Salzburg Hauptbahnhof: Unterschied zwischen den Versionen
Mecl67 (Diskussion | Beiträge) |
|||
| Zeile 62: | Zeile 62: | ||
Am [[21. Dezember]] [[2012]] wurde das Nelböck-Viadukt wieder für den Verkehr freigegeben. Hier wird nach der Fertigstellung des Bahnhofs auch ein direkter Aufgang zu den Bahnsteigen der S-Bahn zur Verfügung stehen. | Am [[21. Dezember]] [[2012]] wurde das Nelböck-Viadukt wieder für den Verkehr freigegeben. Hier wird nach der Fertigstellung des Bahnhofs auch ein direkter Aufgang zu den Bahnsteigen der S-Bahn zur Verfügung stehen. | ||
| − | Ende Februar [[2013]] begann man mit dem Aufstellen der Träger für die Dachkonstruktion der Bahnsteige 6-9. Am [[25. März]] [[2013]] wurde die Passage in die Lastenstraße provisorisch ihrer Bestimmung übergeben. Im Sommer 2013 | + | Ende Februar [[2013]] begann man mit dem Aufstellen der Träger für die Dachkonstruktion der Bahnsteige 6-9. Am [[25. März]] [[2013]] wurde die Passage in die Lastenstraße provisorisch ihrer Bestimmung übergeben. Im Sommer 2013 wurden die Flächen links und rechts der Unterführung an die Shopbetreiber übergeben, die dann mit dem Innenausbau begannen. Im August 2013 folgten die Bahnsteige 6 und 7 und am 19. Oktober 2013 werden die Bahnsteige 8 und 9 inklusive dem Abgang ins Nelböckviadukt eröffnet. Mitte 2014 soll der Um- bzw. Neubau des Bahnhofes im Prinzip abgeschlossen sein, dann wird für ein halbes Jahr noch im Bereich der Güter-Gleise gearbeitet. |
[[Datei:Hauptbahnhof panorama.jpg|miniatur|zentriert|800px|Der Salzburger Hauptbahnhof in der Abenddämmerung von der [[Lastenstraße]] aus gesehen]] | [[Datei:Hauptbahnhof panorama.jpg|miniatur|zentriert|800px|Der Salzburger Hauptbahnhof in der Abenddämmerung von der [[Lastenstraße]] aus gesehen]] | ||
Version vom 1. Oktober 2013, 12:28 Uhr
Der Salzburger Hauptbahnhof am Südtiroler Platz in der Salzburger Elisabeth-Vorstadt ist der wichtigste Verkehrsknotenpunkt des Bundeslandes Salzburg. Über 440 Reisezüge (railjet, EC und IC sowie REX und S-Bahnzüge) und mehr als 300 Güterzüge fahren innerhalb von 24 Stunden über den Hauptbahnhof.
Geschichte
Der Salzburger Bahnhof wurde vom Bauunternehmer Karl Freiherr von Schwarz nach Plänen des Architekten Franz Rudolf Bayer im damaligen Vorort Froschheim errichtet. Der Bahnhof wurde am 12. August 1860 im Beisein des Kaisers Franz Joseph I. von Österreich und des Königs Maximilian II. von Bayern ebenso wie die k. k. priv. Kaiserin-Elisabeth-Westbahn mit dem Teilstück Salzburg–Wien eröffnet. „Mit dem ersten Dampfkolosse erschließt sich unserem Lande ein neues Leben“, schrieb damals die Salzburger Zeitung. Tatsächlich gab die Eröffnung des Bahnhofs den Impuls zur gründerzeitlichen Stadterweiterung. Als Grenzbahnhof wurde er gemeinsam von der Kaiserin-Elisabeth-Westbahn und der (bayerischen) Maximiliansbahn verwaltet.
Aus dieser Zeit stammt der heute größtenteils erhaltene Bahnsteig 1 mit seinen 40 Gusseisenstehern (auch als Hausbahnsteig bekannt). Das Bahnhofsgebäude war in fünf Teile gegliedert. Im Mittelrisalit war das Amts- und Aufnahms-Gebäude mit Schalter für Fahrten innerhalb Österreichs. Im Nordpavillon befanden sich die Räume des Österreichischen Hofs. Im Südpavillon waren die Einrichtungen für den Verkehr nach Bayern untergebracht. Wartesäle und Restaurants befanden sich im südlichen Zwischenbau, Bahnhofsverwaltung und Post im nördlichen Zwischentrakt. Das Mittelgebäude war ursprünglich von einem Uhrturm gekrönt. Nach zwei Bränden im Bahnhofsgebäude (so etwa der große Brand in der Nacht des 19. Jänner 1880) wurde es in der heutigen, vereinfachten Form ohne den Uhrturm wieder instand gesetzt.
