Hagenauer - der Wiener Zweig
Dieser Artikel behandelt den Wiener Zweig der Familie Hagenauer.
Einleitung
Die napoleonischen Kriege und die zwischen 1803 und 1816 durch den viermaligen Regierungswechsel einschneidendsten Umwälzungen Salzburgs hatten sowohl das ehemalige Erzbistum als auch die Hagenauer in eine tiefe Krise gestürzt. Salzburg war nun keine eigenständige Provinz im Kaisertum Österreich geworden, sondern als Salzachkreis lediglich fünfter Kreis des Erzherzogtums Österreich ob der Enns, mit dem Verwaltungssitz in Linz. Dies führte nach dem Verlust der jahrhundertelangen Machtposition des Landes im süddeutschen Raum zu einer Krise, die sich in den massiven wirtschaftlichen Einbußen und dem drastischen Bevölkerungsrückgang im gesamten Salzachkreis zeigte. Die Handelsgeschäfte der Hagenauer gingen schleppend, die männlichen Nachfolger zur Übernahme der Handelshäuser fehlten, und die einst in einflußreichen Positionen des Erzbistums sitzenden Verwandten waren nicht mehr vorhanden. Um 1816 waren die meisten Hagenauer in Salzburg bereits ohne männliche Nachkommen gestorben oder, wie das Gros der einflussreichen und bedeutenden Salzburger Familien, von dort weggezogen.
Johann Wolfgang Hagenauer ging nach Linz
Im Jahr 1812 hatte Johann Wolfgang Hagenauer, Sohn des hochfürstlichen Kammerdieners und Hof-Architekten Wolfgang Hagenauer, in der Wallfahrtsbasilika Maria Plain bei Salzburg Theresia Leopoldine Enck von der Burg (* 1792, † 1852), Tochter des wirklichen Hofkammerraths Franz Leopold Enck (Enk) von der Burg und der Josefa Theresia Strasser, geheiratet. 1816 übersiedelte das Paar nach Linz, wo Johann Wolfgang als Amts und Kreis-Ingenieur und später als k.k. Wasserbau-Director tätig war. Im Jahr 1850 sollte er ohne Nachkommen sterben, worauf seine Frau Landschafts-Gemälde des letzten Salzburger Hofmalers, Andreas Nesselthaler, dem Salzburger Museum Carolinum-Augusteum vermachte. Sein Cousin Franz de Paula II., Sohn des hochfürstlichen Baudirektors Johann Georg III. von Hagenauer, sollte erst 1825 nach Linz übersiedeln. Franz de Paula war Doktor der Rechts-Wissenschaften und vorerst als k.k. "Statthalter-Concipient" und später als k.k. Registraturs-Direktor in Linz tätig. Er hatte die Edle Barbara Schloßgängl von Edlenbach geheiratet, die (wie die Frau seines Cousins Johann Wolfgang) aus einer Familie des höheren Salzburger Beamtenstandes stammte und die Tochter eines Juristen und hochfürstlichen Hofrates war. Johann Wolfgang und Franz de Paula (II.) waren ja beide in der Landesverwaltung tätig, da wahrscheinlich die vorangegangenen unsicheren Krisenjsahre sie dazu bewegt hatten, sich für den beständigeren Staatsdienst zu entscheiden.
