Guidobald Graf von Thun und Hohenstein: Unterschied zwischen den Versionen
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| − | '''Guidobald Graf von Thun und Hohenstein''', meist Guidobald Graf Thun genannt (* [[16. Dezember]] [[1616]] in Castell Fondo, [[Trentino]]; † [[1. Juni]] [[1668]] in der | + | '''Guidobald Graf von Thun und Hohenstein''', meist Guidobald Graf Thun genannt (* [[16. Dezember]] [[1616]] in Castell Fondo, [[Trentino]]; † [[1. Juni]] [[1668]] in der [[Stadt Salzburg]]), war Kardinal, von [[1654]] bis [[1668]] [[Fürsterzbischof]] von [[Erzstift Salzburg|Salzburg]] und von [[1666]] bis 1668 zudem Bischof von [[Regensburg]] in [[Bayern]]. |
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| − | Guidobald Graf [[Thun und Hohenstein|Thun]] studierte am [[Collegium Germanicum]] in Rom. Er erhielt seine Priesterweihe im Alter von 28 Jahren in Salzburg. Schon mit 17 Jahren erhielt Guidobald ein Kanonikat in Salzburg, das er aber erst mit 24 antreten konnte. Schon vier Jahre danach wurde er von seinen Chorbrüdern | + | Guidobald Graf [[Thun und Hohenstein|Thun]] studierte am [[Collegium Germanicum]] in Rom. Er erhielt seine Priesterweihe im Alter von 28 Jahren in Salzburg. Schon mit 17 Jahren erhielt Guidobald ein Kanonikat in Salzburg, das er aber erst mit 24 antreten konnte. Schon vier Jahre danach wurde er [[1644]] von seinen Chorbrüdern in das wichtige Amt eines [[Domdechant]]en gewählt<ref>[https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=sch&datum=19240111&query=%22erzbischof+guidobald+graf+thun%22~90&ref=anno-search&seite=4 ANNO], Salzburger Chronik, Ausgabe vom 11. Jänner 1924, Seite 4</ref>, welche Funktion er mit so großem Geschicke bekleidete, dass er am [[3. Februar]] [[1654]] schon im ersten Wahlgange zum [[Erzbischof]] gewählt wurde. Guidobald Graf von Thun wurde am [[24. September]] desselben Jahres in der [[Dom zu den Hll. Rupert und Virgil|Domkirche]] vom Prager Erzbischof dem Kardinal Ernst Adalbert Graf von Harrach zum Bischof geweiht.<ref>[https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=sch&datum=19240924&query=%22erzbischof+guidobald+graf+thun%22~90&ref=anno-search&seite=4 ANNO], Salzburger Chronik, Ausgabe vom 24. September 1924, Seite 4</ref> Am [[7. März]] [[1666]] wurde er auch zum Bischof von [[Regensburg]] gewählt. Guidobald folgte einem Angebot des Kaisers, ihn bei dem permanenten Reichstag in Regensburg als Prinzipalkommissär zu vertreten. Über Einschreiten des Kaisers wurde er am 7. März [[1667]] zum Kardinal erhoben. |
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| − | Guidobald Graf Thun konnte in seinen knapp 14 Jahren Amtszeit das [[barock]]e Bild der Stadt Salzburg schaffen. Seine Vorgänger | + | Guidobald Graf Thun konnte in seinen knapp 14 Jahren Amtszeit das [[barock]]e Bild der Stadt Salzburg schaffen. Seine Vorgänger hatten ihm den unvollendeten Dom hinterlassen. Durch Aufbau der oberen Turmpartien und durch die Ausstattung der Fassade mit Statuen führte Guidobald nun den Dombau in wenigen Jahren zu Ende. Von den Statuen neben den Portalen stammen nur die der Landespatrone, die von Melchior Barthel gemacht wurden, aus seiner Zeit. Im Innern errichtete er die Seitenaltäre