Zwergelgarten

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Zeichnung der Originalanlage: rechts der historische Zwergelgarten, in dem die Zwerge ursprünglich standen; links oben der kleine Bastionsgarten, in dem sie derzeit aufgestellt sind; der historische Zwergelgarten war nur über eine Treppe von der Wasserbastei-Brücke oder vom Salzachtreppelweg aus erreichbar; ganz links verläuft die heutige Schwarzstraße.
Karte

Der Zwergelgarten, ursprünglicher Name "Pigatlgarten", ist ein wesentlicher Teil des nach 1690 von Fischer von Erlach gestalteten barocken Mirabellgartens in der rechtsufrigen Altstadt der Stadt Salzburg. Er ist der älteste Zwergelgarten Europas.

Schreibweise

Zwergengarten, Zwergerlgarten, Zwergelgarten oder Zwerglgarten? Das Deutsche Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm[1] kennt das Wort "Zwergel".

zwergel, n., süd- und mitteldt. deminutivform von zwerg. 1) mythologische gestalt: die twergel erstênt (am jüngsten tage) in natürleicher gröz beleg bei Schmeller-Fr. 2, 1183; die mancherley formen der menschen, der ... kreutter, ... der zwergel Paracelsus op. (1616) 2, 8; und (man hat) weder zwarg noch zwärgel gefunden Chr. Lehmann hist. schaupl. (1699) 188. 2) kleiner mensch: du hast mich kurtz und klein wie ein zwergel gemacht Äg. Albertinus Lucifers königr. 95 v. Liliencr.; ich werde wohl immer ein zwergel verbleiben Holtei erz. schr. 15, 3. mundartlich, z. b. Martin-Lienhart elsäss. 2, 927, Hügel Wien 200. —

"Ansicht des Zwergel-Gartens in dem Hoch-Fürstl. Mirabell zu Saltzburg wie solchen von Mittag anzusehen." Franz Anton Danreiter, um 1735.

Es gibt auch eine um 1735 erschienene Zeichnung von Franz Anton Danreiter, die mit "Ansicht des Zwergel-Gartens in dem Hoch-Fürstl. Mirabell zu Saltzburg wie solchen von Mittag anzusehen." beschriftet ist.

Blick in den Zwergelgarten, 2025.

Reinhard Medicus verwendet in seinem 2021 erschienenen Buch "Salzburgs Stadtberge und Stadtgärten" ebenfalls die Schreibweise "Zwergel". In der Publikation "In Stein gemeißelt. Salzburger Barockinschriften erzählen."" (Brandhuber, Christoph; Fussl, Maximilian; Schachl-Raber, Ursula Hrsg. 2017) wird die Schreibweise "Zwergelgarten" verwendet.

Sucht man in den digitalisierten Zeitungen und Zeitschriften (ANNO), findet man fast 600 Einträge mit der Schreibweise "Zwerglgarten", darunter in Artikeln der "Salzburger Nachrichten" und in der "Österreichischen Bibliographie". Die älteste Eintragung in diesen Zeitungen stammt vom 16. Mai 1868. Eine aktuelle Internetsuche nach "Zwergelgarten" ergibt u. a. Treffer in ORF-Beiträgen, und man findet eine Pressemeldung mit der Form "Zwergerlgarten".[2]

Aufgrund dieser Quellenlage ist anzunehmen, dass in der Frühzeit des Gartens die Schreibweise "Zwergel" verwendet wurde, später zu "Zwergl" mutierte und heute verschiedene Schreibweisen verwendet werden. Das SALZBURGWIKI orientiert sich an der historischen Schreibweise Danreiters: Zwergelgarten.

Einleitung

Der derzeitige Aufstellungsort der Zwerge auf der Wasserbastei ist nicht der ursprüngliche Standort, und zudem fehlen einige Zwerge. Ein originalgetreu wiederhergestellter Zwergelgarten wäre der größte und – mit einer Unterbrechung von rund 200 Jahren – die älteste Zwergelsammlung der Welt. Eine Wiederherstellung nach den alten Plänen wäre unschwer möglich.

