: Salzburg am 14te Dez: 1872./ Liebe Fanni! Dießmal muß ich deinen Brief gleich beantworten, damit du nicht zweifeln darfst ob ich euch beherbergen werde. Wie, und warum du, daran auch nur einen Augenblick zweifeln konntest, weis ich nicht. Ich habe nur zu ein paar Bekante mich geäußert, das wenn ihr im Winter kommt es mir recht leid thut, weil ich euch zum schlafen kein geheiztes Zimmer geben kann, das hab ich auch zu Franzens Mutter gesagt. Wenn es die Geschäfte deines Mannes erlauben, o, so komt nur meine Lieben/ die alte Großmutter hat große Sensucht euch einmal wieder zu seh’n. - Die Feyertage werden ja doch keine Verhandlungen sein, und so gebe ich mich der Hoffnung hin, euch gewiß zu seh’n. Die Lida [Guttenberg; Freundin] hab ich nur einmal gesprochen, solang sie jetzt in Salzburg ist, jezt hat sie die Nani schon 8 Tage die Winterkleidung zusammenzurichten. Hast du dir ein schwarzes Tuchkleid gekauft, oder nur eine Ueberschosse [?] und eine Jage [Jacke]. Die meisten Mädchen bey uns, haben Ansetze von Sammt/ wenn es aber nicht ein schönes Sammt ist gefallen sie mir viel weniger als von Tuch. Der Walli ihre Hochzeit wird den 25.ten Januar sein. Erlach Robert ist Brautführer und Ida [Schlögelhofer] eine von die Kranzjungfraun. Die Schwester der Haßseck [?] die Mari hat den 20.te Hochzeit mit Herrn Mößer, der einmal die Schnerberger hat heurathen wollen, er ist Braumeister in Steuer [Steyr]; die Laschenzki welche dich herzlich grüß, hat zwey Hochzeiten in einer Woche. Das deine Wirthschaft so gut geht freud mich sehr, aller Anfang ist schwer, besonders wenn man fremd ist, ich habe auch gar nicht gezweifelt, das es so werden wird, wenn du länger in Mödling bist. Was deine Geschwister betrift mußt du entweder jeden etwas geben, oder keinen nichts [!], ich glaube es [ist] nicht notwendig ihnen etwas zu geben. Die schönen Tage sind jetzt bey uns vorüber, 2 Tag haben wir Schnee und kalt. Wenn es zur Reise kommt wie ich hoffe, zieht euch ja recht warm an. Jedenfalls sey so gut ein paar Tage früher es mir wißen zu lassen wann ihr eintrefft. Lebe recht wohl, grüße deinen Mann von mir herzlich, es ist auch für ihn wohlthuent einige Tage [fehlt wohl: Ferien] zu mach’n. Erfreue bald mit einer angenehmen Antwort deine dich liebende Großmutter Fanni Kobler. - Alle Bekanten grüßen dich herzlich/ Deinen Brief hab ich erst den 12.te erhalten
1873
Briefe (rot verschnürt, nicht gelesen) von Nr.37 Antonia Spängler, geb. von Lürzer, 1803-1882, an den Sohn Nr.18 Franz Spängler, 1839-1912, aus Salzburg; zusätzlich mehrfach vom Bruder Otto. Oder umgekehrt von Nr.18 a Otto Spängler, 1841-1919, zumeist über Geldangelegenheiten der Mutter, und zusätzlich dann auch von der Mutter. Ohne Umschläge (einzelne Umschläge sind angegeben). – Vom 21.4.1873 bis 1874 und 4.12.1875; insgesamt 36 Briefe, 2 Umschläge 1873 nach Mödling.
12.1.1873, siehe: „Verlobung“ Sept. 1871 [Theaterheftchen für die Goldene Hochzeit von Alois und Therese Spängler]
6.2.1873, Brief: „My dear Fanny [Spängler]! Are you not a little angry with me that I do not write?“... [nicht gelesen] Yours faithful Lida [Guttenberg; Freundin]“
11.12.1873 und ff. siehe: Briefe 1872 bis 1887
[Brief von (Nr.37) ANTONIA SPÄNGLER an den Sohn (Nr.18) FRANZ SPÄNGLER und an FANNI]: Salzburg 28.12.73: Meine innigstgeliebten Theuren! Gott zum gruß: Ihr habt mich schön lange warten lassen, auf einen Brief, ich glaubte schon, es sey der eine an Euch verloren gegangen, weil ich von 1[ten] wo ich geschrieben, bis 25[ten] nicht eine Zeile von Euch erhalten habe. Ich habe es den Rudolf Spängler schon aufgegeben, das sie Euch statt meiner einen kleinen Putzen giebt, - aber es eine Frage sein, ob ihr Euch sehen werdet. Sie sind am Dienstag von hier abgereist, und werden am Dienstag oder längstens Mitwoch Früh hier ankommen. Ich danke Euch beyden recht herzlich für die guten Wünsche zum Jahreswechsel, der liebe Gott wolle uns alle in seinen heilgen Schutz erhalten und in seiner Gnade, dan wird uns alles zum besten gereichen, ich bin nun schon sehr alt [70 Jahre], es kann jeden Tag der letzte sein, wie gott will. Sein Wille sey auch der meine. – Meinen Lieben auch bringe Euch die herzlichsten gewiß auf[ch] n[w]ichtigen Wünsche zum Neuen Jahr möge Euer Glück immer so ungetrübt bleiben wie bis jetzt. Ist es zu Euren beßten, so wird der liebe Gott schon noch Euer Glück erhöhen, durch die Freude, ein Kindlein auf Euren Armen zu wiegen was nicht ist– kann werden, es ist noch nichts auß der Zeit. Behaltet mich immer in Euerer Liebe. Für das hübsche Jangerl danke ich dir recht herzlich lieber Franz, so was kann man immer brauchen. Den kleinen Otto geht es gottlob schon beßer und darf nun schon Vormittag und Nachmittag jedes mahl 2 Stund auf sein und auch mehreres essen, und etwas Wein oder Schoko zur Sterkung nehmen. Lieber Franz ich denke schon das Ihr zu Ostern hierher kömmt, dan wollen wir von der Wienerreise reden. Die Feyertage sind nun auch wieder bald vorbey. Heil Abend und Weihnachtstag Mittag, war ich bey Duregger geladen Die Obrigen Tage gingen wie alle anderen Tage vorüber. Zum Christgeschenk bekam ich von Otto und Louise eine recht liebe Ha[u]be mit Kirsch rothen Bändern Stüzeln von Wolle und ein geldtascherl alles kann ich sehr gut brauchen. Otto sagte mir heute das er einen Brief von dir erhalten wo du so freundlich bist und mir etwas kauffen willst zum Christgeschenk- in diesen Augenblück ist mir noch nichts eingefallen, ich werde es ihm sagen wen mir etwas nöthiges einfällt. Bey Langer bitte ich mich beßtens zu Empfehlen. ich lasse alle Bekanten ein gutes neues Jahr wünschen. Wie ich auch von hier von vielen entrichten soll. Denkt Euch die F v Feusle [?] ist vor 3 Tagen mit einem Mädchen glücklich Entbunden worden welches den Nahmen Linna erhalten hat. Beide befinden sich wohl. Der Dommherr Schweiger ist am Weihnachtstag begraben worden. – Otto hat gesagt, er läßt Euch einsweilen ein recht gutes neues Jahr wünschen, er wird erst, wen alles geordnet ist schreiben. Die Frau von Pausing bedauere ich recht sehr, es läßt sich wohl denken wie leid ihr seyn wird. Gott gebe das es ein andermal beßer geht. Der Herr von Duregger war auch dieser Tage unwohl ist aber wider beßer aber mit den aufstehen vom Seßl und gehen da geht es oft so schlecht das 2 oder 3 zusammen helfen müßen um ihn aufzubringen. – Lebt recht wohl meine lieben Euch oft und oft im Gottes Schutz empfehlend verbleibe ich Eure Euch von ganzen Herzen lieben treue Mutter Spängler. – Otto und Bekante grüßen Euch recht herzlich. - „Duregger“: Die Duregger-Handelsgesellschaft gibt es ab 1828, ab 1855 übernimmt das „Spängler & Trauner“, 1870 „Carl Spängler“ die Bank. Die Familie Duregger besaß ein Haus in der Getreidegasse Nr.3. Sie zieht 1855 um in das ansehnliche Haus am Mozartplatz Nr.4, und Leopoldine Duregger, verh. mit Carl Spängler, erbt dieses Haus. – „#Langer“: Familie der Frau von Julius Spängler (1837-1903), verh. mit Bertha Langer. Julius (Wien) ist ein Cousin von Franz Spängler und Studienkamerad aus Graz.
OTTO SPÄNGLER, Salzburg, an den Bruder FRANZ SPÄNGLER: [1873] ohne Datum: wünscht angenehme Weihnachten und ein glückliches Jahr 1874; „manche bitter Lehre“ in diesem Jahr, „und hat mich auch gelehrt, mit kleinen Ersparnissen zufrieden zu sein“... „Gott erhalte mich gesund; dieses ist mein erster Wunsch hierzu“; folgt Abrechnung... Verlosung von Actien „2 vom Duregger wurde endlich gezogen“ - ohne Datum: Dank für Brief und Wünsche zum Jahreswechsel; am Sylvesterabend alle mit der Mutter im 2.Stock zusammen, abends zur Casino Unterhaltung, Champagnerpartie, „dem bösen alten Jahr den Rücken“ kehren, „herrliche friedvolle Winternacht die über Salzburg lag“; folgt Abrechnung, Einnahmen 123.36, Ausgaben 108.02; an Mutter wieder 10 fl. Wegen Geschenk an Mutter glaubt Louise, gut wäre ein Stoff zu einem Rock, zu der man verschiedene Joppen anziehen kann; der Stoff dürfte ca. 4 fl kosten.
1874
7.3.1874 und ff. siehe: Briefe 1872 bis 1887
Briefe (rot verschnürt, nicht gelesen) von Nr.37 Antonia Spängler, geb. von Lürzer, 1803-1882, an den Sohn Nr.18 Franz Spängler, 1839-1912, aus Salzburg; zusätzlich mehrfach vom Bruder Otto. Oder umgekehrt von Nr.18 a Otto Spängler, 1841-1919, zumeist über Geldangelegenheiten der Mutter, und zusätzlich dann auch von der Mutter. Ohne Umschläge (einzelne Umschläge sind angegeben). – Vom 21.4.1873 bis 1874 und 4.12.1875; insgesamt 36 Briefe, 2 Umschläge 1873 nach Mödling.
1874 Brief von (Nr.37) Maria ANTONIA SPÄNGLER (1803-1882) an den Sohn (Nr.18) FRANZ SPÄNGLER und an FANNI SPÄNGLER [geb. SCHLEGEL]: Salzburg 3.4.74: Meine innigstgeliebten Theuren! Nun nahen sich Feste- an Feste am 8te wird es 2 Jahre das Ihr das ehliche Band geschloßen- ich denke immer schon zurük, an diese Zeit wie wir zu thun hatten um alles zu ordnen- wie wir schon von einen Tag auf den andern warteten bis du endlich gekommen bist, es sind dieß alles angenehme Erinnerungen. Gott gebe das Ihr meine Lieben in 25 Jahren noch eben so glücklich seid, wie heute.- - will der liebe Gott noch eine Zugabe Euch bescheren- - so wird es mich freuen,- wen nicht, so müßen wir uns ergeben, und denken, es wird so beßer sein. der Wille des Herrn gesche[he]. Es thut mir sehr leid das Ihr nicht auf Ostern kommt Es wäre so schön, Euern Hochzeitstag, und meines lieben Franz geburtstag [! nicht der Namenstag, wie sonst üblich] hierin gefallen, und wir hätten denselben mitsammen feyern können, was mich schon gefreut hätte, da man solche Feste immer am liebsten- und glücklichsten mit seinen Kindern feyert. Lieber Franz Gottes reichsten Segen sey mit dir, der liebe Gott möge dir alles geben, was dich beglücken kann, in jeder Richtung besonders wünsche ich Euch beiden imer die beste Gesundheit, nur behalte immer deine Liebe. Vielleicht kommt Ihr doch noch im Frühjahr ich würde mich herzlich darüber freuen. Otto Louise und die Kindlein wünschen dir herzlich Glück zu beyden Festen, nebst herzlichen Grüßen. - - Das Unglück welches die Braunauer getroffen ist wohl sehr hart. Hoffrichter Katrin [?] ist mit Seiner Famil noch zimlich glücklich darauß gekommen, er har alles außgebracht es sind ihm auch 2 Zimmer und die Kanzlei geblieben, aber einige Hundert Gulden hat er doch Schaden gehabt, vielen ist alles verbrannt so auch der Bezirksrichter Gasner währens andern wie auß durch einen Brief erfahren, welche die Hofrichter i[nzwi]schen erhalten werden. Heute sind in Siehausen 3 Heuser und die Gazeln [Gasse] abgebrant wo die Gemeinde ihre Andachten hielt, eben um Mittag, es ist wohl sehr traurig, ich glaube, gewiß die Leute gehen zu leichtsinig um mit dem Licht. Es ist dieß so schrecklich das durch einen Menschen so viele Unglücklich werden, der Jamer in Braunau soll grenzenlos sein. Bey gattermeyer geht es immer so zimmlich gleich nicht beßer und auch nicht schlechter. - - Großmutter [Fanny Kobler] geht es gottlob gut, so auch bey Schlegl [Schlegel]. Franz Spängler mit seiner Frau ist hier, sie soll wider ganz gut außsehen. Die Marlin Weiß sieht sehr übel auß es scheint fast als ob sie die Außzehrung hätte, der Weiß will nun gehen sagt er und will in die Nähe von Wien Ziehen, die Leute wollen ihm nicht recht glauben schenken obwohl sie froh wären. Lebt recht wohl meine lieben, ich wünsche Euch gute Sonntage. bringt diese 2 Festtage [Ostern] gut zu seid herzlich gegrüßt und gesegnet von Eurer treuen Mutter Spángler. - „Franz Spängler“ wohl: Franz Seraphin Spängler (1837-1913), Oberlandesgerichtsrat in Salzburg, ein Cousin von (Nr.18) Franz Xaver Spängler.
Brief von (Nr.37) Maria ANTONIA SPÄNGLER (1803-1882) an den Sohn (Nr.18) FRANZ SPÄNGLER und an FANNI SPÄNGLER [geb. SCHLEGEL]: Salzburg den 28.6.74 [1874]: Meine inigst geliebten Theuren! [verkehrt: Otto Louise grüßen Euch recht herzlich.] Dießmal muß auch ich mich entschuldigen, wegen des langen Stielschweigen, aber es kamm immer so viel dazwischen, das ich nie zum schreiben kamm, doch heute bin ich von der Kirche nachhauße gegangen, ohne einen Besuch zu machen, und setze mich zum schreiben damit ich doch einmal zu recht komme. bey Otto oben [im selben Haus] gab es so viel unwohl sein, das ich in der that ihnen viel nützlich sein konnte, die kleine Louise war 2 mal sehr krank dan lag die Kleine über 4 Wochen zu Hause krank dan kamm sie ins Spital wo auch täglich jemand hinauß ging um zu fragen wie es geht, es nahm auch viele Zeit in Anspruch sie nahmen wohl eine Außhülfe, die eine alte Person konte es auch nicht lange dermachen, dan wurde die Marie krank an einer starken Halsentzündung mit geschwühr, nun ist die Klara nach St gilgen gefahren, aber es mußte jemmand mit fahren und ein Bett hiere [?], da fuhr die Marie mit und blieb 2 Tage weg da hatten sie oben schon eine ordentliche Köchin aufgenohmen aber es waren halt doch nun 2 Mägde zu Hauße und dieser Tage hatten sie Mauern Tapeziren, und eine Kleidermacherin also läßt es sich leicht denken das man bey solcher Arbeit vor allem sucht die Kinder fortzubringen, so ging ich bald mit den 2 größeren Kindern, oder mit allen 4 Kindern und der Pezi auß wie es kamm- dann hatte ich auch einige Glückwünsche auf Konti und so vergeht mir die Zeit schnel und angenehm vorbey. - Bey Duregger bin ich auch gewöhnlich 3 mal in der Woche Abends geladen, da gehe ich gewöhnlich um 5 Uhr hinauß und genieße noch die herliche Luft in freyen. So sehr mich die Uhr als Geschenk freute so sehr bedaure ich, daß sie noch keinen Tag richtig gegangen ist, ich habe sie schon wider über 8 Tage dort [zur Reparatur], es ist doch schade, wenn man so viel geld für eine Sag[ch]e hergiebt, und man kann keine Freude haben weil sie nie recht geht. Auch ist der Zweck nicht ereicht. Heute werde ich sie wider hollen, und ich gebe so acht darauf, und es bekömmt sie niemand anderes in die Hände. Für die Glückwünsche zu meinen Nammenstag meinen herzlichsten Dank, der liebe Gott möge sie erfüllen ich war zu Mittag bey Otto und Abends bey Duregger, und am Tag darauf bey der Toda. - Wir hatten für Euch recht bange da Otto in der Presse gelesen das in Mödling und Baden ein Wolkenbruch nidergegangen mit starken Hagel bekleidet so das in einer Seite der langen gaße, alle Fenster eingeschlagen wurden, aber Ihr habt ja doch meistens die Palcken [Fensterläden] geschloßen, so hoffe ich wird es Euch nicht so stark getroffen haben. Heute haben wir den 30te und ich komm erst dazu diesen Brief zu schließen, es kamm neulich als ich gerade im Schreiben war die [!] Anton Spängler von Braunau und, ich mußte diese 2 Tage fast immer mit ihnen zubringen, bis sie gestern Abend fort reisten, und wie ich nachhauße kamm war schon wieder die Post da, ich bin bey Duregger zum Spielen geladen. Gestern Abends traf ich Otto und Louise draußen, welche mir sagten das es dich auch mit den Fenstern getroffen hat, ich bedauere Euch sehr. Bey XXX geht es beßer, gottlob es haben alle die Flecken [!] [verkehrt:] Lebt wohl mit 1000 Küßen Eure euch herzlich küßende Mutter Spángler - „Toda“ auch in einem Brief der Antonia Spängler vom 16.3.1872 genannt; nicht näher identifiziert.
26.7.1874, siehe: „Verlobung“ Sept. 1871 [Theaterzettel, Flugschrift]
FANNY KOBLER (1796-1886) an FANNI SPÄNGLER: 27.7.1874, Brief ohne Umschlag aus Salzburg an: Liebe Fanni! [darüber:] Alle Bekanten grüßen euch. Hast du die Laurey [?] nie besucht? Weis dein Mann nicht wo er angestellt ist. – Ich sollte dich ein wenig auszanken, weil ich seyd den 14ten Juni keine Nachricht auf meine zwey Briefe erhalten habe, und mir gar kein Hinternüß denken konnte. Ich hätte so gerne die mir zugeschückten Kleider in Ordnung gebracht; weil der Vater vom K.Beringer könnt mit deinem Bruder Karl in Schweiz gehn wird, und ich weder hörte, das er Verschiedenes zu der Reise benötiget, besonders ein Beinkleid. Du kannst dir denken das die Mutter [und] der Karl über Euer Geschänck erfreud warn. Auch den Vater hat es gefreud das du an Karl gedacht hast. Das schwarze Beinkleid hab ich für Hinterholzer behalten. [...] besonders ist dein Vater wie ich entschieden dagegen das du die Zimmer bürsten thust, er sagt, solche Arbeiten muß man gewöhnt seyn, es könnte für dich üble Folgen haben, da deine Brust nicht so stark ist. In Mödling gibt es gewiß einen Zimmerputzer, wenn du alle 14 Tage einen kommen läßt, der dir auch zu gleich die Teppiche ausstaubt ist es oft genug, und diese Auslage wird schon zu bestreiten sein, um sich der Gefahr XXX böse Folgen auszusetzen. Ich bitte dich, mich bald darüber zu beruhigen, das du dein Zimmer nicht mehr sebst bürsten wilst. So viel Geschück im Kleider machen hab ich dir fast nicht zugetraut das du dich auch über Männer Kleidungs-Stücke wagst. – Da muß dir dein Mann schon ein gutes Trinkgeld gegeben haben. – [...] und sträng dich nicht so sehr an. Dieß wünscht und erwarthet deine Großmutter Fanni.
Brief von (Nr.37) Maria ANTONIA SPÄNGLER (1803-1882) an den Sohn (Nr.18) FRANZ SPÄNGLER und an FANNI SPÄNGLER [geb. SCHLEGEL]: Salzburg den 15.8.74 [1874]: [verkehrt:] Sind sie bey Langer für ganz von Mödling weggekommen? Viele grüße von allen Bekannten. Lürzer Leopold von Hopfgarten ist am 3 dieses Monnaths an Lungenleiden gestorben. - Meine inigst geliebten Theuren! Es ist schon so lange, seit ich den letzten Brief erhalten von Euch, das, ich wen ich nicht zufällinger Weise, von dort, und da, etwas hörte, und mir auch die Versuchung [Versicherung] geben, das Ihr beide sehr gut außseht, so müßte mir bange werden, aber so denke ich mir, keines wird gerne schreiben, und so kömmt man ins [auf]schieben, ich weiß dieses von mir selbst. Wie mir Otto sagte so willst du mit Otto mir den Regenkragen [Wetterfleck] kauffen, ich traue dem Otto nicht recht, ich fürchte er hat dich aufgefordert die hälfte zu zahlen, ich habe ihm fest gesagt, ich zahle die hälfte davon, und nun sagte er auf einmal du wollest die Hälfte zahlen zum Nammenstag, was ich wohl nicht annehmen kann, da die Fanny auf wiederholtes bitten, sie möchte sich doch in meinem Nahmen etwas kauffen was sie freut und braucht, es nicht gethan hat. Ich bath sie, sie möge so gut sein, es dem Franz zu sagen, damit ich mit Otto dan abrechnen kann. - Wie geht es Euch meine Lieben geht Ihr recht viel spatzieren! Ich gehe halt sehr viel in Duregger Hof [Mozartplatz 4 mit kleinem Innenhof]. am Mittwoch gehen Otto Louise die 2 größeren Kinder ins Pußterthal nach Meystatt es ist inner Brunnecken [bei Bruneck/Südtirol], die Fammile Duregger geht auch mit. Sie freuen sich schon alle, er will bis 8te Septemmber wider hier sein. Gott gebe das alles gut vorüber gehe. – Heute den 17te bis hierher schrieb ich vorgestern mitlerweile wurde die kleine Louise wider an einer Halsentzündung krank, es ist daher wider unbestimmt ob sie so weit gehen, und wann sie gehen wie die Louise nicht beßer ist, kan davon nicht die Rede sein, sie will sich ja nichts anthun lassen, und nichts nehmen, sie hatte auch von einigen Tagen eine Halsentzündung es ging aber schnel vorüber. Dießmal scheint aber das Übel tiefer zu sitzen, wie wollen das beßere hoffen. - Gestern war ich bey der großmutter [Fanny Kobler] es geht ihr gottlob gut bis auf öfters Herzklopfen. Die Großmutter scheint doch so bald sie kan nach Mödling zu gehen; ihre Partey [Mieter] geht bis 1 September fort, dan muß sie erst den Maurer und anstreicher nehmen für die Küche, dan denke ich wird nicht mehr viel im Wege liegen, Wie mir scheint möchte sie mit Louise fahren. Ich denke gerade auf, wenn die Großmutter es mitnehmen könnte, so schücke ich Euch ein Glaß, schönster eingesottener Ribisel [Johannisbeeren], ich werde schon die Großmutter darum bitten. Otto und Louise lassen Euch recht herzlich grüßen. Nun sind wider die Schissel beyde hier er war in Bad, in Baden, in der Schweitz, und hat ihm sehr gut gethan. Sie werden noch, einige Tage hier bleiben. die Frau direktor Reitlechner war vor ein paar Tagen auf besuch bey mir, bat mich aber nicht mehr zu ihr zu kommen in dem sie den volgenden Tag ziehen sie weiß nicht wohin da in ihrem Hauß in ein paar Tagen alles gepfändet wird, und so war mir sehr leid ihr keinen gegenbesuch machen zu können. die Späth ist schon längere Zeit an einen Magenkatahr [-katarrh] krank und oft sehr schwach. Lebt recht wohl meine lieben theuren lasset recht bald etwas von Euch hören Eure Euch treu liebende Mutter Spángler
FANNY KOBLER an FANNI SPÄNGLER: 24.12.1874, Brief ohne Umschlag aus Salzburg an: Liebe Fanni! Der 15te Dez: ist wie ich von Franzens: Mutter gehört habe, Gott lob glücklich überstanden, und wie ich hoffe werdet ihr ainhr auch schon zimmlich in Ortung seyn. Täglich, fast Stündlich hab ich mich mit euerer Wanderung [Umzug von Mödling nach Wien] beschäftigt. Euer jetztiges Schlafzimmer wird doch geheizt werden? Schläft die Rosi wieder in der Küche? Wie ist dein Mann mit Zimmer eintheilung zufrieden und sind deine gebräuchlichen Sachen unbeschätiget angelangt? Vor allem aber schreibe mir bald ob ihr beyd gesund geblieben seid. Ich Gott lob befinde mich wohl, euere Umgebung und wechslung der Luft hat mir recht gut gethan, ich bin sogar etwas dicker geworden. Ich war jetzt auf einige Tage viel beschäftiget. Wir haten groß Säuberei und ich Näher-nani die wie du weißt nimmermer im Athen hält, die Armme wußte keine Arbeit für wenige Tage, und ich suchte alles hervor um sie zu beschäftigen, sie dankte mir recht dafür, jetzt ist sie wieder bey der Baumman die schon drey Kinder hat. Die Nani läßt dir die Hand küßen. Schlegel [Vater Richard Schlegel, Arzt] ist nicht einverstanden das ihr in ein so kurz gebaudes Haus schon eingezogen seyd, es sind so gar Gesetze welche verbithen ein solches Lokal zu bewohnen, weil wenn es bewohnt ist nicht mehr austrocknen kann, und daher für die Gesundheit sehr nachtheilig ist. Gott gebe das ihr gesund bleibt. Was ich von der Mutter [Spängler] erfahren habe, habt ihr euere Sachen gut untergebracht, worüber ich sehr erfreud bin. Das es möglich war noch vor den Feyertagen hinein zu wandern ist sehr angenehm, ihr werdet doch aoch noch schöns Wetter gehabt haben. Schreibe mir doch was die Wanderung [Umzug] gekostet hat, ich bin schon mehrmals darum gefragt worden dein Vater möcht auch gerne wißen, warum du meinen Koffer wieder nach Mödling zurück bringen mußtest. Deinen Mann grüße ich herzlich, er wird recht froh seyn so nahe zu wohnen. Mit dem das dein Mann den ganzen Vormittag bis 3 Uhr nichts zu sich nimt bin ich nicht einverstanden, er könnte wahrhaftig krank werden. Ich wünsche auch in diesem Brief zugleich alles Gute zum Neuenjahr. Mein tägliches Gebeth zu Gott besteht um Gesundheit, Zufriedenheit, die in unseren Jaren bestehn muß zu bitten, möge er meine Bitte erhören. Schänkt auch im kommenden Jahr euerer Großmutter euer Vertrauen, und euere Liebe. Mit [nehmt] folgendes Christgeschänk nun freundlich von mir an, möge euch alles gut bekommen. Die Spitzenbaret ist richtig bey den bewusten Sachen gelegen, zu den später gekauften Seidenkleid wird es vieleicht recht gut passen. Lebt beide recht wohl und bringt die Feyertage recht vergnügt zu; jedenfalls besser alls euere einsame Großmutter Fanni. - Schreibe ob die Attreße wenn ich einen Brief schreibe so recht ist Wie auf den Kistel. – Das sich das Christkind etwas verspätet hat ist die Ursache weil ich alles recht frisch schüken wollte. Die Zunge ist schon gesotten. Guten Appetit. – Von allen Bekante viele, viele Grüße. Grüße die Rosi, wie benihmt sie sich? wird sie sich doch entschließen bey euch zu bleiben, ich wäre würklich sehr froh. Schreibe mit bald wie du alles empfangen hast. Mit meinen Sachen hat es gar keine Eille.
OTTO SPÄNGLER, Salzburg, an den Bruder FRANZ SPÄNGLER: 1874, Umschlag ohne Brief an „Herrn Dr.Franz Spängler, k.k.Gerichtsadjunkt, k.k.Bezirksgericht Mödling bei Wien“ - ohne Datum: „dienstag früh“; schickt die verlangten Bücher und gratuliert zur Professur [!?]; erzählt von Bekannten; das Salzburger Volksblatt „hat bis dato nicht viel rares gebracht“, Drittelauslosung...; ausgelost wurden ...Rud. Spängler, Josef Spängler... „Ich bin Vorsitzender der Walcomission des I.Wahlkörpers. Deine Geldangelegenheiten werde ich ganz nach Wunsch ordnen. Warum willst du Tante Therese nicht abzalen. Mir ist es gleich.“ [der kleine] Otto: „du sollst auch zur Großmutter kommen“... [liegt bei mit Bleistift:] „Lieber Onkel Franz! ...komm bald zu uns. dein kleiner Otto. Zur Großmutter sollst du auch kommen.“
OTTO SPÄNGLER, Salzburg, an FRANZ SPÄNGLER: [1874] ohne Datum: „Freitag Abend“, Dank für Glückwünsche zum Geburts- und Namenstag, eine Flecken- [Krankheit] bis jetzt an der Familie vorübergegangen, „Groß und Klein“ hatten sie; geplante Rheinreise nicht angetreten; führt das „Lombardgeschäft u. Excompteigeschäft“; „alle Schäden des Jahres 1873 sind noch nicht geheilt“; Rudolf und Maria auf Reisen, haben Norddeutschland sehr teuer gefunden. Abrechnung. Geschenk für Mutters Namenstag? Wünscht sich einen Regenmantel, Louise macht ihn, die Hälfte des Stoffes kostet 4 fl 20 Xr.
1875
Briefe (rot verschnürt, nicht gelesen) von Nr.37 Antonia Spängler, geb. von Lürzer, 1803-1882, an den Sohn Nr.18 Franz Spängler, 1839-1912, aus Salzburg; zusätzlich mehrfach vom Bruder Otto. Oder umgekehrt von Nr.18 a Otto Spängler, 1841-1919, zumeist über Geldangelegenheiten der Mutter, und zusätzlich dann auch von der Mutter. Ohne Umschläge (einzelne Umschläge sind angegeben). – Vom 21.4.1873 bis 1874 und 4.12.1875; insgesamt 36 Briefe, 2 Umschläge 1873 nach Mödling.
Brief Salzburg 10.5.1875 an Nr.17 Fanni Schlegel von „deinem Vater Richard“ Schlegel [Nr.38], siehe: 1850/1851 Briefe...
1875 FANNI SPÄNGLER an FANNY KOBLER: Wien 3/7.1875/ Meine liebe Großmutter! Verzeihe, daß ich dich mit dieser Sendung belästige, aber ich denke Ida kommt ohnehin oft zu dir, und da ich nicht weiß ob sie häufig zu Hause ist, dachte ich, es ist beßer wenn die Franzen an dich kommen. Ich glaube, die Franzen sind für ihre Schönheit nicht theuer. Ida hat mir einen ziemlich traurigen Brief geschrieben. Ich würde ihre die Angelegenheit sobald als möglich zu entscheiden führen, wenn ich an ihrer Stelle wäre./ Selbst die traurigste Gewißheit wäre minder peinlich als dieses ewige Hin und Her. Ich glaube du bist auch dieser Ansicht. Liebe Großmutter ich lege eine weiße Schürze bei, welche dem Fräulein Lina Schmelzing gehört, sie wurde mir durch Trudwin [?] Duscher übergeben, bei welcher das Fräulein die Schürze vergeßen hat. Bitte schicke die Liesa zu Frau von Schmelzing. Wenn Lotti nicht mehr in Salzburg sein sollte so sei so gut und schicke meinen Brief an sie./ Zur angenehmen Neuigkeit kann ich berichten, daß Franzl gestern schriftlich seinen 4 wochentlichen Urlaub zugesichert bekommen hat. Wir werden Wien in den letzten Tagen dieses Monates, möglicherweise erst am 2. August verlaßen. Unser Reiseplan steht noch immer nicht fest, doch denken wir ohngefähr eine Woche zu reisen. Gestern begegnete ich in der Stadt Frau von Taube und ihre Tante, sie sehen Beide recht gut aus. Sie erkundigten sich sogleich nach dir, und empfehlen/ sich dir aufs Beste. Letzten Sonnt Feiertag waren wir in Dornbach, wo wir den dort weilenden Cardinal von Salzburg unsere ergebenste Aufwartung machten. Wir wurden sehr freundlich empfangen[.] Tante Alois ist hier bei Angermeyer, sie ist doch ziemlich ruhig und wol. Mittwoch waren alle hiesigen Spängler sowie Angermeyer bei uns. Es waren unser 11 Personen. Es war ganz lustig. Und nun lebe recht wol. Franzl grüßt dich, Rosi küßt die Hand und auf baldiges frohes und langes Wiedersehn freut sich ungeheuer deine dankbare Enkelin Fanni [am Rand:] Unseren Gruß an Theres, geht es ihr wieder gut? An Allem Alle die herzlichsten Gruße/ Ist zur Hochzeit unser Telegramm rechtzeitig gekommen? - Der Brief liegt in der kleinen Schatztruhe, die [auch bei uns] „neben der Spängler-Uhr steht“. Im Umschlag liegt ebenfalls dort eine Rechnung des „Hôtel de la Poste, Genève“, für Mon[sier]. Spängler, ohne erkennbares Datum, kommt von der im Brief erwähnten „Reise“. Seit 1874 sind die Spängler in Wien. – Eine Cousine Maria Spängler ist mit Vinc. Angermayer verh.; zur Verlobung gratuliert „Maria Spängler“ 1871 aus Ried.
Brief von (Nr.37) Maria ANTONIA SPÄNGLER (1803-1882) an den Sohn (Nr.18) FRANZ SPÄNGLER und an FANNI SPÄNGLER [geb. SCHLEGEL]: Salzburg den 28.10.75 [1875]: Meine innigst geliebten Theuren! Ich hatte schon große Sensucht, von Euch meine Lieben einen Brief zu erhalten, endlich am Montag wurde ich mit einer Nachricht erfreut, und zwar doppelt erfreulich, weil ich nun mit aller Ruhe hoffen kann das alles in Ordnung ist. Der liebe Gott gebe seinen Segen dazu: Ich bitte dich liebe Fany [Fanni] schon dich- thue ja nichts was dir oder den Kinde nachtheilig sein könte. Besonders Verkühlung ist sehr nachtheilig. Wie froh bin ich daß du so heiter und ruhig bist, so hoffe ich wird auch das Kindlein so werden. Ich habe bey durchlesung des Briefes Freudenthränen vergoßen. Ich freue mich schon auf das Kindlein. Gott gebe das alles glücklich Vorübergehe, dan werden wir uns alle im stillen glück erfreuen. Liebe Fany ich bin schon immer jetzt schon sehr bedacht auf meine Gesundheit und auch auf meine Kraft das ich Euch meine wenige Kraft bieten kann, auch giebt der liebe Gott für besodere Fälle auch besondere Kräfte, und dieß erwarte auch ich, von den lieben Gott. Wie schnel wird die Zeit, diese wenigen Monathe vorüber gehen bis ich fort reise von hier. Ich habe nun schon angefangen an den Leibchen zu strücken und Morgen nehmen wir bey der Großmutter eine restliche durchschau der Kindswasch vor, auch nehme ich Wückelthuch und unterlegel mit und so binderln wie man sie nimmt wen man die Kinder nicht mehr fatscht [eng in Binden wickelt] einen Flanel nehme ich auch mit damit sie alles sieht, wie es die Louise hat. Du hast gewiß schon manches gemacht, für das Kindlein. 1 Barterl werde ich auch minehmen. - Otto kömmt nicht nach Wien man weiß nicht wem es eingefallen ist so etwas hinein setzen zu lassen [in die Zeitung] er hat es auch schon wider ruffen lasen. Wegen Hechen [?] Beschau wirst du wie alle hier sehr erfreut geweßen sein besonders die Holzschu Fräulein welche so kümmerlich leben mußten diese können nun wen sie dieses Geld bekommen ganz anständig leben. Sie haben bey einer Außbeute [Rente, Zinsen] 57 fl [Gulden] mit der Außbeute welche auch zugleich mit der großen Zahlung vereint wird bekommen die Holzschuischen bey 3000 fl nebst dem wird auch beantragt, das ferner 6 bis 7 Außbeuten, allzahnlich sind. Dieß ist wohl ein großes Glück, für die gesellschaft. Die Großmutter ist Gottlob zimmlich wohl, im ganzen hält dies Klopfen nicht mehr so lange an wie sonst. Ich habe zu Otto gesagt wen Ihr die Zahlung von der Hannerau [?] bekömmt so wäre es sehr angezeugt wen Ihr für den guten Vater einen Grabstein setzen laßen würdet. Lebt recht wohl meine innigstgeliebten Euch segnend und herzlich grüßend verbleibe ich Eure Euch treuliebende Mutter Antonia Spángler. – Otto und Louise grüßen Euich herzlich.
Brief von (Nr.37) Maria ANTONIA SPÄNGLER (1803-1882) an den Sohn (Nr.18) FRANZ SPÄNGLER und an FANNI SPÄNGLER [geb. SCHLEGEL]: Salzburg den 11.9.75 [1875]: Meine lieben Theuren! Wie lange habe ich mir schon vorgenohmen, an Euch meine lieben zu schreiben, und erst heute komme ich zur Außführung. Ich bin viel auf dem Land bald bey Otto, und bald bei Duregger, dan wird im Hauß in allen 3 Stöcken die Wasserleitung gerichtet wo ich besonders im 3te Stock oft nachschauen muß in meinem Spiegel wurden auch 3 Löcher zu Röhrenlegung durchgebrochen, ist aber noch nicht ganz fertig, es giebt so manchmal unangenehme dabey. Daß Ihr glücklich und wohlbehalten in Wien angekommen seit freute mich sehr, und ich hoffe es wird alles in Ordnung bleiben. Fany [Fanni, schwanger] soll sich nun halten, und besonders nicht schwer heben, und nicht zu weite S[p]atziergänge machen. Besonders bevor die ersten 4 Monnathe vorbey sind muß man in jeder Beziehung vorsichtig sein. Seit 2 Tagen geht es der Natalie, auch beßer, sie hatt Fieber die Mama wird sehr viele angst außgestanden haben, das Kindlein soll sehr gedeien. - Die Großmutter [Fanny Kobler] ist im ganzen zimmlich gleich, bald beßer, dan muß sie wider einige Stunden liegen, nach und nach wird es sich schon geben. Dermalen hat die Großmutter noch gar nichts von der Wasch [große Wäsche] gesprochen, es ist wohl auch noch Zeit. Die Großmutter hat neulich der Conto [Rechnung] gebracht, von dem Herrn Joseph Müllner, welcher das Bild [Foto] für dich ferfertigt hat, es mach[t] 2 f 75 der Otto wird es schon berichtigen wie es zeit hat, ich lasse ihm nicht vergeßen. Wegen der Pezi im Hoff ist es schon wie wir gesehen, es ist ihr bis 1te Ocktober aufgesagt. Vieleicht heurathet er sie bis dahin, noch weiß man nichts, er ist nicht hier, er muß aber dieser Tage kommen, weil die Stelle beginnt am 16te. Die Angermeier gehen Heute von hier fort sommit weil Ihr so nahe wohnt gebe ich ihn diesen Brief mit. Die Zeit läuft so schnel, wie bald werden auch wieder diese Monathe vergehen bis wir uns widersehen. Nicht wahr, ich dachte es mir, wie wohl dir wider gewesen sein wird, in deinen eigenen Haußwesen zu dirXXXnen zu könen. Es ist überal gut aber zu Hauße amm besten. - Den Herrn Prälaten habe ich noch nicht gesprochen. Das dir das viele Abstossen nichts getahn, ist ein großes Glück. auch ein Beweiß das es festen Sitz genohmen hat. Lida Plachetka ist eine ganz glückliche Braut. Im November ist die Vermählung. Auch Frau Auer soll verlobt sein mit dem jungen Weber. Ob wahr oder nicht kann ich nicht behaupten. Otto und Louise grüßen Euch recht herzlich Otto wird schon alles besorgen. Otto kann noch nicht herein Ziehen weil wir noch keine Wasser zum putzen haben das neue ist nicht fertig und das alte kömmt nicht mehr. Lebt recht wohl mit aller liebe Eure Euch herzlich liebende Mutter Spángler von allen Bekanten herzliche Grüße.
Brief von (Nr.37) Maria ANTONIA SPÄNGLER (1803-1882) an den Sohn (Nr.18) FRANZ SPÄNGLER und an FANNI SPÄNGLER [geb. SCHLEGEL]: Salzburg den 25.11.[18]75: [verkehrt:] Die Länge dieses Schiiel [?] ist die größe von den Unterlegeln ganz 4 XXX zum Saume ist schon zugegeben. - Meine lieben- lieben Theuren. Hiemit meinen herzlichen innigen Dank für Eure Wünsche zum 49te Hochzeitstag, es ist mir dieser Tag immer ein Tag, selliger Erinnerung- und Schmerz- das mir mein Glück so bald zu Grabe ging. Der Vater war mehr als gut wir lebten sehr glücklich. Nun seit Er tod ist suche ich mein Glück, im Glücke meiner Kinder. Nun will ich genau der lieben Fany [Fanni] ihre Fragen beantworten wegen der Kindswasch [Kinderwäsche, Ausstattung]. Im ganzen bin ich zufrieden was ich für dich liebe Fany errungen habe. Am schlechtesten geht es mit den Wückeltüchern und Unterlegeln es sind in der Zahl 26 Wückeltücher aber nur 9 haben die größe von der Louise ihren Muster. die anderen sind halt viel kürzer. Unterlegeln sind es 42 Stück, 13 davon sehr schon [schön] und groß, die U[e]brigen, kann ich mir nicht recht denken das wir sie brauchen können. Die Großmutter giebt mir aber immer zur Antwort, sind 2 Kinder damit groß geworden so wird diß Kind sie auch brauchen können. Ich mag sie nicht böse machen, sonst kauft sie uns die anderen Sachen zuletzt auch nicht mehr. Wir haben 4 ganz neue gute Flanell gekauft 5 Ell [Ellen] für 4 Stück die El 1 f 20 X [Gulden/Kreuzer] dan recht sehr liebe Bens [?] auf deckerl und duchentziehen [Bettüberzüge] fürs Bett. dan 4 Kapenleintücheln, und ich hoffe auch noch 4 Unterleinlicherln [?] dan 3 Einbinddeckerln. eines davon ist sehr lieb dan bekömmst du 4 recht gute Leibchen neue 2 kleine Leibchen. Dan einen Pfleiben-Sack als Unterbett im Korb, und darauf eine Matratze von Seegraß. und Polster. Vieleicht köntest du einmal ein Maß von der größe des Korbes, in Lange und Breite schücken. damit alles ordentlich wird. - Fatschpolster Kappe und Zieher bekömmst du auch hinunter. Wegen den Unterlegeln glaube ich wir sollen gar nichts sagen ich schücke die an den Santemetter [Centimeter] abgemeßen ganz genau die länge sie sind 4 ekicht. Ich bitte dich in der 27 X Handlung auf meine Rechnung 12 Ell Leinwand zu kaufen und zu machen, und es von mir als Christgeschenk zu nehmen, für dich und statt Franz etwas zu schücken kaufe dir Gutaberger Einlage für das Bett. Sie kostet auch ein paar gulden. Den sie bedeckt beynahe den ganzen Korb. So wären gute und Sachen gedeckt. Sage aber der großmutter nichts davon, weil sie es nicht zugiebt das die Unterlegeln nichts taugen. 2 Einlagen für die Einbinddeckerln gab mir die Louise für dich die nehme ich dan mit, oder wen ich mit deinen Leibchen fertig werde, schücke ich alles zusammen auf Weihnachten mit der Großmutter ihren Sachen. Otto ist Heute und Gestern in Achthall [Achtal] er läßt dich recht herzlich grüßen. Wie froh bin ich immer zu hören das es dir liebe Fany recht gut geht, so wird gewiß auch dan alles recht gut und glücklich vorüber gehen. Gieb auch vor Verkühlung recht obacht. Lebe recht wohl es küßt und Segnet Euch alle 3 Euere Euch von ganzen Herzen liebende Mutter Spángler. - „Hochzeitstag“: Vermählung mit Franz Xaver Spängler am 14.11.1826; Ehemann gestorben am 1.3.1854.
Brief von (Nr.37) Maria ANTONIA SPÄNGLER (1803-1882) an den Sohn (Nr.18) FRANZ SPÄNGLER und an FANNI SPÄNGLER [geb. SCHLEGEL]: Salzburg den 21.12.[18]75: [verkehrt:] Otto Louise grüßen Euch recht herzlich, mit Kindern [und] Bekannten. - Meine lieben Theuren! Soeben erhielt ich Euren lieben theuren Brief und danke schon im vorauß für das zu bekommende Weihnachts geschenk, der liebe Gott wolle mich gesund erhalten, das ich Euch an den so wichtigen Zeitpunkt, einige Hülfe leisten kann. Auch danke ich recht schön, das Ihr beschloßen, Ihr wollet mir in Zukunft jeden 11 fl Papier [11 Gulden Papiergeld] geben statt 10 f [monatliche Unterstützung beider Brüder], was mir bleibt gehört ja wieder Euch meine lieben Kinder. Die Louise sagte neulich das eine Gutenberger einlage über 2 f [Gulden] kostet, so dachte ich mir damit Ihr das Geld nicht dafür auß geben dürftet wil ich sie als Christgeschenk kauffen lassen nun hat sie aber eine schöne große gekauft und hat be[i]weiten nicht das gekostet. Nun glaube ich Franz soll sich lieber in meine Rech[n]ung beziehend 6 Hals krägen [Hemdkragen] kaufen wie er sie brauchen kann, oder was er sonst brauchen kann, es würde mich freuen, wen du etwas kaufen würdest was dir eine Freude oder Nutzen bringt. - Heute haben wir bey der Großmutter die Sachen gepackt für den kleinen Ankömling auch von mir sind 2 Heubchen und 2 Leibchen dabey du wirst sie schon kenen, sie sind, in den Ermeln roth und Blau eingezogen, und des gleichen auch die Hëubchen. Eines hoffe ich noch zu strücken welches ich selbst mitbringe. Die Großmutter hat sich schrecklich viel Mühe gegeben, bis sie alles so beysammen hatte,- und endlich eingepackt wurde; Ich hoffe es wird alles glücklich dort angelangen, sehet ja die Kiste so bald als moglich auf zu machen damit die Würste nicht verderben, welche die Großmutter / wie ich hoffe noch zur rechten Zeit bekommen hat / [und] bey packt. Die Großmutter hat sich viel kosten lassen, bis sie alles hat machen lassen. Gieb ja beim Außpacken obacht es liegt in den Bettdeckeln Ein Dutten [vielleicht Retorte, Destillierkolben? „Dutte“ ist aber auch die weibliche Brust; ist es eine Art Schnuller? Ich habe an versch. Stelle nachgefragt, leider vergeblich.], und die Schale zum Dizerlwasser [vielleicht destilliertes Wasser?] samt deckel, das es nicht zerbrechen wird, auch glaubt die Großmutter du solst die Sachen wen du sie angesehen, wieder in die Kiste geben bis man sie braucht damit du nicht schon jetzt den Platz verlierst. Die Kiste solst du ja nicht zusammen schlagen, da sie eine so gute ist. 22 h [Uhr] Die Großmutter war soeben bey mir und sagte das sie die Kiste soeben aufgegeben hat, und man sagte ihr das selbe Morgen schon nach Wien kömt, ich schücke daher heute noch diesen Brief ab dammit Ihr von der Kiste in Kentniß seid die Würste hat sie auch noch bekommen für die Kiste dürft Ihr nicht mehr zahlen, den die Großmutter hat die Fracht schon hier bezahlt. Sie läßt Euch recht herzlich grüßen- gute Feyertage und guten Apetit zu den Würsten wünschen. - Wie sie kann wird sie Euch schreiben- jetzt muß sie einmal ein paar Tage rasten, den sie ist dermalen sehr auf geregt, aber im ganzen nicht übel. Im ganzen ist die Gesundheit der Großmutter beßer, da das Klopfen [Herzklopfen] nicht so lange anhält als früher. Liebe Fany du wirst wirst mich schon verstanden haben wegen denen Unterlegeln das du auf meine Rechnung 12 Stück kaufen solst und Franz 6 Krägen oder wen er sonst etwas nothwendig braucht ein gutes Meßer oder dergleichen, dann wen alles gekauft ist mit den Otto verrechnen. Du wirst schon sehen das es nothwendig ist den diese denke ich kann man wie sie sind nicht gebrauchen. bitte nur dir Nantalin [?] das sie dir ein Unterlegel leiht, dan weist du gleich schon was zu machen ist. Meine lieben gute glückliche Feyertage und ein gutes gutes neues Jahr, und ein frisches Kindlein mit krausten Hare. Gott Segen Euch und uns alle Mit Liebe Eure Euch herzlich liebende. Mutter Spángler - Wohl im März 1876 hat Fanni Spängler ein Kind, das (namenlos) stirbt (in den Briefen vom Dezember 1875 und März/April 1876 genannt); die älteste Tochter, Nr.9 a, Franziska Spängler, ist dann am 18.6.1877 in Wien geboren. Siehe auch Brief vom 17.11.1877.
FANNY KOBLER an FANNI SPÄNGLER: 22.12.1875 [erst 1877 wird Franzi, die älteste der Spängler-Geschwister, geboren, vgl. folgenden Brief vom 15.4.1876; es ist ein totgeborenes {?} Kind davor gemeint], Brief 1,5 Bogen ohne Umschlag aus Salzburg an: „Liebe Fanni! „Es ist gerade 11 Uhr Mittag und ich habe das Kistl wo sich die kleine Ausstat[t]ung für euer kleines Kind befindet den Eillgut übergeben. Morgen wirst du es in Haus gestellt erhalten. ich hoffe das Christkind wird euch [erreichen] du kannst es glauben liebe Fanni es hat mir viele Mühe und Sorge gemach alles zusammen zu bringen. Ich habe es mit Freuden gethan. Wenn Gott mir die Gnade schänkt das kleine Wesen an mein Herz zu drücken und ihm den Urgroßmütterlichen Kuß zu geben, bin [ich] für alles belohnt. Du wirst sehn wie mit Mühe und Sorge für das kleine Wuzi wächst, nur meine ich immer es wird dir zu viel werden ohne Magd, weil dir dir schlaflosen Nächt oft Müdigkeit und Unwohlsein bereitet gemacht haben, und auch für das Geschäft deines Franzes beschwerlich ist. Doch wenn der liebe Gott dem ich täglich inig bitte Gesundheit schänkt, wirst du dich schon daran gewöhnen, die Lieb überwindet alles. Der Güttig Gott schänke dir an Geist und Korper ein gesunds Kind. Ich brauche dir nicht erst zu sagen wie gern ich dir in den Wochenbett zur Seite gestanden wäre und alles überwacht hätte. Doch ich weis ja die gute Mutter [Spängler, geb. Lürzer, gest. 1882, Nr.37; Fannis eigene Mutter stirbt bei der Geburt der Tochter 1848; auch deshalb ist die Verbindung zur Großmutter besonders eng] bey dir die ja Sorgsam, lieb und gut ist, Gott möge ihrr Gesundheit schänken. Wie wird sich dein guter Mann freuen das kleine Püpchen auf seinen Arm zu tragen und auf seinen Knien zu schaukeln. Euer Leben wird jetzt ein ganz anderes sein. Eine Kinderlose Ehe wird mit den Jahren zu Monoton, es fehl dem Leben an Jntreße [Interesse]. Nun liebe Fanni hab ich einmal über das was uns beyde so sehr intresiert sprächen können nach dem ich mich schon lange gesähnt habe. Heute hab ich gerade die Lichte für meine Augen da ich mehr sehe als gewöhnlich. Ich füge daher dem besten Wunsch zum freudigen Christkind, dem aufrichtigen herzlichen Wunsch bey zum Neuenjahr bey, Gott wolle uns Gesundheit und ein Wiedersehn verleihn. – Meine Gesundheit hat sich viel gebessert, doch frey bin ich von meinen Magenklopfen nicht, aber ich darf doch wieder etwas mehr genießen, und es dauert nicht 4-5 Stunden lang. Ich danke dir für den Stoff den du mir hast färben lassen er gefählt mir gut, was daraus wird, weis ich noch nicht. Die Näherin ist im Spital bedenklich krank, wenn sie wieder besser wird, werden ihr die 3 fl [Taler] zur Erholung recht wohl thun. Ida welche dich vielmals grüßt, ist jetzt recht beschäftigt. sie geht in 3-4 Häuser wo sie Kleider macht, man ist mit ihr [zweites Blatt, Prägestempel „Bath“] zufrieden, da muß von 4 ½ Uhr bis 7 ½ Uhr fleißig nähn, und kann nicht davon laufen. Gestern war sie den ganzen Tag bey mir, da haben wir die Kindswäsche geordnet und zusammen gebunden, es hat ihr Freude gemacht, es thun zu dürfen. Jetzt muß ich schlüßen eds wird schon dunkl die Augen versagen mir ihrn Dienst. Ich meine du sollst die Wäsche wenn du selbr gesehn hast in der Küste lassen, du darfst nur einen Tepich darunter legen, da kanst du sie in jeden Zimmer stehn lassen. Grüße die Rosi, ich hoffe das Mieder wird recht sein Lebe recht wohl es umarmt Euch beyde Euere Großmutter Fanni.“ – Beigelegt [von mir; gehört nicht unbedingt hierher] zwei Visitenkarten „Fanni Kobler. Private“.
1876
Briefe (rot verschnürt, nicht gelesen) von Nr.37 Antonia Spängler, geb. von Lürzer, 1803-1882, an den Sohn Nr.18 Franz Spängler, 1839-1912, aus Salzburg; zusätzlich mehrfach vom Bruder Otto. Oder umgekehrt von Nr.18 a Otto Spängler, 1841-1919, zumeist über Geldangelegenheiten der Mutter, und zusätzlich dann auch von der Mutter. Ohne Umschläge (einzelne Umschläge sind angegeben). – Vom 28.1.1876 bis 1877 und 26.12.1878; insgesamt 25 Briefe.
