Mozarteum (Gebäude): Unterschied zwischen den Versionen
K geordnet ~~~~ |
K Textersetzung - „Alten Universität“ durch „Alten Universität“ |
||
| (34 dazwischenliegende Versionen desselben Benutzers werden nicht angezeigt) | |||
| Zeile 1: | Zeile 1: | ||
{{Dieser Artikel|behandelt das '''Gebäude Mozarteum'''.<br />Für Informationen über die [[Internationale Stiftung Mozarteum]] und über die [[Mozarteum|Universität Mozarteum]] informieren eigene Artikel.}} | {{Dieser Artikel|behandelt das '''Gebäude Mozarteum'''.<br />Für Informationen über die [[Internationale Stiftung Mozarteum]] und über die [[Mozarteum|Universität Mozarteum]] informieren eigene Artikel.}} | ||
[[Datei:Mozarteum, großer Saal in der Schwarzstraße.jpg|thumb| | [[Datei:Mozarteum, großer Saal in der Schwarzstraße.jpg|thumb|Die Gebäude des Mozarteums an der Schwarzstraße.]] | ||
{{Googlemapsort|Schwarzstraße_26+5020+Salzburg}} | {{Googlemapsort|Schwarzstraße_26+5020+Salzburg}} | ||
[[Datei:Mozarteum.jpg|thumb| | [[Datei:Mozarteum (Gebäude) vor 1918.jpg|thumb|Historische Postkarte vor 1918 zeigt die Gebäudefront.]] | ||
[[Datei: | [[Datei:Mozarteum_Salzburg_Eingangsbereich Schulgebäude.jpg|thumb|Im Eingangsbereich des Schulgebäudes.]] | ||
[[ | [[Datei:Mozarteum Salzburg Salzburger Liedertafel Probenraum.jpg|thumb|Probenraum der [[Salzburger Liedertafel]] im Schulgebäude des Mozarteums.]] | ||
Das '''Mozarteum''' ein bekanntes Konzerthaus | [[Datei:Mozarteum das neue Foyergebäude 2022 01.jpg|thumb|Hier der neue Eingang in das neue Foyergebäude von der [[Schwarzstraße]].]] | ||
[[Datei:Mozarteum das neue Foyergebäude 2022 02.jpg|thumb|Hier der Blick in das neue Foyergebäude zur Gartenseite.]] | |||
[[Datei:Mozarteum das neue Foyergebäude 2022 03.jpg|thumb|Hier der Blick in das neue Foyergebäude zur [[Schwarzstraße]].]] | |||
[[Datei:Mozarteum das neue Foyergebäude 2022 05.jpg|thumb|Hier das Stadtfoyer.]] | |||
[[Datei:Mozarteum Salzburg Foyergebäude 2022 01.jpg|thumb|Das neue neue Foyergebäude am Tag der offenen Türe 2022, gesehen aus dem Garten des Mozarteums.]] | |||
[[Datei:Mozarteum_Salzburg_Ornamentglasboden.jpg|thumb|Hier ein Ausschnitt aus dem Ornamentglasboden, der wie Eisblumen anmutet. Dabei wurden Quarze im Glas verflüssigt, die diese Gebilde formten. Zum Zweck, dass er nicht durchsichtig ist, da er als Fußboden über dem Stadtfoyer verwendet wird und man daher nicht von unten nach oben durchsehen soll.]] | |||
Das '''Mozarteum''' ein bekanntes Konzerthaus und Sitz der [[Internationale Stiftung Mozarteum|Internationalen Stiftung Mozarteum]]. Das Gebäude zählt zu den [[Denkmalgeschützte Objekte in der Stadt Salzburg|denkmalgeschützten Objekten]] in der [[Stadt Salzburg]]. | |||
== Lage == | == Lage == | ||
| Zeile 11: | Zeile 17: | ||
== Geschichte == | == Geschichte == | ||
Der bereits [[1856]] geschaffene | Der bereits [[1856]] geschaffene Mozart-Bauverein hatte es sich zur Aufgabe gemacht, für die Stiftung Mozarteum, welches zuerst im [[Kapellhaus]] an der [[Sigmund-Haffner-Gasse]], später in der [[Alten Universität]] (an der Seite der [[Hofstallgasse]], Ecke [[Max-Reinhardt-Platz]]) untergebracht war, ein eigenes Gebäude errichten zu lassen. [[1901]] wurde dieses Vorhaben wieder mit Nachdruck verfolgt. [[1907]] erwarb der Verein die [[Villa Lasser]] des ehemaligen Innenministers [[Josef Freiherr Lasser von Zollheim|Josef von Lasser]] an der [[Schwarzstraße]]. | ||
[[1909]] wurde ein Ideenwettbewerb ausgeschrieben, der vorsah, unter Einbeziehung der Villa ein Gebäude zu schaffen, das einen Konzertsaal beinhalten und Platz für die Musikschule, ein Mozartarchiv und die Verwaltung bieten sollte. 64 Architekten aus dem In- und Ausland nahmen an der Ausschreibung teil. Als Sieger ging [[Richard Berndl]] hervor, dessen im Münchner Späthistorismus gehaltenes Projekt von [[1912]] bis [[1914]] baulich umgesetzt wurde. Die Bauleitung hatte Architekt F. L. Schuster. | [[1909]] wurde ein Ideenwettbewerb ausgeschrieben, der vorsah, unter Einbeziehung der Villa ein Gebäude zu schaffen, das einen Konzertsaal beinhalten und Platz für die Musikschule, ein [[Bibliotheca Mozartiana|Mozartarchiv]] und die Verwaltung bieten sollte. 64 Architekten aus dem In- und Ausland nahmen an der Ausschreibung teil. Als Sieger ging [[Richard Berndl]] hervor, dessen im Münchner Späthistorismus gehaltenes Projekt von [[1912]] bis [[1914]] baulich umgesetzt wurde. Die Bauleitung hatte Architekt F. L. Schuster. | ||
