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| | Interessant sind auch die Wappendarstellungen in den symbolträchtigen Familiengrüften der Hagenauer zu [[Friedhof von St. Peter|St. Peter]] in Salzburg. ''"Die heraldischen Elemente verloren ihren Eigenwert und wurden zum Teil wieder rein dekorativ eingesetzt als bloße Füllung üppig gestalteter Kartuschen."'' So in der Gruft Nr. XV, in der sich sein Erbauer, der Handelsherr Georg Hagenauer (* 1649, † 1736), bestatten ließ. Manche Historiker haben vermutet, dass es sich auf Grund der vielen alt-testamentarischen Zitate in einem großen Gemälde in der Gruft, um die letzte Ruhestätte eines Mitgliedes aus einem Geheimbund handeln könnte. Das Hagenauer-Wappen wurde auf eine ovale, konvexe Metallplatte gemalt, die von einer reich verzierten und vergoldeten Kartusche umrahmt ist. Links und rechts vom Familienwappen wurde Georg mit seinen Frauen und Kindern dargestellt (links die Herren, rechts die Frauen). Das barocke Wappen ist hier in üppiger und symbolträchtiger Art und Weise dargestellt. Man hatte die richtige Blasonierung (in der Heraldik die fachsprachliche Beschreibung eines Wappens), wie bei vielen Wappendarstellungen des Hochbarocks, auf Kosten naturalistischer Darstellung und Symbolik verändert. Die Blasonierung des gebesserten Adelswappens für Georg Hagenauer im heute noch erhaltenen Wappenbrief von 1686 lautete: ''"auf grünem Dreiberg ein "Hagenstrauch" (-baum)"''. Auf der Gruft steht auf dem Dreiberg ein belaubter Hagenbaum, was man als Symbol für das erneut aufblühende Geschlecht deuten könnte. In seinem Testament hatte Georg Hagenauer auch vermerkt: ''"damit ... der Hagenauerische Name nit gleich vergessen werde"''. Am (heraldisch) rechten Berg sind zusätzlich drei kleinere Bäume (oder Sträucher), die offenbar als Symbol für die drei Söhne Georgs gedeutet werden können. Seitlich im Wappen befinden sich die auffliegenden Adler der Wappenmehrung, auf dem Turnierhelm ein offener Flug (durch die Wappenbesserung ein wachsender Greif/Adler mit entwurzeltem Hagenstrauch). | | Interessant sind auch die Wappendarstellungen in den symbolträchtigen Familiengrüften der Hagenauer zu [[Friedhof von St. Peter|St. Peter]] in Salzburg. ''"Die heraldischen Elemente verloren ihren Eigenwert und wurden zum Teil wieder rein dekorativ eingesetzt als bloße Füllung üppig gestalteter Kartuschen."'' So in der Gruft Nr. XV, in der sich sein Erbauer, der Handelsherr Georg Hagenauer (* 1649, † 1736), bestatten ließ. Manche Historiker haben vermutet, dass es sich auf Grund der vielen alt-testamentarischen Zitate in einem großen Gemälde in der Gruft, um die letzte Ruhestätte eines Mitgliedes aus einem Geheimbund handeln könnte. Das Hagenauer-Wappen wurde auf eine ovale, konvexe Metallplatte gemalt, die von einer reich verzierten und vergoldeten Kartusche umrahmt ist. Links und rechts vom Familienwappen wurde Georg mit seinen Frauen und Kindern dargestellt (links die Herren, rechts die Frauen). Das barocke Wappen ist hier in üppiger und symbolträchtiger Art und Weise dargestellt. Man hatte die richtige Blasonierung (in der Heraldik die fachsprachliche Beschreibung eines Wappens), wie bei vielen Wappendarstellungen des Hochbarocks, auf Kosten naturalistischer Darstellung und Symbolik verändert. Die Blasonierung des gebesserten Adelswappens für Georg Hagenauer im heute noch erhaltenen Wappenbrief von 1686 lautete: ''"auf grünem Dreiberg ein "Hagenstrauch" (-baum)"''. Auf der Gruft steht auf dem Dreiberg ein belaubter Hagenbaum, was man als Symbol für das erneut aufblühende Geschlecht deuten könnte. In seinem Testament hatte Georg Hagenauer auch vermerkt: ''"damit ... der Hagenauerische Name nit gleich vergessen werde"''. Am (heraldisch) rechten Berg sind zusätzlich drei kleinere Bäume (oder Sträucher), die offenbar als Symbol für die drei Söhne Georgs gedeutet werden können. Seitlich im Wappen befinden sich die auffliegenden Adler der Wappenmehrung, auf dem Turnierhelm ein offener Flug (durch die Wappenbesserung ein wachsender Greif/Adler mit entwurzeltem Hagenstrauch). |
