Der Mirabellgarten ist einer der berühmtesten Sehenswürdigkeiten der Stadt Salzburg.

Blick über den Mirabellgarten, im Hintergrund die Salzburger Altstadt mit der Festung Hohensalzburg
Datei:Salzburg Sattler-Panorama Mirabell.jpg
Der Mirabellgarten auf dem Sattler-Panorama 1829
Der Mirabellgarten (Kleines Parterre) vom Rosenhügel aus in Richtung Altstadt
Pegasus mit Blick auf die Festung Hohensalzburg
Schloss Miarabell, Mirabellgarten und Vogelhaus vom Rosenhügel aus
Ausblick vom Rosenhügel über das Kleine Gartenparterre zur Festung Hohensalzburg
Orangerie beim Schloss Mirabell
Heckentheater neben dem Zwergelgarten
das die Gartenanlage beeinträchtigende Café im Mirabellgarten (Ostseite Salzburger Landestheater)

Allgemeines

Der Garten umgibt west- und südseitig das Schloss Mirabell in der rechtsufrigen Altstadt. Er ist im Norden vom Rosenhügel und dem übrigen Kurgarten, im Osten vom Schloss Mirabell und über den Kleinen Orangeriegarten vom Mirabellplatz, sowie im Süden vom Makartplatz aus zugänglich. Zum Mirabellgarten gehören auch der Zwergelgarten und der kleine Garten vor der Orangerie Schloss Mirabell.

Die barocke Gartenanlage reicht nordseitig bis zum Schloss Mirabell und schließt südseitig einen Baumbestand mit geometrischem Grundriss, das Bosquet mit ein. Sie gliedert sich somit in einen langgestreckten südlichen Teil (Großes Gartenparterre) und einen kleineren westlichen Teil (Kleines Gartenparterre), die jewels von einem großen Brunnen geprägt werden.

Der Mirabellgarten steht samt dem zugehörigen Zwergelgarten seit dem Jahr 2008 explizit unter Denkmalschutz Auch zuvor war aber ein Ex-lege-Schutz nach dem Denkmalschutzgesetz gegeben.[1]

Geschichte

Im Zuge der Errichtung des Schlosses durch Fürsterzbischof Wolf Dietrich von Raitenau im Jahr 1606 als Landsitz für die Geliebte und wohl auch heimliche Ehefrau des Fürsterzbischofs Salome Alt als Schloss Altenau wurden auch der zugehörige weitläufige manieristische Schlossgarten angelegt. Der Garten besaß bereits weitgehend seine bis heute bekannte langgestreckte Gestalt.

1631 ließ Fürsterzbischof Paris Graf Lodron einen Eingang zum Garten vom heutigen Makartplatz errichten. Nachdem im Jahr 1689 Johann Ernst Graf von Thun und Hohenstein zum Fürsterzbischof gewählt worden war, ließ er den Garten im barocken Stil grundlegend umgestalten. Die Gartenanlage wurde von Johann Bernhard Fischer von Erlach angelegt, der auch die Marmorbalustrade mit ihren Vasen entwarf. Der Garten wurde auch mit prachtvollen Marmorstatuen geschmückt; beteiligte Künstler waren Johann Fröhlich, Ottavio Mosto, Bartholomäus von Opstal, Andreas und Gregor Götzinger sowie Hanns Schwäbl.

Um 1730 wurde die Anlage von Matthias Diesel und von Anton Danreiter verändert, die ihr damaliges Aussehen in mehreren kolorierten Kupferstichen darstellten. [2] [3]
Erst 1854 unter Kaiser Franz Joseph I. wurde der Mirabellgarten öffentlich zugänglich. 1955 wurde er nach den Kriegswirren in kleinen Teilen historisierend wiederhergestellt [4]. 2008 sanierte man den Großen Springbrunnen um 15.000 Euro.

Großes Gartenparterre

Das Große Gartenparterre liegt südlich von Schloss Mirabell.

Vier-Elemente-Brunnen und die umgebenden vier Raptusgruppen

Im Mittelpunkt des Gartens befindet sich ein Springbrunnen mit einem großen flachen achteckigen Brunnenbecken. Im Viereck angeordnet stehen um den Brunnen vier Figurenpaare, die in Mythologie und Ornamentik die vier Elemente versinnbildlichen:

  • Element Erde: 'Hades entführt Persephone in die Unterwelt.'
  • Element Wasser: 'Paris raubt die schöne Helena und entflieht mit ihr über das Meer.'
  • Element Feuer: 'Aeneas flieht seinen Vater Anchises tragend mit seinem Sohn Ascanius aus dem brennenden Troja.'
  • Element Luft: 'Herkules ringt mit den Riesen Antaeus', der - in die Luft gehoben - keine Kraft aus der Berührung mit seiner Mutter Erde ziehen kann.

Die Figurenpaare werden kunstgeschichtlich auch als Raptusgruppen[5] bezeichnet.

