Großes Festspielhaus: Unterschied zwischen den Versionen
K + Hinweis auf Denkmalschutz |
→Umbau und Erweiterung: nach der heutigen Entscheidung auf das Wesentliche gekürzt |
||
| (20 dazwischenliegende Versionen von 2 Benutzern werden nicht angezeigt) | |||
| Zeile 1: | Zeile 1: | ||
[[Datei:Großes Festspielhaus Zuschauerraum Bühne.jpg|thumb|900px|center|Blick in den Zuschauerraum zur Bühne.]] | [[Datei:Großes Festspielhaus Zuschauerraum Bühne.jpg|thumb|900px|center|Blick in den Zuschauerraum zur Bühne.]] | ||
[[ | [[Datei:Sbglgfesthall.jpg|thumb|Großes Festspielhaus, Eingangsseite.]] | ||
{{googlemapsort|Hofstallgasse_1+5020+Salzburg}} | {{googlemapsort|Hofstallgasse_1+5020+Salzburg}} | ||
Das '''Große Festspielhaus''' ist ein multifunktionaler Veranstaltungsort in der [[Stadt Salzburg]] in der [[Altstadt]] im [[Festspielbezirk]]. Das Gebäude zählt zu den [[Denkmalgeschützte Objekte in der Stadt Salzburg|denkmalgeschützten Objekten]] in der Stadt. | |||
== Beschreibung == | |||
Das ''Große Festspielhaus'' wurde nach Plänen des Architekten [[Clemens Holzmeister]] erbaut. Die Bühne gehört mit einem Ausmaß von insgesamt 100 Metern Breite (einschließlich Seitenbühnen) zu den größten der Welt. | |||
Das Festspielhaus bietet für 2 179 Zuschauer Platz. Der Bühnenraum weist eine Höhe von 35 Metern, eine Breite von 100 Metern und eine Tiefe von 25 Metern auf. 155 Prospektzüge der Bühnenmaschinerie, die Einrichtungen der Beleuchtung, der ''Eiserne Vorhang'' mit 34 Tonnen Gewicht, fünf Hubpodien von je 18 × 3 Metern sowie eine dreiteilige Simultanbühne zählen zu den Meisterwerken moderner Bühnentechnik. Die Gesamtbaukosten betrugen etwa 210 Millionen [[Schilling]] (15,3 Mio. Euro). Die Errichtungskosten haben zum größten Teil der Bund bzw. die Republik Österreich getragen, weshalb die [[Republik Österreich]] die Eigentümerin des Großen Festspielhauses ist. <ref>[http://www.salzburgerfestspiele.at/institution/spielst%C3%A4tten/spielst%C3%A4tten-details/oid/129 www.salzburgerfestspiele.at], die Seite konnte bei einer Kontrolle am 1. Jänner 2026 nicht mehr abgerufen werden</ref> | |||
[[Datei:Nach der Premiere vor dem Großen Festspielhaus, Juli 2011.jpg|thumb|Nach der Premiere vor dem Großen Festspielhaus, Juli 2011.]] | [[Datei:Nach der Premiere vor dem Großen Festspielhaus, Juli 2011.jpg|thumb|Nach der Premiere vor dem Großen Festspielhaus, Juli 2011.]] | ||
An der Ausgestaltung haben u. a. mitgewirkt: [[Oskar Kokoschka]], [[Wolfgang Hutter]], [[Karl Plattner]], Rudolf Hoflehner, Kurt Fischer, Giselbert Hoke, [[Wander Bertoni]], [[Jakob Adlhart (Bildhauer)]], [[Rudolf Reinhart]], [[Slavi Soucek]], [[Alfred Hrdlicka]] und [[Toni Schneider-Manzell]]. | |||
Die Fassade wird durch eine lateinische Inschrift des [[Benediktiner]]s [[Thomas Michels]] geschmückt: ''Sacra camenae domus concitis carmine patet quo nos attonitos numen ad auras ferat.'' - "Der Muse heiliges Haus steht Kunstbegeisterten offen, als Entflammte trage uns göttliche Macht empor." | |||
[[Datei:Großes Festspielhaus Bühne Zuschauerraum.jpg|thumb|Blick von der Bühne in den Zuschauerraum.]] | [[Datei:Großes Festspielhaus Bühne Zuschauerraum.jpg|thumb|Blick von der Bühne in den Zuschauerraum.]] | ||
== | == Geschichte == | ||
