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| − | Der '''Chiemseehof''' im [[Kaiviertel]] der [[ | + | [[Datei:Salzburg Altstadt Hohensalzburg Nonnberg 1950 Ausschnitt Kaiviertel.jpg|thumb|1950: Mit der [[Swissair]] Douglas C-47 B-5-DK DC-3 Freighter, HB-IRX über der [[Stadt Salzburg]]. Ausschnitt [[Kaiviertel]] mit [[Bomben auf die Stadt Salzburg|Bombenschäden]]. Im rechten unteren Bildteil entstand anstelle des dort sichtbaren Kreuzes der [[Papagenoplatz]]. Links unten der Chiemseehof.]] |
| + | Der '''Chiemseehof''' im [[Kaiviertel]] der [[Salzburger Altstadt]] ist ein [[Amtsgebäude Land Salzburg|Amtsgebäude]] des Landes Salzburg und zählt zu den [[Denkmalgeschützte Objekte in der Stadt Salzburg|denkmalgeschützten Objekten]] in der Stadt. | ||
== Einleitung == | == Einleitung == | ||
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== Geschichte == | == Geschichte == | ||
| − | + | Das Gebiet, auf dem sich der Chiemseehof befindet, gehörte ursprünglich zum Grundbesitz des [[Benediktiner-Erzabtei St. Peter|Benediktinerstifts St. Peter]]. Für die [[Bischöfe von Chiemsee]], die als [[Weihbischöfe]] den [[Erzbischof]] von [[Erzbistum Salzburg|Salzburg]] unterstützten wurde es immer wichtiger, in Salzburg einen ständigen Wohnsitz einzurichten. Bischof [[Adalbert von Fohnsdorf]] erwarb [[1305]] den Grund für den Hof der Bischöfe von Chiemsee von St. Peter. Die [[Kapelle der Bischöfe von Chiemsee|Hauskapelle]] entstand [[1355]]. Um [[1445]] wurde der [[Getreidekasten]] durch Bischof Silvester Pflieger (1438–1451) errichtet. [[1512]] erwarben die Bischöfe auch ein bei dem Gebäude gelegenes Grundstück von St. Peter, das sie zu einem Garten gestalteten. In der Folge wurden weitere umliegende Liegenschaften angekauft und im [[16. Jahrhundert]] zu einem Ensemble verschmolzen. <ref>[http://www.ubs.sbg.ac.at/sosa/graphiken/G1152III.jpg www.ubs.sbg.ac.at/Kupferstich 1669 "Ware und eigentliche Abbildung der ertzbischoflichen Residenz Statt Saltzburg" von Lucas Schnitzer und Paulus Fürst/Universitätsbibliothek Salzburg, Graphiksammlung, Sign. G 1152 III]</ref> Nach einem Brand [[1694]] wurde das Ensemble aus fünf zusammengehörigen Häusern (Turm, Kapelle, Schlossgebäude, Sala Terrena, Bedienstete) bis [[1700]] wiederaufgebaut. | |
| − | Das Gebiet, auf dem sich der Chiemseehof befindet, gehörte ursprünglich zum Grundbesitz des [[Benediktiner-Erzabtei St. Peter| | ||
Die Bischöfe [[Sigmund Ignaz von Wolkenstein-Trostburg]] ([[1696]] und [[Sigmund Carl von Castel-Barco]] gaben dann dem Gebäude ihr Aussehen, das es im Grunde noch heute hat. | Die Bischöfe [[Sigmund Ignaz von Wolkenstein-Trostburg]] ([[1696]] und [[Sigmund Carl von Castel-Barco]] gaben dann dem Gebäude ihr Aussehen, das es im Grunde noch heute hat. | ||
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Das [[Bistum Chiemsee|Bistums Chiemsee]] wurde [[1808]] aufgelöst, der Chiemseehof diente bis [[1814]] aber weiter als Residenz des letzten nun emertierten Bischofs von Chiemsee, Sigmund Christoph von Waldburg zu Zeil und Trauchburg. [[1824]] bis [[1835]] residierte hier Erzbischof [[Augustin Johann Joseph Gruber|Augustin Gruber]]. | Das [[Bistum Chiemsee|Bistums Chiemsee]] wurde [[1808]] aufgelöst, der Chiemseehof diente bis [[1814]] aber weiter als Residenz des letzten nun emertierten Bischofs von Chiemsee, Sigmund Christoph von Waldburg zu Zeil und Trauchburg. [[1824]] bis [[1835]] residierte hier Erzbischof [[Augustin Johann Joseph Gruber|Augustin Gruber]]. | ||
