Bezirksgerichtsgebäude Neumarkt am Wallersee: Unterschied zwischen den Versionen

Aus SALZBURGWIKI
Zur Navigation springen Zur Suche springen
aktualisiert (Bilder folgen)
+ Bilder
 
Zeile 7: Zeile 7:


In der [[Österreichische Kunsttopographie|Österreichischen Kunsttopographie]] von [[Hans Tietze]] steht:
In der [[Österreichische Kunsttopographie|Österreichischen Kunsttopographie]] von [[Hans Tietze]] steht:
[[Datei:2026_10_23_Übergabe_Bezirksgericht_an_Neumarkt_04.jpg|thumb|Das Gebäude von der Gartenseite im Oktober 2026.]]


<blockquote>''K k. Bezirksgerichtsgebäude (ehemals hf. Pfleggericht). Nr. 1. Schon zu der Zeit, als noch der Pfleger auf Altentann saß, wohnte zu Neumarkt der Pfleg- oder Gerichtsschreiber. Der Brand von Altentann machte eine Vergrößerung oder einen Neubau des "Amtshauses" nötig; 1699 wurde die Winklersche Behausung erkauft und adaptiert (Landesregierungsarchiv, Alte Bauakten, P 11., 11). Am [[21. Jänner]] [[1728]] schlug der Pfleger gelegentlich Herunterputzung des Gebäudes und Anmalung des Wappens des neuen Fürsterzbischofs einen Aufbau vor, "obzwar vor meine geringste Person mit auskömmlichen Wohnzimmern versehen, jedoch aber sich schon öffters begeben, dass bey dieser österr. Haubtstrassen kaiserl., herzogl., fürstl ., Cardinalen und andere hohe Standespersonen allhie durchpassiert, auch über Mittag oder Nacht alhie verblieben und aus Ermanglung andrer Gelegenheit in dem gar schlecht accomodirlichen Postgasthaus alhie sich patientieren müssen, welches auch weiland!. hf. Gnaden höchstseligen Angedenkens selbsten und dero hohe Anverwandtschaft zum öfteren widerfahren, zumalen nun allhiesige nur eingädig gebaute hf. Behausung auf allen Seiten völlig freisteht und die Hauptmauer stark genueg ist. Auch Kaufmann [[Poschinger]] solle im nächsten Jahr sein Haus niederreissen und ganz neu aufbauen" (Landesregierungsarchiv, Hofk. Alt- und Lichtentann 1728 B).  
<blockquote>''K k. Bezirksgerichtsgebäude (ehemals hf. Pfleggericht). Nr. 1. Schon zu der Zeit, als noch der Pfleger auf Altentann saß, wohnte zu Neumarkt der Pfleg- oder Gerichtsschreiber. Der Brand von Altentann machte eine Vergrößerung oder einen Neubau des "Amtshauses" nötig; 1699 wurde die Winklersche Behausung erkauft und adaptiert (Landesregierungsarchiv, Alte Bauakten, P 11., 11). Am [[21. Jänner]] [[1728]] schlug der Pfleger gelegentlich Herunterputzung des Gebäudes und Anmalung des Wappens des neuen Fürsterzbischofs einen Aufbau vor, "obzwar vor meine geringste Person mit auskömmlichen Wohnzimmern versehen, jedoch aber