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== Literatur und Quellen == | == Literatur und Quellen == | ||
| + | * Walter Del-Negro: ''Geologie der österreichischen Bundesländer in kurzgefassten Einzeldarstellungen'', Salzburg/Wien 21970. | ||
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| + | * Wilhelm Donner: ''Beiträge zur Geologie der Stadt Salzburg'' (ungedr. naturw. Diss. Salzburg), Salzburg 1987. | ||
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| + | * Katrin Hauer: ''Der Bergsturz des Mönchsbergs in der Stadt Salzburg von 1669. Wahrnehmung, Deutung und Bewältigung'', in: Historische Sozialkunde, Themenheft 2/2008: Naturkatastrophen (Hg. Christian Rohr), Wien 2008, 21-31. | ||
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| + | * Alois Kieslinger: ''Die nutzbaren Gesteine Salzburgs'', Salzburg/Stuttgart 1964. | ||
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* Reinhard Medicus: ''Der Mönchsberg in Natur- und Kulturgeschichte'' in: Der Gardist – Jahresschrift der Bürgergarde der Stadt Salzburg, 23. Jahrgang, 2003 | * Reinhard Medicus: ''Der Mönchsberg in Natur- und Kulturgeschichte'' in: Der Gardist – Jahresschrift der Bürgergarde der Stadt Salzburg, 23. Jahrgang, 2003 | ||
Version vom 14. Dezember 2008, 14:22 Uhr
Der Mönchsberg ist ein Stadtberg in Salzburg und Landschaftsschutzgebiet.
Geologie
Er setzt sich in erster Linie aus Salzburger Konglomerat zusammen. Das Salzburger Konglomerat, das mit Masse durch Feinkorn- und Mittelkornlagen aufgebaut ist, besteht aus schräg übereinander liegenden Bänken, zwischen denen sich Sandlagen befinden. Meist handelt es sich hierbei um groben Sand, feiner Sand bildet die Ausnahme. Die Lagen sind unterschiedlich stark verkittet, die wenig verfestigten Lagen sind aufgrund der höheren Verwitterungsanfälligkeit leicht als Nischen in den natürlichen Felswänden zu erkennen. Bohrungen, die das Konglomerat durchstießen, zeigten, dass das Gestein des Mönchsbergs nicht auf hartem Untergrund, sondern auf weicher Grundmoräne bzw. auf Gosauschichten (Sandstein und Mergel) liegt. Im Bereich der vertikalen Felswände bildeten sich hangparallele Entspannungsklüfte, die häufig mit Lehm gefüllt sind. Sie dürften durch die Unterschneidung des Bergs durch die Salzach, während der Steinbrucharbeiten oder durch natürliche Entspannungsvorgänge entstanden sein. Die Brüche bewirken, dass mitunter Wasser in das Gestein eindringt. Dadurch kommt es zu einem Auftrieb; der Reibungswiderstand wird reduziert, was zum Abbruch ganzer Felspartien führen kann. Die Nord-Ost-Flanke des Mönchsbergs besteht zu einem großen Teil aus vertikalen alten Steinbruchwänden. Die natürlichen ebenfalls meist vertikalen Felswände sind unregelmäßiger und haben häufig Erosionskehlen, die durch das Abwittern der wenig verfestigten Lagen entstanden sind. An der Ostseite lassen sich ebenfalls Erosionskehlen entdecken. Die Seite Richtung Mülln und Riedenburg wurde aus Verteidigungsgründen skarpiert (vertikal abgearbeitet). Am Mönchsberg herrschten zwei Arten von Massenbewegungen vor: Kleine Steinschläge, die durch oberflächliche Verwitterung ausgelöst wurden und Felsstürze bis zu ca. 100.000 m3. Als Plateauberg stellt er mit seinem kleinräumigen Wechsel von Wald und Wiesen und seinen vielen Aussichtsplätzen einen Naherholungsraum und Touristenziel dar.
Namensgebung
Der Mönchsberg, der nach den Mönchen des nahe gelegenen Benediktinerkloster St. Peter benannt wurde, zieht sich auf einer Länge von 502 m vom Festungsberg in nördlicher Richtung entlang des linken Salzachufers bis nach Mülln.
Geschichtliches
Zahlreiche Wehranlagen und -türme finden sich auf dem Mönchsberg. Die weitgehend erhaltene „Bürgerwehr“, wurde 1487/88 als Teil der Stadtmauer errichtet.
Die Müllner Schanze mit den Wehrtürmen der Augustinerpforte und Monikapforte wurde von Erzbischof Paris Graf Lodron 1621 bis 1644 als dreistufiger Wehrbau errichtet.
Schon 1137 bis 1143 wurde der Stiftsarmstollen des Almkanals bergmännisch durch den Berg getrieben, um das Wasser des Almkanals in die Stadt zu leiten. Dieses einzigartige Stollenbauwerk ist bis heute erhalten und kann während der jährlichen Almabkehr im September besichtigt werden.
