Änderungen

K
+ Link über den Möllstollen
Zeile 1: Zeile 1: −
Der '''Möllüberleitungsstollen''' ist ein Teil der [[Tauernkraftwerke Kaprun]].
+
Der '''Möllüberleitungsstollen'''<ref>möglicherweise auch Margaritzenüberleitungsstollen genannt</ref> verbindet den [[Speicher Margaritze]] in [[Heiligenblut]] in [[Kärnten]] mit dem [[Stausee Mooserboden]] in [[Kaprun]] im [[Bundesland Salzburg]]. Er gehört zu den [[Tauernkraftwerke Kaprun|Tauernkraftwerken Kaprun]].
   −
==Funktion==
+
== Geschichte ==
Er leitet das Wasser vom [[Stausee Margaritze]], der sich bereits auf [[Osttirol]]er Seite des [[Alpenhauptkamm]]s in der [[Glocknergruppe]] befindet, in den [[Stausee Mooserboden]].
+
Der Speicher Margaritze und der Überleitungsstollen sind die (kläglichen) Reste eines gigantischen Kraftwerkplans, den in den [[1920er]]-Jahren der damalige Salzburger [[Landeshauptmann]] Dr. [[Franz Rehrl]] realisieren wollte. Er sollte die Anfänge der Errichtung der Tauernkraftwerke Kaprun darstellen und mit dem Bau der [[Großglockner Hochalpenstraße]] zusammenhängen. Auf die Nutzung der Wasserkraft zurückgreifend, ließ  Rehrl [[1928]] ein gigantisches Projekt vorbereiten: die Tauernkraftwerke sollten mit jährlich 3,3 Milliarden Kubikmetern Wasser aus dem Gebiet der [[Zentralalpen]] im Bereich der [[Hohen Tauern]] aus [[Kärnten]], [[Osttirol]] und Salzburg 6,6 Milliarden kWh produzieren. 1&nbsp;250 Kilometer Hangkanäle zum Sammeln des Wassers aus der Bergwelt vom [[Johannisberg]] im Westen bis zur [[Ankogelgruppe]] im Osten. Aber daraus wurde nichts (siehe [[Tauernkraftwerk-Projekt der 1920er-Jahre]]).
   −
==Technische Daten==
+
Der Vortrieb des Stollens erfolgte von drei Stellen: vom [[Mooserboden]] nach Süden, von der [[Pasterze]] nach Norden, beginnend in der Nähe des [[Glocknerhaus]]es und vom [[Käfertal]], einem südlichen Seitental des [[Fuscher Tal]]s. Da der Stauknoten des [[Stausee Mooserboden|Stausees Mooserboden]] höher liegt, musste ein Pumpwerk beim Speicher Margaritze erbaut werden.  
Er hat eine Länge von 11,6 km bei einem Querschnitt zwischen 2,90 bis 3,40 m und einen Durchlass von 20 m³ Wasser pro Sekunde. Sein Gefälle beträgt durchschnittlich 3,4 Promille.
     −
Im gebrächen Gebirge ist er mit Beton ausgekleidet, der 290 kg pro m² Druck aushält. Im standfesten Gebirge verläuft er ohne weitere technische Hilfsmaßnahmen.
+
Am [[24. Jänner]] [[1952]] explodierte im Möllüberleitungsstollen eine "stehengebliebene" Sprengladung unter einem Kompressorhammer. Durch die Explosion wurden einem Mineur beide Beine abgerissen. Der Arbeiter war auf der Stelle tot.<ref>[https://www.sn.at/archivsn?img=Z4XBBJ7Hz7cX9Gxc0SSPfC8Vddl3OCXoAFlv4TKs7zWhRQboBFb%2BhtItWg9H17%2Bro9z5HwPoVnA66QidtkOFximXg6INRJDbdBYfboOuv7NcbpvCvIfhMmPdRwOh%2BxtE&id1=19520126_05&q=Margaritze#sn-archiv-5  www.sn.at], Archiv der "[[Salzburger Nachrichten]]", Ausgabe vom 26. Jänner 1952</ref>
   −
==Verlauf==
+
In der Nacht vom [[21. Mai|21.]] auf [[22. Mai]] [[1953]] wurde der Möllüberleitungsstollen fertig gestellt. Die Bauzeit hatte drei Jahre betragen, der Durchschlag erfolgte im Mai 1952.<ref>[https://www.sn.at/archivsn?img=bluAAMN0mLhyyrLF1QvbCXoGssiSXU5w7EU8QAC6ysN%2F81x%2FZ%2BEgOg2UJsrMI9RtX3y5PawHr4vQtdiASobItlwW55ZS8GnPEN70YQIhsoaQfcDX9v6IzMGGzrExjgEv&id1=19530523_05&q=Margaritze#sn-archiv-5 www.sn.at], Archiv der "Salzburger Nachrichten", Ausgabe vom 23. Mai 1953, Seite 5</ref> Die Bauarbeiten am Möllpumpwerk dauerten noch an.
Der {{PAGENAME}} verlässt den Stausee Margaritze am nördlichen Ende und verläuft exakt nach Norden bis auf Höhe südliches [[Fuscher Tal|Ferleitental]]/[[Käfertal]], wo er eine nordnordwestliche Richtung westlich unter dem [[Wiesbachhorn|Großen Wiesbachhorn]] nimmt und am nordöstlichen Ende der [[Drossensperre]] mündet.
     −
==Quelle==
+
==Beschreibung==
* ''Tauernkraftwerke Kaprun'', J. Götz, 1958
+
Der Stollen hat eine Länge von 11,6 km bei einem Querschnitt zwischen 2,90 bis 3,40 m und einen Durchlass von 20 m³ Wasser pro Sekunde. Sein Gefälle beträgt durchschnittlich 3,4 Promille. Im gebrächen Gebirge ist er mit Beton ausgekleidet, der 290 kg pro m² Druck aushält. Im standfesten Gebirge verläuft er ohne weitere technische Hilfsmaßnahmen.
 +
 