sich schon öffters begeben, dass bey dieser österr. Haubtstrassen kaiserl., herzogl., fürstl ., Cardinalen und andere hohe Standespersonen allhie durchpassiert, auch über Mittag oder Nacht alhie verblieben und aus Ermanglung andrer Gelegenheit in dem gar schlecht accomodirlichen Postgasthaus alhie sich patientieren müssen, welches auch weiland!. hf. Gnaden höchstseligen Angedenkens selbsten und dero hohe Anverwandtschaft zum öfteren widerfahren, zumalen nun allhiesige nur eingädig gebaute hf. Behausung auf allen Seiten völlig freisteht und die Hauptmauer stark genueg ist. Auch Kaufmann [[Poschinger]] solle im nächsten Jahr sein Haus niederreissen und ganz neu aufbauen" (Landesregierungsarchiv, Hofk. Alt- und Lichtentann 1728 B).  
Zeile 14: Zeile 16:
''Nach [[Lorenz Hübner|HÜBNER]] (1, 181) wurde das Pfleghaus [[1782]] "beynahe ganz neu hergestellt. Die Akten erwähnen bei dieser Gelegenheit auch die [[Nepomuk-Kapelle (Neumarkt am Wallersee)|St.-Johann-Nepomuk-Kapelle]]. Am [[22. August]] frägt Pfleger bei der Hofkammer um die Deckung der Renovationskosten an: "An der Pfleggartenmauer gegen der Strasse befindet sich eine kleine gemauerte Kapelle mit dem Bildnis des hl. Johann von Nepomuk, wo man bei Prozessionen die Evangelien zu l esen, auch Segen und Gebetter zu halten pflegt... Obschon in den Akten nicht anzutreffen ist, wer diese Kapelle erbaut und bisher unterhalten habe, so läßt sich doch aus der Lage der Kapelle, die mehr in dem Pfleggarten als auf der Strasse steht, nicht undeutlich schließen, dass die Reparationskösten aus der hiesigen Amiskassa zu bestreiten sind" (Hofkammer Alt- und Lichtentann 1781 B).''</blockquote>
''Nach [[Lorenz Hübner|HÜBNER]] (1, 181) wurde das Pfleghaus [[1782]] "beynahe ganz neu hergestellt. Die Akten erwähnen bei dieser Gelegenheit auch die [[Nepomuk-Kapelle (Neumarkt am Wallersee)|St.-Johann-Nepomuk-Kapelle]]. Am [[22. August]] frägt Pfleger bei der Hofkammer um die Deckung der Renovationskosten an: "An der Pfleggartenmauer gegen der Strasse befindet sich eine kleine gemauerte Kapelle mit dem Bildnis des hl. Johann von Nepomuk, wo man bei Prozessionen die Evangelien zu l esen, auch Segen und Gebetter zu halten pflegt... Obschon in den Akten nicht anzutreffen ist, wer diese Kapelle erbaut und bisher unterhalten habe, so läßt sich doch aus der Lage der Kapelle, die mehr in dem Pfleggarten als auf der Strasse steht, nicht undeutlich schließen, dass die Reparationskösten aus der hiesigen Amiskassa zu bestreiten sind" (Hofkammer Alt- und Lichtentann 1781 B).''</blockquote>


