Franz Ferdinand von Österreich-Este: Unterschied zwischen den Versionen

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Version vom 15. September 2013, 17:33 Uhr

Franz Ferdinand von Österreich-Este (* 18. Dezember 1863 in Graz, † 28. Juni 1914 in Sarajevo, Serbien) war der österreichische Thronfolger, dessen Ermordung den Ersten Weltkrieg auslöste.

Leben

Er wurde als ältester Sohn von Erzherzog Karl Ludwig (* 1833, † 1896) und dessen zweiter Frau Maria Annunziata von Neapel-Sizilien (* 1843, † 1871) in Graz geboren. Sein Onkel war Kaiser Franz Joseph I. (* 1830, † 1916). 1878 begann seine militärische Ausbildung, die er bei den oberösterreichischen Dragonern, der böhmischen Infanterie und den ungarischen Husaren erhielt.

Nach dem Freitod des Kronprinzen Rudolf 1889 wurde er zum Thronfolger. 1900 heiratete er Gräfin Sophie Chotek, die ab 1909 den Titel Fürstin von Hohenburg führte. Da die Verbindung nicht standesgemäß war, musste Franz Ferdinand auf den Thronanspruch seiner Nachkommen verzichten. Der Ehe entstammten vier Kinder (1 Tochter und 3 Söhne (1 Sohn starb bei der Geburt). Die Familie hatte ihren Wohnsitz in Schloss Belvedere in Wien.

Ab 1906 begann sich Franz Ferdinand mit der Politik zu beschäftigen. Er entwarf Pläne für die Umgestaltung Österreich-Ungarns nach seiner Regierungsübernahme. Dabei plädierte er für den Umbau der Monarchie nach nationalen Gesichtspunkten unter Wahrung einer möglichst starken Zentralgewalt. Außenpolitisch trat er für ein enges Bündnis mit Deutschland und Russland sowie eine friedliche Balkanpolitik ein.

Am 28. Juni 1914 fanden in Sarajevo Manöver statt, die Franz Ferdinand besuchen wollte. Obwohl Befürchtungen bestanden, dass es zu Unruhen kommen könnte, reiste der Thronfolger mit seiner Frau nach Bosnien. Das "Attentat von Sarajevo" beendete das Leben des Thronfolgerpaares und war der Anlass für den Ausbruch des Ersten Weltkrieges.

Zu Lebzeiten hatte Franz Ferdinand verfügt, dass er und seine Gemahlin in der Familiengruft des Schlosses Artstetten in der Nähe von Melk bestattet werden sollten. Heute befindet sich im Schloss Artstetten ein interessantes Museum über das Leben und Werk von Franz Ferdinand. Unter anderem kann man einen Nachbau des Fahrzeuges sehen, in dem der Thronfolger und seine Gattin erschossen wurden. Weiters zeigt das Museum eine wenig bekannte Liebe des Thronfolgers - die österreichische Kriegsmarine in der Adria.

Salzburg-Bezug

Der Thronfolger fuhr am 14. Juli 1899 und am 19. August 1912 mit der Gaisbergbahn. Am 19. August 1912 kam es dabei zu einem peinlichen Vorfall: Durch Nichtbeachten eines telefonischen Auftrags näherte sich zwischen den Stationen Judenbergalpe und Zistelalpe ein talwärts fahrender Zug dem Hofzug, in dem sich der Thronfolger befand. Beide Züge mussten in Sichtweite anhalten und warten, bis die Lokomotive des zuvor talwärts fahrenden Zuges genügend Dampf hatte, um bis zur Ausweiche Zistelalpe zurückfahren zu können.

Von 1908 bis 1914 war das Blühnbachtal in Werfen Jagdgebiet des Thronfolgers Franz Ferdinand. Er ließ das Schloss Blühnbach mehrfach umbauen. Es seien einzelne Treibjagden überliefert, bei denen er 80 bis 100 Tiere abgeschossen habe. Die Schusslisten des Habsburgers sind angeblich vollständig erhalten. Diese Schusslisten ergeben, dass Franz Ferdinand von Österreich-Este im Laufe seines Lebens mehr als 274 500 Stück Wild erlegt hatte (sowohl auf dem Boden der Monarchie als auch während seiner [Welt]Reisen).

Aberglaube

Der Abschuss einer weißen Gams kündet Unglück an. Trotz eindringlicher Warnungen seiner Jäger erlegte Franz Ferdinand von Österreich-Este am 13. August 1913 im Blühnbachtal eine weiße Gams. Im Jahr darauf wurde er Opfer des Attentats von Sarajevo und der Erste Weltkrieg brach aus.-------

Der leidenschaftliche Jäger ließ 1907 vom Militär eine Straße vom Bluntautal in Golling auf die Jochalmen (unterhalb Torrener Joch) bauen, um besser in sein Jagdgebiet und zur Jagdhütte zu kommen. Der Einsatz des Militärs wurde mit strategischer Wichtigkeit argumentiert und hatte ob der nicht haltbaren Begründung politische Nachwirkungen. Vom "Stoanernen Bankerl" aus schoss Erzherzog Franz Ferdinand an einem Tag oft um die 100 Stück Wild.

Als Anfang des 20. Jahrhunderts durch die aufkommende Motorisierung der Verkehr in Salzburg "zunahm", wurden zur Verbreiterung der Stadteinfahrt zahlreiche Stadttore, wie 1894 das Linzertor, abgerissen. Straßentunnels wie durch den Mönchs- und Kapuzinerberg wurden geplant. Man wollte beispielsweise vom Krauthügel zum Kapitelplatz einen Tunnel graben. Dafür hätte eine des Petersfriedhofes zerstört werden müssen. Diese Aktion konnte jedoch durch Intervention von Erzherzog Franz Ferdinand verhindert werden.

1912 konnte der Erzherzog den Abriss des Kaiser-Jubiläum-Schutzhauses unterhalb der Mandlwände aufgrund einer Intervention von Franz Eduard Matras gerade noch verhindern.

Literatur

Aichelburg, Wladimir , Erzherzog Franz Ferdinand von Österreich-Este und Artstetten, Wien, 2000

Bestenreiner, Erika, Franz Ferdinand und Sophie, München, 2004

Beutler, Gigi, Die Kaisergruft, Wien, 2001

Eisenmenger, Victor, Erzherzog Franz Ferdinand, Wien u. a, 1930

Franzel, Emil , Franz Ferdinand d’Este, Leitbild einer konservativen Revolution, Wien, 1964.

Gies McGuigan, Dorothy, Familie Habsburg 1273 - 1918 - Glanz und Elend eines Herrscherhauses, 10. Auflage, Wien u. a., 2006

Hamann, Brigitte, Die Habsburger, Ein biographisches Lexikon, Wien, 1988

Hoffmann Robert, Erzherzog Franz Ferdinand und der Fortschritt, Wien, 1994

Holler, Gert, Franz Ferdinand von Österreich-Este, Wien, 1982

Kann, Robert A., Erzherzog Franz Ferdinand Studien, Wien, 1976

Meysels, Lucian , Die verhinderte Dynastie, Wien, 2000

Reifenscheid, Richard, Die Habsburger in Lebensbildern, 2. Auflage, München, 2007

Praschl-Bichler, Gabriele, Das Familienalbum von Kaiser Franz Joseph und Elisabeth, Wien, 1995

Praschl-Bichler, Gabriele, Die Habsburger in Graz, Graz, 1998

Praschl-Bichler, Gabriele, Die Habsburger in Salzburg, Graz, 1999

Weissteiner, Friedrich, Franz Ferdinand, Wien, 2007

Quellen