Betteln: Unterschied zwischen den Versionen

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'''Betteln''' bedeutet ursprünglich 'wiederholt bitten', gewöhnlich um Almosen<ref>Etymologisches Wörterbuch des Deutschen, dtv, 8. Auflage 2005: 128.</ref>. Betteln ist in [[Stadt Salzburg|Stadt]] und [[Land Salzburg]] von jeher ein Thema und hat [[2012]] einen neuerlichen Diskussionshöhepunkt erlebt. Am [[20. Mai]] [[2015]] beschloss der [[Salzburger Gemeinderat]] ein [[Bettelverbot in Salzburg|Bettelverbot]] in Teile der [[Altstadt]].
'''Betteln''' bedeutet ursprünglich 'wiederholt bitten', gewöhnlich um Almosen<ref>Etymologisches Wörterbuch des Deutschen, dtv, 8. Auflage 2005: 128.</ref>. Betteln ist in [[Stadt Salzburg|Stadt]] und [[Salzburg (Bundesland)|Land Salzburg]] von jeher ein Thema und hat [[2012]] einen neuerlichen Diskussionshöhepunkt erlebt. Am [[20. Mai]] [[2015]] beschloss der [[Salzburger Gemeinderat]] ein [[Bettelverbot in Salzburg|Bettelverbot]] in Teile der [[Altstadt]].


== Geschichtlicher Rückblick in Salzburg ==
== Geschichtlicher Rückblick in Salzburg ==
=== Mittelalter ===
=== Mittelalter ===
Almosen zu geben wurde als Ausgleich für die ungerechte Verteilung von Privateigentum angesehen und in weiterer Folge zum allgemeinen Gebot erhoben. So legte die von [[Karl der Große|Karl dem Großen]] einberufene [[Salzburger Provinzialsynode|Synode von Salzburg]] fest, dass alle guten Christen nach besten Kräften viermal im Jahr Almosen zu geben haben.
Almosen zu geben wurde als Ausgleich für die ungerechte Verteilung von Privateigentum angesehen und in weiterer Folge zum allgemeinen Gebot erhoben. So legte die von [[Karl dem Großen]] einberufene [[Salzburger Provinzialsynode|Synode von Salzburg]] fest, dass alle guten Christen nach besten Kräften viermal im Jahr Almosen zu geben haben.


Diese Entscheidung, private Spenden als Christenpflicht anzusehen, trug entscheidend dazu bei, dass das Almosen, gegenüber anderen Formen der Armenfürsorge an Bedeutung gewann. Der Anspruch auf Hilfe wurde im [[Mittelalter]] also allgemein anerkannt und das Betteln galt weder als Schande noch unterlag es in irgendeiner Form der Ächtung. Bettelverbote waren der mittelalterlichen Gesellschaft fremd, und auch mit den späteren Vorwürfen der Untüchtigkeit, des Müßiggangs oder der Arbeitsscheu waren die Bettler in jener Zeit nicht konfrontiert.<ref>Müller, Oliver: ''Vom Almosen zum Spendenmarkt; Sozialethische Aspekte christlicher Spendenkultur'', Freiburg im Breisgau, Lambertus-Verlag, 2005, S.&nbsp;117&nbsp;ff. zitiert nach [[Anton Waltl|Waltl, Anton]]: ''Bettelverbote in Österreich'', 2011, Diplomarbeit [[Universität Salzburg]], S.&nbsp;39-40.</ref>
Diese Entscheidung, private Spenden als Christenpflicht anzusehen, trug entscheidend dazu bei, dass das Almosen, gegenüber anderen Formen der Armenfürsorge an Bedeutung gewann. Der Anspruch auf Hilfe wurde im [[Mittelalter]] also allgemein anerkannt und das Betteln galt weder als Schande noch unterlag es in irgendeiner Form der Ächtung. Bettelverbote waren der mittelalterlichen Gesellschaft fremd, und auch mit den späteren Vorwürfen der Untüchtigkeit, des Müßiggangs oder der Arbeitsscheu waren die Bettler in jener Zeit nicht konfrontiert.<ref>Müller, Oliver: ''Vom Almosen zum Spendenmarkt; Sozialethische Aspekte christlicher Spendenkultur'', Freiburg im Breisgau, Lambertus-Verlag, 2005, S.&nbsp;117&nbsp;ff. zitiert nach [[Anton Waltl|Waltl, Anton]]: ''Bettelverbote in Österreich'', 2011, Diplomarbeit [[Universität Salzburg]], S.&nbsp;39-40.</ref>
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===17. und 18. Jahrhundert ===
===17. und 18. Jahrhundert ===
[[1678]] erließ [[Fürsterzbischof]] [[Maximilian Gandolf Graf von Kuenburg]] die Almosenordnung mit der Einführung eines „Bettlerkatasters“. In den [[1690er]]-Jahren waren in Wien von insgesamt 1&nbsp;051 bettelnden Menschen (die aufgezeichnet wurden) 102 Kinder/Jugendliche bis 14 Jahre. In Salzburg waren es 460 Kinder von insgesamt 3&nbsp;540 offiziellen BettlerInnen.<ref>Bräuer, Helmut: ''Kinderbettel und Bettelkinder Mitteleuropas zwischen 1500 und 1800. Beobachtungen - Thesen - Anregungen'', 2010, Leipziger Universitätsverlag, S. 34.</ref>
[[1678]] erließ [[Fürsterzbischof]] [[Maximilian Gandolf Graf von Kuenburg]] die Almosenordnung mit der Einführung eines "Bettlerkatasters". In den [[1690er]]-Jahren waren in Wien von insgesamt 1&nbsp;051 bettelnden Menschen (die aufgezeichnet wurden) 102 Kinder/Jugendliche bis 14 Jahre. In Salzburg waren es 460 Kinder von insgesamt 3&nbsp;540 offiziellen BettlerInnen.<ref>Bräuer, Helmut: ''Kinderbettel und Bettelkinder Mitteleuropas zwischen 1500 und 1800. Beobachtungen - Thesen - Anregungen'', 2010, Leipziger Universitätsverlag, S. 34.</ref>