Die Äbte vom Erzstift St. Peter wohnten zeitweise in der Edmundsburg oberhalb der Felsenreitschule.
16. Juli 1669 In den frühen Morgenstunden, wohl zwischen der zweiten und der dritten Stunde, bewegte sich die Erde und eine Felswand des Mönchsbergs stürzte auf die eng an ihn gebauten Gebäude der Gstättengasse. Die meisten Menschen wurden im Schlaf von dem Unglück überrascht – nur wenigen gelang die Flucht. Der Lärm weckte die Nachbarschaft, viele eilten den verzweifelten Opfern zu Hilfe. Plötzlich kam es zu einem Nachsturz – es löste sich ein weiterer Teil des Berges. Eine ungefähr 2.000 Zentner schwere Steinlast stürzte auf die Gstättengasse nieder und begrub nun auch die Rettenden. Erst im Lauf der nächsten Tage war es möglich, das Ausmaß der Katastrophe vollständig zu erfassen – die Markus-Kirche, das Kirchlein zu „Unserer Lieben Frau am Bergl“ (dieses gibt es heute nicht mehr), das Priesterseminar und an die 13 Häuser der Gstättengasse wurden zerstört. Es gab über 220 Tote zu beklagen.
Das Sigmundstor (im Volksmund auch Neutor genannt) wurde von 1764 bis 1766 erbaut. Es verbindet die Salzburger Altstadt mit dem Stadtteil Riedenburg im Westen.
1874/75 wurde der erste Wasserspeicher für Untersberg-Quellwasser auf dem Mönchsberg gebaut (1080 m³). Noch heute wird die Stadt aus einem auf dem bzw. im Berg gelegenen Speicher von 25.000 m³ mitversorgt.
1926 übernahm die Kongregation der Pallottiner das Johannes Schlößl. Nach dem Zweiten Weltkrieg war das Grand Café Winkler ein beliebter Treffpunkt der Salzburger, leicht erreichbar mit dem Mönchsbergaufzug.
Zu besichtigen
Auf dem Mönchsberg befindet sich auch das Salzburger Museum der Moderne. Von der Richterhöhe aus hat man einen guten Ausblick über Schloss Leopoldskron bis hin zum Untersberg. Im Wassermuseum Mönchsberg erhält man Einblick in die Bedeutung des Wassers für die Stadt Salzburg.
Sonstiges
Im Mönchsberg befinden sich auch die Mönchsberggaragen mit Ausgängen in die Altstadt (Toscanini-Hof, Bürgerspital) und einem direkten Zugang zu den Festspielhäusern. Bis in die 1980er Jahre wurde der Mönchsberg von Obdachlosen als Domizil wie auch als Schlafstätte gewählt.
Feyvilla und Freyschlösschen.
Von der Humboldtterrasse hat man einen schönen Blick auf die Alt- und Neustadt.
Literatur und Quellen
- Walter Del-Negro: Geologie der österreichischen Bundesländer in kurzgefassten Einzeldarstellungen, Salzburg/Wien 21970.
- Wilhelm Donner: Beiträge zur Geologie der Stadt Salzburg (ungedr. naturw. Diss. Salzburg), Salzburg 1987.
- Katrin Hauer: Der plötzliche Tod. Frühneuzeitliche Bergstürze in den Städten Salzburg und Plurs kulturhistorisch betrachtet, Wien: LIT-Verlag 2009 (erscheint voraussichtlich im Februar 2009).
- Katrin Hauer: Der Bergsturz des Mönchsbergs in der Stadt Salzburg von 1669. Wahrnehmung, Deutung und Bewältigung, in: Historische Sozialkunde, Themenheft 2/2008: Naturkatastrophen (Hg. Christian Rohr), Wien 2008, 21-31.
- Alois Kieslinger: Die nutzbaren Gesteine Salzburgs, Salzburg/Stuttgart 1964.
- Reinhard Medicus: Der Mönchsberg in Natur- und Kulturgeschichte in: Der Gardist – Jahresschrift der Bürgergarde der Stadt Salzburg, 23. Jahrgang, 2003
- Reinhard Medicus: Die Felsen des Mönchsbergs und ihre Geschichte in: Bastei – Zeitschrift für die Erhaltung von Bauten, Kultur und Gesellschaft, 53. Jahrgang, 3. Folge, Salzburg 2004
- Reinhard Medicus: Dreißigjähriger Krieg und Müllner Schanze – Rekonstruktion einer Wehranlage in: Bastei – Zeitschrift für die Erhaltung von Bauten, Kultur und Gesellschaft, 54. Jahrgang, 1. Folge, Salzburg 2005
- Reinhard Medicus: Die alte Bürgerwehr am Mönchsberg und ihre Geschichte in: Bastei – Zeitschrift für die Erhaltung von Bauten, Kultur und Gesellschaft, 53. Jahrgang, 2. Folge, Salzburg 2004