Schneeräumung am Flughafen Salzburg im Zeitraffer, 22 sek. Video

Chronik des Jänners 2019

Einleitung

Nach Weihnachten 2018 ohne Schnee und einem regnerischen Silvesterabend begann der Jänner 2019 stürmisch und mit viel Schnee. Das Ungewöhnliche am Wetter der folgenden Tage war der anhaltende Schneefall, der in dieser Form schon jahrelang nicht mehr im Land Salzburg erlebt wurde.

Das Salzburgwiki versucht hier die wichtigsten Ereignisse und Daten zu sammeln.

Ereignisse

  • 4. Jänner, Freitag: Im Hinblick auf die am Wochenende zu erwartenden starken Schneefälle traten bereits zahlreiche Urlauber in Obertauern ihre verfrühte Heimreise an. Am Nachmittag musste die Tauernautobahn zwischen Flachauwinkl und dem Tauerntunnel für eine Stunde gesperrt werden. Am Benzegg, einem 2 076 m hohen Berg, musste an bekannten Lawinenstrichen gesprengt werden. An den drei angepeilten Orten detonierten in Summe sechs Sprengladungen mit je zwei Kilogramm Lawinensprengstoff. In den Salzburger Berge herrschte Lawinenwarnstufe 4.
In Obertauern waren alle Räumgeräte im Einsatz, um den Neuschnee von Straßen und Parkplätzen zu bringen.
Trotz des dichten Schneetreibens und Lawinenwarenstufe 4 riskierten Skifahrer und Snwoboarder ihr Leben. In Abtenau wurde ein einheimischen Paar (28 und 23 Jahre) vermisst, das sich mit Schneeschuhen zur Schindlmaisalm zu einer Wildfütterung auf rund 1 000 m ü. A. aufgemacht hatte und von einer Staublawine erfasst wurde. Beide konnten Tage später nur mehr tot geborgen werden. In Werfenweng brachten sich Snowboarder in große Gefahr. Keine Rettung gab es für eine 20-jährige Skitourengeherin am Samstagnachmittag. Bei der Abfahrt von der 1 270 m ü. A. gelegenen Stoißer Alm auf dem Teiseberg im Rupertiwinkel wurde sie in einem Steilhang von einer Lawine erfasst und verschüttet.
Ein deutscher Snowboarder musste die Nacht von Samstag auf Sonntag im Freien verbringen, nachdem er auf der Schmittenhöhe in einen Lawinenhang geraten war. Während der Bergung am Sonntagnachmittag fuhren drei weitere Snowboarder in den Hang ein und mussten ebenfalls gerettet werden.
Nahe Maria Alm am Steinernen Meer überlebte ein 53-jähriger Betreiber eine Skischule im Bereich der Schwalbenwand unter einer Lawine.
Unverantwortlich gingen am Samstagabend unbekannte Täter vor, die an der wegen Lawinengefahr gesperrten Katschberg Straße (B 99) nahe Tweng die Bolzen zweier Sperranlagen aufgebrochen hatten und offensichtlich weiterfuhren.
Im Flachgau standen Dutzende Feuerwehren im Einsatz beim Beseitigen von umgestürzten Bäumen auf Fahrbahnen. Insgesamt meldete die Landeswarnzentrale 240 Einsätze im gesamten Bundesland, an denen 67 Feuerwehren mit rund 1 550 Helfern in Einsatz waren.
Gegen fünf Uhr in der Früh kam der ÖBB-Nightjet von Graz nach Zürich im Bereich von Leogang auf offener Strecke zum Stehen. Ein umgestürzter Baum war in die Stromleitung gefallen, die Lok riss den Stamm und die Oberleitung meterweit mit. Die rund 300 Passagiere wurden in die letzten vier Waggons gebeten, die von einer Diesellok in den Bahnhof Saalfelden gezogen wurden. Nach fünf Stunden war der Schaden behoben und der Zug konnte weiterfahren.
Im Skigebiet von Zauchensee konnte ein 35-jähriger Slowene nur mehr tot geborgen werden. Er dürfte bei einer Variantenabfahrt gestürzt sein und war in dem mehr als einen Meter hohen Tiefenschnee steckengeblieben.
In St. Koloman im Tennengau war so viel Schnee gefallen, dass der Bürgermeister die Bewohner aufrief, zu Hause zu bleiben, nachdem zwei Lawinen auf Gemeindestraßen abgegangen waren. Volksschule und Kindergarten blieben Montag und Dienstag geschlossen.