Am Eingang zur Wasserbastei: Zwerg mit dem Stachelärmel

Die Zwergelkarikaturen Callots und die Zwerge am Salzburger Hof

Mythen von Zwergen reichen tief in die Vorgeschichte. Schon im Altertum umgaben sich zur Unterhaltung Herrscher gerne mit kleinwüchsigen oder missgebildeten Menschen. In der Renaissance wurden sie wieder häufig an Fürstenhöfen angestellt. Verwachsene und kleinwüchsige Menschen wurden auch in der Barockzeit an vielen europäischen Fürstenhöfen angestellt, wo man sie ob ihrer Treue und Loyalität hoch schätzte. Besonders geschätzt war etwa der Hofzwerg Kaiser Karls IV., Jakob Ries. In Salzburg war während der Regentschaften von Johann Ernst Graf von Thun, Franz Anton Fürst Harrach, Leopold Anton Freiherr von Firmian und Jakob Ernst von Liechtenstein-Kastelkorn der Hofzwerg Josef Friedrich von Meichelböck (1687–1746) angesehen und beliebt. Jede der Figuren wiegt etwa 300 bis 400 Kilogramm[3]

Am Eingang zur Wasserbastei: Zwerg mit dem Ball

Weitum bekannt und berühmt wurden in der Folge die Karikaturen von Jacques Callot, dem Hofmaler von Cosimo II am Hof in Florenz. Callot sah dort zwischen 1612 und 1621 mehrfach Aufführungen der Zwergenkomödianten‑Truppe. Der Künstler zeigt Musikanten, Bettler und Trinker mit Buckel oder dickem Bauch. Auch Figuren des Stegreiftheaters Commedia dell'arte werden aufgegriffen. Der Schöpfer der varie figure gobbi, wie er seine 24 Zwergelgestalten nannte, wurde von zahllosen Festen angeregt, bei denen Turniere und Schauspiele von Kleinwüchsigen dargeboten wurden. Die Karikaturen Callots waren europaweit ein unglaublicher Erfolg.

Zwergin mit der Obstschürze

Die Zwergelgärten in Europa

Ausgehend vom Salzburger Mirabellgarten wurden bald in zahllosen Schloss- und Stiftsgärten derartige groteske Zwerge aufgestellt. Zuerst hat wohl Fischer von Erlach 1709 eine Zwergenanlage in Weidling bei Wien gestaltet und 1711 eine Zwergenbalustrade beim Schloss Weikersdorf in Franken. Auch das Schloss Pfannberg bei Frohnleiten in der Steiermark erhielt damals vermutlich seinen (heute verschollenen) Zwergengarten. Es folgten die Zwerge vor der Rennbahn des Schlosses Bad Kuskus in Böhmen und 1715 die Lambacher Gartenzwerge sowie jene von Schloss Dornau bei Pettau in der damaligen Südsteiermark. Weitere Zwergengärten wurden nicht nur in Salzburg, Österreich, Bayern und Böhmen errichtet, sondern auch in Rumänien, Polen, in nördlichen Teilen Deutschlands und nicht zuletzt zahlreiche Gärten auch in Norditalien rings um den Großraum von Venedig, Padua und Florenz.

Zwerg mit dem Strohtaschenhut

Die weitere Entwicklung der Gartenzwerge

In der weiteren Entwicklung der "Callot-Figuren" wurden Verwachsungen der Zwerge immer seltener. 1720 begann eine Porzellanmanufaktur in Meißen, 1744 folgte eine in Wien, und bald darauf entstanden auch in England einfache Zwergenfiguren. Um 1800 entstanden die ersten Gartenzwerge mit aufrechten Zipfelmützen. Doch schon der Zwerg mit den Kastagnetten in Salzburg besitzt eine hängende Zipfelmütze. Nachdem sich das Bürgertum zunehmend ihrer annahm, verloren die Zwerge in der Aristokratie immer weiter an Bedeutung. Um 1900 entstanden die ersten, oft sehr kitschigen Großserien aus Ton, später aus Plastik: die heutigen Gartenzwerge.