| − | Nach der endgültigen Auflösung des Bistums im Jahr [[1817]] zog der Salzburger Erzbischof [[Augustin Johann Joseph Gruber]] ein, von [[1836]] bis [[1841]] boten die bischöflichen Gemächer der Familie des spanischen Kronprinzen Don Carlos Zuflucht. | + | Nach der endgültigen Auflösung des Bistums im Jahr [[1817]] zog der Salzburger Erzbischof [[Augustin Johann Joseph Gruber]] ein, von [[1836]] bis [[1841]] boten die bischöflichen Gemächer der Familie des spanischen Kronprinzen Don Carlos Zuflucht. |
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| + | [[1856]] bis nach [[1863]] gehörte der Chiemseehof zum kameral-ärarischen Besitz. <ref>[https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=sza&datum=18600911&query=%22chiemseehof%22&seite=8 ANNO], [[Salzburger Zeitung]], 11. September 1860, Seite 3</ref> <ref>[https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=sza&datum=18631221&query=%22chiemseehof%22&seite=3 ANNO], [[Salzburger Zeitung]], 21. Dezember 1863, Seite 3 </ref> | ||
== Amtssitz Land Salzburg == | == Amtssitz Land Salzburg == | ||
| − | + | [[1864]] wurde der Chiemseehof dem [[Landesausschuss]], der neuen Vertretung des Landes, provisorisch zur Nutzung überlassen. Die k.k. Staatsverwaltung behielt sich die [[Neue Residenz]] als Diskasteralgebäude und es gab bereits damals eine Diskussion über die Rückgabe von ehemaligen Landeseigentum an das Land.<ref>[https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=sza&datum=18640314&query=%22chiemseehof%22&seite=2 ANNO] [[Salzburger Zeitung]], 14. März 1864, Seite 2</ref> <ref>[https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=sza&datum=18641128&query=%22Chiemseehof%22&seite=2 ANNO] [[Salzburger Zeitung]], 28. November 1864, Seite 2</ref> | |
| + | [[1866]] trat die k.k. Staatsverwaltung den Chiemseehof samt Garten und Zubehör das [[Land Salzburg (Verwaltung)|Land Salzburg]] ab. <ref>[https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=sza&datum=18661120&query=%22chiemseehof%22&seite=2 ANNO] [[Salzburger Zeitung]], 20. November 1866, Seite 2</ref> <ref>[https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=wrz&datum=18661123&query=%22chiemseehof%22&seite=1 ANNO] Wiener Zeitung, Amtlicher Teil, 23. November 1866, Seite 1</ref> Der ehemalige Getreide-Schüttkasten wurde für den neu eingerichteten Salzburger Landtag zum [[Landtagssitzungssaal]] umgebaut.<ref>[https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=sza&datum=18660622&query=%22chiemseehof%22&seite=5 ANNO] [[Salzburger Zeitung]], 22. Juni 1866, Seite 5</ref> An der Stirnseite des Landtagssaales wurde eine längliche steinerne Tafel in altdeutscher Schrift eingemauert, mit den Worten: ''"Memorare novissima"'' (Bedenke den Letzten Tag). Diese Tafel war schon in dem früheren Gebäude eingemauert gewesen. Bei der Adaptierung des Gebäudes beließ man sie nicht ohne Grund. So wurde der Chiemseehof zum [[Landhaus]]. Die erste Sitzung im neu errichteten und bis heute genutzten Sitzungssaal des Landtags fand 1868 statt. | ||
| − | [[1948]] wurde der | + | Bei der Planierung des Innenhofes wurde am 6. November [[1866]] ein [[Römer|römischer]] Mosaikboden gefunden, etwa in der Größe einer mittleren Tischplatte. Das Mosaik war gut erhalten, die Farben dunkel. Das Bildnis zeigte die Entführung der Europa durch Jupiter in Stiergestalt. Es fehlte leider der Kopf der Europa.<ref>[https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=ote&datum=18661107&query=%22chiemseehof%22&ref=anno-search&seite=2 ANNO] Linzer Abendbote, 7. November 1866, Seite 2</ref> |