[[1917]] wurde der Verein [[Salzburger Festspielhaus-Gemeinde]] gegründet, der in seinen Statuten als Vereinszweck "die Erbauung eines Salzburger Festspielhauses und die nicht auf Gewinn berechnete Veranstaltung von Festspielen" anführte.<ref>Kaut, Josef: Festspiele in Salzburg, Residenz Verlag Salzburg, 1965, Seite 285</ref> Doch es sollte bis nach dem [[Zweiten Weltkrieg]] dauern, bis Salzburg ein eigenes, zeitgemäßes Festspielhaus erhalten würde. Siehe dazu auch den [[SALZBURGWIKI]]-Artikel [[Die Salzburger Festspielhäuser und ihre Geschichte]]. | |||
Am [[24. August]] [[1953]] informierte [[Landeshauptmann]] [[Josef Klaus (Politiker)|Josef Klaus]] ([[ÖVP]]) das [[Kuratorium der Salzburger Festspiele|Festspielkuratorium]] über die von Clemens Holzmeister ausgearbeiteten Pläne für eine großzügige Neugestaltung des Festspielhauses. Die bisherige Heimstatt des [[Haus der Natur|Hauses der Natur]] an der [[Hofstallgasse]] sollte zu einer modernen Großbühne für 2 300 Zuschauer ausgebaut werden. Man hoffte, mit 30 Millionen Schilling für das Festspielhaus und zusätzlichen sechs Millionen Schilling für die Umsiedlung des Hauses der Natur das Auslangen zu finden. | |||
[[Datei:Großes Festspielhaus Zuschauerraum 02.jpg|thumb|Großes Festspielhaus, der Zuschauerraum.]] | |||
Am [[24. August]] [[1955]] erklärte Festspielpräsident [[Heinrich Puthon]], dass für ein neues Festspielhaus nur Holzmeisters Planung mit dem Standort an der Hofstallgasse in Frage kommen. Holzmeister erläuterte sein Projekt und sprach sich für die Unterbringung von Haus der Natur und [[Salzburger Museum Carolino Augusteum]] im Komplex des baufälligen [[Ursulinenkloster Stadt Salzburg|Ursulinenklosters]] aus, wo ein echtes Museumsviertel entstehen könnte. Das Ingenieurbüro Mühlberg legte in Ergänzung des Holzmeister-Projekts für das Festspielhaus eine Studie über den Bau eines 250 Meter langen Tunnels vom neuen Festspielhaus zu einem Parkplatz zwischen [[Bürgermeisterloch]] und [[Brunnhausgasse]] vor. | |||
Das Festspielhaus wurde in Salzburg heftig diskutiert und hatte viele Kritiker auf den Plan gerufen. Für das Projekt hatten die Planer 215 Millionen [[Schilling]] veranschlagt. Um das Projekt billiger erscheinen zu lassen, hätten die Verantwortlichen jedoch öffentlich die 110 Millionen Schilling von Variante D verkündet. "Bei dieser Variante hatten etwa die Garderoben unverputzte Wände und für die Eingangshalle war kein [[Marmor]]boden vorgesehen, sondern ein rot gestrichener Betonfußboden", erzählte [[Guy Eschig]], der zum Team um Clemens Holzmeister gehörte. | |||
Die Arbeiten begannen [[1956]] mit dem Abtragen von rund 55 000 m² [[Konglomerat]] der [[Mönchsberg]]wand, um für das gewaltige Bühnenhaus Platz zu schaffen. Das Große Festspielhaus wurde dann am [[26. Juli]] [[1960]] mit [[Richard Strauss]]' "Rosenkavalier" unter der Leitung von [[Herbert von Karajan]] eröffnet. | |||
[[Datei:Großes Festspielhaus Zuschauerraum 05.jpg|thumb|Großes Festspielhaus, im Zuschauerraum.]] | |||
=== 2020: 60 Jahre Großes Festspielhaus === | === 2020: 60 Jahre Großes Festspielhaus === | ||
Das Große Festspielhaus wurde 2020 sechzig Jahre alt. Eigentlich sei ein Gebäude in diesem Alter am Ende seines Lebenszyklus, doch die Bauqualität aus den [[1950er]]-Jahren sei außergewöhnlich gut. | Das Große Festspielhaus wurde [[2020]] sechzig Jahre alt. Eigentlich sei ein Gebäude in diesem Alter am Ende seines Lebenszyklus, doch die Bauqualität aus den [[1950er]]-Jahren sei außergewöhnlich gut. Auch die anderen Gebäude im Festspielbezirk bräuchten eine Erneuerung – von der Haustechnik bis zu den Dächern, von der Klimatisierung bis zur Digitalisierung. Viele Bereiche