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| − | Noch deutlicher wird die Veränderung der "gemeinen Figur" des Hagenauer Stamm-Wappens (Dreiberg mit Hagenbaum) zum dekorativen oder/und symbolischen Element, für heutige Heraldiker ein Sakrileg, bei der Betrachtung der daneben liegenden Gruft Nr. XVI.. Diese Gruft aus weißem Marmor wurde 1792 für den verstorbenen sehr religiösen Johann Lorenz (* 1712, † 1792) errichtet, den manche Historiker für einen möglichen Freimaurer halten (seine Söhne waren Logenmitglieder). Am Grabmal oben befindet sich ein Dreieck im Strahlenkranz (das allsehende Auge Gottes), in dem in hebräischen Lettern das Wort Gott (JHWH, hebräisch יהוה) eingemeißelt ist. Dieses Symbol wurde zwar auch von Freimaurern verwendet, ist aber ein verbreitetes christliches Symbol, dessen Wurzeln sehr weit zurück liegen. Das untingierte Wappen aus Marmor, das gleich einem schweren Stoff über den Marmorsarg drapiert wurde und auf der Vorderseite herabhängt, ist ohne Oberwappen, also weder mit Helm und Helmdecke, sowie Helmzier und Helmkrone abgebildet. Das Wappen selbst wurde jedoch einerseits idealisierter und andererseits üppiger dargestellt, als das ältere Wappen der Nebengruft. Das Wappen ist durch einen Sporn geteilt, in der Mitte der veränderte Dreiberg mit Hagenbaum, seitlich davon zwei auffliegende Adler. Der Dreiberg dieses Wappens ist als solcher nicht mehr erkennbar und wurde durch mehrere hintereinander liegende begrünte Hügel dargestellt. Unter dem belaubten Hagenbaum mit schrägem Ast stehen sieben kleine Bäume (Sträucher), die wahrscheinlich als Symbol für die sieben erwachsenen Söhne des Johann Lorenz stehen, wenn man hier der Zahl Sieben nicht eine christliche Bedeutung (z.B. für Seele und Körper, oder ewige Ruhe) zuordnen will. Die klassizistische Darstellung der Hagenbäume im Wappen erinnert an getrimmte Bäume oder Sträucher eines Bosketts (Lustwäldchen) einer barocken Gartenanlage (Garten Eden?), wodurch sich beinahe eine Unlesbarkeit des Wappens ergibt. | + | Noch deutlicher wird die Veränderung der "gemeinen Figur" des Hagenauer Stamm-Wappens (Dreiberg mit Hagenbaum) zum dekorativen oder/und symbolischen Element, für heutige Heraldiker ein Sakrileg, bei der Betrachtung der daneben liegenden Gruft Nr. XVI.. Diese Gruft aus weißem Marmor wurde 1792 für den verstorbenen sehr religiösen Johann Lorenz (* 1712, † 1792) errichtet, den manche Historiker für einen möglichen Freimaurer halten (seine Söhne waren Logenmitglieder). Am Grabmal oben befindet sich ein Dreieck im Strahlenkranz (das allsehende Auge Gottes), in dem in hebräischen Lettern das Wort Gott (JHWH, hebräisch יהוה) eingemeißelt ist. Dieses Symbol wurde zwar auch von Freimaurern verwendet, ist aber ein verbreitetes christliches Symbol, dessen Wurzeln sehr weit zurück liegen. Das untingierte Wappen aus Marmor, das gleich einem schweren Stoff über den Marmorsarg drapiert wurde und auf der Vorderseite herabhängt, ist ohne Oberwappen, also weder mit Helm und Helmdecke, sowie Helmzier und Helmkrone abgebildet. Das Wappen selbst wurde jedoch einerseits idealisierter und andererseits üppiger dargestellt, als das ältere Wappen der Nebengruft. Das Wappen ist durch einen Sporn geteilt, in der Mitte der veränderte Dreiberg mit Hagenbaum, seitlich davon zwei auffliegende Adler. Der Dreiberg dieses Wappens ist als solcher nicht mehr erkennbar und wurde durch mehrere hintereinander liegende begrünte Hügel dargestellt. Unter dem belaubten Hagenbaum mit schrägem Ast stehen sieben kleine Bäume (Sträucher), die wahrscheinlich als Symbol für die sieben erwachsenen Söhne des Johann Lorenz stehen, wenn man hier der Zahl Sieben nicht eine christliche Bedeutung (z. B. für Seele und Körper, oder ewige Ruhe) zuordnen will. Die klassizistische Darstellung der Hagenbäume im Wappen erinnert an getrimmte Bäume oder Sträucher eines Bosketts (Lustwäldchen) einer barocken Gartenanlage (Garten Eden?), wodurch sich beinahe eine Unlesbarkeit des Wappens ergibt. |