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| + | [[1875]] die Hofkapelle im Zuge der weiteren Adaptierung abgetragen und es entstand dort der ein Zubau, in dem sich das Büro des Landtagspräsidenten befindet. | ||
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| + | [[1948]] wurde der [[Landtagssaal]] renoviert, [[1967]] wurde die Fassade saniert und vereinheitlicht, [[1977]] kam es zu einer Innenrenovierung. [[2011]] musste das Büro von Landeshauptfrau [[Gabi Burgstaller]] wegen Einsturzgefahr geschlossen werden. Schon im April [[2010]] hatten Techniker das Problem erkannt: die Decken im Eingangsbereich der Stiege 1 sowie im zweiten Obergeschoss ("Dippelbaum-Konstruktion") mussten daraufhin mit Metallstehern abgesichert werden. Allerdings dürften die im April 2010 entdeckten Schäden schon länger bestanden haben. Erst nach einer Öffnung der Zwischendecke konnte das Gesamtausmaß des Schadens geschätzt werden. Experten gingen im März von Kosten von rund 250.000 Euro aus. | ||
Eine bereits seit längerem beschlossene Sanierung, die aus Kostengründen sich über mehrere Jahre verteilt, hatte 2010 bereits zur Sanierung der Fassade im Eingangsbereich geführt. Im Sommer und Herbst wurde dann die Ton- und Übertragungstechnik im Landtagssitzungsaal erneuert, sowie dieser ausgeweißt und dessen Vorhänge ausgetauscht (Gesamtkosten 120.000 Euro). | Eine bereits seit längerem beschlossene Sanierung, die aus Kostengründen sich über mehrere Jahre verteilt, hatte 2010 bereits zur Sanierung der Fassade im Eingangsbereich geführt. Im Sommer und Herbst wurde dann die Ton- und Übertragungstechnik im Landtagssitzungsaal erneuert, sowie dieser ausgeweißt und dessen Vorhänge ausgetauscht (Gesamtkosten 120.000 Euro). | ||
Zuletzt wurde von 2017 bis 2019 der Landtagstrakt umfassend saniert und barrierefrei zugänglich gemacht. | Zuletzt wurde von 2017 bis 2019 der Landtagstrakt umfassend saniert und barrierefrei zugänglich gemacht. | ||
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| + | == Durchgang und Einfahrt in den Hof == | ||
| + | Mit der Sanierung des Landtag, die [[2018]] abgeschlossen wurde, wurde der Hof des Chiemseehofs autofrei. Bislang war ein Durchgang aber nicht möglich, weil das Gittertor auf der Seite der [[Pfeifergasse]] (beim [[Krankenhaus der Barmherzigen Brüder]]) verschlossen war. Nun erfolgte Mitte August [[2020]] die Öffnung des Chiemseehofs für das Publikum. Es wird einen freien Zugang in den Innenhof geben. | ||
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| + | Vereinzelt hat es bisher (Stand Sommer 2020) Ausnahmegenehmigungen für die Einfahrt in den Chiemseehof gegeben. Doch der Portier war streng. Selbst das Auto einer Ministerin, die im Juni 2020 bei Haslauer zu Besuch war, musste draußen parken. Nun wird die Zufahrtsberechtigung geregelt, indem es Ausnahmen vom allgemeinen Fahrverbot gibt. Die Dienstwagen von Landeshauptmann, [[Landtagspräsidentin]] und [[Landesamtsdirektor]] dürfen künftig einfahren, aber nur "''für die Dauer des Ein- und Aussteigens bzw. für Ladetätigkeiten''". Für die Dauer des Besuchs im Chiemseehof sind die Dienstwagen des Bundespräsidenten, der Mitglieder der Bundesregierung, des Nationalratspräsidenten, der Landeshauptleute, ausländischer Regierungsmitglieder und Botschafter erlaubt. Auch "''Medienvertreter mit Kamera''" dürfen "''für die Dauer der journalistischen Tätigkeit''" im Innenhof parken. Sonstige Ausnahmen kann der Landesamtsdirektor im Einzelfall erteilen.<ref>[https://www.sn.at/salzburg/politik/der-chiemseehof-wird-geoeffnet-und-minister-duerfen-nun-auch-parken-90860404 www.sn.at], 31. Juli 2020</ref> | ||
