Pfarrkirche zum hl. Oswald: Unterschied zwischen den Versionen

K (Textersetzung - „Fußnote“ durch „Einzelnachweis“)
 
(5 dazwischenliegende Versionen von einem anderen Benutzer werden nicht angezeigt)
Zeile 1: Zeile 1:
 
[[Datei:Pfarrkirche Anif, Nordseite.jpg|thumb|Pfarrkirche Anif, Nordseite]]
 
[[Datei:Pfarrkirche Anif, Nordseite.jpg|thumb|Pfarrkirche Anif, Nordseite]]
 
[[Datei:Pfarrkirche Anif, Innenansicht.jpg|thumb|Pfarrkirche Anif, Innenansicht]]
 
[[Datei:Pfarrkirche Anif, Innenansicht.jpg|thumb|Pfarrkirche Anif, Innenansicht]]
Die '''Pfarrkirche zum hl. Oswald''' ist die [[Katholische Kirche|römisch-katholische]] Kirche der [[Pfarre Anif]] in der Gemeinde [[Anif]] im [[Flachgau]] und ist dem heiligen Oswald gewidmet.
+
Die '''Pfarrkirche zum hl. Oswald''' ist die [[Katholische Kirche|römisch-katholische]] Pfarrkirche der [[Pfarre Anif]] in der Gemeinde [[Anif]] im [[Flachgau]]. Sie zählt zu den [[Denkmalgeschützte Objekte in Anif|denkmalgeschützten Objekten]] in der Gemeinde.
 +
 
 +
== Patrozinium ==
 +
Die Kirche ist dem heiligen Oswald geweiht.
  
 
==Geschichte==
 
==Geschichte==
Schon in der ''[[Notitia Arnonis]]'', dem [[Salzburger Güterverzeichnis]] von [[Erzbischof]] [[Arn]] aus dem Jahr [[788]], wurde eine mit Landbesitz ausgestattete Kirche (''ecclesia cum territorio'') in Anif (''ad Anua'')<ref>[[Heinz Dopsch]], Ewald Hiebl (Hg): [[Anif. Kultur, Geschichte und Wirtschaft von Anif, Niederalm und Neu-Anif]], 2003, Seite 320: ''Die Pfarrkirchen Anif und Niederalm'' von Stefan Hiller</ref> schriftlich genannt.
+
Schon in der ''[[Notitia Arnonis]]'', dem [[Salzburger Güterverzeichnis]] von [[Erzbischof]] [[Arn]] aus dem Jahr [[788]], wurde eine mit Landbesitz ausgestattete Kirche (''ecclesia cum territorio'') in Anif (''ad Anua'') schriftlich genannt.
  
Sowohl die Anfänge der Kirche als auch die Entwicklung in den folgenden siebeneinhalb Jahrhunderten sind undokumentiert. Ab dem [[15. Jahrhundert]] finden sich dann vereinzelte Dokumente, wie zum Beispiel von der Turmfundamentlegung und Errichtung des Turmes bis zur Höhe des Kirchenschiffes von Maurermeister Johannes von [[Benediktiner-Erzabtei St. Peter|St. Peter]]. [[1734]] wurde die Sakristei an der Südseite der Kirche erbaut. [[1773]] wurde ein neues Geläut der [[Glockengießerei Oberascher]] angebracht. Unter Pfarrprovisor [[Johann Georg Reiter]] kam es [[1840]] zu einer grundlegenden Erneuerung der Kirche. Der letzte Umbau erfolgte unter [[Pfarrer von Anif|Pfarrer]] [[Martin Emil Hug|Emil Hug]] [[1969]].
+
Sowohl die Anfänge der Kirche als auch die Entwicklung in den folgenden siebeneinhalb Jahrhunderten sind undokumentiert. Ab dem [[15. Jahrhundert]] finden sich dann vereinzelte Dokumente, wie zum Beispiel von der Turmfundamentlegung und Errichtung des Turmes bis zur Höhe des Kirchenschiffes von Maurermeister Johannes von [[Benediktiner-Erzabtei St. Peter|St. Peter]]. [[1734]] wurde die Sakristei an der Südseite der Kirche erbaut. [[1773]] wurde ein neues Geläut der [[Glockengießerei Oberascher]] angebracht. Unter Pfarrprovisor [[Johann Georg Reiter]] kam es [[1840]] zu einer grundlegenden Erneuerung der Kirche. [[1885]] wurde unter Pfarrer Erich Gruber die Außenfassade durch Rundbogenfriese in neoromanischer Manier aufgeputzt.
 +
 
