ÖBB railjet
Der ÖBB railjet (RJ) ist ein Hochgeschwindigkeitszug der Österreichischen Bundesbahnen, der im grenzüberschreitenden Verkehr eingesetzt wird.
Allgemeines
Der erste ÖBB railjet verkehrte mit der Fahrplanumstellung am 14. Dezember 2008. Seither verkehren railjet-Züge in ganz Österreich und bis ins benachbarte Ausland (München in Bayern und Budapest in Ungarn. Die erste Fahrt mit Gästen fand im Bundesland Salzburg am 15. Oktober 2008 statt und führte aus Linz kommend über Salzburg und Schwarzach im Pongau nach Zell am See.
War seit Dezember 2008 jeweils nur eine Verbindung pro Tag in jede Richtung der Westbahnstrecke mit einem railjet bestückt, wurden ab 6. April 2009 zwei weitere Zugpaare von und nach Salzburg eingesetzt. Von Salzburg konnte man dann um 10:58, 12:58 und 18:58 Uhr nach München und um 10:54, 14:54 und 16:54 Uhr nach Wien fahren. Die Fahrzeit nach Wien betrug zwei Stunden 46 Minuten, nach München 01:33 Std. (2024: Salzburg Hauptbahnhof - Wien Hauptbahnhof: 02:25 Std.; die Fahrzeit nach München ist unverändert).
Ab 2010 fuhr der ÖBB railjet alle zwei Stunden zwischen München und Budapest sowie zwischen Innsbruck und Wien. Auf der Westbahn zwischen Salzburg und Wien verkehrten die railjets dann im Stundentakt.
Der Hochgeschwindigkeitszug war die erste Neuanschaffung von Fernreisewaggons der ÖBB seit den späten 1970er-Jahren. 67 Garnituren wurden bei Siemens bestellt. Zunächst 23, 2007 dann aber eine Option auf 44 weitere eingelöst. Das Investitionsvolumen für den Kauf betrug 816 Mill. Euro.
Die ÖBB railjet Garnitur 80 90-701 und die Taurus Loks 1016.034 und 1116.215 sind auf den Namen Spirit of Salzburg getauft. Innen- und Außengestaltung des Zuges stammen vom gebürtigen Salzburger Daniel Huber, der mit seiner Firma "Spirit Design" fürs Design des railjet verantwortlich zeichnet.
Für 2024 bestellten die ÖBB 19 weitere railjets der neuen Generation mit einem Investitionsvolumen in Höhe von rund 405 Millionen Euro aus der Rahmenvereinbarung mit Siemens Mobility. Damit werden insgesamt 27 Railjets der neuen Generation bis Herbst 2028 auf Schiene sein. Der erste railjet der neue Generation verkehrt seit 22. März 2024,[1] ab 8. April 2024 zwei Zugpaare auf der Brennerstrecke, eines zwischen München – Innsbruck – Bozen – Verona – Bologna und eines auf der Strecke München – Innsbruck.
Technische Daten
Der railjet wird von Siemens Österreich in Graz und Wien gefertigt.
Daten der ersten Generation
Der ÖBB railjet ist ein 185,5 Meter langer Wendezug mit Steuerwagen und sechs Zwischenwagen. Insgesamt hat der Zug 408 Sitzplätze. 16 in der Premium-, 76 in der First-, 316 in der Economy-Klasse. Der Zug hat ein Gesamtgewicht von 330 Tonnen. Der neue Zugtyp wird von einer Mehrsystem-Taurus-Lokomotive gezogen, die bis zu 230 km/h auf die Schiene bringt.
Entgegen der bislang in Österreich üblichen Einteilung in 1. und 2. Klasse verkehrt der railjet mit First, Business und Economy Class. Ein Fahrgastinformationssystem informiert während der Fahrt auf Monitoren über den Fahrtverlauf (Geschwindigkeit, verbleibende Fahrzeit bis zum nächsten Bahnhof, Verspätungen und Anschlussverbindungen im nächsten Bahnhof).