Im biedermeierlichen Linz bestand das gesellschaftliche Umfeld der beiden Cousins Johann Wolfgang und Franz de Paula von Hagenauer nun hauptsächlich aus hohen Beamten und deren Familien, Mitgliedern des Klerus, sowie Künstlern. Zu den Beamtenfamilien gehörten unter anderem die Ritter von Spaun, die Enk von der Burg, die Schloßgängl von Edlenbach, die Steyrer von Riedenburg, die Grafen Chorinský oder die Freiherrn von Vogelsang. Mit ihnen waren die Hagenauer meist nicht nur verwandt oder verschwägert, sondern oft auch beruflichen verbunden. Am stärksten aber verband diese Familien ihre starke Religiosität und die Frömmigkeit im Glauben, sowie ihre Leidenschaft zur Kunst. Die Hagenauer Cousins waren ja in Passau und Salzburg in der beeindruckenden Welt von Kirchenfürsten, hohen Geistlichen und herausragenden Künstlern (Musikern, Bildhauern, Architekten und Malern) aufgewachsen. Nun waren auch in den Linzer Salons, bei Konzertabenden oder bei den sogenannten "Landpartien" dieser Familien häufig Künstler geladen. Einige dieser Künstler wurden von den Familien gefördert, mit manchen verband sie auch eine lebenslange Freundschaft. Der heute Bekannteste war sicherlich der Komponist Franz Schubert. Aber auch die Maler Moritz von Schwindt (der Trauzeuge bei einer Hagenauer-Hochzeit wurde) und Leopold Kuppelwieser, die Schriftsteller Adalbert Stifter (der Hauslehrer der Hagenauer-Kinder wurde), Franz Grillparzer und Eduard von Bauernfeld, oder die Dichter Freiherr Ernst von Feuchtersleben sowie Franz von Schober (und einige mehr) gehörten zum engeren Kreis der Familien. Die Kinder des Registraturs-Direktors Franz de Paula II., Franz de Paula III. (1824 - 1885), Eugen (1825 - 1880), Julius (1826 - 1879) und Helena (*1835), wurden von dem Schriftsteller und Maler Adalbert Stifter unterrichtet. Dennoch wurden alle drei Brüder wie ihr Vater Jurist und blieben vorerst als Beamte in Linz. Nur der älteste Sohn Franz de Paula (III.), sowie dessen Neffe Arnold II. (Sohn des Julius), sollten später nach Wien übersiedeln. Die jüngste Tochter Helena von Hagenauer hatte 1852 Major Karl Elßler (Sohn des Johann Elßler, Leibkopist Joseph Haydn´s) geheiratet. Dessen Schwestern waren die berühmten Tänzerinnen Therese (mit Prinz Adalbert von Preußen als Freifrau von Barnim in morganatische Ehe, Sohn Adalbert Freiherr von Barnim) und Fanny Elßler (die einen Sohn mit Leopoldo, Prinz von Spanien und beider Sizilien, Herzog von Salerno von Neapel-Sizilien hatte).
Nachdem die Hagenauer ihr Landgut mit der Burg Radeck (Salzburg) aufgegeben hatten, verbrachten sie die Sommer nun auf Schloss Klaus in Kirchdorf (Oberösterreich), wo sie ebenfalls eine Jagd hatten. Später sollte auf Schloss Klaus auch der älteste Sohn von Franz de Paula (III.) auf die Welt kommen, Simon II.. Er wurde nach dem Großvater seiner Mutter, Simon Thaddäus Ritter von Spaun, benannt. Die Hagenauer standen in regem Kontakt mit der Familie Spaun (Förderer Franz Schuberts), die 1848 in Traunkirchen (OÖ) das ehemalige Landrichterhaus erworben hatten. Diese sich heute noch im Besitz der Nachkommen (Freiherren von Spaun und Freiherren von Cornaro) befindliche "Villa Spaun" am Traunsee wurde als Gedenkstätte für Franz Schubert und später auch Arnold Schoenberg bekannt. Im Jahr 1851 hatte Franz de Paula (III.) von Hagenauer die Edle Marie von Spaun (Tochter des Anton Ritter von Spaun und der Henriette Freiin von Vogelsang) in Traunkirchen geheiratet. Vorerst blieb Franz (III.) als k.k. "Statthalterei-Rath" im Staatsdienst in Linz tätig, später sollte er in die Privatwirtschaft wechseln und nach Wien ziehen. Er wurde der Stifter des Wiener Zweiges der Hagenauer, der noch heute blüht. Um 1870 übersiedelte schließlich die Familie mit den drei Kindern Simon II. (*1852 in Kirchdorf, †1920 in Wien), Maria (* 1855 in Vöcklabruck, † 1937 in Wien, vermählt mit Karl Ferdinand Edler