[[Datei:Bezirksgerichtsgebäude Pavillon Neumarkt am Wallersee.jpg|thumb|Der Pavillon im Park.]]
[[Datei:2026_10_23_Übergabe_Bezirksgericht_an_Neumarkt_08.jpg|thumb|Der Pavillon im Park. Oktober 2026.]]


Bereits als der [[Pfleger]] noch im [[Pfleggericht Alt- und Lichtenthann]] residierte wohnte der [[Pfleggericht|Pfleg]]- und Gerichtsschreiber in Neumarkt. Nach dem Brand von [[Burgruine Altentann|Altentann]] am [[6. April]] [[1680]] wurde die Gerichtsbarkeit von Alten- und Lichtentann nach Neumarkt verlegt. Hier wollte man ein neues Amtsgebäude neben der bestehende Gerichtsschreiberei, der [[Fronfeste Neumarkt am Wallersee|Fronfeste]], errichten.  
Bereits als der [[Pfleger]] noch im [[Pfleggericht Alt- und Lichtenthann]] residierte wohnte der [[Pfleggericht|Pfleg]]- und Gerichtsschreiber in Neumarkt. Nach dem Brand von [[Burgruine Altentann|Altentann]] am [[6. April]] [[1680]] wurde die Gerichtsbarkeit von Alten- und Lichtentann nach Neumarkt verlegt. Hier wollte man ein neues Amtsgebäude neben der bestehende Gerichtsschreiberei, der [[Fronfeste Neumarkt am Wallersee|Fronfeste]], errichten.  
Zeile 45: Zeile 47:
Im April hieß es dann aber zunächst, dass die Polizeiinspektion nicht in das von der Stadtgemeinde erworbene Gerichtsgebäude übersiedeln wird. Laut Bgm. David Egger-Kranzinger lag eine abschlägige Mitteilung des Innenministeriums bzw. der Landespolizeidirektion vor. Polizeisprecher Hans Wolfgruber begründete die Entscheidung mit der momentanen budgetären Planung, da noch kein Bundesbudget beschlossen sei. Eine endgültige Absage sei dies jedoch nicht.<ref>[https://www.sn.at/salzburg/politik/absage-in-neumarkt-polizei-zieht-nicht-ins-alte-bezirksgericht-art-646318 sn.at], 17. April 2026</ref>
Im April hieß es dann aber zunächst, dass die Polizeiinspektion nicht in das von der Stadtgemeinde erworbene Gerichtsgebäude übersiedeln wird. Laut Bgm. David Egger-Kranzinger lag eine abschlägige Mitteilung des Innenministeriums bzw. der Landespolizeidirektion vor. Polizeisprecher Hans Wolfgruber begründete die Entscheidung mit der momentanen budgetären Planung, da noch kein Bundesbudget beschlossen sei. Eine endgültige Absage sei dies jedoch nicht.<ref>[https://www.sn.at/salzburg/politik/absage-in-neumarkt-polizei-zieht-nicht-ins-alte-bezirksgericht-art-646318 sn.at], 17. April 2026</ref>


Im Rahmen einer Pressekonferenz erfolgte dann am [[23. Oktober]] 2026 die formelle Übergabe des Gebäudes des ehemaligen Bezirksgerichts in Neumarkt von der Bundesimmobiliengesellschaft an die Stadtgemeinde Neumarkt durch [[Landeshauptfrau]] [[Karoline Edtstadler]]. Sie konnte berichten, dass nun doch auch die Bezirksinspektion der Polizei in das ehemalige Bezirksgerichtsgebäude übersiedeln wird. Das war der Erfolg von Verhandlungen in den letzten Monaten.
[[Datei:2026_10_23_Übergabe_Bezirksgericht_an_Neumarkt_59.jpg|thumb|Anlässlich der Schlüsselübergabe von links:  Dipl.-Ing (FH) Philipp Ensmann, Dipl.-Ing. Manuel Timelthaler (beide Architekturbüro Thalmeier), Wolfgang Zeissmann (Gemeindevertreter), [[Bürgermeister der Stadt Neumarkt am Wallersee|Bürgermeister]] [[David Egger-Kranzinger]], [[Landeshauptfrau]] [[Karoline Edtstadler]], Dipl.-Ing. (FH) [[Thomas Maierhofer]]. Geschäftsführer der [[Salzburg Wohnbau GmbH]] und Vize-BM [[Jan Hansel-Schierl]].]]
 
Im Rahmen einer Pressekonferenz erfolgte dann am [[23. Oktober]] 2026 die formelle Übergabe des Gebäudes des ehemaligen Bezirksgerichts in Neumarkt von der Bundesimmobiliengesellschaft an die Stadtgemeinde Neumarkt durch [[Landeshauptfrau]] [[Karoline Edtstadler]]. Sie konnte berichten, dass nun doch auch die Bezirksinspektion der Polizei in das ehemalige Bezirksgerichtsgebäude übersiedeln wird. Das war der Erfolg von Verhandlungen in den letzten Monaten.


Landeshauptfrau Karoline Edtstadler:   
Landeshauptfrau Karoline Edtstadler:   
Zeile 62: Zeile 66:
* Die Planung soll Ende 2026 abgeschlossen sein; im Laufe des Jahres [[2027]] soll der Umbau ausgeschrieben werden. Man rechnet mit Baubeginn im Herbst 2027 und einer Bauzeit von einem bis eineinhalb Jahren.
* Die Planung soll Ende 2026 abgeschlossen sein; im Laufe des Jahres [[2027]] soll der Umbau ausgeschrieben werden. Man rechnet mit Baubeginn im Herbst 2027 und einer Bauzeit von einem bis eineinhalb Jahren.