Zwerg mit dem Strohtaschenhut. Er hat einst Schwert und Degen in seinen Händen.

Der Zwergelgarten als wesentlicher Teil des Mirabellgarten-Gesamtkunstwerks Fischer von Erlachs

Die vielfältige Symbolsprache des Mirabellgartens wird maßgeblich vom Zwergelgarten mit seinen 28 Skulpturen aus Untersberger Marmor, der sogenannten Untersberger Forelle, mitbestimmt. Fischer von Erlach war Schüler von Gian Lorenzo Bernini, der sich auch als Karikaturist einen Namen machte. Von namhaften Architekten wird er auch als Mitbegründer der Karikatur bezeichnet. 1690–1692 wurden nach Vorlagen Fischer von Erlachs die Zwerge im Zwergelgarten sehr wahrscheinlich von Bernhard Michael Mandl, Bartholomäus van Opstal, Andreas Götzinger und Ottavio Mosto zusammen mit anderen Künstlern ausgeführt, zu denen auch Sebastian Stumpfegger und Hans Schwäbl gehörten. Der Garten wurde, ebenso wie der übrige Teil des Mirabellgartens, um 1695 weitgehend fertiggestellt.

Zwerg mit dem Spaten

"Der erste Beleg für den Bestand eines Zwergelgartens in Salzburg liegt zwar erst in den Jahren nach 1710 vor. Aus dieser Zeit gibt es jedoch keinerlei Hinweise auf eine Gartenneugestaltung. Zahlreiche Indizien lassen eine Entstehung im Rahmen des Gesamtkonzepts Fischer von Erlachs schon kurz nach 1690 überaus schlüssig erscheinen:

Zwerg mit der Rettichtasche
  • Die 28 großen marmornen Götter- und Heldenfiguren (ohne die später entfernten acht kleinen Tritonen) innerhalb der Wehranlagen stehen 28 Zwergen im Zwergelgarten außerhalb der Wehranlagen gegenüber.
  • Die Zwerge bilden das Gegenstück zur antiken Götterwelt des Mirabellgartens und auch dem von Herkules bezwungenen Riesen Anthäus.
  • Die Theaterzwerge konnten das Spiel der Komödianten des direkt südlich anschließenden Heckentheaters weiterführen.
  • Die Marmorvase des Aprilzwerges ist in einfacher Form der Formenfülle der Vasen Fischer von Erlachs entnommen.
  • Im heiteren Garten des (Fürst)-Erzbischofs Johann Ernst Graf Thun durfte die Erinnerung an die Vergänglichkeit aller Dinge nicht fehlen; dies sollte auch in den allegorischen Darstellungen der einzelnen Monate deutlich werden.

Die Figuren zeigen, dass Größe und Kleinheit relativ sind: Nachdem die Zwerge auf Sockeln von einem Meter Höhe standen, mussten die Besucher zu den Köpfen der kleinen Barockfiguren aufschauen. Die Kleinheit der Figuren wurde besonders deutlich, wenn man sie von den hohen Bastionsmauern aus betrachtete, die einst noch höher wirkten als im heutigen Zustand mit der großflächig um 1,5 m eingeschütteten Wehrmauerbasis. Die Gartenzwerge sollten symbolisch alles Böse fernhalten.

Als "Pigatlgarten" (so der ursprüngliche Name des Gartenteils), später als Pagodengarten und dann als Zwergelgarten wird seit der Barockzeit der historische Gartenteil südlich der Wasserbastion bezeichnet. Der Zwergelgarten besaß in der Mitte einen großen ornamental gestalteten Springbrunnen. Umgeben war dieser von vier kleinen runden Brunnen, einst "Wasserstücke" genannt. Die Wasserbecken waren umgeben von zwölf "Gartenstücken" in reich ornamentaler Form, die von einer 60 bis 70 cm hohen Buchshecke eingerahmt waren.

