Untersberg: Unterschied zwischen den Versionen
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Unmittelbar neben der Bergstation der Untersbergseilbahn ist das ''Geiereck'' (1.805 m ü. A.) zu finden. | Unmittelbar neben der Bergstation der Untersbergseilbahn ist das ''Geiereck'' (1.805 m ü. A.) zu finden. | ||
==Geologie== | ==Geologie== | ||
| − | Das | + | Das Untersbergmassiv besteht überwiegend aus Kalkstein. In Steinbrüchen an der Nordseite des Berges bei [[Glanegg]] und [[Fürstenbrunn]] wird der [[Untersberger Marmor]] (Kalkstein) abgebaut. Der witterungsbeständige, beige bis rötlich gefärbte Stein wird seit der Römerzeit als polierter Baustein und für Steinplastiken und Bauten genutzt. Beispiele dafür finden sich im [[Residenzbrunnen]] am [[Residenzplatz]] in der [[Altstadt]] von Salzburg oder im [[Augustinerchorherrenstift St. Zeno]] in [[Bad Reichenhall]] und in der Pfarrkirche von [[Laufen]]. |
| − | Die | + | Die natürliche Verkarstung des Kalksteins führte auch im Untersbergmassiv zu mehr als 400 Höhlen, von denen die [[Schellenberger Eishöhle]] die bekannteste ist. Immer wieder brechen Teile des Kalksteins ab und stürzen zu Tal. So war es auch am [[10. Juni]] [[1935]] um 12:30 Uhr, als das ''Drachenloch'' bei [[Sankt Leonhard (Grödig)|Sankt Leonhard]] abbrach. |
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[[Datei:2005-10-15, Untersbergbilder, Bergstation in Sicht 028.jpg|thumb|Blick aus einer Gondel der [[Untersbergbahn]], Bergstation am [[Geiereck]] (1.805 [[m ü. A.]], links von der Bergstation) in Sicht]] | [[Datei:2005-10-15, Untersbergbilder, Bergstation in Sicht 028.jpg|thumb|Blick aus einer Gondel der [[Untersbergbahn]], Bergstation am [[Geiereck]] (1.805 [[m ü. A.]], links von der Bergstation) in Sicht]] | ||
| − | Als markanter Gebirgsstock der [[Berchtesgadener Alpen| | + | Als markanter Gebirgsstock der [[Berchtesgadener Alpen|Berchtesgadener Kalkalpen]], als [[Sagen und Legenden|Sagenberg]] z. B. mit dem Sitz von Kaiser Karl dem Großen und als Ausflugsberg ist der Untersberg weithin bekannt. Die älteste schriftliche Erwähnung findet sich in einer Urkunde vom [[28. Juni]] [[1306]] unter [[Erzbischof]] [[Konrad IV. von Fohnsdorf]] als ''Vndransperch''<ref>Quelle: [[Heinz Dopsch]], Ewald Hiebl: ''Kultur, Geschichte und Wirtschaft von Anif, Niederalm, Neu-Anif'', 2003, Herausgeber: Gemeinde Anif, Beitrag ''Rund um den Untersberg'', Christian Uhlir, S. 32</ref>. |
| − | Wirtschaftlich war der Abbau von [[Untersberger Marmor]] für die Fürsterzbischöfe von Bedeutung. Bauwerke in ganz Europa | + | Wirtschaftlich war der Abbau von [[Untersberger Marmor]] für die Fürsterzbischöfe von Bedeutung. Bauwerke in ganz Europa wurden damit errichtet - in der [[Stadt Salzburg]] beispielsweise der [[Residenzbrunnen]]. Auch die [[Kugelmühlen]], die Abfälle der Steinbrüche, aber auch Bachsteine in Kugeln verwandelten, waren von Bedeutung. |