Die Grundsteinlegung erfolgte am [[6. August]] [[1910]] durch Kammersängerin [[Lilli Lehmann]]. Die Eröffnung des Festsaalgebäudes fand am [[20. August]] | Die Grundsteinlegung erfolgte am [[6. August]] [[1910]] durch Kammersängerin [[Lilli Lehmann]]. Die Eröffnung des Festsaalgebäudes fand am [[20. August]] 1914 statt. Die Räume im Verwaltungs- und Schulgebäude wurde bereits vorher ihren Bestimmungen übergeben. Die [[Salzburger Liedertafel]] konnte ihre Probenräume am [[15. November]] [[1913]] beziehen. Ebenfalls 1913 konnte der Männerbund [[Schlaraffia Juvavia]] sein Clublokal, die "Staufenburg", im Souterrain des Gebäudes beziehen. | ||
Der große Festsaal, der 1 100 Menschen fasst, war zum Zeitpunkt der Errichtung zwischen München und Wien einer der sehr großen Konzertsäle in Mitteleuropa. | Der große Festsaal, der 1 100 Menschen fasst, war zum Zeitpunkt der Errichtung zwischen [[München]] und [[Wien]] einer der sehr großen Konzertsäle in Mitteleuropa. | ||
Am [[1. Juli]] [[1922]] kam es zur Trennung von Stiftung und [[Universität Mozarteum|Hochschule]], seither ist das Gebäude im Besitz der Stiftung Mozarteum. | Am [[1. Juli]] [[1922]] kam es zur Trennung von Stiftung und [[Universität Mozarteum|Hochschule]], seither ist das Gebäude im Besitz der Stiftung Mozarteum. | ||
== Gebäude | == Gebäude == | ||
Das Mozarteum gliedert sich in drei | Das Mozarteum gliedert sich in drei Gebäudeteile: | ||
# Konzerthaus mit dem Großen Saal und dem Foyer. | # in das Konzerthaus mit dem [[Großer Saal der Stiftung Mozarteum|Großen Saal]] und dem Foyer, das früher auch "Mozarthaus" genannt wurde. | ||
# Schulgebäude mit dem Wiener Saal, den verschiedenen Räumen für Proben, Schulunterricht und für die Direktion | # in das Schulgebäude mit dem [[Wiener Saal der Stiftung Mozarteum|Wiener Saal]] , den verschiedenen Räumen für Proben, Schulunterricht und für die Direktion; die vier Plastiken über der Attika am Mittelrisalit stellen die musikalischen Tempi "Adagio", "Allegro", "A la Marcia" und "Menuetto" dar und wurden vom Bildhauer [[Karl Killer]] aus Kupfer getrieben. Hohlkehle Mozart-Neon-Schriftzug: "Ich möchte alles haben, was gut, ächt und schön ist!" von Sylvie Fleury. | ||
# Verbindungstrakt, wo sich der Pausenraum befindet - von dem man über eine Brücke zum Garten auf der Wehrmauer gelangt - , sowie einem kleinen Innenhof | # in den Verbindungstrakt, wo sich der Pausenraum befindet - von dem man über eine Brücke zum Garten auf der Wehrmauer gelangt - , sowie einem kleinen Innenhof mit dem [[Amorbrunnen (Mozarteumgebäude)|Amorbrunnen]]; dieser Verbindungstrakt wurden [[2022]] neu eröffnet; | ||
Der 'Große' und der 'Wiener Saal' werden regelmäßig vom [[Mozarteum Orchester]], der [[Camerata Salzburg]], den [[Salzburger Festspiele]]n sowie für Konzerte andere Orchester und für Kulturveranstaltungen genutzt. | |||
== Baukünstlerische Gestaltung == | == Baukünstlerische Gestaltung == | ||
Architektur und Ausstattung der Gebäudetrakte verschmelzen im Stil des [[Historismus]] zu einer einheitlichen künstlerischen Gestaltung, die unterschiedliche Formen aus [[Barock]], [[Klassizismus]] und [[Jugendstil]] zeigen und zu einem Gepräge vereinen. Die starke Gliederung der Fassaden gleicht die Gebäudetrakte an das barocke Stadtbild an und überspielt die Unterschiede in Niveau und Höhe der drei Gebäudetrakte. | Architektur und Ausstattung der Gebäudetrakte verschmelzen im Stil des [[Historismus]] zu einer einheitlichen künstlerischen Gestaltung, die unterschiedliche Formen aus [[Barock]], [[Klassizismus]] und [[Jugendstil]] zeigen und zu einem Gepräge vereinen. Die starke Gliederung der Fassaden gleicht die Gebäudetrakte an das barocke Stadtbild an und überspielt die Unterschiede in Niveau und Höhe der drei Gebäudetrakte. | ||
Die beiden Plastiken an der Fassade des Verwaltungs- und Schulgebäudes stellen die " | Die beiden Plastiken an der Fassade des Verwaltungs- und Schulgebäudes stellen die "geistliche Musik" und die "weltliche Musik" dar und wurden von Professor [[Georg Roemer]] aus Bronze geschaffen. Die vier Plastiken über der Attika am Mittelrisalit stellen die musikalischen Tempi "Adagio", "Allegro", "A la Marcia" und "Menuetto" dar und wurden vom Bildhauer Karl Killer aus Kupfer getrieben. | ||