von Kummer) und Gertrud (*1863 in Linz, †1885 in Venedig, vermählt mit dem Nobiluomo Enrico Marzollo, Patrizier von Venedig) nach Wien in das Haus Wollzeile Nr. 3. In Wien wurden noch die Tochter Therese-Walburga (*1873) und der jüngste Sohn Franz de Paula IV. geboren, der allerdings mit fünf Monaten starb. Franz de P. (III.) war in Wien Direktor der Versicherungs-Gesellschaft "Assicurazioni Generali" geworden (1838 in Triest gegründet), die heute der größte Versicherungs-Konzern (Generali) Italiens ist. Beruflich reiste er öfters nach Triest, wobei er auch stets seine Triester Verwandten besuchte und ihn manchmal seine Kinder begleiteten. Franz (III.) von Hagenauer hatte zwei grosse Leidenschaften, die Jagd und die katholische Kirche. Für sein Engagement in der katholischen Kirche wurde er in den Freiherrenstand erhoben. Im Jahr 1884 verlieh Papst Leo XIII. dem "Nobile Francesco de Hagenauer di Salisburgo" für seine Verdienste um die römisch-katholische Kirche, "als auch für die Verdienste seiner Vorfahren", die erbliche römische Baronie und ernannte ihn zum Kollar-Ritter des päpstlichen Piusordens. Baron Franz de Paula III. starb im darauffolgenden Jahr (1885) auf seinem Jagdgut und wurde in Bad Ischl begraben.
Weitere Familienmitglieder in Wien
In Wien lebte auch der 1871 in Linz geborene Literatur-Kritiker und Schriftsteller Arnold von Hagenauer. Arnold wurde sehr früh Vollwaise und wuchs in Wien bei zwei Tanten auf. In Wien studierte er vorerst Veterinärmedizin, wurde später allerdings Schriftsteller. Er blieb unverheiratet, reiste viel und verweilte auch öfters in Salzburg. Neben Buch-Kritiken schrieb er Essays und Romane, darunter auch einen "Salzburger Biedermeier-Roman". Dieser Salzburger Roman wurde erstmals 1919 als mehrteilige Romanbeilage "Leonhard und Rosa" im Salzburger Volksblatt veröffentlicht. Arnold starb bereits im Jahr 1918 nach einem Unfall in Grinzing (Wien) an Lungenentzündung. Sein Cousin, der 1852 geborene Simon (II.) von Hagenauer war Jurist und hatte 1878 die aus streng katholischem und sehr wohlhabendem Haus stammende Französin Emilie (Tochter des August Thomas und der Mathilde Rebattu) im Wiener Stephansdom geheiratet. Emilies Vater (aus einer seit den napoleonischen Kriegen in Mailand lebenden französischen Familie) war um 1835 noch sehr jung nach Wien gekommen und in das Bankhaus Arnstein & Eskeles eingetreten. Später gründete er ein eigenes Bankhaus, das er jedoch im Zuge des Börsenkrachs von 1873 wieder aufgelöst hatte. Schließlich wurde er (auf Grund seiner Freundschaft mit Heinrich Freiherr von Pereira-Arnstein und Freiherr von Eskeles) Direktor der Staats- und Südbahn, wo er 1874 auch die "Compagnie Internationale des Wagons-Lits" (eigene Luxuszüge wie z.B. den Orient E⅔xpress) einführte. In Wien wurden seine zwei Kinder Alfred (später mit Freiin von Pitha vermählt) und Emilie (später mit Baron von Hagenauer vermählt) geboren. Emilie wurde im Wiener Stephansdom getauft, wobei die musikbegeisterte Mäzenin Wilhemina Freiin von Brentano-Cimaroli (spätere Freifrau von Eskeles) ihre Taufpatin war. Emilies Vater Auguste (aus einer ursprünglich Dijon´er Familie stammend), unter dessen Vorfahren sich auch der französische Komponist Jean-Philippe Rameau (* 1683 Dijon, † 1764 Paris) befand, spielte ausgezeichnet Klavier und Violine und war mit einer großen Anzahl von Musikern wie Francesco Pollini, Gaetano Donizetti, Giovani Fadolini, Franz Liszt, Jacques Offenbach und anderen sehr eng befreundet. Von diesen Freundschaften zeugt eine Sammlung von signierten Lithographien, sehr frühen Fotografien (ab 1840) und Briefen der Musiker, wobei etliche dieser Musiker auch die als "legendäre Schönheit" bezeichnete Tochter Emilie verehrt haben sollen. Neben der Leidenschaft zur Musik verband diese beiden Familien aber eine ebenso tiefe Religiosität in ihrem katholischen Glauben.