wie Brandschutz oder Arbeitnehmerschutz erfordern hohe Investitionen. Darüber hinaus besteht bei allen Spielstätten in unterschiedlichster Weise Handlungsbedarf. Die Werkstätten, die Künstlergarderoben und zum Teil auch der Zuschauerbereich entsprechen nicht mehr den Anforderungen von Mitarbeitern, Künstlern, aber auch dem Publikum an ein Festival mit Weltbedeutung. Der Schwerpunkt der Sanierung liegt in der Verbesserung der Heiztechnik, der Klimaanlage, des barrierefreien Zugangs im Gebäude und vielem mehr. Es sollen weiterhin sowohl Produktion als auch Aufführungen im Festspielbezirk konzentriert werden. Bühnentechnik, Werkstätten und Publikumsbereich werden auf den modernsten Stand der Zeit gebracht; Vorgaben des Brandschutzes, der Barrierefreiheit, aber auch des Klimaschutzes finden dabei Berücksichtigung. | ||
Die Bundesimmobiliengesellschaft BIG wurde mit einer Gesamtstudie beauftragt, in die Einzelgutachten | Die Bundesimmobiliengesellschaft BIG wurde mit einer Gesamtstudie beauftragt, in die Einzelgutachten zur Statik, Haustechnik und zum Raumkonzept einflossen. Allein dafür seien 300.000 Euro veranschlagt. Die BIG-Studie lag im Spätherbst [[2019]] vor, und 2020 wurden die notwendigen Entscheidungen getroffen.<ref>Quelle [[Salzburger Nachrichten]] vom [https://www.sn.at/salzburger-festspiele/festspiele-benoetigen-geld-eine-riesengeschichte-steht-bevor-73291981 12. Juli 2019]</ref> | ||
[[Datei:Großes Festspielhaus Zuschauerraum 09.jpg|thumb|Großes Festspielhaus, im Zuschauerraum.]] | |||
=== Umbau und Erweiterung ab 2025 === | |||
Der [[Salzburger Festspielbezirk|Festspielbezirk]] soll umfassend modernisiert und erweitert werden, um Platzmangel, veraltete Bühnentechnik und logistische Engpässe zu beseitigen. Zweieinhalb Jahre wurden die Anforderungen erhoben, um dem eklatanten Platzmangel, den technischen Einrichtungen aus den [[1960er]]-Jahren sowie der veralteten Bühnentechnik, die teilweise noch per Hand zu bedienen ist, eine grundlegende Modernisierung entgegenzusetzen. Die Gesamtnutzfläche sollte durch den geplanten Umbau und die Erweiterung um rund 10 000 Quadratmeter auf 47 514 Quadratmeter vergrößert werden. Die Nutzfläche wird damit deutlich vergrößert, zusätzliche Bereiche entstehen im [[Mönchsberg]]. Die Logistik erfolgt künftig über eine Zufahrt im [[Sigmundstor]], wodurch die Altstadt entlastet wird. Der Umbau begann 2025 parallel zum laufenden Betrieb und soll 2030 abgeschlossen sein. | |||
== Veranstaltungen im Großen Festspielhaus == | Für die Bauphase steht das Große Festspielhaus von Herbst [[2028]] bis Frühsommer [[2030]] nicht zur Verfügung. Eine Ersatzspielstätte ist notwendig, da diese Bühne rund die Hälfte der Kartenerlöse generiert. Das [[Kuratorium des Salzburger Festspielfonds|Kuratorium]] beauftragte das [[Direktorium des Salzburger Festspielfonds|Direktorium]], eine ganzjährig nutzbare Stahlbauhalle zu prüfen. Ein Großteil des vorgesehenen Budgets wird für die Anmietung von Werkstätten- und Büroflächen benötigt. Ab 2027 übersiedeln Tischlerei, Schlosserei, Tapezierei, Malersaal, Montagehalle und die technische Direktion in das ehemalige Puma‑Hauptquartier an der [[Münchner Bundesstraße]] 119; weitere Flächen für Schneiderei und Kostümwerkstätten werden noch gesucht. | ||