Gegen 09 Uhr waren laut Salzburg AG rund 1 500 Haushalte im Land ohne Strom. Betroffen waren vor allem Faistenau, Fuschl am See und Hintersee sowie Abtenau, Annaberg-Lungötz und St. Koloman.
In Koppl gab das Dach einer Gärnterei unter den Schneemassen nach und brach ein. Wiederum 1 500 Feuerwehrleute waren im Land im Einsatz. In Abtenau wurde das seit Samstag vermisste junge Paar, ein aus Kuchl stammender 28-Jähriger und seine aus Hallein-Rif stammende 23-jährige Freundin nur mehr tot gefunden.
Am Obertauern saßen immer noch Tausende Urlauber fest, da die Straße nach einige Stunden wieder wegen Lawinengefahr gesperrt werden musste.
  • 9. Jänner, Mittwoch: Zell am See: Bergretter holen neun Skifahrer aus Tiefschnee: Trotz Lawinenwarnstufe 4 waren auf der Schmittenhöhe in Zell am See am Mittwoch neun Skifahrer abseits der gesicherten Piste unterwegs - eine Notsituation war fast unvermeidlich. Die Gruppe aus Polen, Ungarn, Ukraine und Russland konnte zirka eine Stunde später von der Bergrettung, die mit zwölf Mann ausgerückt war, lokalisiert werden.[1]
Es galt Warnstufe 5: Lawinengefahr bleibt extrem. Das war zuletzt in den Jahren 1999 und 2009 der Fall.[2]
Am 10. Jänner waren im Land Salzburg ca. 9 600 Personen nicht durchgängig mit Fahrzeugen erreichbar. Davon rund 6 000 in Obertauern. In Salzburg sind neben Obertauern auch der Ortsteil Rengerberg in Bad Vigaun, Rußbach am Paß Gschütt und Weißbach bei Lofer nicht erreichbar. Sehr erschwert erreichbar war St. Koloman. In Adnet war ein Zweitwohnsitzgebiet und ein Gehöft abgeschlossen. Auf der Rudolfshütte in Uttendorf waren 350 Gäste eingeschlossen. Die Evakuierung war für Freitag, 11. Jänner, geplant.[2]
Wegen der Schneemassen musste am Donnerstagvormittag sogar die Getreidegasse und Teile der Sigmund-Haffner-Gasse gesperrt werden. Die Weihnachtsbeleuchtung hatte gegen neun Uhr der Last nachgegeben. Durch das Gewicht waren es schon die Wandhaken herausgerissen worden.[2]
Immer wieder fiel in den stark von Schnee betroffenen Gebieten Strom aus. Am Donnerstagnachmittag waren rund 900 Haushalte in Salzburg ohne Strom. Hauptbetroffen waren die Gemeinden Weißbach bei Lofer, Rußbach, Bad Vigaun, Annaberg-Lungötz sowie das Heutal in Unken. Vor allem im Flachgau sorgten unter der Schneelast gebrochene Bäume für Störungen. Behinderungen gab es zuletzt auch in Lamprechtshausen, Faistenau, Hintersee und St. Gilgen. Rund 400 Haushalte, vor allem im Raum Eugendorf, waren ohne Telekom-Verbindung.[2]
In Salzburg waren am Donnerstag laut einer Informationen der Bildungsdirektion 26 Schulen geschlossen geblieben. Sechs Schulen im Flachgau, zwölf im Tennengau, zwei im Pongau, fünf im Pinzgau und eine im Lungau blieben zu. Die meisten der am Donnerstag von einer Sperre betroffenen Schulen befanden sich im Tennengau, und hier vor allem im Lammertal.[2]
Seit Donnerstagmittag war die Bahnstrecke zwischen dem Bahnhof Golling-Abtenau und Werfen unterbrochen, Zugfahrten sind in diesem Bereich nicht möglich. Wie die ÖBB mitteilten, ist dort im Nahbereich der Bahntrasse in der Nähe des Ofenauer Tunnels gegen Mittag eine Staublawine abgegangen. "Es ist kein Zug betroffen, es gibt also auch keine Verletzen", sagt ÖBB-Sprecher Christoph Gasser-Mair. Gleise wurden nicht verschüttet. Ein Schienenersatzverkehr wurde eingerichtet.[2]
Im Skigebiet Maria Alm am Steinernen Meer (Pinzgau) waren Personen in den Gondeln der "Sinalco-Bahn" eingeschlossen. Ein Baum war auf die Seile der Bahn gekracht. Sechs Personen wurden von der Bergrettung aus den Gondeln geborgen und mit Pistenbullys ins Tal gebracht.[3]
Am Freitag waren dann zusätzlich einige Schulen im Flachgau geschlossen. Auch in Eugendorf oder Henndorf am Wallersee fiel der Unterricht am Freitag aus.[2]