Das [[Salzburger Quellen|Quellwasser]] des Berges wurde schon im [[15. Jahrhundert]] von Wasserreitern in die Stadt Salzburg gebracht. Erzbischof [[Guidobald Graf von Thun und Hohenstein]] unternahm dann [[1654]] den ersten Versuch des Baus einer hölzernen Wasserleitung in die Stadt. | Das [[Salzburger Quellen|Quellwasser]] des Berges wurde schon im [[15. Jahrhundert]] von Wasserreitern in die Stadt Salzburg gebracht. Erzbischof [[Guidobald Graf von Thun und Hohenstein]] unternahm dann [[1654]] den ersten Versuch des Baus einer hölzernen Wasserleitung in die Stadt. | ||
| − | Schon sehr früh entstanden waldfreie Almflächen wie die ''Rosittenalm'', ''Klingeralm'', ''Schweigmühlalm'' oder eine Reihe von Almen mit der Endung ''kaser'' (Karkaser, Grubenkaser, Mitterkaser)<ref>''kaser'' kann vom lateinischen Wort ''casa | + | Schon sehr früh entstanden waldfreie Almflächen wie die ''Rosittenalm'', die ''Klingeralm'', die ''Schweigmühlalm'' oder eine Reihe von Almen mit der Endung ''kaser'' (Karkaser, Grubenkaser, Mitterkaser)<ref>''kaser'' kann vom lateinischen Wort ''casa = Hütte (Haus)'' und vom ''kasen = Käse erzeugen'' abgeleitet werden; Quelle: [[Heinz Dopsch]], Ewald Hiebl: ''Kultur, Geschichte und Wirtschaft von Anif, Niederalm, Neu-Anif'', 2003, Herausgeber: Gemeinde Anif, Beitrag ''Rund um den Untersberg'', Christian Uhlir, S. 32</ref>. |
Die wissenschaftliche Erforschung des Untersberges begann erst im [[19. Jahrhundert]], wobei der Salzburger [[Eberhard Fugger]] zu nennen wäre. | Die wissenschaftliche Erforschung des Untersberges begann erst im [[19. Jahrhundert]], wobei der Salzburger [[Eberhard Fugger]] zu nennen wäre. | ||
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Der Tourismus begann [[1845]] mit der Erschließung der [[Kolowratshöhle]]. Ab [[1870]] begann dann der [[Alpenverein]] mit dem Anlegen von Steigen. Die zwar schon länger bekannt gewesene [[Schellenberger Eishöhle]] wurde allerdings erst [[1925]] der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. [[1883]] wurde das [[Zeppezauerhaus|Untersberghaus]] errichtet. Die 7,5 Kilometer lange Skiabfahrt entstand am Ende des [[Erster Weltkrieg|Ersten Weltkrieges]]. | Der Tourismus begann [[1845]] mit der Erschließung der [[Kolowratshöhle]]. Ab [[1870]] begann dann der [[Alpenverein]] mit dem Anlegen von Steigen. Die zwar schon länger bekannt gewesene [[Schellenberger Eishöhle]] wurde allerdings erst [[1925]] der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. [[1883]] wurde das [[Zeppezauerhaus|Untersberghaus]] errichtet. Die 7,5 Kilometer lange Skiabfahrt entstand am Ende des [[Erster Weltkrieg|Ersten Weltkrieges]]. | ||
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Einige der Aufstiegewege haben das Wort [[Reitsteig|Reit]] noch in sich, wie der ''Reitsteig'', der von der Bergstation über das Zeppezauerhaus, die ''Steinere Stiege'' am ''Eisgraben'' vorbei nach [[Glanegg]] (465 m ü. A.) führt. Andere so genannte ''Steige'' wie der ''Weinsteig'' oder [[Dopplersteig]] (eröffnet [[1875]]) führen ebenfalls ins Salzburgische hinunter. | Einige der Aufstiegewege haben das Wort [[Reitsteig|Reit]] noch in sich, wie der ''Reitsteig'', der von der Bergstation über das Zeppezauerhaus, die ''Steinere Stiege'' am ''Eisgraben'' vorbei nach [[Glanegg]] (465 m ü. A.) führt. Andere so genannte ''Steige'' wie der ''Weinsteig'' oder [[Dopplersteig]] (eröffnet [[1875]]) führen ebenfalls ins Salzburgische hinunter. | ||