in den rückwärtigen Kapellen. Außerdem sind unter den zahlreichen Bauten, die unter seiner Regierung veranlasst wurden, die Errichtung der [[Dombögen]], die Gestaltung des [[Residenzplatz]]s mit Bau des [[Residenzbrunnen]]s und die Gestaltung des [[Domplatz]]es mit der (selbstverständlich) durch Nordfenster beleuchteten Gemäldegalerie, die heute unter dem Namen [[Langer Gang]] des [[Benediktiner-Erzabtei St. Peter|Benediktinerstifts St. Peter]] bekannt ist. Auch der Konventhof von St. Peter erhielt einen [[Konventbrunnen St. Peter|Monumentalbrunnen mit Delphinen]] und die Stadt errichtete gleichzeitig den Fischbrunnen. Unter Guidobald wurde auch eine Kapelle auf dem [[Plainberg]] gebaut, die aber dann dem Neubau der großen Kirche weichen musste. In [[Hallein]] ließ er [[1654]] ein neues Gebäude anstelle des alten [[Pfleghaus der Saline Hallein|Pfleghauses der Saline Hallein]] am [[Pflegerplatz (Hallein)|Pflegerplatz]] errichten, in dem der Sitz der Salinenpflege mit Salzverweser-, Bau-, Pfannhaus- und Grießamt untergebracht waren. |
== Ableben == | == Ableben == | ||
Am 8. Mai 1668 bestieg der Erzbischof eine Kutsche, um nach [[Hellbrunn]] zum Fischen zu fahren. Angeblich wurde er bei der Abfahrt von einer alten Frau mit einer Bittschrift belästigt: er möge doch heute zu Hause bleiben, ihm stünde ein ''grosses Unglück bevor''. Dieses trat auch ein, denn als er über eine kleine Brücke schritt, brach ein Brett durch, Kardinal Guidobald stürzte und stand bis auf die Knie im Wasser. Er schenkte diesem kleinen Malheur, bei dem nicht einmal seine Strümpfe zerrissen waren, wenig Beachtung. An beiden Schienbeinen hatte er sich allerdings Quetschungen und Abschürfungen zugezogen. An seinem linken Bein entwickelte sich eine Entzündung, die sich bis auf den Oberschenkel ausbreitete: durch einen kleinen oberfächigen Infektionsherd waren Bakterien eingedrungen und hatten Wundbrand verursacht, der zu einen Blutvergiftung führte.<ref>Christoph Brandhuber, Edith Tutsch-Bauer: ''Kräuterkunst & Knochensäge''. Salzburg / Wien 2015, S. 94 ff.</ref> Guidobald von Thun und Hohenstein verstarb am 1. Juni 1668, 24 Tage nach dem Unfall, an einer Sepsis.<ref>Alois Proschko: ''Die Todeskrankheiten der Erzbischöfe von Salzburg''. In: ''Mitteilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde'', Nr. 86/87, Jahrgang 1946/47, S. 96.</ref> | Am 8. Mai 1668 bestieg der Erzbischof eine Kutsche, um nach [[Hellbrunn]] zum Fischen zu fahren. Angeblich wurde er bei der Abfahrt von einer alten Frau mit einer Bittschrift belästigt: er möge doch heute zu Hause bleiben, ihm stünde ein ''grosses Unglück bevor''. Dieses trat auch ein, denn als er über eine kleine Brücke schritt, brach ein Brett durch, Kardinal Guidobald stürzte und stand bis auf die Knie im Wasser. Er schenkte diesem kleinen Malheur, bei dem nicht einmal seine Strümpfe zerrissen waren, wenig Beachtung. An beiden Schienbeinen hatte er sich allerdings Quetschungen und Abschürfungen zugezogen. An seinem linken Bein entwickelte sich eine Entzündung, die sich bis auf den Oberschenkel ausbreitete: durch einen kleinen oberfächigen Infektionsherd waren Bakterien eingedrungen und hatten Wundbrand verursacht, der zu einen Blutvergiftung führte.<ref>Christoph Brandhuber, Edith Tutsch-Bauer: ''Kräuterkunst & Knochensäge''. Salzburg / Wien 2015, S. 94 ff.</ref> Guidobald von Thun und Hohenstein verstarb am 1. Juni 1668, 24 Tage nach dem Unfall, an einer Sepsis.<ref>Alois Proschko: ''Die Todeskrankheiten der Erzbischöfe von Salzburg''. In: ''Mitteilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde'', Nr. 86/87, Jahrgang 1946/47, S. 96.</ref> | ||