Simon (II.) Baron von Hagenauer hatte von seinem Vater Franz de Paula (III.) zwei Leidenschaften übernommen, die Jagd und die Religiosität im katholischen Glauben. Die Jagdleidenschaft hatte Simon mitunter auch nach Afrika geführt, während er sich durch seine Religiosität stark in der katholischen Kirche engagieren sollte. Seit 1887 war Simon II. Mitglied des katholischen "Bonifatius-Verein"s. Über viele Jahre hinweg übernahm er auch die persönlichen Überbringung der jährlichen Kollekte des "Peterspfennigs" an den Papst im Vatikan. Im Jahr 1889 wurde Baron von Hagenauer von Papst Leo XIII. "für den Eifer in der Verteidigung der katholischen Religion" zum Ritter des Gregorius-Ordens ernannt und ihm der Gregorius-Orden (Großkreuz) verliehen. Dieser päpstliche Ritterorden war eine der höchsten Auszeichnungen des Papstes an Laien. Viele von Simons Freunden und Bekannten waren katholische Publizisten, Politiker oder Sozialreformer. Der heute bekannteste davon war sein entfernter Cousin Karl Freiherr von Vogelsang, der geistige Begründer der "Christlichsozialen Bewegung". Ihn traf er bei den sogenannten "Enten-Abenden" in Wien, oder Vogelsang besuchte Hagenauer auf dessen Landsitz. Baron von Hagenauer war ebenso Mitglied eines kleinen exklusiven antimassonischen Kreises, in dem sich die führenden Mitglieder katholischer Laienorganisationen der österreichischen Monarchie befanden. In diesem Kreis arbeiteten der Dominikanerpater Paulus (Ritter von) Toggenburg und der Jesuitenpater Franz Xaver (Graf) Widmann, der Redacteur (katholischer Publikationen) Karl Koller, der Vizebürgermeister von Wien Dr. Josef Porzer, sowie folgende Mitglieder: Carl Graf Chorinsky, Nikolaus Moriz Graf Esterházy, Viktor Freiherr von Fuchs, Josef Alex. Freiherr von Helfert, Emerich Graf Hunyady, Friedrich Graf Schönborn, Johann Erbprinz von und zu Schwarzenberg, Ernst Graf Sylva-Tarouca, Koloman Graf Széchenyi, Wilhelm Graf Wolkenstein und Ferdinand Graf Zichy. Dieser antimassonische Kreis hatte es sich zum Ziel gemacht, die "Geschichte und Wirksamkeit der Freimaurerei" in der österreichischen Monarchie zu beleuchten. 1892 wurde Baron Simon Mitbegründer der "Österreichischen Leo-Gesellschaft", dessen Ziel die Förderung von Wissenschaft und Kunst auf katholischer Basis war. Schließlich wurde Hagenauer noch Vizepräsident des 1905 gegründeten "Österreichischen Pius-Vereins", dessen Hauptaufgabe die Stärkung der katholischen Presse war.
