Heroisch und verklärt. Der Bauernkrieg im Spiegel von Kunst und Diktatur.

Heroisch und verklärt. Der Bauernkrieg im Spiegel von Kunst und Diktatur ist der Titel einer Sonderausstellung des Salzburg Museums, die im Nordoratorium des DomQuartiers vom 8. November 2025 bis 27. April 2026 gezeigt wird.

Blick in das Nordoratorium.

Der Bauernkrieg im Spiegel von Kunst und Diktatur

Zwischen 1524 und 1526 erschütterte ein Aufstand ungekannten Ausmaßes Mitteleuropa: Hunderttausende Bauern, Handwerker und Bürger erhoben sich gegen die Unterdrückung durch Adel und Klerus. Sie kämpften für Gerechtigkeit, religiöse Freiheit und soziale Teilhabe – und wurden doch blutig niedergeschlagen. Auch im Fürsterzbistum Salzburg erreichte der "Große Deutsche Bauernkrieg" 1525 seinen Höhepunkt und brachte das geistliche Fürstentum an den Rand des Zusammenbruchs. 500 Jahre später erinnert das Salzburg Museum mit einer Gastspiel-Ausstellung im Nordoratorium des Salzburger Doms an diese dramatische Zeit.

"Ausgehend von den Ereignissen im Fürsterzbistum Salzburg 1525/26 zeigt die Schau, wie Kunst und Literatur den Aufstand des 'gemeinen Mannes' über Jahrhunderte gedeutet, überhöht und instrumentalisiert haben – bis hin zum Missbrauch durch autoritäre Regime im 20. Jahrhundert. Die Ausstellung schlägt den Bogen in die Gegenwart und zeigt, wie Bilder Geschichte prägen – und wie Geschichte Bilder prägt", betont Andrea Stockhammer, Direktorin des DomQuartiers.

 
Szene aus dem Bauernkrieg im 16. Jahrhundert.

Die Entstehungsgeschichte für die Ausstellung

Die Ausstellung möchte den Besuchern das historische Ereignis des Deutschen Bauernkriegs wieder ins Gedächtnis rufen – einen Konflikt, der vor 500 Jahren weite Teile Mitteleuropas und auch das Land Salzburg in Atem hielt. Es soll gezeigt werden, wie dieser und spätere Massenaufstände in Kunst und Kultur nachfolgender Epochen interpretiert wurden. Ein Schwerpunkt liegt darauf, wie das Thema "Bauernkrieg" in den autoritären Regimen und Diktaturen des 20. Jahrhunderts für politische Zwecke instrumentalisiert und propagandistisch missbraucht wurde.

 
Darstellung der Belagerung der Festung Hohensalzburg 1526.

"Die Ausstellung "Heroisch und verklärt" bringt sehr viel Selbstverständnis von kuratorischer Arbeit im Salzburg Museum auf den Punkt. Einerseits durch den Ansatz der Ausstellung, Geschichte, Kunst und Kultur zu verschränken und damit ein für Salzburg bedeutendes Kapitel interdisziplinär und auf verschiedenen Ebenen vermitteln zu können. Andererseits durch das Bewusstsein, dass jede Ausstellung unabhängig von ihrem Thema vom Standpunkt der Gegenwart aus kuratiert werden muss. So war das Jahr 2025 Gedenk- und Erinnerungsjahr "80 Jahre Ende des Zweiten Weltkriegs – 80 Jahr Befreiung vom Nationalsozialismus" expliziter Anlass, das Thema Bauernkrieg im Spiegel von Kunst und Diktatur zu beleuchten.

Eben auch als "Sichtbarmachung, wie der Bauernkrieg vom Nationalsozialismus instrumentalisiert wurde und welche Spuren sich hiervon nach 1945 in Salzburg finden lassen", erklärt Martin Hochleitner, Direktor des Salzburg Museums.

Die in der Ausstellung gezeigten Objekte stammen zum großen Teil aus der Sammlung des Salzburg Museums. Die Auswahl wird durch Leihgaben von Partnern sowie Reproduktionen von Kunstwerken und grafische Illustrationen ergänzt. Die Gastspiel-Ausstellung des Salzburg Museums ist Teil des Projektes "Bauernkrieg 1525/1526 in Salzburg" des Landes Salzburg, das zahlreiche Veranstaltungen anlässlich der 500. Wiederkehr der historischen Ereignisse im Land Salzburg koordiniert.

Raum und Zeit in sieben Kapiteln verteilt

Raum 1 – Der Bauernkrieg in Salzburg und seine frühe Rezeption

 
das Albrecht Altdorfer zugeschriebene Porträt von Fürsterzbischof Matthäus Lang von Wellenburg.