1876 Ida [eine Freundin von Fanni, verh. Schlögelhofer] und „Großmutter“, FANNY KOBLER, an FANNI SPÄNGLER: Salzburg den 21/2 [1]876./ Liebe gute Fanni! Gestern war die Mutter bei der Großmutter wo sie ihr mitteilte, das sie am 29ten Feber [Februar] abreisen wird, um Euch alle außer Sorge zu bringen, wir wünschen nur das es alles recht glüklich vorüber geht, dieß bitten wir den lieben Gott innig, u. ich und Großmutter freuen uns ebenso auf dein Wuzi [Kind] wie du dich u. Franzl, u. wie sehr würde es Großm.[utter] freuen diesen kleinen Weltbürger in ihre Arme schließen zu können. Großm. lässt dich bitten wenn der große Akt vorüber ist ihr gleich zu telegrafieren // darüber mit Fannys Schrift: Dem Papi viele Grüße. Thomas grüßt Dich.// u. die ersten 9 Tage ih täglich durch Telegramm wißen zu laßen wie es Dir u. dem kleinen Wuzi geht, sei nur muthig liebe Fanni, der Allmächtige zur dem Deine Großmutter täglich bettet wird Dich gewiß wieder bald gesund hervorgehen laßen, u. Dir Dein kleines Wuzerl auch recht gesund erhalten./ Die Großm. wird die Rechnung schon bald in Ordnung bringen, du sollst nur bald schreiben, was du für Wien ausgelegt hast./ Also liebe Fanni ich schließe auch dem Briefe meinen herzlichsten Dank an für die Besorgung der Franzen, u. Großmutter wird Dir den Betrag durch die Mutter [Spängler] überschiken, dem ich ihr am 12te Febr. übergab, ich danke Dir noch vielmals dafür, das du mir so lange zugewartet hast. An Franzl von uns herzliche Grüße, u. Großm. läßt ihm sagen er soll nur recht standhaft sein, es ist Dir auch eine Erleichterung./ Nun lebe wol liebe Fanni nächstens ein ausfürlicherer Brief, sei herzlich geküßt u. gegrüßt, von Deiner Freundin Ida u. Großmutter./ [Nr.79, Fanny Koblers, 1796-1886, eigene Schrift:] Liebe Fanni! Wie mich das glüklich macht heute 8 Tag dich in Geselschaft der guten Mutter [Spängler] und erfahrene Frau zu wissen kann ich dir nicht beschreiben, nach dem dein Befinden Gott sey Dank immer so gut als es unter diesen Umständen seyn kann ist, so wird alles gut vorüber geh’n. Mein Befinden ist zimmlich gut, daher kannst du auch in dieser Beziehung ruhig sein. Laschanzki [Laschensky] seine Frau wird auch schon im März entbunden; es [geht] gut soviel ich von seiner Mutter höre welche dich vielmals grüßen läßt. Frau v: Bauernfeind [Paurnfeind] ist von Reumatischenschmerz im Fuß schon 8 Wochen im Bett. Wenn dein Wuzl Gethauft und eingewikelt ist, so [gib ihm] einen lan lange[n], lange[n] Kuß von mir, was würde ich darum geben wenn ich bey euch sein könnte. Lebe wohl liebe Fanni, grüße deinen Mann. Meine Augen erlauben mir nicht länger zu schreiben. Fanni. [Dieser Brief liegt ausnahmsweise in weiße Schachtel Nr.3 (Inhaltsverz. liegt oben); von ihm sind Fotos in der Datei „FamArchiv“ und Text und Fotos habe ich für Salzburgwiki.at (Kobler-Spängler-Briefe) verwendet. Die anderen Kobler-Briefe liegen in der Spängler-Holzkiste.]
FANNY KOBLER an FANNI SPÄNGLER: Salzburg am 6te März 1876./ Liebe Fanni! Worin meine meine inigsten aufrichtigen Wünsche bestehen weißt du ohnehin, dießmal [schließt] sich noch ein Wunsch an, ich bethe täglich Gott, dich eine recht glückliche Mutter werden zu lassen. Gott möge dir die Gnade verlein das du ein gesundes Kind in deine Arme schlüßen kannst. Das die gute Mutter gesund bey auch angelang [?] ist, bin recht/ bin ich recht erfreud, sage ihm von mir herzlich Grüße und Küße; so auch deinen guten Mann. Mein Befinden ist ziemlich gut, gestern bin ich nach 3 Wochen das erst mal wieder in die Kirche gegangen; ich konte ja keinen Schuh vertragen. Lorinser Mina die Vermählungsanzeige geschickt. Das Preßent wirst du ihr wohl schon überschückt haben. Schreibe mir was du da für ausgegeben hast. Die Ida hat mir für die Franzen die 6 f gegeben/ sage mir mit kurzen Worten wenn du das was ich für dich ausgeben abziehst was ich dir in barem zu zahlen habe, damit ich dir das Geld schücken kann. Den Brief wo du mir das geschrieben hast den hab ich verlegt. Ich werde dann wie gewöhnlich zu deinem Namenstag die 10 f bey legen. Die Muster vom Schlafrock gefählt mir gut. wieviel Ellen hast du gebraucht und was hat die Elle gekostet. Heute geht das Schreiben wieder garnicht. Lebe wohl liebe Fanni meine Wünsche werden hollent [?] umarmt und küßt dich deine Großmutter Fanni Kobler. Ther ses [Theres] wünscht dir alles Gute - Geschrieben mit 80 Jahren von Fanny Kobler, geb. 1796 in Salzburg, gest. 1886. – Abbildung = undatiertes Foto der Fanny Kobler als würdige, ältere Dame
Briefe [rot verschnürt, nicht gelesen] von Nr.37 Antonia von Lürzer, verh. Spängler, an Nr.18 Franz Spängler (und Fanni); Briefpapier Prägestempel „A. S.“, 9.3.1876 an „meine lieben Theuren... von Euerer Euch treu liebenden Mutter Spängler“; Salzburg 28.4.76; 26.12.76 „meine innigst geliebten Theuren... Euere Euch herzlich liebende Mutter Spängler; 3.7.1877; 22.3.77 (von Otto und Louise viele Grüße.“); 18.12.77; 26.2.1878; Baumkirchen 6.7.78; Salzburg 24.1.1879; 22.7.79 „Mein lieber theurer Franz!...“; 19.11.79 „...Mutter Spángler. Bey Schlegel lassen sie Euch alle herzlich grüßen.“; 10.4.1880; 1.10.80 Briefpapier „A“; 14.10.80; 1.12.80; 4.4.1881; 28.4.81 (1,5 Blätter); 7.6.81; 23.6.81; Baumkirchen 21.7.81; Salzburg 22.12.81 (Prägestempel „Salzburg“, „...Eure treue Mutter Antonia Spängler“; 16.1.1882; 6.3.82; 16.11. ohne Jahr; 30.11. ohne Jahr (von dem Hofrichter Spängler herzliche Glückwünsche).
FANNY KOBLER an FANNI SPÄNGLER: 15.4.1876, Brief ohne Umschlag: „Nach langen 3 Wochen sind meine Augen wieder so daß es mir möglich ist ein paar Zeilen an dich zu schreiben, wie vieles hätte ich dich zu fragen, leider kann ich das nicht. Den lieben Gott tausent Dank das er dir deine Gesundheit wieder geschänkt hat, deine Kräfte werden wieder kommen wenn das Wetter es erlaubt die frische Luft wieder zu grüßen Noch mal tausent Dank der guten umsichtigen Mutter [Spängler] und und deinen lieben Mann, über allen die dich in den bangen Stunden umgeben haben – Ich kann leider deine lieben Briefe nicht beantworten ich kann das von mir geschriebene nicht mehr lesen, wie schwer mir das ist kannst du dir gar nicht denken so mußt du mit meinem Geschreibsel schon zufrieden sein, und dir alles selbst zu samen denken. Wie leid es mir ist das ich weder Kistel noch Bücher deinem Mann aufbewahren kann ist selbstverständlich. Ich bekome in die zwey Zimmer neben mir, bis 1 May einem Herrn Oberkriegscomisär von Graz, Herrn Qualler, welche jetzt in Salzburg leben wollen. Sie werden mehrere Möbel selbst mitbringen daher ich von meinen Möbeln mehreres raus nehmen muß, da kan im Kammerl nichts untergebracht werden, unser beschra[ä]nkter Durchboden ist dir bekant. Frau v: Bauernfeid [Paurnfeind] liegt 4 Monate schon an ihren Fußleiden Dr: Günther vertröst[et] sie immer mit dem besseren Wetter sie ist oft recht verzagt hat viele Schmerzen, grüßt auch alle vie[l]mals. Oma Gattermayer geht es immer gleich, die linke Seite ist beynahe unbeweglich, so sind meine Freundinnen zusammengeschmolzen, die Rosi ist trauXXX Mein Befinden ist wied[er] ziemlich gut ich bin sehr hoch in die 70 [sie ist 79] was kann man da soch [?] ansprächen. Der alten Baschenzky [?] geht es gut bis auf ihren gewöhnlichen Zustand. Bitte alle Bekannten grüßen mich herzlich. Die SchXXberger ist oft unwohl. Ich wünsche recht gute Feyertage Grüß herzliche Grüße an die gute Mutter, an deinen Mann und vielen Dank für seine Nachrichten während deinen Wochenbett Lebe wohl liebe Fanni es umarmt euch Euere Großmutter Fanni“ [ganzen Brief übertragen] – „Wochenbett“: sie heiraten 1872, Fanny Kobler ist 1796 geboren, Franzi Spängler wird 1877 in Wien geboren. Hier muss es ein (totes) Kind geben, von dem ich nichts Näheres weiß (siehe auch Brief vom Febr. und folgende Briefe!).
Briefumschlag ohne Marke, Stempel Wien-Josefstadt 1876; „Dem Herrn Doctor Franz Spängler [Nr.18] kk Gerichtsadjunkt in Wien VIII Schlößelgasse Nr.8, II.Stock, Thür 14“, enthaltend: FANNI SPÄNGLER an FRANZ SPÄNGLER und zurück: 11.7.1876 Postkarte, Bleistift, von Salzburg nach Wien: Lieber Franzl! in Frankenmarkt gut angelangt, fange schon an einigen Hunger zu kriegen, auf Nachricht von dir freue ich mich sehr, es wird schön sein wieder bei dir zu sein, Maria Plain in Sicht [im Zug vor Salzburg], ich hoffe dir heut noch zu schreiben, grüße alle Bekannten, grüße Rosi [Hausangestellte].
FANNI SPÄNGLER (Nr.19) an FRANZ SPÄNGLER (Nr.18): 11.7. [1876] ein Bogen Brief von Salzburg [verblasste Tinte]: Mein lieber Franzl! Meine Karte hast du hoffentlich erhalten, die dir beweisen sollte, daß ich glücklich ankam; ich benütze nun die erste ruhige Minute, um mit dir zu plaudern, und gedenke überhaupt meine freien Augenblicke zu diesem Geschäfte fleißig zu benützen. Also den Reisebericht: Ich fuhr recht angenehm mit der Familie, die du gesehen hast, den Namen habe ich nicht erfahren; es war Großmutter, Tochter und Enkelin. In Wels stieg Frl. Agathe aus und Frl. Lotte Lungenschneid ein. Wir erkannten uns anfangs gegenseitig nicht, dann war natürlich das Weiberl dasjenige, welche keine Idee hatte, wen sie vor sich hatte. Nach geschehener Erkennung haben wir gemütlich geplauscht. [am Rand, oben und unten:]/Die Ränder dieser Epistel sind auf gewohnte Weise beschrieben./ Hat dir Rosi gut gekocht? Großmutter u. Mutter grüßen sehr herzlich, auch ich natürlich. Allen Verwandten unseren Gruß. Am Bahnhof nahmen mich deine Mutter und meine Stiefmutter u. Schwägerin Luise [Louise Spängler] in Empfang. Wir wanderten zu Fuße in die Stadt. Meinen Koffer beförderte der Omnibus von Raith /: nun mehr Hutêl Haas [?]:/ Die Großmutter nahm mich mit Freuden auf und installirte mich in unser Fremdenzimmer. Es ist mir sehr lieb, mein eigenes Zimmer zu haben. Und somit wäre Alles schön und gut, wenn ich auch nur meinen herzlieben Franzl da hätte! Und wie kommt es denn dir vor, ohne deinen Plagegeist. Recht erfreut war Großmutter über das Mitbringen meiner Zither. Nach Tische waren wir beim Vater [Richard Schlegel, Arzt], der sehr zufrieden mit meinem Aussehen ist. Alle grüßen dich herzlichst, Großmutter läßt dir noch ganz besonders danken daß du mich geschickt hast. Wenn ich doch Abends nur 10 Minuten bei meinem lieben, lieben Franzl sein könnte. Deine Mutter sieht wieder recht gut aus. Meine Mutter [Kathi Schlegel, geb. Arrigler; Stiefmutter] ist nahezu ergraut, die Großmutter [Fanny Kobler] sieht weit besser aus, als ich es zu hoffen wagte. Ihre Stimmung ist ziemlich verbittert, ihr Ton gegen Theres [Hausangestellte] ist derselbe wie vor einem Jahre. Ich habe mir vorgenommen, meine Ohren und meinen Schnabel nach Möglichkeit zu zubehalten. Ein kluger Vorsatz, nicht wahr? Wenn er nur auch gehalten wird! Es gefällt mir hier gar nicht übel, aber daß ich mich schon aufs Heimreisen freue, kannst du glauben. Ich werde mich jetzt beeilen, den Brief auf die Post zu bringen und bitte dich, mir zu schreiben, ob du denselben noch rechtzeitig, d.h. morgen, den 12. bekommen hast. Wie freue ich mich auf einen Brief von dir, du Lieber! Ich hoffe, du wirst zufrieden sein, wenn ich dir sage, daß die neuen Blumen schon auf meinem Hute sind. Großmutter hat mich schon ihrer Parthei [Untermieter] aufgeführt. Es ist der kk. Kriegskomissär Daler u. Frau. Es scheinen wirklich sehr liebe Menschen zu sein. – Das Thema von unserem armen kleinen Engel [totes Kind] ist schon vielseitig variirt worden. Ich zeige mich so heiter und getröstet als ich es zusammenbringe. – Als wir von meinen Eltern weggingen, begegnete ich Nathalie. Sie war recht lieb, und sieht wirklich überraschend gut aus. Ich habe mich recht gefreut, sie ist ordentlich rosig. Sie grüßt dich freundlich. Ich will nun den Versuch machen, deine Mutter zu treffen. Bei Karl Baschensky ist vor wenigen Tagen ein Mädchen gekommen. Ich werde, um nicht meine Stiefmutter immer mit diesem üblichen Worte bezeichnen zu müssen, dieselbe kurz meine Mutter, und deine Mutter unsere Mutter nennen, einverstanden? So nun siehst du, wie dein Weiberl an dich schreibt. Ich hoffe bald auf einen Brief von dir. Behüt’ dich Gott, du Lieber, sei 100000erte mal geküßt von deiner treuen Frau Fanni Sp. [Spängler]/[am Rand:] Die KuXXX [Coupons; Zinsen auf Wertpapiere] sind ausgezahlt, und sollen auch die heurigen bald ausgezahlt werden. Soll Otto das Geld schicken?
FRANZ SPÄNGLER (Nr.18) an FANNI SPÄNGLER (Nr.19): 11.7. [1876] ein Bogen Brief aus Wien: Morgens ½ 7 [Uhr]. Meine liebe Fanny! So sitze ich denn allein im Zimmer da, u. mußte aufstehen, ohne dich mit einem Buße [Bussi] aufgewekt zu haben, u. harre des Café, ohne dß ich dich dabei ans Aufstehen erinnern kann! Guten Morgen meine Liebe! Ich hoffe du hast während der Fahrt gut geschlafen, u. näherst dich jetzt der Salzburg’schen Grenze... habe schon die Uhren gerichtet... das fehlende Knöpfchen angenäht, bemühe mich, die ganze Wirtschaft und die Wohnung in möglichster Ordnung zu erhalten. – ¾ 6 [Uhr] Abends... Zeitungslektüre, hoffe die Nachrichten zu erhalten, wie dir die Reise bekommen hat... Befinden der Großmutter, der Mutter etc. – Was ich heute Abends anfangen werde, weiß ich noch nicht... Rosi [Hausangestellte] läßt dir die Hand küßen, Minerl läßt dich grüßen. Ich schließe für heute... Mit Herzlichen Gruße und Kuße, dein treuer Franz. [nicht alles gelesen]
FANNI SPÄNGLER (Nr.19) an FRANZ SPÄNGLER (Nr.18): 12.7. [1876] zwei Bogen Brief von Salzburg: Mein herzlieber Franzl! Mit dem Wunsch und der Hoffnung, heute von dir zu hören, etwas nach 7 Uhr aufgestanden, angekleidet, Franziskanerkirche, nachher „warf ich mich in Staat und ging zur Mutter u Schwägerin Luise [Louise Spängler]“, dann zu Plachetka, 12 Uhr nach Hause, fand deine lieben Zeilen, „recht herzlichen Kuß, oder noch lieber, recht viele Küsse dafür“, „deine Fotografie bekommt schon welche, aber dir bleiben ja unvermindert. Schau auch beim Schreiben ist dein Weiberl das alte verliebte Katzerl, du wirst gewiß lachen über mein Geschreibsel.“ Freue mich auf gemütliches Heim, „Gegen Otto’s Prachtwohnung haben wir haben wir freilich ein nur gar enges Nestchen, aber es ist gar so traulich.“ Otto [Spängler, Bruder von Franz] noch nicht gesehen, die Kinder sind allerliebst, grüßen Onkel Franz... Im Dureggerschen Hause [Mozartplatz 4: Otto Spängler; die Großmutter wohnt in der ‚Hölle’] wird noch immer gebaut, vor Karls Wohnung über dem einstigen Holzlager eine große Veranda, gerade dem Fenster unserer Mutter gegenüber. Der armen Ida bei Karl geht es heute wieder gar nicht gut, Schmerzen im Rücken und klagt über Kälte. Bekannte getroffen, Besuche bei Schneeberger und Plachetka. – 13.7. 7 ¾ Uhr. Guten Morgen, du Lieber! Dein Faulenzerl hat bis 6 ½ Uhr geschlafen wie ein Murmeltier, „Jeder Schritt ist Gottes Wille, ist ein Schritt zum Wiedersehen und Kein Harm darf uns kränken, denn uns hält ein treu Gedenken“, du denkst oft an dein kindisches Weiberl, die Leute finden, dass 14 Tage ein kurzer Urlaub sei, doch ich zähle jeden Tag, bis ich wieder bei dir bin. Großmutter grüßt herzlich, ist aber einsichtsvoll genug, um keine Verlängerung zu begehren. – [2.Bogen] 11 Uhr Mittags. Karte erhalten, danke, dass du fleißig schreibst, besseres Wetter, nachmittags nach Moos, Frau von Bauernfeind [Paurnfeind] und Frau Gattermayer sind in Ludwigsbad. „Gestern Abend spielte ich auf der Zither, die Großmutter will aber immer die alten Stücke lieber hören, die neuen Sachen gefallen ihr nicht.“ Ehepaar von Daler bringt hübsches Bouquet mit Stiefmütterchen [zwei Blüten liegen bei]... er hat etwas Ritterliches in seinem Wesen. Nun bist du noch nicht eifersüchtig. - - - ...du beim Schwurgericht, wann wirst du kommen? Seit 11 Uhr Tisch gedeckt, obwohl wir erst nach 12 Uhr essen, die Wirtschaft ist schon wunderbar bei uns, Großmutter will so viel als möglich selber machen, doch Augenschwäche. „Nur so viel ist gewiß, daß ich einen schweren Stand hier hätte, wenn ich einmal mit einem kleinen Wuzi [Kind] hier wäre. Hoffe bald auf ein Kind. Karl Spängler geht es besser. – 1 Uhr Nachmittag. Freue mich auf deinen Brief. „Unsere Mutter hat gelacht über dein Versprechen, die Wirtschaft in Ordnung zu halten und gemeint, die Rosi müsste wohl das Beste tun. Wie bei Silveri unterhalten? Meine Mutter [Schlegel] über Hose und Überzieher sehr erfreut, dankt. Otto flüchtig auf der Straße gesehen, grüßt. Behalte lieb deine treuergebene Alte, grüße Rosi, der Minerl auch einen Gruß. – „Bauernfeind“: Partezettel für Carl Baurnfeind, 23 Jahre alt gestorben 1860, Sohn des Hotelbesitzers, Hotel „Erzherzog Carl“ in Salzburg, und für Josefa Baurnfeind, 72 Jahre alt, 1878.
FRANZ SPÄNGLER (Nr.18) an FANNI SPÄNGLER (Nr.19): 13.7. [1876] aus Wien ein Bogen Brief: Liebe Fanny! Du bist sehr brav dß du fleißig schreibst, doch will ich auch wieder brav sein, u. dir heute einen, wenn auch wegen der vorgerükten Zeit nur kurzen Brief schreiben. – Vorerst kann ich dir nichts berichten; ich bin auch außer gestern Abends bei Silveri [Lokal] noch mit Niemanden von unseren Bekannten zusammengetroffen. Am Dienstag war ich Abends zu Hause, gestern mit Angermayer, Julius, Schadet u. Maria bei Silveri; Bertha hatte nicht Zeit wegen des Waschtages, Franz, weil er zu Hause arbeitete. Alle grüßen dich bestens. Haben übrigens, als ich ihnen sagte, dß du mir so fleißig schreibst, ihre Bemerkungen gemacht dß so etwas nur bei einem so „jungen“ Ehepaar vorzukommen pflege. – Heute war ich bis 4 ¼ Uhr bei der Schwurgerichts verhandlung; Rosi hat natürlich früher gegessen. Morgen u. Samstag wird es voraussichtlich noch länger dauern. Die Wirtschaft geht ganz friedlich, nur hat die Rosi heute zu viel gekauft; unsere Wirtschaft ist übrigens auch sehr billig; ich habe noch keinen Tag viel mehr als einen Gulden der Rosi gezahlt. Gestern habe ich selbst von dem Greisler in der Klostergasse frische Butter geholt. Ich bitte um gebührende Anerkennung. Auch habe ich gestern früh mich zur Sparkasse begeben um die 20 fl [Gulden] heraus zu nemen, muß aber das Abholen des Buches bis Montag früh versschieben; ich gedenke bis dorthin ganz gut auszukommen. – Genug dieser prosaischen Mittheilungen, die ich dir als „pflichtschuldigen“ Rechenschaftsbericht sende, wie es einem „wohlerzogenen“ Ehemann geziemmt. – Es freut mich sehr, zu hören, dß du dich wohlbefindest, u. besonders dß auch der Vater dein Aussehen zufriedenstellend fand. Grüße mir alle bestens. Daß [du] die Blumen schon auf den Hut gegeben, lobe ich; hoffentlich hast du dich überzeugt dß es nicht überflüssig war. Was ist mit den Kleidern geschehen, die du von mir mitnahmst? Spielst du wohl fleißig auf der Zither? Was sagt die Mutter wegen der Visiten? Ich schließe für heute mit dem Wunsche dß Ihr alle Euch wohlbefindet, u. mit der Bitte alle von mir bestens zu grüßen. Vergiß nicht auf Dr.Mallmanns Namenstag, u. auf den der Frau v.Euruggen. Hast du XXX mitgenommen? – Lebe recht wohl, schreibe mir bald wieder, u. sei herzlichst gegrüßt u. geküßt von deinem treuen Franz.
FANNI SPÄNGLER (Nr.19) an FRANZ SPÄNGLER (Nr.18): 15.7. [1876] aus Salzburg zwei Bogen Brief: Mein lieber Franzl! 12 Uhr Mittags. Von lauter Nichtsthun habe ich gestern nicht einmal Zeit gefunden, diesen Brief an dich zu beginnen, wie ich es so gern gethan hätte. Auch heute konnte ich noch nicht dazu kommen. Großmutter, die dich herzlich grüßt, hat verschiedene Geschäfte für mich, die ich natürlich bereitwilligst verrichte; bei denselben bedarf es aber mancher Erklärungen ihrerseits, die nicht immer leicht u. schnell zu erlangen sind, da wird oft Zeit vertrödelt, die ich so gerne zu einer kleinen Plauderei mit dir, du Lieber, verwerthen möchte. Nun laß dir vorerst danken für deinen Brief vom 13.7.: ich kann nicht sagen, wie jede Zeile von dir, du Lieber, mich freut. Morgen, nicht wahr, kommt wieder Nachricht von dir. Die Fragen, welche dein Brief enthält, sind ohnehin schon beantwortet, Karten von mir habe ich mit. Die Leute sollen sich nur lustig machen über unseren Briefwechsel, deßhalb schreibe ich doch fleißig. Wie freu ich mich, wenn ich dir wieder vorplauschen kann. Dein Wirtschaftsbericht hat mich befriedigt, hat Rosi schon Marillenknödel gekocht? Hier kostet eine Marille noch 4 Xr [Kreuzer], da ist’s vor der Hand Nichts mit den Knödeln. Rosi grüße recht schön von mir, und sage ihr, daß ich mich schon auf einen Brief von ihr freue, ich werde ihr dann auch antworten. Um dir von meinem Treiben zu berichten. Vorgestern waren wir im Ludwigsbad, wohin wir auch morgen für den ganzen Tag wollen, was mir ganz recht ist, da Resi Gattermayer auch oben sein wird. Frau Gattermayer hat sich wunderbar erholt. Gestern gingen wir in Gesellschaft unserer Mutter über den Nonn- [Nonnberg] u. Mönchsberg. Heute Vormittag war ich im warmen Bade, was mir sehr behaglich war, doch bin ich etwas müde davon. Ich glaube ich fühle den Unterschied der Luft. Sonst bin ich sehr wol, man sagt mir, daß ich gut aussehe. Viele behaupten ich sei noch gewachsen. Von unsern Verwandten habe ich schon Viele begegnet und gesprochen; gestern unter Anderen Bamberger u Frau sowie Rudolf u Maria. Alle grüßen dich. Vetter Bamberger fand mich so jung aussehend, daß er glaubte, ich sei meine Schwester. Schmeichelhaft, was? Auch unsere Mutter sagt, ich sehe gut u jung aus. Mutter und alle sind froh, daß Otto’s damalige Idee wegen der Wohnung nicht ausgeführt wurde. Frl: Lürzer [Verwandte, Lürzer von Zechenthall] wohnt jetzt bei uns im 4.Stock, sie ist sehr zufrieden mit ihrer Wohnung. Ich unterbreche, um zum Vater zu gehen. – 3 Uhr Nachmittag. – Während ich hier dem geschäftigen Müßiggange mich ergebe, sitzt du mal wieder im grauen Hause und mußt arbeiten. Wenn die frische, würzige Luft mir wohlthut, denke ich immer daran, wie du indeß die heiße, staubige Wiener Luft genießen mußt. Ja, wenn ich dich hier hätte, wie schön wäre das! Übrigens werden wir, wenn wir im Herbste hieher kommen, auch in der Geduld uns üben müßen. Großmutter hat im verfloßenen Jahre wahrlich nicht an Fügsamkeit zugenommen. - Ich habe mir übrigens ziemlich viel persönliche Freizeit hier gewahrt, darf auch viel sagen, ohne Großmutter zu erzürnen. Wenn nur ihr Verhältniß zur Theres ein leidlicheres wäre. Nun ich werde dir mündlich einiges erzählen. Ich begreife eigentlich kaum, daß ich es doch so aushalte ohne meinen lieben Franzl. Es ist wol nur die Aussicht, wieder bald bei dir sein zu dürfen. – Ich nehme mir aber auch fest vor, dich du Guter, nicht mehr so mit übler Laune zu plagen, wie ich es leider schon so oft gethan habe. Das Medaillon mit deinem Bilde kommt selten von meinem Halse. Ich bilde mir ein, du seist bei mir, wenn ich wenigstens dein Bild bei mir trage. – Das Wetter ist prachtvoll jetzt, ohne daß es besonders heiß wäre. Heute wollen wir die Emma besuchen, sie ist im Hofe draußen. Es wird mir der Anblick ihrer Kinder mal wieder ein wenig Herzweh machen. – Heute habe ich Frau v Lürzer begegnet, sie sagte mir, daß ihre Schwiegertochter noch immer sehr traurig über den Verlust ihres zweiten Kindes sei. Ich entschuldige mich überall, daß ich gar keine Besuche mache, und es geben mir Alle vollständig Recht. Wenn wir im Herbste hier sein werden, können wir uns aber aufs Besuchemachen freuen! Mit Lektüre bin ich mehr versorgt, als notwendig ist, Frau von Daler gab mir die Gartenlaube zu lesen, ich komme aber nur Abends vor dem Einschlafen ein wenig zum Lesen. – Die Mutter läßt dir sagen, daß ihr mein schwarzes Überkleid mit dem grauen Rock sehr gut gefällt, ich habe ihr nämlich erzählt, daß du diesen Anzug für nicht mehr hübsch genug hälst. Großmutter u Mutter sagen, ich soll die Zither nur in Salzburg laßen, bis wir wieder kommen, ich weiß eigentlich selbst nicht, warum sie das wollen. Soll ich? – Morgen werde ich wol bis Abends warten müßen, wenn dein Brief nicht schon um 8 Uhr früh kommt, da wir ja schon um 10 Uhr nach Moos fahren werden. – Wie ich mich wieder auf Nachricht von dir freue. Heute hoffte ich halb u halb eine Korrespondenzkarte, vielleicht kommt morgen ein langer Brief. – Heute wird allenthalben in den Häusern angesagt, daß Fahnen sollen aufgesteckt werden, da am Dienstag der Kaiser hieher kommt. – Und nun du Lieber, Guter, behüte dich Gott, bald wird die halbe Zeit meines Hierseins vorüber gehen. Hast du doch auch ein klein wenig Sehnsucht nach deinem allzeit getreuen, verliebten Weiberl?
FRANZ SPÄNGLER (Nr.18) an FANNI SPÄNGLER (Nr.19): 15.7. [1876] aus Wien Visitenkarte „Dr.Franz Spängler, k.k. Gerichtsadjunkt“: Liebe Fanny! keine Correspondenzkarte zu Hause, Schwurgerichtssitzung, in der Zwischenpause etwas gegessen, gestern nicht mehr Zeit, dir zu schreiben, entschuldige bitte... Ich grüße alle herzlich u. freue mich auf Nachrichten und fröhliches Wiedersehen, dein treuer Franz.
dito 16.7. [1876] Abends, ein Bogen Brief von Wien: Meine liebe theure Fanny, du bist schon viel fleissiger im Briefschreiben, als ich es bin, u. ich muß daher nicht bloß dir herzlich für deine lieben und so ausführlichen Briefe danken, sondern auch um Entschuldigung bitten, daß ich minder fleissig bin. Du wirst hoffentlich heute (Sonntags) meinen gestern während des Essens geschriebene Karte erhalten haben, u. könntest mit Fug und Recht für Montags einen Brief von mir erwarten, doch kam ich in Folge dessen, dß ich heute Journal hatte, u. daher nicht bloß Vormittags 2 Stunden im Bureau war, nicht dazu einen Brief an dich zu schreiben, u. ich versparte es mir daher lieber für den Abend, da ich nun mehr Muße habe. Deine Biefe machen mir immer sehr große Freude, denn ich ersehe daraus jedesmal neuerdings wie lieb du mich hast, u. entneme überdies daraus, dß es dir geht geht. Es war mir insbesondere sehr angenem, zu hören, dß man dich in Salzburg allgemein gut aussehend findet. Wenn dir dieses gute u. jugendliche Aussehen einige Galanterien u. Aufmerksamkeiten des Herrn v.Daler einträgt, so freut es mich, aber eifersüchtig wirst du mich gewiß nicht machen; dazu habe ich keine Anlage, u. noch weniger eine wirkliche Ursache. – Du fragst mich, was du wegen der Zither thun sollst; ich muß, bevor ich eine Antwort gebe, die Gegenfrage an dich richten, ob du dann einstweilen auf der anderen Zither spielen wirst? U. auch alles das, was du auf der Elegie [?]-Zither spielst spielen kannst; ist das der Fall, so magst du ja die Elegie-Zither in Salzburg lassen wiewohl ich keinen hinlänglichen Grund dafür finde, da wir ja, wenn wir auf Urlaub gehen, u. eine Reise machen, doch wieder einen Koffer mit Sachen nach Salzburg direkt schicken würden; trifft aber die oben aufgestellte Voraussetzung nicht ein, dann nimm doch lieber die Zither mit dir hieher, da mir für dich u. mich leid wäre, wenn du in der ganzen Zeit bis Mitte September nicht spielen würdest. – Daß auch dritte Personen die Unterlassung aller weiteren Besuche natürlich finden, ist mir sehr angenem; nur auf eines mache ich dich aufmerksam, dß du vielleicht doch – sei es allein, sei es mit der Großmutter od. der Mutter zur Frau v Fenzl gehst; bitte sei aber hiebei direkt u entschieden, dß sie sich mit einem Gegenbesuche nicht anstrengen soll. Ich füge dieß deßhalb bei, weil Roll mir sagte, dß ihr das Stiegensteigen beschwerlich falle. Gute Nacht für heute mein lieber Schatz! Morgen früh Fortsetzung! – 17 Juli 1876 Morgens. Guten Morgen! Soeben habe ich mit Rosi den Küchenzettel verabredet, auf welchem heute die Marillenknödel stehen. Weil ich gerade bei einer Bücher Angelegenheit bin, so füge ich noch sogleich die Anfrage der Rosi bei, ob sie vielleicht weil es jetzt recht schöne Ribisel 9-10 Xr [Kreuzer] pr ½ Kilogr bekäme, Ribisel einsieden soll; ich bitte um Antwort im nächsten Briefe u eventuell um Weisung hinsichtlich der Menge. – Nachm ½ 7. In Folge des leidigen Journaldienstes welche die ganze Woche andauert aber dann erst in circa ¼ J wiederkehrt bin ich heute nicht dazu gekommen, dir weiter zu schreiben, u ich beeile mich nur diesen Brief noch rechtzeitig zur Post zu bringen. An Neuigkeiten theile ich dir mit, dß heute um ½ 2 Uhr ein ganz merkl Erdbeben hier war u dß Demeter Mertens mit ; Weißmayer verlobt ist. Heute Abends bin ich bei Glaier [?], Morgen Fortsetzung Dein treuer Franz - Undatiertes Foto Fanni Schlegel (in Tracht mit Fächer) und Camilla Mertens (Goldhaube, weißes Kleid) vor Alpen-Kulisse beim Fotografen (in einer der roten Schachteln); dito mit zwei anderen; Schwiegervater Mertens ist Bürgermeister, vgl. Brief vom 27.9.1871.
FANNI SPÄNGLER (Nr.19) an FRANZ SPÄNGLER (Nr.18): 17.7. [1876] aus Salzburg zwei Bogen Brief: Mein liebster Franzl. Elf Uhr schon vorbei: und noch hoffe ich vergebens auf deinen lieben Brief, du glaubst nicht, wie ungeduldig ich bin, etwas von dir, du Lieber und von deinem Thun zu erfahren! Du fehlst mir ja so sehr, wie freu ich mich, wenn ich wieder bei dir sein werde! Am Ende aber gehe ich dir gar noch nicht ab? Und ich freu mich schon so, wenn meine 14 Tage vorüber sind! Es ist ordentlich undankbar von mir, daß ich mich so fort freue, hier kommt man mir ja mit so viel Freundlichkeit entgegen. – Vorgestern waren wir im Zeller Hof. Emma sieht wirklich sehr gut aus, ihr Buberl ist nicht sehr stark, doch gedeiht es jetzt besser. Albert sieht sehr gut aus, nun ich glaube, er braucht sich nicht viel zu plagen. Liderl ist ein allerliebstes Kind, sie hat wunderschöne Auge. Das Herzweh beim ersten Anblick der Schumacherischen Kinder ist also auch überstanden, denke dir, das Buberl heißt Franz. - - - Im Herzen ist meine Stimmung heiter, nur ab und zu kommt eine kleine Anwandlung von Trauer. So eben jetzt, wo Frau Kockauer [?] geb: Marie [?] bei mir war, und ohne unseren Verlust zu ahnen, nach meinem Kinde frug. Das hat wieder recht weh gethan! Wenn ich nur schon einen Brief von dir hätte, das wäre wieder der beste Trost. Ich fürchte immer, du strengst dich gar zu sehr an. Wie ich es dir gönnen wollte, wenn du wieder einmal etwas freie Zeit hättest. Im August ist hier der deutsche Juristentag, wirst du da nicht nach Salzburg kommen? Man bereitet schon allenthalben Wohnungen für die Juristen-Gäste. – Gestern waren wir mit Plachetka im Moos. Wir fuhren bis Marienbad, gingen dann zu Fuße ins Ludwigsbad und nach längerem Sitzen dort über Leopoldskron nach Hause. Wie oft habe ich da an dich gedacht! Heute Nachmittag gehen wir zu Zillner, Abends sind wir bei Otto. Unsere Mutter läßt dir sagen, du sollst die Rumänier [Aktien] nicht auszuwechseln vergeßen. Für die Coupons vom vorigen Jahre bekommst du 24 Mark d. ist 7 fl [Gulden] 20 Kr. Ich laße mir wenn es dir recht ist, das Geld vom Otto geben, um beihändiges Geld zu haben; Großmutter [hat] wol einmal vom Reisegeld gesagt, aber bekommen habe ich noch nichts. Am 2.August gehen Otto und Luise [Louise Spängler] und Kochs nach Unken. Fr.v.Duregger und unsere Mutter folgen ihnen nach. Fr:v.D: hat Mutter eingeladen mit ihr zu reisen und wird auch das Zimmer mit Mutter gemeinschäftlich haben. Unsere Mutter wird noch ganz kühn im Reisen. Ich freue mich, daß Mutter diese Erholung haben kann. – Nun wird aber kein Buchstabe mehr geschrieben, bis ich einen Brief von dir in Händen habe! die Ungethüme. Wie kann man denn das Weiberl solche Sehnsucht leiden lassen! [zweites Blatt Fortsetzung nach dem folgenden Gegenbrief]
FRANZ SPÄNGLER (Nr.18) an FANNI SPÄNGLER (Nr.19): 18.7. [1876] aus Wien eineinhalb Bogen Brief: Meine liebe Fanny! ...Demeter Mertens Verlobungsanzeige... Erdbeben wohl schon in den Zeitungen, keine Unglücksfälle bekannt, in der Kanzlei spürten ziemlich starkes Schütteln... Geld Sparkasse, wie steht es mit dir? von der Großmutter oder von Otto aus den in seiner Verwahrung befindl Gulden? – schon 8 Tage in Salzburg, in weiteren 8 Tagen hoffe ich dich wieder hier zu haben... Ich weiß nicht wie es kommt, dß ich zu Hause nichts rechtes ausrichte, u auch zum Spazierengehen keine besondere Passion habe; es geht mir halt offenbar jemand ab, u. dieser Jemand scheint mein liebes Weiberl zu sein... Hast du den neugewählten Erzbischof nicht gesehen [Franz Albert, siehe „Briefe 1860 ff. an Nr.18 Franz Spängler“, 1883]? Ich habe ihm noch immer nicht geschrieben, vielleicht komme ich heute Abends dazu. – deine Karte erhalten... nicht Zeit gehabt, um dir einen ordentlichen Brief zu schreiben... Rosi läßt dir „alle Hand küßen“... grüße Großmutter, Mutter u. Otto... dein treuer Franz. – Nachschrift... [nicht alles gelesen]. - Zu Mertens vgl. Brief vom 27.9.1871.
FANNI SPÄNGLER (Nr.19) an FRANZ SPÄNGLER (Nr.18): [zweites Blatt vom obigen Brief 17.7.1876 aus Salzburg:] 18.7. ¾ 12 Uhr Mittags. Herzlieber Franzl! Sehnsüchtig, wie ein Kind seinen Weihnachtsbaum habe ich deinen Brief erwartet, und, was nie in der Brautzeit vorgekommen ist, kostete es mich eben frische Thränen, da ich zu fürchten begann, ich werde auch heute Nichts von dir hören, und meine so leicht bewegte Fantasie dich schon krank wähnte. Das sieht wieder deinem kindischen Weiberl gleich, nicht wahr? Daß ich dir nunmehr herzlichst für deine lieben Zeilen danke, brauche ich kaum zu sagen. Nun bin ich ja wieder ganz vergnügt. N.B.: Von den eben erwähnten Thränen hat Niemand etwas zu sehen gekriegt, dieß zu meiner Beschönigung:/. Bei Frau von Fenzl gedenke ich mit Großmutter heute oder allernächstens einen Besuch zu machen. Über Verlobung und Erdbeben war ich gleicher Weise erstaunt. Wegen der Ribisel sage der Rosi, die ich schön grüße, daß sie 2 bis 3 Kilo einsieden kann, daß sie dieselben aber entweder gar nicht passieren soll, oder aber zuerst ohne Zucker überkochen dann passieren und erst den Saft mit Zucker einkochen soll. Sonst bleibt so viel Zucker im Rückstand der Ribisel. Haben dir die Marillenknödel geschmeckt? Nun bin ich schon eine volle Woche hier, ich weiß gar nicht wo die Zeit hinkommt! Gestern habe ich wieder einmal gespielt, was ich mit der Zither machen werde, weiß ich vor der Hand noch nicht, spielen kann ich Alles auf der kleinen Zither ich müßte dieselbe nur wieder herrichten. Großmutter hat oft allerlei Ansichten, wer weiß, ob sie ihre Meinung nicht wieder ändert. Großmutter ist recht wol, ärgert sich auch mitunter, besonders ist das Thema von einer Kindermagt ein ziemlich gefährliches. – Nach dem Grundsatze, daß man selten Jemand kennen lernt, mit welchem man nicht gemeinsame Bekannte hat, kennt Frau v Daler auch deinen Freund Plager in Graz und neulich im Moos traf ich die Gesellschäfterin der Frau v Tschusi, die wieder den Stigner recht gut kennt. Hast du von Ehepaar Kaserer nichts gesehen? – Also, das Reisegeld, glaube ich, zahlt Großmutter, wenigstens sprach sie gestern davon. Wenn ich dich recht verstehe, so darf ich mich morgen auf einen Brief freuen. Vederemo! Heute hätte ich eigentlich Lust zu schwimmen, da es wirklich heiß ist. Leidest du doch nicht recht von Hitze? – Wir wollen heute Tante Alois besuchen, trafen sie aber nicht. – Manchmal überkommt mich eine große Sehnsucht nach dir, du Lieber, mag es hier noch so schön sein bei dir ist’s doch viel schöner. – Und nun behüte dich Gott mein Herzens Franzl behalte lieb dein kindisches verliebtes Weiberl. – Alle grüßen dich auf’s Beste, auch Otto’s Kinder. Paula u Luise hingen gestern wie die Kletten an mir. Die kleine Emilie ist noch nicht recht warm geworden. – Nochmals lebe wol und sei tausendmal geküßt von deiner alten, treuen Fanni.
FANNI SPÄNGLER (Nr.19) an FRANZ SPÄNGLER (Nr.18): 20.7. [1876] aus „Wien“ [richtig: Salzburg] eineinhalb Bogen Brief: Mein Herzensfranzl! Dein gestriger so lieber und ausführlicher Brief hat mir doppelte Freude gemacht, einmal durch seine Länge, und dann, weil ich ihn nicht zu hoffen gewagt hatte. Also meinen herzinnigen Dank für die lieben Zeilen, in weniger als einer Woche hoffe ich wieder bei dir zu sein. Heute habe ich dir allerlei zu berichten. Erstens folgt die Verrechnung mit, wobei Otto dir bemerken läßt, daß selbstverständlich nur die zweite Seite, wo die 14 fl [Gulden] Kassirrest obenan stehen, dir neu ist. Wie du siehst, hat Otto für dich 20 fl 4 Xr; wenn es dir recht ist, nehme ich dieses Geld mit, nur mußt du dann im September dem Otto das Geld für die Mutter geben. /:Schau, was ich für ein Esel bin:/ [der Brief beginnt auf Seite 2 des Bogens, was sie beim Umblättern bemerkt] Ich meine, es soll dir recht sein wenn ich die 20 fl bringe, da ja im August der fatale Zins zu zahlen ist. Ich bitte dich mir jedenfalls bald hierüber zu schreiben. Die doppelte Hannoverer Ausbeute [Aktien] liegt in Mark bei Otto, ist in die Verrechnung nicht einbezogen, soll ich dir dieselbe auch bringen? – Und nun mein Herzensfranzl muß ich dir auch mittheilen, daß ich von deiner Erlaubniß Gebrauch gemacht, und heute meine Schwester Rosa eingeladen habe, mit mir nach Wien zu reisen, und einige Wochen bei uns zu bleiben. Vater giebt ihr das Reisegeld, wir fahren über Tag, aber dritte Klaße. – Ich habe erst mit Großmutter darüber gesprochen, die, was ich kaum erwartete, ganz dafür war, dann sprach ich mit dem Vater und mit der Mutter. Beide sind sichtlich erfreut. Während ich mit Minna und Maria im neuen Schulhause die oben aufgelegten Zeichnungen ansah, hat Vater der Rosa die Erlaubnis zur Reise ertheilt. Bei meiner Rückkehr fand ich das arme Mädchen zitternd vor Aufregung u Freude. Rosa sieht nicht gut aus, ich hoffe Luftveränderung und Zerstreuung werden ihr gut thun. Du Guter Lieber hast mir ja selbst die erste Idee eingegeben, eine meiner Schwestern mitzunehmen, und ich halte mich wirklich für überzeugt, daß es für Rosa recht gut sein wird. – Ich hoffe, unser Wirtschaftsbudget wird nicht allzusehr belastet werden, da Rosa ein sehr bescheidenes Mädchen ist. Ich habe ihr schon gesagt, daß sie mit unserer Rosi das Zimmer theilen muß, somit macht ihr Ankunft keinerlei Umstände. Sage der Rosi, die ich schön grüße, daß meine Schwester mit mir kommt. und daß ich die Bettwäsche sogleich nach meiner Ankunft hergeben werde, da ich nur um das Nöthige in meinen Kasten zu langen brauche, wo ich sonst eine ganze Beschreibung brauchen würde. Bis wir schlafen gehen ist ja längst Alles in Ordnung. Ich denke, es wird beim nächsten Mittwoch bleiben, mit der Abreise. Großmutter ist schon für den Dienstag vorbereitet, ich habe immer gesagt, daß ich nur 14 Tage Urlaub habe. Großmutter läßt dich herzlich grüßen und dir sagen, daß, falls Rosa und ich dir zu viel Unruhe machen sollten, du nur deine Frau, „die alte Schachtel“ hieher zurück schicken sollst, sie nimmt dieselbe auch auf länger als 14 Tage auf. Was meinst, mein Herzensmann? – Ich habe mit dem Vater auch gesprochen, ob er etwas Eisen für mich für zuträglich hielte, er sagt aber, es sei überflüßig, wenn ich auch nicht blutreich bin, so könne er mich doch nicht blutarm nennen. Ich bin natürlich froh. Ich befinde mich ganz wol, mir fehlt nichts als nur mein lieber Franzl, der eben mein Alles ist. Von den Eltern, Mutter und Otto die besten Grüße. Dich küßt x mal dein verliebtes Weiberl. - Gott sei mir dir. – Eduard Zillner ist schon hier. – Heute habe ich mit Erna Lauser gesprochen, sie war recht lieb, hat mich abermals mit du angesprochen, und ich habe ihr einfach auch du gesagt. – Heute sind wir bei Zillner für den Nachmittag, zuerst will ich zu Fenzl gehen. Salzburg ist noch geflagt, was sich aber bei dem regnerischen Wetter nicht besonders gut ausnimmt. Die Dekoration ist natürlich mir zu Ehren, zufällig ist auch der Kaiser hier. Den neuen Erzbischof habe ich noch nicht gesehen. Die Mutter tituliert ihn auf Ottos Wunsch „hochfürstlich Gnaden“. – Vom Erdbeben hatte ich noch nichts Näheres gehört, war aber nachträglich noch verschreckt darüber. - Mutter ist zufrieden, durch mich von dir zu hören. Nächster Tage kommt ihre Pepi zu Schiestl nach Innsbruck. [auf dem Kopf:] Allen Bekannten u. Verwandten meine besten Grüße.
FRANZ SPÄNGLER (Nr.18) an FANNI SPÄNGLER (Nr.19): 21.7. [1876] aus Wien ein Bogen Brief: Liebe Fanny! ...Partezettel von Nina Griemauer erhalten; sie ist gestern Früh ihrem Leiden erlegen... Journaldienst... Wirst du Mittwoch kommen?... Es ist doch allein recht langweilig zu Hause u. mein Leben nach dem eines Junggesellen einzurichten habe ich auch keine Lust! Also bleibe nicht mehr gar zu lange weg... von deinem Franz. Rosi grüßt... [nicht alles gelesen]
FANNI SPÄNGLER (Nr.19) an FRANZ SPÄNGLER (Nr.18): 21.7. [1876] aus Salzburg ein Bogen Brief: Lieber Franz! Heute habe ich eine große Bitte. Fani hat uns angetragen die Rosa mitzunehmen ein zwei Wochen u. da der Vater glaubt, daß das ihr gut thut u. Rosa sich so freut so nehmen wir es an u. plagen Euch so. ich bitte dich aber macht gewiß, wie Ihr sonst lebt nichts anderes, es wäre uns leid, wenn Ihr gestört wäret, es macht so schon eine große Aenderung, auch Rosa läßt dich bitten. Indem wir dich herzlich grüßen verbleibe ich deine Mutter Kathi Sch.[Schlegel] – 23.7. Mein herzlieber Mann! Beiliegenden, beßer gesagt vorstehenden Brief kann ich nicht fortschicken, ohne dir, du Lieber wieder etwas vorgeplauscht zu haben. Vorerst danke ich dir, daß du mir heute eine Karte zukommen liesest, ich [bin] schon gerade wie jener Jude, der sich durch die Überschrift der Adresse von dem Wol der Seinen überzeugte. Eine Korrespondenzkarte von dir wirkt wie ein nervenberuhigendes Mittel bei mir; der Anblick deiner Schrift gibt mir die Versicherung, daß es dir gut geht, und daß du an mich denkst. – Heute hoffe ich wirst du mit Vetter Leopold in’s Fonie [?] gehen, unterhalte dich nur recht gut du Lieber. – Nächsten Samstag machen wir, so Gott will, wieder zusammen einen Ausflug, wie wird das hübsch sein! Du glaubst nicht, wie ich mich wieder freue, dich meinen Herzensfranzl zu umarmen. Ob ich wirklich Mittwoch Salzburg verlaße, werde ich dir endgiltig am Dienstag zu wißen machen, ich habe nicht die Absicht eine Zugabe zu machen, da ich fühle, daß Großmutter sich stündlich mehr an meine Anwesenheit gewöhnt, so daß, je länger ich hier bleibe, desto schwerer für sie der Abschied wird. – Rosa ist sehr glücklich über die Wiener Reise. – Ida Spängler flößt meiner schweren Besorgniß ein, die Ohnmachten wiederholen sich, sogar ein leichter Starrkrampf ist einmal eingetretten. Alles ist sehr in Sorge. - Morgen wollen wir für den ganzen Tag nach Maria Plain. Unsere Mutter fährt auch mit. Plachetka kommen nach. Tante Alois wollte auch mit, doch Idas Befinden hält sie ab. – Heute war Mutter, Tante Alois, Herr v.Zillner und Anna u. Cousine und Pepi Angermayer bei mir. Alle grüßen dich. – Gestern waren wir also wieder im Moos, Frau v.Gattermayer kann bereits allein gehen. – Dr.Zillner sagt, es sei wunderbar, wie diese Frau sich erholt, der Bluterguß hat in der gefährlichsten Parthie des Gehirns stattgefunden. Eingehinderter Trettnisse wegen komme ich nicht zum Baden. Die Luftveränderung mag an der Verfrühung schuld sein. X [auf dem Kopf:] Es küßt dich innig deine treue Fanni. Großmutter grüßt dich. Grüße Rosi. [quer:] Grüße Vetter Leopold und alle Anderen. Dienstag kommt kein Brief von mir. - „Pepi“: Eine Cousine Maria Spängler ist mit Vinc. Angermayer verh., deren Sohn heißt Josef, geb. 1853.
FANNI SPÄNGLER (Nr.19) an FRANZ SPÄNGLER (Nr.18): 22.7.[1876] aus Salzburg zwei Bogen Brief: Mein liebster Franzl! Sicher hoffend, heute von dir, du Lieber zu hören, beginne ich diesen Brief, um ihn gewiß heute als Antwort auf deine Zeilen noch fortschicken zu können. Ich hoffe, du bist mir nicht böse darüber, daß ich in eigener Machtvollkommenheit Schwester Rosa eingeladen habe zu uns, das Mädchen ist so erfreut darüber, und ich hoffe, sie wird sich mit ihrer stillen anspruchslosen Weise recht gut in unser kleines Heim hineinfügen. Ich bin schon so neugierig welchen Eindruck die Großstadt auf Rosa machen wird. – Vorgestern waren Großmutter und ich bei Frau v.Fenzl. Wir wurden sehr freundlich empfangen, ich glaube es hat Frau v.Fenzl und Frau v.Biragki wirklich gefreut. Sie empfehlen sich dir bestens. Frau v.Biragki sieht sehr gut aus, auch die Kinder, Frau v.Fenzl ist aber immer noch recht angegriffen, und sieht ziemlich übel aus. Daß Koll als Auskultant nach Salzburg kommt, weißt du natürlich. Herzensfranzl, einen innigen Kuß für deinen lieben Brief, den ich vor ¼ Stunde erhalten habe. – Nach Enigl gingen wir zu Zillner, und zwar an der Johannesapotheke vorbei, wo ich mir den Pepi Angermayer holen ließ um ihn zu sehen. Es geht ihm gut, er läßt dich grüßen. Bei Zillner wurde es gemütlich wie immer. Herr von Peterwandl /: der Messerfex [?]:/ kam auch für kurze Zeit, wir waren recht heiter. Eduard hat eine kleine Reich von Wien gebracht, ein allerliebstes 13jähriges Mädchen mit wahren Rehaugen. Emilie Reich bleibt über die Ferien hier. Gestern nach der h.Messe, ich gehe meistens um 8 ½ Uhr in die Franziskanerkirche, machte ich einen Gang über den Friedhof von St:Peter, wo ich mich am Grab unseres guten Vaters [Spängler], an dem der armen Maria Gattermayer und der armen Schlögelhofer in kurzem Gebete aufhielt. Meine arme, verstorbene Mutter [Amalia Kobler, verh. Schlegel] habe ich noch nicht besucht, vielleicht komm ich morgen dazu. Nachmittag war ich bei Schumacher, dann im oberen Hof bei der Wahlin. Maria sieht übel aus, ist häufig leidend, zudem in anderen Umständen. Aus einigen Äußerungen der Emma sehe ich, daß auch ihre Ehe nicht die allervergnüglichste ist. Ihre Kinder sah ich nicht. Emmas Lida ist ein reizendes Geschöpf so klug und zutraulich [Emma Seehofer; Freundin]. - - - Abends waren Großmutter und ich bei deiner guten Mutter eingeladen. Otto u. Luise [Louise Spängler] waren da u. Maria Koch. Alle grüßen dich herzlich. Gestern begegnete uns der Herr Domkapitular Klingler, er war recht lieb mit mir, empfiehlt sich dir. Bei der Mutter war es hübsch und gemütlich wie jedesmal, die Heiterkeit wurde durch das Leiden der armen Ida, welches das Hauptthema des Gespräches bildete, einigermaßen beeinträchtigt. Die Arme ist so schwach, daß das Rücken eines ihrer Kopfkissen sie für mehrere Minuten ohnmächtig machte. Die Krämpfe kehren auch immer wieder. Trotzdem geben die Ärzte Hoffnung, auch Pater Alois aus Steyr, der eben hier ist. – Mit meinem Entschluße, Rosa mit mir zu nehmen, sind Alle sehr einverstanden. Alle gönnen ihr so sehr eine kleine Erheiterung. Vater u. Mutter sind sehr erfreut. Bruder Richard [Schlegel; 1853-1878] ist gestern nach Gmunden abgereist, wo er bei der Materialverwaltung der Eisenbahn eine Stelle bekommen hat. Er hat außer freier Wohnung 50 fl. [Gulden] monatlich, wenn er befriedigt bekommt er mehr und hat dabei die Aussicht, Beamter der Bahn zu werden. Gott gebe, daß es ihm dort gut gehe. Die Stelle im Saullich’schen Cement-Geschäft mußte er durch die Übersiedlung des Geschäftes nach Wien, wobei das Personal vermindert wurde, verlieren. Ich werde mir also vom Otto das Geld geben laßen, schon deshalb, weil ich nicht darauf angewiesen sein möchte, ob Großmutter mir Reisegeld giebt. Ausgegeben habe ich hier etwa 2-3 fl [Gulden], doch muß ich noch für Rosi etwas kaufen, der Theres gebe ich 1 Kilo Käse [?] u. der Luise ein Trinkgeld. Die arme Lina Griesenauer hat also auch vollendet. Schade um das liebenswürdige, talentvolle Mädchen. Per Marie brauchst du mir nichts zu schicken, in wenigen Tagen packe ich ja ohnehin unsere 7 Sachen zusammen. O, wie ich mich auf dich freue, mein lieber Franzl. Wie viel werde ich dir zu erzählen haben. Ich bin fest entschloßen, Mittwoch früh Salzburg zu verlaßen, ich möchte, abgesehen davon, daß ich mich ja so sehr auf dich freue, meine Heimreise schon der Großmutter wegen nicht verzögern, denn ja länger ich hier bin, desto mehr gewöhnt sie sich wieder an mich. Ich ersehe mit Freuden, daß ich dir doch ein wenig fehle, es ist sehr lieb von dir, daß du dein altes Hauskreuz so gern hast. – Doch nun heißt es schließen, wir unternehmen heute abermals eine kühne Fahrt per „Arche Noah“ vulgo Stellwagen, nach Moos. Ach Franzl behalte mich lieb und schreibe bald u viel deinem über den Kopf verliebten Weiberl. – Von Großmutter die schönsten Grüße. Wir grüßen auch Rosi. – Hat sie Ribisel eingesotten? – „Schlögelhofer“: Partezettel für Katharina Schlögelhofer, geb. Miller, Salzburg 1805-2.5.1875.