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| − | Guidobald Graf Thun schuf auch die Voraussetzungen zu jenem Rundgang, der seit [[2014]] öffentlich zugänglich ist. Er wurde durch [[Landeshauptmann]] | + | Guidobald Graf Thun schuf auch die Voraussetzungen zu jenem Rundgang, der seit [[2014]] öffentlich zugänglich ist. Er wurde durch [[Landeshauptmann-Stellvertreter]] Dr. [[Wilfried Haslauer junior]] in Auftrag gegeben und beruht auf dem von Dieter Bogner 2006 ausgearbeiteten ''[[Salzburger Museumsleitplan]]'': |
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* [[Roswitha Juffinger|Juffinger, Roswitha]], [[Christoph Brandhuber|Brandhuber, Christoph]], [[Walter Schlegel|Schlegel, Walter]] und [[Imma Walderdorff|Walderdorff, Imma]]: ''Fürsterzbischof Guidobald Graf von Thun 1654–1668: Ein Bauherr für die Zukunft''. Salzburg 2008, ISBN 978-3-901443-32-9 | * [[Roswitha Juffinger|Juffinger, Roswitha]], [[Christoph Brandhuber|Brandhuber, Christoph]], [[Walter Schlegel|Schlegel, Walter]] und [[Imma Walderdorff|Walderdorff, Imma]]: ''Fürsterzbischof Guidobald Graf von Thun 1654–1668: Ein Bauherr für die Zukunft''. Salzburg 2008, ISBN 978-3-901443-32-9 | ||
* Brandhuber, Christoph / [[Edith Tutsch-Bauer|Tutsch-Bauer, Edith]]: ''Kräuterkunst & Knochensäge''. Salzburg / Wien 2015, ISBN 978-3-99014-120-5 | * Brandhuber, Christoph / [[Edith Tutsch-Bauer|Tutsch-Bauer, Edith]]: ''Kräuterkunst & Knochensäge''. Salzburg / Wien 2015, ISBN 978-3-99014-120-5 | ||
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Version vom 13. Juli 2021, 00:58 Uhr
Guidobald Graf von Thun und Hohenstein, meist Guidobald Graf Thun genannt (* 16. Dezember 1616 in Castell Fondo, Trentino; † 1. Juni 1668 in der Stadt Salzburg), war Kardinal, von 1654 bis 1668 Fürsterzbischof von Salzburg und von 1666 bis 1668 zudem Bischof von Regensburg in Bayern.
Leben
Guidobald Graf Thun studierte am Collegium Germanicum in Rom. Er erhielt seine Priesterweihe im Alter von 28 Jahren in Salzburg. Schon mit 17 Jahren erhielt Guidobald ein Kanonikat in Salzburg, das er aber erst mit 24 antreten konnte. Schon vier Jahre danach wurde er 1644 von seinen Chorbrüdern in das wichtige Amt eines Domdechanten gewählt[1], welche Funktion er mit so großem Geschicke bekleidete, dass er am 3. Februar 1654 schon im ersten Wahlgange zum Erzbischof gewählt wurde. Guidobald Graf von Thun wurde am 24. September desselben Jahres in der Domkirche vom Prager Erzbischof dem Kardinal Ernst Adalbert Graf von Harrach zum Bischof geweiht.[2] Am 7. März 1666 wurde er auch zum Bischof von Regensburg gewählt. Guidobald folgte einem Angebot des Kaisers, ihn bei dem permanenten Reichstag in Regensburg als Prinzipalkommissär zu vertreten. Über Einschreiten des Kaisers wurde er am 7. März 1667 zum Kardinal erhoben.