Von 1906 bis 1908 wurde ein seit 1898 geplanter Um- und Ausbau von Ladislaus Friedrich von Diószeghy, Architekt und Inspektor der k. k. Staatsbahnen, geleitet und der Bahnhof 1909 neu eröffnet. In der Mitte des Aufnahmegebäudes wurde die Eingangs- bzw. Schalterhalle im Jugendstil geschaffen und in die neuen Außenmauern auf Straßen- und Bahnsteigseite je drei hohe Segmentbogenfenster eingebaut. Die Eingänge wurden mit verzierten, heute noch vorhandenen Vordächern markiert. Außergewöhnlich ist der nach dem Prinzip der Kuppel aus Stahl konstruierte Dachstuhl über der Eingangshalle. Der Jugendstil-Originalzustand der Halle wurde erst wieder im Rahmen der Umbauten und Restaurierungen im Jahre 2011 wiederhergestellt. Dazwischen waren Wanddekor, die Jugendstilelemente und die gleisseitig gelegenen Fenster durch Gipskartonplatten aus den 1960er Jahren und Werbeflächen verdeckt gewesen. Fast alle zwischen 1906 und 1909 von Salzburger und Wiener Künstlern geschaffenen zehn Bilder aus Keramikfliesen mit Motiven aus Salzburg (Landeswappen, Stadtwappen, Hellbrunn, Gastein u.a.) konnten wieder restauriert werden. Nur das Bild der Festung Hohensalzburg war völlig zerstört und musste nach Fotos rekonstruiert werden. Nach alten Fotos wurden auch die alten Hängelampen aus Messing und die originalen, durchsichtigen Jugendstilfenster rekonstruiert (und ersetzen graue Scheiben aus Industrieverglasung der 1970er Jahre).
Um den Bahnhof zu erweitern und insbesondere den neuen Anforderungen durch die Inbetriebnahme der Tauernbahn gerecht zu werden, wurde 1906 bis 1909 der 52 Meter breite Mittel- bzw. Inselbahnsteig (damals: "Mittelperron") gebaut und von einer Bahnsteighalle, bestehend aus einem dreischiffigen Stahlfachwerk (164,5 Meter mal 52 Meter), überspannt. Zudem wurde 1907 der Zugang zum Mittelbahnsteig über drei Tunnel erschlossen und eine Fußgängerbrücke gebaut, die den Bahnhof mit dem Stadtteil Schallmoos verband. Im Mittelschiff der stählernen Bahnsteighalle wurde ein Verkehrspavillon integriert, in welchem der originale Marmorsaal zu finden war. Die Stahlhalle wird von einem doppelköpfigen Adler und - als Symbol für die Eisenbahn - von zwei geflügelten Rädern geziert (letztere finden sich auch in den Ecken der Aufnahmehalle).
1944/1945 wurden Bahnhof und Bahnhofsviertel bei Bombenangriffen arg beschädigt. Vor allem der Nordtrakt sowie der Mittelbahnsteig, samt dem Marmorsaal, wurden am 17. November 1944 zerstört und danach neu gebaut. Erst 1949 wurde als Nachfolger des originalen Marmorsaals die Marmorhalle (später oft weiter als Marmorsaal bezeichnet) gebaut. Deren Bedeutung gilt aus der Perspektive des Denkmalschutzes als umstritten, der Saal selbst hat aber in Salzburg zahlreiche Fans und Liebhaber gefunden, die gegen den geplanten Abriss 2009 eine eigene Bürgerinitiative[1] gebildet hatten. In dieser Halle aus Adneter Korallenmarmor war das Bahnhofsrestaurant (zuletzt vor dem Abbruch: "Quo Vadis") untergebracht. Besonders beliebt war der Kaisersaal.
In den 1970er Jahren wurde durch die Korridorzüge, die Salzburg über Rosenheim mit Innsbruck verbanden und in Deutschland nicht halten durften, und auch durch verstärktes Güteraufkommen der Platz wieder eng und so entschied man sich 1972 für den Bau eines vierten durchgehenden Bahnsteigs, 1991 folgte ein fünfter. Die historische Bausubstanz des Bahnhofs wurde dabei zumeist unbedacht angegriffen. Bis in die 1970er Jahre war der Bahnhof auch einer der Hauptstandplätze der Salzburger Dienstmänner.