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* Die [[Kolowratshöhle]] ist eine der ältesten bekannten Höhlen im [[Salzburg (Bundesland)|Bundesland Salzburg]]. | * Die [[Kolowratshöhle]] ist eine der ältesten bekannten Höhlen im [[Salzburg (Bundesland)|Bundesland Salzburg]]. | ||
* [[Großer Eiskeller]] | * [[Großer Eiskeller]] | ||
| − | * | + | * [[Schellenberger Eishöhle]] im [[Berchtesgadener Land]]: sie ist im Rahmen einer 45-minütigen Führung, täglich von 10 bis 16 Uhr während der Sommersaison, zu besichtigen. |
| − | * | + | * [[Eishöhle]] zwischen ''Salzburger Hochthron'' und ''Berchtesgadener Hochthron'' |
| − | * [[Salzburger Schacht]] in unmittelbarer Umgebung | + | * [[Salzburger Schacht]] in unmittelbarer Umgebung des [[Salzburger Hochthron]]s |
| − | * [[Kargrabenhöhe]]südwestlich der Schellenberger Eishöhle | + | * [[Kargrabenhöhe]] südwestlich der Schellenberger Eishöhle |
| − | * [[Gamslöcher]] Nähe | + | * [[Gamslöcher]]: Nähe Kolowrathöhle |
* [[Mausloch]] | * [[Mausloch]] | ||
==Quellen== | ==Quellen== | ||
| − | * [[Veitlbruch Quelle]], | + | * [[Veitlbruch Quelle]], deren Wasser man auch Heilkraft nachsagt (auf der Straße von [[Fürstenbrunn]] nach [[Großgmain]]) |
* [[Fürstenbrunner Quellhöhle]] | * [[Fürstenbrunner Quellhöhle]] | ||
* [[Glanegger Tiefbrunnen]] | * [[Glanegger Tiefbrunnen]] | ||
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[[Bild:P1130337-2.jpg|thumb|Eingriff ins [[Landschaftsschutzgebiet]] Untersberg, Oktober 2007]] | [[Bild:P1130337-2.jpg|thumb|Eingriff ins [[Landschaftsschutzgebiet]] Untersberg, Oktober 2007]] | ||
| − | Da der Untersberg in einem [[Naturschutzgebiete|Naturschutzgebiet]] ([[Landschaftsschutzverordnung Untersberg, 1981]]) liegt, gelten für Eingriffe ins Landschaftsbild und in die Ökologie des Berges besondere Bestimmungen. Die Beachtung des [[Naturschutz]]es müsste überdies nach der auch im Bundesland Salzburg rechtsgültigen und völkerrechtlich verbindlichen [[Alpenkonvention]] | + | Da der Untersberg in einem [[Naturschutzgebiete|Naturschutzgebiet]] ([[Landschaftsschutzverordnung Untersberg, 1981]]) liegt, gelten für Eingriffe ins Landschaftsbild und in die Ökologie des Berges besondere Bestimmungen. Die Beachtung des [[Naturschutz]]es müsste überdies nach der auch im Bundesland Salzburg rechtsgültigen und völkerrechtlich verbindlichen [[Alpenkonvention]] erfolgen. Im Gemeindegebiet von [[Großgmain]] gibt es innerhalb des Landschaftsschutzgebiets auch noch den [[Naturpark Untersberg]]. |
| − | Der Großteil des Waldes ist im Besitz von [[Maximilian Mayr-Melnhof]]. Aufgrund von starken Stürmen und den daraus sich ergebenden Waldschäden im Jänner 2007 | + | ==="Forstautobahn"-Problem=== |