In der Kuratoriumssitzung am [[16. Oktober]] [[2026]] wurde entschieden, dass den Sommern [[2029]] und 2030 die Konzerte in der [[Salzburgarena]] stattfinden werden. Für den "[[Jedermann (Salzburg)|Jedermann]]" steht bei Schlechtwetter in den Sommern 2029 und 2030 die Halle 10 im [[Messezentrum Salzburg|Messegelände]] bereit. Ein Projekt für eine mobile Bedachung auf dem Domplatz wird noch geprüft.<ref>[https://www.sn.at/festspiele/salzburger-festspiele/hinter-den-kulissen/ziehen-salzburger-festspiele-in-die-messe-entscheidung-fuer-ersatzspielstaette-steht-bevor-art-678596 sn.at], 16. Oktober 2026</ref> | |||
== Regelmäßige Veranstaltungen im Großen Festspielhaus == | |||
* Die [[Salzburger Festspiele]] | * Die [[Salzburger Festspiele]] | ||
* Die [[Osterfestspiele]] | * Die [[Osterfestspiele]] | ||
| Zeile 45: | Zeile 55: | ||
* Die [[Salzburger Mozartwoche]] | * Die [[Salzburger Mozartwoche]] | ||
* Die Orchesterkonzerte der [[Salzburger Kulturvereinigung]] in den Zyklen ''Große Symphonie'', ''Musik der Meister'' und ''Welt der Musik'' | * Die Orchesterkonzerte der [[Salzburger Kulturvereinigung]] in den Zyklen ''Große Symphonie'', ''Musik der Meister'' und ''Welt der Musik'' | ||
=== Einzelne Veranstaltungen === | |||
* Am [[19. Mai]] [[1977]] trat [[Ella Fitzgerald]] mit einer Sondergenehmigung im Großen Festspielhaus auf. | |||
* [[Johann Weyringer]]: "[[Im Schutze der Musen|Im Schutze der Musen. Von Salzburg nach Nazareth.]]", Ausstellung im Großen Festspielhaus in Salzburg, [[2017]] | |||
== Sonstiges == | == Sonstiges == | ||
Das Große Festspielhaus hat eine | Das Große Festspielhaus hat eine Verbindung zu den [[Mönchsberggaragen]] im [[Mönchsberg]]. | ||
== Kunstwerke == | == Kunstwerke == | ||
[[Datei:Großes Festspielhaus Kunstwerke Robert Longo.jpg|thumb|Die Kunstwerke von Robert Longo.]] | [[Datei:Großes Festspielhaus Kunstwerke Robert Longo.jpg|thumb|Die Kunstwerke von Robert Longo.]] | ||
* Im Foyer Kunstwerke von Robert Longo | * Im Foyer befinden sich Kunstwerke von Robert Longo. | ||
* | * Säulenkapitelle im Pausenraum. | ||
* Die Mosaike in der Säulenhalle im | * Die Mosaike in der Säulenhalle im ehemaligen [[Hofmarstall]] stammen von [[Kurt Fischer]]. | ||
* Das monumentale Gemälde "Salzburg, seine Erbauer und seine Musik" von [[Karl Plattner]] in der | * Das monumentale Gemälde "Salzburg, seine Erbauer und seine Musik" von [[Karl Plattner]] befindet sich in der Fördererlounge im ersten Obergeschoß. | ||
* Mehrere Wandteppiche (Gobelins) von [[Oskar Kokoschka]] und [[Herbert Boeckl]] schmücken die Gänge im 1. | * [[Gobelins von Oskar Kokoschka im Großen Festspielhaus|Mehrere Wandteppiche (Gobelins)]] von [[Oskar Kokoschka]] und [[Herbert Boeckl]] schmücken die Gänge im 1. Obergeschoß. | ||
: Kokoschka: "Amor und Psyche" | : Kokoschka: "Amor und Psyche" | ||
: Kokoschka : "männliche Chimäre und Sonne, weibliche Chimäre und Mond" | : Kokoschka: "männliche Chimäre und Sonne, weibliche Chimäre und Mond" | ||
: Boeckl: " | : Boeckl: "Sphärenklänge" | ||
* Von [[Wander Bertoni]] stammen die beiden Allegorien | * Von [[Wander Bertoni]] stammen die beiden Allegorien "Musik" und "Theater". Die beiden Skulpturen aus Carrara-Marmor stehen in der Säulenhalle im Großen Foyer. | ||
* [[1963]] fertigte | * Die Keramikerin [[Gudrun Baudisch-Wittke]] gestaltete von 1959 bis 1966 in Zusammenarbeit mit Clemens Holzmeister den keramischen Raumschmuck. | ||
* [[1963]] fertigte [[Alfred Hrdlicka]] die Skulptur "Orpheus II" als Auftragsarbeit für die Salzburger Festspiele aus [[Untersberger Marmor]]. Die Skulptur steht im Säulenfoyer des ehemaligen fürsterzbischöflichen [[Hofmarstall]]s. | |||