Menschen, die bettelten, taten dies als Einzelbettler, Geschwisterbettler oder in Gruppen von Fremden. So meinte Margaretha Wucherer im [[Pfleggericht]] [[Bezirksgericht Neumarkt|Neumarkt]], sie sei von zu Hause weggelaufen, der Stiefvater habe sie nicht gut behandelt, und seither sei sie ''"mit verschiedenen Leuten im Bettel vagirt"'' [...].<ref>[[Sabine Veits-Falk|Veits-Falk, Sabine]], ''„Zeit der Noth“. Armut in Salzburg 1803 - 1870''. Salzburg: [[Verein Freunde der Salzburger Geschichte|Verein "Freunde der Salzburger Geschichte"]], 2000. S.&nbsp;70. Zitiert nach Bräuer, Helmut, ''Kinderbettel und Bettelkinder Mitteleuropas zwischen 1500 und 1800. Beobachtungen - Thesen - Anregungen'', 2010, Leipziger Universitätsverlag, S. 60.</ref>
Menschen, die bettelten, taten dies als Einzelbettler, Geschwisterbettler oder in Gruppen von Fremden. So meinte Margaretha Wucherer im [[Pfleggericht]] [[Bezirksgericht Neumarkt|Neumarkt]], sie sei von zu Hause weggelaufen, der Stiefvater habe sie nicht gut behandelt, und seither sei sie ''"mit verschiedenen Leuten im Bettel vagirt"'' [...].<ref>[[Sabine Veits-Falk|Veits-Falk, Sabine]], ''"Zeit der Noth". Armut in Salzburg 1803 - 1870''. Salzburg: [[Verein Freunde der Salzburger Geschichte|Verein "Freunde der Salzburger Geschichte"]], 2000. S.&nbsp;70. Zitiert nach Bräuer, Helmut, ''Kinderbettel und Bettelkinder Mitteleuropas zwischen 1500 und 1800. Beobachtungen - Thesen - Anregungen'', 2010, Leipziger Universitätsverlag, S. 60.</ref>


Nachweise für Bettlerbanden gibt es allerdings nicht. Höchstens Bettlerkleingruppen bei Kindern und Jugendlichen oder größere Familienverbände hätte es gegeben. Größere Gruppen wären auch kaum möglich gewesen, denn sie wären zu sehr aufgefallen und hätten die Obrigkeit gegen sich aufgebracht.<ref>Bräuer, ''...und hat seithero gebetlet […]'' S.&nbsp;206-207.</ref>
Nachweise für Bettlerbanden gibt es allerdings nicht. Höchstens Bettlerkleingruppen bei Kindern und Jugendlichen oder größere Familienverbände hätte es gegeben. Größere Gruppen wären auch kaum möglich gewesen, denn sie wären zu sehr aufgefallen und hätten die Obrigkeit gegen sich aufgebracht.<ref>Bräuer, ''...und hat seithero gebetlet […]'' S.&nbsp;206-207.</ref>