FRANZ SPÄNGLER (Nr.18) an FANNI SPÄNGLER (Nr.19): 24.7.[1876] aus Wien ein Bogen Brief: Liebe Fanny! ...Brief erhalten mit Zeilen der Mutter... Leopold Spängler gestern abgereist, vorher zusammen in Schönbrunn; Spingbrunnen, mit Hochquellenleitung gespeist, in bedeutende Höhe springen; schon 14 Tage, dß du mich allein läßt; hoffentlich kommst du bald wieder! Ich freue mich schon auf mein liebes Weiberl! – keine Neuigkeiten, die Wirtschaft geht in Ordnung; ich hoffe du wirst entzükt sein. Grüße... komm bald in die Arme, herzlich liebender Franz. [nicht alles gelesen]
FANNI SPÄNGLER (Nr.19) an FRANZ SPÄNGLER (Nr.18): 25.7. [1876] Postkarte, Tinte, von Salzburg nach Wien: Lieber Franzl! Fahren Salzburg [mit dem Zug] ab 7 Uhr 42 Rosa [die jüngere Stiefschwester] und ich. „So Gott will also frohes Wiedersehen Abends in Wien“, danke für Brief, Grüße deine Fanni, grüße Rosi. „Jeder Schritt ist Gottes Wille, ist ein Schritt zum Wiedersehen.“
Ohne Ortsangabe [Salzburg], 3.12.1876 [zusammengebunden mit den Briefen von 1853; siehe dort] auf einfachem Briefpapier ein Brief des Salzburger Erzbischofs Albert Eder an Nr.18 Franz Spängler, 1839-1912: „Dilectissime Amice! Das liebe Briefchen dto Wien 15. Nov. [Franz Spänglers Brief] erhielt ich auf meiner Rückreise von Trient am 18. zu Reith bei Brixlegg, woselbst ich am 19. den sonntägl. Gottesdienst und darauf die Spendung der hl. Firmung übernommen hatte. Die Gratulation zu meinem Namenstage traf aber dennoch früh genug ein, weil ich hinfüro [fernerhin] meinen Taufnamenstag den 2.April feiern werde; es ist dieß üblich, wenn ein Ordensmann als Bischof einer Diöcese eingesetzt wird. Am 7.[11.1876] hatte ich die Consekration der Pfarrkirche von Taxenbach, am 8. Firmung in Fieberbrunn, am 9. dto [gleiches] in St.Johann in Tirol, am 10. in Kitzbühel, 11. in Kirchberg 12. zu Brixen im Brixenthal [Brixen im Thale], am 13. zu Westendorf, 14. zu Hopfgarten, am 15. und 16. war ich in Trient auf Besuch des Fürstbischofs v. Riccabona [Benedikt von Riccabona, Bischof von Trient/Trentino von 1861 bis 1879; Trient war Suffraganbistum von Salzburg 1825 bis 1920] und des Bischofs Coadj. Maller, am 16. abends u. 17. bis Mittag in Brixen [Bressanone], 17. abends u. 18. vormittags in Innsbruck. – Am 20. hatte ich die Firmung in Rattenberg, am 21. in Kundl, am 22. in Kösen, am 23. hielt ich [mich] in Saalfelden, am 24. in Zell am See auf, am 25. hatte ich die Firmung in Taxenbach, am 26. in Rauris, am 27. Kirchweih und Firmung in Wildbadgastein, am 28. Firmung in Hofgastein, am 29. dto in Dorfgastein und abends 6 Uhr desselben Tages gelangte ich nach Salzburg heim. Im Ganzen hatte ich 5676 Firmlingen die hl.Firmung gespendet. Te unacum uxore Tua amicissime salutans Deique protectioni Vos commendans perenno. Vobis in Xto addictissimus amicus [Dich samt deiner Frau als sehr guter Freund grüßend empfehle ich Euch dem immerwährenden Schutz Gottes. Euch in Christo gewidmet von dem Freund] F.Al Archiep. 3/12 [1]876. - Anm.: Die genannten Ortschaften in Tirol gehörten damals zur Salzburger Kirchenprovinz. Die Reise, vor allem nach Trient, war sicherlich nur möglich, nachdem die Brennerbahn 1867 eingeweiht worden war. Es scheint eine der ersten, vielleicht die erste größere Reise des am 22.10.1876 neu geweihten Erzbischofs zu sein mit einer bemerkenswerten Fülle von Terminen [entspr. Text von mir in Salzburgwiki.at eingefügt, April 2011, unter „Franz de Paula Albert Eder“].
1877
Briefe (rot verschnürt, nicht gelesen) von Nr.37 Antonia Spängler, geb. von Lürzer, 1803-1882, an den Sohn Nr.18 Franz Spängler, 1839-1912, aus Salzburg; zusätzlich mehrfach vom Bruder Otto. Oder umgekehrt von Nr.18 a Otto Spängler, 1841-1919, zumeist über Geldangelegenheiten der Mutter, und zusätzlich dann auch von der Mutter. Ohne Umschläge (einzelne Umschläge sind angegeben). – Vom 28.1.1876 bis 1877 und 26.12.1878; insgesamt 25 Briefe.
1877 an FANNI SPÄNGLER (1848-1905; Nr.19): 1.3.1877, Brief aus Salzburg von RICHARD SCHLEGEL [1811-1881, Vater von Fanny]: Liebe Fanny! Ich sende dir hiermit die verlangte Vollmacht, u. Notar Kofler hat mir mitgetheilt, daß das Gericht Leitmeritz ein eigenes Dokument verfaßt habe, wodurch ich als Curator von WiXXenz aufgestellt wurde XXX mit dem Akte erledigt habe, wo ich zum Erlage von 4 fl genöthigt wurde, Franz sagte es mir, daß die von dir angeführte Nachtrags Abhandlung nach der Antonia seiner Meinung nach überflüssig sey, weil Antonia todt ist, mithin nichts mehr erben kann. Ich verstehe von dem Ganzen gar nichts, nur kommt es der Louise sonderbar vor, daß eine so XXX Verlassenschafts-Abhandlung so viel Zeit u. Geld kostet. Was die bestehenden Auslagen betrifft, so überlasse ich das ganz deinem Ermessen, u. wenn du einen Vorschuß haben willst, so gib mir die Summe bekannt. Du verlangst von mir zu wissen, was Lorinser über den Fuß Eures kleinen Mastschweines zu mir gesagt hat, gewiß nichts Anderes als was er Euch sagt, er äußerte sich dahin, daß der Zustand leicht geheilt werden wird, u. zwar hoffe er ohne alle Operation, u. wenn eine solche zur Beschleunigung der Kur wünschenswerth oder nothwendig seyn sollte, so braucht Ihr keine Furcht zu haben, es ist eine Operation die in einer halben Stunde der Operierte schon vergessen hat. Wir freuen uns, daß wir wissen, daß es Euch Allen gut geht, u. Hegenbarth XXX hat gesehen XXX, daß die Rosa sogar sehr dick sey. Uns geht es auch gut, nur die Marie hat mit ihrer Bleichsucht zu leiden, doch geht es auch besser. Lebt wohl u. bleibt gesund, Alle grüßen Euch herzlich, euer alter Vater Richard.
Briefe [rot verschnürt, nicht gelesen] von Nr.18 Franz Spängler und Nr.19 Fanni Schlegel, verh. Spängler, an die Großmutter Nr.79 Fanny Kobler in Salzburg: Franz Sp. Wien 7.3.1877 „Meine liebe, gute Großmutter!... dein dankbarer Enkel Franz“; Wien 26.12.1878 „Liebe Großmutter!... dein dankbarer Enkel Franz“; Wien 28.2.1881 „...dein dankbarer Franz“. – Fanni Sp. Wien 23.5.1877 „Meine liebe Großmutter!... deine dankbare und dicke [schwangere] Enkelin Fanni Spängler“; Wien 3./4.7.1877 zwei Blätter „...Meine Tochter [die älteste, Franzi, geg. 18.6.] grüßt dich ebenfalls sie würde selbst einige Zeilen beifügen, doch geruht sie dermalen fest zu schlafen.“; Wien 24.2.1878; Wien 6.3.1878 drei Bögen von Franz Sp., dann Rest Bogen 3 und Bogen 4 von Fanni, „Spruch der 4 alten Salzburger Frauen, welche am 2.März 1878 die Versammlung der Salzburger in Wien bei der Goldenen Ente mit ihrem Besuch überraschten... Kamilla v.Mertens [Fanni Schlegels Freundin Camilla heiratet Demeter, den Sohn des Salzburger Bürgermeisters Mertens]... Gabriele Egghofer [Familie Egghofer genannt in einem Brief von 1871 von Franz Spänglers Mutter Antonia]... Fanni Spängler... Marie Spängler [zwei oder mehrere möglich: Marie Spängler, verh. mit Nr.37 a Franz Lürzer von Zehendthal, -1870, oder die Frau des Cousins Dr.Rudolf Spängler, Apotheker, verh. mit Marie Spängler, geb. Weinwurm, 1839-1911 Salzburg]“; Wien 8.7.1878 „Liebe Betti... Liebe Großmutter... Fanni. Franzl grüßt herzlichst; Wien 29.10.1878 eineinhalb Blätter; Wien 4.3.1879; Wie 10.5.1879 ein Blatt, Rest fehlt offenbar; Wien 20.6.1879; Wien 11.7.1879; Wien 2.9. ohne Jahr [1879?] Fanni Spängler und „dein dankschuldiger Enkel Franz“; Wien 3.9.1879 „...dein Betteldirndl.“; Wien 20.12.1879; Wien 3.2.1880; Wien 10.2.1880; beiliegend „Liebe Urgroßmutter [deutsche Schrift] Franziska. Pottenstein 6.3.1887“ [also knapp 10 Jahre alt]. – Keine Verweise bei den anderen Jahreszahlen.
BETTI KATZINGER [geb. Kobler] an FANNI SPÄNGLER (1848-1905; Nr.19): 20.5.1877, Brief aus Grein: Liebe theure Fanny! Dein letztes herziges Schreiben mit der freudigen Mittheilung deines nahenden Mutterglückes hat mich sehr ja recht sehr erfreut; aber am größten wird meine Freude sein, wenn ich einmahl erfahre, Fanny hat einen frischen gesunden schlimmen Buben oder ein Mäderl bekommen, und hat den Schmerzenskampf glücklich überstanden, Mutter und Kindchen befinden sich wohl, der liebende Gatte ist überglücklich in seiner Vaterfreude“... „wenn du und das liebe Kindchen am Leben bleibt, gewiß wird der gütige Gott unser Aller Gebet erhören.“ ...Wohnungswechsel, deine Schwester; „Das unsere gute Großmutter sich jetzt immer außer den schlechten Augen so wohl befindet, bin ich ebenso erfreut“...; Bräutigam der Ida, die „volle Befriedigung des Herzens“... [eigene] Gesundheit nicht so gut, fühlt sich stets müde, traurig gestimmt, der Mann rät zu einem Arzt, aber kein Vertrauen zu dem hiesigen Doktor, wartet... „welche Freude ich und die gute Großmutter an dir hatten“ „...deine alte treue Freundin Betti.“ Viele Grüße an Schwester Rosa.
FANNI SPÄNGLER (Nr.19) an FRANZ SPÄNGLER (Nr.18): 26.7.1877; Brief ohne Umschlag, Wien, Fanni an Franz in Salzburg; das kleine Dirndl wird von der Hitze geplagt; trägt eine Schiene geduldig, Rosa [die Stiefschwester von Fanni] weint nicht mehr so viel wie sonst. „Der liebe Gott wird schon alles recht machen, ich vertraue auf ihn.“ [das Kind ist Franzi, die 18.6.1877 geboren wird], nennt das Kind mehrmals „Mastschweinchen“, ihre „Milchproduktion wird immer größer“, sie freut sich. „Rosa grüßt dich, Rosi küßt die Hand“.
FANNI SPÄNGLER (Nr.19) an FRANZ SPÄNGLER (Nr.18): 29.7. [1877], Brief ohne Umschlag, Fanni in Wien: Franz kommt bald aus Salzburg zurück; ging mit dem Kind auch bei ‚Aprilwetter’ und „stoßweise“ Wind spazieren, nur eine Stunde lang... „Ich bin schon so neugierig, wie es dir gefallen wird, mit unserm Dirndl im selben Zimmer zu schlafen. Ich denke mir, du wirst anfangs ängstlich sein, wenn das Kind schreit, wenn du aber die Überzeugung gewonnen haben wirst, daß es keine Gefahr hat, wirst du dich schon daran gewöhnen.“ Seit zwei Tagen wendet die Kleine, den Kopf, wenn jemand laut neben ihr spricht, ihr Lachen ist nicht mehr so unwillkürlich, wie in der ersten Zeit, „Mastschweinchen“ ist jetzt 6 Wochen alt.
FANNI SPÄNGLER (Nr.19) an FRANZ SPÄNGLER (Nr.18): 31.7. [1877], Brief ohne Umschlag, Fanni [Wien]: freut sich auf die „Schilderungen“ von der Reise; „Frau Batsy [Name latein. geschrieben, sonst deutsche Schrift] machte mir und der kleinen feierlich ihren Besuch gestern, zum Schluß meiner Wochen.“ „Dann hörte ich die 12 Uhr Messe in St.Stefan. Ich habe für dich und der Kleinen recht herzlich gebetet. Sie schreibt während des Stillens; „Wenn mein Geschreibsel heute noch garstiger als sonst dir vorkommen sollte, so denke, daß Mastschweinchen noch immer sauft.“ „Ich habe schon von dir geträumt.“
FANNI SPÄNGLER (Nr.19) an FRANZ SPÄNGLER (Nr.18): 2.8. [1877], 2 Bogen Brief ohne Umschlag, Fanni in Wien: Mastschweinchen schläft; Rosi will heiraten und hat zum 1.Sept. gekündigt, freut sich für sie, hat Kündigung angenommen, „mit Gottes Hilfe werde ich schon wieder ein ordentliches Mädchen kriegen“; „wo Rosa [aus Salzburg mitgekommen] bei mir ist, ist mir gar nicht bange, wir werden mit der Arbeit schon fertig“. Mögliches Hochzeitsgeschenk für Rosi; rede aber in Salzburg „vielleicht gar nichts vom Magdwechsel, sonst gibt es wieder 10.000 Befürchtungen“. – Der Güterdirektor verlangt Wasserzins, sollen 2 fl 40 per Vierteljahr zahlen. – Erfreuliches, „daß Mastschweinchen sehr, sehr lieb u. brav ist.“ Morgen will sie mit Rosa zu Dr.Lorinser fahren, damit er das Füßchen anschaut „und mir sagt, ob ich die Schiene richtig anlege“. Waren im Brünnlebad, die frische Luft hat dem Kind behagt; gehen im Rathauspark spazieren; „Mastschweinchen schickt ein unbewußtes Bußerl“
Brief von (Nr.37) Maria ANTONIA SPÄNGLER (1803-1882) an den Sohn (Nr.18) FRANZ SPÄNGLER und an FANNI SPÄNGLER [geb. SCHLEGEL]: Salzburg den 1.10.[18]77: Meine inigst geliebten Theuren! Endlich ist es uns gelungen eine gute Gelegenheit für die gute Großmutter zur Rückreise zu erfragen. Die Fräulein Megenbacher reißt heute, mit einer Damme [!] welche auch nicht allein reisen will hinunter nach Wien, und geht in einigen Tagen wider zurück, da glaubten wir köne die Großmutter ganz gut mit reisen, nur eines muß ich sagen das sie 3 te Klasse fährt, aber ich bin am 28 Februar auch 3 te Klasse nach Wien gefahren und hat mir gar nichts gemacht. Die Fräulein Megenbacher hat die Adresse von Franz und wird Mittwoch zu Euch in die Wohnung kommen um alles weitere zu besprechen. - Am 10- oder 12 Oktober will auch die Frau von Klingler nach Wien reisen, und würde auch die Großmutter mit herauf nehmen aber, ob man da, sachen darauf nehmen kann, wissen wir nicht. Wir freuen uns schon, wen die Großmutter kömmt, damit sie uns recht viel von Euch, und der Kleinen erzählen kann. Jetzt ist auch die Witterung ganz gut zum reisen. Wie geht es Euch meine lieben? bey uns geht es allen gut, nur die kleine Paula ist oft sehr streitig, wir[r], und auch der Doktor glaubt es komme schon von den Zahnmachen, den sie hat kein Fieber, und wen dies vorbey ist, dan schaut sie recht frisch herum und lacht wider. Aber wer dabey sein muß, ist recht bänglich. Wir gehen nun bey dieser schönen Witterung recht fleißig spatzieren. Leopold ist nun glücklich in Hall angelangt. Er hat sich 3 Tage in Hall aufgehalten und 1 Tag in Zell am See, und fühlte sich ganz glücklich. Ropert [!] Spángler ist am Sammstag früh nach Wien abgereist, der wird Euch auch einmal besuchen. Hermman [!] wird auch den 10 gehen. Diese Jungen Leute haben es gut sie haben eine menge Verwante unten und könen bald dort, bald dahin gehen. Lieber Franz ich danke recht sehr für den Beytrag für meinen Lebensunterhalt. Lebt recht wohl ich möchte gerne den Brief recht bald der Post übergeben damit er so bald als möglich in Eure Hände gelange, damit sich die Großmutter zusammen richten kann. Gottes Segen sey mit Euch allen, bethen thue ich gewiß fließig für Euch. Mit aller Liebe Eure Euch treu liebende Mutter Spángler – An Alle viele herzliche Grüße, der kleinen Fany ein kräftiges Bußerl. - „kleine Fany“: Die älteste Tochter, Nr.9 a, Franziska Spängler, ist am 18.6.1877 in Wien geboren, siehe auch folgenden Brief vom 17.11.1877.
11.10.1877, Brief; Umschlag dazu [?] Marke herausgeschnitten, Stempel undeutlich bzw. abgeschnitten: Salzburg und Mödling, Siegel „Dr. R. S.“. Von Nr.38 RICHARD SCHLEGEL (1811-1881) an Nr.18 FRANZ SPÄNGLER (1839-1912): Lieber Franz! Du hast mir erlaubt die Akten betreffend der Verlassenschaftshandlung nach dem Tode meiner Mutter dir schicken zu dürfen, um das Nothwendige befragen zu können. Ich verstehe von dem ganzen Verlauf der Dinge gar nichts, ich weiß noch heute nicht, warum ich ans Gericht in Leitmeritz 40 fl schicken mußte, u. wie u. wann ich zu diesem Geld wieder kommen werde etc. etc. Notar Kofler hat 2 Jahre gebraucht, um das zu erreichen, was ich dir hiemit sende. Nun ist diese langsame Procedur hauptsächlich deshalb sehr unangenehm, weil ich von den Kindern meines verstorbenen Bruders alle Augenblick um die Erbschaft geplagt werde. Sey also so gut, lieber Franz, u. thue das Nothwendige. – Daß die Großmutter gut angekommen ist, wißt Ihr aus der Correspondenzkarte der Kathi [Richard Schlegels zweite Frau Katharina Arrigler], sie ist sehr zufrieden u. schwärmt in der Erinnerung an ihren Aufenthalt bei Euch, ist ganz verliebt in Eure Dirndel, beschreibt mir dasselbe als außerordentlich schön u. intelligent, nurr darf ich nichts nach dem Mastschweinerl fragen [so nennen die Eltern selbst ihre Tochter]. Bei uns ist alles so ziemlich im gleichen Gange, nur bin ich gegenwärtig von meinem Emphysem [Lungenbläschenblähung] mehr geplagt, und durch den schnellen Uibergang zum Winter bedingt sind. Seit 24t. September muß bei mir geheizt werden. – Sey nicht böse, lieber Franz, daß ich deine ohnehin so knap zugemessene freie Zeit mit meiner Angelegenheit verkürze. – Bleibet gesund, zufrieden seyd Ihr ja. Alle grüßen Euch auf das herzlichste durch Euren alten Vater Richard. Salzburg am 11t.Oktbr 877. - [Auf der Rückseite mit Bleistift von der Hand von Franz Spängler?:] Vater gest 1845 / Vinzenz Curator & Rich / Josef + Henriette u. Clara / Antonia + gest Leitmeriz 8/10 1872 / Blure [?] + Wien VIII 5/10 1854 / Therese + Wien Mazleinsd[orf] 9 Jul 1856 / Friedrich gest Olmüz 22/8 1850 BgHer Leiter [?] – Namen und Daten offenbar aus der Familie Schlegel, Geschwister von Richard und deren Nachkommen, deren Einzelheiten ich bisher (bis auf „Vater gest 1845“) nicht näher deuten kann. – Dabei: Briefumschlag dito „[empfangen] Mödling 19.12.73“ mit kurzen Notizen von Franz Spängler „5/2 1868 8/2 1868...“ – Ebenfalls dabei: Briefumschlag, grob aufgerissen, an Franz Spängler, Mödling, ohne Datum, Marke abgelöst, Stempel „[Wie]n“ [?] mit kirchlichem Siegel.
Brief von (Nr.37) Maria ANTONIA SPÄNGLER (1803-1882) an den Sohn (Nr.18) FRANZ SPÄNGLER und an FANNI SPÄNGLER [geb. SCHLEGEL]: Salzburg den 17.11.[18]77: Meine inigst geliebten Theuren! Herzlichsten Dannck meine lieben für Euer theures Schreiben, und Erinnerung zu meinen 51 te Hochzeitstag- eine schöne Zeit- -. Wie viel Schmerzliches- - aber auch wie viel angenehmes- und wohlthuendes, hat sich mir entfaltet, Gott seys gedannckt, ich sehe deutlich, der liebe Gott ist mit mir,- Er schenckt mir die Ruhe, und Zufriedenheit, welches einem über vieles hinieber hielft. Ich empfehle uns Alle unendlich, Täglich den lieben Gott, arbeite was ich kann, und so lebe ich fort, bis der liebe Gott mich ruft; und dann wirds, so Gott will, auch recht werden. Wie leid thut es uns, das mein- und Ottos Luise [Briefe], sind verloren gegangen, wir haben gewiß schon vor 14 Tagen geschrieben, jedenfall habe ich am Allerheiligen Tag angefangen zu schreiben, und bis Otto die Rechnung fertig brachte und den Brief fortschükte wurde es dan 3 te November. Ich habe so viel geschrieben das jedes kleine Fleckerl benützt geweßen Habe dir lieber Franz recht herzlich gedannckt für die Photografien, und für den Rock welcher mir zum Tepich strücken [!] sehr gut taugen wird [Arbeitsrock?]. Wie unendlich freue ich mich das die Kleine so gut gedeiht, die muß nun schon allerliebst sein, den die Brustkinder entwückeln sich gewöhnlich schneller, ich stelle mir sie so vor, als wen sie den ersten Kinderln gleiche, die war ja ganz so lieb. Jetzt hat sie gerade das Alter, wo sie jeden Tag neue Liebenswürdigkeiten entwükelt. - Das Buch habe ich herauß gesucht, Otto wird es heute schücken, Wegen der Ida Schantl [?], habe ich Euch auch eine menge geschrieben im letzten Brief, die arme ist glaube ich schlecht daran, er hat kein Vermögen, sondern wie man hört Schulden, sie hat 1000 fl [Gulden] hergenohmen um sich die Außstattung herzurichten, nun darf sie sehen was sie bekömmt wen sie die Sachen verkaufen will, niemand wird etwas kaufen, weil die Leute sich so fürchten, Die Rothnerischen wo sie einen Hut für Ida richten mußten hat die Platern [Blattern] bekommen und die Pepi bey Pipan, welche ihr das Kleid ändern mußte, bekam auch die Platern, und eine Person welche ihr, im Hauß eine Kleinigkeit besorgte, bekamm sie auch, also kann man leicht denken wie sich alles schweut, etwas zu kaufen. - Otto glaubte er müße diesertage nach Wien reisen, aber die Sache hat sich so wider außgeglichen, dermalen geht er nicht, aber ich denke es wird doch nicht lange dauern bis er hinunter geht. Lebt recht wohl ich muß schließen damit das Buch weg kömmt. Mit Tausend Küßen und Segnungen küßt Euch herzlich Eure treue Mutter Antonia Spängler [mit „ä“]. Fany küße ich herzlich so wie ich Rosa freundlich grüße. Von allen hier viele herzliche grüße, auch von der Großmutter welche sich so pasabl befindet. - „die Kleine/das erste Kinderl“: Wohl im März 1876 hat Fanni Spängler ein Kind, das (namenlos) stirbt (in den Briefen vom Dezember 1875 und März/April 1876 genannt); die älteste Tochter, Nr.9 a, Franziska Spängler, ist dann am 18.6.1877 in Wien geboren.
1878
Briefe (rot verschnürt, nicht gelesen) von Nr.37 Antonia Spängler, geb. von Lürzer, 1803-1882, an den Sohn Nr.18 Franz Spängler, 1839-1912, aus Salzburg; zusätzlich mehrfach vom Bruder Otto. Oder umgekehrt von Nr.18 a Otto Spängler, 1841-1919, zumeist über Geldangelegenheiten der Mutter, und zusätzlich dann auch von der Mutter. Ohne Umschläge (einzelne Umschläge sind angegeben). – Vom 28.1.1876 bis 1877 und 26.12.1878; insgesamt 25 Briefe.
17.7.1878 aus Salzburg, ebenso 20.7., 27.7., 30.7., siehe: „1882“
18.3.1878, gedruckte Todesanzeige RICHARD SCHLEGEL [geb. 1853, ein Halbbruder von Fanni], Handlungs-Commis. Salzburg, Katharina Schlegel, geb. Arrigler, als Mutter; Dr.Richard Schlegel, Stadtarzt, als Vater; sieben Geschwister.
1879
Briefe (rot verschnürt, nicht gelesen) von Nr.37 Antonia Spängler, geb. von Lürzer, 1803-1882, an den Sohn Nr.18 Franz Spängler, 1839-1912, aus Salzburg; zusätzlich mehrfach vom Bruder Otto. Oder umgekehrt von Nr.18 a Otto Spängler, 1841-1919, zumeist über Geldangelegenheiten der Mutter, und zusätzlich dann auch von der Mutter. Ohne Umschläge (einzelne Umschläge sind angegeben). – Vom 25.2.1879 bis 1880 und 23.10.1881; insgesamt 20 Briefe (3 aus Baumkirchen).
11.3.1879, Brief ohne Umschlag [Salzburg] von Nr.38 RICHARD SCHLEGEL (1811-1881) an Nr.18 FRANZ SPÄNGLER (1839-1912): Lieber Franz! Ich besitze gar Nichts, was auf meine verstorbenen Eltern u. Geschwister Bezug hätte, was da war habe ich dem Notar Kofler übergeben u. das alles ist jetzt in deinem Besitz. Fritz ist von Leitmeritz nur zum Militair abgestellt worden, zu welcher Zeit er bei den Eltern lebte, der Vater ist ein geborener Leitmeritzer u. als pensionierter Oberarzt dort gestorben. Der Bruder Vincenz ist im Jahre 1807 in Theresienstadt geboren. – Die Mutter ist in Bemisch Leippa [Böhmisch Leipa] geboren, ihre Eltern sind aber nach Theresienstadt überzogen, wo der Vater sie geheirathet hat. Unterstützung von der Gemeinde Leitmeritz hat sie nie eine gehabt. Ob nach dem Tode der Geschwister Verlassenschaftsabhandlungen gepflogen wurden oder nicht, ist mir unbekannt, es läßt sich aber leicht denken, daß die betreffenden Akten als werthlose Papiere beseitigt wurden, da sie Alle ohne Vermögen gestorben sind. – Lebet wohl u. bleibt gesund, die herzlichsten Grüße von uns Allen u. Euch allen. Wir freuen uns immer sehr, wenn wir von den Kunststücken der Franzl etwas zu hören bekommen, ich hoffe, Rosa wird fleißíg berichten. Euer Vater Richard 11/3 79. - Nr.76, der Vater von Richard, Franz #Schlegel, geb. 1769 in Leitmeritz in Böhmen, ist Wundarzt und Oberarzt beim Fürstl. Reuss Plauen Infanterie Regiment; der Sohn, Nr.38, Richard Franz Schlegel, ist 1811 in Theresienstadt geboren. Fritz und Vincenz müssten verstorbene Brüder von Richard sein. – Die Mutter: Nr.77 Maria Theresia Heygel, geb. 20.10.1783 in Böhmisch-Leipa.
FANNY KOBLER an FANNI SPÄNGLER: Salzburg am 24te Juni 1879. [darüber:] Ausgehen kann ich noch nicht allein./ Liebe Fanni. Wie ich deinen ersten Brief gelesen habe, dacht ich mir wie wäre es den möglich die Fanni mit ihren zwey lieben Kindern abzuweisen [?] und ich ging zur Lida [Guttenberg] und bath sie dir zu schreiben du sollst nur kommen, und wie freue ich darauf wenn du komst. Deinem Mann den ich schnüsten [am schönsten?] grüße/ sag ihm er möchte nicht pöse seyn auf mich; das ich ihn dießmal nicht beherbergen kann. Der Lida ihr Mäthen [Mädchen] erinert mich sehr an dein Franzi. Küß deine Kinder für mich. Lebt alle recht wohl, das ist der inigste Wunsch deiner Großmutter Fanni. - Grüße Opa [?].
FANNI SPÄNGLER (Nr.19) an FRANZ SPÄNGLER (Nr.18): 20.7.1879, Brief ohne Umschlag, Fanni in Salzburg: keine „Reiseabentheuer zu berichten“, Kinder schlafen (im Zug), „Franzi erwachte in Attnang und war von da an kreuzfidel“; bei der Großmutter untergebracht, die Schwestern [Stiefschwestern von Fanni] helfen „in jeder Hinsicht“, in Salzburg Fr.v.Kaserer samt Sohn getroffen, auf dem Weg nach Saalfelden. 9 Uhr in St.Peter bei der hl. Messe, „Franzi war recht brav“, Toni war auf dem Arm der Mutter, da diese sie nicht hinlegte, hat sie sie nass gemacht; „Großmutter entsetzt sich einigermaßen über unseren Hunger“; „die Luft wird uns Allen gut thun. Eben regnet es wieder.“; Franz soll einen Bekannten aus Salzburg in Wien beim Kauf einer Zither beraten, eine Halb Palisander Zither. - „Den Coupon ließ ich mir von Otto auszahlen“; Franz soll Stoff für Rosa kaufen; „Heute über 3 Wochen sind wir mit Gottes Hilfe wieder beisammen“; „Es küßt dich 100 mal deine Alte“ „Bußl von Franzi“ „Franzi und Toni schicken dir viele viele Bußerl. Kom bald nach Salzburg.“
FANNI SPÄNGLER (Nr.19) an FRANZ SPÄNGLER (Nr.18): 24.7. [1879], Brief ohne Umschlag: [Franzi ist knapp 2 Jahre alt:] „will immer bei ‚den Tanten’ sein. Madi jetzt den Vater schreiben: Lieber Vater komm bald zur Mutter und zur schlimmen Franzi und zu den schlimmen Tanten u. Toni [jüngere Schwester Toni, geb.30.3.1879; Nr.9 b]. Ich ein Bußi schicken. Behüt Gott, lieber Vater. Deine Franzi. Bußi [im Kreis]“... „Montag waren wir bei Luise [Louise Spängler], Franzi hat recht nett mit den Kindern gespielt, Toni lag meistens auf dem Bette der kl. Emilie und strampelte und lachte.“ Die Großmutter ‚entsetzt’ sich, dass Toni „so viel Freiheit für ihre Füßchen beansprucht“ und bemüht sich vergeblich, „die kleine Unruhe hübsch ordentlich in Flanell zu hüllen, aber ohne Erfolg“. – „Es ist schwer, die Kinder bei Otto [Spängler, Bruder vom Franz] sollen nichts vom Stillen wissen, so muß ich jedesmal mit Toni verschwinden, wenn ihr der Hunger kommt.“ „Der kleine Rudolf ist ein sehr starkes, hübsches Kind, doch wird er sehr viel wärmer gehalten als unsere Kinder, und was mich ganz besonders wundert, er hat einen Schnuller, ganz kunstgerecht nach alter Sitte gefertigt. Ich glaube, Luise [Louise Spängler] kam neulich ein wenig in Verlegenheit, als ich dieses Überbleibsel früherer Zeiten bemerkte. Die kleine Bertha ist etwas kleiner als Franzi, und spricht weniger deutlich...“ – „Bisher hat Großmutter mich noch nie etwas zahlen laßen, es wird auch ganz zu Hause gekocht, einfach aber vollständig genug.“ Hat aber Kaffee zum Frühstück aus Wien mit... Franz soll das der Anna [wohl die neue Magd] sagen, braucht evtl. noch Kaffee aus Wien... über Geld, sie kann ihm [!] schicken, kann mit Otto darüber sprechen... Großmutter (ist froh über) den Regenmantel [vgl. Brief von Otto Spängler] und grüßt.
FANNI SPÄNGLER (Nr.19) an FRANZ SPÄNGLER (Nr.18): Salzburg 31. Juli 1879./ Mein Herzensfranzl! Wie sehr ich mich nun schon auf dich freue, kann ich dir nicht sagen. Noch 10 Tage, und dann wirst du, Lieber, doch wenigstens in demselben Bete mit mir sein, wenn schon nicht so bei mir u. den Kindern wie ich es gerne hätte. Nun, hoffentlich wird der Herr Doctor uns doch öfters die Ehre seines Besuches gönnen? Heute also bekam ich das Paket, und Rosa und ich danken dir für deine Mühe 1/8. Mutter hat Freude an dem Stoffe; Rosa dankt für die Bestellung zugleich auch für deine Namenstags gratulation, welche, da Rosa am 30: Aug: ist, sicherlich bald genug dran ist. Rosa hofft, doch im Laufe des kommenden Monats einmal mit dir sprechen zu können. - Deine Mutter war so gut mich schon für Sonntag den 10/8 mit den Kindern zu Mittag zu laden, so daß wir gleich am 1. Tage zusammen sein können! O, wie ich mich auf dich freue! - Uns geht es immer gut, die Kinder sehen Gottlob gut aus. Ich gehe aber auch an die Luft, so viel ich nur kann. Gestern sprach ich einen Augenblick mit Hr: Kalhofer [?], er ver[r]eist am 11./8. Hiermit sende ich dir das verlangte Sparkassen/buch, und erinnere dich bei dieser Gelegenheit daß du die Bücheln unsrer Kinder hierher mitnemen wolltest. Wie steht es denn mit dem Geld? Ob Großmutter unsere Zulage bekommt, weiß ich noch nicht. Soll ich dir durch Otto Geld schicken? Ich habe jedenfalls genug hier, bis du kommst, auch mal länger. - Sei doch so gut und sage der Anna, sie soll die Bettwäsche, worin Dr: Pohl geschlafen hat, ausschwemmen dann überbügeln und wieder auf das Bett geben. Dann soll Anna dir eine Büchse gebrannten Kafe mitgeben, mein Vorrath erreicht sein Ende, bis du kommst. Übrigens grüße ich Anna sowie alle Bekannten. Das Feuilleton über den Kuß finde ich eigenthümlich, ich habe gleich der Franzi ein wolüberlegtes Bußerl gegeben nur des Studiums wegen. Auch ich freue mich auf einige wolstudirte K.... - Heute gehe ich mit deiner Mutter zur Überfuhr. Es ist jezt sehr heiß hier. - Großmutter die dich grüßt, läßt dich bitten, ihr von Wien um 20 bis 30 f [fl: Gulden] Weinscharlzukerl [?] zu bringen, sie behauptet, sie bekomme hier keine, die einen ordentlichen Geschmack haben. Sei so gut und sieh ob du bei einem Konditor oder in einer Apotheke welche bekommst, die ziemlich säuerlich schmecken. Haben sie solche Sachen nicht auch beim schwarzen Hund? Sei nicht böse wenn ich schließe/ Toni wird unruhig. - Es küßt dich deine Alte - - Lieber Vater - Kom bald zu uns Franzi und Toni freuen sich sehr so sehr auf dich XXX [‘Unterschrift’] - Die älteste Tochter Franzi ist 2 Jahre alt, ihre Hand wurde offenbar zu einer etwas krakeligen Schrift geführt; Toni ist vier Monate alt.
unbekannte Briefschreiberin an FANNI SPÄNGLER: Grein am 5. Dezb. [18]79. [Monogramm: BK] Liebe gute Fanni! Sei so freundlich und entrichte nebst vielen Grüßen von mir und meinem Mann an Deinen Hr. Gemahl unsere besten aufrichtigsten Glückwünsche zu seinem Namensfeste. Möchtet ihre beyde sammt Euren herzigen Mädis stets recht gesund bleiben und froh und zufrieden dieß wünsche ich vom ganzem Herzen. - Heute erhielt ich von der guten Großmutter einige recht herzliche Zeilen, welche mich sehr erfreuten; ich bewundere daß sie so hübsch schreiben kann, so ganz ihre festen Schriftzüge wie sonst, dieß ist gewiß ein rechtes Glück was ich ihr so recht vom Herzen gönne, auch sonst ist sie außer dem fatalen Herzklopfen Gott sei dank gesund, der Theres geht es auch beßer schrieb sie mir, nur jetzt seit es so kalt ist, hat sie wieder öfters Schmerzen; der Winter hat halt so manches Unangenehme in seinem Gefolge. Uns geht es bis jetzt doch noch ziemlich gut, nur ich habe ein krankes Auge, doch wird es zum Glück schon etwas beßer. - Ich weis nicht ob Du Dich noch erinnern kannst liebe Fanni, an eine Verwandte von uns die Gerharlinger Fanni von Rind welche lange Zeit in Salzburg beym Bruder Paul war als er auch das Kaffeehaus hatte, sie war eine hübsche Brünette/ hat vor 5 Jahren einen Buchbinder Namens Beib [?] in Rind geheirathet war recht glücklich hatte ein Mädchen und 1 Knaben, und vor 8 Wochen ist sie wieder mit einem Mädchen entbunden ging alles gut vorüber/ sie hat sich aber dan zu wenig geschont und verkühlt und ist am 9.te Novb. gestorben. Die Kobler Paulin ist auch in Folge des Wochenbettes am 13.te Novb. gestorben so auch das Kind ein Bub, ihr Mann der Wechselwächter [Bahnwärter] in St.Johann in Tyrol ist hat mir geschrieben er bittet wir sollten uns seines 6 Jahre alten Mädchens Luise annehmen, weis sich mit dem Kind allein nicht zu helfen. So sehr mir das arme Kind erbarmt, so gen [?] traue ich mich doch meinen Mann nicht zu bitten und ihm diese Last aufzubürden, den wir haben ja selbst nichts Uebriges, und er müßte sich doch manche Entbehrung auferlegen, wenn er auch noch für ein Kind sorgen müßte, dan sind wir auch beyde schon so alt, aber der Haupthemmschuh ist das Geld. Mir thut das Herz weh wenn ich an das arme mutterlose Wesen in dem Wächterhäuschen denke, und bete täglich Gott möge sich derselben erbarmen; wenn es nur die Greisbergerischen in Salzburg die ebenso nahe verwandt sind zur Paulin wie ich, und auch keine Kinder haben, sich des kleinen Mädchens annehmen möchten, die könnten es leichter thun wie wir, da sie sehr wohlhabend sind! Die arme Paulin hat sehr viel Elend und Noth ausgestanden, und für ihren Leichtsin gewiß genug gebüßt, sie verlohr nichts am Leben, den sie hätte kaum noch ein beßeres Loos zu hoffen gehabt - aber das schuldlose Kind ist sehr zu bedauern. Du glaubst nicht liebe Fanni wie sehr mir das traurige Geschick Pauls und seines Kindes schon das Leben verkümmerte - was ich thun kann um ihm hie und da eine kleine Unterstützung zukommen zu laßen thue ich wohl, aber es hilft halt nicht viel, im Herbst war er einige Wochen in Steyeregg bey Wilhelm, da konnte er sich wieder ein wenig erholen und doch täglich satt essen - Wilhelm thut recht viel für ihn, aber ganz erhalten kann er ihn auch nicht den er hat ja selbst 3 Kinder. Wilhelm hat seinen größeren Buben Hans der 12 Jahre alt ist, im Herbst nach Linz gegeben wo er die Bürgerschule besucht, der Bub macht ihm viel Freude weil er so brav lernt. Gott gebe daß er so fortfährt in seinem Fleiß und auch sonst brav wird, Hans war und ist immer mein Liebling von meines Bruders Kindern! Kürzlich habe ich in der Zeitung gelesen, daß in Wien so viele Kinder an den Masern erkrankt sind, im vorigen Jahr herschte in Grein diese zwar nicht gefährliche aber immerhin unangenehme Krankheit/ Gott gebe das Deine 2 Lieben herzigen Mädi welche ich vielmahls küße, davon verschont bleiben. Bin recht begirig wenn Du mir einmahl schreibst ob Du schon ein Hemd gemacht, und ob es zur vollen Zufriedenheit Deines gestrengen Herrn Gemahls ausgefallen ist? Das Du ein so gute Nähmaschin bekommen ist ein Glück das ich Dir sehr gönne, mich hat meine Maschin die ersten Jahre sehr oft segiert [sekiert, geärgert] und viele Thränen gekostet, jetzt bin ich zufrieden damit, wir haben uns nun schon zusammen gewöhnt. - Von meinem Leopold soll ich Dir viele Empfehlungen schreiben, Deine gute Schwester Rosa grüße vielmahls von mir, ich hoffe und wünsche das es Euch Allen recht wohl ergeht, denke sehr sehr oft an Alle besonders an die mir so sehr liebe Franzi! Lebe wohl gute theure Fanni, es küßt Dich innig Deine aufrichtige Betti. - Briefschreiberin Betti Katzinger [siehe unten]; in einem Brief 1871 ist „Betti“ genannt (siehe oben), ebenfalls 1880 (siehe unten). - Eine Tuschzeichnung auf Pergament unbekannter Herkunft liegt bei der Korrespondenz: Dr.Franz Spängler, ca.1880, als Kopf des österr. Doppeladlers, mit dem ‘Corpus Juris’ als Schild, umrahmt von vielen kleinen Kindern; in den Klauen das k.k. Bezirksgericht in Ottaking (Wien) und das k.k. Bezirksgericht in Pottenstein. Franz Spängler wird 1880 Bezirksrichter in Pottenstein an der Triesting (Nieder-Österreich). - Auf einer herausgeschnittenen Buchseite (bei den Briefen der Fanny Kobler) schreibt Fanny Kobler: „Die gute Betti Katzinger ist den 10ten August 1881 in Grein an der Donau gestorben.“ Betti ist die Tochter von Fannys Cousine. - Wilhelm Kobler in Linz ist Bettis Bruder, Fannys Neffe.
Briefe [rot verschnürt, nicht gelesen] von „Betti“ = Betti #Katzinger = „Betti Kobler Tochter meines Vater Bruder“ (Fanny) = Fanny Koblers Cousine, verh. Leopold Katzinger, gest. 10.8.1881 in Grein, an Nr.79 Fanny Kobler; Umschlagpapier mit Fanny Koblers Schrift „Briefe von der Betti“; Betti schreibt sie ebenfalls als „Großmutter“ an: „Grein an der Donau“ (Prägestempel auf dem Briefpapier) 27.8.1879 (Doktor Kerschbaumer hat Fannys Augen operiert); 25.10.1880; 21.12.80 (Briefpapier „B.K.“; Brief mit 30 Gulden erhalten, sie und Leopold danken; Dr.Schlegels Krankheit zieht sich in die Länge; Leopold Katzinger fügt an für „hochverehrte Frau Tante“ mit Handkuss); 10.3.1881 (dankt für 20 Gulden; lässt Familien Schlegel, Schneeburger, v.Klausnitz, die Theres und die Lisi grüßen... Betti Katzinger); 10.4.81 (Betti alt, kein Blut und mager geworden; Wilhelm musste viel Geld bezahlen, Bräuhaus in Steyeregg; grüße die Schleglischen, Frau Mutter Spängler); Steyeregg 8.6.81 (die Krise hat mich sehr angegriffen, beide Lungenspitzen sind angegriffen, langes Kranksein schrecklicher als baldiger Tod, musste meinen Bruder bitten, dass er mir das Goldkettchen, welches ich von der Mutter habe, für 40 Gulden abkauft, teuere Medikamente, eine Flasche „Gleichenbergerwasser“ [aus Bad Gleichenberg, Steiermark] kostet 25 Kreuzer, und ich muss vielleicht 60 Flaschen oder gar mehr trinken; grüße Schlegel, Mutter Spängler... deine arme unglückliche Betti Katzinger); 14.6.81 (Dank für großartige Unterstützung, 40 Gulden, deine wohlthätigen Hände, Gleichenberger Wasser mit Milch, grüße Schlegel, Frau v.Spängler, Schneeberger, Clausnitz, Laschensky, Theres und Lisi, deine dankbare Betti Katzinger); Postkarte 25.6.81 (Frau Fanni Kobler, Privatiere, Salzburg Alter Marktplatz No 10. II Stock; Besserung langsam vorwärts, schwach bin ich freilich noch, habe 18 Flaschen Gleichenberger Wasser getrunken, soll 30 Flaschen trinken); Postkarte 19.7.81 (Fanny will nach Pottenstein reisen); von anderer Hand, Karoline Kristlbauer [?], Grein 21.7.1881 mit der Todesnachricht (Hochgeehrte Frau! Mitt großem Bedauern...).
1880
Briefe (rot verschnürt, nicht gelesen) von Nr.37 Antonia Spängler, geb. von Lürzer, 1803-1882, an den Sohn Nr.18 Franz Spängler, 1839-1912, aus Salzburg; zusätzlich mehrfach vom Bruder Otto. Oder umgekehrt von Nr.18 a Otto Spängler, 1841-1919, zumeist über Geldangelegenheiten der Mutter, und zusätzlich dann auch von der Mutter. Ohne Umschläge (einzelne Umschläge sind angegeben). – Vom 25.2.1879 bis 1880 und 23.10.1881; insgesamt 20 Briefe (3 aus Baumkirchen).
27.1.1880, Brief ohne Umschlag [Salzburg] von Nr.38 RICHARD SCHLEGEL (1811-1881) an Nr.18 FRANZ SPÄNGLER (1839-1912): Lieber Schwiegersohn! Mich freut es sehr, daß ich mit deinem Briefe sehe, daß diese Abhandlung über ein so großes Vermögen ihrem Ende entgegen geht. Daß der Vormund Weihs so dumm war mit seinem Streben wenigstens noch einige Zeit nicht warten zu wollen, ist wieder eine kleine Abwechslung. So viel ich weiß, ist die Mutter dieser beiden Mädchen auch schon vor mehreren Jahren gestorben, u. werden diese Mädchen sicher noch in Traismauer leben, ich stehe mit ihnen in keiner Corespondenz. Ich fühle mich zu einem Vormund gar nicht geeignet, u. weiß auch Niemanden, den ich für diese Stelle vorschlagen könnte. - Daß die Schwiegermutter [wohl N.N.Arrigler] recht krank war, hat Euch die Kathi [Katharina Arrigler, -1911, Richard Schlegels zweite Frau] geschrieben, es geht ihr jetzt ganz gut; die hatte eine Lungenentzündung linkerseits, u. es ist merkwürdig, daß dieser Prozeß bei dem hohen Alter so schnell u. günstig abgelaufen ist, als Anfang zu dieser Krankheit hatte ich mit ihrem Gehirn zu thun, sie war die letzten 8 Tage ganz wie eine Irrsinnige u. ist ihr Gehirn erst seit zwei Tagen wieder frei. – Mich freut es sehr, daß Euere Kinder so gut gedeihen u. daß es Euch gut geht, ich hoffe daß Ihr im Herbst wieder einen Ausflug nach Salzburg machen werdet, nach Wien werde ich wohl schwerlich mehr kommen, ich brauche das Geld zu anderen Auslagen, denn meine Einnamen [als Arzt, 69 Jahre alt] werden immer kleiner u. meine Ausgaben immer größer. Lebet wohl u. bleibt gesund. Die herzlichsten Grüße von Allen Euer Vater Richard 27/1 880. – „Abhandlung“ siehe übernächsten Brief.
4.3.1880 und ff. siehe: Briefe 1872 bis 1887
FANNI SPÄNGLER (Nr.19) an FRANZ SPÄNGLER (Nr.18): Salzburg 21. Juli 1880. [darüber, verkehrt:] Dank für deine Karte/ Lieber Mann! Ich hatte dir gestern eine Karte schreiben wollen, damit du schon heute Näheres über unsere Reise erfahren hättest, doch war es mir nicht möglich, da ich doch meine Sachen so viel als möglich in Ordnung bringen wollte, was mir auch ziemlich gelungen ist. Unsere Fahrt ist ganz außerordentlich gut von Statten gegangen, das Coupé wurde nicht weiter besezt und von Linz an hatte ich das Glück, mit den beiden Kindern allein zu bleiben bis hierher, so war ich also sehr bequem dran, habe mich auch hingelegt zum Schlafen. Die Kinder waren sehr brav, Toni erwachte in Breiten/schützing, Franzi erst in Attnang, dann hielten wir fröhlich Frühstück, und kamen wohlbehalten mit 1/2 stündiger Verspätung in Salzburg an, wo uns Rose u Minna in Empfang namen. Hier wurden wir sehr freundlich empfangen, Großmutter welche sehr gut aussieht, hat heuer große Freude an den Kindern; deine Mutter, die dich herzlich grüßt, findet Franzi sehr groß, Toni gefällt ihr aber besonders gut. Heute war ich bei deiner Mutter und wollte auch Schwägerin Luise [Louise Spängler] besuchen, traf sie aber nicht daheim. Franzi befindet sich sehr wol, besonders bei den Tanten, die auch ganz glücklich über die Kinder sind. - Dem Vater geht es Gott sei dank, wieder recht gut, er sieht wunderbar gut aus, und machte mir gestern die Freude, mich zu besuchen. Die Kinder sind recht freundlich, Franzi ist auch gar nicht scheu, nur nimmt sie weder von deiner Mutter noch vom Großpapa etwas zu essen an. - Als wir gestern ankamen, wollte Großmutter einen Kafe machen laßen, doch bat ich statt dessen um Würstel und Bier, was den Kindern ganz köstlich schmeckte. War in Wien auch in der Nacht auf gestern so ein starkes Gewitter? Wir hatten in Enns, und bis wir nach Linz kamen ein sehr heftiges Gewitter, und furchtbar Regen, doch darauf einen herrlichen Morgen. Es thut mir schon sehr wol, hier eine reine, kühlere Luft zu genießen. - Wegen deiner Stiefel habe ich es der Mutter gesagt, doch sie behauptet, du habest sie mitgenommen. Wenn die Stiefel in unserer Wohnung sind, so sind sie kaum anderswo, als in dem Kleiderkasten in Anna’s Zimmer, frage Anna, ich weiß nicht was mit den Stiefeln geschehen ist. - Hier bin ich untergebracht wie gewöhnlich/ daß ich einiges durchzusezen haben werde, wußte ich, doch bekomm ich, was ich will und brauche, nur mit einigen höchst überflüßigen Umständlichkeiten, übrigens befinde ich mich sehr wol, der Reiß hat mir ganz gut angeschlagen, nur war ich gestern sehr schläfrig und müd. Heute bin ich vollständig ausgeruht. Meine Schwestern helfen mir sehr fleißig bei den Kindern, was mir recht wol thut. - Und nun, du Lieber, wie geht es denn dir? ich freue mich schon sehr auf dich, Franzi schickt die viele Bußerl. Grüße Anna von mir und Franzi. Heute scheint es regnen zu wollen, dann werde ich fleißig nähen. - Nun lebe recht wol, und behalte lieb deine alte Fanni. Grüße alle Bekannten. - Von der Wahl’schen Geschichte scheint hier viel gesprochen zu werden, gestern soll er von hier fort sein. Herr von Zeller, gibt ihm monatlich 40 fl. [Florin: Gulden] Unterstützung. Ein recht angenehmer Schwiegersohn. Die neuen goldenen Knöpfe fand ich nicht, sollten sie dir unterkommen so nimm sie mit. Großmutter und Betti grüßen dich. - „eine reine, kühlere Luft“: das Salzburger Klima gilt traditionell als gesund; dieser Ruf ist mitbegründend für den Tourismus in der Stadt (vgl. Dopsch, 1996, S. 469). „Toni“ geb.1879; „Franzi“ geb.1877; „Schwägerin Luise“: Aloisia/Louise, geb. Duregger, verh. Otto Spängler; „Großmutter“: wohl Fanny Kobler; der Mann, Franz Xaver Gregor Spängler, ist bereits 1854 gestorben (oder Schwiegermutter Antonia Spängler, geb. Lürzer, gest. 1882; vgl. ihren Brief oben und Erwähnung unten). Fanni ist im 3.Monat, Rosl wird im Dezember 1880 geboren.
