Markus Hinterhäuser

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Markus Hinterhäuser

Markus Hinterhäuser (* 30. März 1958 in La Spezia, Italien) ist ein österreichischer Pianist und Kulturmanager. Er ist seit 2013 Intendant der Salzburger Festspiele.

Leben

Hinterhäuser absolvierte sein Klavierstudium an der Hochschule für Musik in Wien und am Mozarteum. Dort war er unter anderem Schüler von Elisabeth Leonskaja und Oleg Maisenberg. Hinterhäuser ist mit Dr. Maria Wiesmüller verheiratet.

Markus Hinterhäuser, Intendant der Salzburger Festspiele mit Festspielpräsidentin Dr. Helga Rabl-Stadler.

Pianistisches Schaffen

Als Kammermusiker arbeitete Hinterhäuser schon bald mit dem Arditti-Quartett zusammen. Auch war er lange Zeit Begleiter der Sängerin Brigitte Fassbaender.

Als Pianist trat Markus Hinterhäuser sowohl solistisch als auch in Kammerkonzerten in den bedeutendsten Konzertsälen und bei international renommierten Festivals auf, wie etwa in der "Carnegie Hall" in New York, dem Wiener Musikverein, dem Wiener Konzerthaus und der Mailänder Scala, und er gastierte unter anderem bei den Salzburger Festspielen, der Schubertiade Hohenems, dem Schleswig-Holstein Musikfestival, bei "Wien Modern", dem "Festival d’Automne", dem "Holland Festival" und den Berliner Festwochen.

Seit den 1990er‑Jahren konzentrierte sich Markus Hinterhäuser zunehmend auf die Interpretation zeitgenössischer Musik; besonders engagierte er sich für das Werk von Luigi Nono, Karlheinz Stockhausen, Morton Feldman und György Ligeti. Er spielte unter anderem das gesamte Soloklavierwerk der Zweiten Wiener Schule sowie Werke von John Cage, Morton Feldman, Luigi Nono, Giacinto Scelsi und Galina Ustwolskaja ein.

In den 2000er‑Jahren bis etwa 2010 wirkte Markus Hinterhäuser zudem immer wieder an Musiktheater‑Produktionen von Christoph Marthaler, Johan Simons und Klaus‑Michael Grüber mit.

Kulturmanagement

Gemeinsam mit Tomas Zierhofer-Kin errang er als Mitbegründer als Künstlerischer Leiter des Projekts "Zeit-Zone" bei den Wiener Festwochen internationales Renommee im Kulturmanagement. Hinterhäuser war zusammen mit Tomas Zierhofer-Kin Gründer und Leiter der Veranstaltungsreihe "Zeitfluss", die von 1993 bis 2001 im Rahmen der Salzburger Festspiele stattfand, und von "Zeit-Zone" (Wiener Festwochen, seit 2002).

2006–2011: Konzertdirektor der Salzburger Festspiele

Im Februar 2005 wurde Hinterhäuser vom (damals künftigen) Intendanten Jürgen Flimm als Konzertdirektor der Salzburger Festspiele designiert und übte diese Funktion ab 1. Oktober 2006 aus.

Am 10. Juli 2021 wurden Festspiel-Präsidentin Helga Rabl-Stadler zum Commandeur des Arts et des Lettres und Intendant Markus Hinterhäuser (links) zum Officier des Arts et des Lettres in der französischen Botschaft in Wien durch den Botschafter der Republik Frankreich in Österreich, Gilles Pécout, ernannt.

2007 setzte er bei den Salzburger Festspielen die Serien "Schumann-Szenen" und "Kontinent Scelsi" auf das Konzertprogramm, 2008 "Schubert-Szenen" und "Kontinent Sciarrino", gewidmet jeweils einem romantischen und einem modernen Komponisten.

Mit der Saison 2011 beendete Hinterhäuser wegen ungünstiger organisatorischer Rahmenbedingungen sein Engagement bei den Salzburger Festspielen. Davor wirkte er allerdings von Oktober 2010 bis Oktober 2011 noch als Nachfolger von Jürgen Flimm interimistisch als Intendant der Festspiele.

2013: Intendant der Salzburger Festspiele

Am 25. September 2013 wurde Markus Hinterhäuser vom Kuratorium der Salzburger Festspiele zum Intendanten ab 1. Oktober 2016 bestellt.