== Bildergalerie == | == Bildergalerie == | ||
<gallery> | '''Bild 1:''' Büste von [[Herbert von Karajan]].<br /> | ||
'''Bild 1:''' Blick in die Förderer-Lounge.<br /> | |||
'''Bild 1:''' Unteres Pausenfoyer.<br /> | |||
<gallery mode="nolines" mode="packed-hover" heights="200"> | |||
Großes Festspielhaus Herbert von Karajan.jpg|Büste von [[Herbert von Karajan]]. | Großes Festspielhaus Herbert von Karajan.jpg|Büste von [[Herbert von Karajan]]. | ||
Großes Festspielhaus Förderer-Lounge.jpg|Blick in die Förderer-Lounge. | Großes Festspielhaus Förderer-Lounge.jpg|Blick in die Förderer-Lounge. | ||
Großes Festspielhaus unteres Pausenfoyer.jpg|Unteres Pausenfoyer. | Großes Festspielhaus unteres Pausenfoyer.jpg|Unteres Pausenfoyer. | ||
Großes Festspielhaus Masken Jakob Adlhart.jpg|Masken von [[Jakob Adlhart | </gallery> | ||
<br /> | |||
<hr> | |||
'''Bild 1:''' Masken von [[Jakob Adlhart (Bildhauer)]] in der [[Hofstallgasse]] vor dem Großen Festspielhaus.<br /> | |||
'''Bild 1:''' Großes Festspielhaus, Zuschauerraum.<br /> | |||
'''Bild 1:''' Großes Festspielhaus, Stiegenaufgänge.<br /> | |||
<gallery mode="nolines" mode="packed-hover" heights="200"> | |||
Großes Festspielhaus Masken Jakob Adlhart.jpg|Masken von [[Jakob Adlhart (Bildhauer)]] in der [[Hofstallgasse]] vor dem Großen Festspielhaus. | |||
File:Großes Festspielhaus, Salzburg (15).jpg|Großes Festspielhaus, Zuschauerraum. | |||
File:Großes Festspielhaus, Salzburg (01).jpg|Großes Festspielhaus, Stiegenaufgänge. | |||
</gallery> | </gallery> | ||
| Zeile 74: | Zeile 104: | ||
{{Commonscat|Großes_Festspielhaus_(Salzburg)}} | {{Commonscat|Großes_Festspielhaus_(Salzburg)}} | ||
* [https://scontent-vie1-1.xx.fbcdn.net/v/t1.0-9/50031889_2297094276967410_4353532645414535168_o.jpg?_nc_cat=103&_nc_sid=825194&_nc_ohc=JB1xNqf-JYoAX8hWGTZ&_nc_ht=scontent-vie1-1.xx&oh=31d6aa94e330bd777c9c50fcf1dedafd&oe=5F7EE786 facebook], Bild aus der Bauzeit des Großen Festspielhauses 1958 | * [https://scontent-vie1-1.xx.fbcdn.net/v/t1.0-9/50031889_2297094276967410_4353532645414535168_o.jpg?_nc_cat=103&_nc_sid=825194&_nc_ohc=JB1xNqf-JYoAX8hWGTZ&_nc_ht=scontent-vie1-1.xx&oh=31d6aa94e330bd777c9c50fcf1dedafd&oe=5F7EE786 facebook], Bild aus der Bauzeit des Großen Festspielhauses 1958 | ||
== Weblink == | |||
* Lage auf [https://www.openstreetmap.org/?mlat=47.798869&mlon=13.040975#map=18/47.798869/13.040975 openstreetmap.org] | |||
== Quellen == | == Quellen == | ||
| Zeile 80: | Zeile 113: | ||
* [[Salzburg die schöne Stadt]], Seite 68 | * [[Salzburg die schöne Stadt]], Seite 68 | ||
{{Quelle Festspiele in Salzburg}} | {{Quelle Festspiele in Salzburg}} | ||
== Einzelnachweise == | |||
<references/> | <references/> | ||
{{SORTIERUNG: Festspielhaus, Großes}} | {{SORTIERUNG: Festspielhaus, Großes}} | ||
[[Kategorie: | [[Kategorie:Altstadt (linkes Salzachufer)]] | ||
[[Kategorie: | [[Kategorie:Festspielbezirk]] | ||
[[Kategorie:Architektur]] | [[Kategorie:Architektur]] | ||
[[Kategorie:Denkmalschutz (Stadt Salzburg)]] | [[Kategorie:Denkmalschutz (Stadt Salzburg)]] | ||
[[Kategorie:Gebäude Stadt Salzburg]] | [[Kategorie:Gebäude Stadt Salzburg]] | ||
[[Kategorie:Veranstaltung]] | [[Kategorie:Veranstaltung]] | ||
Aktuelle Version vom 16. Oktober 2026, 19:22 Uhr


Das Große Festspielhaus ist ein multifunktionaler Veranstaltungsort in der Stadt Salzburg in der Altstadt im Festspielbezirk. Das Gebäude zählt zu den denkmalgeschützten Objekten in der Stadt.