Umbau 2010 - 2014
Start der Bauarbeiten
Der Salzburger Hauptbahnhof verfügt, bedingt durch seine Funktion als einstiger Grenzbahnhof, über Kopf- und Durchgangsbahnsteige. Mit dem bis 2014 dauernden Umbau durch die Österreichischen Bundesbahnen wird der Hauptbahnhof als internationale Verkehrsdrehscheibe zum reinen Durchgangsbahnhof mit neun Bahnsteigen umgestaltet. Der offizielle Spatenstich zum Umbau des Salzburger Hauptbahnhofs erfolgte am 7. November 2008. Verantwortlich für Planung und Bau des neuen Salzburger Hauptbahnhofs ist Hans Wehr.
2009 begann der tatsächliche Umbau des Hauptbahnhofs. Da dieser bei laufendem Betrieb stattfand, erforderte es von den Planern zusätzliche Maßnahmen:
So wurden im August 2009 die Schalterhalle, das Servicecenter, das Reisecenter der ÖBB, die Trafik, die Infobox inklusive einer Ausstellung zum Bahnhofsumbau, die Schließfächer, Buch&Presse, der Salzburger Tourismus und das Bahnhofsrestaurant in Container auf dem Bahnhofsvorplatz übersiedelt.
Ab 27. Oktober 2009 galt am Bahnhofsvorplatz eine neue Verkehrsregelung. Der Individualverkehr kann seither nur noch eingeschränkt zum Bahnhof zufahren. So sollte die Sicherheit der Bauarbeiter während des Umbaus gewährleistet werden. Für den öffentlichen Verkehr ist die neue Verkehrsregelung eine Erleichterung.
Geplant war, den neuen Bahnhof 2012 im Teilbetrieb und den gesamten neuen Kundenbereich bis Ende 2013 komplett in Betrieb zu nehmen. 2014 würden dann nur noch Gleisanlagen im Güterbereich erneuert werden.
In Abstimmung mit dem Bundesdenkmalamt entsteht in Salzburg einer der modernsten Bahnhöfe Österreichs, wobei die historische Dachkonstruktion über dem alten Mittelbahnsteig erhalten bleibt. Die Dachträger wurden abgebaut, zwischengelagert, restauriert und werden in den neuen Bahnhof wieder integriert.
Der Komplettumbau des Bahnhofs ist mit einem Budget von 270 Millionen Euro veranschlagt. Errichtet werden neben den neuen Gleisanlagen auch eine unterirdische Passage vom Südtiroler Platz zur Lastenstraße. Die beiden Salzburger Stadtteile Schallmoos und Elisabeth-Vorstadt werden so neu verbunden.
Erste Bauphase
In der ersten Bauphase wurden die Bahnsteige 1 und 2 sowie der ehemalige Mittelbahnsteig abgetragen. Zwischen Hauptgebäude und Bahnsteig 3 entstand eine große Baugrube, in der im Sommer 2010 der Rohbau der zukünftigen Shoppassage und der Beginn des Tunnels nach Schallmoos betoniert wurden. Im November 2010 wurde mit der Restaurierung des Hauptgebäudes begonnen. Seit dem 14. Juli 2011 erreichen die täglich 25.000 Fahrgäste die Abfahrtsbahnsteige der Züge wieder über die zentrale, neue Bahnhofshalle. Als optisches Highlight sind die restaurierten Jugendstilbilder aus dem Jahre 1906 bis 1909 in der Kassenhalle wieder sichtbar gemacht worden. Baustellenbedingt erhielten die bisherigen Bahnsteige 3, 4 und 5 die neue Bezeichnung 33, 34 und 35. Diese Abänderung ist notwendig, da ab Anfang November 2011 die neuen Bahnsteige in Betrieb gehen und es ansonsten zu Doppelnummerierungen kommen würde.
Von Juli bis Anfang November 2011 wurden die Bahnsteige 1 bis 3 neu errichtet. Darüber hinaus entstand ein neues Durchfahrgleis für Güterzüge. Insgesamt wurden rund 2.900 Meter Gleisanlagen nach modernsten Vorgaben gebaut. So sorgen Unterschottermatten auf einer Fläche von 3.000 m² für den wichtigen Erschütterungsschutz auf dem Passagetragwerk. Anrainer und Gebäude profitieren von geringerem Luftschall und weniger Erschütterungen. Die Passage als helles und freundliches Verbindungselement zwischen den Stadtteilen Elisabeth-Vorstadt und Schallmoos war im Sommer 2011 im Rohbau zu 70% fertig. Mitte des Jahres 2012 werden dort die ersten Shops und Kundeneinrichtungen eröffnet.