In dieser Funktion wurde Hinterhäuser mehrmals wiederbestellt, unter anderem am 5. April 2024, nicht ganz unumstritten, wie die versierte Kennerin der Salzburger Festspiele und Leiterin des Ressorts Kultur bei den "Salzburger Nachrichten" Hedwig Kainberger in der Samstagausgabe vom 6. April[1], schreibt. Sie meint, die Entscheidung des Kuratoriums, dass Hinterhäuser bleibt, sei pragmatisch, habe aber einen Schwachpunkt und berge ein Risiko:

Hinterhäuser hat als Intendant einen musikalischen Feinsinn bewiesen und es verstanden, Lust auf Salzburger Festspiele zu machen. Aus diesem Blickwinkel betrachtet ist sein Bleiben eine Freude, da Markus Hinterhäuser weiterhin die Salzburger Festspiele gestalten und vertreten wird. Als Schwachpunkt sieht Kainberger das zu klein aufgesetzte Bewerbungsverfahren mit kurzer Frist, ohne Findungskommission und ohne offensive Suche. So war auch der Kreis der Bewerber derart überschaubar, dass für deren Anhörung ein Nachmittag genügt hätte.

Das Risiko, meint Kainberger, steckt im immer wieder aufbrausenden Verhalten Markus Hinterhäusers. So wird kolportiert, dass es unter anderem die Festspielpräsidentin Kristina Hammer trifft. Sie soll angeblich seit Amtsantritt von Hinterhäuser konsequent geschnitten werden, sodass es schon zur peinlichen Usance des Festspielbetriebs gehört. Auch andere Mitarbeiter rund um den Festspielbetrieb sollen bei Ausbrüchen Hinterhäusers etwas abbekommen haben. Dieses Verhalten ist den Mitgliedern des Kuratoriums bekannt. Bei der Entscheidung, Markus Hinterhäusers Vertrag zu verlängern, ging es ums Abwägen: Seine Stärken sowie seine Bereitschaft, das riesige Vorhaben von Sanierung und Ausbau der Festspielhäuser mitzugestalten, überwiegen.

Im Dezember 2024 stand Markus Hinterhäuser unter Druck. Er sorgte zuletzt mit der Kündigung der Schauspielchefin Marina Davydova ebenso für Schlagzeilen wie bereits im Vorjahr mit der Entlassung des gesamten "Jedermann"-Ensembles. Nun gab es weitere Stimmen, die seinen Führungsstil und vor allem seinen Umgang mit Mitarbeitern und Künstlern öffentlichkeitswirksam kritisierten. Auch der Ressourcenumgang in der Schauspielsparte wurde hinterfragt. Zudem gibt es im siebenköpfigen Kuratorium der Salzburger Festspiele kritische Töne zum Führungsstil Hinterhäusers.

Alles andere als friktionsfrei soll auch das Verhältnis von Markus Hinterhäuser zu Präsidentin Kristina Hammer sein. Im Februar 2023 wurde von ihrer "Entmachtung" gesprochen, nachdem die Geschäftsordnung des Direktoriums so geändert wurde, dass die Zuständigkeit für das Pressebüro an den Intendanten wanderte. Von einer "einvernehmlichen Lösung" sprach allerdings der damalige Kuratoriumsvorsitzende und ehemalige Bürgermeister Harald Preuner (ÖVP).[2]

2024: Hammer und Hinterhäuser geben ein gemeinsames SN-Interview

Seit Kristina Hammer im Jänner 2022 als Präsidentin der Salzburger Festspiele angetreten ist, rissen Gerüchte, Berichte und Beobachtungen nicht ab, die, vorsichtig ausgedrückt, von einem zerrütteten Verhältnis des Intendanten Markus Hinterhäuser zur neuen Präsidentin zeugten. Am Donnerstag, 12. Dezember 2024, waren beide zu einem Gespräch bei Landeshauptmann Dr. Wilfried Haslauer junior und luden am Abend überraschend die "Salzburger Nachrichten" zu einem gemeinsamen Interview in Kristina Hammers Büro ein.[3]

Kristina Hammer (KH) meint, dass es ernste Themen seien, die im Umlauf seien, und daher wollen sie sich beide gemeinsam dazu äußern. Markus Hinterhäuser (MH) ergänzt, dass Spannungen und Diskussionen entstehen können, die „das eine oder andere Mal emotional werden können, das liegt in der Natur der Sache“. Er gibt auch zu, Fehler gemacht zu haben, und fügt hinzu, dass die Geschichte der Salzburger Festspiele aus „unendlich vielen Situationen, aus Krisen, die zu lösen außerordentlich schwer waren“ bestehe. Doch es wurden und werden immer Lösungen gefunden.