RICHARD SCHLEGEL [Nr.38] an den Schwiegersohn FRANZ SPÄNGLER [Nr.18]: [Salzburg, ca. 1880] Lieber Franz! Ich danke dir herzlich für deine freundlichen u. gründlichen Mittheilungen über den Stand der Verlassenschafts-Angelegenheiten, u. freue mich, daß du bereits an End[e] dieser lästigen Arbeit angelangt bist, ich danke dir auch für deine Einladung nach Wien zu kommen, leider aber werde ich diese Reise nicht machen, denn es kostet Geld, u. das wird bei mir immer weniger, während die Auslagen immer steigen, meine Prax[is] ist auf ein Minimum reduziert, mit Ausname der kranken Füsse sind es nur noch einige alte anhängliche Familien, die mich manchmal beschäftigen. Nun, ich bin 69 Jahre, hätte sicher [?] lange genug gearbeitet, u. die Kraft nimmt sehr schnell bei mir in letzter Zeit ab, das Asthma plagt mich sehr, ich muß sehr langsam gehen, und häufig stehen bleiben um tief einathmen zu können, daraus wirst du sehen, daß Wien für mich nicht mehr paßt. Wir freuen uns alle auf Euch, u. die Fanni wird es schon so einrichten, daß Ihr hier seyn könnt. Wegen der 43 se [?] brauchst du dir kein graues Haar wachsen zu lassen, u. auch keine Postporto deshalb auszugeben, du brauchst dirselben nur der Rosa zu geben, der [die] wird sie schon brauchen können. Ich danke dir nochmals herzlich, grüße Euch alle u. bleibe Euer alter Vater Richard - Richard Schlegel, geb. 3.4.1811, Dr.med., Stadtarzt in Salzburg, gest. 1881 in Salzburg, an seinen Schwiegersohn Dr.iur. Franz Spängler. Der Brief ist nach dem 3.4.1880 geschrieben worden (und wohl bevor Franz Spängler ebenfalls 1880 Bezirksrichter in Pottenstein wird) und weniger als ein Jahr vor dem Tod von Richard Schlegel am 1.3.1881. – „Verlassenschaft“, siehe auch vorstehenden Brief vom 27.1.1880; es ist unbekannt, um welche es sich handelt (wohl nicht Familie, sondern vielleicht ein „Fall“ des Schwiegersohns). – Abbildung = bereits in der Vorlage retouchiertes Foto von Richard Schlegel
1881 8.1.1881 und ff. siehe: Briefe 1872 bis 1887
Briefe (rot verschnürt, nicht gelesen) von Nr.37 Antonia Spängler, geb. von Lürzer, 1803-1882, an den Sohn Nr.18 Franz Spängler, 1839-1912, aus Salzburg; zusätzlich mehrfach vom Bruder Otto. Oder umgekehrt von Nr.18 a Otto Spängler, 1841-1919, zumeist über Geldangelegenheiten der Mutter, und zusätzlich dann auch von der Mutter. Ohne Umschläge (einzelne Umschläge sind angegeben). – Vom 25.2.1879 bis 1880 und 23.10.1881; insgesamt 20 Briefe (3 aus Baumkirchen).
1881 FANNI SPÄNGLER (Nr.19) an FRANZ SPÄNGLER (Nr.18): Salzburg den 18te Januar 1881/ Liebe Fani! Beinahe ein ganzes Mant [Monat] ist verflossen und ich habe kein Wort von Euren Befinden gehört; noch mehr wie ich findet sich dein Vater, der sehr schwer krank ist, und allein Anschein auch nicht gesund werden wird gekränkt das du dich schriftlich dich nach seinem Befinden erkundiget hast. Er sagte erst vor kurzem, von allen Bekannten kommen Nachfragen nur von der Fanni nicht. - Du hättest recht gut wie ihn vor kurzen dein Man geschrieben hat ein paar Zeilen beyfügen können. Erweun [erwähn] nichts von diesem Brief, und entschuldige so gut du kannst. Ich hoffe das ihr alle Gesund seyd seyd [!] Ich Gott sey Dank, bin zufrieden/ Lebe recht wohl, küße und grüße meine 3 Urenkeln, so auch deinen Mann. Soeben war d Opa da und sagte das dem Vater sehr schlecht ist, sie sind darauf gefaßt ihn bald nicht mehr zu haben. Lebe wohl dieß wünscht deine Großmutter Fanni - „Vater“: Richard Schlegel stirbt am 1.3.1881.
Briefe [rot verschnürt, nicht gelesen] von Nr.38 Richard Schlegel an Nr.79 Fanny Kobler: Salzburg 1.8.1860, dankt für 3.000 Gulden; Blatt 18.6.1878 dankt für 1.600 Gulden. – Nr.(38) Kathi Schlegel, geb. Katharina Arrigler, Stiefmutter zu Nr.19 Fanni Schlegel, verh. Spängler, „Liebe Fanni, lieber Franz... von Eurer alten Mutter, von mir notiert: 7.4.1897. - Liebe Fani!...deine Mutter. – Salzburg 18.7. ohne Jahr, Liebe Rosa!...deine aufrichtige Mutter Kathi Sch. – An Nr.39 Amalia Kobler Notenblättchen mit „Canzonetta napolitana“, Rosa, 21.8.1845 [?]. – Über Nr.78 Francesco Castelli: Briefkarte Innsbruck 27.12.1938 von Rudl (Widerhofer) über Castelli; Briefumschlag an Franzi Spängler, Krems, Ringstr.2, 2.10.1939, von Otto Dafert mit Abschrift Taufschein Castelli; darin auch Brief von Otto (Dafert) wegen Totenschein Castelli 13.2.1939; masch.geschriebene Abschrift Taufschein Castelli, Brescia 1796, ausgestellt 1939. – Nr.79 Fanny Kobler an 18/19: Liebe[r] Franzl... deine dich liebende Großmutter, ohne Datum; Salzburg 14.5.1881, Liebe Fani... Großmutter Fanni; 21.10.1883, „Liebe Fanni... [mit zittriger Schrift, 1886 gest.]... deine Urgroßmutter Fanni.“ Verweise für die anderen Jahre nicht geschrieben.
FANNY KOBLER (1796-1886; Nr.79): Postkarte 9.7.1881 an Fany Kobler, Salzburg, Alter Marktplatz aus Baumkirchen: Rückreise nach Hall gut... Toni Spängler [die Urenkelin]
FANNI SPÄNGLER an FANNY KOBLER: Brief aus Pottenstein 26.10.1881: „Liebe Großmutter! Ich habe hiermit die Ehre, mich dir als ungewählte Vorsteherstellvertreterin des Pottensteiner Frauenwolthätigkeitsvereines aufzuführen und in dieser, meiner neuen Würde erlaube ich mir, dich recht schön zu bitten, du mögest mir die Freude machen, und diesem Verein als Mitglied beitreten. Der Jahresbeitrag ist 2 fl und die Eintrittstaxe beträgt 1 fl, doch werden Überzahlungen dankbarst angenommen. Solltest du geneigt sein, meine Bitte zu gewähren, so werde ich dir sofort die Statuten schicken, und falls du gleich beitreten und den oben genannten Betrag /: oder mehr:/ widern wolltest, auch sofort die Mitgliedskarte.“ [...weiter mit Spaß über den Familienverein] für Toni und Franzi Wintermäntel genäht, für Roserl ein weißes Winterhäubel gehäkelt; Ausbesserung der Bettwäsche, dazu Wollleinen in Wien gekauft. Dr.Lorinser mit der Franzi sehr zufrieden, „doch muß sie noch die Maschine [Schiene] fort tragen“. Im Sitzzimmer und Schlafzimmer eigenhändig Böden lackiert. Mein Mann ist fleißig in der Kanzlei. [...] deine Enkelin kk. XXX Betteldirndl.“
FRANZISKA SPÄNGLER (18.6.1877-1962; Nr.9 a): vor 1882 „Liebe Urgroßmutter [Antonia Lürzer, verh. Spängler, 1803-15.3.1882 in Salzburg, Nr.37]. Wir freuen uns schon sehr, dich in Salzburg besuchen zu dürfen. Es küßt dir die Hände deine dank-bare Urenkelin Franziska.“ [Kinderschrift, ohne Datum, ca. 5 Jahre alt!]
siehe auch Oktober bis Dezember 1871 = „1871 und 1884, 1887“ Briefe [...] Brief 30.12.1881/31.12. von Franz und Fanni, Pottenstein, an die Großmutter in Salzburg Nr.79 Fanny Kobler.
1882
28.1.1882 und ff. siehe: Briefe 1872 bis 1887
Brief von Nr.18 a OTTO SPÄNGLER (1841-1919), grauer Umschlag an: „Wolgeboren Herrn kk Bezirksrichter Dr FRANZ SPÄNGLER [Nr.18], Pottentein, St.Pölten-Leobersdorf, Niederösterreich.“ Mit Bleistift „Tod der Mutter“ [Nr.37 Maria Anthonia Lürzer von Zehendthal, 1803-1882; verh. mit Nr.36 Franz Xaver Gregor Spängler, 1793-1854; verstorben 15.3.1882] ohne Datum: Lieber Franz! Leider kann ich dir über das Befinden der Mutter noch nichts beßers schreiben; das Fieber scheint zwar etwas beßer geworden zu sein,doch ist die Schwäche immer sehr groß. – Ich wollte schon gestern durchaus um eine Wärterin umschauen, allein sie will absolut keine; sie bedarf allerdings sehr wenig Pflege, weil sie sehr ruhig ist; allein ich fürchte nur, dß die Arme bei allem beßten Willen nicht beschloßen genug ist, und sich, wenn der Mutter in der Nacht irgend etwas zustoßen würde, sich nicht zu helfen weiß. Mir ist recht bang um die gute Mutter; ich fürchte, sie macht sich nicht mehr ganz heraus. Ihre Unwolseins haben sich in lezteren Jahren zu oft wiederholt. – Wenn ich die Mutter noch schlechter finden sollte, als sie dermalen ist, so würde ich dir telegrafiren, damit du kommst. – Sie selbst scheint allerdings von einer bedeutenden Erkrankung gar nichts zu fühlen oder zu ahnen denn sie spricht über ihr Kranksein gar nichts; ich war eben wieder eine Stunde bei ihr unten; sie sprach in manchen Augenbliken ganz zusammenhängend von anderen Dingen; meist aber von ihrem Unwolsein. Gott gebe eine baldige beßerung! Wie immer dein treuer Otto. – Montag Nachmittag.
dito [1882], ohne Umschlag und Datum: Lieber Franz! Leider muß ich dir heute abermals mittheilen, dß die Mutter erkrankt ist; sie war bereits recht wo, gieng etwas aus; da befiel sie gestern ohne jede nachweisbare Ursache ein Fieber, an dem sie, wenn auch ohne alle Schmerzen, aber recht schwach daniederliegt. Sie schlummert die meiste Zeit, und hat ein unendliches Bedürfniß nach Ruhe. Der Doktor kömmt täglich 2mal. Ich werde die wieder fleißig Nachrichten geben. Mit herzlichen Grüßen, dein Otto – Sonntag Abends
22.2. [1882], ohne Umschlag, LOUISE SPÄNGLER (1846-1915, geb. Duregger, verh. mit Nr.18 a): Lieber Franz! Da Otto jetzt sehr viel zu thun hat, und heute vielleicht nicht mehr schreiben könnte, will ich dir mittheilen, daß die Großmutter [Mutter Antonia Spängler] gestern einen sehr starken Colerine[Kolerik-]-Anfall hatte, mit bedeutenden Schmerzen, heute geht es ihr wieder besser, doch ist sie noch recht schwach, Dr.Faistenau ist aber zufrieden, so daß Otto heute Nachmittag nach München reist. Seid nicht besorgt es geht ihr heute bedeutend besser, sie ist wieder ganz frisch. Ich werde recht bald wieder Nachricht geben. Wir sind Gottlob gesund was wir auch von Euch hoffen. Mit herzlichen [Grüßen] an dich und die deinen deine Schwägerin Luise. – Bitte der Großmutter über ihr Befinden nichts zu schreiben. 22.Feb. In Eile weil ich zur Großmutter gehen soll.
leerer Umschlag, zugeklebt, ungebraucht: Frau Antonia Spängler, Salzburg, Mozartplaz N 4 – Mehrere Visitenkarten „Antonie Spängler, geb. v.Lürzer“
Telegramm an Bezirksrichter SPÄNGLER, Pottenstein bei Wien, von Salzburg, 14.3.1882: Mutter sehr schwach komm wenn möglich bald. Otto - - dito, Fani Spängler... Pottenstein, 15.3. 10 Uhr 45 von Salzburg: Gesund angekommen Mutter sehr schwach Hoffnungslos. Franz - - dito, Fani Spängler... Pottenstein, 15.3. 1 Uhr 35 N-Mittag: Mutter um 11 ¼ Vormittag ganz ruhig Entschlummert Brief folgt. Franz
15.3. [1882] FANNI SPÄNGLER, Pottenstein, ohne Umschlag an FRANZ SPÄNGLER, Salzburg: 2 Uhr Nachm. - Mein lieber Franz! Kurz nach 12 Uhr Mittags ist das [erste] Telegramm an mich gelangt, ich danke dir herzlich dafür. Ich hatte mit Spannung auf eine Nachricht gewartet, ach, es ist leider eine schmerzliche gewesen. Ich weiß nicht, was ich dir schreiben soll, es ist mir sehr schwer, daß ich jezt nicht bei dir sein kann, wo du so Trauriges erleben mußt. Morgen hoffe ich einige Zeilen von dir. Gott möge dir Kraft und Trost senden in diesen bangen Stunden, meine Gedanken sind unabläßig bei dir. Wenn unsere gute, gute Mutter meiner oder der Kinder gedenkt, so sage ihr, daß Franzi und Toni ihr ein Bußerl schicken und mit mir für sie beten. Von mir sage ihr noch tausend Dank für all die Liebe und Güte, die sie mir stets bewiesen hat, und küße sie in meinem Namen. Wie oft habe ich heute Nacht an dich gedacht, mich quälte die Befürchtung, du könntest schon zu spät gekommen sein, und ich danke Gott daß dem nicht so ist. Du guter, lieber Mann, sei versichert, daß ich, wenn auch entfernt von dir, getreulich diese Stunden mit dir durchlebe. Noch bitte ich dir, mich sofort telegrafisch zu verständigen, wenn das Gefürchtete, Traurige wirklich eintreten sollte. Das Telegramm soll mich vollständig gefaßt finden, sei deshalb ohne Sorge um mich, ich bin ganz wol. [Sie ist etwa im 7 Monat schwanger mit Johanna, „Hansimutti“, geb. 16.5.1882.] – Deinen Auftrag konnte ich gestern nicht mehr bestellen, da Herr von Hoffinger nicht mehr in der Kanzlei war, heute übergab ich ihm Stempel und Notizen schon um 8 ½ Uhr früh. Nach Tisch holte Herr von Hoffinger den Sessionsschlüßel, weil er Sparkassebücheln in die Kasse legen will. Abend wird er den Schlüßel wieder mir bringen. Er jammert, daß er schrecklich viel zu thun hat. – 2 ½ Uhr. Du lieber, lieber Guter! Eben habe ich dir Trauernachricht erhalten, obwol gefaßt darauf, habe ich doch mit Zittern das Telegramm geöffnet So haben wir denn die beste, liebevollste Mutter verloren. Gott tröste dich, mein liebster Franz, ich kann es nicht, ich kann nur mit dir weinen. Sage auch Otto und seiner Familie mein Beileid, sie werden noch viel mehr unsere arme, unvergeßliche Mutter vermißen, da sie ja stets bei ihr waren. Ein, wenn auch trauriger Trost ist es mir, daß ich annehmen zu können glaube, daß die lezte Krankheit der lieben Hingegangenen ohne Schmerz für sie war. Mit unserer guten, unvergeßlichen Mutter ist wol ein selten reiches, lauteres Frauengemüth der Erde entrückt, und nicht allzuviele Frauen können so auf eine wolangewendete Lebenszeit zurückblicken, wie es unserer Mutter vergönnt war. Kaum je ist mir der Glaube an ein Leben im Jenseits tröstlicher und schöner erschienen, als in dieser Stunde, wo ich mit dir diesen schmerzlichen Verlust beklage. Lebe nun wol, Franzi und Toni senden dir viele Bußerl. - Den Anfang des Briefes hätte ich dir nicht geschickt, wenn nicht die paar geschäftlichen Notizen schon voran geschrieben gewesen. – Sei innig umarmt von deiner mit dir trauernden Fanni.
liegt dem obigen Brief [1882] bei, Handschrift von FRANZ SPÄNGLER, ohne Datum: Barschaft – 100/ Aus der Sparkasse behoben 374/ Kleingeld 11/ Herauszahlung bei Renten Umtausch 12.20/ Möbel Erlkös 47.9/ [Summe:] 544.29 - Ausgaben für die Armen 25 fl [Gulden]/ Dank in der Zeitg 2.50/ Leichenkasten Rechnung 406.94/ der Näherin 1.90/ Stempel zum Dienstzeugniß der AXXX -.15/ für Grablampen 2.-/ Wohnungsmiethe 29.25/ Wäscherei 3.72/ für Paken u Expedition der Kisten 2.60/ für die Gedenkbilder 16.50/ VergolderXXX 13.60/ Große Kiste 7.-/ Grabstein 29.81/ [Summe:] 540.97/ Kassarest 3.32
ohne Datum [15.3.1882], FRANZ SPÄNGLER, Salzburg, an FANNI SPÄNGLER: Liebste Fanni. So ist schon das Befürchtete so bald eingetreten und unsere gute Mutter ist nicht mehr. Ich habe, wie ich mir wohl gedacht hatte, gestern den Schnellzug nicht mehr erreicht, u. bin mit dem Postzuge um 9 Uhr hier nach einer fast schlaflos zugebrachten Nacht eingelangt. Louise mit der kleinen Bertha erwarteten mich mit einem Wagen am Bahnhofe, u. aus den Mittheilungen der Louise entnam ich sofort dß jede Hoffnung auf Wiedergenesung aufzugeben sei. Ich fand die Mutter mit fast unveränderten Gesichtszügen, aber in den Händen sehr abgeXXX u. kalt, theilnamslos u. etwas röchelnd dahin liegen; ich redete sie an, sagte ihr, dß ihr Franz da sei, dß du und die Kinder sie grüßen lassen, sie blikte etwas auf, lächelte etwas, um aber sogleich wieder in ihre Theilnamslosigkeit zurück zu sinken; sie scheint also meine Anwesenheit noch aufgefaßt zu haben. Sprechen konnte sie erst nicht mehr, oder doch nicht mehr verständlich; Anna behauptete wohl so habe noch meinen Namen genannt, aber ich habe es nicht sicher vernommen. Ich blieb mit Otto an ihrem Bette, flößte ihr noch einige Male Wasser u. Himbeersaft ein, was ihr sichtlich behagte. Circa um 11 Uhr wurde das Röcheln, welches jedoch nur von Schleim herrührte, schwächer; da kam Kalhofer, u. während wir mit diesem sprachen, wurde die gute Mutter noch stiller, u. während nun Kalhofer noch Sterbegebete sprach, machte die Mutter ein Paar stärkere Athemzüge, öffnete u. schloß noch einige Male nacheinander den Mund u. ruhig ohne den geringsten Todeskampfe, ja mit fast einem Lächeln um den Mund schlummerte die gute Mutter hinüber, um hoffentlich im Jenseits den Lohn ihrer Liebe u. Güte, ihrer Frömmigkeit u. ihres Wohlthuns zu finden. Ein Tod so ruhig, so schmerzlos, wie man sich denselben nur wünschen kann. Sie war berets Dienstags versehen worden, u. hatte ruhig und ergeben ihrem Ende entgegen gesehen. – Was mir sehr zur Beruhigung dient, ist dß wir es durch die Zuvorkommenheit des Pater Prior von St.Peter erreicht haben, dß sie noch in der Familiengruft beigesezt werden kann. So ist ihr Wunsch, an derselben Stätte zu ruhen, wie der selige Vater, erfüllt, u. wir können doch, wenn wir hier sind, viel leichter ihr Grab besuchen, als wenn es draußen auf dem neuen Friedhofe wäre. Deine Großmutter sowie die Familie Schlegel habe ich heute Nachmittags besucht u. ihnen deine und der Kinder Grüße entrichtet. Deine Großmutter sieht sehr gut aus, u. ist recht frisch, nur ihr Gehör scheint mir eher abgenommen zu haben. Bei Schlegel befinden sie sich den Umständen angemessen; die Stimmung ist noch immer eine gedrückte, u. das heutige Ereigniß hat dieselbe natürlich nicht gebeßert. Auch beim Erzbischof war, der dich, ebenso wie Großmutter, Familie Schlegel, Otto, Louise u. deren Familie, dann Mamma Duregger, Emma, Siegl etc. bestens grüßen läßt; allseits gibt sich die herzlichste Theilname, sowie die allgemeine Achtung u. Beliebheit, die die Mutter genoß, kund. – Das Begräbnis wird am Freitag 17/3 um 4 Uhr Nachm. stattfinden, der Seelengottesdienst am Samstag um 9 Uhr früh, in St.Peter stattfinden. Ich werde voraussichtlich am Sonntag Abends von hier abreisen u daher am Montag entweder früh oder Mittags 1 ¼ Uhr wieder in Pottenstein eintreffen. Nun lebn wohl u. sei mit den Kindern herzlichst gegrüßt und gekßt von deinem Franz. – Morgen folgt jedenfalls wieder Nachricht
[bei den Briefen von (Nr.37) Maria ANTONIA SPÄNGLER, geb. LÜRZER VON ZEHENDTHAL (1803-1882)]: 15.3.1882: Partezettel für Antonia Spängler, geb. Lürzer, mit Foto. „Sie war geliebt von Gott und Menschen; ihr Andenken ist im Segen. Sanft war ihr Leben, war ihr Tod.“
16.3.[1882] ohne Umschlag, Pottenstein, FANNI SPÄNGLER an FRANZ SPÄNGLER, Salzburg: Mein lieber Franz! Ich danke dir herzlich für deine lieben Zeilen und den Mittheilungen über die lezten Augenblicke unserer guten, unvergeßlichen Mutter. Wie lieb ich sie gehabt habe, brauche ich dir nicht erst zu sagen; es wird mir selbst zur Beruhigung und Befriedigung dienen, daß, so lange ich die liebe Hingeschiedene „Mutter“ nennen durfte, kein noch so leiser Mißton sich zwischen uns bemerkbar machte, was aber ganz gewiß nicht mein Verdienst, sondern nur ein Beweis war, wie gütig und liebenswürdig die Verewigte war. Daß die Auflösung so schmerzlos und ruhig war, ist gewiß auch ein Trost in dem Leide um unsere liebe Mutter. Man kann bei ihr wirklich sagen, sie starb wie sie lebte, die verkörperte Ruhe und Friedensliebe. Gestern Abends war ich im Pfarrhof, der Herr Dechant spricht dir sein aufrichtiges Beileid aus ebenso Frl: Fanni. Morgen um 7 Uhr früh wird der Herr Dechant seine erste hl: Messe lesen, und zwar seinen eigenen Worten nach, mit der guten Manung für deine verstorbene Mutter „der Frau, welche uns einen so braven Bezirksrichter erzogen hat“. Die schlichten Worte des würdigen Mannes sind auch ein ehernes Denkmal für die liebe Mutter. Ich werde selbstverständlich der hl: Messe beiwohnen. – Auf Herrn Hoffinger, der mir gestern Abends deinen Sessionsschlüßel wieder einhändigte, bat mich, dir sein Beileid auszusprechen. – Daß ich mich sehr freue dich wieder hier begrüßen zu können, brauche ich dich wol nicht zu versichern. Auch die Kinder freuen sich schon auf dich und schiken dir viele Bußerl. Grüße alle unsere Lieben von mir und sage allen, dir mir ihre Teilname senden, besten Dank. – Sei nicht böse, wenn ich dich zum Schluße noch mit einigen Commißionen behellige, ich denke Rosa [Fannis jüngere Halbschwester] wird mir gerne Alles besorgen ich laße sie bitten. I. Vom Hackenbuchner 1 Centimetermaß, II. ein Paar schwarze Glacé-Handschuhe mit 2 Knöpfen N: 6 ¾, ferner 8 Meter Baumwollstoff von der Qualität des beiliegenden Musters, aber mit möglichst viel Schwarz, so wie mein jeziger Hausrok ist, das Meter kostet bei Grömling zwischen 30 u 4o K. Dann möchte ich noch 2 ½ Meter hübschen schwarzen Lüster 70 bis 80 K. für Franzi zu einem schwarzen Kleidchen und schließlich 3 Meter schwarzen Creton mit möglichst wenig auffallender weißer Zeichnung zu einer Hausjacke für mich. Sei nur nicht böse, aber ich finde es einfacher, von Salzburg diese Gegenstände von dir bringen zu laßen als erst wieder nach Wien zu schreiben. – Indem ich dich tausendmal grüße bleibe ich deine treue Alte. – Für Franzi ein ähnliches Umhängetuch wie Toni hat. Handkuß von Anna u Kathi. – Bunter Gebetszettel „Heiligtes Herz/ Süßes Herz...“, „Von Herrn Dechant Philipp Mahler in Pottenstein 6 Sept. 1881“.
17.3.[1882] FRANZ SPÄNGLER, Salzburg, an FANNI SPÄNGLER: ½ 3 Uhr Nachm. – Innigstgeliebte Fanni! Soeben haben Otto und ich mit blutendem Herzen u. thränendem Auge Abschied genommen von unserer geliebten Mutter, und hernach gedankt für alle ihre Liebe u Güte, ihr auch gedankt in deinem u. der Kinder Namen, u. den lezten Kuß auf ihre Stirne u. ihre Hand gedrükt; in etwas mehr als einer Stunde werden wir sie hinabsenken in die Gruft an die Stelle, wo auch ihr unvergeßlicher „Xaver“ unser guter Vater ruht. Sei ihnen beiden die Erde leicht, uns wird ihr Andenken unser Leben lang theuer und unvergeßlich sein, ihr Beispiel u. ihre Lehren sollen auch für uns der Leitstern sein. Am Sarge der Mutter haben Otto u. ich uns die Versicherung unwandelbarer brüderlicher Liebe erneuert, u. treues Zusammenhalten uns gelobt. – Der Segen der Mutter den sie so oft vom Himmel auf uns und unsere Familien herabgefleht wird hoffentlich über uns bleiben, wenn sie auch leider in den lezten Stunden ihn auch nicht mehr geben konnte. Und dich liebste Fanni bitte ich in dieser ernsten Stunde, bleibe mir was du mir bisher warst, meine treue innigstgeliebte Lebensgefährtin, meine beste Freundin, und die liebende sorgsame Mutter meiner Kinder; in dieser Stunde bitte ich auch dich, wie ich die Mutter noch für alles womit ich sie je gekränkt um Verziehung gebeten habe, daß du mir alles verzeihen wollest, was ich dir gegenüber je durch Unfreundlichkeit und Heftigkeit gefehlt habe. – Ich habe jezt vor allem den Wunsch u. die Bitte zum Himmel, dß er dich u. die Kinder mir gesund und wol erhalte, u. dß die Kinder brav werden. – Abds ½ 6 Uhr – Vor kurzem sind wir von dem schweren Gange zurückgekommen, den wir hinter dem Sarge der guten Mutter gemacht. Du wirst in dieser Stunde unserer u. ihrer gedacht u. gewiß manche Thränen vergoßen haben. – Unmittelbar vor dem Begräbniße, als schon bei Carl Sp.[ängler] im großen Zimmer die Trauergäste sich versammelten erhielt ich deinen lieben Brief, für den ich dir bestens danke. Auch bitte ich dich den Herrn Dechant einstweilen meinen Dank auszusprechen, bis ich es in der nächsten Woche selbst thun kann. – Die Comissionen werde ich schon besorgen, beziehungsweise durch die Schwestern besorgen lassen, u. die Sachen mitbringen. – Die Betheiligung an dem Begräbniße war eine sehr zahlreiche, auch Kränze waren der Mutter von allen Seiten gewidmet worden; überhaupt wurde u. wird uns von allen Seiten die herzlichste Theilname; sogar einer der Prinzen des Großherzogs war gestern in der Sparkasse, um Otto das Beileid auszusprechen. – Aber all die Beweise von Liebe u Verehrung für die gute Mutter geben uns dieselbe nicht wieder! Bei dem Begräbniße war ich gefaßter als ich nach dem lezten Abschied am Sarge mir zugetraut hatte. Ich werde womöglich heute noch ihr Grab besuchen. Auch wegen eines Grabsteines wird sofort Anstalt getroffen, u. zwar kommt an die Wand neben der Familiengruft an der auch, wenn du dich erinnerst die Gedenktafel für Paul Hofheimer ist; selbstverständlich wird die Gedenktafel für beide Eltern errichtet [so ist es heute noch]. Lebe nun recht wohl, u. bleibe gesund; am Montag hoffe ich Euch alle wieder zu sehen. Es grüßt u küßt dich herzlichst dein treuer Franz – Otto u Louise grüßen Euch, u. danken für deine Theilname; sie sind beide von der größten Freundlichkeit u. Liebenswürdigkeit. – Bald hätte ich vergeßen, dir zu schreiben, dß in der Nacht von gestern auf heute Louise plözlich die sog. Rötheln bekommen hat so dß sie im Bette liegen muß, u. daher auch an dem Leichenbegräbniße nicht theilnemen konnte; übrigens ist [sie] von dem Ausschlage abgesehen ganz wohl; die Mädchen lassen die Franzi u. Toni bestens grüßen u haben mir auch Bilder für sie gegeben – Also nochmals Lebewohl dein Franz
18.3.[1882] FRANZ SPÄNGLER an FANNI SPÄNGLER: Salzburg, Abends 7 Uhr. - Liebste Fanni! Durch verschiedenes heute in Ansprach genommen, finde ich nicht die Zeit dir einen ordentlichen Brief zu schreiben, u. beschränke mich auf wenige geschäftliche Mittheilungen. Zunächst theile ich dir mit, dß ich die Einkäufe bereits besorgt habe, u. zwar [habe] ich einen Baumwollstoff bekommen, der, wenn mich die Erinnerung nicht trügt, ganz gleich mit deinem bisherigen Hausroke ist, zu dem wir vergeblich einen gleichen Stoff suchten. – Ferner theile ich dir mit, dß ich beinahe entschloßen bin, am Montag noch hier zu bleiben, u. erst Dienstag früh hinab zu kommen, jedoch nur unter Voraussezungen 1) dß du und die Kind wohl bist, u 2). dß Hoffinger, den du darum fragen wollest, dir bestätigt, dß zum Montag 20. Niemand vorgeladen ist, um dessentwillen meine persönliche Anwesenheit nothwendig wäre u. dß auch sonst nichts außergewöhnliches vorgefallen ist. Sei also so gut, u. erkundige dich morgen gleich nach Erhalt dieses Briefes bei Hoffinger; sollte aus häuslichen oder ämtlichen Gründen meine Anwesenheit in Pottenstein schon am Montag erforderlich sein, so bitte ich dir [dieses] sofort zu telefrafiren, u. dann reise ich morgen Abends ab u. komme Montag früh an; anderenfalls aber würde ich erst Montag Abends abreisen, u. am Dienstag früh ankommen. – Bezüglich der Stunde meiner Ankunft bemerke ich noch, dß dieselbe mit dem Frühzuge um ½ [Zeit fehlt] Uhr beabsichtigt ist, u. es würde sich dieselbe auf Mittags 1 ¼ Uhr nur in dem Falle verschieben, wenn der Zug der Westbahn solche Verspätung hätte, dß der Anschluß versäumt würde. Du brauchst dich also nicht zu sorgen, falls ich Montag [respektive] Dienstags nicht mit dem Frühzuge komme. – Ferner bitte ich dich Herrn von Hoffinger einstweilen meinen Dank für seinen freundlichen Brief auszusprechen. – Uebrigens war sein Brief der einzige, den ich heute aus Pottenstein erhielt; leider langte von dir keine Nachricht ein; vielleicht hast du dich mit der Aufgabe verspätet, u. ich erhalte dann wenigstens morgen früh eine Nachricht. – Großmutter, Mutter u. Geschwister Schlegel, Tante Alois, Familie Angermayer, Otto, Louise etc. lassen dich u die Kinder bestens grüßen. Mit herzlichem Gruße u Kuße dein Franz.
18.3.[1882] FANNI SPÄNGLER (Nr.19) an FRANZ SPÄNGLER (Nr.18): Mein liebster Franz! Keine Liebe ersezt dem Kinde die Liebe der Mutter, denn Niemand kann so selbstlos lieben, wie die Mutter ihr Kind liebt bis zum lezten Athemzuge. - Wenn aber die Versicherung treuer, inniger Liebe, die ich für dich empfinde, und die mich bis zum Schluße meines irdischen Daseins erfüllen wird, dir in diesen traurigen Tagen tröstlich erscheint, so nimm diese Versicherung hin und gleichzeitig das Versprechen, daß es mein erstes Streben sein soll, meinen Kindern auch eine so gut, pflichtgetreue Mutter zu sein, wie die liebe Hingeschiedene es ihren Kindern war. Ihr Beispiel will ich stets vor Augen behalten, dann wird es mit Gottes Segen auch uns gegönnt sein, am Ende unseres Lebens auf so gute, rechtschaffene Kinder zurückblicken zu können, wie unsere unvergeßliche Mutter es konnte. Ferner bitte ich dich innig, wenn je wieder Heftigkeit oder Übellaune sich meiner bemächtigen sollten, mich an die sanfte, heitere Gemütsruhe zu erinnern, die deine Mutter besaß, du wirst sehen, daß ich mich bemühen werde, auch hierin ihr ähnlich zu werden. – Je herber der Verlust eines theuren Familiengliedes die Zurückbleibenden trifft, desto inniger schlinge sich das Band der Zusammengehörigkeit um die trauernd Zurückbleibenden, gegenseitige Liebe beruhigt am besten den gemeinsamen Schmerz. Wol habe ich gestern im Geiste an deiner Seite geweilt und von Minute zu Minute mir vorgestellt, wie bitter der Abschied von der irdischen Hülle der Heimgegangenen Euch sein wird, doch habe ich diese Stunde ruhiger verlebt, als ich mir vorgestellt hatte. Adelheid war bei den Kindern und so machte sich die kindliche Sorglosigkeit und Lust geltend, so daß unwillkürlich auch meine traurigen Gedanken etwas abgelenkt wurden. Gestern wohnte ich mit Franzi der hl: Messe des würdigen Dechants bei, heute besuchte ich um 6 ½ Uhr ebenfalls die hl. Messe, beidemale gedachte ich der guten Mutter und deiner in innigem Gebete. Heute kamen schon von vielen Seiten Beileidsbriefe und Karten, v. a. auch eine Karte mit einigen Worten von Hr. Präsidenten Schwaiger und ein sehr lieber gemütvoller Brief des Anton Sebbler [?]. Ich gestatte mir, die einlangenden Briefe zu öffnen, wenn sie auch an dich adressiert sind. – Ich freue mich schon unendlich, dich wieder bei mir zu haben, komm mir gesund wieder, und möge es mir gelingen, dich ein wenig zu erheitern und zu zerstreuen. Auch die Kinder freuen sich recht auf dich und fragen oft, wann denn der Vater kommt. – An Otto und Luise meine besten Grüße, und ich danke ihnen für alle die Freundlichkeit, die sie dir bezeigen, und bitte sie, mir auch ferner ihre geschwisterliche Liebe zu schenken. Allen Bekannten und Lieben viele Grüße. Luise möge bald wieder ganz wol sein. Es küßt dich innig deine treue Fanni.
ohne Datum [1882] und Umschlag, OTTO SPÄNGLER an FRANZ SPÄNGLER: Mein lieber Franz! Ich war recht froh, aus deiner Karte u. dann aus deinem Briefe zu entnehmen, dß du glücklich in Mitte[n] deiner lieben Angehörigen angekommen bist. – Bei einem so hartem schmerzlichen Verluste, wie es der Tod unserer beßten unvergeßlichen Mutter für uns beide war, ist das eigene glückliche Familienleben wol der einzige Trost, der beßte Ersaz! – Ich kann mich an den Gedanken noch immer nicht gewöhnen, meine liebe Mutter nicht wiederzusehen; wie oft im Tage meine ich, sie müßte zur gewohnten Stunde, wie sonst, zur Thüre hereinkommen! Ich weine wol oft u. oft um sie! Allmälig werde ich wol die Fassung wieder gewinnen, um an die Beantwortung all der liebe Briefe und die Abstattung der Besuche gehen zu können. Die Bilder mit den Fotografien habe ich noch nicht erhalten; von den anderen liegen hier 2 Duzend bei. Die Kiste für den großen Kasten habe ich angeschafft; wir werden im Laufe dieser Woche sie erhalten u dann sofort paken. – Die Stockuhr, lieber Franz, würde ich, sowie das Arbeitstischchen der Mutter recht gerne hier behalten. Den Spieltisch hebe ich dir auf; Zur hübschen Couvertdecke übers Bett gehört auch ein gleicher Teppich über den Tisch, welchen ich dir selbstverständlich auch beipaken werde; ebenso die Laufteppiche. Der Spiegel ist beim Vergolden. Zu Andenken habe ich nebst mehreren Schalen, die Spielrequisiten, und einige Bilder, Statuetten etc verwendet [vgl. vorstehende Liste]. Das schwarzseidene Kleid, ein hübscher Tuchmantel werden gleich dem großen Kafensake [?] eingepakt. Ebenso auch mehrere Gegenstände für Eure Mägde: Arme sind ein Menge gekommen, und haben um Sachen gebeten. Louise hat die minderen Kleidungsstüke, welche weder der Sammlung noch der Aufbewahrung noch des Verkaufes wert waren, dazu verwendet. Auch fand sich eine Menge geradezu wertloser Fleke, Gestelle von Schirmen, Schachteln etc., welche wir um Plaz u Ordnung [?] zu machen, wol einfach wegwerfen mußten. Soll ich im eidenstättigen Vermögensbekenntniße das halbe Keglewichloos angeben, das die Mutter gemeinsam mit uns besaß? Dr Faistauer hat die Rechn[un]g noch immer nicht geschikt. Ist die anruhende Grabschrift recht? Aus deinem Concepte als Vermögensbekenntester entnehme ich, dß du auch den Grabstein unter die Abzugsposten sezen willst. Ist das so Gepflogenheit? – Ich werde bemüht sein, allen deinen Wünschen nach Möglichkeit gerecht zu werden. Mit den herzlichsten Grüßen an dich u deine lieben Angehörigen bin ich wie stets dein Bruder Otto. – Von Louise u den Kindern alles Schöne!
4.4.[1882] ohne Umschlag, Salzburg, Trauerrand, LOUISE SPÄNGLER an FANNI SPÄNGLER: Liebe Fani! Endlich sind wir nun mit dem packen der Kiste fertig, es war mir wirklich recht schwer die ganze Wohnung zu räumen, denn die Erinnerung an die liebe Großmutter kam immer wieder, und man sah mit welchem Fleiß sie die Ordnung überall aufrecht erhielt. Ich muß dir nun einiges über den Inhalt der Kiste schreiben. Wäsche, Kleidungsstücke, Bilder, Spiegel, sowie das Bett ist alles im Kasten, betreffs des Unterbeetes [!], welches du nicht geschickt haben wolltest will ich dir nun mittheilen, daß es mich zum verkaufen reute, ich habe mit deiner Mutter gesprochen, weilche meinte du sollst Kopfkißen daraus machen, ich habe es auch gethan und habe 5 Kißen bekommen, welche recht gut sind. Du wirst die Federn in 2 Reben [?] finden, das kommt daher weil ich Anfangs nur die Hälfte schicken wollte, dann aber wollte der Packer mehr Gegenstände um die Kiste zu füllen, und so gab ich die zweite Hälfte auch noch her. Deine Mutter bat mich es gewiß zu schicken. Das Spiel welches du in der Kiste findet [!], schicket meine Maman deinen Kindern; sie hatte an den Tellern mit grünen Rande welche wir ihr als Andenken an die Mutter gaben eine große Freude [vgl. Liste bei dem Brief vom 10.4.]. Die Bücher waren um sie in die Kiste zu legen zu schwer, wir packten sie in eine eigene Kiste, beide Kisten sind heute abgeschickt worden. Einige Küchen-Geräthe welche nicht schwer sind, haben wir auch inein gepackt. Ferner kommt noch die Couvertdecke nebst derselben Tischdecke, und 2 Bettdecken. Für den eingelegten Kasten, denn wir Euch schickten, haben wir uns einen Chiffonier und einen ordinären grauen Kasten behalten, welchen ich als Rumpelkasten benützen. Die Kiste haben wir liegend im Hofraume gepackt, und ich denke es wird auch wieder am Besten sein, wenn ihr sie in Eurem Hofe aufmachen und die Stücke hinauftragen laßt. Obenauf in der Kiste liegt noch Stroh was wir zum füllen des Kastens brauchten, die Casette mit Silber sowie das Kistchen mit Gläser und Schalen werdet ihr auch finden. 2 Dutz. Gedenkbilder der sel. Großmutter werdet ihr auch finden, wir finden sie sehr gut; es wird immer ein trauriges Andenken bleiben. Ich wünsche dir zu deiner Entbindung viel Glück; es würde mich freuen wenn es ein Knabe wäre. Wenn auch die Großmutter nicht mehr lebt so hoffe ich, daß wir deswegen einander nicht XXX XXX Grüße an die deinen von Otto den Kindern u. deine Schwägerin Luise [Louise Spängler, geb. Duregger]
[10.4.1882] ohne Umschlag und Datum „Dr.OTTO SPÄNGLER. Salzburg.“ an FRANZ SPÄNGLER: Lieber Franz! Zu deinem Geburtstage [10.4.] u. Eueren Hochzeitstage bringe ich dir für mich u. die meinen unsere herzlichen Glückwünsche dar. – Die gute Mutter, deren fromme Wünsche an diesem Tage dir leider fehlen, wird ihren Segen vom Himmel senden, und so möge dieser Doppelfesttag Euch recht oft und glücklich wiederkehren. – Meine Karte u. dein lezter Brief haben sich gekreuzt; ich besorge heute noch den Stein. Mit dem baren Gelde bin ich bereits fertig; ich bestreite einstweilen natürlich alles; wenn die zum Verkauf bestimmten Sachen werden verkauft sein, dann mache ich mir wieder alles gut. Betreffend diese Auslagen bitte ich auf das entschiedenste um eines nämlich, dß wenn einzelne Dinge davon auch nur dich allein angehen, wir sie miteinander tragen. Entgegne mir nichts darauf, ich bitte dich recht schön! – Was nun die zwischen uns geteilten Papiere betrifft, so stellt sich deren Wert folgender Maßen: Rumänierobligation 400 RM al pari – 236 fl [Gulden] – Xr [Kreuzer]/ 1860er Loos – 132 „/ 368 fl – Xr – Dem entgegen 2 Pfandbriefe al pari – 200 fl/ eine Perlmosser Actie 90 „/ 290 fl. – Also hast du mir die Hälfte der Differenz p. 78 f., id est 39 f. zu vergüten welchen betrag ich nach deiner Genehmhaltung dir in deiner Rechnung zu Last schreiben und mir aus den Julicoupons seinerzeit gutmachen werde. Oblige Cursdaten habe ich den Curszetteln bei Carl [Spängler; Bank] entnommen. Die Zinsen habe ich der Einfachheit der Rechnung halber weggelaßen. – Im anruhenden Zettel [als Einzelblatt beigelegt, folgt] habe ich versucht, deinem Wunsch wegen der Andenken nach Möglichkeit zu entsprechen. Auf Vollständigkeit macht das Verzeichniß keinen Anspruch. Im nächsten Briefe bitte ich dich, mir die Adresse der Frau von Martens bekannt zu geben [mit Bleistift:], ebenso wie die der Frau von Sattler – Mit Kuß u Gruß an Euch Alle dein Otto. – Charsamstag Abends.
Einzelblatt: Vertheilte Andenken. Familie Joseph Spängler [der Neffe Josef Spängler jun. 1823-1895, ältester Sohn des ältesten Bruders von Franz Spängler sen. 1793-1854] den hübschen Spieleinsatz/ Elise Spängler [Nichte Elisabeth, eine Schwester dazu, 1829-1905] eine violette Kaffeeschale/ Ida Spängler [1862-1884, Tochter vom Cousin Carl Spängler, Banklinie] das Fluidlamperl/ Maria Spängler [eine Schwester dazu, 1866- verh. Barchetti] die beiden Porzellanfiguren/ Frl. Rosalie Henf [genannt in einem Brief von Fanni Schlegel an Franz Spängler vom 6.12.1871 und öfter] den 2.Spieleinsatz und eine Schale/ Tante Therese v.Lürzer [Thiz, Schwägerin der Verstorbenen; Stiftsdame] eine Haube und mehrere Kragerln u Chemisetten/ Frl. Josephine v.Lürzer [ebenfalls, verh. Sauter] eine violette Schale/ Tante Emilie #Duregger [1833–1896, Banklinie] eine silberne Reliquie/ Großmama Duregger {Mutter von Louise Spängler, verh. mit Otto Sp.] weiße Teller mit grünen Rande [genannt im Brief vom 4.4.]./ Marie Koch Lichtschirm u ein Gebetbuch./ Das kleine Madonnenbild mit breitem Rahmen habe ich selbst [Louise Spängler, geb. Duregger. Zuerst ihre Schrift, dann die von Otto Spängler] behalten. Den Schlips von gestickter Seide, welchen die Mutter um Weihnachten von Duregger erhielt, haben wir Rosa Schlegel [jüngere Halbschwester von Fanni Spängler] gegeben. Andere Kleinigkeiten, als Portmonnaies, Brieftascherln, Gebetbücher kleinere Bilder etc haben wir den verschiedenen Mägden als Andenken gegeben; Leopoldine Spängler [Frau von Carl Spängler, 1834-1918] gaben wir ein Theeseicherl; u eine Menge der schlechten Wäsche und Kleider haben wir verschenkt. – Emilie Duregger, Partezettel:
15.5.[1882] dito: Lieber Franz! Im Nachhange zu meinem durch Rose dir gesendeten Briefe berichte ich dir, dß ich Cortolezis zur Abfuhr des Geldes aufmahnte und heute auch für einen Theil der Sachen das Geld erhielt. Ich sende dir anruhend die Originalverrechnung sammt allen Beilagen u. bitte mir dieselbe nach Prüfung mit den Beilagen wieder zu senden. Den verbliebenen Barrest fl. 3.32 habe ich auf gemeinschaftliche Rechnung übertragen. Die Erbserklärung u das eidesstättige Vermögensbekenntniß habe ich deinen Weisungen entsprechend überreicht. Mir thut es sehr leid, dß gerade jezt eine so lange Zeit keine Veranlaßung zu einer Wienerreise sich für mich ergibt; denn es möchte mich unendlich freuen, mit dir wieder einen Tag in der Erinnerung an unsere gute herzliebe Mutter zuzubringen. – Mit herzlichen Grüßen von all den Meinen an dich und deine liebe Familie bin ich wie stets dein treuer Bruder Otto.
FRANZ SPÄNGLER (Nr.18) an FANNI SPÄNGLER (Nr.19): Pottenstein 2 Aug 1882/ Innigstgeliebte Fanni! Heute endlich finde ich Zeit, dir einen Brief zu schreiben; zunächst berichte ich dir, d[a]ß ich mich wohl befinde, u. freue mich, wieder gute Nachrichten zu erhalten. Auf den nun schon in mehreren Karten versprochenen langen Brief freue ich mich schon, u. ich hoffe, daraus auch näheres über die Reise-Erlebnisse zu erhalten. - Das gestrige Fest ist sehr gut ausgefallen; es hat sich alles recht gut unterhalten. Von Schwechat waren einschließlich der ganzen Familie Bechtel bis 40 Personen hier. Das Concert bei Mayer war sehr besucht, u. ist sehr gelungen. Das Wetter war sehr schön, in Folge dessen auch sehr heiß, so daß bei dem Concerte die ganze Gesellschaft unter Hitze ziemlich zu leiden hatte; es war zudem so voll, dß manche ohne den Eintritt zu versuchen wieder weggingen; wir konnten eben von den Nebenlokalitäten keine haben, da sie sämtlich vermiethet sind. Dr Bechtel und Frau lassen sich dir empfehlen; waren über meine Bitte so freundlich, das Clavier anzusehen u. zu versuchen, u. hat es für ganz gut u. preiswürdig erklärt, nur sei der Ton im Sopran etwas zu schwer gegenüber dem Baße, es [sind] die höchsten Töne ein wenig verstimmt. Dem lezten Mangel wird sich ja nöthigenfalls leicht abhelfen lassen. - Alle Bekannten lassen sich dir empfehlen, insbes. Defant, u. Frau Megel [?], Frl Zemsauer, Thernten [?], Frau Dr Laad, Haidl etc.; ebenso Frau Zinken, bei denen ich Samstags zu kurzem Besuche war; er ist wieder an einem Bronchialkatarrh erkrankt. Sie lud mich dringend ein, sobald ihr Gema[h]l besser sei, einen Abend bei ihnen zu verbringen, was ich auch zusagte. - Auch Herr Pittel und Frau empfehlen sich, sie waren ebenfalls beim Concerte. - Heute Abends werde ich mich [mit] Tomanntys [?] zusammen sein; wo, weiß ich noch nicht; ich hole sie verabredeter Massen um 3/4 8 Abends ab/ Zu Mittag u zum Frühstück gehe ich zum Hirschen. Abends bin ich bald dort, bald da. - Wie geht es den Verwandten, insbes. bei Otto u dessen Familie, dann bei Schlegel. Maria ist wie ich aus deiner mir heute zugekommen[en] Karte erfahre, bereits in Salzburg angekommen. - Hast du in Angelegenheiten der Familie Lanser nichts näheres erfahren? ich erhielt am Tage deiner Abreise eine Karte von ihm. - Ich muß dir noch berichten, dß ich in dem Eilzuge, welcher bald nach Eurer Abreise St Pölten passirte, auch Frau von Biraphi [?] gesehen zu haben glaube dß [da] war der Zug schon im Fahren, u so konnte ich sie nur noch eiligst grüßen, sie bemerkte u erwiderte meinen Gruß. Frage sie doch, wenn du sie siehst, ob sie es wirklich war. - Ist Julius in Salzburg? Grüße mir ihn u seine Familie bestens wenn du Jemand siehst. Das gleiche Angermayer, Carl u Rudolf Spängler. - Nun lebe recht wohl, denke oft meiner, wie auch ich deiner in aufrichtiger Liebe oft gedenke. - Küße die Kinder von mir, u. sage ihnen dß sie ja gewiß brav seien, u. sorge auch dafür, dß sie ihr Morgen- und Abendgebet ordentlich beten. - Mit herzlichsten Grüßen an Euch alen insbes. auch die Großmutter dein treuer Franz - Warst du schon am Grabe der Mutter? Wirst du nicht se[l]ber wieder ein Kranz auf dasselbe geben? - Franz Spängler, seit 1880 Bezirksrichter in Pottenstein (und dann ab 1887 am Kreisgericht in Krems) an seine Frau Fanni. Viele Wörter zusammengeschrieben [hier mit Abstand] bzw. abgekürzt, manchmal scheint der letzte Buchstabe im Wort ein Komma zu sein. - „Otto u dessen Familie“: Bruder Otto Spängler; „Schlegel“: Familie der Frau; „Maria“: vielleicht Angermayer (siehe unten); „Angermayer“: Maria Josepha Spängler (1832-1896), verh. mit Vinc. Angermayer (1815-1886), zuletzt Landesgerichtsrat in Wien; „Carl“: Carl Spängler (1825-1902), verh. mit Leopoldine Duregger („Bank-Linie“ in Salzburg; sie wohnen im Haus am Mozartplatz Nr.4); „Rudolf Spängler“ (1830-1895), verh. Marie Weinwurm, Vizebürgermeister und Vizehandelkammerpräsident in Salzburg). Carl, Rudolf, Maria und Julius (und weitere) sind Cousins und Cousinen von Franz Spängler. – „Mayer“ (?): vgl. Partezettel für Theresia Mayer, 1806-1878. - „Lanser“: vgl. Partezettel für Carl von Lanser (1805-1869 Salzburg); Brief von Anna Lanser [noch ungelesen; ohne Datum].
FRANZ SPÄNGLER an FANNI SPÄNGLER: Pottenstein 7 Aug 1882/ früh. 6 Uhr/ Liebste Fanni! Für deinen ausführlichen Brief nochmals meinen besten Dank! Ich freute mich daraus zu erfahren, dß Ihr dieses Reise-Abenteuer glüklich über standen habt u. dß die Kinder sich bei dieser ganzen Geschichte brav benommen haben. - Von mir kann ich nicht viel berichten. Am Montag Abends war ich mit Tomannty [?]; u. Staats-Amwalt [-anwalt] Hindezs [?] sammt Frau beim Bierbaumer; am Dienstag Nachm in Enzasfeld, u. Abends beim Hirschen, wo der 50ste GeburtsTag Schörbichlers mit einigen Bouteillen Wein gefeiert wurde; gestern (Mittwoch) Abends bei Thernten [?] zu einer Whistpartie. Alle empfehlen sich dir; Anna sagte sie werde dir nächstens schreiben. - [gleicher Brief:] Pottenstein 8/8 1882/ Gestern Abds [abends] war ich im Gesang-Verein, u. theile auch mit Tomannty [?] u Hindezs [?] zusammen bei Friedrich. Heute gehe ich Abds in den Pfarrhof u morgen (Samstag) bin ich bei Barme Pittel [?] geladen. Du siehst, dß ich meir die Abende so gut als es in meiner Einsamkeit möglich ist, vertreibe. - Was mein Kommen nach Salzburg betrifft, so habe ich dir vor allem zu berichten, dß gestern im Gesang-Verein beschloßen wurde das für August beabsichtigte Concert nicht abzuhalten/ Ich habe daher in dieser Hinsicht gar keine Rücksichten zu nemen, u. werde daher entweder Donnerstag 21. od Freitag den 22. von hier abreisen, wahrscheinlich mit Benutzung des Schnellzuges od noch über Nacht. Das bestimmte werde ich dir schon rechtzeitig mittheilen. Hoffentlich bleibt mir ein ähnl Abenteuer, wie das Eure war, erspart - Heute habe ich das Gesuch wegen Tonis Schuleintritt geschrieben. Was machen die Kinder? Arbeiten Franzi u Toni doch mitunter etwas?, u lernt auch Franz mitunter. Ich habe bisher vergeblich auf einen Brief von ihr gewartet. Treibe sie nur dazu an! Ich werde ihr dann schon antworten - 8/8 1882 Nachm./ Eben erhielt ich deinen lieben Brief mit Franzi’s Zeilen. Ich danke ihr einstweilen; doch sage ihr, dß sie einige Schreibfehler gemacht hat; mein Versprechen ihr direkt zu schreiben, werde ich nächstens erfüllen. - B[e]ide bitte ich von mir bestens zu grüßen. Es freut mich für dich, dß Ihr heuer wieder zusammen getroffen [hier fehlt etwas?]. Wie befindet sich Mama Plachetka? - Ich muß für heute schließen, damit der Brief noch weggeht. Lebe recht wohl u. denke fleißig deines treuen Franz - „Mama Plachetka“: von der Familie Plachetka ist in den Briefen und im Tagebuch des Franz Spängler von 1860/61 öfters die Rede; die Schwester der Marie Plachetka, Lida [verh. Guttenberg], ist auch eine gute Freundin von Fanni Schlegel, verh. Spängler.