Daten der neuen Generation
Der neue railjet 2024 bietet durch seine neunteilige Ausführung eine Gesamtkapazität von 532 Sitzplätzen. 430 Sitze davon befinden sich in der Economy Class, 86 Sitze in der First Class und 16 Sitze in der Business Class. Durch den Niederflureinstieg in sieben der neun Wagen wird für alle Fahrgäste ein noch bequemeres Ein- und Aussteigen ermöglicht.
Die Ausstattung der neuen Generation von 2024 wurde bei den Sitzen wurde optimiert: Es gibt zwei Klapptische pro Platz für erweiterte Ablagemöglichkeiten, Fußstützen in allen Komfortklassen, integrierte Leselampen, zusätzliche Lademöglichkeiten per USB und induktiver Ladestation sowie verbesserte Sitzplatzbeschriftungen zur einfachen Orientierung. Die First Class und die Business Class sind mit Leder und Echtholz ausgestattet.
Sechs Fahrradstellplätze, die im Multifunktionswagen über eine Fahrradrampe erreichbar sind, und ein eigener Platz für Ski und Snowboards sorgen für mehr Reisekomfort bei Sportbegeisterten. Dank Schlaufen zum Fixieren entfällt das mühsame Hochheben des Fahrrads – vor allem für E-Bikes eine wichtige Verbesserung. Die im ganzen Zug verteilten großzügigen Gepäckracks haben zudem eine neue Gepäcksicherung mit Versperrmöglichkeiten via NFC oder PIN-Code.
Neu entwickelte mobilfunkdurchlässige Fensterscheiben verbessern die Netzfunktion und bringen damit stabileren Handy-Empfang auf den Strecken. Eine spezielle Ambientebeleuchtung mit tageszeitangepasster Lichtsteuerung sorgt für eine angenehme Fahrt, während das moderne Fahrgastinformationssystem mit aktuellen Reiseinformationen up-to-date hält. Wer sich die Zeit bis zur Ankunft online vertreiben möchte, kann mit gratis WLAN im ÖBB Railnet surfen, streamen und das digitale Zeitungs- und Zeitschriftenangebot kostenlos nutzen. Eine Klimaautomatik im Fahrgastraum sorgt für angenehme Temperaturen, während eine verbesserte Laufruhe des Zugs selbst bei der Maximalgeschwindigkeit von 230 km/h für ein entspanntes Fahrerlebnis sorgt.
Stopps im Bundesland Salzburg
Alle railjets halten im Salzburg Hauptbahnhof. Auf der Strecke Salzburg - Wien fahren stündlich zwei railjets. Einer halt weniger Halts und ist in 02:25 Stunden am Wiener Hauptbahnhof, der zweite benötigt 02:54 Stunden und hält öfters, beginnend mit einem ersten Halt im Bahnhof Neumarkt am Wallersee.
Seit 10. Dezember 2017 jeweils stündlich ein railjet vom Salzburg Hauptbahnhof kommend und ein railjet aus Richtung Wien kommend im Bahnhof Neumarkt am Wallersee. Von Bahnhof Neumarkt am Wallersee fuhr zunächst abwechselnd ein railjet nur bis Wien Hauptbahnhof oder bis Wien Flughafen Schwechat ohne Umsteigen. Während der Coronapandemie kam es jedoch vorübergehend zu einem Intervallwechsel. Abwechselnd mit einem Zug der WESTbahn blieben seit Juli 2020 die railjets dann nur mehr alle zwei Stunden in Neumarkt stehen. Mit Ende der Coronapandemie verkehrten dann wieder ein railjet stündlich. Die WESTbahn blieb nicht mehr stehen. Aktuell (2024) fährt jeder railjet von Neumarkt am Wallersee nach Wien Flughafen Schwechat.
Nach Süden verkehren railjets auf der Salzburg-Tiroler-Bahn bis Bahnhof Schwarzach-St. Veit und von dort auf der Tauernbahn nach Klagenfurt in Kärnten.