Auf die Frage, wie gut oder wie schlecht sie sich vertragen, geben beide ausweichende Antworten. Bei der Frage an MH, ob es sich nur um böse Gerüchte handle, dass seit Langem die Rede sei, er behandle die Präsidentin KH unhöflich (von Beschimpfungen und Verunglimpfungen vor anderen ist die Rede), wurde er in seiner Antwort konkreter. Er gab zu, dass er in Diskussionen und Stresssituationen manchmal sehr intensiv sei und dann „ein emotionaler, bisweilen auch impulsiver Charakter“ wäre und „dass man das eine oder andere Mal über das Ziel hinausschießt“.

KH hält einen respektvollen und wertschätzenden Umgang miteinander für wichtig. Diskussionen, die es in jedem Führungskremium gibt, würden hinter verschlossenen Türen geführt und sollten daher intern bleiben und nicht über die Medien ausgetragen werden.

Zur in Medienberichten angedeuteten Frage, warum KH den MH „nicht einfange“, sagt KH, sie sei weder Erzieherin noch Gouvernante. „Es braucht keine Präsidentin, die auf ihn aufpasst. Wir sind gleichberechtigte Direktoriumsmitglieder. Markus und ich haben in vielen Dingen unterschiedliche Auffassungen. Das ist in einem Leitungskremium ebenso normal wie unterschiedliche Herangehensweisen.“ Sie verweist darauf, dass ihre Vorgängerin Helga Rabl-Stadler ihr erzählt habe, dass auch deren Anfangsjahre alles andere als leicht gewesen seien.

Ob MH die Zusammenarbeit mit KH mag, meint dieser, dass sie sich manchmal „zusammenraufen“ müssten und es keiner dauernden „Harmonieseligkeit“ bedürfe, denn „manchmal kann Disharmonie auch produktiv sein“.

Auch die Entlassung Marina Davydovas war Thema des Interviews. Dazu MH kurz: „Hier werden keine Entscheidungen getroffen, die die Temperatur eines Eiskastens haben.“ Über ihre Arbeit meint MH, dass sie eine beeindruckende intellektuelle Theaterfrau sei.

Auf die Frage, warum es 2025 zwölf Opern, davon einige konzertant, aber nur vier Schauspiele geben werde, und ob Davydova so wenig vorgeschlagen habe oder das Schauspiel so wenig Budget habe, gab MH keine klare Antwort.

Hinterhäuser im Jahr 2026

Bei der Neubesetzung der Schauspielleitung der Salzburger Festspiele kam es 2026 zu einem Konflikt zwischen Intendant Markus Hinterhäuser und dem Kuratorium. Streitpunkt war, ob der Intendant den vorgegebenen Ausschreibungsprozess eingehalten hatte. Das Kuratorium berief für den 3. Februar eine außerordentliche Sitzung ein.

Am 28. Jänner fand ein Hearing mit fünf Finalistinnen und Finalisten aus der offiziellen Ausschreibung statt. Kurz darauf erklärte Hinterhäuser gegenüber der „Kronen-Zeitung“, seine Favoritin sei die frühere Burgtheaterdirektorin Karin Bergmann – obwohl sie sich nicht beworben und nicht am Hearing teilgenommen hatte. Das Kuratorium hatte nach der Trennung von Marina Davydova festgelegt, dass die Position regulär auszuschreiben und der Prozess zu begleiten sei. Insgesamt gingen 23 Bewerbungen ein; als Beobachter war Christian Kircher von der Bundestheater-Holding eingesetzt. Hinterhäusers Präferenz außerhalb dieses Verfahrens sorgte für Irritation.

Zwar sieht die Geschäftsordnung vor, dass der Intendant Abteilungsleitungen grundsätzlich selbst besetzt, doch widersprach sein Vorgehen den zusätzlichen Vorgaben des Kuratoriums. Landeshauptfrau Karoline Edtstadler sprach nach der Sitzung von einer „gelben Karte“ für den Intendanten.

Hinterhäuser nahm an der außerordentlichen Sitzung nicht teil, da er in Frankfurt das Programm der Festspiele 2026 präsentierte. In der regulären Sitzung am 26. Februar sollte er Bericht erstatten und erneut über die Besetzung beraten werden. Bis dahin blieb offen, wer die Schauspielleitung ab Herbst 2026 übernehmen würde.

In einem „Memorandum“ forderten u. a. Elfriede Jelinek, Peter Handke und Thaddaeus Ropac, den Intendanten in seiner Arbeit zu unterstützen. Vermittelt von Sven Hartberger wurden Unterschriften gesammelt und am 19. Februar 2026 an Landeshauptfrau Edtstadler (ÖVP) und Bürgermeister Bernhard Auinger (SPÖ) übermittelt.