An der Fassade unter der Hohlkehle befindet sich | An der Fassade unter der Hohlkehle befindet sich ein [[Wolfgang Amadé Mozart]] nachgesagter Spruch in Neonleuchtschrift: "Ich möchte alles haben, was gut, ächt und schön ist!" Die Schweizer Objekt-Künstlerin Sylvie Fleury (* [[1961]]) hatte dieses Kunstobjekt, basierend auf Mozart´s Briefen und Notenblättern, anlässlich des ersten Dialoge-Festivals 2005 und für das [[Mozartjahr 2006]] geschaffen. Indem Satz und Noten sich stereotyp wiederholen und mit dem Leuchtmittel Neon wird ein Bezug zur Moderne, erinnernd an Andy Warhol, hergestellt.<ref>[http://www.mozarteum.at/ueber-uns/stiftungsgeb%c3%a4ude.html Stiftung Mozarteum] und [http://ropac.net/exhibition/sylvie-fleury-1 Galerie Ropac]</ref> | ||
Die Plastik aus Bronze in der Eingangshalle zum Großen Saal zeigt " | Die Plastik aus Bronze in der Eingangshalle zum Großen Saal zeigt "Mozart als Apollo Musagetes" und wurde von [[Edmund Hellmer]] geschaffen. <ref>[https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=svb&datum=19140609&query=%22mozarthaus%22&ref=anno-search&seite=7 anno.onb.ac.at/Salzburger Volksblatt, 9. Juni 1914] | ||
</ref> | </ref> | ||
Im Großen Saal stammt der plastische Schmuck aus Stuck von [[Joseph Wackerle]] in Berlin. | Im Großen Saal stammt der plastische Schmuck aus Stuck von [[Joseph Wackerle]] in Berlin. Die fünf Medaillons im Stiegenhaus schuf [[Julius Diez]], damals Lehrer an der Kunstgewerbeschule München, im [[Jugendstil]]. Sie zeigen "Pan mit Panflöte", "Apollon mit Laute", "Ares mit Horn und Fackel", "Aphrodite mit Harfe" und "Theater und Musik". | ||
Im Wiener Saal schmückt die Decke ein | Im Wiener Saal schmückt die Decke ein Medaillon aus Stuck, das Phöbus Apollo auf dem Sonnenwagen zeigt. Es wurde vom Münchner Plastiker [[Konrad Buchner]] geschaffen. | ||
== | == Projekt Neubau Verbindungstrakt == | ||
Die Stiftung Mozarteum gestaltete das Mozarteum-Gebäude um. Ziel der Planung war es, den Verbindungsbau neu zu errichten. Dies wurde notwendig, weil der nur 60 m² große Pausenraum für die Zahl der Konzertgäste völlig unzureichend ist. "Zum Teil prügeln sich da bei Konzerten im Großen Saal in der Pause 800 Leute um den Sekt", sagte Geschäftsführer Tobias Debuch. [[Präsidenten der Internationalen Stiftung Mozarteum|Präsident]] [[Johannes Honsig-Erlenburg]] betonte, dass der Verbindungstrakt von Anfang an ein Provisorium gewesen sei: "Denn die Gebäude haben ein unterschiedliches Niveau. Das sieht man an der Hühnertreppe hinauf zum Wiener Saal. Und der Innenhof dazwischen ist ein karges, graues Loch." Durch den Umbau wurde das Mozarteum-Gebäude barrierefrei und der rückseitige Garten Richtung [[Heckentheater]], der bisher nur den Konzertbesuchern zugänglich war, besser zur Geltung kommen. Auch ein Café-Betrieb sei denkbar. Das Projekt kostete etwa fünf bis zehn Millionen Euro. Honsig-Erlenburg rechnete frühestens mit einem Baubeginn im Februar 2021. "Und wegen des Konzertbetriebs, für den wir den Bau unterbrechen, wird die Bauzeit zwei bis drei Jahre betragen."<ref>[https://www.sn.at/salzburg/kultur/das-alte-mozarteum-wird-zur-heiklen-baustelle-40731850 Salzburger Nachrichten, 27. September 2018]</ref> | |||
Eine Glas-Stahl-Konstruktion des Salzburger Architektenbüros Maria Flöckner und Hermann Schnöll beseitigte das ewige Provisorium des alten Pausenraumes und schuf eine den heutigen Bedürfnissen entsprechendes Angebot mit Barrierefreiheit. Es wurde eine helle Glas-Stahlkonstruktion zwischen dem Verwaltungs- und Schultrakt (Schwarzstraße 26) und dem Konzerttrakt (Schwarzstraße 28) errichtet. Ebenerdig entstand dadurch auf rund 200 Quadratmetern ein erweiterter Eingangsbereich. Die beide großen Gebäude treten klar getrennt hervor und es entsteht eine Sichtachse zum [[Mirabellgarten]]. Ein neuer Treppenaufgang und ein Lift ermöglichen den barrierefreien Zugang zum Studientrakt und zum Wiener Saal. Im Keller entstanden zusätzliche Künstlerzimmern, Depot- und Technikräume, sowie größere Toiletten. | |||