Beruflich war Baron Simon (II.) Direktor der 1831 in Triest gegründeten Versicherungs-Anstalt Riunione Adriatica di Sicurtà (heutige RAS Holding) in Wien, wo er hauptsächlich im Bereich kirchlicher Versicherungs-Angelegenheiten tätig war. Er reiste beruflich öfters nach Triest, wohin er und seine Geschwister bereits früher den Vater (Franz d.P.III.) begleitet hatten. Dort besuchte Simon auch seine Triester Verwandten, mit denen sein Onkel, der Marinekommandant Admiral Freiherr von Spaun, privaten sowie beruflichen Kontakt pflegte. In Triest selbst hatte Admiral Hermann Spaun 1892 die 30 Jahre jüngere Emma Lobmeyr aus der Wiener Glas-Dynastie Lobmeyr geheiratet. Emma Lobmeyr (spätere Emma Freiin von Spaun) pflegte in Wien mit einem Geparden an der Leine spazieren zu gehen, den ihr 1883 Hermann von Spaun aus Brasilien mitgebracht hatte. Dr. Simon (II.) Hagenauer unternahm viele Reisen mit der damals im Aufschwung befindlichen Eisen-Bahn. Sein Schwiegervater Auguste Thomas, Direktor der Staats- und Südbahn und der österreichischen "Compagnie Internationale des Wagons-Lits", hatte ihm hierfür häufig eigene Abteile sowie manchmal auch einen eigenen Waggon zur Verfügung gestellt. Die Reisen (oft mit Familie) führten in öfters nach Triest, Görz (Gorizia), Rom oder Paris, ebenso oft aber auch nach Venedig und München, wohin seine beiden Schwestern geheiratet hatten. Ein anderes beliebtes Ziel für Baron Hagenauer war immer wieder die Villa Spaun seiner Großeltern am Traunsee, wo er die Sommer seiner Jugend mit jagen, reiten und segeln verbracht hatte, wofür ihn seinerzeit sein bereits im Dienst der k.k. Marine stehenden Onkel Hermann (Freiherr von Spaun) begeistern konnte. Simon stand auch in regem Kontakt mit dem Abt des Salzburger Stiftes St. Peter Willibald Hauthaler, der sich als Historiker und Regestenforscher sehr für die Familiengeschichte der Hagenauer interessierte und die Hagenauer auf Grund seiner Urkundenforschung einer Seitenlinie der Grafen von Plain zuordnete. Nachdem Simons Frau Emilie 1908 in Wien gestorben war, verbrachte Baron Hagenauer mit seinen Kindern die meisten Sommermonate im Schloss Pinkafeld in Ungarn (heute Burgenland). Dort kurierte er sich auch nach einem körperlichen Zusammenbruch wegen Überarbeitung aus, und blieb auf dem Schloss seines Jagdtgefährten und Freundes Graf Thurn und Taxis (Batthyány-Taxis) beinahe ein halbes Jahr. Baron Simon (II.) starb im Jahr 1920, doch mit seinem 1881 geborenen Sohn Simon (III.), sowie dessen Schwestern Mathilde (* 1880) und Sabine (* 1890), setzte sich die Wiener Linie fort.
