Bahnsport

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Motorradbahnrennen am 26. Juni 1955 auf der Trabrennbahn in damals noch Salzburg‑Aigen.

Bahnsport ist der Überbegriff im Motorsport für Sandbahn-, Grasbahn-, Speedway-, Shorttrack- und Eisspeedwayrennen, die sich durch verschiedene Bahnlängen und technische Details der Motorräder unterscheiden.

Allgemeines

Speedway- und Langbahnen (Sand- und Grasbahnen) sind zwischen 400 und 1000 Meter lang. Gefahren werden pro Rennen mehrere Läufe, jeder Lauf dauert vier Runden.

Plakat des Eisrennens 2026 in St. Johann im Pongau.

Gefahren wird mit Einzylinder-Viertakt-Motorrädern mit 500 cm³ Hubraum, ohne Bremsen, beim Speedway auch ohne Schaltgetriebe, auf der Langbahn nur mit einem Zweigang-Getriebe. Die Spezialmotorräder für Bahnrennen haben eine besonders umweltfreundliche Technik: Als Kraftstoff ist ausschließlich Methanol zugelassen, das fast rückstandsfrei verbrennt, geschmiert werden die Motoren mit rein pflanzlichen Ölen.

Diese Motorräder erreichen auf der Sandbahn Höchstgeschwindigkeiten von 180 km/h. Da die Motorräder wie erwähnt über keine Bremsen verfügen, wird das Sportgerät mittels Gashahn, Lenker und Gewichtsverlagerung durch die Kurven gesteuert. Dabei ist der rechte Fuß auf einem Steigbügel fixiert und mit dem linken, der durch einen Stahlschuh geschützt wird, wird das Motorrad über den Bahnbelag balanciert.

Motorradbahnrennen 1955 – ein Sandbahnfahrer in Aktion.

Während im Speedway Skandinavier und Engländer (auf Sand) sowie Russen und Schweden (auf Eis) schier unschlagbar sind, führen auf den Sand- und Grasbahnen derzeit die Deutschen. Auch bei den Seitenwagen sind deutsche Gespanne international führend.

Jeder Fahrer startet mindestens einmal aus jeder Startreihe, und jeder Lauf wird nach vier Runden entschieden. Die Helmfarbe kennzeichnet die Startposition (rot, blau, weiß, gelb), und als Startsignal dient ein Startband. Der Referee entscheidet über den Abbruch eines Laufs, den Ausschluss eines Fahrers und den Neustart des Rennens. Das berühmte „Powersliding“, bei dem die Fahrer ihre Maschinen seitlich durch die Kurven steuern, wobei die Hinterräder nach außen ausbrechen und die Fahrer mit den Vorderrädern um die Kurve lenken, macht den besonderen Reiz aus. Ein mit der Hand des Rennfahrers verbundenes Band dient als Zündunterbrecher bei einem Sturz. Sieger eines Rennens ist derjenige, der bei den Läufen am meisten Punkte gesammelt hat.

Speedway-Maschine

  • Einzylinder-Viertaktmotoren
  • 500 cm³ Hubraum
  • 60 bis 80 PS
  • Methanol als Treibstoff
  • ohne Getriebe, also keine Gänge
  • keine Bremsen
  • Stollenreifen
  • Mindestgewicht: 80 kg
Ein Beiwagengespann mit neigbarem Beiwagen (durch das Lenkrad im Beiwagen gesteuert).

Eisspeedway

Eisspeedway ähnelt dem Reglement eines Speedwayrennens, aber im Gegensatz zum Speedway wird hier allerdings nicht gedriftet. An den Reifen sind 28 mm lange Spikes eingesetzt. Durch den enormen Halt der Spikes werden höchste Beschleunigungswerte auf der kurzen Strecke sowie die größten Schräglagen im Motorradsport erreicht. Teilweise berührt dabei der Lenker der Eisspeedway-Maschine die Eisbahn.

Anfang Februar 2022 fuhren Verstappen und Zorn auf Eisbahn in Zell am See. Hier sieht man Franky Zorn in Kurvenlage.

Eisspeedway-Maschine

  • Einzylinder-Viertaktmotoren
  • 500 cm³ Hubraum
  • max. 70 PS
  • Methanol als Treibstoff
  • 2-Gang-Getriebe
  • keine Bremsen
  • Reifen mit max. 28 mm Spikes
  • Gewicht ca. 110 kg

Flat Track

Flat Track findet auf derselben Rennstrecke wie Speedway statt. Jeder Fahrer nimmt an mindestens drei Qualifikationsläufen teil, die über eine Distanz von sechs Runden führen (Finali über acht Runden). Pro Lauf können zwischen vier und 30 Fahrer starten. Startnummern können selbst gewählt werden, sofern sie nicht bereits vergeben sind, und gelten meist für die gesamte Saison.