Erklärung von Verspätungen
Anlassfall war am 24. Juli 2024 eine 45minütige Verspätung eines railjets von Salzburg Hauptbahnhof nach Wien (planmäßige Abfahrt 09:11 Uhr) mit planmäßiger Abfahrt um 09:29 Uhr in Neumarkt am Wallersee. Zehn Minuten vor der planmäßigen Abfahrt gab es eine Lautsprecherdurchsage am Bahnhof Neumarkt, dass der railjet RJ549 nach Wien voraussichtlich zehn bis 20 Minuten verspätet sein wird. Fünf Minuten später – 09:24 Uhr – eine weitere Durchsage, dass der Zug voraussichtlich 40 bis 50 Minuten verspätet sein wird. Tatsächlich Abfahrt dann von Neumarkt um 10:14 Uhr.
Wie kam es zu dieser Verspätung? Der nächste Regelzug hatte bereits um 10:29 Uhr in Neumarkt Abfahrt. Peter Krackowizer hatte bei Mag. Robert Mosser, Pressesprecher ÖBB Salzburg nachgefragt.[2]
Die Garnitur des RJ549 kommt planmäßig 22 Minuten vor der Abfahrt nach Wien um 08:49 Uhr am Salzburg Hauptbahnhof als RJ540 aus Wien an. Das ist in der Regel ausreichend für eine sogenannte Wende und die planmäßige Abfahrt nach Wien um 09:11 Uhr. Diese getakteten Umläufe ermöglichen den effizienten Einsatz der Zuggarnituren. Am 24. Juli 2024 war beim RJ540 im Bereich von Bahnhof Hallwang-Elixhausen eine technische Störung aufgetreten. Der Triebfahrzeugführer konnte diese beheben und erreichte den Salzburger Hauptbahnhof mit einer Verspätung von 31 Minuten um 09:20 Uhr. Mit einer möglichen, schnellen Wendezeit hätte die Garnitur dann als RJ549 mit ca. 15–20 Minuten Verspätung Salzburg wieder Richtung Wien verlassen. Leider wurde am Salzburger Hauptbahnhof festgestellt, dass die Lok wegen des vorher aufgetretenen Defekts umgespannt (ausgewechselt) werden musste. Dieser Vorgang benötigte trotz des bemühten Einsatzes der ÖBB-Mitarbeiter auch Zeit. Somit konnte die Garnitur den Salzburger Hauptbahnhof erst um 09:55 Uhr verlassen und hatte Neumarkt mit 45 Minuten Verspätung erreicht. Es ist nachvollziehbar, dass die Situation für Wartende am Bahnsteig aufgrund der sich erhöhenden Verspätung ärgerlich ist und die Durchsage "aufgrund einer Störung am Zug" nicht diese Details bieten kann. Wie Mag. Mosser weiters mitteilte, waren bisher im Juli 2024 durchschnittlich neun von zehn Railjets in Neumarkt pünktlich unterwegs.
Als umfassender Mobilitäts- und Logistikdienstleister haben die ÖBB im vergangenen Jahr (2023) insgesamt 494 Millionen Fahrgäste und mehr als 78 Millionen Tonnen Güter klimaschonend und umweltfreundlich an ihr Ziel gebracht. Auf der Westbahnstrecke im Bereich von Neumarkt am Wallersee waren täglich durchschnittlich 300 Personen- und Güterzüge unterwegs. Durch den seit Jahren sehr erfreulichen – teils auch durch steigendes Umweltbewusstsein und die Einführung des Klimatickets zu erklärenden – starken Anstieg der Fahrgäste und die damit erhöhte Zahl an Verbindungen wird die Infrastruktur immer stärker ausgelastet. Je stärker aber eine Infrastruktur ausgelastet wird, desto höher sind die Auswirkungen kleiner Störungen auf die Pünktlichkeit.
Lokführer vergisst zu halten
"ÖBB-railjet-Lokführer vergisst in Neumarkt am Wallersee zu halten!" Das geschah am 18. April 2024.