Beschreibung
Das Große Festspielhaus wurde nach Plänen des Architekten Clemens Holzmeister erbaut. Die Bühne gehört mit einem Ausmaß von insgesamt 100 Metern Breite (einschließlich Seitenbühnen) zu den größten der Welt.
Das Festspielhaus bietet für 2 179 Zuschauer Platz. Der Bühnenraum weist eine Höhe von 35 Metern, eine Breite von 100 Metern und eine Tiefe von 25 Metern auf. 155 Prospektzüge der Bühnenmaschinerie, die Einrichtungen der Beleuchtung, der Eiserne Vorhang mit 34 Tonnen Gewicht, fünf Hubpodien von je 18 × 3 Metern sowie eine dreiteilige Simultanbühne zählen zu den Meisterwerken moderner Bühnentechnik. Die Gesamtbaukosten betrugen etwa 210 Millionen Schilling (15,3 Mio. Euro). Die Errichtungskosten haben zum größten Teil der Bund bzw. die Republik Österreich getragen, weshalb die Republik Österreich die Eigentümerin des Großen Festspielhauses ist. [1]

An der Ausgestaltung haben u. a. mitgewirkt: Oskar Kokoschka, Wolfgang Hutter, Karl Plattner, Rudolf Hoflehner, Kurt Fischer, Giselbert Hoke, Wander Bertoni, Jakob Adlhart (Bildhauer), Rudolf Reinhart, Slavi Soucek, Alfred Hrdlicka und Toni Schneider-Manzell.
Die Fassade wird durch eine lateinische Inschrift des Benediktiners Thomas Michels geschmückt: Sacra camenae domus concitis carmine patet quo nos attonitos numen ad auras ferat. - "Der Muse heiliges Haus steht Kunstbegeisterten offen, als Entflammte trage uns göttliche Macht empor."

Geschichte
1917 wurde der Verein Salzburger Festspielhaus-Gemeinde gegründet, der in seinen Statuten als Vereinszweck "die Erbauung eines Salzburger Festspielhauses und die nicht auf Gewinn berechnete Veranstaltung von Festspielen" anführte.[2] Doch es sollte bis nach dem Zweiten Weltkrieg dauern, bis Salzburg ein eigenes, zeitgemäßes Festspielhaus erhalten würde. Siehe dazu auch den SALZBURGWIKI-Artikel Die Salzburger Festspielhäuser und ihre Geschichte.
Am 24. August 1953 informierte Landeshauptmann Josef Klaus (ÖVP) das Festspielkuratorium über die von Clemens Holzmeister ausgearbeiteten Pläne für eine großzügige Neugestaltung des Festspielhauses. Die bisherige Heimstatt des Hauses der Natur an der Hofstallgasse sollte zu einer modernen Großbühne für 2 300 Zuschauer ausgebaut werden. Man hoffte, mit 30 Millionen Schilling für das Festspielhaus und zusätzlichen sechs Millionen Schilling für die Umsiedlung des Hauses der Natur das Auslangen zu finden.

Am 24. August 1955 erklärte Festspielpräsident Heinrich Puthon, dass für ein neues Festspielhaus nur Holzmeisters Planung mit dem Standort an der Hofstallgasse in Frage kommen. Holzmeister erläuterte sein Projekt und sprach sich für die Unterbringung von Haus der Natur und Salzburger Museum Carolino Augusteum im Komplex des baufälligen Ursulinenklosters aus, wo ein echtes Museumsviertel entstehen könnte. Das Ingenieurbüro Mühlberg legte in Ergänzung des Holzmeister-Projekts für das Festspielhaus eine Studie über den Bau eines 250 Meter langen Tunnels vom neuen Festspielhaus zu einem Parkplatz zwischen Bürgermeisterloch und Brunnhausgasse vor.
Das Festspielhaus wurde in Salzburg heftig diskutiert und hatte viele Kritiker auf den Plan gerufen. Für das Projekt hatten die Planer 215 Millionen Schilling veranschlagt. Um das Projekt billiger erscheinen zu lassen, hätten die Verantwortlichen jedoch öffentlich die 110 Millionen Schilling von Variante D verkündet. "Bei dieser Variante hatten etwa die Garderoben unverputzte Wände und für die Eingangshalle war kein Marmorboden vorgesehen, sondern ein rot gestrichener Betonfußboden", erzählte Guy Eschig, der zum Team um Clemens Holzmeister gehörte.