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| − | * [http://www.salzburg.gv.at/themen/ks/kultur/burgen/chiemseehof-2.htm www.salzburg.gv.at] | + | * [https://web.archive.org/web/20150924114750/http://www.salzburg.gv.at/themen/ks/kultur/burgen/chiemseehof-2.htm www.salzburg.gv.at] Internetarchive, abgerufen 29.11.2023 |
* {{Quelle SN|15. März 2011}} | * {{Quelle SN|15. März 2011}} | ||
* [http://diglib.tugraz.at/download.php?id=53f1bdb3b0ee9&location=browse diglib.tugraz.at], [[Die profanen Denkmale der Stadt Salzburg]] - digitalisierte Kapitel über Salzburg aus dem Jahr [[1914]] | * [http://diglib.tugraz.at/download.php?id=53f1bdb3b0ee9&location=browse diglib.tugraz.at], [[Die profanen Denkmale der Stadt Salzburg]] - digitalisierte Kapitel über Salzburg aus dem Jahr [[1914]] | ||
* [https://www.salzburg.gv.at/themen/salzburg/chiemseehof www.salzburg.gv.at] | * [https://www.salzburg.gv.at/themen/salzburg/chiemseehof www.salzburg.gv.at] | ||
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| + | == Einzelnachweise == | ||
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| + | [[Kategorie:Stadt Salzburg]] | ||
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Aktuelle Version vom 29. November 2023, 05:16 Uhr
Der Chiemseehof im Kaiviertel der Salzburger Altstadt ist ein Amtsgebäude des Landes Salzburg und zählt zu den denkmalgeschützten Objekten in der Stadt.
Einleitung
Hier befinden sich der Sitz des Salzburger Landtags (Gesetzgebung), des Landeshauptmanns (Vollziehung Bund und Land) und der Salzburger Landesregierung (Vollziehung Land), sowie der Landesamtsdirektion des Amtes der Salzburger Landesregierung, insgesamt also der Sitz der Gebietskörperschaft Land Salzburg. [1]
Wer ist wo?
Stiege I
- Landeshauptmann
- Landesregierung
- Landesamtsdirektion des Amtes der Salzburger Landesregierung
Stiege II
- Salzburger Landtag, Landtagspräsident, Landtagsklubs
- Großer Sitzungssaal, 1. OG
- Landtagsausschusssitzungszimmer, EG
Stiege III
- Großer Sitzungssaal, 1. OG
- Landtagsausschusssitzungszimmer, EG
- Landtagsklubs
Stiege IV
- Landesamtsdirektion
Geschichte
Das Gebiet, auf dem sich der Chiemseehof befindet, gehörte ursprünglich zum Grundbesitz des Benediktinerstifts St. Peter. Für die Bischöfe von Chiemsee, die als Weihbischöfe den Erzbischof von Salzburg unterstützten wurde es immer wichtiger, in Salzburg einen ständigen Wohnsitz einzurichten. Bischof Adalbert von Fohnsdorf erwarb 1305 den Grund für den Hof der Bischöfe von Chiemsee von St. Peter. Die Hauskapelle entstand 1355. Um 1445 wurde der Getreidekasten durch Bischof Silvester Pflieger (1438–1451) errichtet. 1512 erwarben die Bischöfe auch ein bei dem Gebäude gelegenes Grundstück von St. Peter, das sie zu einem Garten gestalteten. In der Folge wurden weitere umliegende Liegenschaften angekauft und im 16. Jahrhundert zu einem Ensemble verschmolzen. [2] Nach einem Brand 1694 wurde das Ensemble aus fünf zusammengehörigen Häusern (Turm, Kapelle, Schlossgebäude, Sala Terrena, Bedienstete) bis 1700 wiederaufgebaut.