| + | Der Großteil des Waldes ist im Besitz von [[Maximilian Mayr-Melnhof]]. Aufgrund von starken Stürmen und den daraus sich ergebenden Waldschäden im Jänner 2007 mussten aus diesem Waldgebiet größere Mengen Bruchholz abtransportiert werden. Unmittelbar nach dem Sturm "Kyrill" wurde im Februar 2007 unterhalb der Klingeralm mit dem Bau einer Forststraße begonnen, die wegen ihrer Anlage in den Medien vielfach als "Forstautobahn" bezeichnet worden ist. | ||
| − | Auf einem Stück im Bereich des Großen Brunntals erfolgte die Bringung des Holzes aus dem Sturmschaden auf einer großen Fläche durch Helikopter-Bringung. Einige hundert Meter westlich davon wird derzeit das Holz auf einer großen Fläche in etwa gleicher Höhe (ca. 1100 m) im Bereich des Kühsteins mittels mobiler Seilbahn aufgearbeitet. Wieder einige hundert Meter westlich davon | + | Auf einem Stück im Bereich des Großen Brunntals erfolgte die Bringung des Holzes aus dem Sturmschaden auf einer großen Fläche durch Helikopter-Bringung. Einige hundert Meter westlich davon wird derzeit das Holz auf einer großen Fläche in etwa gleicher Höhe (ca. 1100 m) im Bereich des Kühsteins mittels mobiler Seilbahn aufgearbeitet. Wieder einige hundert Meter westlich davon erfolgte der Bau der erwähnten "Forstautobahn". Begründet wurde dieser Bau mit einer drohenden Schädlingsplage ([[Borkenkäfer, Scolytidae]]). Weshalb allerdings in diesem Fall keine schonende Bringung, etwa durch Helikopter oder mittels mobiler Seilbahn, erfolgte, ist eine offene Frage. Die Forststraße ist bis zu einer Höhe von mehr als 1.000 m befahrbar. Aber auch entlang der befahrbaren Strecke wurde das Holz weder entrindet noch abtransportiert. Wäre die Borkenkäfergefahr der Grund für den Bau der Forststraße, hätte der mögliche Abtransport des Holzes längst erfolgen müssen. |
| − | Was den Bau der Forststraße an sich und ihre Ausmaße anlangt, so führte beides zu einer kontrovers und öffentlich über die Salzburger Medien geführten Diskussion zwischen Vertretern der Naturschutzbehörde, der Forstbehörde und dem Grundeigentümer einerseits sowie einer Gruppe von Landschafts- und Umweltschützern andererseits | + | Was den Bau der Forststraße an sich und ihre Ausmaße anlangt, so führte beides zu einer kontrovers und öffentlich über die Salzburger Medien geführten Diskussion zwischen Vertretern der Naturschutzbehörde, der Forstbehörde und dem Grundeigentümer einerseits sowie einer Gruppe von Landschafts- und Umweltschützern andererseits. Für den Bau der Forststraße erfolgten umfangreiche Rodungen. |
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Version vom 2. Februar 2010, 22:11 Uhr
Der Untersberg ist ein Bergmassiv mit einer Ausdehnung von etwa 70 km² im Südwesten des Flachgaus an der Grenze zu Bayern. Erschlossen ist das Massiv durch die Untersbergseilbahn und Wanderwege.
Der Berg
Das Massiv des Untersberges befindet sich zwischen Bayerisch-Gmain und Bischofswiesen im Berchtesgadener Land und Großgmain und Grödig auf Salzburger Seite. Der Salzburger Hochthron mit 1.853 m ü. A. liegt auf Salzburger, der Berchtesgadener Hochthron als höchster Gipfel des Massivs mit 1.972 m ü. A. auf bayerischer Seite.
Unmittelbar neben der Bergstation der Untersbergseilbahn ist das Geiereck (1.805 m ü. A.) zu finden.