== Bilder ==
== Bilder aus dem Inneren des Gebäudes ==
<gallery mode="nolines" mode="packed-hover" heights="200">
2026_10_23_Übergabe_Bezirksgericht_an_Neumarkt_32.jpg
2026_10_23_Übergabe_Bezirksgericht_an_Neumarkt_33.jpg
2026_10_23_Übergabe_Bezirksgericht_an_Neumarkt_35.jpg
2026_10_23_Übergabe_Bezirksgericht_an_Neumarkt_38.jpg
2026_10_23_Übergabe_Bezirksgericht_an_Neumarkt_46.jpg
2026_10_23_Übergabe_Bezirksgericht_an_Neumarkt_47.jpg
</gallery>
 
=== Weitere Bilder ===
{{Bildkat}}
{{Bildkat}}
== Weblink ==
== Weblink ==

Aktuelle Version vom 23. Oktober 2026, 17:24 Uhr

nach neuer Fassadengestaltung 2015
Karte

Das Bezirksgerichtgebäude zählt zu den denkmalgeschützten Objekten in der Flachgauer Stadt Neumarkt am Wallersee.

Geschichte

Das an der Hauptstraße im Stadtzentrum stehende Gebäude entstand im 16. Jahrhundert.

In der Österreichischen Kunsttopographie von Hans Tietze steht:

Das Gebäude von der Gartenseite im Oktober 2026.

K k. Bezirksgerichtsgebäude (ehemals hf. Pfleggericht). Nr. 1. Schon zu der Zeit, als noch der Pfleger auf Altentann saß, wohnte zu Neumarkt der Pfleg- oder Gerichtsschreiber. Der Brand von Altentann machte eine Vergrößerung oder einen Neubau des "Amtshauses" nötig; 1699 wurde die Winklersche Behausung erkauft und adaptiert (Landesregierungsarchiv, Alte Bauakten, P 11., 11). Am 21. Jänner 1728 schlug der Pfleger gelegentlich Herunterputzung des Gebäudes und Anmalung des Wappens des neuen Fürsterzbischofs einen Aufbau vor, "obzwar vor meine geringste Person mit auskömmlichen Wohnzimmern versehen, jedoch aber sich schon öffters begeben, dass bey dieser österr. Haubtstrassen kaiserl., herzogl., fürstl ., Cardinalen und andere hohe Standespersonen allhie durchpassiert, auch über Mittag oder Nacht alhie verblieben und aus Ermanglung andrer Gelegenheit in dem gar schlecht accomodirlichen Postgasthaus alhie sich patientieren müssen, welches auch weiland!. hf. Gnaden höchstseligen Angedenkens selbsten und dero hohe Anverwandtschaft zum öfteren widerfahren, zumalen nun allhiesige nur eingädig gebaute hf. Behausung auf allen Seiten völlig freisteht und die Hauptmauer stark genueg ist. Auch Kaufmann Poschinger solle im nächsten Jahr sein Haus niederreissen und ganz neu aufbauen" (Landesregierungsarchiv, Hofk. Alt- und Lichtentann 1728 B).

Ob es zustande kam, entzieht sich unserer Kenntnis, in dem genannten Jahre wohl sicher nicht.

Nach HÜBNER (1, 181) wurde das Pfleghaus 1782 "beynahe ganz neu hergestellt. Die Akten erwähnen bei dieser Gelegenheit auch die St.-Johann-Nepomuk-Kapelle. Am 22. August frägt Pfleger bei der Hofkammer um die Deckung der Renovationskosten an: "An der Pfleggartenmauer gegen der Strasse befindet sich eine kleine gemauerte Kapelle mit dem Bildnis des hl. Johann von Nepomuk, wo man bei Prozessionen die Evangelien zu l esen, auch Segen und Gebetter zu halten pflegt... Obschon in den Akten nicht anzutreffen ist, wer diese Kapelle erbaut und bisher unterhalten habe, so läßt sich doch aus der Lage der Kapelle, die mehr in dem Pfleggarten als auf der Strasse steht, nicht undeutlich schließen, dass die Reparationskösten aus der hiesigen Amiskassa zu bestreiten sind" (Hofkammer Alt- und Lichtentann 1781 B).