Die einzelnen Zwerge in ihrer Bedeutung

  • Die Sonderzwerge:
    • Der Türkenzwerg mit dem Turban.
    • Der zweite Türkenzwerg fehlt, er ist verschollen.

Die Darstellung von Türken‑Zwergenkarikaturen im Zwergelgarten ist gut nachvollziehbar. Die Gestaltung des Mirabellgartens unter Johann Ernst Graf Thun folgte wenige Jahre nach dem Ende der letzten Türkenbelagerung Wiens im Jahr 1683. Im Ersatzheer kämpften damals 800 Salzburger Soldaten. Seit den Jahren nach 1470, also über 200 Jahre, hatten die Türken eine mehr oder minder ständige Bedrohung für das Erzbistum dargestellt. Mehrfach waren türkische Truppen plündernd in Teile des Erzbistums eingedrungen. Erst jetzt traute sich Fürsterzbischof Johann Ernst Graf Thun, militärische Anlagen im Nahbereich des damaligen Schlossgartens in Gärten umzuwandeln. Auch wurden damals etwa die Hornwerke vor den Bastionen nördlich des Mirabellgartens und die Wehranlagen im Osten des Kapuzinerberges aufgegeben.

    • Der Pallone-Zwerg mit dem Ball, am Eingang zur Wasserbastei.
    • Der Pallone-Zwerg mit dem Stachelärmel, am Eingang zur Wasserbastei.

Das Pallone-Spiel war ein Mannschaftsspiel mit meist je drei Spielern pro Mannschaft, bei dem nicht mit der Hand oder mit einem Schläger, sondern mit einem hölzernen Schlagärmel in das gegnerische Feld geschlagen wurde. Es war seinerzeit nicht nur in Oberitalien, sondern auch in Salzburg bei der adeligen männlichen Jugend beliebt.