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| | * Aus der Zeit nach [[1147]] stammt das aus rotem Marmor gefertigte Epitaph der Edlen Helena von Hagenau (Gemahlin des Reimprechts von Hagenau). Sie und ihre Tochter Richarda (Halbschwester des Passauer Bischofs Reginbert von Hagenau) verbrachten die letzten Jahre ihres Lebens im Stift Seitenstetten, dem Mutter und Tochter auch viele Güter vermacht hatten. Das Epitaph der Helena von Hagenau befindet sich heute im alten Kreuzgang des Stiftes, wobei Teile offensichtlich erst im [[15. Jahrhundert]] eingraviert worden sind. Über dem Wappen ziert eine Laubkrone den Stechhelm. Helmkronen wurden jedoch erst ab dem 13. Jahrhundert verwendet, Stechhelme tauchten überhaupt erst im 15. Jahrhundert auf. Somit kann man die Entstehungszeit des eingravierten Wappens auf frühestens das 15. Jahrhundert legen, also wesentlich später als das aus dem 12. Jahrhundert stammende Epitaph. Auf dem Epitaph ihres zehn Jahre früher verstorbenen Gemahls Reimprecht von Hagenau ist der Helm ein zeitgemäßer Topfhelm (und kein Stechhelm), der auch von keiner Helmkrone geziert wird. Helena hatte dem Stift Seitenstetten außer ihrem Erbbesitz in Seitenstetten und Aham bei Attnang-Puchheim auch Güter in Lanzendorf und Hagenau bei Böheimkirchen sowie in Zelking vermacht. Das später eingravierte Wappen auf Helenas Epitaph ist allerdings das Seitenstettener Stiftswappen, ein Dreiberg mit Pfahl und schräglinks gestümmeltem Ast. | | * Aus der Zeit nach [[1147]] stammt das aus rotem Marmor gefertigte Epitaph der Edlen Helena von Hagenau (Gemahlin des Reimprechts von Hagenau). Sie und ihre Tochter Richarda (Halbschwester des Passauer Bischofs Reginbert von Hagenau) verbrachten die letzten Jahre ihres Lebens im Stift Seitenstetten, dem Mutter und Tochter auch viele Güter vermacht hatten. Das Epitaph der Helena von Hagenau befindet sich heute im alten Kreuzgang des Stiftes, wobei Teile offensichtlich erst im [[15. Jahrhundert]] eingraviert worden sind. Über dem Wappen ziert eine Laubkrone den Stechhelm. Helmkronen wurden jedoch erst ab dem 13. Jahrhundert verwendet, Stechhelme tauchten überhaupt erst im 15. Jahrhundert auf. Somit kann man die Entstehungszeit des eingravierten Wappens auf frühestens das 15. Jahrhundert legen, also wesentlich später als das aus dem 12. Jahrhundert stammende Epitaph. Auf dem Epitaph ihres zehn Jahre früher verstorbenen Gemahls Reimprecht von Hagenau ist der Helm ein zeitgemäßer Topfhelm (und kein Stechhelm), der auch von keiner Helmkrone geziert wird. Helena hatte dem Stift Seitenstetten außer ihrem Erbbesitz in Seitenstetten und Aham bei Attnang-Puchheim auch Güter in Lanzendorf und Hagenau bei Böheimkirchen sowie in Zelking vermacht. Das später eingravierte Wappen auf Helenas Epitaph ist allerdings das Seitenstettener Stiftswappen, ein Dreiberg mit Pfahl und schräglinks gestümmeltem Ast. |
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| − | * [[1347]] hatte Otto von Hagenau, Stiftskämmerer des Augustiner Chorherrenstiftes in St. Pölten, das Epitaph seines Vorfahren Reimprecht von Hagenau aus der Eigenkirche (Anger bei Hagenau) entfernen lassen. Otto von Hagenau ließ das Epitaph zusammen mit der Grabplatte seiner verstorbenen Eltern in der Stiftskirche St. Pölten aufstellen. Das "zusammengesetzte" Epitaph bestand nun aus zwei stilistisch und zeitlich unterschiedlichen Teilen. Die untere Grabplatte zeigt Christus am Kreuz mit Maria und Johannes, auf den Seiten zwei Engel mit gefalteten Händen. An den Enden des Kreuzes sind die vier Bilder des Ezechiel dargstellt, mit den Namen der vier Evangelisten beschriftet. Die Umschrift lautet: ''"Anno Domini M.CCC.X.X.X.VII. Otto de Hagenau canonicus regularis lapidem hunc an agro parentum hunc suorum repertum transtulit super tumbam ipsorum."''