Das Bundesdenkmalamt befürwortete das Projekt, weil die Planung einen Bereich betrifft, der für den Denkmalschutz nur eine untergeordnete Rolle einnimmt. Der Neubau schuf in einer zeitgemäßen Formensprache die Vermittlung zwischen den beiden Gebäuden, die der Altbestand nicht geschafft hat sagte [[Landeskonservator]]in [[Eva Hody]].<ref>[https://www.sn.at/salzburg/kultur/umbau-beschert-der-stiftung-mozarteum-350-quadratmeter-zusaetzliche-nutzflaeche-49866748 Salzburger Nachrichten, 26. Oktober 2018]</ref> | |||
Im Oktober [[2022]] waren das neue Foyergebäude fertiggestellt und die erste Etappe der Renovierung des Großen Saals abgeschlossen. In zwei Jahren Bauzeit entstand im ehemaligen Innenhof des Mozarteums anstelle des alten Pausenfoyers ein großzügig dimensionierter, lichtdurchfluteter Raum, der die beiden Gebäudekomplexe funktional aber architektonisch höchst ansprechend verbindet. 370 m² gewonnene | |||
Fläche auf zwei Ebenen eröffnet neben der Pausenbewirtung nun zahlreiche neue Nutzungsmöglichkeiten. | |||
[[Erich Marx]], Vorsitzender des Kuratoriums der Stiftung Mozarteum: "Als wir mit den ersten Überlegungen und dann mit dem Architektenwettbewerb begannen, ahnte niemand etwas von einer [[Corona Pandemie|Pandemie]]. Heute kann man sich das Gedränge im viel zu kleinen alten Pausenraum nicht mehr vorstellen. Auch wenn es mit all den schwierigen Rahmenbedingungen ein extrem herausforderndes Projekt war, manchmal braucht man auch etwas Glück, und die Stiftung Mozarteum handelte genau zum richtigen Zeitpunkt." | |||
=== Ausgangssituation – eine 100jährige Notlösung === | |||
Das Mozarteum mit seinen beiden markanten Gebäudeteilen, dem Verwaltungs- und Schultrakt und dem Konzerttrakt, wurde vom Münchener Architekten Richard Berndl von 1912 bis 1914 errichtet. Berndl sah jedoch zu diesem Zeitpunkt keinen Pausenraum für die Gebäude vor, sodass später die Besucher der Konzerte mit einem zusätzlich errichteten Provisorium von 60 m² Vorlieb nehmen mussten. Der Eindruck einer | |||
Verlegenheitslösung war den Gästen des Mozarteums über die Jahrzehnte bestens bekannt: Bei einem ausverkauften Großen Saal wurde den bis zu 800 Besucher in den Pausen eine beengte und | |||
unerträgliche Situation zugemutet. Zudem war der Verwaltungs- und Schultrakt mit dem Wiener Saal nicht barrierefrei zugänglich. | |||
=== Von der Idee bis zur Fertigstellung === | |||
Erste Ideen und Vorstellungen für ein neues Pausenfoyer im denkmalgeschützten Mozarteum kamen bereits [[2014]] anlässlich des 100 Jahr-Jubiläums des Mozarteums auf. Die konkreten Planungs- und | |||
Vorbereitungsarbeiten starteten [[2016]] und mündeten [[2017]] in einen zweistufigen internationalen Architektenwettbewerb, zu dem insgesamt 18 Architekturbüros von London bis Tokio eingeladen wurden. [[2018]] fiel die einstimmige Entscheidung der Jury auf den Entwurf des Salzburger Architektenteams Maria Flöckner und Hermann Schnöll. [[2019]] erfolgten die Einreichplanung in Abstimmung mit dem Bundesdenkmalamt und der [[Sachverständigenkommission für die Altstadterhaltung in Salzburg]] und [[2020]] dann die Bauverhandlung. Anfängliche Differenzen mit ICOMOS Austria als Hüter des Welterbes Salzburger Altstadt konnten ausgeräumt werden. | |||
Am [[23. September]] 2020 begannen die Bauarbeiten, die nach den ersten Planungen bis [[1. Juli]] 2022 abgeschlossen sein sollten. Die Corona-Pandemie mit all ihren Einschränkungen auf das öffentliche | |||
und wirtschaftliche Leben in Österreich sowie der [[Angriffskrieg von Russland auf die Ukraine und dessen Auswirkungen auf Salzburg|Ukrainekrieg]] hatten natürlich auch auf die Stiftung Mozarteum und die Bauarbeiten massive Auswirkungen. Weltweite Lieferprobleme bei verschiedensten Baumaterialien und erhebliche Preissteigerungen betrafen auch die beteiligten Firmen, sodass festgelegte Termine nicht eingehalten werden konnten, und es zum Teil sehr schwierig war, für manche Aufträge Firmen zu finden. Diese Probleme führten dazu, dass sich der Fertigstellungstermin verzögerte und die Eröffnung auf Oktober 2022 verschoben werden musste. Bauunterbrechungen gab es zudem jeweils im Sommer 2021 und 2022 für die [[Salzburger Festspiele]]. 2021 wurde die Renovierung des Großes Saal beschlossen, die erste Sanierungsetappe startete im Februar 2022. 2024 wird die Renovierung des Großen Saals abgeschlossen sein. | |||
=== Kosten und Finanzierung === | |||