 +
Das Möllpumpwerk hat zwei Maschinensätze mit horizontaler Welle, die 495 Umdrehungen pro Minute leistet. Die einstufigen Zentrifugalpumpen mit doppelseitigen Zulauf werden durch Asynchronmotoren  mit 10 kV je 6&nbps;700 kW. Die Förderleistung des Pumpwerks beträgt maximal 20 m³ pro Sekunden, die Förderhöhe maximal 20 Meter.
 +
 
 +
Der Überleitungsstollen führt in ganz leicht nordwestliche Richtung unterirdische vom nordöstlichen Ende des Speichers Margaritze wenige Meter westlich des [[Glocknerhaus]]es unter dem [[Bretterboden]], dem [[Nassfeld-Speicher]], westlich des [[Sinwelleck]]s, westlich des Südendes des [[Käfertal]]s, den beiden [[Bratschenköpfe]]n an das untere Ende der [[Drossensperre]], einer der beiden Staumauern des Speicher Mooserbodens. Von dort wird das Wasser in den Druckstollen Oberstufe eingespeist und weiter nördlich transportiert.
 +
 
 +
== Weblinks ==
 +
* Lage auf [https://maps.bev.gv.at/#/center/12.7786,47.0813/zoom/14 AMap] (aktualisierter Datenlink 26. August 2023)
 +
* [https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=san&datum=19530320&query=%22Schranne%22&ref=anno-search&seite=5 ANNO], "[[Salzburger Nachrichten]], Ausgabe vom 20. März 1953, Seite 5: "Umbruch der Natur in Kaprun. Vollendung des Möllstollens bis 20. April. Kärntner Gletscherwasser fließt nach Salzburg. Neue Gestalt der Drossensperre. Besuch im winterlichen Reich der Energie-Giganten."
 +
 
 +
== Quellen ==
 +
* Dr. Ing. J. Götz: ''Das Tauernkraftwerk Glockner-Kaprun der Tauernkrafwerke Aktiengesellschaft'', 8. Auflage, Februar 1958  
 +
* [[Franz Wallack|Wallack, Franz]]: ''Die Großglockner Hochalpenstraße - die Geschichte ihres Baues'', zweite Ausgabe, anlässlich der 25-Jahr-Feier der Großglockner Hochalpenstraße, 1960, Springer Verlag, Wien
 +
{{Quelle AMap}}
 +
== Einzelnachweise==
 +
<references/>
    
{{Tauernkraftwerke Kaprun}}
 
{{Tauernkraftwerke Kaprun}}
Zeile 22: Zeile 35:  
[[Kategorie:Kraftwerk (Geschichte)]]
 
[[Kategorie:Kraftwerk (Geschichte)]]
 
[[Kategorie:Wasser]]
 
[[Kategorie:Wasser]]
[[Kategorie:Alpen]]
   
[[Kategorie:Ostalpen]]
 
[[Kategorie:Ostalpen]]
 
[[Kategorie:Zentralalpen]]
 
[[Kategorie:Zentralalpen]]
 
[[Kategorie:Hohe Tauern]]
 
[[Kategorie:Hohe Tauern]]
[[Kategorie:Tirol]]
+
[[Kategorie:Kärnten]]
[[Kategorie:Osttirol]]
   
[[Kategorie:Pinzgau]]
 
[[Kategorie:Pinzgau]]
 +
[[Kategorie:Kaprun]]