Der Pavillon im Park. Oktober 2026.

Bereits als der Pfleger noch im Pfleggericht Alt- und Lichtenthann residierte wohnte der Pfleg- und Gerichtsschreiber in Neumarkt. Nach dem Brand von Altentann am 6. April 1680 wurde die Gerichtsbarkeit von Alten- und Lichtentann nach Neumarkt verlegt. Hier wollte man ein neues Amtsgebäude neben der bestehende Gerichtsschreiberei, der Fronfeste, errichten.

Man konnte das gegenüberliegende Bürgerhaus käuflich erwerben und so wurde die "Winkler'sche Behausung" 1699 für das Gericht adaptiert. Dieses Gebäude wurde auch als Absteigequartier für hohe Persönlichkeiten genutzt. So übernachtete am 14. April 1574 Herzog Alphons I. von Ferrara (Oberitalien) aufgrund eines Empfehlungsschreiben von Kaiser Maximilian II. für eine "saubere Herberig und Pettgewandt". Im Winter 1717–1718 weilte der englische Thronpräsident Jacob III. Stuart auf seiner Reise nach Neapel im Haus.

Bezirksgerichtsgebäude im Mai 2014 nach einem Regen.

1816 ging das Haus aus dem Besitz der erzbischöflichen Hofkammer in das Eigentum des k.k. Kammerareals über. 1920 kam es in den Besitz der Republik Österreich. Zum Gebäude gehören ein Park mit Parkplatz, in dem ein achteckiger Gartenpavillon steht sowie die Nepomuk-Kapelle an der Gerichtsmauer. Früher befand sich auch das staatliche Eichamt, eine Außenstelle des Finanzamtes, auf diesem Areal, das 1963 zu einer Pkw-Garage umgebaut wurde.

Bezirksgerichtsgebäude mit historischer Bausubstanz wurde mehrmals verändert. Die letzte Generalsanierung wurde 1988 abgeschlossen, 2015 kam es zu einer neuen Fassadengestaltung.

Nutzung nach Schließung 2022

Seit 2023, als das neue zentrale Bezirksgericht (anstelle der Bezirksgerichte Thalgau, Oberndorf und Neumarkt) in Seekirchen am Wallersee in Betrieb ging, stand das Gebäude zum Verkauf. Die Stadtgemeinde Neumarkt am Wallersee plante den Erwerb des Gebäudes. Zur Nutzung sagte damals Bürgermeister DI Adi Rieger, die erste Option ist, das Stadtamt und die öffentliche Bücherei ins Gerichtsgebäude zu verlegen, einen Anbau sowie eine Tiefgarage auf der rückwärtigen, tiefer gelegenen Seite am Statzenbach zu errichten. Auch die Polizeiinspektion hat Bedarf an neuen Räumen, zumal die am jetzigen Standort befindliche und zur Wallersee‑Zentrale aufgewertete Raiffeisenbank künftig wohl ebenfalls mehr Platz benötigen wird. Aber das Projekt hatte damals nicht Priorität, auch wegen der finanziellen Auswirkungen bedingt durch die Corona Pandemie. Vorhaben wie Kindergarten, Vereinshaus und Sportzentrum hätten Vorrang, so der Bürgermeister.[1]

Im Sommer 2024 lag ein Angebot der Bundesimmobiliengesellschaft (BIG) für den Kauf vor: 1,6 Millionen Euro für die Immobilie. Davon würde das Land Salzburg etwa 60 Prozent übernehmen. Neumarkt müsste etwa 900.000 Euro für den Ankauf zahlen. SPÖ-Landesvorsitzender und Bürgermeister von Neumarkt, David Egger-Kranzinger (SPÖ), sah aber Probleme, dieses Angebot anzunehmen. Denn mit den Nebenkosten und den Adaptierungen für Polizei und Bibliothek rechnete der Stadtchef mit zwei Millionen Euro. Und diese Summe konnte die Stadt derzeit nicht aufbringen.[2][3]

Garten und Parkplatz neben dem Bezirksgerichtsgebäude sowie die Rückseite der Nepomuk-Kapelle.