Die Finanzierung des Neubaus setzt sich zu je einem Drittel an Eigenmitteln, an Förderungen durch die öffentliche Hand und durch private Mäzene zusammen. Waren die Kosten des Neubaus anfangs mit rund zehn Millionen Euro kalkuliert, stiegen diese aufgrund der Preissteigerungen auf dem Baumarkt auf 11,68 Millionen Euro. Das Projekt der Renovierung, Restaurierung und Modernisierung des Großen Saals wurde deshalb um ein Jahr gestreckt, die Fertigstellung ist für Sommer 2024 geplant. Für die Finanzierung des Neubaus konnten Bund, [[Land Salzburg (Gebietskörperschaft)|Land]] und [[Stadtgemeinde Salzburg]] gewonnen werden. Zu großem Dank ist die Stiftung Mozarteum zudem zahlreichen Förderern verpflichtet, ohne die der Neubau nicht möglich gewesen wäre: Zwei private Großsponsoren – Dr. phil. Nicola Leibinger-Kammüller und Heinz-Hermann Thiele – stellten für den Neubau erhebliche Mittel zur Verfügung; diverse Projekte im Zuge des Neubaus wurden von verschiedenen privaten Fördern großzügig unterstützt und eine große Anzahl an Unterstützern fand sich für die Aktionen "Mein Stein für Mozart" und "Mein Sitz für Mozart". Das Bauprojekt wurde – neben der Kernerstellung durch die Stahlbau- und Fassadenfirma PICHLER Projects aus Bozen – überwiegend mit heimischen Professionisten umgesetzt. | |||
100 Tonnen Stahl wurden von der Stahlbau- und Fassadenfirma PICHLER Projects im Foyergebäude verbaut. Die einzelnen, je fünf bis sechs Tonnen schweren Stahlteile wurden vor Ort verschweißt; die Montagearbeiten erforderten wegen der besonderen Statik des über 100 Jahre alten Gebäudes Fingerspitzengefühl, auch deshalb, weil sogar der Verputz denkmalgeschützt ist. Ein Highlight ist auch der blickdichte Glasboden im Großen Foyer. Das Bodenglas weist eine zarte Ornamentstruktur auf, die wie Eisblumen anmuten. Die Glasplatten werden dabei in alter Verfahrenstechnik mit einem speziellen Ätzverfahren bearbeitet. Beide Foyers sind mit modernster [[Event]]technik ausgestattet, was wiederum eine breite Palette an neuen Veranstaltungsmöglichkeiten eröffnet. | |||
Für die Pausenbewirtung und das Catering in den neuen Foyers des Mozarteums bei den diversen Veranstaltungen konnte das Wiener Gastonomieunternehmen Impacts gewonnen werden, das seit April auch in Salzburg als Caterer tätig ist. | |||
<div style="clear:both;"></div> | |||
== Bildergalerie == | |||
;Pläne des Umbaus 2020 bis 2022 | |||
<gallery mode="nolines" mode="packed-hover" heights="200"> | |||
Mozarteum Salzburg Plan 01.jpg | |||
Mozarteum Salzburg Plan 02.jpg | |||
Mozarteum Salzburg Plan 03.jpg | |||
Mozarteum Salzburg Plan 04.jpg | |||
Mozarteum Salzburg Plan 05.jpg | |||
Mozarteum Salzburg Plan 06.jpg | |||
Mozarteum Salzburg Plan 07.jpg | |||
</gallery> | |||
== Bilder == | == Bilder == | ||
{{Bildkat}} | {{Bildkat}} | ||
| Zeile 55: | Zeile 96: | ||
{{Quelle Kulturlexikon}} | {{Quelle Kulturlexikon}} | ||
* [http://www.mozarteum.at/ Internationale Stiftung Mozarteum] | * [http://www.mozarteum.at/ Internationale Stiftung Mozarteum] | ||
* [ | * [https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=svb&datum=19140625&seite=7&zoom=33&query=%22neubau%22%2B%22Mozarteum%22&ref=anno-search anno.onb.ac.at/Salzburger Volksblatt, 25. Juni 1914] | ||
* [https://mozarteum.at/presse/?pressId=mehr-raum-fuer-mozart-das-neue-foyergebaeude-ist-fertiggestellt mozarteum.at/presse], Presse download "Mehr Raum für Mozart. Das neue Foyergebäude ist fertiggestellt.", abgefragt am 22. Oktober 2022 | |||
== | == Einzelnachweise == | ||
<references/> | <references/> | ||
[[Kategorie:Stadt Salzburg]] | |||
[[Kategorie:Altstadt]] | |||
[[Kategorie:Altstadt (rechtes Salzachufer)]] | |||
[[Kategorie:Kultur und Bildung]] | |||
[[Kategorie:Architektur]] | [[Kategorie:Architektur]] | ||
[[Kategorie:Denkmalschutz]] | |||
[[Kategorie:Denkmalschutz (Stadt Salzburg)]] | |||
[[Kategorie:Gebäude]] | [[Kategorie:Gebäude]] | ||
[[Kategorie:historisches Gebäude]] | [[Kategorie:historisches Gebäude]] | ||
[[Kategorie:Gebäude Stadt Salzburg]] | [[Kategorie:Gebäude Stadt Salzburg]] | ||
Aktuelle Version vom 16. März 2025, 16:59 Uhr
Für Informationen über die Internationale Stiftung Mozarteum und über die Universität Mozarteum informieren eigene Artikel.










Das Mozarteum ein bekanntes Konzerthaus und Sitz der Internationalen Stiftung Mozarteum. Das Gebäude zählt zu den denkmalgeschützten Objekten in der Stadt Salzburg.
Lage
Der Mozarteum befindet sich an der Schwarzstraße in der rechtsufrigen Altstadt von Salzburg.