. Mitte des 17. Jahrhunderts wurde das zusammengesetzte Epithaph unter Propst Johann Fünfleuthner erneut versetzt und im Kreuzgang des Stiftes aufgestellt, wo es sich noch heute befindet und erst kürzlich restauriert wurde. Das an Urkunden angehängte Siegel von Otto von Hagenau, wie z.B. an einer Urkunde vom [[4. April]] [[1345]] (Sammlung St. Pölten, Augustiner Chorherren), zeigt einen Hagenbaum auf einem gebogenen Schildfuß (normal ein Dreiberg). [[1347]] war der Böheimkirchner Stammsitz aufgegeben worden, dafür hatten Verwandte Ottos, die Vettern Philipp und Siegfried von Hagenau, unter Mitwirkung des Stiftes St. Pölten und gegen gewisse Zugeständnisse an die Pfarre Böheimkirchen, die Ausscheidung der Kapelle zu Anger bei Hagenau erwirkt. | + | * [[1347]] hatte Otto von Hagenau, Stiftskämmerer des Augustiner Chorherrenstiftes in St. Pölten, das Epitaph seines Vorfahren Reimprecht von Hagenau aus der Eigenkirche (Anger bei Hagenau) entfernen lassen. Otto von Hagenau ließ das Epitaph zusammen mit der Grabplatte seiner verstorbenen Eltern in der Stiftskirche St. Pölten aufstellen. Das "zusammengesetzte" Epitaph bestand nun aus zwei stilistisch und zeitlich unterschiedlichen Teilen. Die untere Grabplatte zeigt Christus am Kreuz mit Maria und Johannes, auf den Seiten zwei Engel mit gefalteten Händen. An den Enden des Kreuzes sind die vier Bilder des Ezechiel dargstellt, mit den Namen der vier Evangelisten beschriftet. Die Umschrift lautet: ''"Anno Domini M.CCC.X.X.X.VII. Otto de Hagenau canonicus regularis lapidem hunc an agro parentum hunc suorum repertum transtulit super tumbam ipsorum."''. Mitte des 17. Jahrhunderts wurde das zusammengesetzte Epithaph unter Propst Johann Fünfleuthner erneut versetzt und im Kreuzgang des Stiftes aufgestellt, wo es sich noch heute befindet und erst kürzlich restauriert wurde. Das an Urkunden angehängte Siegel von Otto von Hagenau, wie z. B. an einer Urkunde vom [[4. April]] [[1345]] (Sammlung St. Pölten, Augustiner Chorherren), zeigt einen Hagenbaum auf einem gebogenen Schildfuß (normal ein Dreiberg). [[1347]] war der Böheimkirchner Stammsitz aufgegeben worden, dafür hatten Verwandte Ottos, die Vettern Philipp und Siegfried von Hagenau, unter Mitwirkung des Stiftes St. Pölten und gegen gewisse Zugeständnisse an die Pfarre Böheimkirchen, die Ausscheidung der Kapelle zu Anger bei Hagenau erwirkt. |
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| | * Am [[28. Juni]] [[1378]] wurde Seyfried von Hagenau, der bereits Hagenauer genannt wurde, als Abt von Melk eingesetzt. Das Familienwappen hatte er anscheinend in seinem Siegel in reduzierter Form (den Dreiberg als geteiltes Wappen) verwendet, was jedoch nicht verifiziert werden konnte. In der nach 1700 publizierten Ausgabe des Melker Stiftsarchivars Philibert Hueber (1662—1725) wurde sein Siegel in dem Werk "Austria ex Archivis Mellicensibus illustrata" folgendermaßen abgedruckt: ein weiß und braun? (Tinktur unklar) geteiltes Wappen mit einem Hagenstrauch (-baum). Das Wappen von einem Zweig umkränzt, Umschrift am Rand des Siegels: ''" + S • Seifridi • de • Hagenau"''. | | * Am [[28. Juni]] [[1378]] wurde Seyfried von Hagenau, der bereits Hagenauer genannt wurde, als Abt von Melk eingesetzt. Das Familienwappen hatte er anscheinend in seinem Siegel in reduzierter Form (den Dreiberg als geteiltes Wappen) verwendet, was jedoch nicht verifiziert werden konnte. In der nach 1700 publizierten Ausgabe des Melker Stiftsarchivars Philibert Hueber (1662—1725) wurde sein Siegel in dem Werk "Austria ex Archivis Mellicensibus illustrata" folgendermaßen abgedruckt: ein weiß und braun? (Tinktur unklar) geteiltes Wappen mit einem Hagenstrauch (-baum). Das Wappen von einem Zweig umkränzt, Umschrift am Rand des Siegels: ''" + S • Seifridi • de • Hagenau"''. |