„1882“ [und andere, bes. 1872 und 1878; nicht endgültig gelesen, deshalb rot verschnürt; Briefe nur flüchtig gesichtet im März 2011] Briefe von Nr.18 Franz Spängler an Nr.19 Fanni Spängler: „Meine liebe Fanny... Dein treuer Mann Franz“ und ähnlich aus Wien 7.1.1872. – aus Mödling 15.1.1872. – aus Wien 29.7.1872. – aus Wien 15.7. ohne Jahr. – aus Pottenstein 15.8.1884. – vier Briefe ohne Datum. – Briefe von Nr.19 Fanni Spängler an Nr.18 Franz Spängler: „Mein Herzensfranzl / liebster Mann... behalt lieb deine Gattin / deine treue Alte“ und ähnlich aus Salzburg [ebenfalls alle folgende Briefe] 17.7.1878. – 20.7.1878. – 27.7.1878. – 30.7.1878. – 14.8.1882 und gleiches Datum beigelegt an „Tante Ho“. – 18.8.1882. – 21.8.1882. – 26.8.1882.
Briefe [rot verschnürt, nicht gelesen] von Tante Therese von Lürzer = Nr.37 a Theresia von Lürzer-Zehenthal, 1800-14.12.1894, Stiftsdame in Hall i.T., an Nr.18 Franz Spängler in Pottenstein aus Hall 1.12. [ca. 1875-80]; Hall 17.4.1882; mit Briefumschlag [Briefmarke herausgeschnitten, Stempel „Pottenstein 3.12.“] Hall 1.12. ohne Jahr; dito Briefumschlag „5.3.“ ohne Jahr; Hall 27.2.1883; Hall 22.12.1883; mit dito Briefumschlag Pottenstein 28.11.84 mit Brief 26.11.1884. - Angefügt ein Brief von Otto von Lürzer an „Herrn Zetter“ [?], Saalfelden 19.10.1871 [?], nicht näher identifiziert.
FRANZ SPÄNGLER an FANNI SPÄNGLER: [Pottenstein, 19.8.1882] Liebste Fanni! In Beantwortung deiner letzten Karte inbetreff des Schlüßels möchte ich dir folgendes vorschlagen. - Da es Frl Rupi seit gestern um vieles bessergeht, so kann ich die Schlüssel dr Frl Anna Zemsauer [?] geben, u[nd] ich habe sie auch bereits darum gebeten, u sie es mir gestattet. Es frägt sich nur, welche Schlüßel? Soll ich insbes. auch jenen Schlüßel den jezt Frau Steinmayer hat derselben abverlangen u. dr Zemsauer geben? Was die Rückkunft der Anna betrifft so besteht doch keine Nothwendigkeit, d[a]ß sie mit dem lezten um 1/2 11 Uhr ankommenden Abendzuge hier eintrifft, sie kann ja bereits mit dem Zuge um 8 Uhr kommen, od[er] auch am Samstag früh, denn ich meine, dß es uns fast besser taugen wird, am Samstag im Gasthause zu essen, od schon zu Hause zu kochen. - Diese leztere Frage können wir übrigens auch noch mündlich besprechen, die erstere wegen der Schlüßel-Aufbewahrung ist aber schon teilweise erledigt; über die eben noch offengelassenen Punkte bitte ich umgehend um deine Willensmeinung. - Gestern Abends war ich bei Zink [?] eingeladen, beide lassen sich dir empfehlen/ Neues kann ich nichts berichten. Ich schließe für heute, u küße u grüße dich u die Kinder herzlichst. Dein treuer Franz - Pottenstein 19.8.1882.
2 u 3.9.1882 OTTO SPÄNGLER, Salzburg, an FRANZ SPÄNGLER: Lieber Franz! Endlich komme ich dazu, dir wieder zu schreiben. Wie du aus meiner lezten Karte entnommen haben wirst, in welcher ich dir dankend den Empfang Eurer lieben Briefe bestätigte, war ich mittlerweile mit Louise auf 24 Stunden in München. Ich hatte in Handelskammerangelegenheiten dort zu thun; wir haben nämlich den Verkauf des ganzen gewerkschaftlichen besizes angebahnt; ob es gelingt, weiß ich allerdings noch nicht. Ferner gebe ich dir nachfolgend wieder Verrechnung: Einnahmen ...Coupons 36 [Gulden] Ausgaben Franz zu Reise geliehen 25 fl ...36 [Gulden] – Was nun die Abrechnung aus dem Nachlasse der Mutter betrifft, so habe ich mit Ausnahme des Dr Faistauer, von welchem ich troz dreimaliger Mahnung noch immer keine Rechnung erhielt, alles bezalt; Von der Einrichtung habe ich noch immer keinen Erlös erhalten; ich bringe es auch nicht über mich, ihr darum anzugehen; mir war das ganze Räumen u Weggeben der Sachen so gräßlich, dß ich den Muth nicht mehr hatte, in die leere Wohnung zu gehen. – Das runde Arbeitstischchen, an dem die gute Mutter so viele Stunden ihres Lebens saß, habe ich politiren u zusammenrichten lassen; es steht neben meinem Schreibtische; u. in der hölzernen Kassette, welche auf dem Kasten im ersten Zimmer stand, habe ich den ganzen Schaz der Andenken an unsere liebe unvergeßliche Mutter zusammengegeben; ihre Bilder, ihre Briefe, Haare u.s.f. Von XXXken habe ich noch nachzutragen, dß ich Frl. Amalia Tockr [?] auch eine der hübschen Schalen gab. – Bezüglich ds Xxbestättigen Vermögensbekenntnißes möchte ich dich nun fragen, ob es nicht gleich wäre, wenn wir an Barschaft u. Salzburger Sparkassebüchl im Aktivum so viel wegließen, als Doktor, Grabstein, Mietzins etc. im Passivum ausmachen würden? Bitte mir hierüber zu schreiben; mir käme es schöner u. nobler vor und dem Acrar gegenüber bliebe es sich gleich. Von all den meinen an die deinen herzlichste Grüße! Mit stets gleicher treuer Bruderliebe dein Otto. – Übermorgen muß ich einige Tage ins Gebirge. XXX.
FANNY KOBLER: Briefbogen Seidenpapier, Salzburg 2.10.1882 [1883], von „Urgroßmutter Fanni“ an „Fani“ (Spängler): XXX Mir Gott lob geht es ja zimlich gut. XXX Wan wirst du entbinden XXX Wochenbett XXX grüße Mann und Kinder [schwer zu lesen, da durchscheinend] – ein Sohn Franz Spängler ist 20.10.1883 (?) geboren.
FANNY KOBLER an FANNI SPÄNGLER: Salzburg am 29te Dez. 1882./ Liebe Fanni! Das ihr Gott sey Dank, euch alle Wohl befindet hat mir mir viele Freude gemacht. Ich danke dir für die guten und vielen Süßigkeiten die du mir güsch [geschickt?] hast. Ich an deiner Stelle hätte weniger so feine und gebrächliche Sachen gemacht. Es gehört viel Geduld dazu; und den Christbaum damit zu schmücken ebenfalls. Mein Befinden ist Gott sey dank, so ziemlich gut. Ich danke euch für die guten Wünsche zum Neuenjahr. Möge Gott meine inigsten Wünsche erhören und auch Gesundheit und Zufriedenheit schücken, auch im kommenden Jahr schücken. An Christabenten warn meine Gedanken immer bey euch; die Kinder werden nicht genug ausdrücken wie schön alles ist. - Grüße deinen Mann und deine Kinder recht herzlich von mir. Bey mir war der Christabend sehr still und langweilig. Lebe wohl liebe Fanni zum Neuenjahr alles gut wünscht deine Großmutter Fanni.
1883
Salzburg 16.1.1883 [zusammengebunden mit den Briefen von 1853; siehe dort] Erzbischof Franz Albert, Briefbogen mit Bildchen von Maria Plain; Salzburg 30.11.1886 Briefbogen mit Bildchen von Salzburg und Prägestempel, (Erzbischof) F.A.; Salzburg 2.12.1888 mit Umschlag [darin habe ich die beiden anderen Briefe ebenfalls eingelegt] und Siegel, Briefbogen mit Bildchen von Salzburg, eingelegt Andachtsbildchen, (Erzbischof) F.A. = [nach Salzburgwiki.at] Franz de Paula Albert Eder OSB (* 30.1.1818 in Hallein; † 10.4.1890 in Salzburg) war Erzbischof von Salzburg. Er trat 1839 dem Benediktinerorden bei und erhielt seine Priesterweihe im Alter von 25 Jahren in Salzburg. Von 1857 bis 1876 wirkte er als Abt von St.Peter. Am 22.10.1876 wurde er vom Erzbischof von Prag zum Erzbischof von Salzburg geweiht.
„Hochwolgeborenem Herrn Bezirksrichter! Verehrtester Freund! Nun bin ich nach zwei lieben Briefchen dir eine Antwort schuldig geworden. Praeteriere dies omni novus appulit annus: Det Deus Omnipotens optima quaeque Tibi! [Die vergangenen Tage des Jahres... [?]: Möge der allmächtige Gott dir das Beste geben!] Dieß mein herzlichster Segenswunsch für dich, Frau Gemalin und Kindern. Für deine freundlichste Begrüßung und Beglückwünschung aus Anlaß der jüngst (3.d.M. [des Monats]) von Sr.Majestät unserem Kaiser allergnädigst mir verliehenem GeheimenRaths-Würde dir geziemendst dankend benachrichtige ich dich zu gleich, daß ich nach Wien mich begeben werde, sobald die Schulgesetz-Novelle auf die Tagesordnung der öffentlichen Sitzung im Herrenhause gesetzt sein wird und um jene Zeit freue ich mich also aufs frohe Wiedersehen in Wien. Dich samt Frau Gemalin und Kindern herzlichst grüssend und Gottes Schutze anflehend Dein ergebenster alter Freund + Franz Albert Erzbischof. Salzburg 16.I.[18]83.
Dilectissime mi Francisco! Der Namenstag rückt heran und da muß ich wenigstens auf brieflichem Wege nach Pottenstein mich begeben, um im Anschlusse an dem trauten Familiekreis meinen herzlichen Segenswunsch darzubringen. Det Deus Omipotens Tibi quae pia corda prevantur. Contigit ecce binas mihi visere Virginis Aulas, Obtuli Tegne domumque Tuam sine lobe Parenti, Quae cum Prole Tibi clemens, pia, dulcis adesto! [Möge der allmächtige Gott dir geben, was du mit frommem Herzen wünscht...]! Mit herzlichen Grüßen an Frau Gemalin und Kindern Vobis in Xto addictamus + F.Al 30.XI.[18]86.
Hochwolgeborer Herr LandesgerichtsRath! Verehrtester Freund! Als Angebinde zum Namenstage übersende ich mit diesen Zeilen zugleich ein Bildchen, welches ich gestern von Maria Plain mir heimbrachte und meinem lieben Franz samt Frau Gemalin und Familie der Fürbitte und dem Schutze unserer himmlischen Mutter Maria empfehlend versetze ich mich im Geiste in den trauten Familienkreis und bedauere nur, daß durch die Verschiebung des Katholikentages etc auch meine beabsichtigte Excursion und zwar am 1. d.M. verschoben wurde. Mit herzlichem Grusse verharre ich in alter Liebe und Verehrung notus a manu + F.Al archiep. 2.XII.[18]88. [Klein:] Das liebe Schreiben zum 16. v.M. [vorigen Monats] ist mir in München zugekommen wohin ich auf einige Tage mich begeben hatte. Gratias ago debitas. Beigelegt = Bildchen von Maria Plain, rückseitig handschriftlich: Nominis ad Festum precor optima dona salutis! + Franciscus Albertus archiepiscopus / ad 3.XII.[18]88. – Andachtsbildchen von St.Corbinian, rückseitig handschriftlich: Freising bei München am St.Corbinias Translationsfesttage den 20. Nov. 1889 [soll wohl „1888“ heißen]. + F.Al.
Papierspitzchenbildchen mit einem Jesusknaben. – Bei den anderen Briefen [siehe: 19.11.1871] liegen ein Partezettel für Peter Paul Eder ( -1851), Hallein, und Maria Th.Eder ( -1865) und Benediktiner P.Albert Eder gratuliert „Zum XVI.Geburtstage“ [für Franz Spängler 1855]. – Die drei Briefe habe ich im April 2011 bei „Franz de Paula Albert Eder“ in Salzburgwiki.at eingefügt; ein vierter von 1876 kam dazu [für 1886 und 1888 keine Verweise geschrieben]. – Eigenes Foto 2014 = Grabplatte in der Salzburger Domkrypta:
17.1.1883 und ff. siehe: Briefe 1872 bis 1887
FANNY KOBLER [Nr.79] an FANNI SPÄNGLER [Nr.19]: Salzburg 19te Januar 1883/ Liebe Fanni! Unser Briefwechsel ist ins Stocken geworden, fast einen ganzen Monat hab ich von Euch und euren Beidenn nichts mehr gehört. Ich hoffe ihr werdet euch alle wohl befinden? mir Gott sey dank, geht es auch so ziemlich gut. Die 84 Jahren drüken oft recht schwer. - Ich muß mir oft recht Gewalt an thun mich in der frischen Luft längere Zeit aufzuhalten. Deine 4 Dirndel werden dir Bewegung genug verschaffen. Aber Gott sey dank sie sind Gesund und gedei[he]n/ las dich keine Stunde reuen, die du für sie Verwendest. Wir haben einen schlechten Winter. Schnee fast gar keinen, Regen genug. - Grüße mir deinen Mann vielmals. Im Herbst hoffe ich euch alle bey mir zu seh’n. Die Rosa welche euch alle herzlich grüßt, ist immer etwas kränklicht. Lebt alle recht wohl und bleibt gesund. Dieß wünscht Eure Großmutter Fanni. - Von der Lisi einen Handkuß.
FANNI SPÄNGLER an FANNY KOBLER: Pottenstein 1.8.1883: Liebe Großmutter! kündigt Ankunft in Salzburg mit dem Postzug für den 7.8. an; freuen „uns sehr auf den Aufenthalt in der lieben Heimat“; der Mann freut sich über die kleine Erholung, hat mit der „Anlegung der neuen Grundbücher“ viel zu tun, „die Kinder spielen stundenlang ‚Reise nach Salzburg’, 15 Stunden Reise, davon 3 Stungen Warten in St.Pölten; Kathi (Magd) begleitet sie. „Zugleich bitte ich dich, für Dienstag Nachmittag 3 Seitel Milch und 1 Seiten Obers [Sahne] zur Jause zu besorgen, da ich weiß, daß man nur in der Frühe Milch bekommt. Eben so viel brauche ich zum Frühstück. Roserl u. Hanna [Hansimutti, geb. 16.5.1882] bekommen nämlich zur Jause und Abends Cacao. [...] Sonntag oder Montag wird meine Kiste kommen, die ich nur in’s Zimmer zu stellen bitte. XXX
FANNY KOBLER an FANNI SPÄNGLER: Salzburg am 13. September [nach 1882/83] Liebe Fani. Du wirst nicht wißen warum auf dein Brief so lange keine Antwort bekommst, wir hatten das schöne Wetter benuzen müßen um die Betten in die Sonn zu bringen, du weist ja wie groß und schwer sie sind. Morgen wird der Bodenzezer [-setzer] kommen um die Böden einzulassen und zu beüsten [? beizen]. Wie geht es dir, deinem Mann und die Kinde/ Mit dem Pottografie [! Photo-] der kleinen Gesellschaft hast du mir eine große Freunde gemacht, ich danke dir vilmals dafür, sie sind alle gut getroffen. Mir Gott sey dank geht es so zimmlich gut. Ihr werdet woll oft von Salzburg und den schönen Bergen sprächen. - Du würst wohl nicht lange herumgehn? Gott gebe das alles gut vorübergeht/ Vor einigen Tagen hat sich die Feurwache hier Protezirt. d Lostin [?] ist recht schön. Von Linz, Wien, Tirol und Bömmen. Auch die Maschinen sehr zwekmeßig. Die Franzi sollte ja in der Schulle recht fleißig sein. Deinem Mann sage viele Grüße von mir. Lebt alle rech wohl dieß wünscht und bleibt gesund dieß wünscht euere Urgroßmutter Fani. - Meine Augen werden sehr schwach. Grüß Anna und Lotti. Die Liese küß die dir Hand. - Herr und Frau von König [?] haben mich vor einigen Tagen besucht, und haben mich ersucht wenn du einmal nach Wien hinein Fahren würdest sie zu besuchen. Sie sieht recht gut aus, hat einen kleinen Buben. Es scheind ihnen gut zu gehn. Ich denke er muß in Wien in der Akademi angestellt sein Aderweiße [?]. Sie wohnen den Zellfitur [?] gegenüber No 56. - „Die Kinder“ werden gegrüßt, und offenbar wird wieder eines erwartet: Rosa, das dritte Kind, wird 1880 geboren, Johanna 1882 [Nr.9]; Franzi, geb. 1877, ist bereits bzw. soll offenbar in die Schule.
Briefe und Postkarten von/ an FRANZISKA SPÄNGLER (18.6.1877-1962; Nr.9 a): 1884 Vater Spängler schreibt aus Pottenstein Postkarte an „Fräulein Franziska Spängler, Bezirksrichterstochter, in Salzburg, Mozartplatz 10“, dankt für Brief. „Sei recht brav und folgsam, und mache dadurch der Mutter und mir Freude... dein dich liebender Vater“
1884
6.3.1884 siehe: Briefe 1872 bis 1887
„August 1884“ siehe bei Oktober bis Dezember 1871 = „1871 und 1884, 1887“ Briefe [...] - „August 1884“ mit mehreren Briefen in einem Umschlag von Nr.19 Fanni Spängler an Nr.18 Franz Spängler „Wolgeboren Doctor Franz Spängler kk. Bezirksrichter in Pottenstein a.d. Triesting“ = Salzburg 1.8. – 2.8. mit zweieinhalb Bogen „...behalte lieb deine Alte“, Erlebnisse von der Reise nach Salzburg zur Urgroßmutter. – 2.8. bis 5.8. einenhalb Bogen Franzi (geb. 1877; Nr.9 a Franziska Spängler, 1877-1962) und Fanni. – 12.8. „deine alte Fanni“. –13.8. Franzi, Postkarte mit kleinem, gedruckten Bild von Salzburg. – 17.8. Fanni. – 17.8. Franzi. – 20.8. Fanni.
15.8.1884 aus Pottenstein, siehe „1882“ 30.12.1884 siehe: Briefe 1872 bis 1887
1885
FANNY KOBLER (1796-12.7.1886): Brief, 1 Blatt, Salzburg 3.1.1885 verschrieben „1886“ und gestrichen; sie ist 88 Jahre alt] mit zittriger Schrift, von „Großmuttter Fanni“ an „Fani“ (Spängler): Dank für Süßigkeiten, Befinden „zimlig gut“, Augen schlecht, die 80er Jahre sind schon überwunden, „doch kann ich mich darüber nicht beklagen. Das Wetter ist sehr schön“ XXX.
FANNY KOBLER an FANNI SPÄNGLER: Salzburg am 10te März 1885. Liebe Fanni! Ich danke dir recht ser für deine Wünsche zu meinem Namenstag; ich bin Gott sey dank Gesund, aber mit der Lunge geht es schlecht. ich könte ohne Fürerin nicht gehen. Jezt haben wir schlechtes Wetter da heißt es zu Hause bleiben; ich mache mir mit dem zu Hause seyn, nicht viel deraus. Neues kann ich dir garnicht schreiben. Ani Schlegel läßt dich vielmals Grüßen. Lebe recht wohl mit deinem schweren Leiden bis wir uns wiedersehn. Wie immer deine wohlmein[en]de Fanni.
FANNI SPÄNGLER (Nr.19) an FRANZ SPÄNGLER (Nr.18): Salzburg, 29/7 1885/ Liebester Mann! Wie sehr freute mich deine Karte. sei herzlichst dafür geküßt, aber nicht mehr, du Lieber, du gönnst dir gewiß 3 Wochen? Um mit einiger Ordnung zu erzählen theile ich dir mit, daß unsere Herreise absolut ohne jeglichen Zwischenfall verlief, die Umsiedlung in Amstetten ging ganz ruhig vor sich, wir hatten 19 M. Zeit, bis Reindorf war noch eine Familie im Waggon. Dann waren wir beinahe allein. Die Kinder waren im Ganzen brav der Bubi und Hanna schliefen Nachmittags lange, die lezte Zeit haben wir Alle geschlafen. Mutter u. Minna erwarteten uns am Bahnhof, auch ein Wagen war für uns bestellt. Maria u. Emma erwarteten uns in der Wohnung auch Mutter u Mina kamen noch, und so wurde es spät ehe wir ins Bett kamen. Ich bin heuer mit Comfort eingerichtet, besitze hinreichend Sessel und sogar ein Ruhebett, auf dem Toni schläft. Nachdem ich heute angezogen war, ging ich zu Großmutter, die mich zu meiner großen Freude sogleich erkannte; ich hatte gefürchtet, daß sie sich nicht mehr meiner erinnert. Sie war recht freundlich, doch ist ihr Geist sehr schwach. Nach Tisch behauptete sie, sie habe noch nichts gegessen doch war dieß nicht richtig. Als ich zum Haus heraus trat fand Director Lorinser und Gehil[f]e bei Tomaselli [Café am Alten Markt, neben Nr.10 der Kobler], was mich sehr freute. Ich blieb einige Zeit bei Ihnen sitzen dann ging ich unter Emmis Assistenz mit den drei Großen ins Bad nach Mülln [Salzburger Vorstadt]. Auch die beiden Kleinen waren mit, doch ohne zu baden. Unser erstes Mittagsmal bei der Hölle [Gasthaus „Höllbräu“] ging auch in leidlicher Ordnung ab. Hierauf machte ich mit den vier Dirndln Besuch bei Otto und Luise [Louise Spängler], welche dich bestens grüßen. Sie gehen morgen nach St.Gilgen für etlige Tage. Bei Otto schlief Hanna am Boden fast ein. Einige Minuten waren wir nun [?] schon, dann Grabe deiner guten Mutter. So oft ich an dem Gitter ihrer einstigen Wohnung vorbeigehe, thut es mir leid, daß ich nicht mehr zur gütigsten aller Schwiegermütter gehen kann. - Unser kleines Volk geXX [?] ihr wol. Bei Koch ist vor ganz kurzer Zeit das dutzend Kinder vollständig geworden. Während Maria Koch im Wochenbette lag, brach der kleine Max den Fuß beim Schaukeln, und Olga bekam aus Schreck darüber einen FXXanfall - - - Nach der Taufe war ich und Kathi mit den Kindern im Mirabellgarten. Das ist alles ganz normal [?]. Abends aber war ich sehr unternehmend indem ich Dr. Lorinser im Hotel Griesberger aufsuchte wohrauf [?] Ziller Anna kam. Wir blieben bis 10 Uhr sitzen. Auch Millichhofer war dort, dann begleitete ich Anna ein Stück, hierauf sie mich, bei welcher Gelegenheit ich hörte, daß Frau Lida [Guttenberg] jeden Tag ihre Entbindung erwarte. Man muß nichts merken./: Eben ist Franzi aus dem Bette gefallen.:/ - Dr.Lorinser sieht sehr mager und kraftlos aus, morgen reist er nach Gastein. Anna Zillner sagte mir, daß nach ihres Vater Ansicht Dr. Lorinser ein Rückenmarkleiden habe. - Eduard Zillner ist gegenwärtig in Lofer, wo es ihm gut gehen soll. Die Reise nach Italien hat ihm nicht gut getan. Für heute schließe ich mit der herzlichen Bitte, strenge dich nicht gar so sehr an und kom auf drei Wochen! Mit 10 000 Grüßen deine Alte. - 3/4 12 Nachts. - [ziemlich undeutlich mit Bleistift geschrieben] „Bubi“: Franz Xaver, geb. 1883, „Hanna“: Johanna (Hansimutti), geb. 1882. „Toni“ geb. 1879, sechs Jahre alt. „Großmutter“: Höllbräuin Fanny Kobler, gest. 1886. „vier Dirndl“: Franzi(8), Toni(6), Rosl(5), „Hanna“: Johanna(3); Franz Xaver(2), Otto wird dann im Mai 1886 geboren (wird darauf angedeutet?); „Otto und Luise“: Otto Spängler (Bruder von Franz) und seine Frau Louise (siehe unten). - „Mutter“ (Schwiegermutter): Maria Antonia (Antonia) Spängler, geb. Lürzer, gest. 1882. - „Bahnhof“: der Salzburger Bahnhof wird 1861 eingeweiht; „Tomaselli“: das Café Tomaselli, Alter Markt Nr.9, neben Koblers Haus Nr.10, oder der „Tomaselli-Kiosk“ ist um 1900 ein beliebter Treffpunkt in der Stadt (vgl. Dopsch, 1996, S. 483). - „#Lorinser“: In dem Fotoalbum, das Fanni Spängler kurz vor der Hochzeit 1872 von einer Freundin bekommt, ist u.a. ein „Dr. Friedrich Lorinser“ (1866) abgebildet, Vater einer Freundin, Minna Lorinser, aus der Salzburger Schulzeit.
FANNI SPÄNGLER an FRANZ SPÄNGLER: [Salzburg] 30.7.1885. Liebster Mann! Heute mußte ich leider umsonst auf ein Wort von dir warten. Ich hoffe zu Gott, daß es blos ein kleines Versäumniß ist, das dich am Schreiben hinderte. Heute Vormittag war ich in Angermeyers Wohnung, welche daneben der Familie Julius bewohnt. Angermeyers bewohnen ein Zimmer im Nebenhause, welches Hofrichter Spängler vermiethen. Ich traf nur Pepi, der recht gut aussieht/ Bei Julius ist Tochter Berta recht krank, Frau Berta und Helmer sehen auch nicht gut aus. Sie sind nun wol schon ruhiger über ihren Verlust. Dort traf ich Frau Ida Maier, die von Taxenbach hier ist um ihre Entbindung zu erwarten, die bald erfolgen dürfte. Sie scheint ganz vergnügt, sieht jetzt ihrer Mutter merkwürdig ähnlich. - Nach Tisch wollte ich noch [?] zu Schneeberger dann zu Schumacher gehen, blieb aber bei Schneeberger sitzen; wir hatten gar so viel zu reden. Großmutter zeigt jedesmal Freude, wenn ich komm, die Kinder gefallen ihr, doch sobald ich das Zimmer verlaße, hat sie auch vergeßen, daß ich hier bin. Vermutlich begegnete ich LgR. Chaberl [?] Abends [.] Präsident Mathes LugXX erkannte mich nicht. Später traf ich Lerer Weiß und Gemalin samt Schwiegertochter und den drei reizenden Mädchen. Als ich Abends heimkam war Großmutter wieder ruhig am Nachmittag aber fantasierte sie lebhaft. Das ist ihre große Schwäche. - Gute Nacht für heute, wenn ich Morgen ohne Nachricht von dir bleibe, so telegrafire ich an dich. - [gleicher Brief, mit Tinte fortgesetzt:] 31.7. [1885] Liebster Franz! Heute Morgens bekam ich deine Karte von vorgestern und heute Mittag die gestrige. Ich küße dich tausendmal dafür. - Heute war ich mit den Größeren in Leopoldskron und ließ Toni und Franzi Schwimmunterricht geben. Toni ist noch zu wurstelhaft [?], Franzi scheint sich gut darein zu finden. Sie bettelt, ich soll sie für einen Monat abonniren/ es würde 3 fl kosten. Ich weiß noch nicht was ich thue. - Denke dir, heute Vormittags bekam Großmutter einen Anfall von Verfolgungswahn, sie wollte zum Fenster hinaus rufen um Hilfe und eben jezt 3 Uhr Nachmittags fantasirte sie wieder. Sie spricht von drei ermordeten Kindern und daß man dafür keine Beweise habe, sonst könne die Person in[s] Kriminal. - Ich schicke nun Dr. Minnich [?] und bin neugierig was er spricht. - Ich schließe mein Geschreibsel mit 100 [?] Küßen. Gruße Fanni. - [ziemlich undeutlich mit Bleistift geschrieben; am nächsten Tag nach dem vorigen Brief!] Brief von Fanni Spängler [Nr.19] an ihren Mann, Franz Spängler. - „Hofrichter Spängler“: Joh.Peter Maria Spängler (1792-1837) ist Hofrichter des Stiftes Nonnberg in Salzburg; vielleicht ist hier die Familie seines (einzigen) Sohns Anton Spängler (1831-1913) gemeint. - „Schumacher“: [?] Albert Schumacher wird 1888 zum Salzburger Bürgermeister gewählt (vgl. Dopsch, 1996, S. 496). „Leopoldskron“: Salzburger Schloß mit Teich usw., wird in den Briefen öfters als beliebtes Ausflugsziel erwähnt (auch die Badeanstalt ist dort). Das Schloss ist übrigens, nach hochverschuldeten Vorbesitzern, kurzfristig von 1890 bis 1895 zur Hälfte im Besitz des Bankiers Carl Spängler [Auskunft von Roland Widerin, Salzburg 1997]. - „Toni“ (6), „Franzi“ (8).
Franzi Spängler (Tochter) und FANNI SPÄNGLER an FRANZ SPÄNGLER: [Salzburg, 1.8.1885] Lieber Vater! Die Mutter läßt dir danken für deine Karte und grüßt dich herzlich. Gestern waren wir in der Schwimmschule und ich hatte dort die erste Schwimmstunde. Heute hat mich die Mutter abonnirt als Schülerin und zahlte drei Gulden für den Monat. Heute ging es mir schon recht gut bei der Schwimmstunde, ich durfte schon weiter schwimmen, bin auch zweimal gesprungen. Ich nehme mir vor, beim Schwimmen recht aufzumerken, um der Freiprobe [Freischwimmen] möglichst nach zukommen. - Lebe recht wohl lieber Vater, behalte lieb deine dankbare Tochter Fanny. - Salzburg, den 1. August 1885. - [mit Bleistift] Lieber Vater! Deine Toni schikt dir einen Kuß. - [mit Bleistift] Lieber Mann! - Den Briefen unserer Kinder kann ich nur beifügen, daß ich dich innigst grüße und küße und wegen des Urlaubs bitte, 3 Wochen/ Großmutter ist heute ruhig. Deine Fanni Sp. - Toni, 6 Jahre alt. Nachsatz der Mutter Fanni Sp[ängler].
FANNI SPÄNGLER (Nr.19) an FRANZ SPÄNGLER (Nr.18): Salzburg 2/8 1885/ Liebster Mann! Mit innigster Freude empfing ich deinen lieben Brief und bin mit dessen Inhalt sehr zufrieden; in der Thatsache, daß dein Urlaub 17 nicht 21 Tage dauern soll, muß ich mich halt fügen und ich freue mich einstweilen auf dich. Daß Herrn Neufeld noch eine fünfzig Guldennote für Euch gab, freut mich; dieser Herr schein[t] gut mit Kleingeld versehen zu sein. - Für den Touristenausflug am 9./8. wünsche ich viel Vergnügen und gutes Wetter. An diesem Tage werde ich wol kaum Nachricht von dir haben. - [gestrichen:] 3/8. Franzis Brief ist hoffentlich heute dir zugekommen. Sie stellt sich wirklich recht geschickt zum Schwimmen [an] und hat eine große Freude. Auf dem Heimweg von Leopoldskron begegnete uns gestern Fr. v.Plachetka die mich und die drei Größeren auf ihren Einspänner packte, und uns rings um den Leopoldskronenteich führte. So kamen wir zu einer Spazierfahrt. Nach Tisch machten wir einen Gang über den Mönchsberg, wo es mir auf’s Neue wolgefiel. Es wäre doch hübsch, wenn unsere nächste Übersiedlung hierher wäre! - - - Übrigens ist auch Korneuburg ein hübscher Ort. Morgen fortsetzung. - Liebster Mann! 4/8./ Deine Karte habe ich gestern Abend bekommen, auch heute Vormittag deine leztgeschriebene. Gestern u. vorgestern heute waren wir in Leopoldskron. Gestern sprang Franzi zweimal und heute denke dir, welcher Schreck! ist sie nicht zum Springen zu bewegen gewesen. Ich habe ihr alles [!] Ernstes gesagt, daß, wenn sie zu feig zum Springen ist, sie keine Schwimmstunde mehr bekommt. Sie versprach, morgen wieder zu springen. Gestern war ich Nachmittags allein bei Großmutter, da ihre Magd mich gebeten hatte, daß sie einmal nach Maria-Plein gehen möchte. - Gertraud ist eine sehr brave brauchbare Person, ich kann nur wünschen, daß sie bei Großmutter aushalten möge. Großmutter war recht ruhig und ziemlich klar. - Es kam eben das Inkasso von Schrems [?] durch Dr Widmann, mit meiner Beihilfe, freilich kaum leserlich unterzeichnete sie die Quittung, frug auch um den Betrag/: 350 fl:/ welchen ich in die Kasse versperrte, den Schlüßel hat meine Mutter in Händen. Mit Großmutter’s Bewilligung nehme ich mir den Bedarf für unser Essen Mittag u. Abends. Sie kümmert sich nicht weiter darum. Bis du kommst muß in den Geldangelegenheiten andere Ordnung werden. - Für heute lebe wol 1000 Küße. - Liebster Franzl! 5/8./ Ich muß dir doch wieder einmal sagen daß ich dich sehr lieb habe, und mich sehr auf dein Kommen freue! Im Übrigen geht es uns sehr gut. Heute hat Franzi wieder gutgemacht was sie gestern beim Springen schlecht machte. Zweimal sprang sie nach einigem Zureden und durch einen leichten Stoß veranlaßt, zum Schluß der Lektion sprang sie noch zweimal ohne Zögern. Ich hoffe dieser Anfall von Feigheit wäre vorbei. Im Übrigen schwimmt sie recht ordentlich. Wir gehen immer Vormittag nach Leopoldskron. Bei meinen Schwestern bin ich heuer weniger als andere Male, da Rosa [die jüngere Halbschwester von Fanni] leider immer recht leidend ist, und keinen Lärm der Kinder verträgt. Sie sieht recht übel aus. Gestern war ich bei Schumacher. Erna ist bedeutend schlanker geworden/ sieht aber sonst gut aus. Mit vielem dank für die heutige Karte schließe ich diesen Brief. Behalte lieb deine Fanni - Grüße von Franzi u[nd] Toni. - Tochter „Franzi“ ist 8 Jahre alt; „Großmutter“: Fanny Kobler, geb. 1796, 89 Jahre alt.
FANNI SPÄNGLER (Nr.19) an FRANZ SPÄNGLER (Nr.18): Salzburg 7./8.1885/ Herzliebster Mann! Ich empfing mit großer Freude Brief und Zeitung, als ich eben mit Mama, Plachetka und dem damenquartett auf dem bekannten Gang in die Schwimmschule war. Nicht ohne einiges Herzklopfen öffnete ich deinen Brief, denn ich war wirklich diejenige, welche fotografie und biografische Notizen dem Herrn Lencke [?] über Ersuchen des Hrn: Controlves [?] auslieferte. Bei Frl: Zesmsauer [Zemsauer] kannst du dich von dem überzeugen, was ich schrieb, da sie mein Concept sich behielt. Die Notizen schöpfte ich aus deinen vor 14 Jahren an mich geschriebenen Briefen, bei welcher Gelegenheit ich mein heimlich süßen Genuß daran hatte, deine lieben Briefe theilweise durchzulesen. Ubrigens finde ich die Bilder recht gut und glaube, du solltest mir noch ein oder zwei Exemplare wenns leicht sein kann. Ich habe die Notizen in allereinfachster Weise gegeben; das damit verbundene Lob deines Wirkens ist weXX/ und gewiß wird Niemand der dich kennt, mutmaßen, du selbst habest dir Weihrauch streuen wollen, und was die journalistische Thätigkeit betrifft, so hast du ja doch eh und je geschriftstellert/ vide die Geschichte des Pottensteiner Männergesangsvereines:/ Aber gelt, böse bist du mir nicht, darüber beruhigt mich der Vorschlag mir noch weitere Exemplare zu senden und dann deine übrigen liebevollen Zeilen. - Über Franzi’s Schwimmen kann ich dir Befriedigendes sagen. Sie schwimmt an der Stange zwei bis drei Längen ohne Unterbrechung und heute glaubte ich zu bemerken, daß der Schwimmmeister öfters den Versuch machte ob das Wasser sie schon trägt, indem er die Leine an der Stange ziemlich wenig anspannte. Das Mädel ist ganz glücklich über das Schwimmen und so hoffe ich das Beste. Die anderen Kinder befinden sich sehr wol zuweilen nehme ich die 4 dirndln mit nach Leopoldskron, Toni u[nd] Roserl gehen meist ins Stehbad. Mit Toni lese ich, wenn möglich täglich, Franzi kommt leider wenig zum Klavier da wegen Rosa daheim nicht mehr gespielt werden soll. Mit den täglichen Gang nach Leopoldskron geht eigentlich die meiste Zeit dahin. Bisher war das Wetter sehr günstig heute Nachmittag begann es zu regnen, so Gott will, wird doch kein Landregen werden. So viel es möglich ist will ich mit Franzi schwimmen gehen. Ich gehe manchmal noch ins Wasser, zuweilen bleibe ich heraußen. - Großmutter’s Befinden ist ziemlich gleich, manchmal ist sie klar/ doch ist das Gedächtniß schwach. Mit Rosa ist es eine schwere Sache, ich habe mit Mutter über eine eventuelle Reise der Rosa zu/uns gesprochen, doch wird Rosa sich schwerlich entschließen. - Über Bruder Karl wage ich mit Mutter nicht zu reden, Schneeberger sprach mir von ihm, daß er eben keine Prüfung macht, und daß zu fürchten ist, daß er zu keinem Ende mit seinem Studien kommt. Ich habe bei Karl stets das Gefühl, daß er/seine Zeit nicht benuzt! - Für heute gute Nacht in einer Woche auf Wiedersehn - Behalte lieb deine schlaftrunkene Alte, - Ich schließe auch ei[n] Stück Englisch Pflaster bei, ich kaufte gestern um 10 fl. ein großes Stück, und daheim ist nur noch wenig. - „Notizen“ möglicherweise für eine Bewerbung in Korneuburg (siehe oben).
FANNI SPÄNGLER an FRANZ SPÄNGLER: Salzburg 8/8 1885./ Liebster Mann! Anliegend folgen die „wahren Abbildungen“ zweier dir hoffentlich nicht ganz unbekannten Personen/ Ich hoffe du bist leidlich zufrieden und bitte dich, mir baldmöglichst zu sagen wieviele Exemplare ich bestellen soll, ich sagte bei Würthle daß ich erst nach Rücksprache mit dir die Bestellung machen wolle. Heute nach Tisch wollte ich eben ausgehen um Pittel’s [?] zu sehen, als mir dieser brave Geist von Tomaselli mir die Karte der Baronin brachte mit dem Ersuchen zum Kiosk zu kommen. Ich eilte in Roserl’s Begleitung hinunter und begleitete den Pittel’s bis zur Ernest Thunstraße, da sie zum 3 Uhr 40 Minutenzuge gingen, um nach Reichenhall zu fahren. Morgen reisen sie nach Gemunden. - Heute waren Franzi und Toni bei Tante Luise kamen auch mit ihren Cousinen in das Leopoldskron. Ihr Eifer für’s Schwimmen wir[d] stets größer, jezt wage ich zu hoffen, daß sie in diesem Monat die Freiprobe mache[n] kommt. Großmutter ist stets gleich, manchmal nicht klar manchmal ziemlich wirr. - Ich schließe mit 1000 küßen. - Guten Morgen Liebster! 9./8. ½ 7 Uhr früh. Ich möchte, ehe ich in die Predigtmesse gehe, diese Sendung expedieren. Heute habe ich verschiedene Bitten an dich. Durch Otto’s Güte bekomme ich die Erzählung aus der freien Presse, die Blätter darf ich behalten. Nun wurde durch Unachtsamkeit die Fortsezung vom 2/ August früher verrißen als ich sie lesen konnte, möchtest du bei Herrn Frühwald mir das Blatt verschaffen? Wenn das nicht geht, so muß eben meine Fantasie das Fehlende ergänzen. Zweitens bitte ich dich, mir aus der obersten Schublade des Kastens im Vorzimmer die blau geringelte Hausbluse mitzubringen, nicht schicken, ferners wirst du in der Tischlade im Magdzimmer jene wiedergefundene Scheere in sehr rostigem Zustand finden, die möchte ich hier herrichten laßen und in der Lade meiner Nähmaschine ist jene gebrochene Scheere, es ist ein neuer Schleifer hier, vielleicht kann er den einen Griff dafür machen. - Endlich the last, not the least haben wir hier eine Kafemühle im Gebrauch welche die Traudi entlehnt hat, so möchte ich unsere von dir bringen laßen; diese ist für unsern Bedarf längst sehr klein geworden, und für uns hier eine größere Kafemühle kaufen. Unsere Kafemühle findest du im Küchenkasten, welcher zunächst der Verandathür steht, im dritten Fache/ Mir ist es zuwider, daß Großmutter[s] Magd nicht einmal eine Kafemüh[le] hat. Heute will ich sogleich nach Tisch mit den Kindern nach Hellbrunn fahren, da später keine Stellwägen zu bekommen sind. Gestern sprach ich kurz mit Angermayer’s, später mit Vetter Julius, laßen dich grüßen. - Ich freue mich schon sehr auf dich, Lieber, hast du dich schon zu einer kleinen Reise entschloßen, oder kommst du direkt zu deiner dich allzeit herzlich liebenden Fanni. - Grüße alle Bekannten in Pottenstein. - Eine Cousine Maria Spängler ist mit Vinc. Angermayer verh.
FANNI SPÄNGLER an FRANZ SPÄNGLER: Salzburg, 13./8. 1885. Lieber Mann! Heute hoffte ich zu hören an welchem Tag und welche Stunde du kommen wirst. Ich freue mich schon so sehr auf dich doch der Brief kommt mal erst Abends. Ich hoffe diese Zeilen sind die lezten für dich wohl nach Pottenstein. Wenn du nicht direkt fährst so schreibe mir wohin ich dir Post restant schreiben kann. Einerseits wünsch ich dir eine kleine Reise herzlich gerne, doch meine Selbstsucht wünscht du mögest Sonntag früh hier eintreffen. Heute erwartet man wieder einmal das Dampfschiff doch stinkt es leider wieder nach dem Schlachthause. Uns geht es gut, Franz schwimmt fleißig. Gestern habe ich Mutter angetragen, hierher mir Anna mitgeben, die auch an XXmut leidet, vielleicht wäre für diese Luftveränderung gut. mündlich weiters - deine Fanni. - [quer groß über die Karte:] Aus deinem Brief erfahre ich noch nicht, wann du hieher kom[s]t/ Bitte um Antwort - - Correspondenz-Karte An „Herrn Doctor Franz Spängler - kk Bezirksrichter“ in „Pottenstein a.d. Triesting“; gestempelt Salzburg 13.8. und Pottenstein 14.8.
FANNI SPÄNGLER an FRANZ SPÄNGLER: Salzburg 15./8 1885. Lieber Mann! Du wirst dich heute gewundert haben, von mir eine Karte zu erhalten; doch hatte ich so fest darauf gerechnet, daß es bei dem Tag deiner Abreise bleibt, daß ich meinte, die Karte werde dich nicht mehr treffen, und deshalb nicht schrieb. - Es wäre mir lieb gewesen, wenn du dieser Tage wenigstens andeutend den Aufschub deiner Reise erwähnt hättest - Mir war es Otto und Luise [Louise Spängler] gegenüber peinlich, daß ich nichts Bestimmtes wußte, auch würde ich nicht heute mit allen 5 Kindern zum Postzug hinausgegangen sein, ich hatte mich schon so sehr auf dich gefreut. So wird also dein 4 wöchtentlicher Urlaub nach Möglichkeit reduzirt, Je nun, es läßt sich nichts dagegen thun! Daß der Herr Bürgermeister von wegen seiner strengen Frau nicht fort kann ist sehr traurig für ihn, ich hatte ihn nicht für so fügsam gehalten. - Vielleicht besinnt sich die Frau Bürgermeister noch anders, und er bekommt den Urlaub. Was ist denn mit der Reise nach Lungau? Wenn du sie noch vorhast, so wäre es [für] dich besser, sie gleich zu machen, denn es ist fraglich, ob du dafür nochmals fortkommst. - Der Bedienerin sollst du meiner Meinung nach doch die drei fl [Gulden] geben, da ja für die Woche 1 fl nicht zu viel ist. Ubrigens ist sie ja arm. Und so muß ich also noch länger auf dich warten nach meiner Meinung wäre die Trennung ganz lang genug gewesen. - Ubrigens geht es uns gut, und das Wetter ist köstlich, das ist für die Schwimmschule sehr nützlich. - Hoffend, daß deine Reise sich nicht noch mehr hinausschiebt und mit dem Wunsche, daß du dich noch gut munterhalten solltest. bin ich deine Fanni. - Die Kinder schicken dir noch Grüße und Küße. - Allen Bekannten Grüße. - „Otto und Luise“: Schwager Otto Spängler und dessen Frau. Siehe auch folgenden Brief als Antwort.
FANNI SPÄNGLER an FRANZ SPÄNGLER: Salzburg, 16./8.1885. Lieber Mann! Zu einer angenehmen Uberraschung bekam ich heute deine Karte; ich hatte gedacht du werdest meine Unterlassungssünde bestrafen und mir auch nicht schreiben. Ich danke dir dafür. Aber nun wird es doch Anderentag [?] bleiben mit der Abreise. Heute sprach ich sie vor Sattler, sie freut sich schon dich zu sehen. Hofrat Chiari sah ich neulich, von Weitem. Eduard Zillner [?] soll auch diese Woche kommen, es geht ihm bedeutend besser in Lofer. Ludwig und Julius Spängler sah ich heute. Ludwig reist heute wieder fort. Alles trägt mir Grüße an dich auf und theilt mein Mißvergnügen über die sträfliche Verkürzung deines Urlaubes. Sonst geht es gut. Großmutter kräftigt sich etwas. Sie ist recht freundlich. die anderen grüßen. Deine alte Unzufriedene - Correspondenz-Karte An „Herrn Doctor Franz Spängler - kk Bezirksrichter“ in „Pottenstein a.d. Triesting“; gestempelt Salzburg 16.8. und Pottenstein [unleserlich]. - „Ludwig und Julius Spängler“: jüngere Cousins; Ludwig, geb. 1828, verh. Muffat (in Wien); Julius, geb. 1837, verh. Langer. Von „Julius“ ist im Tagebuch des Franz Spängler von 1860/61 immer wieder die Rede; er studiert zusammen mit ihm in Graz, und dem Tagebuch nach sind sie ‘unzertrennlich’.
FRANZ SPÄNGLER an FANNI SPÄNGLER: Meine liebe alte Unzufriedene! Ich muß dir heute schon jenen Titel geben, welchen du dir selbst in deiner mir soeben zugekommenen Karte beilegst. Es klingt vielleicht etwas selbstbewußt u eitel, wenn ich mich der Erwartung hingebe, daß mit meinem Erscheinen deine Unzufriedenheit ein Ende haben wird, ja ich hoffe ferner [?], daß dieser Brief etwas zur Minderung der Unzufriedenheit beitragen werde. - Aber eines kann [ich] nicht recht mit der Logik vereinbar finden; du sprichst dein Mißver/gnügen über die Verzügerung meiner Abreise herbeigeführte Verlängerung unserer Trennung aus u. doch machst du mir den Vorschlag, ich solle eine kleine Reise zuerst machen u dann erst nach Salzburg kommen, also nochmals die Trennung verlängern. Wie reimt sich das zusammen? Ich will ebenselbst die Trennung nicht verlängern u. werde also morgen Abends abreisen u.s. direkt nach Salzburg/ Ich freue mich nun schon sehr auf dich, u. rechne darauf, daß du mich nicht mehXX Unzufriedene empfangen werdest. - Ich schreibe gleichzeitig einige Zeilen an meinen Bruder Otto. - Indem ich dich und die Kinder herzlichst grüße u küße, verspare ich mir weiteres auf mündlichen Verkehr u bleibe dich im Geiste innig umarmend - Dein treuer Franz/ Pottenstein 17/8 1885
Verwandte [MARIA SPÄNGLER] an FANNI SPÄNGLER [Nr.19]: [Linz, ca. 1885] Liebe Freunde! Wenn ich mich auf m. Mann verlasse, daß er Euere liebenswürdigen Aufmerksamkeit durch die Sendung zu einigen Dankzeilen kommt, so täusche ich mich gewöhnlich und so thue ich es ganz für ihn; es hat uns sehr interessirt von Eurem geselligen Leben und erfolgreichem Unterbungen [-nehmungen] hiezu zu lesen; überhaupt steht unsere Ansicht fest, daß es für jeden Ort von Nutzen und ein Glück ist wo Franz hinkomt! Wie lebt Ihr denn sonst immer? Werdet Ihr heuer nicht nach Salzburg reisen und wann? Sehen wir Euch hier? Wir waren vom 22/6 bis 10/7 wieder oben; meine Zeit war aber recht gekütt [?] da m. Schwester sehr leidend war u. noch ist an Lungen u. Herzleiden. Wir sind gesund, Franz seit der Rückkehr tüchtig in Suplirung eingespannt. Mit den allerherzlichsten Grüßen von uns allen an Euch alle lieben Eure Verwanten in Linz - Briefkarte: Stempel Linz [Briefmarke entfernt] 12 XX, Wien Südbahnhof 13.8.85 [?], Leobendorf Bahnhof 13.85 [?], Pottenstein 13.8. - „für jeden Ort...“: Dr.Franz Spängler ist seit 1880 Bezirksrichter in Pottenstein, ab 1887 dann in Krems.
FANNY KOBLER an FANNI SPÄNGLER: Salzburg den 19. Dezember 1885/ Liebe Fanni! Ich wünsche dir ein recht glückles Neues Jahr. Grüße mir deine Mutter und deine Beiden. Mir geht es Gott lob gut. Ich wünsche das ihre auch alle gesund bleibt bis auf wieder sehn. - Lase auch von dir auch bald etwas hören. Fanni Kobler. - Geschrieben mit 89 Jahren von Franziska (Fanny) Kobler [Nr.79], geb. 1796 in Salzburg, gest. 12.7.1886, „Höllbräuin“ (siehe oben), an die Enkeltochter Fanni, seit 1872 verh. mit Franz Spängler. - [innen ohne Datum im gleichen Brief]: Wohlgeboren gnädige Frau Ich wünsche Ihnen auch recht fröhlich u. Gesunde Weihnachten, u. zugleich ein Glückliches Neues Jahr. Möge der gütige Gott Ihnen u. Ihrem Herrn Gemahl u. die lieben Kinder wieder recht Gesund erhalten, was ich Euch von Herzen wünschen möchte. Die Großmutter war sehr erfreut über das gebäk das gestern nachmitag gekomen ist/ hat gleich verschiedenes gegessen, aber Ihr Verstand ist seidt gestern nachmitag wieder so zerrittet, wie seidt 6 Wochen nie, gestern vormitag wars so gut das Sie selbst die ersten Zeilen an Ihnen geschrieben hat. Heut ist Sie auf mich so böß, die Polizei muß mich holen, weil ichs bestel u. betrüg, in der Nacht hat Sie müßen in einem schlechten stünkerten Handwerks burschen Bett liegen, was Ihr alles einbild das ist zum lachen/ Meiste Zeit ist die Großmutter beim Höllbräu mit die Mägd in Zorn, wenn Sie mir alle möglichen Titteln gibt, u. der andern Zofe ruft, vor ein par Wochen sagt, Sie werde bald nach St.Sebastian hinüber gehen, ins Bretl rutschen den vorigesjahr bin ich auch samt heut hinüber gangen, bin trüben Gestorben u. habe mich Bretlrutschen lassen. Seit einem Monat ist Sie doch wieder ziemlich [gesund] was sehr gut ist. Die Großmutter sieht jezt besser aus als im Sommer, aber die Kraft ist schlechter, werd nicht zabelt [„zeppeln“ = mit kleinen Schrittchen gehen] so kan Sie fast nicht einmal Tags über das Zimer gehen, der Abadit [Appetit] ist schon seit 2 Wochen nicht gut. Ich bitt um entschuldigung der Schreibfehler. Ich XXX XXX XXX XXX Ich Küß Ihnen achtungsvoll die Hand. Gertraud Hausner. Ich bitte einen Handkuß dem gnäden Herrn, u. viele Grüße Ihren lieben Kindern u. Kathi.
an FRANZISKA SPÄNGLER (18.6.1877-1962; Nr.9 a): Vater Spängler schreibt 1885 aus Pottenstein nach Salzburg, kündigt seinen Besuch in Salzburg an
1886
FANNY KOBLER an FANNI SPÄNGLER: [Salzburg 1886] Liebe Fani! Entlich komme ich dazu dir einige Zeilen zu schreiben. Mit ge[h]t es Gottlob so ziemlich gut. Ich bin ja in die 90 Jahre noch im stande am Arm meiner Magd in der Nachbarschaft einen Besuch zu machen. Zu deinen kommenten Namenstag wünsch ich dir alles Gute/ Grüß mir deinen Man vilmals. Deinen viele Kindern Grüße und Bußernl. [!] von Fanni Kobler - Geschrieben mit 90 Jahren von Franziska (Fanny) Kobler [Nr.79], geb. 25.9.1796 in Salzburg, gest. 12.7.1886 (ihr letzter, undatierter Brief). Fanny Kobler wohnt zuletzt, wie der Eintrag in ihrem Gebetbuch ausweist, „Haus No.10. Altenmarkt Plaz“; sie stirbt „den 12 Juli 11 uhr Nachts 1886“.