Geologie
Das Untersbergmassiv besteht überwiegend aus Kalkstein. In Steinbrüchen an der Nordseite des Berges bei Glanegg und Fürstenbrunn wird der Untersberger Marmor (Kalkstein) abgebaut. Der witterungsbeständige, beige bis rötlich gefärbte Stein wird seit der Römerzeit als polierter Baustein und für Steinplastiken und Bauten genutzt. Beispiele dafür finden sich im Residenzbrunnen am Residenzplatz in der Altstadt von Salzburg oder im Augustinerchorherrenstift St. Zeno in Bad Reichenhall und in der Pfarrkirche von Laufen.
Die natürliche Verkarstung des Kalksteins führte auch im Untersbergmassiv zu mehr als 400 Höhlen, von denen die Schellenberger Eishöhle die bekannteste ist. Immer wieder brechen Teile des Kalksteins ab und stürzen zu Tal. So war es auch am 10. Juni 1935 um 12:30 Uhr, als das Drachenloch bei Sankt Leonhard abbrach.
Um den Untersberg herum fanden sich früher etliche Kugelmühlen, von denen heute nur noch wenige erhalten sind.
Trinkwasser
Der Untersberg stellt auch das Quellgebiet für das Trinkwasser für die Stadt Salzburg dar. Er versorgt zu 90 % den Trinkwasserbedarf der Stadt. Zwischen Grödig und Glanegg gibt es ein ausgedehntes Trinkwasserschutzgebiet. Noch bevor der Almkanal gebaut war, wurde in hölzernen Rinnen Wasser vom Untersberg durch das Leopoldskroner Moor in die Altstadt von Salzburg geleitet.
Geschichte und Bedeutung
Als markanter Gebirgsstock der Berchtesgadener Kalkalpen, als Sagenberg z. B. mit dem Sitz von Kaiser Karl dem Großen und als Ausflugsberg ist der Untersberg weithin bekannt. Die älteste schriftliche Erwähnung findet sich in einer Urkunde vom 28. Juni 1306 unter Erzbischof Konrad IV. von Fohnsdorf als Vndransperch[1].
Wirtschaftlich war der Abbau von Untersberger Marmor für die Fürsterzbischöfe von Bedeutung. Bauwerke in ganz Europa wurden damit errichtet - in der Stadt Salzburg beispielsweise der Residenzbrunnen. Auch die Kugelmühlen, die Abfälle der Steinbrüche, aber auch Bachsteine in Kugeln verwandelten, waren von Bedeutung.
Das Quellwasser des Berges wurde schon im 15. Jahrhundert von Wasserreitern in die Stadt Salzburg gebracht. Erzbischof Guidobald Graf von Thun und Hohenstein unternahm dann 1654 den ersten Versuch des Baus einer hölzernen Wasserleitung in die Stadt.
Schon sehr früh entstanden waldfreie Almflächen wie die Rosittenalm, die Klingeralm, die Schweigmühlalm oder eine Reihe von Almen mit der Endung kaser (Karkaser, Grubenkaser, Mitterkaser)[2].
Die wissenschaftliche Erforschung des Untersberges begann erst im 19. Jahrhundert, wobei der Salzburger Eberhard Fugger zu nennen wäre.
Tourismus
Der Tourismus begann 1845 mit der Erschließung der Kolowratshöhle. Ab 1870 begann dann der Alpenverein mit dem Anlegen von Steigen. Die zwar schon länger bekannt gewesene Schellenberger Eishöhle wurde allerdings erst 1925 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. 1883 wurde das Untersberghaus errichtet. Die 7,5 Kilometer lange Skiabfahrt entstand am Ende des Ersten Weltkrieges.
Von St. Leonhard bei Grödig führt die Untersbergseilbahn zum Geiereck hinauf. Bei klarer Sicht kann man vom Untersberg über das Rosittental und das Gebirgsjägerdenkmal bis hin zu den Salzkammergutseen und den Hohen Tauern sehen.
Während der Sommermonate kann man ausgedehnte Wanderungen und Klettertouren unternehmen sowie paragleiten. Wintersportler können die Untersbergbahn als Aufstiegshilfe für Skitouren und zum Skifahren auf der 7,5 km langen Talabfahrtsstrecke nutzen. Die Skiabfahrt endet in Fürstenbrunn, 20 Gehminuten von der Talstation der Untersbergbahn entfernt. Alternativ verkehrt die Buslinie 35 und bei Bedarf ein zusätzlicher Zubringerbus.