Im größten [[Hexenprozesse|Hexenprozess]] der Salzburger Landesgeschichte und auf dem Boden des heutigen Österreich, dem um den [[Zauberer Jackl]], spielten Bettlerkinder eine zentrale Rolle und hatten die schlechtesten Karten gegenüber [[Fürsterzbischof]] [[Maximilian Gandolf Graf von Kuenburg]] - das war bereits im letzten Viertel des [[18. Jahrhundert]]s. [[1678]] erließ Max Gandolf Graf von Kuenburg die Almosenordnung mit der Einführung eines „Bettlerkatasters“.   
Im größten [[Hexenprozesse|Hexenprozess]] der Salzburger Landesgeschichte und auf dem Boden des heutigen Österreich, dem um den [[Zauberer Jackl]], spielten Bettlerkinder eine zentrale Rolle und hatten die schlechtesten Karten gegenüber [[Fürsterzbischof]] [[Maximilian Gandolf Graf von Kuenburg]] - das war bereits im letzten Viertel des [[18. Jahrhundert]]s. [[1678]] erließ Max Gandolf Graf von Kuenburg die Almosenordnung mit der Einführung eines "Bettlerkatasters".   


=== 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart ===
=== 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart ===
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Kritische Meldungen gibt es unter anderem von der [[Salzburger Armutskonferenz]]:
Kritische Meldungen gibt es unter anderem von der [[Salzburger Armutskonferenz]]:


:"''Mit dem neuen Sicherheitsgesetz [...] ist die Landesregierung auf dem Holzweg''", so [[Robert Buggler]], Sprecher der Salzburger Armutskonferenz. ''Erstens ist es grundsätzlich der falsche Weg, ausschließlich mit Verboten und Strafen ein soziales Problem lösen zu wollen. Zweitens schießen die neuen Bestimmungen maßlos über das Ziel hinaus, Stichwort: Bettelverbotszonen. Drittens fehlen völlig begleitende soziale und deeskalierende Maßnahmen. Und Viertens widerspricht die neue Regelung den Intentionen der Entscheidung des Verfassungsgerichtshofes.''"<ref>Presseartikel vom 16. Oktober 2012 Betteln: Landesregierung auf dem Holzweg [http://www.salzburger-armutskonferenz.at/?page_id=24 www.salzburger-armutskonferenz.at]</ref>
:"''Mit dem neuen Sicherheitsgesetz [...] ist die Landesregierung auf dem Holzweg''", so [[Robert Buggler]], Sprecher der Salzburger Armutskonferenz. "''Erstens ist es grundsätzlich der falsche Weg, ausschließlich mit Verboten und Strafen ein soziales Problem lösen zu wollen. Zweitens schießen die neuen Bestimmungen maßlos über das Ziel hinaus, Stichwort: Bettelverbotszonen. Drittens fehlen völlig begleitende soziale und deeskalierende Maßnahmen. Und Viertens widerspricht die neue Regelung den Intentionen der Entscheidung des Verfassungsgerichtshofes.''"<ref>Presseartikel vom 16. Oktober 2012 Betteln: Landesregierung auf dem Holzweg [http://www.salzburger-armutskonferenz.at/?page_id=24 www.salzburger-armutskonferenz.at]</ref>


Kritik kam ebenfalls von den [[Grüne]]n - welche Angaben der Gesetzesentwürfe wären im 'Husch-Pfusch-Verfahren' gemacht worden - und der [[Bürgerliste]]<ref>[http://salzburg.orf.at/news/stories/2546249/ salzburg.orf.at/news/stories], [http://derstandard.at/1348283820938/Salzburger-Landesregierung-einigte-sich-ueber-Bettelverbot derstandard.at]</ref>. Auch die Plattform für Menschenrechte kritisierte den neuen Antrag.
Kritik kam ebenfalls von den [[Grüne]]n - welche Angaben der Gesetzesentwürfe wären im 'Husch-Pfusch-Verfahren' gemacht worden - und der [[Bürgerliste]]<ref>[http://salzburg.orf.at/news/stories/2546249/ salzburg.orf.at/news/stories], [http://derstandard.at/1348283820938/Salzburger-Landesregierung-einigte-sich-ueber-Bettelverbot derstandard.at]</ref>. Auch die Plattform für Menschenrechte kritisierte den neuen Antrag.
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==== Salzburg-Splitter im Überblick ====
==== Salzburg-Splitter im Überblick ====
Im [[Bundesland Salzburg]] geht die Namensgebung der [[Pongau]]er Gemeinde [[St. Martin am Tennengebirge]] auf den hl. Martin zurück, der seinen Mantel mit einem Bettler teilt. In der  [[Filialkirche zum hl. Martin in Pfongau]] in der [[Flachgau]]er Stadt [[Neumarkt am Wallersee]]  schuf [[Johann Scheidl]] eindrucksvoll diese Bettlerszene.
Im [[Bundesland Salzburg]] geht die Namensgebung der [[Pongau]]er Gemeinde [[St. Martin am Tennengebirge]] auf den hl. Martin zurück, der seinen Mantel mit einem Bettler teilt. In der  [[Filialkirche zum heiligen Martin in Pfongau]] in der [[Flachgau]]er Stadt [[Neumarkt am Wallersee]]  schuf [[Johann Scheidl]] eindrucksvoll diese Bettlerszene.