Die Bischöfe Sigmund Ignaz von Wolkenstein-Trostburg (1696 und Sigmund Carl von Castel-Barco gaben dann dem Gebäude ihr Aussehen, das es im Grunde noch heute hat.
Das Bistums Chiemsee wurde 1808 aufgelöst, der Chiemseehof diente bis 1814 aber weiter als Residenz des letzten nun emertierten Bischofs von Chiemsee, Sigmund Christoph von Waldburg zu Zeil und Trauchburg. 1824 bis 1835 residierte hier Erzbischof Augustin Gruber.
Nach der endgültigen Auflösung des Bistums im Jahr 1817 zog der Salzburger Erzbischof Augustin Johann Joseph Gruber ein, von 1836 bis 1841 boten die bischöflichen Gemächer der Familie des spanischen Kronprinzen Don Carlos Zuflucht.
1856 bis nach 1863 gehörte der Chiemseehof zum kameral-ärarischen Besitz. [3] [4]
Amtssitz Land Salzburg
1864 wurde der Chiemseehof dem Landesausschuss, der neuen Vertretung des Landes, provisorisch zur Nutzung überlassen. Die k.k. Staatsverwaltung behielt sich die Neue Residenz als Diskasteralgebäude und es gab bereits damals eine Diskussion über die Rückgabe von ehemaligen Landeseigentum an das Land.[5] [6] 1866 trat die k.k. Staatsverwaltung den Chiemseehof samt Garten und Zubehör das Land Salzburg ab. [7] [8] Der ehemalige Getreide-Schüttkasten wurde für den neu eingerichteten Salzburger Landtag zum Landtagssitzungssaal umgebaut.[9] An der Stirnseite des Landtagssaales wurde eine längliche steinerne Tafel in altdeutscher Schrift eingemauert, mit den Worten: "Memorare novissima" (Bedenke den Letzten Tag). Diese Tafel war schon in dem früheren Gebäude eingemauert gewesen. Bei der Adaptierung des Gebäudes beließ man sie nicht ohne Grund. So wurde der Chiemseehof zum Landhaus. Die erste Sitzung im neu errichteten und bis heute genutzten Sitzungssaal des Landtags fand 1868 statt.
Bei der Planierung des Innenhofes wurde am 6. November 1866 ein römischer Mosaikboden gefunden, etwa in der Größe einer mittleren Tischplatte. Das Mosaik war gut erhalten, die Farben dunkel. Das Bildnis zeigte die Entführung der Europa durch Jupiter in Stiergestalt. Es fehlte leider der Kopf der Europa.[10]
1875 die Hofkapelle im Zuge der weiteren Adaptierung abgetragen und es entstand dort der ein Zubau, in dem sich das Büro des Landtagspräsidenten befindet.
1948 wurde der Landtagssaal renoviert, 1967 wurde die Fassade saniert und vereinheitlicht, 1977 kam es zu einer Innenrenovierung. 2011 musste das Büro von Landeshauptfrau Gabi Burgstaller wegen Einsturzgefahr geschlossen werden. Schon im April 2010 hatten Techniker das Problem erkannt: die Decken im Eingangsbereich der Stiege 1 sowie im zweiten Obergeschoss ("Dippelbaum-Konstruktion") mussten daraufhin mit Metallstehern abgesichert werden. Allerdings dürften die im April 2010 entdeckten Schäden schon länger bestanden haben. Erst nach einer Öffnung der Zwischendecke konnte das Gesamtausmaß des Schadens geschätzt werden. Experten gingen im März von Kosten von rund 250.000 Euro aus.