Raptusgruppen - Bildergalerie

Balustraden und Statuen

Die Statuen auf den Balustraden stellen acht männliche und acht weibliche römisch-griechische Gottheiten dar und wurden 1689 aufgestellt:

  • männliche:
    • 1. Saturn (Kronos), eines seiner Kinder verschlingend; 2. Bacchus (Dionysos) mit Weintraube; 3. Jupiter (Zeus) mit Krone und Adler und 4. Mars (Ares) in voller Rüstung,
    • 5. Herkules (Herakles; Halbgott) mit Keule und Fell des Nemeischen Löwen; 6. Vulcanus (Hephaistos) mit Amboss; 7. Merkur (Hermes) mit Flügelhelm und 8. Apollo (Apollon) mit Lorbeer;
  • weibliche:
    • 1. Diana (Artemis) mit Jagdhund und mit Mondsichel im Haar; 2. Flora (---) mit zahlreichen Blumen; 3. Minerva (Athene) mit Brustharnisch und Schild samt Medusenhaupt und 4. Ceres (Demeter) mit Getreidegarbe,
    • 5. Pomona (---) mit Weintraube und Früchten; 6. Venus (Aphrodite) nackt mit Amorknabe; 7. Vesta (Hestia) mit Fell und einem Topf mit Feuer und 8. Juno (Hera) mit Traube und einem Pfau.

Flora, Ceres, sowie Pomona und Vesta stehen für die vier Jahreszeiten.

Die Bildhauer waren

Die Gottheiten auf den Balustraden - Bildergalerie Innere Balustrade (weibliche Gottheiten)

Äußere Balustrade (männliche Gottheiten)

Borghesische Fechter

Die beiden Paare borghesischer Fechter beim südlichen Zugang vom Makartplatz sind historische Kopien einer ankiken Skulptur [6].

Kleines Gartenparterre

Pegasusbrunnen

Datei:Pegasusbrunnen Mirabellgarten 01.jpg
Pegasusbrunnen im Mirabellgarten

Das geflügelte Pferd 'Pegasus' im gleichnamigen Brunnen war ursprünglich Teil der Kapitelschwemme, kam später auf den Mirabellplatz zur Mirabellschwemme und ist seit 1913 am heutigen Standort.

Der Tiroler Metall-Kunstgießer Kaspar Gras hatte das Werk 1661 im Auftrag von Fürsterzbischof Guidobald Graf von Thun für die Pferdeschwemme am Kapitelplatz hergestellt. 1700 ließ Fürsterzbischof Johann Ernst sie zur damaligen Pferdeschwemme auf den Mirabellplatz versetzen. 1732 fügte Anton Danreiter anlässlich der Neugestaltung dieser Mirabellschwemme die beiden Einhörner und die beiden Löwen hinzu, die vermutlich von Schloss Klessheim stammten und heute in der Nähe des Pegasusbrunnens zu sehen sind.

Nach dem großen Stadtbrand von 1818 wurde die Pferdeschwemme abgerissen. Von 1842 bis 1859 stand das Flügelross auf dem damaligen Hannibalplatz, dem heutigen Makartplatz, dann lange Zeit im Depot.

Seit 1913 steht die Pegasus-Statue auf einer aus Konglomerat aufgebauten Felsbrücke in der Mitte eines alten runden Brunnenbeckens.

Pegasusbrunnen - Bildergalerie

Einhörner

Das Kleine Gartenparterre ist nach Norden durch eine Prunkstiege mit schmiede-eisernen Torgitter abgeschlossen, die beidseits durch ein auf einem Podest ruhendes Einhorn flankiert werden. Während des Jahres ist das Torgitter zumeist geöffnet, nur im Winter ist es geschlossen. Das Einhorn ist ein mythisches Fabelwesen, zumeist ein weißes Pferd, aus dessen Stirne mittig ein einziges, starkes Horn senkrecht hervorragt. Dieses Horn wird als heilkräftig beschrieben. Das Einhorn gilt als das edelste aller Fabeltiere und steht als ein Symbol für das Gute. Das Einhorn lebt im tiefen Walde. Einfangen kann es der Legende nach nur eine Jungfrau. Diese dezent gesetzte Symbolik wird heute meistens übersehen. Die zwei Einhörner sind entweder ein beliebtes Fotomotiv für Brautpaare und Touristen oder Reittier für Kleinkinder. Die Hörner mussten leider infolge von Vandalismus erneuert werden.

Einhörner - Bildergalerie

Vogelhaus am Rand des Kleinen Gartenparterre

 
das Vogelhauses nach der Renovierung, 2011
Hauptartikel: Vogelhaus im Mirabellgarten

Verborgene Frauen

In der Mauer an der Westseite des Kleinen Gartenparterres sind zwei Frauenköpfe verborgen. Die beiden Frauenköpfe sind auf Augenhöhe positioniert, entsprechend der natürlichen Größe einer Frau. Zu sehen ist jeweils nur der Kopf, während der Rumpf fehlt und so der Körper der Frau eingemauert zu sein scheint. Die Frauenköpfe sind aus Sandstein, einem Material, das in Salzburg nicht vorkommt. Beide Köpfe sind stark verwittert. Fest steht, dass beide Frauenköpfe bewusst an ihre Positionen gesetzt wurden; warum, ist nicht bekannt und schwierig zu deuten. Es kann sein, dass man zufällig zwei Statuen oder auch nur deren Köpfe übrig hatte und sich einfach einen Jux machen wollte, indem man ein manieristisches Element wählte, um die einfache Mauer interessant zu machen. Möglich ist auch, dass es bewusst geschah, um der Dame des Hauses oder den Hofdamen eine Andeutung zu machen. In Rom wurde die Untreue einer Vestalin hart bestraft. Jedenfalls sind die zwei verborgenen Frauen während des ganzen Jahres kaum oder gar nicht zu sehen, weil die Vegetation diese überdeckt; im Winter, wenn die Blätter abgefallen sind, da sind die zwei verborgenen Schönheiten, die dort "im Dornröschenschlaf liegen", zu sehen.