 +
Der letzte Umbau erfolgte unter [[Pfarrer von Anif|Pfarrer]] [[Martin Emil Hug|Emil Hug]] [[1969]]. Dabei wurde der neoromanische Putz wieder abgenommen und die ursprüngliche Bruchsteinmauer freigelegt. Auch die Rundbogenfenster des Langhauses wurden wieder in längsrechteckige Fensteröffnungen rückgebaut. Dabei wurde ein Bronzekruzifix von [[Jakob Adlhart (Bildhauer)|Jakob Adlhart]] an der Westfassade angebracht. Auf Höhe des Dachansatzes wurde eine Serie balkenkopfartig blockhafter Evangelistensymbole aus Bronzeguss versetzt.
 +
 
 +
== Glocken ==
 +
[[1973]] wurde das von [[Glockengießerei Oberascher]] hergestellte neue Geläute mit fünf Glocken aufgehängt.
 +
 
 +
{| class="wikitable" style=text-align:center
 +
! Glocke
 +
! Name
 +
! Gussjahr
 +
! Gießer
 +
! Gewicht ca.
 +
! Nominal
 +
|-
 +
| 1 || align=left | Hl. Dreifaltigkeit || 1972 || Glockengießerei Oberascher || 3450 kg || b<sup>0</sup>
 +
|-
 +
| 2 || Muttergottesglocke || 1972 || Glockengießerei Oberascher || 1700 kg || d<sup>1</sup>
 +
|-
 +
| 3 || align=left | Hl. Josef || 1972 || Glockengießerei Oberascher || 1000 kg || f<sup>1</sup>
 +
|-
 +
| 4 || align=left | Hl. Oswald || 1972 || Glockengießerei Oberascher || 700 kg || g<sup>1</sup>
 +
|-
 +
| 5 || align=left | Schutzengelglocke || 1972 || Glockengießerei Oberascher || 420 kg || b<sup>1</sup>
 +
|-
 +
| 6 || align=left | Sterbeglocke || 1845 || nicht überliefert || || um d<sup>2</sup>
 +
|}
  
 
==Innenausstattung==
 
==Innenausstattung==
Der [[1682]] errichtete Hochaltar hat zwei Altargemälde von [[Christian Lederwasch]]. [[1732]] wurde er mit einem von [[Wolfgang Spieß]] geschaffenen Hochaltarbild ergänzt. Die [[barock]]e Ausstattungsphase wurde mit einer Prunkmonstranz [[1756]] vom [[Tittmoning]]er Goldschmied Egid Hablitschek abgeschlossen.  
+
[[1614]] wurden erstmals Altäre für die Patrone HHl. Oswald, Stephan und [[Sebastian]] urkundlich genannt. [[1682]] wurde ein neuer Hochaltar errichtet. Der erzbischöfliche [[Erklärungen früherer Bezeichnungen und Ausdrücke#K|Kammerdiener]] und Hofmaler Christian [[Lederwasch]] fertige zwei Altarbilder, die vermutlich für neue Seitenaltäre bestimmt waren. [[1732]] wurde der Hochaltar mit einem von Wolfgang Spieß geschaffenen Hochaltarbild ergänzt. Von eine, "Bildhauer aus [[Reichenhall]]" stammt der neue Tabernakel. Es folgten [[1750]] zwei aus [[Marzoll]] angekaufte Seitenaltäre. Die [[barock]]e Ausstattungsphase wurde mit einer Prunkmonstranz [[1756]] vom [[Tittmoning]]er Goldschmied Egid Hablitschek abgeschlossen.
 +
 
 +
[[File:Pfarrkirche hl. Oswald, Anif Hochaltar.jpg|thumb|Der Hochaltar]]
 +
 
 +
Künstlerisch beachtenswert ist auch die Christophorus-Skulptur von dem für [[St. Peter]] seit [[1603]] tätig gewesenen [[Hans Waldburger]].
  