Menschen helfen Menschen

Die dreifache Mutter Astrid Hohenwarter in Weißbach bei Lofer ist "First Responder" beim Roten Kreuz und seit Tagen in einer besonders schwierigen Situation. "Weißbach mit seinen 420 Bewohnern ist derzeit von der Außenwelt abgeschnitten. Als Sanitäterin bin ich mit einer hier wohnhaften Krankenschwester die einzige Anlaufstation bei medizinischen Notfällen", sagte die 43-Jährige. Sie ist mit einem Defibrillator, Absauggerät, Sauerstoff und Verbandsmaterial gut ausgerüstet. Mit dem Allradauto kann sie gemeinsam mit der Feuerwehr bei Notfällen zu den Patienten fahren. Ein Dialyse-Patient wurde noch vor der Sperre ins Spital gebracht. "Es ist zwar ein beklemmendes Gefühl, aber im Dorf halten sie alle zusammen", so Hohenwarter.

Stellvertretend für die rund 1 300 ehrenamtlich aktiven Retter erzählte Christian Schartner aus Oberalm: "Ich habe ein Vermessungsbüro mit 18 Angestellten, aber wenn wir gerufen werden, muss ich alles liegen und stehen lassen. So wie kürzlich, als es galt, elf eingeschneite bayerische Urlauber von einer Hütte am Tauglboden in der Nacht unter hoher Lawinengefahr sicher herauszubekommen." Christian Schartner ist mittlerweile Ortsstellenleiter der Bergrettung in Hallein und seit 17 Jahren ehrenamtlicher Helfer. "Ich bin selbst im Juni 1986 bei einer Tour in der Dachstein-Südwand in akute Bergnot geraten, habe über Nacht in der Wand biwakieren müssen, ehe mich die Bergrettung geborgen hat. In der Folge stand für mich fest, dass ich in Zukunft auch anderen helfen will. Das ist eine schöne Sache und die Dankbarkeit der Menschen ist der Lohn. Wöchentliche Übungen, die Einsätze und permanentes körperliches Training sind es wert."

Das sehen auch die Helfer des Bundesheers, die im Katastrophenfall angefordert werden, so. Wie Fabian Schaffler vom Pionierbataillon 2, das derzeit mit zwei Zügen bei Minusgraden und Schneefall in Thalgauegg und Hintersee im Einsatz ist. Es gilt Bäume zu fällen, die auf die Straßen zu stürzen drohen. "Helfen in Friedenszeiten war mein Motiv, dass ich zum Heer gegangen bin", so der Elsbethener. "Die betroffenen Menschen sind froh, wenn wir da sind, und wir spüren, dass wir gebraucht werden. Das motiviert uns ungemein."

Stellenweise Schneemengen wie nur alle 30 bis 100 Jahre

In Hochfilzen fielen vom 1. bis 10. Jänner 311 Zentimeter Neuschnee, in Bad Mitterndorf rund 280 cm, in Seefeld 208 cm, in der Ramsau am Dachstein und in Lofer rund 170 cm. "Grob kann man sagen, dass diese Neuschneemengen selbst im klassischen Nordstau oberhalb von etwa 800 Meter Seehöhe statistisch gesehen nur alle 30 bis 100 Jahre vorkommen. Das gilt vor allem für die Regionen vom Tiroler Unterland über Salzburg bis hin zur Dachstein- und Hochkarregion. Weiter im Westen und Süden sind die Schneemengen auch im Bergland deutlich geringer", sagt Alexander Radlherr von der ZAMG.[4]

Quellen

Fußnoten

  1. Quelle www.sn.at/salzburg/chronik, abgefragt am 10. Jänner 2019
  2. 2,0 2,1 2,2 2,3 2,4 2,5 2,6 Quelle www.sn.at, abgefragt am 10. Jänner 2019
  3. Quelle www.salzburg24.at, abgefragt am 10. Jänner 2019
  4. Quelle www.sn.at/panorama, abgefragt am 10. Jänner 2019