Die Wiener Linie im 20. Jahrhundert
Simon (III.) Baron von Hagenauer war in seiner Jugend ein begeisterter Reiter und besaß auch Rennpferde. Er wurde wie sein Vater Jurist und war vorerst als Amtsleiter in der Bezirkshauptmannschaft Windischgraz, dann als Bezirkskommisär bei der Landeshauptmannschaft in Graz tätig. 1922 wechselte er in die Burgenländische Landeshauptmannschaft in Eisenstadt. Im Jahr 1924 hatte er die ebenfalls aus sehr religiösem Haus stammende Berta Ritter in Graz geheiratet. 1925 kam ihr Sohn Wolfgang (VI.) in Wien auf die Welt, wobei Ludwig Freiherr von Cornaro Pate wurde. Zwischen 1921 und 1926 war der inzwischen zum wirkl. Hofrath ernannte Verfassungsjurist Dr. Hagenauer in der burgenländischen Landes-Hauptmannschaft mit der Ausarbeitung der Gesetze für das jüngst zur Republik Österreich hinzugekommene Bundesland Burgenland betraut worden. Anlässlich des Anschlusses Burgenlands an Österreich 1922 war unter den Verfassungs-Gesetzen Burgenlands das Adelsaufhebungsgesetz jedoch nicht aufgezählt worden, da man aus realpolitischen Gründen die burgenländischen Adeligen pro-österreichisch stimmen wollte. Im Jahr 1929 war auch die päpstliche Baronie der Hagenauer durch die Lateranverträge, die zwischen dem Heiligen Stuhl und dem Königreich Italien abgeschlossen wurden, als italienischer Adel anerkannt worden. Per königlichem Dekret Viktor Emanuel III. wurde der Freiherrenstand des Hof- und Gerichtsadvokaten Dr. Simon (III.) de Hagenauer auf alle ehelichen Nachkommen als "Baroni de Hagenauer" ausgeweitet und bestätigt. In dieser Zeit war Berta Baronin von Hagenauer als Leiterin des katholischen Frauenreferates und des Mutterschutzwerkes im Burgenland aktiv und hatte intensive freundschaftliche Kontakte zu anderen politsch und sozial aktiven Frauen, wie zu Franziska Fürstin von Starhemberg (Fanny Starhemberg) oder Leopoldine Miklas (Frau des österreichischen Bundespräsidenten). In der NS-Zeit sollte Baronin Berta Widerstandskämpferin gegen das NS-Regime werden.
1938 wurde der Verfassungsjurist Baron Simon III., für den eine führende Stelle beim Obersten Gerichtshofs (OGH) vorgesehen gewesen war, nach dem Einmarsch deutscher Truppen in Österreich auf Grund seiner "untragbaren Gesinnung" seines Amtes enthoben und ohne Pensionsanspruch aus dem Staatsdienst entlassen. Er kehrte mit seiner Familie nach Wien zurück und starb bereits im Jahr 1940. In Wien waren das Akademische Gymnasium sowie die Theresianische Akademie kurz nach dem "Anschluss" im Jahr 1938 von den Nationalsozialisten teilweise oder ganz geschlossen worden. 1940 sandte man daher Baron Wolfgang VI. in die Schweiz auf das St. Gallener Internat "Institut auf dem Rosenberg", um ihn dem Wunsch seines verstorbenen Vaters entsprechend der NS-Propaganda zu entziehen. Während eines Urlaubs im Dezember 1943 in Wien war Baron Wolfgang VI. auf Grund eines nach Berlin gesandten Spitzelberichtes, "Hagenauers politische Einstellung entspräche nicht nationalsozialistischen Intentionen und er verkehre in St. Gallen mit Juden", die Ausreise aus dem "Deutschen Reichsgebiet" verboten worden. Kurz darauf erhielt er die Einberufung zur Stellung. Nachdem somit seine Rückreise in das schweizer Internat unmöglich geworden war, legte Wolfgang die Matura gezwungenermaßen auf "deutschem Boden" im Benediktinergymnasium des Klosters Ettal (Garmisch-Partenkirchen, Bayern) ab.