Künstlerisch beachtenswert ist auch die Christophorus-Skulptur von dem für St. Peter seit [[1603]] tätig gewesenen [[Hans Waldburger]].
+
[[File:Pfarrkirche hl. Oswald, Anif Chorfreskos.jpg|thumb|Chorfresken]]
  
Die nazarenischen Wand- und Deckengemälde sind vom Salzburger Maler [[Josef Gold]].
+
Die Wand- und Deckengemälde in nazarenischem Stil stammen vom Salzburger Maler [[Josef Gold]]. Auf dem linken Bild wird ''Des heiligen Oswald erste Königsthat'' gezeigt, Oswald stellt ein Kreuz als Zeichen für den Sieg des Glaubens auf. Die Landschaft mit Gebirge im Hintergrund hat einen Bezug zum [[Salzburger Land]]. Das Bild auf der rechten Seite zeigt Oswald als Wohltäter der Armen. Die Bildunterschrift lautet: "Diese Hand, welche Alles mit den Armen theilt, wird nicht verwesen." Bei den drei Männern, die an einem Tisch im Hintergrund gestikulieren, porträtierte Gold den Graf Moy, [[Alois Graf von Arco-Stepperg]] und den damaligen Pfarr[[Administrator (Katholische Kirche)|administrator]] [[Johann Georg Reiter]]. Beide Bilder wurden nach einer Inschrift am linken Bildrand von der Pauline Gräfin  Arco-Stepperg und dem Grafen Ernst und Sophie Gräfin Moy, geb. Stepperg gestiftet. Gold bemalte das Bogenfeld über der Turmtür mit Bildern der Salzburger Bischöfe und der Heiligen [[Rupert von Worms|Rupert]] und [[Virgil]].
 +
 
 +
In der Zeit um [[1887]] bis [[1896]] malte Gold die Deckenfresken über den Chorbogen eine monumental wirkende Kreuzigungsszene, die die gesamte Fläche zwischen dem Tonnengewölbe und dem Bogen ausfüllt. Die Bildmitte prägt der gekreuzigte tote Christus inmitten der zwei Schächer. Maria Magdalena kniet vor dem Kreuz, links davon steht Maria mit einem von Schmerz gezeichneten Gesicht; der Johannes breitet die Arme aus. Der Hintergrund zeigt Jerusalem, aus dem Nikodemus und Joseph von Arimathäa sich der Szenerie nähern. Die beiden Heiligen neben Maria sind vermutlich Maria Salome und Maria Cleophas, die beide zur Heiligen Sippe gehören. Die Darstellung wird durch Schriftgelehrte und Vertreter der Hohepriester und zweier Knechte, die die Kreuzigungsinstrumente wegtragen, bereichert. Soldaten würfeln um das Gewand Christi. Das Tonnengewölbe ist im Westen und im Osten mit vier Deckenmedaillons geschmückt. Es werden das letzte Abendmahl, die Erscheinung Christi unter den Aposteln, die Versuchung Christi in der Wüste und Jesu Taufe im Jordan gezeigt. Die Szenen aus dem Marienleben zeigen die Verlobung mit Joseph, die Verkündung des Erzengels Gabriel an Maria und Mariä Heimsuchung. Das mittlere Fresko zeigt die Marienkrönung Die Marienfresken wurden in Grisailletechnik ausgeführt.
 +
 
 +
Den Volksaltar fertigte [[1969]] der Bildhauer Jakob Adlhart aus [[Hallein]] an. Der Künstler baute auch im selben Jahr den Zelebrationsaltar, der mit Reliefs der Evangelisten geschmückt ist. Ebenfalls 1969 baute Adlhart eine neue [[Weihnachtskrippe]], die jedes Jahr in der [[Weihnachtszeit]] aufgestellt wird. Die ehemalige Krippe, im Inventarverzeichnis der Kirche mit etlichen Fotos abgebildet, wird in der Sakristei gelagert. Von der alten Krippe sind 58 Figuren erhalten, darunter Ochs und Esel, ein Elefant und zahlreiche Schafe. Der Mittelpunkt waren zwei Tempelarchitekturen, in denen und um diese herum die Figuren aufgestellt wurden. Die Menschenfiguren sind mit Brokatstoffen, Samt und Seide und anderen Materialien, wie Spitzen Gold- und Silberborten bekleidet. Die Köpfe sind entweder aus Wachs modelliert oder in [[Holz]] geschnitzt und tragen zum Teil Glasaugen und Naturhaar. Die Grundgerüste werden aus Gliederpuppen gebildet. Solche Krippen waren im [[17. Jahrhundert|17.]] und [[18. Jahrhundert]] typisch für Pfarrkirchen. Weiters stammen von Adlhart der [[1972]] gefertigte Kreuzweg in seinem nachexpressionistischen Stil an.
 +
   