2025: Die Stadtgemeinde Neumarkt kauft das Objekt

Am 12. Dezember 2025 wurde bekannt, dass die Stadtgemeinde Neumarkt am Wallersee das Gebäude kaufen wird. Mit dieser Entscheidung konnte der Kauf nach eineinhalb Jahren Verhandlungen mit BIG, dem Land Salzburg und der Stadtgemeinde Neumarkt über die Bühne gehen. Den Kaufpreis von 1,6 Millionen Euro übernähmen zu etwa 55 Prozent das Land Salzburg und zu 45 Prozent die Stadtgemeinde Neumarkt.

Das Gebäude wird an eine noch zu bestimmende Wohnbaugesellschaft übergeben, die eine Ablöse zahlt und es saniert. Dann sollen Polizei und Bücherei einziehen. Außerdem wird die Wohnbaugesellschaft ein zusätzliches Gebäude mit elf bis 13 geförderten Wohnungen errichten und dafür einen Baurechtzins an die Stadtgemeinde zahlen. Durch die Ablöse und den Baurechtszins finanziere die Stadtgemeinde den Kauf, sagt Egger.

Die Wohnungen sollen im hinteren Teil des großen Geländes gebaut werden. Von den insgesamt 2 370 Quadratmeter großen Grundstück nimmt das ehemalige Bezirksgerichtsgebäude nur etwa 400 Quadratmeter ein. Der restliche Teil des Gartens zwischen Alt- und Neubau werden öffentlich zugänglich sein, so Egger.[4]

2026

Am 30. Jänner 2026 unterschrieb Bürgermeister David Egger-Kranzinger den Kaufvertrag. Die Stadtgemeinde sichert gemeinsam mit dem Land Salzburg die Immobilie für rund 1,6 Millionen Euro. Eine Weitergabe im Baurecht ermöglicht der Stadtgemeinde den finanziellen Spielraum. Dies kommunizierte Egger-Kranzinger in seinem Posting in Facebook.[5]

Im April hieß es dann aber zunächst, dass die Polizeiinspektion nicht in das von der Stadtgemeinde erworbene Gerichtsgebäude übersiedeln wird. Laut Bgm. David Egger-Kranzinger lag eine abschlägige Mitteilung des Innenministeriums bzw. der Landespolizeidirektion vor. Polizeisprecher Hans Wolfgruber begründete die Entscheidung mit der momentanen budgetären Planung, da noch kein Bundesbudget beschlossen sei. Eine endgültige Absage sei dies jedoch nicht.[6]

Anlässlich der Schlüsselübergabe von links: Dipl.-Ing (FH) Philipp Ensmann, Dipl.-Ing. Manuel Timelthaler (beide Architekturbüro Thalmeier), Wolfgang Zeissmann (Gemeindevertreter), Bürgermeister David Egger-Kranzinger, Landeshauptfrau Karoline Edtstadler, Dipl.-Ing. (FH) Thomas Maierhofer. Geschäftsführer der Salzburg Wohnbau GmbH und Vize-BM Jan Hansel-Schierl.

Im Rahmen einer Pressekonferenz erfolgte dann am 23. Oktober 2026 die formelle Übergabe des Gebäudes des ehemaligen Bezirksgerichts in Neumarkt von der Bundesimmobiliengesellschaft an die Stadtgemeinde Neumarkt durch Landeshauptfrau Karoline Edtstadler. Sie konnte berichten, dass nun doch auch die Bezirksinspektion der Polizei in das ehemalige Bezirksgerichtsgebäude übersiedeln wird. Das war der Erfolg von Verhandlungen in den letzten Monaten.