Eine bereits seit längerem beschlossene Sanierung, die aus Kostengründen sich über mehrere Jahre verteilt, hatte 2010 bereits zur Sanierung der Fassade im Eingangsbereich geführt. Im Sommer und Herbst wurde dann die Ton- und Übertragungstechnik im Landtagssitzungsaal erneuert, sowie dieser ausgeweißt und dessen Vorhänge ausgetauscht (Gesamtkosten 120.000 Euro).
Zuletzt wurde von 2017 bis 2019 der Landtagstrakt umfassend saniert und barrierefrei zugänglich gemacht.
Durchgang und Einfahrt in den Hof
Mit der Sanierung des Landtag, die 2018 abgeschlossen wurde, wurde der Hof des Chiemseehofs autofrei. Bislang war ein Durchgang aber nicht möglich, weil das Gittertor auf der Seite der Pfeifergasse (beim Krankenhaus der Barmherzigen Brüder) verschlossen war. Nun erfolgte Mitte August 2020 die Öffnung des Chiemseehofs für das Publikum. Es wird einen freien Zugang in den Innenhof geben.
Vereinzelt hat es bisher (Stand Sommer 2020) Ausnahmegenehmigungen für die Einfahrt in den Chiemseehof gegeben. Doch der Portier war streng. Selbst das Auto einer Ministerin, die im Juni 2020 bei Haslauer zu Besuch war, musste draußen parken. Nun wird die Zufahrtsberechtigung geregelt, indem es Ausnahmen vom allgemeinen Fahrverbot gibt. Die Dienstwagen von Landeshauptmann, Landtagspräsidentin und Landesamtsdirektor dürfen künftig einfahren, aber nur "für die Dauer des Ein- und Aussteigens bzw. für Ladetätigkeiten". Für die Dauer des Besuchs im Chiemseehof sind die Dienstwagen des Bundespräsidenten, der Mitglieder der Bundesregierung, des Nationalratspräsidenten, der Landeshauptleute, ausländischer Regierungsmitglieder und Botschafter erlaubt. Auch "Medienvertreter mit Kamera" dürfen "für die Dauer der journalistischen Tätigkeit" im Innenhof parken. Sonstige Ausnahmen kann der Landesamtsdirektor im Einzelfall erteilen.[11]
Bilder
Chiemseehof – Sammlung von weiteren Bildern, Videos und Audiodateien im SALZBURGWIKI
Chiemseehof – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien auf Wikimedia Commons
Quellen
- www.salzburg.gv.at Internetarchive, abgerufen 29.11.2023
- "Salzburger Nachrichten", 15. März 2011
- diglib.tugraz.at, Die profanen Denkmale der Stadt Salzburg - digitalisierte Kapitel über Salzburg aus dem Jahr 1914
- www.salzburg.gv.at
Einzelnachweise
- ↑ Land Salzburg_Fyler_Der_Chiemseehof (Sitz des Landtages und der Landesregierung).pdf | August 2013
- ↑ www.ubs.sbg.ac.at/Kupferstich 1669 "Ware und eigentliche Abbildung der ertzbischoflichen Residenz Statt Saltzburg" von Lucas Schnitzer und Paulus Fürst/Universitätsbibliothek Salzburg, Graphiksammlung, Sign. G 1152 III
- ↑ ANNO, Salzburger Zeitung, 11. September 1860, Seite 3
- ↑ ANNO, Salzburger Zeitung, 21. Dezember 1863, Seite 3
- ↑ ANNO Salzburger Zeitung, 14. März 1864, Seite 2
- ↑ ANNO Salzburger Zeitung, 28. November 1864, Seite 2
- ↑ ANNO Salzburger Zeitung, 20. November 1866, Seite 2
- ↑ ANNO Wiener Zeitung, Amtlicher Teil, 23. November 1866, Seite 1
- ↑ ANNO Salzburger Zeitung, 22. Juni 1866, Seite 5
- ↑ ANNO Linzer Abendbote, 7. November 1866, Seite 2
- ↑ www.sn.at, 31. Juli 2020