  • Die zwölf Monatszwerge, als Metapher der Vergänglichkeit:
    • Der Zwerg mit dem Huhn (Jänner).
      Das Huhn steht für die regsame Arbeit am Anfang des neuen Jahres.
    • Der Zwerg fehlt (Februar).
      Die Zwergin mit dem ausgeschnittenen Mieder befindet sich in Traunstein und stellt eine Fastnachtstänzerin dar.
    • Der Zwerg mit dem Spaten (März).
      In diesen Monat fällt vielfach der Beginn der Gartenarbeit, wobei zuerst der Boden umzustechen und aufzubereiten ist.
    • Der Zwerg mit der Gartenvase (April).
      Im April werden die eingewinterten Topfpflanzen, früher vor allem die etwa 500 Zitrusbäumchen, wieder ins Freie gesetzt.
    • Der Zwerg mit der Rettichtasche (Mai).
      Im Mai wurden als erste Früchte des Gartens vielfach der weiße Bierrettich geerntet.
    • Der Zwerg mit dem Grabscheit (Juni), auch als träumender Gärtner bekannt.
      Er ruht sich, gestützt auf seine Gartenhaue, von der Arbeit aus.
    • Der Zwerg mit der Sense (Juli).
      Er symbolisiert durch die (fehlende) Sense und den Wetzstein den Juli, in dem in früherer Zeit der erste Schnitt der Wiesen erfolgte. Der Juli trug früher auch den Namen "Heumond". Dieser Zwerg ist in besonderer Weise ein Symbol der Vergänglichkeit.
    • Die Zwergin mit dem Zwiebelbund (August).
      Die freundlich blickende Zwergin bietet Wasser aus einer Kanne und zusätzlich als Gesundheitssymbol und Heilpflanze einen Bund mit Zwiebeln.
    • Die Zwergin mit der Obstschürze (September).
      Sie steht für den September, in dem auch die Obsternte beginnt.
    • Der Zwerg fehlt (Oktober).
      Der mutmaßliche "Jägerzwerg" ist verschollen.
    • Der Zwerg fehlt (November).
      Der Zwerg mit der Martini-Gans befindet sich in Traunstein.
    • Der Zwerg mit dem Nockentopf (Dezember).
      Der Dezember ist ein Monat ohne Gartenarbeit. Es war die Zeit der Ruhe und des Verzehrs köstlicher Nocken.
  • Die zwölf Theaterzwerge aus dem Umfeld der Commedia dell'arte.
    • Der Zwerg mit Dolch und Degen fehlt; er befindet sich in einem Garten in der Reichenhaller Straße. Er nimmt Bezug auf Callots Vorlagen und auf von Zwergenschauspielern gespielte Duellszenen.
    • Der Zwerg mit dem Strohtaschen-Hut gehört mit seiner grotesken Kopfbedeckung ebenfalls zu den duellierenden Zwergen.
    • Der Zwerg mit dem Holzbein ist ebenfalls eine Callot-Figur. Trotz seiner Versehrtheit bleibt der Zwerg fröhlich und verteilt symbolisch Früchte aus seinem Obstkorb.
    • Der Zwerg mit dem Degen fehlt; dieser duellierende Zwerg befindet sich in Traunstein.
    • Der Zwerg mit den Kastagnetten ist eine Kopie und Leihgabe. Der tanzende Zwerg gehört ebenfalls zu den typischen Figuren Callots.
    • Der Zwerg mit der Butte zeigt mit der seinerzeit dafür typischen Kopfbedeckung den braven Diener. Sein verschlagenes "Gegenstück" befindet sich in Traunstein.
    • Der Zwerg mit der Feldfasche fehlt. Der Brighella-Zwerg, das Gegenstück zum braven Diener, befindet sich in Traunstein.
    • Der Zwerg mit der Löffelkappe fehlt ebenfalls. Dieser "Dottore" (Doktor) mit seinem typischen Ziegenbart und der Gürteltasche befindet sich in Traunstein.
    • Der Zwerg mit dem Zwicker: Der Tartaglia-Zwerg sorgte wohl durch stotternde Wortverdrehungen für Heiterkeit. Er konnte stotternd Wahrheiten andeuten, ohne von einer Zensur erfasst zu werden.
    • (fehlend)
    • (fehlend)
    • (fehlend)
  • An anderen Orten aufgestellte Zwerge aus dem einstigen Zwergelgarten
    • Der Zwerg in Kampfstellung (Salzburg‑Riedenburg, Reichenhaller Straße)
    • Der Zwerg mit Schlapphut (Salzburg‑Riedenburg, Reichenhaller Straße)
    • Der Zwerg mit den Kastagnetten beim Gasthof Krimpelstätter in Salzburg‑Mülln ist noch ein Original‑Zwerg; eine Kopie steht im Mirabellgarten
    • Der Zwerg mit der Feldflasche (Traunstein, Crailsheimer Straße)
    • Der Zwerg mit der Gans (Traunstein, Crailsheimer Straße)
    • Die Zwergin mit dem ausgeschnittenen Mieder (Traunstein, Crailsheimer Straße)
    • Der Zwerg mit der Löffelkappe (Traunstein, Crailsheimer Straße)
    • Der Zwerg mit dem Wetzstein (Salzburg‑Riedenburg, Sinnhubstraße)

Fünf weitere Zwerge sind verschollen bzw. unbekannten Aufenthalts.

Die Auflassung des Zwergelgartens nach 1810 und Wiederbegründung nach 1910

Die barocke Formgebung des Zwergelgartens wurde schon gegen Ende des 18. Jahrhunderts zerstört, weil der maßgeblich von der Aristokratie Frankreichs geprägte Barockstil damals als veraltet galt, sodass er einem englischen Landschaftsgarten weichen musste, der heute aber ebenfalls nicht mehr besteht.