Ab dem [[Mittelalter]] waren Bettler in [[Hexenprozess]]es oft Anklagte. So finden sich u.a. Berichte über Bettler, die im Zusammenhang mit Zauberei gefoltert wurden, in den Geschichtsbüchern des [[Lungau]]er [[Schloss Moosham|Schlosses Moosham]]. Auch in den der [[Pest]] waren Bettler oft Leidtragende, wurden sie doch manchmal nicht mehr in Dörfer und Städte gelassen.
Ab dem [[Mittelalter]] waren Bettler in [[Hexenprozess]]es oft Anklagte. So finden sich u. a. Berichte über Bettler, die im Zusammenhang mit Zauberei gefoltert wurden, in den Geschichtsbüchern des [[Lungau]]er [[Schloss Moosham|Schlosses Moosham]]. Auch in den der [[Pest]] waren Bettler oft Leidtragende, wurden sie doch manchmal nicht mehr in Dörfer und Städte gelassen.


Wer früher in einer Gemeinde einen ununterbrochenen Aufenthalt von zehn Jahren erreichte, erwarb das [[Heimatrecht]] ([[1820]] – [[1938]], einige Male novelliert) und damit den Anspruch auf das Armenhaus bzw. die [[Einliegerwesen|Einlage]]. Wer kein [[Heimatrecht]] erwerben konnte, weil man in manchen Gemeinden dem [[Dienstboten]] vor Ablauf der Zehnjahresfrist keine Arbeit mehr gab und sich dieser in einer anderen Gemeinde verdingen musste, endete oftmals als Bettler, wenn er arbeitsunfähig geworden war.
Wer früher in einer Gemeinde einen ununterbrochenen Aufenthalt von zehn Jahren erreichte, erwarb das [[Heimatrecht]] ([[1820]] – [[1938]], einige Male novelliert) und damit den Anspruch auf das Armenhaus bzw. die [[Einliegerwesen|Einlage]]. Wer kein [[Heimatrecht]] erwerben konnte, weil man in manchen Gemeinden dem [[Dienstboten]] vor Ablauf der Zehnjahresfrist keine Arbeit mehr gab und sich dieser in einer anderen Gemeinde verdingen musste, endete oftmals als Bettler, wenn er arbeitsunfähig geworden war.


Der [[Gasthof zum Noisternig]] trug im [[19. Jahrhundert]] den Namen ''„Bettelmanns Umkehr“''. Dieser etwas seltsame Name rührt von einem damals dort angebrachten und von Kontrollorganen bewachten Zollschranken her, vor dem Bettler und Walzbrüder umkehren mussten.  
Der [[Gasthof zum Noisternig]] trug im [[19. Jahrhundert]] den Namen ''"Bettelmanns Umkehr"''. Dieser etwas seltsame Name rührt von einem damals dort angebrachten und von Kontrollorganen bewachten Zollschranken her, vor dem Bettler und Walzbrüder umkehren mussten.  