Geschichte
Der bereits 1856 geschaffene Mozart-Bauverein hatte es sich zur Aufgabe gemacht, für die Stiftung Mozarteum, welches zuerst im Kapellhaus an der Sigmund-Haffner-Gasse, später in der Alten Universität (an der Seite der Hofstallgasse, Ecke Max-Reinhardt-Platz) untergebracht war, ein eigenes Gebäude errichten zu lassen. 1901 wurde dieses Vorhaben wieder mit Nachdruck verfolgt. 1907 erwarb der Verein die Villa Lasser des ehemaligen Innenministers Josef von Lasser an der Schwarzstraße.
1909 wurde ein Ideenwettbewerb ausgeschrieben, der vorsah, unter Einbeziehung der Villa ein Gebäude zu schaffen, das einen Konzertsaal beinhalten und Platz für die Musikschule, ein Mozartarchiv und die Verwaltung bieten sollte. 64 Architekten aus dem In- und Ausland nahmen an der Ausschreibung teil. Als Sieger ging Richard Berndl hervor, dessen im Münchner Späthistorismus gehaltenes Projekt von 1912 bis 1914 baulich umgesetzt wurde. Die Bauleitung hatte Architekt F. L. Schuster.
Die Grundsteinlegung erfolgte am 6. August 1910 durch Kammersängerin Lilli Lehmann. Die Eröffnung des Festsaalgebäudes fand am 20. August 1914 statt. Die Räume im Verwaltungs- und Schulgebäude wurde bereits vorher ihren Bestimmungen übergeben. Die Salzburger Liedertafel konnte ihre Probenräume am 15. November 1913 beziehen. Ebenfalls 1913 konnte der Männerbund Schlaraffia Juvavia sein Clublokal, die "Staufenburg", im Souterrain des Gebäudes beziehen.
Der große Festsaal, der 1 100 Menschen fasst, war zum Zeitpunkt der Errichtung zwischen München und Wien einer der sehr großen Konzertsäle in Mitteleuropa.
Am 1. Juli 1922 kam es zur Trennung von Stiftung und Hochschule, seither ist das Gebäude im Besitz der Stiftung Mozarteum.
Gebäude
Das Mozarteum gliedert sich in drei Gebäudeteile:
- in das Konzerthaus mit dem Großen Saal und dem Foyer, das früher auch "Mozarthaus" genannt wurde.
- in das Schulgebäude mit dem Wiener Saal , den verschiedenen Räumen für Proben, Schulunterricht und für die Direktion; die vier Plastiken über der Attika am Mittelrisalit stellen die musikalischen Tempi "Adagio", "Allegro", "A la Marcia" und "Menuetto" dar und wurden vom Bildhauer Karl Killer aus Kupfer getrieben. Hohlkehle Mozart-Neon-Schriftzug: "Ich möchte alles haben, was gut, ächt und schön ist!" von Sylvie Fleury.
- in den Verbindungstrakt, wo sich der Pausenraum befindet - von dem man über eine Brücke zum Garten auf der Wehrmauer gelangt - , sowie einem kleinen Innenhof mit dem Amorbrunnen; dieser Verbindungstrakt wurden 2022 neu eröffnet;
Der 'Große' und der 'Wiener Saal' werden regelmäßig vom Mozarteum Orchester, der Camerata Salzburg, den Salzburger Festspielen sowie für Konzerte andere Orchester und für Kulturveranstaltungen genutzt.
Baukünstlerische Gestaltung
Architektur und Ausstattung der Gebäudetrakte verschmelzen im Stil des Historismus zu einer einheitlichen künstlerischen Gestaltung, die unterschiedliche Formen aus Barock, Klassizismus und Jugendstil zeigen und zu einem Gepräge vereinen. Die starke Gliederung der Fassaden gleicht die Gebäudetrakte an das barocke Stadtbild an und überspielt die Unterschiede in Niveau und Höhe der drei Gebäudetrakte.
Die beiden Plastiken an der Fassade des Verwaltungs- und Schulgebäudes stellen die "geistliche Musik" und die "weltliche Musik" dar und wurden von Professor Georg Roemer aus Bronze geschaffen. Die vier Plastiken über der Attika am Mittelrisalit stellen die musikalischen Tempi "Adagio", "Allegro", "A la Marcia" und "Menuetto" dar und wurden vom Bildhauer Karl Killer aus Kupfer getrieben.
An der Fassade unter der Hohlkehle befindet sich ein Wolfgang Amadé Mozart nachgesagter Spruch in Neonleuchtschrift: "Ich möchte alles haben, was gut, ächt und schön ist!" Die Schweizer Objekt-Künstlerin Sylvie Fleury (* 1961) hatte dieses Kunstobjekt, basierend auf Mozart´s Briefen und Notenblättern, anlässlich des ersten Dialoge-Festivals 2005 und für das Mozartjahr 2006 geschaffen. Indem Satz und Noten sich stereotyp wiederholen und mit dem Leuchtmittel Neon wird ein Bezug zur Moderne, erinnernd an Andy Warhol, hergestellt.[1]
Die Plastik aus Bronze in der Eingangshalle zum Großen Saal zeigt "Mozart als Apollo Musagetes" und wurde von Edmund Hellmer geschaffen. [2]
Im Großen Saal stammt der plastische Schmuck aus Stuck von Joseph Wackerle in Berlin. Die fünf Medaillons im Stiegenhaus schuf Julius Diez, damals Lehrer an der Kunstgewerbeschule München, im Jugendstil. Sie zeigen "Pan mit Panflöte", "Apollon mit Laute", "Ares mit Horn und Fackel", "Aphrodite mit Harfe" und "Theater und Musik".