Während der Abwesenheit ihres Sohnes Wolfgang in der Schweiz hatte Baronin Hagenauer öfters Jüdinnen in ihrer Wiener Wohnung versteckt und immer wieder (als Bridge-Abende getarnte) Treffen ehemaliger österreichischer Politiker (spätere Gründungsmitglieder der ÖVP) organisiert. Unter diesen befanden sich auch Lois Weinberger (später Vizebürgermeister von Wien), Leopold Figl (später Bundeskanzler) und Felix Hurdes (später Unterrichtsminister und Nationalratspräsident). Man plante dort den Widerstand gegen das NS-Regime und die Zukunft Österreichs nach Beendigung des Krieges. Die geheimen Treffen wurden aber von der Gestapo entdeckt und 1944 wurde die verwitwete Baronin Hagenauer als Mitglied des katholisch-konservativen Lagers in Wien wegen „Hochverrats“ von der Gestapo verhaftet und inhaftiert. Sie überlebte die Gefangenschaft trotz Folter und erlittener Herzinfarkte, von denen sie sich nie mehr ganz erholen sollte. Ihr gelang nach einem Bombentreffer des Gefängnis-Gebäudes Anfang April 1945 aus diesem zu fliehen und mit Hilfe von Freunden die letzten Kriegstage in einem Spital unterzutauchen. Dort wurde sie in den folgenden Monaten auf ihre in Gefangenschaft erlittenen Infarkte behandelt. Aus der Familie selbst war aber nicht nur Wolfgangs Mutter von den Nationalsozialisten verhaftet worden, sondern auch Wolfgangs Onkel Adolph Proksch. Dr. Adolph Proksch, Ehemann seiner Tante Sabine von Hagenauer, war als ehemaliger Finanzberater des Bundeskanzlers Kurt von Schuschnigg gleich nach dem Einmarsch der deutschen Truppen verhaftet und als "Hochverräter" mit dem österreichischen „Prominenten-Transport“ ins KZ Dachau gebracht worden. "Das Schicksal von Proksch war besonders tragisch-grotesk: Wegen der zufälligen Namensgleichheit mit dem „Reichstreuhänder der Arbeit“, Proksch, wurde er 1945 gleich nach der Befreiung von den Amerikanern wieder eingesperrt." Ein weiteres Familienmitglied der Hagenauer, Ministerialrat Max Vladimir Freiherr von Allmayer-Beck, (Sohn von Hersilie von Hagenauer aus der italienischen Linie), wurde im Februar 1940 wegen des Verdachts der legitimistischen (Standpunkt der Unabsetzbarkeit des Herrscherhauses) Betätigung als Mitglied des katholisch-konservativen Lagers von der Gestapo in Wien ebenfalls verhaftet (Erkennungsdienstliche Kartei der Gestapo Wien).
1944, gleich nach seiner Matura in Bayern, inskribierte Baron Wolfgang Medizin an der Universität in Wien. Er wurde danach sofort zur Wehrmacht nach Augsburg eingezogen. Nach einer Ausbildung zum Fliegerfunker in München wurde er nach Novi Ligure (Provinz Alessandria) in Norditalien verlegt. Dort entkam er mit Hilfe eines italienischen Bauern und schloss sich Widerstandskämpfern (Resistenza) der Brigata Val Lemme-Capurro an. Bei den italienischen Partisanen leistete er in den Bergen Liguriens (Nordwestitalien) bewaffneten Widerstand gegen das faschistische und das NS-Regime. Unter dem Decknamen "Piccin(o)" (der Kleine), obwohl oder weil er über 1,90 m groß war, kämpfte er an der Seite einer christlich-demokratischen Widerstandsgruppe, unter denen sich auch Familienmitglieder berühmter italienischer Geschlechter wie der Grafen Spinola oder der Grafen Gramatica befanden. Die Wehrmachtsjustiz ging mit erbarmungsloser Härte gegen so genannte Fahnenflüchtige vor, wobei 22.750 zum Tode verurteilt wurden und man viele noch in den letzten Kriegstagen umgebracht hatte. Nach dem Ende des Krieges verbrachte Baron Wolfgang einige Zeit auf dem Castello di Tassarolo bei der Familie seines Freundes Marchese Paolo Spinola (der später Filmregisseur werden sollte). Danach wurde er als ehemaliger Partisane bei der U.S.Army beim Kommando der 88. Division (den sogenannten „blue devils“) eingesetzt. Schließlich verbrachte er auf Grund einer schweren Hepatitis einige Zeit in einem Spital in Bozen und kehrte 1946 mit einem Gefangentransport nach Graz zurück. Von dort reiste Hagenauer mit Hilfe des mit der Familie befreundeten Grazer Politikers Dr. Alfons Gorbach (spätere Bundeskanzler) nach Wien, der mit Wolfgangs Onkel Dr. Adolph Proksch ebenfalls mit dem „Prominententransport“ im KZ Dachau und KZ Flossenbürg inhaftiert gewesen war.