 +
Die Ölgemälde mit den Darstellungen der Notburga von [[Rattenberg]] und des Isidor von Madrid malte der Salzburger Nazarenermaler [[Josef Rattensperger]] [[1843]]. sie waren ursprünglich Bilder von Seitenaltären.
 +
 
 +
An den Außenwänden sind verschiedene Grabsteine zu sehen, so ein Wappengrabstein für den [[1788]] verstorbenen Paul Waßner von Waßenau († [[1788]]), der [[Pfleger]] (?<ref>Anif hatte kein [[Pfleggericht]]</ref>) und Rat in Anif war. Die Grabsteine für den Amtmann Hans [[Überacker]] († [[1505]]) und der Maria Carolina Augusta, Gräfin von Überacker († [[1750]]), waren ursprünglich in den Fußboden der Kirche eingelassen. Der Stein für den Pfarrer Jörg Schrader († [[1515]]), wurde aus Rotem Marmor angefertigt. Nicolaus Mudet († [[1656]]) war Einsiedler der ehemaligen Klause von [[Hellbrunn]]. Seine Grabplatte befindet sich an der Südwand des Chores.
 +
 
 +
== Orgel ==
 +
[[File:Pfarrkirche hl. Oswald, Anif Orgel.jpg|thumb|Die Orgel]]
 +
 
 +
Die Orgel wurde [[1983]] von Johann Pirchner aus Steinach am Brenner in [[Nordtirol]] in rein mechanischer Bauart, nach den Prinzipien des klassischen Orgelbaues gebaut. 21 Stimmen verteilen sich auf das Hauptwerk, das Unterwerk und Pedal. Die Schleierbretter des Prospektes in seiner traditionellen, klassizistischen Formgebung, wurden von dem in Anif lebenden Restaurator [[Josef Ghezzi]] entworfen. Er bezog sich auf das Vorbild der Orgel von Mauracher aus dem Jahr [[1870]]. Den Orgelprospekt baute der Bildhauer Josef Plattner aus Axams.
  
 
==Friedhof Anif==
 
==Friedhof Anif==
Der Friedhof umgibt die Pfarrkirche. Ostseitig befindet sich das Grab [[Herbert von Karajan]]s.
+
Der Friedhof umgibt die Pfarrkirche. Ostseitig befindet sich das Grab [[Herbert von Karajan]]s. In der Friedhofsmauer wurde der Deckel einer Aschenurnenkiste aus der Zeit des [[3. Jahrhundert]]s entdeckt. Er wird im Außenbereich auf einem erneuerten Podest ausgestellt. 
 +
 
 +
== Literatur ==
 +
* [[Adolf Hahnl|Hahnl, Adolf]]; Hiller, Stefan; [[Rupert Reindl|Reindl, Rupert]] und [[Franz Stiller|Stiller, Franz]]: "Kirche Anif. Vertrautes in neuem Glanze. Festschrift zur Renovierung 1996-1999." HrsG. Pfarre Anif, Druck Offset 5020 GesmbH
 +
* Weidl, Reinhard: "Pfarrkirche zum hl. Oswald in Anif", Christliche Kunststätten Österreichs Nr. 541, Salzburg 2012
 +
 
 
== Bilder==
 
== Bilder==
<gallery>
+
{{Bildkat}}
Datei:Pfarrkirche Anif, Eingangsseite.JPG|Pfarrkirche, Eingangsseite
 
Datei:Grabstätte von Herbert von Karajan im Friedhof Anif.jpg|Grabstätte Herbert von Karajans
 
Datei:Friesacher Grabstätte in Anif.jpg|Friesacher-Grabstätte in Anif
 
Datei:Aufbahrungskapelle in Friedhof Anif.JPG|Aufbahrungskapelle im Friedhof
 
Datei:Grab von der Erzherzogin Franziska von Österreich im Anifer Friedhof.jpg|Grab der Erzherzogin Franziska von Österreich
 
Datei:Pfarrkirche Anif, südwestliche Ansicht von der Römerstraße.JPG|Pfarrkirche Anif, südwestliche Ansicht von der [[Römerstraße (Anif)|Römerstraße]]
 
</gallery>
 
 
 