Salzburg, Alter Markt Nr.10 (blau), zweiter Stock, neben dem Café Tomaselli Tomaselli, Nr.9; eigene Fotos 2014
FANNI SPÄNGLER an FRANZ SPÄNGLER und zurück: 3.8.1886, Brief aus Salzburg an Franz: „Liebster Mann! Indem ich für die heute erhaltene Sendung dir beßtens danke, gehe ich sogleich an die Beantwortung deiner verschiedenen Fragen. Franzi dankt dir für die Sendung, es ist alles in Ordnung. Toni’s erster Strumpf ist hin. Unter unsäglichem Quietschen hat Toni heute ihre Aufgabe bewältigt, sie heulte den ganzen Vormittag zum davonlaufen doch all’ ihr Jammer war machtlos vor mir. Da das Wetter schlecht ist, sind die 4 Dirndln unter Schwester Emma’s Schutze bei Mitzi“... ...“Heute brachte mir Herr Lauterbacher den Zins XXX per 350 fl. ich legte das Geld vorläufig in unsere Kasse, da ich nicht weiß, ob du dasselbe ganz oder teilweise in die Sparkasse legen willst. Ich habe vor der Hand noch Geld; da ich den Lohn auszahlte habe ich noch etwa 30-40 fl. Ich wünsche lebheft, du mögenst kommen, ehe ich dies ausgebe...“ ...“Otto III. spricht lustig drauf los. Hanna öfters eigensinnig. Roserl war heute sehr zornig /: Prügel:/ Toni wird hoffentlich morgen fleißiger sein. Franzi ist im ganzen brav und ordentlich. Nun behüt dich Gott du Lieber, grüße alle Bekanntn und behalte lieb deine Alte. Heute bekam ich eine Karte von Maria Spängler in Linz.“
ohne Datum [1886], Brief: „Liebe Fanni! In Fortsetzung des gestigen Briefes,der hoffentlich heute in deine Hände gelangt ist... mir fehlte Toni’s einzelner Strumpf... Ich bitte mir darüber Mitteilung zu geben... ich bitte auch hierüber um Antwort. Das neue Clavieraufgabenheftchen kann ich nirgends finden; im Clavier liegt nur das alte; vielleicht erinnert sich Franzi, wo sie es hingelegt hat... Ich freue mich zu hören, daß es mit dem Schwimmen der Kinder vorwärts geht; erinnere nur die Toni immer wieder, daß sie die Sache als Lernen, und nicht bloß als Unterhaltung behandle... täglich Aufgaben zu geben... lesen oder schreiben zu lassen... Vergiß nicht den Lohn vom Juli auszuzahlen... Franz“
12.8.1886, Brief aus Pottenstein an Fanni: Dank für Correspondenzkarten, „deren Lesung übrigens nicht schwierig war“; bittet um Anwort, was mitzunehmen. „Was soll ich der Bedienerin geben? Im vorigen Jahr habe ich ihr 3 fl gegeben; ich möchte ihr diesmal um 1 fl mehr geben da sie einmal einen Tag oder halben Tag [aus den] unteren Kästen den Staub herausgebracht hat...“; Brief der Elise Kobler an dich nach Salzburg (weitergeleitet); ... Ich laß die Kinder grüßen u ihnen sagen, daß sie recht brav sein sollen... Indem ich dich schließlich meiner unwandelbaren Liebe versichere und dich herzlichst grüße, zeichne ich als dein getreuer Franz.“
betr. FANNY KOBLER (25.9.1796-12.7.1886; Nr.79) Briefkopf: Städtisches Museum Carolino-Augusteum in Salzburg/ P.Z. 1515/ Hochgeehrter Herr! Dem Museum Carolino-Augusteum in Salzburg sind aus der Verlassenschaft der seligen Frau Franziska Kobler nachstehende Gegenstände zum Geschenk von Ihnen, sehr geehrter Herr, übergeben worden: 1. Ein Holzlöffel mit Silberstiel mit den eingravierten Buchstaben A.R./ 2. Ein Messingsiegelstempel mit dem Monogramm A.W./ 3. Zwei salzburgische Einquartierungszettel aus dem Jahre 1800. [so ein Meldezettel siehe oben, 1840]/ 4. Zwei weitere salzburgische Drucksorten Posttarif und Einladungskarte./ 5. Eine Pergamenturkunde XXX der Marie Hueber, Bierbrauerin in Salzburg 1714./ 6. 2 Faszikel Aktenstücke betreffend XXX bezüglich des Durchganges neben der Michaeler Kirche 1874-40./ 7. 5 Sanitätsberichte der Stadtphisiken in Salzburg 1858-61 und 1863, sowie andere Sanitätsreferate. [Richard Schlegel ist Stadtarzt in Salzburg.]/ 8. Ein Aktenstück, die Armen XXX XXX betreffend./ 9. [...] 25.8.1886. [Im Gegensatz dazu habe ich 2003 vergeblich versucht, das lebensgroße, wunderschöne Porträt der Fanny Kobler in Salzburg unterzubringen. Das Nobel-Hotel Höllbräu [Altstadthotel Radisson] wollte es nicht, das Museum reagierte auf mehrmalige Anfragen überhaupt nicht. Jetzt behalten wir es!]
an FANNI SPÄNGLER: Brief, ein Blatt, von KATHARINA ARRIGLER, verh. SCHLEGEL (zweite Frau von Nr.38 Richard Schlegel): 9.6. [ohne Ort und Jahr: 1886]: Liebe Fani [Spängler]! Was wirst du dir gedacht haben, daß ich heuer ganz auf deinen Geburtstag vergaß, nim die Wünsche also noch nachträglich an...“ vergesse alles, viele Sorgen, Gedanken an den Enkel und Franz [Fanni und Franz Spängler]... „unser Leben geht recht sehr still dahin...“ „Liebe Fani ich kann nicht mehr schreiben soeben brachte mein Vater das Telegram daß Schwester Louise todt ist u. gestern um halb zehn Uhr verschied. Lebt wohl es grüßt euch herzlich Eure betrübte Mutter Kath. Sch. Grüße mir Franz. Grüße die Kinder. - undatiertes Foto „Kat. Schlegel geb. Arigler [Arrigler]“
KATHARINA SCHLEGEL, Brief, ein Bogen, Salzburg 1.12. [ohne Jahr, 1886 oder früher] an FRANZ SPÄNGLER: dankt für gute Wünsche, grüßt zum Namenstag, „auch Dank für alles Liebe, was die Rose bei Euch hat“, wir gesund, besonders der Vater fühlt sich recht wohl. Von Vater, Großmutter und Kindern viele Grüße... deine aufrichtige Mutter Kathi Sch. – Liebe Fani! dankt für Wünsche, Gottlob gesund, besonders der Vater, Großmutter grüßt, Dank für Präsent, Betti auch in Linz... Hr. Major Kaserer und Fl. Eslinger sind gestorben. Viele Grüße an Alle, deine aufrichtige Mutter Kathi. Sch.[Schlegel]
1887
siehe auch Oktober bis Dezember 1871 „1871 und 1884, 1887“ Briefe [...] Briefe von Kollegen, Salzburg 1887 mit Brief von Fanni in Pottenstein an Franz in Krems mit Umschlag „1887“. Und ebendort Karten-Brief Pottenstein 6.4.1887 Fanni an Franz.
FRANZ SPÄNGLER an FANNI SPÄNGLER: Krems 17 April 1887/ Liebste Fanni! Ich habe dir heute nur eine Karte geschickt, da ich mit dem Brief aus verschiedenen Gründen nicht fertig zu werden glaube u ich dich nicht ohne Nachricht lassen will. Und nun zur Wohnungsfrage. Ich habe also gestern Abends mit Hauptmann Hartmann conferirt, u. das Resultat ist folgendes: Er behält mit Rücksicht darauf dß er möglicher Weise im Herbste wieder hierher transferirt wird die Wohnung als Miether, ist aber bereit vom Mai-Termin an die Wohnung bis Aug od[er] Nov 1887 zu überlassen; falls er nicht hierher zurückkäme, könnten wir dieselbe dann ganz übernehmen; falls er aber hierher zurückkäme, müßten wir dieselbe räumen. Das ist nun freilich keine angeneme Aussicht! Anderseits wurde mir von mehrer Seiten gesagt, dß, so empfehlenswerth die Wohnung für den Sommer sei, dieselbe doch im Winter wegen der einsamen Lage u des geringen Verkehrs in dieser Gegend der Stadt manches unangenehme habe; da wäre es also vielleicht doch nicht so böse, wenn wir im Herbste in eine andere Wohnung ziehen müßten. - Die gestrige Karte, in der ich dir von der Wohnung in der Alleegaße 25 schrieb, hast du hoffentlich erhalten; diese Wohnung hätte manches für sich; ich füge hier eine Skizze bei, mit f. sind die Fenster, mit t die Thüren bezeichnet, die Alleegasse ist durch die Anlagen von der Stadt getrennt, aber die Entfernung ist auch nicht groß. - [hier Skizze in den Text eingefügt: 3 Zimmer + Eßzimmer + Küche + Cabinet + Vorzimmer + Vorratsraum (?) + Abort] - Garten ist bei dieser Wohnung freilich keiner, wohl eben ein Hof, in dem sich die Kinder herumtummeln könnten/ Diese Herzog’schen Häuser sollen wie ich hörte auch 2 Unannehmlichkeiten haben, namlich einerseits dß die Wände u. Böden so dünn sind, dß man von einer Wohnung in die andere alles lautere Gespräch hören soll, u. dß die Kanäle dort nur sehr geringes Gefälle haben, u daher im Sommer ziemlich riechen. - Nun ist mir heute von einer Wohnung in der Stadt, in der Gasse zwischen Hirschen u Kreisgericht gesagt worden, die auch bis Mai frei werden soll; hierüber werde ich erst morgen näheres erfahren, u. dann dir gleich darüber schreiben/ Heute habe ich meine Besuche begonnen, u. war bei allen Advokaten (bis auf einen, zu dem ich morgen gehen werde) bei den 2 Notaren, dem Probste, der Frau Präsidentin u. der einen Familie Kreza, aber zufällig gerade bei jener, an welche der Brief nicht gerichtet war. Ich werde überall recht freundlich empfangen, u es haben mir auch die sämtlichen Herren einen ganz günstigen Eindruck gemacht. Die Frau Präsidentin ist eine lebhafte Frau von Anfangs 40, recht freundlich, u. so wie auch der Präsident, durchaus nicht stolz. Sie hat gesagt, dß ich dich gewiß ihr aufführen soll, - (was sich ja von selbst versteht.) Wie ich höre, ladet sie die Frauen der Räthe ab [gestrichen?] öfters zu einer Cafevisite, der Präsident mitunter die Herren für Abends zu einer Spielparthie ein. - Der Probst ist ein einfacher würdiger Herr mit dem sich vielleicht auch ein geselliger Verkehr entwickeln kann. Jene Frau Kreza, die ich besuchte, scheint sehr nobel zu sein, u. kennt Zieken [?] nur oberflächlich; wenn nicht die andere Familie Kreza entgegenkommender ist, wird sich kaum ein näherer Verkehr entwickeln. - Bei Tscheheer [?] war ich schon am Tage deiner Abreise; er ist im Gesundheitszustande besser, als ich erwartet hatte, u. erinnerte sich in freundlicher Weise deines sel. Vaters. - Auch im Gasthause habe ich durch Präsident Schreer [?] u Rath Vogel, welche donnerstags Abends zum Hirschen kommen, u. mit den ich auch gestern Abends in einem anderen Gasthause zusammen war, unsere Herren von hier kennen gelernt, darunter den hiesigen Bürgermeister/ den Gymnasial Direktor (Piarist)/ den Realschuldirektor u. den Bürgerschuldirektor, dann einen ehemaligen Kaufmann Schumacher, Bruder des verstorbenen Professors in Salzburg. Auch ist einer der Direktoren, Namens Eberle, ein Salzburger, u. mit Alexi verwandt. Daneben sich auch 2 Wiener Schulinspektoren hier, die neben mir wohnen u. mit denen ich ebenfalls bekannt wurde. Neulich war ich in Stein, das übrigens ein Nest ersten Ranges ist, u. wo ich mir nicht denken kann, dß ordentliche Wohnungen zu haben wären; ich habe daher dort auch gar nicht nachgefragt - Montag 18 April - Soeben habe ich die Wohnung/ von der ich dir gestern schrieb angesehen. Sie besteht aus einem großen 1 kleineren Zimmer 1 Cabinet 1 Vorzimmner eine finstere Kammer 1 Küche; hat Fußboden mit harten KrXXzen (wie Parquetten), aber mit weißer Füllung, daher ziemlich uneben, schlechte Öfen, in der Küche gehört der Sparherd der Parthei; es ist überhaupt ein altes Haus. Die Wohnung wäre uns jedenfalls zu klein; ob eine der XXßenden Wohnungen, von welchen die eine sich die an einen Professor in Wien verheiratete Hausbesizerin als AbsteigeQuartier vorbehalten hat/ und die andere der Hausmeister innehat, dazr [?] zu bekommen wäre, kann ich erst in einigen Tagen erfahren; da der Advokat D Frestl [?], deshalb an die Hausbesitzerin schrieb/ Uebrigens wäre auch diese Wohnung erst bis August zu haben. - Was soll ich also machen? Soll ich mit Hptm. [Hauptmann] Hartmann auch auf die Gefahr hin bis November ausziehen zu müßen, abschließen? od[er] willst du mit der Uebersiedlung bis August warten? Soll ich den Garten dazu nehmen od[er] nicht? Wenn wir die Hartmann’sche Wohnung nehmen, so müßte die Uebersiedlung in der Woche zwischen 1. u. 8. Mai geschehen, da am 8 Mai d[er] eine der Räthe auf Urlaub geht, u ich daher denselben zu suppliren habe, daher am 8. jedenfalls wieder her sein müßte. - Mit Neunherz [?] habe ich verhandelt, u ich werde ihm wohl die Spedition übertragen; er glaubt, dß wir mit 2 Waggons ausreichen u meint, wir sollen den etwaigen Rest der Sachen - Kisten - als gewöhnliche Fracht aufgeben. - Es ist hohe Zeit, dß wir über die Wohnungsfrage endlich schlüßig werden. Mir wäre es am liebsten, wenn du selbst die noch in Frage stehenden Wohnungen ansehen würdest u. ich mit dir die Sache mündlich besprechen könnte. Wenn es dir also möglich wäre, an einem der nächsten Tage etwa donnerstags hierher zu kommen, wäre es mir sehr angenehm; ich bitte nur in diesem Falle um briefliche, eventuell telegrafische Nachricht/ - NB. Auf dem Schreibtische muß meine Aufs(ch)tellung über die abgesendeten Dankschreiben liegen geblieben sein; vielleicht kannst du sie mir in einem Briefe schiken, od[er] du bringst mir selben mit; auch der Glückwunsch-brief od[er] Karte von Pf Wiegand von Furth fehlt mir; du hast mir denselben eingegeben/ darüber ob Bügelofen u Wäschwelle [Wäschemangel] in der Wehrmannschen Villa vorhanden sind, mag ich erst genau durch Augenschein mich überzeugen gehen, da ich eben wegen der Wohnung dort noch nichts definitives sagen könnte. Deine mir heute zugekommene Karte hast du offenbar im Halbschlaf geschrieben; ich konnte mehreres garnicht lesen. - Daß die beiden Franzeln brav sind, freut mich zu hören; dagegen bin ich mit Rosa sehr unzufrieden, dß sie gar strafweise in der Schule bleiben mußte; ich laße ihr sagen, dß das nicht mehr vorkommen darf. - Sei samt den Kindern herzlich gegrüßt u geküßt von deinem trauen Franz - Krems 18/4 1887 - Dr.Spängler und Familie sind 1887 eben dabei, nach Krems umzuziehen; der erste von drei fortlaufenden Briefen innerhalb weniger Tage (siehe auch die folgenden beiden Briefe). Vor allem bei der Schreibung einiger Familiennamen bin ich unsicher. Insgesamt ist die Schrift reichlich flüchtig, häufig abgekürzt, vielfach sind mehrere Wörter zusammengeschrieben; oft scheinen Wörter für den Zusammenhang zu fehlen, manches ist auch angeschrieben und dann ausgestrichen (hier nicht vermerkt). - „die beiden Franzeln“: Franziska, geb. 1877; Franz Xaver, geb. 1883; „Rosa“ geb. 1880.
FRANZ SPÄNGLER an FANNI SPÄNGLER: Liebste Fanni! Ich habe dir heute morgen hierherkommend nicht telegrafirt, weil ich wegen der Linde’schen Wohnung mich noch umsehen u. dir darüber schreiben wollte. - Ich habe selbe nun angesehen, u. berichte dir folgendes. - Die Wohnung ist im 2.Stocke in der Nähe der Realschule in einem ziemlich neugebauten Hause, hoch, hell troken, u mit schöner Aussicht; die Stiegen sind jedoch von Holz, u. daher eventuell feuergefährlich. Die Wohnung selbst besteht aus einem großen 2fenstrigen Zimmer, 2 Cabineten welche als solche ziemlich geräumig sind, einem Vorzimmer, sehr geräumer [?] heller Küche, u. einem abgesonderten kleinen Cabinete, ist also wohl ziemlich klein, wäre aber sogleich zu beziehen u. kostet inclusive Zinskreuzer 220 fl. - Ich füge auch hier eine Planskizze bei. [hier Skizze] Jedes Cabinet ist heizbar. Es ist wohl beim Hause ein kleiner Garten aber nicht zur Benutzung. Dagegen ist gerade vom Hause gegenüber der Park, der zwischen Realschule u Turnhalle liegt. - Der Abort ist ein gewöhnlicher, ist außerhalb der Wohnung u. stinkt, wie ich mich heute überzeugte, sehr stark. Die Wohnung würde nur sehr knapp für uns ausreichen. - Ich soll innerhalb einiger Tage dem LGR Linde Antwort geben. - Wie es bezüglich der Möglichkeit der Vergrößerung der Wohnung am „täglichen Markte“ von der ich dir auch schrieb, stehe, habe ich noch nichts erfahren. - Also was thun? Kanst du freitags kommen, so wäre es mir sehr recht; denn wenn die Uebersiedlung in der 1.Mai-Woche geschehen soll, muß die Wohnungsfrage baldigst erledigt werden u. die Vereinbarung mit dem Spediteur getroffen werden. - Ich bitte dich, mir morgen nach Erhalt dieses Briefes baldmöglich zu telgrafiren, ob du am Freitag kommst; dann würde ich, wenn du kommst, mit dem Abschluße mit dem Hauptmann bis Freitag warten; andernfalls würde ich morgen oder freitags also doch mit Hptm Hartmann od dessen Frau abschließen. Was den Preis betrifft, so wird wohl schwerlich etwas abzuhandeln sein, besonders da wir ja hinsichtlich der Wohnung im Gedränge sind. Wegen der Wohnung Alleegasse 25 muß dich noch aufmerksam machen, dß nicht ungewiß, sondern nur wahrscheinlich ist, dß sie bis August frei wird; ich kann also bezüglich dieser Wohnung vorläufig nicht abschließen, habe aber von der Hptmannsfrau u von der Hausverwaltung das Versprechen, dß ich sofort verständigt werde, wenn die Wohnung wirklich frei wird. - Noch muß ich beifügen, dß es mir auch hinsichtlich der Uebersiedlung selbst angenehm wäre, wenn ich mit dir u. Neueferz [?] die Sache besprechen könnte. Wenn es dir also möglich ist, so komm freitags. Fahrst du aber nicht lieber über St Pölten? Du könntest dann am Rückweg dich in Wien aufhalten u zu Mina gehen. - Nun lebe wohl für heute! Hoffentlich übermorgen auf Wiedersehen. Morgen habe ich die 1. Verhandlung als Vorsizender zu führen! Dich und die Kinder herzlich grüßend und küßend - dein treuer Franz - Krems 20/4 1887
FRANZ SPÄNGLER an FANNI SPÄNGLER: 27.4.1887, Brief aus Krems an Fanni: „Heute habe ich gar keine Nachricht von dir erhalten, doch will ich hoffen, daß du sammt den Kindern wohl bist...“ verschicken einer Kiste, Schlüssel, Koffer... „Was die Geldesendung betrifft, so möchte ich gerne dir am 1. aus meinem Gehalte den Betrag von 100 fl. schicken; ich glaube es wird ja auch früh genug sein, so brauche ich nicht vor dem 1.5. Geld aus dem Postsparkassenbuch herauszunehmen, u. verliere daher auch keine Zinsen. Solltest du aber das Geld früher und mehr benöthigen, so schreibe es mir.“ ... „Dieser Tage habe ich an Otto und auch an die Mutter Schlegel geschrieben u. ihr ausführlich berichtet.“ ... „Dich und die Kinder herzlichst grüßen u. küßend dein treuer Franz.“
FRANZ SPÄNGLER an FANNI SPÄNGLER: Liebste Fanni! Auch deine Karte vom Mittwoch habe ich erst heute früh erhalten, war daher unmöglich in der Lage/ dir bis heute Nachm. noch Nachricht zukommen zu lassen in betreff der Concert-Eintrittskarten vom Fahnweihfeste. Wir haben dieselben bisher aufgehoben, um sie vielleicht ein anderes Mal wieder zu verwenden; bisher fanden sie keine Verwendung, u werden wahrscheinlich auch später keine mehr finden; von mir aus kann darüber nach Belieben verfügt werden; mir wäre es aber angenehm, wenn du noch den Steuereinnehmer des Vereinskassier fragen würdest, ob er Werth darauf legt, diese Karten noch weiter aufzuheben; in diesem Falle bitte ich sie ihm zu übergeben, andernfalls kannst du sie der Frau v ThXXten [?] ausfolgen, vielleicht ein Paar zur Erinnerung zurückbehalten/ den Einkauf des schwarzen Lüster [?] kann ich in Wien nicht besorgen, da ich mich keinen falls länger in Wien aufhalte, als vom Abendzuge bis zum 1. Zuge, der donnerstags früh nach Pottenstein geht. - Was von den Sachen packst du einstweilen schon? Mir wäre es angenem, wenn du die Sachen in dem Bücherkasten dann in den beiden oberen Laden meines Kastens mir zum Packen lassen würdest. - Bei Neueferz [?] war ich heute/ Karl [?] konnte ich aber nicht treffen/ weil er in Wien ist; vielleicht kommt er ohnehin heute od morgen nach Pottenstein. - Ich werde morgen wieder versuchen, mit ihm sprechen zu können. - Was machts du hinsichtl des Claviers? Ich bin schon mehr dafür, dß du dasselbe in die Kiste geben lassen sollst. Vergiß nicht, die Bücher, welche noch ausgeliehen sind, in Empfang zu nehmen. Auch wegen der noch versprochenen Photographien erinnere bei Gelegenheit die betreffenden Personen. - In betreff der Frage, in welche Schule wir die Kinder hier schiken sollen, habe ich noch nichts beschloßen. ich werde mich aber in diesen Tagen noch erkundigen, da wir doch, wenn wir halbwegs in Ordnung find[en]/ die Kinder sogleich wieder in die Schule schiken sollen, u. wollen/ Hast du mit dem Herr[n] Jerre [?] schon verhandelt? - Lebe wohl u. sei sammt den Kindern, die ich erinnern lasse brav zu sein, herzlich gegrüßt u. geküßt von - deinem treuen Franz/ Kems 29/4 1887
Abbildung = Foto der Familie mit den sechs Kindern, um 1888/89; Beschriftung hinten von Traudl Saska:
FANNI SPÄNGLER (Nr.19) an FRANZ SPÄNGLER (Nr.18): Krems, Kreisgericht, aus Salzburg Karten-Brief 18.8.1887: Liebster Mann! [Briefmarke herausgeschnitten] ...sind Gott sei Dank glücklich und ohne Abentheuer [hier] angelangt. Vor der Hand konnten wir nur ein Zimmer mit 5 Betten bekommen. Hoffentlich wird morgen das 2te Zimmer frei. Wie bist du heim gekommen? Ich bin schon neugierig, zu hören wie es mit der Arbeit in der Wohnung steht? Bist du bei der Heimfahrt doch nicht recht naß geworden? Heute sah ich Vetter Julius und Rudolfine. Tante Lida mit Mann u. Kinder ist hier, ich traf sie auch schon. Die Kinder und ich haben jetzt geschlafen; die Nacht war zwar gut, wir konnten bis Salzburg I.Klasse fahren, aber müde waren wir doch. Du Liebster, wie ich mich freue, wenn du kommst, kann ich dir nicht sagen! Das Wetter ist unfreundlich, gebe Gott, daß es schöner wird. Behüt dich Gott, morgen hoffe ich von dir zu hören. Grüße Maria von uns allen und sei geküßt von deiner Alten.
dito 20.8. [1887]: Lieber Mann! ...bitte dich um Vergebung, daß ich die erste [Karte] so spät schrieb, ich war gar so müde und schlief bis gegen 5 Uhr am Donnerstag. Heute ist wol schon der recommandierte Brief in deiner Hand, Maria wird gleichzeitig auch den Brief ihres Vaters bekommen haben, der schon einige Tage bei Otto lag. Ich schrieb auf dessen Außenseite, ob Maria vielleicht lieber für die Zeit unseres Hierseins nach Hause fahren will. Wenn die Arme recht traurig ist wegen des Todes ihrer Mutter, so soll sie allenfalls nach Hause fahren, das Reisegeld wird ziemlich gleich viel sein, und ich komme mit Anna ganz gut hier aus. Laß es also Maria wählen, wohin sie fahren will. Ob es gehen wird, die Böden der ganzen Wohnung zu streichen weiß ich doch nicht recht. Halte Maria nicht mehr zu lange auf, sonst steht es nicht dafür, daß sie weg fährt, und wenn sie hieher kommt habe ich es recht bequem. Sonst geht es uns gut, heute ist es schön, wir waren heute auf dem Friedhof von St:Sebastian am Grabe meiner guten Großmutter. Die Grabstätte sieht recht hübsch aus. Dann gingen wir in den Curpark, dort war Emma, Lina und Frau Leopoldine Gotter. Emma sieht sehr mager aus, Frau Gotter ist noch immer sehr hübsch, ihre jüngster Tochter sieht ihr ganz gleich, ihr Sohn hat schon die Matura gemacht und geht gänzlich zum Militair. Möglicher Weise fahren wir heute nach Hellbrunn oder gehen schwimmen. Für morgen ist großer Kinderausflug Schumacher Gantenberg Spängler in Kreuzbrückl. Gearbeitet habe ich noch nicht viel. Wie freue ich mich auf dein Kommen! Bis dahin sei 10 000 mal gegrüßt von den Kindern und deiner Alten.
dito 21.8. [1887]: [Lieb]er Mann! ...trostloses Sauwetter könnte mich ...tig machen. Es regnet, als wollte nie mehr die Sonne scheinen, die Kinder sind auch zuwider, ich kann nichts machen, als über das Wetter schimpfen und die Kinder prügeln. Besonders Toni ist unausstehlich. Wenn nur du dann die wenigen Tage welche du hier sein kannst, beßeres Wetter hast! O wie ich mich freue, wenn wir wieder Alle beisammen sein werden! Und wenn dann Ordnung sein wird bei uns. Ich bin schon neugierig, wann Maria kommt, denn jetzt, wo Anna allein bei den Kindern ist, bin ich natürlich ganz angehängt. Wir Alle grüßen Maria herzlich. Paula’s Vermählung ist am 12 Oktober. Otto u. Luis[e] sind ganz allein. Mittwoch kommen Otto jun. Paula u. Luise heim. So werden wir auch dießmal Otto’s Familie hier nicht sehen. Heute speiste Tante Pepi mit uns bei d. Hölle. Sie grüßt dich. Gestern waren wir in Leopoldskron. Das Bad war höchst erfrischend. Behüt dich Gott und behalte lieb deine Alte.
FANNI SPÄNGLER (Nr.19) an FRANZ SPÄNGLER (Nr.18): Correspondenz-Karte, Marke herausgeschnitten, an Franz Spängler, Krems, aus Salzburg 22.8. [1887] ...hatte ich mehr Nachrichten gehofft. ...[u]msonst. Hier ist große Überschwem[mung. D]ie Salzach ist ganz ausgetreten, bei der Hölle steht das Sudwerk [Brauerei], weil alles voll Wasser ist. Bei Taxenbach soll ein Wolkenbruch nieder gegangen sein. Der Bahnverkehr über Hallein ist unterbrochen, weil bei Glasenbach eine Brücke weggerissen wurde. Nonnthal sitzt im Wasser, die Localbahn verkehrt nicht. Soll ich dir Mittwoch Nachts einen Wagen zur Bahn schicken? Die Kellnerin sagt wol, daß ohnehin Wagen beim Eilzug seien. Uns geht es sonst gut nur Regen ohne Ende. Grüße Maria. Deine Alte.
dito 23.8. [1887]: ...ter Mann! ...[wa]ren heute den ganzen Tag mit ...Schwester in Maria Plein, komme daher erst jezt 8 Uhr Abends zum Schreiben. Mir ist Leid, daß noch keine Ordnung zu hoffen ist. Die erste Nacht müßen wir halt allenfalls auf dem Boden schlafen. So Gott will übermorgen auf Wiedersehen bis dahin 1000 Grüße deine Alte.
FRANZ SPÄNGLER an FANNI SPÄNGLER: 20.8.1887, Kartenbrief [Briefmarke herausgeschnitten] aus Krems an Fanni in Salzburg, Gasthof zum Höllbräuer: Franz schreibt aus der Kanzlei, im Besuchszimmer [zu Hause] sind Arbeiten begonnen, die Küche ist fertig, Kammerl und Vorzimmer ebenso, Hofzimmer in Ordnung, ebenso im Abort die „Spänglerarbeiten“ [!]. Marias [wohl Dienstmädchen] Mutter in Salzburg gestorben, will aber nicht nach Hause fahren. - - 22.8., Kartenbrief [Briefmarke herausgeschnitten]: [nicht gelesen] - - dito ohne Datum, Kartenbrief [Briefmarke herausgeschnitten]: [nicht gelesen] - - 23.8., Kartenbrief [Briefmarke herausgeschnitten]: Franz reist morgen ab, Arbeiten langsam, der Mal hat das Zimmer „mehr chokolatfarb als XXgrün gemacht“; Eßzimmer, das Zimmer der Kinder und das Cabinet gestrichen; keinen Wagen zum Eilzug schicken, da er nicht bestimmt weiß, wann er ankommt, Eilzug oder Postzug, wird einen Hotelwagen draußen finden [der Bahnhof liegt etwas außerhalb der Innenstadt], dein treuer Franz
Briefe und Postkarten von/ an FRANZISKA SPÄNGLER (18.6.1877-1962; Nr.9 a): 1887, Mutter (und Vater) Spängler schreiben aus Gloggnitz an „Fräulein Franziska Spängler, Krems, Alleestraße Nr.7“ (Postkarte)
Kartenbrief, Marke herausgeschnitten, an FRANZ SPÄNGLER, Krems, aus Pottenstein 31.12.1887: Sehr verehrter Herr Doktor! Besten Dank für Ihre u. Ihrer Frau Gemahlin freundliche Erinnerung. - ...Glückwünsche zum Jahreswechsel... Halsleiden, Spezialist in Wien, Arzt in Krems empfohlen, Namen vergessen... Photografien folgen demnächst... Wünsche, ihr ergener XXX [unleserlich, kein Absender]
1888
9.Juli 1888, „Löbliche Stadt-Gemeinde-Vorstehung Salzburg. Gesuch der Franziska Spängler, Landesgerichtsrahs-Gattin in Krems, /:derzeit in Salzburg, Judengasse:/ um Eintragung ihres Eigenthumes an der Gruft im St.Sebastians Friedhofe Nr LXXX S. 159. Einfach mit Beil A ...bewilligt... der Bürgermeister-Stellvertreter Dr. RUDOLF SPÄNGLER.“
Nr.18 Franz Spängler Briefe [rot verschnürt, nicht gelesen] 1889 aus Bayreuth und unterwegs dorthin zu den Festspielen = 1 Quartierkarte für Bayreuth; Mitgliedschaftskarte im Richard Wagner Verein; Festspielprogramm; Eisenbahnverbindung Wien-Bayreuth und zurück. Karten von Franz Spängler an Fanni = „Frau Franziska Spängler Salzburg Gasthof zum Höllbrauer“. Und acht Karten von Nr.19 Fanni Spängler an Franz Spängler aus Salzburg nach Bayreuth bzw. unterwegs (München, Nürnberg [dazu gehören vielleicht die gedruckten Kirchenbeschreibungen von Nürnberg an anderer Stelle; siehe bei 1862], „Baireuth“, „Bayreuth“).
1890
Briefe [rot verschnürt, nicht gelesen] von Nr.18 Franz Spängler an Nr.19 Fanni Spängler in Salzburg: mit Briefumschlag „Frau Fanni Spängler Salzburg Marktplaz N 2 bei Frau Fanni Kobler“ ohne Briefmarke, Stempel 21.8.1882 „Liebste Fanni...“ aus Pottenstein; dito ohne Datum; dito ohne Datum; Postkarte „Frau Franziska Spängler LGR.Gattin Krems“ aus Zell am See, unterschrieben Franz und andere, Bildchen von Zell am See; Nr. 19 Fanni Spängler an Nr.18 Franz Sp., Salzburg 23.7.1878, Auftrag etwas einzukaufen; Pottenstein 28.4.1887; Karten-Brief nach München, poste restante, Krems 2.9.1890; Briefumschlag, ohne Marken, Einschreiben, nach Salzburg, Mozartplatz N.4 1 St. bei Frau von Angermayer, inliegend Briefe Krems 9.4.1890 zum Geburtstag: „Lieber Vater... Toni“, „Lieber Vater... Rosa“, „Lieber, guter Vater... Franzi“, „Lieber Vater...“ Franz, „Lieber, guter Vater... Otto Spängler“; Postkarte dito 10.4.90; Postkarte dito 11.4.90; Postkarte dito 12.4.90 zurück nach Krems. [Verweise zu den anderen Jahren nicht geschrieben]. – Brief „An Fräulein Francisca Spängler Wien IV. Mozartgasse 7 bei H Universitätsprof. Fritsch“ von der Mutter und vom Vater Franz Sp., 27.4. 1899 [?]; Briefkarte Aggsbach 26.5.1901 an Franzi und Rosa Spängler, Graz, „Schillerstraße N 1 bei Herrn Hofrath Ritter v. Gutenberg“ [Guttenberg] von Vater und Mutter. – Postkarte von Rosl und Oswald Grill an Nr.5 Joh. Holzapfel, Krems, Ringstr.2/ II. 25.1.19XX. – Brief Oswald Grill, München 15.3.1902 an Franzi. – Brief von Rosa [Kindermädchen?] aus Pottenstein an die Mutter Fanni Sp. von „Toni“ und „Rosa“, 16.8. ohne Jahr. – Angefügt: Brief mit Trauerrand von „Minna“ 6.5.1864 an „Liebe Freundin“, Tod des einzigen Bruders Fritz, „wegen Ublichkeit... aus der Schule nach Hause geführt... Anfälle...“ – Verrissenes Blatt „Liebe Fanny“ 6.7.1889 von „Minna“, Notiz „Josef Hepperl in Zwölfering N.34“. „Minna“ = Lorinser oder Guttenberg [?]. – Verweise zu den anderen Jahren wurden nicht geschrieben.
OTTO SPÄNGLER [Bruder] an FRANZ SPÄNGLER: [Salzburg, Juli 1890?] Liebe Franz! Hoffentlich hast du meine Karte, welche ich dir vor einiger Zeit, bevor ich auf einige Tage verreiste, schrieb/ erhalten. Endlich komme ich dazu, nach langem Interwall die Korrespondenz wieder aufzunehmen u muß mich vor allem anfragen, was es denn mit Eurem Hierherkommen eigentlich ist? - Wir gehen übermorgen oder längstens Samstag nach St Gilgen, wo uns unsere 4 kleinen Kinder mit Marie schon seit 12 Tagen sind. Dort beabsichtigen wir ca 8 Tage zu bleiben u fahren dann wieder nach Salzburg zurück. Späterhin wollen wir noch einmal nach Aschthal [?] gehen u von dort aus unsere Ausflüge machen: Adalholzen, Reißeralm, Höglwört [?] etc. - Sei so gut, mir deine Urlaubs u. Ferienpläne, wenn du in den ersten Tagen August mir noch antwortest, nach St Gilgen auf die Post zu senden; u. späterhin wieder nach Salzburg. - Otto geht in der 2.Hälfte August nach Kitzbühel zu Herrn Pfarrer Lechner. - Aus den Zeitungen entnahm ich Euer großes Sängerfest; du wirst durch die Vorbereitungen u das Fest hattest [?] jedenfalls sehr viel in Anspruch genommen gewesen sein. Die Coupons werden wir bei deinem hiersein ordnen; denn kommen wirst du doch jedenfalls. - Mit herzlichen Grüßen an all’ die deinen von all’ den meinen dein treuer Otto. - Mittwoch früh. - „großes Sängerfest“: Sängerbundesfest in Wien 1890 (?).
FANNI SPÄNGLER (Nr.19) an FRANZ SPÄNGLER (Nr.18): [Stempel:] Salzburg, 30.8.[18]90 - Krems 31.8.90: An Frau Fanni Spängler LGR [Landesgerichtsrats] Gattin in Krems Alleegasse 7 - Liebe Fanni/ Salzburg 30/8/1890/ Wir sind gestern Ab[en]ds wohlbehalten angekommen, u. wurden von Otto u Louise, u. Tochter Bertha in freundlichster Weise am Bahnhofe erwartet. Heute waren wir schon am Grabe der Eltern, dann mit dem elektr. Aufzuge auf d Mönchsberge, jetzt sind wir bei den Tanten, die Euch alle, wie auch wir, herzlichst grüßen/ das Wetter ist kalt u. regnerisch. Wir sind wohl. Behalte lieb deinen Franz - Herzlichen Gruß u. Kuß Franz - Karte von Franz Spängler [Nr.18] an seine Frau Fanni. - Zu Besuch bei Otto Spängler, Frau Aloisia (Louise) und Tochter Bertha, geb. 1877; die Eltern sind 1854 und 1882 gestorben, begraben auf dem St.-Peters-Friedhof in Salzburg [Grabplatten heute in der Mauer neben dem Eingang zu den Katakomben]. - „Tanten“ könten sein: die Geschwister Franziska (1821-1906; „Franzi“), Elisabeth (1829-1905) und Anna (geb. 1843), alle unverh. und Töchter von Josef Spängler (1786-1861), dem ältesten Bruder des Vaters Spängler. - Siehe auch folgenden, gleichzeitigen Gegenbrief.
FANNI SPÄNGLER an FRANZ SPÄNGLER: Krems, 30/8 1890/ Liebster Mann! Indem ich dir das verlangte Buch sammt dem Touristenzeichen sende, benachrichtige ich dich, daß wir gestern wohlbehalten hier ankamen/ Ich danke dir für die genußreichen Tage, welche wir im lieben Triestingthale zubrachten, ich werde stets mich gern ihrer erinnern. Ich habe mich so gefreut, wieder einmal mehr mit dir sein zu können. - Wir sind Alle sehr zufrieden, daß wir wieder daheim sind. Es ist mir lieb, daß ich sehr beschäftigt bin, sonst käme es mir gar zu öde vor, da du nicht hier bist. Auch Franzi fehlt mir. Übrigens haben wir heute schon gekocht, wol sehr einfach, aber zu allseitiger Zufriedenheit. - Von dir und Franzi hoffe ich, daß Ihr vergnügt und wol in Salzburg seid. Eben erhielt ich von meiner Schwester Anna einen Brief, in welchem sie mir anzeigt, daß sie unsere Einladung nach Krems annimmt. - Heute waren wir Otto ausgenommen in der 8 Uhr Messe, dan gieng ich mit den Mädchen einschreiben in die Schule. Was macht dein Fuß, ich sorge mich, daß er schlechter wird. Bitte gehe nicht auf’s Hochkar! - Hier war das Wetter viel schlechter als im Triestingthale, die Donau ist so hoch, daß Wasser in den Auen steht. Dabei ist es so kalt daß ans Baden nicht zu denken ist und die Kinder morgen die Filzhüte ohne Bedenken aufsetzen können. Meine Zeit erlaubt mir nicht, länger zu schreiben. Frau Aigner ist hier und ich muß die Sendung fortschicken. - Guße [Küsse/Grüße] Franzi von mir, sobald ich Zeit habe schreibe ich ihr. Unterhaltet Euch recht gut grüßt Alle und seid gekßt von Eurer Mutter Fanni. - Hansi liegt im Bette, sie scheint sich etwas verkühlt zu haben/ Kein Fieber! - Es scheiner [? scheint] Aphten [?] zu kommen. Wohin soll ich schreiben? Wieder nach Innsbruck? - „Triestingthale“: Pottenstein an der Triesting, Wohnort 1880-1887. „Franzi“ (13 Jahre) ist noch beim Vater; „Hansi“ [Johanna] ist 8 Jahre alt, „Otto“ vier Jahre.
FANNI SPÄNGLER an FRANZ SPÄNGLER: Krems, 1.9.1890/ Liebster Mann! liebes Dirndl! Ich mache hiermit den Versuch, Euch einen herzlichen Gruß zu senden, Pater Liely hat mir die Adresse gegeben. Für die verschiedenen Karten besten dank, bin glücklich ein Lebenszeichen zu erhalten. Vor allem wünsche ich, daß Ihr günstiges Wetter für Mittwoch habt, hier ist es abscheulich kalt. Aigners u. wir waren gestern bei Stoadinger [?] in Rehberg. Aigner’s grüßen Euch. Den Gehalt hat Aigner beheben [?], der [?] Wirtschaft geht recht gut, die Kinder senden 10000 Küsse, sie sind ganz leidlich brav Gerne wüßte ich, was der Fuß macht. Geh doch nicht aufs Hochkaar, darum bist nicht denn Alte [?] - [Kartenbrief:] An Herrn Doctor Franz Spängler kk. Landesgerichtsrat derzeit/ Oberammergau in Baiern/ bei Herrn Franz Hantle [?] N. 47/ Adresat abgereißt wohin unbekannt [Unterschrift: Hippler]/ Stempel: Krems 1.9.90/ Oberammergau 3. Sep 90/ Krems 6.9.90.
von und an FANNI SPÄNGLER: 1.9.1890, Postkarte an Franzi in Krems aus Innsbruck: „Liebe Mutter! Wir befinden uns sehr wohl“, wohnen bei Cousine Louise und Robert... „Nächster Brief: München poste restante. Franzi und Vater“
FRANZ SPÄNGLER an FANNI SPÄNGLER: Seefeld 2/9 1890/ Liebe Mutter. Im eingeheizten Zimmer des Gasthauses v. Seefeld, umgeben von schneebedeckten [!] Feldern u. Wäldern sitzen wir bei einer Schale Suppe um uns zu erwärmen u. grüßen Euch alle. Seit wir Tiroler Boden betreten haben wir fast ununterbrochen Regen. Gestern Nachm waren wir in Hall bei Tante Therese, die dich herzlich grüßt/ dein treuer Franz - - Correspondenz-Karte an: Frau Franziska Spängler/ Landesgerichtsrathsgattin/ in Krems a.d. Donau/ N. Österr. Gestempelt Seefeld 3.9. und Krems 4.9. - Die Lürzer von Zehendthal (so geboren die Mutter des Briefschreibers; in Salzburg, gest. 1882) kommen aus Hall in Tirol.
FRANZ SPÄNGLER und Kinder an FANNI SPÄNGLER: 3.9.1890, Postkarte aus Oberammergau [Bleistift]: „Liebe Mutter! Wir sind gestern abends in Oberammergau eingetroffen ... Franzi“ Quer darüber „der Vater grüßt Euch Alle“ - 4.9.1890, Postkarte aus München [Bleistift]: „Liebe Fanni Wir sind statt gestern Abend erst heute Nachm. hier angekommen...“ Eisenbahn bei Murnau unterbrochen, 100 Reisende mußten in Murnau über Nacht bleiben, Nachtquartier in einem Bauernhaus... „Dein treuer Franz“
an FRANZISKA SPÄNGLER (18.6.1877-1962; Nr.9 a): 1890, die Schwester Toni schreibt aus Krems an Franzi (Brief ohne Adresse); 1890, der Bruder Franz [Franz Spängler, Nr.9 d; geb. 1883) schreibt aus Krems an „Franzi“, also mit etwa 7 Jahren (Kinderschrift) - mit dem gleichen Datum schreibt die etwas ältere Schwester „Rosi“ (Nr.9 c) an Franzi; sie erzählt, dass sie von ihrer Schwester Johanna (Hansimutti) „zum Namenstag ein schönes Körbchen gefüllt mit Gurkerln bekommen“ hat, davon legt sie für Franzi einige bei; „die vier verschlafenen Rieder-Leut“ [die Geschwister?] grüßen, eine, „Amor“, schreibt eine „Hymne in AchDur u. WehMoll“ an Franzi... Toni baut Kartenhäuschen (ohne Datum)
1891
an FRANZISKA SPÄNGLER (1877-1962): Elsa (XXX ?), noch Jungmädchen-Schrift, anders als später, schreibt aus Krems 1891 an Franzi; 2,5 Bogen Brief von Elsa „4.Aug. 18.“ [1891/92] an Franzi; berichtet von einem Traum und unterschreibt als „Kremser Stadtberühmtheit“
1892
an FRANZISKA SPÄNGLER (1877-1962): Elsa „an Franzi! dreimal Heil! der Staatsgeprüften“; Glückwünsche 1892 (also der ca. 15jährigen Franzi wohl zu einer Musikprüfung); gleiche Schrift an die „Geliebte Franzi“, ebenfalls in Gedichtform an „die schöne Franzi Primadonna in spe von der Zukunftstragödie von Egelsee“; von Elsa ein vier Blätter langer Brief an „Liebe Rosa und Franzi“; dankt für Briefe, Sehnsucht nach den lieben Kremsern, beschreibt ihren Aufenthaltsort, erinnert sich an „Professor Strobl“, wollen nach Golling; schrieb in Musikgeschichte „Was bedeuten Schumann und Liszt für die Musikgeschichte? (Von diesen Herschaften weis ich überhaupt noch nichts) Im Gesang [...] Harmonielehre“, „Realsprüfung“, singt Übungen und „gehaltene Töne“
1893
an FRANZISKA SPÄNGLER (1877-1962): Postkarte aus Kitzbichl an Franzi von der „treuesten Freundin Elsa“; 1893, Kartenbrief aus Kitzbichl von Elsa an Franzi „Salzburg, Gasthaus zur Hölle, Judengasse“
dito [1893] 2,5 Bogen Brief aus Kitzbühl an Franzi von „deiner treuen Freundin u. Intima Elsa“, „das Neueste ist, daß man nicht Intima sagt, sondern Intima.“ - 2 Bogen langer Brief von Elsa; erinnert an die Staatsprüfung 1892, mit der sich Franzis „Lebenszweck erfüllte“ - 2 Bogen Brief mit Gedicht am Anfang von Elsa; vor der (zweiten) Staatsprüfung von Franzi [wie die anderen Briefe nur überflogen] - Brief von Friedl (?) an Franzi ohne Datum; über Tonleitern, spielt Klavier
1896
FRANZ SPÄNGLER an FANNI SPÄNGLER (Nr.19): 2.8., farbig illustrierte Karte „5.Deutsches Sängerfest, Stuttgart 1.-3.August 1896, an Franziska Spängler, Krems „vom 1.Festconcerte...“, Franz mit Gesangverein und u.a. Holzapfel [Rupert H.; späterer Schwiegersohn] - 2.8., farbig ill. Karte „Gruß aus Stuttgart“: hoffe auf Nachricht, Weiterfahrpläne nach Heidelberg, Darmstaft, Frankfurt, Franz und u.a. Holzapfel - 3.8., farbig ill. Karte „Gruß aus Stuttgart“: Franz und u.a. Holzapfel - 3.8., farbig ill. Karte „Gruß aus Stuttgart“: Franz und u.a. Holzapfel, „das Fest ist mit dem heutigen Concerte zu Ende... ich schreibe diese Zeilen, während die anderen ‚Huheissa mein Dirndl’ singen. Wir gedenken bei Champagner unseren Lieben... kolossale Überfüllung in einem Nebenraum einer Weinwirtschaft“, Franz und u.a. Holzapfel - 4.8., Ansichtskarte Heidelberg: im überfüllten Wagen, aber in bester Stimmung, zufällig Studentenfest, Franz und u.a. Holzapfel - 4.8., farbig ill. Karte „Gruß aus Heidelberg“: Dank für Karte, „Heidelberg wunderschön, die Lage erinnert an Salzburg“, Franz und u.a. Holzapfel - 5.8., ill. Karte „Gruß aus Frankfurt a/M“, Franz und u.a. Holzapfel - 6.8., farbig ill. Karte „Gruß vom National-Denkmal“ (Rüdesheim): „in gehobener Stimmung“, Franz und u.a. Holzapfel / [nachträglich: 5.8. Rechnung des „Hotel Landsberg“ in Frankfurt/M für „6 Logement und 6 Café compl“ mit Bleistiftnotizen von Fr.Spängler zu den Einzelsummen für die Teilnehmer: Holzapfel usw.; liegt bei Nr.18 im Fam.archiv] - 6.8., farbig ill. Karte „Gruß aus Coblenz“: Dank für Kartenbrief, „wir sind Gottlob sehr wohl“, Franz. und u.a. Holzapfel] - 7.8., ill. Karte „Gruß aus Köln“: „die großartigste Schöpfung deutscher Baukunst bewundert“, Franz und u.a. Holzapfel - 8.8., ill. Karte „Gruß aus Mainz“: Franz und u.a. Holzapfel - 9.8., ill. Karte „Gruß aus Worms“: auf dem Weg nach Speyer und Straßburg, Franz und u.a. Holzapfel - 18.8., farbig ill. Karte „Gruss aus Baden-Baden“, Franz und u.a. Holzapfel - 10.8.1896, ill. Karte „Gruß aus Straßburg“ an Franziska Spängler, [Wels]: Franz u.a.
Correspondenz-Karte 31.7.1896 in St.Pölten, Bahnhof, abgestempelt, von FRANZ SPÄNGLER (Nr.18) an seine Frau: Liebe Fanni! [jetzt schreibt er „Fanni“, früher eher „Fanny“] Nach einem prächtigen Bade in der hiesigen Schwimmschule sitzen wir beim Mittagessen in der Ernst’schen Wirtstube. Herzliche Grüße an dich und die Kinder u. alle Bekannten dein Franz. [und:] Holzapfel, Kaufmann, I.Prey, Karl Rappl, Heindl, Jünger, Winterperger [Kremser Gesangverein]
dito 1.8. [1896] aus Ried [gestempelt im Zug Simbach-Wels] an Franz Spängler... Oberer des Kremser Gesangvereines, Sängerfest Stuttgart, Sängerfestplatz: Lieber Freund! ...Heil Krems. Dr.Spängler... die entrüsteten Wetterhexen Elsa, Annerl, alte Anna. [unbekannt]
dito 2.8. [1896] aus Krems nach Heidelberg, postlagernd: Lieber Mann! Tausend Grüße von mir und den Kindern! Es ist Alles in gewohnter Ordnung. Da es gestern fast den ganzen Tag regnete, hat Franzl seine Aufgabe schon fertig geschrieben. Franzi und ich sind heftig beim Schneidern. Schreibe mir nur bald und berichte, wie alles ist. Ich freue mich schon so sehr, bis du uns erzählen wirst. Morgen hoffe ich bestimmt auf Nachricht von dir, heute kam keine Karte. Seid Ihr recht ermüdet angekommen? Den Zins [Miete]] erlegte ich heute. Hier ist das Wetter kühl und veränderlich. Gestern war hier ein mindestens 3stündiges Gewitter, während in Wien laut Zeitung ganz schreckliches Umwetter war. Vergiß nicht deine Alte.
Karten-Brief 1.8. [1896] aus Krems nach Stuttgart..., 11 ½ Uhr Vorm.: Liebster Mann! Ich und die Kinder sind sehr erfreut über deine Karte aus St.Pölten. Ich bin jederzeit glücklich, von dir zu hören. Bei uns ist alles so ziemlich in Ordnung. Ich habe solche Freude, dich in angenehmer Gesellschaft auf so schöner Reise zu wißen. Hoffentlich seid Ihr gut angekommen. – Die Gänge sind besorgt; heute war ich um 11 Uhr in der Stadt, das Gehalt zu beheben, doch wird Herr Höfner mir das Geld bringen, da Herfahrt nicht da war. Hast du deinem Bruder wegen der 100 fn [Gulden] geschrieben? Morgen schreibe ich nach Heidelberg. Für die kleine Helene Bruthner habe ich 5 f [Gulden] in die Postkasse gelegt. Lebe wol. Alle grüßen dich und deine Begleiter. Sei geküßt von deiner alten Fanni.
dito 4.8. [1896] nach Coblenz postlagernd, Nachmittag 3 Uhr: Liebster Mann! Mit großer Freude empfangen wir deine Karten; die weißt, wie sehr ich jede Nachricht von dir ersehne. Drum sei dir tausendmal gedankt. Hoffentlich hast du noch in Stuttgart meinen Kartenbrief vom 1.8. erhalten und heute meine Karte in Heidelberg. Wir sind Gott sei dank Alle wol; ereignet hat sich nichst Besonderes, außer daß gestern Frau Rosa Papier uns besuchte. Sie brachte Grüße von Fräulein Cedek und läßt dich schön grüßen. Von Otto ist noch kein Geld angekommen. Heute schrieb Frau Schrems, daß wir die gewohnten Zimmer haben können. Wir haben noch viel zu nähen. Franzi beginnt glaube ich, heute mit ihrer Prüfungsarbeit. Die Kinder umarmen dich, sie sind so ziemlich verträglich brav. – Wir grüßen auch deine Reisegefährten. Bleibe nur recht gesund und behalte lieb deine Alte. – #Schrems, vgl. [Sterbebildchen, Partezettel] für Engelbert Schrems, bürgerl. Brauereibesitzer, geb. 1827, gest. 16.6.1892 in Salzburg.
Korrespondenz-Karte 5.8. [1896], 10 ½ Uhr Nachts, Stempel vom 6.8. aus Krems nach Straßburg, postlagernd: Lieber Mann! Zwar nicht mit edlem Schaumwein, aber deswegen nicht minder herzlich, bringen wir ein Hoch auf die Kremser Rundrei Freunde aus. Fröhliche Fahrt und frohes Wiedersehen. Fr.Sp. [Franzi], Otto, Rosa Nittel [wohl das Dienstmädchen! falls es noch dieselbe „Rosa“ ist], Toni, samt geplagter Schülerin, Hansl [Hansimutti, geb. 16.5.1882, also 14 Jahre alt], Franzl, [in der Ecke] Rosl.