In der [[Seuchenspital St. Rochus|Rochuskaserne]] in [[Maxglan]] wurden Bettler, Unterstandslose und Kleinkriminelle eingesperrt und mussten sich ihre Verpflegung selbst erarbeiten.
In der [[Seuchenspital St. Rochus|Rochuskaserne]] in [[Maxglan]] wurden Bettler, Unterstandslose und Kleinkriminelle eingesperrt und mussten sich ihre Verpflegung selbst erarbeiten.
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=== Beispiele und Vorkommnisse im 20. und 21. Jahrhundert ===
=== Beispiele und Vorkommnisse im 20. und 21. Jahrhundert ===
Durch das Ende der [[Bürmooser Glasindustrie]] um 1931 begann eine schwere Zeit für die [[Flachgau]]er Gemeinde [[Bürmoos]]. Viele Familien mit bis zu zehn Kindern waren ohne Einkommen. Manche bekamen Arbeit beim Bau der [[Großglockner Hochalpenstraße]]. Andere zogen nach Niederösterreich, nach Brunn am Gebirge, weil es dort noch eine intakte Glashütte gab. Das Sozialsystem war damals noch dürftig, 20 Wochen Arbeitslosengeld gab es, danach galt man als „ausgesteuert“. So sollen die Bürmooser verschrien gewesen sein, ''weil sie zu den Bauern bis ins [[Innviertel]] betteln gegangen sind. Viele haben durch Beeren- und Schwammerlbrocken überlebt'', erzählt Alexander Schwarz, der sich selbst zunächst als Bau- und Ziegeleiarbeiter durchschlug, bis er schließlich nach dem Krieg als Schaffner bei der [[Salzburger Lokalbahn]] eine berufliche Heimat fand.<ref>Quelle Salzburgwiki-Beitrag  [[Bürmooser Glasindustrie]].</ref>
Durch das Ende der [[Bürmooser Glasindustrie]] um 1931 begann eine schwere Zeit für die [[Flachgau]]er Gemeinde [[Bürmoos]]. Viele Familien mit bis zu zehn Kindern waren ohne Einkommen. Manche bekamen Arbeit beim Bau der [[Großglockner Hochalpenstraße]]. Andere zogen nach Niederösterreich, nach Brunn am Gebirge, weil es dort noch eine intakte Glashütte gab. Das Sozialsystem war damals noch dürftig, 20 Wochen Arbeitslosengeld gab es, danach galt man als "ausgesteuert". So sollen die Bürmooser verschrien gewesen sein, "''weil sie zu den Bauern bis ins [[Innviertel]] betteln gegangen sind. Viele haben durch Beeren- und Schwammerlbrocken überlebt''", erzählt Alexander Schwarz, der sich selbst zunächst als Bau- und Ziegeleiarbeiter durchschlug, bis er schließlich nach dem Krieg als Schaffner bei der [[Salzburger Lokalbahn]] eine berufliche Heimat fand.<ref>Quelle SALZBURGWIKI-Beitrag  [[Bürmooser Glasindustrie]].</ref>


Ein in Salzburg seit [[1979]] bestandenes Bettelverbot wurde mit Erkenntnis vom [[11. Juli]] [[2012]] vom Verfassungsgerichtshof gekippt. Grund dafür war die Beschwerde eines slowakischen Staatsbürgers im Oktober 2010. Das Höchstgericht stimmte zu, dass das [[Salzburger Bettelverbot]] gegen den Art. 10 der Europäischen Menschenrechtskonvention verstoße, da es verhindere, dass ''jedermann ausnahmslos an öffentlichen Orten andere Menschen auf seine individuelle Notlage aufmerksam machen'' könne (Freiheit der Meinungsäußerung). Das Verbot von "aggressivem Betteln" ist verfassungskonform, nicht jedoch das von "stillem" Betteln, sagt der VfGH. Der VfGH räumte keine Frist zur Reparatur des Gesetzes ein.
Ein in Salzburg seit [[1979]] bestandenes Bettelverbot wurde mit Erkenntnis vom [[11. Juli]] [[2012]] vom Verfassungsgerichtshof gekippt. Grund dafür war die Beschwerde eines slowakischen Staatsbürgers im Oktober 2010. Das Höchstgericht stimmte zu, dass das [[Salzburger Bettelverbot]] gegen den Art. 10 der Europäischen Menschenrechtskonvention verstoße, da es verhindere, dass ''jedermann ausnahmslos an öffentlichen Orten andere Menschen auf seine individuelle Notlage aufmerksam machen'' könne (Freiheit der Meinungsäußerung). Das Verbot von "aggressivem Betteln" ist verfassungskonform, nicht jedoch das von "stillem" Betteln, sagt der VfGH. Der VfGH räumte keine Frist zur Reparatur des Gesetzes ein.
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: Armut  
: Armut  
:: staatliche Unterstützung reicht nicht zum Leben, z. B. in Bulgarien, [[Rumänien]] besonders niedrig:  
:: staatliche Unterstützung reicht nicht zum Leben, z. B. in [[Bulgarien]], [[Rumänien]] besonders niedrig:  


: Arbeitslosigkeit
: Arbeitslosigkeit
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== Quellen ==
== Quellen ==
* {{Quelle SN|14. September 2012 - Abschnitte „2012“ und „Vorkommnisse“}}
* {{Quelle SN|14. September 2012 - Abschnitte "2012" und "Vorkommnisse"}}
== Einzelnachweise ==
== Einzelnachweise ==
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