=== weitere Bilder ===
 
 
{{Commonscat|Pfarrkirche hl. Oswald, Anif|Pfarrkirche hl. Oswald}}
 
{{Commonscat|Pfarrkirche hl. Oswald, Anif|Pfarrkirche hl. Oswald}}
== Weblinks ==
 
* [http://www.kirchen-fuehrer.info/pfarrkirche-anif/historischer-ueberblick.html www.kirchen-fuehrer.info/pfarrkirche-anif]
 
 
==Quellen==
 
==Quellen==
 
{{Quelle Anif Geschichte}}
 
{{Quelle Anif Geschichte}}
* Salzburgwiki-Beitrag [[Anif]]
+
* {{wikipedia-de|Pfarrkirche Anif|Pfarrkirche Anif}}
 
+
: → gestützt auf [https://web.archive.org/web/20150210020446/http://www.kirchen-fuehrer.info/pfarrkirche-anif.html web.archive.org] www.kirchen-fuehrer.info/pfarrkirche-anif
==Einzelnachweis==
+
==Fußnote==
 
<references/>
 
<references/>
  
Zeile 42: Zeile 82:
 
[[Kategorie:Flachgau]]
 
[[Kategorie:Flachgau]]
 
[[Kategorie:Anif]]
 
[[Kategorie:Anif]]
 +
[[Kategorie:Kultur und Bildung]]
 +
[[Kategorie:Religion]]
 
[[Kategorie:Erzdiözese]]
 
[[Kategorie:Erzdiözese]]
 +
[[Kategorie:Geschichte (Erzdiözese)‎]]
 
[[Kategorie:Architektur]]
 
[[Kategorie:Architektur]]
[[Kategorie:Religion]]
+
[[Kategorie:Denkmalschutz]]
 +
[[Kategorie:Denkmalschutz (Anif)]]
 +
[[Kategorie:Kirche (Bauwerk)]]
 
[[Kategorie:Katholische Kirche]]
 
[[Kategorie:Katholische Kirche]]
[[Kategorie:Kirche (Bauwerk)]]
 
 
[[Kategorie:Katholische Kirche (Bauwerk)]]
 
[[Kategorie:Katholische Kirche (Bauwerk)]]
[[Kategorie:Geschichte (Erzbistum)]]
 

Aktuelle Version vom 17. Mai 2025, 16:19 Uhr

Pfarrkirche Anif, Nordseite
Pfarrkirche Anif, Innenansicht

Die Pfarrkirche zum hl. Oswald ist die römisch-katholische Pfarrkirche der Pfarre Anif in der Gemeinde Anif im Flachgau. Sie zählt zu den denkmalgeschützten Objekten in der Gemeinde.

Patrozinium

Die Kirche ist dem heiligen Oswald geweiht.

Geschichte

Schon in der Notitia Arnonis, dem Salzburger Güterverzeichnis von Erzbischof Arn aus dem Jahr 788, wurde eine mit Landbesitz ausgestattete Kirche (ecclesia cum territorio) in Anif (ad Anua) schriftlich genannt.

Sowohl die Anfänge der Kirche als auch die Entwicklung in den folgenden siebeneinhalb Jahrhunderten sind undokumentiert. Ab dem 15. Jahrhundert finden sich dann vereinzelte Dokumente, wie zum Beispiel von der Turmfundamentlegung und Errichtung des Turmes bis zur Höhe des Kirchenschiffes von Maurermeister Johannes von St. Peter. 1734 wurde die Sakristei an der Südseite der Kirche erbaut. 1773 wurde ein neues Geläut der Glockengießerei Oberascher angebracht. Unter Pfarrprovisor Johann Georg Reiter kam es 1840 zu einer grundlegenden Erneuerung der Kirche. 1885 wurde unter Pfarrer Erich Gruber die Außenfassade durch Rundbogenfriese in neoromanischer Manier aufgeputzt.

Der letzte Umbau erfolgte unter Pfarrer Emil Hug 1969. Dabei wurde der neoromanische Putz wieder abgenommen und die ursprüngliche Bruchsteinmauer freigelegt. Auch die Rundbogenfenster des Langhauses wurden wieder in längsrechteckige Fensteröffnungen rückgebaut. Dabei wurde ein Bronzekruzifix von Jakob Adlhart an der Westfassade angebracht. Auf Höhe des Dachansatzes wurde eine Serie balkenkopfartig blockhafter Evangelistensymbole aus Bronzeguss versetzt.