Das erste Kapitel thematisiert die historischen Grundlagen des Salzburger Bauernkriegs im europäischen Kontext. Einleitend werden anhand einer Überblickskarte in Verbindung mit einer Timeline die bedeutendsten Ereignisse im Bauernkrieg (1524–1526) in Mitteleuropa dargestellt. Anschließend widmet sich die Schau den Geschehnissen im Salzburger Bauernkrieg (1525–1526), wobei exemplarisch bedeutende Akteure und Schauplätze dieses Konflikts vorgestellt werden. Eine animierte Karte veranschaulicht den Verlauf der Ereignisse im Land Salzburg – vom Beginn des Aufstands im Mai 1525 bis zu seinem Ende im Sommer 1526. Höhepunkte in diesem Teilbereich sind das Albrecht Altdorfer zugeschriebene Porträt von Fürsterzbischof Matthäus Lang von Wellenburg sowie eine Original-Urkunde zum (vorläufigen) Friedensschluss zwischen den Aufständischen und dem Fürsterzbischof am 31. August 1525.

"Der Salzburger Bauernkrieg ist ein Wendepunkt der Geschichte des Landes Salzburg: hätten die Aufständischen 1525/26 obsiegt und ihren Landesherrn, den Fürsterzbischof Matthäus Lang von Wellenburg, tatsächlich abgesetzt, so wäre Salzburg wohl [wieder] ein Teil des Herzogtums Bayern geworden. Die Mozartstadt wäre heute möglicherweise eines der beliebtesten Touristenziele in Deutschland. Es sollte anders kommen. Die endgültige Niederlage der Aufständischen im Sommer 1526 führte dazu, dass das geistliche Fürstentum Salzburg mit seinen Fürsterzbischöfen an der Spitze noch fast 300 Jahre ein eigenständiges Land blieb – und nach den Wirren der napoleonischen Kriege letztlich ein Teil Kaisertums Österreich wurde", schildert Ausstellungskurator Andreas Zechner, Historiker am Salzburg Museum, die historischen Grundlagen des Bauernkriegs in Mitteleuropa und Salzburg.

 
nicht belegten Bauernhauptmann Matthias Stöckl mit Rüstung und Schwert.

Das zweite Kapitel im ersten Raum widmet sich der frühen Rezeption des Bauerkriegs in der Bildenden Kunst. Gezeigt werden u.a. eine von Albrecht Dürer entworfene Siegessäule zur Feier des Sieges über die aufständischen Bauern aus einem Geometrie-Lehrbuch (Ende 1525) sowie Darstellungen des schon in der Frühen Neuzeit in der Festung Hohensalzburg zur Schau gestellten "Bauernkriegs-Memorials" – einer Sammlung von Waffen aus dem Salzburger Bauernkrieg, darunter auch Holzkanonen (eine davon wird aktuell im Festungsmuseum präsentiert), mit dem historisch nicht belegten Bauernhauptmann Matthias Stöckl mit Rüstung und Schwert im Zentrum.

"Der Bauernkrieg verbreitete sich ab 1524 wie ein Lauffeuer in unterschiedlichen Gesellschaftsschichten sowie auf einem riesigen geografischen Gebiet. Diese rasante Dynamik erwischte die Obrigkeit kalt und war wesentlich auf die Erfindung der Druckgrafik zurückzuführen. Seine mediale Verbreitung machte den Bauernkrieg zu einem frühen 'Social Media'-Ereignis europäischer Geschichte – ein Umstand, dem die Revolte auch ihre anhaltende Präsenz in Kunst und Literatur nachfolgender Jahrhunderte verdankte", bekräftigt Ausstellungskuratorin Cornelia Mathe, Kunsthistorikerin am Salzburg Museum.

Raum 2 – Den Aufstand ins neue Licht rücken

Das dritte Kapitel ist der künstlerischen Rezeptionsgeschichte des Deutschen Bauernkriegs (1524–1526) und späterer bäuerlicher Revolten (darunter der Oberösterreichische Bauernkrieg 1625/26 und der Tiroler Volksaufstand von 1809) im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert gewidmet.

 
Käthe Kollwitz (* 1867; † 1945), die Gefangenen © Salzburg Museum.

Nach der Märzrevolution von 1848 wurden die Ereignisse des Deutschen Bauernkriegs ideengeschichtlich neu bewertet und avancierten zu einer beliebten Projektionsfläche sowohl sozialistischer als auch nationalkonservativer Strömungen. Die Aufständischen wurden einerseits als Vorreiter im Kampf der Arbeiterklasse um politische Mitbestimmung und die Verbesserung ihrer Lebensumstände betrachtet und andererseits als Archetypen des "gemeinen Mannes" gesehen, der sich im Kampf um angestammte Rechte und die Verteidigung seiner "Heimat" erhebt. Die Rezeptionsgeschichte wird anhand der Werke ausgewählter Künstlerpersönlichkeiten exemplarisch aufgearbeitet, darunter Albin Egger-Lienz mit seinem "Totentanz" und Käthe Kollwitz mit dem Zyklus "Bauernkrieg".