Karten-Brief 7.8. [1896] aus Krems, FANNY SPÄNGLER an FRANZ SPÄNGLER, Straßburg postlagernd: Liebster Mann! Ich bin sehr glücklich, daß du mir täglich Nachricht sendest und xxxbei auch noch so hübsche Ansichtskarten. Ebenso bin ich erfreut, daß deine getreuen Begleiter stets an uns sich erinnern und ich bitte dich, ihnen unsere besten Grüße zu sagen. Hoffentlich habt Ihr heute besseres Wetter als wir, hier ist ein Schnürlregen, der sich getrost in Salzburg könnte sehen lassen. Heute brachte mir die Post nebst deiner 2.Karte aus Heidelberg eine Karte von Emma Wessely, die auf meine Anfrage, ob wir sie 12.8. in Wels treffen würden, freudiges Ja brachte. Wir gedenken also, falls du mir keine andere Weisung sendest, Dienstag den 11.8. mit dem Frühzuge abzufahren, und in Wels bis zum letzten Zuge, der nach Salzburg geht, zu bleiben. An Frau Schrems schreibe ich recht zeitig, soll ich auch für deine Herren Wohnung in der Hölle bestellen? Und werden wir uns in Wels oder erst in Salzburg treffen? Das Packet habe ich durch Herrn Zorn empfangen. Die Kinder grüßen dich, es geht alles in der gewohnten Ordnung /: Auch das Streiten:/ Auf baldiges Wiedersehen freut sich deine Alte. Heute bekam ich auch einen Brief v. Prof. Walter, er hat deine Karte erhalten. Franzl schickt tausend Busserln.
dito 16.8. [1896] aus Krems [bzw. 15.8. Freischling am Manhartsberge] an FRANZ SPÄNGLER, Salzburg, Höllbräu: Verehrter Herr Vorstand! Wir sind schon wieder auf einer Sängerfahrt, einer Fahnenweihe. Soeben von dem obligaten Festzuge, diesmal um die verschiedenen Düngerhaufen des Festortes herum, zurückgekehrt, sitzen wir bei „guter Musik“ u. ebensolchem Gesange in einem für das Fest adaptierten Holzschupfen, u. die Stuttgarter gedenken, still vergleichend, der schönen Stuttgarter Tage, u. die nicht mit dort waren, ärgern sich heute darüber. Mit treuem deutschen Sängergruß und besten Dank für die Erinnerungszeichen Dein Freund XXX, Riedl, Koller, Vögl, Woraczek, Holzapfel, Winterperger, Kaufmann
Brief aus Salzburg, 19.8. [1896], FANNI SPÄNGLER an FRANZ SPÄNGLER nach Krems [Umschlag ohne Marke, Stempel Krems 20.8.]: Liebster Mann! Zugleich mit deiner Karte, welche ich mit großer Freude empfing und für welche ich dir herzlichst danke, kam beifolgende Karte an Marie in meine Hände, welche die Nachricht von dem Tode ihrer Mutter enthält. Ich bitte dich, sage der armen Marie mit einiger Schonung und Vorsicht die traurige Nachricht, sonst erschrikt sie so, daß sie krank wird. Zugleich bitte ich dich, sorge ein wenig, daß sie doch etwas ißt und daß sie sich beim Putzen ordentlich helfen läßt. Ich glaiube, es wäre gut, wenn Marie so bald als möglich hieher kommt. Mir erbarmt Maria wirklich, weil sie ihre Mutter so lieb hatte. - Von uns kann ich dir sagen, daß wir gestern schon das zweite große Zimmer bekommen und nun recht gut untergebracht sind. Wäre das Wetter besser, so ginge es uns ganz gut. Gestern wollte ich Otto u. Luise [Louise Spängler] aufsuchen, doch waren sie in Achthal, dann ging ich zu Tante Pepi. Es war mir eigen, wieder die Wohnung deiner guten unvergeßlichen Mutter zu betreten, um so mehr, als die Eintheilung fast ganz gleich ist, wie unsere gute Mutter sie hatte. Tante Pepi ist wohl traurig, aber doch gefaßt und war sehr lieb mit mir und den Kindern. Ich hatte Franzi, Rosa und Bubi mit mir. – Heute Nacht wurde 3 mal geschossen, doch war nur ein unbedeutendes Feuer bei einem Selcher in d. Dreifaltigkeitsgaße. Heute habe ich im Mülle großes Badewaschen mit den Kindern gehalten, denn es ist wenig Hoffnung, daß wir schwimmen können. Wenn du nur schon bald kommen könntest! Hoffentlich bringst du dann beßeres Wetter, denn es ist schon kalt hier und die Salzach ziemlich groß. – Die Kinder sind selig bei den Tanten. Marie und Rose habe ich noch nicht gesehen, da sie ja in Plain sind. Paula Biebl ist nun auch die Braut eines Leutnants den sie schon lange liebte. Im November wird geheirathet. Ich schließe für heute, und bitte dich nur, mir bald zu schreiben und behalte lieb deine Alte.
nach 1896, Telegramm „10.8.“ aus Pressburg an Franziska Spängler, Krems: Treffen Franz in Salzburg
unbekannter Schreiber an FRANZ SPÄNGLER: Ried, 5./12. [18]96/ Liebster Franzl! Nachdem Dir mein Schwesterlein bereits nicht nur in Person, sondern auch sogar in Presir ihre Glückwünsche dargebracht hat, so ist es für mich schwer eine dritte Form zu finden in welcher ich meine Gratulation gebührend anbringen könnte. Ich muß Dich daher bitten, auch so von der Aufrichtigkeit und Herzlichkeit meiner Glückwünsche überzeugt zu sein, denen ich hiermit Ausdruck verleihe. Ich habe endlich die Freude mitempfunden, die dir das glückerreichte, mühsam errungene Ziel bereitet haben muß. Ach, liebster Franzl, wie kurze Zeit ist es doch erst, so scheint es mir wenigstens, als Du nach Deiner ersten Gesangsstunde glückstrahlend zu uns kamst und uns erzähltest, es sei Dir bereits ein Knopf aufgegangen, denn Du hättest nun einen Begriff von Kehlenstellung. Wie viele Knöpfe sind Dir wohl seit jenem Tag aufgegangen! Es war doch damals eine schöne, schöne Zeit! Für Dich ist sie jetzt wohl noch schöner aber in immer anderer Weise. Wir hier fühlen uns wohl auch äußerst behaglich, wie es bei einem so müsigen gleichmäßigem Leben wohl nicht anders möglich ist, doch wenn ich an jene Zeiten denke wo wir uns noch so für das Wesen, den frühesten Wunsch und Lebenszweck, Jemand ecl. interessierten, dann muß ich mir wohl gestehen, so wie damals ist es doch nicht mehr! - Was ist’s Franzl, werden wir auf’s Jahr nicht die Freude haben Euch allen unser Heim zeigen zu können. Ihr solltet Euch doch unsern Aufenthalt einmal anschauen dann hätten wir mehr Anknüpfungspunkte zu einem halbwegs inhaltsreichen Brief. Außerdem hättet Ihr ja das beneidenswerte Bewußtsein, dem reizenden Kind bald wieder den Rücken drehen zu können um nach unserm lieben Krems zurückzukehren! Überlegt Euch doch die Sache und bringt sie einmal an einem Sonntag auf’s Tapet, damit doch auch Prf. Walter und Basa [?] den Gedanken fassen. - Nimmst Du noch Gesangsstunden oder bist Du schon dazu auf einer zu hohen Stufe? Ich betreibe das Klavier mit ziemlichen Fleiß. Ich spiele täglich Scalen in allen möglichen und unmöglichen Arten, Etüden von Cremer u. Steffen Heller, Beethoven Sonaten und einige gefällige Vortragsstücke. Elsa singt fleißig Übungen, Lieder von Schubert und Robert Franz, die sie zum Namenstag bekam. Was machst Du denn für Weihnachten, ist das ein Geheimnis? Durch meine vielseitige Correspondenz vergesse ich leider immer, was ich den betreffenden im letzten Brief geschrieben habe, und so fürchte ich auch jetzt, Euch eine alte Geschichte aufzutischen, wenn ich Euch von unsern musikalischen Zusammenkünften mit Höss erzähle. Es ist dieß nämlich die Familie des hiesigen Raatsanwaltes, bestehend aus Papa, Mama und Sohn Theodor. Die beiden Herren spielen Violine und wir beiden begleiten sie dazu am Klavier. Es ist dieß eine ganz nette Zerstreuung für den Winter. - Daß wir unser altes Pianino verkauften, habe ich wohl auch schon einmal geschrieben? Mutter möchte auch noch zu diesem Brief dazuschreiben daher Schluß. Mit vielen, vielen Grüßen an unsere lieben Kremser Freunde umarme ich Dich innig als deine treue Anna. - Liebstes Franzerl. 5./12 [18]96/ Deinen lieben Eltern habe ich schon Glück gewünscht, nun nimm auch vorallem du selbst die aufrichtigsten herzlichsten Glückwünsche zur glücklich überstandenen Prüfung entgegen. Onkel Seh [?] schließt sich meinen Wünschen an, da er schwerlich dazukommen wird selbst zu schreiben/ Auch ich erinnere Euch alle an das Versprechen uns zu besuchen. Je größer die Zahl der Kremserbesuche desto lieber. Nimm einen herzlichen Kuß von deiner Tante Anna. - Franz Spängler ist in Krems in vielen Vereinen tätig, u.a. Ehrenmitglied des Wiener Sängerbundes und Aktiver der Liedertafel in Pottenstein und des „Gesang- und Orchestervereins“ in Krems (davon 25 Jahre als Vorstand). In seinem Nachlass befinden sich neben der Stimmpfeife u.a. Erinnerungen und Medaillen der Salzburger Liedertafel, des Niederösterreichischen Sängerbundes, des Wiener Lehrergesangvereins und der Sängerbundesfeste in Wien (1890) und Stuttgart (1896). [Medaillen gingen an der Volksmusikarchiv des Bezirks Oberbayern in Bruckmühl]
an FRANZISKA SPÄNGLER (1877-1962): 1896, Kartenbrief (Bleistift) aus Ried von Elsa an Franzi und Toni, Krems; Brief an Franzi von „deiner ehemaligen Staatsprüfungsgenossin Elsa“
1897
OTTO SPÄNGLER [Bruder] an FRANZ SPÄNGLER [Nr.18] [gedruckter Briefkopf:] Dr. Otto Spängler Salzburg [1897] Mein lieber Franz! Zu deinem nahen Geburtstag insbesondere aber zu Eurem 25 jährigen Hochzeitstage sende ich dir u deiner lieben Frau im eigenen u im Namen meiner Angehörigen die innigsten Glück u. Segenswünsche. Möge Euch durch Eure Kinder eine zweite Reihe so schöner und glücklicher 25 Jahre zu Theil werden wie Ihr die ersten 25 Jahre Eures Lebensbundes zugebracht! - Wir aber wollen uns, wie bisher so auch fortan in treuer Anhänglichkeit zugetan bleiben! - Deiner lieben Einladung auf Sonntag kann ich leider nicht folgen; es geht mir geschäftlich nicht gut aus u. dann kommt die Lisel gerade am Samstag nach Salzburg zurück, nachdem sie 3 Wochen in München war. - Die Adresse meiner Emilie in Paris ist: Pension Mercier et Beauquis - Rue d’Amsterdam 49/ Es wird sie gewiß sehr freuen, einen Brief von Euch zu bekommen, sie ist sehr gerne dort, sieht viel interessantes; nur die Kost behagt ihr nicht. bei uns ist es durch den gleichzeitigen Abgang dreier Personen sehr still geworden. - Unser Haus schreitet rüstig der Vollendung entgegen u hoffe ich, dß wir ganz beruhigt auf Juli einziehen können. - bei der Mitteilung über die Fingerverlezung der Hanserl hat es mich ganz kalt überlaufen. Gute besserung! Nun lebe recht wol, mein lieber Franz, empfange noch einmal unsere innigsten Glückwünsche und sei auf das herzlichste gegrüßt von deinem treuen bruder Otto. - donnerstag Abends. - Regierungsrat Dr.Otto Spängler (1841-1919) ist Direktor der Salzburger Sparkasse und Ehrenbürger von Salzburg. Seine Frau Louise Spängler, geb. Duregger, stirbt 1915. Der Hochzeitstag des Bruders ist der 8.4.1872. - „Lisel“: Elisabeth, geb. 1881 (16 Jahre alt); „Emilie“, geb. 1874 (23 Jahre alt); „Hanserl“: Johanna Spängler, verh. Holzapfel, geb. 1882 (15 Jahre alt).
an FRANZISKA SPÄNGLER (1877-1962): 1897, vom Vater Spängler Postkarte aus Krems an Franzi in Wien, Stadiongasse 4, bei „Frau Sektionsrathswitwe Dr.Kaserer“, der Operngucker soll zur Reparatur bei... (Adresse)... und grüße deine Mutter – Abbildung = Familie Spängler am 9.Juli 1897, von links Franz, Antonia, Rosa, die Mutter, Franziska, der Vater, Otto und Johanna; vgl. Rückseite mit Notizen von Traudl Saska:
1898
an FRANZISKA SPÄNGLER (1877-1962): von der Mutter Fanni Spängler aus Krems an Franzi in Wien „bei Herrn Landesschulrat J.Spängler, Wien, Mozartgasse 7“; kündigt ihren Besuch an („hinunter fahren“), mit Rosl und Toni
1899 1899, 5.8., Ansichtskarte an Wohlgeboren Frl. (Nr.9 a) FRANZI SPÄNGLER, Salzburg, Höllbräu. Bildseite „Gruss aus Krems a. D.“; [handschriftlich:] Krems 5.8.99. Liebe Franzi! Herzlichen Dank für Deine schönen Karten sendet Dir Deine Nelly / Herzlichen Gruss von Ferry! / Johanna. / Hedda / XXX
1900 an FRANZISKA SPÄNGLER (1877-1962) von OSWALD GRILL (1878-1964): 30.12.1900, Döbling [Wien]: erinnert an das Fest und bittet Franzi daran teilzunehmen, und wer von „Ihren Schwestern“ an diesem Frühlingsvergnügen teilnehmen wird; beschreibt das „Costum“ [für das Frühlingsfest] genau und legt farbige Skizze dazu bei [in diesem Kleid hat er dann Franzi mit Aquarell gemalt, datiert 1903; hängt bei uns], den Stoff dazu will er bei Herzmansky besorgen, bei dem sie „den Stoff für alle unsere Gruppen“ beziehen; auch Familie Kaserer nimmt teil
1901
an FRANZISKA SPÄNGLER (1877-1962) von OSWALD GRILL (1878-1964): 19.1.1901: Frühlingsfest; „das Costüme ist sehr leicht selbst zu machen“, Preis höchstens 9 Gulden, Schnitt und Stoff bekommt sie - 25.1.1901: erinnert an das Fest - 30.1.1901: freut sich, dass sie zum Fest kommen will; beschreibt eingehend Teile des Costums, den Haarkranz aus Sumpfdotterblumen usw.; Schnittmuster liegt bei [nicht vorhanden]; sie soll mit im „Reigen“ teilnehmen, also auch dringend mit zur letzten Probe (vor der Generalprobe) nach Wien kommen - 8.2.1901: fragt, ob das Costum bereits fertig ist - 19.2.1901: berichtet vom jährlichen Künstlerfest mit verschiedenen Gruppen, „Frühlingsgruppe war 28 Mädchen stark“, „die besten Costume, die auf diesem Feste zu sehen waren“... „wäre es ganz nett gewesen, wenn sie auch gekommen wären“; lädt sie ein zu einem „Concert“ in die Pokornygasse 6.
an FRANZISKA SPÄNGLER (1877-1962): Briefe von OSWALD GRILL (1878-1964): 6.5.1901: Kirschblütenfest in Wien (Rotunde, drei Tage lang); Schulausstellung wird im Museum eröffnet, „in der ich auch einige Sachen habe“; 5.6.1901: war in der Ausstellung; lädt sie ein, Vater Spängler bekommt eine Einladung von der „Antropologischen Gesellschaft aus Wien“, die nach Krems kommt und eine „Parthie“ nach Göttweig macht. Kommen Sie mit? „Mein Onkel [Dr.Hein] ist nämlich Veranstalter dieses Ausflugs...“ - 20.[6.] 1901: hofft auf Besuch in Wien; „Wie ist Ihnen denn die Göttweiger Parthie bekommen?“ „Mir persönlich ist Krems eines der sympathischesten Fleckchen Erde, die ich kenne.“ - 26.6.1901: planen Besuch in Spitz (Wachau) - 4.7.1901: Loblied auf den Stiefelknecht „Ein Lobenslied, das will ich jetzt erheben...“ 5 Str.; fährt mit Edi Kaserer, beide mit dem Rad, nach Straß; baden in der Kamp; will über Salzburg nach München fahren und möchte die Adresse von „Frl. Rosl“; von Franzi erbittet er deren Adresse in Pressburg
an FRANZISKA SPÄNGLER (1877-1962): Briefe von OSWALD GRILL (1878-1964): 27.8. 19[01]: Franzi also aus Pressburg zurück; lädt sie ein, Mama wird sich freuen; hat die Schwester Rosl in Salzburg besucht; plant Besuch in Straß bei Familie Kaserer. „Handküsse und Empfehlungen an Ihre werten Eltern!“ - 29.8.1901: verabredet sich mit Franzi, die in Heiligenstadt ist; Oswald Grills Mama freut sich auch auf ihren Besuch
an FRANZISKA SPÄNGLER (1877-1962) von OSWALD GRILL (1878-1964): 8.10.1901: plant die Abreise nach München; hat einen Fächer von Franzi, auf den er etwas zeichnen will; in Straß [Kaserer] was es sehr gemütlich und nett, „Hanna [die er unterrichtet] und ich haben sehr viel gemalt“... „Handküsse und Grüße! Oswald Grill“. - München 26.10.1901: dankt für das „Schriftstück“, Brief mit Reisebericht; „Jeder Ort hat seine Reize... [doch] Kein Ort möchte mich befriedrigen, kein Fleckchen Erde mich dauern fesseln... [dass] das wahre Glück nur in der ruhigen Häuslichkeit zu suchen ist. Und da ists gleich an welchem Orte. Die Natur ist überall gleich schön. Wer sie zu verstehen weiß, der hört ihre Sprache, in der Ebene, wie im Hochgebirge... was ich mir eben denke, so möchten Sie mich für trübsinnig halten. So etwas lässt sich auch besser auf einem Spaziergang nach Dürnstein oder am Heiligenstädter Bahnhof besprechen, vorausgesetzt daß der Zug mit dem man fahren will die nöthige Verspätung hat, oder man sich über die Kleinigkeit hinwegsetzt wenn er einem davonfährt.“ Erzählt von München, vom Museum („die Schule wo ich bisher war“); arbeitet in der Akademie; sucht Wohnung, nach 24 Zimmern gefällt ihm eines „so halbwegs“; geht in der Stadt spazieren; der Stil der Gebäude „ist ein ausgeprägterer und schönerer als in Wien“, rote Dächer, gelbe Bäume „geben jetzt eine wunderbare Farbharmonie“; erzählt von der reinen Harmonie bei Friedrik van Eden und seinem empfehlenswerten Buch.“ Dieses Buch ist mir förmlich ein Mittel zur Menschenbeurtheilung geworden... solche die sich hineinleben können, und solche die das Märchen gar nicht verstehen.“
an FRANZISKA SPÄNGLER (1877-1962): 1901, Lieut[enant] RUDOLF WIDERHOFER [ein Sohn der Schwester Toni Spängler (1879-1918, Nr.9 b; verh. von Widerhofer] „ihr aufrichtig ergebener Regimentsneffe“, schreibt aus Wien an Franzi, Krems, Alleestr.7; berichtet vom Krankenbett des Vaters; er bezeichnet Franzi als seine „Regimentstante“
an FRANZISKA SPÄNGLER (1877-1962): 1901, Postkarte aus Krems an Franzi in Genf; Grüße von einer Kellerjause, unterschrieben u.a. von Oswald Grill, „Vater“ und den Schwestern Toni und „Hansl“, dem Bruder Franzl
1902
an FRANZISKA SPÄNGLER (1877-1962) von OSWALD GRILL (1878-1964): 13.1.1902: war zwischendurch in Wien; erzählt liebevoll von seiner Mutter; „... hinaus [nach München] meiner Arbeit, meinem Felde, meiner Zukunft entgegen, nur mit dem einen Gedanken, ich will, und muß in der Kunst etwas erreichen. [aber... hat trübsinnige Gedanken] Und was habe ich dann auf der Welt, wenn ich an meiner Kunst verzweifle“. Mutter alt und krank, bietet kein Zuhause. „Was gibt es da für eine Zukunft!“ Franzi hatte nach ‚Heimweh’ gefragt. Nein..., „denn da sehe ich die öde Wirklichkeit vor mir“. Fragt nach der Schwester Rosl. „Als ich letzhin von Ihnen fortging hatte ich den Zug noch sehr bequem erreicht. Schwips hatte ich keinen, und so habe ich die ganze Fahrt gelesen statt geschlafen. In der Pokornygasse [Döbling] kamen mir mein Bruder und Gerkauer entgegen, die einstweilen statt meiner einen Schwips bekommen hatten, und schrecklich schön sangen. Sie waren nämlich mit einem bekannten Herrn beim Heurigen in Grinzing. Wir hatten über beide an diesem Abende noch riesig zu lachen. Barto war melancholisch, und Erwin [wohl der Bruder] übertrieben lustig. Beide sind aber sonst gerade das Gegentheil davon. Freitag darauf hatten wir Besuch. Auch Barto Czeck [Czeckauer] war wieder bei uns. Da wurde heftig Tischgerückt. Unter den Anwesenden war eine Collegin von mir, die ich spaßweise hypnotisieren wollte. Als ich aber sah, daß sie es ernst zu nehmen anfing und trotz fortwährendem Sträuben schon wirklich in einem hypnotischen Zustand sich befand, mußte ich den Spaß natürlich aufgeben. Man hätte damals leicht ernste Versuche anstellen können, aber ich wollte das nicht riskieren; dann war auch die Zeit nicht mehr dazu.“
an FRANZISKA SPÄNGLER (1877-1962) von OSWALD GRILL (1878-1964): 22.5.1902: kommt Anfang August wieder nach Wien. „Aus derselben Quelle [Mama Grill, die die Post nachsendet] habe ich auch so etwas von einer Verlobung in Ihrem Hause gehört. Wußte aber nicht auf wen sich das bezieht, habe daher der Einfachheit halber Ihnen gratuliert.“ Berichtet von der Reise München – Rosenheim – Senbach – Achensee – Innsbruck (Martinswand) – „Landeg [Landeck]“ – St.Anton [am Arlberg] „ganz verschneit“ – Konstanz – „Schafhausen“ (Rheinfall) – Friedrichshafen – Ulm – „Studtgard“ (Großstadtgetriebe) – Heidelberg (Schloss großartig) – „Nekarthal“ Heilbronn (ein schreckliches Fabriksnest) – Ansbach – Rothenburg o.d.Tauber (das reizendste Städtchen das ich kenne; Studien und 4 Tage Aufenthalt) – Nürnberg (enttäuscht) – Harburg ([Donauwörth] das mir riesig gefiel, Schloss äußerst malerisch und interessant; 4 Tage, Studien) – Augsburg (das liebe) – München. „Vor 3 Tagen ist mein Onkel (Dr.Hein [hat das Altarbild in Unterach gemalt und das Glasfenster in der Kirche dort entworfen]) von seiner Forschungsreise aus Arabien“ nach Wien zurückgekehrt, zwei Araber mitgebracht. „Bin neugierig wie diese aussehen.“
an FANNI SPÄNGLER (Nr.19): X.9.1902, Ansichtskarte „Illbrücke“, Feldkirch an Franziska Spängler [und Toni], Krems: „Von unserer ersten Station...“, Franz, Franzi, Hansl - 4.9., Ansichtskarte „Taminaschlucht, Ragaz“ aus Pfäffers-Bad, Schweiz: „Wetter prachtvoll, Befinden sehr gut. Viele Grüße! Franz, Hansl, Franzi“ - 4.9., Ansichtskarte „Kloster Einsiedeln“: Franz, Hansl, Franzi - 5.9., Doppelkarte „Panorama vom Rigi“, „Dr.Spängler, Hansl, Franzi - 6.9., Ansichtskarte „Bellinzona“: wegen Regen mit der Bahn hierher, Franz, Hanls, Franzi - 7.9., Postkarte Luzern: Karte erhalten, Reise bisher folgende... Feldkirch, Ragaz, Pfäffers, Einsiedeln, Rigi, Altdorf, „wo es zu gießen anfing“. Göschenen, Bellinzona „bei strömenden Regen“, „Die zwei Mädchen sind ins Bad gegangen“. - 9.9., Ansichtskarte „Schynige Platte...“: Franz und Franzi - X.9., Ansichtskarte „Salève... Haute-Savoie“: „Rosl ist nicht mit uns, weil sie noch einiges zu XXX hat“; [sie haben vielleicht Rosl in Genf besucht; die Schwester Franzi ist 1901 in Genf] Franz und Hansl
1903
an FRANZISKA SPÄNGLER (1877-1962) von OSWALD GRILL (1878-1964): 7.3.1903, Kondolenzbrief [halb durchgerissen] an Franzi, Krems, Alleestr.7, aus Wien; Dank für Mitgefühl [Tod der Mutter?], Gruß zum bevorstehendem Namensfest; „Handküsse und Empfehlungen, Ihr Oswald Grill“
an FRANZISKA SPÄNGLER (1877-1962): 1903, „TruXXX“ schreibt aus Znaim an Franzi, Krems, Alleestr.7; sie kommt zur Anprobe zur Schneiderin und bittet Franzi dabei zu sein und einen kritischen Blick darauf zu werfen, in Wien „Salon Salito“, Ecke Mariahilferstr./ Ringstr. Sie will auch nach Krems kommen; „vielleicht bekommt Rudi nach der Hochzeit Urlaub. „Trudl“ (?) ist vielleicht die Frau vom Vater Widerhofer, dessen Enkelin wiederum Trudl heißt (verh. Widerin).
28.8.1903 Ansichtskarte St.Gilgen [liegt bei Nr.19] an: Wolgeboren Fanny Spängler, Landesgerichtsraths-Gattin aus Krems a.D., derzeit in Salzburg, Gasthof z. Höllbräu. – d.28.Aug.1903. Liebe Fanny! Durch Anna Fahrner hörten wir von der Verlobung deiner lieben Tochter Hansi [Johanna Holzapfel] u. sage Dir u. Deinem Mann, sowie der l[ieben]. Braut meinen u. meiner Angehörigen verXXste Glückwünsche. Würde mich sehr freuen Euch hier einmal zu sehen. Mit vielen herzlichen Grüßen, deine alte Freundin Maria StXX.
1903, 28.8. [Krimml- ZXX], 29.8. [Salzburg], Ansichtskarte an Wohlgeboren Fräulein (Nr.9) HANSL SPÄNGLER, Lehrerin dz. Salzburg, Gasthof zur Hölle. Bildseite: 3 x klein „Venedigergruppe mit Sulzbachtälern, „Rosental (Ober Pinzgau)“ und „Gruß aus Huber’s Gasthof, Rosenthal“; [handschriftlich:] 28.Aug. Aus unserem Ferienheim senden die herzlichsten Glückwünsche nebst besten Grüßen A Prosch Tante Mina.
1903, 29.8., Ansichtskarte an (Nr.9) Fräulein HANSL SPÄNGLER Salzburg Höllbräu Krems, bei Herrn Lehrer Wohofsky, Heinzstraße. Bildseite „Gruss aus Schönberg am Kamp“, [handschriftlich:] 29.August 1903 Herzlichen Glückwunsch und beste Grüsse! Berta.
1903, 10.9. [Poststempel Pottschach], Ansichtskarte an (Nr.9) Fräulein JOHANNA SPÄNGLER Salzburg Gasthof zur Hölle Lehrerin in Pottschach Südbahn [Niederösterreich]. Bild: Kötschach mit Poliklinik; [handschriftlich:] Wir freuen uns sehr über die Nachricht Deiner Verlobung und gratulieren herzlichst. Tante Lida. Onkel Hermann. Mizl [und andere]
1903, 10.9., Ansichtskarte an (Nr.9) Fräulein HANSI SPÄNGLER Lehrerin / Pottschach Nieder-Österreich. Bild: Salzburg von Maria Plain; [handschriftlich:] Also auch Du willst in den sauren (?) (Holz-)Apfel der Ehe beißen? Glückauf dazu! Heili Dir! Familie Fritsch / 10/9 1903.
JOHANNA SPÄNGLER, geb. Spängler (Nr.9; 1882-1973) an RUPERT HOLZAPFEL (Nr.8; 1868-1940; verh. 1904): Mein liebster Rupert! Bis Du diesen Brief erhälst, sind meine Angehörigen wahrscheinlich schon in Krems. Nach einer Bemerkung in Vaters Brief vermute ich, daß sie Montag 14.Sept., heim kommen. Bestimmte Nachricht habe ich selbst nicht. – Also, ich kann Dir mitteilen, daß ich am Mittwoch nach Krems komme u. zw[ar]. mit dem Zug, der um 9 ¼ h abends von Wien her eintrifft. Ich freue mich schon sehr auf ein baldiges Wiedersehen. Den heutigen Nachmittag verbrachte ich in der Familie des Oberlehrers. Wegen des heftigen Regens mußten wir im Zimmer bleiben. Erst gegen Abend konnten wir einen kleinen Spaziergang machen. – Morgen ist es gerade ein Monat, daß wir hinaufgestiegen sind gegen den Braunsdorfer [nach einer Weinlage dürfte das in Niederösterreich sein; ein Brief 1912 nennt „Braunstorfer“ bei Sandl/Krems]! Als ich dem Oberlehrer mein Anliegen wegen des Samstags mitteilte, sagte er: „Aber natürlich, bleiben Sie nur aus.“ Auf recht frohes Wiedersehen! Herzliche Grüße und Küsse von deiner Hansi. Pottschach [Niederösterreich], 13.Sept.1903.
Mein liebster Rupert! So, nun bin ich wieder gut in Pottschach angekommen. Während der Fahrt habe ich viel geschlafen, denn ich bin sehr müde. Als ich ankam, hatte ich gerade noch Zeit zum Essen u. dann mußte ich gleich in die Schule gehen. Bezüglich meiner Enthebung [wohl Entlassung aus dem Schuldienst] ist noch keinerlei Nachricht hier. – Nach der Schule habe ich gleich die Bücher für Elsa Sacher angeguckt, damit sie heute noch fortgehen. – Ich werde mich heute sehr bald zu Bett begeben. – Hast du schon mit Eurem Religionslehrer gesprochen? Was sagt er? Das waren wieder selige Tage! Wenn nur solche nicht gar so schnell vergingen! Und diese Tage der Einsamkeit sind oft anders. – Mein Liebster, ich hoffe auf günstige Nachricht wegen des nächsten Samstags. Entrichte Grüße an deine Mutter u. deine Schwestern. Sie tausendmal gegrüßt und geküßt von Deiner Hansi. P[ottschach]. 21.9.1903.
12.11.1903, Postkarte an Frau IDA PICHLER, k.k.Ingenieursgattin, Krems, Parkstr.16 [Freundin der Familie, besonders von Franzi Spängler, liegt mit im Spänglergrab in Krems; Nachbarn in Krems] aus Stift Zwettl: My dearest Ida, yesterday evening I arrived here. But what a terrible weather!! It rains and snows, all pêle-mêle!! So that I heardly can visit the monastery (which is distant 3/4 h from the town!! And I was so very curious to see this interessant‘ building with its renXXned church and gothic Kreuzgang! Be embraced from yours very XXX Ro[XX ?]– I come merely saturday...
1904
1904, 19.7., Ansichtskarte an (Nr.8) Wohlgeboren Herrn Rupprecht [!] Holzapfel, Bürgerlehrer, in Krems a./d. Donau, N.Öst. „Pöstlingberg Linz a.D.“, [handschriftlich:] Viel Glück XXX [zwei Namen]
1905
An „Wohlgeboren Herrn Rupert Holzapfel, Bürgerschullehrer in Krems a D., Heinzstr. Kaiser Friedrichstraße.“ [Nr.8 RUPERT HOLZAPFEL, 1868-1940; Poststempel 23.4.05; dreiteilig gefaltete Stadtansicht von Krems, Gesamtansicht und Hôtel zum goldenen Hirschen; auf einer Seite:] Mit dem Wunsche, daß der Stammhalter [Nr.4 Rupert Holzapfel, geb. 22.4.05] wachse, blühe und gedeihe, gratulieren herzlich Huber / F Kaufmann / Joh Kaufmann / H. Hofmann / E Wachtl./ Gustav Heftich / Eduard Aug Komm / Putschögl / Nikolaus Heftich [sieht nach Sängerrunde, Stammtisch o.ä. aus].
1905, 29.4., Briefkarte: Liebe Frau Holzapfel resp. Hans! Soeben erfahre ich von der Freude die in Ihrem Hause wieder Einzug gehalten hat in Gestalt eines kleinen Weltbürgers. Da ist es mir nun ein Bedürfnis dem glücklichen Elternpaar aus vollem Herzen meine Glückwünsche zu sagen, was ich um so lieber thue, als mich das Unglück, das Sie alle in der letzten Zeit so schwer traf, sehr schmerzte. Und wenn ich daran denke, daß jetzt so ein kleiner neuer Mensch in das Leben getreten ist, so habe ich noch einen Wunsch für ihn, - „dieses Leben möge ihm leicht werden, heiter und sonnig“! Herzlich grüßt Sie und ihren lieben Herrn Gemal [!] Ihr [ad Nr.9 c] OSWALD GRILL. – „Unglück“: Die Mutter, Nr.19 Fanni Schlegel, verh. Spängler, ist am 21.3.1905 in Krems gestorben.
1905, 1.9. [Poststempel Krems] Ansichtskarte an (Nr.8) Herrn R. HOLZAPFEL, Bürgerschullehrer Krems/Donau, Friedr. Str.7, N.Öst. aus Znaim, auf die Bildseite (Eisenbahnviadukt und Stadt „Znaim“ in Mähren, „Nordwestbahnbrücke“) mit handschriftlichen Zusätzen, verwischt. L.R! Herzl. Gruß! XXX [...] XXX.
1907
Brief ohne Ort und Datum [Wien 1907] von Nr.9 c ROSL SPÄNGLER (1880-1967), verh. Grill, an ihre Schwestern Johanna und Franziska in Krems: „Lieber Hans, liebe Franzi! Vor allem Franzi verzeih, dass ich wegen der Leinenhemden (die ich zugeschnitten aus Urgroßmutters Leinen hier habe) noch nicht Antwort gab. – Ich komme zu keinem Entschluss! Es ist mir leid um die 3 Hemden u doch würde ich die anderen Stoff[e] gern haben – Fürchte nicht, dass ich es so machen will, beides mir anzueignen! Ich tu das nicht, aber habe noch etwas Geduld. – Vater brachte 10 m. Windelleinen mit – davon soll Agnes Hemdchen zuschneiden – u.z. sie soll alle gleich jetzt zuschneiden u ich möchte dann einen Teil zum Arbeiten übernehmen u einen Teil nun von ihr in Krems machen lassen. – Wenn sie den Stoff noch nicht bei sich hat, so soll sie wohl am besten einen Tag für mich bei Euch, Hans oder Franzi arbeiten, da kann sie genug zuschneiden u zum Nähen richten; wann ich nach Krems komme ist unbestimmt; sicher aber doch ziemlich bald. – Kommt ihr alle, Holzäpfel? zu Ostern nach Wien? Wenn wir nicht morgen wegfahren so werden wir Sonntag oder Montag nach Nikola fahren u statt schon Mittwoch, vielleicht erst Freitag (Charfreitag) zurückkommen. Sollte aber jemand von Euch Nachtquatier brauchen so steht Euch unser Heim zur Verfügung auch wenn wir fort sein sollten! – Oswald lässt euch grüßen. Er hat wieder ein Bild verkauft u zwar an Dregden („Linz“). – Verzeiht die schöne Schrift. – Was ist’s mit den Deckenkappen – ich nehme sie mit wenn ich nach Krems komme. Sollte bis dahin von Euch jemand waschen, so lasst 2 davon mitwaschen, muss aber nicht sein! Wir wüssten von Franzi u Va [?] einen gr. Wunsch als Hochzeitsgeschenk!! [Hochzeit ist am 17.11.1907; klein:] Wird aber zu viel kosten! Nun lebt wohl! Eure Rosl
1908
9.4.1908 Brief mit Umschlag aus [Wien] Hütteldorf von ROSL GRILL, geb. Spängler, an „Herrn Dr FRANZ SPÄNGLER, kk Oberlandesgerichtsrat, Krems Donau, Schillerstr 7.“: Lieber Vater! Zu deinem morgigen Geburtstag senden wir Hütteldorfer Dir die herzlichsten Grüße und wünschen Dir alles Gute und besonders die beste Gesundheit. – Es hat uns sehr gefreut, dass wir Dich letzthin doch endlich einmal bei uns gesehen haben! Hoffentlich hat es Dir bei uns heraußen gefallen und Du besuchst uns in nicht gar zu ferner Zeit wieder! Wie wir hören kommst Du oder kommt Ihr – mehrere zu Ostern hierher. Da kommt Ihr dann doch nach Hütteldorf heraus? Ich weiß jedoch nicht einmal ob wir da sein werden, denn wir warten nur eine Besserung des Wetters ab um dann allsogleich nach St.Nikola-Grein abzudampfen, wo Oswald einige Tage zu arbeiten hat. Es ist daher in den allernächsten Tagen nicht möglich, dass wir nach Krems kommen vielleicht jedoch auf unserm Heimweg von Nikola. Ich will auch in Nikola malen u. zeichnen, darauf freue ich mich schon, denn ich komme hier doch nicht dazu u. verlerne dann noch das Wenige, das ich konnte. Vor hatten wir schon morgen (10.IV) ab zu fahren, da aber das Wetter gar so kalt und elend ist, wird es sich nicht machen lassen (es schneit) umso mehr da Liutschy Pietschmann mit uns fahren wird!!! – Montag war also dieses Souper, zu welchem wir die Einladung bekamen, als Du hier warst. – Es waren nur 20 Pers. und daher viel gemütlicher als vorauszusetzen; freilich es war sehr fein u gut. Wir erreichten noch den Westbahnzug 12.50. – Vorgestern hatten wir Kremser besuch! Joh.Wuppinger war da u. plauschte mit uns längere Zeit. – Der „Rose Pilgerfahrt“ ist also sehr gut ausgefallen?! Und viel Draherei soll damit verbunden gewesen sein! – Die Kremser Jubiläums-Ausstellung wird erst im Mai sein! – Also dort werde ich auch in die Öffentlichkeit treten mit einer oder 2 Arbeiten!! – Oswald ist heute in Mödling bei der Itunde [?] u lässt sich entschuldigen dass er nicht selbst ein paar Worte schreibt! – Uns allen geht es sehr gut u. wir hoffen das gleiche von Euch allen! Nun nochmals besten Glückwunsch Dir lieber Vater, und herzl. Gruß von Deiner Rosl. – Bitte beiliegenden Zettel an Hans [! der Hans = Johanna, Hansimutti] oder Franzi übergeben - ! – Abbildung = Franz Spängler, ca. 1908
[November 1908] Briefkopf „Regierungsrat Dr.Otto Spängler, Salzburg“ ohne Datum und Umschlag von Nr.18 a OTTO SPÄNGLER (1841-1919) an FRANZ SPÄNGLER (NR.18; 1839-1912): Lieber Franz! Mit aufrichtiger Freude entnehme ich soeben der Zeitung die Nachricht von der dir gewordenen allerhöchsten Auszeichnung [mit der Pensionierung der k.k.Orden der eisernen Krone] und sende dir in unser aller Namen die herzlichsten Glückwünsche. Möge dir in Gesundheit und Zufriedenheit eine lange Ruhezeit beschieden sein! Von hier kann ich dir eigentlich nicht viel Gutes berichten. Georg [Mussoni, 1859- ; seit 1887 verh. mit der Tochter Paula Spängler, 1869- ] ist seelisch und geistig mehr herabgestimmt, als je; bildet sich alle möglichen Krankheiten, die nichts [?] mehr zu seien, ein. Es ist ein ganz schreklicher Zustand, unter dem wir natürlich alle, am meisten aber die arme Paula zu leiden hat, die auch schon sehr schlecht aussieht. Ferner liegt meine Frau seit ein paar Tagen wieder an Magenkrampf zu bette; sie hat sich höchstwahrscheinlich mit einem kalten Obste verdorben. – Planck [Konrad Planck von Planckburg, 1878-; seit 1902 verh. mit der jüngsten Tochter Maria, 1883- ] ist endlich am 1.November nach 8 Jahren Oberlieutenant geworden und bleibt vorderhand als Regimentsadjutant hier. Mama [die eigene Frau oder Schwiegermutter Duregger], Mila [Tochter Emilie, 1874- , 1902 verwitwet nach dem Salzburger Buchhändler Eduard Höllrigl] u. ich waren vorige Woche auf 2 Tage in Landshut auf Besuch bei Trammer [Prof.Otto Trammer, geb. 1878, heiratet 1912 die Tochter Emilie, fällt aber 1914] u. dann 2 Tage in München. – Meine Mitteilung über die bei mir erliegende Ausbeute [Dividende] per 90 MM hast du wol erhalten; noch habe ich aber keinen Auftrag von dir, was ich damit machen soll. – Deinen Kindern u. Schwiegersöhnen geht es hoffentlich gut. Elsa [Trammer?] thut es sehr leid, dß Rosl, die seinerzeit so viel bei Trammers verkehrte, sich in vollständiges Schweigen hüllt; sie würde mit großem Interesse wieder einmal etwas von ihr hören. – Nun lebe wol lieber Franz; sei noch einmal meiner freundlichen Anteilnahme an der dir zu Teil gewordenen hochverdienten Auszeichnung versichert! Mit herzlichen Grüßen Euch allen dein treuer Bruder Otto. Freitag Abends. – #Mussoni: Bei den Stammbuchblättern für Nr.18 Franz Spängler = Albert Mussoni (St.Peter 1858).
1909
Ansichtskarte „Partie bei Schellenberg“ an [Nr.4] RUPERT HOLZAPFEL (1905-1960) „dzt [derzeit] Maxglan b. Salzburg Schliesselbergweg 2. 7.9.1909 [?]. Viele Bussi Dir u. Walter [der Bruder, geb. 5.3.1909] u. Mutter! [Unterschriften:] Vater [Nr.8 Rupert Holzapfel], Großvater [Nr.18 F.X.Spängler; gest. 1912] Tante Toni [9 b Antonia (Toni) Spängler, 1879-1918; verh. von Widerhofer]
1909, 13.12. [Poststempel München], Ansichtskarte an Herrn (Nr.4) Ruppert [!] Holzapfel jun., Krems a./D. Nieder Österr., Kaiser Friedrich Straße. [handschriftlich:] Besten Gruß Onkel [Nr.9 e] OTTO [SPÄNGLER]. Bildseite „München, Kgl. Hofbräuhaus“.
ca. 1909/1910, ohne Datum, Ansichtskarte an Herrn und Frau Holzäpfel [!], Krems Donau, Ringstr.1 / I: Euch allen die besten Wünsche! Hat Walter sich erholt? Herzl Gruß Rosl Oswald ([ad Nr.9 c] OSWALD GRILL). Habt Ihr Franzi wegen d. Kostüme gesagt! Bitte, sie soll sie mitbringen. – Bild „Sommer. D [!] Grill pinx.“ = Mutter mit Kind im Rosengarten, Rosl mit Heribert Grill, geb. 1908.
1910 1910, 4.3., Postkarte an Frau Johanna Holzapfel, Krems, Donau, Hundsteig (Villa Seif); L.H! 4.III.10 Eurem jüngsten Sohne [Nr.4 a Walter, geb. 5.3.1909] erlauben wir uns unsere herzlichsten Wünsche zum Geburtstage entgegenzubringen! Möge es ihm wohlergehen! Euch allen auf dem hohen Berge die besten Grüße! Bei uns ist jetzt immer Sonnenschein! Hast Du meinen Brief erhalten? Hast Du das Paket erhalten, welches ich Vater mitgab? Lass von Dir hören! Es grüßt Dich vielmals Deine [Nr.9 c] ROSL [GRILL]. / Hütteldorf. -
1910, 13.8., Ansichtskarte „Grein“, Oberösterreich, „An [Nr.4] meinen lieben Rupert Holzapfel / Krems a. Donau / Puchhaimbg.2 [nicht identifiziert; vgl. 21.4.1911]“: Lieber Rupert! Schau Dir diese Burg an, da sitze ich im Park auf einer Bank und sende Dir, die Mutter und dem Walti viele Bussi Vater. Wetter leider schlecht, Regen wechselt mit Sonnenschein. 13./8.1910.
[Nr.8] RUPERT HOLZAPFEL (1868-1940) an [Nr.9] JOHANN [Hansi] HOLZAPFEL, geb. Spängler (1882-1973) weißer Briefumschlag: Frau Hansi Holzapfel bei Herrn Maler O.Grill in St.Nikola bei Grein O.Ö. [Abs.:] R.Holzapfel, Krems a Donau. – Liebe Hansi! Soeben kam Deine Karte, aus der ich entnehme, daß ihr trotz des Regens gut angekommen seid. Walter ist sehr brav, nur soll Papi immer mit ihm spielen. Gestern etwa ¼ 5 h saßen wir im Kinderzimmer beim Fenster und sahen regnen zu, da rief Walti plötzlich „Ubert“. Ich fragte: „Wo ist denn der Rupert?“ Ubert baba, Uta baba war die Antwort. Vor dem Schlafengehen verlangte er die Uka. Er schlief die ganze Nacht bis ¾ 6 und machte dann ins Topferl ein Laki. Als heute vormittag die Resi vom Markte kam und läutete, rief er „Uka“ und eilte hinaus. Im Laufe des Vormittags rief er öfter Dir und dem Rupert. Jetzt (3 h) krabbelt er hinter mir herum. Als der Briefträger kam, rief er auch: „Uka“. Naß hat er sich heute noch nicht gemacht. Auch mir geht es gut. Heute hatten wir rote Reissuppe (weil von gestern Reis da war) Karviol mit Nockerl u. Apfelstrudel. Abends bekommen wir Stosuppe [steirische Stosuppe/Stossuppe/Stoßsuppe]. Hoffentlich wird das Wetter besser, es regnet zwar nicht, aber der Wind geht stark und das Thermometer zeigt nur 12o. Bei Euch wird’s wohl noch frischer sein. – Gestern war eine Frau da, die will ihr Mädchen zu Dir in Kost u. Wohnung geben, vom Kloster wurde sie hergeschickt. Ich konnte ihr gar nichts sagen, sondern nur versprechen, daß sie sehr bald Nachricht erhalten wird. Ich gebe Dir die Adresse an und Du kannst ihr vielleicht den Preis u.s.w. mitteilen. Das Mädchen ist 15 Jahre alt. Die Adr. lautet Frau Blaha, Bürgerschullehrers-Gattin in Klosterneuburg. Schreibe aber sofort, weil sie ja bald Antwort haben will. Darum, bglaube ich, ist es auch besser, Du schreibst von Nikola als ich nach Deiner Antwort von Krems. Eintreten würde das Mädchen erst mit 1.Oktober, da der Bau nicht fertig ist. Nun bin ich aber mit allen Neuigkeiten fertig. Viele Grüße an Familie Grill / Dich u. Rupert küßt Dein Rupert. / Walti schickt Bussi – er trommelt auf meinen Rücken. / Krems, 2./9.1910. – [Gefaltet beigelegt auf zwei grün-weißen Blättern aus einem zerschnittenen Briefumschlag von „Ludwig Kelcher, Bäcker..., Grein“ Notizen von Hansimutti, ein Briefentwurf, vielfach durchgestrichen und überschrieben:] S g. F.B. Mein Mann teilte mir heute mit, daß Sie gestern bei mir waren, und gerne beabsichtigen mit m v. [?] Ihr Töchterchen zu mir zu geben anzuvertrauen wollten. Es tut mir leid Ich bedauere, daß ich Sie nicht persönlich sprechen konnte. [nicht alles lesbar:] ...die Zinnen werden Sie wohl gesehen haben. Es ist ein großes freundl. Zimmer, mit hübscher Aussicht. Das Zimmer ist für zwei Pers vollständig eingerichtet, so daß der Zögling außer Bettzeug noch Bettwäsche selbst mitzubringen hat... Ich möchte auch gerne zwei Zöglinge... falls sich noch jemand meldet... wenn Sie damit einverstanden sind. Ist es aber Ihr ausdrückl. Wunsch, daß Ihre Frl Tochter allein das Zimmer bewohnt, so könnte ich gern diesem Wunsch nachkommen. Wohl würde dies eine kl. Änderung im Preise bedingen. Wie Sie ja selbst gesehen haben, ist die Lage der Wohnung... auch versichere ich Ihnen, alles zu tun, um den Anforderungen der Gesundheitslehre zu entsprechen nachzukommen... Unser Badezimmer steht dem Frl 2-4 mal monatlich zur Verfügung... Erholung in frischer Luft der große Garten bietet Gelegenheit in frischer Luft die notwendige Erholung zu finden. Ebenso werde ich durch Spaziergänge für entsprechende Bewegung XXX sorgen... Fleiß der Zöglinge stellt und ich kann Ihnen die Versicherung geben, daß ich... besorgt sein werde, daß... Den Preis für Wohnung und Verpflegung denke ich mit 100 K monatl... darüber läßt sich übrigens persönlich noch verhandeln... besondere Wünsche... schon inbegriffen. Es handelt sich dann nur noch um die Wünsche des Zöglings... werden könnte. Ist es Ihnen aber lieber, so weiß ich... recht ordentlich... Ausbesserungen übernimmt... Wunsch erkläre ich mich auch bereit, Ihrem Töchterlein die notwendigen... zu geben, sich das Ausbessrn selbst... zu besorgen. Indem ich Ihnen die Versicherung gebe, für das mir anvertraute Mädchen wie für mein eigenes Kind zu sorgen, zeichne ich, einer gütigen Antwort entgegensehend, hochachtungsvoll Hansi Holzapfel Krems D. BXX
1910, 3.9. [Poststempel 4.9.], Postkarte von (Nr.8) RUP. HOLZAPFEL, Krems a D. an: Frau Hansi Holzapfel bei Herrn Oswald Grill, St.Nikola bei Grein, O.Ö. / Liebe Hansi! Danke für Deinen Brief. Hoffentlich hat sich auch bei Euch das Wetter gebessert. Bei uns ist’s heut seit Mittag annehmbar, freilich kühl. War Nachmittag mit Walti im Park (über 1 Std.) Der war darüber sehr erfreut. / [nachträglich klein] Haben sich die beiden Buben schon angefreundet? / Uns geht es recht gut. Walti ist sehr munter und fragt hie u. da nach Euch. Als Dein Brief kam, (nachmitt.) sagte ich ihm: „Der ist von der Mutter u. Rupert“. Er nahm den Brief, nickte und sagte „ja“. Dann machte er sich über den Briefumschlag, sagte immer „Uka“ und zerriß ihn. Abends, als die Resi das Koch brachte, rief er immer wieder dem Rupert. Heut hat er bis 1/2 8 früh geschlafen. Den ganzen Tag war er musterhaft auch inbezug auf Laki. Die Zwetschken sind fertig u. die Blumen im Zimmer. Sehen sehr frisch aus. Sonst hat sich nichts ereignet. Mit der Kost bin ich ganz zufrieden. Wenn es schön wird, fahre vielleicht doch nach Salzburg. Nur schreibe vorher. Bis 11. (Sonntag) könntest ja ausbleiben, dann hätte ich Dich wohl gern daheim. Herzl. Gruß an die Grillenfamilie. Küsse von Walti u. mir an Dich u. Rupert / Dein Rupert / Krems, 3./9. 1910.
1910, 4.9., Postkarte von (Nr.8) R. HOLZAPFEL, Krems D. an: Hansi Holzapfel, Fachlehrers-Gattin / / St.Nikola b. Grein bei Frau Kühberger / Liebe Hansi! Sei nicht böse, daß ich nicht komme. Bei uns geht seit früh ein Sturm, das Thermom. zeigt jetzt 1/2 11 h 110 Das Barometer ist seit gestern um 4 mm gefallen. Außerdem hat es schon zweimal heute geregnet. Das wäre für Walter nichts. Er schläft soeben. Heute stand er erst um 7 h auf und hat das Bett nicht naßgemacht. (In der Nacht auf d. Topferl gesessen) Neues gibt es nichts. Viele Grüße u. Küsse an Dich und Rupert. Spielt Rupert mit Heribert [Grill, geb. 1908] schon? Dein Rupert / Krems, 4./9. 10.
1910, 5.9., Postkarte von (Nr.8) [R.] HOLZAPFEL, Krems. D. an: Hansi Holzapfel, b. Frau Kühberger / St.Nikola b. Grein / Liebe Hansi! Wie geht es Euch Einsamen? Gestern hat es bei uns von 1/2 1 h bis nach 1 h geregnet, dann wurde es schön, aber kühl. Vormitt. war ich bei der Donau. Die geht bis zum Schutzdamm, das Lokalschiff verkehrt nicht. Nachmittags war ich mit Walti [Walter, 18 Monate alt] bei der Großmutter. Ich zog ihm das neue weiße Kleid an. Walti hat gestern den ganzen Tag nichts naß gemacht, auch heute nacht nicht das Bett. Um 1/2 8 ging er schlafen und schlief mit einmaliger Unterbrechung (1/2 4) bis gegen 6 h. Dann nahm ich ihn in mein Bett und um 1/2 7 standen wir auf. Bei uns ist es schrecklich kühl. Gestern nachts um 1/2 10 hatte es nur 70, heute 1/2 7 früh 100, jetzt 10 h hat es 130 Jetzt wird Walti gebadet, weil es früh zu kalt war. Frau Sonne will auch jetzt nicht heraus. Gestern hatten wir recht gute Schnitzel. Von dem 1/2 kg hatten wir abends und haben heute mittags. Walti sagt schon: „weg!“ also viele Grüße und Küsse ab Euch / Was machten gestern Rupert? und Du? / Dein Rupert. / Krems 5./9. 1910.
1911
1911, 21.4., Postkarte an (Nr.4) Herrn Rupert Holzapfel jun. Krems a/d D. Puchhaimbstraße 2 [was das für eine Adresse ist, weiß ich nicht, ein Heim? Die Straße gibt es offenbar nicht mehr; vgl. 13.8.1910; es gibt eine Puechhaimgasse Nr.2 in Horn, Nieder-Österreich] Lieber Rupert! Wir wünschen dir zu denem morgigen 6. Geburtstage Alles Gute u grüßen dich, deine Eltern u Walter herzlichst. Onkel RUDL [ad Nr.9 b WIDERHOFER] / Rudl [Widerhofer, geb. 1907] u Trudl [Widerhofer, geb. 1908]/ Tante [Nr.9 b] Toni [Spängler, verh. Widerhofer].
1911, 12. [oder 8.?] 9. [Poststempel Krems; ohne Absender] Postkarte von (Nr.8) RUPERT HOLZAPFEL, an Frau Hansi Holzapfel / Maxglan bei Salzburg / Schließelbergerhof. / Liebe Hansi! Nun sitzen wir bei der Großmutter und lassen uns die Jause (Kaffee, Weintrauben, Zwetschken) gut schmecken. Walter war sehr brav. Jetzt kommt große Reinigung, dann Schlaf. In St.Pölten gingen wir im Park spazieren. Walter schickt Euch viele Bussi. Herzl. Grüße an Euch alle. / Walter springt recht lustig herum, ist von der Reise gar nicht müde. Den Kindern Küsse [„den…“ ! Traudl ist erst 1917 geboren, also „Zögling/e“ ? vgl. Brief vom 2.9.1910]. Dein alter Rupert / [andere, lateinische Schrift:] Viele herzliche Grüße von uns. Wir bedauern Dich wegen der gestörten Ferienpläne u. Deiner anstrengenden Mission als Krankenwärterin u. wünschen Dir baldige Befreiung. Bussi an Ruperti, Hermine [Hille]. – „Schliesselberger ist eine Salzburger Unternehmerfamilie“, auch in Salzburg-Maxglan ansässig [Salzburgwiki.at]. Vgl. Postkarte 7.9.1919.