Glocken

1973 wurde das von Glockengießerei Oberascher hergestellte neue Geläute mit fünf Glocken aufgehängt.

Glocke Name Gussjahr Gießer Gewicht ca. Nominal
1 Hl. Dreifaltigkeit 1972 Glockengießerei Oberascher 3450 kg b0
2 Muttergottesglocke 1972 Glockengießerei Oberascher 1700 kg d1
3 Hl. Josef 1972 Glockengießerei Oberascher 1000 kg f1
4 Hl. Oswald 1972 Glockengießerei Oberascher 700 kg g1
5 Schutzengelglocke 1972 Glockengießerei Oberascher 420 kg b1
6 Sterbeglocke 1845 nicht überliefert um d2

Innenausstattung

1614 wurden erstmals Altäre für die Patrone HHl. Oswald, Stephan und Sebastian urkundlich genannt. 1682 wurde ein neuer Hochaltar errichtet. Der erzbischöfliche Kammerdiener und Hofmaler Christian Lederwasch fertige zwei Altarbilder, die vermutlich für neue Seitenaltäre bestimmt waren. 1732 wurde der Hochaltar mit einem von Wolfgang Spieß geschaffenen Hochaltarbild ergänzt. Von eine, "Bildhauer aus Reichenhall" stammt der neue Tabernakel. Es folgten 1750 zwei aus Marzoll angekaufte Seitenaltäre. Die barocke Ausstattungsphase wurde mit einer Prunkmonstranz 1756 vom Tittmoninger Goldschmied Egid Hablitschek abgeschlossen.

 
Der Hochaltar

Künstlerisch beachtenswert ist auch die Christophorus-Skulptur von dem für St. Peter seit 1603 tätig gewesenen Hans Waldburger.

 
Chorfresken

Die Wand- und Deckengemälde in nazarenischem Stil stammen vom Salzburger Maler Josef Gold. Auf dem linken Bild wird Des heiligen Oswald erste Königsthat gezeigt, Oswald stellt ein Kreuz als Zeichen für den Sieg des Glaubens auf. Die Landschaft mit Gebirge im Hintergrund hat einen Bezug zum Salzburger Land. Das Bild auf der rechten Seite zeigt Oswald als Wohltäter der Armen. Die Bildunterschrift lautet: "Diese Hand, welche Alles mit den Armen theilt, wird nicht verwesen." Bei den drei Männern, die an einem Tisch im Hintergrund gestikulieren, porträtierte Gold den Graf Moy, Alois Graf von Arco-Stepperg und den damaligen Pfarradministrator Johann Georg Reiter. Beide Bilder wurden nach einer Inschrift am linken Bildrand von der Pauline Gräfin Arco-Stepperg und dem Grafen Ernst und Sophie Gräfin Moy, geb. Stepperg gestiftet. Gold bemalte das Bogenfeld über der Turmtür mit Bildern der Salzburger Bischöfe und der Heiligen Rupert und Virgil.

In der Zeit um 1887 bis 1896 malte Gold die Deckenfresken über den Chorbogen eine monumental wirkende Kreuzigungsszene, die die gesamte Fläche zwischen dem Tonnengewölbe und dem Bogen ausfüllt. Die Bildmitte prägt der gekreuzigte tote Christus inmitten der zwei Schächer. Maria Magdalena kniet vor dem Kreuz, links davon steht Maria mit einem von Schmerz gezeichneten Gesicht; der Johannes breitet die Arme aus. Der Hintergrund zeigt Jerusalem, aus dem Nikodemus und Joseph von Arimathäa sich der Szenerie nähern. Die beiden Heiligen neben Maria sind vermutlich Maria Salome und Maria Cleophas, die beide zur Heiligen Sippe gehören. Die Darstellung wird durch Schriftgelehrte und Vertreter der Hohepriester und zweier Knechte, die die Kreuzigungsinstrumente wegtragen, bereichert. Soldaten würfeln um das Gewand Christi. Das Tonnengewölbe ist im Westen und im Osten mit vier Deckenmedaillons geschmückt. Es werden das letzte Abendmahl, die Erscheinung Christi unter den Aposteln, die Versuchung Christi in der Wüste und Jesu Taufe im Jordan gezeigt. Die Szenen aus dem Marienleben zeigen die Verlobung mit Joseph, die Verkündung des Erzengels Gabriel an Maria und Mariä Heimsuchung. Das mittlere Fresko zeigt die Marienkrönung Die Marienfresken wurden in Grisailletechnik ausgeführt.