Berghütten
Auf Salzburger Seite sind das Bergrestaurant Hochalm ganzjährig und das Zeppezauerhaus saisonal bewirtschaftet.
Auf bayerischer Seite gibt es die Toni Lenz Hütte auf 1.411 m ü. A. neben der Schellenberger Eishöhle und das Stöhrhaus auf 1.894 m ü. A.
Wander- und Kletterwege
Einige der Aufstiegewege haben das Wort Reit noch in sich, wie der Reitsteig, der von der Bergstation über das Zeppezauerhaus, die Steinere Stiege am Eisgraben vorbei nach Glanegg (465 m ü. A.) führt. Andere so genannte Steige wie der Weinsteig oder Dopplersteig (eröffnet 1875) führen ebenfalls ins Salzburgische hinunter.
Auf der bayerischen Seite gibt es einen Aufstieg von Marktschellenberg aus zur Toni Lenz Hütte und zur Schellenberger Eishöhle.
Höhlen
- Die Kolowratshöhle ist eine der ältesten bekannten Höhlen im Bundesland Salzburg.
- Großer Eiskeller
- Schellenberger Eishöhle im Berchtesgadener Land: sie ist im Rahmen einer 45-minütigen Führung, täglich von 10 bis 16 Uhr während der Sommersaison, zu besichtigen.
- Eishöhle zwischen Salzburger Hochthron und Berchtesgadener Hochthron
- Salzburger Schacht in unmittelbarer Umgebung des Salzburger Hochthrons
- Kargrabenhöhe südwestlich der Schellenberger Eishöhle
- Gamslöcher: Nähe Kolowrathöhle
- Mausloch
Quellen
- Veitlbruch Quelle, deren Wasser man auch Heilkraft nachsagt (auf der Straße von Fürstenbrunn nach Großgmain)
- Fürstenbrunner Quellhöhle
- Glanegger Tiefbrunnen
Naturschutz
Da der Untersberg in einem Naturschutzgebiet (Landschaftsschutzverordnung Untersberg, 1981) liegt, gelten für Eingriffe ins Landschaftsbild und in die Ökologie des Berges besondere Bestimmungen. Die Beachtung des Naturschutzes müsste überdies nach der auch im Bundesland Salzburg rechtsgültigen und völkerrechtlich verbindlichen Alpenkonvention erfolgen. Im Gemeindegebiet von Großgmain gibt es innerhalb des Landschaftsschutzgebiets auch noch den Naturpark Untersberg.
"Forstautobahn"-Problem
Der Großteil des Waldes ist im Besitz von Maximilian Mayr-Melnhof. Aufgrund von starken Stürmen und den daraus sich ergebenden Waldschäden im Jänner 2007 mussten aus diesem Waldgebiet größere Mengen Bruchholz abtransportiert werden. Unmittelbar nach dem Sturm "Kyrill" wurde im Februar 2007 unterhalb der Klingeralm mit dem Bau einer Forststraße begonnen, die wegen ihrer Anlage in den Medien vielfach als "Forstautobahn" bezeichnet worden ist.
Auf einem Stück im Bereich des Großen Brunntals erfolgte die Bringung des Holzes aus dem Sturmschaden auf einer großen Fläche durch Helikopter-Bringung. Einige hundert Meter westlich davon wird derzeit das Holz auf einer großen Fläche in etwa gleicher Höhe (ca. 1100 m) im Bereich des Kühsteins mittels mobiler Seilbahn aufgearbeitet. Wieder einige hundert Meter westlich davon erfolgte der Bau der erwähnten "Forstautobahn". Begründet wurde dieser Bau mit einer drohenden Schädlingsplage (Borkenkäfer, Scolytidae). Weshalb allerdings in diesem Fall keine schonende Bringung, etwa durch Helikopter oder mittels mobiler Seilbahn, erfolgte, ist eine offene Frage. Die Forststraße ist bis zu einer Höhe von mehr als 1.000 m befahrbar. Aber auch entlang der befahrbaren Strecke wurde das Holz weder entrindet noch abtransportiert. Wäre die Borkenkäfergefahr der Grund für den Bau der Forststraße, hätte der mögliche Abtransport des Holzes längst erfolgen müssen.