Die Arbeiten begannen 1956 mit dem Abtragen von rund 55 000 m² Konglomerat der Mönchsbergwand, um für das gewaltige Bühnenhaus Platz zu schaffen. Das Große Festspielhaus wurde dann am 26. Juli 1960 mit Richard Strauss' "Rosenkavalier" unter der Leitung von Herbert von Karajan eröffnet.

2020: 60 Jahre Großes Festspielhaus
Das Große Festspielhaus wurde 2020 sechzig Jahre alt. Eigentlich sei ein Gebäude in diesem Alter am Ende seines Lebenszyklus, doch die Bauqualität aus den 1950er-Jahren sei außergewöhnlich gut. Auch die anderen Gebäude im Festspielbezirk bräuchten eine Erneuerung – von der Haustechnik bis zu den Dächern, von der Klimatisierung bis zur Digitalisierung. Viele Bereiche wie Brandschutz oder Arbeitnehmerschutz erfordern hohe Investitionen. Darüber hinaus besteht bei allen Spielstätten in unterschiedlichster Weise Handlungsbedarf. Die Werkstätten, die Künstlergarderoben und zum Teil auch der Zuschauerbereich entsprechen nicht mehr den Anforderungen von Mitarbeitern, Künstlern, aber auch dem Publikum an ein Festival mit Weltbedeutung. Der Schwerpunkt der Sanierung liegt in der Verbesserung der Heiztechnik, der Klimaanlage, des barrierefreien Zugangs im Gebäude und vielem mehr. Es sollen weiterhin sowohl Produktion als auch Aufführungen im Festspielbezirk konzentriert werden. Bühnentechnik, Werkstätten und Publikumsbereich werden auf den modernsten Stand der Zeit gebracht; Vorgaben des Brandschutzes, der Barrierefreiheit, aber auch des Klimaschutzes finden dabei Berücksichtigung.
Die Bundesimmobiliengesellschaft BIG wurde mit einer Gesamtstudie beauftragt, in die Einzelgutachten zur Statik, Haustechnik und zum Raumkonzept einflossen. Allein dafür seien 300.000 Euro veranschlagt. Die BIG-Studie lag im Spätherbst 2019 vor, und 2020 wurden die notwendigen Entscheidungen getroffen.[3]

Umbau und Erweiterung ab 2025
Der Festspielbezirk soll umfassend modernisiert und erweitert werden, um Platzmangel, veraltete Bühnentechnik und logistische Engpässe zu beseitigen. Zweieinhalb Jahre wurden die Anforderungen erhoben, um dem eklatanten Platzmangel, den technischen Einrichtungen aus den 1960er-Jahren sowie der veralteten Bühnentechnik, die teilweise noch per Hand zu bedienen ist, eine grundlegende Modernisierung entgegenzusetzen. Die Gesamtnutzfläche sollte durch den geplanten Umbau und die Erweiterung um rund 10 000 Quadratmeter auf 47 514 Quadratmeter vergrößert werden. Die Nutzfläche wird damit deutlich vergrößert, zusätzliche Bereiche entstehen im Mönchsberg. Die Logistik erfolgt künftig über eine Zufahrt im Sigmundstor, wodurch die Altstadt entlastet wird. Der Umbau begann 2025 parallel zum laufenden Betrieb und soll 2030 abgeschlossen sein.
Für die Bauphase steht das Große Festspielhaus von Herbst 2028 bis Frühsommer 2030 nicht zur Verfügung. Eine Ersatzspielstätte ist notwendig, da diese Bühne rund die Hälfte der Kartenerlöse generiert. Das Kuratorium beauftragte das Direktorium, eine ganzjährig nutzbare Stahlbauhalle zu prüfen. Ein Großteil des vorgesehenen Budgets wird für die Anmietung von Werkstätten- und Büroflächen benötigt. Ab 2027 übersiedeln Tischlerei, Schlosserei, Tapezierei, Malersaal, Montagehalle und die technische Direktion in das ehemalige Puma‑Hauptquartier an der Münchner Bundesstraße 119; weitere Flächen für Schneiderei und Kostümwerkstätten werden noch gesucht.