Raum 3 – Zeiten des Umbruchs im neuen Zeitalter

Das vierte Kapitel befasst sich mit der Rezeption des Bauernkriegs in der Kunst der 1920er- und 1930er-Jahre. Nach dem Ersten Weltkrieg und dem Zerfall der Habsburgermonarchie wurde bäuerlichen Revolten in der Frühen Neuzeit in der Ersten Republik identitätsstiftende Bedeutung zugemessen. In Literatur und Kunst wird in dieser Zeit eine zunehmende Interpretation des Bauernkriegs vor dem Hintergrund nationalistischer Strömungen erkennbar.

 
Aloys Wach (* 1892; † 1940), Bauernkrieg 1626, Blatt I (Versammlung der Bauern), 1924, Radierung © Salzburg Museum (Ankauf 2024).

In der Zeit des Nationalsozialismus (Kapitel 5) kam ein verstärkt deutschnationales, rassistisch-völkisches Moment hinzu: Die Aufständischen im Bauernkrieg wurden im Sinne der "Blut-und-Boden"-Ideologie zu Märtyrern im Kampf um das "Recht des deutschen Volks auf Lebensraum" stilisiert und in der politischen Propaganda instrumentalisiert. Prägnante künstlerische Beispiele in Raum 3 sind Werke des aus dem Gasteinertal stammenden Fritz Dürnberger und der beiden Oberösterreicher Karl Reisenbichler und Aloys Wach, die Begebenheiten aus dem Salzburger und Oberösterreichischen Bauernkrieg illustrieren sowie Aufständische in historisierender Kleidung und Bewaffnung darstellen.

"Nationalsozialismus und Kommunismus beanspruchten den Bauernkrieg gleichermaßen für sich – eine bewusste Instrumentalisierung im historischen Gewand, die es heute, im 500. Gedenkjahr, umso wichtiger erscheinen lässt, den Versuch zu wagen, den Bauernkrieg von 1524-1526 differenziert und neutral zu betrachten, als das, was er ist: Eine historische Aufstandsbewegung, die Althergebrachtes ins Wanken brachte und damit die europäische Geschichte entscheidend prägte", erläutert Kuratorin Cornelia Mathe aus medialer historischer Sicht.

Raum 4 – Alte Themen, neue Interpretation im Hier und Jetzt

Die Rolle des Themas "Bauernkrieg" als ideologisches Werkzeug in der NS-Zeit wird auch im sechsten Kapitel behandelt. Das historische Ereignis wurde in der regimetreuen Kulturszene der 1930er- und 1940er-Jahre nicht nur in der Bildenden Kunst, sondern auch im Theater rezipiert. Auch Straßenzüge wurden nach "Helden" aus dem Bauernkrieg benannt, so im Salzburger Stadtteil Parsch (Fadingerstraße, Geißmayerstraße, Sezenweingasse, Neufanggasse, Stegerstraße, Stöcklstraße, Unpildstraße). Exponate zum Thema sind unter anderem ein heroisierendes Bauern-Gemälde des NS-Künstlers Ludwig Ehrenberger, Fotografien von der Aufführung eines Theaterstücks zum Bauernkrieg durch die Salzburger Hitlerjugend auf dem Kapuzinerberg (1943) sowie aktuelle Aufnahmen von Straßenszenerien im Salzburger Stadtbild mit Bezug zum Bauernkrieg.

Das siebente und letzte Kapitel der Ausstellung widmet sich zunächst der Rolle des Bauernkriegs in den kommunistischen Regimen der Nachkriegszeit. Der radikale Prediger Thomas Müntzer, der prägendste Akteur des Bauernkriegs im heutigen Thüringen (1525), wurde mit seiner Forderung einer neuen, egalitären Gesellschaftsordnung von marxistischen Ideologen seit dem 19. Jahrhundert zur zentralen Figur im Deutschen Bauernkrieg stilisiert. In der DDR erfuhr seine Person eine nahezu kultische Verehrung als Vorbild des nun verwirklichten kommunistische Staates. Die Bedeutung Müntzers verdeutlichen mehrere DDR-Verfilmungen seines Lebens, die in der Ausstellung in der Form eines Filmplakates präsent sind.

Abschließend rückt die Rezeptionsgeschichte des Bauernkriegs in der jüngsten Vergangenheit in den Fokus. Im 500. Gedenkjahr ist die Bedeutung des historischen Ereignisses ungebrochen – wird der Bauernkrieg in Wissenschaft, Literatur, bildender und darstellender Kunst abermals aufgegriffen. Eine Fotografie des im Frühjahr 2025 im thüringischen Mühlhausen errichteten Bauernkriegsdenkmals – basierend auf dem Entwurf von Albrecht Dürer (1525) – zeigt, dass der Bauernkrieg heute in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist. Videoaufnahmen des Laienspiels "Der Aufstand" zum Salzburger Bauernkrieg im Juni 2025 auf der Festung Hohenwerfen verdeutlichen, dass die Rebellion vor 500 Jahren auch in Salzburg präsent ist und immer wieder neu interpretiert wird.

Bildergalerie

Quellen