20:30 Uhr ... die Lautsprecheransage kündigt den Halt des railjets von Wien kommend im Bahnhof Neumarkt am Wallersee an.
20:31 Uhr ... mit voller Geschwindigkeit rauscht der railjet durch den Bahnhof weiter nach Salzburg.
Es folgten Telefonate von Wartenden mit ihren im Zug reisenden Angehörigen. Ja, auch im Zug wurde der Halt angesagt. Aber der Lokführer war wohl darauf eingestellt, dass dieser Zug in Neumarkt am Wallersee NICHT hält. Pech für die Passagiere, die in Neumarkt a. W. aussteigen wollten. Sie mussten zum Hauptbahnhof Salzburg fahren, wo sie um 20:48 Uhr ankamen und noch die Verbindung nach Neumarkt zurück um 20:55 Uhr (Ankunft 21:18 Uhr) erreichten. Allerdings waren auch einige Reisende unter den Passagieren, die in Neumarkt um 20:38 Uhr einen Anschluss nach Braunau am Inn gehabt hätten. Sie kamen dann mit einer Stunde Verspätung dort an.
19. April 2024, Stellungnahme der ÖBB Presseabteilung Salzburg[3] auf Anfrage von Peter Krackowizer, der den Vorfall persönlich erlebt hatte:
Der RJ744 ist am 18.04. in Neumarkt am Wallersee bedauerlicherweise ohne Halt durchgefahren, da der Triebfahrzeugführer den Halt im Buchfahrplan zu spät beachtet hat. Der nächste Streckenabschnitt Richtung Salzburg war zu diesem Zeitpunkt bereits frei – somit zeigte auch das Lichtsignal auf der Strecke grün und damit freie Fahrt an. Durch den entfallenen Halt ist es zu keinem Zeitpunkt zu einer sicherheitsrelevanten Situation gekommen. Wir möchten uns bei den betroffenen Fahrgästen aufrichtig entschuldigen.
Ein paar Minuten vor der Durchfahrt des railjets mit voller Geschwindigkeit hatte ein langsam fahrender Güterzug den Bahnhof Neumarkt passiert. Hätte in dieser Situation eine Gefahr für den railjet bestanden? Mag. Mosser beruhigt und teilte dazu mit, dass der railjet verpflichtend mit dem sogenannten ETCS – dem "European Train Control System" – ausgestattet ist. Wäre das Signal auf "Halt" gestanden, hätte der Zug vollautomatisch eine Zwangsbremsung eingelegt und wäre noch vor diesem Signal zum Stehen gekommen. Der von beobachtete Güterzug hatte den nächsten Blockabschnitt bereits verlassen – sonst wäre dem Lokführer und damit auch dem automatischen Zugbeeinflussungssystem eben nicht "Frei" sondern "Halt" signalisiert worden. Hätte der Lokführer dann nicht rechtzeitig auf das rote Lichtsignal reagiert, hätte das Zugbeeinflussungssystem die Zwangsbremsung eingeleitet.
Bildergalerie der railjets der ersten Generation
Ein ÖBB railjet am Westufer des Wallersees.
Railjet-Halt am alten Bahnhof am Wallersee 2019.
Die Taurus Lok eines ÖBB railjet.
Weblinks
- Video zur Premierenfahrt in Salzburg
- SALZBURG24 vom 11. Dezember 2017 "Fahrplanwechsel: Bahn hält jetzt über 50 Mal öfter in Neumarkt"
Quellen
- "Salzburger Nachrichten"
- Österreichische Bundesbahnen
- ÖBB-Fahrplan, abgefragt am 10. Dezember 2017
- presse-oebb.at, 22. März 2024
Einzelnachweise
- ↑ lt. einer Meldung von InfoMediaWorx am 22. März 2024 im Facebook
- ↑ E-Mail am 25. Juli 2024 von Mag. Mosser an Peter Krackowizer
- ↑ Mag. Robert Mosser, Pressesprecher Salzburg Konzernkommunikation/Newsroom Media Relations, E-Mail an Admin. Peter am 19. April 2024