Im Wiener Saal schmückt die Decke ein Medaillon aus Stuck, das Phöbus Apollo auf dem Sonnenwagen zeigt. Es wurde vom Münchner Plastiker Konrad Buchner geschaffen.
Projekt Neubau Verbindungstrakt
Die Stiftung Mozarteum gestaltete das Mozarteum-Gebäude um. Ziel der Planung war es, den Verbindungsbau neu zu errichten. Dies wurde notwendig, weil der nur 60 m² große Pausenraum für die Zahl der Konzertgäste völlig unzureichend ist. "Zum Teil prügeln sich da bei Konzerten im Großen Saal in der Pause 800 Leute um den Sekt", sagte Geschäftsführer Tobias Debuch. Präsident Johannes Honsig-Erlenburg betonte, dass der Verbindungstrakt von Anfang an ein Provisorium gewesen sei: "Denn die Gebäude haben ein unterschiedliches Niveau. Das sieht man an der Hühnertreppe hinauf zum Wiener Saal. Und der Innenhof dazwischen ist ein karges, graues Loch." Durch den Umbau wurde das Mozarteum-Gebäude barrierefrei und der rückseitige Garten Richtung Heckentheater, der bisher nur den Konzertbesuchern zugänglich war, besser zur Geltung kommen. Auch ein Café-Betrieb sei denkbar. Das Projekt kostete etwa fünf bis zehn Millionen Euro. Honsig-Erlenburg rechnete frühestens mit einem Baubeginn im Februar 2021. "Und wegen des Konzertbetriebs, für den wir den Bau unterbrechen, wird die Bauzeit zwei bis drei Jahre betragen."[3]
Eine Glas-Stahl-Konstruktion des Salzburger Architektenbüros Maria Flöckner und Hermann Schnöll beseitigte das ewige Provisorium des alten Pausenraumes und schuf eine den heutigen Bedürfnissen entsprechendes Angebot mit Barrierefreiheit. Es wurde eine helle Glas-Stahlkonstruktion zwischen dem Verwaltungs- und Schultrakt (Schwarzstraße 26) und dem Konzerttrakt (Schwarzstraße 28) errichtet. Ebenerdig entstand dadurch auf rund 200 Quadratmetern ein erweiterter Eingangsbereich. Die beide großen Gebäude treten klar getrennt hervor und es entsteht eine Sichtachse zum Mirabellgarten. Ein neuer Treppenaufgang und ein Lift ermöglichen den barrierefreien Zugang zum Studientrakt und zum Wiener Saal. Im Keller entstanden zusätzliche Künstlerzimmern, Depot- und Technikräume, sowie größere Toiletten.
Das Bundesdenkmalamt befürwortete das Projekt, weil die Planung einen Bereich betrifft, der für den Denkmalschutz nur eine untergeordnete Rolle einnimmt. Der Neubau schuf in einer zeitgemäßen Formensprache die Vermittlung zwischen den beiden Gebäuden, die der Altbestand nicht geschafft hat sagte Landeskonservatorin Eva Hody.[4]
Im Oktober 2022 waren das neue Foyergebäude fertiggestellt und die erste Etappe der Renovierung des Großen Saals abgeschlossen. In zwei Jahren Bauzeit entstand im ehemaligen Innenhof des Mozarteums anstelle des alten Pausenfoyers ein großzügig dimensionierter, lichtdurchfluteter Raum, der die beiden Gebäudekomplexe funktional aber architektonisch höchst ansprechend verbindet. 370 m² gewonnene Fläche auf zwei Ebenen eröffnet neben der Pausenbewirtung nun zahlreiche neue Nutzungsmöglichkeiten.
Erich Marx, Vorsitzender des Kuratoriums der Stiftung Mozarteum: "Als wir mit den ersten Überlegungen und dann mit dem Architektenwettbewerb begannen, ahnte niemand etwas von einer Pandemie. Heute kann man sich das Gedränge im viel zu kleinen alten Pausenraum nicht mehr vorstellen. Auch wenn es mit all den schwierigen Rahmenbedingungen ein extrem herausforderndes Projekt war, manchmal braucht man auch etwas Glück, und die Stiftung Mozarteum handelte genau zum richtigen Zeitpunkt."
Ausgangssituation – eine 100jährige Notlösung
Das Mozarteum mit seinen beiden markanten Gebäudeteilen, dem Verwaltungs- und Schultrakt und dem Konzerttrakt, wurde vom Münchener Architekten Richard Berndl von 1912 bis 1914 errichtet. Berndl sah jedoch zu diesem Zeitpunkt keinen Pausenraum für die Gebäude vor, sodass später die Besucher der Konzerte mit einem zusätzlich errichteten Provisorium von 60 m² Vorlieb nehmen mussten. Der Eindruck einer Verlegenheitslösung war den Gästen des Mozarteums über die Jahrzehnte bestens bekannt: Bei einem ausverkauften Großen Saal wurde den bis zu 800 Besucher in den Pausen eine beengte und unerträgliche Situation zugemutet. Zudem war der Verwaltungs- und Schultrakt mit dem Wiener Saal nicht barrierefrei zugänglich.