In der Zeit der Aufklärung gerieten die Figuren missgestalteter Menschen im Mirabellgarten immer mehr in Verruf. Dem aufgeklärten bayrischen Kronprinz Ludwig I. von Bayern missfielen während der kurzen bayrischen Regentschaft über den gesamten Raum des Erzbistums Salzburg dem Zeitgeist entsprechend die hier aufgestellten Zwerge. 27 Figuren wurden im Jahr 1811 größtenteils um den sehr geringen Betrag von nur zwei Gulden je Stück versteigert. Über den 28. Zwerg ist nichts bekannt. Den Großteil der Zwerge ersteigerte damals der Gärtner Josef Rosenegger für den bekannten Park um den Bürglstein, von wo aus sie (auch unter dem Namen "Mirabellmännchen") zum Teil rasch weiterverkauft wurden. Zwölf Zwerge, darunter auch etliche aus dem Zwergelgarten, befanden sich 1897 im Garten der Baron-Schwarz-Villa des Barons Karl Freiherr von Schwarz in Schallmoos. So waren die Salzburger Zwerge bald in alle Winde verstreut.

Die Zwerge waren für fast hundert Jahre in Vergessenheit geraten. Am 20. Oktober 1919 fasste der Salzburger Gemeinderat den Beschluss, den einzigartigen Garten am ursprünglichen Standort originalgetreu wieder zu errichten. Zuvor hatte sich der Salzburger Verschönerungsverein, der heutige Salzburger Stadtverein, unermüdlich darum bemüht, dieses wichtige Stück Salzburger Kulturgeschichte wieder erlebbar zu machen. Auf Antrag des Vereins stellte die Stadt Salzburg die neun damals wieder im Besitz des Stadtvereins befindlichen Zwerge an ihrem angestammten Platz im Zwergelgarten auf. Wegen der dort zahlreich spielenden Kinder musste zum Schutz der Skulpturen jedoch bald ein Platz in der Nähe des alten Gartens gefunden werden. Damals suchte vor allem der Verschönerungsverein mit Nachdruck nach weiteren Spuren der verlorenen alten Zwerge und fand sie in Salzburger Hausgärten, aber auch in Bayern, im oberösterreichischen Hausruck und im Pongau. Heute findet man 17[4] der ursprünglich 28 Zwerge wieder auf

Die Restaurierung 2017/2018 auf der Wasserbastei

Im Winter 2017/2018 wurden die mehr als 300 Jahre alten Zwergen – nach früheren Restaurierungen – vier Monate lang vom Steinmetzmeister und Restaurator Erich Reichl und seinem Team erneut einer gründlichen Restaurierung unterzogen. Mit schonendem Mikrodampfstrahl und Partikelstrahlen wurde in der Werkstatt in Hallein/Gamp der oberflächliche Biofilm abgetötet. Aufgrund der schonenden Vorgehensweise sind einzelne dunkle Flecken nach wie vor zu sehen. Kleine Fehlstellen wurden ergänzt. Wie Reichl erklärte, war nicht allzu viel Arbeit erforderlich und die Zwerge befanden sich in gutem Zustand. Der Untersberger Marmor, aus dem die Zwerge gefertigt wurden, weist nur vereinzelte Gefügeauflockerungen auf.[3] Nach der "Kur" blieb eine Restpatina erhalten. Erich Reichl: "Das harmonische Gesamtbild steht im Vordergrund, man darf den Zwergen ihr Alter schon ansehen." Die Stadt Salzburg hat sich die Kur für die Zwerge mehrere zehntausend Euro kosten lassen. Um die ältesten Gartenzwerge Europas bestmöglich zu erhalten, werden sie im Mirabellgarten in Zukunft im Winter mit einem Holzverschlag geschützt. Ein Zwerg im Zwergelgarten (der Mäher) ist ein Abguss aus Kunststein.