Den Volksaltar fertigte 1969 der Bildhauer Jakob Adlhart aus Hallein an. Der Künstler baute auch im selben Jahr den Zelebrationsaltar, der mit Reliefs der Evangelisten geschmückt ist. Ebenfalls 1969 baute Adlhart eine neue Weihnachtskrippe, die jedes Jahr in der Weihnachtszeit aufgestellt wird. Die ehemalige Krippe, im Inventarverzeichnis der Kirche mit etlichen Fotos abgebildet, wird in der Sakristei gelagert. Von der alten Krippe sind 58 Figuren erhalten, darunter Ochs und Esel, ein Elefant und zahlreiche Schafe. Der Mittelpunkt waren zwei Tempelarchitekturen, in denen und um diese herum die Figuren aufgestellt wurden. Die Menschenfiguren sind mit Brokatstoffen, Samt und Seide und anderen Materialien, wie Spitzen Gold- und Silberborten bekleidet. Die Köpfe sind entweder aus Wachs modelliert oder in Holz geschnitzt und tragen zum Teil Glasaugen und Naturhaar. Die Grundgerüste werden aus Gliederpuppen gebildet. Solche Krippen waren im 17. und 18. Jahrhundert typisch für Pfarrkirchen. Weiters stammen von Adlhart der 1972 gefertigte Kreuzweg in seinem nachexpressionistischen Stil an.

Die Ölgemälde mit den Darstellungen der Notburga von Rattenberg und des Isidor von Madrid malte der Salzburger Nazarenermaler Josef Rattensperger 1843. sie waren ursprünglich Bilder von Seitenaltären.

An den Außenwänden sind verschiedene Grabsteine zu sehen, so ein Wappengrabstein für den 1788 verstorbenen Paul Waßner von Waßenau († 1788), der Pfleger (?[1]) und Rat in Anif war. Die Grabsteine für den Amtmann Hans Überacker († 1505) und der Maria Carolina Augusta, Gräfin von Überacker († 1750), waren ursprünglich in den Fußboden der Kirche eingelassen. Der Stein für den Pfarrer Jörg Schrader († 1515), wurde aus Rotem Marmor angefertigt. Nicolaus Mudet († 1656) war Einsiedler der ehemaligen Klause von Hellbrunn. Seine Grabplatte befindet sich an der Südwand des Chores.

Orgel

 
Die Orgel

Die Orgel wurde 1983 von Johann Pirchner aus Steinach am Brenner in Nordtirol in rein mechanischer Bauart, nach den Prinzipien des klassischen Orgelbaues gebaut. 21 Stimmen verteilen sich auf das Hauptwerk, das Unterwerk und Pedal. Die Schleierbretter des Prospektes in seiner traditionellen, klassizistischen Formgebung, wurden von dem in Anif lebenden Restaurator Josef Ghezzi entworfen. Er bezog sich auf das Vorbild der Orgel von Mauracher aus dem Jahr 1870. Den Orgelprospekt baute der Bildhauer Josef Plattner aus Axams.

Friedhof Anif

Der Friedhof umgibt die Pfarrkirche. Ostseitig befindet sich das Grab Herbert von Karajans. In der Friedhofsmauer wurde der Deckel einer Aschenurnenkiste aus der Zeit des 3. Jahrhunderts entdeckt. Er wird im Außenbereich auf einem erneuerten Podest ausgestellt.

Literatur

  • Hahnl, Adolf; Hiller, Stefan; Reindl, Rupert und Stiller, Franz: "Kirche Anif. Vertrautes in neuem Glanze. Festschrift zur Renovierung 1996-1999." HrsG. Pfarre Anif, Druck Offset 5020 GesmbH
  • Weidl, Reinhard: "Pfarrkirche zum hl. Oswald in Anif", Christliche Kunststätten Österreichs Nr. 541, Salzburg 2012

Bilder

  Pfarrkirche zum hl. Oswald – Sammlung von weiteren Bildern, Videos und Audiodateien im SALZBURGWIKI
  Pfarrkirche hl. Oswald – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien auf Wikimedia Commons

Quellen

→ gestützt auf web.archive.org www.kirchen-fuehrer.info/pfarrkirche-anif

Fußnote

  1. Anif hatte kein Pfleggericht