Von der Idee bis zur Fertigstellung
Erste Ideen und Vorstellungen für ein neues Pausenfoyer im denkmalgeschützten Mozarteum kamen bereits 2014 anlässlich des 100 Jahr-Jubiläums des Mozarteums auf. Die konkreten Planungs- und Vorbereitungsarbeiten starteten 2016 und mündeten 2017 in einen zweistufigen internationalen Architektenwettbewerb, zu dem insgesamt 18 Architekturbüros von London bis Tokio eingeladen wurden. 2018 fiel die einstimmige Entscheidung der Jury auf den Entwurf des Salzburger Architektenteams Maria Flöckner und Hermann Schnöll. 2019 erfolgten die Einreichplanung in Abstimmung mit dem Bundesdenkmalamt und der Sachverständigenkommission für die Altstadterhaltung in Salzburg und 2020 dann die Bauverhandlung. Anfängliche Differenzen mit ICOMOS Austria als Hüter des Welterbes Salzburger Altstadt konnten ausgeräumt werden.
Am 23. September 2020 begannen die Bauarbeiten, die nach den ersten Planungen bis 1. Juli 2022 abgeschlossen sein sollten. Die Corona-Pandemie mit all ihren Einschränkungen auf das öffentliche und wirtschaftliche Leben in Österreich sowie der Ukrainekrieg hatten natürlich auch auf die Stiftung Mozarteum und die Bauarbeiten massive Auswirkungen. Weltweite Lieferprobleme bei verschiedensten Baumaterialien und erhebliche Preissteigerungen betrafen auch die beteiligten Firmen, sodass festgelegte Termine nicht eingehalten werden konnten, und es zum Teil sehr schwierig war, für manche Aufträge Firmen zu finden. Diese Probleme führten dazu, dass sich der Fertigstellungstermin verzögerte und die Eröffnung auf Oktober 2022 verschoben werden musste. Bauunterbrechungen gab es zudem jeweils im Sommer 2021 und 2022 für die Salzburger Festspiele. 2021 wurde die Renovierung des Großes Saal beschlossen, die erste Sanierungsetappe startete im Februar 2022. 2024 wird die Renovierung des Großen Saals abgeschlossen sein.
Kosten und Finanzierung
Die Finanzierung des Neubaus setzt sich zu je einem Drittel an Eigenmitteln, an Förderungen durch die öffentliche Hand und durch private Mäzene zusammen. Waren die Kosten des Neubaus anfangs mit rund zehn Millionen Euro kalkuliert, stiegen diese aufgrund der Preissteigerungen auf dem Baumarkt auf 11,68 Millionen Euro. Das Projekt der Renovierung, Restaurierung und Modernisierung des Großen Saals wurde deshalb um ein Jahr gestreckt, die Fertigstellung ist für Sommer 2024 geplant. Für die Finanzierung des Neubaus konnten Bund, Land und Stadtgemeinde Salzburg gewonnen werden. Zu großem Dank ist die Stiftung Mozarteum zudem zahlreichen Förderern verpflichtet, ohne die der Neubau nicht möglich gewesen wäre: Zwei private Großsponsoren – Dr. phil. Nicola Leibinger-Kammüller und Heinz-Hermann Thiele – stellten für den Neubau erhebliche Mittel zur Verfügung; diverse Projekte im Zuge des Neubaus wurden von verschiedenen privaten Fördern großzügig unterstützt und eine große Anzahl an Unterstützern fand sich für die Aktionen "Mein Stein für Mozart" und "Mein Sitz für Mozart". Das Bauprojekt wurde – neben der Kernerstellung durch die Stahlbau- und Fassadenfirma PICHLER Projects aus Bozen – überwiegend mit heimischen Professionisten umgesetzt.
100 Tonnen Stahl wurden von der Stahlbau- und Fassadenfirma PICHLER Projects im Foyergebäude verbaut. Die einzelnen, je fünf bis sechs Tonnen schweren Stahlteile wurden vor Ort verschweißt; die Montagearbeiten erforderten wegen der besonderen Statik des über 100 Jahre alten Gebäudes Fingerspitzengefühl, auch deshalb, weil sogar der Verputz denkmalgeschützt ist. Ein Highlight ist auch der blickdichte Glasboden im Großen Foyer. Das Bodenglas weist eine zarte Ornamentstruktur auf, die wie Eisblumen anmuten. Die Glasplatten werden dabei in alter Verfahrenstechnik mit einem speziellen Ätzverfahren bearbeitet. Beide Foyers sind mit modernster Eventtechnik ausgestattet, was wiederum eine breite Palette an neuen Veranstaltungsmöglichkeiten eröffnet.
Für die Pausenbewirtung und das Catering in den neuen Foyers des Mozarteums bei den diversen Veranstaltungen konnte das Wiener Gastonomieunternehmen Impacts gewonnen werden, das seit April auch in Salzburg als Caterer tätig ist.
Bildergalerie
- Pläne des Umbaus 2020 bis 2022
Bilder
Mozarteum (Gebäude) – Sammlung von weiteren Bildern, Videos und Audiodateien im SALZBURGWIKI
Quellen
- Haslinger, Adolf, Mittermayr, Peter (Hrsg.): "Salzburger Kulturlexikon", Residenz Verlag, Salzburg-Wien-Frankfurt/Main 2001, ISBN 3-7017-1129-1
- Internationale Stiftung Mozarteum
- anno.onb.ac.at/Salzburger Volksblatt, 25. Juni 1914
- mozarteum.at/presse, Presse download "Mehr Raum für Mozart. Das neue Foyergebäude ist fertiggestellt.", abgefragt am 22. Oktober 2022