In Abstimmung mit dem Bundesdenkmalamt hat die Gartenhistorikerin Barbara Bacher an der Neugestaltung gearbeitet. Die Gestaltung besteht im Wesentlichen in der Darstellung des bekannten Jahreskreises der Monatszwerge in Form eines sichtbaren Kreises in einer umgebenden Schotterfläche, d. h. aus einer mittigen kreisförmigen Rasenfläche, die von zwei bodengleichen Ringen aus Stein umgeben ist. Auf dem inneren Ring befinden sich die Monatszwerge, außerhalb desselben im geschotterten Bereich die Theaterzwerge. Sechs Sockel um den neuen kreisförmigen Rasen wurden leer gelassen, falls die Stadt den einen oder anderen Zwerg erwerben oder diese sechs Zwerge schrittweise abgießen und als Kopie aufstellen sollte. Darauf hofft auch Bürgermeister Harald Preuner.[5]

Am 25. Mai 2018 wurde der neu arrangierte Garten der Zwerge mit einem "Zwergerlfest" eröffnet.[3] [6] Erkennbare Bezüge zur ursprünglichen barocken Gestaltung des Bastionsgartens sind in der derzeitigen Gartenzwerge-Ausstellung kaum zu erkennen. Die Gestaltung der Wasserbastei als Schotterfläche mit einer mittigen Rasenfläche besitzt kaum Bezüge zu einem barocken Garten. Mittelfristig bleibt daher Handlungsbedarf bestehen. Den barocken Zwergen fehlt das notwendige barocke Umfeld.

Künftige Gestaltung am ursprünglichen Standort

Die derzeitige provisorische Aufstellung der Zwerge liegt größtenteils im Schatten umgebender alter Kastanienbäume; dies ist denkmalpflegerisch nicht optimal. Beschattung und der Eintrag von organischem Material fördern den Bewuchs der Skulpturen mit Bakterien, Algen und in der Folge mit Moosen. Die Marmorskulpturen mit ihrer rauen Oberfläche werden unansehnlich und verwittern rascher. Auch ist – etwa bei Sturmereignissen – eine Beschädigung der Skulpturen durch Äste der Kastanien nicht ausgeschlossen. Zudem ist der Bastionsgarten mit den dort derzeit ausgestellten Zwergen nicht barrierefrei zugänglich, was mehrfach stark kritisiert wurde. Eine Aufstellung der Zwergenduellanten als Wächterpaare – und als Gegenstücke zu den Borghesischen Fechtern am Ausgang vom Mirabellgarten nach Süden hin – ist am gegenwärtigen Standort kaum sinnvoll, weil auf der Wasserbastei kein Zugang von außen her zum Mirabellgarten besteht.

Nach wie vor ist es daher ein wichtiges Ziel, den Zwergelgarten Fischer von Erlachs wieder am ursprünglichen Standort und damit barrierefrei zu errichten und den ältesten Zwergengarten Europas als unersetzlichen Teil des von Fischer von Erlach geschaffenen Gesamtkunstwerkes Mirabellgarten in würdiger Form originalgetreu wiederzubeleben. Dabei ist – entsprechend den originalen Gegebenheiten – auch die Tieferlegung des Gartenteils um gut einen Meter denkbar.

Da sich die Wiedererlangung der sechs außerhalb des Zwergelgartens aufgestellten Zwerge in den vergangenen 30 Jahren zum Großteil als äußerst schwierig erwiesen hat, erscheint die rasche Aufstellung dieser Zwerge in Form eines Abgusses sinnvoll. Dazu könnten die Zwerge vor Ort eingescannt und anschließend unter Ergänzung fehlender Teile als digitales Modell restauriert werden. Die Sockel für die Skulpturen sollten entsprechend der ursprünglichen Aufstellung wieder über einen Meter hoch sein, damit wir wieder zu den Zwergen aufblicken können. Eine kurze Erklärung der Skulpturen (deutsch und englisch) auf kleinen Tafeln würde sich am jeweiligen Standort oder noch besser am Eingang zum Zwergelgarten anbieten.

Duplikate, Nachahmungen und Verfilmung

Kopien der Zwerge "Zwerg mit Degen und Dolch" und "Zwerg mit Degen".

Zwei Duplikate der Mirabellgarten-Zwerge – der "Zwerg mit dem Spaten" und die "Zwergin mit der Obstschürze" – sind neueren Ursprungs und stehen an der Südseite des Gebäudes des ehemaligen Café Corsos am Giselakai neben dem Mozartsteg (Stand 2025).