Nach der Sitzung des Kuratoriums am 26. Februar blieb vieles unklar. Fest stand jedoch, dass die turnusmäßige Ausschreibung des Präsidentenpostens verschoben wird und dass Hinterhäuser seine Intendanz vorzeitig beenden muss. Laut Edtstadler wäre ein Ende bereits mit September 2026 möglich. Das Kuratorium habe ihm jedoch angeboten, darüber hinaus weiterzumachen; einen konkreten Zeitrahmen nannte sie nicht. Hinterhäuser wollte das Angebot prüfen, die Entscheidung sollte bis zur Sitzung am 20. März fallen.

Die Pressekonferenz nach der Sitzung zeigte eine ungewöhnliche Geschlossenheit des Kuratoriums. Statt wie üblich ein oder zwei Vertreter zu entsenden, traten diesmal alle sieben Mitglieder gemeinsam vor die Medien: in der Mitte Karoline Edtstadler als derzeitige Vorsitzende, rechts von ihr Hans Scharfetter vom Tourismusförderungsfonds des Landes Salzburg, Bundestheater‑Chef Christian Kircher und Johannes Honsig-Erlenburg, Präsident der Stiftung Mozarteum; links von ihr Bürgermeister Bernhard Auinger (SPÖ), Sektionschefin Theresia Niedermüller vom Kulturministerium sowie die frühere Finanzministerin Maria Fekter als Vertreterin des Finanzministeriums. Nach Edtstadlers Bericht beantworteten die Kuratoriumsmitglieder die Fragen der Journalisten.

Zum Intendantenvertrag erklärte Edtstadler, es gebe eine unterschriebene Vereinbarung über eine Verlängerung, die jedoch an Bedingungen geknüpft sei – insbesondere an die sogenannte Wohlverhaltensklausel. Diese Bedingungen seien nicht erfüllt, der Eindruck von Fehlverhalten habe sich sogar verstärkt. Damit gilt die dritte Amtsperiode ab Herbst 2026 als hinfällig. Eine mögliche kurze Weiterarbeit über September hinaus blieb offen.

Das Kuratorium bemühte sich zugleich um Deeskalation und gestand Hinterhäuser die uneingeschränkte Kompetenz zur Besetzung der Schauspielleitung zu. Das Festhalten an den Bewerbern aus der Ausschreibung sei damit hinfällig. Kommunikationsfehler räumte Bürgermeister Auinger ein.

Hinterhäuser erschien danach alleine, verlas ein mehrseitiges Statement und beantwortete keine Fragen. Hinterhäuser betonte abschließend, er habe das Kuratorium nicht hintergangen und alle Vorgaben erfüllt. Die Geschäftsordnung gebe ihm das Recht und die Pflicht, die Schauspielleitung zu besetzen. Fehler in der Kommunikation räumte er ein, stellte jedoch die Frage, ob dies einen derart massiven Vertrauensverlust rechtfertige.

Auszeichnungen

Am 10. Juli 2021 wurde ihm in der französischen Botschaft in Wien seine Ernennung zum Commandeur des Arts et des Lettres überreicht.[4]

2024: Ehrenzeichen des Landes Salzburg: Markus Hinterhäuser und Landeshauptmann Wilfried Haslauer junior.

Markus Hinterhäuser wurde am 6. Dezember 2024 für sein künstlerisches Wirken mit dem Ehrenzeichen des Landes Salzburg ausgezeichnet.

Literatur

Bilder

 Markus Hinterhäuser – Sammlung von weiteren Bildern, Videos und Audiodateien im SALZBURGWIKI

Quellen

  • db.musicaustria.at Markus Hinterhäuser
  • geschichtewiki.wien.gv.at Markus Hinterhäuser
  • www.sn.at, Archiv der "Salzburger Nachrichten vom 18. Juli 2009: "Der Konzertchef verlässt die Festspiele"
  • "Salzburger Nachrichten", verschiedene Ausgaben Jänner und Februar 2026 sowie vom 26. Februar 2026
  • salzburgerfestspiele.at/kuenstlerdetail/artistid/3604/ "Künstlerdetail" auf der Website der Salzburger Festspiele, Link war bei einer Kontrolle am 12. Dezember 2024 nicht mehr abrufbar
  • klassikinfo.de/Hinterhaeuser-2008.536.0.html Interview auf KlassikInfo, Link war bei einer Kontrolle am 12. Dezember 2024 nicht mehr abrufbar

Einzelnachweise

  1. www.sn.at, 6. April 2024
  2. www.sn.at, 12. Dezember 2024: "Über den Intendanten der Salzburger Festspiele bricht Welle der Kritik"
  3. www.sn.at, 13. Dezember 2024
  4. Salzburger Nachrichten vom 12. Juli 2021, Seite 9: Rabl-Stadler und Hinterhäuser erhielten Orden