1912
[Nr.8] RUPERT HOLZAPFEL (1868-1940) an [Nr.9] JOHANNA HOLZAPFEL, geb. Spängler (1882-1973) [blaugrauer Briefumschlag:] Frau Hansi Holzapfel bei Herrn Ingenieur Hanakamp in Wiener-Neustadt Bahngasse 46./ Aufg. Rupert Holzapfel, Krems Donau. Liebe Hansl! Besten Dank für Deinen Brief und Deine Karten, sie kamen alle heute an. Daß es Euch gut geht, freut mich. Auch uns geht es gut (siehe Karte an Laura) Sonntag war der Notar bei mir und sagte, es wäre ihm lieb, wenn alle mir die Vollmacht geben würden, so daß er nur mit mir zu verhandeln hätte. Franzi hat Deine Unterschrift gefälscht, hoffentlich verzeihst Du ihrs. Sie hat auch Johanna Spängler geschrieben und wir haben es dann ausgebessert verehel. Holzapfel. Die Blumen sind gut angekommen und schmücken das Speisezimmer. Auch wir (die Tanten, Rupert [mein Vater] und ich) machten Sonntag einen schönen Spaziergang, nämlich Braunstorfer, gegen Sandl, Militärthingstätte, Ruhberg, von 3‘ bis ¼ 7‘. Sonntag vormittag war ein Gehilfe von Lösl da und machte die – Ringe auf. Rupert turnt jetzt fleißig, meist braucht er die Ringe aus Schaukel. Fast den ganzen Tag hängt er daran. Als größte Neuigkeit kann ich Dir mitteilen, daß Buschbek ein – Mädchen bekommen haben und zwar Montag (gestern) um 8 h früh. Die Wehen begannen aber schon Sonntag Samstag um 11 h. An diesem Abend waren Franzi u. Ida dort bis ½ 11 h. In der Nacht ging das Wasser ab und erst um 5 h früh holten sie die weise Frau. Arzt war überhaupt keiner dabei. War das nicht doch ein bißchen leichtsinnig? Die Kleine wog bei der Geburt fast 4 kg und ist frisch und munter, auch die Mutter. Berta läßt Dich bitten, Du möchtest ihr in Wien einen Busenhalter besorgen, wie Du einen hast von der Thelesia. Die beiden Tanten und Rupertl machten schon Besuch dort, Rupert ist sehr stolz, daß er „Onkel“ ist [keine Verwandtschaft]. Auch ich werde diese Tage hingehen, da mich Berta eingeladen hat. Vor einigen Tagen h kam wieder eine Dose Honig. Morgen oder übermorgen wäscht Resi die kl. Sachen. Sie ist wirklich sehr brav und fleißig. Heute hat sie die Fenster geputzt. Rupert gab ihr den Gürtel. Hat Walti seinen Geburtstag gut zugebracht? Unsere Karte blieb wieder einen Tag liegen, daher die Verspätung. Otto [Spängler, der Bruder von Hansimutti] war von Samstag abends bis heute früh da. Schreibe vielleicht der Berta, sie hat sich bei Ida erkundigt, ob Du es schon weißt. Da Du keine passende Hose erhalten hast, ist es vielleicht besser keine zu kaufen, eine gestreife dürfte doch nicht gut passen. Nun aber weiß ich nichts mehr, es ist auch schon 10 h abends, die Tanten schlafen schon. Lebe recht wohl und sei herzlich geküßt von Deinem Alten. / Walti viele Bussi. Rupert hatte große Freude über die Blumen, er war ganz gerührt. / Herzliche Grüße an die ganze Familie Hanakamp. Rupertl sendet Euch viele Busse. Auch die Tanten lassen Euch schön grüßen. Wenn sie nicht schon schliefen, würden sie das selber schreiben. / Krems, 5.März 1912.
Briefumschlag: Gesang- und Orchester-Verein in Krems a./d. D. „An wohlgeb. Herrn Rupert Holzapfel [Nr.8 RUPERT HOLZAPFEL, 1868-1940], Fachlehrer, Krems, Puchhaimbgasse 3“. Briefpapier mit gleichem Kopf ...(Gegründet 1850)...: Sehr geehrter Herr Fachlehrer! Ihrem Wunsche gemäß erlaubt sich die gefertigte Vereinsleitung Ihnen über die, aus dem Nachlasse des verstorbenen, langjährigen Vorstandes, des Herrn Dr.Franz Spängler in seiner Privatwohnung aufbewahrten, dem obigen Verein gehörigen Ehren- und Erinnerungsmedaillen und der Vereinsleitung zurückgegebenen Medaillen folgende Bestätigung zu übermitteln. Bei der, am 16.März 1912 stattgefundenen Ausschußsitzung wurden die, dem Verein gehörigen Ehren- und Erinnerungsmedaillen dem Herrn Alois Oberbauer, Privatier und Wirtschafter des Vereines, welche bisher unser unvergeßliche, langjährige Vorstand aufbewahrt hatte, von dessen Erben dem Vereine übergeben. Bis zum heutigen Tage besitzt der Verein folgende Ehren- bzw. Erinnerungsmedaillen: [Liste, hier im Einzelenen gekürzt:] silberne Schubertmedaille 1900; dito 1900; silberne Bundesmedaille 1900; Schubertmedaille 1888; Fahnenmedaillen 1871, 1890, 1892 und 1896; Große Erinnerungsmedaille Stuttgarter Sängerfest 1896; Sängerbundesfeste Graz 1902 und Breslau 1907; Kette Wiener Sängerbund. – Alle diese Medaillen wurden [...] Dies bestätigen: der Vorstand Anton Noggler [und drei andere Unterschriften]. – [betrifft Nr.18 Franz Spängler, gest. im Krems 24.1.1912; Brief 1917 dem VMA überlassen, vgl. „Gesangverein“ in der Lexikon-Datei meines „Liedverzeichnisses“]
1913
[Nr.8] RUPERT HOLZAPFEL (1868-1940) an [Nr.9] JOHANNA HOLZAPFEL, geb. Spängler (1882-1973) [Karte und Brief; Karte:] Frau Hansi Holzapfel dzt. Grado Küstenland [Dalmatien] postlagernd [mit Bleistift darüber „Antworten“ ?]: Sende Dir erst heute die Karte, weil ich keine Adresse wußte. Gestern war Otto [Spängler, Hansimuttis Bruder] hier. Also es geht Euch gut. Hast Du meinen Brief mit Elsas Einlage, die ich noch nach Salurn [?] sandte, erhalten? Laß wieder bald etwas hören! Uns geht es gut, vom Sonntg. an habe ich weniger zu tun. Das Geld hast Du erhalten? Gruß u. Kuß Dir u. den Kindern Rupert. 12.Juni 1913. / Lieber Hans! Ich muß Dir gehorsamst melden, daß Rupert eben furchtbar über die Schnur haut – oh könntest Du einen Blick in Dein Heim werfen – Dein Hausfrauenherz würde sich zusammenkrampfen – das reinste S--fgelage! 5 XXX Schnäpse, rein fließen – die ganze Schnapsabteilung wird geplündert, dann, höre und staune: Tante Marie hat uns alle verführt. Nur in mir glimmt noch ein Funken von Verantwortungsgefühl, dehalb schreib ich diese Karte. Die Andern mögen sie unterschreiben, zum Zeichen, daß ich die Wahrheit schrieb! IDA [PICHLER]. Tante Lürzer. [Maria Lürzer von Zehendthal, gest. in Salzburg 1922; bei Nr.37 liegt ein Brief von „Tante Maria v.Lürzer“ 1909 an „meine liebe Hansl;!...“, Hansimutti Johanna Holzapfel, und ebenfalls Postkarte, 1917; Brief übertragen, liegt in weiße Schachtel Nr.3 (Inhaltsverz. liegt oben) [Brief für Salzburgwiki.at „Spängler-Kobler-Briefe“ verwendet]. - Mit Handkuß Ihre Else. Franzi. Bis 12 h nachts wurde gespielt, ich habe 4 h gewonnen. Ich flüchte in die Ecke Rupert. 8.Juni
Liebe Hansi! 16.6.13. Nach dem Brief habe ich eine Karte abgesendet, die Ida [Pichler?] am Abend, als Tante Lürzer [Familie der Mutter von Hansi] da war, schrieb. Ich wollte sie nicht mehr nach Salurn [?] senden, da schon Sonntag war, und auch nach Grado wollte ich warten, bis ich von dir Nachricht hatte. Das Geld hast du hoffentlich erhalten. Nun sende ich Dir den Zwicker [?], den weißen langen Unterrock (hoffentlich ist er recht) das Holzpfifferl und einen Laib Brot. Laßt es Euch schmecken! Bei uns ist es jetzt seit einigen Tagen recht angenehm, in der Früh sogar kühl. (6-10o) Was sagte denn Dr Gipser? Heute ist der 1.Tag, an dem ich ausschnaufen kann. Meine Mäderl sind schon bei der Prüfung [er ist Lehrer an der Mädchenschule in Krems]. Nur 1, die die Ergänzungspr[üfung]. macht, habe ich noch morgen v. 5-6. Gestern war ich mit Franzi [Spängler; Hansis Schwester] auf dem Vogelberg, Ida [Pichler? Franzis Freundin] kam aus dem Loibner Graben entgegen. Es war sehr schön, die Luft rein und angenehm. Tante Lürzer hat sich bei uns köstlich unterhalten, sie wollte vom Kartenspielen (mit den Juden [?]) gar nicht aufhören. Ida war schon ganz verzweifelt. Am nächsten Tag sprach sie oft noch davon. Die Tanten waren übrigens Sonntag mit ihr in Rossatz u. ich kam über die Ferd.-Warte nach. Trotzdem war sie gar nicht müde u. spielte abends fleißig. Hast Du der Frau Notar u. Seif u. Kaufmann u. Wachtl schon Ansichtskarten gesendet? Frau Seif traf ich unlängst. Sie erkundigte sich sehr eingehend nach Euch. Ich muß jetzt bald hinaufgehen, meine Versicherung zu zahlen. Rupertl [mein Vater] könnte auch dem Hrn. Paterheten [?] u. dem Hrn. Lehrer eine Karte senden. Den Kindern habe ich alles, was Du mir in den Karten und Briefen Passendes geschrieben hast, in ihr Tagebuch geschrieben. Den Brief der Tante Emma lege ich bei. Elsa gab mir Anfang des Monates 84 K [Kronen] 80 K [Kreuzer] Restgeld, 60 h [Heller] f. zwei Bäder, das andere für Milch. Abends nimmt sie aber oft nur Butterbrot u. Milch, vom andern kostet sie nur. (Du weißt es ja) Hat sie nicht zuviel gezahlt? In Grado gibt es wohl nicht nur Faulheitsbazillen, sondern auch Bazillen, die das deutliche Schreiben erschweren. Nicht wahr? Ich bin nur sehr neugierig, wie es Euch dort anschlägt und wie Ihr dann ausseht. Springst du nicht schon auf? Das Faulenzen, die Sonne und die Einförmigkeit ist doch das beste Mittel dick zu werden. Wie geht es den Kindern? Husten sie noch? Deine Kremser Bekannten kenne ich aber nicht alle. Die 3 Herren wurden von uns allen bedenklich gefunden. 17.6.13. Gestern (Montag) fand ich an der Mauer gegen die Kirche eine W.[?] Es ist doch noch nicht ganz alles in Ordnung. Heute suchte ich fleißig, fand aber nichts. Das Paket schickte ich so spät, weil ich frisches Brot wollte, es aber erst jetzt bekam. Das Paket kann ich erst morgen (Mittwoch) aufgeben, da das Brot so spät kam. Rosl [Grill; Hansis Schwester] schrieb mir heute, daß sie Ende dieser Woche nach dem Attersee fährt. Dann wollte sie mit den Kindern 2 Tage nach Salzburg, dann ohne Kinder oder mit Heribert [Grill] nach München u. 6 od. 7.Juli nach Ardagger. Ich habe ihr nämlich erst vor einigen Tagen geschrieben u. unser Wärmkastl angeboten. Tante Lürzer hofft, Euch auf der Rückfahrt in Salzburg zu sehen. Jetzt weiß ich aber nichts mehr. Herzl. Grüße u. Küsse Euch allen, auch von den andern. Empfehl. an Frau Dir. Spocher [?]. Deine getreuer Rupert – Otto [Spängler, 1886-1919; Hansis Bruder in Salzburg] konnte ich die 6 K [Kronen] nicht geben, weil ich nichts davon wußte. Ich sende sie ihm im Juli mit den and. Zahl.
1915
1915, 12.9., Postkarte von (Nr.8) R. HOLZAPFEL, Krems/D. an Hansi Holzapfel, dzt. Buchenort / Post Unterach a. Attersee / Sonntag früh. Liebe Hansi! Also bin ich wieder in Krems. Die Fahrt war recht schön u. verlief ganz programmgemäß. Um 1/4 9 waren wir in Krems. Abends besuchte ich die Tanten. Toni sah ich noch nicht. Sie kommt mittags zum Essen, das sie von der Frau Kramer hat. Bei uns ist heute ein herrlicher Morgen, hoffentl. auch bei Euch. Vielleicht bekommst Du doch bis Winter Wolle. Recht herzliche Grüße u. viele Küsse Euch allen! Dein Rupert. - Buchenort: „Buchenort 25“ [Atterseestr. Nr.48] in Unterach am Attersee wird zum sommerlichen Treffpunkt der ganzen Fam. und vieler Freunde. Mitten zw. Unterach und dem Haus der Grills auf dem Kratzersberg 10 gelegen, ist es bereits Treffpunkt, „unser Haus“, bevor man das Haus tatsächlich erwirbt [wann?].
1915, 16.11., Ansichtskarte an Wohlgeb. Familie Holzapfel, Krems a/D. Ringstr.2, N.Ö. Viele Grüße und Küsse Euer Franzl [Nr.9 d FRANZ SPÄNGLER, 1883-1964] / Ich denke in 2 Tagen am Ziel zu sein. Bild: Lwów [Lviv] / Lemberg.
1919
1919, 7.9., Ansichtskarte „Schellenberg“, abgestempelt Berchtesgarden/ Bayern, an (Nr.4): Rupert Holzapfel, dzt. Maxglan b. Salzburg, Schlüsselbergweg 2. / Viele Bussi dir u. Walter v. Mutter! / Vater [Nr.8 RUPERT HOLZAPFEL] / Großvater [Spängler] / Tante Toni [Spängler]. – Vgl. Postkarte 12.9.1911: „Schliesselberger ist eine Salzburger Unternehmerfamilie“, auch in Salzburg-Maxglan ansässig. [Salzburgwiki.at].
1933
[Datierung „1933“ oben rechts von Tante Traudl] Nr.9: JOHANNA HOLZAPFEL, geb. Spängler (1882-1973), und [Nr.8] RUPERT HOLZAPFEL (1868-1940) an OTTO HOLZAPFEL (1920-1943): [...fehlt wohl ein erstes Blatt] Gestern war Frohnleichnam bei recht gutem Wetter. Die Beteiligung war sehr groß. Die Einteilung war anders als sonst. Der Zug ging Kirchengasse, Landstraße, Moserplatz, Gögelstraße, Garlandg. [?], Ringstraße [Krems], Süd-Tirolerplatz, Steinertor, Schmidtgasse, Körnermarkt, Theaterplatz Schlüsselamtsgasse. Altäre standen: Moserplatz, Karlschule, Südtirolerplatz und Körnermarkt. Es war sehr schön und viel Platz zur Entfaltung. In Seckau war jedenfalls auch Prozession; seid Ihr mitgegangen? [Otto, 13 Jahre alt, ist dort im Internat] Die Buben von der Kongregation waren unter Peyerls [?] Führung weiter in weißen Hemden mit den blauen Kravatten. Habt Ihr sie auch getragen? Bist du in S. bei der Kongre.? Beiliegend sende ich dir das botanische Besteck; für die Rasierklingen mußt du dir wieder einen Halter machen. – Rekserln [?] findest du auch in der Schachtel und einige Zuckerln; sie sind noch aus der Kassette, die Vater damals anläßlich seiner Auszeichnung [Goldenes Verdienstzeichen der Republik Österreich, April 1933] erhalten hat; du siehst, wie sparsam wir sind. Vielleicht machen sie dir eine kleine Freude. – Hoffentlich bist du durch meinen langen Brief für das lange Warten entschädigt. Schreibe mir recht bald; wenn du alle meine Fragen beantwortest, so wird es ein ganz langer Brief. – Sage den Hw. Herrn beste Empfehlungen und Grüße von mir; besonders Pater Rektor u P. Pius. Nun, lieber Otto, sei dem Schutze Gottes empfohlen und sei recht herzlich gegrüßt u geküßt von deiner Hansimutti.
Lieber Otto! Mutter hat Dir soviel geschrieben, daß ich mich kurz fassen kann. In Lilienfeld war es sehr schön. Der Hw. Abt des Stiftes führte uns persönlich, so daß wir alles Sehenswerte sahen. Die Führung dauerte fast 3 Stunden. Ich kam erst um ½ 10 h abends heim. Hat dir Rupert [der älteste Bruder, mein Vater] geschrieben? Er sagte nämlich, er werde Dir selber auch schreiben. Auch Walter [der andere, ältere Bruder] wird Deinen Brief bald beantworten. Hoffentlich fühlst du dich schon wohler und ist Dein Kopfweh gut. Wir haben jetzt warmes Wetter. Mir geht es ziemlich gut. Wann ich an den Attersee fahre, weiß ich noch nicht. Jedenfalls aber werde ich trachten, so bald als möglich abzudampfen. Nun sei recht brav und fleißig! Daß das Lernen jetzt etwas schwerer geht, ist begreiflich. Du mußt Dich erst wieder daran gewöhnen, aber es wird schon gehen, wenn du den guten Willen dazu hast. Richte wieder Empfehlungen an die Hw. Herren aus. Viele Bussi sendet Dir Vater. 2 Krankenkassenzettel liegen bei, hoffentlich brauchst du sie nicht.
1934
Postkarte [Nr.8] RUPERT HOLZAPFEL (1868-1940) an [Nr.9] JOHANNA HOLZAPFEL, geb. Spängler (1882-1973): Frau Hansi Holzapfel, Ring 43 / Krems/Donau N-Ö [Bleistift:] Liebe Hansi! Unsere Briefe und Karten kreuzen, meinen Brief hast Du wohl schon. Ich habe heute 200 S [Schilling] durch Postsparkasse gesendet. Das Wetter ist noch immer unbeständig, gestern früh 8o C, aber es regnete nicht mehr. Heute etwas wärmer (früh 12o C), grau trüb, doch dürfte es schöner werden. Mir geht es gut, ich gehe täglich spazieren. Recht herzl. Grüße Euch allen! Rupert [Abs.:] Holzapfel, Hochzirl, Tirol / 14.6.34 vorm.
1936
1936, 16.2. [Poststempel Garmisch-Partenkirchen] Ansichtskarte an: Fam. Schulrat (Nr.8) Rupert Holzapfel, Krems a.D. Ring 43 Österreich: Harmisch-Partenkirchen 16.2.36. So etwas erlebt ein Mensch nur einmal. Es waren ca. 250.000 Menschen hier. Hoff auf die Österreicher, herzlichst Euer Rudi [wohl Widerhofer] / SchXXX. Bildseite „Olympia-Sprungschanze […]“
1937
JOHANNA HOLZAPFEL (Nr.9; 1882-1973), „Hansimutti“, schreibt von einem Besuch beim Sohn Rupert [mein Vater] in Lindenberg [Beeskow] nach Hause an ihren Mann RUPERT HOLZAPFEL [Briefe liegen bei Fam.-Briefe A]: „Lieber Rupert! Meine letzte Erzählung reichte nur bis zur Ankunft in Lindenberg. Das war um 1 h nachts und wir waren beide so müde, daß wir beinahe Lindenberg verschlafen hätten. 10 Minuten von der Bahn liegt die Wohnung. Trotz Müdigkeit und NachtXX sah ich, daß es für mich hier Arbeit genug gibt, nur größere Möbelstücke standen wohl an ihren Plätzen, aber XXX gab es eine Fülle von Koffern, Kisten, etc. 2 große Haufen von kl. Gegenständen, alle in Papier gut eingewickelt, lagen da und Rupert erklärte sie mir als Porzellan u Glasgegenstände. Am Morgen schon kam das Mädchen, das Rupert schon aufgenommen hatte. Wir machten uns zuerst daran, diese gebrechlichen Gegenstände in Sicherheit zu bringen. Nun und dann gings weiter mit Auspacken und Einräumen und Putzen u Ordnung machen u so weiter die ganze Woche hindurch. Mitlerweile kamen auch die Teppiche, die Rup. mitgebracht hatte, aus der Putzerei. Und so haben wir die Wohnung so im Gröbsten jetzt fertig. Das Mädchen, das zur Hilfe für Else aufgenommen ist, ist sehr nett, intelligent u. macht einen sehr guten Eindruck. Ich bin für Else darüber sehr froh, denn es wird für sie gar nicht leicht sein, sich hier einzuleben. Lindenberg ist ein ganz kleines Dorf aus wenigen Häusern bestehend. ‚Hervorragend‘ sind nur die 5 je 100 m hohen Funktürme, die mich immer zum Besteigen reizen, doch geht es leider nicht, denn man müsste die 100 m auf eisernen Leitern erklettern. Außer den Funktürmen gibt es noch ein paar Häuser die zum Observatorium gehören. In einer Entfernung von Lindenberg von etwa 10 Min. liegt Herzberg, wo es sogar einen Kaufmann, einen Fleischer und eine Kirche gibt. Dorthin gehen wir, die täglichen kl. Besorgungen zu machen. Etwa 10 Km entfernt liegt Beeskow, ein Stadl mit 6000 Einwohnern, das ist die ‚Großstadt‘ wo man sich das meiste besorgt. Es ist mit der Bahn in ca ½ St. zu erreichen. Ich war schon 2 mal dort einkaufen; das geht mit der Bahn recht gut, so daß man 1 ½ - 2 Stunden Zeit dort hat. Berlin ist 60 Km entfernt. Ruperts Wohnung ist recht lieb; viel Licht, Luft u Sonne 3 Zimmer, 2 Kabinette, Küche u. Speise, Vorzimmer, Badezimmer, Glasveranda. Hochparterre. Es ist alles hell tapeziert, die Küche u Bad mit weißer Ölfarbe gestrichen. Gestern ist aus Berlin ein Gitterbett u Badewanne für Bambi [Christian] angekommen und morgen soll ein elektischer Herd kommen. Ein Warmwasserspeicher, der durch Nachtstrom geheizt wird, ist schon da. Morgen muß noch der Herd u Wasserspeicher montiert werden, dann sind die Handwerker fertig. Ich werde am Dienstag nach Hamburg fahren, einen Tag dort bleiben und am Mittwoch abends in Haderslev [bei den Eltern der Schwiegertochter Else geb. Lundbye] ankommen. Rupert meint, daß wir am 20.Okt. von Dänemark zurückkommen werden. Den nächsten Brief, bitte, schreibe mir nach Haderslev. Unsere Tageseinteilung ist: Aufstehen um ½ 7 h. Rupert geht ½ 8 h ins Obs[ervatorium]. Dort wird gearbeitet und um ¾ 9 Uhr kommen die Junggesellen zu einer Arbeiterfrau zum Frühstück; dort gehen wir jetzt auch hin. Was Otto [mein Onkel; war zur Ausbildung in Berlin] über die Arbeiter im Werk schrieb, bestätigt sich auch da wieder. Nett, intelleg[ent]. und Lebenshaltung wie unser besserer Mittelstand. Zu dieser Frau gehen wir auch meistens zum Abendessen. Mittags essen wir gewöhnlich zu Hause, weil wir die Zeit gewinnen u ich mit Rupert zusammen verschied[enes]. machen kann. Tee, Butterbrot, Wurst, Obst. Rupert ist vormittags u nachmittags im Obs. und kommt hier und da auf einen kurzen Besuch zu mir herüber. – Über uns wohnt Dr Kopp, bei dem waren wir am Freitag zum Abend eingeladen. Du, Traudl ich habe mir schon 2 x den Klips [?] gesteck[t] ganz ohne Ruperts Hilfe und zu Ruperts Zufriedenheit. Die Richtigkeit wird bestätigt!!! R [Schrift meines Vaters] Kannst es auch Hilde sagen! -!- Die Landschaft hier ist ziemlich eben. Doch immer wieder kl. Hügel rd. Höhe 20-30 m. Große Felder, unterbrochen durch kl. Waldbestände- Kiefern u Lärchen. Es ist durchaus nicht fad, wie man dachte, sondern wirklich lieblich und manchmal gibt es recht schöne BeXXingen. Das Wetter ist na, so-so, morgens meist neblig bis gegen 11 h, dann kommt die Sonne. Am Abend um 6 h ist es schon finster. Ein paarmal hat’s auch schon geregnet, aber das dauert nie länger. Na und wie geht es Euch? Hoffentlich geht alles in Ordnung. Ich bin froh, daß es der Traudl [sie ist 20 Jahre alt] mit dem Einkaufen gut geht, ich hab es gar nicht anders erwartet. Habt Ihr im Garten schon etwas gemacht? Hilft die Hildi dabei? Kann Hildi draußen [demnach ist der Brief nach Unterach geschrieben worden] bleiben, wenn O[swald Grill]. u R[osl; Hansimuttis Schwester]. wegfahren [nach Wien; im Sommer sind sie ebenfalls am Attersee]? Bitte, Vater, schreibe an d. Volkspresse eine Karte. Man soll an Erna Adensamer, Adresse bei Grill zu erfragen) Probeblätter v. d. Volkspresse schicken. Ich hab ihr versprochen und habe darauf vergessen. Ferner zahle für Okt.-Dez die Volkspresse für Rupert; man soll sie ihm hierher schicken. – Was gibt es bei uns Neues. Ist Walter [der Bruder von Rupert und Traudl] eigentlich in Krems od. in Wien? – An meinem gestrickten Jankerl habe ich noch gar nichts gearbeitet, ich hatte nicht Zeit dazu. Wegen Ilse [? nicht Else] habe ich schon am vorigen Sonntag mit Krebs [?] gesprochen. Es wird ganz leicht sein, unterzukommen. Ich werde, wenn ich wieder zu Krebs [?] komme, die Anschrift des Blattes erfahren, wohin sich Ilse wenden soll. – Um was soll ich mich für Dich erkundigen? Hat Traudl schon an Emmerl W. geschrieben? Und was hat sie erfahren? Habt ihr vom Otto [17 Jahre alt] u Christl [könnte sein Christl Avanzo, zu Nr. 9 e, sein] schon etwas erfahren od. gesehen? Nun muß ich schließen, den Rup. geht noch mit den Briefen an Euch u. von Else zur Post. Es ist schon 10 h abends. Ich freue mich, bald wieder von Euch Nachricht zu erhalten. Rupert läßt Euch und alle anderen herzlich grüßen. Ich grüße Euch beide etc. etc. recht herzlich. Alles Liebe Eure Hansimutti. / Lindenberg 10.10.37.
1937, 18.10., Ansichtskarte „Lillebæltsbroen“ [1935 eingeweiht] an (Nr.8) Herrn Schulrat Rupert Holzapfel, Buchenort 25, Unterach am Attersee, Ob. Österreich von (Nr.9) HANSI [Johanna] HOLZAPFEL: Meine Lieben! Heute haben wir wieder eine schöne Autofahrt gemacht. Ich habe schon so viel Schönes gesehen. Es kommt mir immer wie im Märchen vor. Am 21 fahre ich mit Else [und] Bubi [Nr.2 a Christian] nach Lindenberg. Hoffentlich geht es Euch gut. Seid recht herzlich gegrüßt Hansimutti. 18.X.37. Viele Grüsse Emma Lundbye.
Meine Lieben daheim! Sonntag früh [ohne Datum, 24.10.1937]
Nun sind wir Donnerstag abends (21.) wohlbehalten in Lindenberg angekommen. Es war viel für Bambi, denn wir fuhren in Haderslev um 9 h früh mit dem Auto weg und kamen erst gegen 9 h in Lindenberg an, waren also fast 12 Std. unterwegs. Bambi war sehr brav und hat auch den Wechsel von Hadersleben nach hier sehr gut vertragen. Hamburg Berlin ging es mit dem FD-Zug ohne Aufenthalt. In Berlin holte uns Rupert ab, da ging es noch mit der Bahn nach Fürstenwalde und von da mit seinem Auto ½ stündige Fahrt nach L. Rupert hatte die ganze Wohnung geputzt u alles mit Blumen geschmückt. Else hat große Freude mit der Wohnung nur kam sie sich in den ersten Tagen als Gast in ihrem eigenen Heim vor. Noch gibt es viel zu ordnen, einzuräumen etc. Vorhänge müssen wir erst nähen etc. Bis jetzt haben wir noch von Tee u. Wurst gelebt und das Mädchen mittags heimgeschickt. Von Montag an wollen wir regelrechten Haushalt beginnen. Rupert erhält die Volkspresse richtig und hat große Freude damit. – Euren Brief erhielt ich hier und freue mich, daß alles so gut geht daheim. Besonders freuen mich Traudls Erfolge in Haus u Küche; das ist sehr gut für Traudl; auf diese Weise lernt sie am meisten. Ich freue mich auch, daß Ihr manche Wanderungen miteinander machen könnt. Solange das Wetter gut ist, tut ihr gut, am Attersee zu bleiben. – Montag früh. Wir haben hier noch schöne Tage u Bambi kann stundenlang im Garten stehen. Gestern machten wir einen „Familien-Spaziergang“ in der Umgebung des Obervatoriums. Die Gegend ist recht hübsch hier, viel schöner als ich es erwartet hätte. Über mein Heimkommen kann ich noch nichts sagen, ich denke, ich werde noch ca 1 Woche hier bleiben, möchte mich auf der Heimfahrt in Nürnberg u. München aufhalten. Es werden wohl die ersten Novembertage werden. Von Walter u Otto erhielt ich einen Brief, den sie gemeinsam in Hütteldorf geschrieben haben. Otto scheint heuer das Internat besser zu gefallen als im Vorjahr, worüber ich sehr froh bin. Jetzt weiß ich nichts mehr zu berichten, das heißt, es gäbe so viel zu erzählen daß ich gar nicht fertig werden kann. Das hebe ich mir aber für mündl. Bericht auf. Noch eines: Hat Vater wegen meiner Anmeldung zu V.F. etwas veranlaßt? Ich kann die Verhältnisse nicht beschreiben von hier aus, aber vielleicht wäre es doch gut, wenn Vater an den VF schriebe, daß ich verreist bin nach „Dänemark“ zu meiner Schwiegertochter u meinem Enkel, daher ich mich nicht selbst anmelden kann und er es für mich besorgt. Wenn er es nicht tut macht es mir nichts. Es wäre vielleicht nur ein Akt der Klugheit im Interesse der Kinder, besonders Otto. Was meint Walter dazu? Ich schreibe jetzt einen Brief an Walter und werde ihm auch darüber schreiben, was er meint. Nun wirklich Schluß! Seid recht herzlich gegrüßt von Eurer Hansimutti. Von Rupert, Else u Bambi viele herzl. Grüße. – Else hat in ihrem Koffer in Buchenort einen Malkasten, den sie gerne hier hätte. Traudl, sei so lieb, nimm den Malkasten, fülle den leeren Raum mit Holzwolle aus, wickle den Malkasten in Wellenkarton und in ein festes Packpapier und schick ihn hierher. Du wirst eine Zolldeklaration ausfüllen müssen, da schreibst du nur „gebrauchter Malkasten“.
1938
an FRANZISKA SPÄNGLER (1877-1962): ROSL GRILL (Nr.9 c) schreibt 1938 an ihre Schwester „Franzi Spängler, Musikpädagogin, Krems/Donau, Adolf Hitlerstr.43“ u.a. sie waren auf Besuch bei „Halle“, und der Sohn Heribert [1945 gefallen] war auch mit; „ich bin mit ihm auf der Maschine [Motorrad] heim – Oswald mit Hund auf d. Elektrischen. Und du warst lange bei Christl [Dafert ?] u kamst spät nach Krems?“
1938, 5.9., Ansichtskarte „Reichsparteitag Nürnberg 5.-12.9.“ 1938 an Frl. Franzi Spängler, Musik Pädagogin, Krems a/Donau, Nieder-Donau: Besten Dank für Olympiabuch und alles. Bin wunschlos glücklich und vollens begeistert / Heil Hitler / Franzl [Nr.9 d FRANZ SPÄNGLER, 1883-1964]
außerhalb des Briefwechsels: Kleinbilder und ähnl. = marmorierter Pappdeckel, Notizbuch ohne Inhalt mit Totenbildchen (Partezettel) u.ä.: Bildchen mit Kelch usw. Fleisch/Blut/ Abendmahl, Luzern o.J.; Andenken an erste Beichte für Franziska Spengler [Spängler], 1858; Heil des Kreuzes, Innsbruck o.J.. - Partezettel mehrere jeweils für Antonia Spängler, 1803-1882, und Franziska Kobler, 1796-1886. - Umschlag mit Visitenkarte „Fanni Schlegel“ mit zwei getrockneten Blättern: handschriftlich „Weinlaub Zellerhügel 13/9 Nachm.“ [da hat er um die Hand angehalten; vgl. Jahr der Verlobung 1871] und „Eichenblatt Maria Plain 13/9 1871 Vorm.“/ „Ich stelle hiemit den vergeßnen Hut zu, und wünsche recht gute Nacht. Morgen auf Wiedersehen in der Franziskanerkirche zur 8 Uhr Messe.“ – Bildchen Serie Nr.1-15 „Geheimiß[e] der allerseligsten Jungfrau [Maria]“ Einsiedeln o.J. – Bildchen Serie ohne Nr. [1-9] Kindheit Jesu, pflegt den Garten, der durch die Sünde des ungetreuen Herzens verwildert ist. – Spielkarte XX „Begegnung des Kaisers mit Sobieski“. – Vater unser. – kindliches Vertrauen, Wien o.J. – Maria Carmel, St.Peter Salzburg, „Franziska Schlögl [Schlegel]... Salzburg 1862“ – Eisenbahn zum Himmel, Innsbruck o.J. – latein. Beleg für Beichte in der griech. Kathedrale, 1859. – 2 Partezettel für Genovefa Stainringer, 1813-Salzburg 1884 [nicht Familie]. – Umschlag mit Faltbild „Rose von Teplitz“ und kleines „Dirndl“, o.J. – Gnadenbild zu Riffian [Südtirol], o.J. – Partezettel für „Marie Gattermayer“ 22 Jahre alt, 30.Okt.1871 [Freundin der Fanni Spängler]; für Anna von Reichel, geb. Gschnitzer, 84 Jahre alt, o.J. [Dezember 1871]; für Carl Baurnfeind, 23 Jahre alt 1860, Hotel in Salzburg; für Josefa Baurnfeind, 72 Jahre alt, 1878. – Maria Erdkreis, Regenburg o.J. – „Herzliche Glückwünsche“ [handschriftlich:] von deiner Mitschülerin Hermine Hille F.Cl.Bürg.Sch. [Bürgerschule Krems]. – Hl.Pazifikus, Innsbruck o.J. – Partezettel für Alois Spängler, 1800-1875; für Cäcilia Laschenzky, 84 Jahre alt Salzburg 1877 [die Familie Laschensky gehörte zu den angesehenen Familien der Stadt Salzburg. In dem Geburts- und Taufschein von Zäzilia Amalia Kobler, geboren 1821, erscheint als Pate: „Cäcilia Laschensky, bürgl. Baumeistersgattin“]; für Katharina Schlögelhofer, geb. Miller, Salzburg 1805-1875; für Marie Lürzer von Zehendthal, geb. Spängler, 61 Jahre alt, gestorben 15.11.1880 [nicht direkte Familie]; für Alois Duregger, 77 Jahre alt 17.2.1876 [Familie Otto Spängler, Bank-Linie]; für Antonia Spängler, geb. von Lürzer, 1803-1882 [Mutter von Franz Spängler]; für Theresia Mayer, 1806-1878; für Marie Zeller, geb. Bolland, Salzburg 1812-1873 [Freunde der Spängler-Familie]; für Anna Abpacher, 1839-1869 Salzburg [nicht Familie]; für Georg Schnellinger, 57 Jahre alt 1893 [nicht Familie]; für Rechtsanwalt Dr.Franz Leithner, 79 Jahre alt 1907 [nicht Familie]; für Therese Rappel, 74 Jahre alt 1910 [nicht Familie]; 4 versch. für Betti Katzinger, 56 Jahre alt 1881 [Cousine der Fanny Kobler]; bunt für Maria Rosalia Preisinger, Ursulinen-Oberin Salzburg, 47 Jahre alt 1860; für Franziska Spängler 1906 [nicht direkte Familie]. – Maria Lourdes. – Hl.Seraphin. – Hl.Paulus. – Schutzengelbrief Herz Jesu, Donauwörth o.J. – Beichtzettel Krems 1889. – Maria Plain, o.J. - Maria Plain, „Franzi“. – „Die treuesten freunde Jesu’s“, Paris o.J. handschriftlich „Franz Albert Erzbischof / Franzi“ – „Gartenlaube“ – Maria ohne Makel, St.Peter Salzburg. – handschriftlich Geheimniß des hl. Rosenkranzes... – Heiligtes Herz/ Süßes Herz, „Von Herrn Dechant Philipp Mahler in Pottenstein 6 Sept. 1881“ [Wohnort der Spängler-Krems] – Mariae Himmelfahrt, Nürnberg o.J. handschriftlich: Salzburg 1844. – Jesuiten-Mission Salzburg 1862. – versch. Bildchen mit Papierspitzen: Nürnberg, Stuttgart (Maria Plain), Messopfer neugeweihter Priester Salzburg 1863, Jésus, Maria Kirchenthal, Paris, Innsbruck, Maria Plain. – Maria Zell. - - Einzelner grau marmorierter Pappdeckel, vorderer Buchdeckel mit erste Seiten, Stempel „Katholischer Gesellenverein Krems“ und Titelblatt „Neue Bibliothek... Band 12, Die Prinzessin von Wolfenbüttel von Heinr. Zschokke, Leipzig 1807, und Frontispiz mit Abb. u.a. eines napoleon. Soldaten und Bibliotheksstempeln, zuletzt 1941 [!]: [liegt dabei] Hl.Wenzel, König Ludwig von Ungarn... {herausgetrennt aus einem Buch]. – bunt Johannes der Täufer. – Hl.Familie, Regensburg o.J. – Engel und Schutzherr / Christus und Johanes, Regensburg o.J. „Pina Feistenberger“ [nicht Familie]. – bunt, handgemalt, Offizier. – Hl.Kindheit... Franz Spängler, Salzburg 1852 und 1859. – Friede sei mich euch, München o.J. „...Zum Andenken von deiner dich herzlichen liebenden Mutter Sp. {Spängler?]. – Ein guter Baum... – Magdalena – Andechs – Umschlag mit drei Edelweiß – Umschlag Franziska Spengler [Spängler] mit Papierspitzenbildchen – Jungfräulicher Bund... St.Peter Salzburg, „Franziska Schlögl [Schlegel] 1862“.
Mehrfach-Anmerkungen:
- Angermayer, vgl. Brief vom 14.2.1872: Maria Josepha Spängler (1832-1896) ist verh. mit Vinc. Angermayer (1815-1886), zuletzt Landesgerichtsrat in Wien. – Im Internet (2007) eine Angermayer & Co. GmbH. in Salzburg mit u.a. Agrarprodukten, Düngemitteln, Futtermitteln, Getreide, Hundefutter, Landesprodukte Salzburg und Vogelfutter. – Salzburgwiki.at = Angermayer von Rebenberg.
Bolland, siehe: Zeller
Duregger, siehe: Spängler-Bank
Maria Antonia (Antonia) Lürzer von Zehendthal, geb. 1803, aus Hall in Tirol, heiratet am 14.11.1826 Franz Xaver Gregor Spängler, geb. 1793, der als Spediteur bei „Math.#Gschnitzer“ in Salzburg arbeitet (im Brief vom 7.4.1826 „Scheztnerische Handlung“?). Im Trauungsregister von 1826 steht „Spediteur bei der Schastznerl. Handlung“. Die Familie Gschnitzer gehört zu den angesehenen Handelsfamilien in Salzburg; von 1847 bis 1850 ist Matthias Gschnitzer Bürgermeister (vgl. Dopsch, 1996, S. 641), von 1854 bis 1861 dann Alois Spängler. Die Briefschreiberin ist die Schwiegermutter von Franz Xaver Spängler [Nr.36], d.h. die Großmutter von Franz Spängler [Nr.18], geb. 1839. Eine „Gschnizer Clara“ taucht auch im Tagebuch des Franz Spängler 1861 auf. - Es liegt ein Partezettel vor für Anna von Reichel, geb. Gschnitzer, 84 Jahre alt, o.J. – Im Internet (2007) eine Firmengruppe Gschnitzer, bis 1975 in Salzburg, mit u.a. Kindermöbelproduktion, Konsumgüter Bekleidung und Raumausstattung insbesondere für Kinder, Spiel- und Sportartikel. Mathias Gschnitzer (Salzburg 1808-1884 Salzburg) war österreichischer Reichstagsabgeordneter, Bürgermeister der Stadt Salzburg und Mitbegründer der Internationalen Stiftung Mozarteum (Wikipedia). – Salzburgwiki.at = Gschnitzer / Mathias Gschnitzer, 1808-1884. – Petersfriedhof, Gschnitzer-Familiengrab, eigene Fotos 2014:
- Guttenberg: nach Visitenkarten „Emil Ritter von Guttenberg k.k.Rittmeister“ und „Minna von Guttenberg née de Launsperg“. Nach einem undatierten Foto sind Fanni Schlegel/Spängler und Lida Guttenberg, geb. Plachetka, die Schwiegertochter, enge Freundinnen; sie ist auch genannt in mehreren Briefen außer dem von 1860. - [1871] ohne nähere Zuordnung bei der Korrespondenz Visitenkarten von u.a. „Emil Ritter von Guttenberg k.k.Rittmeister“ (handschriftlich: Meine herzlichste Gratulation zur Verlobung! Dein getreuer Vetter“) und „Minna von Guttenberg née de Launsperg“ (Herzlichen Glückwunsch! durch Abwesenheit verspätet). - Mama #Plachetka: Von der Familie Plachetka ist in den Briefen und im Tagebuch des Franz Spängler von 1860/61 öfters die Rede; die Schwester der Marie Plachetka, Lida [Guttenberg], ist auch eine gute Freundin von Fanni Schlegel, verh. Spängler. – Im Internet (2007): Gerda Guttenberg, geb. in Salzburg, ist Pianistin und seit 1986 Musikpädagogin am Mozarteum in Salzburg. – Mit dem Namen Plachetka gibt es u.a. ein Hotel und eine Steuerbearterfirma in Salzburg. – Bei den Stammbuchblättern für Nr.18 Franz Spängler = Josefine v. Guttenberg, Wien 1859, und die „Cousine“ Marie Guttenberg. - Bei den Stammbuchblättern für Nr.18 Franz Spängler = Muhme [Tante] Fanni Plachetka (Wien 1860, gest. 29.8.1865), Muhme [Tante] Ludmilla Plachetka (Wien 1865). – Vgl. Salzburgwiki.at = Adolf Ritter von Guttenberg (Hofrat).
Die Familie #Harrer gehört zu den großen Familien in Salzburg (vgl. Dopsch, 1996, S. 492, 641); Ignaz Harrer ist Bürgermeister der Stadt 1872-1875.
Adressiert ist ein Brief von 1827 mit „abzugeben beim Höllbräuer“ an Franziska (Fanny) Kobler [Nr.79], geb. 1796 in Salzburg (gest. dort 1886 als „vormals Besitzerin des Höllbräuhauses“). Das Gasthaus „Zur Hölle“ (heute „Altstadthotel Radisson“) in der Judengasse 15 (1844 noch „Judengassen No 67“) steht auf dem Platz der alten Synagoge, die nach dem Progrom von 1404 verlassen werden musste (vgl. Dopsch, 1996, S. 161, 189 f., 243; oder bereits 1349, vgl. S. 177). Die „Höllbräuin“ Fanny Kobler ist auch die Schreiberin vieler weiterer Briefe in dieser Sammlung an ihre Enkelin Fanni Spängler. – Salzburgwiki.at = Franziska Kobler.
- Langer: Familie der Frau von Julius Spängler (1837-1903), verh. mit Bertha Langer. Julius (Wien) ist ein Cousin von Franz Spängler und Studienkamerad aus Graz. - Vgl. zum Brief vom 16.8.1885: „Ludwig und Julius Spängler“: jüngere Cousins. Ludwig, geb. 1828, ist verh. Muffat (in Wien); Julius, geb. 1837, ist verh. Langer. Von „Julius“ ist im Tagebuch des Franz Spängler von 1860/61 immer wieder die Rede; er studiert zusammen mit ihm in Graz, und dem Tagebuch nach waren sie ‘unzertrennlich’. – Salzburgwiki.at = Spängler.
Die Familie #Laschensky gehört zu den angesehenen Familien der Stadt Salzburg (vgl. Dopsch, 1996, S. 363). In dem Geburts- und Taufschein [Abschrift von 1939] von Zäzilia Amalia Kobler, geboren am 14.Mai 1821 in Salzburg, ist als Mutter eingetragen: „Franziska Kobler, des Franz Seraph. Kobler, Bierbrauers und der Franziska Hofmann, dessen Gattin, eheliche Tochter“. Als Pate erscheint: „Cäcilia Laschensky, bürgl. Baumeistersgattin“. Vgl. Partezettel für Cäcilia Laschensky, 84 Jahre alt, Salzburg 1877. - Mehrfach in den Briefen 1821 und 1872. – Im Internet (2007): in der Nähe von Salzburg gibt es das Hotel „Laschenskyhof“. – Salzburgwiki.at = Laschensky.
- Lorinser: In dem Fotoalbum, das Fanni Spängler kurz vor der Hochzeit 1872 von einer Freundin bekommt, ist u.a. ein „Dr. Friedrich Lorinser“ (1866) abgebildet, der Vater einer Freundin, Minna Lorinser, aus der Salzburger Schulzeit. – Im Internet (2007): unter dem Namen Lorinser und Salzburg u.a. ein Autohandel, eine Pädagogin und einen Botaniker.
- Lürzer: Bei den Stammbuchblättern für Nr.18 Franz Spängler = Anetta de Lürzer, Vetter Ernst Lürzer, Onkel Franz von Lürzer (Salzburg 1858), Großmutter Lürzer gest. 7.8.1853, Tante Marie von Lürzer, Otto von Lürzer. – Salzburgwiki.at = Lürzer von Zechenthal
- Mertens, zum Brief vom 27.9.1871 vgl. „gesammelte Todesanzeigen“ von u.a. Anna Edle von Mertens, geb. Steinbauer, Wien (1819-1906), Tochter: Anna Aigner. - Heinrich Ritter von Mertens ist kaiserl. Rat und Bürgermeister von Salzburg (1810-1872), Schwiegertochter: Camilla. Vgl. Brief vom 16.7.1876 mit Verweis auf ein undatiertes Foto von Fanni Schlegel (in Tracht mit Fächer) und Camilla Mertens (Goldhaube, weißes Kleid) vor Alpen-Kulisse beim Fotografen; dito mit zwei anderen; zum Schwiegervater Mertens vgl. auch Brief vom 27.9.1871. – Im Internet (2007), Wikipedia: Heinrich Ritter von Mertens (*28.4.1811 in Wien; †26.10.1872 in Salzburg) war von 1861 bis 1872 Bürgermeister der Stadt Salzburg; in seine Amtszeit fielen die Eröffnung der Salzburger Eisenbahnlinien und die kaiserliche Schenkung des Mirabellschlosses sowie der Festungsgründe an die Stadt Salzburg, die dadurch und auch wegen der Zusammenkünfte Kaiser Franz Josefs mit Napoléon III. und Wilhelm I. zu dieser Zeit einen großen Aufschwung erlebte. Nach ihm benannt ist die Mertensstraße in der Elisabeth-Vorstadt. Nach seinem Ableben fand er seine letzte Ruhestätte im Friedhof St.Peter. – vgl. Salzburgwiki.at = Heinrich Ritter von Mertens.
Mozartplatz 4, siehe: Spängler-Bank
Plachetka, siehe: Guttenberg
- Sauter (Innsbruck), vgl. Brief vom 1.12.1870: Andreas Sauter (1802-1872), Forstdirektor, verh. mit Josefine Lürzer von Zehendthal [Josephine v.Lürzer] (1800-1872) [Partezettel 1872]; vgl. in Wien den „Vetter“ Ludwig Sauter. Siehe auch Brief vom 2.10.1870: „Kobsa/Sauter“: Marie Steiner, geb. Kobsa, Ehefrau von Friedrich Steiner (1849-1901, Prag); offenbar gute Bekannte, vgl. „gesammelte Todesanzeigen“ von u.a. Philomena Bamberger, geb. Sauter, Wien (1836-1897), aus Innsbruck. - Anna Payr, geb. Sauter ( -1908) [u.a. Bruder: Eduard von Sauter, k.k.Vizepräsident] in Lans/Innsbruck. - Karl Payr, Univ.-Prof. Innsbruck (1835-1907) [Ehefrau: Anna Payr, geb. Sauter]. - Eduard Sauter Edler von Riedenegg, k.k.Vizepräsident [Finanzverwaltung] (1839-1910), Innsbruck. - Friedrich Steiner (1849-1901), Prag [Schwester: Tochter Payr]. - Vgl. Andreas Sauter (1802-1872), Forstdirektor, verh. mit Josefine Lürzer von Zehendthal [Josephine v.Lürzer] (1800-1872) [Partezettel 1872]. - Bei den Stammbuchblättern für Nr.18 Franz Spängler = Cousine Ludmilla Sauter [?] (Hall 1856), Andreas Sauter (Hall 1856), Anna Sauter (Salzburg 1858), Cousin Eduard Sauter, Tante Josefine Sauter (Hall 1856), Cousine Josefine Kobsa, Vetter Anton Kobsa (Ort 1859). – 2015 kommt in meinem Geneanet die ganze Familie Sauter dazu! – Salzburgwiki.at = Sauter.
Zu [Nr.38] Richard #Schlegel (1811-1881) ist [Nr.76] der Vater Franz Schlegel, geb. 1769 in Leitmeritz in Böhmen, Wundarzt und Oberarzt beim Fürstl. Reuss Plauen Infanterie Regiment; der Sohn [Nr.38] Richard Franz Schlegel, ist 1811 in Theresienstadt geboren. Die Mutter ist [Nr.77] Maria Theresia Heygel, geb. 20.10.1783 in Böhmisch-Leipa. Vgl. Brief vom 11.10.1877 mit Notizen auf der Rückseite von der Hand von Franz Spängler?: Vater gest 1845 / Vinzenz Curator & Rich / Josef + Henriette u. Clara / Antonia + gest Leitmeriz 8/10 1872 / Blure [?] + Wien VIII 5/10 1854 / Therese + Wien Mazleinsd[orf] 9 Jul 1856 / Friedrich gest Olmüz 22/8 1850 BgHer Leiter [?]. Diese Namen und Daten sind offenbar aus der Familie Schlegel, die Geschwister von Richard und deren Nachkommen, deren Einzelheiten ich bisher (bis auf „Vater gest 1845“) nicht näher deuten kann. Vgl. auch zum Brief vom 11.3.1879: Die dort genannten Fritz [Friedrich] und Vincenz [Vinzenz] müssten demnach verstorbene Brüder von Richard Schlegel sein. – Im Internet (2007): Richard Schlegel war um 1934-36 wichtiger Stadtarchitekt in Salzburg. – Salzburgwiki.at = Richard Franz Schlegel.
Die Salzburger #Spängler-Bank, „Bankhaus Carl Spängler & Co. Seit 1828“, entwickelt sich aus der Spängler-Handelsgesellschaft in Salzburg. Carl I.Spängler (1825-1902) ist kaiserlicher Rat und Bankier in Salzburg und übernimmt die Bank von der Familie Duregger (Wohnhaus am Mozartplatz 4). Die Duregger-Handelsgesellschaft gibt es ab 1828, ab 1855 übernimmt das „Spängler & Trauner“, 1870 „Carl Spängler“ die Bank. Die Familie Duregger besaß ein Haus in der Getreidegasse Nr.3. Sie zieht 1855 um in das ansehnliche Haus am Mozartplatz Nr.4, und Leopoldine Duregger, verh. mit Carl Spängler, erbt dieses Haus. Von Franz Spängler ist ein Cousin Dr.Rudolf Spängler, Apotheker, verh. mit Marie Spängler, geb. Weinwurm (1839-1911 Salzburg); dessen Bruder ist Carl Spängler sen. ist verheiratet mit Leopoldine Duregger. Der Vater Alois Spängler (1800-1875) im Großhandelshaus in Salzburg (Vorläufer der Spängler-Bank) ist Bürgermeister von Salzburg 1854-1861. Die Familie Duregger, Antonia Spängler, Mutter von Franz Spängler, und Otto Spängler, Bruder von Franz Spängler, wohnen in den Stockwerken übereinander im Dureggerhaus am Mozartplatz 4. – Internet (2007): Homepage der Spängler-Bank www.spaengler.co.at . - Bei den Stammbuchblättern für Nr.18 Franz #Spängler = viele Spängler (siehe Liste unter Fotos Nr.18). – Salzburgwiki.at = Bankhaus Carl Spängler & Co. AG.
- Zeller, vgl. zum Brief vom 24.11.1871: Partezettel für Marie Zeller, geb. Bolland, Salzburg 1812-1873, und für Friedrich Zeller (Salzburg 1838-1862); an gleicher Stelle Visitenkarte für „Ludwig Zeller“; „Zeller“ und die „Zellerischen“ mehrfach in den Briefen. - #Bolland: in dem Brief vom 13.2.1871 werden bei „Duregger“ genannt die Eltern der Bank-Linie der Spängler in Salzburg, Alois Duregger und Henriette Bolland (sie: 1810-1892; zu dem Bankhaus Duregger-Spängler vgl. Dopsch, 1996, S. 409, und hier: Spängler-Bank). – Das Landesarchiv Salzburg hat unter den Nachlässen einen Karton „Bolland-Zeller-Schumacher“ (Internet 2007). – Salzburgwiki.at = Zeller und Bolland.
Quelle
Fußnoten
- ↑ Trotz unterschiedlicher Schreibweise in den Briefen vereinheitliche ich [O. H.] zu Großmutter „Fanny“ [Kobler] und Enkelin „Fanni“ [Schlegel-Spängler].
- ↑ „Castelli“ dürfte ein verbreitete Name sein. Kaum Verwandtschaft besteht mit dem Wiener Ignaz Franz Castelli (* 1781; † 1862), der selbst über seine Familie in Aus dem Leben eines Wiener Phäaken 1781–1862. Die Memoiren des I. F. Castelli, neu hrsg. von Adolf Saager, 3. Auflage, Stuttgart (o.J.), S. 37, schreibt „Mein Name hat zwar italienischen Klang, und es wäre wohl zu vermuten, dass meine Voreltern Italiener gewesen seien, aber ich habe darüber nie etwas Gewisses erfahren können, denn mein Vater selbst wusste über seine Ahnenleiter nichts weiter, als dass sein Vater ein ehrsamer Schneidermeister in der Leopoldstadt [Wien] gewesen sei.“