2025 wurden zwei Zwerge kopiert: der "Zwerg mit Degen und Dolch" und ein zweiter, dessen Name in der Quelle[7] vom 22. Februar 2025 nicht genannt wurde. Steinmetzmeister und Bildhauer Roland Kannegießer in der Werkstatt von Steinmetzmeister und Restaurator Erich Reichl in Hallein-Gamp war seit Jänner 2025 damit beschäftigt, einen Zwergenzwilling zu erschaffen. Rund vier Wochen arbeitete der Leipziger daran. Danach fertigte er die Kopie eines zweiten Zwergs. Im Frühjahr 2025 übersiedelten die Nachbildungen zu ihren "Brüdern" in den Zwergelgarten. Die Originale sind schon lange in einem privaten Garten im Stadtteil Riedenburg zu Hause.

Zwei heitere Nachahmungen – der "Zwerg mit dem Bierkrug" und die "Zwergin mit der Bierbretzel" – befinden sich im Gastgarten des Stieglkellers in der Festungsgasse (Stand 2017).

Mit der Geschichte des Zwergelgartens beschäftigt sich der Film "Der Zwergengarten von Mirabell - Skurrile Meisterwerke aus Stein".

Ereignis

Zwerg mit Holzbein gestürzt Juni 2025.

Am Montagmorgen, dem 23. Juni 2025, bemerkte ein Mitarbeiter der Stadtgärten, dass einer der Zwergel, der Zwerg mit Holzbein, samt Sockel zu Boden gerissen wurde. Sein linker Fuß brach dabei ab, der Sockel zerbrach, und der Obstkorb in seinen Händen wurde in Mitleidenschaft gezogen. Dieser Zwerg ist einer der zwölf Theaterzwerge, die auf Vorlagen des französischen Kupferstechers Jacques Callot zurückgehen. Sie zeigen Szenen, die einst von Zwergenschauspielern als Duell oder höfisches Spektakel aufgeführt wurden. Der betroffene Zwerg – trotz seines fehlenden Beins als fröhlicher Früchtespender dargestellt – ist ein unverzichtbarer Teil dieser einzigartigen barocken Bildergeschichte. Nach ersten Einschätzungen kann der Zwerg restauriert werden. Eine behutsame Wiederherstellung – unter Rückgriff auf historische Dokumentationen und Steinrestaurierungstechniken – ist in Planung. Die Stadtgärten sind bereits im Austausch mit Restauratoren.[8]

Bilder

Bild 1: Zwerg mit dem Turban
Bild 2: Zwerg mit dem Grabscheit
Bild 3: Zwerg mit dem Huhn
Bild 4: Zwerg mit dem Nockentopf
Bild 5: Zwerg mit dem Holzbein



Bild 1: Zwerg mit der Gartenvase
Bild 2: Zwergin mit dem Zwiebelbund
Bild 3: Zwerg mit dem Zwicker
Bild 4: Zwerg mit Degen und Dolch. Kopie 2025.
Bild 5: Zwerg mit Degen. Kopie 2025.

weitere Bilder

 Zwergelgarten – Sammlung von weiteren Bildern, Videos und Audiodateien im SALZBURGWIKI
 Zwergelgarten – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien auf Wikimedia Commons

Quellen

Einzelnachweise

  1. woerterbuchnetz.de
  2. www.stadt-salzburg.at, 25. März 2025
  3. 3,0 3,1 3,2 www.sn.at, Restaurierung 2018, abgefragt am 14. März 2018
  4. In: "Neu auf'gstellt, guat aus'gstellt", eine Broschüre des Informationszentrum des Magistrats Salzburg, herausgegeben anlässlich der Neuaufstellung Mai 2018
  5. Quelle www.sn.at/salzburg/chronik, online, abgefragt am 20. Mai 2018
  6. www.stadt-salzburg.at
  7. www.sn.at
  8. www.stadt-salzburg.at/presseaussendungen-2025, 23. Juni 2025
  9. data.onb.ac.at /Salzburger Zwerge