'Verborgenen Frauen'

Brunnen


Heckentheater

Hauptartikel: Heckentheater

Das kleine lang gestreckte Heckentheater mit seinen von geschnittenem Gehölz eingefassten symmetrischen Wegen und seinen zentralen Freiflächen wurde vermutlich um 1704 (nach älteren Angaben aber erst 1718) auf der Lodronschen Wehrmauer errichtet und wird bis heute gelegentlich für kleine Theateraufführungen oder für Konzerte verwendet.

Orangeriegarten und Rosengarten im Süden von Schloss Mirabell

Hauptartikel: Orangerie Schloss Mirabell

Die Orangerie mit dem angrenzenden Palmenhaus entstand um 1725. Hingewiesen wird im (Kleinen) Orangeriegartenauch auf den Papagenabrunnen mit seiner Pagagena-Figur, 1984 geschaffen von Josef Magnus .

Wasserbastei

Hauptartikel: Wasserbastei

Die Wasserbastei ist eine kleine Vorbastei und der letzte Rest des einst mächtigen Lodronschen Gürtels von Bollwerken. Die Basis der erhaltenen Wehranlage ist nach 1860 stark eingeschüttet worden, sodass nur mehr die obere Hälfte sichtbar ist. Auf dieser Bastei sind derzeit die bekannten Marmorzwerge (siehe Zwergelgarten) aufgestellt.

Zwergelgarten

Der historische Zwergelgarten lag südlich der Wasserbastei und war ein Teil der Gartenanlage, die nach dem Ende der Türkengefahr Johann Ernst Graf Thun unter Leitung von Fischer von Erlach ausgestalten ließ. Die ersten Zwerge entstanden vermutlich 1691/1692, der Garten war dann um 1695 weitgehend fertiggestellt. Er wurde in der barocken Formgebung Ende des 18. Jahrhunderts zerstört, weil der maßgeblich von der Aristokratie Frankreichs geförderte Barockstil damals als hoffnungslos veraltet galt und auch an diesem Ort einem englischen Landschaftsgarten weichen musste, der heute ebenfalls nicht mehr besteht. Die Zwerge des Gartens wurden spätestens 1811 entfernt. Der Zwergelgarten befindet sich heute auf der Wasserbastei. Der Garten ist der älteste Zwergelgarten Europas und hat eine besonders hohe kulturelle Bedeutung. Die vielfältige Symbolsprache des Mirabellgartens wird maßgeblich auch vom Zwergelgarten mitbestimmt.

Gebäude und Bauten

Im Umfeld des Mirabellgartens befinden sich folgende Gebäude und Bauten:

An den Kurgarten grenzen an:

Bilder

  Mirabellgarten – Sammlung von weiteren Bildern, Videos und Audiodateien im SALZBURGWIKI
Datei:Commons-logo.svg Mirabellgarten – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien auf Wikimedia Commons

Weblinks

Quellen

Fußnoten

  1. Bundesdenkmalamt/Homepage/Salzburger Mirabellgarten
  2. austria-forum.org / Schloss Mirabell von Süden / Anton Danreiter / 1750
  3. www.ubs.sbg.ac.at/Johann Schimoußek: Plan der Anlage von Schloss Mirabell. Aquarellierte Federzeichnung, 1775, signiert und datiert
  4. Quelle Stadt Nachrichten, 11. Februar 2011, Artikel mit Aussagen der Salzburger Stadtführerin Renate Bauer
  5. Raptusgruppe: Von lateinisch raptus, "Raub", "Entführung" – in der Bildenden Kunst die Darstellung einer Entführung. Bekannte Beispiele sind der Raub der Amymone, der Raub der Europa, der Raub der Sabinerinnen und „Nessus raubt Dejanira” (Das grosse Kunstlexikon von P.W. Hartmann
  6. Das innere Fechterpaar wurde von Andreas Götzinger, das äußere von Bernhard Michael Mandl gefertigt. Der originale „Borghesische Fechter“ ist eine antike Statue, die um 1611 gefunden wurde und dann lange Zeit in der römischen Villa Borghese aufgestellt war (seit 1807 im Louvre, Paris); sie zeichnet sich durch vortreffliche anatomische Durchbildung aus und war im 18. Jahrhundert eine der am meisten bewunderten und kopierten Arbeiten der Antike (vgl. den Wikipedia-Artikel „Borghesischer Fechter“.