Landeshauptfrau Karoline Edtstadler:

Es ist für mich heute ein Tag der Freude, wenn aus einem leerstehenden Gebäude tatsächlich Heimat wird, ein Ort der Sicherheit und der Begegnung. Mit dem Ankauf des ehemaligen Bezirksgerichts schafft Neumarkt eine wichtige Grundlage für die Weiterentwicklung des Ortskerns. Dieser ist das Herzstück von Gemeinden und das Land Salzburg unterstützt die sinnvolle Nutzung und Weiterentwicklung des Gebäudes samt Areal.

Bürgermeister David Egger-Kranzinger:

Es ist ein maßgeblicher Schritt zur Ortskernbelebung und Absicherung der Polizei in Neumarkt. Neben einer zusätzlich begrünten öffentlichen Freifläche entsteht im hinteren Teil des Grundstücks ein geförderter Mietwohnbau – damit geht man nicht nur einen Schritt in Richtung konsumfreier Räume, sondern trägt gleichzeitig zum leistbaren Wohnen ein Stück bei. Im Erdgeschoß wird das Museum einziehen, das derzeit in einem Mietobjekt ist, im Obergeschoß findet die Polizei neue Räumlichkeiten vor und ein Multifunktionssaal wird als neuer Trausaal der Stadtgemeinde dienen.

Geplant ist nun die Unterbringung des Museums Fronfeste im Erdgeschoss; im ersten Stock sollen ein Multifunktionssaal als neuer Trausaal der Stadtgemeinde dienen sowie die Bezirksinspektion der Polizei einziehen. Unter dem Gebäude wird eine Tiefgarage entstehen. Im hinteren Bereich des Grundstücks ist die Errichtung von 14 geförderten Wohnungen mit rund 38 bis 77 m² vorgesehen. Durch das Grundstück soll dann ein öffentlicher Weg von der Hauptstraße hinunter zum Parkplatz am Statzenbach führen. Die Stadtbücherei wird aber nicht hierher übersiedeln, wie Bürgermeister Egger-Kranzinger auf Rückfrage bestätigte.

Daten Kauf und Adaptierung

  • Der Kaufpreis beträgt etwa 1,63 Millionen Euro zuzüglich Nebenkosten von rund 100.000 Euro, die die Stadtgemeinde trägt. Das Land Salzburg übernimmt rund 60 Prozent der Kaufpreissumme: 980.000 Euro fließen aus dem Gemeindeausgleichsfonds.
  • Die Umbaukosten bezifferte Bürgermeister Egger-Kranzinger mit rund zwei Millionen Euro
  • Errichtung von 14 geförderten Wohnungen mit rund 38 bis 77 m² von der Salzburg Wohnbau GmbH. Laut deren Geschäftsführer Dipl.-Ing. (FH) Thomas Maierhofer betragen die Errichtungskosten rund 3,6 Millionen Euro und der Quadratmeterpreis soll sich auf 13 bis 13,5 Euro inkl. Betriebskosten belaufen (Berechnungsstand Herbst 2026).
  • Errichtung einer Tiefgarage mit Zufahrt von der Seite am Statzenbach. Der Stellplatzschlüssel beträgt 1,5 Fahrzeuge pro Wohnung.
  • Die Planung soll Ende 2026 abgeschlossen sein; im Laufe des Jahres 2027 soll der Umbau ausgeschrieben werden. Man rechnet mit Baubeginn im Herbst 2027 und einer Bauzeit von einem bis eineinhalb Jahren.

Bilder aus dem Inneren des Gebäudes

Weitere Bilder

 Bezirksgerichtsgebäude Neumarkt am Wallersee – Sammlung von weiteren Bildern, Videos und Audiodateien im SALZBURGWIKI

Weblink

Quellen

Einzelnachweise

  1. ↑ www.sn.at, 28. Juni 2021
  2. ↑ Weitere Details zur finanziellen Situation Neumarkts siehe Stadtgemeinde Neumarkt am Wallersee#Finanz- und Investitionssituation 2024
  3. ↑ www.sn.at, 23. Juli 2024: "Neumarkt muss sparen: Kauf von altem Bezirksgericht wackelt"
  4. ↑ sn.at, 12. Dezember 2025
  5. ↑ facebook.com, 30. Jänner 2026
  6. ↑ sn.at, 17. April 2026