Was den Bau der Forststraße an sich und ihre Ausmaße anlangt, so führte beides zu einer kontrovers und öffentlich über die Salzburger Medien geführten Diskussion zwischen Vertretern der Naturschutzbehörde, der Forstbehörde und dem Grundeigentümer einerseits sowie einer Gruppe von Landschafts- und Umweltschützern andererseits. Für den Bau der Forststraße erfolgten umfangreiche Rodungen.
Brauchtum
Alljährlich im Dezember findet in einem der Salzburger Orte am Fuße des Massivs Die Wilde Jagd vom Untersberg statt.
Sagen und Legenden
- Hauptartikel: die Sagen um den Untersberg
Die wohl bekannteste Sage ist die Sage vom Kaiser Karl im Untersberg.
Gemeinden um den Untersberg
- im Bundesland Salzburg:
- Großgmain
- Grödig mit Fürstenbrunn und Sankt Leonhard
- Hallein und zwar der Stadtteil Gartenau
- in Bayern
- Marktschellenberg mit Wallfahrtskirche Maria Ettenberg
- Berchtesgaden mit Wallfahrtskirche Maria Gern
- Bischofswiesen
Weblinks
Fußnote
- ↑ Quelle: Heinz Dopsch, Ewald Hiebl: Kultur, Geschichte und Wirtschaft von Anif, Niederalm, Neu-Anif, 2003, Herausgeber: Gemeinde Anif, Beitrag Rund um den Untersberg, Christian Uhlir, S. 32
- ↑ kaser kann vom lateinischen Wort casa = Hütte (Haus) und vom kasen = Käse erzeugen abgeleitet werden; Quelle: Heinz Dopsch, Ewald Hiebl: Kultur, Geschichte und Wirtschaft von Anif, Niederalm, Neu-Anif, 2003, Herausgeber: Gemeinde Anif, Beitrag Rund um den Untersberg, Christian Uhlir, S. 32
Bilder
- Untersberg 01.jpg
Der Untersberg vom Hellbrunner Berg aufgenommen
Untersberg, von der Richterhöhe auf dem Mönchsberg in der Stadt Salzburg aus gesehen
- Untersberg 03.jpg
Der Untersberg an einem herbstlichen Morgen von Niederalm aus gesehen
- Untersberg 04.jpg
von St. Leonhard aus Blick zur Bergstation am Untersberg
- Untersberg Winter.jpg
Winterlandschaft am Untersberg
- Untersberg 05.jpg
Der Untersberg an einem herbstlichen Morgen von Niederalm aus gesehen
- Untersberg Berchtesgadener Hochthron.jpg
Der Berchtesgadener Hochthron (links) im Spätwinter
- Duerrnberg 10.jpg
Der Untersberg vom Dürrnberg gesehen
Zeppezauerhaus am Untersberg, Ansicht von der Bergstation der Untersbergbahn
drei Nachbarn: Watzmann, Hochkalter (Bildmitte), Untersberg, Ansicht vom Thalgauberg aus
Literaturtipps
Quellen
- Offizielle Tourismuswebsite der Stadt Salzburg
- Homepage der Untersbergbahn
- Salzburg Synchronik, Josef Brettenthaler, Verlag Alfred Winter, 2002, ISBN 3-85380-055-6
- Heinz Dopsch, Ewald Hiebl: Kultur, Geschichte und Wirtschaft von Anif, Niederalm, Neu-Anif, 2003, Herausgeber: Gemeinde Anif,