In der Kuratoriumssitzung am 16. Oktober 2026 wurde entschieden, dass den Sommern 2029 und 2030 die Konzerte in der Salzburgarena stattfinden werden. Für den "Jedermann" steht bei Schlechtwetter in den Sommern 2029 und 2030 die Halle 10 im Messegelände bereit. Ein Projekt für eine mobile Bedachung auf dem Domplatz wird noch geprüft.[4]
Regelmäßige Veranstaltungen im Großen Festspielhaus
- Die Salzburger Festspiele
- Die Osterfestspiele
- Die Pfingstfestspiele
- Das Salzburger Adventsingen
- Der Salzburger Jazz-Herbst
- Die Salzburger Mozartwoche
- Die Orchesterkonzerte der Salzburger Kulturvereinigung in den Zyklen Große Symphonie, Musik der Meister und Welt der Musik
Einzelne Veranstaltungen
- Am 19. Mai 1977 trat Ella Fitzgerald mit einer Sondergenehmigung im Großen Festspielhaus auf.
- Johann Weyringer: "Im Schutze der Musen. Von Salzburg nach Nazareth.", Ausstellung im Großen Festspielhaus in Salzburg, 2017
Sonstiges
Das Große Festspielhaus hat eine Verbindung zu den Mönchsberggaragen im Mönchsberg.
Kunstwerke

- Im Foyer befinden sich Kunstwerke von Robert Longo.
- Säulenkapitelle im Pausenraum.
- Die Mosaike in der Säulenhalle im ehemaligen Hofmarstall stammen von Kurt Fischer.
- Das monumentale Gemälde "Salzburg, seine Erbauer und seine Musik" von Karl Plattner befindet sich in der Fördererlounge im ersten Obergeschoß.
- Mehrere Wandteppiche (Gobelins) von Oskar Kokoschka und Herbert Boeckl schmücken die Gänge im 1. Obergeschoß.
- Kokoschka: "Amor und Psyche"
- Kokoschka: "männliche Chimäre und Sonne, weibliche Chimäre und Mond"
- Boeckl: "Sphärenklänge"
- Von Wander Bertoni stammen die beiden Allegorien "Musik" und "Theater". Die beiden Skulpturen aus Carrara-Marmor stehen in der Säulenhalle im Großen Foyer.
- Die Keramikerin Gudrun Baudisch-Wittke gestaltete von 1959 bis 1966 in Zusammenarbeit mit Clemens Holzmeister den keramischen Raumschmuck.
- 1963 fertigte Alfred Hrdlicka die Skulptur "Orpheus II" als Auftragsarbeit für die Salzburger Festspiele aus Untersberger Marmor. Die Skulptur steht im Säulenfoyer des ehemaligen fürsterzbischöflichen Hofmarstalls.
Bildergalerie
Bild 1: Büste von Herbert von Karajan.
Bild 1: Blick in die Förderer-Lounge.
Bild 1: Unteres Pausenfoyer.
-
Büste von Herbert von Karajan.
-
Blick in die Förderer-Lounge.
-
Unteres Pausenfoyer.
Bild 1: Masken von Jakob Adlhart (Bildhauer) in der Hofstallgasse vor dem Großen Festspielhaus.
Bild 1: Großes Festspielhaus, Zuschauerraum.
Bild 1: Großes Festspielhaus, Stiegenaufgänge.
-
Masken von Jakob Adlhart (Bildhauer) in der Hofstallgasse vor dem Großen Festspielhaus.
-
Großes Festspielhaus, Zuschauerraum.
-
Großes Festspielhaus, Stiegenaufgänge.
weitere Bilder
Großes Festspielhaus – Sammlung von weiteren Bildern, Videos und Audiodateien im SALZBURGWIKI
Großes Festspielhaus – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien auf Wikimedia Commons
- facebook, Bild aus der Bauzeit des Großen Festspielhauses 1958
Weblink
- Lage auf openstreetmap.org
Quellen
- Salzburg, Anmut und Macht, Karl Heinz Ritschel, 2005, Otto Müller Verlag, ISBN 3-7013-1098-X
- Internetseiten
- Salzburg die schöne Stadt, Seite 68
- Kaut, Josef: Festspiele in Salzburg, Residenz Verlag Salzburg, 1965
Einzelnachweise
- ↑ www.salzburgerfestspiele.at, die Seite konnte bei einer Kontrolle am 1. Jänner 2026 nicht mehr abgerufen werden
- ↑ Kaut, Josef: Festspiele in Salzburg, Residenz Verlag Salzburg, 1965, Seite 285
- ↑ Quelle Salzburger Nachrichten vom 12. Juli 2019
- ↑ sn.at, 16. Oktober 2026