Bautätigkeit
Guidobald Graf Thun konnte in seinen knapp 14 Jahren Amtszeit das barocke Bild der Stadt Salzburg schaffen. Seine Vorgänger hatten ihm den unvollendeten Dom hinterlassen. Durch Aufbau der oberen Turmpartien und durch die Ausstattung der Fassade mit Statuen führte Guidobald nun den Dombau in wenigen Jahren zu Ende. Von den Statuen neben den Portalen stammen nur die der Landespatrone, die von Melchior Barthel gemacht wurden, aus seiner Zeit. Im Innern errichtete er die Seitenaltäre in den rückwärtigen Kapellen. Außerdem sind unter den zahlreichen Bauten, die unter seiner Regierung veranlasst wurden, die Errichtung der Dombögen, die Gestaltung des Residenzplatzs mit Bau des Residenzbrunnens und die Gestaltung des Domplatzes mit der (selbstverständlich) durch Nordfenster beleuchteten Gemäldegalerie, die heute unter dem Namen Langer Gang des Benediktinerstifts St. Peter bekannt ist. Auch der Konventhof von St. Peter erhielt einen Monumentalbrunnen mit Delphinen und die Stadt errichtete gleichzeitig den Fischbrunnen. Unter Guidobald wurde auch eine Kapelle auf dem Plainberg gebaut, die aber dann dem Neubau der großen Kirche weichen musste. In Hallein ließ er 1654 ein neues Gebäude anstelle des alten Pfleghauses der Saline Hallein am Pflegerplatz errichten, in dem der Sitz der Salinenpflege mit Salzverweser-, Bau-, Pfannhaus- und Grießamt untergebracht waren.
Ableben
Am 8. Mai 1668 bestieg der Erzbischof eine Kutsche, um nach Hellbrunn zum Fischen zu fahren. Angeblich wurde er bei der Abfahrt von einer alten Frau mit einer Bittschrift belästigt: er möge doch heute zu Hause bleiben, ihm stünde ein grosses Unglück bevor. Dieses trat auch ein, denn als er über eine kleine Brücke schritt, brach ein Brett durch, Kardinal Guidobald stürzte und stand bis auf die Knie im Wasser. Er schenkte diesem kleinen Malheur, bei dem nicht einmal seine Strümpfe zerrissen waren, wenig Beachtung. An beiden Schienbeinen hatte er sich allerdings Quetschungen und Abschürfungen zugezogen. An seinem linken Bein entwickelte sich eine Entzündung, die sich bis auf den Oberschenkel ausbreitete: durch einen kleinen oberfächigen Infektionsherd waren Bakterien eingedrungen und hatten Wundbrand verursacht, der zu einen Blutvergiftung führte.[3] Guidobald von Thun und Hohenstein verstarb am 1. Juni 1668, 24 Tage nach dem Unfall, an einer Sepsis.[4]
Museumsrundgang im 21. Jahrhundert
- Hauptartikel DomQuartier Salzburg
Guidobald Graf Thun schuf auch die Voraussetzungen zu jenem Rundgang, der seit 2014 öffentlich zugänglich ist. Er wurde durch Landeshauptmann-Stellvertreter Dr. Wilfried Haslauer junior in Auftrag gegeben und beruht auf dem von Dieter Bogner 2006 ausgearbeiteten Salzburger Museumsleitplan:
Quellen und Literatur
- Catholic Hierarchy
- Juffinger, Roswitha, Brandhuber, Christoph, Schlegel, Walter und Walderdorff, Imma: Fürsterzbischof Guidobald Graf von Thun 1654–1668: Ein Bauherr für die Zukunft. Salzburg 2008, ISBN 978-3-901443-32-9
- Brandhuber, Christoph / Tutsch-Bauer, Edith: Kräuterkunst & Knochensäge. Salzburg / Wien 2015, ISBN 978-3-99014-120-5
- Proschko, Alois: Die Todeskrankheiten der Erzbischöfe von Salzburg. In: Mitteilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde Nr. 86/87, Jahrgang 1946/47, S. 93–97.
- www.altertuemliches.at
- Fürstenzimmer
- ANNO, Salzburger Chronik, Ausgabe vom 27. November 1926, Seite 4-5
Anmerkungen
- ↑ ANNO, Salzburger Chronik, Ausgabe vom 11. Jänner 1924, Seite 4
- ↑ ANNO, Salzburger Chronik, Ausgabe vom 24. September 1924, Seite 4
- ↑ Christoph Brandhuber, Edith Tutsch-Bauer: Kräuterkunst & Knochensäge. Salzburg / Wien 2015, S. 94 ff.
- ↑ Alois Proschko: Die Todeskrankheiten der Erzbischöfe von Salzburg. In: Mitteilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde, Nr. 86/87, Jahrgang 1946/47, S. 96.
| Vorgänger |
Salzburger Erzbischof 1654–1668 |
Nachfolger |