Basis für einen Flat Track‑Umbau sind meistens Motocross‑Motorräder. Auch Enduro‑ und Supermoto‑Motorräder sind erlaubt, allerdings ist es notwendig, das Fahrwerk einzukürzen. Dies kann von jeder Fachwerkstätte mit überschaubarem Aufwand durchgeführt werden.

Flat Track‑Maschine

  • Einzylinder‑Viertaktmotoren
  • 450 cm³ Hubraum
  • 60 PS
  • Benzin als Treibstoff
  • 4‑ bis 5‑Gang‑Getriebe
  • keine Vorderradbremse
  • 19‑Zoll‑Flat‑Track‑Reifen
  • gekürztes Fahrwerk

Geschichte

Die ersten Sandbahnrennen in Österreich fanden 1911 in Baden bei Wien statt. Die große Zeit der Sandbahnrennen war in den 1920er und 1930er Jahren. Damals fuhr man noch mit normalen Motorrädern, denn die Entwicklung zu Spezialmaschinen begann erst kurz vor dem Zweiten Weltkrieg.

Bekannte und auch international erfolgreiche Fahrer jener Zeit waren Leopold Dirtl (tödlich verunglückt im Bahnsport), Lucky Schmidt, Karl Kodric, Michael Gayer (fuhr auch bei den Großglockner-Rennen mit), Rupert Karner (tödlich verunglückt im Bahnsport), Peppi Walla, Karl und Poldi Killmeyer sowie Martin Schneeweiß (fuhr ebenfalls bei den Großglockner-Rennen mit und wurde 1937 in Prag erster Europa-Sandbahnmeister; tödlich verunglückt im Bahnsport). Salzburger waren keine darunter.

Bahnsport und Salzburg

Salzburger Bahnsportler

Der bekannteste Eisspeedwayfahrer Salzburgs ist Franz Zorn, genannt Franky. Er war 2000 Vizeweltmeister und 2008 Europameister im Eisspeedway.

Salzburger Bahnsportveranstaltungen

In Saalfelden am Steinernen Meer‑Lenzing finden alljährlich Läufe zur Eisspeedway‑Weltmeisterschaft statt. Auch in St. Johann im Pongau gibt es immer wieder Eisspeedway‑Veranstaltungen im Speedway‑Stadion des Motorsportvereins Speedway Racing St. Johann/Pg..

Blicken wir auf Bahnsportereignisse in früheren Jahren in Stadt und Land Salzburg zurück:

erstes Int. Motorrad- und Auto Eisrennen Zell am See auf dem Zeller See für Automobile und Motorräder, das ab 1956 als Gedächtnisrennen in memoriam Prof. Ferdinand Porsche bis 1961 veranstaltet wurde
am 8. Juni: Sandbahnrennen auf der Parscher Trabrennbahn
  • 1957, 1. September: Sandbahnrennen auf der Trabrennbahn in Salzburg‑Parsch.
  • 1966: Im österreichischen Motorsportkalender war als Termin der 9. Oktober auf der Trabrennbahn in Liefering vorgesehen.[1] Tatsächlich fand dann am 2. Oktober ein spannender Rennnachmittag statt. 9 000 Besucher erlebten nach 16 Jahren wieder ein internationales Sandbahnrennen in Salzburg, das vom SAMTC organisiert worden war. Die Rennen ließen an Dramatik und Spannung nichts zu wünschen übrig. Der dänische Vize‑Europameister Kurt Petersen nahm Revanche und besiegte den Europameister Manfred Poschenrieder aus Deutschland, der in Mühldorf am Inn die Europameisterschaft 1966 für sich entschieden hatte.[2]
  • 1967: Am 1. Oktober fand das zweite internationale Sandbahnrennen in Liefering statt. 26 Sandbahnspezialisten nahmen an 15 Rennen teil.[3]
  • 1975: Nach achtjähriger Pause gab es am 25. Mai wieder ein Sandbahnrennen in Salzburg‑Liefering.[4]

Bahnsportveranstaltungen in der Umgebung von Salzburg

Hochburg des Bahnsports ist die Stadt Mühldorf am Inn, die jahrhundertelang zum Erzbistum Salzburg gehörte. Dort wird vor allem Sandbahn gefahren.

Zentrum im Winter ist Inzell in Bayern, wo ebenfalls Weltmeisterschaftsläufe stattfinden.

Quellen

Einzelnachweise

  1. Austro-Motor, internationale Auto- und Motorrundschau, Wien, Ausgabe 2/1966, aus dem Motorrad-Literatur- und Bildarchiv Prof. Dr. Helmut Krackowizer
  2. "Salzburger Nachrichten", 16. September 1966 und 3. Oktober 1966
  3. "Salzburger Nachrichten", 30. September 1967
  4. "Salzburger Nachrichten", 24. und 26. Mai 1975