Die Wohnung von Baronin Hagenauer war seit 1944 durch ihre NS-Gefangenschaft und während ihres darauffolgenden mehrmonatigen Spitalaufenthaltes, bei dem sie sich von den Folgen der Folter in NS-Gefangenschaft auskurieren musste, für lange Zeit verwaist geblieben. Während ihres Spitalaufenthaltes (seit April 1945) war im Zuge der Befreiung Wiens die offenbar verlassene Wohnung von russischen Soldaten besetzt und dabei stark in Mitleidenschaft gezogen worden. 1946 hatte ihr deswegen Bundesminister Dr. Felix Hurdes, ein alter Freund und Mitstreiter aus der Zeit des Widerstands während der NS-Zeit, eine neue Wohnung im nunmehrigen britischen Sektor organisiert. Allerdings mussten bei der damals unter großen Schwierigkeiten durchgeführten Übersiedlung viele der bereits zerstörten Familienstücke (Ölgemälde, Mobiliar, Familienarchiv etc.) zurück gelassen werden, die später durch Diebstahl und Vandalismus (das Archiv wurde großteils eingeheizt) endgültig verloren gingen.
1946 begann der nach Wien zurückgekehrte Wolfgang (VI.) Rechts-Wissenschaften zu studieren und wurde, wie alle vier Generationen zuvor, Jurist. 1957 heiratete er Monika Zacherl, die Tochter des Nobiluomo Univ.-Profs. Dr. Hans Zacherl und der Berta Böhm (aus dem bayrischen Bankhaus Adolf Böhm). Monika Zacherl (*1935) stammte aus einer erzkatholischen und ehemals einer der vermögendsten Fabrikanten-Dynastien Österreichs. Ihr Vater, Univ.-Prof. Dr. Hans Zacherl, war (wie Wolfgangs Vater Baron Simon III.) nach dem Einmarsch Deutscher Truppen in Österreich 1938 auf Grund seiner religiösen Überzeugung seiner Ämter als Vorstand der Grazer Frauenklinik und als Universitäts-Professor enthoben worden. Nobiluomo Univ.-Prof Dr. Hans Zacherl, später Dekan der Medizinischen Fakultät und Vorstand der Universitätsfrauen-Klinik in Wien, war Ritter des päpstlichen Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem. Sein Vater, der Fabrikant Johann Evangelist Zacherl (Monikas Großvater), war einer der größten und wichtigsten Förderer der "österreichischen katholischen Leogesellschaft" gewesen, die wiederum Wolfgangs Großvater (Simon II. de Hagenauer, Barone Romano) 1892 mitgegründet hatte. Dr. Wolfgang Hagenauer wurde schließlich Staatsbeamter in der Niederösterreichischen Landesregierung mit dem Titel eines wirklichen Hofrats. Unter anderem wurde er auch Mitbegründer des Alpenforums sowie Präsident der "Ornithologischen Gesellschaft Österreich"s. Er war, wie bereits sein Vater und sein Großvater zuvor, der jeweils letzte lebende männliche Hagenauer des Wiener Zweiges, setzte aber ebenfalls die Linie fort. Seine Söhne sandte er auf das Salzburger Internat Werkschulheim Felbertal, in die Heimat seiner Ahnen. Zahlreiche Nachkommen der Baroni de Hagenauer leben in Wien.
Quelle
- alle Quellenangaben siehe Hauptartikel Hagenauer