Am 7. Februar 2011 begann der Wiederaufbau der 300 Tonnen schweren Stahlhallenkonstruktion des ehemaligen Mittelbahnsteigs. Am 20. April wurde die Rohkonstruktion komplettiert. Die Halle wurde Ende August 2011 fertiggestellt und noch mit einem Membrandach überzogen. Die Größe der Halle ist beträchtlich, mit dem neuen Mittelteil knapp 80 Meter lang und mehr als 24 Meter breit. Das Stahlgerüst besteht aus 2.500 Einzelteilen.
Zweite Bauphase
Seit der Öffnung der Bahnsteige 1 bis 3 am 6. November 2011 steht die Hallenkonstruktion wieder den Reisenden zur Verfügung. Seit Ende 2011 führt eine Rolltreppe aus dem Bahnhofsgebäude zur Lokalbahn.
Am 1. Juni 2012 eröffnete SPAR das erste Geschäft in der Passage unter dem Bahnhof. In dem 385 m² großen Lebensmittelmarkt kann an sieben Tagen in der Woche bis 23 Uhr eingekauft werden. Am selben Tag wurde eine moderne Erdwärmeanlage in Betrieb genommen, die künftig etwa 80 Prozent der Kühl- und 55 Prozent der Heizenergie liefern wird.
Mitte Juni übersiedelte das ÖBB Reisezentrum vom Container am Bahnhofsvorplatz in die Passage, die nun auch bereits einen Buch- und Zeitschriftenhandel, eine Trafik, ein Café, diverse Imbissstände und die neuen Toilettenanlagen beherbergt.
Am 13. Juli 2012 wurden die Bahnsteige 4 und 5 mit einem Festakt feierlich eröffnet. Seit diesem Zeitpunkt ist der Bahnhof im Personenverkehr praktisch wieder baustellenfrei zu benutzen, da sich die verbleibende Baustelle (Bahnsteige 6-9, Durchstich der Passage nach Schallmoos) im Osten an den bereits fertiggestellten Teil anschließt.
Dritte Bauphase
Tags darauf begann der Abriss der letzten verbliebenen alten Bahnsteige (34, 35). Wieder wurde eine, diesmal deutlich kleinere, Baugrube ausgehoben und im Herbst/Winter 2012/13 darin der restliche Teil der unterirdischen Passage nach Schallmoos betoniert.
Am 21. Dezember 2012 wurde das Nelböck-Viadukt wieder für den Verkehr freigegeben. Hier wird nach der Fertigstellung des Bahnhofs auch ein direkter Aufgang zu den Bahnsteigen der S-Bahn zur Verfügung stehen.
Ende Februar 2013 begann man mit dem Aufstellen der Träger für die Dachkonstruktion der Bahnsteige 6-9. Am 25. März 2013 wurde die Passage in die Lastenstraße provisorisch ihrer Bestimmung übergeben. Im Sommer 2013 wurden die Flächen links und rechts der Unterführung an die Shopbetreiber übergeben, die dann mit dem Innenausbau begannen. Im August 2013 folgten die Bahnsteige 6 und 7 und am 19. Oktober 2013 werden die Bahnsteige 8 und 9 inklusive dem Abgang ins Nelböckviadukt eröffnet. Mitte 2014 soll der Um- bzw. Neubau des Bahnhofes im Prinzip abgeschlossen sein, dann wird für ein halbes Jahr noch im Bereich der Güter-Gleise gearbeitet.
Quellen
- Salzburger Nachrichten
- Presseseiten der ÖBB im Internet
- Gobiet, Ronald (Hrsg.): "Der neue Salzburger Hauptbahnhof. Stationen seiner Geschichte von 1860 bis 2014. Salzburger Beiträge zur Kunst und Denkmalpflege Bd. VI", Verlag Anton Pustet, 2012
Weblinks
- Seite zum Bahnhofsumbau der ÖBB
- Fahrgast-Information als Broschüre zum Downloaden
- Bildergalerie zum Umbau des Hauptbahnhofs
- Die Projektbroschüre der ÖBB zum Umbau des Hauptbahnhofs
- Bericht über Preisverleihung für den Neubau des Salzburger Hauptbahnhofes
Bildergalerie
Bilder vom Salzburger Hauptbahnhof vor seinem Umbau 2009
- Europark 021.jpg
Salzburger Hauptbahnhof, in der Denkmalgeschützten Haupthalle auf Gleisniveau
Bilder während des Umbaus 2009 bis 2014
Fertigstellung, I. Teilabschnitt ab November 2011
Panoramabild, Salzburger Hauptbahnhof neu, mit den Bahnsteigen 1, 2 u. 3 (von links) mit Zügen der WESTbahn